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Schweizerisches Idiotikon ,
W örterbiicli der scliweizerdeutsclieu Spraclie.
Zweiter Band.
Schweizerisches Lliolikoii.
Wörterhucli der sclnveizerdcütsclieii Spiciche.
Gosaiiiiiu'lt auf Vt'raiistaltuii^'
(1(T
Aiitiquarisclioii (Jesellschalt in Zürich
mitcT lioiliültc
aus allen Kreisen des Schweizer Volkes.
Iloi'ausgegtilien mit llulcrslüiziiug iIcs kuk iiiid ilor Kaiitiioi'.
Zweiter Band.
Bearbeitet
von
Friedrich Staiil), Ijudwig Tobler und iludolf Schocli.
'^tr'
Prauenfeld.
Verlag von J. lliibt
PF
€;- (vgl. K-
zweiten B
tia, ge, si, go, gu.
8. muh die Gruppen (!uh, (lach, OaJ, Gan usw.
<;a(ii) (gO"; in Gl; GH.; Sch gü", PP. güj — Präs.
lud. 1. (/((. gii. f/ioi. f/fdie": gangfe'J, 3. gut CgädJ;
gi'if iget), ri'i't : PI. gond, ißnd, -t, spec. 1. gä, gäio (1),
gü, (jiii; ffd-i, giDige", gonge", ge-nge", 2. gut, gdd, göd,
gä-it, gcit, ganget, 3. gän. C o n j. gangiii, <ir'ii<ii u. (imig;
gü(i). Imp. gang; gä; Fl. ganged, (juiniid. iir-iii/ct ;
gand, gen(d), gönd; gut. Cond. giciig (i, -li), gm'ng,
giieng, gäng. Ptc. g' gange', g'ganke — mit ,seiir — :
gehen. 1. von willkürlicher, bewusster Bewegung.
a) ,GiJn: einhin trotten, wandlen.' M.iL. RA. Das ist
g'rad: we'' gät da ditre [vorbei]? reicht nicht lange,
ist wie ein Tropfen ins Meer Z. ,Er got noh mir,
steht im Eange mir nach.' Spbenh. Emphatisch: gä"
chöime", auf schwindligen Pfaden zu g. vermrK'en. frei
von Schwindel sein Uw; vgl. Gänger, .\iirli t r.. s. 11%.
Auch vom Tanze: Mer wend no''' i'ii W'iilur ijn. der
31a"" machet -i^ sein," | schon, freiüchj MiLtig GT.
(Feurer); ,-i"ii>t /./;/(" f'ircu. han. — b) mit Angabe
der Kichtuiii,'. il^^ Zirl.s und Zweckes, wobei diese
in den Vordergrund treten und gän mehr und mehr die
Uolle eines blossen Formw. erhält od. zu bildl. RAA.
dient. Döhar gut er! das Losungswort in der Zofinger
Mordnacht, s. Eochh. 1856. 2, .368 u. LTobl. im Z Tasch.
1883, 23. Über Etw. g. s. I 56, 57. .Da N. dem N.'
über die briefe gegangen ist [sie erbrochen hat], soll
er gestraft werden.' 1568, Absch. Ähnlich an Etw. g.,
sich daran vergreifen, daran naschen s. I '_'.">■_' u.; .iber
((" d' Sträss, a" d' Linth gu bedeutet, sii li an Ailniteii,
welche die Strasse, den Fluss betrcHon, beteiligen,
seinen Broterwerb dabei suchen Gl, und in ähnlichem
Sinne uf de" Tagme", als Tagelöhnef, i" d' Fabrik, als
Fabrikarbeiter, z' Alp, als Küher, g' Höh, als Holz-
fäller, z' Magd, z' Chnecht, als Dienstbote Gl. In der
K.\. über Nüt gä, zu Grunde g. S (Syn. drüf, dran
gitn). ist die Verbindung ü. N. aus der RA. mit ,kom-
men' (s. I 57) entlehnt und ist alle sinnliche An-
schauung preisgegeben. In Etw. g., um es zu holen,
zu gewinnen s. 1 287, aufs Zeitliche übertragen, bei
Altersangaben: i" 's 8. (JarJ oder im 8. (Jar) gä,
das 7. Jahr zurückgelegt haben. Auf die Doppel-
sinnigkeit der räumlichen und zeitlichen Beziehung
spekuliert die Vexierfrage: wohi' ist de'' Heiland
g'gange", wo-n-er [als er] lä Jar alt g'si" ist? Mit
der Jarzal gä (laufe"), im J. 1800 geboren sein Z.
.Ich gieng myns alters in dz 19. jar.' Edlib. ,Ajinus
alter ab undecimo ceperat me: ich was bei den drei-
zehen jaren alt, oder, ich gieng in das dreizehend jar.'
P'ris. ,2 jar alt sein oder in das ander jar gon.' Mal.
,Jetz in sein jugend oder sterke g. : aetatem juvenilem
eapere.' ebd. ,Die helvetische Gesellschaft gieng erst
in ihr 6. Jahr.' JGSchulth. 18U1 ; und sinnlicher Bed.
vollends bar: .in die aberwitz gön' (s. d. W.). ,In
ein gespräch gon: ire in colloquium.' Mal. ,In ein
gesellschaft mit einem g. etwas ze handien: societatem
alicujus rei coire cum aliquo.- ebd. ,Als sy jetz mit
andren Eidgnossen in die französisch vereinung syent
gangen [in das frz. Bündniss eingetreten].' 1521, Aescu.
,Die von Z weitend nit gan in dise Vereinigung; dann
sy beschwartend sich etlicher Artiklen.' HBull. 1572.
Jmdm fj» 'n Schade" g., den Schaden tragen helfen;
vgl. ,an die Hand gehen'; anders daran g. I 258 f.
CA/; jetzt breiter , auf Etw. aus' </.; s. 1117 B 2. 118 o.;
in abstrakterem Sinne: auf eine Grundlage abstellen
s. I 118, 5. Ztie Einer gä", sie besuchen als Freier,
um sie werben B. S. noch in 'n Kabis, in 's Leid;
ze Helgen, Kilt, Liecht, Lumpen, Bodem, Binder,
Schiteren, Stubete, Dorf g. unter den betr. Subst.
Wenn Ziel und Zweck durch einen Inf. ausgedrückt
sind, so dient gän gewissermassen nur zur Umschrei-
bung des Fut. (genauer Instans); vgl. frz. je cais m.
Inf. D' Chue gelt z' chalbere", wird bald kalben Gk.
Die C'onstruction mit blossem Inf. (ohne die Präp.)
ist dem Sprachbewusstsein der Volks-MA. abhanden
gekommen; s. gän. — d) mit Angabe der Neben-
umstände, Art des Ganges, Verhalten. Vu" der Hand
gä s. I 840 M. ,[Die Gemeinde N.J hat nüt sonders
[Besonderes], sonder got mit anderen grirhten.- 1 179.
Arch. AAWett. ,Es wiegelte den Eück.n -m maj. Jü-
tisch wie eine Frau, die in guter Hotinunu ;;ihi. I'imh
Ratsherrin zu werden.' Gotth. ,Mit eiueni Kinde ^■.■,
guter Hoifnung sein, gravidam esse B (in BHk. vor-
wiegend von ausserehlicher Schwangerschaft); S; Z.
Wie vil Chind hat die Frau? Antw. Si gät mit-dem
dritte". Si gat sc/(0" wider mit ev"m. I'' ti'siiiii-nii'''
na''' wol: es ist g'si", wo-n-i [als ieh| iiiil dem Buch
g'gange" bin Z. Auch mit Dat. mit Bez. auf den Vater:
si gät-mu mit-me'" Chind BLaut. .(Gross) mit dem
kind gon, ferre partum.' Fris.; Mal. ,Sy bede sind
innen worden, das es [das Mädchen] mit dem kind
gange.' Mey., Wint. Chr. Mit Apposition zum Subj.:
G'spane" gä mit . . ., sieh zu Jmdm gesellen, sich ihm
als Freund anschliessen. 's Klarinett chönnt mit der
Flaute G. go. HXfl. 1813; vgl. Meister ga unter 2 a.
S. ferner u. die Zss. mit Advv. — e) fort gehen, in
ausgesprochenem Gegs. zu .kommen'. Me" cha"" chö"
und gä", wenn-me" will. Gang -mer us der Heitert
(Hein, us-em LiechtJ! Einen Dienstboten g. /<(", ent-
lassen B. Sonst in abstracterem S. = Einen ruhijr.
unbeholli-t lassen: -ewähren lassen. Nicmcl rhoinn-'
gälii. dir Sn.'lil li;,lH-n. ,lr,|rn„ai,n /ii kvilislrrrn. Ihr
Hucxl., I.,l-,i,r'' n'.ul in,iin„r ,i„ : ,r :,,■/-»,, r,s,l, r miniu:
Gl. Da haut s chunnc" iju, vexierender Schlu.,^ \un
Märchen Z. Dernoh vhaust go, dann magst du zusehen.
wie du dir selber helfest Bs. Mit Dat. eth. : ich gu-mer
iez hei'" Gl. Wart, bis d' gast, scherzh. zu einem Ab-
schied nehmenden Besuch, indem man ihn mit der Hand
zurückhält Z. G., sterben FJ. Wa [als] er g'mcrLi
hed, das er geit [sterben müsse]; Syn. überene gn 1 260;
verreisen. Auch von Tieren : verderben Gr. Syn. «m-
stän. G., das Spiel verloren geben und darum von
der Fortfuhrung desselben abstehn; auch (scheinbar)
«a, ge, gl, go. gu
tr. CS <j. L (wo .es' vidi, alter Gen. ist); Syii. es län.
Mach, dass d' gast [so wlt de' Himmel blau ist Z, so
wit a's der Lieberherrgott Suppe choclit Bs). Die Frage-
form gast {gast Ar; GT.) im S. des Iir.per., bes. als
Sclieucheruf für Hunde und Katzen. Der Imper. Gang
(-mer) eweg (wegg)i Aa; S; Z, PI. gangit! BO. als
Formel der Abweisung für ein Anerbieten, ein Gesuch,
für eine angehörte Äusserung = davon ist keine Rede,
das machst du mir nicht weis, davon will ich Nichts ;
auch weniger schroff für blosse Verwunderung. Mit
dem Rlclitmn isch — gang -mer nmnme" tvegg [rede
mir nur Nichts ein !], 's isch hütistags noh gäng rso —
der Verstang und 's Aseche" cho". JHofst. Sonst auch
berühren sich die beiden Begriffe g. u. kommen ; s. o.
er got noh mir; über Nüt g.: ,in lüp abcrwitz g.' —
f) in Bewegung sein, als Go^-. /u -I.Imii. sitzen,
liegen. ,Wenn dero dheiner [irgrinLiinM | i,'.'vinij und
gände wäre, der soll dannen gau.- 1:J45, IJ .Spital u.
Schmieden. ,Die lamen gond, die todten stond auf.'
1-530, Matth. Bildlich: ,Da ward nun der gaul gend
[kam in Lauf] und bewurbend sich die bischöf um
vil abteien.' Vad. Sonst dienen die Begriffe .stehn'
und .gehn' einander zur Ergänzung, um alle Formen
des Verhaltens eines lebenden Wesens. Ruhe und Be-
wegung zu umfassen, besonders um sie als gleich-
wertig darzustellen. Es got im Höh [doppelsinnig,
auch = Wald] und stot im. H. und chunnt doch niene^
[nirgends] hi" (Rätsel von der hölzernen Wanduhr).
Wie-n-er gät und stät, von seiner gerade vorhandenen
Situation aus, unmittelbar, ohne besondere Vorbe-
reitung, stante pede. ,Wie-n-er steit im geit, sine omni
suppellectilis impedimento.' Id. B. Auch von Sachen:
Etw. nehmen, icie es g. u. st. ,Wenn man ihn rief,
Hess er alles Eigne gehen und stehen.' Sch Pilg. 1883.
Auf Jmdn g. u. st, unausgesetzt auf Angriff, Rache
gegen ihn sinnen (s. I 117 B 2). ,Alles syn guot.
ligents. farents, gends, ständs [usw.].' 1436. Geschpo.
Ges. Oder auch decken die beiden Anschauungen
einander; vgl. o. er got noh mir; ,in dem und dem
Altersjahre g.'; vW der Hand g. (von Zugtieren); ,in
guter Hoffnung (/.' — g) zu Fuss g.. Gegs. zu .fahren,
reiten'. Der Bür im Chot erhalt't, was rit't und göt.
Es ist besser armselig g'fare", a's hoffärtig g'gange".
Gewöhnlicher mit dem Zusätze «' Fuess oder das
Syn. fuessen. Wortspiel: rltet 's nid, so gat 's, als
spasshafter Bescheid auf die Frage nach dem Be-
finden (wie gät 's?). Doch g. auch im Wechsel mit
riten: uf Ei"m umme" g., sich hämisch, neckend mit
ihm beschäftigen Ap. — h) speziell und prägnant
vom Rinde, das zu seiner Reife gelangt ist GT. —
'2. von Sachen, a) mit Angabe des Zieles, Ausgangs-
punktes. Wo gätde'hi"? Frage über die Bedeutung
eines Seufzers Z. Es ist süttigheiss dur''' mi"'' uf
g' gange' Z. Es ist ischalt dur''''-nii''' dur''' g" gange?' G.
Die Dinte geit dür [schlägt durch] B. Häufig = sich
erstrecken bis zu einem Punkte, einer Grenze, z. B.
von einem grossen Menschen: er gat bis a' d' Tili
[Stubendecke] ufe", und umgekehrt von einem kleinen
spottend : das ist en grosse' — er gät bis an'n Boden
abe Z. De Baum gat über 's Tach ufe. ,Die Schwirren
[Pfähle], die höcher fürusen [über den Wasserspiegel
hinaus] gehen.' 1658, Arch. ÄAWett. .Einer [meint,
er] trinke wyn und er gange im zur stirnen widerumb
hinuss.' LLav. 1569 = .herauss fliesse.' 1670. .Dass
alle haar zberg gond.- ebd. 1670. ,Der bannwart soll
all tag früeg urt stan, so der tag an den himmel gat.'
Offn. ZDüb. ,[Wenn es in Kriminalsachen] an den
Hals [ans Leben] gieng.' MEsterm. 1875. Anders: es
geit an es Brilele", ein Gebrüll beginnt B. Es gat uf
de" Summer, wir gehen dem S. entgegen Z; uf die
besser Site, es geht der Besserung, der schönem Jahres-
hälfte entgegen Z. D' Wis got i' 's Heu [wird reif
zum Heuen] am Georgitag. Sulger. , Caput facere di-
cuntur folia herbs : in saamen gon und tölder [Wipfel,
Dolden] gewünnen].' Fris. ,In die hälm gon, gleich
[Gelenke] gwünnen oder spillen, wenn der saamen
auf dem feld sich anfacht in die hälm gestalten, ire in
articuluni.' Mal. Mit us: es gat vil drus, das Gespinnst
ergibt viel Abgang. S. auch über I 57. 58. In gleichem
Sinn uf: ,Es wäre seinen vorfaren uf disen handel
so vil kost"" und arbeit gangen.' Vad. Mit in und uf,
vom Masse, zunächst vom Messgeschirr, in welches
der Stoff gefüllt wird. allg. ,Es gehen nicht alle in
dises ort: hie locus non omnes capit; angustior est
locus quam pro eo numero.' Hospin. Dazu die Vexier-
frage: Wie vil l'Wi gönd in es Viertel? Hieher die
RA. in d' Halme (anders als oben), in'n Heuet, Herbst,
Most, i" d' Fasnacht g., von ausgelassenen Scherzen,
welche gleichsam in der Masse mitgerechnet, inbe-
griffen werden, mitlaufen; s. I 287 c. Daher aucli
jf. = passen. D' Schueh gange" B. 's Blau gat mir
nüd, blaue Kleidungsstücke stehen mir nicht gut Z.
's Rot gat nüd zum Leid [Trauer] Z. ,Zum Wisse
geit Alles, nullus color cum albo non congruit in
vestibus.' Id. B. Von Ersatzwert (,usum alterius rei
praestare.' Id. B) : E tütschi Mark gat für 1 Fr.
35 C. (s. aber auch unter d). Sitze" gät für stcr,
formelhafte Einladung an einen Besuch, sich zu setzen
Z. Der Tabak geit dem Soldat fi'ir d's Essen. Id. B.
,Ga für Nüt, ad aliquani rem nulluni momentuni ha-
bere.' ebd. Mit prägnanter Wendung: es gaf-drr
wäred dem Esse, du kannst es während des E. abtun Z ;
vgl. .von Statten gehn' und gän absol. = gedeihen, ge-
lingen. ,Erschlüeg ein gast [Fremder] ein«" hofmann,
da soll bar gegen bar gan.' 1484. Schw. Me" seil
si"' Sach luege" z' üfne" und kei"s Spönli unnütz lo"
z' Schande go". BWyss 1863; vgl. geschänden. Z' ver-
liere" ga, verloren gehn, von Sachen und Personen
ü; W. Der [Sohn in der Parabel] z' v. gegangu" ist,
ist widerum g'funnu wordu. Sonst auch mit Ptc, da
es dann mit Aufgebung alles realen Begriffes, nicht
verschieden von , werden' (vgl. auch kommen), zur
Darstellung des Passivs dient, für welches es sich von
Hause aus eben so wohl eignet wie die concurrieren-
den Hülfsverba: dass doch au''' nid gar Alles g'schändt
geu AARued. (AGisi). ,Verraton g.' Sch Pilger 1885.
Vergoldt g., von der untergehenden Sonne, Umdeutung
aus für Gold (s. bei Gold). Mit Adj. u. (prädikat.)
Subst. an der Stelle des Ptc: Der Bach ist grössw
g'ganga" GRPr. (Schwizerd.). Das gat fertig, kaput
[zu Grunde] Z. Fallit g., bankrott werden Z. ,Unnutz
g.' s. verfallen I (1 755). Schnider gu, beim Karton-
spiel gar keinen Stich machen Gl. Meister g., als
Sieger aus dem Kampf hervorgehen und es bleiben,
der Stärkere sein Gl; Gr (auch Her g.); GF. Es
nimmt-mi"' Wunder, wer am End M. ganq. Gl Votks-
gespr. 18.34. Auch mit Dat. der Person od. der Sache
(Anfechtung), über welche man Herr wird: Hut tcürt
dich dr Herr in mi" Hand Ufere", dass ich-dr M. gäng
und dr ds HauH abhamri GRRhw. LTiid auch das
Ga, ge, gi, go, gn
Subst. wieder mit der Priip. .Dann suiist sölliclie
Igerodeten Plätze] wider zuo stüdeii, und holz gangen
wärind.- 1533, BSigr. — b) mit Angabe von Neben-
um. ständen, zu-, ergehen. ISs gut wie Back, Biix,
(j'miiiffc", d. i. leicht; zrie (f flöge", g'hexet, e Ghugle
iis-im J\i>r, sein- schnell. Wie stat 's, wie gat's? Frage
nach il llcliiidcii. A])pa [auf die eine oder andere
Weise) ,/((7 's - ist de'- Wlbru« Troat W. Es geit,
nie mu' 's tribt W. Es gät, wie 's mag oder es gdt-
)ihr au"'' fso [wenn man sein Befinden nicht eben
riilimen will] Z; dagegen es g.-m. ad e., ich bekenne
iiiicli zu der gleichen Ansicht Z. Es geit Ei"'m grusam
liift. GoTTH. Es gat verschide", bald (hier) so, bald
(doit) anders Z. Cliöuf und Lauf gange" verschide,
es besteht kein einheitlicher Preis Bs. Ich iceiss nüd,
wie 's dir auch gat, ich meine fast, es gehe dir noch
übel Gl. ,Das wir, ob Gott will, niemer tuon wellen,
uns gange darnach, was Gott welle, dann unser pund
erlicii haben [halten].' 1444, Absch. In Ei«'m (zue) g.,
mit der gleichen Arbeit und Mühe. ,Es geit-iner in
i'im (hing = eädem operä fit." Id. B. Mit Bezug auf
das Verhältniss der Anzahl der Fäden des Zettels
resp. der Zähne im Weberkamme zu einer Masseinheit
(viell. zu dem Zoll): ,Ein zwilchtuoch. das im zechner
und darunter gat, [bezahlt als Abgabe] 4 hlr, und was
im einlitf und zwölfer gat, 5 hlr, und was in dryzechner
gat, (i lilr.- Z Wint. Stdtb. Ellipt. : 'es wird-der ga,
pffinam dabis.' Id. B. Anders: das geit mier sehen,
ich habe Freude daran BHa. Das f/at om/j.' geht hoch
her. Es gat drum [um ein Kaufsobjekt] (wie um 's
Wisslirod). — c) fort, weiter g., im Gegs. zu .kom-
men-. Clin" tuend d' Chrankete" g'schwind und gä
grusig laiigsam. Schwizerd. Es god loider, wie 's cho"
ist, als Trostformel und auch sonst. Ineichen. Von
der Zeit, dem Schnee udgl. mit Bez. auf ihre Ver-
gänglichkeit. Die Zu ist auh g'gange'! Gr (Schwizerd.).
Ob 's lang geit, binnen Kurzem B. (Hei'"J g'gange, zu
Grunde, verloren L. Von Farbe, Flecken = ver-
srliwinden: giii (i/ange'J d' Heidelbiri? Bs; dafür gew.
ils-g. — d) Fortgang haben, in Hewecung sein,
im Gegs. zu , stille stehen; bleÜMir. Ks <iitd so lang,
(i's 's mag. Ineichen. Was iiud inll ijn. das löss-me"
slo, was dich nicht brennt, das blase nicht, ebd. Mini
Bei' sind gegangw loie es aspi's Laub, haben gezittert
VV. ,Es seien nie Zwei zusammen gekommen, dass
den Leuten die Mäuler nicht von einander gegangen.-
GoTTH. Es gat (lauf tj-mer im Mul umme', ich finde
das Wort nicht. .Gehender Zug-, Netz, das vorwärts
gezogen wird. ,Im Ganggrässli-Laich soll man die
genden Zug ungehindert lassen.' 1544, Absch. ,Es
soll der stehende Zug dem gehenden weichen und
Niemand durch Fach [udgl.] einen Z. vorschlagen
[ihm den Weg versperren].' 171Ü/57, Z Fischerordn.
IJ' Auge' gönd-em, rollen ; d' Auge go lo s. I 134 e.
Es gat, rückt, kommt in Bewegung, gibt nach; Syn.
es ICit. Es gat kein'n Weg, lässt sich weder vor- noch
rückwärts bewegen. Es muess gä oder lä, biegen od.
brechen Th; Z. Bes. von Etwas, das bisher stockte,
verhalten wurde: der Hueste' gät, der Auswurf löst
sich ab GTa. Der Brüel isch-mu"' g'gange, er kann
(konnte) seine innere Bewegung nicht länger zurück-
halten, sondern musste herausplatzen vor Lachen od.
Schreien BO. ,Descendit alvus: er gat, hat sein gang.'
Pris. G. von einem Maschinenwerk, im Gange sein,
nicht stocken, z. B. von einer Uhr. Mriii Muli gat,
diui M. Ii'slat usw., Eeime zu einem Fingerspiel.
Ubertr. auf die (geschwätzige) Zunge; den (essenden)
Mund; die Dachrinne. D' Tachlräufe giind; d' T.
müge'd nüd ^mäl s' gä cho, es hat nur wenig geregnet
Z; vgl. antrlben. Vom Teig im Backtrofje: aufi;-elin,
gähron. allg. De'- Ihh,l (d' ll,hhi. ) ,\i „',/„„-/,' '/..
Der Teig ist g'nucg -/-/i«./''.- "'"" /^""" '""'"' • ".
Spreng. Von einem zu Juiiiien. iln -luvn I .i-,' |:.ii.'t
man: de'' gieng jo bis ga Slni^sliiuii idir" Z; \gl. '(/-;/•
Volksrätsel: was gut und h„i dnrli kei" Bei"'!' Auf
den in den Ofen gescli"lMii.ii Laib dagegen bezieht
sich das andre: Es gut im Ofi. sl,,l im O. und stösst
doch niene" a" Aa. und chuinil dndi imiir" hi" Z.
Vom Winde, allg. ,Wie stark der W. -anscn seie.'
1588, Arch. SchwE. Von Glocken: lal, scIm,, go B oAa.
Von tönenden Instrumenten: ,Und liess niuii die truni-
meten gon.' 1576, Z Ant. Mitt. Von Geschütz: ,\Vir
haftend zwo Faggunen, die liessend wir in iieh gan
[schössen sie gegen euch ab].' NMan. (jf. tun übh.
mit Bez. auf Etwas, mit welchem man bis dahin
zurückgehalten hatte, welches verschlossen gewesen
war. So dem Drange der natürlichen Bedürfnisse
keinen Widerstand mehr entgegen stellen Bsf; B;
ScH; Z; i" d' Hose" gä lä. .Alles go lo. Dickes und
Dünnes von sich laufen lassen, wie kleine Kinder oder
sinnlose Leute.' Sprens; jetzt laufe lo. Mit Bez. auf
Ungeduld. Sehnsucht nach einem Ziele: eilig laufen B;
G; SciiSI. ^^n.dai-iisstfllai: slr„:n,laii. Ifr ! luc/nid
doch, inr Ini ,,- ,,,.. ]),, llH.h. ,r:,\^^<■\rUrr\rl„r"^ :„n„
SchütJt rlu,". .I.ll;i IL. I>-Jl. iMiell,. :Ulldle i'iiianzeii:
sich fallit erklaren Aa ; Gl; / ; in miMereii, Sinne; ,/-'■
will's go lo, will Etw. ili;LUl y-i-lien l;is,,eii, mir eiillieh
tun.' Spreng. Unpersr.nlieli; ic: lud 's i/.» In t In iim,
alle Aussicht auf Gelingen ist abgescimitten, es ist
Nichts mehr zu hotten Ap; ScnSt.; Z. Syn. gcfill.
Es hat lo go mit-em, er ist verloren ZO. Von leblosen
Dingen: die Stüd [Pfosten] hei" lä gä, trugen ihre
Last nicht länger. MitObj.: De" FaV gä lä. es zum
Auffall kommen lassen Z; dem entsprechend: der
UffaV ist-pn g'gange Z. .A. Du darfst nüd hüten
[an der Steigeruii;^], du l.i,4 fallit. B. Es hed dir auli
seile" ga, aber du liest . li.mne" akkordiere".' Wolf.
Rel.-Gespr. ,Weniie Jcl [Schuldner | wider ze lande
kunnt, so söUent ime die gericht und fiN-n |. !> ■ !:i ij
nähme], die uf syn guot gangen sinf. 1 i ;ii ie
syn.- IStilj, Bs Rq. ,Das urteil gon la -n, jili, min
facere.' Mal. In anderem Sinne, seine Eiinvilligung
zu Etwas geben, auf Ansprüche verzichten. ,Den kauf
nüt gelten [sc. lassen] und nit lassen gan.- UMkv.
1530/74. O die 3 [ungeraden] Santime chönnt-mr" wol
la ga [aus der Rechnung weg lassen] B (Schwizerd.);
Syn. ablän. G. = seinen ungehemmten Fortgang ha-
ben, möglich sein, angehen, passen. Das gat nüd.
Mer wend luege", ob 's gärig. Vgl. bei a die Bed.
, passen'. ,Und ein solch Fertigung [Güterspedition]
gat auch stäts fort, Sommer und Winter.' RCvs. Beim
Kaiser.spiel: es (oder 's Spil) gät (mir, üs, uns), ich
bin (wir sind) dem Siege so nahe, dass der nächste
Gang den Entscheid bringen kann ; mit dieser An-
kündigung macht man einen Strich über die eigne
Rechnung Vw. Von Münzen, angenommen werden.
Geltung haben, alla:. ; vs'l. (/äng. ,6 pfund pfenningo,
die gewonlicli /e Ziui.li -;in.i.- XIV., Weist. 1 7. ,liio
münze, die iiuiii in dem Uiiid schlaf und gat und lihifig
ist.' 1 l()(t. AaKcII. .Mit W eitangabe: fi'cr roll, in ihn-ni
Ga, ge. gi, go. gu
Volhverte. allg. ,Dio weltschen pfennig, so uiizhar für
16 aiigstei- gangen sind.' 1487, Absch. ,Hüscr, Mü-
linen. Sagen mit ligenrteni [eingebautem] und gändeni
[transportierbarem] Geschirr.' B 1432. ,Wer will Wein
schenken, soll durch das ganze Jahr ein genden Zapfen
liaben [Jahr aus Jahr ein zur Bewirtung von Gästen
gerüstet sein].' l.'iOß, Th. .Gohnde Pfänder' stellt das
ßSa. Landrecht 1669 den liegenden gegenüber und
versteht unter jenen das Nämliche, was sonst mit
.fahrender' Habe bezeichnet wird. .Und ist der kernen
[je] ein mütt gangen um 5 pfd 5 p.' UMey. 1540/73.
Vil (ivenig, Nut) iii \ Etwas] r/r7 lä. zunächst von Ver-
kaufsobjekten, so iiiiil so vii'l ,1a für liirten, anrechnen;
übertragen auf ni'nalisi he \\ i rtr. auf Angaben. Be-
hauptungen, Anklagen, EiinvcnJungcn usw. viel (wenig)
geben. ,Der Pfarrer liess ihm aus diesem [von all
dem Vorgebrachten] gar Nichts gehen.' Gotth. Vor
sich gehen, sich ereignen, geschehen, her-, zugehen:
Es god MäiH/s, das nid sett go, aber icns seit go, das
god de" nid. Ineiohen. Syn. mit .kommen' verbunden:
Losed nW, wie 's clw und (f gange" ist. Stutz, hier =
hergegangen, anders als in der antonymen Verbindung
unter 1 e u. '2 c. Ks ist gern g'gange" (g'schelv), ich
habe den Dienst gerne geleistet, Höflichkeitsformel.
mit welcher der Dank von sich abgelehnt wird. Em-
phatisch, von lebhaftem Treiben, bedeutsamen Vor-
gängen; Syn. laufen. Hut muess Öppis go, Etw. fertig
gebracht, tüchtig gearbeitet werden Z; auch hoch,
bunt hergehen: das gat (auh)! Syn. das gilt fauhj.
Wo er derhl isch, geit Öppis. ,Wenn nicht Etwas
gieng, so hatte sie keine Ruhe.' Sch Pilger 1882. Bes.
mit dem Nbegriff des Ungehörigen. Was ist mit dem
Messer g'gange? [es schneidet nicht mehr]. Mit dem
Mensch ist Öppis g'gange, eine Veränderung geschehen.
Es ist eisder [zu allen Zeiten] Öppis g'gange, Ent-
scliuldigung der Gegenwart. Es ist Öppis g'gange",
im Geheimen etwas Unrechtes abgemacht worden. Es
gilt Öppis, Etwas wird insgeheim vorbereitet. Von
Unkosten, etwa mit der die Veranlassung bezeichnen-
den Präp. .über'. [Es wurde gezecht], dass es par
Gtcart VeltUner g'gange' sind Gr (Schwizerd.). ,Gross
zytlich guot. das darüber gangen war.' G Hdschr.
,Was kostens über die wunden lüte gegangen ist.' ebd.
— e) herkommen, herfliessen, aus-, beruhen auf — .
D' n€islialti"g gut us der Frau nse', sie bezahlt die
Kosten der Haushaltung, erhält die H. ; es gut us-em.
G'mcindsguet , das G. muss herhalten Z. In der
Kanzleispr., von Einkünften. ,Hand geben [gestiftet]
4 guldin, gand ab einem hus [.sind hypothekarisch auf
demselben versichert] an der pfistergasse.' vor 1455,
Gfrd. .Mir gät nüt us den bluemen allen [ich habe
keinen Erlö.s, Gewinn davon].' RMan.
Mhd. 1. P. Präs. yän, später auch <jcn, ahd. ijän nnd
<7ä»i. Diese letztere, nach der Analogie von luom, tue, ge-
bildete Form liegt auch unserem gan, gane (im Gegs. zu ga)
zu Grunde. Wenn auch einige Conjugationsformen auf den
(viell. altern — s. Kluge, Etym. WB.) Stamm gc- zurück-
zugehen scheinen, so i.st dies .jedenfalls nicht der Fall beim Ptc.
Imperf., dessen Voc. iec bzw. c^ und i>) sich nicht mit « (c')
vermitteln lässt, sondern auf eine Ausweichung der Grund-
form gand deutet; vgl. h^ntl für hund, sie haben. Die Er-
läuterung der übrigen Conjugationsformen, sowie die Angabe
der geographischen A^erteilung müssen der Grammatik über-
lassen bleiben. — 1 h. Ellipt. entweder für das anderwärts
übliche % Rinder gä, zum Rinde werden, od. = zum Stiere
gehn. — 2 c. O'gnngf = neulich ist verstümmelt aus vrr-g.
(s. d.). — '2 d. Betreffend die Glocken ist es fraglich, ob der
Ausdruck von der Bewegung ausgegangen sei od. sich an das
.Gehen nach einer Tonweise' anschliesse. — Abi. Gang; giiii;i.
ab-gä": 1. von lebenden Wesen a) in eigtl. S.
,ah Etw.' gehen, absteigen. Gang ab, Christen, und
hüb [halte] ds Boss. Gotth. — b) den Wog verlassen.
eine andre Richtung einschlagen B. AhgiinI, mut-
willig, eigentlich von der Bahn der Sittsamkeit ab-
weichend, Seitensprünge machend GO.; vgl. ahhmnnen.
,Doch die Melodie gieng ab in viele Lieder [wich
von dem Richtigen ab, schwankte in andere Lieder
über].- 17'29, Sch Pilger 1885. — c) aus dem Leben
scheiden B; vgl. o. gän 1 e. ,Wenn ihm das Mutterli
abgehen sollte, er wüsste niclit, wie es ferner machen.'
Gotth. ,Wenn ein schweig [Sennhof] ledig wirt, es
sye, das ein schweiger abgieng oder sich [so] hielte,
dass im ein Herr syn schweig niimen wurd, so soll
ein Amptmann us dessen küe. so abgestorben oder
sust von der schweig kommen i.st, [eine Anzahl]
nemen.' SchwE, Hofrodel. ,Wa die kind vor vatter
oder muotter abgiengen und ocli eliche kind ge-
lassen heftend.' Scuw Rq. Mit verdeutlichendem
Zusatz: .Denen ire vätter umkommen wärent oder
sunst von tods wegen abgiengen.' 1514/44. Schw LB.
,Mit tod abgan.' ebd. Auch von Vieh Gr. , Wel-
chem veech abgieng, der soll es vergraben.- 1605,
SchwG. LB. ,Wann ein Stuck Vieh sich schedigte
old abgienge.' 1675, Schw LB. — d) die Partei ver-
lassen, Jmdn im Stiche lassen, resp. ihm nicht
beistimmen, anderer Ansicht sein, ,0b jemands an-
sprach hat an der allrai und dorum der undergänger
[Grenzbereiniger] begert, wenn man ei°ni dann abgilt
an dem, so er angesprochen, so soll er den kosten
halben [an sich] haben; ob aber einer by dem blybt
[es zu behaupten vermag], so er angesprochen, so soll
er des kostes ledig syn.' Schw LB. — e) t r., a) Jmdn
od. Etwas umgehen, der Begegnung ausweichen Z.
,Vitare alcujus congressum, conspectum. terga vertcre
alicui.' HospiN. .Argen anlass abzugehen.' GMüLi.
1657. .Sich umb so viel wärmer halten, in räucheren
Zeiten den frischen Luft desto mehr abgehen.' Hott.
170-2. — ß) durch Gehen abnützen, z. B. Schuhe Gr.
Daher auch refl.: .Sich abgehen, eundo se delassare.'
Denzl. 1677; 1716. — 2) von Sachen, a) ,ab' einer
Unterlage, Stütze sich lösen ; zunächst in eig. S., z. B.
ein Rad von der Achse. Syn. abspringen; daher die
bildliche RA. es ist mir es B. ahg'gange", durch eine
Veränderung, z. B. den Tod eines Gönners, den Ver-
lust einer Stelle, ist mir eine Einnahmsquelle versiegt
B; S. Anstrich von Farbe (verschieden von vsgfin),
und mit Verwechselung des Subj.: de'' Zug got ah,
hält die Farbe nicht, ist abg'gange', abgeblasst GRh.
Haut; die umhüllende Schale usw. Bei der Anwendung
auf den Schnee tritt der Gedanke an die Erdoberfläche
schon mehr in den Hintergrund und bleibt mehr nur
die Vorstellung des Verschwindens. Schmelzens. Hut
ober acht Tag god der Sehne ab, ond hüt ober drei
Wocha itt der Boda irocha Ap (Scherzreim). .Der
schnee hat nit wellen abgan.' UMey. 1540/73. Von
Geschütz, ursprünglich mit Bez. auf die Kugel im
Rohre, dann losgehen übh., Feuer fangen, auch ohne
dass eine Kugel dabei wäre. allg. .Gar bald er irer
6 erschoss in einem schütz mit einer schlangen; der
schütz war im fry glatt abg'gangen.' 1499. Aro. .Ir
gross g.schütz Hessen sie abgan, das tat uns wenig
(ia, ire. </u s'i
in
Basel drü stuck uf .
er Kliv
ibniffff sehebt
und
elbigen lassen absaii.
aucli ii
zweien tüniieii
nns
von woitor übertr., vom (ielin},'en übli. .Die jiractik
ifieng ihnen ab, und drangen [nötigten] den Bapst in
condition, wie sye wollten.' ECys. ,[Sie hatten] ein
verrätery angesechen [beschlossen], die. Statt Chuin
ynzuonemmen, das aber vevwarloset und nit abgangen,
etlich darüber gfangen und gericht't.' ebd. Ebenso
von dem Begriffe des Geratens, viell. jedoch von dem-
jenigen der räumlichen Ablösung (vgl. .ausfertigen')
ausgehend: beschlossen werden. „Es ist vor Rat nb-
g'gange", das'... Aa; B; VOrte; S." Id. B. Abf/. Yom
Preise s. I 30 u. — b) alle Beziehung auf einen .Aus-
gangspunkt aufgegeben: a) abnehmen bis zum völ-
ligen Aufhören der Existenz. ,So der Mon abgat',
als Gegs. zum ,zuonemmenden M.' Tiere. 1563. Im
abgnnde", abgänte Möti (Mä, Meine), zwischen Voll-
und Neumond; es ist abgänd (abgänder M.), es ist
diese Zeit B; Gr; S; W; Z«, auch n-er Maiwt W;
abgänds ZU GrAv., S.; Syn. undergänd : i nidsicjiiiiiiiil);
fule'' Manot; Anton, ufgänd. Daher auili ,iiii nliiiiiute"
Jar" Gl. Von einer Mode; vom Feuer (erluschen).
.Die richter cnsun [sollen nicht] von niemanne, der
buoze ver.schuldt [hat], guot entlehenen, dur das
[damit] im syn buoze abe gange ald gelihtert werde.'
Z Eichtebr. .Die Engelbergerlüt band ire müle lassen
abgon.' 1483, Obw. .Damit die sündrung abgienge.'
Ansh. Mangeln, fehlen: , Die übrigen Obersten bsorgt
[ergriff die Besorgniss], ihnen [möchte] an Gelt abgan
und unmöglich sein, das Volk zuo erhalten.' ECys.
An Wert verlieren, schlechter werden (von Kulturen,
Verkaufsobjekten, Vieh); verloren gehen Gr. Auch
von Übeln, ablassen, aufhören: .Das feber ist im ab-
gangen = er ist sy [desselben] abkommen, perfunctus
a febri.- Mal. ,Ist ihm der siechtag [die Krankheit]
abgangen und gänzlich genesen.' ECvs. — Das Ptc.
abgänd BO.; Gr; SciiSt.; aSrnw; U; W. -nt AaF.;
Ap; Gl; GfiChur; L; GO.; S; Th; Zg; Z nimmt adj.
Bed. und in Aa; Bs; ScnSt.: Z auch die adj. Bildung
abgimdig, ahk- an a) als wertlos wegfallend, beseitigt;
als Überrest gelassen und gering geschätzt; in diesem
S. häutig das Ntr. Substantiv, verwendet, etwa sogar
zum inileklinabeln Subst. gemacht. So z.B. die Abfälle,
welche sich beim Zubereiten von Gemüse und Obst
zum Kochen, beim Behauen von Stammholz [abgänds
Höh] ergeben, die Knochen und andere zunächst un-
geniessbare oder wenig nütze Teile des Fleisches,
daher auch solche als Zugewicht an der Fleischbank,
Syn. Gefall I 74.5; Insigel ; auch kleinere, beim Zer-
hacken des Fleisches abfallende Stückchen, dgl. der
Fleischer den bettelnden Kindern zuschiebt AAKais. ;
,Ein Mensch, dem er mehr als ein Mal, wenn er in
seinem Dorf gemetzget, etwas Abgehendes zum Al-
mosen gegeben.' HPest. Speisereste, Überbleibsel von
Mahlzeiten, etwa den Bettlern verabreicht oder zu
Vieh-, bes. Schweinefutter verwendet; abgänte Chost
Ap. Synn. s. bei Urschi I 469; Leibete. Er hätt möge'
sl« Buch a'stojjfe" mit dem Abgänds, wo d' Söu g' fresse"
händ. DiAL. 290. — b) verlegen, verdorben, z.B.
von Gemüse, Obst Aa. — c) von Kleidern, abgenutzt
und abgelegt. Abgänti War Ap. ,Ich gehe in die Stadt,
lasse mich anders kleiden; das Abgende von
bänrschen Kleidovn kannst du dann allrs IkiIh'U.
Von Münzen, Silberzeug usw.: abgegriffen (Spreng),
d) im Abgang. Zerfall begriffen B; ük. Abgänte
linih"\ al.iiiaL'vrn.Iri- (ii. Al.L-rihl^' und hinfaÜende
^■iicirr. .lir Uli) .Irr /.'it \ rril,-iiii>ii.| MiliT ze grund gond.
res (|ua' r\ Ira.lii l('iiip..i'is Iinn1 a^Mcriores.' Mal. ,Die
bürg was nlt werlirli und nucji nit besetzt, dann sie was
abgände.' Äi;Ts( nnu. .Hinder dem Tisch wärest gar
frisch, jetzunder bist wie abgehnd Fisch,' Schimpfr.
1651. ,Ab einer alten abgenden Eich.' 167G, Hotz,
Urk. Von Menschen: die Merkmale des Greisenalters
an sich tragend, abschwächend Aa; Schw; U. Vgl.
äben. Der Grössmtter ist afig fri artig abgände. Ab-
gänti Wlber U. ,Abgändige Jumpfere. Abgändiger,
unvermögender Mann.' Spreng. .Hinfälliger oder ab-
gender mann, der von alter gar hat abgenommen.'
Mal. .Senectus prseceps: ein abgend alter, das yetz
auf der gruoben gat.' Fris. JJud bat 1577 um Ver-
setzung, weil er ,jetz alt und abgehnd' wäre. Vom Vieh :
alternd Z. Fingierter Geschlechtsn.: der Kiirli Ah-
gänt, ein heruntergekommener Mann, Mann, der iibirall
zu spät und zu kurz kommt S. So en arme' Schli(d,ir,
wo [der] in nlh" Shui-i" hiiiger drl' lauft, tcie der
K. A. Schilu: Asrhrniaittel: ,Solothurn, der eidge-
nössische K. A.- S-Blatt 185'2. — e) ausser Ge-
brauch kommend. ,Dadurch soll das Dreschen mit
den Pflegein abgänd werden.' Postheiri. — f) vom
Gedächtniss, schwach, vergesslich. Syn. abgängig.
.Syd aber die weit abgende ist [und] unversinnte
[vergesslich], so soll man des ampts guote harkommen-
heit schryben und in geschrift legen.' 1460. L. .Von
wegen dass menschliche gedächtnis abgänd und ver-
blichlich ist.' 1491, üwE. Jahrzeitb. .Ist 's not. was
des abgenden. vergesslichen menschen gedächtnuss
abgat. durch die blybende, gedächtliche gschrift zuo
erstatten.' Ansh. — ß) von Statten gehen, vor sich
gehen, verlaufen, allg. .Durch welchen sein vor-
haben sich glücket und alles wol abgangen.' JMüll.
1673. ,Er solle die Morgensuppe kurz abgehen lassen
ohne grosse Pracht und Kosten.' 1581, Ansfii. ,Der
Rat möge diese spänigen Händel freundlich abgehen
lassen.' 1585, ebd.
HsStockar (z. .1. 1.527) setzt ein Mal n. in Gpets. zu
.sterben': ,N. X. hat ilii> C. frow™ pTainmiiirn ; --inil im -(
frowen gestorlicn uii.l iliv ."i. ist im li\ I- i.. iüI ., i !. il,-
gaiigen [durch Elirs.-h.'i.luiiL'VI ■ Zu i 1 I', ,i
äich auch so aalTassi-n: ,\V.-ini iVw V.\\iri\,u ilim \-,\ l-.!u,i,l
von dem streitigen Stücke durch ihren ^Unfcrgaiii!- | Unter-
suchung] entziehen und absprechen.' Diesem Sinn würde
besser genügt durch die Fassung: ,wenn man oim dann das,
so er angesprochen hat, oder etwas daran, abgat.'
abe"-: hinuntergehen. Mit dem Bris, den Preis
niedriger ansetzen Z. Mit Beziehung auf den Handels-
artikel selbst: wohlfeiler werden, abschlagen S(mi; Z.
Vom Barometer: fallen, sinken Z. Enneu <ihc qn
s. 1 166.
über-, über-: I. lose zsges., also mit dem Haupt-
tone auf dem Adv. a) über den Eand hinaustreten
(in diesem S. wie das Syn. ilherlanfen auch als un-
trennbare Zss. behandelt Z), z. B. von der Flüssigkeit
in einem Gefässe (wie Milch über dem Feuer), allg.
Wenn d' Mass volli ist, geit seh' über W. Von Ge-
wässern, austreten Uw. ,[Ein] wasser, das war von
Überschwall regnens übergangen.' Kessl. .Das von
dem Pileatus aufsteigente gewülk hatte uns mit über-
gehcnfen Platzregen ^beschüttet.' GKmni.,- 160:1. V..n
11
Ga. ge, gl. go. gv
12
den Augen, tränen; s. I 134 M. Auch von dem mehr
od. weniger flüssigen Brotteige, wenn er aufschwellend
über den Backtrog heraus zu wachsen droht Aa. —
b) über das gesteckte Ziel hinaus gehen; von Vieh,
welches auf fremdes Gebiet weiden geht. ,Wenn einer
hagbrüchigs oder übergends oder wandelbares vych
hat, so soll einer dem andern [den Schaden ersetzen].'
1G27, BSi. — c) aus dem normalen Zustande
heraus treten; ühergänt, von Fleisch, das anfängt in
Fäulniss überzugehen Z. — d) Überschreiten des
Masses meint das als Steigerungsadv. verwendete
Ptc. ScHW; Uw; U. Ühergänt e bösi ZU. Übergänd
c Sehens Meitli. Auch adj.: e ü-e Miggis, überaus
tiefer Strassenkot aScHW. — e) hinübergehen im
S. V. kapitulieren, sich ergeben, allg. Im Jar, wo
[da] cV Stadt ist übergange'. GJKuhs 1819. Unpers.:
wo 's ist Übergänge, Umschreibung der Ereignisse des
J. 1798 im Ktn B; vgl. Übergang. — f) vorüber-
gehen. Buck-di''', Joggeli [d. i. Bauer], lass ühergan,
das Wetter will sein'n Willen hau. Sprww. 1824. ,Es
niuess dick [oft] einer understän und 's weiter lassen ü.'
Badenfart 1526. .Bitten wir üch, dass ir sölich [euch
angetane] schmachwort noch ein klein [für eine kleine
Weile] lassen ü. [durchgehn].' 1.529, Absch. — g) über
das hinweg springen, was an der Reihe wäre, aus-
lassen. Übergänt heisst ein Rind, welches ein Jahr
zu spät, eine Kuh, welche erst nach Unterbruch von
einem Jahre wieder brünstig bzw. trächtig wird, was
einerseits den Milchertrag verringert, anderseits aber
dem Wachstum und Fleischgewicht förderlich ist Aa;
B: T.; S; Uw; V : Z. Syn. Überümd 1 213; gust; galt;
aiit.iii. MiiiiskKc. Eine Kuh ü. behalten: dieselbe
iiiclit s. hhiclitiMi, obwohl sie der Art ist, dass sie je
iiichii-rc Jalao braucht, bevor sie wieder kalbt; man
tut dies etwa in Gegenden, wo der Unterhalt nicht
so hoch gewertet wird, z. B. wo man das Vieh auf
Weiden schicken kann, oder wo man geringes Futter
zur Verfügung hat. Auch von Stieren, welche eine
Zeit lang nicht mehr zur Züchtung verwendet worden
sind, etwa weil man sie zu Arbeit im Tale zurück-
behielt, während die Kühe auf der Alp waren. .So
soll auch dhein ander vych üstriben werden, dann
küeh und urnerstieren, die nit über jähr alt [sind],
damit das vych von andern und gröberen ttbergehnden
.stieren nit beschädigt werdind.' BThun. AUmentb. 1.J9G.
,Ein meissstier oder zeitstier [l'/2 — 2 /ajähriger] und
gar nit ein übergender, drei- oder vierjähriger stier
[soll als Sentenstier verwendet werden].' 1680, UwE.
— 2) untrennbar zsges. a) einen Punkt in der
Reihe überspringen, auslassen, allg. Mit ,sein' W;
der Tod ist-nii [ihn] ubergangu^, halb scherzhaft, von
einem Greise, den der T. gleichsam vergessen hat.
Vgl. 1 g. Auch = übersehen, (und darum) überwarten :
,Wo die sächer [Processführenden] zil oder tag [sc.
die vom Gerichte anberaumten] übergiengend, wurdend
sy die buossen zuo erlegen getrungen.' Vad. — b) Etw.
begehen, durchgehen, ,perlustrare.' Id. B. ,Das
göttlich wort muoss [gleichsam wie ein Ackerfeld] mit
solchem regen und ungewitter übergangen werden.'
ZwiNGLi. Prägnant: Etw. flüchtig d. Aa. — c) Etw.
übertreten. ,Wär aber, dass ieman der viero gebot
übergieng deheines wegs [in irgend einer Weise] an-
ders, denn sie hiessen.' 1348, Aa Wst. ,Übergieng das
yeman und das bräche.' 1442/1544, Scnw LB. ,Wäre
aber, dass sölichs harübcr yeniand täte, ald über-
gienge.' ebd. ,Wenn einer frideu [s. I 1277 b] uber-
gienge.' 1501, Absch. Auch mit Bez. auf natürliche
Schranken: ,Die Tag des Menschen sind bestimmt;
du hast ihm ein Ziel [der Lebensdauer] gesetzt, das
er nicht übergehen mag.' JMüli. 1661. — d) be-
meistern. bewältigen, überwinden, z.B. eine Leiden-
schaft BBe. ; und hinwieder: der Zore" iibergad-wi'''
Ndw. .Der mensch wirf vom schlangen versuocht.
lasst sich den lust übergon und übertritt.' 1531/48.
I. Mos. ,Ein krankheit übergon und vertreiben, im-
pugnare morbum.' Mal. Durch Betrug: ,Dass nie-
mants übergange, noch ^ervorteile seinen bruoder im
handel.' 1531/48, L Thessal., dafür 1667 ,übersteige'.
Ausschelten, meistern: ,Daruf der burgermeister in
mit Worten übergangen und übel verguot ghan, dass
er zuo seiner haushab etwas fleissiger sich nit schicken
wellte.' Vau.; vgl. I 57 M. — e) refl. a) ,sich mit
Gehen ermüden.' Hosp. 1683. — ß) irre gehen, in tig.
Sinne, sich irren BBe. ^ überhin (^Äbere;-ga(n);
1. fallieren ZO. — 2. det [dort] innen übere ga, ster-
ben SCHW.
vor(für)-über(überhin)-gä°: auch tr.: Etwas
übersehen, vergessen. Me' geit's gäng vorubere FMu.
.Ich will dieselbige mit Stillschweigen fürübergehen.'
ClSchob. 1699.
ü f - : 1. empor steigen. So vom Gestirne, nament-
lich der Sonne und der sie begleiteiideii Tinjoshelle.
allg. Übertr. auf innere Erleuchtung-: ir: 'lal-iii'r es
Liecht üf. Es gat-mcr itf wie dem ClililhU :' Miir:
es ist über de' Bach yo' sufe" ZB. \uiii Feuer, bzw.
seinen empor schlagenden Flammen B. ,Wann in der
Stadt Für üfgat.' 1501, ZWint. Stadtordn. ,Wenii
brunsten ufgand.' 1549, Sch Ratsprot. Von Gelände:
sich bergan ziehen. Im Ufy^tt, Ufgihit, Flurn. '/,.
,Als fer die 2 ufgende acherli oben für die zil und
marchen usgand. sönd [sollen] sy dennocht zenden.-
1467, Uw Grenzberein. zw. Sarn. u. Sachs. ,Das uf-
gand acherli.' ZDielsd. 1556/62. ,Der ufgend acker'
bei .\ALunkh. 160'2, L Urbar. ,1'/^ Jueherten im auf-
gehenden Acher.' 1653, AAWett. Arch. Aus dem Bette
aufstehen, sich erheben BS.; Uw; mehr verbreitet in
der Verbindung mit dem anton. nider-g., s. I 115.
Aufwallen, von der über das Feuer gesetzten Milcli.
D' M. ist nanig ufg'gange, hat noch nicht gesotten.
Syn. ist n. d'obc Z. ,Wie eine Milch, die, nachdem
sie aufgegangen, sich nunmehr gesetzet hat.' JJUlr.
1727. Daher übertragen auf Gemütserregungen (bzw.
Blutwallungen), s. die folg. Bed. a a und Bd I 119.
Schwellen a) von Teig, sowohl von dem im Backtroge
gährenden, als von dem am Feuer im Ofen oder in
der Pfanne sich entwickelnden Ar; Gr; Z; Syn. jrri».
Daher auf den Menschen übertr.: a) üfyä wie cn
g'heblete'' Teig {teie en Hebel, Sauerteig), in Zorn ge-
raten, aufbrausen. Sprww. 1869. Syn. verspritzen vor
Täubi; es hat mich fast versprengt. Vgl. Sp. 0 o.
— ß) an Körperumfang zunehmen, körperlich gut ge-
deihen, sich entwickeln. Üfgä icie es Chüechli, bes.
von Kindern und Frauen G; Sc«; Z, von Letztern
gerne mit versteckter Nebenbed. ,Pulvinatus caly.x
nucis, das einem hauptküsse gleich sieht oder einem
aufgegangnen küechle.' Fris. — b) von trocknen
Früchten. Im Wasser gönd d' Erbsen uf. ,Dem Ge-
schick des Aufgehens ist auch der Roggen [auf feuchter
Schütte] unterworfen.' 1776. Z Staatsarch. — c) von
(Ja
(Jcwüssfin, aiisclnvclkMi IJO. .Ven See abgraben, der
da ufgat.' 1531, Aiiscii. ,Die wasser ufgangen und
übergloffen.' ECys. — Wachsen, und zwar eig. in
vertikaler Riclituiig; so von der Saat, vom tierischen
Leib; scherzh. und vexierend: er gad üf wie en Gerste-
hehel, d. h. er wächst nur in unbedeutendem Masse Z.
So sind vielleicht zu verstehen die ,ufgande (ufgende)
albelen', welche It Urk. v. 1399 u. 1467 die Fischer
von Rappersw. dem Kloster ZEüti zu entrichten hatten.
Vom Monde, ufgänd, 1) wachsend, zunehmend B; S;
Z(i; Z. Esistuff/rinte'- Mii«; imufg-e" Ma. Pflanze",
VI) [welche] ; |iii ileii| Umh wachse", sell-me" bim ab-
gi'iiite M<m xiUcii. nml l'iL. wo ufe wachse", bivi uf-
giiiite Man. Sriiii.n. Im iifgendu Manot, dies scherzh.
auch bildl. = im Zustande der Schwangerschaft W.
.\uch subst. : Hut isch der letst Tag Ufgänd und die
höchsti Zu, ass ni'r [dass man] d' Hauset [Hanfsaat]
snit. JoACH. 1883. Anton, ahgänd. Aber auch in ganz
andern! S., statt gew. obsichgänd, d. i. die Spitzen der
Sichel aufwärts gerichtet, im aufsteigenden Knoten
befindlich L (RBrandst). — Mit Boz. auf Gewichts-
zunahme: ,Wann 1 ß abgat [am Frurlit|ii-.'i.se], so soll
allwegen 2 lot an dem wyssbrnt uf;,'.- Sni Stdtb. — Im
Preise, im Kurse steigen. So v. Münzen: Zürich rühmt
von den seinigen, dass deren ,nie nüts abgesetzt [her-
untergesetzt], aber allwegen der merteil ufgangen' sei.
Edlib. Jetzt dafür ufhin-g. Aufkommen, zur Mode
werden: .Sobald zue Rom gaben und gastungon uf-
giengen.' Ansh. .Citeren, so domolen erst ufgiengen.'
I'lätt. 1612. — 2. sich entwickeln, blühen, in bildl. S.
Anton, abgän (s.d.). ,Das reich Salomons gatauf.' 1531,
1. Könige. .[Die Probstei] ist sehr aufgangen und reich
worden.' Wurstisen 15So, und als Causativ dazu ,auf-
bringen'. .[Die Eidgenossen haben] von gott sig em-
pfangen, dass [s'] an land und lüt uf sind gangen.'
Badenfart 1526. ,Dise Statt hat angfangen üfgan.'
RCys. Gewöhnlich aber unpers.: es gät-em uf, er
fängt an, in ökonomischer Bez. vorwärts zu kommen,
steigt im Ansehen, er wächst und gedeiht Z. .Gehet
es denen lündern auf, deren Vogt du bist?' HPest.
1787. Auch mit Bez. auf Sachen: gewinnen, wert-
voller werden. z.B. durch Benützung, Zuwarten Sch; Z.
Es gat de" Leitere" Nüt uf, wenn-me' 's üslent [aus-
leiht]. Es gat an'n Trübe" Nüt meh uf, sie gewinnen
Nichts, wenn man sie länger an den Weinstöcken
lässt. ,So es den frommen glücklich gat, so gat der
statt auf.' 1531, Prov., dafür 1667: ,so frolocket die
statt.' ,Zu Augsburg hat man zum ersten mit büchsen
gschossen und ist der kunst bald heftig ufgangen.'
HBui.L.. Tigur. ,Cum corporibus vigent et deflorescunt
animi, dem verstand und dem gemüet gat gleich mit
dum leib auf und ab.' Ekis. .Als d^rselb-'u fKa|ielle]
aufieng ufgan an veniii.^n>ii.- l.'l.'vs. ,Es iralit ■•im (le-
schlecht auf, dem aiiarr..|i ;il.; l.is ziilrt4 k lend
wir alle ins Grab.' Anf. XVII., Mise. Ti- ,Ks gehet
dem Bau auf. sedificium surgit.' Hosp. 1683. ,Dem
David gieng auf und er ward stark.' 1707, II. Sam.
— 3. sich ereignen, entstehen. ,Der vogt ist in
der nacht von uns heimgeritten, damit, was ufgieng,
das dannoch etwar anheirabsch syg.' 1525, Egli, Act.
- -1. sich öffnen, .sich lösen. Von einer Knospe
oder geschlossenen Blume, Blüte, allg. U. wie-n-e
Jtose, von Kindern, welche sich erfreulich entwickeln,
blühen, erstarken (vgl. o. wie-n-e Gerstehebel ; wie es
Chücchli). Und noch weiter bildl.: .Der Kopf gieng
[den Sclinlkiii<leni| unter .sciiirii Händen [b.'i M'ineni
Unterrichte] auf.- HPest. 1785. Von einander gehen;
so von den verschiedenen Abteilungen des Zettels,
welche durch Treten abwechselnd emporgehoben wer-
den (sich öffnen, gleichsam das Tor auftun), um das
Schiffchen durchzulassen Z. Das Wupp gät guet (schön)
uf. Von etwas Geknüpftem, Geheftetem, sich autlösen.
sich trennen. Vom zugefrornen Boden oder Gewässer
Ap; Gl; Z. De"" Bode', de Se (oder unbestimmt es)
gat uf. Es ist e chll z' starch ufg'gange", i''' cha"' icz
doch nüd g'rad schlitte". Holzprozess Höngg. Von
etwas Geschlossenem; auch bildl. d' Becht sind uf-
g'gange", die Schuldbetreibung ist wieder eröffnet Z;
vgl. zue; stän. ,Unsre gericht gänt uf der Eynbrugge
unz uf die üfgänden brugge.' Sch Stdtb., d. i. bis
zu dem aufziehbaren Teile der Brücke (Zugbrücke).
Prägn. tr., durch Gehen Etwas reissen machen. .Bla-
tern aufgehen, ulcerare pedes eundo.' Denzl. 1716.
— 5. sich abnützen, aufgebraucht werden; zu
Grunde gehen. So wie der Gletscher üfgeit, geit nir''
ds Heu üf, wenn im Herbst wenig Schnee mein- auf
den Gletschern bleibt, so wird im Frülilim,' aucli w.ni^-
Heu mehr vorhanden sein Gr(B.). 's (hhl ist^m. r uf-
g'gange' GF. ,Es gehet Alles mit [beij ihm auf, er
hat ausgehauset.' Hospin. 1683. Z' Nute" (z' Lumpen)
ü. (cho"), sein Vermögen verlieren Aa. Zu Ende
gehen, daher in der Subtraktionsrechnung, von glei-
chen Werten, die einander decken, auch weit uf g.
Von Unkosten, eig. dem durch dieselben aufgezehrten
Betrage; Syn. uflaufen. ,Von wegen des kostens, so
des Sturms Ittingen halb ufgangen ist' 15'29, Aiisrn.
.Haben den costen, so mit dem wychbischof und wy-
chung der capell ufgangen, bezalt' RCys. ,Was über
solche dieser Statt Basel aufgangen, will ich ge-
schweigen.' Wurstisen 1779. Vgl. rjän mit Präp. über,
ebenf. von Unkosten. Von Lebensmitteln (Getränk),
abstehen, umschlagen: ,Dass zu reehtur Zeit [Wein]
gelesen und dafür gesorgt wenb'. daNs A^r alte, auf-
gegangene nicht mit dem neuen vermischt werde.'
1524, Absch. ,Der wyn gien[g] in den fassen uf und
ward so unwerd, dass man 1 mass um 1 haller gab.'
Vad. Von Personen, preis gegeben werden : ,Dass
der pabst den kaiser, wie er konnd, bei allen fürsten
und stenden verhatzt und aufgon Hess.' Vau. .Syend
Prediger under inen, die die Laster mit Ernst stratind,
so söllind die anderen [Geistlichen] sy nit lassen ufgon.
inen [sich] selbs ein Willen [Gunst] und den anderen
ein Unwillen zu machen.' 1575, HBull. (LLav. 1576).
z'underüf-: zu Grunde gehen; bankrott werden
Uw; Z. — drüf-: ebenso, doch vom Menschen jetzt
nur in grober Rede. allg. Anders in ä. Spr.; zwar
auch: ,Der Raub und das. so daruf gangen, betrage
600 Kronen.' 1534, Absch., aber daneben: .Der Arni-
iniaken aber seiend mehr dann der Eidgnossen daruf
gangen.' KCvs. ,In diesem Krieg ist der grösser Teil
unsers Lands Adel druf gangen und verriben worden.'
JJEüeger 1606. — ufhin (ufe)-: steigen, z.B. vom
Barometer; aufschlagen, im Preise steigen, allg.
um-: 1. trennb. ('"). a) im Kreise herum, umher
gehen. ,Man reiniget ire hirn von irem umgenden
häutlin.' VoGELB. 1557. ,Welicher nachts uf der gass
juchzete, schruwe oder umgieng und ein unrüewig
Wesen fuorte.- 1572, Schw Rq. ,In myn schiff will
ich ihn nit lahn und [sogar, wenn] sollt er auf dem
Ga. se, gi, gl), gu
16
griml [Kopf] miigiui.- Com. Bkaii. Jetzt in engerem
Sinn: a) einen Besuch in der Kunde machen Gr. —
ß) eine kirchliche Procession halten, an einer solchen
Teil nehmen, in Procession gehen. Syn. mit Krüz
und Fanen (jun; vgl. Umyany. ,Helt man grosse
jarzeit, gat abends und morgens umb.' 1588, Er-
zXuLER 1855. Sprw. Lüten und u., zwei Geschäfte
neben einander besorgen, eig. vom Messmer Aä; L; S.
Vormals auch von weltlichem Festzuge: ,Uni die 3
gienge man um mit inen [den eidg. Gästen].' Edlib. —
Y) Unujänd, von Rindvieh, in Folge einer Krankheit,
welche man gewissen im Gehirne sitzenden Würmern
zuschreibt, beständig im Kreise herum gehend. Syn.
stürmig. ,Es soll von ungendem [so!] Vieh der Kopf
hinweg getan und nit ausgewogen werden.' 1620,
ScuwE. Klosterarch. Als Subst., das Umgänt, eben
diese Krankheit, Hirnwut Gl; Syn. Ringkranldieit ;
titiinn; Trilmmel(uind) ; vgl. das Dräjen, bei Schafen.
In uneig. S., von Gerede, von epidemischen Krank-
heiten, Bräuchen und Missbräuchen Bs. ,Diser prijst
ist in der ganzen Grafschaft umgangen.' UMey. 1540/73.
,Wiewol seltsam prattiken umgiengend.' Vad. Von
(vermeintlichen) Gesichtswahrnehmungen im Zustande
der Betäubung, Bewusstlosigkeit: es ist-mr-r (mit-mer)
Alles umCz'ringel um) g' gange V; Z; Syn. stürm werden.
Von Personen: mit Etwas u., sich (äusserlich oder
geistig) damit beschäftigen, Etwas planieren, allg.
Mit was Eine'' iimgot, da' chlebt-em a" [darum dreht
sich sein Gespräch]. Sulu. .[Leute, die] mit kunsten
umgähnd.' Z Mand. 1650. ,Umgänd' von Schulden =
im umgehenden, laufenden (d. i. nicht auf Begründung
bleibender, dauernder Verhältnisse, sondern auf kür-
zern Wechsel berechneten) Verkehr entstehend. Mit
tautologisch gehäuftem Ausdruck: ,Graeine, umgende
handschulden.- 1508. Bs Rq. — b) im Kehr herum
gehen, abwechseln, von Personen und Sachen, allg.
Es gut nm wie 's Bache' (and wer kei' Mel hat, über-
hupftj, eine RA., welche aus Gegenden stammt, in
denen Genieindeöfen bestanden. Von 1815 bis 1849
gieng in der Schweiz. Eidgenossenschaft ,das Vorort'
unter den Kantonen Z, B, L um. Spez. von den Armen,
vormals auch von den Schulmeistern, Dorfhirten u. A.
einer Gemeinde (B) oder einer Sippe (U), welche von
Haus zu Haus gehen, um je einen Tag oder längere
Zeit gespeist und verpflegt zu werden. ,Vieatim nutri-
nientum querere.' Id. B. ,So soll dasselbig [die Be-
rufung zu Gesandtenstellen] under den Landammigen
unigan dergestalt: welcher am Amt ist, zum Ersten,
dannethin welcher der Eltest am Amt, Einer nach
dem Andern.- 1570/1626, Schw LB. ,Der wäger soll
auch keinem der gremplern syn anken allein nemmen,
sonder es lassen umgon.' 1572, Schw Rq. ,Den Land-
ammann hätte jedwedere Religion [in Gl] 2 Jahre
[aus ihren Angehörigen]; den Pannerherrn sollte man
gleiehf. lassen u.' 1621, Absch. Das Ptc. subst. =
Reihenfolge, Ker. Es ist i" dem Umgänd g'sl; wo-
mer g'heuet händ. — c) umkehren, zurückgehen, in
umgänds, dem adv. Gen. des Ptc. = bald, ohne Verzug
BSi. — d) umkommen, .sterben, interire, cadere.'
Mal., von Menschen und Vieh. ,Wann von dem sel-
bigen vych eins also verdürbe ald umbgienge.' ZElgg
Herrscliaftsr. 1535. ,Der paurenkrieg, in welchem ob
Inii.diiii mann unigieng.' Vad. .Dass er leider umgieng
und ertrank.- ebd. .Ist nut drus [aus dem Kalbe]
worden; ist umgend worden.' 1595. Tageb. aus Gr. —
e) umgänd B; Uw; U, -nt L, an- BU. ; L = abgänd 1 a.
Der Bettler heischt eppis U-ds z' essen uhl Gwand
BHa. Bs U-de, abseits liegendes, weniger sorgfältig
bewirtschaftetes und darum wertloseres Besitztum BRi.
Sonst ist U-s, .,ds U-s" oder ds U-e spec. mit Bez.
auf das Schlachten alles geringere Fleisch (Füsse,
Maul, Ohren, Lunge, Leber, Herz) und Knochen, was
die Metzger zur Vollständigkeit des Gewichts dem
bessern Fleische beilegen, ,rejectamina carnis.' Id. B;
vom Schweine Alles, was nicht Schinken und nicht
Speck ist, also auch die (allerdings klein herausge-
schnittenen) Rippstucke BBe. ,Zu den 2 Pfund [Fleisch]
gab uns der Metzgel- noch Ungentes, Beine oder Leber.'
GoTTH. — 2. untrennb. ("^), verschweigen. .Kann
nicht umbgehn, wie dass wir heut so seltsam zu
mittag gespisen.- GKonig 1693.
1 e ist wegen der Vieldeutigkeit des Ausdruckes besonders
herausgehoben. Es gehört zu 1 a, wenn man für ein grösseres
geographisches Gebiet vou dem Begriffe des aussen bernni
Befindlichen (vgl. Ort a a, OrUcisen, Ortheti) zu den ange-
gebenen Erweiterungen bzw. VerallgemeinerHugeu gelangen
könnte, oder zu 1 d (i. S. v. ,verderben-), nur muss mau
dann die Beziehung auf Güter für sich allein in der erst-
genannten Weise deuten. Aber die Angaben aus BU. weisen
darauf, dass um- auf blosser Umdeutung und Verderbniss aus
«n- beruhe, so dass das W. Etwas bedeutete, das nicht mehr
gängig ist, keinen guten Absatz findet; vgl. die selbe Ver-
wechslung m umgekehrter Kichtuug bei 1 a y, und ,Um-' aus
, Unkosten', ,ümgeld' aus ,Ungelt'.
umhin ^■M»ne>-gä(n): im Gebrauche nicht sehr
verschieden von dem vorhergehenden. Es gat-mrv im
Male ume Z. Von Gespenstern; von Epidemicen G;
St-H; Z. U. lo' [sc. sich], eilfertig bald dahin, bald
dorthin laufen ScnSt. Minder Ei'"m u., ihn hinter-
gelien. Eneniima ga s. I 266. , Damit man der Sache
[Streitsache], die nun lang genug herumgegangen [als
Traktanduni auf den Tagsatzungen herumgeschleppt],
endlich los werde.- 1521, Absch. ,Die Geschwornen
söllent jerlich im Dorf umbhin gan, die Öfen, Herd-
statten besichtigen.- 1596, Z. ,In dem Land Platz
haben und ehrlichen Leuten in den Augen umhin-
gehen mögen.- 1694. Ztschr. f. schwz. R.
an-: 1 tr., an Jmdn oder Etwas gehen, a) einen
Berg, Bergpass, ihn zu besteigen anfangen, in Angriff
nehmen (verschieden von ,bergan g.-). .Damit sie bei
anstossendem Tag den Berg angehn (wie das gemeine
Wort lautet) und vollends mit guter Weil hinüber kom-
men mögend.' JLCvs. 1661. — b) anfassen, berühren
Gr; in weniger sinnl. Bed., eine Tätigkeit beginnen,
vornehmen: Was willt iez angä? BHk. I weiss nüd,
wie-n-i''' 's seil a. [anpacken, anstellen] Ar; G; Z. Etw.
g'schld a. Syn. angattigen. — c) Jmdn (mit ,sein'),
sich an ihn wenden (mit einem Gesuche) Aa; B; Z.
Syn. ankeren; vgl. ankommen. -- d) Jmdn. sich an ihm
vergreifen i. S. v. gehtjen, futuere; Syn. anlaufen.
,Wölicher zuo einem redti: du hast ein kuo oder was
für vich syn mag, angangen! söllti es büessen.' 1427,
Schw Rq. .Einer, der des nüwen gloubens syg, und
einer, der ein kuo angangen, den schätz er eben glych.'
1529, Strickl. ,Unkristens Ve angän.' 1540. Ndw LB.
,Welieher einen hiesse liegen [Lügner schölte] oder
syn muotter oder ein unvernünftig vich angän.' 1540,
Aa Weist. .Ettlich [Reformierte] sagen, dass sy lieber
ein kuo angän, dann hinter eine mess stan wellten.'
HBdll. 1572. VgL ,wär besser, einer hette mit einem
ünftigen tier zuo schaffen.' ebd. Man bekräftigte
.H"
ÜL'touiiuifjL-11 mit: .Su liab icli als gwUss ein Kue. Esel
oclor Miircli ;uig:in;,'fn I • ScHwK. Klosteraroh. .We-
licliur an die uiess gloubt, der hat als gewüss ein kuo
angangen.- 1532, Strh'kl. Endlich wurde der Aus-
druck gedankenlos zu einer Verwünschung gestempelt :
.K wir die artikel [der Berner und Zürcher] halten.
c wollt ich, dass sy all esel und miirhen angangen
lietten.- 1.530, Absch. - e) Jnidn. anführen Gr. —
f) Jiudu, an ihn kommen, ihn treffen, überfallen,
ihm zustossen, von persönlich gedachten Übeln, ,1m
tireisenalter, welches mich bald angeht.- LKInderuitzi
1820. ,Man soll ihm unbeholfen syn, was ihn angat
[was ihm auch zustossen mag].- 1357, Bs. ,E ich
Wollt, dass du myn herr wärist, ich wollt e, dass dich
dz fallent übel angieng.- 1480, Ztschr. f. Schw. R.
.Es war denn, dass uns ehafte not oder krieg zuo-
tielend oder angiengend.- 1500. ebd. .Am sanistag
gieng mich ouch blateren und pül an.' 1519, Salat.
.Uli förcht. dich gange etwas Unglücks an.' Mal.
.Was ich dir wünsch, das gang dich anl' 8(;hertw.
l."!?!*. Aber auch von erwünschten Zufällen. .Dass
dicli vil glucks und heils angang!' NMan. — g) Einen
bcrüluen. betreffen, allg. Es t/uil der X. ii". in einem
l'aternitätsfalle AAEhr. In vwdtschaftlichem Verhält-
nisse stehen: es f/ut mich ro" Huf und Hur Nitt w L;
Z. — h) refl. a) sich an das Fussgehen gewöhnen.
/''' hun-mi''' afff/aiiye, das Gehen verursacht mir
keine Beschwerden mehr ..l'>: S.- A-'/'i/iunir". uns
Gehen gewöhnt B; Z. Neul Sihitvh <lnirl.'r\ I,,.. v, c
tidi' u. gl". /<■'■ bin no'>' nit n-cht ,(., aueli in übfitr. .S.
= noch nicht recht im Zuge. — ß) mit .sein', sich
ereifern, zornig werden W; vgl. 2. — 2. intr., heran-
gehen; vgl. an II 3 (I '25ö|. al an die Hand gehen,
sich darbieten, von ein.i (;.l,-,-Mbeit. zum Kaufe an-
geboten werden Aa; /. S\ n. .mhiKieii. Es ist.-m';r Xüt
ag'gange, sagt z. B. der KIei>.h.jr. welcher von einem
vergeblichen Gang bei den Viehbesitzern herum zurück-
kehrt. ,Sie hausten im bescheidenen Stüblein. bis
ihnen eine Gelegenheit angieng und der Haiisheiri ein
Heimwesen kaufte.- BRErrENsi. 1800. — b) als Hülle
an einen Kern, z.B. Schuhe an den Fuss, Hand-
schuhe an die Finger, ein Iteif an eine Walze, allg.
Daher: passen; auch in ethisrlieni S.. |.,i,siri.'ii. ux--
stattet sein. Wenn liult mr'' Alh.s „-irrh,' ,//,("". ./.,,„
(jot's schw use hübschli w |s.. kann man -i^ h -n /nni
lieh behelfen] Tu (Schwizenl.). As ,/,(( dem Clund
neue [meines Bedünkens] ril a, mau lässt ihm Vieles
nach B. .anschlagen, gelingen, geraten, gedeihen L.
. Wul a., feliciter cadere.' Id. B. ,Man möchte V^atter-
und Mutterflüch für Katzenbett [unfruchtbares Gerede]
halten; aber fürwahr, sie gehen gern an und erfüllen
sich.' FWvss 1050. ,Als die latynscheu Wörter ihm
[einem Redner vor Rat] gar übel angiengend.- Schijii'Fr.
1051. ,Das gehet nicht an', ist vergebliche Mühe.
Hospin. 1083. .Welcher List der Schlange so wohl an-
gegangen, dass der Tod in die Welt kommen.- ClSchob.
169.5. , Allein der Schick gehet dem guten Pater nicht
an: die Leut haben vil bessere Augen, als er sich
einbildet- JHFisi 1090. ,Wo Gott vorsteht, kein
Streich angeht, Isach dis kann erwahren [beweisen].'
JCWeissenb. 1701/2. ,Er habe Viel verdokteret, aber
kein .\rznei habe angehen wollen.- Wasterk. Process
1701. .Als das Schiessen nicht angehen [verfangen]
wollen, taten sie einen Sturm.- Mem. Tig. 1742. Zu
Geniüte gehen, (wohl ..der übell aufgenoinmen worden
Schweiz. Idiotikon. II.
Aa; B; I.. ..Hart a.. grosse Sensation li
'*■ ('.s( iihel uii'i/ttii(je, wurde nicht gut
Vgl. unkomweu. ,Was brauchen andere heute zu
wissen, was man für eine Meinung hat. besonders
wenn dieselbe übel angeht.- Gottu. — c) vom Feuer,
sich entzünden, in Brand geraten, in schädlicher wie
in erwünschter Weise, in Bewegung geraten (anders
üfyän) Bs; B; Gr; Sch ; Tn. Syn. ankmnmen. Auch
von den vom Feuer erfassten Gegen.ständen : .Ein
Heustock, der angehen will: da kann man Mek-hter
um M. Wasser darüber ab schütten — er schlucket
alles, und je mehr er schluckt, dest stärker rauehnet
er.' GoTTH. Ang'gawje, angebrannt Gr. .Desselben
zinstags, als der ertpidem anfieng, do gieng für an,
dass ime niemand möchte vor dem ertpidem widerstan.'
1350, Bs Ratsb. ,Si verbranntent menig dörfer, diu
von in [ihnen, den Engelländeru] angicngent.' Z Chr.
1330/1446. ,Wie sein Werkstatt mit feur angangen.-
TiERB. 1503. ,Da ist das Cämi angangen.' ÜMev.
1540/73. .Das angangen feur.' 1588, SchwE. Kloster-
arch. ..Angon wie ein feur. inardescere. Von feur a.
(ankommen), fiammam concipere.- Mal.; Denzl. Über-
tragen auf Krankheiten: , [Die Feldsiechen] gond eins
von dem andern an.- Bs XIV. und auf Leidenschaften
und Triebe: D" Liehi got r»" selber u (doppeldeutig).
ScLGEH. ,Wann sie ihrer Altvordern Bildnuss ange-
sehen, sei in ihnen Trieb zur Tapferkeit angangen.-
WüRsnsEN 1765. - d) vom Wasser, anschwellen,
eig. an den Rand des Ufers ansteigen Gr. Vgl. an-
laufen. ,Dass zuo zyten die wasser so fast angiengind.
dass man in zweien schüfen ein ledi [auf der Lint]
nit gefertigen möchte.- 1532, Abslh. ,Und ist die
Eulach in 2 stunden angangcn, dass sy hett die pruck
an weg gfüert.- UMev. 1540/73. ,Amnis pro torrente.
waldwasser. das vom regen und wulkenbrüchen angat.-
Fris. .Angehen wie ein waldwasser. impetum dare.
vasto impetu irruere.' Dexzl. 1677; 1710. Ihiher bibll.
in Aufwallung geraten, .sich lei.len-. h.iftli. I, -,■-
berdcn, unruhig sein, lärmen, auch: laut lainniem Git.
TFas ist das für es Angan':' E tunimif Agu"! Si got
a wie der Tüfel, tvie a ühatz i"me Chratte". [Der
Säugling] lad Gäusleni [Freudenschreie] ab und weiss
,ild „■;,' /,„» n,r Jutcr A. | Wnlilb. linden |. S.-nwizERl..
J.ns ISnnl,. ,/„v Inll l.n <;„lh-,i. inr ,1 it ,„„l(,st. E O' ritt
inni .{finn hn. Syn. lirasl : Wcsrns. Von Insekten:
leblialt scbrtärmen und liesoiiders heftig sein. Wenn
d' Breme [Bremsen] so agönd, gid 's leid Wetter (Tsch.).
— e) zu gehen anfangen, in Lauf geraten. .So
ein löuwin [Lawine] im hochgebirg angat und alles
wyt und breit mit schnee überdeckt.- LLav. 1569.
.Das urenwerk lassen angan.- 1576, Z Neuj. Antiq.
, Einer aber, der im Briich hatt lang zu predigen, der
stat an die Canzel und las.st synen Mund angahn.
wie der Müller syn Rad.- 1038," JJBreit. f) an-
fangen, beginnen (in neutr. S.); von den Produkten
einer Jahreszeit: in Schwang kommen, allg. Vgl. an,
1 256 Anm. Anton, us-g. .Die Vormittage [werden
ihm lang], wenn er dieselben mit dem Frühstück des
Morgens um 5 Uhr angehen lässt.- Gotth. .Wann
einer verhütte zuo recht und einen Undervogt düechti.
es were an äugendem schaden, so mag er's einem er-
louben uf recht.- 1527. Aa Weist. .Früey ops wie
paradysle und liöubirle, die zum ersten seltsam [an-
fangs selten] sind und vil gelten, deren man nachwerts.
so das ops angät. gar nit achtet.' Fris. .Ein an.geliend
fia, se, "i.
ff"
20
[neu gestiftetes] Cluster uuil CuUegiuiii/ i;('\s. .Weklie
[Einkünfte] dem neuen Verwalter mit seinem Aufzuge
[Antritt] angehen sollen.' 1771. BSpyri 1871. In akt.
Sinn. eig. an die Arbeit gehen, antreten, dra" ya":
.Der [Mäder] soll morndes nach StVerenen tag angän,
so man zen barfuossen dz erst zeichen lütet, und soll
wider abgan, so man complet lütet.' 1416, Skg. RG.
Das Ptc. als Adj.: akeenti [einbrechende (auch adv.
= bei einbrechender)] Nacht ZO. Eil ay^ente' Pfarer,
ein Studiosus oder Kandidat der Theologie Z. ,Der
angende [neu ins Amt tretende] vogt.' 1350. Absch.
.[Liegende Güter, welche von einem Gläubiger mit
Beschlag belegt werden,] sond ligen in gebot 6 wuchen,
es wäre denn um angenden [drohenden] schaden.'
AALunkh. Hofr. ,Ze äugender nacht.' Rüess. ,Dass sie
by äugendem wald syner warten solltent.' ÄgTscuudi.
Als adv. Gen.; .Angands tags.' 15'29, Absch. .Äugender
nacht.' VoGELii. 1557. .Angands mayen; dis jars im
nionat angends junii.' Kessl., aber bei dem Selben
augenscheinlich schon zur Präpos. mit Subst. im Gen.
verknöchert: .Angends disers jars' und noch deutlicher
,angens der nacht' UMey. 1540/7.3; .angends des früeh-
lings.' VooELB. 1557. Die lebende MA. zeigt scheinbar
Überbleibsel der echten Construction: ag<seiuls Winters
BSi.; Uw. .M-s Jars Gl; Gr; W", anderwärts nur bei
schwach flektierendem Subst.: o-s Abrelle", ilfaie" Aa;
Ai'; Uw; Z, in welchen Fällen jedoch in Anbetracht
der Scheu, welche die MA. vor dem Gen. und bün-
diger Construction hat, auch präpositionale Verbindung
angenommen werden kann, wie auch ageenternacht
(ZKn.) vom Volksgefühl in ug,£nt der N. aufgelöst
wird. Den Gen. ersetzt sonst vorwiegend wie in an-
deren Fällen auch hier der Dat.: angends dem Langst
[Frühjahr] Gr; agends Mai, u. der Wiiche Bs; «.
Homer L; er ist a. de" SibezgC [ein angehender Sie-
bcnziger] Z; und so auch in räumlichem S.: «. dem
Berg, da wo der Berg sich zu erheben beginnt Ar; Gr.
Und endlich entwickelt sich ans der Präp. das Adv.:
a'gänds 1) anfänglich B; U; am Morgn" angenscli
W. .Angends by der langen Stegen', da wo die lange
Treppe beginnt. JosuaMaler 1593. '2) sofort (indem
die Handlung vom Augenblicke an .angeht'), unver-
züglich, nächstens, bald Aa (in dieser Bed. spr. "•);
Brang.mdsJi „VOrte;" G; Sch; S; „Z;" .statim.' Id. B.
Ich tcill-der de"" iez «..' Drohung BSi. Überspielend
in die Bed. , bereits': Es war du [alsdann] ang. fer-
nacher [so weit] g'si", dass a- hätt us-em Hüs müesse,
du zündet's de'' Halungg a" B; vgl. anfallend I 718.
.Fürderlich und angents zuo wüssen tuon.- 1500.
Ztschr. f. Schwz. B. .Als bald sich ein ungestüem
Wetter erhebt, wo man dann danzete, da soll man a.
lifhören.' ä. Obw LB. ,So das responsorium gesungen
würt bis uf den vers, facht der kilcher angends die
mettin an.- XVI., Erzähler 1855. ,Ouch soll man
yetz schnell und a. ein ablass schicken in tütsche
land.' NMan. ,Üwer botschaft unverzogenlich und a.
zuo schicken.' 1525, Absch. ,Ir weitend a. üwer macht
potten hinuf schicken und sölichs a.. dann es nit beit
[Verzug] will haben.' 1531, Strickl. ,A. nachdem sy
disen brief verlesen.' Kessl. .Angcns und on allen
Verzug.' 1546, Sch Ratsprot. .Bald, von stund an oder
angends nach dem tod.' LLav. 1569 = .straks.' 1070.
.[Cäsar] hat ein Spazierreis in Italiam getan und [ist]
a. wider in Galliam kommen.' ÄoTschi'di. ,.\ngänts
und unverzoirenlich.' Z Mand. 16:Ul. .Dieselben sollend
a.. dieweil nach Ehr und Guot \ei'lianden, bevogtiget
werden.- ebd. 1650. ,0b auch Einer Einem verspricht,
sein Baargelt angehends oder in nächsten 8 Tagen
zu geben.' L Stadtr. 1706/65. ,Angehents anmelden.'
XVIIL, GHdschr. — g) in Fäulniss übergehen,
anrüchig werden, Anzeichen von Krankheit bekommen
(auch V. tierischen Leibe) L. Üyn. anziehn. B' Herd-
öpfel sind ag'gange, schimmlig geworden, von der
Krankheit angesteckt. Erdbire" gid 's «" mängem Ort
chitm meh de Some, die mehrsten ag'gangni. ,Wanu
Fetzlein im Eiter erscheinen, so bedeutet es, dass die
Nerven auch angangen sind und allgemachst dem Tod
zueilen.' FWürz 1634. ,Dass der Spicher solcher-
massen angefüllt [sei], dass zu gefahren sei, dass bei
warmem Wetter die Früchten angehen möchten.' 1780.
L Stiftsprot. In weiterem S.. zu Grunde gehen: ,.vl.
lä, drauf gehen lassen, verschwenden U." — h) sich
ansammeln, auflaufen, in der Verbindung kf n..
aufschieben, zögern W. Er hat bi schiner Chruvl.cf
la angä und la angä, bis es duo z' spat g'sin ist. Vf,'l.
anstän u. oben Litt. d.
Es ist fraglich, ob die Stelle bei Fris. u. Mal.: .luiliis.
das ryten oder angou; iuire, angon, auf eiu weiblc steiguii,
als die beugst uf die feldross' zu der Irans. Anwendung (1 d|
gehöre, oder ob eine entsprecheude iutr. Auwouduug auzu-
iiehmen sei. — Der Gen. angands urspr. nur als Attribut
eines männl. oder säehl. Subst., mit welchem zs. es eine
absolut-adv. Construction bildete; vgl. .während des Kriege»'
aus urspr. .währendes Kr.' = ,iu währendem Kriege'. Dann
wurde das Ptc. aus solcher Verbindung geläst, selbständig adv.
gebraucht (wie .Anfangs' udgl.) und mit einem neuen Geu.
verbunden. Auch die mit der Verblassung des Grundbegriffes
inid mit der dadurch geförderten Unklarheit über die Etymo-
logie des W. zshangeudo Verschiebung des Accents hat ilir
Analogen in mehreren Spielformen von anfallende (I TIS).
Für den einzigen ThPlatter eine besondere, überdies schwor
aus dem Grundbegriff abzuleitende Bed. .fortwährend' anzu-
setzen, erweist sich, wenn mau die Stollen unbefangen erwägt,
als nicht geboten. S. ausser den bei Gr. WB. I 343 auf-
geführten auch noch Platter S. 51.
ane-ga(n): 1. zu Jmdm hin g.. um ihm behülflich
zu sein, sich herbeilassen, beistehen, m. Dat. P. Z.
— 2. einher gehen Ar. Ana fani)-gö tcie dei- Schatten
a" der Wand, d. i. abgemagert, schwach.
i(n)-: 1. intr. a) hineingehen, hn eigentlichsten
Sinn, so in das Haus, unter das Obdach, und zwar
auch ohne Ortsangabe: ins Haus zurückkehren B.
.[Bruder Claus] gieng selten und nit vor mittag herus
und zuo vesperzyt wider yn.' Ansh. Us und i ga (bei
Jmdm), Wohnung und Kost daselbst haben oder auch
in anderer Angelegenheit regelmässig zukehren GT.
Wer nid üsgot, got o"''' nid i, wer schwer von Hause
weg zu bewegen ist, lässt auch lange auf seine Heim-
kehr warten. SuLGER. Was mit Ere7i {oi. s' E.) ilsgät,
gät au"'' wider mit Eren (s' E.) i ZWl. Spec. von
den Haustieren, namentlich den Hühnern, zur Ruhe
gehen Aa; B; S; Syn. z' S'edel gan. I)' Hüener gö"
gern l — 's git guet Wetter. Schild. Davon übertr.
auf die Sonne: untergehen B, ,occidere.' Id. B. Si
isch l. „In böser Absicht und heimlich in ein Haus
eindringen, einbrechen BO. Er geit de Lülen »." In
die Falle gehen, sich fangen lassen (physisch und
moralisch) Uw. Durch das Tor, in eine Stadt cin-
reiten: ,Gat er [der für eine Anzahl von Jahren
Verbannte] mit dem Herzog yn [kann er dem der
Stadt einen Besuch abstiit'teiideii Herz.ige sich an-
22
.scliliessciil, il;is Mill im dii' .hir :iljiiei,ieii | vonniiulurn|.-
AaM. .Stailtb. Das l'tc. im Gen. als A.lv.: .Ist .lass
i'i' ynsraniles [beim Eintritt in den Wald] ein wid
liciwet,' /Kliint. Offn. 1459 [od. zu le.sen .yngander'V].
b) mit bildlicher Anwendung des Gehens a) von
l'rrsonen, einen Dienst antreten BsStdt; Z Don.st.-
Xaehr. 1787. Das Amt antreten: ,Wann die rate yn-
sjand.' ll.'J7, Ochs. P) von Sachen, z. ß. durch die
Haut eindringen. Id. B. S. u. d. W. Schine. Durch
den Mund eingehen. Es gat-em zum Mül i, sagt man
zur scherzhaften Erklärung der Fettleibigkeit von
.lind Z. Göt der Wl" starch i, yöt der Wits starch
fix. RocHH. 1857. In den Erdboden einsinken, ein-
dringen. D' Reder sl" ly'gmuje bis n" d' Sjiiche' F.
Der Mut geit 7." hi nassem Wetter Gr. Es gat V,
der Pflug greift an. Auch mit den Füssen einsinken
P.Hk. (In die Welt) kommen. ,Dass der Tod durch
ilio Siind in die Welt eingangen.' JMüll. 1061. In
den Kopf, den Gedankenkreis von Jmdm eindringen,
ihm deutlich und klar werden, einleuchten, ihm be-
lieben, gefallen „VOrte;" Gl: G; W; auch von Per-
siinlichkeiten. ,Vim in docendo afferre, dermass ge-
waltigklich und treüwlich leeren, dass es einem muoss
eingon.- Fris. ,Der Anschlag geht mir ein.' PJHerm.
1755. Von Einkünften und Guthaben. Erlös B; Gl;
G; ScH; ScHW; Vw ; Z. Der Inf. subst. das Igö, Ein-
kiimmen I-: genetiv. ril It/os und daraus ein neuer
•Xüiil. das Iqos. \Vr,- \,i.l hiid im l.ihidll. kes Igos
und l.es Äiiitli. Häki,. 1^1:;. Ih, Uniu-nii. in, de Here
[GristlirlK-ll| 's /'■,/„,. rirnisirh/i ,u„l (liil->'egmt für
d' Iseliiiiii- rrriihiiiiiinli. .lüKi.ii 1^71. 3/i.s Igos mag
iiiimiiir iiirh ij'Iiiihi," |;insifirli,.|i |. Du bist hei Herr;
dix Vrrdii'iistli und dis Ifius isi iiiiiiime chU. Und mit
vollständigem Vergessen der grammat. Bildung sogar
der Igos Ü. .Dass das eingon, tribut und steur aus
seinen landen klein was.' 1531/48, I. Macc; dafür
.cinkomnien.' 1667. ,üas järlich eingon' im Wechsel
mit .nutzung.' Vad. Dazu das Ptc. als Subst. (n.) im
nämlichen S.: Igänds (Igönds kx), mit best. Art. das
Igdnd Gl; Uw; Z oder mit Beibehaltung der v^irhin
genannten Form das (Igänts) Igäiu Sch; S(u\v; l w;
„allg." Abi. Ingündig; Ingändi. Kei Kapitalist und
kei Zys [Zinse etc. wünscht sich der Landmann] iider
[Eetztem] doch Igänterwys. Schw Fasn. 1874. ,Die
gült, so ein pfarrherr järlich yngends hat.' 1530, Absch.
,150 fl., so die Kilchen yngendts hat.' 15(17, Z Ratsnian.
.Im Todbett der Kilchen auch etwas yngents ver-
machen.' ScHiMPFR. 1651. In eine Verpflichtung sich
einlassen; vgl. unten die trans. Construction, welche
der vorliegenden zu Grunde liegt. Wir s'i" so Ig'i/ange,
auf diese Bedingung Handels einig geworden BSi.
.Wann Einer der Schuld bekanntlich i.st und vorm
Gorichtsherrn dem Schuldforderer in Pfand yngat [sich
zu solchem verpflichtet].' 1575, Ztschr. f. Schwz. R.
— c) mit weiter zurücktretender und auch ganz
erblassender Vorstellung von einem Zielpunkte, so:
in sich selbst zurück gehen, einschrumpfen, wie
Tuch, ein Seil udgl. durch Nässe B; VUrte; Gl;
Gr (auch vom Menschen); G; Uw; Z. An Versjtre-
chi"ge' und w'g'net stein Tnech got ril l". Sulger. Von
einem Betrage, einer Zahl: ,Sie hätten bei 3000 Pfd
darauf bezahlt, an dem man ihnen nun Nichts wolle
yngan lassen.' 1508, Absch.; vgl. .Eintrag tun; be-
einträchtigen'. — d) eingeschneit werden. Wenn
OS aber kumpt, dz die Strassen yngand, dz die kilchcr
I Kircli-, hier = Gemeindegenossen] gemeinlich zsänien
müessent [um sie mit gemeinsamer Arbeit zu i)ttnen|.'
14'29, Geschf. Gks. Vgl. offen (wieder gangbar gemacht |.
welcher technische Ausdruck unserm in als Gegs. ge-
rufen hat; verschieden vom .Eingehen' eines Weges
i. S. V. e. — e) aufhören zu bestehen, in .\ljgaM;;
kommen, z.B. eine Schule, ein Postkurs Aa; G; Soh; Z.
— f) anfangen. I)' Predig iseh ig' gange. Wenn geit
d' Chilchen i ? De'' Mai ist schön ig' gange B. D' Mes'
gat de' nächst Mäntig i ZW. ,Wic der Neumond ein-
gegangen, folgt das Wetter im ganzen [z. B.] Herbst.'
Kalenderregel. Anderswo heisst es aber: nie 's Neu
Ingät, so bliht 's mit. ,Wie die Hundstage eingehen,
gehen sie aus.' Sprww. 1824. ,Das eingend jar: der
anfang ilo< jars, annus exoriens, annus venieiis.' Mal.
Es wird.rliMrii Mrli für das Ptc. di.^ -I.i.bm r„„-
structi.vii.'ii wie lifi dem sjn. angäiid . :' mii.' ndnu
Maieii, iiifictiids Miiiiets BRi. Jg..ends Honur '\x. Gi.:
Z. Igänds der Bredig' Tu. .Zystag nach dem yngenden
jar.- 1295, Z Antiq. Mitt. ,An dem yngenden jar er-
lasch die sunne.' Z Chr. 1336/1446. .Bis yngends erst
herpstmonats.' 1526, Absch. ,Gegen ingendem tag.'
Vad. — 2. tr. a) auf eine Bedingung eintreten, allg.
- b) fassen, begreifen ZO. Vgl. 1 b. - c) en Has
igfi, .lur.li l.antVii mnur,.!,. i, 7,.
rl„ ,-
des Zi
der in
Syn. .
(/r 11 sah
ob ihm
iienige
Ande
eintreten. Wenn's Neu [der Neumond] hell iniie
got, so regnet 's am dritte Tag, tmd wenn 's duulrl
innegot, so git 's schön Wetter S nJ. D' Frnufaste isl
leid inne'g'gange, der Anfang der Fronfastinziit war
regnerisch Gl. Wenn d' Fraufaste mit IIisiiiihI ninr
gat, so git 's ehalt Wetter Z. ,Am M<jrgrn. wann (irr
Dag iner got.' Stockar 1519. ,So bald aber die wernn'
einhin gangen, enderet die nachtgall ir stimnu' Vouelh.
1557. — c) Inneg.ents, Einkünfte von Kapitalien ZK'n.
- d) anklagen BHa. It Id. B.
un-jfrtOTtZ B; öge'nt kv; iigäntG; ük^nt Gl: 1. wer
(noch) nicht gehen kann. F-s C.hind Ar; Gl: G.
2. nicht recht brauclibiir. ziemlicli wertlos l;, eig. was
nicht geht, keinm C.mrs hat l:. I'iiiiäiih .Man:, die
nicht gerne angenommen winl. l'iiiiänds. wertbisc
Gewichtszugabe vom Fleischer. Syn. ungängig.
under-gä(n): 1. unten od. nach unten hin gehen,
a) undergänd, unterschlächtig, von einem Wasserrade,
welches in seinem untern Teile vom Strome getrotlen
wird Ap. — b) ebenso, vom Monde, a) im absteigen-
den Knoten befindlich, was im Kalender durch ein
Mondsbild mit abwärts gekehrten Hörnern angedeutet
wird Aa; B; L. üyn. nid.tich-g. Das Neu nnd Wädel
I Neu- und Vollmond] ist nit glich [für den Landban |
und Uf- und Undergehn B (Schwizerd.) — ß) ab-
nehmend L; Zg. Im U. soll man Nichts setzen in
Feld und Garten, sonst geht es nicht auf. Bildlich:
.Sie war jetzt im Aufi;rliriiden, wie die Nanette im
Untergehenden.- Mhiizoii. c) unter einer, unter
eine Last gehen, sir irayrii, erleiden. ,So mag ich
nicht under-aii ,I.t l.unli.- KSaii.kh 1 KKI. Auch tr.:
(iil. IJC'
.Zc uiidergoii den allorliitteristeii Un\.- Hören l-ITl!.
•J. Jazwisclifii geliii. a) dem Siiomann voran-
gehen zwischen dem zu bestreuenden und dem bereits
bestreuten Gebiete, um ihn vom Ühersäjen abzuhalten,
allg. Mit Acc. P. ScnSt. 8. auch Undersät. ,Am
Liebsten ist es dem Bauer, wenn ihm seine Frau
itiiilergftf. Süterm. — b) die Grenzen begehen
1111(1 besichtigen, in Augenschein nehmen und be-
-tiiiiiiien. eig. zwischen den anstossenden Grundstucken
diiirh schreiten Gl. Syn. erijün. .Unser banne, die
wir in unserm lande verbannen haben mit underganne
lind mit krüzenne.' 13.58, Schw LB. .Die wähl, die
iiit undergangen [abgegrenzt] oder mit marksteinen
usgezeichnet sint.' AaKöU. Eod. 1400. .AVo sich stöss
und spän in güeteren erhüeben. da sollen [die] rät
mit einander undergon und marken.' k\7.. l>orfr. 15.50.
.Der zehnden ist undergangen und eigentlich usge-
marchet [worden].' 1.551, Mev., Wetzik. .In rem prse-
senteni venire: undergon. einen undergang tuon, d.i.
auf die spänigen [streitigen] ort kommen, sy ze be-
sehen und darnach urteilen.' Fris. ; Mal. .Der Zwing
zuo Egenwyl, der ordentlich usszeichnet, undergangen
und beschriben ist.' 11)04, Aa Weist. S. noch l'nder-
(inny: tmclernteineii, und Blum. RG. I '295. — c) vom
\'iehhüter, an gefährlichen Stellen unter- od. ausser-
lialb des Vielies, zwisdien diesem und dem Abgrunde
schreiten, um ihm Vertrauen einzufiossen, es vom Um-
kehren abzuhalten usw. Schw. — d) Streitigkeiten
schlichten, durch Dazwischentreten verhüten. ,Et-
lich hettind [den Streit] schaiden mögen, band aber
den schaden fürgOn lassen, den si wol bettend under-
gon mögen.' Vad.
In der Benennuiig Jer Mondphasen ist durch Mangel an
Vcrständiüss und Xaturbeobachtung Verwirrung eingetreten.
underhin Cimrferp;-ga(n): zu Bette (unter die
Decke) gehn B; s. Anton, riff/cm.
ent-, ei-; wie nhd. Im Besondern 1. von einem
ausgleitenden Tritte BKi. .Ist gefallen hinder sich an
ruggen, sind im bed füess entgangen.' UMev. 1540/73.
— b) sich einer Gewalt entziehn, in der RA. ,sich
selber e.', die Gewalt über sich verlieren. ,So wir
uns selbs entgangen wärind und in schwere laster
gfallen.- LLav. 1584. .Wie etwan die fründ Gottes
selbs inen entgond, mit zorn. rachgyrigc usw., wie
David euch.' ebd.
er-: 1. neutr. a) ausgehen. Der Bisie [Keil]
ergäd tvider, gleitet wieder aus der Spalte heraus
Schw. — b) vor sich gehen, geschehen; fällig
werden. .Güeter mit ergangenen zinsen.- 15'20. Bs Rq.
.l'rcdicanten, so an orten unergangens meres [ohne
vorangegangene Abstimmung] predigen.' 1532, Strickl.
In Verbindung mit .lassen': no-n-e Wal e. lö, die
.Milch noch einmal aufwallen lassen Bs. — c) aus-,
zu Ende, d.i. zu Grunde gehen, krepieren; in Ver-
fall kommen, aufhören, z. B. vom Feuer, von einem
Brauche, einer Ortschaft BO. .De agricultura dicitur,
cum intermittimus culturam alicujus roi; in desuetu-
dinem venire.' Id. B. .Die Liebe soll dir nicht er-
gehen, wenn schon der Grossvater nicht mehr sein
sollte.' GoTTH.; doch liegt in diesem letztern Falle
viell. die I 403 erwähnte Verwechslung von ent- mit er-
vor. — 2. tr. a) durch Gehen bekommen, sich zuziehen,
.(jieng ich gen S., kam wider heim, liatt ein krankheit
ergangen.' Salat. Syn. erholen. — b) eine Strecke in
ihrer ganzen .4usdehnung gehend durchmessen.
einem Gegenstand ontlaiig gehen, mit dem Xbbegritfe
der aufmerksamen Untersuchung. .Die faden e., ob sy
fridbar syen.' 1427, ScHwRq. Vgl. iinder-g. 2 h. — c) ein
Ziel erreichen, Jmdn einholen Gr; Uw. Uf-e" Titlix
isch-es so streng und treif, das.i wie» '.v fast nid e. mag.
.Eundo superare.' Id. B. .Die von Zürich fliehend
fast [d. h. eilig, mit Macht], es kann si niemand er-
rüten noch ergen.- Salat. ,Consecjui aliquem (eundo).
einen erlangen, ergon oder erlaufen, ereilen.- Fris.;
Mal.; Denzl. — d) (eine Krankheit udgl.) über-
stehen, aushalten Gr. .Welches dann eines Vatters
lind mütterliches Herz kaum crgan mag. sich also
synes Fleischs und Bluts zu entledigen.' Werbungs-
BücHL. 1670. — e) r e f 1. , ablaufen. ,Der gewege [Ge-
wichte sc. am Uhrwerk] nimm beder war, so si sich
ergangen habent. das sie schiere nüt nie seilen habent,
so ZÜch si wider uf.- 1385, GfrU. — Vgl. ergllngen.
ÜS-: 1. neutr. a) ausgehen, in eig. S. (allg.);
vgl. üs I 551. Gemeint ist ,aus dem Hause': Für
d' Wiber ist U. nie so gnet; diheime' bUhe" war besser.
Sclger. yii'.t {'. ist vrnifj. ich sehe selten von Hause
weg Z. Daher biMl. lulnl .ln,,|,elsinnig?): Wenn 's
Geld üsgöt, so fSnill 's »/. - Hn,i;;i nnmme [den Heim-
weg nicht mehr] G uLdseh. .Aus iler Stube" und zu-
gleich abstr. .aus der Zeche: ,Wer in ainem wynhus
trinket, gät der uss, dass er dem wirt syn ürten nit
git, darunib soll in der wirt nit haben [zurückhalten [•
SfH Stdtb. ,Da einer usgät einem wirt unbereit [ohne
zu bezahlen].' ebd. ,Aus der Gefangenschaft': ,Wie die
gefangnen gestraft und uff urfechd usgangen.' 1531.
Strii-kl. ,Aus dem Leibe': ,Gewisse Personen können
in der Nacht ausgehen, d. h. den Leib verlassen, so
dass derselbe im Bette liegt, ihr anderes Teil aber
als Katze od. dgl. in ein andres Haus einschleiclit uml
sich auf das Herz schlafender Leute legt.' Thellunh
1867. ,.\us der L'mzäunung'; von Rindern gesagt.
welche gewohnheitsgemäss jene durchbrechen BO. -
b) mit mehr oder weniger bildlicher Anwendung
des Gehens. Es gat-em lei" rechts Wort zum Miil
üs Z. Der Ausgangspunkt bloss hinzugedacht: von
Geschwüren, Beulen, aufgehen, zu fliessen anfangen '/..
Die (rschicnlst mness ü. ,Eiss, der reifet und ausgat.'
.Mai. V.iiii Vn^clei, wann das Junge ausschlüpft B.
Du- ir/7(/(" Hciiii I nehmen. Conj.] d' Vogeleier unger
(/s lliiui' r^isdiiff [unter den Hintern], Im si üsgange".
B Hink. Bot Isil.J. Von einem Gefässe, sich entleeren:
.Im Fahl aber, da.ss ein ald ander Fass nit volln-
kommenlich usgahn, sonder bestahn [sich ver.stopfen |
wurde.- Z Umgeldsordn. 1643. Von Flecken u. Farbe,
verschwinden, sich entfernen lassen, allg. Mit Wechsel
des Subjektes, vom Zeuge, die Farbe verlieren, nicht
halten G; Syn. i'islän; schiessen; absterben. Von etw.
Befestigtem, sich lösen, auseinandergehen, z. B. vom
Faden, der aus dem Nadelöhr oder aus der Naht
schlüpft; vom Knopfe, der aus dem Knopüoche geht
(vgl. iiss). Von Druckschriften, erscheinen: .Wenn die
gschrift der disputation usgat, werdend ir wol s6hen,
welcher teil in gottes wort gegründet ist.- Zwinuli.
,.Ioh. Fries hat ein kostlich gross Dictionarium lassen
ausgehen.' HEEsciier 169'2. — c) mit Bez. auf den
Ertrag einer Kapitalanlage: .Wer usgend zins uss
einem guot hat. dem soll man richten nach syner brief
inhalt.' G OBüren 1481. ,Da man schulden oder zins
zuesuecht, da soll man zuerst usrichten schnitterlohn,
rindniiet. darnach ob jemand usgend guot darus gienge.-
da, ije. -1, -.
GBui-iiu 117-J. ,1| ins (_;c-r,-.l(.' k„iiuiK-n: vj^l. ». |
= iliirch doli Druck verbreitet weraeii. ,N. N. liisst
.MUolricheu voa wegen der lueisterlosikeit syner kiiid
US .<;on.' 1528, Egli, Act., d.i. bringt ihn ins Geschrei. I
— e) sich ausbreiten, sich entfalten, aufbrechen. |
von Blütenknospen A.\; B; S. 's Bäbi hei die ehr- [
iriiriliiji Jerichm-ose in es Glas mit M\\sser ifsteUt [
i/'hti" fiir:' iiief/e", tcie-si-si"'' rerti'iei, uiuj dir Awescnde'' !
hei" mit Freude- g'seh-, ms S ller,h.,,tcls,h„ssli und 's I
Chiinischossli |2 besonders o-L'iir II t et r /.w.iulein der J.|
ümiiiel (juet usgange' si". BW n^~ \^i<:\. (bertr. von
einem Gerüchte: JEs grit es G's(ig. le iciie.'<ti (rschicht) i
ris ron-em Z; von Krankheiten bei vielen Personen
auftreten; von einem Geschleclite, sich verzweigen:
.Eins guten und wyt us^ehenden Geschlechts.' Pl.itt. i
1612. — f) sich ereignen. Statt finden, ergehen, j
Dr ühöf [Kauf] ist iisgunge BNeuen. ,Was [immer] t
usgan sollte, das* man hy den toren wäre.' Anf. XVI.. j
Z Anz. — g) ein Ende nehmen, aufgebraucht wer- j
den Gr; G: Uw; W; Z. ,S("'' Freud (de'' Bruch: die \
Brütscheft, das Verhc'iltniss: 's Für; 's Liecht : der
Ate"': 's Geld) ist (wider) üsg'gange". Ebensu v.hm
Faden, in anderm S. als o. Die Manne' |ili.' An-
tiquare von Zürich] säge'd, ine" heig [hahej grössi '/.d.
wenn-me" no"'' e guets Teili vo" dene" Würtere' tvell i
übercho', wil s' rso iwtnoh [nach und nach] usganged \
hi der junge' Welt. Senn 1864. Einen Acker ü. ht",
liegen lassen, nicht nielir bepflanzen Obw; Z; vgl.
Nülere; Nägehüenes. Dazu das Ptc. und dessen adj.
Weiterbildung imßndig i. S. v. usendig (1 319) in der
Verbindung de' ganz u. Tag. Sprenr. ,Wa dehein
person Uganda guetere 7 jare, angende und usgende
[von Anfang bis zu Ende], ruovvig besessen hat un-
angefochten.' 1404, Ztschk. f. Schwz. K. .Seines an-
und ausgehenden [zeitweiligen] Amtes.' 1-542, Absch. !
.Erlangtend usgönds bestands [Waffenstillstands] Ver-
längerung.' Ansh. Jetzt iin,-li Iw.s. üblicli Vom Alihmfi-
einer Zeitfrist: z' iis,in„.l. w M,,,,. W. i,,:. I\.,,n„l.
Friieli'gs. Stutz. 'i\,i„,„I~ \ln,hrs r«. /•..,/.„„/>
Joes B. ,Ze üssgandeni redemanode.- lodd, Z Staats-
arch. ,Ze ussgenter pfingstwoche.' 1318, ebd. .Bis 1
zno ussgenter osterwuchen.' Scaw Eq. ,Zuo nssgendem i
liornung.' HBi'll. 1572. Am Üblichsten usgänds als
l'rapos. (allg.); vgl. o. Ingänd. U. das (dem, rom)
Jar: O.Maie'; ü. Surner. ,Usgänds, si.d ünem.' Id. B.
So schon früh: ,Järlich 4 gl. bis zuo üssgenz der be-
zalig.' 1568, Gprd. Selten auch räumlich : Wu mer
[wir] vsgänds 's Dorf chömwet Z. Das selbe Ptc. als
Sub.st. aufgefasst: ,Bis zuo ussgand der 5 jaren.- 1510.
Z Anz. — h) ausweichen, sich einer Unannehmlich-
keit, bes. einer Verpflichtung entziehen. Er ist- ein
(oder es) üsg'gange, auch i. S. v. .er hat es ausge-
läugnet Z. /"■'' &!" nie iisg'gangod e Word ran outvem
B'scheck [Befehl].' Schott 1842. ,Und soll nieman
gen dem andern dirre [dieser] buntniss ab- noch us-
gan mit Worten noch mit werken.- 1.351. Absch. .Gien-
gent die üweren des satzes [des Schiedsgerichtes und
seines Entscheides] us. so söllent sie 40 gl. verfallen
syn.' 1417, ebd. .Das' die von Swyz den eidgnossen
der gemeinschaft nit üs.sgangen wärind.' Fkcnd 1447.
.Dass sich y^mans die zehenden ze geben weder mit
gott noch mit recht entsagen und iisgan möge.' 1525,
Hotz. Urk. ,Sind also den iiüiitm und manungen us-
gangen.' 1531. Strickl. — i) le. r au>uehen. als
Gegs. ZM .darin, dabei bleiben-. .Sollend die verwanten
von vattermag die von der niuolterniag. >o im erb
üssg:ind. nach billigkeit mit einem Selgrebt [frei-
willigen Vermächtniss] betrachten.- 1629, Schaub. I!(].
— k) frei ausgehen, freigesprochen werden. ,Wer
die buosso verlüret, von dem soll man si nemen, er
mug sin denne mit sinem aide usgän [seine Schuld-
losigkeit erhärten].' 1372, See Stdtb. ,So einer fänk-
lich von eins friden [Friedensbruches] wggen ange-
nommen würt, so er dann des fridbruchs ü.sgat. das'
er ine nlit gebrochen hat.' Ar LB. 1409. Frei gegeben,
vom Weid- und Trattrecht entledigt und zu Privat-
eigentum gemacht werden: ,Dem N. ist ein hofstatt
und ein garten ussgangen und von mynen herren er-
loubt ein hus daruf zuo buwen.' 1504, Schw LB. .Die
im oudi von myner herren befelhens wegen ussgangen
und nssgezeichnet ist.' ebd. Vgl. üslän. - 1) ührr
Einen äs gän s. I 552 o. — 2. tr. a) bis ans Ende
von Etwas gehen. D' Schriind, die Gletscherspalten
umgehen BLaut.; vgl. 1 h. Mit dem Nbbegritf des
Durchforschens. der Untersuchung: Mareie iroit gn
inimlle" [auf die Wanderschaft gehen], wott alH Land
,n,s,,rhi,. irnll s„cheii ihren Sohn. ToBL., Volksl. .Dis
-int die zil. als man der liürger allmende üs soll gan.-
V.iüi), Sei.es.s. 1;G. .Man soll fünf erkiesen, die usgon
sond steg und weg und sond auch markstein setzen.-
XV., Ztschr. f. Schwz. R. .Steg und weg üsszegau
nach der bessern kuntschaft.' Z.\ltst. 1429. ,Die so
<ir'j: und weg geschworen hand üsszegand, dieselben
ues.liworueii [sollen] unverzogenlich die .stosse | Lo-
kalitaten, über welche Streit herrscht] besuchen. -
Edlib. l>as Ende von Etwas erreichen, Etwas los
werden: Er gat der Jamer nie üs, wird immer vom
Unglück verfolgt Gl. — b) ein durch Nässe zsgezogenes
und kraus gewordenes Seil wieder strecken, indem
man es um einen starken Stab schlingt und mit dir-,ni
2 od. 4 Mann stark die ganze Länge des Seiles hinaus
/,. Ji
.W.
marschiert Z. — c) ausfindii; lua
iniii [wollen] wol Ejijiis :' (rtrlm ,i
ihr (iuts aus miteinander.-" i:ru->lor
.[Den Mörder ihres Vaters] hatt.'nd di.- lun-rn X. ii...
gangen.- 15.34, Salat. ,Botz bhioM : ,h.ri -.irlibh
schon den einen; ich könnd in li\.r j -e.-rlii,ktev| nit
u.' HRMax. 1548. ,Man verornet ainen buwmaister.
ainen laira [Lehm] visszegon, uss dem man guot wer-
schaft [solide Waare] machen möchte.' Vad. .Gang
ein g'.steud und dick ort aus. darin du dich wol ver-
bergen mögist.' Vogelb. 1557. .Locum oculis capere.
ein ort ausserlesen oder aussgon. Explorare diem
aliquani, einen tag au., erwellen und ansehen. Occa-
sioncm captare. ein gelegne zeit au.' Fris.; Mal.;
s. auch füren. ..^u., ersuochen, als so ein jägor das
gwild aussgat. wo es sein läger habe, vestigare.' Mal.
.Der hatt ussgangen, das' Zwingli an eim ort z' gast
äs"; do wollt er uf in warten.' Platt. 157'2. ,Dic wil
mier myn l. tochter gestorben was, [habe ich] gedacht,
wo ich mynem sun ein frowen üssgienge.' ebd. .[Als
Sennbueb] syge er etvvan geheissen worden, die rech
ü. und stöuben.' 1578, Z Staatsarch. .So dem widf
einer nachgienge und ihn üsgangen hette. 1 ooT. /, ismu.
t Schwz. R. ,Ein prediger ist von etlii h.n .lu-i^auL^vn
worden, die wollend losen [hören], was ,s tiu -[u hhl:
abgeben wurde.' Schimi-pr. 1651. ..\ussgehen, auss-
spehen ein gewild, ferani vestigare, insidiari fcrie.
Ein ort au., locum capere. explorare. Etwas au., ge-
(ia. ,<je. gl
— (1) .Inwill liiiitiT.s;i;lioii. .Die liölzor .-^oll der
weibel ila.s ganze jar verhücten. und damit er der zeit
des mittagessens halber nit könnte aussgaiigen werden,
soll er diser zeit halben abwechslen und mithinzu
[zuweilen] in der zeit, da andere zu mittag essend,
in dem holz vorbleiben.' KiVl, Hotz, Urk.
ushinj'Mse^-gaCn): hinaus gehen. Vgl. i/.s-»/. 1. über
die Schranken der Sitte und des Anstandes hinaus, Ex-
tesse begehen (Dkr). — 2. enden, schliessen. Wie
iV Hundstag ie </mid, gönd s' me AAEhr. — 3. ver-
kauft werden. z.B. tcolfel «. g., bei einer Stei-
gerung, ilaraus hervorgehen Ax; L. I" 3 Eüefen u. g.,
beim dritten Ausgebote an Mann gebracht werden.
— furuse-: vor.stehen, hervorragen ScuSt.
ver-: 1. dem Weg (Dat. für Gen.?) i:, fehlgehen U.
— 2. zergehen, verschwinden, sich autiösen. allg.
's Chopßveh ist-mer vergange". V. tcie der Anke a" der
Sunne (wie de'' Sehne im Merze"). Es ist sum V. [vor
Hitze]. Fast c. vor CUh [Ärger]. D' Auge" rergond
Ei"m, wenn man sie zu lange anstrengt Tu, d. i. sie
versagen den Dienst, lis (de'' G'htst, 's Lache' usw.)
rergät Eiiii cor-em selber, wenn . . . ,Vergangene Städt-
ehen', verschwundene, untergegangene. FrXBronner.
Das Ptc. sonst mit Bez. auf die Zeit als Adv. = letzt-
hin, jüngst, allg.. und in diesem S. auch in verstüm-
melter Form g'gange A.\V. Syn. renvichen. Vergangen
,-nial. Verstärkt nu" r. BO. Von Personen, dahin
welken, sieh auflösen, sterhen: Ei'smals Jim' die Chind
«'fall' Serbe" und sl" vergange" kie-n-es Liecht BE.
(Schwizerd.). .Das hüs ist von alter vergangen und
abgeschlissen.' 1555, Hotz, Urk. ,Als die Kirch von
Alter und Buwlose halb anfieng zu v. und widerumb
ernüwert worden.' RCys. .Wann der Ehelüten eins
des Tods vergangen ist' 1617, Ztschr. f. Schwz. K.
.Haben vor altem einen Burgstahl gehabt, welches
aber vergangen.' HEEsiher 1692. .An der Pest ver-
gienge dis Jahr in der Statt Bern ein Knah.' JJScheuohz.
1707/46. S. noch rerschinen; verstän. — 3. vor sich
gehen, sich ereignen, geschehen BO. ,Tm 1531. jar
sind dise ding vergangen.' Schlacht b. Kappel. ,Die
Schandtat, welche unter ihnen vergangen war.' FWvss
1072. — 4. tr. a) .durch häufiges Spazierengehen ein
leibliches Übel vertreiben.' Id. B. — b) durch Gehen
verbrauchen. ,Welliche kundschafter [Zeugen] ussert-
halb gesSssen sind und dadurch ein ganzen tag v. und
uss syn müessten.' 1557, Schaub. Rq.; und danach zu
verstehen: ,Es wäre dann, dass er uss dem Dorf gan
müesse; darnach er dann [Zeit] vergat, darnach soll
man im Ionen.' G OBüren 1481. Da die Angelegenheit
der G Gotteshausleute von den Sehutzorten neuerding.s
vertagt werden will, bitten die Boten um endliche
Erledigung, da ,si das ire[ihr Geld] fast vergangen
haben [durch wiederholte Gesandtschaften].' 1529.
Absch. — 5. refl. a) fehl, irre gehen, im eig. und
im moralischen S., im erstem Falle tw. mit ,sein'
(nach Analogie der Conj. des syn. .vorirren'), allg.
Mer |man] cha''"-si<^'^ rergo', i«* cha'"-mi''' überzelH
ha' L (Schwizerd.). I''' hin-mi''' blas e chli" rergange
und han-em es Möckeli Sah is Eajf'e tu" a"statt Zucker.
DKyd. Von einer Ziege, welche den Sprung auf ein
niederes Grasband wagt, aber nicht mehr hinaufkommt,
wenn ihr der Mensch nicht zu Hülfe eilt Gl. ,Decli-
nare se extra viam, sich v. und ab dem weg kommen.'
Fris.: Mal. .Sy irrend wie einer, der sich in einem
grossen wald vergangen hat.' LLav. 1509. .Ob wir uns
gleich vergiengen in das Tal des tödtlichen Schattens.-
JJBrf.it. 1616. In der a. Kechtssprache: sich dem ge-
nossenschaftlichen Verbände entfremden. .Wenn sich
ir güeter hinus vergänd in kofswys und sie ein un-
genosser koft hat, so mag ein innrer dem ussern den
kof abziehen.' ZAlt. 1439. .Ob ir deheiner ein tochter
hinüs beriete [verheiratete] zuo der e. oder wie sich
ein frow hinüs vergienge zuo elichem leben und die
ein'"" genossen [Gemeindebürger] nimmt.- ebd. —
b) ablaufen, verfliessen. .Verginge sich der selb
frid.' 1394, Absch.. im Gegs. zu: ,die wil der f. wäret.'
ebd. .Wenn es des gottshus«» güeter antrifft, so söllti
ein landsrichtcr denn des gottshus richter den stab
in .syn band geben, der söllti denn richten, unz
dz sich die selben sachen umb gottshus güeter ver-
gänd [abwickeln, abgeurteilt werden].' 1449, Schw Eq.
.Wann sich dann die zil vergand und die gest [Frem-
den] ihr [für eine Zeit lang kreditiertes] geld yn-
züchen wollend.' Z Zollordn. 16.34/17.57. — c) sich
ergehen, spazieren .L; Zg" (St.»"). — d) angehen,
,passieren'. .Sic satis, also gnuog, leidenlich gnuog,
es vergat sich, zimlich wol.' Fris. — e) geschehen,
sich begeben, sich ereignen. ,Als ir vordem mit ein-
andern in Zweiungen gewesen sind und sich darinnc
mängerlei verlaufen und vergangen hat.' 1474. Absch.
vor-, mit ,sein': 1. vorangehen, a) zunächst in
eig. S.. einem Reconvalescenten (rücklings) voran-
schreiten, indem man ihn bei den Händen liält. um
ihm Sicherheit und Unterstützung bei seinen Geh-
versuchen zu gewähren. Nur noch belegbar in der
abgel. Bed. ,ein=" kranken pflegen.- Mal.; vgl. vor sin
I 929, 5 Schluss. Jetzt, mit Dat. P. od. absol., 1) in
dem engern S. .eine Wöchnerin und das Neugeborne
verpflegen; dieses Geschäft als Beruf betreiben' '/,.
Vgl. Vorgängerin. ,Der frowen halb, so den lüten v.
und der kranken ze pflegen habend.- 1.525, Egli. Act.
,1 pfd 19 schul, wacherlon der Källerin und HHüglis
frow; die sind vorgangen WKellers kinden und der
alten Lemannin.- 1532, ebd. — 2) Jmdn mit Sorgfalt
pflegen, sich nach seinen Launen richten, ihm freund-
lich tun BO. ,Curamgerere alicujus; officiis se com-
mendarc apud alqm.' Id.B. — 3) Jmdm od. einer Sache
vorarbeiten Aa. — b) mit Bez. auf die Zeit, vorgdnt
(Gl) und adj. weitergebildet -gentig (GTa.). comparat.
-gcenter (L), -g^nder (ScHyt ; Uw) und -geenderig {XJyt),
nächst vorhergehend ; dazu als Adv. -gänds Ap. Mit-ere
Welt ersetzt, so schön, a's die vorg^nder. Heng. 1836.
,In vergangnem jar.' Zwingli. ,Vorgents merzens' =
im vorhergegangenen M. Vad. .Und war 2'/-i monat
vorgents fast warm g'syn.' ebd. ,Das vorgendig jar.'
UMey. 1540/73. ,Das 8. bad ist auch in vorgehender
grosse', d. i. in derjenigen des 7. HPantal. 1578. .Was
ist vorgangen der Zerstörung von Jerusalem?- JMüll.
1665. — c) mit Bez. auf Reihenfolge, den Vorrang
haben; bes. gebräuchlich in der Rechtsspr.. da Schuld-
briefe einander nach dem Datum der Ausstellung
vor-, bezw. nachgehen, d. h. besseres oder geringeres
Anrecht auf das Unterpfand haben. .Die pünd be-
rüerend den glouben nüt, der gloub gang vor und
sye fryg.' 15'29, Absch., womit zu vergleichen: .Diewyl
der gloub alle zytliche Verpflichtung fürtrifft.' .Die
leienbrüeder, dero vorgender [Vorsteher] der mcister
genennt worden.' Vad. — 2. einem Dinge vorbeugen,
sich davor hüten ZO. Me" cha" nüd Allem r. Vgl.
n,r II -^ II. /■'(/■ // :' iM. Hl. - :;. übrig l,leilM_.|i.
vorsrhii'sscii: vi;l. mr 11 i. Viirgäut (Ar), mit adj.
Kiidiiiij,'- -<i(indi<i (ISrHSt.), -{/('(iiti;/ (Ap; ti; Z), Übrig.
viin-iiti;;-. entbelirliili. z.B. von dein, was von der Tafel
wiediT abfretr;ii;en winl. Voir/äiiti War, Waare zur
V'orfiigunt:. Vtirmiiiiuir ('li<immer, überflüssiger Kum-
iiifi- .\i'. Viiinäiiti'n ScIiKi'h mache', auf Lager, ebd.
.[Der Klo-steruiüHiMl si.ll mit vil vorgendem und altem
>Iel sich rüsten, damit mau nit an der frönide müesse
malen.- XVII., A.^Muri. Vonjeenäs, Überschuss. Ge-
winnst Z; Anton. Hindergänds.
für-: 1. voran, voraus gehen, s. für II 2 (1958).
.Soll der schulthess keinen [Gläubiger] lassen am ge-
botti' [seinen Mitgläubigern] f. noch [ihn] ussrit-hten,
denne den ersten am gebotte. so der sieche [sc. der
l>tdjitor] abgestorben ist [ausser denjenigen Gläubiger,
welcher sich nach dem Tode des Schuldners zuerst an-
meldet].' 1406, Bs K(i. Auch bildl.. mit gutem Beispiel
Gl. — 2. hervor gehen. Spec, zum Kommunions-
tische hingehen, an dem h. Nachtmalo Teil nehmen
BsBirs.; S nJ. Wartet, i'"'' will -eck die Mki/i/c' rcr-
trihe", 's got-mer to" eich 's neehst Mol Keine fir, hin er
c ffherigi Buess g' macht het! Vor Gericht erscheinen:
.Wer einem fürbutet under ougen und im der nit
fürgät. so ist er verfallen 3 Schilling.' 1495, Aa Weist.
.Als etlicli einandern am rechten lang umbher schlei-
kend [ziehen], vil ufschlägen [Verschiebungen] nem-
mend und einandren nüt fürgand, wellend U. G. H.:
So eii\er dem andern fürkündt [usw.].' ZRegenst. 1603.
— 3. hervor ragen, s. für II 5. ,Auf den fürgänden
zänen [der Elephanten].- Tierb. 1563. — 4. v er-
geh n, verfahren Scu. — 5. vor sich gehen. ,Und
wäre diser anschlag schon fürgangen, wenn 's N. und
X.' nicht gewendt hätten.' Xxsh. .Des Herren rat-
schlag der gat für.' 1531/60. Prov., dafür , bestehet.'
1707. .Allerlei Üppigkeit f. lassen.' B Mand. 1563.
.Darinnen [in welchen Kriegen] unsäglicher Jammer
ist fürgangen.' 1576, Mise. Tig. .Der bossen, so [in
dem Bad] fürgangen.' Pantal. 1578. - 6. vorbei,
vorüber, wieder weiter g., räumlich und zeitlich, s.
für II o. ,Dass sy den fürgänden (-gonden) zuohin
rüefe.' 1531/60, Prov. .Die fürgenden.- 1531/60, Psalm.
,Die hanen, ob sy schon von den grausamen tieren
geförchtet werdend, förchtend sy dennocht die für-
gönden menschen.' Vogelb. 1557. Spec. eine Zoll-
grenze überschreiten als Durchgangsgut: ,Von einem
Rinde, so es fürgeht. 2 Kr.- XIV., Bs. Daher .für- j
gehender Zoll.- Ochs 2, 1, 412, oder .Pürgandzoll.'
ebd. 5, 99 = Transitzoll, Ant. ,Pfundzoll'. ,Im F.- =
en passant, bloss beiläufig. .Allein zuo zyten und als
an einem f. (.obiter'), lass ich söliche kurzwyl nach.'
ZwixciLi. ,Dann er nit zuo Genf dann allein fürgande
gewesen.' 1530, Absch. , Welches ich in einem f. mel-
den muess.' LLav. 1569/78. Trans., übergehen; über
Etwas hinweggehen. ,Dass niemant fürgangen, über-
sechen noch verschonet [werd].' Z Mand. 1519. ,I)ise
ding alle mag das gemüet, so vor gewarnet [worden i
ist], glych als Ulysses unverletzt f. {,prseterire') und ;
überspringen.' Zwinuli 1526. ,Dass sy die pündt für- !
gangen syn und nit gehalten haben.- 1531, Absch. i
.Die Matthäus fürgangen oder nur ein klein angerüert j
hat.- 1560, Bib. ,Dass ir üch nit ferinnerend, sonder !
mit stillschwygen fürgand, dass solches ouch under
üch beschicht- 1586. Absi».
(krepieren) Z.
hei"--: bildl.. .-sterben Aa; Gk. Syii. n-rn-lsni:
abfaren udgl.; ühcrditrchhiti, ühcrene ga.
hi"- Aa; Z, dehi"- S: zu Grunde gehen, von
Sachen und lebenden Wesen (sterben). Es ist cltalt
zum H.
hinder-: 1. t r. a) von allen Seiten (indem man
sich auch hinter den betr. Gegenstand stellt) unter-
suchen. ,So man s' [ihre Worte] wol hindorgat, so
sind sy nun blendstreich [nur Blendwerk].' Zwingli.
1527. — b) betrügen, täuschen, allg. — c) unpers..
ärgern, verdriessen GlK. Vgl. hindergänglich. -
2. neutr. a) hinter den Horizont hinunter steigen,
untergehen. ,Die sonn wolt h." Bossh.-Goldscum. —
b) Hindergänds, Gegs. zu Vorgänds, also Rückschlag.
Verlust, Einbusse bei einem Handel Z. H. an Öp-
pisem ha".
Im zuletzt erwälmt<;u Falle lasst sich Analogiebilduug
(nach Vary.) annehmeu; sonst aber ist die neutrale Ver-
wendung des Yb. auffalleuil, da für das .\dv. nicht himla;
sondern .hinderbiii', liiiuhrt. ?ilt: vjl. übrigens undtr aueb
als Adv.
her-: 1. herbei kommen. ,H. g. lassen- = (zu
Pferde) anstürmen. ,[Die Reisigen] lond mit ver-
hängtem zouni und yngeleiten glenen gegen uns har-
gon.' 1521, Strickl. Von der Sonne und dem Tages-
lichte: aufstehen, anbrechen. .Fruo, dö erst der tag
her gieng.' Z Chr. 1336/1446. — 2. (wie nhd.) sich
zutragen. Syn. mit zue-g. und mit diesem anipliti-
cierend verbunden. Es wird icalicr zue- u. hergä Gr.
müessig-: 1. absol., sich des Arbeitens enthalten.
Dazu das Ptc. als Adj. -gänd Z. .Mit was ranken gat
der gmein müessiggend mann urab, dass er guot und
gelt zuosammen lege?' LLav. 1569. — 2. mit Obj..
sich eines Dinges enthalten, es meiden. Syn. m. stan.
D' Wirtshuiser bin-i eisder viiessig g'gange U. Mit
Bez. auf eine Person, sie ruhig lassen, sie nicht be-
helligen Gr. Früher mit Gen.: , Am besten aber ist's,
aller Fürsten und Herren m. ze gon. One die F. und
wider die F. ist die Eidsgnossschaft ufgericht; one sy
wird sy erhalten werden.- 1548, HBull.
nach-, noch-, nah-, nah-: 1. hinterher g.. folgen,
später kommen, mit Bez. auf Zeit od. Rang. So in dei-
Rechtsspr.: mit seinen Ansprüchen auf ein Unterpfand
hinter anderen Gläubigern folgen B; vgl. mr-g. 3 c:
Nachgang. Ptc. -gänd BO. ,Wo ein mann bi der vordren
[ersten] frowen kind hat und darnach bi der nagenden
ouch.' 1507. Ztschr. f. Schwz. R. .Tugend und laster
und deren vorgönd und nachgöud [früheren und spä-
teren] exempel in geschrift zuo verftvssen.' Ansh. .Das
nachgent mag das vorgent nit abtuen.' 15'28, Absch.
,Der selb hat g'redt nachgende wort.' Rief 1550.
.Posterus. nachgend. folgend.' Fris.; Mal. ,ln 10 den
nächst nachgenden tagen.' 1575. Ztshr. f. Schwz. R.
,In nachgehenden zyten.' L Ansechenb. ^ im Verlaufe
der Zeit. Im gleichen Sinn der Comp. B oO. IJ's
nahg^nder Mal. Der N., der jüngere Sohn; .'Vnton.
der Erder. D's n. Wib, die zweite Ehefrau. D's
Göttis der N. sin, zu spät kommen BRi. ,Dic ersten
[aus erster Ehe] und auch die nachgendren kind.-
Ga. ge. gi, g<\ g\i
A2
aufgestanden und hat regiert.- 1531, IV. Ksra. = ,nach-
gcnde.' 1548; , nachgehende.' 1G67. .Posterius, das
nachgender oder das letst.' Fkis. ,Zur Prüeh- ald
nadigehnderen Predig.' Z Mand. 1686/50. Vollends
zum Adj. umgestaltet -ijünduj. ,Umb Martini fleng
man zuo Bas. seltsame frömbde vögel; verschwanden
nochgendigen sommer.' Dieb.Etpf. ,I)as erstund [das]
nadigändig Mandat.' HBdll. 1572. Als Adv. näch-
(Gr. nah üw, noh Ap; L) -gätuls = nachher. ,Wie
der Fisch anfangs das allerkleinste Tier seie uud
n. zum allergrössten werden könne.' Schimppr. 1651.
.Wir erfahren etwan erst n.. wie gut es Gott gemeint.'
FWyss 1650. Das Adj. kann etwa auch mit dem Be-
griffe .überlebend- zsfallen: .|Wenn von kinderlosen
Kli,.-atteiil .^ins stirbt, da soll das lebende ir beider
unni rilnii und nach syncm tode so soll das selbe
uH"!. 1.1- sj /oiiial hatten, do das erre abgieng. nach
des iiagcndcii tode fallen das halb teil des niannes
lidmage und das ander h. t. des wybes 1.' 1418, Ztschr.
f. Schwz. K. .Ist dass das wybe stirbet, wäre dass
dieselb nachgende lebendig person zuo einer andern
c griffe, wenn denn dieselbe nagende p. von tode ab-
gat, so soll syn nachgende lebendig geniächid [Gemahl]
den halben teil besitzen.' ebd. — 2. mit Dat., hinter
Jnidm od. Etwas her g.. ihm folgen, a) vom Winde,
von liintcn kommen. .Gieng uns der wind nach und
zerschluog die schiff alle von einandern.' HsSi-nüRPF
1497; vgl. ,Nachwind-. — b) häufige Begegnung mit
Jmdm suchen, mit dem Nebenbegriff des Bemühens
lim seine Gunst, bes. mit Beziehung auf eine Frauens-
|i'Ts"n. um sie werben Seu; Z. — c) nachforschen.
.|/."<i l.'iiN-liider] soUent n. denen müetren, so irc
kiii.l \rikii|i|ib.-iit.' 1519, Egli, Act. ,Meister N. und
Mstr N.' sollen n.. wer hier von Zürich Mstr Zwing-
lin gegen unseren Eidsgenossen verseif [verläumdet]
habe.' 15'23. Z Ratserk. .So man dem wahren verstand
Bildlich, von den Nachwehen eines Übels, eines Er-
eignisses Aa; Ap; Bs; B; Sl'h ; U; W; Z. JSs fjod-m'r
noli lany noh, dns'-i''' chrank y'sV' bin. T'.'.s riäij-ein
mich, das' er cw chlT Of le [keine] Miiclrr iflm hiid :
Syn. en Beste devon han. Zur Gewohnlioit werden
Aa; ßs; B; S; U. Es (jtit-em siner Lebti;/ ii. Zu
Herzen, nahe gehen, von Vorstellungen, die man nicht
los wird Ap; B; Sch. .Tiedio esse.' Id. B. Syn. es
tuet and: unecht «der lauft nachhin. Auch persönl. :
si [eig. de r Alisilii.d von ihr] ist-em nach(j' f/ani/e Ap.
— e), eiiH'i- \ ■ir^izii.hiieten Linie entlang g.. einem
Gebote iiiiclilelieii. .Wie das verlassen [hinterlassen]
syg. dem gangend gestracks nach.- 1436. Geschp. Ges.
,Was grosser ungrechtikeit wäre das gsyn, wenn er
synem schwuor wäre nachgangen [ihn erfüllt hätte].'
LLav. 1.584. .Damit inen dester stattlicher glebt und
nachgangen wurde." 1572, Schw Rq.
lu der hildl. Anwi-ndung '2 d schimmert viell. der Glaube
IUI uiiieii d.ii MiiiM-lnii Ili^ mii mIm Lebensende verfolgende«
Däinoii, ihi- in-riil'ilil 'ir~ Sr|] 1 1 tzrii jels. durch.
. naclihiii iKicIii I iiiihi. niilni. iiä-ej- ga,{n): 1. neutr.
al sich luichiiiathüii, sieli erliolen. gedeihen, fetter
werden Ap; Gl; (i; Syn. zeirc'fi bimnien. Luei/et auh,
wie iiiniijiet dei jnnij Wefiij [ein Rind] dermi", er ist
der yrüeliii doch iifiiiiei' iiachcffi/niiiii'. (ii. ^'olksg. -
b) folgen, erfolgen: .Wann .sich ,1er bnioder noch einist
striche [geisselte]. bis im das bluot nahin gienge.-
LLav. 1569; dafür: .bis auf das Blut geissele.' 1670.
,Wie die zalungen so gar unlingsam [lässig] nacher
giengend.' Vad., dafür an andrer Stelle: ,zaltend si so
langsam u. schwarlich-. — 2. m. Dat. a) = nuch-y. 2 li
Ap; G; Z. — b) eine Person bei ihrer Arbeit be-
suchen, um sie zu beaufsichtigen ; einer Angelegenheit
sich hingeben, sich die für das Gelingen notwendigen
Schritte nicht verdriessen lassen Gl; Gr; Sch; Z; um
Etwas n. g.. .sich darum bewerben und bemühen F.
Auch mit Weglassung des Dat. : Er iiia;/ nümme noha
(jan Gr. — c) = nach-;/. 2 a 7,.
fürnachhin- an ein Ende kommen, in Erfüllung
gehen B. Vil tusiif Pfund usstehe'di Zeise" heige" si
u hellsehe" Niemere kene, bis es well fürnache ga [bis
der Schuldner dem Konkurse nahe gekonmien sei].
GOTTH.
nider-: 1. untergehen, von Gestirnen. .Cadens sol.
die nidergend sonn.' Fris.; Mal. — "2. zu Bette g.
B; L; Sch; S; Uw; W. 3Iit de« Hüenere n. ;/., bei
Zeiten schlafen gehen. S. auch nider. ,In duoclit.
es were zyt. nyder zuo gon.' Zielv 15'24. ,Sy bettend,
so sy ulstniid "und liider gond.' HBull. 1-561. .Tlia-
lamis sc r.uiiiH.ih T.'. M.li ins bett legen oder nidergon.-
Fris. - :;. Suhrquiit . die Periode des abnehmen-
den Mondes .S. Vgl. ab-, iif-, under-gänd. K^ gud
kei Vf- und Nidergänt, es währt nicht zwei Mond-
phasen lang. Heng. 18.36.
be-: 1. fr. a) für Jmdn sorgen, spez. iliii er-
halten, ernähren. .Ich gewinne gar schiere [fast sc.
so viel]. Das* ich begieng unser viere." Siuac iizahkl.
,Sy wöllind nit für mich'arli.-it hau und mich für ein
junkherren b.', klagt ein l.andlarci uIhi- ilie veränderte
Gesinnung der Bauern. X.M.\n. i">_'L'. Einen Todten:
ihn zur Erde bestatten. .Der lierzog Hess usgon ein
bot, dass man die toten vergraben sollt; [ze] Nawerren
in [der] statt muosst man s' irlich b." 1513, Tobl.,
VL. 1,36. — b) wie nhd., tun. vollführen, in gutem
und schlimmem Sinn. .Wederer [welcher] teil den
anlass begangen [den Anfang zum Streite gemacht]
hat.' Schw Rq. .Die statt Loupem. daselbs vor jaren
Erlach das best begieng." CTiJRSx 1489. .Einen tag
b. mit guotem wein trinken, diem mero celebrare.
Empsig b.. celebrare. (xrebnuss b. noch kriegischcin
Sitten oder lirau.li.- :Mal. .Wer Uneinigkeit b. wurde.'
BEngist.. Uad.irdn. i:.s-J. — '2. refl. a) Etwas als
sein Gewerlie treiben, sieh mit Etwas abgeben, seinen
Lebensunterhalt damit verdienen ,B0." V>;1. 1 a. Er
bigat-si''' mit Wurze'grabe". .Jeder mag diejenig zunit
fürnemen [ergreifen], mit der er sich allerbest b. mag.'
1430. Z Stadtb. = .betragen.' ebd. .Arm lüt, die sich
in disen bösen herten löufen iren arbeit nüt könnend
oder mögend b." Edlib. .Alt vätter und müetter. die
durch den tod ir sün sich alters halb nüt wol b.
niogtend." ebd. .Mit fischen hab ich mich begangen".
sagt SPetrus bei NMan. 1522. .Acht haben^ uf die
miessiggänger. die sich des begond, und [dass sie]
biderben lüten ire kind ufwiglend.' Ansh. .Gott heisst.
sich mit werken [arbeiten] bgan, als unser vordren
auch band gtan." Bauenfart 1526. .Die alten mönch
habend irs dings'nützit um gelt geben noch sich ir
geistlichkeit begangen [einen Erwerb daraus gemacht].-
Vau. .Facile quierere victuin. sich leichtlich b. und
(in. ,!,'o
itzt
A\ü' dem stiml begat.
sein narung gcwünnt/
spedire, sein narung mit dem
it schiessen b.' Fris. ; Mal.
oiiieeien. 8ellul;uiiis
iler zuü seinem werk
Fkis. ,Alimenta arcu
bogen suochen, sich
.Andere aber begand sich dos Fischcns.' RC'ys. —
b) mit Jmdm, ihn oft besuchen, mit ihm umgehen,
sich mit ihm vertragen. /■'' hm ijanz hiyange [ver-
traut] init-em. Schi sind mächtig hcijangni, in sehr
gutem Einvernehmen Gk. Ebda hegange' in verall-
gemeinertem S. = zufrieden, vergnügt. ,Sie begehen
sich wol mit einandern, conveniunt inter se. coiivenit
inter illos.' Dex/.l. ItiTT; 1710. - c) an Etwas, sich
erinnern W.
vorb'i-: 1. neutr, a) wie nhd. - b) sich ereignen
W. ,Und nichts ungrades vorbei gehe.- XVIIl., G
Hdschr. — 2. trans. Etw. übergehen, daran vorbei g.
.Befehle dem Würgengel, dass er das Haus meiner
Seele fürbeigehe.' AKlingl. 1691.
z'rugg-: zurückgehen; spec, vom geschlossenen
Handel zurück treten, .reukäulig- werden Z. Mit Dat.
(statt älterem Gen.): nlne" Wiirte" .:. g., sein Ver-
sprechen nicht halten Z.
o b - s i ' '■ - : aufwärts g.. steigen. Da gal 's streng o.
L>azu das Ptc. ubsigänd Bs; BO. ('-l.endj; Gk (e);
iKi. r.ej; Th; Z tw., -gänt Aa; Gl (ij; Tu; Z (tw. j);
im ij-e' f3Iä"J oder als iSubst. (meist ii. und auch mit
verknöcherter Flexion das O-gänts Üva) = aufsteigend
d. i. diejenige Periode des Mondes, da dieser nördlich
sich am Meisten vom Hinnnelsäquator entfernt hat,
in seiner nördlichen Wende oder am Höchsten über
uusenn mittäglichen Horizonte steht, was im Kalender
durch das Zeichen Q angegeben wird; s. Moos 177-1,
227; Scuweizerb.-Kal. 1832 Mai; HSchinz 1842, 26
(wo aber die ,Erilferne' mit der ,nördl. Wende' zsge-
worfen ist); u. vgl. ufgänd. Vielfach (wohl erst in
neuerer Zeit) niissverstanden und mit der Phase des
wachsenden Mondes identificiert. Volksglauben.
Bohnen setzt man gern im 0. oder bindet sie wenigstens
dann, weil sie dann eher aufranken, allg. Eeben
soll man im 0. schneiden, damit sie eher wachsen
ZAndelf. Wenn man dagegen die Butter im 0. siedet,
so läuft sie leicht ins Feuer über Gu. S. auch niäsich-g.
für-si"''-: vorwärts g., ,progredi.' Id. B.; auch
bildl.. vor sich gehen. Statt finden, von Statten gehen,
gelingen B; Sch; Zg; Z. ,Der tore sol' f. s. g. [weiter
gehen, sich trollen].- Boner. ,Und sollend die Erbe
allweg f. s. gan [immer an Nachkommen, nicht an Vor-
fahren fallen].' 1387, Gl Landsatz. ,Wilt du nit hin
und für dich [deines Weges] gon,- Kuef 1550. ,Meinst
du, dass Gott unser ratschleg lass für sich gonV" ebd.
.Allen rauotwill für sich gat.' ebd. ,So man erkennt
liat, dass es ein redliche sach ist, so geht die manung
|an die Bundesgenossen um Hülfe] f. s.' Jos.Siml. 1.577;
1722, d. h. man lässt ihr den Lauf. ,Der alt Krebs
wollt den jungen lehren f. s. gehen.' Schimpfk. 1651.
hinder-si"''-: rückwärts g. (allg.). ,Man muss
etwa wie der Seiler für sich sehen und hinter sich
gehen.' Sprww. 1824. Mit Bez. auf die Ökonomie:
Wenn d' eisig meinst, 's sett für-si gö, s<- göt 's nw
himlersi. Stutz. .Hintertsi gä, in pejus ruere.' Id. B.
Us geit mir Alls des hindertsi. Schalmei 1882. .Morbus
consistit, die krankheit gat weder für sich noch h.-
Fris. Mit Gen. S. = davon zurückkoninieii. wiiler-
ruten. nicht dazu stehen. ,Uu darNt. kein kundschaft
[Zeugen] darum z'bstelleu; wir sind nitsömlich heillos
gsellen, dass wir syn wöUind h. g.' HsRMan. 1548.
,Dass ich des sollt h. g., das ich gredt han.' ebd. ,Non
demutabo, ich wird nit anders reden, ich wird sy" nit
h. gon [nicht davon abgehen].' ebd.; Syn. mlne" Worte
s'riigg g. Mit Bez. auf die Zahl = rückwärts ge-
rechnet werden. ,Do etwan in vichsterbenden grosse
spän erwachsen, besonder von wegen des hindersich-
gäns, do bisher das rindvech 6 und das rossvech 3-
monat hindersich gangen [d. i. betr. die vom Verkäufer
zu leistende Bürgschaft für die Gesundheit des Viehes
beim Verkauf].' 1597, Ztsohr. f. Schwz. Pi. Volks-
glaube. ,Man führt (fährt, trägt) dem Teufel Holz
und Wasser in die Hölle (i» d' Chuchi. Sulger), wenn
man rückwärts geht.' Rotenbach. .Ein Kind soll nicht
rückwärts gehen.' ebd. Wenn-me" h. göt, se laiift-me"
i" d' Hell ahe ZO. ,Wenn man Käse in einem Ge-
mach aufbewahren will, so muss man mit dem ersten
rücklings hinein gehen, so bleiben alle vor den Mäusen
gesichert' Rotenbach.
nebe"d-si"''-: auf die Seite g. Bs; L; Sch; Zg.
Euphera.: gehen um die Notdurft zu verrichten L.
nid-si'-''-, mit dem Ptc. resp. Adj., Subst. -gänd
erklären sich aus dem Anton, obsich-. Geld 's nid-
schifchj, bzw. obschi? Grussformel bei Begegnung im
Freien Gr (Tsch.). .Zur Hölle zu kommen ist leicht,
da gehet es niedsich; aber in Hinnnel schwer, da gehet
es Berg an und obsich.' JJUlh. 1783. Darauf bezieht
sich unter Anlehnung an den Namen einer Mondphase
die scherzhafte RA. im Nidsigänt sterbe', in die Hölle
statt in den Himmel konmien (Sprww. 1869). Sonst
vgl. betr. die Mondphase, welche im Kalender mit ^
bezeichnet wird, was bei obsichgänd gesagt ist. Die
Verwirrung und Vermengung schon bei Fris., welcher
jNidsichgender mon' das eine Mal richtig mit ,decli-
natio lun«', das andre mit ,luna decresceiis, schweinen-
der mon, das wedel', erklärt. Nüd cergehen isch 's
Nidsik^nt! oder du bist, mein-i''', im N. uf d' Welt
eho, oder bi dir isch 's Mit N. sagt man scherzend zu
Jmdm, der zu Boden fällt oder Etwas fallen lässt.
Vexierspiel: man inaclit si,li anlhischig, bei 14 Tagen
auf oder ab die Zeit in .•nat.n, da Einer sterben
müsse; die Losuiiu- luntrt : Ki"tin:<l<r im N. od. im 0. Z.
Volksglauben: Diejenigen l'Haiizen, welche (wie
z. B. die Zwiebel. Hübe) sich nach unten entwickeln,
oder (wie der Salat, die Kriechbohne) niedrig bleiben,
keine Stengel treiben sollen, müssen im N. gesäet
werden. Obsi'''gänt und Xidsi'''g('iHt — Es gut nid
Alls, wie d' Wdier ivend [wollen], sagt dagegen der
verständige Gärtner, welcher sich nicht von den Ka-
lenderzeichen bestimmen lässt (Tu Ztg). Das ist auch
die günstige Zeit, um Wein abzuziehen, zu purgieren,
zur Ader zu lassen, zu schröpfen, zu Schwitzkuren
(damit die Rheumatismen sich nicht in den Kopf
werfen), Öfen zu bauen (damit die Wände keine Risse
bekommen Gk). Wenn dagegen ein Schornstein im
N. gefegt wird, so will nachher der Rauch nicht mehr
steigen. HScuixz 1842. Wenn die Pocken im 0. ab-
tallen, so gibt's Flecken im Gesicht, wenn im N.,
keine ZWl. Eine Steigerung des Begriffes und der
Wirksamkeit findet das Volk im Krebs-N., d. i. wenn
die südliche Wende des Mondes in die Zeit des Stern-
hildrs dos Kr. fällt (iit. lUldl.. vom l.'uckgangc der
35
Ca, ge, gi, go. gu
persöii liehen oder ökonuiiiisclieii Klüfte: ,Xidsiij (ja,
ad ruiiiam vergeie.' Id. B.
zesammen (^«ÖJ)ie;-ga(ii) : einander besuchen,
allg. .Ssepius se convenire.' Id. B. Daher 1) be-
freundet sein Z. 2) Braut und Bräutigam sein Z.
Übertr., einschrumpfen, abmagern Ar; Gr; SciiSt.
dar-: zur Sitzung gehen, Sitzung halten. ,Und
soll der rat, der zem zwölften tage dargat [mit dem
12. Tage des neuen Jahres beginnt], funfe nemen von
dem antwerke.' Z Kichtebr. 1304.
durch ('dio--, dürj-: 1. hindurch g. a) räumlich
und zwar zunächst im eig. S., dur'^gänd, von Weide-
vieh, das die Sucht hat, die Umzäunung zu durch-
brechen (welche in der ApI. Ordn. 1700 als sog. Währ-
schaftsmangel taxiert wird) Scbw. Übertr. auf leblose
Gegenstände: En durgccnte Gerter, Holzanteil, iler
sich durch alle Holzsorten des Genossenschaftswaldcs
erstreckt ZZoll. En duryände {-gäntige TuTäg.) Gang,
ein das ganze Haus durchschneidender, von Haustürc
zu Haustüre laufender Bs; B; Z; en d-e Stal, ein der
vollen Breite des Wohnhauses entsprechender Stall
Aa. Auch ein solches Gebäude selbst heisst, mit Ver-
tauschung des Subjektverhältnisses, durgänd {-gönf
ZSteinm.) Aa; B; L; Z, was bes. bei Doppelhäusern
mit durchbrochener Scheidewand vorkommt. Zimmer
sind d-d 1) wenn man unmittelbar aus dem einen in
das andre gelangen kann aaOO. 2) wenn Luftzug in
denselben herrscht Aa. Unpers., es iscJi d-t i" dem
Hüs L. E durgändi Meini'g, eine einstimmige Gu.
Mit letzterer Bed. als Adv. dtirgändig Bs, -gäntig Tu,
-yänts B; L; ScH; Uw = durchweg. 7" 's Durgtente
trinke", auf gemeinsame Kosten S. D'r Ätti het s'letst
no'''-n-e Mass i" 's Diiiyäiifr h ufstelle. BAVvss 1863.
, Abt Heinrich unttriiaiii sirh mit den vonAi' ein luteres
nnd durgents zuu inadirii [riiion klaren und alle Ver-
hältnisse umfassenden ileclitszustand zu schatten].'
Vad. ,2 durchgende küssi.' 1557, in einem Z Invent.
neben ,4 huuptküssi' aufgezählt, muss das die ganze
Breite des Bettes einnehmende Kissen (jetzt Pftdwen)
bedeuten, auf welchem je 2 Kopfkissen (oreillers)
liegen. .Durchgehend Küssziechen von Kölsch.' 1659.
SrinvE. Khisterarch. ,Kein ander eingweid dann einen
laiii;iii. Weiten, stracksdurchgendendarm.' Vogelb. 1557.
.tir.inuria ai|iiilonibus inspirentur, damit der beisswind
dnn-li niii.ne wäyen und die kornschüttinen durchgenden
luft habind.' Fris. ,Man kann nit wol ein durch-
gends [durchschnittliches Verfahren] machen, diewyl
die personen unglych sind.' Z Mand. 1598. ,Der weibel
halt ein ganze durchgeende umfrag.' G Mand. 1600.
,Ein durchgehnde unverenderliche regel.' FWvss 1650.
,Ein Haus durchgehnd von Winden, perflabilis undique
ventis.' JLCvs. 1661. ,Von anderen durchgehenden
Sünden.' JJMüll. 1673. ,Es ist gemein, durchgehnd, ita
est pervulgatura, ut in proverbium abierit.' Hosp. 1683.
,Der Zwang durchgehnd es Allen auf ein Ducaten
g'stellt [hat].' ToGGENB. Biderm. 1710. — b) zeitlich.
Es durgänds ha U, Dürgendi (eig. d-i Nacht) mache'
GrD., die ganze Nacht aufbleiben, namentlich sie mit
Kilten od. Zechen durchscb wärmen; vgl. dur"'' machen;
Durclispinnnacht. Vom Monde: Durgänd m., Voll-
mond, da der Mond die ganze Nacht hindurch leuchtet
Uw; Üyn. Bur'''schin. Das Ptc. als Präp. : ,Von mol-
ehen, fleisch, obs hat man [in StGallen] alle notturft
und durchgents jars [das ganze Jahr hindurch].' Vap.
— 2. zu Grunde g., entsprechend lat. ,perire'. ,Z\vo
gar schöne Tatzen, die noch vorhanden, die ander
aber durchgangen.' 1588, SchwE. Klosterarch. Das
Vb. auch trans.: ,Dise erbsünd ist das ganz mensch-
lich gschlecht durchgangen und hat "s vergiftet.' 1536,
Absch.
durchbin fdure-, dürej-: 1. hinübergehen, allg.
Spec. als techn. Ausdruck v. Weidevieh = durch-g. 1 a
und übertr. auf ehebrecherische Personen Ap; vgl.
.durchgehen' = durchbrennen, ausreissen. — '2. ohne
Strafe, Rüge bleiben. Es gat-em dure. Etwas d. g.
lä', ungestraft lassen Bs; Z. ,Die, welchen etwan all
ihre böse stuck durchhingehen, darum dass der richter
nicht richten will, wo er soll.' JJMüll. 1666. — 3. z u
Grunde, in den Zustand der Verderbniss überg., von
Sachen (z.B. Pflanzen, Werkzeugen) u. Tieren Ap; Gl;
S; Uw; Z. ,Do wurdend [1444 zu Greifensee] 72 mann
enthouptet; welcher [deren] houptmann euch durchin
gieng.' Vad. ,Er seie zu Rodis gestorben oder in
einem schiifstrcit wider die Türken hindurchgangen.'
JohLJud 1574. — obe"-dure-: grosstun, auf grossem
Fusse leben; unde d. g., das Gegenteil GStdt. —
d'ra"-dure-: unpers., es ist-em (hart) dra dure
g'gange, er schwebte in der grössten Gefahr Z.
wider-: 1. entgegen treten, zuwider handeln.
,Syd das* vil widergangen würt iren bösen meinungen.'
ZwiNGLL Widerg^nd, widerhaarig Gl. — 2. das Ptc.
elliptisch und selber zum Subst. gestempelt Wider-
gände Gr; G, -gändi GrD., -gänte Ap (m.); GW.; Tu
1) Spannung, Muskelkrampf in den Gliedern nach
starker Anstrengung, z.B. in den Beinen nach dem
Laufen Ap; Th. 2) Anschwellung der Lymphdrüsen
in der Hals- und Nackengegend, Achselgrube, Leiste
Gr; GO., Rh. Geschwulst der Knöchel Gr; Wider-
gäntli, Drüsen am Unterkiefer GnMai. ,Ein grosse
Schwinten [s. d. W.] oder Widergänteren under der
üochs.' Mal. Biogr.
Das Siibst. wird fast von alleu Seiten als f. angegeben,
alleiu es scheint vorzugsweise im PI. angewendet zu werden,
so dass wir viell. doch einen mann), od. sächl. Sg. nach Art
anderer Namen von Übeln annehmen dürfen. Ob nnd in wie
weit die Bedentungsangaben .wiederkehrende Knollen unter der
Hanf GrD., ,dnrch Druck bewegliche Drüsen' GrMai. ; GSa.,
.kommende und wieder vergehende Anschwellungen der Haut'
G unter etymologisierendem Einflüsse entstanden seien, wissen
wir nicht; in der erstem Bed. liegt der Begriff von Gegen-
geschwulst (,gegen' = .wider').
wild-: an rauhen, schwindlichten Ortern, steilen
und unwegsamen Abhängen gehen. F'' cha"" nid (juct
w. BHk. Vgl. Wildi; Wildheit.
win-: der entsprechende subst. Inf. zu dem Aus-
drucke ,zum W. gan' = das Wirtshaus besuchen. .Dass
an Samstagen das W. und alle Zecheten abgestrickt
syn.' Z Mand. 1650.
zue-: 1. von Personen, a) Jmdn im Vorübergehn
besuchen, bei ihm vorsprechen, einkehren Aa. —
b) zum Tische des Herrn g., zugelassen werden,
(zum ersten Male) am h. Nachtmale Teil nehmen Gl;
L; ScH; St'HW; S; Zg. Wenn i''' de" zueg' gange hi",
sobald ich das kommunionsfähige Alter erreicht habe.
Vgl. Zuegang; zuelän, -fiteren. ,Es soll auch kein
leyisch mensch zuo dem hochwürdigen sacramcnt des
altars on vorgehende bicht und absolution nach form
der kirchen nit zuogon.' 15'25, Segess. RG. — c) mit
Dat. P.: ,.\ls [ebenso] behend gon als er, lequare
ia. j;aii. ge. gl. gl- gn
38
gradus alicujus. Eiiieiii. iler ein«" füeit. zuogoii, tluceiii
vadeiiteni icquare/ Mal. Sjn. .:iiekonimen. — 2. von
Sachen, a) sich schliessen, z.B. von einer Türe,
einem Deckel, einer Wunde, allg. - b) zusammen
jia.ssen (wie Deckel und Öffnung), l)ildl. .Dass die
von Z den Eidgnossen tuon, was sy inen ze tuonde
]iHiihtig wcrdent. also dass die Eidgnossen inen des
gt'lychcn ouch tüegent und ein recht mit dem andern
zuegange und beschlossen werde.' 1444, Absch. —
c) sich schliessen, mit einer Eisdecke, zufrieren
SriiSt.; Z. Vgl. zue. — d) in den Boden eindringen,
von Dünger GuD.ßyn. mgün. — e) von Gestirnen,
untergehen ürV. Übertr. vom Schliessen der Blumen;
Anton, üf-g. — f) zukommen, an Einen gelangen.
.Ob sy [die Zürcher] us der herrschaft Österrych koufes
[Lebensmittel usw.] bedürftend. soliche köuf soll man
inen unverdinget lassen z.' 1442, Absch. — g) wie nhd..
vor sich gehen, geschehen. In I'ji"m s. = ,eädem
Opera fieri.' (Id. B.). allg. ,[Z u. Österreich verbünden
sich] mit allen notturftigen artiklen. wie das am
glychosten z. mag allen [beiden] partyen.' 1442, Absch.,
in welch letzterer Stelle aber auch die Bed. .zusagen,
ingän' oder die Bed. von a liegen könnte.
zuehin (ziieche)-: hinzugehen. 1. von Personen.
a) im eig. S., auf ein ausgesprochenes specielles Ziel
hin. .Die priester söUind an das ort gan, da sich der
geist erzeigt, und 7 psalmen beten im zuohingon.'
LLav. 1.5C9 = ,unterwegs.' 1670. — b) auf ein bloss
hinzuzudenkendes Ziel hin, in stehenden Aus-
drücken, a) = ztie-g. 1 a B; Uw. ß) = ziie-g. 1 h Uw ;
vgl. Zucchega-Gof. y) zur Richtstätte, zum Märtyrer-
tode. ,AVie er nun sach, dass er z. sollt, leid er's ge-
dultig.' 1.5.31/07, II. Macc. — 2. von Sachen, a) ein-
dringen, zu Herzen gehen, Eindruck machen, bildl.
Wenn Öppia t" der Zitig uteit, das öppen e chlei"
zueche geh, wil Salz drin üt « Chiimmi. HNvoecger
1878. Vgl. eue-g. :> d: Syn. wurmen. — b) = ztie-y.
a e BHa.
zcr-: brechen, zu tirunde gehen BÜ.; GnRh.; W.
Sonst nur in der Schriftspr. a) zunächst im eig. S.,
aus einander g., sich zerstreuen. .Sie liessend die
iren schandlich z.' 1408, Tobl., Volksl. .Si hieltend
ein landsgmeind . . . Wie nun die gmeind zergangen
was . . .' Vad. ,Die zergangen [flüssig gewordene, ge-
liVste] materi werde durch ein tuch geseiget.- JRLan-
iiEXB. 1008. ,Wann das Gericht zergat.' Wurstisen
1779. — b) in dem abstr. S. v. rer-g. 3, zu Ende, zu
Grunde, auch bloss vorüber g., verlaufen, aufhören.
,So der krüzcgange [die Bittfahrt] zergienge.' Bs XIV.
.Won [da] aller zerganklichen dingen vergessen wirt
unil der louf dirr [dieser] weit zergat, so geben wir
ein gezügsami mit schrift.' 1408, Absch., übliche Formel.
.Huob der von Gryers ein stürm an; zergieng on
merklichen schaden.' Ansh. .Dadurch gedachter wald
fast z. will und übel verwüest't wirt.' 1525, Absch.
,Es brann in 's N.'s schür und zergieng wol, Gott
syg globt!' 1527. HsStockar. ,Sy »""sorgtend. diss
Gschlecht wurd nit z.' RCvs. .Das Schloss zergienge
endlich durch Baufälligkeit.' Mem. Tig. 1742.
Vgl. zergangen. — Man kann im einzelnen Falle im Zweifel
sfin, ob ,z.' im eig. od. in abgeleitetem S. zu verstehen sei;
z.B.: ,So die hochz.vt zergat.' l.'>4:3. ZMnr. Offn. = sobald
die Gäste aus einander gehen, od. sobald das Fest beendigt ist.
Hei"-rrf(-r)- m.: Kehraus, nach welchem man
.heim gelif Seil«.
ga -" s. yan, gen. gä-en s. güchen.
gä gii s. gOfnJ: gäch; gdchen; gehen. gä gä, gc
.s. geben; geh; gelt. gä(e)n gäen s. gficlien.
gä (mit einem eigentümlichen, hinten im Gaumen
gebildeten, schmatzenden Tone): T,ockruf für Ziegen
BRi.
gäi s. giicli : geben.
(Jan, ^.GaW m.: Mundvoll W. I hn" niinimu [nur]
an Gate bercho' [bekommen]. Da.'< git Jediredrtnn nur
an G. Vgl. Mump fei.
Das W., der 8. Spr. nnbekannt, gehört ohne Zw. zu
gmcen, d«n Mund aufsperren, zu welchem es in richtigem
Ablautsverhftitnisse steht.
Gauel m.: Mensch, der die Zeit mit unnützen
Dingen zubringt BBe.
Setzen wir ein neues Vb. (gauen), schwacher Flexion,
als Abi. von obigem Gau resp. vom Prät.-Steimni von güwen
voraus, so ist Gmid (eig. der Gaifer) eine den Subst. .luf
-er parallele Bildnng daraus, mit schärferer Betonung der
Verächtlichkeit als dies in der Bildung mit -■)• liegt. Vgl.
Güircf : doch s. auch Gol; gauJig.
Gaue", auch i- Gr, kauwe BSi. -- f.: 1. Schweif.
Schwanz des Rindviehs BSa.; ,.F.- Syn. Stil. -
2. nasser Saum des weiblichen Kleides Git. Syn.
Flingge"; Begeh. E G. rcrfiiere". mit einem Solclicn
umhergehen.
Aus lat. «i«do, mit au^i;r^fn^s,■Il.■lll ./■ »i. |ii -i • " fi /.
ijueue. Die Beibehaltuiisr ih- "" in nii~.iii i i : , 1' : ■ n.
ans denen das W. in ilic ilnit^rlini -r^h ■,!,_. n • n i ,,.-,.
entspricht der Regel, diiss lat. ,(« iiu l'r.nni, mr! L'.il n.
bleibt; daher neben frz. queue in den (pruvenz.j l'atiiis d<T
Westschweiz cau(v)a (cm, eava). Dagegen fallt im Rätorom.
allerdings rf sonst nicht aus oder ab.
Tschigg-: Name einiger einander ähnelnder
Doldengewächse, nämlich gemeiner Kerbel, Anthriscus
sylv., und Biberneil, Pimpinella magna und saxifraga
Gr (B.).
Umdeutung aus rätorom. tKchikan, tessin. nlrulnria. welche
It Durh. für anthriscus gebraucht werden und auf lat. clcuta,
Schierling (ebenf. ein Doldengew.^ehs) zurückgehen. An Gavr
i. S. V. Wedel aber konnte bei Dolden schon ged.acht werden.
Gän n.: Gebiet. 1. ein bestimmtes politisch-geo-
graphisches. S. die folgenden Zssen. Auch den Eigenn.
,G.' schlechtweg tragen einige Gebiete im Gegs. zu
anderen, in ungleicher Zeit erworbenen Teilen des
selben Kantons; so ein Teil von S; so das Flachland
von L. Uf d' G. Schw; Th; Zu, ,Peter von Ar-
berg uss dem Göw [Aargau].' 1.584, Cvs. Vgl. .3 a.
— 2. Land im Gegs. zu Stadt oder Flachland im
Gegs. zu Gebirge. ,Auf dem G. wohnen, rusticari.'
Si'LGER. ,Über Gau gehen.' Schulze. ,Die Engel uf
dem Göw bei Betlehem.' Zwingli, ,Rus: ufs land
oder gäw.' Dasvp. 1537, ,Vil lieber blyb ich hindern
müren, dann in den dörfern uf dem göw.' Ri'ef 1550.
,So man sich in den stetten stattlicher, bas erneren
kann, dann wo man rauoss im göw hüshan.' ebd. 1538.
,Damit wir nit im göu schlechtlich iissend, übel loben.'
ebd. ,Rus: feld, ackerland. göw.' Dexzl. 1G77; 1716.
„Ins G. gehen, von Fleischern, die auf dem Lande
Vieh einkaufen" Bs; ebso ufs G. B; in dieser Ver-
bindung auch fem. ,Ich gieng auf die Geu für Kälber
und Heu.' Schw Fasn. 1860, ,Auf dem Gau', auf der
Rundreise. LMeister. .Als er zuo Gäw gehen und
Vych einkaufen wollen.' RGwerb 1046. ,Dic Metzger-
moister, so auf Gäu gehen, sollen einen Hund zu
ha. sau, ije. Kl. S'^- fJ"
halten befügt sein.- Z Mand. 1774. ,Wie oft wird Gäu-
gelien auf den Sonntag ver.spart.' ATi^LiNfiL. 1702. In
letzterer Stelle und überh. viell. bereits in allg. (abstr.)
S.: in der Umgegend Etw. in das Geschäft Einschla-
gendes suchen Th; ZLunn.; daher auch: auf eine Frau
ausgehen ZTurb.. den Mädchen naehstreichen ZO.
{Üyn. s' Kih, z' Liecht, z' Dorf gm); ferner .Etwas
»/■ (?er (?. [auswärts, ausgeliehen] haben' .\AZein., mit
dem Nbbegriff .lange auf die RUckerstattnn2: warten
müssen, es auf.« Spiel gesetzt halieir. Du imii'xt dem
Nöchber nit g' vil läie [leiben]: ihi hiilli^t huld dl"
ganze Hüsrot uf der (t. :'.. in si.li abgegrenzte
Gegend überh. £.v gnelsd.. f'm tVm-btbares Stück
Land Ap. — 4. bildl. .nli ich mirli schon vergienge
in das gniiw des tlMltlidicn sdiattciis.- i:.?.l. I'sai.m.
I!c., ;,l,cr ,l;i. einem l.cli, Ici (Ic^cvIh. zn seiner
IlctivilMin- i.^iti-c Uli. I m -cui,, cm Sinne icdilnnissig
cicvnc (.cl.ici, riicrgchcinl in den llcyiiir von: gün-
stige (Iclc-cnheit (zu Einkauf und'" Absatz) und:
re,litiii;i^si-e, Kigentum. Daher die EAA.: Hie'' ist
„iid S C.in, jnielit der rechte Ort] defür Gl. E» im
(t. ha", eine vorteilhafte Stellung haben. Ei"m i 's
recht G. chn', zur rechten Zeit, gelegen; auch iron.:
eben recht kommen, z. B. um gefangen oder gestraft
zu werden Z; in den Bereich der Bache. Si-rww. 1824.
Eim i 's G. chn" {farc Bs Spreng), Einem hindernd
in den Weg treten, in sein Eechtsgebiet übergreifen
Bs; Gl; ÜWa.; S; Z. Ch„mw-wrr^„iid i S fi" d') G.
Syn. gany-mer «/< iln- C^i^s! ('liKiinii-iiirr mul -.'nach
[nahe] uf d' Hrdic". i 's C'hoi. Xauientlicli von er-
wachsenen Burschen in der Werbung um Mädchen.
Uf 's Gr. gä", auf Abenteuer aus ZO.
Mhil. tjüiiiii-): alul. iimcl, geici, yowi. Gegend, Landscli.aft.
Der Wechsel des Geiuis beruht ohne Zweifel auf der Um-
ileutung auf ein aus dem zu <I<ni vermuteten Vb. giiwoi ge-
bildetes (wenn auch sonst nicht nachweisliches) Snbst. fem.
i. S. T. Ausschau, Suche, Begehren, Erwartung, oder das
Fem. ist dem idudich klingenden «/ d' Gschäu gnn abgeborgt.
— Uass in der Anwendung der RA. auf die Metzger gerade
die altern Belege den Art. nicht haben, ist bemerkenswert
inid kann zur Erklärung der Unideutung auf ein Fem. bei-
tragen, weil «/ Gtiu auch aus «/ d' G. entstehen konnte (in
diesem Falle uf l-äv gesprochen), findet aber Parallelen wie:
iilier Land f/Sii, z Ädier fiimi udgl. — Die bildliche An-
wendung entwickelt sich entw. aus dem Begriffe von .Gebiet
(Domäne)' oder entsprang aus dem konkreten Falle der das
Land absuchenden Fleischer.
All-Gau: t. die Gegend im Südw. v. Baiern gegen
den üedcnscc liin. .Wer ein eigenes Hernerwägelein
nnd guten Aluiuicr (lanl dazu liat.' AUkxm.. 1«17. -
2. All- Gebiet in den llHk. Alpen, aus .Alpagawi.' IX.
(Dim.) ÄUgäuli n.: Name einer der 6 Alpen des
Ällgäu, hart am Fusse des Hohgant. der Ort, wo nach
der Sage vor Zeiten eine Stadt gestanden haben soll.
Alggau und Alggi, Hochalpen in Uw.
Betr. den Umlaut s. Ai-Guu: betr. die Verstümmelung
des 2. Teils s. Kleilgüu.
Eis-: das Oberamt Paj\s d'Ajoie (Pruntrut). bis
Ende XVIII. so genannt von der ,Alsa', einem Zufluss
des Doubs. -- Insel- .s. Insle I 346.
Ar-, Är-gäu Aa; B, spottend Jir(/t. Unter diesem
Namen wird im BO. das BM., in Bern selbst und in
der übrigen Schweiz dagegen zunächst der heutige
Ktn Aa, und weiter auch noch das sog. Oberaargäu
(das BAargelände von Wangen bis hinauf gen Her-
zogenbuchsee) verstanden. In einer Urk. v. 76.3 sind
auch Spiez und Seherzligen (smnit auch Tliunt zum
A. gezählt.
Schon iu den älteren Scliritt.ii ihuc luve- .Ar-. Krir''iiW.
auch etwa ,Ärgou'. Der Uuilaiit kennte liis nnl ilcn ersten
Teil der Zss. zurückwirken (wie nlnl. Lei .M.leitmi^'en .-lur die
Stammsilbe, z. B. .Schüfer, Gärtiiei ; iiilid. w./.iiye.,,, ;/.i,(. /iure. |.
bes. da der zweite Teil fast nur noch als Ableitung gefühlt
wurde.
Argäuer (älter und richtiger als .-gauer'): Be-
wohner des Aa.
ärgauere": Klöster aufheben (wie es im Ktn Aa
im J. 1841 geschah). — Nur temporäres und individuelles
Witzwort.
Klett-Gau,/ieWi, früher auch ge.schrieben ,Kleg-
gau': der südw. Teil des Kts Sch mit dem angrenzen-
ilen Gebiet des (ircissh. Baden.
lieiiiiiic Cieiizen iHnl KtyiM.degie s. liirl. Aleiii. 1. IT:)tf.
Hie Vc-rstüiMinelnug des •_'. Teiles der Zss. rührt davon
her. dass er (wie iu .1%/. Ttinjl) zu blosser Ableitungssilbe
ilcgradiert wurde.
Priitti- {Prätt'^g-- Gr): Talschaft in Gr. Lache"
icie eil Brettigaiicr = unbändig 1. 17.52. JJBodmf.r an
Zellw. — Teil-: beabsichtigte Benennung der einen
der S Ecpubliken. in welche das frz. Direktorium die
Schweiz spalten wollte.
Tur- C-giJ: jetzt das Gebiet des Kts Th, früher
in viel weiterem S. das ganze Flussgebiet der Thnr.
fast die ganze O.stschweiz. also auch G und Z inbe-
griffen, bis an die untere Limmat, da wo der heutige
Ortsn. Turgi bei Baden an die alte Grenze gegen
den Aargau erinnert. Auf Letztern bezieht sich: ,Die
t Güeter, genannt das Thurgeuw [bei Gebi.storf].' 1653.
1 AAWett. Arch. .Das Turgi-Zelgli.' ebd. Als Zuname
i eines Mannes: .Alexius .Tannhuser. genannt Thurgi.'
l.-,T:; el„l, MiiPier, darf i"'' (nit) i 's Turgi? Kinder-
s|iie| in SeiiSi.. s. Sprww. 1824. bezüglich auf frühere
pnliti,-eli-s(rcitiue Verhältnisse, denen zufolge das Be-
treten Th Gebietes für Bewohner von Stein verboten
oder gefährlich war [V].
Turgäuer: 1. Bewohner de.^ Kts Tn. Si-rww. Es
brücht swe' Zürcher zum eii Turgäuer hschxssc" Z.
En T. si" ist rkei Sniid, aber e Schand Z. - 2. ein
Birnbaum, der längliche, rauhhäutige, spät reifende,
zum Kellern geeignete Früchte trägt Ap; vgl. Titrgi-
Bir. — 3. der Westwind Tiiünm.
Zu '2. Der Tli ist .Inreli ^eill.^ Ol.stkultur berühmt,
welche ihm übrigens deu Kocknamen .Mostindien' (mit gleich-
zeltiger .\nspielung auf seine iistliche Lage) eingetragen hat.
Turgäueri": 1. eine Frucht des vorhin genannten
Baumes. — 2. (auch nur: Gilueri) kleinere, magere
Kuh von beller Farbe, gleich denen im Th. resp. von
dort importiert Ap.
Wal(che)-Gau: die Gegend vom Bodensee bei
Bregenz am rechten Ufer des Rheins aufwärts bis an
die Grenzen von Tirol, so genannt, weil früher von
,Walchen'. welsch (d. h. rätoromanisch) redenden Leu-
ten bewohnt. — Wall assimiliert aus Walch. wie In Wall-
iniss. Walleiisee' : «W/e, welcher usw.
Gäuer ni.: 1. Bewohner eines Gäu's i. S. v. 3 a.
z. B. dem von I-. Der isst esirie ne G. (d. h. so viel)
Ndw. .Kinder zu haben, wo [von denen] keins eine
Nase habe wie das andere und eins dem andern gleiche,
wie ein G. einem Weltscb.' Gottu. — 2) = Tur-
gäuerin 2 Ap. — Zu '2. in der uiiinnliehen Wnitfnrui liegt
etwiis Wegwerfendes.
»an. gf, .?!. .sjn. SU
42
ijii Heilen : 1. reden wie ein Gäuer. 2. tanzen
wie ein Gäuer (d. h. zunächst ein Bewohner von LG.)
VOrte. Der früher bei der Landbevölkerung wohl
allgemein übliche, jetzt selten gewordene Tanz (auch
Ländler genannt), gewöhnlich nur von einem Paar
aufgeführt, war ein langsamer Walzer, begleitet von
allerlei Goberden beider Personen, auch von Schnal-
zen, Jauchzen und Stampfen des Tänzers, der sich
bald um die von ihm getrennte Tänzerin herum be-
wegte, bald dieselbe wieder umfasste oder unter den
verschlungenen Armen hindurch schritt, immerhin so.
dass die Kreisbewegung mit Fortschritt verbunden war.
Rochh. AK. erklärt den Tanz (schwerlich richtig) als
einen allgemeinen Reigen, dgl. nur in der romanischen West-
schweiz bis auf neuere Zeit nachgewiesen sind, unter den
Namen Ronde oder Coraiila F. \>1. noch S.lhnmUr I 30«;
gäuen s. gilu-en.
ge s. geh; geben; gelt. ge s. gihi.
ge-: untrennb. Präf. L Lautgestalt. Vor anlau-
tendem b, f und d zuweilen gi-, z. B. gihoi-e". (iidnnlr,
Gidult, in Gr u, W in allen Stellungen ni' ht <• Itiii vk-
(in ä, Urkunden selten und nur ausnalim-«. i.. ,/„- -c-
schrieben), sonst immer mit Ausstossunj;- dos \<u-.,
wovon Verhärtung resp. Verdopplung des g zu /■ (ggj
die Folge ist; vor Cons., die dessen fähig sind, auch
\'crhärtung dieser Anlaute mit Assimilation des g an
dieselben, in der es selbst aufgeht, z. B. kesse", ge-
gessen; l-mein; (.schwind; l^sell, Gesell; l-aije', gegangen;
j>ö*e", geboten ; tjenef, gedient ; tanzet, getanzt; zanket,
gezankt. Mit anlautendem cli des Stammw. verbindet
sich das g des Präf. zu 1c (k/J, z.B. kramet, gekramt:
küre, gehören (neben k'Mre). In kenne" (aus g'cMnne')
\sige- festgewachsen, in cho', gekommen, ist es gar nicht
vorgetreten. In Folge jener Assimilation scheint das
Präf. nicht angetreten od. abgefallen, es ist aber ver-
steckt enthalten auch in Formen wie Tafel, Getäfel;
Truck n., Gedränge, während in dem Masc. Tritck =
I>ruck; in topplet, doppelt; pugglet (gebuckelt), gebückt.
bucklig, der Anlaut schon im einfachen W. verhärtet,
resp. fortgeschoben ist; ebenso viell. auch in tige", ge-
diegen; toge', geduckt; trang, gedrang. eng. Bemer-
kenswei-t ist die Verkürzung von g'wünne' (gewinnen)
in günne" mit Ausstossung des w resp. Verschmelzung
desselben mit dem folgenden ü. Über das ge- vor dem
Ptc. in.sbes. s. noch Fromm. 2, 210. Wo das Präf. seit
alter Zeit festgewachsen ist, also stamrahaft scheint,
liat die Ausstossung des e keine Verhärtung des g resp.
des Anlautes zur Folge, daher z. B. Gäder tw. (I 88) ;
grad; Gleich, Ge\enk; glür e', ghtzen; Glüre, unreiner
Bodensatz; Grüt; vor Allem in denjenigen WW., welche
auch im Nhd. als einfache empfunden werden, z. B.
Glaube; glich; Glid; Glimpf; so auch in einigen sub-
stantivisch verwendeten Ptcc, in Betretf deren das
Bewusstsein des ursprünglichen Verhältnisses (wie
auch der Wechsel des Genus bezeugt) erloschen ist,
z. B. Bratis, Braten ; Bränz, Branntwein ; Bachis, Back-
werk — sämmtlich masc. aus *pratens, prennts. Ge-
branntes, *pachens, mit Anlehnung an den Präsens-
stamm (b-J. G'leitig u. Heitig unterscheiden sich viell.
nach den Bedd. .schnell' und .lenksam'. In der ä. Lit.
werden diese Lautunterschiede natürlich nicht con-
.sequent bezeichnet; neben Schreibungen wie .gbracht.
gdenkt' findet sich z. B. bei Euef 1550 .boren- für ge-
boren ; .broclieir (gebrofhen) ; .geben' (gogoben). und
vollends .tröst' (getröstet), .troffen- (getroffen), ohne
dass an wirkliche Weglassung des Präf. zu denken
wäre (übrigens vgl. noch (jr. WB. IV. 1, 1, 1G2()).
Kbenso bei Subst. ,purt', Geburt (Bib. 1531); bei Kessl.
auch .widerburt, boren, beren'. .Ticht', Gedicht (Salat);
.dächtnuss', Gedächtnis« (Aal; LJid); ,dult', Geduld
(Hey., 1.540/7.3); ,schlecht-, Geschlecht (Cvs.). Da-
gegen könnten in ,bett'. Gebet (Rüef); , schenk', Ge-
schenk (Kessl.); .dank'. Gedanke (Ruef), vielleicht
ältere einfache Formen ohne Präf. erhalten sein.
Zweifelhafte Fälle dieser Art zeigt noch die heutige
Volksspr. : Pict, Gebiet, besonders in Zssen = Gau,
z. B. Ziiri.''''piet, ist ohne Zweifel aus .Gebiet' assi-
miliert (obwohl es auch mit blossem /; geschrieben
wird), ebenso Pntt, An- oder Aufgebot, aus .Ge-bot';
dagegen bleibt fraglich, ob auch das m. Fott, Bote.
aus dem seltenen mhd. geböte verkürzt, nicht viell.
nur nach Analogie des n. mit hartem Anlaut gespro-
chen werde, obwohl in Bs und G Eechtsq. auch .Ge-
büttel' = Büttel (.Gerichtsbote) vorkommt. Weniger
zweifelhaft ist Pfir, Bauer, aus mhd. gebäre. Unter
solchen Umständen erstehen im einzelnen Falle der
Etymologie besondere Schwierigkeiten, da es sich bei
einer Anzahl von WW. fragen und oft nicht leicht
entscheiden lässt, ob überh. ein Präf. ge-, das mit
dem Stamm früh und fest verwachsen sein müsste.
oder vielmehr ein stammhafter Anlaut g anzunehmen
sei, der nur zufällig den Schein des Präf. annimmt.
Gmiterlen (zänkeln, plagen) gehört wahrsch. zu an-
teren: glähig (flink) aus .gelenkig-, gleitig (schnell) aus
ge-leitig (lenksam). An-gränzen (rauh anfahren) kann
aus dem Ptc. von ranzen (knurren, keifen) mit An-
lehnung an grännen (den Mund verziehen) gebildet
sein. In Güsel (Kehricht. Abfall), Gräbel (Verwirrung)
ist Zss. mit dem Präf. zweifelh.. schon weil das an-
lautende g nicht verhärtet ist. In Grümpel (altes
Gerät) Mliuaiiki dio Aussprache und ist Anlehnung
an rumi'hi! (|Hiltrnii möglich, während in grämplen
(Kleinliiui.lrl 1 1 .iljoii) /y zum Stamm gehört. In Gneist
(Funke, iiilid. gnnenft) steckt jedenfalls nicht das Präf.;
in einigen andern Anlauten steht der seit alter Zeit
seltene und zweifelhafte Anlaut gn für (stammhaftes)
/.«, z. B. gnippai. <inir1iru. gnlsten. Dagegen ist es
in gnagoi (ab- n,l. Ih.'.iia^.'n i. gneigen (refl., sich ver-
neigen), grai/cii istrit wimMoii. starren, ragen), Gleich
(Gelenk). Glimpf (Sclniiimadel), Kiitt (Gesindel aus
ge-chütt, ahd. chtiti, Herde), kälen (gerinnen, aus ge-
clinlen, erkalten) u. a. unzweifelhaft enthalten, obwohl
es nicht mein- empfunden wird. z. T. weil das Stammw.
ausgost^rlM'ii i^t. TiNgek. ist in iesc/t( (Glasur) neben
glest ml.isirit I -taiiiiiihaftes g durch Missdeutung ab-
gestreift, /u.ilolliaft bleibt Gf/e/y; (heitere Stelle am
bewölkten Himmel); zu gläffeii, glotzen, von Läff, Maul,
oder zu .klaffen' (vgl. glnchet vom Himmel in ders.
Bed.). Über den AnL gsch- resp. g». s. gleich im Folg.
— IL Bedeutung. A. vor Subst. 1. oft ohne spür-
bare Bed., rein lautlich verstärkend und meistens mit
Formen ohne ge- wechselnd, a) vor Sachnamen.
concreten und abstracten, aller drei Gcsdihnliter. i. H.
G'sjHiss, Gspa'ßrli, Spanferkel; G.^pnlt : i,uiiii<l,r.
Neugier; Gstäd, Staat i. S. v. Hoftart ; Gsrliid,} \\.^. v.
Ursache; persönl. adj. mit .sein'); (ixi-linft. Silnitt-
stück; Gspur; Gstell, Stelle; Gsclms^. rtiopiivi. ;
Gn-upp, Webstück; Gsedel, Nachtsitz cI.t \ •".:>']■. (i/i-l.
Fest; Gnltli. Name des classi^ehen Ortes am \'wS,..'.
Ga. j^e. gi. go. gu
44
In der Füimel Gschiff und Gschirr ist das Präf. des
LM-sten W. nur zum Zweck yon AUitt. dem des zweiten
nachgeLilclct. In Gstich si" (gleich stehn. bei einem
Wettspiel), kann das Präf. auch aus dem sociativen
P.egrilf desselben (zusammen, mit einander) erklärt
werden. Gspil (Spiel) ist vielleicht dem persönlichen
Gspile (Gespiele), wo der vorhin genannte Begrift gilt,
nachgebildet, wie Gsjmss, Spass, auch die persönliche
Bcd. .Geselle' hat. In Gsjmlr (Spreu). Gscliröt (Schrot)
mag die collective Bed. des Präf. vor Neutren mit-
wirken, und so vielleicht auch in dem Fem. Gschär,
Schaar. Doch erscheint zuweilen rein lautlich gsch
statt seh: Gschoche, Heu häufe: ^r.^c/üfjj/«;, Haarschopf:
Gschuderhär, struppiges H.. und ist in gewissen MAA.
überh. ein beliebter Anlaut geworden: so viell. auch
in mehrern der obigen Fälle von anlautendem seh.
Zuweilen sind Formen mit qe- auch in Geschlecht und
Lautfonu von den einfachen WW. versch.. z.B. Gsaf
n., Saft: C^rhiift. (Flinten-) Schaft; (Gfüeter, Futter
für Schweine i; (rf.trht. .Mass (zu Facht); Gfriist, Frost;
Gspor, n., Spui- im Scjinee. neben Gspitr f., im allg.
S.; Gliir, schlechtes Getränk, neben Lüre. Mit Präpos.
verbunden : A'gstalt, I'gricht, Ein- oder Vorrichtung.
Die ä. Spr. hat bedeutungsloses ge- noch selten : ,Ge-
zeugnuss.' Cvs.; Wurstisen. .Handgschrift' U Mky.
1540/73. .Gezwang.' 1529. Absch. ,Gctrang.' Edlib.
.Gespann' neben .Spann- (Zwietracht). 1483, Schai'b.
Bq. 1, 88, 5. ,Gschlacht.' Kessl. .Gutgedunken.' CSchob.
Verbunden mit andern Formverschiedenheiten: .Miss-
gewächs' (Misswachs). XVII.. B. .Der Früeling oder
das Glenz.' Fris.. nicht unmittelbar = der Lenz,
sondern eben sächlich das Anbrechen, Eintreten des
Lenzes, also vom Vb. lenzen (langizen), lang werden,
(der Tage). — b) vor persönlichen Begriffen, sel-
tener, z.B. Gsehlufi, elender Kerl, wohl wie in GschöH,
= Tschöli (Tropf), rein lautlich. Gmeistev, Gher werden
i. S. V. obsiegen kann aus: ,Meister g'werden [mögen]'
umgestellt sein. In Gspons, Bräutigam, kann g aus
dem sociativen ge- ('2) erklärt werden. Tiernamen :
Gninl, Gmol, Molch, neben Güge-mÖli (Unke), Giciggli,
Eule, neben Wiggle. In der ä. Spr. ,Gezeug', Zeuge.
TiERB. — 2. mit merklicher Bed. a) persönlich,
wie nhd., mit dem Begriff der Zsgehörigkeit, Gemein-
schaft, Gesellschaft, Vwdtsch.. Gegenseitigkeit. ,Ge-
crbe'. Miterbe, auch .Ge-ei-bt-, wie neben ,Ge-teile',
Anteilhaber, auch .Geteilt'. .Gehüse' (Hausgenosse),
Mieter; ,Gebvire' (Mitwohner), Nachbar; ,Genam', Na-
mensgenosse (mhd. genanne. dah. ,Gnan' im Simpli-
cissimus als Schweiz. Benennung des Vaters); Gnomme,
Genoss. Gesellschafter, eig. Mitnehmer, ahd. ginomo:
Gspan, Gespiele (eig. Milchbruder, v.spanen, säugen);
Gspass, Geselle, auch: Gatte; Gschläpf, SchlatTvamerad ;
,Getratte', Weid- oder Allmendgenosse (von Tratt,
Weide. Trift); Gschwi, Schwägerin, Schwiegermutter,
-tochter. In dem Scheltn. Gfrorlig bezeichnet das
Präf. allzu leichte Geneigtheit zum Frieren, krank-
hafte Empfindlichkeit für Frost. — b) sachlich und
darum auch mit sächl. Geschlecht des W. 1 1 Abstrakta,
meistens von Verben gebildet, bezeichnend a) Wieder-
holung und z. T. Steigerung der Tätigkeit, nach Art
von nhd. .Geächz. Geschrei, Getön' usw.. oft mit dem
Nbbegrift' der Lästigkeit. Sehr beliebte Bildung. —
ß) ein Mittel oder Produkt der Tätigkeit, z.B.
Gfergg, Fuhrwerk; Gfäsch, Wickelzeug; Gliger, Lager;
Greis, Ordnung; Gier. Unordnung: Gxntz. Ahasit/..
Grundsatz; Gsäss, Anbau. Wohnsitz. Von Subst. :
Gmünd, Handbreite (vom alten mimt. Hand); Gf'rdss
(in einigen Bedd., während die andern zu 2) gehören).
Einige WW. dieser Gruppe finden auch .\nwendung auf
Personen, aber nur in ungünstigem, tadelndem S.. z. B.
Ghürsch. nachlässig gekleidetes Weib (eig. gleich.sam
personifizirte Unordnung); Gnist, unruhiger Men.sch
(yg\. Fegnest); Gragel, hageres Weib (eig. aufragende
Gestalt); Griclit, Schwätzerin (von ,richten' i. S. v.
absprechen oder durchhecheln'?). Hieher mag auch
Getwergi, Zwerg (W), gehören, sächlich aufgefasst
wegen der Missgestalt (vgl. nhd. , Wicht, Ding' auch
von kleinen Personen), schon mhd. getwerc in jener
Bed.. doch viell. urspr. coli, und dann auf einzelne
Wesen eingeschränkt nach Art von nhd. .Frauen-
zimmer, Bursch. Kamerad', frz. recrue, Rekrut. —
X) die Tätigkeit selbst, ohne Nebenbegriff: .Ge-
hügde', Gedanke, Gedächtniss ; .Gefechd', Fehde ; Ghirt,
Fütterung des Viehs; Gritt, Erdschlipf (eig. wohl
wiederholtes Rutschen und dann eher zu a, wie diese
3 Unterabteilungen übh. leicht in einander übergehen).
— 2) Collectiva mit dem Begriff eines aus vielen
Teilen (oft unordentlich) bestehenden Naturgegen-
standes od. Machwerkes. Grigen, Regenwetter; Gvihel,
Nebel; Ghilb, feines Dunstgewölk; Gfider, Federvieh
(vgl. nhd. ,Geflügel') ; Gfisel (s.d. W.. von dessen 9 Bedd.
übrigens einige zu 1) a und ß gehören); Ghüder, Keh-
richt; Gjät, Unkraut; Gfilg, die Gesammtheit der
Felgen an den Rädern; Gstüedfl, Gestell, bes. Web-
stuhl; s. auch noch G/Ietz und Gßätsch. — B. vor
Adj. und adj. Participien. 1. vor reinen Adj.,
meist pleonastisch, ohne Bed. (wenn das Adj. nicht
von einem Subst. oder Vb. abgeleitet ist, dem das
Präf. bereits wesentlich zugehört). Wenn das Präf.
irgend eine Bed. hat, so kann es höchstens in ein-
zelnen Fällen etwa besondere Geneigtheit gewisser
Personen oder Dinge zu der betr. Eigenschaft, vor-
wiegendes Behaftetsein mit derselben oder Annäherung
an dieselbe (i. S. der Bildungen auf -icht. -artig) an-
deuten. Doch sind zu unterscheiden: a) Adj.. welche
auch ohne das Präf. vorkommen, also nur gelegent-
lieh und lose mit demselben verbunden werden :
(g)ässig; (g)ergelig: (g)fölgig; (g)fötzeKg; (g)foslig;
CgymUig; (gßeitsam; (g)flingg ; (g)frönd, fremd; (g)söd,
leicht siedend u. v. a., meist auf -ig. -r- b) .\dj.. welche
nur mit ge- vorkommen (meist ohne dass dem Präf.
eine besondere Bed. zukommt). Beisp. ghass, verhas.st.
feindlich gesinnt; dagegen (gjlmssig, übellaunisch;
gräz (scharf, bissig, erpicht, verschieden von gräzt,
gährend, und räss); ghand, bequem, gelegen (eig. zur
Hand; vgl. nhd. ,behend') ; ghwrsch, herrisch; ghiiss,
keck, frisch, stolz (mhd. nur hiuze); gfürchig, furcht-
sam, -bar; ghe-üg, ghedig, dunstig, dämmerig; ghiifig,
voll; gschämig, beschämend; gsehmig, bunt, grell u. a.
Die ä. Spr. macht von dem Präf. nicht so häufigen
Gebrauch resp. Missbrauch. Bemerkenswert ist .ge-
recht' i. S. V. ,recht'. dexter (öfter im XVI.); .ge-
saftig.' BiB. 1530 (vgL 0. G'saf, Saft); ,gewillig.' ebd.
1531/48; .gedenkwürdig.' Wurstisen ; .rechtgeschafien.'
BiB. 1530 u. LLav. 1.584. richtig participial gebildet,
aber darum eig. zu 2 gehörig (übrigens vgl. Gr. WB.
IV, 1, 1, 1621); .gschriftlich'. abgeleitet von .Gschriff
(s. o.), wie umgekehrt mit scheinbar fehlendem Präf.
.duldig' von ,dult'. Adj. Formen mit ge- ohne die
Ableitungssilbe -ig sind heute seltener geworden als
45
4G
sie Irnlicr wurm. 'An iloii obigen Beisinelou (uiitei- h)
koiiiiiieii iiiiili (/'"'''-, lierzliaft, beherzt; gsiyrädi. Die
ä. Spr. bildete solehe Formen bes. zur Bezeichnung
leiblicher beseliaffenheit, z. 13. .gebär', haarig, behaart ;
.gelib', beleibt; ,gehöcl', mit Heilen versehen, unver-
sc-hnitten) ; .gehürn', gehörnt (neben .gehiirnacht-, horn-
ithnlich, und ,gehürnig', hörnen); .gelaub', belaubt.
Vgl. auch en(j((j)ächs Sp. 75. Diese Bildungen be-
rühren sich nahe und mischen sich i. T. mit den nach-
folgenden participialen, z. B. .gehudel- (lumpig, zottig)
neben .gehudlet', ,gefeder(t)'. — 2. vor adj. Parti-
cipien oder participialen Adj.-Formen. a) mit der
Form des Ptc. Perf. Solche Bildungen können von
Subst. oder Verben abgeleitet werden ; im erstem Fall
sind sie natürlich nur der Form nach participial, wie
nhd. .gehörnt, geschwänzt' u. a. Es gibt Fälle, wo
die Abi. von der einen oder andern Wortart zweifel-
haft ist. Die substantivischen haben immer, die ver-
balen (weil von selbst schon abgeleiteten Verben)
meistens schwache Form; (jchinsen (voll), vollgestopft
oder -gepfropft, ist Entstellung von (/ebisset , nicht
von hissen, sondern von Bisse', Keil. Beispiele: von
Subst.: ghaslet, gesprenkelt wie Haselrinde; gfröschet;
t/l'uchset s. d. WW.; g'yeistet, lebhaft; g' gleichet, mit
(ielenken versehen (s. o.) ; g'ghiclt, doppelt, von Früch-
ten, eig. mit Glück begabt (das verbale Ptc. lautet
g' glücket). Von Verben: gchlipitcret. klebrig; fichrün-
gelet, knapp ; gchrttsen, kraus ( m-l"'n iicjinisirt ) ; ,il,,lsrhcf.
nachlässig gekleidet; giiMugghl. JiiMor. \nin lliiinin'l;
gmiigget, schweigsam, mürrisrli ; iilnsi-lirt. phisivl, auf-
gedunsen ; gschmogen, kaum, küuimerlicli ; gstagoi, steif;
gsimnnen, bereit; gstepijet, blatternarbig. Aktive
Bed. haben: yvirrtelet, auf Vorteil bedacht; gmeistcret,
herrschsüchtig; gschnögget, naschhaft; gf'reut, erfreu-
lich; trugen, trügerisch. Von Zahlwörtern: gfün-
feret, zickzackförmig (doch zunächst wohl vom Subst.
Fünfer). ,Der gedritte Bund', der dreifache, die ver-
einigten 3 Bünde, d. i. Graubünden, wo aber ge- coli.
Bed. haben kann, wie in gefründ neben gefriindt.
befreundet. Nicht selten entspricht das participiale
Sufti.x -et dem rein adjeet. -ig, z. B. gchindelet, kindisch
= gchindelig; gspriggelet, gesprenkelt = gspriggelig ;
g'eiiiäiiget = einäugig; g' cierefigcf — nere'iiriii. Tni^-ek.
grippUg, felsig, v. Boden = yiv'yi/i/fV . nrU.lKj iinlJii.
feinkörnig, geronnen, von Jlibli; iirniidiiinjs 11,;,. li
= grauchnets, geräuchertes; gfusiiii, zah, iiebfii gfuscn.
Begrifflich bemerkenswert sind die unter II A 2 an-
geführten ge-erbt. erbberechtigt; geteilt, theilhaft. —
b) mit der Form des Ptc. Lnperf. -et (aus -end), wo
diese nicht zu -ig geworden ist (s. vorhin). Diese
Form trifft dann freilich mit der des Ptc. Perf. eines
Teils der schwachen Verba zusammen, aber eben
daraus, verbunden mit dem bei Ptc. Perf. vorkommen-
den Übergang von passiver in aktive Bed. (s. o.) wird
die Vorsetzung des ge- vor solche Pti\ (auch von
Vben, die sonst kein ge- annehmen) eiiizii:- zu ri klaren
sein. t. a. gstechet, stössig; traget, tmrlitiy; ijhiiiict.
schneidig (von Waffen); gstinket, auch KiistiiiLur. cii
gfarete [fahrender] Schueler; gstönds Hotz, stehendes.
— c) vor den Adverbialbildungen a,wi -lingen, welche
begrifflich zunächst an Ptc. Imperf. grenzen; z.B.:
gstäiullige". stellend: iisll^jigc: ghöcklige, liockriid;
gligglige; Wifsi rhlnir. liliiidlings. Zu dem '/< ilir^i
Bildungen und d.T wirkli.lien Ptc. Imperf. kann man
halten den iilid. syntakl. (ieljraneh dos Ptc. l'ei I. m.m
Verben der Bewegung bei .koinni.'ir. z. K, ,er kniniiit
gesprungen', was zwar mit ..siiringeml- nicht gleicli-
bedoutend, aber nahe vwdt ist. — C. vor Verben.
Auch hier ist das Präf. im Ganzen noch häufiger als
in der Schriftspr. und auch hier ist zu unterscheiden
zwischen ständiger, fester und bloss gelegentlicher,
loser Vorsetzung, welch letztere in der Schriftspr.
kaum noch vorkommt, also für die Volksspr. charak-
teristisch ist. Das feste ge- ist aber zugleich für die
materielle Bed. des Vbs wesentlich, während das lose
(bes. in der ä. Spr.) z. T. nur formellen, syntaktischen
Zwecken dient. 1. Verba mit losem ge. (g)näggelen,
kleine, spielende Arbeit machen : (gl wirsen, beschä-
digen; (gjchlenken, läuten; (g)resen, Kleinhandel trei-
ben; (g)lütterlcv. viel trinken; fgj lästeren, lauschen;
fgjliselen, Hüstrni; nplnnii , blinzeln; gschüderen,
schaudern; (ijj ra.i'u , sdiaif schmecken; (g)heissen,
genannt werden, lauten (dagegen i. S. v. ,befehlen' nur
mit g'); (g) stillen, still werden, machen; (g)stabun,
(er)starren; (g)rueben, ruhen; (gjhirmen, dass.; (g)äben,
abnehmen; fgjärbeten, reH., sich bemühen; gclienneu
neben ch- (Letzteres auf beschränktem Gebiete) ;
,gspüren' schon Bib. 1.530; .gefühlen.' Klingl. 108S
(jetzt nicht mehr); .gsegnen' schon Bm. 153(1; ,ge-
dunken-. dünken. 1706, L. (Dagegen gebraucht die
ä. Spr. und tw. noch die lebende MA. ,be-' und .ver-
gnüegen' auch ohne ge-; ebenso .niessen' und .loben',
i. S. V. geloben); .gereichen', sich er.strecken. ge-
langen. AKlinül. 1ü88. NMan. hat: ,gelieben', lieb
werden; .gemeinen', beabsichtigen (vgl. ,wie gut wir
es gegen euch gemeinen.' 1531, Strickl.). In ,bige-
stän' (beistehen) könnte ge- wohl auch fehlen, während
es in ,gefolgen, gelangen', beide i. S. v. ,zu Teil wer-
den', wesentlich scheint. Oft ist es schwer zu ent-
scheiden, ob ge- materielle oder nur formelle Bed.
hat, resp. nur beim Inftn. abhängig von Hülfszeitww.
vorkommt (s. u. 5). ,Übergwältigen' ist richtig von
,Gewalt' abgeleitet. Mit einem andern Präf. ver-
bunden: (gjverirren. Zuweilen unterscheiden sich die
M.\A. so, dass eine ein Verbum nur ohne, oder mit
und ohne, eine andere dasselbe nur mit ,f/c gebraucht;
z. B. g'nüssen, niesen Scn. anderwärts nur ohne;
vnmoi. irewölmen Ac. in Z nur mit; si'''' icere", sich
\ ..itciiliuiii. aiistreni,'-en '/,. si''' gweren, sich helfen Bs;
^pnirhlni. |.lau(lern /, in 11s auch mit ge-. Oder in
der selben .MA. unterscheidet sich z. B. schmücken, das
Geruchsorgan in Tätigkeit setzen oder Geruch ver-
breiten: g'schm., Geruch wahrnehmen; dem Gaumen
wohl schmecken, munden; wüschen, waschen: gic,
durch einander mischen. -- '2. Verba mit festem ge-,
vor .Allem die Verba der sinnlichen Wahrnehmung:
gsehn, ghören (schon in der ä. Z Chron. und bei Kuef;
wol nur in Bs und G auch ohne ge-; einfaches hören
in Z = aufhören, in GrD. auch = sich gehören, ge-
bühren); gschmöcken, mit dem Gerüche wahrnehmen;
gspilren. Aber auch peten, bitten (dagegen lieten,
beten); gchennen (fast durchgehend); gneigen, sich
verbeugen; gschweHgen, beschwichtigen; gscltre-ien,
schreien machen; verklagen; gschwinden (unpers.).
ohnmächtig werden; gruenen, ruhen; gchalen, ge-
rinnen; gheilen, intr. ; gjächen. Iteif ansetzen; gstcllen,
stillen, anhalten ; gstagen, erstarren ; gtcagglen, wackeln ;
'iiniiipen, gnäpfcn, dass.; gnipfen, hinken; gnieten,
sattigen; g'han. refl., sich geberden (vgl. nhil. .sich
i;rliaben' = befinden); gltnu/gcii. bangen, sclninkeln
(lassen); f/hijen, fallen; ijhinken, weifen, fallen; ffhir-
iiieii, ausiulicii ; (jschändeii, verletzen ; yreichen, s. aus-
strecken (dag. reichen, holen); yfechien, zu Stande
bringen. In der ä. Spr. noch manche andere, z. B.
.geleben-, mit Gen. u. Dat.. sich gefallen lassen, nach-
leben; ,gefallen-, s. d. In ,sich geraaren, gemerben'.
zum Bauerngewerb vereinigen, kann ye- coli. Bed.
haben. Nicht hieher gehören Verba, welche von be-
reits mit (/e- zsges. Nomina abgeleitet sind, wie (jhaben,
wasserdicht werden, von i/hab; ywunderen von G-wun-
der u. a., von denen sich als Abll. von einfachem
Grundwort abheben: fjhilten und (jhären, Haut und
Haare bekommen; gicahen. davon kommen (von Wabe
in einer bildl. Beziehung V). — 3. einen Übergang von
materieller Bed. des <je- zu bloss formeller machen
Fälle, wo das Präf. lose oder fest mit einem Vb. ver-
bunden, eine temporale Modifikation der Bed. des-
selben mit sich führt, aber nicht eine grammatische,
sondern eine lexikalische, also noch halb materielle
Begriifsbestimmung. Das Bräf. kann nämlich das Ein-
treten oder das Andauern eines Zustandes be-
zeichnen und in dieser Eigenschaft durch Hülfsverba
umschrieben oder durch wirkliche Priipp. übersetzt
werden, z. B. : gstän, stehen bleiben, still stehen,
stocken, auch: Stand halten, gegenüber treten, sich
entgegen stellen; .das getön der trumeten vernenmiend
die reisigen pferd, also dass sy zuo zeiten nit geston
mögend.' Tikkb. 1563; fihucken, sich setzen oder sitzen
bleiben, sich still halten = sic/t yhücken, z.B. (/hock!
= (jhück dich! Zuruf an unruhige Kinder; ylig(yjeii.
zu liegen kommen, liegen bleiben, unterliegen. z.B.:
,ich bin den töufcrn nie hold gsyn; ich wellti gern
hellen, dass si gelägend.' 1528, Egli, Act.; (j'hittmen,
wieder zu Atem kommen; yneren, anfangen zu heilen
(genesen); ynucken, einschlafen (ent-); yriselen, ge-
rinnen ; yschwinden, ohnmächtig werden ; yschuindleii.
Schwindel bekommen; ystossen, zsstossen. in Streit
geraten. Hieher gehören auch einzelne Fälle wie:
De'' nächst am Ofe' ytväniit si''', kommt dazu, sich
zu w. Sdlger. — 4. vor gewissen Verben bezeichnet
ye- das Vermögen zur Vollbringung der betr.
Tätigkeit, worin also auch ein temporales Moment
enthalten ist. So: ychm, zu rechter Zeit ankommen,
mit Etwas zu Stande konnnen, z. B. : me" ychäm noch
hinecht [diese Nacht] kand [leicht] Gl; me" tiiemti.
es war nüd miiyli''', dass en Mensch da dure [hin-
durch] ycfiäm. ebd.; ymache', zu machen vermögen.
z.B.: V'' ymache 's um [ohne] di"'' Gl; ghähe', zu
halten vermögen, ebd. ; y fasse", fassen, z. B. : das Glas
!l fasset en ScJwppe" Gl; prinyen. Etwas ausrichten
(i. S. V. einbringen) W; glängen, auslangen, -reichen;
üsystün, etwas stärker als einfaches üsstän. Gotth.,
inmier mit Negation. z.B.: iebiy ystieng [stünde] er 's nit
länyer us: .gössen-, zu verzehren vermögen. .Wann er
dasgisst und trinkt den wyn. So gat er nienen nüechter
hin.- BiRK. 1.535. S. auch noch Bd 1 525. — 5. hieran
schliesst sich der schon in der a. Spr. reichlich be-
zeugte Gebrauch, dass einem von den Hülfszeitwörtern
der Modalität abhängigen Infinitiv ye- vorgesetzt
wird, um die Erfüllung, Verwirklichung der Tätigkeit
noch deutlicher zu bezeichnen. Vgl. (Jr. WB. IV,
1. 1. Itjl-f. a) bei mögen, am Häutigsten z. T. bei
den selben Vbn, welche laut 1 auch ohne das Hülfs-
zeitw. die selbe Bed. annehmen können, z. B. ylange'
w., ansreii-licn ; ylirJie" m.. festzuhalten vorningon. JJer
Bueb ist lustig, der Vater mag 's [darüber] aber nit gla-
chen. Si'RENG. Se eil, a's s' mönd zum Mül fis ylü [lassen].
Stütz. Er mag grite, tcas 's Boss mag glaufc, er küm-
mert sich Nichts ums Pferd, wenn er nur leicht ins
Weite kommt. Ineichen. Es het nüd m. gicerde". Er
mag 's gmache, bringt sich durch. Nüd gwarte m. G.
Es mag Niit pringe' (i. S. v. einbringen), zu einem
Erfolg beitragen Z. Er mag das niit g'esse", aus-,
aufessen (hingegen: er mag nüd esse, hat keinen Ap-
petit). Er mag no"'' gclw", rechtzeitig ankommen.
Es mag 's nüd g'ye' [ergeben], es will nicht gelingen
oder es reicht nicht aus. Me" may das Stack Holz
chiim yferyye' [von der Stelle bcweii^ii |. in Bs- auch
bei Verben, die mit einem bereite diu >c11ji- Bed. ent-
haltemlen er- zsges. sind; z.B. eryliampfle" [mit der
Hand umfassen] möye"; eryhebe". festhalten; erylaufe",
laufend erreichen; erglüpfe', vom Boden erheben; e»--
gmeistere", bemeistern; sogar ergslu, sicli aufrecht
halten. Der Inf. ninuut aber in allen diesen Ver-
bindungen nur dann ge- an. wenn mögen. ein persön-
liches (leibliches oder geistiges) Vermögen zu einer
Leistung, nicht aber wenn es subjektive Geneigtheit
zu einem Tun oder objektive Möglichkeit eines Ge-
schehens bedeutet. Daher die PiA. Hden mögen =
gern sehen, dagegen nicht gliden m. i. S. v. ertragen,
weil reines Leiden nicht als akt. Leistung gilt. /'''
mag nüd schrlbe' heisst: ich habe keine Lust dazu.
/ »(. n. gschribe", keine Kraft, vermag die Feder
nicht zu führen. F'' mag-en nüd a'luege', ich wür-
dige ihn keines Blickes, a'gluege", ich vermag seinen
Anblick (wenn er mir aufgedrungen wird) nicht zu
ertragen. (Scheinbare Ausnahmen sind: (fsin m., von
Personen: ökonomisch bestehen, sich durchbringen.
wo sin nicht abstraktes Dasein, sondern prägnantes
und concretes Existieren bedeutet; von Sachen: zu
Stande kommen, sjn. ywei-de" m., wobei der Sache
fast persönliches Vermögen, sich selbst verwirklichen
zu helfen, zugeschrieben wird. Bei gicerde" m. mit
Dat. P. i. S. V. zu Teil werden wie in .gewerden
lassen.- LLav. 1644 gehört ye- materiell zu .werden',
und mögen bedeutet Schicksalsbestimmung.) .Ilir try-
bend die fröwd gar schalklich, daz wirdig lierren ut
ir Stuben nit getanzen, noch kein ruowe vor üch
gehaben mögent.- Bs XIV. .Swele [welche] der buosse
nit geleisten mag. der soll man die statt verbieten,
unz si's gerichte.- 1314, Lauf., Beitr. .Der [Götze]
Bei euch mag gehclfen nüt.' Birk 1535. .Qui heri
poteratV wie mocht das gesyn oder zuogon.' Fris.
,So feisste milch, dass man kein käswasser davon ge-
haben mag.' TiERB. 1563. ,Mer fassen, dann er ge-
füeren mag.- Gualth. 15Ö4. Auch in der Stelle bei
RüEGER (1606) : ,Des aber das arme landvolk nit glaclien
möcht-, lässt sich die oben vorausgesetzte Bed. des
Hülfszeitw. behaupten. — b) können (z. T. i. S. v.
, vermögen'). Nüd chann-i''' weniger iisgstä'. MUsterj.
Er hat 's niimme [nicht mehr] chö^nne" ergmangle"
[entbehren] Bs. Er cha"" 's gmache, er kann ökono-
misch existieren (dag. er cha 's »«., er versteht es zu
machen). Er cha'" gsl'. ebso. Si misset s' gsi und
chihinet gsi. Stütz. [Einen Schmerz] gleggen [be-
schwichtigen] chönne". ,Dass er anderen köuTie für-
gesetzen [vorstrecken].- BossH.-GoLnscHM. .Einen See.
welchen man erschiften, erschwümmen und beinachem
gewatten könnte.' 164it, JJBreit. .Wo kann mir bass
|zu Mute] geseiir^ H Insclir. — r) lUirfen (i. 8. v.
50
.wageir, veraltet türren). Me" tarf's nüd gsäge" Z.
Sider hed 's keine'' me dürfe" gwaye', d's Bäbi s' erlöse".
FDKyd 1860. Wie hast au"' das töre' gsäge"? Ap.
Si liend-is no''' so vil gheusche' dürfe'. Madleni 1712.
,Wer nit welle oder getörre geschweren.' 1457/1544.
ScHW LB., neben : ,Getörften sweren.' 1424, L. —
d) sollen. ,Die einung soll man den herren ge-
bessren.' 1348, Aa Wst. ,Man soll von ir kainen aid
iiiemer me genemen.' ca 1400. TeDicssenh. Stadtr.
,l>ie söllent, dahin sj bishar gedient, auch fürer ge-
dienen' (nachher: ,ze dienen schuldig syn'). 1525.
Absoh. — e) lassen. ,Das vih zween tag one trinken
und essen gestehn lassen.' 14'24, Gem. Aa. ,Dass man
sy in disen gefaren nit wollte gestecken lassen.' HBrtL.
1572. Für die gesprochene MA. schwach bezeugt.
GUbe" lä"; aber gl. ist auch an und für sich Nbf. zu
dem einfachen Verb. In der scherzhaften Anekdote.
welche einem Lehrling seinem (deutschen) Herrn gegen-
über die Worte in den Mund legt: ,Ich lasse mich
nicht mehr gedauzen, ich bin behört [konfirmiert]',
ist Verhochdeutschung beabsichtigt. — f) wollen.
,8ie müssten zur Sache sehen, wenn sie g'fahren woll-
ten' (s. I 892). GoTTH. ,0b er under diser decke nit
geligen will.' Gyrenr. 1523. (Wenn .geligen' hier be-
deutet , still 1.', so gehört es zu 3.) — g) müssen
(auch i. S. V. , sollen'). ,Der jud der muoss des nit
gelachen.' Birk 1535. VgL o. ,gelachen mögen'. —
h) Syn. mit den einfachen Hülfszeitww. sind einige
Umschreibungen mit ,zu'. So , haben zu' = ver-
mögen, können; z' yVebe ha", Lebensunterhalt haben,
existieren können B; vgl. o. es gmache' müye', gsi"
chönne'; , kommen zu', mit Etw. zu Stande kommen,
vermögen es auszurichten, z. B. 's Bluet s' gstella
[stillen] c/tow GrD.; .luegen zu', versuchen, z.B.
l. z' yreise", einzurichten suchen; ,wissen zu', z.B.
si''' z' gwere" wüsse", sich zu helfen wissen Bs (wo
aber gwere auch allein vorzukommen scheint; s.o. 1).
— 6. rein formal, syntaktisch und zwar temporal
im gewöhnlichen grammatischen Sinn (im Unterschied
von 3 u. 4) steht ge- in der ä. Spr. zur Bezeichnung
oder deutlichem Unterscheidung einzelner Zeitstufen.
VgL Gr. Wß. IV 1, 1, 1613; Schmell. V, 857 8. a) vor
dem Präsens 1) wenn dasselbe in das Futurum
(resp. fut. exact.) oder Perf. hinüberspielt; bes. in
Nebensätzen, welche mit .wenn', .so' i. S. v. ,so oft.
so bald (als)', .bis, ehe' eingeleitet sind, also das Ein-
treten eines Momentes in der Zukunft resp. zukünf-
tigen Vergangenheit zum Inhalt haben. , Welche nit
da sint, so der richter gesitzet [sich gesetzt hat] und
daz gerichte gebannet [eröifnet haben wird], dz soll
ieklicher bessren mit dry Schillingen.' 1322. Aa Wst.
,Wenn der tanz ein end genimpt.' 1462, Z Rat- und
Richtb. ,Wenn nun euwer glaub in euch gewachst.'
1531/48, IL Cor. ,Wie [so] bald Gott usgschlaaft und
erwacht, wirt yedermann wol sehen das.' Küop 1550.
.So die hennen zum ersten gelegend, wollend sy an-
fahen zuo bruoten.' Vogelb. 1557. ,Eim die äugen
zuutrucken, wenn er gstirbt.' Fris. ,Man soll nit in
die zeig faren mit schafen, unz das man abgeschnydt.'
1486. MEsterm. 1875. .Wenn einer die [Schafe] ge-
metzget u. geetzt'. d.i. wirklieh m. (vorher: .metzgen
u. etzen'). ebd. ,I)iene mir, bis ich giss und trink.'
1531/48, Luc. = ,geessen und getrunken habe.' 1667.
.Ich will deinen kameelen auch schöpfen, bis sie genuog
getrinkend.' ebd. ,I>er Bäcker soll nicht feuern, vor
Schweiz. Idiotikon. II.
man das glüggli gelütct.- 1400, TiiDiess. Stdtr. ,Ee
und sy sich g'sammlind und gerüstind.' HBull. 1532.
,Ee .sy sich gweschend. gferbend, gsalbend', d. h. mit
Waschen usw. fertig geworden sind. Aal. — 2) in
Sätzen mit ,dass, damit', wo die zukünftige Erreichung
einer Absicht bedeutet werden soU. .Luog ouch ernst-
lich, dass du dyn zorn gemeisterist.' HBull. 1558.
,Damit er die gall geteinme.' Vogelb. 1557. — 3) in
Relativsätzen, welche das Erforderniss einer be-
stimmten Eigenschaft enthalten; besonders wenn .all'
od. .kein- vorausgeht. .Das" ellü unfuoge, die pfatfen
getuont, geriht't werden.' Z Richtebr. ,Die fälle
[Bussen], die in der kilchhöre gefallent, die soll
man wtjren in den hof ze tottikon.' 1351, Aa Wst.
.Dann under euch ist sicherlich keiner, der mcr nutz
gschaff als ich.' Com. Beati. — b) vor Ind. od. Con-
dition. in Haupt- und Nebensätzen, welche die allg.
Zeitbestimmungen .je' oder ,nie' enthalten (vgl. a 3
und Gr. WB. IV 1, 1, 1622). ,Geschaiden uns niemer
von synem glouben.' Z Chron. 13.36/1446. ,Dass es
ainen tropfen nie geregnöte.' ebd. ,Gefüegte sich
yemer.' 1521/44, Schw LB. = sollte je der Fall ein-
treten. ,Wäre ouch, ob [wenn] der burger mit dem
ungelter gestiesse [streitig würde].' 1342. Lauf., Beitr.
— c) vor dem Prät, welches dadurch den Sinn des
Plusquamperf. erhält, nach ,wenn, nachdem, da, bis,
ehe.' (vgl. a a). ,Eb der siech ge.starbe.' 1406, Bs Rq.
,Bis sy alle ding usgemachten.' HsSchürpf 1497. ,Wenn
aber der richter gestarb, so wandtend sy sich.' 1531/48,
JüDic. ,Do sie ein loch gemachtend.' 1531, Marc.
^ .gemachet haftend.' 1548. ,Do sy im den esel gsatt-
letend, reit er darauf.' 1531. I. Kön. .Wie er in
gschneid, do sach er.' 1569, UMey., Wint. Chr. —
7. Verbindung von ge- mit andern Präf. ist selten,
z.B. ef-g-ehimen, sich erholen (viell. für ert-, er-ent-?);
gver-irren s. o. ; ver-grumpfet. Vgl. nhd. ,ver-g-nügen',
welchem in der MA. vernüege gegenübersteht. — 8. da-
gegen steht ge- nicht selten gleichbedeutend mit
andern Präf. oder mit Präpos. Mit be-: ghalfen;
gschauen; gviüejen; gchennen; gsegnen (refl.); gschläs-
seii; gschiessen, klecken; gheben; ghangen, hangen
bleiben; ghandeti, behändigen; ,geschehe' mit ,be-' im
gleichen Satze wechselnd Z Richtebr. Gherst; grü-
schet, berauscht; gsuffen, besoffen; gfründt; gstanden,
ausgewachsen, vom Alter; gchäm, bequem; gschib =
bschib, geschickt; gsehämiy, beschämend; gehand, be-
hend. Gschaller = Bschaller, Vordergestell am Pflug;
Gstand; ,Gezirk;' ,Geding', Bedingung. Vgl. Gr. WB.
IV 1, 1, 1623, b. Mit ent-: geraten, entbehren;
gnucken, einschlafen; yschlipfen, ausgleiten. Mit
er-: ywarten; gstarren; gstahlen. Mit ver-: ,Ge-
heiss', Verheissung; gfallen. Mit us-: grueben, aus-
ruhen; gschlahen. Mit an-: gschwellen; ,sich ge-
stellen', sich an-stellen. Mit zu-: .gefallen', zu
Teil werden. Mit vor-: .gefallen'. Mit uf-: gwär-
men. — IV. Selten fehlt der MA. das Präf., wo
die Schriftspr. es hat: lingen; brüclien; ring i. S. v.
.leicht'; Bis, Gebiss; Leuse, Geleise; Lid, Glied;
Sims, Gesimse; Hirni, Gehirn; Birg; Buggenrät,
Rückengrat. Es mag hier aus der Grammatik er-
innert werden an die Bildung des Ptc. Perf. ohne
Präf. in funden und chon, und dieser gegenüber an
die Anwendung des Präf. in den Fremdww., z. B.
Iregiert, kstudiert, kinspiziert; ,geabsolviert.' Schür hf
1497.
Ga, ge, gi, g«. gn
Zu I ist zu bemerken, dass uiit Ausnahme einiger alter-
tümlichen Gebirgs-MAA. die synk. Form des Präf. (gelegent-
lich mit Assimilation) die einzig volkstümliche ist und die
WW. mit gi- neueren Datums und aus der Bücherspr. ent-
lehnt sind ; so z. B. yibore' für volkstümliches worde'. Übrigens
vgl. das parallele bi-, he-. Die Verhärtung des Anl. bei Syn-
kope erklärt sich daraus, dass der cons. Verschluss während
der ganzen Zeitdauer, welche die volle Silbe in Anspruch
nähme, ausgehalten wird. Beiläufig gesagt, erklärt sich
manche scheinbare Lautverschiebung, d. h. manches (oder
jedes, wenn man Analogiebildung annimmt) anlautende p-,
t-, h-; kx- für h-, d-, </-; c7i- aus dem eben berührten Laut-
vorgang. — Zu II B 1 b. Dass die Adjj. auf -ig fast ohne
Ausnahme mit dem Präf. versehen werden, hat seinen Grund
viell. in der engen Berührung mit der Participialendung
(s. ebda 2 a). Wahrsch. sind die beiden Endungen auch
lautlich im Grunde dieselbe oder wenigstens in einander über-
gegangen, da aus -et, -ed überh. oft -ig wird.
geie" I s. (jächen.
geie° II: schreien, rufen'? D' Maitli träged Sehäp-
peli, (V Buebe" tr. Maie", de'' Guggi [Kuckuck] will bald
gaie' AAKais.
(ieienliofen : badisches Dorf am untern Bodensee,
das Schiida der dortigen Gegend, von welchem Kunde
bis nach Zürich drang (wohl von der schutzverwandten
Stadt Stein aus). So in der KA. : Etwas von Hand
nehmen — ivie der Geyehofer de' Bappe (vgl. Hallauer).
Kinder sucht man von Ungezogenheit bei Tische ab-
zubringen, indem man ihnen vorstellt: D' Brut vo'
G. häd d' Bei« uf de" Tisch fuf-em Tisch obe'J Z f.
Georg 1) ,Geörg' XVH. ff., Giörg Th, Gjörg ZW.,
,Geori.' 1329, Absch.; 1393, L? S?; XVI., Zürichberg.
2) Jörg F; VOrte; GRLdq., Jörgel SchwE., Jörg Ui.,
JerkY; ,U", Jörtsch GaKh., Jerig W; Jw „Gl;" ZF.,
Jörri, Jöri „B; L;" Gr; GSa.; Z f, Jeri L; U. Jori Gr.
3) Prg, Erg Sch; TnSteckb., lerg Sch, leri L, lerli
Sch: Taufn. Über den Heiligen als Drachentödter
s. FVetter, Stein a/Rh. 34. Als Beschützer der Vieh-
herden gegen Untiere (wie der Drache eines war) wird
er im Abendruf auf den Sarganser Alpen angerufen :
B'hüet-s' Gott und der heb heilig St Jörg, der wol
hierüf wacht (oder hie wol üfwachi) und höri. Der
Tag des Heiligen, 23. April, gilt als Termin im Ge-
schäftsleben, entsprechend dem Martini (11. Winterm.)
Sch. Er ist auch Termin und Schicksalstag für die
Landwirtschaft. Wenn si um Georgi en Gicagger
[Rabe] im Bogge verberge" cha'", so zeiget 's en guete
Jorgang a". Sulger. Weht die Bise am G.-Tag, so
weht sie 6 Wochen lang S. Jörg (Alhrecht) und Marx
[23., 24., 25. April] dräue" vil Args. Philipp und
Jakobi sind aW'' zwei Grobi. — Der Umlaut (ö) ist wohl
auf die lat. Form ,Georgius' zurückzuführen.
geuen s. giXwen.
gi I: Interj. 1. ki se, se: Lockruf für Ziegen Schw.
— 2. gl, gi, Ausruf schadenfrohen Spottes, begleitet
von einer geigenden Bewegung des Zeigefingers am
Nasenflügel Ar; GT.; SchwE. Syn. gix.
Zu 1 vgl. Gibe, Ziege. — 2 könnte auf ähnlichem Wege
aus Gige verstümmelt sein, da mau eine gleichbedeutende
Geberde mit dem Kübchenschaben udgl. vergleicht. Es könnte
aber auch eins sein mit 1, da die Geberde sich auch auf
die Ziege (bezw. ihre Hörner) deuten lässt; vgl. die eben-
falls spottende Geberde des Gäbeli.
gi II s. gan.
., gie: allezeit, ohne Aufhören F." — Aus le mit
vorgeschlagenem g für j; vgl. ,je'.
go, gu s. gän. gü. göi s. gri(i,J.
Gö m.: eingewundener Haarzopf der Männer und
Knaben, in den ersten Dezennien dieses Jhdts zur
städtischen Tracht gehörend L; Schw; Zg. Syn. Här-
Stil. — Aus frz. 9«CMe.
Goi m. : Gregorius Gr. — Zunächst aus (Gre-J'juri.
Gn m. : Geschmack, in obj. und subj. Sinn, allg.,
neben den deutschen Synn. Kust; Mang; Geschmack.
Das Brod hed ekei" Gu, schmeckt nach Nichts. E Fass
mit Wi het drei Gü, schmeckt oben, unten und in
der Mitte ungleich. Sulger. Es gid allerlei für Gü,
die Leute haben ungleichen Geschmack. B' Gü sind
gar ungllch. Ei'"m de" Gu nüd ha", ihm nicht ge-
wogen sein. Ei"'!)! de" Gu [das Interesse, die Sym-
pathie] für das und das ne". — Ab-: 1. ungehöriger,
widerlicher Beigeschmack Schw; Uw; ZKn. Syn. Akte;
Hie. — 2. Widerwillen, Abscheu Gl; S. Si het en
A. gege de" Burst [Burschen]. Joach. Er hat e puren
A. vor-''em Werche". — Un- (Ö-gü) = Abgü 1 Ap.
— Erd-: eigentümlicher scharfer Beigeschmack des
Weines, welcher der Bodenbeschaffenheit zugeschrieben
wird Aa; Bs; Z. Er [der in der Mundart Aufgewach-
sene] hat 's wie 's guete'' Wi" muess ha": en E. blibt-em
eisder. Sutermstr. — Mer-i Beigeschmack vom Meer-
wasser, der dem Kaffee etwa anhaftet Sch; Z. Vgl.
mer-räuelen. — Nach fiVö-e^-; Nachgeschmack Z. —
Bruch-, Brüchli-: Geschmack des Weines, welcher
im Begriffe ist zu brechen, d. i. abzustehen Z. Vgl.
Bruch, brüchfejlen. — Brät-: der Geschmack, wel-
chen gekochte Milch bekqmnit, wenn sie lange an zu
grosser Wärme hingestellt geblieben.
Gu II s. Gon. Gü s. Gewinn.
Gab, geh, gib, gob, gub.
Gab bzw. Göb Ap f.: freiwilliges Geschenk, spec.
a) an Brautleute zur Hochzeit Bs; Sch; Z; s. Hoch-
zlt-G. ,Es ensoU einheiner brut nieman geben wann
1 gab.' Z Richtebr. Auch Dim., z. T. nur Ausdruck von
Bescheidenheit: Nach eingebrochener Nacht des Hoch-
zeittages kommt aus jeder Haushaltung des Dorfes
Jmd mit einer Gabe (Gerät oder Geld) zur Braut und
reicht ihr dieselbe möglichst verstohlen unter dem
Tisch mit den Worten: do han-i''' aw'' e Göbli ZSth.
— b) an die Veranstalter von Lotterien, Schiessen,
Kegelschieben; aber auch der bei diesen Spielen zu
Teil werdende Gewinn, allg.; s. auch Gr. WB. IV
1, 1, 1112. Syn. Abentür. ,Auf die Gaben kommen":
denjenigen Schuss getan haben, der den gewinnenden
Schüssen am Nächsten kommt, also den besten unter
den nicht gewinnenden [,auf' i. S. v. unmittelbarer
Nachfolge]. — c) zur Bestechung von Staatsbeam-
ten ; vgl. Eät-G. ,Miet und Gaben' stehende Formel,
bes. von Richtern (auch Mitgliedern der Regierung,
welche von Mächten Geschenke annahmen, um dafür
die Werbung von Söldnern zuzulassen). ,Dass die
Boten auf den ennetbirgischen Vogteien vor dem An-
fang der Verhandlungen schwören sollen, von Urteilen
und Gerichtshändeln keine Miet, Gaben noch Schen-
kungen anzunehmen, sondern dem Armen wie dem
Reichen das Recht werden zu lassen.' 1557, Absch.
.Die Landvögte, Amtsleute, Gesandten und Mitrichter
dies- und jenseits des Gebirgs sollen von Urteilen.
Gab, geh, gib, gob, gub
54
Bestätigungen. Liberationen usw. weder M. noch G.,
sondern nur ihr ordentliches Gerichtsgeld nehmen.'
158(5, ebd. — d) überh. Geschenk an oder von
Herren. .Grosse herrlichkait, vererung, schenken,
gaben und Sicherheit.' Kessl. ,Der Tod allein urteilt
ohn gunst und gab.' RüdMey. 1650. — 2. Gabe des
Geistes, vom Schöpfer verliehene Naturanlage, auch
von zweifelhaftem Wert Ar; Sch; Z. 's Schwige" ist
e schöni G. Si häd d' G. nüd z' schwige'. Er hed
dere [dgl.] Göbli. ,Dem Gott so vil gaben geben hab.'
ZwiNULi. — 3. rechtliche Gebühr, nämlich jähr-
licher Anteil der Bürger am Ertrag der Gemeinde-
waldung Aä; Sch. Syn. Burgernutzen. Wo 's Freude-
/■«)• ro" mls Vaters G. ufgflacl-et ist. APletscher.
Ab- s. verlieren.
.\bend-: das Geschenk, welches der Mann nach
der Brautnacht der geheirateten Wittwe gibt. ,Des
gelich soll einer wittwen ir a. folgen und belyben,
als vorstat.- ZMünchalt. Hofr. 1439.
Der Ausdruck ist offenbar als absichtlicher Gegensatz zu
,Morgen-G.' gebildet nnd bezeichnet treffend den Abstand
des Wittwenstandcs vom Jungfrauenstand, resp. der beiden
Altersstufen.
Über-: 1. Übergabe eines Amtes an einen Nach-
folger und die damit verbundene Mahlzeit. De"- Herr
Obervogt het d' Ü. Sülger. Und zieht denn d' Sunn
alsgmach durah [abwärts], se rutscht de'' Mündig [Mon-
tag] mit, imd git dem Zistig [Dien.stag] d' Ü. JKMey.
1844. — 2. geschichtliche Überlieferung. ,Nach
der verzellung einer bis auf heut noch unvergessnen
ü.' HPant. 1578. — Acht-: Achtgeben, Obacht. .Acht-
gabe und Anzeige', elliptische Formel am Schlüsse
von Polizeierlassen, in welchen von einem Diebstahle
Anzeige gemacht wird Schw. Syn. Achtbestelli''g. —
U f-: prägnant = schwere Aufgabe od. Arbeit. Bas ist
en U.! das will Etwas heissen Z. — Gült-U. : Agio,
das man beim Ankaufe einer ,Gült'. d. i. eines unauf-
kündbaren Kapitalbriefes, wegen der eingetretenen
Verringerung des Geldwertes über den nominellen
Wert des Briefes hinaus bezahlt, gegenwärtig etwa
20 % betragend Z.
Umhin (Urne)-: Gegengeschenk der Eltern an die
Paten für den ,Einbund' der letztern Z. — Zu umliin-
(/then. zurückgeben, vergelten.
Ere"-: Ehrengeschenk, bes. zu Freischiessen, von
Behörden. Vereinen od. Privaten. Vgl. Gaben-Schiessen.
— Armen- GÖbli: (kleine) Gabe zur Unterstützung
von Armen Ap.
Gottes-Gab: 1. Geschenk, Vermächtniss an Kir-
chen-, Schul- und Armengüter Ap; W; Z(t). „Frei-
willige Gaben, die in der Kirche im Klingelbeutel
eingesammelt und dann sogleich unter die Armen
verteilt werden Z;- Syn. Säckligeld. Gottsgaben an
Speise und Trank oder an Geld, wöchentliche und
auf gewisse Tage geleistete, erscheinen unter den
regelmässigen Ausgaben des Z Spitales noch im Anf.
XIX. ,Ist dis selgrät [fromme Vermächtniss] und
järlich gottsgab gesetzt ab den obgen. güetern.' Gfrd.
26, 283. ,Weun ein mensch im todbett ligt, mag er
ein bescheiden selgrät setzen oder ein bescheiden
gottsgab, doch mit der erben willen.' XV., Ztschr. f.
Schwz. E. ,Als G. sollen alle diejenigen Gülten be-
trachtet werden, welche auf den heutigen Tag an die
Kirche zu Zug, ihre Frühmesse, ihren Spital und ihre
Spend gehören und sollen steuerfrei sein.' 1448, Absch.
,So ein mensch in sym totbett etwas [ver-] machte an
kilchen, spenden, spital und ander gottsgaben, damit
er gedünkt syner seel heil zuo schaffen.' XVI., Ztschr.
f. Schwz. R. ,Reben, teils erkauft, teils in gottsgabs
wys geschenkt erhalten.' 152.3, Absch. ,Das haus Al-
tishofen sei nit ein g., sondern ein erkauft ding, habe
also wieder verkauft werden dürfen.' 1571, Seg., Pfytt".
,Gottsgaben, als an die Kirchen. Schulen, in gemeinen
Armen Leuten Seckel, mag Einer, nachdem ihn Gott
ermahnet, vergaben.' Ap LB. 1747. S. JJBlumer 1859.
'236 f. Concret: geistliches Stift. — 2. Gnade. .Wann
einer frid bricht und ehr und gwehr wider will er-
langen, so soll einer die 20 pfd erleggen, dass man
ihm nit daran [soll] abgon Ion, sondern so er ein g.
begehrte, so möchte einer nach angänds wieder kom-
men gen bitten.' Ap LB. 158.5/1828.
Mhd. got(e)s<jalie, Pfründe, geistliches Beneficium. .Gottes-'
causaler Gen.: Gabe um Gottes Willen, oder zu frommen
Zwecken.
Ker-: eine überschüssige Tanne, Eiche udgl.,
welche neben den regelmässigen und allgemeinen Aus-
teilungen (Gaben) aus dem Gemeindewald etwa der
einzelne Bürger der Reihe der Hausnummer nach,
dem eher nah, erhielt ScaSchl. f
Morgen-: 1. die Gabe, welche nach altgermani-
scher Sitte der Mann der neuvermählten Frau am
Morgen nach der Hochzeit als Gegenleistung für ihre
ihm dargebrachte Jungfräulichkeit schenkte. Nach
ehemaligen Gesetzen hatte die Ehefrau vom ersten
Morgen ihrer Ehe an für den Fall des Absterbens
ihres Mannes Anspruch auf 100 Kronen (200 Gl.) Ndw.
,In donationem propter nuptias, quod dicitur morgen-
gaba.' 1285, Gfrd. ,Die morgentgab mag sie gSn.
wem sie will; lust't es si, raag-s' eim hund an den
swanz binden.' 1342/80. LGreppen Hofr. .Ist daz ein
mann synem ewyb, ist si ein tochter, ein m. git, das
mag der mann wol tuon der ersten nacht, so er von
ir ufstät, und mag si die wysen mit zweien bider-
mannen, so soll es guot kraft han, wie vil joch der
sunmi ist. Möcht si aber die zwen bidcrmann nit
gehaben, so mag si von mund ir m. crzellen, und
wollt man ir das nit glouben, so mag si nemen die
rechten brüst in die linggen band und Iren zopf und
mit der rechten band sweren lyplich zuo gott, und
waz si da behebt, das soll guot kraft han.' ZMünch.
Hofr. 1439. Und soll och der mann synem wyp die
m. geben des ersten tags, so er früey als ein brütgom
von ir ufgestanden ist, und nit danach in dhein wyse.'
1457, Bs Rq. ,Eine frauw mag geben [vertestieren]
ire früehmorgengab, ire haupttüecher und ir haupt-
lochet gewand.' 1535, Ztschr. f. Schwz. R. ,1549 hat
Junker N. von Ulm mit Junkfrouw B. von Hinwyl
hochzyt ghalten, hett Iren ze m. gmacht 300 guldin,
ein guldini kettinen und das best trinkgschier under
allem synen silbergschier. me die finger all voll
ringen gsteckt.' 1549, UMey., Wint. Chr. ,Sidtmalen
ain m. anstatt des bluomens einer tochter fry eigen
guot des ersten morgens, so der byschlaf beschicht,
heisst und ist.' 1576, Z Ratserk. ,Wann einer siner
efrowen ein m. oder kram verheisst.' 1579, Ztschr. f.
Schwz. R. — 2. Geschenk, Vermächtniss, welches
ein Ehegatte dem andern macht (also auch die Frau
dem Mann). .Eelüt mögend einander ein zimliche m.
55
(ial). geb,'gib, gob, gub
56
vor und in der usach machen; aber nachdem die e
gemachet wird, soll sich dann kein m. me machen,
und send [sollen] bider lüt derby han.' 1553, Schw Eq.
,Wann ein Eheniensch dem anderen Etw. zu M. yer-
sprochen.' Z Ordn. 1699.
Die genaue Ausprägung der Form, in welcher eine Frau
ihre M. selbst soll bezeugen können (im Hofr. Mönchaltorf),
ist eigentümlich; im L Stadtrecht heisst es nur, eine Frau
könne ihre M. ,mit ihr eigen band behalten', d. i. durch
Eid behaupten. Eigen ist dem alam. Recht die Erweiterung
des Begriffs (Bed. 2), wonach auch ein Mann M. empfangen
konnte. Eine Erweiterung od. Abschwächung lag auch in der
Z Satzung: ,So einer ein tochter oder junkfrowen schwechte,
dass er iren [ihr] ein m. geben und si zur ee haben soll.'
Weil diese Bestimmung von Dirnen missbraucht wurde,
wurde sie anno 1533 auf den Fall eingeschränkt, dass ein
Eheversprechen vorausgegangen war. Im LB. Davos ist aus-
gesprochen, wenn ein Wittwer eine Jungfrau heirate, müsse
die M. doppelt so gross sein. Ein Wittwer, der sich wieder
verehlichte, konnte keine M. bekommen (sowie die Wittwe
nur eine Abendgabe), wohl aber ein .Junggeselle, der eine
W^ittwe heiratete.
Wiber-Morgen-Gab: Name eines Felskegels
in UwE.
Der Zusatz Wiher- bestätigt, dass U. (2) auch mit Bez.
auf Männer gebraucht wurde. Die Benennung, zu der wol,
wenn nicht eine Sage, so doch eine schalkhafte Anekdote
bestanden liat, ist im letztern Falle eine scherzhafte und
gesellt sich zu andern Neckereien gegen das weibl. Geschlecht.
Eät-: Geschenk, zur Erlangung einer Stelle im
Rat an Mitglieder desselben, welche dazu halfen Apf.
— Wiegen-: Ehrengeschenk zur Geburt eines Prin-
zen. ,Die Generalstaaten haben zur W. des Erb-
prinzen von Brandenburg 400 Beichstaler verehrt'
1672, Absch. — Würfel-: Abgabe, Hergeben von
Würfeln (s. u. letzterm W.). ,Ich dinge mir den mann,
den ich gefangen hab; kein ausflucht hilfet dich und
keine w., ja gar der geltsack nicht', spricht der Tod
zum Juden. KudMey. 1650. — Zue-: 1. (wie nhd.)
Beifügung zu einem Geschenk od. einem Verkaufe Z.
,I)ie Zugäblein des Lebens, Gold und Silber, Ehre,
Wollust.' JJUlk. 1733. — 2. ,Consuetudo, gwonheit'
Pris. — 3. Zugeständniss (auch dim.) Z (Spillm.).
— Hochzit-: \. = Gab 1 a. Prüher von den Eid-
genossen auch an Fürsten befreundeter Staaten, wie
,Wiegen-G.', verehrt. ,Jede Stadt hat für die zur
pfälzischen H. angeschafften 2 goldenen Schaalen 360
Beichstaler zu entrichten.' 1672, Absch. — 2. Ehren-
geschenk, das ein sich verheiratender Mann an das
Schulgut oder an Vereine seiner Gemeinde in der
Regel entrichtet, moderner Ersatz für den Haus
(s.d.) Z.
gäbe"I, göhe: ein Geschenk machon. 1. besonders
Brautleuten zur Hochzeit Aa; GStdt; Sch; Z. Vgl.
i" d' Ürte trägen. Si händ-mer schön g'gabet. Es häd
en Bettler Hochsig g'ha", Es liäd-em Niemert g'gabet Z.
,Wer nicht ist geladen ein, der lässt auch das G. sein;
das ist am allerbesten; es gibt so keine Kosten.'
SüLGER. In SchKI. werden am Abend des Hochzeit-
tages auf ein mit Böllerschüssen gegebenes Zeichen
dem Paar aus allen Häusern Geschenke an Lebens-
mitteln, Hausgeräten, Kleidungsstücken gebracht; der
Wert derselben ist je nach dem Grade der Verwandt-
schaft durch die Sitte vorgeschrieben. Ebenso all-
gemein ist das G. in ZKn. u. Sth., wo auch Geld (je
1 oder 2 Fr.) geschenkt wird und die Geber (Güber)
Wein, Wurst und Brod erhalten. ,Wie man der brut
g. soll.' Z Eichtebr. ,Sy wellind [die Petenten] nit
angäbet [ungegabet] lan.' UMev. Chr. 1549/73. ,Das
g. an den hochzeiten soll abgestellt sein. Wann ein
Isreutigam g. Hesse, so soll er alles, was ihm gegäbet
worden und noch 10 pf. zu straf geben.' G Mand. 1611.
,Die hochzyteren. deren man rychlich gebet.' FPlatt.
,Wann einer ein gäbet Hochzyt haben wellte, so soll
er das in synem eignen Hus halten.' Z Mand. 1616.
— 2. im allg. S. .Bracht der bot kein geld; denn
der küng desse bäss bedorft nunmal den fridslüten,
wann den kriegslüten usszegeben und ze gaben.' Ansh.
Trans, mit Acc. P. = begaben. ,Von wögen der Weis-
heit sein, mit welcher ich auch gäbet ihn.' Com. Beati.
— 3. vergaben, ein grösseres Gut an ein Stift,
formelhaft verbunden mit .geben'. ,Dass HSevogel
und syn eliche frowe alles ir guot gegeben hant und
gobent der frowen von SantClaren des klosters.' 1324,
Bs. .Welcher an die kirchen etwas geben und gaben
wollte bei den Alemänner, der muosst die gäbe in ein
pergameni karten oder brief stellen lassen.' Vad.
ver-abgabe° (-?new BHa.): versteuern, von einem
Gegenstand eine Steuer entrichten, allg.
ver-gäbe": eine testamentarische Schenkung an
die Gemeinde oder gemeinnützige Anstalten machen
Ap; Th; Z. Subst. Vergabi'g: Früher auch an Per-
sonen: ,Wenn iemand dem andern unzit [ützit] ver-
gäbet vor gericht, das sich über 10 pfd wert guets
trifft, davon soll 5 ß pfennig genommen werden, die
person. die vergäbet wird, in gwalt und gwere zuo
setzen.' 1457, Bs Eq. — fri-: frei schenken. .Dann
Niemer unglöubig will syn und doch Niemand dann
den Userwählten der recht Gloub allein von Gott
durch's Wort frygabet wird.' Ansh.' Vgl. , freigebig'.
vermorgengäben: zur Morgengabe geben, mit
Bezug auf Kinder erster Ehe, für dieselben eine sog.
Einkindschaft begründen. ,Die kind sollen nit ohne
der abgestorbnen pcrsonen fründschaft wüssen und
willen vermorgengabet werden.' AAMölinb. Landr.
be-gäben: beschenken. ,In der widergeburt, dero
uns Christus begäbet.' Zwingli. ,Von keiseren und
künigen hochloblich begabt und gefrygt.' 1529, Absch.
.Die Schüler am Examen mit einer neugebachnen Mut-
schälle begäbet.' XVL, UErnst 1879. ,B., reichlich
ausgeben, donare. dotarc. Mit einem ampt und cercn
b.. exornarc aliquem magistratu.' Mal.
Gäber: Geber. , Begierig von dem seltsamen g.
[dem Sultan] seltsame gab ze haben.' Ansh.
Gäberin Gäbere': Überbringerin von Hochzeit-
geschenken (s. gäben a) ZKn. Dem Ere"g'sell [Braut-
führer] muss die Braut eine weisse Schürze schenken,
damit er bedienen kann, wenn die Gäbere' kommen
ZUhw.
Gäbete f.: die Beschenkung des Hochzeitspaares,
in abstr. u. concr. S.; ehemals in Hausrat bestehend,
mit welchem der neue Haushalt sich eröffnete Aa;
Sch; Z. I" d' G. schicke' ZDän.; sowohl die Ge-
sammtheit der Hochzeitgeschenke ScnSchl. , für Braut
und Bräutigam gemeinsam von Hochzeitgästen und
Andern ZGlattf., als auch ein einzelnes Hochzeit-
geschenk AAEhr.
Gabelle t: eine gewisse Art von Zoll, wahrsch.
Salzzoll. .Aller dazien. gabcllen, zollen, fuossgglt, so
von des Herzogen von Mailand wiegen in passen.
Gab, geh. gib. gob. gub
58
Strassen und statten yngenonnnen werjent.- 1426,
Absch. ,l)er fryheit Zolls, gabellen und anderer be-
schwerden halb.' 1515. ebd. .Sollend denen von Bellez
vorbehalten syn all ir sunder frj-heiten, so sy von
Zöllen, salzkouf. gabellen und ander Sachen bishar
gebept haben.- Rvff, Bs Chr. 1585. - Aus dem It«l.
gäbe" n s. ge-ahen. I 34.
Gable", -eh BHa.; U - Dim. Gabeli - f.: 1. Gabel
als Tisch- od. Küchengerät (2- od. 3zinkig). B' Gable"
i' dr Tischtrucke [auch das kleinste Stück Hausrat]
sind-em 'pfändt Z. Öppis a' d' G. {ne S), etwas zu
essen B; GG.; Z. Mit der G. isch [ist es] en Er, mit
dem Löffel iiberchtmnt-me' me'' L. Es git Öppis (Nüt)
n" d' G., auch bildlich: zu gewinnen. /"'' hä' lang
gnueg scho' 'trösehet nu" am leere' Strau: rvenn 's Nüt
a d' G. git, so Ion -i 's Hiiröte st'. Stütz, 's Vaters
G. Ap, die feufzinggig G. Z, scherzh. für: Hand. ,In
der Kuchi 1 ysen Gäbeli.' 1571. Z Invent. — 2. G. als
Gerät im Stall und auf dem Felde, allg. Hölzern,
dreizinkig, in kleinerer Gestalt zum Auseinanderwerfen
des gemähten Heu's (vgl. Heu-G.), in grösserer zum
.\ufladen auf den Wagen (vgl. Lad-G.) Gr; Z; eisern
zum Heuen GrD.; zum Bearbeiten des Düngers in
und ausser dem Stalle GRVal. (vgl. Mist-G.). Vgl.
Fitrl-e, I 1012. — 3. RA. mit bildl. Anwendung von
1 oder 2. Einem Etwas (Alles) am Gäbeli äne ge"
(strecke"), höflich, sorgfältig, bequem darreichen, wie
es Einer verlangt, der an die Gefälligkeit Anderer
hohe Ansprüche macht und durch rücksichtsvolle Be-
handlung in jener Art bereits verwöhnt ist L. Einen
uf d' G. ne", auf's Korn Ar; zum Gegenstand des
Spottes machen BHk. ; bedrängen, plagen, z. B. mit
Schuldforderungen. Schild. In der Schlacht bei Sem-
pach hat Winkelried bei hundert Feinden uf d' G.
(fnö [auf sich genommen oder es mit ihnen aufgen.].
vAh. Mit Sach-Obj. Vil uf ä'r G. [Schufte] ha',
viel Geschäfte übernommen, viel zu tun haben GnChur;
L; Z (auch a" dr G.); vgl. Kunkle. Jmdn a" dr G.
(am Gäbeli) [gleichsam angespiesst] ha', ein Liebes-
verhältniss angeknüpft haben BBurgd. Es Gäbeli sV
für Jmdn = ihm zuwider, Etwas sein, woran man
sich ärgert (,sticht') Gr. B' U'ordnig ist für Bietege
es rechts G. Schwizerd. Wortspiel: Stich-e [ihn, den
Gegner], Michel, oder gib mir 's Gäbeli [lass mich
stechen], beim Kartenspiel L. — 4. übertr. auf ver-
schiedene gabelähnliche Geräte und Geberden, a) Ga-
bele BHa., Gabila, Gabola W, Dim. Gabeli BE., Hk.;
ScHw : hölzernes Gestell, schmales Brett mit 2 Armen,
in Gestalt einer doppelten Gabel aus natürlichen Ästen,
in einigen Gegenden mit einer Kückwand wie das (in
neuerer Zeit vorherrschend gewordene) Räf, aber
unten spitzer zulaufend, auf den Rücken geschnallt
zum Tragen kleinerer Lasten, bes. von Holz (daher
auch Träg-G., s. d.) Bü.; VOrte; PP.; W. S. noch
Gafele. — b) Gestell für die schweren Musketen
der ä. Zeit. ,Wann einer anfacht schiessen, so soll
er die G. nit in Herd [Erde] stecken, noch an das
Wehr hänken.' Z Mand. 1619. ,Die G. soll so hoch
syn, dass der Stecken sampt dem Stäfzgen [eisernen
Spitze] dem Mann under die Uochs gange.' ebd. 1643.
— c) Vorrichtung zum Verschluss eines Weges L;
Syn. Krüzstock; Triille. — d) drei kreuzweis verbun-
dene Stäbe oder eine gabelförmig gewachsene, mit
einem zweiten Stabe zum Dreieck gescblo.ssene Gerte.
Ziegoll 11. Seliatiii um den Hals gelegt, damit sie auf der
Weide nicht durch Hecken u. Zäune scblüidV-ii kr.nnen
L. i<yn.Grigele; Kamill : Srinl.l: /V»,,,/, r.i:,,!,,],:
kleine hölzerne KlaniuHM- /m- llrlrMi-iinL: .ini-.-li,iii-tiT
Wäsche BBe. Syn. KUiiinNtrli ; Kl,q,j,h. S. ir,,,-,/,, ,-(•;.
u. gäbelen. — f) Gerät zum Stricken ZZoll.; s. gähclen.
— g) Deichsel eines einspännigen Wagens. Gotth.
Syn. Lande. — h) durch die aus einander gestreckten
Schenkel (L), ein Fingerpaar oder gabelförmig
gekreuzte Zeigefinger gebildete Gabel als Geberde des
Hohnes, Spottes gegen Jmdn, in der RA. Ei"m fs)
Gäbeli (Gibeli Gäbeli B) mache' Aa; B; L; Uw. ,Die
Andern würden sagen, du seiest zum Narren gehalten
worden, und machten dir Gäbeli.' Gotth. G. icetse' Th.
(von einer schabenden Bewegung begleitet, vgl. Syn.
Rilebli schaben). Syn. gäbelen; Giren-G. Kinder be-
gleiten die Geberde mit dem Rufe: (gix) Gäbeli gix!
i. S. V. schäme dich! Th; dah. das Comp. Gi.r.-G. Gibeli,
Gäbeli, Bechesa [Zinke eines Rechens], 's Wlb ist Her
[Meister] ond nöd der Ma" Ap. Von einem allzu
empfindlichen Menschen sagt man, er möge kein Gä-
beli verlide [ertragen] AAEhr. Bern Herrgott 's G.
mache, die Beine gen Himmel strecken, einen Purzel-
baum schlagen; Syn. d' Gige (ds Güggeli, 's Häfeli)
stützen fwelben); über-böcklen, -bürzlen. — 5. a) gabel-
förmige Ranke an Weinreben Aa; Ap; Bs; Gr;
GRh.; Z, auch Gäbeli Aa. Syn. Krangel; s. Eeb-G.
und gäbelen. 's ist Nilnt [nicht gut], wo d' Triibe'
Gäbeli hend; si ritet druf fürt. Sdlger ; vgl. das Reiten
der Hexen auf Gabeln. .Gabele an den reben: ca-
pruolus in vite.' KdGessn. 1542. .Capreoli Vitium,
gablen an Weinreben, das sind die kleinen zwicklin.
darmit sich die Weinreben heft't und anhenkt.' Fris. ;
Mal. ,Saft von den Gäbelen an den Reben.' JJNüsen.
1608. .Capreoli qui serpendo capiunt locum aliisque
se involvunt, vocantur et viticulse, clavicula;, annuli
(Gablen).' Oenol. 1712. — b) Gabelbein. .Die Schlüs-
sel- oder halsbeine, gäbelein an vögeln, clavicuhie seu
furculiE.' Vestib. 1692. — c) Gabele Aa, gabelförmig ge-
teilter Stamm, Ast, Zweig eines Baumes, Strauches,
dgl. etwa als Stützen für Zaun- und Geländerstangen.
Waschseile udgl. verwendet werden, allg. Syn. Grig-
gele. — d) Gäbeli, gem. Bärlapp, lycopodium cla-
vatum GWe.; Zg; ZO. — 6. „Gabele, Hirschkäfer.
Feuerschröter, lucanus cervus W." Syn. Horn-G. —
7. Gable Gr tw., Gäbeli Ap; GrD., Name von Kühen
mit gabelförmigen Hörnern Ap ; Gr. — A li 1. frähi-l .-
(TÜbi usw.
In der RA. ,auf die G. nehmen' ist doch wuhl nur dii>
Uabel des Esslnstigen oder die Heugabel und der häufig
damit getriebene Sclierz gemeint. — In der Verbindung
GibeU-Uäbeli ist das erste W. ohne eigene Bed., nur Ablaut-
formel; Gix ist Interj. des Spottes. In ,des Vaters G.' =
Hand bezeichnet wohl G. nicht die zum Schwur aufgereckten
Finger (vgl. Grimm 4, 1, 1, 1120 und ytibden = schwüren),
sondern nur die Finger als Zinken. — 5 d so benannt, weil
die einzelnen Stiele meist in je 2 Ähren auslaufen, ß n.ii-li
der Gestalt seiner vordem Extremitäten.
Ofe"-: G. mit der man Holz in den Ofen stösst
oder das Feuer schürt Aa; Z. Eine Frau droht etwa
mit der 0. als Watte. ,Mit der 0. kitzeln = grob,
ehrenrührig scherzen.- Spreng. Bei Rüef schwört ein
Teufel: ,Botz 0.!' und auch im Kinderspiel komiiit
der Tüfel mit der O. vor, wesshalb er auch Gäbelima""
heisst. .Die c. ofenkrucken. -sti?cken. rutabiiluni.-
.Mal. -^ Ise"-. liioid irle c» /.. scherzhaft ZU. —
Gab, geh, gib, gob, gub
Fass-Gable": G. zum Passen und Aufladen des
Heus; mit 3 langen eisernen Zinken, unterschieden
von Zett-G. Schw. — Pueter-: G. zum Einstossen
des Putters in die Krippe Aa; Z. De Heuel hület
mängsmol no"'; me' sfft scho" i' der Schüre sto' und
dei [dort] e F. ««" und sine' Stiere' ine ge". Es werden
als solche etwa abgenutzte Heugabeln verwendet.
•Pröschen-Gäbelein: apocynon, so zur buhl-
schaft gebraucht wird.' Denzl. 1077; 1716. Wahrsch.
Schwalbenwurz, cynanchum vincetoxicum. die auch
Hundswürger und bei den älteren Botanikern apo-
cynura heisst.
Der Name Fr. bezieht sich wie ,3chw.' auf das Bild,
welches die im Keifezustand aufspringenden Schötchen d.ar-
bieten.
Gire"-Gäbeli = ffa&Ze47i, mitden kreuzwois über
einander gelegten Zeigefingern gebildete Figur Aa.
Mit dem Gir (Geier) ist der Hiihnerdieb, welcher von
der Form seines Schwanzes anch Gabel-Weih heisst, gemeint.
Gix-: ebso. L; Th; Uw.
Heu-Gable": G. zum Ausbreiten des Heus. Bildl.
im S. eines groben Werkzeuges, z.B.: Dini Sache'
g'sehnd üs, wie wenn-me" mit-ere H. drin iime gfare
war [so unordentlich] Z. — Holz -Gabila: Traggestell
für Holz W. — ,Horn-Gabele« = Gable 6. —
Korn-Gabel: G. zum Auseinanderlegen und Wieder-
zusammenfassen gemähten Getreides, ,merga.' Mal. —
Ches-ffa&»7o: Traggestell für Käse W. — Chestone-
Gäbeli: gabelförmige Haselgertr, mit (Irr man beim
Einsammeln der Kastanien die stachligen Hülsen an-
greift L. — Lad-Gable: G. zum Laden von Heu
U.A. Aa;Th;Uw. Syn. Furkle. — Anlegg-: G. zum
Au.sbreiten von Mist GRPr. — Mist- (Bü- BsLd):
s. Gabel 2. Vgl. Schorr-G. Früher etwa Waffe des
Landsturms; daher z.B.: B'hüet-is Gott vw M.; die
mache' d drü Löcher ! Sulger. —Bart-: Barthaar, das
sich spaltet, wie an den Warzenbärtcn (vgl. Gable 5).
Spreng. — Pflaster-: Werkzeug, mit ileiii, wie mit
einer Kelle, die Maurer den mit Stroh gemiscliten Kalk
zwischen die Latten von Riegelwänden legten Z. —
Rijb-: s. Gable 5. ,Rebgäbelein, capreolus.' Red. 1662.
Reit-. ,10 guot eisin R-n mit 2 Zinken.' 1550,
ScHwE. Klo.sterarch. — Zu Reit, Scheunenraum für die
Streue?
„Schorr-: Mistgabel mit 2 eisernen Zinken, allg."
— Ynn schon-im, auskehren.
Schür-Gäbeli" : 1. eisernes Gäbelchen zum
Schüren des Feuers. — 2. zweiteiliges Rebschoss Z
(Dkr). — Schoss(^)- Aa; B; L; S; Uw; Zg; ZKn.,
Schuss- Spreng, Schutz- AaF.: 1. G. mit 2 bis 3
eisernen Zinken und langem Stiel, mit der man Heu
oder Garben auf den Wagen lädt (gleichsam ,schiesst',
d. h. zuwirft) und auch wieder auf die Heubühne oder
den Tennboden ablädt AaF.; Bs (Spreng); B(Gotth.);
LG.; S; Zg; ZKn. Gegs. ScUter-, Zett-G. Grosse
eiserne Gabel zum Zusammenstossen der halb- oder
ganz dürren Mahden UwE. Im Volksrätsel : E hölsigi
Mueter, 3 Isigi Brüedere Aa. ,A1s der Bannwart ihnen
zusprechen wollte, wollten sie mit der Schutzg. ihn
angreifen.- AHedsl. 1854. — 2. unüberlegt handelnder
Mensch LM. Vgl. Schutzgatter.
Schiter-: G. zum Wenden des Heus LG.; S.
So genannt, weil diese G. zwischen den in der Länge-
riohtnng laufenden Zinl(en noch einige Querhölzer hat, oder
weil ihre Zinkeu liberh. im Gegs. zu denjenigen der Schoss-,
Lad-G. von Holz sind.
,Schütt-.' 1659, ScHwE. Klosterarch., vielL =
Warb-, Zett-G. od. Tenn-G., mit welcher das Futter
gerüstet oder das Stroh nach dem Dreschen aufge-
worfen wird. — Spreng-: Instrument, mit welchem
die Schlosser am Schraubstock ein geschweisstes Stück
biegen und formen Z. Syn. Sprengschlüssel. — Stech-
= Schoss-G. Aa. — Uf-stell-: Werkzeug, womit in
der Glashütte das gestreckte Glas aufgestellt wird S.
— Dach-, nebst .Purkeln- und eigentlichen Waffen
zur Wolfsjagd mitgenommen. 1641, ApI. Arch. —
Trag- = Gable 4 a Schw. — Worb-: G. mit 3 langen
hölzernen Zinken, zum Warben, d. i. Zerstreuen des
gemähten Grases LRigi; aScHW; Uw. W.-Gäbeli,
leichte G. mit eisenbeschlagenen Spitzen SThierst. —
Wösch(er)-ffä6eZi s. Gable 4 e B; Z. — Zett-Gable
GrD.; aScHW; U. -Gäbeli STh.: G. zum ,Zetten' des
Heus. .Zettgablen.' 1659, SohwE. Klosterarch. —
Zwickgabel heissen im Schwarzwald mehrere Ört-
lichkeiten, wo ein Tal gleichsam in 2 Zinken sich
spaltet.
gable(n) {gabeleLG.): 1. mit der G. arbeiten, bes.
das^Heu umwenden AaF., Fri.; Ap; Bs; F; ZDättl.;
mit dem Nebenbegriff der Eilfertigkeit (s. 2). ,Im
Futtertenn gabelte sie herum wie besessen.' Stütz.
D' Heuerinne" gabled im Heu. KdMey. 1844. Im Ustag
[Frülijahr] g. wird im W auf Arbeit mit Mist bezogen.
Mit der Tischgabel hantieren, essen. Gotth. Mit einer
Gabel fechten B (Zyro). Mit den Hörnern stossen
wollen, von Hornvieh ScnNk.; vgl. gäbelen. BildL:
Etwas zu erlangen suchen. .Man sticht Geschäfte
auf, gabelt nach Clienten.- Gotth. — 2. eilfertig
arbeiten; zunächst in gutem S.: sich emsig rühren,
und mit bes. Bez. auf Bed. 1, in dem alten, auch in
Deutschland ähnlich lautenden Spruch: Wer im Heuet
(Üstig) nüd gablet und i' dr Em (im Summer) nüd
zahlet und im Herbst nüd früeh üfstät, der luegi (cha"
luege Aa, g'seh BSi., soll schaue ScHNk.) wie 's (em
[ihm]) im Winter gät. allg. Etwas anders bei Kirchh. :
.Wer nicht gabelt, so die Brem [Bremse] zabelt, Der
lauft im Winter mit einem Seil und fragt: hat Jemand
Heu feil'?' Im schlimmem S. : übereilt, hastig, ohne
Geschick und Überlegung arbeiten; sich stark be-
wegen, ohne viel auszurichten ; pfuschen ; unbesonnen
handeln Ap; B; L; Z. Syn. angsten; iifudlen; pfurren;
g'räblig tuen; stroden; strüelen; strütten; wismen. —
3. mit den Armen oder Beinen, absichtlich oder un-
willkürlich, lebhafte, lächerliche oder ungeschickte
Bewegungen machen, solche Stellungen annehmen;
gaukeln BSi.; LG.; Z; gestikulieren, vom Prediger,
in dem Volksrätsel : 's ist Öppis zwüsche vier Wände,
's gabelet mit bede" Hände', 's darf-em 's Niemer übel
ne", 's darf-em Niemer Antwort ge'. Beim Rudern
oder Schwimmen unregelmässige oder nicht zweck-
mässige Bewegungen machen Z. Bes. von ungeschick-
ter od. unschicklicher Bewegung der Beine. ,Indecenti
gestu pedes motitare.' Id. B. , Während die Füsse gen
Himmel gabeln.' Gotth. Die Beine in die Höhe
strecken, von kleinen Kindern SThierst. Mit ge-
spreizton Beinen einhergehen; Sprünge machen B;
gehen mit Bewegung des ganzen Körpers, von langen,
schlanken Leuten B. Urne g., sich an einem fort be-
wegen, hin und her laufen L; Z. Von einem Bolzen, der
im Fluge kleine Bogen oder Zickzacklinien beschreibt.
iah, geh, gib, gob, gut
SuLiiEK. — 4. viel oder einfältig iihuuleiii GlH.; OT.
.Horch, wie sie Alles durch einander gabeln.' UBräguer
1780.
Für nlul. .gabeln' i. S. v. gaukeln nimmt Gr. ein anderes
W. an. vwdt mit unserm gappen, gaupeti, göpen, aber diese
Annahme ist für unser Gebiet schwerlich richtig und auch
nicht nötig, da bei gablen in jener Bed. zunächst wirklich
gabelähnliche, d. h. gespreizte, zackige Bewegungsformen ge-
meint seiu können.
ab-: Etw. von Jmdm erobern Uw. — üf-: 1. mit
der (J. auffangen, -heben, -laden Bs; BSi.; G; bes.
Heu. Vgl. Heu uhi (iifhin) g., auf den Heustock
hinauf werfen BSi. Bildl. : Einem eine Last aufladen,
z. B. ein Amt, die Besorgung eines Waisonkin(ks W ;
in diesem S. wohl zu Gable 4 a. — 2. durch Unvor-
sichtigkeit sich Etw. zuziehen, z.B. eine Krank-
heit Bs, ein uneheliches Kind BSi. .,Das Meitli het
Ei's uf<f gablet;' Syn. üflesen. — 3. mit Mühe (Nach-
frage, Suchen) oder durch Zufall ausfindig machen,
aufbringen, -treiben; erhaschen, antreffen, finden Aa;
Ap; Bs; B; Gr; G; Sch; Schw; Z; meist scherzh. und
mit etwas verächtlichem Nebenbegriff; z. B. eine Per-
son zur Hülfe; eine Person des andern Geschlechtes
(Eini, Eine') zu Liebschaft oder Ehe, eine Neuigkeit,
ein Wundertier. Syn. üflesen; ufstipitzen; D' An-
tiquare' z' Züri"'' händ scho' alle" Giigger [Allerlei]
erlickt [entdeckt] und ufg'gablet. JSenn 1864. .Auf-
gabeln, colligere; comparare.' Denzl. 1677; 1716.
Böses ufg.: böse Absicht finden (herauslesen), wo sie
nicht zu Grunde lag ZBauma. Im S. v. gewinnen.
Er häd Nüd ufg'gablet GG. Syn. üfstecken. — an-:
(Jmdn) anfassen, mit freundlicher Rede auf dem Wege
zum Stehen bringen B. — er-gabele: durch Nach-
suchen mit Mühe finden, bekommen LG. — üs-gable:
1. verenden, zunächst vom Tiere, das in diesem Falle
alle Viere von sich streckt Z. — 2. einen Schwing-
kanipf beendigen; vgl. tis-schwingen.
ver-: 1. (trans.) übereilt abtun Aa; durch Eil-
fertigkeit, Leichtsinn verderben, verscherzen Ap; BSi.;
Sch. — 2. (intr.) vor Ungeduld, Verzweiflung ver-
gehen B. Syn. vergiblen; verzählen (vergitzlen). —
•2. Eig. vor übermässiger Bewegung zu Grunde gehen.
ze Samen (zäme)-: gierig verzehren Bs.
Gablete" f.: 1. so viel auf eine Gabel geht Aa;
B. .Man ass ein paar G-n G'köch [Gemüse].' Gotth.
,Eine Trage voll, z.B. e G. Strau BO.; VÜrte; W."
— 2. zweckloses Herumfahren oder -rühren Ap.
Bei 1 fragt es sich, ob mau ,Gabel' im gewöhnl. S. od.
i. S. V. 4 a zu nehmen hat.
Gabli I, Gabeli (Ineichen); „auch Gabler-.
Gabli"g Ap: 1. schlanker Mensch, grosser Kerl mit
langen Beinen B; F; SThierst. Auch von Pflanzen-
individuen, welche zur Beeinträchtigung ihres Nutzens
zu sehr in die Höhe wachsen BStdt. Syn. Beigel. —
2. Mensch, der possierliche Bewegungen und
Stellungen annimmt BSi. , Gaukler." Mensch von
hastigem, unruhigem Wesen, „der eilfertig arbeitet.
übereilt handelt;" der eine Arbeit verpfuscht; unvor-
sichtiger, flüchtiger junger Mensch; Springinsfeld Ap;
L; G; Z; Syn. Gispel; Haspli. Mensch mit unbe-
holfenen Bewegungen BSchw.; Züättl. \ gl. gablen 3.
— 3. Schwätzer GlH.; s. gablen 4.
gabiig: 1. zackig, mit 2 Hörnern, z.B. ein Berg,
Stock GrL. - 2. ungeschickt in den Bewegungen
B; G; ZDättl. — :l. eilfertig. UMbe.sonnen Aa;
GoT.; ZDättl.; flüchtig, oberflächlich, zerstreut G;
allzu beweglich, flatterhaft, jung und g. Ap; „gaukel-
haft". — 4. gabelig, von einem Fuhrwerk mit Gabel-
deichsel Bs.
Gaber, Gaberjel, Gabi, Gabli II s. Gabriel.
Uabi II: Gabriele Gr.
liabriauggel m.: Hanswurst. Spassraacher, der
seine Spässe mit Geberden verbindet AAFri.
Appellativ gedeutete Weiterbildung des Namens .Gabriel'
oder eher eine Verquicknng von Gabriole oder Guhriol etwa
mit dem Namen Joggel, welcher appellativ einen Toren be-
zeichnet (vgl. Hanäuggel, Hans Jakob) oder mit Gmiggd,
Hanswurst.
(iäbrlel Gaberjel GlH., Güber Aa, „Gäberli (dini.)
G". Gabütz (scherzh.) B, Gabi Gl, Gabi (dira. Ga-
beli) Aa; B; Gl; L; S, (verächtl.) Gäbsch, ijräbst Gl,
Gäbli Gl. Gabel LHerg.. Gel LG. — Über einen sagen-
haften kühnen Gemsjäger .Gabi' s. GStuder, Panor. v.
B 35. .Ich schreib sy [die Bauern] vor zyten in myn
bruoderschaft und überredt sy, es hette fast guot
kraft, und bestrich sy mit eim rossknüw herumb
und sprach, es war sant Gabriels heltumb.' NMan.
Appellativ als Schelte gebraucht: ,Du Schlingel, du
Gabriel, du U-söd!" Z Neuj. W. 1884 (ein Schulmeister
zum Schüler).
(iabriol m.-. mutwilliger Springinsfeld, Luftspringer
TuTäg. — Aus dem folg. Fem. rekonstruiert.
Gabriole (ff a6er;'o?e Aa) f., fast immer im PI. (in
diesem Fall auch -öle Z): lustige, närrische Sprünge
od. Geberden, allg. — gabriole": 1. närrisch tun Z.
— 2. schwärmen SchwE. — Gabrioli m. = Gabriul
Th. — Aus frz. capride, Luftsprung.
Gabiise. -Äse B, Gäbüse, -üseB;W (auch -juse) f.:
1. moschusduftende Schafgarbe, achillea raosch. Bü.;
W. — 2. fschwarzij G., Genippkraut, geschwärzte
Schafgarbe, achillea atrata B; W. — 3. einige Arten
von Beifuss, Genippkraut, artemisia: art. spicata
BO.. art. mutellina od. rupestris. Alpenbeifuss BO.; W,
art. glacialis BO. Gedörrte Kränze von Alpenbeifuss
finden sich in den Alphütten als Hausmittel für Wun-
den und Seitenstechen.
Einige .ibnlichkeit zw. achillea und artem. (und der
ebenf. officinellen .scabiosa', deren Namen viell. uuserm W.
zu Grunde liegt) lässt sich in dem schlanken, mit fieder-
spaltigen Blättern besetzten Stengel erkennen. — An Ent-
stehung und Verderbniss des W. aus mhd. biboz (Beifuss)
zu denken, verbietet die Acceutuieruug.
Gabutz s. Gabriel.
gab (ig), gebig: 1. passiv: was gegeben werden
darf und gern angenommen wird, geschätzt, wertvoll,
allgemein gültig, a) in allitt. Formel verbunden mit
gäng (gangbar) und andern Synn.: gäng (gang) und g.,
allgemein üblich, gebräuchlich, gewöhnlich, geläufig
Bs; Uw; Z; auch: allgemein bekannt UwE. Sub-
stantivisch: Pietist GWa.. Syn. Eine. Urspr. wohl
wie noch jetzt von Münzen, Edelmetallen und Ge-
treidemassen: ,19 pfnnt Pfennig guoter und geber
Züricher müns.' 1353. Ztschr. f. Schwz. R. .5 pfund
Pfennigen zuo Schwyz genger und geber.' 1358/1544,
SoHw LB. .Ein viertel habern guots und gäbs Co-
stenzer mess.' 1364. Pup. 18.30. ,Munz. so in unser
statt geng und geh ist.' 1409. Ztschu. f. Schwz. K.
63
Gab, geb, gib, gob, gub
64
,4 iiiütt guotes gäbes wolbereites ewiges kernengeltes
und diirzu 10 seh. hall, ewiges pfenning geltes.' 1438,
JRüEG. 1606. ,130 guldin guoter, genger und gebar.'
1494, Gfrd. ,0b sölliche prob [Meisterstück] geb und
gerecht syge.' 1548, Z Ratserk. .Münz, die landlöfig,
g. und gnäm were.' Vad. ,Pfruonden mit gar guoten,
gnämen und gäben zinsen.' ebd. , Silber, das im Kauf
gengbar und gebig war.' 1707, I. Mos. Vgl. noch yihig.
— b) brauchbar, angenehm, bequem. Gegs. übel-,
un-g. Syn. fri(n). Von Personen: (gab) wert, ge-
sehätzt, bes. von Mädchen BRi.; (gäbig) dienstfertig;
umgänglich. En gäbige Nächpür, mit dem man gut
auskommt B öO.; PJ. Von Tieren: lenksam, ebd.
Von Sachen: zweckmässig, angemessen, z. B. von
Wohnung und Hausgerät BÜ., öO., Si.; S; W; Klei-
dung (kleidsam) BSi.; Obvi {Syn. ordlich). „Das Kleid
kommt [steht, sitzt] g."; Werkzeug (leicht zu hand-
liaben, handlich; vgl. hand-g.) BSi.; Syn. gattlich;
kamndich. E g-s Fueriverch B. Von einem Weg,
der leicht zu gehen ist B (St.*"). Es ist nit g. im
Dreck z' laufen BSa. ,Gäbige [geeignete] Ablasstage.'
BSigr. Jahrzeitb. (HagoTib.). Von einem Wort: sach-
und zeitgemäss B, erwünscht, gelegen BHa.; vom
Wetter: gut, freundlich, fruchtbar BSa.; PMu. Es
g-s Jör. Schild. Gäbigs Land BSi. Vom Zufall:
Ei"m gäbig dum, hequem fallen B 50. — '2. aktiv
(auch gebig): wer gern gibt, freigebig B; „L;" Sch;
SBuchsg. ; Uw; Syn. er-, frl-, rlch-g. Gegs. übel-,
un-g. Auch : wer dem Arbeiter verdienten Lohn gönnt
GWa.; Syn. gtmnig. ,Dass ich milt und geb sye.'
Zytglöggl. 1512.
Mhd. ijaehe, yaehec, annehmbar, bes. auch von Münzen;
(jaehe auch: erwünscht, lieb; liass unser (freilich fast aus-
gestorbenes) (ßh das mhd. tjaebe ist, unterliegt keinem Zweifel ;
dagegen entspricht ij-ig nicht ohne weiters dem mhd. gaebec,
denn es wird (wenigstens in Bed. 1 in B durchgängig) mit
kurzem Voc. gesprochen (für 2 sind die Angaben der Quant,
unsicher) und scheint eine Mittelform zwischen gäbiy und
(dem vom Präs. abgeleiteten, z. T. synonymen) giliy, d. h.
zunächst Erweiterung von yaebe mit dem beliebten -ig, aber
dann im Voc. verkürzt mit Anlehnung an gibig, resp. den
kurzvocalischen Präs.-Stamm geh, gib. — Das Schwanken der
Form gilt auch für die Zssen.
übel-gäbig: unbequem, z.B. von einem Ort, wo
nicht gut sein ist BHa.
u(u)-gäb: 1. mürrisch, unfreundlich GF.; der
sich nicht ergeben, belehrrii lassen will, schwer zu
behandeln, auch von Tirr.n ili, ; (a\'c. — 2. -ig, un-
passend BSi. — 3. ugdh. iii/ihiii. ^yizig GG. ,Ungebe'
bei Kd.v.Ammenh. von einem Knecht, der den Pferden
ihren Haber nicht gab.
Mhd. ungaehe, unannehmbar, nichts wert, schlecht; un-
geziemend. Vgl. ,ungeblich', unannehmbar, von Bedingungen.
,Des französischen Ambasciatoren entbietende [angebotene]
Vermittlung ungäblich, unangenehm und verdächtig.' Zur
Gilg. 1656.
et -gäbig ZBül., Windl., -gebig Aa; BBe.; G; Vw,
-gcnd UwE., -gändldük., Si. : 1. ehrgeizig, ruhmredig,
eitel, stolz BSi.; UwE.; ZBül., Windl. — 2. wer seine
Sachen sauber und exakt haben will BBe. Syn.
eigenlieh. Leckerliaft. walibrisch, aus Stolz oder An-
massung; wenn ■/.. H. Imh't von gewissen Gerichten
deswegen nicht kostet, weil man ihm nicht genug
Ehre angetan hat BHk. Syn. er-los; spröde mit Bez.
auf Annahme von Gefälligkeiten BSi. — 3. freigebig,
wohltätig, hilfbereit AaF., Z.; G; Vw; ZBül. Er ist
nüd so gar e. mit sine" Gschwüsterte". ,Perliberalis:
fast ergab und kost-, gastfrei. Liberalis: freigäbig,
e., erlich mit ausgeben und nemmen, trüw, kostfrei.'
Pris. ; Mal. ,Da die gytigen solltend eergeb syn gegen
menigklichem.' LLav. 1584. ,Wie frei und ehrgäb sy
joch gsyn syge, so erscheinte sich dennocht in der
hushaltung nie einiger mangel.' XVII. Anf., Mise. Tig.
Die sämmtlichen BeJd. gehen wohl auf den Grundbegriff
zurück: wer auf Ehre hält; es wird also bei 3 eine Frei-
gebigkeit oder Wohlthätigkeit gemeint sein, die sich mehr
von jener Rücksicht als von reiner Gutmütigkeit leiten lässt.
fri-gäb: freigebig; vgl. rich-g. ,Er [ein gewisser
Adler] ist gar unerschrocken, mächtig, freigab und gar
nit verbünstig [missgünstig].' Vogelb. 1557. ,Prünt-
lich, güetig und frygäb nach synem vermögen.' HBull.
1561. ,Gegen den Armen war er frygeb.' JRüeg. 1606.
,Dass sy guottätig, freigab und gmeinsam seiind.' Z Lit.
1644/96. ,Darum ist Zacheus so liberal und freigeb
auch bis an den halben teil seines guts.' AKlingl.
1688. — Fri-gäbi f.: Freigebigkeit. ,Liberalitas, die
freigeb(n)e.' Fris. .Freigäbe der natur, natura; beni-
gnitas.' Mal. , Welche freigäbe (,Freigebigkeit.' 1693)
vil reiche leut bewegt hat, dass sy von irer hab an
die selbigen Stiftungen geordnet haben.' SHochh. 1591.
fr und-: so wie man Etwas Freunden gibt, d.h.
gut beschaffen und voll gemessen; vollwertig. VgL
die RA. ,unter Freunden so viel wert'. ,4 mütt kernen
fründgebs guots.' 1433, GRapp. ,Pünfthalben mütt
kernen fründgäbs und guotes Züricher mijss.' 1440,
ebd. ,600 albelen früntgäber fischen.' 1467, Z Staats-
arch. ,1 viertel gnems, b'reits, frundgebigs kernen.'
1503, Z Ratserk. ,Ein viertel allweg gueten, erbers,
fründgebs, wolgeschmacks und wol gesottens ankens.'
1518, Z Staatsarch. — Mhd. vriunt-gaebe, unter Freunden
annehmbar, brauchbar, gut.
„gast-gäbig: gastfrei VO." — band-: handlich
bequem in der Hand BBe. — nüt-: unbequem B. —
rich-gäb: freigebig. ,Abt Konrad was rychgäb und
gegen die synen gsellig.' Vad. ,Das reichtumb und die
miltikeit der fürsten, die nur zuo reichgeb warend.' ebd.
— simel-: feines Mehl (Semmel) gebend. Vgl. gab 1.
,Guots Sehers und similgebs kernen.' G Stiftsarch.
wunder- Bs, -gäbig Z: neugierig. Syn. w.-fitzig.
Objektiv: die Neugierde reizend oder aus Neugierde
fliessend. ,0 du wundergebe, aufrüerische, muot-
willige statt!' 1531, Jesa.i. ,Wer wundergeb ist. fraget
vil.' RüEF 1538. ,Die jünger fragend wundergäbe
ding.' 1548, Marc. ,Vir facilis mirari nova, w-gäbig,
der sich leichtlich ab neuwen dingen verwundert.'
Fris.; Mal. ,Doch solle man kein unnötige und über-
flussige, w-gäbe (,w-gäbige.' JMüll. 1666) frag an
in tuen.' LLav. 1569 = , fürwitzige.' 1670. ,Diesen
seltsamen' und w -geben Arzneien gib ich kleinen
Glauben.' JBLandenb. 1608. .Wo etliche der unseren
so unbedacht und w-geb werend, dass sy an hcimbliche
predigen giengend.' Z Mand. 1612. ,Wir Menschen
sind fürwitzig und w-gebig, wollen mehr wüssen, denn
uns guot ist' GwERB 1646. ,Musca, w-gebiger mensch.
der alles wissen will.' Denzl. 1677; 1716. , Wir men-
schen sind fürwitzig und w-gebig.' Zauberei 1704. —
Wundcr-gäbi, -gäbigkeit f.: Neugier, Fürwitz
Bs ; Z. Adam zum Affen : .Von dyner w-geb und zierd
wirst hässig syn und allweg gfierd.' Rüef 1550. .Sie
verraten ire w-gebigkeit und fürwitz.' FWyss 1655,
(iiil». gell. gih.
gub
66
.Aus w-gebe zu hipi-en. was ilcr Prediger tiir arbeit
maclie.' JMüll. 1065.
Der von Gr. WB. i 1 a lö-lO u. vorsuchtuu Ableitung von
dem (auch Schweiz.) ,gäuen', mit offenem Muude da stehn,
weiche einen vortrefflichen Sinn ergäbe, steht die Schwierig-
keit entgegen, b durch Vergröberung aus m zu erklären, da
dieses, nachdem der Iliphthoug eingetreten, iu Letzterem
untergegangen ist.
gäbige(n): bequemer werden, z. B. von einem re-
l)arierten Haus: ICs hat vü g'gäbiyet BSi. — Zu yähig J.
Gabel I s. Gabriel.
(iiibel n ra. : Name eines Rindes mit gegen ein-
ander stehenden Hornspitzen oder aufwärts gehenden
Hörnern AaF.; BO. Vgl. Hirz.
g;"ibele(n): 1. mit der Gabel nach Speise langen,
aber nur wenig oder langsam essen Bs. — 2. „mit
einer Gabel in Etwas viele kurze Stiche machen
L; ScH." Ein Spiel, wobei man mit einer Gabel 17
Stiche möglichst schnell und nahe an einander zu
machen sucht Ap. „Kinderspiel, wobei man aus ge-
wisser Entfernung mit Gäbelchen nach einem Ziel
wirft, so dass sie im Boden stecken bleiben Z.' —
3. beim Heuen das Gras mit der Gabel umschütteln,
damit alles gleichmässig trockne Ap. — 4. „Etwas zu
erhaschen suchen, 's ist Nut s' g. L; Sch." — 5. das
sog. Gabelt gegen Jmdn machen B; Ndw; UwE.;
s. Gable 3. — 6. das Wasch seil mit Klammern ver-
sehen B; s. Gable 4 e. — 7. mit dem sog. Gabelt eine
Schnur stricken ZZolL; s. Gable 4 c. — 8. einen
E i d schwören (3 Finger gabelförmig aufstreeken) B.
I''' tcill dir g., es isch so! Beteurung. Süterm. —
9. von Kühen: mit den Hörnern stossen S. Vgl.
gablen 1; Gabel IL Dr böse' Bämichueh wüll i 's
scho" zeige", wer Meister isch ! Seil wider chu" g. gege
mir ine! Joachim. — 10. Eanken treiben, von den
Reben zur Zeit der Samenbildung bei rauher Wit-
terung. Vgl. Gable 5 a.
Gäbe 1er: verächtlich statt ,Gabriel'. — Wahrsch.
mit Anspielung auf appell. Bei. i. S. v. yähelen.
Gäbli m.: E» G. e' Schwäbli Gl. Wohl = Gabli
3 od. 5. - Sfhm. von echiceUen i. S. v. ,blauen Dunst vor-
nuicheu', von Schteebd = Schwefel.
(iäber 4- m.: Gänserich FKerz.
Möglicherweise Koseform für ,Gabriel' und wie andere
Personenn. auf das Haustier übertragen.
(iäbi I n. = Gabel IL — Eigentl. Dem. zu Gabh.
Gabi 11 m. s. Gabriel.
gäbi: Interj. des Hohnes, etwa mit Dat. P., be-
gleitet von der Geberde des Rubchenschabens B.
Ursprünglich wohl von der unter ffaW« 4 h beschriebenen
Geberde.
gibisch: verkehrt, linkisch.
Von H. für Aa, sonst von keiner Seite bezeugt, daher
wohl nur als zufällige Verpflanzung aus Baieru od. Schwaben,
wo das W. zu Hause ist, zu betrachten.
ge'I) Aa, geh I B; SLeb., göb BU., gob SGrench.:
Conj., ehe, bevor Aa; B; S. Lösche', gab 's brönnt.
GoTTU. ,Da habe ich ihn drei Mal geschlagen, gab
er mich einist.' ebd. il/e" seil dr Öpfel nit vom
Baum schüttle'', gab er rlf isch. Schilp. Zuweilen
Schweiz. Idiotikon. II.
mit pleonastisch nachfolgendem e. Nat.-Kal. 1884, 29.
Zuweilen mit vorangehendem ploonastischem ,zuerst'.
Mc muess z'erst Fecka ha', geb-nie' fliiga" cha"" B.
Me' sett z. alt werde; gab jung. Schild. Er wird
ehnder rüdig gab rieh. ebd. Bei vorangehendem
,eher' nimmt g. die Bed. eines vergleichenden ,als'
an: Ehnder schlüfi es Kamel dur''' es Nadelöhr, gab
e Btche i 's Himmelrich. B Landw. Wochenbl. 1847.
Me" Schlot ehnder zwe Düflen [Teufel] inne, gab einen
itse (Warnung vor körperlicher Züchtigung von Kin-
dern). Schild. D' Lüt gönnen Eim ehnder 's Böse
gab 's Guete. ebd. Allein stehend i. S. v. ,(eher) als
dass': ,Gäb sie so dabei sein [das ertragen] möchte,
wollte sie lieber [usw.].' Gottu. Gab i-ne [ich ihn]
nämi [zum Mann], wett i lieber vo Heimet [die Heimat
verlassen]. Ott.
Gleich eb, Ob (aus e ob, s. Bd I 10/11, 53/4), mit vorn
zugesetztem g durch Einwirkung zunächst von geh II (s. d.),
mittelbar von geb III, dessen Voc. (ö an die Stelle von e'
oder « getreten ist. Zwischen ,ehe' und ,ob' besteht auch
kein begrifflicher Übergang, aber ein äusserer Zshang war
vermittelt durch die Verbindung e ob, in welcher ob nur
allgemein relative Bed. haben konnte, wie ,und' und ,dass'
in der ä. Sprache öfter. Die syntaktische Verbindung ender:
gtb entspricht der von ender : e; s. d.
geh n, göb B, gob Bße. (neben göb): Conj., ob.
1. an der Spitze eines einfachen abhängigen Frage-
satzes. Hri-s, [sie liaben Mcli] velle" Überzüge', gab
di Lüt a'hl liii'ii" luni" V: /(rsfi\l [zuerst] het's-mu
no''' ^viii'l Iwai- rr iiMcli z\vrilclliaft|, gäb-er-mu derfti
trilwe [sich getrauen dürfte] BSi. (Schwizerd.). Er
sinnet, gab ' s öiqmi Bikannti si'. Schild. Mit unter-
drücktem Hauptsatz einen scheinbar selbständigen
Fragesatz einleitend und zuweilen noch durch nach-
folgendes ob verstärkt; i. S. v. ,ob wohl, ob vielleicht'.
Gib Hansli scho" dinne« sig? BM. Geb ob er cho"
sig? GrD., Val. Göb ig 0 wett, oh ich auch wollte
[sc. ist dabei die Frage; ich denke nämlich nicht daran,
das zu tun] B. stehende RA. — 2. in einer Doppel-
frage, mit correlativem ,oder'. Vgl. gottgeb 3. I will-
der morn b'richte', göb (ZStdt auch söb, se'b) i 's
will oder nüd. 's chimnt nüt driif a', geb ei"s meh
oder minder sig. Gottu. 's isch ei- Düfel [einerlei],
gab beulen oder Brod heusche". Schild. Etwas anders
gewendet, so dass g. i. S. v. ,gleichviel' voransteht und
das erste Glied der Doppelfrage im blossen Conjunctiv
(Optativ, Potentialis) steht; vgl. geb IIL ,Es hätte
sich der Sache doch nicht zu schämen, und einmal
müsse es sein, gab es geschehe einen Tag früher oder
später.' GoTTH. G. i stg da oder nit. ebd. G. loell-i''''
oder nit, unwillkürlich Bs. So einmal auch schon in
der ä. Spr. : ,Dise habend allhie das Far ing'han, geb
si habind hernach mit einanderen duschet oder nit.'
JRüEG. 1606. Mit freier Anfügung der Doppelfrage,
ohne Verb um: ,G. jetzt oder g. später.' Gotth., und
auch mit zweitem geb statt oder: G. gern, g. nit, gern
oder ungern. B Kai. 1826. Und ohne beigefügten ma-
teriellen Begriff doppeltes geb, aber durch icie ver-
bunden und das zweite mit Subjekt (es), also verbal
(s. g. III, Anm.). Aber g. wie 's g. [wie dem sei,
immerhin, jedenfalls], er mein 's ufrichtig Bs.
Dieses geb ist eine formell seltsame, aber begrifflich
leicht zu erklärende Verquickung von ob (resp. eb, ob s. 1 53)
mit dem ursprünglich rein verbalen, dann conjunctional ge-
auch den zugesetzten An-
chten
pfange
von dem
nd dann a
/ fortgepflanzt hat. Der
Gab. gel», gib, gob, gub
Gebrauch 2 liesse sich auch geradezu auf y. III alleiu (vgl.
ijolUjeh S) zurückfUhreu und 1 könnte aus 2 entstanden sein.
Für jene Auffassung spriclit auch der Voc, der vorherrschend
i: ue> ist; aber die Nhf. mit ö deutet doch auf Einmischung
dfs Ijugiilflicli nahe liegenden oh und auch das </ ist nicht
entscheidLud ; denn neben (jch findet sich in der Bed. ,ob' auch
Bch und Ich, in der Bed. ,ehe' auch deh, Formen, welche auf
einen rein lautliehen Zusatz (« und d viell. aus dem Auslaut
des vorangehenden W.) zu deuten scheinen.
geb m, geg B; h\, g^ L; S; ZZoll.f, Je- ZEls.,
fast nur in Verbindung mit folgendem (zuweilen durch
eine Präp. von demselben getrennten) Fragepronomen,
resp. pronom. Adv.: 1. im Sinn der Verallgemeinerung:
-auch, -immer AALenzb.; Bs; BU.; S. Geb wer: i/r
weiss nit, ''ass im Stiirmg'lüt siir gliche ZU für 15
Grenvher 's Tüi}te<ihi,inli rhlingt. gib wer 's [wen es]
im Dorf au''' tirffr" iikv. Si iiild. .Fraget ihr ihm
nichts nach, geb von wem die kirch euers gottes ge-
schirmet oder widerfochten werde.' HBull. 1597. ,Ks
wäre reich oder arm, jung oder alt und geb wer sich
mit einem frömbden Weib veroelichen wurde.' 156'2,
Ztschk. f. Schwz. R. ,Was fragent wir umb nach den
armen':" Geb wem sy werdent ze erbarmen.' Aal.
,Will 's von mir werfen, gab wer 's find.' Com. Beati.
Geb welch: Gab i' tvelem Egge er si v'rsum [sich
aufhalte]. Gotth. G. was: G. w. men im seit, gab
wie men im 's vorgstellt het, es het Alls mit y'nätzt BE.
G. w. no us-vier will werde'. Hebei. ,Geb. w. sunst.'
Kessl. ,Man wolle sie nicht passieren lassen, g. w.
guter Worten man inen geben habe.' 1632, Absch.
.Werft aus, g. w. es gebe: ejicite, quidquid ingre-
diatur.' Red. 1656. ,G. w. wir tüegen, wann wir es
nicht aus glauben tun, so ist es sünd.' JMüll. 1673.
,G. in was Zeit seine Hirtensorg gesetzt wirt.' Wurstis.
G. wo: TJn" Eine, — 's iseli doch gruselig ! — g. wo
sl armi Sei iez slg! Un'' Eine springt i" d' Are.
Alpenr. 1811. Halt-di''' wohl, g. tco-de bisch. Hebel.
,[Wir wollten] fort ziehn, g. wo wir hin kämind.'
Platt. 1612. ,Quacunque; g. wo anen [anhin].' Collin.
G. wann: ,Wie vil, gab w. und von wem.' 1659, B
(Ztsclir. f. Schwz. IJ.). Bes. häufig g. wie, a) wie auch,
wie sein- aucli lis ; KU.; L; Uw; Z. „Ich lasse dir 's
nicht, giib wie du schreie.st." G. w. 's chömm, wie
es auch kommen mag. Er ist en schlechte'' Kerli, g.
lu. 's-em gong [es iiim gehen mag]. Nes Meitschi hed
halt, churz und guet, gäg wie-men an-em g'grestet [ge-
trieben] hed, nid g'spunne". JBHXfl. 1813. !''• will
mi'" in Alls schicke", g. w. 's chömm! UwE. , Während
Uli anspannte, drückte sie des Vetters Kindern neues
Geld in die Hände, g. w. die sich wehrten.' Gotth.
Erdberistüdeli und Ereprls ~ hett ich es Mandeli
[Mann], g. w. nes chU's! B. Gä w. die zweu Meidschi
der ganz Vormittag dure g'äuglet hei', kei Spur hei
si vonne' entdecke' chönne'. JHofst. 1865. I ha'
g'hürotet und ha' g'meint, gab wie-n-i Vögeli g' fange'
heig. Schild. Gä w.-n-ere g'luegt tcorden isch [zu ihr
geschaut wurde], i" 4 Tage' scho" isch sie ne Lieh
g'sl'.' JoAOH. 1881. ,Bis [sei] sorgenfrei, Geb wie im
sei!' Aal. ,Von jeder Sach, g. w. vil der Partygen
sygend, 4 Batzen.' 1596, Ztschr. f. Schwz. R. ,Hiemit
[demnach] rauss Einer sterben, g. w. alt Einer ist.' 1627,
TaSommri, Pfarrb. ,I)arumb sind die Bruch besser zu
erkennen, g. w. steif sie standen, weder [als] die Spalt
[bei Röhrenbrüchen].' Würtz 1634. ,Man machet sie
[die Fussängel] mit 4 spitzen, drei ligen auf dem boden
und stehet allzeit einer in die hölie, geb wie man sie
wirft.' Kriegsb. 1644. ,G. w. man wässeret und pflanzet,
so ist es alles umbsonst, wann Gott nit das wachsen
gibt' JMüll. 1665. ,G. w. schwer und gross sein
Verbrechen.' JMet. 1694. .Die Wort, g. w. heilig sie
sind, haben an ihnen selber keine natürliche Kraft.'
JJGessn. 1702. ,Der Schulmeister soll nicht Gewalt
haben, eine oder die andere Letzgen nachzulassen, g.
w. vil Kinder in der Schul seiind.' 1684/1719, Z Land-
schulordn. ,G. w. scheusslich.' Goliath 1741. Etwas
abweichend ist der Gebrauch von doppeltem geb: ,G.
w. fromm, g. w. gottlos die leut seien.' JMüll. 1666,
welches hier nicht sowohl die Bed. ,wie sehr auch'
hat, sondern ,gleich viel ob', also ähnlich geb II am
Schluss. — b) nicht i. S. eines hohen Grades, sondern
der Ungewissheit, Unbestimmtheit, meistens aber
ironisch i. S. v. ,schlecht' oder ,gar nicht' Aa; Bs; B;
S; Z. a) ohne folgendes Adj. ,[Von drei badenden
Schwestern wurde eine geraubt; die beiden anderen]
g. w. nach Hause kamen.' Hüber 1787. Er häd 's
g'macht, aber ge tcie? ZZoll. Es wirt o"'' gä', göb
wie B. Es geit Alls vorübere, göb wie B. Gab wie-
n-er öppe umme chtmnt, wie mag er wohl zurück kom-
men? BE. Dieser Gebrauch kommt dem von geb ob
(geb II) nahe. — ß) mit folgendem Adj. resp. Adv.
Er macht de' Gross, geb wie lang [aber man weiss
nicht wie lange, wohl nicht lange] Aa. Hieran schliesst
sich die Formel g. iv. Hecht i. S. v. ,man weiss nicht
wie leicht = sehr leicht' B. G. w. l. git 's Öppis [gibt
es Etwas], isch er taube [wird er zornig]. Aber <lie
selbe Formel in anderm S., wie es scheint in con-
cessivera, ähnlich dem gewöhnlichen von ,geb wie' a:
,Ja, wir sind auch arme Sünder, aber öppe öppis
Schlechts. g. w. 1. [so leicht es auch ist], haben wir
nicht 1,'eiiuielit.- GoTTH wenn 's de" Eine au'''
g. IC. 1. |;uuli nur einigerraassen?] chli mache' cha"',
so macht 'r Chüechli. Schild. Vollends übergehend
in reine Zeitbestimmung: ,so bald (als)'. G. w. l,
men am Sunndig der Löffel abg'leit g'ha' het [das
Essen beendigt], isch Alls ''em Wirtshüs zue. Schild.
— 2. nur verstärkend g. was etwa i. S. v. ,was
wohl' (vgl. geb ob unter geb II). Jo seile [lass sehen,
ich bin begierig zu hören], g. w. er iez auh sägi
ApWalz. D' Erde macht wüsse', g. w. der Mon^ enne-
nohe [auf der ihr abgewendeten Seite] het, g. e Buggel
oder en angere Breste [einen Höcker oder ein anderes
Gebrechen]. Schild, wo das g. an erster Stelle aus
der folgenden Doppelfrage entsprungen sein könnte.
Ähnlich scheint auch, aber nicht in abhängigem Frage-
satz, sondern in Form eines selbständigen Satzes : G.
tu. git 's z' Mittag GRVal. = irgend Etw. gibt es wohl
zu M.V — 3. ein Mal erscheint alleinstehendes ,geb',
aber wohl verk. aus ,geb wie', etwa i. S. v. ,irgend-
wie' : ,Wäre aber der eint oder andere Geistliche, der
sich auf eine unerlaubte Weis nach der Welt Moden
lustig machte, . . . geb, so wird Solches Niemand bil-
lichen.' JKHofmstr 1744. Doch lässt sich g. hier eben
so gut im Sinne der Einräumung der Wirklichkeit
eines solchen Falles auffassen, also = nun, es mag
ja sein, .zugegeben'.
Dieses geb ist in seiner urspr. Bed., die dann freilich
sich sehr verflüchtigt hat, viel leichter zu erklären als die
beiden ersten, die z. T. von demselben beeinflusst sind. Es
ist die 3. P. Sg. Oonj. des Vbs ,geben' mit Ergänzung des
Snbjectes ,Gott', also verkürzt aus Gott-geh (s. d.). Ob die
Gab, geb. gili, gob, gub
70
Veik. nur aus Bequemlichkeit eintrat, oder aucli aus Scheu
vor Missbrauch des Namens Gottes in einer längst ganz
gleichgültig und gemein gewordenen Formel (ähnlich wie in
,behUte! bewahre! grüsse!'), mag unentschieden bleiben.
Über die Entwicklung dos Gebrauches s. Gr. WB. 4, 1, 1,
1708 — 1711. Fromm. 3, 347. Derselbe scheint vorherr-
schend alemannisch gewesen zu sein. — Schwieriger ist die
Erklärung der lautlichen Nbff. und der Nebenbedeutungen,
die sich immer weiter von der nrspr. entfernt haben. Am
' leichtesten erklärt sieh die Verk. von geh in ge, teils aus
der Unbetontheit des Vbs neben dem urspr. davor stehenden
hochbetonten Gotl, teils aus dem immer auf das b folgenden w,
mit dem der erstere Laut zus. fliessen konnte. G statt h
wird teils aus der organischen Vwdtsch. und Vertauschungs-
ßhigkeit der Medien unter einander zu erklären sein (da ja
im Auslaut g auch für d eintritt), teils aus der besondern
nähern Vwdtsch. von g mit w (vgl. das roman. gu im Anl.
für german. w). Die noch weitere Verk. in ge-tnie erklärt
sich ans der Enklisis auf das emphatisch betonte folgende
wie; in Verbindung mit Gott findet sie sich auch in den
MAA. Deutschlands (s. Gr. VfB. 4, 1, 1, 1711 o.). In dem
im Eidgn. Toggenb. 1712 überlieferten ,geb je' (,G. je mit
was für Worten da ward geprotestiert.') liegt anscheinend
der umgekehrte Fall, d. i. die Verstümmelung des zweiten
Teiles vor; allein als wirkliche Ausspr. hat man sich zu
denken 'gnhk und in b lässt sich die selbe Vergröberung
des w erkennen wie in seUe = [lass] sehen wie! In dem
vereinzelten g'ge- liegt die Deutung auf das Ptc. (gegeben)
vor, welche wohl veranlasst wurde durch andere Formeln
mit absol. Ptc, z. B. g'selzt de" Fal'. UiJb (ebf. nur bei ,geb
nie' b) wird auf Vermischung mit geh II (resp. ob) beruhen.
— In: ,geb was es gebe' (bei Red.) ist das ,geb' viell. noch
als der wirkliche Conj. gedacht i. S. v. ,es gebe, was es
gebe = was es will'; dann würde die Stelle eig. nicht
hieher gehören; es scheint aber eine Art Wortspiel beab-
sichtigt; vgl. geb icte '» geb {geb II am Schluss). Dass unter
,geben' schon in der vollen Formel ,Gott geb' meistens nicht
göttliche Gaben im eig. S., sondern göttliche Fügungen
Ubh. und dann Schicksale und Umstände aller Art, auch
bereits vorliegende tatsächliche Verhältnisse gedacht wurden,
ergibt sich aus den meisten Belegstellen. Wo nicht gerade
das wirksame Eingreifen der göttlichen Allmacht angerufen
oder in Aussicht genommen Werden konnte, mochte man sich
mit der Allwissenheit begnügen, in der Alles irgendwie,
wenn auch dem Menschen unbekannt, vorausbestimmt ist,
und so konnte geb wie zu der Bed. b gelangen; vgl. Gr. WB.
aaO. 1710, f. Von dem damit gesetzten Begriff ,vielleicht'
scheint verschieden der Sinn der Formel ; geb wie liecht =
sehr leicht. - Die im Text zuletzt angeführten Fälle ent-
ziehen sich einer genauen Rechenschaft; die Sprache scheint
die Formel selbst nicht mehr zu verstehen und nur spielend
zu gebrauchen. Für das ganz allein stehende ,geb' bietet
Gr. (aaO., g) nichts Entsprechendes. Vgl. noch geg.
gott-: \. = geh III 1, vor Fragepron. und Adv.
und zwar a) so, dass diese WW. unmittelbar auf r/eb
folgen, ,Gott gab wer, quisquis, quicunque.' Mal.
,Eips raps in meinen Sack, G. g. was mein Nächster
hat'.' Sprww. 1824. ,Nun bin ich darumb kummcn
her, dass ich Frau Venus auch besech, G. g. was mir
darumb beschech.' PGengenb. , Wollend recht haben,
gottgeb was yedermann darzuo sage.' Lav. 1569.
,D' sach will ich richten us, G. g. joch, was mir folge
drus.' RuEF 1550. ,G. gijbe wie Gott syn urteil habe
gen, so gryft er [der Papst] dryn, wie es im gefallt.'
NMan. ,Ein jetlicher soll bezalen, gott gab wie die
brief wysin.' 1545, Ztschr. f. Schwz. R. ,G. g., wie
ich d' weit [bejtracht und b'schow, so ist 's schandtlich
verruecht und row.' Rüef 1550. ,[Dies Mittel] heilt
die zerrissnen eingeweid, g. g. wie schädlich der bruch
seie.' TiERB. 1563. ,Dass einer wolmöge heuw, .strcuwe
und weiden koufen, g. g. wie vil vechs einer heige.'
15613, Ndw LB. , Cujus niodicunque sit: sy seie wie
sy wöll, G. g. wie sy sei.' Fris. ,G. g. wie teür,
quanticunque.' Mal. ,Ich stan kum ab von diser sach,
G. g. wie man 's z'letst mit mir mach.' Com. Beati.
,Ich blyb darby, diewyl ich leb, G. g. wo das Evan-
gelium Weh.' NMan. ,Er soll die pfand üshin geben,
G. g. wo er's neme.' 1527, Aa Wst. — b) so, dass das
Fragew. durch ein dazwischen tretendes W. (Vb.
im Conj.) von geh getrennt ist und der Begriff der
Gleichgültigkeit durch Verbindung des Fragew. mit
.wollen' nochmals ausgedrückt wird. ,G. g. sy bietend,
was sy wend.' NMan. ,G. g. man tage [verhandle],
was man well.' Ruef 1538. ,G. g. es were wetter,
wie es wollt' ^ bei jeglichem (noch so schlechtem)
Wetter. XVI., B Anz. — 2. G. g. - oder — i. S. v.
,gleichviel ob, oder dass'. Vgl. geb II 2. ,G. g. er
werde gelöst oder nit.' NMan. ,Da soll nieman wy-
chen. g. g. man ärgere sich oder nit.' Zwingli. , Wel-
cher den glouben uss den Worten schöpft, der gloubt
also: gottgeb Christus kriech ins brot oder kelch oder
waryn er well.' ebd. 1527. ,Gab einer nüt mc dann
1 '/2 guldin, g. g. der schützen kem vil oder wenig.'
Edlib. ,G. g. ihr heigent's gern old nit.' Com. Beati.
.G. g. der Hag syg gedeilt oder nit.' 1622, Schw Rq.
— 3. G. g. wie mit doppelter Ellipse, i. S. v. ,Gott
mag fügen, wie er will' oder , wissen, wie es kommt'.
Vgl. geh tvie b. „Es mag nun kommen. G. g. wie."
Mit Umstellung; Das tcüit [wird] sclw gä", [aber]
G. g. wie BSi. — 4. G. g. vorangestellt i. S. eines
Fragesatzes mit ,wohl'. Vgl. geb III 2. ,G. g., was
der N. noch erleben muss', was wird er wohl n. e.?
ScH Pilger 1881. Umgestellt: .Heutzutag sieht 's unter
den Jungen bös aus, g. G. was das noch will werden.'
ebd. 1884. — 5. bei einer Beteurung etwa i. S. v.:
, will 's Gott' od. ,in Gottes Namen'. ,Kurz ab, es muess
gebuwen syn, g. g. gott griess [grüsse] ich will 's nit
lassen wider zuo schytren gon.' ThMurn. (Absch.)
Über die urspr. und die spätere Bed. der Formel s. Anm.
zu geb III ; hier mag für den Zusatz Gott- noch das ital.
amxgna dio, komme was da wolle (ebf. in einräumendem S.)
und eziandin als Parallele angeführt werden; vgl. Diez, WB.
369. In einzelnen Fällen tritt der urspr. verbale Sinn von
geb so deutlich hervor, dass man sie füglich unter das volle
Vb. geben stellen könnte, wohin streng genommen der ganze
."Vrt. gehört. Dies gilt noch mehr von dem offenbar ver-
schiedenen (Sott geb in Einschaltungen wie: ,nach seinem
— Gott geb seligen — Absterben' udgl.
Ver- m., nur in Verbindung mit .gross', der gross
V. oder zsges.: „Gross-r.", das Frohnleichnamsfest,
resp. der Tag desselben W. Syn. Unsers Herrgotts Tag.
So genannt, weil der Opfertod Christi den Gläubigen
Vergebung der Sünden verschafft, wesshalb auch dieser Tag
als grosser Ablasstag gilt. Zu ergänzen ist wahrsch. das
Grundwort: ,Tag' und Geb ist der reine Verbalstamm, wie
er als erstes Glied vieler zsges. Subst. erscheint, z. B. Ver-
kündnunntig, der Sonntag, an welchem eine Ehe von der
Kanzel verkündet wird.
Gast-: Gastgeber, Gastwirt, unter Umständen
auch ein Private, der ein einzelnes Mal Gäste ein-
geladen hat und bewirtet ,Der Wackerbold soll nie-
nier [z'] Zürich ein g-e werden.' Z Kichtebr. ,In offnen
g-on wirtshüsern.' 1518/44, Schw LB. ,Wirt und G.
der Herberg zum Löwen zu Mellingen.' 1636, Arch.
AAWett. ,Zum g. .sprach er [der Eingeladene]: Ihr gä-
bend ein guter würt, ihr wurdond wol tractieren und
71
Uab, gel), gib, gob, gub
72
luiechend wolfeil ürteii.' Schimpfr. 1651. .Eigen-
nütziges gsind, das der kilbonen [Kirch weihen] merk-
lichen gnuss hatte, under denen die vordersten warend
schenkhäuser und g-en.' JJBreit. 1639. ,0 des herr-
lichen gasts, 0 des reichen g-en.' AKungl. 1688.
Mhd. gastgebe. Die Endung e niusste nach allg. Gesetz
abfallen. Vgl. jBec/c, Fürsprech ii. das folg. u. a.
Rät-geb: Ratgeber. .Pridrichs rätgeben.' Z Chr.
1336/1446. ,Consules d. i. r-en.' Vad. .Weliche wie
unsinnige Ratgeb den Menschen verführen.' Hopmstr
1645. ,Die ratgebe und helfer.' JMüll. 1673. ,Die
Weisheit ist Gottes R., die Alhnacht seine Leibwacht.'
JJUlr. 1727. ,Uer erste R. und Anfänger zu solcher
Bibliothek.' Mem. Tig. 1742. Auch Geschlechtsn. Z.
Mhd. ratgebe; s. d. Anm. zum Vorigen. Der Plur. ,R-e'
nach starker Flexion, als ob ,Ratgeb' unverkürzte Stamm-
form wäre.
geben g^be P uSs., sonst allg. ge(n), t. ^ t. "
(ge' Z, gV Gl; Sch) — Präs. Ind. Sg. 1. gibe" (glbu,
gib, giiij. 2. giH (gisch). 3. glt (gid, gipt). P 1. g'end
{gem-mer, geben wir; gebet mir), spec. 1. gübefn),
ye(n), gew. 2. gebed, get. 3. gebe(nd), geben, g'end,
gent. — Imp. gib (gip). — Gonj. gebe, geb(i). — Cond.
ge^bfi), resp. g^U, ge^bti. — Ptc. gege(nj, g'ge (kV):
I. mit iiersi.nl. Subj. 1. mit Bez. auf concr. Gegen-
stamlr, a) uliiie aussi'.lriukt.s Sachobj. Wer will gi",
viiii'ss .-.'i'r.-it hü" /. A'x ist Kiite'' en Schölm, wenn er
me her gif, als er luit. ebd. Besser g'rotie" [gereut]
und g'ge" als g'roue* und g'ha" [behalten] L; Z. G'ge"
ist g'ge', Formel, mit welcher man die Rückgabe eines
Geschenkes verweigert Z. Mit (Personen-) Obj. im
Dativ. De" Sehwine' [sc. Futter] ge Gr, einer kran-
ken Kuh Arznei Ap. Ei"m ge, sc. Schläge G; Z.
I''' han-em g'ge, er mir au''', und «>o [da] -«-i'c/t g'lia"
ha", bin-i''' g'gange. Z Prozessakten. Beim Anblick
sich Balgender ruft etwa ein schadenfroher Zuschauer:
Gend enand! oder: Chline'', wer-di''', Grosse'', gib-em !
Audi : mit Worten züchtigen B. Uf d' Nase (GA.),
uf d' Nisse' (Gr) ge, schlagende Antworten geben.
.Er |der firmelnde Priester] gab mir mit der band an
bao-i;vn/ Platt. 1572. Ei-'m drtif ge, Angeld, Haft-
gcM, Anzahlung B. — 1)) mit Sachobj. (im Accus.)
das Spiel, die Karten g. = au.steilen. auch mit blossem
,es', z.B. du gisch-es! dir I.'cIIm' ist an dir Z. Das
Hurnussspiel wird eingeb.it. ■!. imlfm die schlagende
Partei dem Gegner zurutt: W'cit-d'i- uc [seid ihr be-
reit, den Sparren zu empfangen]? worauf die Ant-
wort ertönt: G'et umme [gebet ihn nur]! B. In der
Schützenspr. bedeutet es ge (de" Schutz abgej eliönne',
gerade in dem Augenblicke, wo man das Ziel klar sieht,
abdrücken Z. .Welcher an die kirchen etwas geben
und gaben wollt.' Vad. ,Kalts und warms g. : aquam
fert altera manu.' Mscr. E. XVn. Wa' tcitt [willst
du] g'e? du kannst das nicht ändern GTa. Nüt ge um
(oder für)..., gering schätzen, sich nicht kehren
an — , kümmern um — B; Si;h; Z; vgl. ,ich gäbe das
wohlfeil', ich setze keinen Wert darauf oder wäre es
gern los. Für Niemen Nüd gen, keines Menschen
Freund sein BRi. Nünt um d' Mueter ge, der Mutter
nicht gehorchen; N. mn d' Wort g'e, auf keine Er-
mahnungen hören. Sulgbr. ,Der Herzog von Burgund
hat verstän geben [sich den Anschein gegeben], er
wolle uf brechen; aber als er gesehen hat, dass der
Kaiser nit hat wellen daruf g. [usw.].' 1473, Absoh.
,Si [die tapferen Eidgenossen] gäbend umb den tüfel
nüt', fragten dem T. Nichts nach. Dornacherlied 1499.
.Bis unerschrocken, ob sy denn wettind mit dir bo-
chen, besträlen dich, umb dich nüt g.' Ruef 1550.
,Man steckt hanfbutzen uf, die vögel us den hanf-
landen zuo vertryben, aber nach langem [auf die
Länge] gebend sy nichts drum, sehend auch, dass es
nichts ist, das inen schaden möge.' LLav. 1569. ,Wann
die Kind aber nienerumb nichts g., so stat der Vater
mit einer guten ruten über sie.' JJBreit. 1629. ,Dise '
li.'-i hw iiKt.' -ibet nichts darumb, man schmiere, salbe,
ba.b- "d.T l.ahf oder tue was man wolle.' FWürz 1634.
G. und uüuion, formelhaft und reimhaft (g'e:ne)
verbunden i. S. v. handeln und wandeln; vgl. gab
(und g'näm) und vgl. auch unten II 1. ,Z' ge und
z' ne s'f, aequum pretium habere.' Id. B. Zii dem Bris
chann-me 's ge und ne, dieser Preis ist ein billiger
für beide Teile Z. Es ist Nünt z' g'end ond z' nend,
man würde es weder mit Vorteil kaufen noch ver-
kaufen Ar. .Anken, der wol geschmackt seie, der
auch zuo g. und zuo n. seie.' 1383, SchwE. Kloster-
arch. ,10 niütt wolbereits korns, das zuo g. und zuo
nement ist.' 1468, Lehenbrief Hofstätten. In anderem
S. : ,ünd soll sunst kein frefel [Busse] nit genommen
noch g. werden, dann nach erkenntnus des rechten.'
TnWig. Offn. 1403. ,Dass Gott den sig mög nen und
gen.' ToBL., VolksL Als Gegs.: Es ist besser z' ge
weder z' ne, Geben ist seliger als Nehmen. Id. B.
Hurtig zum Ne, langsam zum Ge Z. (Nichts) g. und
wünschen, ebf. formelhaft, auch mit zugesetztem
Dat. P. Jlfjr gend-i''' Nüt und weusched-i''' Nüt, wir
wollen Nichts mit Euch zu tun haben; lasset uns
in Frieden Z. Ich gibe Nüd und iceusche Nüd, ich
ha" Recht, brüllt Einer, der seinen Prozess verspielt
hat. Woi.F. Banerngespr. G. und haben in der weit
vrrbr.it.t.'ii. überall gleichbedeutenden, aber nicht
ganz uLirlilautunden und ihrem Ursprung nach schwer
zu eikläreiulfii Frageformel: was gist was hast i. S. v.
in grosser Eile, aus Leibeskiviften, bes. in Verbindung
mit laufen, springen. Was gist was käst Gl; S (gisch—
heschj; U; Z, w. g. und iv. h. BsLd, w. g. w. d'h. L;
GG.; Ndw; W; ZLunn., w. d' g. w. d'h. Ap; GRSchiers,'
tv. g. das h. W, ib. g. sj h. ZG., g. Nüt, se h. Nüt
ZO., stall., g. nid wa h. nid Sch. tv. git 's w. hat 's
GG. Er isch drüf ztte, was gisch und was hesch
isch er g'loffe. Breitenst. 1864. , Machte im Sturm-
schritt die Runde, darnach sogleich wieder — gist
Nüt, se hast Nüt — auf und zurück.' Stütz. ,Es
[das Meislein] singt allzeit — was gibst? was hast? —
sein"" alten Zizeberg.' Vogelgesang 1737, hier mehr
i. S. V. emsig, unverdrossen, unbekümmert. — c) mit
beigefügtem Dat. P. Ei''m. Ei"s ge, einen Streich,
Schlag versetzen L; Z; auch: Eis a" 's Bei' udgl.
Eim d' Nase z'rugg g'e, den Hochmut heim zahlen B.
Eim g'nueg ge, ihn todt schlagen. ,Hat uf in g'hauwen,
dass er g'meint hett, er heb im g. g.' UMet. 1540/73.
— 2. mit Bez. auf geistige Objekte, a) mit blossem
Sach-Obj. Get [macht] Vorschlag, es het es ledes d's
Recht drzue. Gotth. Si Meini'g ge, seine M. aus-
sprechen Ndw. Hieher wahrsch. auch die ä. RA.
,dafür g.' = halten, eig. Meinung abgeben, stimmen.
,Was da fuuden wirt, mögen wir nit wüssen, wir gend
aber darfür [usw.].' 1521, Strickl. B'scheid ge, B. tun.
beim Zutrinken AaF. En Eid ge, vorsprechen Gl.
Der Landseid isch-es, wo-n-er git. Zwirnv 1856. Früher
auch = einen E. Ici.sten. ,Und wenn ich drumb ein
Gab, geb, gib, g-ob, gub
t'iJ solt gen, ich weiss liüiii bessern friinJ uf erd.'
KMan. = es gibt bei meiner Treu keinen b. Fr. ,Sein
alter und zeit auf jagen g.', verwenden. Mal. ,An-
schläge, die offenbar und frücr an tag geben worden,
denn sy verhofft haben.' 1.585, Absch. Gib 's von dir!
sprich! Gr; Z. ,Die Flucht g.', ergreifen. XVII., Hist.
Lied. ,Gaben sie die fl.' Wurstisen. Ebenso: ,die Weite
g.' XVI., Lied v. WTell. ,Forcht er im [fürchtete sich)
übel und gedacht synen nit zu warten, sonder ein
wyten zu geben.' HBüll., Tig. .Wann die Prediger
[vor der Pe.st] ein weiten g.' JJBreit. 1G'29. ,Nicht
Kühe geben, bis man den Zweck erreicht hat' Ba
(wahrsch. eine Verquickung von .Ruhe haben' und
.nachgeben"). Mit ,es' (das aber auch wegbleiben kann)
und appositionellem Adj. oder mit Adv. Er cha"" 's
rso guet hare ge [hergeben, darstellen, erzählen], dass
's e Freud ist zuez'lose Zg; Z. De"" Hen- Pfarrer
het 's guet g'ge [den Text seiner Predigt behandelt]
ScuSt. ,Es half Nichts, sie mussten es endlich ver-
loren geben.' Gotth. ,Sie wollten noch nicht verspielt
geben.- HPest. 1783. ,Gwünnis [gewonnen] g.' Mal.
Es gross (vorriem, gschteulle'J ge, grossen Aufwand
machen, vornehm tun Z. Mit Acc. (resp. Nomin.) des
l'riidikats = .werden'; vgl. 11, 4. Was wottst [willst]
du ge? (Berufswahl) Bs; Gr; L; Uw; Z. Er git no''-
[am Ende noch] e Nar Bs. — b) mit beigefügtem
Dat. P. (üuete'J Tag geh i [euch] Gott! Grussformel
am Vormittag W; Z. Enandere guet Nacht ge [wün-
schen] W. Guet Nacht geb-i Gott! F; GrS.; W; ZO.
Gist-vinr Hochzlt? = lädst mi''' a» 's Hochzit? fragt
man seinen Hintermann, doi F.iinii getreten hat GrS.
/■■'' chann im jetz nuniiin ifsrhu-nu} der Name nit ge',
BsL.; Z. Si hat si g'ldiKjl. i ijrh-.rc ken Name [dass
ich sie nicht mit ihrem Namen oder Titel grüsse B.
Ei'm d' Weli [Wahl] ge, gleichgültig gegen Einen
sein, sich nicht kümmern, ob man die Sache so oder
anders mache BBe. Einem 's Wart ge, Bescheid geben.
Lenggenh. 1830. Syn. 's W. gunnen. , Einem den Eid
g.'. Einen schwören lassen. ,Also gabend die eidgnossen
im den eid; den schwor er zu halten.' Edlib. ,Dor
den Ehegaumern gegebene Eid.' Hess, Samml. Da-
gegen: , Einem Etw. in den Eid g.', ihn eidlich dazu
verpflichten: ,Dass die von Murten ihren Schreibern in
d. E. geben, keine Briefe aufzurichten.' 1542, Absch.
Recht g., wortspielend mit recht geben i. S. v. tüchtig
Schläge geben. Er hat R. : me" sott [sollte] em r. g.
SuTERM. Du hast B.; me sett-der aber au''' r. ge [mit-
eme Stecke ZWl.) Aa; Gl; Z. Wenn Eine"- B. het,
so mues-men-em r. ge Aa. .Einen für recht bieten
oder tag g.: vor Gericht fordern. Nit tag g. oder für
lassen, das recht abschlachen, Judicium non reddero.'
Fris. ; Mal. ,Dem N. sye tag bar gen', er sei hieher
vor Gericht geladen worden. 1541), Absch. ,Dass si
nit lychtlich dem hochmüetigen Gfeller wöllind Ohren
geben [Gehör schenken].' Frikart 1470. .Wiewol
wir dem gar kleinen glouben g.' 1532, Strickl.
[Dat. S.]. .\nders: das git-mer [macht mich] Niemet
[Niemand] z' glaube GSa. Eim kei" guets Äug ge,
keinen freundlichen Blick gönnen Z. Von Schätzung
des Lebensalters, i. S. v. zuteilen, zutrauen. !''• hett-i
[euch] nüd Sibezgi g'ge Z (nach dem frz. donner
in solcher Anwendung). Passiv mit ,es' als Schein-
subjekt i. S. V. göttlicher Gabe oder Naturanlage,
Fähigkeit zu Etw. Es ist-em g'ge, er hat von Natur
die Gabe L; ScnSt.; S: Z. Öfter negativ: Es ist-em
nüd g'ge, z. B. recht z' tue, eil z' rede. Mir tcär
das mit g'ge, icli brächte das nicht übers Herz. —
3. mit Acc. P. a) in der gewöhnlichen Bed. (über-
geben). Gem-mr 's! ruft man hinter dem Kinde her.
das man spielend verfolgt Aa ; Z. ,In Empfel g.', zur
Obhut anbefehlen, s. I 798. .Diris agere aliquem.
einen verfluochen oder dem tüfel g.' Fris. — b) in
eigentüml. Bed. = tun, bringen, mit Raumbe.stira-
mungen. ,Die will ich rasch von dannen g., dass
Keiner mehr das Kloster zu sehen begehrt.' Gotth.
,Die Donstige [Tausendskerle] wolle er runter g. [unter
kriegen].' ebd. .Die will ich aus einander g.' ebd.
Eine' uf d' Bei' (in d' Sprung) ge, ihn beschäftigen,
zum Hin- und Herlaufen veranlassen B. — c) wählen,
z.B. „einen Pfarrer g. VOrte". Mit Appos. ,zu': Einen
zumene Pfarrer, zumene Gemeindrat ge Gl; GA. —
d) schuld g.. als schuldig ausgeben (vgl. 4 c), be-
schuldigen (vgl. ,gerecht g.- = rechtfertigen 11 3, od.
durch Verwechslung resp. Mischung mit: Schuld geben
c. Dat. P.). ,Dass kein Mensch sie schuld gebe.' Gotth.
.Er gab im Gegenteil die Gemeinde schuld an seinem
Unglück.' ebd. — 4. refl. a) sich einer Sache, Tätig-
keit ergeben, hingeben, widmen B, z.B. i" ds Stün-
deliicese' [die Pietisterei], i' d' Förnemitet. ,Seit ihr
[einer vermeintlichen Hexe] die Vorgesetzten ihren
Knaben weggenommen, habe sie erst reclit in ihre
heimlichen Prattiken gegeben.' B Hink. B. 1863. .Im-
pensa setas labori, auf die arbeit [ge] geben, zur arbeit
geneigt. Hoc age. das tuo, darauf gib dich.' Fris.
Darauf gib ich mich, id operam do. Sich g. ze kurz-
weilen; sich in ein gesellschaft g. [einlassen].' Mal.
— b) sich begeben, auf den Weg. ,Auf Gottes
Wort und G'heiss muss Abraham verlassen Sein'
Freund' und Vaterland, s. g. auf die Strassen.' Gr.
Ofen-Inschrift. ,Gaben wir uns auf den Weg.' Heut.
1658. — c) ,Sich eines lasters schuldig g., astringere
se sceleri.' Mal. = sich seh. machen. — d) sich in
Etw. finden, sich darauf besinnen W. Dara' chenn
[könne] er schich [sich] eimal gar nid gen. W Sag.
Ebenso positiv: Dara" chann i''' mi"'' scho' ge. ebd.;
vgl. begeben 2 b. — IL mit sächlichem (z. T. per-
sönlich gediichtem) Subj. 1. in der gewöhnlichen
Bed. mit Dat.- u. Acc.-Obj.: , Unser Kasjiar ist gewiss
todt! Der Sonderbund hat ihm gnug g'g'i.' Stutz 1850;
vgl. I 1 c. Es hät-mir g'mieg g'ge, ich habe da.s
Ding satt bekommen Z; versch. von g'nueg g. I 1, e.
G. und nemen. ,Der Wintermonat nimmt Schnee
und gibt.' Brägger 1782. Ntit ge und N. ne, Nichts
zu bedeuten haben, weder nützen noch schaden, gleich-
gültig sein. Syn. Nüt derzue und N. dervo" tue".
De Merze soll N. ge und N. ne [am Stand der Feld-
kultur durch seine Witterung Nichts ändern] ZWang.
Es git-em (oder der Sach) Nüt usw. Z. Doch auch mit
persönl. Dativ. Sdlger; Z. .Es gibt der sach nichts
und nimmt derselben nichts.' Hospin. — 2. wirken,
mit adverb. Obj. -Bestimmung. ,1' d' Auge' ge, oculos
fascinare.' Id. B; vgl. , stechen' und frz. ,donner'. De
wiss Wi' git uf d' Nerve B. Ebenso uf 's Dach [auf
den Kopf] ge, aber auch mit persönh Subj.: prügeln
(auf den Schädel); zum Schweigen bringen Z; vgl. 1 1 a.
Anders : ,1" ds Mes ge, mensuram implere. de fasciculis
frumentariis; proflcere. juvare.' Id. B. — .3. gerecht
g., rechtfertigen ; vgl. schuldig ge 1 3 d und Becht ge
I 2 b. ,Samm [als ob] die stuck [fröhlicher Mut im
Tod usw.] die leer [ihre Irrlehre] g. gebind.' HBill.
75
Gab, geb, gib, gob, gub
76
1531. — 4. i. S. T. ergeben, erzeugen, ein Pro-
dukt, a) mit bestimmtem Subj. 1) ohne ausgedrückten
Obj.-Acc, Frucht tragen, von Bäumen, vom Boden Z;
w6l g., gut ausgeben, z. B. die Garbe' gend vol ZKn.
— 2) mit Acc. Z' vil welche' gU Bluet. Sülger. .Das
rot Öl gab minder dann das weissfarb.' JRLandenb.
1608. Ich und du und 's Here Sü und 's Müllers
Stier gend (sind) eusere vier L. Säg Öppis, 's gid eis
Won 's ander, fang ein Gespräch an. ebd. Aber: Eis
git 's Ander, auch von Entstehung eines Streites
durch beiderseitiges Zutun Z. D' Federe git 's nit
guet, tut ihren Dienst nicht recht ScuSt. D' Ufrichti
hät-mer 's g'ge, ich habe ihn an der Gestalt erkannt
PMu. D' Sunn git warm. allg. 's Liecht git heiter.
allg. Wenn Bettlerdreck zu Pßffer iciird, gid er rezer
[hat er schärferen Geschmack] a's andre' GrD. Schein-
bar intrans. i. S. v. werden; mit Appos. od. Prädlk.
im Nomin.; Syn. ah-g. G; Z; vgl. 1 1 2 a am Schluss.
Das git e" rechte' Pfarer Gl. Was mues [soll] das
ge? G; Z. .Es gibt ein langer Winter.' Sprww. 1824.
Suppe, wenn d' feie' witt, gib es Mues, Wunsch eines
Liebhabers von dickem Brei. Winteler. — b) mit
unbestimmtem Subj. ,es'. Es git obana''her [regnet],
dass ma" kei" Hund üsjaga' törfti Gr (Schwizerd.).
Hat 's brav [z. B. Chriesi] g'ge? Z. Es git nüd so guet
det hinne, von der Fruchtbarkeit des Bodens ZStadel.
Es mag Nüt g'ge, es trägt nichts Merkliches bei Z.
Mir gab 's e Ghummer, wenn %''• Öppis [in Frankreich]
chaufe' milesst, i verstän elces Wort wälsch B (Schwz.
Dorfkai.). Mit .aus'. Es git Nüt us im B; G. Us
de' Tschüpe' [Büschen] git 's Tanne', us de' Buebe'
git 's Manne" Gl. Es wird Nüt drüs ge. Id. B. Was
git 's? du wirst sehen, frz. va! GlH. Wenn 's Öppis
mit-mer milesst ge, wenn ich sterben sollte (euphem.) Z.
Vorkommen, vorhanden sein = frz. il y a. .Da git 's
ein zwisel [eine Abzweigung] über den weg inhin.'
1470, Zellw.. Urk. Auch mit unbest. Obj. ,es-. Es
git 's, es kommt vor, kann geschehen Aa; Bs; Gl; Z.
Es git 's aw'', dass sie [die Elstern] jungi Vögel ver-
zausle". EMev. 183.S. Hand iez bald zicänzg Johr im
Fride mit-enand g'lebt. — Jo, 's het 's au''' bed Weg
g'ge [wir hatten zuweilen auch Streit]. EFeurer.
Wenn d' nüd 's Miil zuehäst, bim Eid git 's -es nüd
guet, euphem. = werde ich dich züchtigen. Stütz.
Mach-mi''' nüd taub, suit git's-es nüd guet! Androhung
von Strafe ZF. Nilt für unguet, Fraueli, dass i
Afangs e chli g'stürmte [rasch] g'si bi', es git mer 's
gern [leicht], wenn i so vo d'r Heiteri i d' Feisteri
dumme BM. — 5. treffen, a) mit Acc. P. i. S. v.
schädigen. 1) mit bestimmtem Subj. Er ist neue
[freilich] nid so guete z'ne, doch hat er glich sclw
Mänge" g'ge, Volksurteil über den Wein von Oberried
bei FMu. So sprützt e Gätzi [Schöpfeimer] voll Wasser
zum Loch üs dem St. in 's G'sicht und git aw'' die
Andre'. Breitenst. 1864. D' Geisle hett 's jo chönne"
ge. KdMev. 1844. - 2) mit unbest. Subj. (es). Es
git in, er wird getroffen od. betroffen (von Schaden.
Unglück), verletzt, gefangen, getäuscht, beschämt, in
Folge von Unvorsichtigkeit oder Verwegenheit Bs;
Gl; L; G; Sch: Z. ,Es hät-ne [ihn] g'ge, captus.
deceptus est.' Id. B ; etwa scherzhaft mit dem das Mass
des Schadens bezeichnenden Zusätze um en SchilU'g Z.
Potz tüsige Tu fei! wie hät's-mi au g'ge! I''' muess
schier fluechen iind lache' drab: Es ist nu'' 's Löters
Annebab [statt der erwarteten vornehmen Frau]. Stütz.
Es gid-e. ruft man etwa, wenn der Baum, den man
fällen will, nachgibt Uw; Z. letz het 's -e' halt doch
einisch g'ge, er hat endlich einmal Unglück gehabt in
seinem Beginnen, Wagen U. Es häd 3 Vögel g'ge', im
Vogelschlag .ergeben-. Hat 's die Müs emäl g'ge? ist sie
endlich geftmgen, erwischt worden? Es häd-ene' am
Bei' g'ge, er hat sich das Bein verletzt. Es gid de' Spitz-
bueb scho' na''' emäl, er wird ertappt werden. Wenn du
nit besser afasch huse', sj git 's-dt'"* giciss eiswegs [gehst
du bald zu Grunde] U. ,Je weiter die Kegel stehen,
je weniger es Kegel gibt.' JKLav., Kriegsb. 1644. -
b) mit Acc. ,es': Esgit's. 1) es gelingt, allg. Es
wott 's nüd ge. Mit Dat. P. Es git-ne 's, es gelingt,
gerät ihnen, sie kommen ökonomisch vorwärts, allg.
letz miesse-mer da dirhi [hindurch], denn git 's-es äen-
andrenah [sind wir sofort am Ziele] B (Schwizerd.). Es
gid-mer 's (beim Spiel), gerät, trifft zu Z. Albigs [ehe-
mals] hat 's es eso Eim nüd g'ge Schw, z. B. ein so
verschwenderischer oder ungeschickter Mensch konnte
früher nicht aufkommen oder bestehen. ,Es gab es
mir nicht anders', ich konnte nicht umhin B. Ich
meine, es geb-mer 's nimme, ich verzweifle an meinem
Aufkommen U. — 2) es reicht aus, genügt, meist
in Verbindung mit ,mögen': Es mag's (nüd) ge B;
ScH; Z; bes. auch von ökonomischen Verhältnissen,
wo man sich z. B. eine Ausgabe erlauben darf oder
nicht. ,Er antwortete: es mag Gott Lob jetzt Alles
g., und liess sich 's nicht ausreden, zu halten, was er
versprochen.' HPest. 1790. Es git 's eimel iW'', ich
kann noch existieren, es geht noch BHa. 's mag's g'ge,
drei Ell e Pär Händsche, wenn de'' Schnlder kein
Schelm ist. Sulger. Es git im 's frl, es ist für ihn
lange gut genug BSi. — 6. refh a) sich zutragen,
begeben, fügen. Vgl. 4 am Schluss. ,Es hat sich gen,
dass — .' XVI., Lied, — b) „sich schicken, passen,
bequem sein, z. B. : de Rock git-mer-si''' wol. Es git-
mer-si''' hüt nit, ist nicht gelegen." Es git-mer-si'''
übel, unbequem BHa. We" 's-mer-si''' nie wurser
[schlimmer] gab! sc. so wollte ich zufrieden sein BK.
Es git-mu-si''' Alls wol i d' Hand, er greift Alles ge-
schickt an BHk. Es git-mei'-si wol i dem Bett, ich
liege bequem, ebd. Sich günstig, friedlich gestalten
(auch nhd.). Es git-si"'' vo" selber. Es wird-si''' Alles
wider ge Bs; Z. Es git-si''', gelingt Ap; vgl. 5 b 1
und .es gibt sich, fit' Mal. = es git 's, unter 4. nhd.
.es begibt sich'. Es mag-si"'' g'ge! iron. = es ist der
Mühe (nicht) wert. z. B. so viel Aufhebens von einer
Sache zu machen Z; Syn. es mag-si aW'' erllde"! —
c) gelingen Ap. Es hät-si nüd möge g'ge mit dem
Springe, der Sprung gelang nicht, konnte sein Ziel
nicht erreichen (Schwizerd.).
Die Zsziehung in gen schon mhd., Jocli uuv in alem.
Quellen, während die Formen yist, git weitere Geltung hatten
und bei uns nur noch Yerk. des Voc. erlitten (,gitt' auch
ä.nhd.). ,Gend' in Urk. neben ,gebent', ebenso ,ggben', ge-
geben, neben , gen'. Assimilationen wie 9im-m<?r (f. , gib mir' 1
kommen schon früh vor, z. B. , Vetter Gimmer' als appell.
Eigenn., Gegs. zu .Gebhart', Name eines Kargen. — Die
meisten Bedd. unsers W. finden sich auch im ä.Nhd., die
Erklärung einzelner bleibt aber fraglich, z. B. ,die Flucht g.',
ob aus: ,sich in die Fl. g.', oder nur aus .\nalogie zu dem
syn. ,die Fl. nehmen', weil ,geben' und ,nehmen' .■»uch
sonst Wechselbegriffe sind; vgl. Gr. WB. 4, 1, 1, 1670.
1672, e. 1716, wo aber die Möglichkeit, dass das syn, lat,
,terga dare' eingewirkt haben könnte, nicht erwähnt ist,
,Die Weite g.' ist jedenfalls erst nach ,F1, geben' gebildet;
Gab, geb. gilj. S"b, !,'ub
vgl. ,ilas Wuite suchen'. — Eiuwirkung des frz. ,douner',
zunächst auf den Sprachgebrauch der deutschen Westschweiz,
ist ühue Zweifel anzunehmen bei ,geben' i. S. v. mutmass-
licher Schätzung des Lebensalters und i. S. v. ,wirken' auf
die Nerven (II 2), obwohl die letztere Anwendung auch aus
IIa erklärt werden kann; auch ,in das Mass g.' scheint
gewissen Verbindungen des frz. ,donner' zu entsprechen, z. B.
,donner au but', das Ziel treffen, ,donner dans le sens de qu.',
beistimmen, wenn man dies nicht lieber zu II 5 (treffen)
ziehen will. Vgl. noch dnn g., neben ushin y. Die eigentüm-
liche Bed. I 3 b (vgl. auch uf-g. 1; an-g. 2; umhin-ij. 5;
uthin-g. 10; fürhin-g. S; weg-, zuehin-, zesammen-g.) mag aus
Fällen erklärt werden, wo ä.nhd. ,g.' fast den S. von ,tun'
zeigt; s. Gr. WB. aaO. 1672, und ,sich von einander g.' ebd.
1724/5; vgl. auch lat. ,-dere' in Compp., welche (urspr.)
nicht zu ,dare' (Wzl da), sondern zu Wzl dha gehören. Die
bei Gr. WB. nicht bezeugte Bed. ,wählen' rührt vielleicht
aus der Zeit, wo Beamte nicht von der Gemeinde gewählt,
sondern von einer Herrschaft (Patron) ,gegeben' wurden.
Zu der Formel im« girt was hast s. Gr. WB. 1725; nach
TTobler soll sie schon in einer Urkunde des XV. vor-
koiumen (?). Abi. s. u. gib-.
ab -gäben: 1. trans. a) wie nhd. i. S. v. .über-
geben-. — b) ab- oder losdrücken, einen Schuss (auf
ein Ziel) Z. — e) aufgeben, z.B. eine Braut Z.
Ein Bündniss: .Alle Verbuntnüss abzegend und uf-
zehörend.- 1420, Absch. De" Vortel, den Vorteil aus
der Hand geben, fahren lassen Z ; s. noch .3 b ; Syn.
über-g. — d) als Folge ergeben = geben II 4. 1) mit
Öachsubj. Schilli''' [schrecklich] schirar^et's (im l.iiiirr
C-berg), das git e suberi Wasch [Regen, Ge\vitt.i| ,</,.'
KdMey. 1860. ,Es wird nichts a., nihil indo liuri
sperandum.' HosriN. ,Dass (es) innert lÜU Jahren von
einem ansehnlichen Synodo der Predikanten nicht so
viel Fehlbare abgegeben (hat).- ClSchob. 1699. —
2) mit persönl. Subj. und mit Obj.-Acc. = Prädik.-
Nomin. i. S. v. .werden- B; G; Zg; Z. Steife' hätt
chönne' e* Ma" a. Gotth. Wenn mm Vetter en Herr
abgit. ,Er wurde nach und nach so hineingezogen,
dass er den unglücklichsten Säufer abgab.- Baurenfr.
1768. — 2. refl., wie nhd., sich mit Etw. od. Jmdm
beschäftigen. — 3. intr. a) mit Dat. P., sich durch
Zurede oder Drohung bewegen lassen. Er hät-vier
abg'e, hat auf meine Vorstellungen geschwiegen, ist
von Diesem oder Jenem gegen mich abgestanden BHk.
— b) absolut. 1) an körperlichen oder geistigen
Kräften, an Schönheit abnehmen, altern, gebrechlich
werden Aa; „VOrte"; Z; Vermögen verlieren Z. —
2) nachlassen, von Schmerzen und Leidenschaften
Bs, im Fleiss, Wetteifer B; Z, im Widerstand, resp.
in der Festigkeit einer Behauptung: davon abstehen,
.nachgeben', sieh als besiegt .ergeben' GF., G. ; UwE.;
Zu; Z; Syn. lugg ge; übh. von Etwas abstehen, auf-
hören Ap; GrD.; L; ZO. Er will mit Müede" [lästig
bitten] nüd a. Me' mices nw nüd grad a. Wer abgit,
hat versj)ilt GW. — 3) ein Amt, eine Stelle, einen
Beruf niederlegen Ap; Bs; B; VOrte; G; Z; sein
Vermögen abtreten Aa; Bs; vgl. 1 c. Dr Vater häd
"bg'ge, den Söhnen die Wirtschaft übergeben, sich zur
Piuhe gesetzt. — c) =^. II 4. .Wie es die Zeit hero
so viel Fäl der Selbstmörderei abgegeben.' AKlingl.
1691. — d) erbrechen Gr; Syn. (sich) er-g.; use-,
über-, wider-, ufhin-, zeruch-, dar-g.; orgelen; uf werfen
und Bd I 184 Anm. zu Uelerich. — abhin (übe")-:
1. heruntergeben. Das Klappern der Mühle, auch der
Birnmühle, wird übersetzt mit: gib abe, gib abe! —
2. (d' Milch) «., die Milch aus dem Euter entlassen,
anstatt sie in den Leib zurückzuziehen, was die Kühe
einem ungeeigneten Melker gegenüber etwa tun Aa;
Bs; Z. Bildlich, von Menschen: a) vom Zorn ab-
lassen, zahm werden Bs; Z. b) von der Forderung
eines höheren Preises beim Ankauf abstehen, ebd.
c) übh. nachgeben, bescheidener, anspruchloser, will-
fähriger werden, d) altern, nicht mehr frisch, strotzend,
schön sein Z; vgl. ab-g. — über-: 1. trans. a) wie
nhd. ein Geschäft; einen festen Platz, ein Trupi>en-
korps dem Feinde; das Gewerbe an die Söhne abtreten.
Syn. ab-g. Einen säumigen Schuldner dem Keclits-
trieb ü. Bs; B. Auch ohne ausgedrücktes Übj. (vgl. 3).
.Übergib mich nicht in einen verkehrten sinn!- JMüll.
1673 = lass mich nicht darein verfallen. — b) auf-
geben. 1) mit Sachobj. De" Vortel ü., aus der Hand
(resp. dem Feinde in die Hand) g. Z. .Als üwer gnad
uns ermant. unsern vorteil nit ze ü., ist nit minder,
unser fygend sind gegen uns gezogen, der meinung,
uns uss unserm vorteil ze locken.' 1524, Strickl.
.Also das' der hindrest teil der Helvetern des keisers
vordren teil nit mer dann 6000 schritt wyt von ein-
andren waren, also das" kein teil dem andren den
stryt oder synen v. ü. wollt.' FrJvAinwyl 1527. ,Di-
mittere occasionem. seinen v. ü., den anlass oder ge-
legenheit, etwas ze tuen, von banden lassen.' Fris. ;
Mal. Der Abt niusste den Mönchen schwören, .dass
er dem gottshus nünts wellte ü. [Nichts vergeben,
iinfijeben von den Rechten des Klosters].' Vad. .Sein
llrciit u.: darvon abston oder etwas nachlassen, de-
cedere de suo jure.' Fris.; Mal. .Seinen [geistlichen]
Stand zu ü. [aufzugeben] und sich zu verehelichen.'
RCys. — 2) mit Personen-Obj., preis geben, ver-
lassen, im Stich lassen, verraten (übergehen). ,Alt
fründ soll man nit ü.' 1531/1667, Sir. .Dann sie ein-
anderen in der bricht dermassen ü. hatten, dass sie
einmal kein trost an einanderen wüssten.' ValTscuudi
1533. .Dass wir understanden habind. ander recht-
sprecher zu suochen, und hierait sie ü., wiewol sie die
rechten natürlichen herren und oberen sygind.' UMev.
1540/7:X .Vater und muoter ü. [verlassen].' Euef 1550.
Beeiiitiarliti-.ii, siluidigen. verletzen, geringschätzen.
bescbiuiiitVii (wio nihd.). ,Keins soll das ander ü.'
früntlich und lieblich sond ir leben.' Ruef 1550.
.Da er nit willens wer, einen vertruwten fründ von
guots oder gelts wegen zuo ü. [vor den Richter zu
stellen oder übh. preiszugeben].' Vad. .Übergabend
einanderen nit als fyend, sonder handletend und wand-
letend gegen andern in der liebe.' HBull. 1571. ,Lu-
tum manibus, farinam pedibus tractare, prov. = die
würdigen der belohnung [Genit] ü., die unwürdigen
belohnen.' Denzl. 1716. — c) erbrechen. .Welcher
sich überfüllt, dass er solches wider ü. muoss.' AAKad.
Brauchb. 1671. — '2. refl. a) sich als besiegt er-
geben. — b) sich irren, verrechnen, täuschen. z.B.
beim Zählen von Geld, aber auch in der Sch-ätzung
von Menschen. z.B.: An dem han-i'''-mi''' überge; i'''
han nüd g'meint, dass der so e falsche sig B öO. —
c) mit Dat.':" sich an Etwas hingeben, sich darauf ver-
lassen V oder mit Gen.'i? durch zu viel geben sich er-
schöpfen? oder sich zu sehr rühmen (vgl. dän. over-
givenhed, Übermut)? ,Es soll sich nieman ü. [später
geändert .überheben'] syner mannheit und [1. us'r'l
übermuot' Granson-Lied. — d) sich erbrechen Bs;
B; L; GoT.. W.; Zg; Z. Vgl. 1 c u. 3 b. ,Vomere,
kotzen, sich ü.- Denzl. 1677; 1716. - 3. intrans.
Gab, gel), gih. goh. gub
80
resji. absolut, a) verziditoii auf weitere Bestrebungen
Z. Vgl. auch 1 a. Syn. ah-g. 3 6.3. — b) sieh er-
brechen GRChur; GoT., Stdt; Z. Syn. s. ab-g. 3 d.
.Kotzen, koren, karen. erbrechen, ü.' Red. 1662. —
übe rhinf'wbej-ej- geben: unpers., Schaden zufügen U.
Es het im u. g'ge, er hat Seh. davon getragen.
u f- : 1. von unten hinauf reichen. Spec. beim
Ernten mit der Gabel das Heu. die Garbe vom Boden
auf den Wagen, dem Ladenden in die Hände reichen B.
Jradni Etwas [eine Last] auf Rucken, Schulter oder
Kopf zu tragen auflegen G; UwE. Einen Auftrag
geben: Hesch [hast du] -mer Nüt ufz'gi? G. Eine
Aufgabe geben, z. B. in der Schule, allg. Hand uf.,
s. Bd I 121. Beim Ballspiel: den Ball dem Schläger
vorwerfen; Syn. Inschenken. .Wann ihr lieber wollet
aufgeben, so schenk ein: si mavultis dare. adjice pilam
reticulo. Wollt ihr mit der schaufei oder mit dem
garnböglein aufgebens spilen? Paläne an reticulo da-
tatim ludetisV" Red. 1G62. Mit Acc. P.: auftreiben,
aufschrecken. Das het enanderen [s. Bd I 304] üfg'ge,
wo 's Färhm-n 'tönt het = das jagte Einen (mich) aus
dem Bette B; vgl. geben I 3 h. — 2. bei Kauf oder
Tausch zum Preis Etw. hinzufügen Gl; G; ScuSt.,
z.B.: J'* gib-der ml' Schöf a" dl' Geiss; tcas gisch
[gibst du] -vier üf? G. Drüf ge, Aufgeld geben AxBa.;
Syn, z' best g. Vgl. geben IIa (am Ende). — 3. ab-
geben, verzichten, z.B. auf eine Stelle G; Z (wie
nhd.). Ufge ist scho' verspilt L. Mit Aec. P. : Si händ
en ganz üfg'ge, die Hoffnung auf seine Besserung Z.
— 4. übergeben a) Personen, resp. sich selbst, als
gefangen, dem siegreichen Feinde. ,Sie wellent sich
u. uf Gnad oder uf Ungnad." 1444, Gfo. .Als die
unsern söliche not empfunden, gaben sie sich uf und
wurden fänklichen in die statt gefüert.- 1515, Absch.
,Dorum so erforderent wir an üch, dass ir üch an uns
ufgeben und ergeben, uns hulden und schweren.' 1531,
Absch. Auch ohne Pron., viell. mit Ergänzung von
,Widerstand' od. i. S. v. 3. ,Also musstend sy ufgen.'
BossH.-GoLDScHM. — b) Sachen, z. B. feste Plätze an
den Belagerer. ,Er bekam [das Schloss] durch Auf-
gebung.' WuRSTis. 1765. Preis geben, als Preis aus-
setzen: ,Das wir dis nachgeschriben kleinot fry uf-
geben und die armbrostschützen darumb schiessen
lassen wöllent.' 1465, S Wochenbl. Auf einen Besitz
verzichten : ,0b ein kirchherre die kirchen understünde
ze verwechslen oder in ander weg ufzegeben,- 1488,
Bs Rq. Auch nur bedingt und für beschränkte Zeit
übergeben, anvertrauen, leihen: ,Dass niemand der
unseren dheinem ussmann noch unsern yngesessnen
körn, haber, wyn, tuoch [usw.] uf borg in wuochers
wyse ufg. noch borgen soll.- 1417, Bs Bq. .Wer de-
heinem jungen, der unter 20 jaren alt ist, ützit ufgyt
uf vatter oder muoter tode, oder wider vatter und
muoter willen und wissen, das man denen ufgebern
ganz nützit schuldig syn soll ze tuonde [leisten].-
1450. ebd. .Und sy beid teil uns diss sach mit mund
und band ufgeben und vertruwet.- 1530, AaMcII. ,Uf-
geben[s] und vertruwts gelds halb.' 1580, Schacbg. Rq.
Bes. aber techn. Ausdruck der Rechtsspr. = üflä(n),
d. i. Eigentum oder Lehen einem Andern abtreten,
was (entsprechend der notarialischen Fertigung un-
serer Zeit) in der Form eines gerichtlichen Processes
zu geschehen hatte, indem das Gut unter Zeugenschaft
aller Anwesenden zunäch.st in die Hand des Gerichts-
vorsitzenden oder des Lehenherrn übergeben wurde,
von dem erst der neue Besitzer es empfleng. .Ist
dass keinü [irgendwelche] güeter verkouft werdent,
die jeman hett von erbes reht von der kilchen von Z.,
und e dass du selben güeter uf werden geben in eines
probstes haut von dern verkoufer [etc.].' 1388, Offu.
ZHungg. ,Es soll der meiger ufg, den meigerhof in
des probstes band.' ebd. ,N. u. N,' erscheinen vor
Vügtgericht und offenbaren, dass sie der Probstei Z
mehrere Güter, die z. T. vogtbar eigen, z. T. lediges
Eigen seien, verkauft haben; ,sy haben die güeter alle,
die frygen für fry, die vogtberen für vogtbar mit niyner
band ledig und los ufgeben und sich des entzigen.'
1420. Z Urk. ,Wa euch yemand dem andern ligende
güeter, die er [als Pächter] gebuwen het, umh einen
jerlichen zins ufg. will, die er und syne kind nit ge-
buwen mogent. solliche güeter sy mit ergangen Zinsen
vor dem schultheissen in gericht in guotem buw ufg.
sollent, und sollent euch sweren, daz sy die noch
ander güeter nit gebuwen mogent; erfunde sich aber
darnach, daz ein solicher ander ligende güeter buwte,
derselb soll die güeter, so er vormals ufgeben bette,
widerumb buwen, ob der lyher im die lassen will.'
1520, Bs Rq. ,Soliche losungen sollen mengliche zuo
gestatten schuldig syn, es were dann sach, dass yemants
ligende güeter umb ein järlichen zins also hingeliehen,
dass der zinsmann nit gwalt haben sollte, die em-
pfangnen güeter weder ze verendren, ze versetzen
noch ze verkoufen; sonder so der zinsmann das guot
nit mer behalten wollte, dass er dann das selbig dem
zinsherrn wider ufg. sollte.' 1539, ebd. So auch ein
ideelles Recht: ,Wenn zwei eheleute streitig sind, so
sollen sie sich zu beiden selten irer vogtei gegen ein-
andern verzeicben [verziehten], die dem richter ufg.
und darauf die frau sich anderwert widerumb ver-
vogten.' 1533, Bs Rq. Auch Verg-abungen mussten auf
diesem Wege ihre Gültigkeit suchen. So geschah z. B.
1327 die Schenkung von Eigenen an die Kirche ,in
dem gottshus vor fronaltar, uf denselben altar ich
dieselben opfert und ufgab.' -- Mhd. vfifihm, übergeben,
verleihen ; verzichten.
ufhin (ufe, ue-e)-: 1. = uf-g. 1, z.B. Garben
durch Hinaufbieten auf den Wagen laden helfen B;
S; Z. Ber Ätti git dem Heiri u-e. KdMey. 1S44. —
2. erbrechen Gr. Syn. s. ab-g.
umhin fMOTjfte^-: 1. herumbieten, circulieren lassen
Uw; Z. — 2. zurückgeben a) Geliehenes, auch Ge-
stohlenes, allg. ; Syn. umme tue. — b) beim Wechseln
eines grössern Geldstückes kleine Münze; den Mehr-
betrag eines bezahlten Kaufpreises L ; Z. Syn. ushin-g.
, Selbiger soll diesem, des der boum ist, den halben teil
umhin gen.' 1556, LKriens Amtsr. — c) ein Gegen-
geschenk machen G; Z. Wenn er für eso e Wenig-
keit [eine solche Kleinigkeit] de Weg [in solchem
Masse] umegit, was tcurd er erst für e Hamme [Schin-
ken] ge? Stutz. — d) übh. vergelten BBe.; Gl; S.
Syn. umme tue. Mühe lohnen : Wenn 's scho" me"
z' tüön git, wenn-mw d' Sach ordeli''' macht, su mag
's es doch gäng [immer] umha g'gen BR. Wenn es
grad pressiert hätt, su macht 's-em 's iez umha g'gen.
ebd. Böses mit Bösem v. , Beleiiügungen rächen :
Umme ge ist Gott lieb üwE., ist niid Sund Z (Wort-
spiel). ,Ime auch ein Biss wider umhin gebe.' 1537,
Abscb. Vorwürfe erwidern; treffende Antwort geben;
Sl
Gab. geb, gib, gob, gub
widersprechen Ar; Bs; B; ül; L; Schw; UwE.; Z;
Syn. tcideräferen ; ushin-g. — 3. Nebes otmna gc"
chönne', einen Gewährsmann für Etwas haben Ar.
Syn. ummettten. — 4. mit Acc. P., zurücktreiben,
zur Umkehr nötigen, von Jmdm, der in vollem Lauf
anstösst. Das het vii''' schön umme g'g'e! B. — 5. es
git M"m umme, nimmt Einen hart mit ScHwIberg.
Zu 2 d. , Einen Biss u.' erinnert an das mhd. .einen
biz gelten' im Eingang des Parzival ('2, 21). — 3 kann ans 1
iider aus 2 d erklärt werden. Zu 4 vgl. gehen lab und
die Aum. dazu. 5 viell. aus .Einem um die Ohren geben',
sc. Schläge au den Kopf, oder aus 2 d.
a(n)-: 1. concr. a) die Spielkarten zum ersten
Gange einer Partie austeilen (ge) 7i ; vgl. Bd I 256 Anm.
— b) Anstoss zur Bewegung geben, auf der Schlitt-
bahn oder Schaukel Z. Gib-mer e chli" a"! hilf mir
ein wenig an oder nach! Trs. u. ntr. Den Spielpflock
(die Griggele) mit der hölzernen Spielschaufel von
seiner Unterlage fort schleudern ZO. 's (dem) Zit [die
Pendeluhr] a., in Bewegung setzen Z. Auch geistig:
Anstoss zu Etwas geben (V) ZDän. — c) Laute aus-
stossen, stossweise schreien oder heulen B. Wemn
d' Orechuze uf de' Raub fare" u'"' derzue so grusig
a"g'e' u"' hüle'. Von Hunden: durch Gebell ein Ge-
räusch anzeigen B. Auch von Menschen: laut weinen
B; Syn. s. flännen. — d) Feder, Bleistift .geben nicht
au', wenn sie trotz ausgeübtem Drucke auf dem Papier
keine Zeichen ergeben, keine Züge machen, keine Spur
hinterlassen G; Z. Auch unpers.: 's git nüd a". —
•2. abstr. a) (in die Feder) diktieren Ap; Bs; B;
Sch; Uw; Z. Erhät-mer a'g'gii, was i'* mües schribe" Z.
.Angeben aufzeschreiben. dictare.' Hospin. Einen Eid
a. = vorlesen, -sprechen. Salat; Yg\. geben; antworten.
b) Anweisung geben; bestellen. Er hat a'g'gii,
wie-n-i 's mües mache" ZO. Me' mues d' Fürsprütze
a., e d' Broust [Feuersbrunst] ist Z. (Einer Weibs-
person) Ei's a., ein uneheliches Kind erzeugen Z;
Syn. anmessen. .Ein Bauw a., architectari.' Mal. ,Gott,
der mir ein Arch angeben hat zue machen.' Rüep 1550.
Metari sdificium.' Hospin. En guete'' A'geber ist besser
weder en fule' Werchme [Arbeiter]. — c) belehren;
raten. 3le" mues de Chinde" recht a. Gr. Er lät-em
[lässt sich] Nüt a. Z. Swst war 's denn efange'
bös [schwer] age, wenn 's allewil regneti BBe. ,Auf
dein A., te auctore.' Hospin. — d) benennen, auf-
zählen. Zügen a. Z, vorschlagen AAHold. ,Eechnung
a.', ablegen Ap. Alle Johr werd Eechnig a'g'ge. Merz
1836. — e) anzeigen; verzeigen, verraten Gr; Z.
(Einen Schuldner) zu rechtlicher Betreibung über-
geben Z. (Einen) als Vater eines unehelichen Kindes
nennen B; Z. Von einem Todesfall beim Pfarrer An-
zeige machen B: Du miiest ga age W'' liiege", we""-
me' 's vergrabe' [begraben] chönnt. Gotth. Ebenso
vom Vorhaben einer Eheschliessung B. Du wirst
dijch nid witers welle', dass dr Huet iiff hest, oder
wottist öppe zum Pfarrer gan a"ge'? Slhwizerd. Färb
a. fbikenne'J, beim Kartenspiel Z. — f) darstellen,
erzählen Gl. Es git a' de" Chinde" vil Liebi zu de
Verwandte, wenn er [der Grossvater] -ne' so vW si's
Vaters ureltisten Eiteren agitt. Anderl. 1852. In vor-
teilhaftem Lichte darstellen, einleuchtend, plausibel
machen, empfehlen Zg; Z. Er cha"' 's Eim eso a.
SuLGER. ,Jetz aber sind sy so heftig dran [an dem
französischen Bündniss], gebend's guet an und sind
so guet französisch.' 1596, Zellw., Urk. — g) etwas
Schweiz. Idiotikon II.
Falsches vorgeben, wei.s machen. Jiiidii zum Narren
halten „VOrte;" G; Z. — h) refl.. sieh kund g.
,Wenn sich das Kind nur mit einem Füsslcin angebe,
so soll die Hebamme das andre Bein auch suchen zu
gewinnen.' JMuralt. 1697. — anhin (anne, ännej-:
1. reichen, herbeibringen. Gib vier de" Hegel [Sack-
messer] a. Uw. — 2. hin-, weg-geben, zum Ver-
kauf. Er hat 's Hüs uf der Gant [Steigerung] anne-
g'ge, er gab es um das höchste Angebot hin B. ,Get
ane! so ist man dem Geläuf und Gerede ab.' Gotth.
— 3. darstellen (leicht, gefällig). Ygl. an-g. 6. Er
cha"' 's ^so nett a., weiss sich so gut auszudrücken.
1 cha 's nit so a. wie-n-i möcht! — 4. mit Dat. P..
derb antworten Uw; U. Dem u'verschante' Kerli
han-i''' due doch einisch anneg'ge! ihn tüchtig zurecht-
gewiesen, widerlegt. Er hed-mer cheibig [trotzig] anne
g'ge, 's gang-mi''' Noid [Nichts] a' UwE. Syn. umme-,
use-g. — vor anhin-: zum Voraus g. Id. B.
i(n)-: 1. Arznei zu trinken g., einflössen; Men-
schen und Tieren (mit und ohne Angabe des Obj.)
Bs; B; Uw, Z. Vgl. in-nemen. ,Gib dem Patienten
2 Löffel voll ein.' FWiJrz 1634. Auch von geistigen
Einflüssen, Einem Etwas beibringen: Du channsch's
Eim so i., •'ass-me' 's gar orteli''' verstot Bs. De' Ver-
stand im Stei'fass i., mit dem Nürnberger Trichter.
Vgl. ,mit Löffeln'. .Wenn sie ihm nur den Zehnten
[zehnten Teil dessen] eingeben könnte, was Vreneli
sei, so wollte sie glücklich sein.' Gotth. — 2. ein-
reichen, eine Bittschrift an eine Behörde, Schuld-
forderung vor Gericht, Anmeldung für eine Stelle,
fertige Examenarbeit B. Sini Grund i., meist aber
absol. = sich um eine Pfarrstelle bewerben, was durch
eine die Begründung der Bewerbung enthaltende Bitt-
schrift an die Regierung zu geschehen hatte B t- —
3. anzeigen, verklagen; vor einer Behörde; auch Eim
chlagswis i. Ap; ,denuntiare.' Id. B. Vgl. an-g. 5. —
4. in Besitz geben, überliefern, mit Dat. P. Acc. S.
.Habitationem assignare [anweisen].' Id. B. ,Ze rech-
tem redlichem pfände und in pfandswys yngeben und
yngsetzt.' 1395, Zellw. Urk. ,Wie Waldmann die statt
Zürich dem römschen küng wellt yngen und verraten.'
Edlib. .Gedenke er aus der Grafschaft Burgund ein
Königreich zu machen und [es] eines Königs Sohn
yngeben.' 1547, Absch. , Anderen der Statt Ambts-
leuten zu besitzen yng. und verliehen.' KCys. —
Mhd. ingebai, übergeben, -weisen.
dri(n)-: 1. trans. Etw. in einen Kauf gratis oben-
drein geben. En g'spässigC Chauf isch 's [ist es] um
d' Liebi: da verschenkt -me' 's Herz und de' Chopf
git-me' dri". Schwizerd. — 2. intr., in Etwas hinein-
geraten oder sich einlassen B. ,Dadrl' ge', se im-
miscere negotio; capi.' Id. B. Vgl. frz. donner dans
un parti, un vice u. Anm. zu geben II 3 a. — inhin-
(inne)-: 1. dem Vieh Futter in die Raufe oder Krippe
stossen (trans. u. neutr.) Bs; L; S; Z. Er hed Freud
am Inege wie 's Speichelheiris Boss Z. — 2. Geld,
z. B. seinen persönlichen Lohn zur Bestreitung der
Haushaltung hergeben Aa; Z. Füfzeh' Johr lang
ha-n-i"'' Alls, icas i''' verdient ha", im Ätti miiessc"
ine ge. Joach. 1881. ,Wann ein Eheweib ihr Hab und
Guet zu ihrem Mann auf den Hof und Gwerb in die
Haushaltung gebracht und inhingeben, soll sye ihre
zuegebrachtes Guet uf selbigen Hof oder Gwerb uf-
schlagen lassen.' 1637, ÄAWett. Klosterarch. — 3. intr.,
Gab. geb. gib, gob. gub
84
auf Etwas eingehen, sich einlassen, einwilligen; vgl.
drin-g. 1. ,Es dünkt mich, wenn du ein wenig nach-
gibiger wärest, ich will nit säge", i d' Sach Ine ge,
numme nit so d'rwider si°, es würd dir Nut schade".'
GOTTH.
under-geben: 1. trans., unterwerfen. ,Under-
gebend euwere hals under das joch des künigs.'
1531/1667, Jerem.; vgl. ,das volk. das seinen hals
under das j. d. k. ergibt.' ebd. — 2. refl., „sich be-
siegt geben, nachgeben", sich unterwerfen, ergeben.
,Und so wir einandern erkennent, so lat sy iren segel
fallen und gab sich under.' HsSchürpf 1497. ,Dem
Commissär N., der sich ganz undergeben und alle
Billigkeit erboten hat, wollen Schwyz und Unterwaiden
das Beste tun.' 1546, Absch. .Allerlei Züchtigung,
deren sy sich undergebend mit gedult.' HBull. 1568.
,Wir müssen uns dem Scepter seiner Majestät u.'
AKlingl. 1688. Mit Gen. S.: .Als man ihnen [zu]-
mutet, sich des Entscheids zu u.' Wukstisen.
ent- Cenke): (refl. mit an) sich an Etwas erinnern
W; Syn. sich he-g.; sich g. I 3 c.
er-: 1. einen Gewinn, Ertrag ergeben, ergibig sein.
mit und ohne Ohj. od. Adv. B; Gr; G; Z. Syn. iis-g.;
geben II 4. De' Baum ergitt guet (eil, icenig). Es hat
wol erge, die Ernte hat einen schönen Ertrag geliefert.
Nüt e., nicht ergibig sein. Das mag Nüt e., z. B. ein
geringer Taglohn für den Unterhalt einer Familie. Es
ist guet, dass d' Heustöck guet ergend. Heit-er [habt
ihr] hür vil Herdöpfel? Nei", es isch nid der Wert
[der Rede oder der Mühe wert], was 's ergit. I''' mag
tferche, tcie-n-i''' will, es ergitt nit, die Arbeit rückt
nichtvor, zeigt keinen Erfolg. Schäffleisch hat nie erge;
wo-me'-a'schnidt, chunnt-men uf Bei". Nahrhaft sein,
von Speisen Gl. Syn. fueren. ,Dass ich ihm auch
zwischen den Schulzeiten im Hause und im Stalle
helfe, was es e. möge.' Gotth. — 2. Anstrengung
und Mühe kosten, viel zu tun geben. Die Arhet
ergitt, geht nicht leicht von Statten, rückt nicht schnell
vor, erfordert viel Aufwand von Kraft und Zeit Gl.
Es ergitt-em, er hat viel zu tun GW. Von einem
Weg: Es ergid grad guet, es ist ein anstrengender
oder weiter Weg aScHW. ,Der Weg von 0. gen C.
ergibt fast wol, ist nit durchuss kurzwylig.' JosMaler
1593. Von einem Buch: Das Buech ergitt mit Lese",
weil es kleinen Druck hat oder schwer zu verstehen
ist Z. — 3. ausreichen Bs; B; GSa. Vgl. geben
II 5 h 2. .Sufficienti copiä adesse.' Id. B. Mit ,es'
als Obj.: Es mag's nid e., der Stoff, Vorrat reicht
dazu nicht B. Das mag 's de" ring [leicht, reichlich] e.
ebd. Mit best. Obj.: Es tverd denk wol no'''' e Kaffi
mögen erge und Chüechli derzue. Breitenst. 1864. —
4. Frühgeburt werfen. Wenn 's im Herbst früeh
über d' Berge schneit, so seit me" : de' Winter het erge
[hat das Junge zu früh geworfen], man hat einen
milden Winter zu erwarten. Schild. — 5. (Schuld)
eingestehen oder als schuldig erkannt werden. Vgl.
7 a 2. 3. ,Wer syn schulde zem ersten male ergit,
bezalt der nüt in den nächsten 14 tagen, der soll die
drie Schilling ze bessrung geben, und wer syn seh.
zem andern m. ergit. bezalt er die nüt in 7 nechten.
der soll die 6 seh. ze b. g.- XIV., Bs Rq. — 6. über-
geben. ,lst aber deren [der mir zur Last gelegten
Dinge] keins, so mag mich inen [meinen Widersachern]
niemants e.' 1531, Apostelg.; dafür ,schenken.' 1667.
Vgl. 7 b. — 7. refl. a) Widerstand aufgeben. 1) nach-
geben B. (Nüd nahlä und) si''' nüd e. zwingt Alls
BR. Ergib di"'' ! .Der vicarius hett sich zuo vil
ergeben.' Bs Cartäus. ,Von einer vorgcfassten Mei-
nung, Leidenschaft usw. abstehen, allg.", nachlassen,
allmälig aufhören U. Syn. satten. — 2) sich schuldig
bekennen. ,N. hat sich ergcn unfein bluotruns gegen
syn fründ.' MEsterm., Rick. ,In dem ergab er sich
des, er hette das gepredget.' Zwingli. — 3) sich an-
heischig machen. ,Da sich diser Hr ergibet, die Zinsen
zu dem 4 und '/s pr. Cent zu bezahlen.' 1757, F. —
4) schwächlich, kraftlos werden, altern, abnehmen.
Er lebt nümvie [nicht mehr] lang, er het si grüsli
[schrecklich] erge L. — 5) unter leiblichen Beschwer-
den die Widerstandskraft verlieren, sich zu Bette
legen GrD. ; sich zur Ruhe begeben U. Si'* z'ruehen e.,
ruhig werden Ap. 's CJiindli hät-si erge, ist ruhig
geworden, eingeschlafen, hat aufgehört zu weinen Z.
— 6) sich erbrechen Bs; GW.; UwE.; Z. Vgl. ab-g.
— 7) von Früchten: endlich zu reifen anfangen ÄAEhr.;
ZWäd. Nw sid S Tage' häd-si''' d' Gerste g'waltig
erge. — 8) von Wunden : sich bessern, heilen. .Wann
nun die Wunden sich e. will, so soUtu mit diesen
Arzneien nicht fortfahren.' FWürz 1634. — 9) von
Erdreich: locker werden, abwärts rutschen. ,Dass
diese alp sich angefangen nach und nacli zu e. und
ze rucken von iren gränzen dannen nid sich gegen
tal, als ob sie flühe und dahin sinken wollte.' RCts.
— b) sich hingeben. .Sich unter die roten Kreuze
e.'. die Abzeichen des päbstlichen Dienstes tragen.
1522, Absch. Ein ergebener Mensch, der sich geist-
lichem Leben ergeben hat, in ein Kloster getreten ist
und sich damit seiner bürgerlichen Rechte ,begeben'
hat. ,Wer güeter hat, wenn der abgat von todes wegen
oder ob er ein ergeben mensch wurd, der soll dem
gottshus einen fall gen.' ZKn. Offn. .War ob je keiner
kind hat, es wären töchteren oder knaben, die ergeben
geistlich lüt werden, pfaffen. münch oder nunnen. so
sollt sy kein herr erben.' üffn. Engwyl.
Mhd. wieder geben, aufgeben, fahren lassen; übergeben,
Gewinn eintragen; (refl.) sich ergeben; kraftlos niedersinken;
ins Kloster gehen; ». ichuldig e., bekennen. — Die Stelle
der Bs Rq. (1385): ,Dass die nnzüchter nüt me richten
söllent dem vogt von der lüten wegen, die fridbrecht kündet
werdent, es war dann, dass si im ützit ergeben hettent oder
im vor gericht erteilt war', lässt sich zu 5 od. zu 6 ziehen,
je nachdem das Pron. ,si' auf die ,im' (dem betr. UnzOchter)
ihre Schuld bekennenden Friedbrecher oder auf die ,ini'
(dem Vogte) einen Ersatz bezahlenden Unzüchter (Bussen-
richter) gedeutet wird.
ÜS-: 1. im (5egs. zu %n-nen>en. allg. Subst. als
Überschrift für die gebuchten Ausgaben (ä.Kanzleispr.).
übertr. auf Schläge oder spitze Worte, austeilen (und
empfangen, ertragen) Aä; Sch; Z. Wer usgit, muess
au''' ehönnen i'neh. Sulger. Er häd vil üs-g'ge, aber
au''' vil i'g'no (bei einer Schlägerei). Vgl. ushin-g. 7.
— '2. die erste Karte ausspielen AAEhr.; L; Uw; Z.
— 3. eine Wirtschaft betreiben GGoms (wohl im
S. v. ausschenken). — 4. Wäsche od. andere Arbeit
auswärts (auf der Stör), statt im Hause verrichten
lassen Z. Syn. ushin-g. — 5. (ein Kind) verheiraten.
.Wa ein gottshüsman oder frow iro kind eines üss-
gebent und dem syn heimstür von farendem guot ver-
heissent ze gebent.' 1401. Zellw. Urk. — 6. a) Holz
aus der Geuieindewaldung im Anfang des Winters zum
85
Gab, geh, gib, gob, gut
86
Füllen (resp. zur Verteilniig an die Berechtigten) be-
zeichnen ZZoll. ,4 Männer sammt dem Förster sollen
um Weihnachten den Hau bestimmen (.ausgeben').'
U'JO, Hof Kriess. ,Ho1z, so usgeben und gezeichnet,
US dem forst füeren.- 1539, B. .Zuo der Zyt, wann
die 4 Geschwornen die Winterhow uszegeben gsinnet
sind.' 1567, Ztscbr. f. Schwz. R. ,Man soll die Holz-
häuw 14 tag vor oder nach Martini üsg.' 1592. ZDüb.
Üffn. ,Die geschworenen Dorfmeier söllent die Hauw
jerlich bi iren Eiden üsg.' 1596, ZWeiach. .Den Ham-
mer üsg.', oft in Schweiz. Offn., die Erlaubniss zum
Holzfällen geben, weil an die zu fällenden Bäume mit
dem Hammer (Beile) ein Zeichen eingeschlagen wurde.
Auch anderes Gemeindegut (Feld) zu zeitweiser Privat-
nutzung überlassen. .Wann ein gmeind im gmein-
werch etwas zc buwen ussgibt, soll es, nachdem die
frucht abgeschnitten werdent. wider ussliggen [zur
Weide offen liegen].' 1549, ZOpflk. Holzordn. — b) ein
Abenteuer u.sg.: freie Bewerbung um einen Preis
für gymnastische Leistungen bei einem Volksfeste aus-
schreiben, einen Preis aussetzen. .Auf denselben tag
wollen unsere schiessgesellen von Zürich nachbeschrie-
benes abenteuer ausg.' 1465; s. Abetitür; üf-g. 4 b. —
7. „Etw. vorgeben, etwas Unbegründetes behaupten,
allg." ; ein Gerücht verbreiten GG.; Z. ,Des [derhalben]
Wirt von den Hönggeren scherzwys ausg., sy seigind die
witzigisten Leut.' Schimppr. 1651. — 8. „eines Andern
Sprache od. Geberden siii.tti.Mli iKi.lunachen VOrte."
— 9. unpers., mit bestiniiiitrm Sai ll-.'^ubj. od. mit .es',
ergiebig sein, a) reii hliclie Flüchte bringen, von
Obstbäumen und Feldern Bs; B; L; G; Scu; Uw; Z.
Vgl. geben II 4; er-g. Git 's ivol üs? fragt man die
mit Einheimsen Beschäftigten zum Grusse Z. .Heut
schon wümmet Alles; gibt wol aus.' ZZoU. Herbstrodel
1728. Auch übertr. auf guten Erfolg anderer Arbeit.
F'' verstw [verstehe] ds Mischgh [das Mischen von
Wein] nid, wie ivol 's aw'' an andernen Orten iisgitt
GRMai. (Schwizerd.). Ironisch: Es wird wol usge!
er wird gute Geschäfte machen! Es mues wol u. (wenn
das sich so und so verhalten, wenn das geschehen
soll), Formel des Zweifels U; Syn. es mues tvellen.
— b) gut von Statten gehen, vorrücken, von der
Arbeit, oft mit Dat. P. Git 's wol f<s mit Schribe"?
Gl. Es git-em wol us (im Schaffe'), er arbeitet leicht
Bs; Gl; gg.; Z; Syn. es lingt-em.
Mhd. ausstatten, verheiraten (ein Kind); aufgeben, vor-
liegen (eine Frage); aussagen, behaupten.
ushin (use)-: 1. Arbeit = us-g. 4 Bs. — 2. Geld .
auf Kredit geben, ausleihen Z. — 3. erwachsenen
Kindern einen Teil des Vermögens (künftigen Erb-
teils) bei Lebzeiten zum Voraus herausgeben B; GG. ;
ScH; Z. Syn. von sich geben. .Partem bonorum dis-
pertire liberis.' Id. B. ,Ist N. schuldig, den Erbanteil
ausbin zu geben'?' Z Beitr. 1842. — 4. Portionen
Speise aus der Schüssel den Tischgenossen (Kindern
oder Dienstleuten) in die Teller schöpfen oder auf
dieselben legen B; Z. ,Cibum dividere inter con-
vivas.' Id. B. — 5. erbrechen Sch; Uw; Z (oben-use-
Wettschw.). Syn. s. ab-g. Von kleinen Kindern oft
auch nur: die eingegebene Speise nicht ganz schlucken,
sondern einen Teil davon wieder aus dem Munde fallen
lassen Z. — 6. von einem grössern Stück Geld, das
man als Bezahlung empfangen hat, an kleinerer Münze
zurückgeben, was man zu viel empfangen hat G; Sch;
Uw; Z. ühast nf-enen Feufliber use gi? hast du
kleine Münze, um 5 Fr. voll zu machen? .Ptcddere
de nimio solutionis pretio.' Id. B. ,Dass keine Angster
mehr anzutreffen, den Leuten ausbin zu geben.' 1670,
Z Ratserkenntniss. ,Aussengeben, reliquum reddere.'
Denzl. 1677; 1716. Auch von Überschuss an Pfand-
wert: .Wenn das selbe [Pfand] umb etwas höchers
geschetzt wird, als sein Ansprach ist, so solle der
Ansprecher den Überschutz an barem Geld aussen
geben, ehe er das Pfand ab Platz treibt' 1751, Schw
Rq. Und von Zulage zu einem Kaufpreis : , Usengeben
[herauszugebendes] Geld, Summe, welche der Käufer
eines Grundstückes über die auf demselben haftenden
Schulden hinaus, die er auf sich nimmt, dem Ver-
käufer noch zu bezahlen verheisst.' ZKn. It Dekan
Fäsi. Vgl. nach-g. — 7. derb antworten, wider-
sprechen, trotzen, Tadel od. Spott erwidern, das letzte
Wort haben wollen Ap (schon 1607, Katsprot.); Bs;
Gr; G; Uw; Z. Syn. 's fül Mül a'henken; ivider-
äferen, -bäffzgen, -bellen; umme-,use-g. Anton, schwigen.
.Ein bös Wyb, die ihm mächtig ausbin gab.' Schimppr.
1652. .Einen Pocher oder Spötter wohl bezahlen und
abfertigen. Er nimmt wol i", aber er gitt a«'* redli'''
use. Spreng. Vgl. us-g. 1. — 8. si's (Ei"m ds) Wwt
u., einen Bescheid, bes. bejahenden, geben U. —
9. ausliefern, übergeben. Kanzleispr. ,Extradere.'
Id. B. — 10. mit Acc. P., hinausschaffen. Pack-di'''
jetz, sust gibe ih di usufer [grob, derb] use. Gotth.
Vgl. geben I 3 b u. Anm. — 11. nach auswärts ver-
heiraten. .Sprechend die hoflüt, dass sy genossen
syent der 7 gottshüsern, ir kind usshin ze gen und
[Töchter aus andern Dorfschaften der genannten Herr-
schaften] ynhin ze nemen.' ZMur Offn. 1543. Syn. üs-g.
,Nebe-use ge, temeraria ratione uti; moribus de-
pravari', durch Übermut, Leichtsinn auf (moralische)
Abwege geraten. Id. B.
Vgl. drin g. und Anm. zu gehen. Vgl. auch .schlagen',
iutr. 1. S. V. ausschlagen, eine Richtung einschlagen usw.
ver- I: 1. hingeben, schenken, a) „übergeben,
anvertrauen, Jmdm ein Amt. allg." — b) vermachen,
vergaben, testamentarisch. ,Wele personen in ir tod-
bette komment, was si denne guotes vormals oder uf
die zyte iemanden ützit v., geordenot oder beschicket
haben, das soll nochdenne daselbes bolyben, bis dass
die rechten erben in gewalt des erbes gesetzet wer-
dent.' 1402. Bs Rq. — c) bei einer Auktion dem
Meistbietenden oder Mindestfordernden zuschlagen Gl.
— d) verzeihen (die Strafe , schenken'). ,Um Ver-
gebung z' frage", wie sagt man dem Ort?' Gotth.,
höfliche Einleitung einer Frage. Ver-gem-mer's! [ver-
gebt mir's] Ausruf der Verwunderung (BGt.), auch
des Mitleids BO. (Zyro); Syn. ml" Trost! Mi' Gott!
(eig. = , vergebt mir, wenn (dass) ich den Ausbruch
meines Gefühls nicht zurückhalten kann? Vgl. Gott
verzih-mer !). Nachgeben, ertragen, ,0b wir glychwol
überflussig und meer denn zuo vil umb christenlichen
glirapfs willen in hoffnung der besserung bisshar v.'
1531, Absch.; vgl. voi--g. ,Also ward [in Glarus nach
der Schlacht bei Kappel] zuo mehr, wir sollten [weder
der einen noch der andern Partei zu Hülfe ziehen,
sondern] zuo unsern landen sehn, [die katholischen
und die reformierten Landsleute] einander verggehn
[es wettauf gehen lassen] und zuosammen setzen lyb
und guot.' ValTschudi 1533. — 2. aufgeben, z.H.
d' Muetersirrach G.'l. Aufhören zu blühen: d' ]iosc"
tiiirid V. SuLiiER. — 3. unrichtig, nachteilig geben
87
Gab, geb, gib, gob, gub
a) die Spielkarten nicht richtig austeilen Sch; Uw; Z.
/""'' ha 's [das Spiel] i'. Eefl., eine unrichtige Karte
ausgeben Uw; vgl. ,sich irren'. — b) riskieren oder
verlieren. Me" tviird Küt v., icenn me" dr ander Weg
gieng GT. „Durch Nachlässigkeit sich um ein Amt
bringen Sch." Mit Dat. des Pron. refl. und meist mit
Acc. ,Nichts': sich eine Blosse geben G; Z. JSr hät-etn
Nüt V., er hat sein Wort nicht so verpfändet, dass
durch Zurücknehmen desselben seine Ehre litte. —
c) mit Dat. P., Gift od. anderes Schädliche in Speisen
geben, durch Verzauberung Schaden zufügen BE.;
vergiften, allg. (in G tw. mit Acc.V). Mit derigem
[solchem] Wl' cliönnt-men Eim v. ! Z. Min Töchter-
ma'" will iväger aw'' g'rad erhe' und will üs do verge';
Frau, iss-mer Nüt! Schwizerd. I''' tcett-em möge v.!
Ausdruck grossen Hasses Z. Er füert Rede", me'
cJiönnt Ei'"m v. dermit. Sprww. 1869. Das isch zum
V.! verzweifelt unangenehm. Schild.; ähnlieh: ,zum
Davonlaufen' (Chotzen, Verrecken udgl.) ,1347 ist
kaiser L. mit gift v. worden, welches, als er gespürt
und beinebens aber kein vomition oder übergeben des
magens könnte haben, ist er alsbald auf das jagen
gezogen, damit er den leib erhitzigen und das gift
von sieh treiben möchte.' XV., G Mitteil. ,Abt Ulrich,
nun hüet dich wol, wo man trinken und essen soll,
dass dir nit werd v.' Zellw. Urk. ,Dass sy mir wot
vergeu hann mit gift.' Ziely 1521. ,Hat er im selbs
vergeben und ist gstorben.' 1531, 11. Macc. ,Wenn
einer vorhin hirsbrot geessen hat, so mag dem selbigen
nit mit gift v. werden.' Vogelb. 1557. .V., mit gift
umbbringen, necare veneno.' Mal. .[Busse] um v. zuo
holdschaft [Liebestrank] oder schaden der gfar lebens:
20 krönen.' 1588, Aesch. — 4. unpers., Ertrag liefern.
Syn. er-g. 1. 's Heue" {d' Sup2Je usw.) hat guet v.
ScHwMa. Auch i. S. v. ergeben 2. Die Sträss vergitt
da durüf, diese Steigung erfordert mehr Zeit als man
erwartete, ebd. — Mhd. hingeben, schenken; aufgeben,
unterlassen; verzeihen; vergiften.
ver-gebe(n) II, auch v-s, v-lich: Adj. und
Adv., eig. Ptc. Perf. von v. I i. S. v. 1 und 3 b.
1. (auch vergebi's U; Z; um vergebes GfiPr., nach Ana-
logie des syn. umr^sus, umsonst; vergerbe LM.) ohne
Kosten, Mühe, Lohn, unentgeltlich, gratis Ap; BSi.;
GsPr.; GA.; Sch; Uw; U; W; Z. !'>• möcht das nüd
r.! [auch wenn ich es geschenkt bekäme] Ausdruck
der Geringschätzung. Z' vergebisse mache", spielen
ohne Gewinnst, Gegs. s' günnis Z. Es gut wie v.,
leicht von Statten Z. Vergeben ist uneben W Sprw.
E Rebe git Nüt v. Bs. Chlosterfrauen und Rebe" gend
Nüt V. D' Dökter si" nüd v. ,Scherer' BBe., d. i. sie
scheren auch noch den Geldbeutel. ,Das enhein unser
burger enhein lantmann behalten soll, noch hüsen,
noch hofen, noch Kssen, noch trinken [geben], weder
umb kouf noch vergübene, der verbannen ist.' 1304,
Z EBr. ,Wann einer eim ein zwing verkündt um kund-
schaft sagen, so soll derselb die ersten fart fürgebens
gon [für weitere Gänge soll er 10 Pfennig bekommen].'
Ap LB. 1409. ,Wer dem andern syne ross lyhet, es
sy vergeben oder umb Ion, und die gewüest't werden!'
1436, L Eatb. ,Es muondt [müssen] uns die puren
all jähr einmahl vergeben fronen.' 1479, AAWett.
Klosterarch. ,Die kranken machend gsund, die sunder-
siechen reinigend, die todten erkickend, vergeben ha-
bend ir 's empfangen, vergeben gebend 's.' Zwingli.
,Meinst du. dass man d'gnad gottes vergeben gebV
NMan. ,So wollt ich mit dir [dem Wirt] spilen drum
[um die Zeche], ob ich vergebens kumm [ohne Be-
zahlung davon komme].' RMan. .Diewyl der merteil
richten! in der eidgenossen landschaften v-s und ohn
besoldung zuo gericht gon müessend.' 1530, Absch.
,Man gab wyn und brod gnuog, und jedermann ge-
schenkt und vergebens.' Kessl. ,Und band all burger
vergebis zischet.' UMey. 1540/73; vgl. Vergebis- Trunk.
,In Zürich hat man wyn vergebens hinwgg geben [in
dem reichen Herbste 1539].' ebd. ,Wcr wollt des
heiigen grabs vergeben hüeten?' Aal 1549. ,Der triel
benimmt die gelsucht, wenn er nun [nur] vom kranken
gesehen wirt; darum welche disen vogel verkaufend,
verbergend sy den, damit der krank in nit gesehe, ee
dann sy im den zuo kaufen geben habind, und also
v-s widerumb gesund werde.' Vogelb. 1557. ,V-s und
on seinen kosten.' Fris. ,Wo man vergeben isst und
trinkt.' Schertw. ca 1579. ,Das» etliche ir geld hin-
weg leichen v-lich.' 1590, Bs Rq. ,So kann er v-s
studieren und kommt den Eltern ab der Decke.' Simml.
Urk. 1760. — '2. ohne Grund G; Uw; W; Z. V. ist
er nid rlche"', von einem Geizhals. Nüd v.! Ausruf
i. S. V.: nun begreife ich. dass... oder warum...;
nun wundert's mich nicht mehr Gr; Z. Schulkinder
begrüssen einander scherzhaft: So? bist au''' scho"
clio"? nüd V. stinkt 's fso! Z. Nüd v. rünnt die Chante
[Kanne]: si list es Loch. N. v. springt der BettUr
fso: der Landjäger chunnd um 's Eck. ,Uif den hü-
tigen tag, wie wol nyeman töden soll, ist doch das
Schwert nit v. in der band des araptmanns.' Zwingli.
.Zuodem er treit gen mir ein nyd on ursach und nun
gar V.' RüEF 1550. ,Nit v. Perlen gleichet man dem
früehen Morgentau." JCWeissenb. 1678. .Erkenne,
Gott habe dich nicht v. in dise Band kommen lassen.'
JMey. 1694. , Welle Gott, dass ich v. Sorg hab!'
Zwingli. — 3. ohne Erfolg, Nutzen, frustra, ver-
gebens, vergeblich Aa; B; Schw; S; Z. Eshaglet iez v.,
nachdem der Hagel bereits Alles zerstört hat BSi. Er
häd g'wartet und g'toartet, doch alles vergebis! MUsteri.
Am Bächli will 's lebe — 's ist ns u. v. ! [so ausge-
macht, dass alle Einrede vergeblich ist]. JOchsn. Als
attributives Adj. (aaO.). Die vergebene" Chöste". Schild.
.Wir haben in der Limmat ein vergebenes Wasser-
recht, das nicht benutzt wird.' Z Intell.-Bl. 1864. ,0n
herz v. man für mich [Gott] kert [tritt uro zu beten].'
NMan. , Sonst [wenn der Pabst nicht die höchste
Gewalt hätte] war der glaub v.' Anf. XVI., Bircher.
,Als aber Bachides sach, das sein anschlag v., ward
er erzürnt.' 1531, I. Macc. , Andere meinen, dass dieses
öl unnutz und v. seie.' JELandenb. 1608. ,Dass sye
mit schaden und v-s [von der Bestürmung] abtreten
müssen.' RCys. ,Vergebnen Kosten, Müh und Arbeit
anwenden.' Ehagor. 1639. ,Damit das Wasser durch
den Graben in alle Wisen genuegsam lauf haben und
nit umsonsten und v-s in die Limmat laufe.' 1678,
.\AWett. Klosterarch. .Das ist nicht allein v., sonder
noch falsch und unwarhaft' JHFXsi 1696.
Mhd. vergeben, Adj., vergeblich, unnütz; vergebene, -es,
Adv., schenkweise, unentgeltlich, umsonst, unnütz, vergeblich.
— Bed. 2 scheint in der ä. Spr. nicht vorzukommen und
sich anch erst aus 3 entwickelt zu haben, aus dem Wechsel-
verh&Itniss zw. Grund und Folge, gemäss welchem eben so
gut von der letztern auf den erstem rlickwärts, wie umgek.
vorwärts, geschlossen werden kann. — Die Form vergebme
Gab, geh, gib, gob. gub
90
ist aus iiayehiii ciwcittit, ähnlich wie uhJ. ,Jesscu' aus ,dc's',
und unser einesm aus ein«» (s. ein), unter Mitwirkung der
Ad?, auf -lige' neben den nhd. auf .-lings'.
vor-: 1. freundlich entgegenkommen; nachgeben;
schmeicheln ZRafz; die Ehre lassen, primas dare.
Solger. ,Je me man vorgit und nachlat, je böser es
ist.' 1525, Egli, Act. , [Jedermann muss bekennen],
dass wir ee ze vil vorgeben, weder ze früe uns zur
räch geschickt habind.' 1529, Absch. ,Dass si alles
fridens erbotten habend und doch kein v. nützit be-
schossen hat.' HBuLL. 1532. ,Biss ein oberkeit ver-
meint, genuegsam des schwachen verschonet und den
stolzen hartneckigen v.' Kessl. ,Küng Ludwig besann
sich, dem alten vater vorzegeben.' Väd. ,Dass er
[Herzog Karl] sich schambt, einen einmal überwun-
denen fürsten vorzegöben und abzestän.' Ansh. ,Der
zyt hielt sich ein Stadt Bern still, gab vor, bis
Albrecbt Kaiser worden.' ebd. ,Dass ein jetlicher
synem nächsten willfare und vorgebe.' EGoalth. 1553.
,Uxorius: der sich vom weib gar lasst meisteren und
iren zevil vorgibt.' Fris. ,Wenn wir vorgebend, so
lassend ouch die nach, die sonst heftig und zänkisch
sind.' LLav. 1584. ,Man muess der natur v.' Iü40,
JBreit. ,Sie seint höflich, vertreuwlich, wann einer
ein wenig ihnen weiss vorzugeben.' GKön. 1G95. Oft
verbunden mit dem syn. nach (na-ej-g., s. Bd I 930, 8.
Syn. heben und län. ,Das beste Mittel ist, wenn Vater
und Mutter einander vor- und nachgeben.' LKInder-
BiTzi 1826. ,A11 unser v.- u. n.-g., ouch kein billigkeit
will helfen.' 1529, .\bsch. ,Die Mönche gaben dem
Bischof V. u. n.' Vad. ,Und sind die herzen der gstalt
erhertet, das" keines dem anderen v. oder noch gen
will.' XVU., Dien. 1863. — 2. den Vorzug, Vorrang
zugestehen; negativ: ,Nichts v.', in Nichts nach-
stehen. Im Spiel einen Vorsprung gewähren Aa; Bs
(Spreng); B; Z (auch nhd.) s. Bd I 959. Im Büeze'
[nähen, flicken] gib i''' Niemertem [Niemandem] Nüt
vor ZRafz. ,Der strauss lauft so schnell, dz er darin
auch einem fliegenden vogel nichts vorgibt.' Vogelb.
1557. ,Der lepparden sind etliche kleiner, welche mit
Sterke den grossen nicht vorgebend.' Tiere. 1563.
,Aemulari, eim an fleiss wenig v. Nihil cedere alicui,
nüt minders sein dann ein anderer, eim nützid v.'
Fris.; Mal. Gleichbed. in der ä. Spr. ,bevor-g.' ,Der
Rotfornen ist gut dürre, gibt den dignen [getrockneten]
Stockfischen nichts b.' JLCys. 1661. Syn. rcrr-, nach-
hin-, zue-tuen. — 3. äussern, sagen, vorhalten S.
Dass ig vo' dem Allem Nüt weiss, was dir [ihr] mir do
vorget. HoFSTixiER. — 4. ver3uchen[?]. Ineichen. —
für-: 1. dem Vieh, Futter in die Raufe oder Krippe
stecken SceSt.; Z (mit und ohne Dat.). Stäst, Bur,
bim Veh i" diner Schür und gist de' schöne' Stiere" f.
Z Kai. 1811. .Boves curare, rinder fuoteren, den rin-
deren f.' Fris.; Mal. ,Pabuluni prsebere pecori.' Denzl.
1677; 1716. — 2. Schülern eine Aufgabe geben B;
in Z früher bes. von den Aufgaben für den Jugend-
gottesdienst. Entsprechend fürnemen, (die Aufgabe)
empfangen. ,Der Schulmeister soll nach dem Mittag-
essen in der Schule erscheinen und mit f., erklären und
lutren [erläutern] der letzgen tun wie obstat.' XVI.,
Brugg. ,Ein letzgen [Lektion] f.' Hospin. 1683; Denzl.
1677; 1716. Übertragen auf Gott: ,Gott hat gmacht
d' erd uss sym fürgebnen rat [nach einem von Ewig-
keit her festgesetzten Plane].' Ruef 1550. ,Was Gott
dir fürgibet, dem trachte nach.' 1707, Sirach. -
:!. einen Vor seh uss machen, Geld vcrstrecken B.
— 4. zu viel geben; vgl. Bd I 960. .So viel g.,
dass [dem Empfänger] Etw. übrig bleibt.' Bs (Spreng);
,plus dare quam necesse est.' Id. B. ; ,plus aequo dare.'
Denzl. 1716. Hieher viell. auch: ,[Dass die Priester]
der hiebt nichts fürgebend noch füerend, dann nach
göttlicher empfelch.' 1529, Strickl.; vgl. für-nemeti.
— 5. = vorgeben 3 B. Den Lon für ira fürgeben
Wüsclie [geäussertes Wünschen]. W Sagen. ,Daru:nb
uns von nöten ze syn bedunkt, dass ihr üwer panner
usstacktend [aufstecktet] und fürgebind, alle stund uf
[zum Aufbruch bereit] ze syn.' 1531, Strickl. Vor-
1} ringen, aussagen. , Einem seine sach gut f.', em-
pfehlen. Hospin. 1683. Fälschlich angeben, vorgeben,
weis machen Bs (Spreng). ,Demnach sye üch f. [wor-
den], wie wir ein uneerlichen abzug getan; das wirt
sich mit keiner warheit erfinden.' 1531, Strickl. —
ti. = vor-g. 2 (B). — fürhin-, fürher (7jtre>; 1. Ver-
stecktes oder Verschlossenes hervorlangen; Alles, was
man weiss, ans Licht bringen B. ,Es könne Eine
[Weibsperson] nicht kindbetten [gebären], bis sie
den Rechten [den Namen des Vaters] fürher g'ge
heig.' GoTTH. ,Im das amtsbuoch fürhergen.' 1556,
LKriens Amtsr. Auch absol.: sich äussern, mit der
Sprache herausrucken. E ganze Kerli isch er, wenn
er einist füre git. Gotth. Beim Karten- (Kaiser-) Spiel,
die Karten ofl"en vorlegen, da man das Spiel sicher
gewonnen hat L. Er sticht, was er mag, und gid-ne 's
gwüss füre und leid ne 's [legt es ihnen, den Mitspie-
lenden] a» Tag. HIfl. 1813. Bildlich: d' Charte' f.,
den wahren Sachverhalt aufdecken. .Die werde de"°
aber lose", wenn es endlich d' Karte füre geh ! ' Gotth.
— 2. erbrechen B; S; s. ab-g. Was ig issa, mues-i
bim Bitz alls em [wieder] firhi' ge' BO. Wenn d' Chatz
Müs frisst, so muess si-se f. = wenn man Jindm grollt,
muss man sich durch Vorwürfe Luft machen. Schild.
— 3. mit Acc. P., hervorholen, -treiben. Vgl.
geben I 3 b u. Anm. I''' u'ill 's ga' füre ge, de ful
Blätter! [das zimperliche Mädchen zur Arbeit herbei-
holen]. N. B Kai. 1843. — fürt-: weggeben, ver-
schenken B; S. Syn. eweg-g.
gast-, nur im Ptc. , Offner gastgebner würt', alter
Titel der Gastwirte. Gem. Z. Syn. , Täferwirt'.
Die Form ist offenbar eine nur scheinbar participiale
Missbildung oder Missdeutung des Subst. Oastyeb (s. d.).
guet-: gutheissen, bestätigen. Vgl. ,gerecht g.,
schuld(ig) g.' unter geben 1 3 d. ,Und fragt der canzler
alles Volk, ob sie die wal des N. N. g. wellend.' Vad.
Auch ,fur g.g.': .Weil es im gesatz nit verboten und
es die keiser darauf f. g. g. haftend.' ebd.
Die Analogie von .geriicht g." = rechtfertigen spricht
dafür, dass ,guet g.' nicht aus Weglassung von ,für' erklärt
zu werden braucht; doch vgl. venjuet (d. h. für gut) nimen,
gut aufnehmen.
hei"-: 1. zurückgeben, vom Hirten, der die zur
Hut auf der Weide von den Dorfbewohnern empfan-
genen Tiere (am Abend) den Eigentümern zurückstellt
Gr. — 2. anheimgeben, als Eigentum übergeben,
etwas Ersteigertes zuschlagen ZO. — hin-: gestatten
oder mit sich bringen ; an die Hand geben. Wenn ds
Wetter 's hingit B öO. Syn. dar-g. — band- (nur im
Ptc): mit der Hand gegeben, durch Handschlag ver-
bürgt. ,Der so zuo einem ein handgebnen friden hat
und aber denselben unbesinnter wys bräche.' 1579.
Ztschk. für Schwz. R. ,Verhiessen sie ihm durch
Gab, gel», gib, gob, gub
handgegebne Tieuw ihr bests zuo tuuii.' Wi'kstisen.
— her-geben: erbrochen G; ZO. (auch hare-). St.
Sjn. s. u. ab-ge.
lugg-: nacligeben, -lassen, bes. in raoral. S. Bs;
B; Gl; Gr; G; Sch; Th; Z. Syn. /. hin; l. setzen.
Du ehast-di''' were' so vü d' wit'f, »'■'' gibe nüd l Z.
Nid l. g'ge' hend-sch' [haben sie] mit Bitte' und
Bette'. ScHwizERD. ,Die Mutter gab 1. und die Kinder
liefen, wohin sie wollten.- Gotth. ,Und wolle von der
christlichen Wahrheit auch nur um ein wörtchen ab-
weichen und 1. gen.- 1532, Strickl. — Lu;i!j. locker.
nach (nä, nöj-: 1. dem Willen eines Andern sich
anbequemen oder unterwerfen; schonende Bücksicht
tragen. Stier, gib nah, ich gibu nit nah W; vgl. dr
G'schider git nahe : Munni gib du nahe B. Vor- und
nach-g. s. unter voi--g. ,Ach gib raym alter etwas noh.'
HBuLL. ir.:)3. — 2. von eigenem Tun ablassen, damit
aufhören (mit Acc.S.); es aufgeben, unterlassen Gl;
Gr; GWeisst. Wenn d' das Lumpespile [das heillose
Sp.] nüd nahg^bist, su gang er di"'' gu verchlage. Gl
Volksgespr. 1834. Nöd nohgea g'weant a Stadt GBern.
Auch vom schlechten Wetter, z.B. Regen Z; Syn.
Schemen. — 3. herausgeben oder zurückerstatten,
z. B. den Fonds einer Stiftung, bes. Vorenthaltenes
nachliefern. ,Er versprach dann wieder nachzugeben.'
N. B Kai. 1842. ,Er schränzte alle Tage eine Mass
Milch seiner Haushaltung ab und versprach dann,
wenn die Kühe ins frische [junge] Gras kämen, wieder
nachzugeben.' B Hink. B. 1842. ,Da soll er die pfand
verkaufen; löst er nie, so soll er's im [dem Schuldner]
ushin gen; löst er minder, so soll er im [der Schuldner
dem Gläubiger] n.' 1510, Offn. ZErlenb. ,Begeren wir.
[dass] wie dann unser vordem jarzyt gestiff-' band,
uns söliche nachgeben werden, [um sie] armen lüteu
ze geben.' 1525, Absoh. — 4. locker sein, unter den
Füssen weichen, vom Erdboden Z, auch nhd.
In Bed. 1 u. 2 gilt sonst meist mO'e (nach-hin) (s. das
folg.) und nä ist viell. aus jenem gek.
nachhin (nache, nä-e, nö-ej-: 1. vom (zuerst ge-
forderten) Preis einer Waare Etwas nachlassen B.
Syn. ab-län. — 2. bei einem Tausch Aufgeld geben.
De" wette'-mer [wollten wir] wider a" de" ander tusche'
und no''' schm nah ge. Gotth. — 3. Nachträge zur
Bewirtung liefern (an Hochzeiten). ,Wie mancher
junger Mann durch die wytläufigcn Hochzyt und das
beschwerliche nachhingeben uf die Tisch und Personen
in Wirtshüseren zu merklichen Kosten kommen.- Z
Mand. 1650.
be-: 1. trans. a) in einen Zustand versetzen.
Vgl. das refl. 3 und nhd. ,sieh wohin b.' ,Dass sy
die arbeit der dieneren der kilchen sechend, in welche
sy die iren nit b. wollend.' HBull. 1540. ,Unnatür-
lich und unerbar ist's, kind in die e b., die ire gebür-
liche jar noch nit habend.' ebd. — b) aufgeben,
unterlassen, aufhören mit Etw. (es zu tun] Gr, z.B.
die Gewohnheit des Rauchens: iez chönnt-i's nümme
bege. Die hochdütsch Sprach «' rede b. ,Bünde [Bünd-
nisse] b.' Bündn. Hanengeschrei 1621. — 2. refl.
a) sich zu Etw. entschliessen, verstehen, herbeilassen,
verpflichten; meist mit Gen. od. Präp. ,Wo zwei men-
schen zuosammen kommend zuo der e und sy sich
des begebend, dass sy by einandren ligen wollend.'
ScHwMa. Landr. 1427. ,Sy sönd ouch nieman leren
nawen machen, si begeben sich denn vor, dis ordnung
ze halten.' 1469, L Katsver. ,Dass die Zürcher sich
b. sölltend, iren geschwornen bünde nachzuogand.'
Edlib. ,[Die von Zürich haben] sich gheiner [der als
Ort des zu veranstaltenden Eeligionsgespräches vor-
geschlagenen] stetten nit begeben' = ,.sy habend sich
gheines ortes ufgeton weder [ausser] irer [eigenen]
statt.' ZwiNGLi. .Pharao sieht der zeichen vil, dass er
sich begibt das volk ze lassen.' 1531, II. Mos. ,We-
liche 2 artikel, so ir üch dero begebend [darauf ein-
gehet], wollend sy dann [im Übrigen] artikel geben
zuo ufnung frides und fründschaft, die sollend erlich
[ehrenhaft für euch] syn.' 1531, Absch. ,Von ir ercn
und pflicht wegen begaben si sich, begerte hilf ze
geben.' Ansh. .ünfahls han ich mich b'geben, den
Gott wol brechen mag.' ValTschddi 1533, = mich
darein ergeben; vgl. ,mein elend ich auch trösten
muess, darzue mein unfahl [ver]schwygen.' ebd. , Einer
der sich begeben hat, bürgen oder Versicherung umb
ein ding ze nemnien, reus satis accipiendi.' Mal. ,Wir
hattend uns auch aller dingen zum sterben und er-
trinken begeben.' ebd. ,Da sy um M. Ulrichen war-
bent. das» er sich dessen begäbe, ir pfarrer ze werden.'
HBull. 1572. .Haben sye doch sich nit dessen b.
wollen, sonder uss list sich also hinderzogen.' RCvs.
.Sich zu Gehorsame b.' Z Mand. 1650. Auch absolut:
sich gefangen geben; sich fügen, unterwerfen; sich
ruhig verhalten. .[Die Bauern] haben sich die nacht
gewert, doch vor tag sich begeben.' 1525, Absch. ,Dass
ain statt Zürich sampt iren eidgenossen sich b. söll-
tend und des yngon [dass sie sich einem Schiedsgericht
unterzögen].' Väd. ,Uf sölichs meister Ulrichs b.'
ZwiNGLi, und dieser Stelle entsprechend : ,Us sölichs
myn erbieten.' Sich unter Vormundschaft stellen: Er
häd-si 2 Jar bige" Z. — b) sich entschlagen, ver-
zichten. ,Wir haben uns aller listen und gefärden
gegen einander verzigen und begeben.' 1530, Absch.
— c) sich zu Etwas bekennen, gestehen. ,So man
im die wort, dero er sich selbs begibt g'redt haben,
nit zuo argem gemessen hat.' Gvrenr. 1523. .Als [da]
ouch der dichter sich vorab begibt, dass er Verstands
nit hab.' Salat 1537. Daher dann auch: sich an Etw.
erinnern W; Syn. sich ent-ge; vgl. sich geben an
Etw. I 4 c. — d) sich einem Beruf ergeben, einer
Leidenschaft hingeben, mit Dat. oder Präp. .Auf
dass ir euch nit aber begebind den vorigen lüsten
und anfechtungen.' 1531, I.Petri. ,Ye rae aber Zwingli
sich in theologia üebt. ye me er sich begab zuo dem
priesterlichen ampt.' HBüll. 1572. ,Sich auf die
schwarzen künst b., ad magicas artes accingi. Sich
in trauren h., sich an eins trauren lassen, ad mcestitiam
se revocare. Sich b. und fleissen, ein fürsprech zu
sein, adire ad causas orandas.' Mal. Sich abgeben
mit Etwas: Was [eig. ,wes'] begit-se-si'''? womit gibt
sie sich ab? BAmsold.; vgl. begän Sp. 32.
Mhd. (trans.) hingeben, unterlassen; (refl., mit Gen.)
anfgebeu ; (absol.) in ein Kloster gehen. — 2a und b (Ver-
pflichtung gegen Andere und Verzicht auf Eigenes) sind
Wechselbegriffe; vgl. mhd. sich lewägen = ,sich entschliesseu'
und .sich entschlagen'.
recht- (nur als Ptc. adj.): rechtmässig, d.h. mit
Recht oder vom Gericht gesetzt. Vgl. gast-, hand-g.
und nhd. ,rechtschaffen'. ,lro erkornen rechtgiibnen
Vogts.' 15'29, HBdll. ,Wa3 ein frouw ohne vorwüssen
und verwilligung ihres rechtgebnen vogts tut, soll
kraftlos syn.' 1607, Ztschr. f. Schwz. E. -- ze-ruck
riali. ^el), g\\>. gob, gub
(zriigg)-: 1. vergelten, riichcn Gr. — 2. erbreelieii \V ;
Syn. ab-g. — rast- s. Rast.
zesammen (zäme)-: ehelich verbinden, einsegnen,
c-opulieren, vom Geistlichen Ap; Bs; B (Id. B); Gl; S;
üw; U; W; Z. ,Ein Ehvölkli z.' Spreng. /» der
Chile [Kirche] ist en Tritt [Stufe am Taufstein], iro-
me' d' Liebi (die Liehe") zsämegitt Z. ,Morn wend
wir 's euch zaiutnen g.' Ruef 1550. .Geschah die ver-
niechlung und zsamniengebung zu Griessenberg.' Edlib.
dar-: 1. eine Sache nicht länger für sich be-
halten, sondern zum Genuss Anderer hingeben B.
.Tradere.' Id. B. -- 2. darstellen, ausdrücken, aus
einander setzen, klar machen, ebd. J"'' miesst vager
es pär Äbesitze d'rzue nen, wenn-ig-üeh das Alls eso
stif dargen tvellti. ,Wir können uns nicht [als] ganz
rein d.' JMüll. 1665. Mit Sachsubj., vom Inhalt
und Wortlaut von Urkunden, Gesetzen; vgl. zue-g.
,Sie wollen diesen Vertrag, wie der Buchstabe laute
(,das dargit-) halten.' 1529, Absch. -- 3. anklagen.
,üass er uns für kctzer soll schelten und d.' 1524,
Strickl. ,Syg er gegen dem landvogt dargeben [wor-
den], dass er gered't haben sollt . . .' 1532, Absch. ,0b
es ein Seelsorger offenbaren müsse, wann ein Male-
fikant einen anderen dargibet, der schon für mehreren
Jahren mit ihnie gesündiget und aber bis dahin ein
bussfertiges Leben führet.' JMev. 1694. — 4. vor-
schlagen, bestellen, zu einem Amte. , Er ward ihhIi
in plüender Jugend zuo eim landsammann vcii .l. r
gmeind dargeben.' Salat. .Dass man in jedem viertel
im land zwen mann d. soll [um die jährlichen Rech-
nungen abzunehmen].' 1519/44, Schw LB. — 5. er-
brechen AaZei. ; Syn. ah-g.
wider-: 1. zurückgeben, -werfen, von Licht und
Schall Ap; Schw. Und jüchset halt se lüt, dass 's
recht icidergit am Wald. .An eine Maur, da die Sonne
brav widergibt.' JCSulz. 1772. — 2. erbrechen.
Syn. ab-g. ,5 pfd gab N. N., als er sich übertrunken
und es widergeben hat.' 1542, ZGrün. Arntsrechn. .Wo
einer sich trinkens vergän, wirt er syn straf darumb
zuo empfahen haben; wurde es aber einer w., den soll
man über nacht in turn leggen.' Z Mand. 1580; 1650.
,Dass sie mit Reverenz zu melden w. musste und
kotzeti.' ApI. LB. 158.5/1828.
(e)weg-: 1. verkaufen oder verschenken G; Z.
Sprw. : ,Was man nicht weggibt, das hat man noch.'
HPest. 1790. — 2. 's Mer w., an der Landsgemeinde
bei einer Abstimmung einer Partei die Mehrheit zu-
erkennen oder übh. das Ergebniss einer Abstimmung
verkünden Gl. I'* zeig-ech a", ''as'-i''' d's Mer nüd
eweg gi cha"'. ,Vom Mehr- Weggeben. Wenn der
Amtsniann an der Land.sgemeinde das Mehr weggibt,
soll es dabei bleiben.' Gl LB. 1835. — 3. mit Acc. P.
a) einen Schuldner dem Gemeindsbeamten zur Be-
treibung übergeben (vgl. an-g. 5) oder die Schuld-
eintreibung (mit Rabatt) einem andern Privaten ab-
treten Uw. — b) fort treiben. .Mach du dich vom
Hause, sonst gebe ich dich unsauber weg.' Gotth.
S. auch gehen I 3 b vi. Anni.; zuehin g.
Ob die RA. ,den Eid w.' (,N. N. wird aus Nachsicht für
seine Jugend bloss an den Pranger gestellt und d. E. weg-
geben.' 1590, Aar. Ratsman. It Ölhafen) nur gleichbedeutend
sei mit dem einfachen ,d. E. geben' (den Betr. schwören
lassen, dass er sich nicht rächen, oder dass er d.as Land
meiden wolle) oder [irägnaiit zu fassen sei =r ihm den Eid
auferlegen, dass er aus dem Lande wegziehen wnlle, künnen
wir nicht entscheiden.
zue-: 1. hinzufügen, zulegen. ,Wcnn die Erben
nicht zum Nachlasse stehen wollen, so wird das zu-
gebrachte Gut der Frau vorweg geschätzt; dem wird
dann so viel zugeben, dass die Gläubiger nicht be-
zahlt werden können.' 1545, Absch. Bei einem Kaufe
Etwas zum Preis. ,Anctarium, zuogab oder das zuo-
geben, das man eim in einem kauf zuogibt, fürzug.'
Fris. Bildlich: ,Darumb er [ein gewisser Wein] die
Trunkenheit, so man ihm zu vil zugibt, verursacht.'
RCys.; vgl. .zusprechen'. ,lndem er nicht mehr recht
essen konnte, gab er dem Trinken zu [trank er um
so mehr].' Z Nachr. 1755. — 2. zuschlagen, käuflich
zu eigen geben, z. B. ein Heimwesen Z. — 3. zu-
schreiben, a) einen Wert, zugestehen, einräumen,
gewähren. ,Die [Friedens-] artikel, die uns vorteil
zuogebend.' 1529, Absch. ,I)esshalb man uns unbillich
zuolegt, dass wir den hohen warzeichen [Sakramenten]
wenig zuoggbend.' 1536, ebd. ,Den globen hat er also
gelert, das' keiner unser"' gerechtigkeit minder zuo-
geben hab.' Kessl. ,Nun habend sy ein bildnuss ge-
hept, wie Christus an dem crüz hanget; ist einer
zuogegeu gestanden, der dem selbigen bild vil zuogab.
Üo es zuo eschen ward, sprach er: Nun sich ich wol,
das' ich nichts mer daruf halten soll.' ebd. ,Der
bischof, der dem stuol zuo Rom gar vil zuogeben und
sonders wol gwellen [hat].' Vad. ,Uie Krankheit hat
ihn so angriffen, dass im die Arzet wenig Lebens zuo-
i,'i-b'.Mul.' JosMal. 1593. ,Dass die Apoteker fälschlich
diesem Öl z.. dass es die anmäler vertreibe.' JRLandenb.
1608. .Doch sollen wir wüsson, dass die Arznei kein
kraft hat, wenn Gott nit will; sollen derhalben der
Arznei nicht ze viel z.' JJBreit. 16'29. — b) Ursache,
z. B. Etwas der Jugend, dem Unverstand zurechnen
Gl; Z. Vgl. 4. ,lch gebe solches zu dem wütigen
Landsturm Attilae.' Wurstisen. — c) als Eigentum.
,l)ass er unverschampt lügt, oft im [sich] selbs zuogibt,
das ander geredt band.' Gyrenr. — 4. Rechnung
tragen, sich wonach richten, Rücksicht nehmen, nach-
sehen, zu gut halten Aa; Gl; Sch; Z; vgl. 3 b. Me'
muess der Längi Öppis z., z. B. bei der Verarbeitung
eines Tuches; auch in moralischer Hinsicht, me muess
silier Juged Öppis z. Sulger. Dir müent im [ihr
sollet dem] Uverstand z. AAFrL, Formel der Ent-
schuldigung. ,Der Fuhrmann soll ihm anzeigen, wie
vil er wasser under den wyn getan habe, damit er
ihm könn z. [sich darnach zu richten wisse, welche
Beimengung von Wasser der Wein noch ertrage].'
ScHiMPFR. 1651. ,[Die Hofleute sollen nicht] Wälder
und Feldgebüsche ausreuten ohne Vorwüssen und ge-
nommenen Augenschein des Forstmeisters, welcher
befindenden Dingen nach Mass und (»rdiiuiig zue[-ze-]g.
wüssen wird.' 1723, Arg. IV l-M, ./üriili und Bern
meinen, den Klagen z. zu sollen.' 1V:!9, Absch. —
5. (zu viel) zutrauen, zumuten, „sich auf Etwas,
z. B. seinen Stand, Reichtum, zu viel verlassen, darauf
pochen, damit gross tun, sich mehr erlauben, als recht
ist B; VOrte;" Z. Si schaffed Nilt, si yeiid nu'' irem
Kichtiim zue. Von Einem, der Vermögen geerbt hat
und nun mehr braucht als vorher, sagt man : De Ma""
git dem e chli' zue; ebenso mit unbest. ,es': Er git-em
zue, tut zu viel des Guten, braucht zu viel Aa; Z.
„Seinem Gedächtniss zugeben = zu viel darauf ver-
trauen, wenn man z. B. etwas Notwendiges vergessen
Gab, geb. gib, gob, gub
hat oder in einer Rede stecken geblieben ist B; VOrte;
Z;" Aa. Dir g^bet mir e grosse Zug zue, ihr mutet
mir viel zu trinken zu B. — G. eine (gesetzliche)
Bestimmung enthalten, mit sich bringen, an die
Hand geben. Vgl. dar-g., .vermögen'. ,Wie der buoch-
stab das zuogibt.' 1523, Absch. ,Da vermeint ich,
Spruch und vertrag gebend so vil zuo, dass myn herren
von Zürich euch söttend sjn in eim sömlichen handel.'
1529, ebd. .Weliche Gedächtnuss, vfie der Kinder-
bericht [Jugendunterweisung] zugibt, uns dahin dienen
soll, dass [etc.].' Fäsn.-Pred. lÖOl. , Demnach des
gottshus fryheiten vermögent und zugebent. dass ein
prelat des tals rechter oberherr sye.' Iö99, Ztschr. f.
Schwz. R. — 7. Jmdn zur Beaufsichtigung oder zur
Unterstützung eines Andern verordnen. , Auf dieses
habe man im [dem verdächtig gewordenen Priester]
4 mann zuogen [ihn im Pfarrhofe durch 4 Mann be-
obachten lassen].' 1548, Absch. Ein , Zugegebener':
einem Amte als Gehülfe Beigegebener. ,Von einem
E. Rat den Fuerlüten Zuogebner.' JosMal. 1593. ,Z.
des Kornamts in St Gallen.' Z Nachr. 1755. Schutz-
verwandter, Diener, adlatus: ,Ward sampt seinen zu-
gebnen ze Ritter geschlagen.' Grasser 1625.
Bed. 3 1) imd 4 mögen in einzelnen Fällen schwer zu
unterscheiden sein. Ebenso bleibt fraglich, ob Bed. 5 auf
der Vorstellung ,Etwas zum richtigen Mass hinzu tun' oder
auf .nachgeben, erlauben' beruhe.
zuehin (zueche, «Mefte^-gehen : 1. (mit Acc. S.)
herbeischaffen, nahe rücken, z. B. einen Stuhl BM.
Übertr.: Einem Etwas ans Herz legen, einschärfen;
klar, deutlich machen BHk.; Syn. z.-leggen. — 2. (mit
Acc. P.) herbeitreiben, -locken. Es geh d' Lüt am
Beste zueche [zum Mahle]. Gotth.
Letztere Stelle könnte auch auf etwas prägnanten Gebrauch
von gehen II 4 b oder 5 a 2 oder 6 zurückgefülirt werden.
Eige(n)-Geber : eine Art Friedensrichter in
Eigentums- und Baustreitigkeiten ZWint. bis E. XVIIl.
— An- s. angehen. — Geld-Usgeber: Werboffizier,
Werber. ,Ufwigleren und geltusgeberen halb.' Satzg
wider das Reislaufen 1542. .Frömbde Officiers, Auf-
wigler und Geltausgeber, welche unser Volk in frömbde
Kriegsdienste dingen.' ZMand. 1701. — Gant-Geber:
Feiltrager, der Ganten über eigene oder ihm von Dritt-
personen übergebene Waaren veranstaltet G.
Holz-: TJnterförster, der hauptsächlich zum .Aus-
geben' (s. d.) des Holzes mitgewirkt zu haben scheint.
Schon 134(3 werden für den Eschenberger Wald der
Stadtgemeinde ZWint. 2 H. genannt. ,Es soll der
forster niemant kein holz nit geben, denn dass es die
zwen mann vom rat, die h., heissent.' 1463, ZWint.
,Der forster soll sein holz an den orten, da es ihm
von h-n zeigt und geben wird, machen.' ebd. ,Un-
angesechen an welichen enden inen von den geordneten
h-n das holz zu hauwen und ufzeraachen verzeigt wer-
den.' 1584, Hotz, Urk. \g\. Holzamtmann. — Satz-:
beim Kegelschieben derjenige, z. B. Wirt, welcher das
zu Preisen bestimmte Geld gibt und dafür die Ein-
lagen der Mitspielenden einstreicht Schw.
Parbenufgeberlis: ein Kinderspiel, bei wel-
chem die Kinder Farbennamen unter sich verteilen
und von Engel und Teufel erraten lassen Bs; Z. Vgl.
RocHH. AK. S. 423.
Eig. sollte das Spiel nur F.-u/gibi's heissen; die Form
mit -fr scheint nach Analogie anderer Spielnamen, z. B. Räu-
heris udgl. gebildet. Die Endung ist die von Fähia (s. d.).
Us-Gebet m. : das Ausgeben von Geld. En chiirze''
Pracht, aber en lange'' Ü. = kurze Freude und viele
Kosten, z. B. mit Bez. auf eine Taufe ZSth.
Nach Analogie derjenigen Masc. auf -et gebildet, welche
eine zu bestimmter Zeit eintretende, z. B. landwirtschaftliche,
Tätigkeit bezeichnen.
Gebigs GG., Gebike- Z, Gebi°ge° Bs; Gl,
Gebis GRChur;GW.;Uw, Gebistorf Aa, Gibenach
Bs; Gibike" Z, ,Gibinge'". Sprww. 1824: fingierter
Ortsn., in der Formel fnitj vo" G. sl, (nicht) mitteilsam,
mildtätig, freigebig sein. Nit vo" G., aber vo Nemis
(Nemioge', Nimmike"), nicht zum Geben, aber zum
Nehmen bereit Bs; Uw; Sprww. 1824.
T. Wortspiele mit wirklichen Ortsn., t. nach der Anal,
der zahlreichen Ortsnu. auf ,-is, -ikon, -ingen' erfunden. Vgl.
noch Nlmsingen u. Wackeru. Kl. Sehr. III 1'24, 1'26.
Angebi"g f.: Anweisung, Überlieferung. Vgl.
angeben. ,Die taten, brüch, angäbungon und man-
cherlei wys und Ordnungen, mit denen Gott das mensch-
liche geschleoht in warem gottesdienst angewiesen.'
BiB. 1560 ,Das ist die heilig angebung der vätter.'
HBoLL. 1597.
Jär-: Volljährigkeitserklärung, durch Behörden, in
Notfällen B. — Eig. die Zuerteilung der zur Ausübung ge-
wisser Rechte erforderlichen Zahl von fehlenden Lebensjahren.
Gebi "ge" s. Gebigs.
Gebis: 1. Günnis und G. (Gewinnens und Gebens)
spielen, d. h. so, dass der Gewinnende den Preis wirk-
lich ausgeliefert erhält AAZof. ; antonym vergebis. —
2. fingierter Ortsn., s. o. Gebigs.
Das -i« von 1 (für Gebens, daher mit «* gesprochen) ist
der für Spielnamen übliche Gen. des Inf.
Gebistorf s. Gebigs. Zuegebner s. zue-geben.
Ubergebniss f.: 1. Übergabe von Eigentum.
,Die Mehrzahl der Ordenspersonen habe freiwillig das
Ihre den Herren [der weltlichen Obrigkeit] übergeben ;
es habe euch das Stift die erste Ü. getan.' 1529, Absch.
.Wellend auch denselbigen brief und übergebnuss der
caplany hiemit bestätiget haben.' 1532, Strickl. —
2. Verzicht auf Rechtsansprüche. .Keine Partei darf
eidlich zu einer ü. [in Folge von schiedsrichterlichem
Spruche] verpflichtet werden.' 1551, Abscu.
Gebuse, -juse s. Gabuse Sp. 62.
Gebolet: Becher. , Ein ubergüldt trinkgeschirr, ge-
nannt ein g.' Bisch. Johannes v. Bs 1469/70. — Wohl
verschrieben für frz. gabelet.
Gibenach s. Gebigs.
Gibi f.: eine Portion (Heu), die dem Vieh auf ein
Mal vorgelegt wird; gewöhnlich so viel, als man in
beide Arme zu fassen vermag = Arvel Ndw. Von
geben; vgl. Ledi, Ladung, von laden u.a.
gibig: 1. gern gebend Ndw. — 2. von Sachen,
a) von Schulden, auf deren Bezahlung gerechnet wer-
den darf. ,Wie vil deren [Schulden und Ge^enschulden
des Klosters] flüssig, gichtig und g. sygend.' 1529,
Strickl. — b) von Münzen = gab, gangbar. .Dann
das gelt hie gängig und g. ist.' 1618, Absch.
Gibikon, Gibingen s. Gebigs.
Gibinix = Ämdfresser Bd I 1324 LE.
Gihisnüt m.: (gib uns Nichts) 1. Knauser Z. -
2. Name unfruchtbarer, öder Grundstücke Z. Ab-em
G. si, ein Geizhals sein Z. — Vgl. Pnimcr, Flurn. bei
WSiders.
^nib
erjjribli'i'. -lii;: 1. ergiebig BO.: (ii.; stärker,
klüger usw., als es scliieii BSi. Auch von einer Last
(in. Da chann-mii" e. berge; hier ist genug Gelegen-
heit zu Bergtouren BAdelb. — 2. widerspenstig, un-
oniiitindlich BB. — Bed. 2 aus a-yehcn i. S. v. ushin-ij.,
Vurwürfe eiwidern, widersprechen.
Cibel m. : 1. Gipfel, oberster Teil eines Hügels L ;
der Hügel selbst Schw; spitziger Hügel BE. Syn.
G-uhel, Gühel; Gutsch,Gütscli ; Rubel. Name bestimmter
Örtlichkeiten : einer Berghöhe im BO. ; eines Rebberges
bei ZNer.; ,im Gibel' ZOttenb.; ,in der Gible', Name
einer runden flachen Anhöhe bei ZDietl.; .Gibelrain'
ZBonst.; ,Gibelwies' ZKied. ,Uf den giblen der bergen,
in jugeribus.- 1480, Geschfo. Gs. ,Die adler setzend sich
auf die hohen und sichtbaren g. der bergen.' Vouelb.
15.57. .UfdemG.desselbigen Bergs.' R Cts. ,Uf einem G.
oder Felsen.- ebd. .Aufhoben ungepflanzten Giblen der
Gebürgen.' Tschddy, Gallia 1758. ,Im Kopf oder Gibel
des Gottharts fallet der Tes [(Tessin) ete.].' ebd. ,Auf
dass des Bergs G. nimmer gewalzt werden.' Wurstisen
1705. Häufig als Fluni. Aa; Ar; B; L; G; Schw;
Zg; Z. — 2. der über das Geviert eines Gebäudes
hinauf bis unter die First fortgeführte, spitz zulau-
fende Teil der Mauer der Schmalseite, allg. Figürl.:
's Hüs hat cn G., die Sache ist fertig. SrL(iEK. —
3. winkelförmiger Einschnitt. z.B. das nicht aus-
gebaute, offen gelassene (iieliclsUicK ;ui ein. 'in Heu-
schober, der zum Eintra-m ,1,- lim,., l,eniil/i wiiM
BR.; WVisp (Syn. ].u~:rln. llin-rlnnil in .■iii,. W,,..e,
Überall hed er [der ]<•.:■ \;,, hliai | Chi," „<■ " .fuimi,
beim Mähen herausi;v„hiiitteii o,|. r rin-eTlm. l;|;.
Auch der gezackte f;i, ;iii'l,tc/ l.'.uhl \mii riLui/.eii-
blättern. ebd. — 4. GirbcL aucli Laayirbd, -<jirlnU,
der hintere Teil des Scheitels, wo das Haupthaar von
einem Punkt aus schneckenförmig sich ausbreitet
S<nNnk. Kopf eines Tieres. ,Der g. [eines Reihers]
was schwarz.' Vogelb. 1557. — 5. oberster Teil einer
Pflanze. ,By den stüdelen uf den gibein und esten
nester zuosamm geweben warend.' G Hdschr. ,Das
gibele, kleins hörnlin der bluom, apiculus.' Mal. ,Den
G. [des Ästleins] sammt den bleichen Äuglein ab-
schneiden.' JCStTLz. 1772. — 6. Gebäck, Brötchen
von der Form eines Doppelhorns Z (selten, sonst <?ip/eZ).
— 7.= Gable 4 a, Vorrichtung zum Tragen von
Holz GrV.
Mhd. <jihel; ahd. yehul, Schädel. — Zu der Nbf. mit -;•-
liir Bed. ;3 hat das Syn. Wirbel mitgewirkt. — 7 ist ein
(l'aar) nach unten gekehrter Giebel. Vgl. Gubel.
Staffel-: Gicbelmauer mit treppenartigen Abstu-
fungen, Windbergen ti'cH.
Gible" f.: Name von kuppeiförmigen Anhöhen Z.
,Giblenfluo.' XIV., L Propsteirodel.
gible" I: ein Haus mit einem Giebel versehen.
,Hüser ze g.: Wellicher sich in der statt Thun mit
muren an synem hus ynbeschlüsset und sicher tuot,
dem soll die statt den halben teil des Ziegeldachs
geben und bezallen.' 1539, BThun. Stadtsatz. — in-:
mit einem Giebel einfassen. ,Die hüser yng. und mit
zieglen decken.' 1539, Ztschr. f. Schwz. R.
(jilbe" f., Dim. GM, Gibeli: 1. Ziege, traulicher
als Geiss und daher bes. als Lockruf B; „F;" L.
Gijbe se se, chumm se se! [nimm!] Gotth. Die dim.
Formen (vgl. Gitsi zu Geiss) t. zur Bezeichnung einer
Schweiz. Idiotikon. II.
kleinen oder jungen Ziege {Gibi A.\: S tw.. Gibeli L),
t., bes. in Kindermund, der Ziege übh.. auch im Lock-
rufe und tw. nur in diesem B; ,F;- L; S; ,aueh
Schmeichelwort für junge Hirsche im Stadtgraben B;
F; L." — 2. grösserer oder kleinerer Pferde- oder
Handschlitten, zum Transport von Holz u.a., auch
als Sehneepflug gebraucht (B), oder Schlitten der
Jugend zum Vergnügen des Schlittenfahrens, in Bern
im Unter^rhicl /n den kleinen der jüngeren Kinder
ein gr.i^-erer Im inolirere Personen zugleich, daher
der Wanirul: llfil Sorg [gebt Acht]! d' G. chunnt!
(s. Alpenr. 1868, 19). — 3. Mädchen, das sich gern
übermässig belustigt BE. Vgl. Geiss; Zlbe.
Die Übertragung auf den Begriff '2 bezieht sich darauf,
dass die Kufen dieser Schütten vorn hornartig aufragen ;
vgh das syn. Ueiss. — S. noch (lüeoniler.
Gibel m.i Vergröberungsform von Gibi (s. Gibel)
Aa; LG.
Gibeoniter ,Gibi-' m.: scherzhafte Bezeichnung
eines Schneiders (B Hist. Kai. 1815), des von ihm be-
nutzten Reittieres, Pferdes (ebd. 1823).
Wahrsch. das aus der Bibel bekannte W. scherzhaft als
Abi. von Gtbe gedeutet, also Gibeoniter = Ziegeureiter.
gibeonitere(n) : (tr.) Jmdn beraeistern, über-
winden B (selten). — Reminiscenz au Jos. 9, '21. 22.
>ribinii're(n): verdriessen, ärgern BS. Syn. gu-
\iiliiliirs l.ehiiw., viell. aus bi,jgmiere (f. .piqnieren',
li/. /.M,.f., I. vidi, mit Anlehnung an gibeonitcren, jedenf. mit
ilrr liui Lehuww. eintretenden Konsonantcnerweichuug.
Gibiz s. Cririz.
giWeil H: 1. (auch rer-g. ,B; F; L;' S) die Beine
aufwärts oder aus einander strecken; verrecken, ver-
enden, gewöhnlich also nur von Tieren, bes. Ziegen,
von Menschen grob und verächtlich Aa; B; S (auch
uf-g.); TuErm. D' Ous.< isl ,f,,,1,let. Gester ist im
d' Chats g'giblet, der Juiial | Kater] ist dervu' cho".
Nit eil besser a's e g'gihlcti Geiss drl" g'seh'. Gotth. —
2. (cer-g. B) ausser sich geraten, den Verstand
verlieren TuTäg., vor Angst, Sorge, Ungeduld ver-
gehn B. Vgl. gibelifitzig Bd I 1154. — 3. (auch üs-g.)
welken, absterben, von Pflanzen. Vgl. giblig. Syn.
us-serben.
Das Syii. ccnjitzlm (s. J.) legt diu Abi. von Gibc nahe;
allein ilir-e Alil. «ünlr uns n.lli-rii. eiie srlime und nur
etwa .Im, li laK.le A.iI..|n,iiliL- . iklmlele \. ik. des Voc.
anznn..|iiH.ii. lo ^.L.ii.l natiu li. Ii. i , ;, ,.1,.,.... Kildung im
Ablautsvcrhuitniss zu ;iiiblen aulziilusscu; vjrl. tiibcli-GäbeU
Sp. 58 Anm. u. vgl. tirol. Gitjel, Flisse.
giblig: welk, von Pflanzen TuErm.
gob, göb s. geb Sp. 65 und geb II Sp. 6C.
(iubel — PI. -ü- (ü auch etwa schon im Sg. SchwE.)
ni.: 1. (6r!«6eZScHW; Uw; U; Zg; Z, CrHfcer BSchwarz. ;
LE.; als Flurn. auch GRapp.) Hügel BO.; Vürte;
Syn. s. Gibel; auch: Felsabhang ZO. i> ist scho' über
all Gabel, weit fort Zu. Es wird aw'' Bebe" ha" bi
ew''? „A, bis au"'' g'schld, ivo 's Niit as Gühel hat
und Felse"." Stütz. Als Flurn. (auch Dim. G=M/)e?i) G;
Zg; Z. .Gublen' (Dat. PI.) ZBauma (,in villa gubelon.'
Urk. 1261). ,Eichgubel' ZMur. ,Wissguber.' LE.
.Der Guberwald.' 1648, Ndw. ,Ein Markstein unden
uf dem G. uf einem Abrain.' 1660, AAWctt. Ardi.
Dalier die den Wohnort andeutenden Geschlechtsnn.
Gab— gilb. Gabt— gubt. (iacli— Glich
100
Gubler, Gubelma'" Z uiiJ wahrsch. auch Guhel: ,Hans
Gubelmanu und Henslin Gubeli." 1495, Z. — 2. Giebel,
bes. runder Ndw.
Das nihd. WB. hat nur das Comp, yubdnaijel, Hufnagel,
wonach die Grnndbed. des ersten W. .rundliche Anschwel-
lung, Erhöhung' sein könnte. Unzweifelhaft ist es auch
lautlich Twdt mit dem z. T. syn. (f'ibd, und mit p/ ent-
sprechen , Gipfel' und Gup/. Doch scheinen die Formen mit i
mehr eine spitzige, die mit m eine rundliche Erhöhung zu
bezeichnen. Vgl. Ou/el, Gugd. — (iuher Nbf. mit dem in
Suff, nicht seltenen Wechsel von r und l.
Eiter-Gubel: Geschwulst F. Syn. Güge.
Guble(n) f. = Guhel G; Z.
Gublete f.: hüglige Gestalt der Erdoberfläche.
Das ist au"'' e Wiscte, c Feldrete, e Waldete, e Gublete
wit und breit. Stütz.
Guber s. Gubel.
Gübi s. Biihi, Bibi.
Gab seh i s. Gabri
Für Gabs usw., Gabsch usw. s. Gap.^, Gapsch.
(libt f.: Ge.schenk, Vergabung. , Und wellt das der
herr nit globen, dass die g. also beschehen were, mu-
gent sy dann zwen erber unversprochen mann haben,
die das gesehen und gehört band, dass die g. also
beschehen ist.' ZDürnten Offn.; Binzikon Otfn.
Gleichbed. mit ,Gift' i. S. v. Gsibe, aber nicht lautlich
aus jenem entstellt, sondern mit urspr. d (nicht () gebildet
nach .\nal. von (ireU (ijrahirla, ijidcde), Begräbuiss, Khijl,
Klage u. a.
Gacli, gech, gich, goch, gucli.
gäch UwB.. gäch Aa; Ap (geieh Kurz.); BsStdt;
Vürte; Gl; GRHe.; G; S; Th; Z. gech BsLd; BBrisl.;
GSa., gd, flekt. gäje B (gäj, Si. g'ej; ntr. gäis); GlK. ;
Gr (ge-e, ge-i, gesj; Sclger; W: jäh. 1. sich mit
ungestümer Schnelligkeit bewegend, rasch oder plötz-
lich eintretend Bs; B; L; G; rasch haii.b-hi,!. eilfertig,
hastig, übereilt Bs; Uw. G. vai-li^r". in uii,i,'ewohnt
kurzer Zeit gross werden L. JJcr .Sclihtle" f/eit gäj
über de' Hain abe B. Du hest-mer 's z' gäis g'macht,
hast mich überstürzt BO. Muess-es g'rad gäi si"?
ist kein Aufschub gestattet, ebd. En gäja Überfall.
ebd. ,Ein gächer stürm [Auflauf].' 1524, .\bscb. ,Das
inen kein angrifl'geches [adv. Gen.] üflufl".' Gl Bundbr.
1352. 's g. Bluet Uw; Z, ds Gäh Gr. das oder die
Gäja GrS., eine Blutkrankheit des Rindviehs, Blut-
schlag, auch der in seinen Erscheinungsformen ähnliche,
ebenfalls mit raschem Tod endigende Milzbrandrotlauf,
wofür auch die Namen Lendenblut, fliegender (schwar-
zer) Brand, Herzkröte, Viag, das Böse, das .schiessend,
das heimlich Bluet; Angriff; Karfunkel; Rot; Büsüch;
Viertel; Bluetanstossen; (jrrippi; Überritt; Mord be-
gegnen. .Erbsuchten [der Kühe |, so die pauren nen-
nend das sterben, das gäch, der schelm.- Tierb. 156.3.
,An orten, da der gach tod under dem vech ruerte.'
XVI., Ztschr. f. Schwz. E. ,Wann ein Haupt Vieh
das wüetig Bluet oder gäch Bluet oder Bresten oder
Milzsucht hat.' Arzneib. ZZoll. fföcA.(ScHW; U) oder
ds gecha' Tods (GSa.), z' gächem Tod (GWe.) g'storbe"
= es het-ne' gäj g'no' B, es het-mu's [es ihm] gäi
g'macht BO. De' g. Tod bes. vom Schlagfluss L. Zum
Feinde: i"* tveusch [wünsche] dir ke' gäche" T., aber
ke° Sunntig meh. ebd. ,Gäher Sterbend.' ZWthurer
Mand. 1580. .Dieweil Niemand vor dem gähen oder
schnellen Tod sicher ist' JMüll. 1065. G. werden
ein plötzlich hoch aufloderndes Feuer, eine plötzliche
Hitze genannt, bes. mit Bez. auf die Kochkunst Z.
Am oder ob-em gäche JfYtr; a" der gäche" Sunn; vgl.
übergächen. ,[Dcn Speckkuchen] soll man gäch [an
solcher Hitze] bachen.' Bs Kochb. 1592. ,Feur von
solchen Sachen kann ein gehe Flammen machen.'
JCWeissenb. 1678. 's g. Glück, ein unerwartetes,
plötzliches L ; Z. Scherzh. : Men ist nie sicher cor-em
gäche' Gl. Z. Iron., von einer Torheit: Das ist guet
für 's g. Gl. (und de" schnell Richtum) L; SciiSt.; Z.
Viell. identisch mit letzterm Zusätze ist die gäche
Rlchstage Z. Die g. R. gönd iez denn a". Für die
g. R. spare', für lachende Erben sp. Me' seil nie
z' g. i' Haberbri bisse' S. Ist das Manier ? Hilfst
Fronde" g. [gegen Fremde bist du dienstbereit]. In-
eichen 1859. .Sind nit zuo gäch; nianend üwre Lüt
haim.' 1437, Z Ratsman. ,Die von Schwyz begerent
gächer hilf von uns.' 1444, B. ,Die am Zugerberg
werden in dieser Teurung wohl nicht so gäch sein,
um Mannschaft auszuheben.' 1524, Absch. ,In dem
gähen ansehen [Beschluss], so one myne herren von
Zürich beschehen.' 1.526, Zwingli. ,Dass wir nit zuo
gäch noch anfänger [des Streites] syn wellind.' 1530,
ebd. ,Er rüeft Gott g. und ängstlich an.' 1531/48,
Psalm. ,So er schnell und g. überfallt, wer will ihm
weeren?' Bib. 1531/60. ,Die anschläg des fruotigen
bringend nichts dann vorrät, wer aber (zuo) g. ist,
der überkommt nichts dann mangel.' 1531/1707, Prov.
.Den gehen fluss in äugen zuo stellen.' Vogelb. 1557.
,Repens; prseceps: g., schnell, bhend, das gächlingen
und unversehenUch daher kummt; strüttig, unbesinnt,
freven.' Fris.; Mal. ,Bescheiden, behuotsam, nit zuo
g.: verecundus.' Mal. .Gesunde oder [dagegen] gäbe
ratschlage.' Wurstisen 1580. .Kam ein Regenwetter,
dass alle Wasser g. ufgiengen.' RCys. 1600. .Als guot
so gäch ich [so gut als ich es in der Eile] konnte.'
Bs Promot.-Grat. 16'24. Im J. 1634 wird vor der Tag-
satzung geklagt, dass die Prädikanten im Bheintale
die ,gähe oder Weibertaufe', d. i. die Nottaufe, ein-
geführt hätten. ,(Tach ist ellig, schnell.' Erklärung
dunkler Wörter Z 1701. ,So einer aus Eifer allzu
gäbe und jastig gewesen.' JJÜlr. 1727. ,In peinlichen
Sachen soll man nicht zu g. fahren, dann ein gächer
und nicht wohl besinnter Rat ist ein zweifacher Fehler.'
Lindinner 1733. ,Von einem gächen und strengen
Urteil.' ebd. .Ein Hirt [vor Betlehem] zue seinen
Gesellen sprach: Freunde, seid doch nit so gach, ich
muess euch noch Eins sagen.' Altes Lied bei BWvss
1863, 8. Begierig nach Etw. strebend, erpicht: ,Wo
er guot und gelt wisst, was er gach daruf.' Vad. In
diesem S. bes. mit unpers. Wendung und durchweg in
der richtigen Adv.-Form gach i. S. v. grosses Verlangen
nach Etw., einen ungestümen Drang, Trieb zu Etw.
haben, heftig gelüsten ZKn.f .Der liebe ist nach gelt
nit gach.' Eckst. 1525. ,Ze fliehen was inen gache.'
Gacll, gech. gich, gocli, guch
m
Si-HLAi-HT b. Eagatz. ,l)en von Zürich was gar gach
nach vileii landschaften.- Vad. ,I)a ist etlichen Lu-
tlierischen so gaach über die Zwinglischen gewesen,
(las vor und ehe sy etwas habind mit den Papisten
wellen handien, wolltend sy die Zwinglischen ver-
dammen.- LLav. 157ti. ,Zum Prass h" jedem ist sehr
g.- Emblem. 1622. .Nach 's Herren Leib war ihnen
[den Grabbesucherinnen] g.' altes Osterued. Syn.
valz. Leicht aufbrausend, jähzornig Aa; Ap; BO.;
(iR; L; GF.; U; ZO. G. werde". Er icird gar grüsli"' g.
jViC nit so g.! En gähe Ma'" soll eselrite'. Sulger.
8yn. gächschützig ; gefürig; ergrinnen; Für im Dach.
Gäis Bulver han BRi. Es gdhs Fir [Feuer] fassu"
W (vgl. 0.). ,Gäch und zornmüetig." HBpll. 1527/1722.
.Sie seien gegen ihre Angehörigen so geschnitzt und
gäch, dass sie gegen dieselben etwas Ungebührliches
vornehmen könnten.' 1529, Absch. ,Wann er [der
Herr] fürbricht, ist er gar gäch.' Salat 1537. ,In
einem gächen Zorn.' B Gsatz 1615. .Gech.' 1528, F,
,Gächuf' mit PI. ,die Gächufen.' 1483, Tu als Ge-
schleehtsn.; so wahrsch. auch Gäch und Gächli, wie
aus den Orts- und Flurnn. .Gahenmad.' 1523, G, Gach-
nang, viell. = *des Gachen Wang Th, ,Gachnouw.' 1600.
Z, Gächliwil S, Gächlingen Sch zu schliessen. —
2. (Adv.) früh BO. — 3. Begriffssteigerung. De-'
g. Hunger bieget -ein zu 'n Augen üs Z; Syn. gellig.
En g-e'' Lappi, ein völliger Tor. Suterm. — 4. steil
abfallend oder ansteigend Aa; Bs; B; Gl; Gr; G;
U; Z. Syn. stotzig (ahhaldig). Holperig göt's hergab
lind gech mitunter. Breitenst. .Gottes Hand, gähe
Wand' = es ist schnell ein Unglück (zunächst durch
Sturz) geschehen. Scbw Zeitung. ,Was in™ not wirt
[so viel Holz als sie bedürfen], gahs [jähe Stellen der
Alpweide] zue zünen.' 1527, Zellw. Urk. ,Der ein-
gang ist eng und gäch.- 1531, Esra. ,Ein hohe und
gehe sträss.' Kessl. ,Die Brustwehr, so sich gegen
dem Feld abdachet oder gäch ablauft' Kriegsb. 1644.
,Geh, gäh. gech. jäh, stickel, steil: prseceps, prseruptus.'
Red. 1662.
Ahd. als Adj. gahi (nihd. gaehe, aber auch ySc/i, ija), als
Adv. fjäJio (mhd. jäci), schnell, ungestüm. Gäj wie fnlej
uJgl. — Ricliataye durch falsche Anlehnung für nicht mehr
verstandenes Sichtag (vgl. Siechtarj = Krankheit u. a.); man
mag an das mit einer Katastrophe anbrechende ,Tausend-
.jährige Reich' gedacht haben, wo man kein Geld mehr braucht.
- S. noch Gäch-uf Bd I 121.
eng-gäch s. eng-ächs Bd I 75. — stotz-: sehr
steil, beinahe senkrecht, „allg." — dach-, fach-:
sehr steil Bs; Z. — stotzwand-: ebso, eig. steil wie
eine Siotsuand, die hohe, glatte Giebelseite einer
Scheune ZO.
gächen, gächen: 1. {gä-e BG.; „F"- — Imper.
gach BG. — mit .haben-) eilen. ,Ilen und gachen.'
JLenz. ,Myn Herren warend die, die in der sach
[Aufruhr der Landleute] nüt glych gachtend, und
schicktend ettliche Ire ratsfründ und [diese] redtend
früntlichen mit inen.' Edlib. .So pitten wir üwer
gnad, dieselbe welle nit mit dem doctor also g., sonder
ine zuo antwurt kommen lassen.' 1516. DHess 1818.
,Gnädige liebe Herren Eidgenossen, ich bitte euch
um Gottes willen, gachet nit mit mynen Herren von
Zürich.' 1524, Mise. Tig. ,Wie ir uns ermant, wir
wellend in der sach nüt gächen, sonder alls mit wol
erwegnem rat fürnemen und handien.' 1531, Strti-kl.
.Wellen wir nit mit im-n Idrnjonigon Untertani>n.
welche .noch schwach sind' in der neuen Lehre] ga-
chen, sonders mitlyden mit inen haben.' B Mand. 1528.
.Bitten wir üch, [dass] ir mit den zweien, so von be-
meldten handeis wegen gefangen [sind], nitg. wellend.'
1532. Strickl. (es drohte denselben die Folter). ,Dass
sy der sach einen ufschub geben wellind und mit dem
rechten [dem Process] nit g.' 1532, Absch. ,Gacht nit
an uns. Her Küng!' Birk 1535. ,Nun will ich gaben
nit an dir: die grechtigkeit gilt mer bei mir.' ebd.
.Mit solcher sach ist nit zuo gaben.' Aal. 1549. , Siehst
du ein rech [Reh], schnell gach. still gang im nach!'
RuEF 1550. .Sy wellend doch nit mit im gechen.
sunder sy [sich] wol besinnen.' Kessl. .Wir ver-
nSmend, wie die üweren angryfen wöllind; da ver-
manend wir üch nit ze gaben.- HBull. 1572. .Noch
hatten die Vätter nicht mit ihm gaben, sonder durch
langwirige Betrüebnuss des Kerkers ihn bekeren
wollen.' Wurstisen. ,PriBcipitem ferri ad alqd: gachen
mit etwas.' Denzl. 1677; 1716. .Ijiächen: pra;cipitare.
priBcipitem ferri ad pisnam.' ebd. , [Einer] der gächet:
pra?properum ac fervidum ingenium.' ebd. — 2. {gä-e
BG.. gechen PGr.' ge'-e T, ge'ije PPo., geien PAl.)
nehmen; holen. Nid lan» dernöa ged d'r jongst
Buab Alls z'seame on'' gcid fort ober 's Law', oder
(nach Schott) heggecht [hat genommen] Alls un'' is
wlt g'ganged, wofür andere P Übersetzer der Parabel
.zusammen lesen, zs. legen, zusamnieln, zs. machon-
gebrauchen. Ehe neinwc \\r\\ liin nirlit \n,-hr\ irrnlii/.
dass ier mech fir ous Cliiiin [liir ^in'i- Kiiiil| niniirhnl.
ahergeched-mechfiroiiiif" Chiwclil. oh er-niv'' iiiil-niii
[mit ihm, sich] ge-et? Ein fremder Geselle in PPo.
beklagte sich über seine Meistersleute : kaum habe er
sich alleraal zu Tische gesetzt, so habe es geheissen
,ged uis!' (er verstand es als ,gehet', was dort genget
heisst).
Mhd. (jachen, yaehen, eilen. — Für die allerdings sonder-
bare Bed. '2 kann .(eilig) zusammenraffen' als Mittelbegriff
dienen.
über-gäche", -gähe": 1. tr. (Brod udgl.) zu
schnell, in zu starker Hitze backen, wodurch das
Gebäck aussen braun, inwendig aber schliefig wird
GRÜhur, He. — '2. refl., sich übereilen, indem man
in den erhitzten Leib hinein trinkt GRChur. — ver-
gächen: (refl.) sich durch Übereilung vergreifen.
Bitte an den Rat zu R., damit man nicht auf ,fliegende
Reden [Gerüchte, Verdächtigungen]- hin sich an dem
vorher ehrlichen Manne ,vergache'. 1527, Egli, Act.
Gäch m.: jähes, unaufhaltsames, rettungsloses
Stürzen. In-ne' Gäj cho'. Der Gäj het-ne" uberno"
BHa. (Zyro).
Vgl. änhd. .die Gach'. Eile; Jähzorn. Viell. sind auch
da« llahj das, die Gltja (s. gäch i) als Substantivbildungen
aufzufassen. — Die concr. Bed. (steile Halde) erhalten in
Gitzigäh, Name eines Grundstückes (Sulger). gleichsam an
dem herum zu klettern den Ziegen zukommt.
(iächi GLtw.; Z, Gä-i, Ge-i BHk.; GlK.; Gr
f.: .lälilioit. I.Eile. Geschwindigkeit. Etw. nur i"
der Gä-i machen BHk. .[Wir haben unseren Unter-
suchungsrichtern befohlen, die Schuldigen alsbald ge-
fangen zu nehmen.] So sy aber ein soliche anzal funden.
dass also in einer gächi nit mit inen ze ylen gewissen
[wäre].' 1532. Strickl. — 2. frühe Zeit {\g\. gäch :>)
Es ist kei G. me, es ist nicht mehr zu früh. z. B.
eine Schuld zu bezahlen Gl. — 3. Steilheit; comr. :
steiler, abschüssiger Ort Gr. .Üljcr die hohinen mi.l
m
Gacli, ganch, ^ech, gicli, goch, gucli
gehinen.' Kessl. ,[Ist] gäbe halb [schwierig zu er-
steigen].' WüiisTisEN 1580. ,Daruf würt das gebirg syner
gäbe halb ruber.' JJRüeöek 1606. ,Das Gebäude ist auf
dem äussersten Rand einer abhängenden Gäbe oder
Preciplce aufgeführt.' JJBreit. 1773, ,Die Gäben hin-
unter.' ÜBrXgg. 179'2. — 4. Übereilung. Jähzorn.
,Es soll niemann in einer gäbe tuen, das in nach dero
gerüwen niög.' Zwingli. ,Der wyn machet den jungen
lyb, der von im selbs zuo gäbi geneiget ist, wüetend.'
ebd. ,Ihm was der Eidgenossen Gäche und Unbeharr-
lichkeit wohl bekannt' Ansh. ,Dass ir mit guotem
zytlichem Vorrat [Vorbedacht] in dheiner gäche, son-
ders mit werlichem vorteil handlint.' 1531, Strickl.
,B;tte sie dringlich, von irer gächi abzulassen und
nicht aufzubrechen.' 1540, Absoh. ,Gähe und häftige
des geniüets: impetus animi, incogitantia.' Mal. , Keiner
ihrer Amtleute sollt kein Studenten on Erlaubniss
des Rektors fahen. und wenn schon einer in gäbe ge-
fangen, sollt er ihm zur stund überantwortet werden.'
WuRSTisEN 1580. ,Weil die Römer gar nit pflegen,
sich mit Gäcbbeit zu belegen [vorschnell zu handeln].'
JCWeissenb. 1679.
„Gächli»g m.: zum Jähzorn geneigter Men.seh."
Syn. Gächuf.
gäcbli"g Z, gälig GT.: 1. plötzlich; rasch, über-
eilt, a) adj. I''' weusch-der hei' gächlige Tod, aber
wenn 's -di"'' nW au''' ndm bis morn z' Abig. Wolf,
Rel.-Gespr. ; vgl. (/äc7^ Gächlige" Tods sterbe" ^. ,Ein
gächliger üfbruch.' 1531, Strickl. ,Wer sich Gott
entgegenstellt, syn gächling urteil uf in fallt.' Rüef
1550. ,Aus kriege entstehen gehlinge teurung.' HBüll.
1597. ,Ein gehlinge enderung.' 1621, JJBreit. ,Ein
gehelinger Platzregen.' 1763, Zo. Von Gemütsregung:
,Ein gehlinge freud hat den Sophoclem ersteckt.'
AKlingl. 1688. — b) adv. Z, mit besonderer adv.
Form: gächlinge" Sch, gächlige L; S (tw. ge-); Z.
gälige BG. (gäi-); SL.; U, gäliche Gr, gächligs GG..
z. B. sterben. Es ist-m'r g. i'Uj'falle'. G. chöiiime'
drei Räuber us-em Holz tise z' schiesse [gestürzt].
ScHWizERn. Ds Wetter hed g. umg'kert. ebd. , Ge-
lingen.' Lenz 1500. ,Gecblingon grosse fröd entpfän.'
Zielt 15'24. ,Ach Gott, muoss ich so gächling schei-
den'?' NMan. ,Gäcblich schiessend sy in.' 1548, Psalm;
dafür ,sie scheussen ihn plötzlich.' 1667. .Wurde
gachlig krank.' Vad. ,Gechlingen hinfallen.' Tierb.
1563. ,Comprimere habenas cursus: im lauf gäch-
lingen gston.' Fris. ,Etwann gat ein für hoch uf und
erlöscht gächligen wider.' LLav. 1569; dafür 1670:
,augenblicklich.- ,Starb geblingen.' JRüeger 1606.
,Obnversehens und gähling.' JRHokmstr 1645. ,Was
überfallt gächliger als der strick den vogeli" FWyss
1655. ,Nox pr«cipitat, die nacht fallt gächling ein.'
üenzl. 1677; 1716. Syn. wnverdächt; stützlingen. —
2. steil GT.
„Giich, Gak m. : Baumwanze, oiinex baccaruni BO.''
— Vgl. Gauch ; 0\u- ; O'iiji.
,gaclllen, gichlen. kichlcn: kitteren, unzüchtig
lachen, cachinnari.' Fris.; Mal.
Ndl. gachelcn, also wolil entlehnt, da die lebende MA.
nnr die Form tfigclen kennt. Über weitere Formen oder
Vwdtschaften und ihre Hcrleitung aus Natiirlanten s. Gr.
WB. 5, CGO ff.
Gancll (bczw. Gü'ch, Gnich. Goch PI. Gänch).
in GRVal. Gouche" — m.: 1. Tor, Narr B; FS.; W;
ZscHOKKE 1797. En kindlicher [kindischer] 6?.; Syn.
Gäuggel; LÖl; Torebueb; Lappi. Zuweilen auch nur
als freundliche Schelte Aa; S; Syn. Närrsch; vgl.
Imbiss-G. Riem [rühme] dr G., so [danach] tuet er
oich W. E" G. i" si" SacJc si', sich dumm stellen,
um Etw. zu erlangen, sich trotz scheinbarer Dumm-
heit auf seinen Vorteil verstehn B. Vr G. het-ne
[ihn] g'stoche", er bat unbedacht gebandelt, ebd.; vgl.
Mugg; Gugger; Giiegi. ,Es mues Eine z' Gouche"
werde", wenn-me-n-e' g'hört [vor Lachen über seine
Spässe].' Id. B. ,fSich] zu-mene G. lache" (luege'J,
sich krank oder todt lachen; über einen Anblick halb
närrisch werden.' ebd. ,1 ivett e Gouch si, nondum ita
mente captus sum [es fällt mir nicht ein].' ebd. ,Suech
en andere G., der-der das tuet, stultorum plena sunt
omnia, quoruin auxilium implorare possis.' ebd.; vgl.
bliin. Bis doch ke G. u g'häb-dt''' [sei doch nicht
so töricht zu jammern]: 's git ja der Meitli me .'
GAKüHN 1819. Spec. der Geisteskranke F (Syn. Narr),
Kretin W; vgl. Chropf-G.; Gaticher. , Rucher gouch.'
Ar Krieg 1405 = rauber Gesell. ,I)er einfaltig Gauch.'
ca 1510, SiMML. Urk. ,Es tuot uns göuchen gar wol,
wenn unsere nainen uf dem buocbkrom ligend, glych
als nesslen under den wolriechenden krütercn on
zwyfel auch des [desto] stolzer sind.' Zwingli. ,Weil
der Angeklagte ein G. und nicht bei Sinnen ist.' 1527,
Absch. ,Ein rechter nar und g.' Ruef 1538. Anstatt
der Edelleute, die der Kaiser gefangen zu haben be-
haupte, möge er etwa einen ,G.' gefangen haben, der
seines vermeinten Vorteils wegen mit Etwas prahle.'
1544, Absch. ,Gauch oder narr, guli, blennus, fatuus.
Heb dich du g. oder unwüssender.' Mal. ,Du g., fach
du fry z'erst an bocbon!' Com. SBeati. , Diese an-
decbtige Gäuche [die Flagellanten] zu sehen.' Wurst-
isEN. In Fluchforineln des XVI.. XVII.: ,Das dich
der ritt alls gouchen schüft!' Verlorn. Sohn 1.537.
,Der ritt, alls gouchs! du bist voll wyn.' Joben-Spiel
1585. Als Geschlechtsn. : , Jacob G. von Freiburg.'
1532, Strickl. Name eines Hauses in Zürich XV.,
XVL; s. noch Gutz-G. und Gugger. Vgl. noch ,die
gouchmatt', Titel eines Fastnachtspiels von Gengcn-
bach 1516, welches die Diener der Venus als Narren
darstellt, und Murner's .gouchmatt [Dichtung] zuo
straf allen wybschen mannen.' 1519. — 2. die Haar-
bekleidung junger Vögel, Flaum AABb.; TnTäg.;
ZLunn. ; das erste Haar amKinn, Anflug von Bart
Sch (Kirchh.); Z. Vgl. Gauchhär, -hart; Müs-bart.
,Das haar wachst nit lenger dann g.' Vogelb. 1557.
,Incipiens barba, der erst hart oder der g. Lanugine
fuscante malas, wenn einem anfacht der hart wachsen
oder der g. fürhin stechen.' Fris.; Mal. ,Du hast
viel g. und wenig hart.' 1576, Antiq. Z Mitt. ,Flos,
Gauch.' Denzl. 1677; 1716. ,Der (erst) gauch, das
haar an der schäm, so den knaben bei den 14 jarcn
alt, den meitlinen bei den 12 jaren wachst, pubes.'
Mal. Von vegetabilischen Gebilden (oder = etwas
Teufels, Guggers)'i: , Etliche sagend, er [der Meer-
schaum] werde aus dem wuost, so im schäum wachset,
etliche, aus lätt oder etwas gauchs, so im meer wachst.'
Vogelb. 1557. — 3. Beeren-, Blattwanze, cimex
baccarum ABBb.; Bs; SNA. Syn. Ghriesi-G.; Gäch;
Gärjri: Gai ; Gax: Sfivl-;iitcgc. Gegen dieselbe gilt
(In- S|iriirli: (Iniii^li. Gninli.' Ti'/fcl lauf! Chunnst-mer
inilif. I'iifil niiiiiii-," liliiij: Aa. — 4. .Der Gauch.
yaiulikiilrr. ist um yiüiiLT. stinkender käfer mit lang-
Oacli, "ancli. ffCfl
^och, glich
j^atus, der schmutzig-iuetallgrün ist.
Mild, govch, Kuckuck: Bastard; Tor, Narr. Die erstere
Bed. (z.B. noch bei Ebinger 1438) lebt nur noch in der
Zss. Gwj<j-, Gutz-G., sonst ist sie auf Gu<j<i<i- «bergegangen.
Übrigens ist die Ursprünglichkeif diisir Hid. ui.lil nuirMii
und lautliche Zsgehörigkeit von ,GaiHli- mit .Ku.I.ih I,- ((,;../.,../
erst durch zsgesetzte Formen wir '.h;//«.//, i, »,,;yiir //,, /n
vermitteln, da Gauch durch seinen Liiiilithon;;' von Nu'li-
ahniung des Naturlautes (s. Gvgyu) abweiclit. Eher i.st mit
Annahme von Wechsel zwischen ch und / an mhd. gief, Tor,
Narr (vgl. gnß, lautes Rufen und Wesen, Übermut usw.)
oder an das gleichbed. giege und an gougel (auch Goukcl,
Gmchel, Gr. WB. 4, 1, 1, 1554), närrisches Treiben, Schweiz.
Gugel-fuer usw. zu denken. Die Bed. .Kuckuck' kann sich
aus der von ,Narr' eben so gut entwickelt haben, wie um-
gekehrt, da das seltsame Wesen des Vogels, welcher nach
dem Volksglauben die Menschen neckt und betört, in beiden
Richtungen als Mittelbegriff dienen konnte. Ans Bed. 1
konnte 2 entspringen durch die im Mhd. lierrschende Ver-
bindung der Vorstellungen ,dunim' (d. h. unerfahren) und
,,iung', wobei freilich noch hinzugedacht werden niuss, dass
der persönliche Begriff in den sachlichen umgesetzt wurde,
indem für ,Jugeud' ein leibliches Merkmal derselben, Flaum,
erster Bart usw., eintrat: oder G. meint hier das Neckische
oder Unbedeutende; oder erinnert an den Wechsel dunkler
und heller Stellen auf dem Gefieder des Vogels. Bed. 3 beruht
d:irauf, (lass der Kuckuck als der Vater elbischen Gewürms galt,
und dass Insekten aus dem .Kuckucksspeichel' hervorgehen.
llilliiss- l„„s (An, X,,i,is- ((iTu.l -daurli. Cim-
liiis-oich (!: \-swrhr..h,;A fiir iicu-irri- zudriii--
lich fragciulc Kiudcr; z.U.: Was ist das.' Eni. Xv:
Z., biss-der [dir] d' Nasen ah! GTa. Gimm. und 'brätiii
Nudle ü. Vgl. Immi- (Immis-, HimmiJ -gäugg ; -gös:
-'jrügg.
An der Identität des ersten W. in sämmtlichen Gestaltcu
ist kaum zu zweifeln, ob es aber mit dem Bd I 23ß/8 be-
handelten W. identisch sei, kann gefragt werden, da der
Sinn des Comp, nicht klar ist. Bezöge sich das nengierige
Fragen ursprünglich auf das Mittagessen, wie bei andern
Abfertigungsformeln, so könnte Goneh in Bed. 3 gemeint
sein, so dass das Leckermaul durch Hinweis auf etwas Ekel-
haftes abgespeist würde (vgl. Immignigg und s. u. Kidah«
Bd I 94), und dann würde sich auch der sonst auffallende
Umlaut (als Plur.) erklären. Sonst niüsste (?. eben als Schelte
i. S. V. 1 genommen werden.
Gugg-(Gutz- Name eines Hauses in Zürich XVII.)
Gauch GuggcVch ZSth., Guggüch Ücn (tw. Gugüch?);
ZUhw., Gmjgoeli Tu (/-'), Guggicli AAEhr., Kling.;
ZRafz, W., Guggech Name einer Häusergruppe bei
Zürich (vgl. Guggechrüti, Flurn. ZPfung.): Kuckuck.
1. der Vogel selbst. De-- G. riieft sni rhjuf X.niicn
«s. SiiLGER. ,Der Guggauch.- l"':'.l 1-^. II. M"-., 'I.ilür
,Kukuk.' 16(j7. ,üer gugüuch mit .svm ^ hu m murlit
frölich jedermann.' B Lieder. Adam zum Kuckuck:
,üyn gsang ist nit so herrlich hoch, darum sollt
heissen guggouch.' Euep 1550. ,Cuculus, coccyx, ein
gugger (gucker) oder guggauch (guckauch).' Fkis. ;
M.1L.; Denzl. 1677; 1716 (auch .Guckgauch'). .Gug-
gauch.' HEEsoHER 1692. ,Dardurch man dann viel-
malen dem Guckgauch zuspricht, was der Nachtigalen
zugehört.' Hebt. 1658. - 2. i. S. v. Teufel (s. u
Gugger).
Eig. Guijg-giiiirh, dn .,i/./;/f /i den Knf des Voirels bezeichnet.
Über das efyni"!. V.'iii;iltni^^ /n A. n, -jvu.Oinli.-licn Nauiei
desselben, 6'«;;.;" iihl,,ii ',,.-,.,.,1. -, ^M.. a.. .mrli das Sach'
liehe des V..il<s-hMil.rii. hrti-, .Im Nn-rl /-ltsI..!». ist. -
ziiiiäihst aus .guckzen', wie ,blitzen' aus ,blickzen'. Betr.
das Lautliche sind die fortschreitenden Abschwächnngen od.
Verdünnungen des Voc. der zweiten Silbe bemerkenswert.
Zu Guggich wird auch Guggübcrg B gehören.
Guggauche Guggöche f.: Anemone, als Frühlings-
bhiiiir ::leichzeitigniitdem Kuf des Kuckucks TaSteckb.
Syu, (liiiiijHhluem. S. auch Guggüche unter Gugg-.
Kirsi Chriesi-Gaiteh Ap; Th; Z, -Gueh GWe. =
Gauch S, so genannt, weil das Insekt bes. auf Kirsch-
bäumen vorkommt. Syn. Chrmi-gagger ; Gaclilinger-
Stinker. Als Schimpfwort: ,Du (ihriesigancli.- Com.
Beati. — Kropf-: der mit Kropf bclud'tetc Tor.
Kretin W.
Spi-Güch: scherzh. Sohelto auf ein kleines ma-
geres Bürschchen ScnStdt.
Wenn im ersten W. ,speien' (spien) steckt, mit Ver-
kürzung des Voc, resp. mit dem kurzen Voc. des mhd. Prät.
PI. und Ptc, so wäre das Ganze ein Ausdruck des Ekels
oder der Verächtlichkeit = der An- oder der Ausgespieeue
(vgl. Kuckucksspeichel und das mit obigem W. ungetiihr
syn. S2KU7:). Lautlich möglich wäre auch die Erklärung von
Sp%- aus Spinn-; unser Comp, könnte wie Spinnmuijg die Spinne
bed. und diese gilt als Bild der Magerkeit (vgl. Hpinncnd'ann,
-dürr, -mager). Vgl. noch Spägi.
gauch (loch BBc: 1. _gcckisch Z", albcni. ein-
fältig Gr; U. G.lnsl-dr! l'.O. i<yu. ,i,ni,ln,rhl l,/. ;,,,„-
chhch, r/aucldirli. ]hi hisl </. ifiiiini. das :' luv" 1!
ikaiiu lUU'I, Siibst. srin. wir Xan-'s ,j',inr,,). Tnvcr-
>(aii.li- -irli hnirlimrinl. mil r.itlni. Wriiini B. ,8i
u:liv,„l «rrlirh iwallllirll] u-orh.- Al' Krire- M0.^. - -
■J. Harris. li \riliel,t und drm-.aiiass sich kindisch
-rlHTdnal l'a).: W. /;/( ,/„/„■/„■ I.uppi „BO.;" GiiV.
(i.nl, II,, I ,11,. liruiidlirli. /aiilirh IllJo. „Syn. gaucli-
lisch B.- — M. kurius, komisch, drollig BMcir.;
GRPr. Es g-s Mannli. — 4. starr vor Kälte F.
Vgl. ergauchen.
Der adj. Gebranch, der auch im ä.Nhd. vorkommt, kann
auf dem in der Anm. zu Gaueh angegebenen Wege erklärt
werden; es gibt aber schon mhd. WW., welche Subst. und
Adj. zugleich sind, z. B. glmiz; vgl. nhd. .schmuck' u. a. -
Bed. 1 u. 3 sind durch den Begriff ,seltsam' zu vermitteln:
vgl. arig, artig. — Bed. 4 muss mit 1 etwa durch den Be-
griff ,stumpfsinnig' vermittelt werden.
gauchachtig: 1. tijricht BSi. -- 2. .Lanuginnsus
(flaumig).' Mal. Zu Gauch 3.
Gäuchel m.: Verkleinerung und zuglcicli Ver-
gröberung von Gauch ]. Du G. du! Gorrn. — Vgl.
Gauchh, OäueJdi»,/.
Gauche(n) f.: nur noch als Ortsn. G uT. - Vgl.
Guggauche.
gauche(n), gäuche(n): 1. intr. a) ,.'/'("-. im-
gereimte Dinge sagen oder tun Z." — b) gäu-, go-.
gaukeln Ap; Gl; GRh. Zaubern. Sulger fgau-J. Syn.
gäuglen(?). — 2. trans. „(gau-J betören, überli.stcn.
bes. in Liebesangelegenheiten W." Vgl. gmiken. Zum
Besten halten, z. B. durch Auferlegung einer unnötigen
Arbeit Id. B. ,Die sich die wyb stets göuchcn hin.'
Genoenb. gm. — 3. refl. (gäu-; nur in ZBenk. aucli
gau-). a) sich närrisch lustig geberden. V Narre"
gäuched-si'''. Sulger. Losed, wie si''' d' N. g-d! ZVVI.,
Wyla. ,Es gibt gut {andei- ZBenk.) Wetter: die Narren
gäuchen sich.' Sprww. 1824. Wenn si"'' d' N. g.. gil '■-■
schön W. ZWl. ,Stultitiam fingere, ineptire, tuon wie
ein narr, sich torlich anlassen und lätz stellen, sieb
a-öuchen.' Fris. ; Mal. .Fatuari, närrisch tun. sieh
107
Gach. ganch. gech, gich, gncli. gnch
108
gauchen.' Denzl. 1677; 1716. Syn. sich foppen. —
h) sich über Jmd lustig machen, spotten. ,Here, facis
delicias, du göuchst dich, du spottest meinen.' Fris.;
Mal. — c) sich sträuben, zieren. .Delicias facere.
sich etwar mit göuchen, ze tu hoflich und ze ver-
zwunzen wollen sein, sich eines dings wcren und lassen
bitten, das er aber gern wollt.' Fris.; Mal. — d) sich
selbst täuschen. ,Zwinglin hätte sich auch [da-]mit
gäucht.' 15'26. Beitr. 1741. — e) sich an einer Arbeit
erlustigen, aber auch ersättigen ZWl. — f) sich
erkühnen ScuSchl. — g) sich packen, scheren Ap.
— i' h) unpersönl., gelüsten. Loss-di'^' nüd g.! Ap.
Mhd. gouchen, narren, äffen. — Bed. 1 b spricht für
Vwdtschaft (oder teilweise Yermischung?) mit ,gaukeln' im
S. V. närrische Geberdeu machen, was auch auf Zauberei
passt, wenn man an dieselbe nicht glaubt. 3 c meint wohl
wieder närrische Geberden, welche zu jenem Zwecke gemacht
werden. .3 e könnte zu a gezogen werden, wenn nicht der
Begriff der Sättigung hinzuträte; Tgl. sich (ge)nieten, sich
hefleissen, erfreuen, ersättigen; überdrüssig aufgeben, f ist
Tiell. nur ein hoher Grad von a (übermütige Lust), h wird
auf der Yorstellung beruhen, dass Lust und Gelüsten den
Sinn leicht betört, g wird von Gr. WB. 4, 1, 1, 1533 als
ein anderes W. angesetzt, nämlich jauchen', fortjagen, was
sonst bei uns Jäukeu lautet; doch lässt es sich auch aus d
oder e erklären, wenn man annimmt, dass die Entfernung aus
Überdruss od. beschämender Enttäuschung erfolge, ch könnte
für k stehen wie umgek. i- für ch in bern. yäuken (s. 2);
aber g und / im Anlaut, wenigstens vor vollen A'ocalen,
wechseln sonst in unserer Sprache nicht.
er-gauchen: 1. intr. a) „steif, starr werden.
z. B. vor Kälte. Die Finger sind mir ergauchet B."
Syn. den Narr in den Fingeren haben. Vgl. gauch 4.
— b) verrückt (zum Narren) werden. Er ist an
im ganz ergaucht (in ihn vernarrt). — 2. refl. a) den
Narren treiben Bs (Spreng, gau-); sich recht lustig
machen, in Gesellschaft ZZoll.; mit (an) Jmdm oder
Etwas Spass treiben ZW., Wang. Syn. Gugelfuer
triben. ,Ludos facere, fatuari, den narren treiben,
sieh mit eim ergöuchen und kurzweilen, fatzen, ver-
spotten.' Fris.; Mal. — b) „sich überessen, einen
Ekel essen Ap; Gl; GEh."- „S. ergöchen, überdrüssig
werden GRSax.;" St." Vgl. gäuchen 3 c und rer-
gaucht 3.
Mhd. ergöuchen, närrisch werden; zum Toren machen,
betören. So bei Boner: ,Ere guot sitten wandlen kau; si
ergouchet frouwen unde man.'
ergäuchlich: .eifceminate, verzagt,' Fris.; Mal.
Der Begriff ,verzärtelt, verweichlicht' ist mit dem von
,närrisch verliebt' und ,ekel im Essen' zu vermitteln.
ver-gauchen: 1, „verrückt werden. Ich bin
schier vergaucht GRDoml." — 2. den Mutwillen aus-
toben. Händ-er [habt ihr] bald vergauchet? ZBauma.
— Abi. vergäuken.
vergaucht („auch -ä«"): 1. lustig, rautwillig bis
zum Übermut, , üppig', von Kindern GlH. — 2. när-
risch, spasshaft. sclialkhaft Gl. Syn. gauchlig; Gäuch-
ling. — 3. wählerisch im Essen, leckerhaft Gl. Syn.
seltsen; chiig; Gäuchling. Vergauchte'' Lecker kann
auch einen Pfiffikus bezeichnen; vgl. Leckersbueb.
Bed. 3 wird auf den zu gituchen S e, g gemachten Be-
merkungen beruhen.
„Gaucher, Gauchi m.: halb verrückter Mensch
GRDoml." — Vgl. Gauch, Geisteskranker.
„Gaucheri f.: Geckerei Z." St.' ,Geuchery' =
Torheit. Gengenb. Gauchm. .Derglychen gijucheryen.'
Zwingli 1527. ,Es [die Messe und andere Ceremonien]
ist gouehery.' 1532, Absch. ,Man wellt uns gern etwa.";
nüws uf-en hals pflanzen, aber gond syn müessig, es
ist g.' ebd. .Schöne Litteratur. wenn man mit Gau-
cherei und Narrenwerk umgeht!' 1555, HBi'll. —
Mhd. göucherie, Narrheit.
„gaucherisch: närrisch Z." St."
Gauchhafti f.: Torheit, läppischer Mutwille.
Der Buob (die Maidja) tiwt r»r G. recht bockulii' W.
Gauchheit f.: Torheit, kindisch spielendes We-
sen B. Als Ortsn. in BG.. Köniz (Gauheit).
Gäuchi f.: Torheit B. — Hunds-: Brunst.
Scherzh. übertr., Periode, wo man durchaus heiraten
möchte U Gesch. Alp. Vgl. Gauchlichi.
„gauchisch", gäuchisch: 1. ^ gauch 1." ,Diss
göuchisch gschlecht [der Menschen].' Gengenb. Gauchra.
,0b sie noch an die gäuchische Mess und andere Cere-
monien glaubten.' 1529, Beitr. 1742. ,Ineptus, unge-
schickt, lätz, göuchisch, läppisch.' Fris.; Mal.
Gauchle, Gäuchle, „-ö- W" — {.: Närrin B; W.
Die hoffartig G., ausgelassenes, mutwilliges Mädchen
B. D' Liebi, die Gäuchle, füert Eine", wo sie will.
B Hink. B. 1820 (angeblich aus einem Liede).
gäuchlich: töricht, von Personen und Sachen W.
.Si stalltend sich gar gouchlich , erbrachend sich
Quahlten] gar hoch und fast' ÄgTschudi. — Gauch-
lichi f.: Torheit, Mannstollheit W. lez heint d's
Mannuvolch guet Sach z' wlbW; denn d's Wtbuvolch
cha'* die Goichlichi nit verlribW; d's Wlbuvolchsch G.
ist nit z' ermessu", Susi täti d' Wittwe' d' Männer
nit so schnell vergessw. Narrenspruch.
Gäuchling m.: 1. mutwilliger Mensch, über-
mütiger Bursche; Spassvogel, Schalk Gl. — 2. Einer,
der im Essen wählerisch ist Gl. Syn. vergaucht.
gauch lisch = gauch 1.
Gimrais-Geich s. Imbiss-Gaiich.
gichle(ll): lachen. .Garrire, schwätzen, plodercn.
guderschen. klapperen, gychlen. Cachinnum tollere,
überlaut lachen, anheben laut gichlen.- Fris.; Mal.
.Gichlen oder gachlen, ein unzüchtigs glächter, ca-
chinnus.' Mal. ,Gichlen, cachinnari.' Denzl. 1G77;
1716. ,Wann, indem Gott andere Völker zur straf har-
genommen, wir underdessen nur gichlet und glachet.'
JMiiLL. 1665.
G i c h 1 e r m. : Lacher. ,Petulans, ein grosser lacher
oder g., der über alle mäss lachet.' Fris. .Cachinno.
G., Lachnarr.' Denzl. 1677; 1716.
Nahe an mhd. gickeln, vor Affekt zittern, zucken ; auch :
hohnlachen. Vgl. die syn. Lautnachahmungen gachlen, gigehn,
gitjemi und nhd. .kichern', welches aber, trotz seines härtern
Anlautes und der Bildung mit r statt /, zwar ein heftiges,
doch leiseres Lachen bedeutet.
Goch I: verhüllende Form für ,Gott' in den Be-
teurungen bi G.! wärli''' Goch(li)! ScnwE., Ma.
Goch n s. Gauch, gauch. göchen, Gilchle
s. gauchen, Gauchle.
Guelie» f.: Blashorn GrD.. Pr.
Sachlich am Nächsten steht Güge, aber ih kann nidit
aus g erklärt werden und weist zunächst auf Vwdtschaft mit
Guchle', für welches freilich in ApI. Güge gilt.
güchlen: ins Hörn stossen Ap. Jägerspr.
109
-guch.
Siichs. (iaclit— glicht
110
Guchle" f.: 1. kloiiie Kahre. welche statt des
Spundes ins Fass gotiicheii wird, damit der ijährende
Wein nicht Schaden verursache Ar; Tu (]Viii-(r.).
Sy\]. Spiicle. — 2. viereckige hölzerne Kinne, diircli
welche Obst in den Trichter der Mülile geschüttet
wird; auch eine ebenso geformte Rinne in Abtritten.
Dim. Gilcheli ApK. Vgl. Gächt, Güchtk'; Gwje;
Gäwjgeli. ,Das Abwasser aus dem Brunnen mittelst
der im Brunnenbett bestehenden sog. G. in Teucheln
abführen.' 1860, G. — Das W. scheint, wie Gnchc, Nach-
uhnuiug des Gurgelus.
Gncliel It HScniNz 1842 = Kotdrossel. Syn. Jich-
cugd.
geuchse(n) s. (jünnen.
Heu-tiöchsli n.: Eidechse AaZc
Guchs, guchsen s. Gux.
(Jacht f.: Name von Bergschluchteu Ai-; GT. Eine
Stei'-G. in ApI. — Scheint zu (ßck, steil, zu gehören,
vgl. Auni. zu Giht.
Gicht I f.: Bekenntniss, Geständniss. .Begert da-
von g. oder lougnung.' 1438, L. — Mhd. yihi.
Ur- (n. beiBrägg.): dass., bes. Aussage eines .An-
geklagten. .Werde nächstens Etw. vom U. hersetzen.'
UBrägg. 1788. Dass Dieses oder Jenes nicht im U.
stehe, ebd. ,Tu rechnung und urg. von deiner Wandel-
fahrt.' RMev. 1050.
Ver- (auch -Jicht): 1. , Bekenntniss, vorzüglich
eines Gefangenen, der inquiriert wird ; auch das Ver-
hiir, welches zum Geständniss führen soll B; Gl; Z."
Vgl. gieh,t(ig)en. ,Nun beger ich ein v. von im, dass
er selb Sprech mit eigner stimm ja oder nein.' NMan.
.Man wott in henken, do leugnet er synen v. an der
leiter.' Salat. ,Bycht, confessio, vergycht (-gicht).
Zuo der v. und marter mit gewalt treiben, ad quse-
stionem abripere, vel in cruciatum.' Mal. ,Jetz will
ich nun an syn v. [Verhör] kurz melden, was er hat
verriebt mit synen fulem schryben.' 1576, Z Neuj. A.
,Der lang Peter, welcher nit lang darnach zu Bern
geredert worden und under andren vorjichten auch
bekannt [usw.].' FPlatt. 1612. ,Aus wichtigen Ur-
sachen, so die verjüchten mitbringen.' 1653. AHedsl.
1854. .Dieweil man mehr auf das gehe, ob sie sich
dem bösen Geist ergeben haben, als auf andere ihre
Vergicht.' Hf,it. 1658. .Klag, Antwort, Beweisung.
V., Urteil und den ganzen Process.' Wurstisen. Übh.
förmliche Aussage, Zusage, Ver-, Zusicherung. ,Ein
ganz luter sün [aufrichtige SühneJ und veriecht [Ver-
zicht].' 1353, Ar«. ,Uns und unseren nachkommen zuo
einer v. der vorgeschribenen dingen.' 1370, Pfaffenbr.
.Der Herr bestätiget sein gestrige v.' FWyss 1650.
— '2. „Schuldbrief W." Schriftliclie Erklärung und
Anerkennung eines Schuldverhältnisses, versichert auf
Grundstücken.
Mhd. vergiht f.. Aussage, Bekenntniss. Von vei-ßhen.
Hie Form mit / seltener und weniger gut als die mit <j.
,Verjikht' entstellt oder verschrieben.
ver-gichten: bekennen. .Ich N. N. vergichte.
dass . . .' 1428, Gfo.
gichte(n) (früher aiicli) .jiehten; ..yie- LE.-
eine Person ausforschen, iliirdi eimliingliches Fragen
zu einem (iestiindniss zu bringen suclien oder nötigen
!!(•. (Ilk.i; l.lv: inslics. gerichtlich, peinlich verhören,
mit .Anwi'mluiig der Folter, foltern. Syn. gichtigen.
Abi. Gichter; Gichtimg. ,Ein Ammann und die Sechzig
söllent vollen gwalt han, wen sy argwenig [im Ver-
dacht] haben, zuo fragen, zu gychten oder zu fachen.'
1416,1544, ScHW LB. .Wenn wir ein schedlichen mann
in gefengnisse haben und wir zwen der reten zue im
schicken in ze gichten, was euch die von im hören,
das er vergichtig ist, das sont die zwen reden by ir
eide.' 1419. L Ratsb. ,Wann man die armen lüt
gichtet, soUent die knechte den herren nützit daryn
reden.' 1510, S Wochonbl. ,Der Graf mag mutwillige
Leute gefangen legen. Wenn sich aber der Handel
als maletizisch herausstellt, soll er dieselben weder g.
noch martern, sondern den Amtleuten von Bern über-
antworten.' 1539, Absoh. ,7 fl. der na''''richter, diewyl
man N. N. jichtet' 1539, ZGrün. Amtsrechn. ,Equu-
leus, ein instrument, das man die leut ze g. braucht.
Quaistionem adhibere, einen ans folterseil schlahen,
oder g. und folteren.' Fris.; Mal. ,G., folteren, pei-
nigen, torquere, excruciare.' Red. 1662.
Mhd. gihteii, bekennen; zum Bekenntniss bringen. Die
Ausspr. von LE. zeigt die Möglichkeit der Entstehung von
te aus » wie bei Gicht IV, V und bei ijichtiy (s. dd.).
, Gichter m. : folterer, scherg, scliolderer, henker,
tortor.' Fris.; Mal.
gichtig, j-: 1. activ. von Personen; a) .geständig,
von einem Verbrecher Z." .Mit den rechten g. ma-
chen', durch Process zur Anerkennung bringen. 1432,
Z«. .Das er nit jechtig will syn.' 1514, Gfo. ,Es ist
ihm auch fürgehalten, ob er sollicher red geständig
sye; sagt er nein, er sye dess nit g.' 1526, JvMüll.
,Üb sy vermein, etwas rechts [Rechtsansprüche] an
in ze haben, solle sy in lut der ])ünden [kraft der in
den Bünden enthaltenen Verpflichtungen] g. machen.'
1532, Strickl. .Die schulden bekennen und deren g.
sein, protiteri as alienum.' Mal. , [Beide Weibel wur-
den zu dem Knaben geschickt, ihn zu fragen:] ob er
das Agtli g. war oder nit. Da war der Kn. g.. dass
er's gnommen hätt und ein bschlagen gürtel uf die e
gen [als Pfand].' 1558, MEsterm. Rick. .Einanderen
g. syn', bekennen, dass das Gerede der Leute be-
gründet sei, dass man einander zu ehelichen begehre.
XVI., Z Ordn. .Wenn es sich begebe, dass zwei per-
sonen mit einanderen von der ehe geredt habent und
der werten nit g. oder kanntlich sein wollten.' 16'22,
GrAv. Landr. .Dass Jörg Abegg den Hans Job um
die ansprach, so er dem KBüeler an Job verzeigt [auf
J. als Schuldner angewiesen habe], richtig, g. und
bekanntlich machen, ime Büeler aber andere mittel
verzeigen und geben solle.' 1648. Schw Ratsb. .Es
soll Abegg dem Benouwer den bewüssten Pauren
innerthalb 27 Tagen g. und richtig an die Hand geben,
wo nit er. Abegg. sein [des Ben.] Zaler sein solle.'
ebd. .Er Hess einen jeden Hausvater antworten, ob
er in Allem mit Jedermann r. und g.. dass er mit
Niemand gefahre in Streit zu kommen.' HPest. 1787.
.G. sein' auch bloss = sich bei einer Aussage behaften
lassen, dazu stehn. eine Aussage verbürgen: .Sie
schätzten, sie hätten erschlagen wol 4000. doch woll-
ten sie über 1000 nit g. sein.' VALTsenrni 1533. -
111
üaclit. geeilt, giclif. goclit, gncht
b) einverstanden, zugeständig. .Und sind dannc
die Fürsprechen der Urteilden enandern niclit g.' 1348.
Z Ratserk. ,Dass der Apt kiesen möge einen richtcr
umb die hochen gericht und über das bluot ze richten,
als im des die tallüte g. sint; de.sglych von der kleinen
gerichten wegen einen, talmann und nit einen frömden,
sidcr er des ouch g. ist. setzen mag.' 1444. Gfr. 33, 92.
.Wäre man um Lidlohn streitig und nit g.' L Stadtr.
1706/65. — '-'.passiv, von Sachen: eingestanden, zu-
gegeben, nicht bestritten, anerkannt. G. Schuld = eine
solche, deren Einforderung der Schuldner täglich ge-
wärtig sein muss, ohne Abzahlungstermine, z. B. von
Handschriften, welche auf die erste Betreibung zahlbar
sind, laufende Schulden an Handwerker usf. BHk.f
Gegs. un-g. .Dass niemand kein zins oder laufende
schuld verkaufen solle, änderst dann sein eigne oder
g-e gwalt habende selbstgemachte schuld.' Ap LB.
1585/1828. ,So jemand ein g-e schuld, so im güetlich
nit bsalt würd, nach zwingsrecht beziehen will, so
soll der undervogt den Schuldner pfänden.- 1562. LEick.
Twingsr. ,Wo einer einem ein j - e redliche schuld
schuldig were und nit zu bezalen hette.' 1607, Ztschr.
f. Schwz. R. .Dass des Herrn Jörgen antwurt uf die
g-en artikel beschuhen.- 1522, Simml. Urk. .üb die
VOrte schuldig seien, den neugläubigen Glarnern über
eine g-e Sache des Rechten zu sein.' 1561, Absch.
,Giechtig Zins mag einer dem andern an dem Abend
verkünden.' AWild 1883.
Mhd. yihtu; in Bed. l a und '2. — 1 b kiiuu auch auf a
zurückgeführt werden. In der Reimforme! ,g. und richtig'
ist das letztere W. vom sachlichen Gebiet auf das persön-
liche übertragen. Über ie s. Auni. zu ykhteii. ,Jechtig' ist
direkt vun jehm gebildet.
an-gichtig = (/. .Desselben [Versprechens] wäre
er inen noch a.' 1465. Gpr. 22. 305. — un-: 1. von
einer Schuld, bei welcher mehrere Zahlungstermine
einbedungen sind, oder einer solchen, die bei richtiger
Verzinsung nicht eingefordert werden kann, z.B. Pfand-
briefe BHk.f .Wegen u-er (streitiger) Schulden.' 15'28.
Absch. .Unbekanntlich oder u-e Schulden, um welche
der Schuldner das Recht dargeschlagen.' 1670. Ztschr.
f. Schwz. R. — 2. von einer Ehe. welche nicht von
beiden Teilen als gelobt oder vollzogen anerkannt
wird. Vgl. , einander der Ehe gichtig sein.' .Der den
andern einer u-en ehe anspricht.' ZeHün. Ges. —
ver-: 1. = gichtig 1 a. ,Diser artiklen sind beid teil
einanderen in ofinem gricht v. gewesen und band
versprochen, daby zu bliben.' 1423/1503, Aa Weist.
,Si wnl-dent v. der unmenschlichen ketzeri und als
ketzer all an eini füwre verbrennt.- Schilling. —
2. = gichtig 2. .Der Schuldner mag umb v. geltschuld
dem gelten ein pfand geben.' 1404, Ztschr, f, Schwz. K.
— ge- = gichtig ä. .Niemand soll den andern ver-
haften dann allein umb g. geltschuld.- 1406, Absch.
— miss-: 1. Gegs. zu gichtig 1 a. ,Aber der andern
dryer viertlen was sy m. und abred.- 1434, L Urk,
, Wurde aber die person beklagt von sachen wggen.
deren sy nit in, oder der sy uberzugt wurde,' 1457/1520,
BsRq. — 2. = ungichtig, Gegs. 7.u gichtig 2. .Welcher
umb m. Sachen und schulde pfand nirarnet, der soll
das pfand wider keren und darzuo das buossen,- 1404,
Ztschr. f. Schwz. R.
gichtigen = gichten. .Den Geschworncn ist ge-
stattet, Gefangene zu yechtigen oder g,, d. i.. bevor
sie solche auf Luzern senden, über ihr Verbrechen,
jedoch nur schlechthin und gar nicht peinlich, anzu-
fragen, da dann ein solches Examen zugleich in die
Stadt geschickt wird.- JXSchnyd. 1782. .Dass die
Weibel die Gefangenen, bis sie malefizisch bekennen,
foltern oder g. sollen.' 1578. Absch. .N. N. soll mit
dem seil gegichtiget werden wegen grossen argwohiis.-
1529, Strickl. .Und mögent ouch sölich personen
bifangen. turnen, pynlichen fragen und g.' 1532. ebd.
.Die zwen, so gefangen, sollen nach notturft gegichtigt
werden, bis der grund und die warheit von inen kompt.-
1536, ScH Raisprot, .Quffistione accipere servos, ze g.
oder ze folteren annemmen,' Fris, ,Da hat man einen
in der gefangenschaft gehabt und gejichtiget oder, wie
man spricht, gefoltert.' 1580, SchwE, Klosterarch,
,Ein nachrichter, so den gefangnen armen menschen
gichtige,' XVL, MEsterm. 1875.'
Mhd. gültigen. Nicht abgel. von 'juhtitj, sondern vuu
tjichten. In GrD. LB. auch .ichtigeu',
er-: durch Zeugenaussage feststellen lassen, ,Da-
her möchten sie semHche güeter und anstöss [Marken]
widerumb ernüweren und e.- GBuchs Jahrztb. 1540.
Giehtung. -igung f.: 1. Zusicherung. .Es sye
ir beger. dass si [die Luzerner] inen [den Bernern
und Zürchern] g. geben, ob si gedachten Murner uf
disen tag stellen wöllent oder nit.- 1529, Abscu. —
•2, peinliche Untersuchung, ,Ime ersatzung und
ergetzung syner gefangenschaft, pynlicher g., ouch
verlursts ze tuend.- 1531, Abscb. .Gichtigung.' 1534,
ebd, ,Tormentum, qusestio, g., folterung, richtliche
verhörung und nachfrag eines maleflcischen handeis.'
Fris.; Mal. — Un-: Nichtanerkennung, Bestreitung.
,So der Schuldner nit gichtig syn will, soll er dem
ratschryber ein"" haller geben der u,' Z Gerichtsb, 1553,
Gicht II: ,G,. raden, schabab. melanthium.- Mal.
.Molanthium", jetzt nigella, Schwarzkümmel, und lychnis
githago, Licht-, Kornnelke, haben Veruienguug erlitten ; s. Bd I
313 0, — Unser W. viell. umgedeutet aus dem alten botanischen
Namen ,gith = StKatharinenrädlein', s. Taberuseraoutaniis
1664, 183 u. 678. Oder, worauf das Syn. ,Schabab' deutet,
aus (licht III = Weggang zu erklären.
Gicht in f.: Gang. Nur in: Sunn-: Sonnen-
wende, aber häufig in chronologischen Angaben, mei-
stens formelhaft verbunden mit ,St Johannes Tag'.
.StJohannes abend zuo s.' 1292, Urk. ,Morndess nach
StJoh. dult [Fest] zuo s-en.- 1326, Urk, ,Solstitiuin,
sonngichten oder sonnwende, d. i. der kürzest und der
lengst tag des jars,- Fris,; Mal.
Mhd. Sunm-, Smigiht. Der Plur. wohl nach Analogie
der zu Zeitbestimmungen gebrauchten christlichen Festuairiun
in (wirklicher oder scheinbarer) Plur.-Form ,Wihuachten.
Ostern, Pfingsten',
Gicht IV, Giecht n.: gefrorner Nebel, der sicli
an Körper, besonders Bäume, angesetzt hat, Rauhreif
AAReinach; BO.; F. Syn. Duft \i. s. Anm. — Nebel-:
dass. BHk. — Bise"-: dass. B6.: Uw (mit Bezug auf
den die Erscheinung begleitenden kalten Wind, Bise).
Das W. gehört offenbar mit seinem Syn. Bicht auch
etymol. zusammen, gerade wie die andern Synn. Kid,- und
Pick einander entsprechen. Da die letztem WW. sieb als
blosse Verderbnisse aus G'hick und B'hick erweisen und da
ein anderes Syn., Jäch, neben dieser einfachen Form auch
als G'Jävh auftritt, so stehen wir nicht an, auch 6'tt7i( und
Bicht als urspr. mit den PräfF. </c und be gebildet zu er-
klären, wobei allerdings zugestanden werden muss, dass diese
Etymologie eigentlich die Ausspr. kiirht und piccht verlangt.
Hie die Torliegeniieii Synn. betreffeuJeu Laiitschwankiingeu
uud Verderbnisse aber sind keineswegs vereinzelt (mehr Bei-
spiele unter G-, K- und Ji-, /'-) und lassen sich (wie die
Ausweichungen (Hecht, Blecht, Bick und Kitt) in Fällen von
so sehr verdunkelter Etymologie leicht begreifen. Übrigens
hangen, angenommen, dass bei (!Uht und Biiht die Nbf. mit
ii: eine blosse durch ch erzeugte Lautvariante, und dass (
wie in unzähligen Fällen (vgl. Halich-t usw.) bloss zufällig
angefügt sei (wozu die homonymen Oicht I—IIJ, V mit
ihrem echten ( mögen mitgewirkt liaben), oder dass mit (
eine CoUectivbilduug (mhd. -wie) beabsichtigt war, alle hier
erwähnten Synn. möglicherweise unter einander zusammen.
Der Abstand des auslautenden ck von >/i kann wie in zahl-
reichen anderen Fällen durch Ableitungselemente bewirkt
sein. Ernstliche Schwierigkeit macht also bloss die Ver-
schiedenheit des Anlautes (G'jäch; (rieht; G'hiek); doch
lassen sich j und t leicht vermitteln; auch h wechselt, wie-
wohl selten, mity (johlen': hvle) oder tritt häufig unorganisch
vor [Hihtche, Hißleudg].). Erhellt somit die Möglichkeit, dass
der ursprüngliche Anlautj resp. i sei, so gewinnen wir An-
knüpfung unserer sonst ganz vereinzelten WW. an ags. ijU--el,
Eiszapfen, aita. jäk-ull, Gletscher (i'ö zunächst «-Umlaut von
in. dieses aus i oder e gebrochen).
(iicht V. Giccht Bs; B-, F; S n.: 1. Entzüii-
duiii,'. entzündeter, eiternder Zustand einer Wunde
Bs; B; „LE.;" W. Es ist eil G. i» der Wunde. Das
Salb [diese Salbe] vertrlbt 's G. BSi. Bs Giccht
chunnt dfi". Gotth. Auch bildl. : Erbitterung, Hass,
Zorn, Feindschaft (vgl. ,Gift'). .Es war G. in der
Wechselrede.' Gotth. ,Wenn so etwas schriftlich werde,
so werde das G. immer grosser.' ebd. S. noch giechtig.
— 2. „fliegendes Übel;" Gliedersucht Bs; B; Gl.
.Gieeht : Gicht.' Si-reng. Es het-mer 's G. i" d' Scheihi
[Sehenkel] 'bracht. Schwizerd. — 3. a) schwach con-
vulsiver Zustand mit Bewusstlosigkeit; Epilepsie
.\i'; GT. Er hed e Gicht an-em [ihm, sich], ist der
Epilepsie unterworfen. In es G. falle, einen epilep-
tischen .\nfall bekommen. Es irürgt und tvelzt-e"
[ihn] tvie im G. JJRütl. 18'23. - b) Flur. G-er Aa;
Ap; Bs (auch dem. G-li) Gl; G; S; Uw; W; Z, G-i
A.\; BSi.; F; S. Giichteui (PI. des Demin.) BG., Gich-
tene' (PI. ei!l^^ h'^^iu. ■(iidili) Gl, Krämpfe, Zuckungen,
bes. kleiner Kiinlrv. ilirh muh schwacher Erwachsener.
Syn. Chindenui : J-'nishili. Freissavi. '■Die innere",
innerlige' oder stille" (.\p). trucke'de', trttckete' (B;
• i; Z) G., ohne äussere Zuckungen. Eklampsie; Gegs.
die üsserlige' G., Schüttelkrämpfe Ap ; die schreie"de',
mit Schreien verbundene Ap; GTa.; Z. Die hölzene"
<j. 1) spöttische Bezeichnung grundloser Aufregung,
von Erwachsenen, z, B. er chäm i' die h. G., wetin er
das (fhörti! Gl. '2) erectio membri. Syn. 's gstänglet
Büchweh Z. Abergl. Wenn man die leere Wiege
bewegt, so bekommt das Kind die G. Ap. .Die geicht
liatten angestossen [das Kind ergriffen].' Pl.\tt. 1.'>72.
Mhd. giht n., f., Zuckungen, Krämpfe. Bed. 1 scheint
von 2 und 3 medizinisch ziemlich verschieden, wird aber
doch dasselbe Vf. sein, da auch das Eitern mit gewissen
luur nicht äusserlichen) Zuckungen verbunden ist (s. zocken).
Über mögliche Identität dieses W. mit Gicht III s. die Anm.
zu diesem. Ist diese Identität anzunehmen, so ist auch /
als der ursprüngliche Laut und ie als bloss lautliche Aus-
weichung wie in G. IV (s. d, Anm. das.) zu erklären.
Gegicht: bei NMan. unter einer Menge von
Krankheiten erwähnt, ,G, in den oberen dermen.
ileos, iliaca passio, chordapson, morbus tenuioris in-
testini.' Mal.; vgl. Darni-G. — Geiss-Gicht: un-
gefähr das Selbe, was die höhenc Gichtcr Bs. D' <1.
Schweiz. Idiotlkuu. II.
iiilo», .scilicr in Ohnmacht fallen. Itarni-: 1. ein
Übel, von dem Säuglinge befallen wenien B; S. Zeh"
Wnche" het 's Chind d' Dnrmgiechtcr g'lia. .Ioai ii.
1881. — 2. Grimmen, Kolik. ,Für die rotruor und
das darmgicht dienstlich.- Vogelb. 1557. .Uas bauch-
krimmen und darmgegicht.' ebd. .Sy rüefend an
wider das darmgycht by StErasmus.' RGbalth. 1584.
,Colicus dolor, das bauchgrimmen oder dänngegicht.
das etliche die muoter nennend, aber nit recht, dann
die ni, oder bärmuoter hört allein den frauwen zuo.-
Fris,; Mal. .Dermgegieht, bei ihnen das warwund
genannt.' RCys,
gichtig, resp. -ie-: 1. entzündet oder entzündlich,
schwer heilend, bösartig, gefährlich, von Wunden kk;
BO. ; FMu. ; Z, z.B. von einer Pustel, in die man ge-
klaubt hat; von einem Insektenstich. Gegs. (jüetig.
Von Menschen: ungesundes Blut habend .,B; LE."
Er ist g., seine Wunden heilen nicht leicht FMu. —
2. leicht zum Zorn reizbar, jähzornig B; FMu.; hitzig.
Do göt 's g. zue BoAa. ; bissig BSi.; giftig: 's chunnt
geng g-er bi-n-is z' Bern, geng e sürere Luft. Postheiri
1875. .Wenn irgendwo noch ein guter Witz vor-
kommt, so ist er gewöhnlieh so g.. dass er mehr Täube
als Lachen erweckt' B Hink. Bote 1881.
Zu (jicht V I, nur dass beim Adj. der Diphthong noch
stärker bezeugt ist und fast allein herrschend scheint. —
Bed. '2 einfache Übertragung vom Physischen auf das Psy-
chische und Moralische wie beim Subst.
tlöchtle" f.: Öffnung in Wasserbehältern; zum
Abzapfen oder Zurückhalten in der Wandung einer
Wasserröhre (Ueuchel) angebrachte Vorrichtung Ap.
Sachliche A'wdtschaft mit Üuchle scheint unabweisbar;
dann nniss aber in Ap 6 für u stehen.
Gad, ged, gid, god, gud.
gad s. ge-rad.
„ga(l(e)le". (/adoZen; 1. glucken W, — '2. schwatzen,
ausschwatzen, verklagen W.-
Wahrsch. ein den Naturlaut der Henue nachaliuiendes
W., dann übertragen auf widrige Laute resp. Missbrauch der
menschlichen Rede. Vgl. das jedenfalls nahe vwdte ijädcnn,
aber auch gaglen.
„Gad(e)le f.: 1. Glucke W.- - '2. Person, dir
ausschwatzt, verklagt W.
Gädeni Giiden BO. u. Gr tw., sonst Gtide resp.
Gäde — PI. Gade F; GRtw.; ZO., Gadon PGress,.
Gadme als Eigenn. BO.; GrD., Gädefn) Gl; Gntw.;
GA., Rh.; ScHW; Uw; ZS., (xwde)' ApSchön. ; GnSchiers.
Gädem Gntw.. Gädme GrA., D., Gäbmer BO,; GT.; Uw
- Dem. Gädeli Ap; BSi. (PI. Gädlini); GA.; Z, Gä-
demji Gr, Gädi B (Zyro) — ii. Aa (H,); Ap; BE., G.,
R., Si.; F; Gl; Gr; L; GT.: S; ZO., m. AaF.; BHa,;
Gl; Gr; LE.; P; ScHW; S (Schild); Th; Uw; U; W;
ZS.: 1. geringeres, bes. der Ökonomie dienendes Ge-
bäude, Nebengebäude, im Ggs. zum Hüs, Viehstalt.
Scheune Ap; BHa.; F: Gl: Gk ; LE.; GA., G., Rh., T.;
ScHW; Uw; U; W; Z... h. s Li. auf Bergen und
Weiden W; auch bl"v-, , Um,-, l,,.l»-r F; Gr; GT.:
Obw. Syn. Stadel; (inim.h. \-l d.-Baum: -Ri'iteU;
-Geirrif. Sennhütte Ap ( KImIi; i; uKh.: virl. G.-Mei.'^ler.
115
(iail. ^'c(l. gid. jjo
GelegBiitlicU auch geringeres, nur aus einem Stock-
werk hestehendes Häuschen BHa. ; Wohnung und Stall
nehen einander unter einem Dach P. Vgl. Gaden-Hiis.
Salpeterhütte. UBräuu. .Baue zuerst den G., bevor
du dir eine Kuh anschaffst.- ScHwMa. Es t/eid zur
Trelw und tricht nid [geht zur Tränke und trinkt
nicht] und chunnt in de' G. und frisst nid, aber es
singt glich albig [d. i. die Kuhschelle] Gr (Schwzrd.).
Es sind a SchtqiiM [ein Haufe] roti Küa in-ama [einem]
G. und a schwarzi Kua tribt die rata" alli usa' [die
glühenden Kohlen im Ofen und der Ofenwisch], ebd.
Ha'^ tropfnass mängi Burdi 'träge" i"s G.-n-ie [hinein].
s^b chw'-der säge". JJRütl. 1824. In (die' Gädere'
schlafe", d. i. ohne ordentliche Nachtherberge, nur den
Heuhütten nachgehend Ap. Schlag der ober Gade-
Ladenagel i" 's under Gade-Ladenagelloch und lass
der undei- Gade-Ladenagel lampe' [bezieht sich auf
die Lücke im Viehgaden, deren Laden durch zwei
Pflöcke oben und unten geöffnet und verschlossen
wird] G oT. (Sprechspiel). .Hüser oder andere ge-
macher und gädmer.' 1470, Gl. .Buwlose [baufällige]
oder tachlose gezimber. syent hüser oder gädmer
(gäden).- 1525/ 17C9, Scuw LB. u. Rq. ,Der weg von
des Bürglers stapfen under dem g.- 1525/44. Schw LB.
,Da der sun dem vich syn gewonlichen rat [Besorgung]
antat in der schür oder gaden.- S.il.\t. .Zog und truog
an im [dem verletzten Vater] bis in syn gad zuo eim
für.' ebd. ,Es soll niemand dem andern kein heize
für syn g. noch durch syne güeter schleipfen.' 1572.
Schw Rq. ,Dieweil aber der Summer sich genähert,
hat man [nämlich die durch eine Feuersbrunst ob-
dachlos Gewordenen] sich in Scheuren. Kühe- udgl.
Gädmen mögen behelfen.- 1.588. SruwE. Klosterarch.
,Ist es verboten, dass man salpeterherd [S.-Erde] nit
wüschen soll, und so der g. gschendet wäri. so mag
der [Geschädigte] um den schaden suechen.' XVI.,
ZrscHR. f. Schw. R. .Scheur und Gäden.- JLCvs. 1061.
•Bis die letzte Burdi desselbigen Jahrsblunien [Jahres-
ertrages] auf dem G. liegen wird.- 17ti9. Schw Rq.
,üer Ängsten ist also [nass], dann nach Bartlime ist
noch vil Heu stänt [stehend] und ligend, ja gar lere
Gädmer anzutreffen.- 1785, Schumi. — 2. Gemach von
untergeordneter Bed.. im Ggs. zur Wohnstube und
Küche. .Das Gaden, Gemach, Laden, officina. camera.
cubile.- Red. 1Ö62. .Die Häuser bestehen inwendig
aus mehrern oder wenigem Kammern oder Gaden
(Zimmern) obenher.- JXSchnyd. 1782. Spec. a) Neben-
zimmer, kleinere Stube B; GT. .Sei's in der Stube,
sei 's im G.' B Bot 1855. — b) Raum in den obern
Stockwerken, der gelegentlich zur Aufbewahrung von
allerlei Vorräten dient, bes. Schlafkammer übh. und
spec. für die jungem Familienglieder und die Dienst-
boten Aa; B; FJ.; L; S; Obw; ZO. Unheizbares Zimmer
über der Stube, durch ein Loch (Gaden-Loch), durch
welclies man hinaufsteigen kann, mit derselben ver-
bunden BoSi.. Roggw.; S; ZO. Dachzimmer, Estrich S.
Abgesclilossenes Gemach als Schlafraum für Senn und
Frau in der Hütte LE. ,Hans im obere» G. (Ober-
gaden)-. Mensch, der oben hinaus will, sei's aus über-
mütiger Lust oder aus Hochmut GBh. .Es wurden
so viele Wäien gebacken, als die Stiege ins G. Tritte
hatte.- BWvss 1865. .Er fuhr wie ein Eichhorn durch's
Loch über dem Ofen in's G. hinauf.' Gotth. Brächtest-
mer 's Kafi i 's Gädeli ue'^ Stutz. Vo' der Hüener-
chräse" [H.-Stall] bis liehen [hinauf] in oberst G. nieders
[jedes] Eggli dürschnause [durchstöbern]. Schild. .l»ie
frouw ist in das g. [wo der Mann im Bett lag] kum-
men.' UMey. 1-540/73. .Ein hus zue bauen mit stuben
und nebenstuben. mit zweien obren gädmen.' 1556.
MEsTERM. Rick. ,Die Landleute müssen den luftigsten
G. oder Gemach den Kranken überlassen.- JHLav.
1668. Schlafzimmer der Tochter des Hauses, bes.
eine Rolle spielend im Leben der jungen Bursche;
vgl. g.-stigen, G.-Stubete. Wenn-i 's Bure Chätzeli
war, so tvett - i''' lere' müse', ivett z' Ohe"' spät i 's
Gädeli gö, am Marge wider üse. Kühreih. 1826. ,0 das
sind goldene Zeiten, wenn Dutzende von Augen ilim
zuflüstern: du, du.! tveisst du, u-u mein G. ist? Üse
Ringgi [unser Hund] hellet nit.' Gotth. Fast alle
Nächte auf den Gassen umme z' gheien [mich herum-
zutreiben] und in den Gaden [der Mädchen] um z'trölen.
ebd. Der Pfarrer meint, mu" sölli nit die Meitli z' gere
[gern] ha', nit sue-ne [ihnen] «/ en Ofetritt u gar i'
ds G. ga" F (Schwzrd.). Im alten Schiffsbau die auf
dem Verdeck sich erhebende Kapitäns- Kajüte. .Stega.
Hüttlein im Schiff, Tach, G., Tille.- Denzl. 1677; 1716.
— c) Raum zur Aufbewahrung von Vorräten,
bes. von Milch, Käse usf., Speisen Ap; BG., Ha. (in
Sennhütten); F; GT.; ZO., auch von Gespinnst B uO..
von Kleidern BHk.. Vorrats-, Speisekammer neben der
Küche S (Schild) ; altes Hinterzimmer, das als Plunder-
kammer dient AaF.; ZKn., 0. Kornboden. 1338. ürk.
— d) Kramladen. Bude, Werkstatt, oft im Erdge-
schoss der städtischen Häuser gelegen ; vgl. die Compp.
,Swer dehein für oder glüet in deheim g. liat, der git
III ß äne alle gnade.' L ä. Stadtb. ,Allc die kruter
[Krauthändler] suln die [Hausbesitzer] vor ir. gedc-
mern unbekümbert lassen.- 1331. Lauf., Beitr. ,Zu
ebener Erde waren in den Strassen vorspringende Ga-
den oder Gedemer, welche durch 2 nach oben und
unten sich öffnende Läden verschlossen werden konn-
ten.- Bs XIV. .Gedemer. in welchen allerlei Waare
verkauft wurde, befanden sich unter dem Rheintore.-
ebd. .Zins von den Gedemern.' Einnahmeposten in
den Bs Jahresrechnungen XIV., Ochs. Das Zunfthaus
der Adelichen im alten Luzern bestand a. 1430 aus
einem im Erdgeschoss gelegenen G., über welchem
sich nur eine Stube mit Küche und Kammer erhob.
.Das uswägen des garns in den husern, gädinen, brot-
louben oder amlerschwo.' 1524. Egli, Act. ,An jähr-
lichen Zinsen von den gädmeren.- 1533, ebd. Die
Zurzacher beklagen sich, dass die Chorherren ihre
,gedmer. so uf den kilchhof gangent'. an den Märkten
offen halten und in denselben und unter ihren Häu-
sern feilen Markt treiben lassen. 1541, Absch., hier
wie oft im Ggs. zu dem städtischen Kaufhause. .Dass
gmeine statt mit vil frömbden lüten beladen, die hüser
und gäden gesteigert werdent.' 1556, Z Burgerbuch.
.Tabernarius, krämer, so in hütten, laden oder gäden
feil hat. Macellaria taberna, laden oder g., darinn
man allerlei speis verkauft. Aurificina, der gold-
schmiden Werkstatt, ein goldschmidgaden.' Fris. ,Zur
gschauw auf den g. fürhin leggen.- Z Bäckerordn. 1599.
.Es sollen weder Krämer noch einiche Handwerkslüt
an den Sonntagen ihre Gäden uftun.' Z Mand. 1627.
, Taberna, Werkstatt, Krämerladen, Gade,' Denzl. 1677;
1716. , Sollen die Metzger kein Fleisch in G. behalten,
sondern das alles zum Bank fürhin henken.' Z Metzger-
ordn. 1770. .Die sogenannten Gäden und Kästen [in
den Schlachthäusern] sollen reinlich gehalten werden.-
«ad, ^pd. gid. K"
S^Ull
118
Z Polizeiorriii. 1779. ,Metzg, Gäden und Schlachthaus.'
Z iMemor. 18(il. .Ze g. stän', einen Kramladen halten.
.Dass jedermann, der .semlich guot feil hat, ze gadme
stan soll.' 1311, Lauf., Beitr. .Wer der ist, der (ze)
Zürich des ersten ze g. stan und salz feil haben und
usse messen will.' I.S.jS, ebd. .Mit dem Mann zu (Bank
und) G. stän', von einer Ehefrau, die an dem Gewerb
ihres Ehemannes (als Krämer, Wirt, Bäcker. Metzger)
im Kaufen und Verkaufen, Geld einnehmen und aus-
geben, mithilft und Teil nimmt, und deren Gut dann
auch im Konkurs des Mannes die Schulden desselben
bezahlen helfen rauss. .Hat der burger ein ehefrauwen,
die mit im zu b. und g. im gwünn und gwerb ge-
standen ist, so soll syner ehfrau guot umb irs manns
schulden behaft und verfangen syn.' 1512. Z. .Die
eewyberc, ob sy nit mit iren eemannen zuo b. und g.
gestanden, sind unib ir zuobracht guot uszerichten.'
1568. Z .Staatsarch. .Eine Frau, die mit ihrem Mann
weder zu B. noch G. gestanden, soll ihr anforderndes
Weibergut beweisen.' Z Mand. 1669. Vgl.: .So ein
frauw mit ihrem mann zuo b. und laden gestanden.'
1531, ZWthur. Webekeller Th. De-- Weber und sin
arme ChnecM müend dert im füechfe' G. si'. Z Kai.
1811. ,Dass er daselbst gädmer unter der Erde baue
und nit darob.' 1.335, Stein. — c) Klosterzelle, im
Ggs. zum Refectorium. .Es soll ouch hr. Johanns von
Nünkilch beliben bei dem g., da er inne ist, das herr
Martis was.- 1331, Sch Allerheil. — f) Gerichts-
kamnier, resp. Kammergericht, kaiserlicher Gerichts-
hof Vgl. Gadengericht. .Der bischof hatt wol zuo-
gericht, dass dise ufruor war geschlicht on urteil des
kaisers g.' .ILenz 1500. S. auch Liliencron '2, 425 a.
— 3. Stockwerk als Höhenmass: Im J. 1315 wird
ein Haus zu Zürich einem Bäcker verliehen mit der
Bedingung. ,dass er die hofstatt für füre [feuersicher]
buwen und muren soll dryer gedmer hoch.' 1315, Z
Urk. ,Swa zwo hofstettc an einander stOssent, will
der eine muron, der mag es tuon. also dass er niure
drier schuohe dick und eins gadmes hob.' Z Richtebr.
.Dass dieselbe geselleschaft undenan muren soll eines
gadoms hoch.' 1349, Lauff. ,Machet den türm zweiger
gädmer höher dann er e was.' G Urk.
Ahd. ißidiini. ~nm. mild. :inif:-m 11. (PI. gadem und ijedeiiier,
Undmer), Haus vnn nur Kiiniii i liiiimli : Geniacli, Kammer;
hochgelegner A'tT-Mhlui:; Stinkwci k. I'ii- Form ,gad' zunächst
aus .7«(fe, dessi-n Auslaut ua'li .Milall dos n nicht mehr ge-
deckt war. Ilor .i. Auslaut w ist liei uns meist in n ab-
geschwächt, ausser wo er zum Inlaut geworden ist, wie im
PI. und den Abll. yädmen; Gädmer, Oademhr (XV., Ap),
Geschleclitsnn. — Benennung eines selbständigen (iebäudes
(wozu sich Stiickli vergleichen lässt) ist es in manchen Ge-
genden nur noch als Eigenn., z. B. .Gaden' Gr. (s. B. 3, S. SG),
,ini Bachg.', ,im grosse G.' ZWäd., ,G.-statt' GrI).. ,bi den
Gadmcn' GrD., verk. in ,Gadmen' BHa.; W; .Gadmenfluoh'.
Stadtr. ThDiess. : ,uf den Gädmern.' GUrk. -- In dem heu-
tigen Sprachgebrauch ist die Anwendung des W. auf Räume
von relativer Kleinheit beschränkt.
Ober-Gaden n. Ap; B, m. Zg: 1. weiter oben
gelegenes Gebäude, als Flurn.. z. B. Oberyadme", der
äusserste bewohnte Ort im Riemen.stalden, an der
Grenze zwischen Schw und ü. Obeniade Ap; Zg. —
2. (O.-Güdme") Heudiele, im Ggs. zu .Undergädmen'
,SrHw-; U; Zg. Hcuschober USil. Syn. Boni. —
3. Kammer im obern Stock (ZKn.), über der Neben-
kammer Ai"; „Gl; LE.-. über der Wohn- oder Schlaf-
stube der Meisterleute li (auch Plur.). t. Schlafgeinach
der Kinder und Dienstboten (aaOO.), t. Behälter für
Hauskäse, Gespinnst udgl. Hatis im 0. s. Gaden 3 b.
- 4. bildl. Kopf. Syn. OherstilbU u.a. .Es sei nicht
ganz richtig in seinem 0.' Gotth. — ii.-Onilnu" scheint
erstarrter Dat. PI. zu sein.
.Obs-, üpsspycher, pomarium.' Fris. ; Mal. —
Under-: 1. der Stall im Ggs. zur Heudiele (Oher-G.)
„ScHw": U; Zg. — 2. Behälter im untern Teil des
Bauernhauses; Vorratskammer neben der Küche, auch
etwa für Hühner im Winter AaF.; LG.; ZB., 0. Bildl.
scherzhaft : Und mit Eiistig sind s' hilade", wie ns 's
Tüfels U. NXgeli 1842. ,Er' klagt sich auch des kellers
oder undergadens, der seige ful von holz.' 1555. Hotz
Urk. — Vech^Fe;-.- Viehstall, Unterstall GrD. Vgl.
Heu-G. — Feil-: Kramladen, .Trödelbude- BO. Syn.
Feilträgi, Krämerstand.
Für-: Behälter für Speisereste und Vorräte FJ.
- Vgl. für Bd I. 959.
First {Fürst Obw)- n. BSi.. m. Uw: 1. Kammer
unter dem Dach, wo Käse (BS.) oder Obst (grünes und
dürres, auch Nüsse Uw) anlbi'walirt w.Tdi-n, in ii.'UiTur
Zeit in Uw &.(/ -v„aiiiit. K.trirh HHa. N-l. J;,i,'ss,l,li.
- 2. Dachgiebel i )i.\v. S> ii. J-'irsl. - ( ; .■ i s s - (rcissr"-(r..
auch -Giideli: Ziegenstall. Name einer Alp in der Ge-
markung von GLNäf.; auch Ortsn. ScBwTugg. ,N. N.
will by dem hus uf der allmend noch ein geisg.
buwen.' 1548. Obw (Ztschr. i. Schwz. R.). — Heu
{Hei Ndw)-: Heuboden über dem Viehstall. Ober.stall
GrD.; aScHW; Ndw; Zg. Heuscheune, -hütte BHa.;
Obw. Syn. Boni: Heusclmrli. .In einem stadel oder h.'
HBbll. 1572. Die Bettelvögte des Klosters Einsiedebi
sollen sehen, dass die .Brüder' in ,Hewgedmern- nicht
spielen. 1550, SchwE. Klosterarch. — .Holz-, ciuti-
licia taberna.' Denzl. 1716. — Hinder {Himder Ar)-:
Gemach über der Nebenstube Aa; Ai- (Syn. Olier-G.).
gegenüber der Stirnseite des Hauses Av. Schlafzimmer
der Kinder: Säg au im H. noh b'hüet-di-Gotl zu'»
Chinde". Stutz. .Das H.. welche Dachseite ganz ver-
wittert war', als Heuboden für die Ziegen benützt.
ebd. — Hüs-: (»konomiegebäude. welches mit dem
Hause in der nämlichen Wiese steht Scinv; Zu.
KuefChüe, (liiej-: Kuhstall BHa.; Gl: aSoiiw: UwK.
.Nicht weit von der Sennhütte ist dei- Vieli- ...li-r
Kühg.. allwo der Ordnung nach stellen die Stieren.
Kühe und Geissen, jede nach ihrem Rang.- .I.ISi-iii.;irii/..
170C. — Ku Chi-: Speisekammer S; ZA. — Keller-:
ZA. Vgl. Under-G. — Kol-: Kohlenbehälter, in einer
Schmiede. UMev. 1540/73. ,Der von dem Magistrate
von Rapperswyl zu Kempraten erbaute Kohlg. kann
stehen bleiben und zu einer Art Sust [Waarenniedcr-
lage] ferner gebraucht werden.' 1742, Absch. — K;is-:
1. , Käsehaus B; Gl; Vw". als alleiiist..li.'ii.l.s Ce-
bäudeU; eine Abteilung der Alphütte (iA. ,l>ir l\a^er
gieng, als er den ersten Käs in den Spalier ".lei Ja-
K. trug, rückwärts. Nur heim ersten gehe es so. s;igte
er. dann kämen keine Mäuse in den Spicher und die
Käse seien vor ihnen sicher.- Gotth. .Holz zue iren
Käsgaden und was inen not wirdet. irene Käsgadner
zue besseren.- 1491, Zellw. Urk. ,Ein K. bawen.-
1621. ScHwE. Klosterarch. Name einer Alp GLBettschw.
(Steinm.). — 2. Gefängniss. Syn. Speckkämmerli; Tiig-
gis u. a. ,Abusive etiam pro carcere .sumitur. Man
hat in in'n k. gehalten, in carcerem conjectus e.st.-
Mal. - Kram-: Kautbude. .In.stita. crangaden..
119
(iad, prt'ii. siil. S"il- S'iil
120
Ebinger 1438. ,Dass die von StGallen die niailcen
syaes gottshus überfaren hättend, nämlich mit den
kronigädmern, garnmarkt [usw.].' Väd. ,Cadurcuni, ein
krämerg. oder -hütten.' Fris. ,9 Kramgädcn in Bigel-
gspan gemauret." 1.578, SchwE. Klosterarch. — Len-:
Mietwohnung. ,lch hatte Zinimerlüt. um mein Lehng.
nach meiner Bequemlichkeit [weil die Haushaltung
angewachsen war] einzurieliten.- TBRÄfiG. 1787. —
Melch- U. Milch- B, ,Mulchen--Gaden: luftiges,
kühles, meist von Quellwasser bespültes, neben der
Küche etwas tiefer gelegenes Gemach mit Bretter-
gerü.sten. auf welchen die Milch in Gefässen bis zum
Kiisri, aiini.'Hnliit wird. \u Sennhütten B; Vw. Syn.
jMili-ldiHs. .Imii ;iiii külilstiMi Orte angebrachter M.'
,1\S( iiNwi. 17^_'. .liiT iiiiderr 'i'eil der Sennhütten ist
der AI., .Mil.likrlln-.' .I.IS.iiki, uz. 17(i(i. .Die Hütten.
Spirlicr iiihl Mr>lrhi;';i(liiicr iii I lach und Gemach er-
halte.■ ITnli. /isriiK. r. Srinvz. It. Xebe(n)- BB..
Ni%ed- Ae: Zinnner neben der Stube. .Die Häuser
bestehen inwendig aus einer Stube und N. auf dem
ersten Stockwerke.' JXSchnyd. 1782. — Buch-: Ge-
bäude zum jBüchen' [Eeinigung mit Aschenlauge] der
Leinwand vor dem Bleichen an der Sonne G. —
.Buech- oder ein buechladen, da man büecher inn feil
hat, libraria taberna.' Fris. .Bibliothecam conflcere,
ein liberei oder buochgaden aufrichten.' Fris.; Mal.
I"bind-Gade": Stall auf der Alp für das Gross-
vieh LVizn.
So genannt, weil der Stall so eingerichtet ist, dass die
Kühe darin angebunden (nicht nur vorübergehend, wie das
Kleinvieh, untergebracht) werden kHnnen.
,Pfistor-: Bäckerladen.' Fris. — Gerumpel-:
Raum zur Aufbewahrung von altem Gerät, Rumpel-
kammer FJ. Nes Gr., ma" könnt d' Haui u"' Karst
dri- tue' B Nachtspruch. — Ross-: Pferdestall Gl;
aScHw. — Ruess-: Estrich in Häusern, wo keine
Schornsteine sind; Speise-, bes. Käsekammer BHk.
Syn. Buess-TiU. Kaminkamnier BE. .Droben im Ga-
den hatten die beiden Nebenbuhlerinnen ihre Lager-
stätte gesucht. Lisi war voll Schinipfens über das
kleine Haus und schlechte Gaden. llir 1!. [daheim]
sei eine Herrenstube gegen diese.-;, und ihre Gaden,
wo es und die Schwester lägen, seien G'mächer vo"
de" schönste".' Gotth. — Salz-: Salzladen, -Magazin.
1571, Z Invent.
Schalt-: Obdach für das Vieh Schw. — Von schaHm
Schi'v- I: 1. Barbienstube. Ygl. Schräpf-G. ,Hs
Üv. Eck ein Messer nahm, als säss er im Seh.' Eckst.
Badenf. ,Er sye in den seh. zum Kindli kommen und
hab wellen scheren.' 1526, Egli. Act. ,Man soll sy
uf den gassen, würtshüsern, stuben. seh. und an andern
orten wychen und ungeirrt lassen.' löDO, Soh Ratsprot.
,üer schergad(en) oder scherstuben.- Fris.; Mal. ,A1s
man ihn in den seh. gebracht zu verbinden, ist er auf
ein bett zu den fensteren gelegt worden, dessen der
von Mosaxcn gwahr genommen, hat den armen ver-
wundten durch die fenster hinein erstochen, dann das
stüblin des sch-s gar nider auf der erden stunde.'
1588, ScHwE. Klosterarch. ,Sch., barbierstube, ton-
strina, officina chirurgi.' Red. 1662.
Scherm- (Scher- II): Zufluchtsstätte, grosser Stall'
für das Vieh in den Aljien bei schlechter Witterung
Gr. A' de' leide' Tage" h'it-me'-ncli [sie. die Kühe]
'in Schei-f/ädem (Tsch.). Syn. Schntt-G.. -Hütte. —
.\hs Sclieim = Schirm, Schutz.
Schaft- = Scherm-, doch auch als Schutz gegen
die Sonnenhitze Obw. Da sind d' Sehattgäde aw* gar
gitet derzue, dass-men e söttig [solche] Ghüe, die 'hUeJ
hend [wie toll herumgerannt sind], hi Zite' chann n»
chiiele" Schatte' tue Erzähler 1855.
Bemerkenswert, dass sich in diesem Comp, (wie nocii in
andern) die alte starke Form des ersten W. (ohne n) er-
halten hat. vgl. Schalt-Huet, -Sltan,
Schlaf-: Kammer neben der Stube, Nebenstube,
oft zum Schlafen benutzt Gl. — Schräpf-: Schröpf-
stube. Vt;l. Srhfr-G. 1. .Die oberkeitliche Sorgfalt
tut sich auch in .liiii herfür, dass dieselbe alle 6 Jahr
um einen üalliiorr aus der Statt bestellet, demselben
eine eigene Behan.suni:-. zum Sehr, genannt, bestimmet.'
SHoTT. 1702. — S,liwin-: Schweinestall Gl; GfiPr.,
U im. -Gädi W. S\n. ,S< Im: iii- Krumen; Figler. Nach
Schachzabelb. unter dem Pferdestall gelegen. — Spis-:
Speisekammer (iT. ,Die Häuser bestehen inwendig
aus Speisegaden [usw.].' JXSchnyd. 1782. .Er soll
ouch ein sjiysg. binden an die nebenstuben. so gross
als die n. ist, buwen.' 1556. MEsterm., Rickenb.
,(Promptuaria) cella, cellarium, keller. speis-g., -kam-
mer. -gehalter, -kensterli, allerlei, darein man die
speis gehaltet' Fris.; Mal. ,Der Beschliesser soll in
Abwesenheit des Hofkellers den Sp. und Keller ver-
sehen.' XVIL, AAMuri Klosterordn. ,Et im Speis-Gada
praBgrandes accipe Napfos.' XVIII., Uw Älplergedicht.
— Stuben-: 1. Haus, das nur aus einem Raum oder
aus einem Stockwerk bestand L f (Ineich.). Als Plurn,
ScH. — 2. Kammer über oder neben der Stube ZO.
,Pfisters Hus bedörft die Stuben und St-g. neuw ze
machen.' 1555, Hotz Urk. ,Das st., ein warme kam-
mer by der stuben, propnigneon.' Mal. — Stein-:
steinernes Gebäude (vgl. Steinhüs). Flurn. L. Auch
als Pei'soncnn. erhalten. XVL B. — Stiere"-: Stier-
stall. ,Wer dise Fabel nicht glauben will, dem
zeigen die Älpler den sogenannten St. in der Alp
Waldnacht [wo der Stier grossgezogen wurde, der
das Gespenst besiegte].' JScheüchz. 1700. — Teig-.
,Si sulln ouch enhein stuben noch t. heizen nach
vesperzyt.' L alt. Stadtb. — Web-, Weber-: Werk-
stätte des Leinwebers Sch ; Th ; Z , meist unter-
irdisch, mit einem Fenster dicht über dem äussern
Boden; doch auch: „Verschlag in der Stube zum
Weben Z.-* ,Webg., webergemach, textrina, officina
textoris.' Reu. 1662. .Textrina, Weberg.' Denzl. 1677;
1716. — Wechsel-, Wechsler-: Wechslerbude. , Ein-
nahme von ,Wechslergedemern'. XIV., Bs. , Ausgeben
an der Engelwoihe aus dem Wechselg. um Fisch.
Krebs, Vögel. Biren.- 1586, SohwE. Klosterarch. .In
rechten W. ist verordnet der Wechsler.' ebd. Ge-
legentlich auch als Kramladen verwendet: .In W., da
man das Wachs verkauft, ist verordnet Herr N. N.'
1586, ScHwE. Klosterarch. — Gewand-: Kleider-
laden. ,Da sint die appoteggen und gwandgädmer und
mengerlei krämery.' HsSchürpf 1497. — ,Werk-g. od.
-statt, -laden, officina.' Fris.; Mal. — Würz-: Ma-
gazin von Spezereien. ,Hiskia zeiget inen den ganzen
w., specerei [usw.].' 1531, IL Kön. = ,die gemach seines
Vorrats.' 1548, ebd. — Zue-: Nebenstall Gl; GePt.:
Ndw. Stallanbau für Galt- und Schmalvieh Gl. Dim.
-Gädeli, Stall für das Kleinvieh LVizn.; ..Seitenstall
für ein Pferd oder eine Kuh ScHwMa." .Alle Kälber
(iail. f;ed. ^ii\.
ill. -U'l
weiden im Tal in den sogen. Z. getan.- Steinm. 1802.
..Alle Weg mit sambt allen Tränkinen, Zugäden, Schö-
|iten. Tachen und Gemachen ordenlich gemacht und
Überantwort.' Iöl7, SchwE. Klosterarch. — Neben-
zimmer-: wol nur pleonastisch statt jVWenjjrarfe» oder
Nehenzimmei: Gem. Ap 183.").
gadme(n): 1. einen Stall aufrichten. Dabei kom-
men Nachbarn zu Hülfe und es heis.st mer ißnt [wir
gehen] z' g. Gr ObS. — 2. „das Vieh in den Stall tun
Xv; Gl, es im Stall behalten Gl (yädme", i''-g.).
Gädmer= Gaden. — Ober-: der obere luftige
Teil des Viehstalls, Heubehälter. Heuboden LVizn.;
ScHw. — Und er-: Viehstall LVizn.
ilädmer ist entweder die PI. -Form als Sg. gesetzt (wovon
es ja viele Beispiele gibt. bes. Fem. Sg. aus M:isc. PI.; um-
gekehrt das -er des Ntr.), oder es ist dir. vom Vb. jädmen
mit dem persönl. Suffix -er gebildet, wie .Behälter' u. a.
Gadenette" f., dim.-ettli: Zopf, wie ihn die ,Gnä-
digen Herren' von B im vorigen Jhdt trugen, in den
Grundstein der Nydeckbrücke ward ein prächtiges
Kistchen gelegt, angefüllt mit allen G-n, die man auf-
treiben konnte in der Stadt Bern, und die waren ge-
wickelt in die Reden, die über den Dotationshandel
gehalten worden, und um die längste G. war die kür-
zeste Rede gewickelt.' N. B Kai. 1843. Der N. N. het
geng no'''' si" 's GadenettU treit. Wenn üser Here die
Gadenette nilnime am Schopf trage", ko trage' -si der
Zopf doch geng no'': Dr. BXrt 188-"i. — Fi/, .whutttt.
Z"iif, von lat. i-atena, Kette.
(iadenz, Dim. -ji: Personenn.. Gaudenz GrD.
gailerelli": karriert. von Geweben. E" gadi-rellene
Blick GlH. — Aus frz. iiumhiU;, dass.
fiad(e)ret n.: Teller W.
Vgl. it. iiuadrello (frz. ' iiuudrrt), Feld im Schachbrett,
Kachel. Stalders Angabe (Midr-rr (s' St.', f- St.') wird von
keiner andern Seite bestätigt.
gadere(n) Ap, „gTrä-Uw: 1. rauh und hastig .spre-
chen oder singen wie eine Elster l'w. - 2. heftig
zanken (mit Eim g.i Uw;- plaudern, labbern Ai>. —
.Gäderi m.: Zänker Uw.- — „Gädero" f.: Elster
BO.; Uw.-
Naturlaut wie ijmUcu und vgl. besonil. r- ihhIi ,1,i- ~.\ii.
rälKckeH, Hanf brechen, welches auch v I. i stimni. rlcr
Elster (Ratsche) gebraucht wird und dann .iiili .iihin.li in.
klatschen' bed. S. auch ijuderm, fjugeren, f>linl'i;ii, ,jinl< ,><rh*u.
Gadit s. Kadis. Gäder. gäderig s. Ge-äder.
(iaadel I m. : wellenförmige Bewegung einer Flüssig-
keit in einem Geschirr BO. Häb Sorg, der G. chiinnt
der drl'! ,Syn. Gautsch, Gautschel L;- Ohmtsch.
X g\. Godel M. godlen. — gaudle" BHk. .(/««- (resp. ri-)
BO.: 1. aufwallen, überlaufen wollen, schwabbeln,
von Flüssigkeiten in einem Gefäss. Häb Sorg! sust
gaudlet 's drüber iis! BO. — 2. in Flüssigkeit rühren,
mit Wasser spielen, z. B. von Kindern BSi. Syn.
Hihitschen u. s. bei fladeren. Vgl. auch gausen.
(iaudel n m.: Spassmacher SchwE. Dim. Gaudeli,
kindisch lustiger Mensch, der alle andern ergötzen
kann TnTäg.
Gaudi I: 1. ni. .Geck B; L; Uw;"- Narr, Spass-
macher; der sich einfältig freut. Einfältiger Vy/. Syn.
Gaiidel IL — 2. n. (auch Gaudium Z) a) laute Freude.
Lu.st, Ergötzlichkeit VOrte. auch Dim. GaKdeli. ein-
fältige Freude Xmw. .S/".« G((iidium im Ö/-/"'n /'"" Z.
Eim 's (r. singe, eiuiMi KreHdeniri\sang (eig. einen
kirchliclieM) S. .\Is Intcrj. in der Formel: Simeli
simcli iimiili'. iiiiinrr /'»'/ lustig! S. s. g. es ist hur
na |nn,li| „,,■ fviv (voriges Jahr]; B' Meitli und
d'Buch, Im Uli niiiiiil (ßre [gern] aScnw. — b) Freuden-
mädchen LG.
2 aus lat. gaudium, aber dann bei 1 mit deutscher En-
dung, persönlich gedacht, nach Analogie vieler aus Verben
gebildeter noniina agentis auf -t .v doch lässt sich fragen, oh
Omtdi l sanimt (Juudel 11 nicht als blosse Nbfornien zu
Oaugel (s. Gaui/ijel) von Gaudi ? zu trennen seien.
gaudiere": 1. tr., erfreuen Bs; Z. — 2. refl..
sich ergötzen UwE. — Aus lat. ijaudae. zunächst in dir-
Studenten- und Gelehrtensprache gedrungen.
Gauder I m., nur in der RA. hVm G. m, beim
Hals, Kragen, Schopf fassen GnChur, Pr. Syn. Grips;
Tschüpe.
Zu mhd. r/oife- (auch noch bei Red. 166'2), Gurgel, Schlund,
Halshaut. Ohne Zweifel vwdt mit lat. •iiittur, Kehle : s. (Iwter
und (juderen, gurgeln.
Gauder 11 s. ^«rfer Bd 1. Ol. Dazu: vergäudere":
vor Elend und Kränklichkeit abnehmen BLenk; Xnw.
S. noch Guderen II, rer-g.
Gaadi 11; Personenn., (iaudenz GKl'r.
„Gedi: Personenn., Gedeon Zi;.-
gi d s. gi'ben.
Gidel. Gidi: Personenn.. Ägilius LG. S. Bd 1. ir.l.
..gide(n): kitzeln BO."
gidere": kichern, lachen GFlaw.
Vgl. tj'ujeren oder, da Wechsel von ij und /■ einerseits und
./ i[nd i(t) anderseits sich im .\n- und Inlaut belegen lässt.
auch kittei-cn.
Güdel m. (n. St.-): 1. geräumiges, aber kunstlos
gebautes, altes, halb verfallenes Gebäude Aa; B. ,VVo
noch 1718 ein wüster G. und eine alte Badstube ge-
wesen.' Messm. 1831. — 2. altes, lotteriges Haus-
gerät, bes. Bettgestell .URued.; BS. Übh. etwas
schlecht Verfertigtes oder in Verfall Geratenes ; auch
Godel-rustig, -züg BR. — .3. schlechtes Fuhrwerk
(Ross u. Wagen gleich schlecht) FMu. — 4. schlechtes
Messer Aa. Syn. Gudel. — •"). Schwanken. Zittern.
Schütteln GrD., Seh. Auch von Menschen, z. B. er
hed de' G. in de" Hände' GrD. Syn. Eodel.
4 ist schwerlich auf das frz. t/ttudrclh, schlechtes Messer,
zurückzuführen. ,
godere(n ): 1. = godlen 1 u. .V, auch vom gurgeln-
den Tone unsichtbarer Quellen AaZcI. - 2. mit den
Händen in einer Flüssigkeit herumfahren FSs. —
Schallnachahmung wie die Nbff. (joilhn und i/udfreii.
in-; einschütten, vom Vieh. z.B. euere Chue es
Trank i"-g. FSs.
godle" „gödle" Ap; W" : 1. schwanken, bes. von
Flüssigkeit in einem bewegten Gefäss GrD.. Pr.. Scli;
,Ap; W" und mit Bez. auf den dabei erzeugten Ton
GrL.; sich im Wasser hastig bewegen, z.B. bei un-
geschicktem Versuch zu schwimmen oder zu rudern
BG., R. Mu" hat im StiiJI .-»t/ Seh irisch epf Im Troii
g'seh und g'hert im (r'ln/j' |Tr;nik.| ,/nitlii \\ Sa^di.
— 2. mit den Händen /itteni ih;!', ::. |ini|..r-.)
kollern, von den im Magen und den Gedärnieii >toss-
weise sich bewegenden halbflüssigen Säften und ver-
haltenen Winden W'. Vgl. gnderen 1. — Sch.illnach-
I ibniunsr wi- die Nhf. ,,„dle,i. s. il.
123
Gad, gcä. giil, s;ni. gnil
124
Godlcr 111.: ilor mit (l(_'ii Händen zittert, nichts
ohne Zittern fe.sthalteii kann Gr1>.
Kode" I „f.": Made. z.B. in faulendemKii.se. dah.
ChfiKgnde BO.: iifter im Fleisch BSi.
„finde" H n.: 8chwein; verscluiittener Eber F.'-
tiodi I m.: 1. = Gode' II F. — 2. schmutziger
Mensch; auch Übern, für ein schmutziges Kind F.
Vgl. Giidel.
«odi II B. Gödel BThun. Güdi: Koseform des
Namen.s Gottlieb ÄASt.; Id. B. oder Gottfried BS.
Eolle"-(jodi (III) n.: schlechtes, kleines Messer
mit hölzernem Heft Aä. Sjn. Rollen- Hegel Vgl.
Godel, resp. Gudel 4.
üöder .s. Ge-Äder Bd I 88. gödlen s. godlen.
(lud : nur in der IIA. : Es ist G. um Gätseh, Eines
was das Andere, gleichviel, und zwar i. S. v. Beides
gleich schlecht ZStdtf.
Viell. zu verstehen wie die Synu. Oül nn (lune, e Hwr
an e Ifex |sc. tauschen!. Viell. aber = nihd. hat. Tausch,
also 6'. um (!., Tanscl) um etwas Niihtiges. Tgl. güdlen.
Gndel m.: 1. Das Schaukeln einer Flüssigkeit in
einem getragenen Gefässe, in der RA. de*' G. im Wasser
ha" BBc. Syn. Godel ö. — 2. Durchfall GrD. Sjn.
Gudle", -kr. — 3. zerlumpter Mensch FJ. Vgl. GodiI2.
— 4.= Godel 4 Aa. - 5. Unkraut ZFehr.; kurzer
Hanf, der ausgerissen wird ZDättl.. St.
Aus GrD. wird fl angegeben. Betr. die BegriffsUbergänge
Tgl. Lotler : Liitter, welche ebenf. in dem Begriffe des .Un-
festen' ihre Vermittlnng finden, und spec. zu .5 Fluder 1 :
flnderm, wobei das weniger Solide und daher weniger Wert-
volle bezeichnet zn werden scheint.
gudere(n). in Ap tw. -o-, Dim. güderlf (-<>-):
1. „Flüs.sigkeiten schütteln oder unreinlich behandeln
Gl; VOrte; Z", im Wasser herumfahren, es in Un-
ruhe bringen, darin spielen, plätschern, sudeln Bs;
LStdt; S. Syn. gudlen 1. Durch Schütteln einer
Flüssigkeit Blasen auf derselben verursachen UwE..
R.Gtiderel. üyn. güderen. — 2. gurgeln, d.h. Mund
und Rachen ausspülen Ap; GF.. Sev.; Schw; Tu; Z.
— S. = godlen 3 Aa; Ap; Bs; VOrte; Gl; Sch; Th; Z.
.Intestina mihi crepant. der bauch rumpelt, gudret
mir.' Denzl. 1677; 1716. .Eine Frau hatte so grosse
Muttergicht und Schmerzen, dass es in ihrem Bauch
raurrete und guderte.- Müralt 1697. — 4. Durchfall
haben Gr ObS. Vgl. ergudlen. — 5. von gurgelndem
Geräusch.' welches entsteht, wenn Luftblasen in einer
Flüssigkeit sich frei zu machen suchen, z. B. wenn
diese, bes. ihr Rest, durch eine enge Öffnung stoss-
weise ausströmt, wenn man Öl in einer mangelhaft
gefüllten sog. Uhrlampe aufpumpt, über sumpfigen
Boden geht oder mit einem Röhrchen in Wasser bläst
Aa; Ap; Bs; Gl; Schw; Th; üw; Z. Syn. giidlen. —
6. von Tönen gewisser Vögel: schnattern Zg; girren.
Vgl. gudersclien. .Kranich und Taub können nur bloss
mit der Kelen g.- JJBreit.. VU. 1628. — 7. undeutlich
sprechen AaF. — S. in der RA. : F'' will 's g. hi, der
Sache unbekümmert ihren Lauf lassen Gl. Syn. fla-
deren, fläderen (s. d.), trnlen län.
In den Bedd. 1 — 7 ist das W. eine offenbare und treffende
Nachahmung gurgelnder Naturlaute: vgl. godlen, nihd. jrorf«-,
Kehle, Schlund, und lat. fivttiit:
er-: 1. schütteln, erschüttern, z. B. einen Baum etc.
's [das Unwetter] hat di G'mcicher und di Gäder nr-
gudarat. Schwzrd. Einen Mann (,beim Schopf nehmen"
vgl. Gauder) Gr; GWe. D' Chlöpfe« e. a) Die Kuh-
schelle heftig bewegen. — h) bildlich scherzh.: viel
schwatzen Gr. Unpers.: vor Ekel. Frcst, Schreck
durchschauern. Es luit mi'''' grad iif ei" Mal erguderet
GRC'liur. Refl.. auch von Pferden, sich schütteln vor
Frost Gr. Syn. flüderen. — 2. -(tr.) erforschen W.'-
Zu '2 (eig. ,durch Schütteln herausbringen") vgl. frz.
troumr, wenn es von lat. lurbnre kommt und eig. ,SHchen'
bedeutet.
ver- 1: durch Ausschütten einer Flüssigkeit ver-
unreinigen, z. B. einen Tisch BS.
Gudere" I f. (nur PL), Dim, Güderli: Hlasen auf
einer ausgegossenen Flüssigkeit UwE.
Guderi m. : Mensch, der schnell und unverständ-
lich spricht Zg, verworren, einfältig i.st ZH. Syn.
Güderi, Gaggeläri, Loli.
gudersche(n): von der Stimme der Krähen. Vgl.
guderen 6 und gäderen 1. .Cornicari, garrire, fabulari.
schwätzen, guderschen. einhinbladeren, wie ein kräy
klapperen.' Fris. ; Mal. ,Vögel, die guderschend oder
ratschend, garrula aves.' Mal.
Gudle» GRChur, -ü- f.: 1. .durch Schütteln trübe
gewordene Flüssigkeit Gr." — 2. flüssiger Tierkot
GrD., Jauche GaPr. Vgl. Giidel II. — S. stehendes,
stinkendes Wasser auf der Strasse; Pfütze, Lache Gr.
Syn. Butz, -le. — 4. Durchfall, bes. beim Vieh GrL..
Pr. Syn. Gudel, Gudler.
gudle(n) -tt- Gr; GSa.: 1. Flüssigkeiten auf-
rühren, rütteln, verschütten; darin sudeln, plätschern,
spielen GRFläsch; G. Timme-, die Speisen im Magen
herumschütteln GrHc. Synn. s. bei flutschen. — 2. ver-
schwenderisch haushalten GLNäf. ~ 3. unpers. a) ,von
krampfliaften Blähungen mit begleitenden dumpfen
Lauten L; Z<;." — b) .von dem Geräusch einer aus
enger Öffnung ausströmenden Flüssigkeit." — 4. star-
ken Durchfall haben, haupts. vom Vieh GrD., V. —
5. kurzen Hanf ausreissen ZSt. VgL Gudel Ci. -- Für
die Etymologie vgl. die Synn. godleti, tfuderen und f/ulsli-ii.
er-: \. = gudlen 3 a GrD. — 2. nicht ausreichen
(mit einem Vorrat), nicht zu Stande konmien (mit
einer Arbeit), auch: weniger bekommen, als mau
meinte BO. /■•'' hin am Mist ergtidlet. Mer kein
[haben] g'meint, mer seile 's [sollten es] mögen ah-
g'miijen, aber mer sin schön dran e-t. F'' hnn g'meind,
der Acher geh einmel iif d's Wenigste ^'0 Huttede
Herdöpfel, aber mer sin d'r-no''' [darauf] dran ergudJet.
Syn. S. erweren. — Vicll. ist Zshan!; mit i/iulm ll, Unudrr
anzunehmen.
,Gudlene f.: Mistpfütze Gr." — Wulnscli. eig. =
iludlmi, PI. des Dim. von (/«dln.
Gudler (-Ü-J m. : Durchfall Gr.
.gudlig: unreinlich, unsauber, zun;i<hst von
Flüssigkeiten Or.-
(jiide" f.: Hitzblatter, kleines Geschwür BO.. z.B.
Eiter-G., Dim. Mudeli', Gfidel(l)i, z.B. Chrnlr-G. BR.
Viell. blosse Nbf. zu dem Syn. Güge".
(iiiderm.: Truthahn,
roth wie ein G.' HSülz..
Knter, kalkutischer Hahn.
-röter. .Sie wurde
'1. aed, <;l
id. siiil
GuJere" II: in der IIA.: z' fliidere ti. z' (i. ijän,
= i' Gauder y. [s. li.). zu Gruiulo gehen FwE.
Der siibst. Charakter des W. ist zweifelhaft, es könnte
auch Inf. sein, viell. i. S. v. wnjuderm (s. ä. F.) oder von
ijuderen, in Blasen aufgehen.
ver-gudcre(n) II: in Verfall geraten, zu Grunde
gehen .K\ ; BHk., M. ; Ndw.
Vgl. verijäudere', aber auch betr. den möglichen Begriffs-
Uborgaug von yuderm (resp. Der- /) zu venjudercn II das
Aualogou: lotteren, wackeln, schwanken, und «/•-.- zu Grunde
gehen.
Gudere" OV ^ i'-- Wickeltuch für kleine Kinder
(j iiT. Syn. Brüechli. - Kaum zu mhd. Indter. das bei
Buner in der Kurm ijüirr vorkommt, sondern zu ifttderen.
gii(lle(n) 1: Tauschhandel treiben, von Kindern.
Syn. (jriitzeti SciiwE.; kleine Geschäfte mit Kaufen
und Verkaufen machen, schachern Ndw; Schw. Er
ll-t öppis itmme, treibt Kleinhandel Schw. De'' g-t
iiüiiime [nicht mehr] lang! Schw. — ver-: ver-
kaufen, z. B. er lied sl" Uir [Uhr] v-t Ndw. — Vgl. das
nach Sinn uud Form vwdte .kauderu' und die Anm. zu tlvid.
GSdel I (-«- L, -&- Uw) m.: 1. Magen, Bauch
(verächtlich): fetter Bauch. Wanst AAWohl. (f); L;
UwE.; „Schw: Zu- (St.M. Ih" (r. fülle" AAWohl.
Eud Cime gid \idl<: F. (jiiir.i: i'lnilii-l roll; Am Marge
chunnd der Schnnli r FinI frisst der G. roll. S. noch
Äscher Bd I 508. — 2. Kropf L. — ,Gtidel' bei den
Auatomen des XVI. = Netz, Omentum; vgl. das Syn. Jiiidel.
(iüdel II -ö- Ar m.: Jauche GRPr.; unreine Flüssig-
keit Ap. Vgl. G.-tvasser. — Zu yüdkn, spulen, sudeln,
mischen. Vgl. auch IJudte l, i.
Hüs- Ap; GRh. .0-8 Fuder Hausgüdcl sind zu
verkaufen.' G Rh. Anz. 187(3.
güdelen s. güdlen.
.ver-güdele(n): heinilicli verscliwenden BHk."
gäde(Il) -(t--GA.: in einer Sache zu viel brauchen,
nicht sorgsam damit umgehen; auch mit Esswaaren;
prassen, schwelgen, allg. Er gtidet im Geld GA.
Z' güden und z' hetzge ha, vollauf haben Z. Negat. :
tveder s' g. no''' z' h. ha, Mangel haben ZLangn. MH
Vilem güdet me", mit Wenir/ sjKtrt me". Strw. .Die.
so sich des Evangeliums güdcnd | riiliiiirii. damit gross
tun. sieh immer auf dasselbe IhtuI'.'!, ] • l.-,:iu. Absch.
Hülz-Güde" f.: Frau, die im Haushalt zu viel
Holz braucht B.
Güder, Ver-G. ni. : Verschwender; Prasser.
Schlemmer. De'' Sparer (Hiiser) »iites cii G. ha" Gi.
(von Vater undS.din); L; G; Z. iiiiirht ru G. Gnrrn..
iiherchuiint [bekommt | ot G. [eiiirn verscliwriideri-
schen Sohn] Gl. Umgek. : De'' G. mues eii Sparer
hau, den Verschwender lehrt die Not später sparen
BR. .Vertuer und Gider.- 1627, Bs Rq. — „Güderi":
Haushälterin, die nicht zu sparen weiss. allg.~
Hieher gehört wohl auch der Familienn. Gi'uler B; Z
(WO .lUerdings U kurz ist), welcher schon im XVI. urkundlich
häufig belegt ist; vgl. daneben die Namen: .KOuder.' 1530,
Kgli, Act.; ,der güdi.' 1396, Gschfo. Ges.; ,HGUdi.' l.'J24,
Egli, Act.
güdig, güdisch: verschwenderisch B. ,0 güdige
frässheit [Frcsssu( ht].- Sihachz. ,Der g. sun-, der
.verlorne' S(diii im Kvaiigelium. Salat. .Mit dem gü-
dischen, vertu is. du n uiol ungehorsamen [verlornen]
Sohn.' ir)2I. StStiih. .Ein weiser mann ist nit geudig
in Worten, sunder redt, das not ist.- Z Bib. l.^(JO. .So-
lutus, güdig oder vertüyig.- Fitis. .(J.. güder. un-
nütz, prodigus. sumptuosus.- Mal. .Babylo. ein frei-
gebiger und geudiger mensch.' Denzl. 1716. , König
Reiehart [Richard] vertet das Geld zu geudig.'
WüRSTISEN.
er-: verschwenderisch in Ehrenausgaben. Ge-
schenken. Vgl. er-gäh(ig). .Hain ich ain grossen un-
kostan gehan und bin zu vil ergüdig gesin mit scheii-
kan, mit drinkgelt gen.' 1527. Stock.
(lüder I: 1. schlechtes Getränk Z. ,Aber, könnet
ihr denn solchen G. [verwässerten Most] auch trinken V-
Stutz. Das ist kei Fitsehvär, so G., wie d' Bränz-
träger händ. ebd. — 2. Einer, der mischt, z. B. ein
Kufer Z (.Tucker). — Zu niidcrm I. '2 wahrsch. verkürzt
aus Hiideiir.
güderr(n) 1. -H-AAZein.: 1. ein gurgelndes Ge-
räusch vei ius;[i hell, wie z. B.. wenn Kinder Wasser
in den Mund indiiiien und es wieder herausfliessen
lassen odn wruii sie ins Wasser blasen, in Flüssig-
keiten plätschern AaF.: H: E: Sch: Th: Z: auch von
Scliweinen, die im Frrss.Mi wülib'ii I,: Srn«. Syn.
gudlen, guderen. Güdcrk". kl.in.' Dl.isrn w.if.'n. xgl.
Gudere'I. — 2. Flüssigkeiten in klein, rn (Jniintit.itm
unbedachtsam oder unnütz ausgiesseii. damit ^udrln
Aa; B; E; S; Sch; ScHW ; Th; Z. Svn. ,,,„llni. ,ii„llr„.
gotschc». srhhfdrrev. .Platsrhe,,. finfsrhm. -^.■lu-.mkm.
ktdten lUh.id.'nllndi mis,di.-n. \n-._ ■. Wilaliivn d.T
Wirte Hill Wrin; s.lilrrhlen W. unter guten Aa; '/..
Der 117)7 ,i-t im niiilj \V. '/.. 1. überflüssig trin-
ken, liin.dn Mdiütten H; 1.: Z'i; St.'' — 5. plappern,
schwatzen, pralilen Z. Vl-I. A)nii. m ,,mkrcn. llie
Form mit -((- scheiut siili an i,„ii.r." MMznl.luirii.
in-: durch eine eng.' (itinnng . in^.diiitten ; Einem
Etwas einflössen. z.T.. \r/,in'i UM. (G..ttli.i - ver-:
1. = >lü,h'rn, '.' AAZ.'in.. i;M..S.; „Ae; VOkte: (illh.:
Sch; Z. ■:. .lureli Mi^. Iiuug verderl.eu. z. 1!. Wein
Aa (Ku.. St.). Vgl. ,j,„lrra, :i.
Güderer m.: Wiedertäufer. ,Su üch üwere g.
teufend, ^vormit tnufend syüeh'.-' Antw.: Mit wasser.'
HBuLL. 15:!1.
Güderete f.: I.Lache von verschütteter Flüssig-
keit Aa; Z. — 2. schlechtes, zsgesehüttetes Getränk
Aa; Z.
Güderi ni.: 1. Weinmischcn- Z. - 2. Selnvätzer.
Prahler Z. — 3. Taugenichts, dummer Kerl Z
(Schimpfw.).
gü,lle", .el.i": 1 . ^ r/»,//f /( / A 1' ; H( 1, ; Gk ; ( ii! h. ;
TnSterkl..: ZSt.; v^^^. W .Miig.'s was.dirn lloSi.; s|.ül.'n
G IIW. — 2. allerlei Klüssigkeiten durch einimder
mischen GRPani. - :i. viel trinken, zwar keine gei-
stigen Getränke, aber Allerlei durch einander Uw.
Syn. lurggen. — 4. (unpers.) = gudlen .5 a ..L; Zu".
— ver-: auf eine verschwenderische Art verschütten
Ap. Syn. vergüderen, vergötschlen.
Güdlete" f.: 1. , verschüttete Flüssigkeit."
2. „unreinliche Flüssigkeit L; Zo;" vgl. Güdel-Wasxer.
— 3. „fades Getränk, das oft Blähungen verursacht
VÜrte;" wässerige, fade Speise, bes. Getränk \v.
4. das Schwenken, Spülen Ar.
Güder II, güderen 11 s. Gr-hmhr.
Guodise s. Wuotia-Ilrr.
«af, gcf, gif, gof, guf,
re.sp.
iraff U8W.
l'v/(i/?' .s(» ; Meli
ailt-r Welt aus-
An-(iaff 111.. nur in ilci- l:
ist do alle" Lüte" im A., diin
gesetzt ScnSt. (Sulger).
gaffe": 1. klaffen, sich öffnen Ap; Diin. gäjfde",
■L. B. von einer halbvernarbten Wunde Tb (Pupik.).
Syn. gifen, rjinen. — 2. wie nhd. Wie me das' i''' g.,
wie minder das' i''' schaffe". Ineichen. Abi. Gäff'. —
über-: übersehen, aus den Augen lassen. ,T)ass wir
unsern nutz nit ü.- NMan. — uf-; aufklaffen, z.B.
am Holze Ap, sich weit r.itii-ii, ,!i tasc-hen sollen in
[den Appenzellem] u. [zur ll./,ililiiim .'Iner Entschädi-
gung an den Abt von Stiialb n|.- X\'.. Lied. - er-:
ersiKilin,. i<. .h,i,(,fni,i l'„l 1 1'_'17. ver-: rr«.. sicli
in, Stann.'i, vrrlirreii. all-. .Narraiitis ruiijuiix priidet
ab nie viii. vrruaffet sich an ireii mann, last [iiorcht]
im flyssigklich zuc Fris. Gaffend Etwas übersehen,
allg., sonst wie nhd.
tiaffi in.: Gaffer, allg.; als Schimpfvv. bes. unter
Kindern W.
f. : ba
Henkelkorb
(iäfel 111.. G
PAgcr; TB.
fiaffiir aus it. rin-iiijmi, waadtl. cuvaijm; grosser Korb,
Tragkorb: vgl. aucli «och coinask. ijuvel, krummes Stück
Werkholz.
Gafelc f.: Holztraggestell BSa.
Syn. Gallie)!«, aus welchem es durch Auswcichuug, da
/ Hud h auch sonst wechseln, eutstanden sciu kanu.
vergafle»: (tr.) beim Ausmcsscn durch Schütteln
des Messgeschirrs wieder einen Tfil der Flüssigkeit
aus demselben herausschleudern, so dass der Ab-
nehmer in Schaden kommt BG. — Viell. identisch mit
venjaUcn; vgl. aber auch t/ejl'kn.
Gäff m.: einfältiger Mensch B. Wenn 's Ernst
gilt, stat d'r [ihr] da wie d' Gäffe'. B Hink. Bot 1S19.
Zu gaff'en. Syn. Göff'(elJ.
«anf I BsL. (tw.) „m.-. „Gaufc f.-: 1. hohle Hand
BsL. ,Gleicli einer gauifen und handhöle.- Tierb. 1563.
.Die g. seiner [des Bären] datzen sind fleischecht.' ebd.
,Zimmet ein g. voll.- ebd. .l'er nauff, raitthöle der
band oder dos fuoss, vola.' .Mal. .IMc i;auff, holehand,
gäise, vola, cava pars manus.' l!i:ii. lijvi'i. .Davon ich
deine und meine kliker alle zuijb'irh aus der g. darein
r.db- (111 das -nilileinl. iiele e^■n tiiM. i sipir -lobulos
uiiiii,., ^iiiiill de \"la in iUuiii .„iijiri".- el.,!. ,Vola,
Hole dcrllaiid. Handteller, Gauffc.' Denzl. 1G77; 1716.
S. noch fachten Bd 1 662. — 2. = Gaufei 2 „L-.
Mhd. iinufe. f., hohle Hand. Fris. braucht erst in der
.Vusgabe von 15(58 das W. als Masc.
Gaufei III. .,Aa: B; VOrte; S;' ZO., Gaufeie
Aa (H.); BS.. Si. (kufele); Ltw.; S; ZBenk., Gaufle
AaEIu-.; Bs; BBrisl.; Gl; LG.; ScH; Ndw: ThHw.; Z
(-/■'- Kn.), Gaupfle, Gö- TuSteckb. — f., Diin. Gäu-
fell: \. = Gauf II. .Aus der Gaufei trinken.' Spreng.
.Nimm eines jetlicheii [Krautes] anderthalb gaufei
voll.' .JRLandenb. 1608. .Vola, die Handhöle, Gaufle.'
Vestib. 1692. — 2. die einfache oder doppelte Hand
voll. ,Pugillus, Fäustlein, Gauflen. was zwischen
3 Finger genommen wird.' Denzi.. 11177: dalür 1716:
.Gaufflein.' Spec. a) was in der Hehle der i;-.-.-,tfneten
Hand (resp. Hände) Platz hat; vcrscliied.'ii vm, Ihuiipjle,
der geschlossenen Hand. allg. E ganzi G. Salz der
Chueh inne ge". D' Hochsiglüt händ ganz G. Rappe'
zur Gütsche" usg'rüert [geworfen] Z. .Geld bei Gau-
fein auswerfen.' Spreng. — b) was eine oder beide
Hände mit gespreizten Fingern büschelweise zu fassen
und halten vcrniügen. Wisch. Büschel, allg. I''' hä
i}' ( 'lirii'si :' diiK/liir'is iilizrii und ieg'schoppet [gepflückt
uii.l 111 dri, .Mund uv>rli.,l„Mi|. JSenn 1864. Ganzi
Gaa/lc Bliiauli '/.. J/c" [maii| rauft-ene ganz G. Hör
zu'n Chüpfen-us. Stutz. E G. Schlier Z. .Ein Wisch
Hanf, den man zum ,Reiten' [Brechen] zwischen die
Finger nimmt und zwar so, dass die ,Hauptete' ein-
wärts in dir le.lib' Hand ZU liegen kommt. Geschickte
Ail"iieriiiieii leL;vii über jeden der 5 Finger einen
'l'eil Aa/(1ii. Svn. ]\'iisch. Auch: was man mit Hän-
den und Armen "umfassen kann, Armvoll BsTerw.; L;
'l'nHw.; ZF. Syn. Arfel Wiiilelricd iimfussef e Gauf-
fi'le Spiess. L \'aterl. 1877. E Gaiijlc roll, eine Menge
übh. ZKn. — 3. Gaiff'le. ein etwas plattes Schöpfge-
schirr mit Handhabe Ndw.
Das W., in welchem wohl j"^ der ursprüngliche Laut ist,
der aber in SchNnk, und ZKn, zu /' geschwächt erscheint,
ist Weiterbildung von IJauf I. wie auch bair., kämt, und
Schwab, (/au^eii, Guuffel und ahd. mnfana, aus welchem schau
auf lautlichem Wege unser W. direkt eutstanden sein könnte.
Weniger einleuchtend ist die Annahme, es liege Huuf-voll
(vgl, Arfel aus Arm-voll) zu Grunde, — Zu 'i. Das fragliche
Schöpfgefäss (auch tir. und bair. so benannt) ist ein der
hohleu Hand, dem iirimitivstcn Schöpf- und Trinkapparat,
ähnliches, O'opfle (vgl. auch Gaupßete) lehnt sich lautlich
viell, an Hampße an.
gaufe(n), gaufle(n), Dim. gäufelefn): 1. mit
vollen Händen schöpfen, fassen, allg. Vergessed-mrr
nüd, Heu ander de" Chle z' gaufle" ZWettschw. :\lit
liohlen Händen häufen, z. B. ein Mass (auch «/'-). —
2. gaiffle", mit der Gaiff'le" (s. o. Guufel .i') schöpfen
Ndw. — ,er-: mit beiden hohlen Händen erlassen."
— Gaufete, Gauflete, in GrD. auch Gaupfitn f.:
= Gaufei 3 a u. h Aa; Gr; Z: ,B; VOrte; S." —
gaufete(n). nur als Inf.: beide Hände voll nehmen
GnPani. — „gaufig, gauflig, Dim. gäufelig: ge-
häuft voll Aa; B; VOrte; S;- Z. ..Als Adv. gauf-
lige(n). Dim. gäufelige(n): mit beiden liohlen
Händen."
(ianf II: Schelte für Kinder G 1799. - Vgl. östr.
(i'auj)', alberuer Mensch, sowie unser Oof.
vergaiiferen : verspotten. .Also hat er in ver-
goufret.' ZiELY 1521.
Ebenso iu einer alten wUrtembergischou Kireheiiurdu.
— Wenn an beiden Stellen verschrieben fUr -on-. so wäre
das W. identisch mit ver-i/elfcren.
„(lef f.: Zucht, Ordnung, disciplina; nur mit nc",
ha*, in der BA. : !•"'' han-en i" der Gef, ich treibe,
ängstige ihn von allen Seiten LE." Syn. in der Egi
hau Bd I 143.
gefele(ii): nicht fest schliesseii. lese gefügt sein.
wie Türen und Fenster, die bei dem geringsten Aii-
stoss klappern Uw, — Wahrsch. Dim. -Form zu mhd. ,j,triii,
Nbf. zu giinen (vgl. fß/cn).
G(e)gefel n.: 1. das Klaijpern Uw. - '_>. der
klappernde Gegenstand, ebd.
Gcfele" f.: Klappermaul, vorlauter Mund, weniger
veräehtl, als Gosche LG,; Uw. Auch für das ganze
Gesicht, Ei"-m Ei"s über d' G. haue" L. Syn. Gefräss.
gef. gif, g«!'. t,ni
(ieffelin n.: Wurfspieß (?). .Hat d.Mi huet, das
barett und g. bracht.- 1476. L Beutevodel.
Das sonst unbekannte Wort scheint Syn. und vielleicht
identisch zu sein mit Sdiuffdin, Schaf- (s. d.) und eine
Mittelforni zwischen afrz. (jimlut und nfrz. juveUnc, Wurf-
speer, zu repräsentieren.
tieffern : wahrsch. ein 8toff. .P'ilz, Geffeni. lynin
Költscli.- 1571, Z Inv.
Es kauu an frz. damm-mfurd, Halb-Üaniast, und mlin-c,
Halb-Atlas, erinnert werden; vgl. kafßn.
geffle" GoT., fjö- GO.: 1. unnötiger Wei.se in einer
Flü.ssigkeit lierunirüliren G oT. Syn. flätschen, güfflen.
— 2. unordentlitdi aus einer Schüssel essen GO. Syn.
sch)nati(jen. — Gefllete f.: Mischmasch als Überrest,
so z. B. eines Getränks G oT.
Der Übergang von e in ö vor/ ist lautlich leicht möglich,
OS kann aber auch Anlehnung au Oöffel, ungeschickter Mensch,
Statt gefunden haben.
Gelffe" f.: Kegel (im geometrischen Sinn); Fach-
ausdruck der Spengler.
geiffig: konisch ausgeschnitten. — Zu huh. yuiffin,
1. aus einander stehen. 2. ausschneiden.
(ieifer, in Gr tw. f, in Z Gäufer, ikeifer GkD.,
Obs. — m. : 1. wie nhd. allg. .Der Fluss oder Geifer
von den Franzosen.' FWürz 1634. — 2. GeiferfUj,
schwaclier Schneefall (von 1 — 2"), dünne Schneedecke,
„die den Boden nicht zu bedecken vermag" GRHe.;
GRli. Es hat nw no''' e GeiferU [Schnee]. Syn. Glfer,
Glfle, Blser. — Zu 2 (etwa so viel als .Geiferanftug') vgl.
das Syn. Spumete, Speichel; schwaches Schneegestöber.
geifere", gäu-, ikei-: 1. geifern, Speichel aus-
fliessen lassen, bes. wie kleine Kinder, wenn sie die
Zahne erhalten, allg. Vgl. Geifer- Ueli. .Dass solche
Wunden kein rechtes Excrement von sich gaben, sonder
nur geiferten und wässerten.' FWürz 1634. — '2. „(gei-
ferlenj ganz schwach schneien Gr." — 3. schwatzen
(verächtlich), viell. in diesem S. die RA. vom Vogt,
s. Bd I 704. — vcr-: durch Geifer verunreinigen,
allg. — Geiferi m.: Schwätzer; Spottn. übh., eig.
ein Junge, der die Unart zu .geifern' noch nicht ab-
gelegt hat SL.; Z. — Geiferli"g m.: Speichelaus-
wurf, z. B. auf dem Boden aScnw. Syn. ühöderling.
({eifetsch m.: kalter Nebel, Frostnebel W. Vgl.
glf'ren.
gife(ll), giffe(n), gif(f)ele(n): 1. ..bersten, von
einander klaffen, zunächst von hölzernen Geschirren
B; L." ,Gifele, Ware.' Id. B. Sich spalten, z. B. von
Nusshülsen BS. Gife", aufgehen, aufkleckeu BsL.
(Spreng.). .Si tratt'end dz tor. dass es an allen orten
ufgiffet und zurspielt [zerspaltete].' Edlib. .Zerspalten,
sich auftuon, gyffen, aufklecki'ii. il.'hi-r.i,.. discedere,
terra dicitur.' Fhis.; Mal. 'J. Kjif'ih'i felilerhafte
Falten werfen (vom Kleide) S. — :l. \ erlangen tragen
(nach), begehrlich sein. .Der faul uncl trag geilfet,
er hat aber armuot.' 1531, Prov. = .die seel des faulen
begert.' 1548. ,Der auf geit gyft'et, der machet sein
liaus unrüewig.' ebd. 1548/60; = ,wer dem Geiz nach-
hängt.' 1683. ,Diss ist der brauch deren, dieaufguot
gyflend.' ebd. 1548; = ,dem g. nachhängen.' 1667.
.\us mhd. giwen, das Maul ; - i-in .mI u. S. noch
yiiirni. Die einigen MAA. eigem \ i ■ Irs /" mag auf
Anlehnung an das in Bed. 1 syii. ' m Her Zshang
der Bedd. 1 u. 3 erhellt aus "f.jIt'LiiJ.ai IJcltg. „Sie geiffeten
Schweiz. Idiotikon II.
f bodun auf einen spatregon.' Bib.
sperrten ihren Mund auf.' Zu 2.
im Tir. auch die Bed.: nicht gut
Bair. yalfeni klaffen, hat ii
anliegen, Falten werfen.
Gif(f)e" f. (meist Dem.): Spalte. M'r wend-nen
Gifeli off' lo", die Türe etwas offen lassen, nicht in"s
Schloss legen Lf-
Gifer GrL., -fert GrRIi., mfer GflPr. m. : = Geifer ;?.
Es hat nur eso as Glfer g'schnit GrL.
Yiell. im Ablantsverhältniss zu Geifer stehend, viell. aber
auch gemeinsamen Ursprungs mit dem frz. givre m., Rauh-
frost, Rauhreif. Das Ntr. aus GrL. ist wohl als Coli, zu
verstehen.
gifre(n): langsam, zart durch den Nebel schneien
W. Syn. geiferten, glflen. Vgl. Geifetsch.
ergifern s. ergüfern.
(ilflz, ,Gibiz', ,-fix', -wix ZS., Gewitz (in Flurnn.)
Bodensee — m., in Z f.; 1. Kibitz, vanellus cristatus.
.Albertus u. A. nennend diesen vanellum, zu Teutscli
Gyfttz, Gywitt, Gybitz, Kywitz oder Zweiel.' Vogelb.
1557. ,Der leidig spatz, der trybt vil geschwatz, dem
gyfutz tuot er [darin] glychen.' Vorelgesans 1560. —
2. Möve, bes. Seeschwalbe, sterna hirundo (,deren es
eine grosse Menge in der Lützelau.' HEEscher 1692)
und Lachmöve, larus ridibundus ZS. ,Ein weisser
wasservogel, capra vel capella.' Mal. .Givitz, Gyfl.x,
capra, larus, gravia (1. gavia).' 1»f\zi.. 1716.
Mhd. </i7)»k-, ißtoitz, nach dem lii.lu.i ■]' ~ Vn^'els: ,ki-
witf. tf 1/12 noch bei Mal. ; Cys, li.i.l; l.'il liii.J; HKEsch.
1692; HUWeber 1695. Für B.j.l. -J IkiI «.ihisdi. der ge-
meinsamen schreienden Stimme wegen Verwechslung mit (üriz
Statt gefunden, welches auch in Bed. 1 vorkommt.
Glfle" f.. Dem. Gif,ßti: = Geifer 3 GrD.. V. —
Nbforni zu (h/er.
gifle(n): eine dünne Schneedecke werfen. Es
hat g'giflet GrV.
Gieffe s. Guefe.
Göf I, Gnof ZTurb., PI. (?d/ GrD.. Pr.; Sc»« tw.;
Nnwtw,, scinst r;o/e». Dem. tfö/yi GrL. - in. „uAa;" Ar;
Gl; (ii;; 'IG. Sa.. oT.. W.. f. ThHw.; ZA., n. VOrte;
GA.. <i.. f. (Sl.'i. m. für einen Knaben und f. für ein
Mädchen 7a:,: Z tw.: Kind, weniger edel als dieses W.
und von ilim verdrängt, in einigen Gegenden jetzt
schon auf den PI. beschränkt oder nur in scherzendem
oder geringschätzendem Tone gebraucht Aa; Ap; B;
VOrte; Gl; Gr; G; Z, Syn. Gösch. Iron.: du guets
Göfli ScHW. Me" muess d' Gofe vergmnpe" lo' G (Sprw.).
Wenn 's Müeti hi de' G. sitzt und Tag und Nacht
um 's llrnill, sclurit^t Uw (Schwzrd.). Wer uns,, bis
über ,rs .I.ihr \ ikhIi der Hochzeit], es hiun„1 ihr rs ihjjli
am l;n,l.-_ AmuiiLINI'H 1S5'2. D'G. „mrliJnnl .rhW.
aber ,1, Ali.: \V:U-n>] ,n„.l imrh „i,l (iu ( Seh« zv,l. I.
Wcini ,ln, (I. lunii I,. „„■ ' »,„/ sni (r.. s„ rhinnit mui
G. 11,1,1 inl ,h,n (i. (Srlil„,i,i, iUiss dni (i. Wim U.
nümme seit (t. G (Spreclispiel). An einigen Orten mit
Ausschluss des Säuglingsalters, in GRÜhur Göfli da-
gegen Kosew. für einen Säugling. Beschränkt auf das
Alter bis zur Communion od. Confirmation Ae; GRh.;
Uw; vgl. Zuehin-gän-Göf; in GA., oT. dagegen im
Verhältniss der Kinder zu ihren Eltern ohne jede
Altersgrenze gebraucht. In uAa; Ae; G oT.; ScnwMa. ;
ThHw. als Sg. ausschliesslich oder vorwiegend =
Mädchen, als PI. dagegen unterschiedslos Kinder übh.
Der Choli [eine Kuh] ist jetz exakt so alt, a's de'l de'
Gaf, gef, gif, gof. gnf
Guf [die erwachsene Tochter]; er ist e Chalb g'sl",
iro de'- G. im s^be" Sturm uf d' Welt cho' dst. Feuker.
Als Schimpfwort: .Maulaff L;" faule, nichtsnutzige
Weibsperson ZA.
Im Bregeuzerwald Hub, bair.-östr. Gög; betr. den Laut-
wandel vgl. die Synn. .Kobel', , Kofel' und ,Kogel', sowie
t;ubel. Gu/el. Giigel. Das W. verhält sich viell. zu Gau/ II
wie Goch : Gauch ; s. Weiuh., AI. Gr. § 42. Betr. den" Be-
griffsübergang wäre daran zu erinnern, dass nach mittelalter-
licher Anschauung die ,Dummheit' als Charakteristikum der
•lugend galt: doch vgl. auch Anm. zu Gsf II. Das gram-
matische Geschlecht richtet sich entweder nach dem natür-
lichen oder nach demjenigen des W. Kind. Der Gebrauch
des W. ausschliesslich für Mädchen findet seine Analogie in
dem ganz parallel gehenden Z Gebrauch von Kind.
Zuechegä"-Göf: zur ersten hl. Gommunion zu-
gelassenes Kind UwE. S. zuehin-gä". — Bettel-:
Bettelkind Ar; GT. — Schnei-: Schulkind Ndw. -
Sehn u der-: verächtlich von einem Backfisch, er sei
HO''' gad en Seh. Ap. Vgl. Schnuder-Bueb.
göfele": elie Art der Kinder an sich haben, tän-
deln, kindisch reden und handeln Ar; G; Schw; Uw.
Göfelete. Göferei f.: Kinderei Ar; GA. —
göfelig: kindisch, läppisch Ai-.
(iöf II f.: 1. kleines Gebund rohen Wergs oder
Flachses, ehe er gebrochen wird BoHa.; W. — 2. (PI.
Göfe') Garben W.
Es liegt iiubf, au <linif I x' zu denken, allein der betr.
Voailwecb>rI i-i l. n j- -i MAA. tr.ijid. Dagegen Hesse sieh
für die Z>.' ii -! :: n 'i / // und Gnf I als Beispiel
einer aiiainj i I: -> i' ' ,< i I, lunu' Tuckcle anführen, das
Puppe, dauu ;uil1i liu iiuiiJ Wuig bedeutet. Dafür, dass
umgekehrt 6'u/ / aus Guf II abzuleiten wäre, Hesse sich
Biindel, scherzw. auch = Kind, vergleichen.
GSferc" (Gu-) I f.: = Oflate 2 Bd I 115 ßs; S.
.\n einer Mahlzeit des Magistrates von Sch erschienen
im 3. Gang oder zum Schlaftrunk .Gofferen-. Für
.•_>8 Dotzet G. 1 fl. 39 kr.- 1709, ebd.
Frz. yaufre f., Waffel, daher als Fremdw. mit schwan-
kender Lautform f und f°. Vgl. noch Bs Kochb. (Stupanus),
S. öS u. Zwinger 1696.
Göffere» II AaSI Cf'J; Gl; Gr; UwE.; Z tw.. Giifere
Bs; BE., S.; S; Uw; Z, Göfere Xf — f.: ReisekoiFer.
iillg. .Cista: ein käst oder trog, ein coffre, reiskasten.'
Fris. .Die Goffer, Eeiskiste, riscus, loculus.' Red.
11J62. .Das güiferly.' 1663, Ap Volksbl. ,.\rca canie-
rata, Koferen, Reiskisten.' Denzl. 1716. ,Ein Reise-
kufFer.' S Wochenbl. 1817.
Frz. coffre m. Das Genus unsers W. viell. durch die
Kndung, viel!, durch das Syn. Kiste bestimmt.
Ms
ith-:
rofferie
einfacher Holzkoffer f. Dienstmädchen Z.
ren (-u-): beim Plätten von Zeugen die
Spitzen fälteln, ihnen eine wellige Form geben Bs; Z.
— Frz. rjaufrei; modeln.
Geifert in der Verbindung bi oder bim G. : eine der
vielen euphem. Verdeckungen des Namens Gottes Sch.
— Viell. nach Analogie der Personenn. auf -ert gebildet.
Goffet: s. Büffet.
g(e)goffef: von Rindvieh, bes. Kühen, wenn ihr
Schwanzansatz hoch, der After aber tief liegt GaPr.
— Von ahd. ^o^?'« (bair. Goße), Hinterbacke.
Goffig s. Kavig.
,Göff», Göffel (i-- BSi.) - m.: 1. Einfaltspinsel,
Tölpel .,B; L;'- S; Z. Syn. Gätf, Göl, Löffel, Toffel.
,Dass sich die jungen götfel und oltuialen auch die
alten narren uf erbguet und gewnnnes guet verlassend.'
HBuLL. 1527. ,Ich tuen nit wieder eilend g.' Aal 1549.
— 2. ein etwas missratener Junge BSi. - Mhd. i/efel,
yöffel, Gaffer; zu gaffen.
göff(e)le(n): 1. klaffend aus einander gehen ZB.;.
von Kleidungsstücken: zu weit sein, nicht anliegen,
lose werden, in der RA. y\ßfflet sl" B; ..LE." Vgl.
göfflig, gaffen, gloggen. — 2. „tölpelig sein, gleichsam
mit offenem Munde hin und her gaft'en, zunächst von
Kindern;" Maulaffen feil halten, sich einfältig (wie
ein Göffel) benehmen B; L; S; Z. Umme </., gaö'end
umher schlendern ZStall. Ei"'ni wo"''-, ihm einfältig
nachschauen S. Er het g'se, ''ass im d' Liit :ii de"
Fenstere üs nögöffle, wie icenn er Hörtier liätt. BWvss
1863. — Mhd. geff'eh, Dem. von f/«/«i, 2 kann auch direkt
von Gbffel abgeleitet werden.
„göfflig: 1. klaffend.'- — 'L ..einfältig, tölpelhaft. '
ergöfere(n) s. ergüferen.
Göffl: Personenn.. Gottfried ZS.
Guf, gufe(n) s. Gluf usf.
Gllfel m., PI. -«-; naturliche Huhluni,' in ein. in
Felsen, wo etwa Herden Schutz suchen (tl: GÜ. Syn.
Balm. Vielfach erhalten in Flurn. Gufeli, Guflcn,
Arzet-, Geiss-Gufel, G.-Bach, -liüti, -Stalden, -Stud.-.
Walen'guflen.
Viell. steht das W. (wie Gußr, Gii/el, s. dd.) im Ab-
lautsverh. zu Gauf I, indem sowohl die Aus- als Einbieguug
des Felsens verstanden werden kann; vgl. GubcJ. bair. A'r./W,
Kufel und tir. Köfel, einzelner Stein.
Gufer (-f(- St.-, i- BR.) Gü- GRMal., in. BO.; Gu
Chur, Pr.; „U; W", n. BR.; GrL.; UwSax.; WGräch.:
1. kleinerer Felsblock (Ggs. Tosse) UwSax. ; einzelner,
kleinerer Kieselstein W. — 2. Geröll (feineres. Ggs.
Goll B oHa., It St. aber ,grobes'), Schutt aus Kies. Erde
und Steinen, als Produkt von Überschwemmungen.
Verwitterung. Felsstürzen, bes. an wilden Bergabhän-
gen die schwer passierbaren Bisetefn) bildend BO.;
Gr; iiW.; „U: W.~ Unter der schwarza Wand in
dem G. lian i''' nen gfunda' GrD. (Schwzrd.). .Seine
Weiden vom G. räumen.' B Landw. Wochenbl. 1847.
.Die Kirch hat 's angefüllet mit Guffer, Lett und Sand.-
LiED 1762. .Weiche Morasterde zwischen den rauhen,
ohne Ordnung liegenden Felssteinen.' ScHErcHz. Spec.
Schutthaufe, welcher über den Gletscher hinunter,
bes. in der Mitte oder an den beiden Seiten den Tal-
rändern parallel (als sog. Guferlinie) sich zieht, ver-
schieden von den liuorlaufenden Moränen (s. Gandeck)
BO.; Gr; U; W. Schutthügel GW.; „Erhöhung, Hügel
GRPr." Steingefilde, mit vielen kleinen Steinen ge-
mischter Boden BE.;GRPr.; WGräch. Steinschlucht Gr.
Vgl. Anm. zu Gu/el. Das W. lebt auch iu Flurnu.:
A-B-C-, Fux-G. W, Guffer-Honi Gr. Der Zürcher Rolirdorf
1828 braucht G. als f.; es ist in der Form mit / — wie
schon Lusser 1828 schrieb — in die Wissenschaft aufge-
nommen worden.
gufere(n) I, guffre": 1. Steine werfen. — 2. (fr.)
Jmdn mit St. bewerfen W. - Vgl. tir. iö/A. in Bed. I.
ergüfre" (resp. -Ö-), „ergöferliche": 1. den
Boden durch Reinigung von Geröll verbessern BK.
Übtr. : „Etwas in Aufnahme bringen, z.B. sein Ver-
mögen BO." — 2. ökonomisch od. physisch sicli wieder
erholen, wieder autieben BO. .\iich refi.
i:w
Gaf— gnf. Gaft— gutt
Bed. 2 ist viell. insprUnglich Eins mit dem Syn. rH-üfirn;
das W. hätte sich dann aber au Gttfer angelehnt; denn wie
der Gletscher nach dem Volksglauben alles Fremde ansstösst,
so gesundet der Kranke durch Ausschwitzung des Krankheits-
stoffes.
.ver-: mit Schutt bedecken."
Guferete f.: Endmoräne od. Halde mit urössern
Steinblöcken BGadm.
guferig: steinisr; g'g-e Bode" BR.
Über-6nfer: Fedevdecke GRSch.
Gehört wohl als Fremdw. zu rätorom. rurrir: vgl. i-iirrin,
Pf.'ko: in B cmnrl, Bettdecke.
..Stein- (iliiferli : Ka))uzinerkvesso . troiia'ohim
niajus B."
Wahrsch. liegt Gue/e in entstellter Form zu Grunde;
denn die Pflanze wird etwa auf Randsteinen der Gartenbeete
gezogen und hat Blüten von der Form eines Helms oder
einer Haube mit Zipfel.
gufere(n) II s. ghifere".
Gnvionli AaZ., -f- AAHolderb., Günhmli A.iFri..
GtifenönH AABb.;^p; ,F.;~ Z., Goffhmile AaZ.. Giife-
hünli Aa (Mühlb.), GufenöK Tu, K/ovinönli AAKlingn.
n.: wolilriechendes Veilchen, viola odorata. Scherz-
reim : Guviönli, Geisse mache Bönli, D' Schnulere lese'
s' üf Und mache" gueie Kaff'e drüs AAZein. Wild 's
G., viola silvestris Aa (Mühlb.).
Die Formen gehen hervor aus Viönli mit einer Vorschlags-
silbe wie AfßOnli und Bavenonli fs. dd. und auch Viole. II,
Bd I 10.5 u."6.'53); darauf trat tw. Anlehnung an Guf, Steck-
nadel (s. Gluf) ein, so dass das W. als ein Comp, betrachtet
wurde: s. auch Jo/e-Hüenli.
gnfle(ll): schlagen S. — Vgl. i. gl. S. mhd. u. bair. goffcn
V..M (loj)\ Hinterbacke, und .Kuffen', Schläge hei Gr. WB.
(lüfel fl;-J m.: stumpf zugeschnittener Bergkegel,
Gipfel BSi.'
Viell. vwdt mit Ouhel; vgl. aber auch duin', zu welchem
unser W. sich verhält wie Kopf: bair. Knfel. S. noch Uufel,
iJufrr, Gügel und Anni. zu Gnf 1.
Güfi I (resp. -i-\. ,Güffi~ n.: 1. zur Aufrüstung
des Wagens (resp. Schlittens) dienende Vorrichtung,
Wagenkorb, a) Sitz-Gestell, -Kasten, für 1-?. Per-
sonen, auf dem .Berner-. Spreng-, oder Reit- Wagen',
welcher den Bauern die .Chaise' versieht, aufgeschnallt
Bs; B; L; S; in neuerer Zeit bes. auf dem Müller-
und Metzgerwägelchen Bs. P'' herzhaft snegfahre,
immer teiifer i 's Wasser, his 's m'r o/V- /" '.■. (iiifi iinie
g'hiKfei! isch. BWvss 1863. letz eismoU ,,nt ,w llV„/,7(
der rorder Aclixungel üs; 's G. het ahfiinnhi : 's J>oss
ist viit im Viinniiifli 's Dorf itf, 's G. mit mir and
mit-eiii Mihi 's J)nrf ah. ebd. Er nimmt sis Berner-
spreiii/iriifiili :iim Wageschopf US, iro-n-er schön griien
het lo asfri/che-n-Kud netti, geh and rofi Sterne-n uff
's G. het lo' mole. Schild. — b) auf das Unter-
gestell errichteter Wagenkasten, sei es aus Brettern
(Syn. Hurd, Banne) S. Leitern oder Flechtwerk, zum
Waarentransport BsL.; S; Uw; .B." — c) Schrot-
leiter aus 2 durch Querleisten verbundenen Balken
(Rundholz), den sog. Gifi- (Tifi-) Bäumen (s. d.), zum
Transport von Fässern, bes. des Jauchofasses AAFri. ;
,B.- -- d) Kasten am (zweirädrigen) Milchkarren,
in welchen die Milchtansen gestellt werden L. --
2. = Güfi-Wagen BsL.; S. — 3. Holzgestell zum
Tragen von Lasten auf dem Rücken Aa. Syn. Gable',
Gafele'. — 4. Grimasse, verzogenes Gesicht AAWohl.
I-at. cäphimi«, grosser Korb, Tragkorb, woraus frz. coffn
(d'un carrosse), Wagen-, Sitzkasten, und co/fin, Körbchen. Anch
das Syn. Hurd bedeutet eig. Flechtwerk. Zu erwägen ist
viell. auch das latinisierte covinnus (cmnnitn) : 1. keltischer
Sichelwagen. 2. von 3 Seiten verschlossener Reisewagen.
Vgl. noch ,Kober', von Spänen geflochtener Korb (Frisch),
,Kobel', Kutschkasten bei Gr. WB. 4. eig. eine scherzh.
Vergleichung mit der eckigen Gestalt eines Wagenkastens.
Mist-: Wagenkasten zum Tran.sport von festem
Dünger, dasselbe, was in einem Inserat .Dunggüfi'
genannt wurde L. Syn. Misthänne.
Güfi II ni.: Schlaukopf (iron.) ZKn.
Vgl. Güfi 14. sowie bei Gr. WB. ,köffeln', betrügen.
Hieher viell. der 1529 in den Absch. genannte ,Gnfi' von
AaDött.
giiffle": eine Flüssigkeit beim Trinken, Waschen usf.
vergeuden, damit unordentlich umgehen GLichten.st.
S. das Syn. geff'len.
Güfflete: Unordnung von verschütteter Flüssig-
keit. — Hülsche"-: Schweinetränke, mit Kartoffel-
häuten (Hülsen) und andern Abfällen im Spül- und
Abwaschwasser. Do het er [der verlorne Sohn] gern
sin Buch a'gfölU mit Hidsche-G., wo d' Schwi' fresse'
G oT., It Dial.
Gueffe", ..Guffe 1.; Z.^' - f. Dim. „Güefi% Gueß:
eine Art Kopfbcilrrkuiii; I.; Zg; eine hohe Weiber-
haube Ndw. ..ILiubcheii mit '2 steifen, zu beiden
Seiten empor gerichteten Flügeln aus Spitzen, ähnlich
einem Paar aufgerichteter Schmetterlingsflügel ,,L'-.
an Pesttagen getragener Kopfschmuck. Syn. Hübe,
Öre(n)-H. Im engern S. das zwischen den beiden Flü-
geln befindliche, schiffähnliche, papierene, mit schiin
gestickter, kostbar verzierter Seide überzogene Käpp-
chen, das die zsgedrehten Haare (s. Bunggeli) bedeckte
und mit einer silbernen Spange an Stirn und Hinter-
kopf befestigt war; oft im Werte bis zu 150 Fr.;
reichere Frauen befestigten an diesem Käppchen, bes.
an Kirchenfesten, noch ein Kränzli (s. Eosenhiibe).
In der Trauer waren Käppchen und Verzierungen von
schwarzer Seide üblich. ,Auf die Hochzeit kaufte sie
nur für eine Dublone Hauben und Gufli und .sagte;
.letzt habe ich für mein Lebtag genug.' LKInderbitzi
1824. - Aus frz. mlffe. Haube; wenn die Form Giißr richtig
angegeben ist. so stände it. cuflia näher.
Gift: 1. (f.) Schenkung, Gabe, neben diesem W.
häufig in d. ä.Spr. ; s. die Compp. — 2. (n., [f.], in Ar m.)
wie nhd., eig. u. bildl. ,Der raortlich liumd von den
Juden was,« dass .si alliu wasser vergift hätint. Diu
selbe gift des ersten von den roten Juden kam und
was vernieret mit unken und was als unrain, [dass|
sweliches mensche mit der gift verserct ward, das lept
nit länger denne an den dritten tag.' 1.336/40, Z Chr.
.Zuge der Stein die Gift [Pestgift] und den Schaden
aus dem Lyb.' JLCvs. 1661. (Vgl. Erbgift). RAA.
's G. schlod-ena [ihnen] iise, eig. ; der Krankheitsstnff.
die Unreinigkeit erscheint als Pustel. Hitzblatter.
Finne auf dem Gesicht; bildl.; die Bosheit schaut
ihnen [in diesen Geschwüren] aus der Haut Ar; (ti,; Z.
Er het im 's Gift [die Kraft] g'nu. Si'i.fiER. Haue"
wie G., von scharf schneidenden Instrumenten, //a.wc"
ivie G. allg. Zur Beteuerung; Es ist eso, du chasi
G. drufne". Formelhaft eine Verneinung verstärkend:
fleh tue 'nj se [so] lüf-el a's G., um keinen Preis GS:i..
135
Gaft. i^eft gift, gott. gult
GHeid.
il zwar
beiden
I .Gift
W.; wie Cr. nit (auch: u: G. ii. Töden mit GrPi-.).
unter keinen Umständen, gar nicht Gr, eig. .so wenig,
als ich mich zu G. verstünde.' Er hätte mer nid wie
G. [von der Medizin] i'g'nun. Aber auch ohneNeg.:
schaffe' wie G., gar Nichts arbeiten GrD. Han dar
etta weh gatäfi ? Antw.: Wia G. Hieher gehört viell.
auch die Angabe: ^Wie G., leicht, ohne Zweifel Gr",
wenn man sie ironisch verstehen darf. Syn. s. bei
Flauche. Wenn d' G. schisse" witt, schiss as grad
zetitnertvis, wenn du boshaft sein willst, so sei es niclit
nur verdeckt GrD. S. Giftschisser. Groll, Hass, in
der RA.: Es (en Ap) G. uf Ei"'n ha". Persönlich:
boshafter Stichler, Giftler ZO. -- 3. Eiter, der aus
einer Wunde fliesst GrS.
Mhd. (jiß f., Gabe, Geschenk; Gift. Als
1732; AvHaller; Finalpr. 1776 u. Hl'.-r.
i. S. T. 2. In der Bed. .Groll' ist G. nu ii :ii
wahrsch. unter Einfluss dieses W. .Vlul. -m
(neben luppi), so dass die Bedeutiiugs, m« i,k
den umgekehrten Weg gemacht hat. liir
nehmen', rührt von dem alten Glauben .m i. tt. -l-i i h ht.^ her,
indem man zur Erhärtung seiner Aus-a^r >ii li aiilieischig
machte, Gift zu nehmen, indem dieses nur dem Lügner schadete.
Uf-Gift: Verzichtleistung, Aufgabe, resignatio.
,Enzien mich [verzichte] der uszügen [Einwände], da
mit diese ufg. old verzienung und die brief möchtin
kreincht [geschwächt] werden.' 1305, B Staatsareh.
Erb-: Ansteckuugsgift, bes. in Pestzeiten. ,Brot
wird abgeschaffet, das vom becker warm in laden ge-
legt oder durch eine [von der Pest] inflcierte Strasse
getragen worden, weil es das e. an sich ziehet und
den menschen vergiftet.' JHLav. 1668. ,Die badstuben,
darinn es allerlei leute gibt, soll man [in Pestzeiten]
auch beschliessen, weil einer dem anderen das e. durch
die geöifneten schweisslöcher Icichtlich beibringen
kann.' ebd. — A'er- f.: Vergiftung, krankhafter Zu-
stand. .Und in kurz nach dyner zyt. so kommt der
gestift in v. und wird im durch die vogty entrannt
lütundland.' XV., Lied. — Hin-: Ding-. Hand-Geld.
1540, B. — Hand-: Schenkung. Verleihung von ,H.
zu H.' ,Dise hantgift und gedinge.' Arg. .Dass ich
dis hantgift stete habe, und dawider nüt komme,
des bind ich mich an disem gegenwürtigem briefe.'
1303, Gfri>. .Was och h. umb des gottshus guot ge-
sehichet an eines Propstes oder eines kelners hant,
die hant kein kraft von alter und von recht her.'
XIV., Ofpn. Malters. ,H. odor f^rtisrung.' Hofr. Emmen.
Vgl. , Handänderung.' — Kiii-: lliim-.'l, Flachsseide,
cuscuta europsa und e]iilliMiiuiii S( n : wird von dem
Vieh als schädlich gemii-iloii, - K o ni -: Acker-Stein-
same, lithospermum arv. (Durh.), ein lästiges Unkraut
auf Äckern. — Lieb-. .[Durch] die L. oder Liebtrank,
von etlichen aus seiner gesuchten, aber selten gefun-
denen Würkung Gangmiruach genennet, suchen sie
die Geliebten zur Gegenliebe zu bewegen.- Anhorn
1674, wo auch die Art der Bereitung angegeben ist.
vergift Gl; G; Sch; Z, -gnft W: 1. giftig. E ver-
gifti Schlang. Rüer 's tut a", es ist v. V. ehalt (vom
Wetter) Gl. ,Es ist ganz v-er luft da. das die bilgery
fast krank werdent.' 1497, HsSchürpf. ,Mit [des] fri-
dens Vergiftesten gift, nämlich mit gelt.' Ansh. ,V-e
tier.' EiiEF 1550; JLCys. 1661. ,Die übrigen teil sind
im V. und schädlich.' Vogelb. 1557. ,Der biss der
fledermaus seie V.' ebd. ,Ein v-en atem.' Tierb. 1563;
Weisii. 1707. .Venenata genera. vergifte gattungen.'
Vestib. 1092. ,Uisen vergiften Alchymistoii-Kauch.'
ClSchob. 1699. ,Ein v-e Arznei.' Lindinnkr 1733.
S. noch rerguet, Krott, Peterli. — 2. (von Menschen
und Tieren) boshaft, versehlagen, heimtückisch,
gottlos, eigensinnig. Der Mensch ist as v-s Tier, eigen-
sinnig wie ein Tier W. Syn. gichtig, giftig, verwicht.
,Wir sind so v. über guet [darauf erpicht].' XVL, Lied.
Der Form nach alt«s Ptc. Perf. zu vergiften, was Ffr.
Fäsi (It Mey., Wetz.) in seiner Verhochdeutschung: ,1611
ficng ein allgemeiner Sterbend, die vergiftete Krankheit oder
die Pestilenz, zu regieren an', noch gefühlt haben mag. Da
i und tt leicht wechseln, so ist die W Form als der in dor-
tiger MA. übliche Rückunilaut anzusehen.
giftelig; wie Gift riechend, aussehend, von einer
Arznei B.
gifte(n), Dom. gif tfeße", gifterle" Uh: l. (giftele')
in Geruch und Aussehen einer Giftpflanze ähneln B.
— 2. boshaft, spöttisch reden, böswillige, bissige
Worte in die Rede einfliessen lassen, sticheln, spötteln,
necken, allg.. zornig sein S. Gift-em nüd alla Wil,
füge ihm nicht immer Leid zu Ap. — Giftlig, Plage-
teufel Ap. Syn. Gift-Rund, -Schisser.
ver-: sich durch das Gift der Sünde beflecken,
versündigen. ,Der stark Gott der Herr weisst, so
weisst Israel auch: Ist das abtreten oder v. an dem
Herrn, so helfe er uns heut nit.' 1531. Jos. 22, 22
[dafür 1.530; 1548/1828 an dieser Stelle: ,vergreifen'
(wie auch 1531 an der parallelen Stelle Jos. 22, 16);
1860: ,versündigen'].
Gifter m.: Vergifter, Verbreiter des Pestgiftes.
,Der g. und pestelenzmacher sind vil zu Jenf und do
um. werden ouch iro vil tödt.' Salat. ,Sie haben aus-
gesandt vil G.. welche die Brunnen vergiften sollen.'
Lind., Wint. Chr. Vgl. Erb-Gift. - 2. (Gifti, Gifterli
Ap) Necker, Spöttler, Plagegeist, allg. Syn. Giftschisser.
Wi(n)-Gifteri(n): Birnensorte, die viel Most
liefert Th. Syn. Wasser-, Turgi-Bir. — Wohl die .Wein-
geberin' (-Spenderin); vgl. Win-Bir.
Giftete f.: Neckerei, Spöttelei.
giftig: wie nhd., doch mehr im uneig. S.; vgl.
rer-g. allg. Nachteilig, schädlich (wie Gift). Frisch-
gefallener Schnee, die Nähe von Frauenspersonen in
den Katamenien, das Verweilen in der Kirche beim
Gottesdienst ist den Kranken, bes. solchen mit offenen
Wunden, Geschwulsten oder Geschwüren, g. GrD.
G-s Blued ist verdorbenes, unreines, auf das man
beim Erscheinen nmiiiie q-i: C'svhirer, einem bösartigen
und hartnäckigen ii.-rln\iu. sohliesst Ap; Z. Von
Reden, Ausdrucken: l.i>>m. vri letzend, allg. Von Per-
sonen: neckisch, zornig, grämlich AaZ. 1815; Ap; Gl;
VOrte; Z. Auch als Adv. zur Verstärkung: g. bös.
ver-: giftig, vorwiegend im eig. S., von Pflanzen,
Tieren etc. allg. Er schätzt mi''' nüt, und hat ta",
als ob ich räudig war oder gar v. Gotth. ,Die giftigen
krotten sollend ein weissen saft von inen aus giessen.
seer vergiftig.' Tierb. 1563. ,Ein v. tier.' Mal.;
JRLandenb. 1608. ,Mit v-en Pfeilen.' 1586, DZwinger.
.Diese v-e Pflanze.' 1768, Z Ges. ,In den warmen
Ländern sind [Drachen] weit v-er. als in kalten Län-
dern.' JJScHEÜCHZ. 1746.
vergiftige(n): vergiften. .Darmit man die pfeil
vergiftiget.' KdGessn. 154'2.
verguft s. vergift.
Ga^. gef:. gig. gi'g. giig'
Gag, geg. gig, gog, gug.
Vgl. auch die Gruppe üay(j iisw.
(iiigel 111.: gross gewachsener, schlanker Mensch
AaMoW. Zu gägen, wie das Folg.
Gägele" f.: iinruhige. unvorsichtige, kindische
Person, grösser als klug Bs; „Mädchen, das nicht
.«tili sitzen kann L.~ "x isih im-'' iVn- ,iH,1ii Ginjlr irii
rorher, a'ss tcenn's (jur im m y, kiIuiUI ij'-^i" irnr r.^
(RKelterhorn). 's si,in, ,ni mUh ^.. .., /,w ,„ //, ,
iisait, wo-n-er ro' Witeiii sc n'si/ lu-li ihn-" </' Mailr"
gumpe' und springe'. Breitenst. .1 |i|i-' - \\ . ili-l.ilil.
das sich unanständig geberdet, langes, ^rhlink.'- \\ -ili.
das lottericht geht und schlendert und mit ilcii l'u.sseii
spielt.' Spreng. En alti G., alte Person, die sich kin-
disch benimmt ßsStdt. Langi (i., übenniissig schlanker
Mensch ZStdt. Syii. Stägele. Vgl. Lang-Gdggi.
gägele": 1. in schwankender, unruhiger Bewegung
sein, z. B. von Personen, die sich in den Hüften wie-
gen od'T schlenkern Aa: Bs: /Ti.. Wil v'' halt rn-hts
ab (hr Cil.Ir' :,-,■.., I,„ :n,.l < r l,i,,i'h. x', hi- i-.u,-"
alliinl ,ui^ri,-.nnn .„„iht. \ rr.larkt : ,iw„n- ,n„l ü,ii,r ,/.
Bes. auf üinuiii .-Stuhle sicli schaukeln, iiuleiii mau ilin
auf 1 oder 2 Füsse stellt und so balancirt. ebd. Kicht
fest stehen, wackeln, z. B. wie ein Stuhl ,1." Syn.
gägen, gageren, gälen, gampen, gempfen, ganggen. —
2. sich kindisch benehmen Bs.
Gägeli, Dim. Gägeli m.: unruhiger, kindischer
Mensch Bs; „L." Syn. Gögel.
gäg(e)lig: 1. schwankend, unruhig, unsicher
gehend, stehend oder sitzend Bs. — 2. tändelnd, kin-
disch, einfältig Bs. I''' hätt die au''' gar mit g'w)'
[zur Ehe], si sin mer z' g. g'si'.
gäge(n) I: = gägelen 1 Aa; Bs; B; VOrte; Gl; G;
t^cH; Th; Z. Syn. gäggen. Hädhim G.'s Glichg'idcht
verlöre", üsteri. Hin und her schwanken wie ein Be-
trunkener GA. Mit den Beinen unanständige Be-
wegungen machen, sich üppig geberden Bs (Spreng).
Übh. unruhig, ziellos sich bewegen GlH. An Öppis
finnme) g., daran rütteln. Wenn du eister [stetsfort]
iu)i Tisch umme gagist, so cliann i''' nüd schribe' Z.
Mhd. j'igen, Jass. Kürze des Voeals hat sich nur iu der
Abi. gaijeien erhalten. Da die MA. durch die synn. Doppel-
fnrmen auf ;/ und gg oft, wenn auch nur leise nüancirte
Abweichungen in der Bed. ausdrücken will, so scheint es
:i:u Platze, dieselben aus einander zu halten.
umme-: verstärktes gägen. — ver-: durch Rütteln
und Balanciren zu Grunde richten, z. B. einen Stuhl Z.
gi- I, gu- L: 1. durch Eeduplicationssilbe ver-
stärktes gägen I Aa; Gl; L; Z. Spec: 1. knarrend
hin und her wackeln, z. B. von Brettern einer Brücke,
die nicht fest aufliegen ,L" (wofür in St." gigäggen). —
2. wiegend an Etwas rütteln, z. B. an einem Brotlaib,
an welchem man ein Stück abbrechen will ZStall.
Für Bed. 1, welche die schwankende Bewegung und den
liegleitenden, dadurch Terursacht«n Ton bezeichnet, bieten
sich reiche Analogien; vgl. gahleii, gäggen, giiren, ginggen.
iriiggcn, zwitzern und lat. titubare.
gagere(n), ä B, sonst -ä- (wofür meist ö U).
auch umme-: ungeschickte, regellose Stellungen, Be-
wegungen oder Lagen annehmen oder haben, von Per-
sonen. Tieren und Sachen, z. B. wenn Kinder unsicher
stehen und umzufallen drohen, über einen Tisch her
kriechen, auf Stühlen und Bänken schaukeln oder
darüber weg klettern. Ufe und abe g., auf Bänken,
Bäunirii Av. liiiiaiif und hinunter steigen B; L; U; Uw.
Von hiil.iis.luirtli.hcn. krampfhaften Zuckungen wei-
nender l\iihlri' Tu (Pup.). Bes. von liegend ausge-
führten, aiistüssigen Bewegungen mit den Füssen BE..
sich unanständig entblössen L (Syn. yeiglen). Von
Schwachen oder Betrunkenen, die schwanken, von
solchen, die über Trüinmerstellen weggehen oder sich
in d-ii Iliirtcii wiegen Aa; B. Vom Vieh im Stalle.
A'.\< si.li iiii.irdentlich übereinanderlegt L. Von un-
urJcutlieh übereinander geworfenem Holz ..L; GRh.-
Vgl. giyeren, go-. Von Gartenzaunlatten, welche, weil
lose, unregelmässig aus einander ragen L.
Schon nihd. belegte Iterativ-Bildung zu gägen I. Nbf.
gogercn. Zur letzten Bed. vgl.: ,Sie gaglen die Finger von
einander', bei Geiler v. Keisersberg.
üf-: sich mühsam aufrichten BE. — vor-: 1. hin
und her schwanken Aa. — 2. durch Gagern Schaden
nehmen, zu Grunde gehen. Im L Volksrätsel vom
Kunkelstock lioisst es: K länge, hagere, magere, er
mues schier gar v. Vor l,a. h.'u und W.Jii.'n fast er-
sticken Ap. D' Gei.^x 1^1 (Inili ,-,r<l,niinl 11; VÜRTE."
Syn. Gägg machen, t-er-iinhlm. -ijiIiIih. -nit.Irn, -recken,
-zablen. — 3. (tr.) = rcrgayen Aa.
-für-hin- (fire-J: sich hervordrängen, aufbauschen,
wie z. B. von Falten am geknitterten Kleide oder wenn
die stark gefüllte Tasche dasselbe auftreibt Ndw. —
Vgl. bei Gr. WB. ,kacken, kaken', vorragen.
Gagerte f.: ein Hinunterpurzelu BM.
Gageri I m.: 1. unruhiger, auf einem Sessel hin
und her schaukelnder Mensch L; Zg; ., wer allenthalben
herumsteigt, -klettert ß. — 2. Men.seh von unpropor-
tioniert schlankem, hohem Wuchs, mit lauu.ii Annen
und Beinen L. Syn. Gragel. Auch vnin St.ir.ho: i/r"
lang G. Mohr 1880 und im Rätsel vutn Kunkel>lnrk:
Was mues das für ne G. .?». Vgl. vergageren. \'on der
Gans B. — 3. Person mit körperlichen und geistigen
Gebrechen BO. — 4. sperriges Ding B. Syn. Griggele,
vgl. für-hin-gageren. — Bed. S Hesse sich auch mit ga-
yrren II zsbringen, wenn der Voc. lang ist.
gagcrig (-Ü-): 1. „zum Klettern, Steigen und
Schaukeln geneigt, bes. von Kindern." — 2. (g'gä-J
vorstehend, sperrig, i. S. v. fürhin-gageren, z. B. von zu
stark abstehenden Blumen am Hute Z. Vgl. gangglig.
Gägi m.: 1. Person, die gern mit dem Kopfe, dem
ganzen Körper, auf oder an einem Stuhle schaukelt
Aa; Gl; Scuw; Z. Mensch, der sich nicht ruhig ver-
halten kann Schw. — '2. schlanker, hoch aufgeschos-
sener Mensch B; Ebel. Vgl. rän. Syn. Gagel. —
3. (auch n.) wankelmütiger, unsteter, gleichgültiger,
unzuverlässiger Mensch Aa ; Scbw. ,Der Schutzgeist,
welchem wir sie [die Kinder] anempfehlen, sorgt besser
für sie als ein junges G.. welches selbst eine Leiterin
nötig hätte. Eben von solchen zerstreuten, .jungen
Kindermädchen giebts presthafte Menschen.' Inderbitzi
1826. En .junge G. Syn. en j. Sclmüfer.
Gigägi. Gu- L m. = Gägi 1: dumm redender
und handelnder Mensch L. Vgl. am-h gifingeii II.
Gagel 1, Gagel m. : Mensch, der ühernuissio-
lacht Aa.
gagele" I: 1. laut, in abgebrochenen, hellen Tönen
lachen Aa; Sch; Ndw. M^g»,, ,„gn „„.• >.. ]\[,,i gege-m
rerzücht, grad fangt er a' gagele". Syn. gigelen.
(Jag. gej;. gig-. gag. gng
2. schwatzen SchScIiI. ; in abgebrocheneu Tönen reden
Ndw. - 3. gackern Ndw. Syn. gagg(e)len.
Gagel II B; P; Gl (auch -gg-); Gr; GSa.; S; U;
Uw; W; .Aa; B; L'- 111., PI. Gagh, Gegel Dem. Gageli
(PI. Gageli, neben Gagelem GfiPr.). Gägi (Kdspr.)
B; GSa.,' Gagle f. BSi. il'l. („„,11); GRChur. Gegel At.;
Gl; GA.. G.; U(-.-I: Iw, .<.,>--el Obw" m.: 1. festes,
trockenes, kugeltTiniii;;.'. Exriement ron Ziegen, Scha-
fen, Hunden, Hasen. Kaninchen. Mäusen, Vögeln BSi.;
F; Gl; Gr; G; Uw; W; „Aa; L;'' von Menschen
GRChur; GSa.; „Aa; B; L." Ken Gegel [Sichts] wert
GA. Synn. Bön, Drecl. — 2. kleine, verkümmerte, in
der Entwicklung zurückgebliebene Frucht, bes. kleine
Kartotfeln S; U; Uw. — 3. verächtlich: Kind, nicht
gehörig ausgewachsener Mensch, Zwerg Uw. Verall-
gemeinert: Du bist en erfrorne G., Schwächling, der
keine Kälte ertragen kann GRPr. Syn. Kegel.
Vgl. tir. .Gagel', cinibr, ,KniH:i' iiii^l allonfalls kelt. kn^l
Schafniist, Kot. Gegd scheint .i h ;mi .lii- Syn. AV/<? .inzii-
lehnen. Daneben gehen Fornirn mit ,,;; -, '-'';/;/. ''''%;'i. zu
welchen und nhd. .kacken' si.li lautlub iinsf-r W. verhält
wie z. B. GiKjel : cucuUus. Mlid. begegnet nur gagel (auch iu
Compp.) als Bezeichnung gewisser Früchte von Beerenforni
(.Gagelbeer.'), worin wir viell. aber erst eine iibertr. Bed.
vorfinden; vgl. Schlryd-Gaggel.
Emmentaler-: grobes Scheltw.. Knirjis B.
Gems- (GemschH-): Gemskot GSi.
Geiss-(ffi-VBSi.), Gitz(i)- GrD., Pr.; 1. Ziegen-
kot. — 2. höhnischer Zuruf als Abweisung GrD.; Syn.
(Htz-gägägä. — Mhd. geizegagel nur Name einer Pflanze.
Hunds-: Hundekot. Moll [wohl] e H-s- (auch
Chatze'-) Gegel, ganz und gar nicht; warum nicht
gar! GA.
Müs-: 1. Mäusekot. — 2. (Muse» - Gageli) ver-
zuckerter Anis oder Fenchel B (Kdspr.). — 3. eine
Art Zwickel am Strumpfe B. — 2 n. 3 nach der äussern
Ähnlichkeit.
Eoss-: Pferdekot Gl; S (in einem Anzählspruch
bei Schild); Gükk. 1844. Synn. s. bei Boss-Epfel.
Schaf-: Schafkot BSi. - Mhd. nur .als Name einer
Pflanze.
G(e)gagel. -gägcl ao n., Gaglete f.: 1. Kot.
D'.« Schaf hat a grimmigi Gaglete rerfüert, viel Kot von
sich gegeben GkPr. -- 2. kleine Kartoffeln GrD., Pr.
gag(e)le(n) II. gegle". Dem. gägele": 1. Excre-
mente von sich geben, von Ziegen, Schafen usf. B;
Gr ; GSa. ; UwE. ; AV. Wenn ein' Geis d'n Stil [Schwanz]
ufhed, SU gaglcd die andri, als Spott auf einfältige
Nachäfferoi BR. Auch von Menschen GrD. — 2. un-
regelmässig herauskollern, wie Nüsse. Kartoffeln usf.
BM.; GfiPr. F'' muess ffne",- as sg m'r Alls [der
ganze Feuerzeug] mid rnuindeir-n u.iserg'gaglet [aus
der Tasche gefallen]. KroM (Srhw/Vi].]. Einzeln fallen,
wie z.B. Äpfel BBurgd. S\n. iimnilni. leglen.
ver-: durch Kot verunrciiiigLii. J)i Geiss hed m'r
d's Silber Tenn vergaglet GRPr.
gilge(n) II: schreien, schnattern, wie die Gans.
allg. Wctiii ri" Oavs gäget, so g. die ander au"'
(Sprw.). T>if C 11,1,1,1 ,hräet, es gäget e Geiss [entstellt
aus dem l'l. (i,iiis. (;;ni.-e]. .Denn die töufischen gense
gagend lün und wider und wüssend nit. war sy fliegen
sollend.- Zwingli. .Die Gens könnend nüt dann gagen.'
VoGELRESANG 1500. ,G. wic ein gans.' Fbis.; Mal.;
Deszl. ,Wann ein Gans im Bach anfahet g.. so fahren
die anderen hernach.' Ehag. 1639. ,Die Gänse g. dar-
von, lippis notum atque tonsoribus.' Mey., Hort. 1(592.
.Wann eine Gans trinket, so trinken sie alle, wann
eine gaget. so g. sie alle.' ebd. .Wenn ein Gans gaget,
die andern auch gaga schreien.' ClSchoe. 1(399. So
bei EüEP; HBull. 1.572; Anborn 1674. Auch von der
mehr singenden Stimme der Hühner, oder sogar vom
Gackern (wofür sonst gäggen und gäggen) ZO. Vgl.
gägeren IL — Mbd. gagen, eig. yä rufen, von der Gans,
die darum im Sprw. Gaga, neben Gagak, heisst.
ga-: schnattern. .Die gens gagagaten, als sprä-
chen sy iren [einer Gans] zue.' Platt. 1572.
gi- II: 1. verstärktes gägen II, It St.° auch
,gackern'. — 2. „stottern, unzusammenhängend reden,
sich nicht verständlich machen können, unnützes Zeug
schwatzen, allg." Mit unsicherer Stimme, bald hoch,
bald tief sprechen Zo. — 3. „schreien wie ein Esel
Aa; B; VOrte; S." So bei Mal.; Eed. 1662; Denzl.
1677; 1716; JCWeissenb. 1678. ,Der Esel stellte sein
Kunstred auf mit seinem G.' 1690, Al. ,Das Eselein
gigaket.' Vest. 1692. Syn. ,hanen', rüchlen.
Vgl. mhd. gigä, Naturlaut der Gans. St." kennt für die
Bedd. 2 und 3 nur noch die Form giyäggen.
„Gugäge" (St.^-«-) n.: Schimpfw. für läppisches
Geschwätz B." — Eig. Inf. eines durch Reduplicationssilbo
verstärkten Verbs, vgl. Gugägg.
gägere(n): 1. schnattern. Me' mues d' Lüt hi"
rede" (zelle'J und d' Gans lo" g. Sprw. — 2. gackern,
in kurzen, raschen Tönen, wie Hühner, wenn sie bet-
teln oder in guter Stimmung sind GEh. Dem. gägerle",
singen wie die Hühner GWe. — .3. plaudernd herum-
stehen, Maulatt'en feil halten, tändeln Bs; S.
Schon mbd. als Iterativ-Bildung zu gagen II. Hed. :'.
Hesse sich aueli aus gägern. entwickeln; vgl. urigni.
Gägere" f.: vorwitzige Person S.
Gägerich m.: Gän.'ierich SB. - Gebildet na.-b ,Kn-
terich, Gänserich'.
gägerig: stockend im Eeden S.
Gageri II m.: Branntwein B (scherzh.).
Viell. zu gageren, schwanken, oder wie Bunit-Giiger, -rVi./o-,
G:.c eine Übertragung von der unangenehmen Gehörempfindung
bei knarrenden , knirschenden Tönen auf die Geschmacks-
empfindung beim Genuss eines scharfen (ietränks, vgl. Krätzer.
Gägler, Gegler ..l-nl- Gr" m.: 1. Bergfink, frin-
gilla montifringill:i .\iK. ; „F.; (!r;'- L; SchwE.; HSchinz
1842; TscHUDi, Tieil \ -1. Mi^lfhik. — '2. Neckname
eines alten Vogell^m-vrs >rn\\l':.
Vgl. das Svii, .liiMklrr liei (Jr. \VB., welchen Namen er
von seinem IJulr i|ii,i:il, .i halten hat; doch vgl. auch gilg-
gelig, binits.lh rkiL- «t- :iiii den bunten Vogel auch passte;
lautlich scliriiit tw. Anl.liniing an Gngd, resp. Gegel, Kot,
stattgefunden zu babeii, wofür das Syn. .Mistfink' spricht.
Vgl. Geigler II.
Gngege" f.: wackelnder Mensch ZW. Vgl. (jagen I,
resp. gl-, u. s. noch Gegge".
gege(n) (e* resp. ««), gege'd Gl; GRmPr. (-t); L;
GSa.; W, neben den vollen Formen auch geg, bes. in
Verbindung mit enklitischem Pro«, od. Art. : gegg-m'r,
gegg-d'r, geg-em, -ere, -es, -is, -ech, -ene, (gegg-ne), geg
Ei"m, neben gege'-m'r, gege'-d'r; ä. Lit. ,gen, gein':
1. Präp. a) die Richtung, das Ziel bezeichnend. 1) mit
dem Acc. D' Buebe" rucke" ne Wetigeli [ein wenig]
nächer gegen-e Vafter. Allem. 1843. G. den Mann
bag, geg. gig. gog, giig
sin, faren, d. i. links, iiideiu der Kulinnaiin links vom
Zuge geht Z. Ggs. rom Mann Bd 1 84U. Meist in
Verbindung mit einem die Kichtung bezeichnenden
Ürtsadv., z.B.: G.'s Husu-e,-ahe, -i-e, -use, -äne, -here,
-hindere, -fiire, -Site Aa; G; U; Z. ,Zwei matten, die
ein stosst nit sich gegen den see.' 1522, LCt., Lepr.
■1) mit dem Dat. und einem Ortsadv., im gleichen S.
wie unter 1). ,G. der Walchen über.' 1.S83, Arg.; aber
auch nur zur Bezeichnung der Annäherung, Umgebung:
Gege-m Hiis ue, in dessen Nähe Aa. — 3) mit blossem
Dat. Wie er so friXndli"' g'lachet het yeg sire Frau.
Stütz. G. Bim gä" fcho'J: a.) ihm entgegen gehen,
um ihn abzuholen. Schon bei LLav. 1569; dafür KiTÜ:
,G. ihnen wandeln.' — ß) Einem entgegen gehen, kom-
men, zur gütlichen Verständigung in einem Prozesse,
auch geg-enand ga". — Der Dativ häufig in der ä.Lit.
.Yenseit Eden, g. dem morgen.- 1530. I. Mos.; dafür
1670: ,g. M.' ,Do gedacht ich gegend dem schwitzer-
land zu ziechen.' ThPlatt. 1572. ,Setze die ö vor die 5
g. der linken Hand.' VFrieder. 1619. ,Man ziehe ihm
die Auglieder auf, aber nicht g. dem Liccht, sondern
in der Finstere.' FWürz 1634. ,Den Rucken g. dem
Baren.' Sluimpfr. 1651. , Aschen, die sie über sich
g. dem Himmel sprengton.' JMüll. 1665. .Sünden so
schwer, dass einem alle haar gen berg steigen, wann
er nur daran gedenkt.' ebd. 1666. [Vgl. unser ent-
stelltes : Es stund mer alli Här de Berg.] .David luft'e
g. der Ordnung auf den Philister zu.' 17(l7. I. S.ui.
,So ruckte er gegen dem Hocliburgund.' .TKGrimm 1786.
— b) bei Zahlangaben das Ungefähre bezeielnieiid.
allg. G., toisig Ma"" UwE. — c) bei Zeitangaben,
Annäherung. Geged de' Achte', g. 8 Uhr. Wenime'
I wenn man] afe geg den Achzge" rucJct. Stutz. Er ist
gege" de" Sibezge" Z. G. d'r Uff'ert, vor der Himmel-
fahrt. , [Samstag StMartin] g. tag.' 1531, Strickl.
.Bleibe bei uns (ö Herr), dann es ist g. abend und
der tag hat sich geneiget.- .TMüll. 1665. .Also sagen
dise Stellen alle vom Abfahl g. den letsten Zeiten. -
JHFäsi 1696. ,Auch erst g. dem End kommen.' 1719,
Z Landschulordn. — d) zur Bezeichnung des (freund-
lichen und feindlichen) Verhältnisses zwischen Per-
sonen oder Sachen. Du bist guet [freundlich] g'si'
geg'mer L. Guet geg den Arme" si", barmherziir. mild-
tätig L; Z. Er ist su grusam [ers.ln -, klirli ] /rid
[unfreundlich] geg mir. Stütz, der eiiiii;^ '/.•■\\r]\ «riter
mit dem Aec. sa^-t: f'hitid, vetm er iiml mlil isl iiriir
dich. Mnni Mol ,srh rr .,,r'' hu- ,i,v' hnslulfl q. \U
LH Id.Mi l.nit^.nj ,/■.-, \ Ali.im. 1-|:;. Will \ im.l „11
Gmeiiidsiuistiltcr mit cm l'/arrcr luuid und grif ai
sind. Stütz. ,Darumb sprachent's ouch, dass das alles
sament ains g. dem andern ab [quitt] syn sollt.- 1385,
Vetter. .Pauli Erinnerung sige gewesen, dass Tinio-
theus g. den Eiteren ehrerbietig, g. den Jüngeren
aber fründtlich, g. beiden aber bescheiden syn solle.'
1613, Breit. .G. dem Find brauchen.' VFrieder. 1619.
.Ist Gott wahrhaftig gewesen g. andern Völkern.'
.TMüll. 1661. ,Pflicht g. seiner anvertrauten Genieind
und der Gemeind g. ihrem Seelsorger.' ebd. Hieran
schliessen sich Fälle, in denen ,g.' sich durch einen
einfachen Casus oder eine andere Präp. über-, resp.
ersetzen lässt. Statt blossem Dat.: , Gräfe Heinrich
hilfet gen der Herrschaft [Österreich] wider den Her-
zogen.' Anf. XV., Briefe der Veste Baden. ,Das' ein
stift inen 100 guldi g. dem Clingler [die -sie ihm als
dem Gläubiger schulden] und 1 Ib. gelt g. der capellen
zu Schwamendingen abnemmind.- 1565, ebd.; vgl. da-
mit ebd.: ,Sambt einem Ib. gelts jerliches zinses g.
der cappel zu Schw.' .Verehrungen [Geschenke] g.
unseren Amptlüten.' 16.50. Z Mand. Statt an. .N. N.'
hat sich entzigen gar und genzlich aller rechtung.
vordrung und ansprach gen dem egenannten N.N.' oder
gen sinen erben.' 1369, Urk. ZZoll. .Sy [das Stift
als Oberherr] wellind us gnaden etwas gegen inen
tuen.' 1564, Hotz, Urk. .Solche, die g. uns so un-
schuldig [sich an uns so wenig versündigt haben], als
unsere glaubensgenossen g. ihren verfolgeren waren.'
JMijLL. 1665. ,Die strafen g. den übertretteren.' Z
Mand. 1636. Statt mit. ,Dass die Rbeinthaler, die
Gotteshausleute und das Thurgau sich g. einander
verbinden.' 1525, Absch. ,Das hast du durch dyn büe-
bery alls z'wegen bracht und glychsnery, gem vatter
hast mir unfrid g'macht.' Ruef 1550. Statt vor. .Er
hat ouch geredt, kam Jesus dahar und gieng für mich
anhin [an mir vorbei], so well ich myn paret g. im
nit abzüchen.' 1532, Absch. ,Die Verordneten ver-
meinen, das Holz in Seerüti g. [zum Schutz vor] den
Landleuten, so das Eisenwerk führen, auszubannen.'
1571, Steinm. 1802. Statt zu. ,Wess sy sich gen dir
versechen und getrösten sollend.' 1529, Strickl., Act.
(Vgl. ebd.: ,dess mögend sy sich zuo uns vertrösten.')
.Aus Liebe g. der Tugendt' JMüll. 1661. — e) zum
Ausdruck der Vergleichung (.verglichen mit'), mit Dat.
und A.T. (;<;i w,„i Frunli srlu, ist s,r „■„■-„■ru Ki„ift.
Stutz. A.V /^.7/ .V»/ r/. /,/ ] vriMli« in.l.Mi.l kl-m im
Verirleirh mit ihm[. Vi. s,,ii Vnttrr ,.-t vr ni Ziicnj.
Das ist ■itir'' heilig [sehr gut] g. dem Lebe" (Lerme"J,
ivo bi-n-eits ist Z. .Das war Kleinigkeit g. dem, wie
es iezt wettert.' Hebel. ,Das 5. wesen [quinta essentia]
ist begäbet mit einer unzerstörlichen natur g. den
anderen arzneien zu rechnen.' JRLandenb. 1608. .Das
destilliergefess, so die Latiner nennen cucurbitam.
ein kürpsen, von wegen der gleichförmige, so dieses
g. einer kürpsen hat' ebd. ,Nun ist dis leben wie
der winter g. dem zukünftigen zu rechnen.' JJBreit.
1629. ,Dein Geist ist dürr und mager und g. deinem
Wanst ein armer Wasserträger.- RüdMey. 1650. .Chri-
stus stellt die von Chor, und Beths. g. denen von
Tyrus und Sidoii.- JMI'li,. 1665. ,Er ist nichts g. ihm,
nullus est ad illnm.- Hcmin. 1683. ,Die Zahl deren,
die da nicht ghnilH'ii und nicht tun, was die römische
Kirch lehrt und betilcht, sei weit grösser g. denen,
die da glauben und tun, was sie lehrt und befilcht.'
i'i, Schob. 1695. ,Das Mass des Mostes ist in diesen
ij elenden, g. demjenigen, so man im Thurgäu macht,
äusserst gering.' Steinm. 1804. Vgl. noch gegen. Conj.
— f) zur Angabe eines Entgeltes oder Ersatzes.
,G. baarer Bezahlung Mehl käuflich zu nehmen.' 1693,
Z Ges. ,G. einem anständigen Trinkgeld.' Z Nachr.
1787. — n. aus präp. Geltung in conjunct. übergehend.
1. in verkürzten Vergleichungssätzen. Vgl. I e. Ich
han es guet g. du (in Z auch geg dir, s. o.). l'iid
numme gabelet hett-er, g. mie-n-er au''' siist ohln'
g'spunne" hett und g'esse" trotz imme [einem] Vrösfhi-r
Bs (Breitenst. 1863). Gell, wie schön isch 's do usse".
g. im Söreberg hinde' L. Vo' dem mues me' wenig ne'
g. vom Andere" Z. — 2. hingegen ScHwWä.
Mhd. geyen, contr. gein (,gein mir.' 1461, Gfo. Ges.),
gen, gen, hervorgegangen aus dem Subst. gegene (s. Gegiii],
weswegen die älteste Form ,in gegni' (s. en (ent)-gegen) lauten
iniisste; vgl. .neben' aus ,in chcn'. S. noch zui, Gcgiii. Doniioi-h
bag. geg. gig, gog. gug
ist der Dat. auch neben Ueni aus früherer Zeit noch boleg-
baren Gen. der gebräuchlichere Casus. In den Formen auf d(t)
liat sich dieses aus n entwickelt wie in den Ortsadverbien
itübend, zwüncliend und in .Gegend'. Einsilbigkeit des W. in
einigen MAA. nach Analogie der andern Präpp.; vgl. auch
■/.. B. zicüsch für zirmchen. — Zu II. In einigen Fällen lässt
sich der unter gel III angeführte Gebrauch auch ans geg
erklären, worauf viell. auch die lautliche Mischung zurück-
zuführen ist. Vgl. Anm. zu gel 111. Der Sat«: D' Schicyzer
sind, gSg wie '» dri g'seh, no''' g'fellig Lüt (Ineichen 1859),
kann allerdings erklärt werden: wie immer sie aussehen;
aber auch: im Gegensatze (damit), wie. . . oder als Respectiv-
Satz: wenn man in Betracht zieht, zsgehalten damit, wie sie
aussehen.
en-gege{n) UrHc.; U; WLeuk, Visp., in- GrD.,
Rh., S., Val., ent- GrPi-., Splug., enk- GKChur,
Sculms, Tschiertsch., ek- BR. ; Z, angegunt WRaron (It
Stalder, Dial.) : 1. entgegen, i. S. v. gegen 1 1 u a. [Der
verlorne Sohn] ist noch neher imu angegunt g'laufu
WRaron. — 2. gegen, wider, in der Verbindung mit
hän, heben, a) sich stemmen, sperren, gegen Etwas,
es aufhalten, ihm Widerstand leisten, die Stirne bieten,
Stand halten, von Pers. und Sachen, auch im bildl. S.,
z.B. im Streite B; Uw. Er hed dem [Stossenden,
Tadelnden] scho" e., kann ihm leicht Stand halten.
D'r Mutter etgcgcha" rhöini mc nit, we"" 's guet ga'
soll. GoTTH. I''>hiui iiiiii: liiilisrJili e. g'häben, das m'r
bei dem Wetter um! iif il' Ittin gangen. Vom blossen
Wunsch, dass Etwas iiiclit geschehe: I''' han scho'
lang e. g'häben, dass 's nüd z' friloj a'f'äji regne" BR.
D's Mul einander e. lieben, einander mit Worten be-
schimpfen W. Abs.: Widerhalt bieten, z.B. beim Ver-
nieten eines Nagels. — b) anhalten, ergiebig sein,
z.B. von Vorräten. Nachhaltig wirken, wie z.B.
Speisen im Magcu B; Gr; Uw. Zum Marschieren
het-m'r der Kaffee am längste' e. Syn. in Bed. a u. b
an-hin-, dar-g-, wider-han. — 3. zuwider. .Entgegen
oder zuwider sein; das ist einander ganz entg.. id
ego contra puto; ich lasse mir das nicht e. sein, non
rejicio, non repudio hsec Hospin. 1683. - 4. hin-
widerum, eine Gegenleistung hervorhebend. ,Ir sollen
in nit beleidigen, so wirt er hinfür euch e. auch nit be-
küniberen.' Tierb. 1563. — 5. Conj. u. Adv: dagegen,
hingegen. .Ettliche wellend einen abt, entgegen andere
keinen haben.' 1539, Kessl. u. ö. bei ihm. ,Üb sie
gleichwohl vi! mehr Kosten hetten, da sich e. das
Einkommen mindere.' Heüt. 1658. — Mhd. enyegen.
hären-, -in- Aa(H.); ZF., -m(-, -mi-UwE., her-in-
GW.. -ent-, -et-, -ed- Aa; Ap; GA.; Sch; Z: Conj. u.
Adv. hingegen, hinwiderum, Verstärkung des Vorigen
Syn. ha/r-hin-g. ,Der nutzen im feld solle beim capital
geschirmt sein, herentgegen der nutz im gadeu soll
zum Unterpfand g'höreu.' 1.585/18'28, ApI. LB. ,Also
h. [soll] ein iewesender Herr Caplan für seinen Col-
latoren uns den Schultheissen und Rath der Statt
Lucern allein erkennen.' 1678. Gfrd. ,Dieses göttliche
Wort, gleichwie es ist voller Wahrheit, also ist es
auch h. voller Geheimnussen.' Gespr. Zg 1747. —
wor-ent-: wogegen, im Z Kanzleistil des XVUI. —
er- Bs; S, neben ert- ferk-J: entgegen (Adv.). (BJass
d' Welt ''em jüngste Tag er-g. göt. Schild. — Vgl. die
Anm. zu er-ent- Bd I 353.
hie-: zugegen. ,Dass der bischof und nienklich
hieg. einen grossen schrecken und schmerzen darab
gewann.' Ansh. — Vgl. Gr. WB. ,hiergegen: hiezugegen'.
hin-, h.-geged: hingegen GRVal.
her-hin-: dagegen Z. — llügliubcrweise erst cuu-
struiert aus htr-in-g.
har-, her-: hingegen B(Zyro); Gl; Z. — da-her-:
dagegen Z ; bei JJScheuchz. 1721 u. in der Z Kanzleispr.
des XVn. u. XVIII. neben ,da-g.' — dar- d>;r-, de-:
1. gegen, bes. mit Adv. u. Vben zsgs. Der-g.-abe, -i-e,
-filre, -use usf. ,Das 3. u. 4. [Bad] sind d. über gelegen.'
1578, HPastal. Der-g. hän: a) (act.) Etwas halten,
dass es nicht fällt Uw. Etwas einwenden; wider-
sprechen, allg. — b) (neutr.) a) fest an Etwas halten,
sich an Etwas halten Uw. — ß) dauern, anhalten Schw.
Wenn Einer sein Haus repariert, so het 's em nu mängs
Jor d. Wemme so ^j. Stund lauft in einer Richtig
fürt, so ist me' nu chumli zu dr Stadt us, das hat
halt drgege. Syn. ergeben, engegen han. — 2. zum
.Ausdruck der Vergleichung, i. S. v. gegen 1 e. De''
Vieredrissger [Wein] ist nur e Narr d'rgeget. Prophkt
1855. — 3. bildl. zum Ausdruck einer Annäherung in
der Verbindung mit gfejsehen B. Wegem Hilrate han
i"'' nit grad gtcüsst, was i''' d'r säge' will. I''' säge
nit, dass i"'' d's trüestest Alles mache' wett, wenn d' Sach
öppe" d'rg. g'sächt [wenn sich Aussicht böte, dass die
projektierte Heirat ihren Zweck, beide glücklich zu
machen, annähernd erfüllen würde]. Gotth. — 4. Conj.,
in der ä. Spr. = nhd. , dagegen'.
wor-: wogegen ZS. t
ZUO-. ze-: I. Präp. 1. im Ggs. zu, verglichen mit.
,l)einuetig, mild, trüw [Regenten], die da zugegen
den regenten des zorns gmein ehr und nutz fördrent.'
Ansh. — 2. (mit folg. .über') entsprechend, als
Gegenleistung. ,üie euch zuegegenüber iren guettateii
den päpsten etlich monat bewilliget haben.' Vad. —
n. Adv. 1. entgegen, zuwider. .Dass es der leere
Christi und seiner kirche mit hend und füessen zue-
gegen was.' Vad. — 2. hinzu, dazu. ,Wo das de-
heiner verneine oder zeg. [zu einem Streite] kerne.'
XV., Offn. Wied. — 3. gegenwärtig, zur Hand,
dabei; nhd. , zugegen (sein)'. ,Ein ross, das zuogegen
stand.' LLav. 1578. — 4. dafür. ,Dann man einen
amptmann z. und in vergeltungsweis von wegen der
vogtei järlicher rent zu erlegen pflichtig was.' Vad.
— ni. Conj. dagegen (wogegen). ,[Der Kaiser suchte
die Rechte] im und seinen nachkommen zue behalten,
z. sich [Papst] Paschalis heiter merken Hess, dass er
das ansechen seiner vorfaren nit faren lassen.' Vad.
Mhd. ze-gegen, gegenüber, gegen, entgegen, gegenwärtig.
Zu II i oder zu III kann man stellen den Beleg aus Vad. :
.Zuegegenüber was diser papst dem kUng verholfen, dass im
Leyon underworfen ward.'
wü-zue-, wo-z'-, tco-zer-: an welcher Stelle, wo
ungefähr Bs; Z. — Die letzte Form erklärt sich aus:
wo-ze-der Gegni, in welcher Gegend; vgl. das F.
I Gegni Aa; Ap (-«-, PL Gegin-,); Bs; B; Gl
Gr; „L;" G; S; Uw; Z; ä. Lit. (PL ,geg(n)inen').
n Gege°d Aa (-t); Bs (-e'-); B tw.; GfiRb.; S (BWyss);
U (-«); UwE.; Z {-e'-), m Gegned Bs; um Kaiserst.;
1488, G Gebete (als n.), IV Gegnig Bs (-e-); Btw.;
ScHw; S (PI. Gegnige); Ndw — f.: 1. Gegend, Gebiet,
Landschaft, Nachbarschaft, a) ohne best. Abgrenzung,
allg. Z' rings i' der Gegni. Usteri. P'' wött nod. das is
zele [zu zählen] het, die fule" Tage", wo 's all get, es gab
e ganze Geget roll. Lf.nggenh. 1830. Schöni G., iron.:
saubere Geschichte Bs; Z. Drum chunnt denn hüt die
Moritat vom David und vom Goliath — 's isch au"'' e
Gag. geg, gig, gog. gug
146
.icheeni (?. Schwzrd. ,Strich, g'lend, gegnc, gelegenheit,
ström, landschaft.' Fris. ; Mal. ,Plaga, g. und gelegen-
heit des himniels und der erden.' ebd. ,Auf der G. des
Herzens.' DKönig 1721. ,Eine G. von vil 100 Stunden.'
Carolina 1734. Mit zuo, ze, in adverbialer Verbin-
dung: 1) entgegen. £r ist mir z' Gegni chö', ich habe
ihn von ungefähr erblickt, er ist mir begegnet BO.
2) = ziiegegen II 3. ,Dass man dem nit richtet,
der ze gegeni [herbei] nit kommt, so man ein nüwen
rat nemen will.' 1304, Z Richtebr. ,Dass der vogt und
die burger, die gewerf [Steuer] niht gebeut, ze gegeni
nit sun [sollen] sj'n, da man es uf leit.- ebd. ,Dü
nieman zuo gegni was.' 1.334/1446, Z Chr. ,So wir
da ze Zernetz all ze gegni warent.' 13ö7, Foffa. —
b) mit best. Abgrenzung: der zu einem Ort politisch
od. rechtlich gehörige Bezirk. Gemeinde. Das Wörter-
buch der 1523 in Bs gedruckten Luther-Bibel erklärt
.Grenz' mit .gegny, unibkreis', ,gegent' selbst aber mit
.landschaft'. ,Dass in ainer jeden und allen geginen
und gerichten wittwen und waisen mit gueten lüten
bevogtet werden.' 1525, Ztschr. f. schwz. R. ,Des
Gottshus gegni, was in das amt gen Wyl dient.' 1525,
Absch. ,Die 7 gegni, die an die pfallenz in das hof-
gcricht gehörent.' ebd. ,Von allen gegninen und ge-
mainden.' ebd. .Die 4 geginen oder gerichte im Nieder-
amt.' 1539, ebd. .Die verderbung Sodome und irer
gegne.' 1560, Bib. ,Wie sich aber füegen würde, dass
einich Gegny besetzen wollte, derselben ihrer Gegnin
Sachen, mit Efatten usszegan, Märchen zesetzen' usf.
Informatio 1713. .Die von Thal in Misshelligkeit mit
Rhcineg^ und der Gegni.' 1726, Absch. — 2. Richtung.
Dil miiest ging [stetig] d' G. b'halte", süst verlufist
du dich [gingest du irre] BSi. ,Das ich gewyset werd
uft' das gegnet, das ich im nachspür.- 1488, G Gebete.
,Und ist gnuog, dass ein yeder [Gänsestall] in alle
gegne drei schuoh weit seie.' Vogelb. 1557.
I aus inhd. yegene, urspr. gegini. II aus mhd. ijei/enöte,
ijcijemle, doch Tgl. aiich die Anm. zu gegen, resp. geged.
III viell. auch aus gegenüte, viell. aber unter Einlluss von
(jegni mit eingeschobenem m aus Geget erst durch die M.\.
gebildet. Aus III entstand IV, aber durch Vertauschung
der Endung. Vgl. Anm. zu Abend Bd I :?5. Während die
ä. Lit. für das volksmässige .Gegni' vom XV. — XVIII. reich-
liche Belege bietet, ändert es LLar. IßTO in .Gegend' (gegen-
über der Ausgabe von 1569), ebenso Wurstisen 1765. 1707,
.losua II liest ,in den Gegenen'; I707/I860, Josua 13 aber
ist .alle Gegne Medba' von a. 15:30 ersetzt durch: .das ganze
ebene Felde M.' .Bemerkenswert sind noch die Nom.-Pl. :
.Gegninen.' XV., Knnst. Chr. ; Tierb. 15fi;5; .Geginen.' Vad.;
1531, Strickl., Act.; Kessl.; Bull. 1572; ,die umliegenden
Lands-Gegnen.' Mem. Tig. 1742, und der Dat.-Pl. ,au (in)
gegninen.' Zwingli; Kessi.: Z Mand. 1627; 1650. Uas ver-
einzelte Neutr. vermutl. nach Anal, anderer Neutra auf -öf.
gegen lieh, in der adv. Verbindung: .ze gegen-
licher wys' eine Übersetzung des lat. simiHter. Auf.
XIV.. B Handv.
geget s. gegen.
gegne(n): 1. = uhd. begegnen „LE." .Gang, be-
stell den Wächter, das er sage, was im gegne.' 1531/48,
Jes.; dafür 1707/1860: ,was er sehen werde.' Vgl.
z' Gegni chö' 1. Auch i. S. v. .widerfahren-. .Was
inen von denen von Bern gegnet oder noch gegnen
wurt, ist on not hie alls zue beschryben.- 1522/32, Bs
Carthäus. .Und werdend dir dise beide [Missgeschicke]
eins tags gegnen.' 1531/48, .Tesa.t.; dafür 1707/1860:
,be-g.' — 2. ,sich als Gegner gegen Jmdn stellen oder
Schweiz. Idiotikon. II.
erscheinen, zunächst von der Gegenpartei. Er itt mir
vor-em Richter nüd g'gegnet B.- Übh. Widerstand
leisten, zuvorkommen. Syn. begegnen A 3 b. , Es ist
vil Wäger, man gegne dem presten by zyt.' Zwinoh.
— Mhd. gegemii, entgegenkommen, -treten.
be-: A. niitpers. Subj. 1. entgegenkommen. -gehen
(in freundlichem S.). a) mit pers. übj. 1) im eig. S.
Einem absichtlich entgegen gehen, um ihn abzuholen.
J'-'' will d'r cito" bigegne". Chumm-m'r de" z' Hand
[am Abend] cho" b. BO. Im S. des nhd. .begegnen'
auch trs. BM. — 2) im übertr. S. Einem zur Hülfe-
oder Dienstleistung Entgegenkommen zeigen, ihm bei-
stehen, seinem Wunsche oder Gesuche entsprechen,
nachkommen, ihm , dienen-, a) ohne Angabe eines
Mittels. ,Sie glaubten nicht, dass er diesen Augen-
blick ihnen b. könne, denn viel Geld hätten sie nie
an ihm bemerkt.' Gotth. ,So aber der Herzog üch nit
anders ist begegnet [bei den Friedensverhandlungen]
und nit wyter gan will uf die 5000 gl.' 1521. Absch.
— ß) mit Angabe eines Mittels. .Womit kann ich
Ihnen b. [dienen]?' (Höflichkeitsformel) B. ,I)ass si
sich bedenken und niynen herren mit fürderlicher
antwort wellen b. [ihnen eine solche geben w.].- 1523,
Absch. .Damit Gott mit einer allgemeinen besserung
begegnet werde.' Z Mand. 1627/'28. , Einem mit Rat
und Tat b.' Hospin. 1683. .Mit Verehrungen b.' s. Bd I
1127; vgl. .V. gegen unsern Ambtlüten', unter gegen.
,Dass sich jedormenniglich, so schuldig, beflysse, mit
bahrer Bezahlung zuo b.' B Ref.-Satz. 16'28. — b) mit
Sach-Obj., einer Forderung oder Pflicht nachkommen.
„Seinen Schulden b.. sich so einrichten, dass man
sie bezahlen, seine Gläubiger befriedigen kann B."
,Dass er dem rechten genucg tue oder sich dem be-
gegne.' 1421. Absch. — 2. entgegen-treten oder
-wirken (im feindlichen S.). a) mit pers. Obj. .Damit
das Land von dem Bettel gereinigt und den nütz-
widrigen [-wirdigen] Armen desto bass begegnet wer-
den könnte.- 1635, BSpyri. Im rechtlichen S., einer
Gegenpartei in einem Prozesse. ,Eim im rechten b.,
respondere alicui.' Mal. Vgl. gegnen 2. — b) mit
Sach-Übj. Einem Übel b., ihm zuvorkommen, ab-
helfen, vorbeugen Z, wie nhd. ,Dem Allem möchte
doch wohl noch begegnet werden.' 1534, Hess, Samml.
— B. mit Sach-Subj.; von einem Bericht: zu Ohren,
zu-komraen. kund werden. 1. mit Angabe einer Person.
.Das, so üch von unserm herren uf üwer anbringen
begegnet ist.' 1523, Absch. ,Das, so uns von üch in
antwurts wys begegnet.' ebd. — 2. abs. ,Nu begegnet
uns [als] gewiss, dass der herzog sich widerumb zuo
rieht'''.' 1476, Z Anz. 1881. .Mynen herren [von Bern]
begegne, dass allerlei red by inen [den Obej-ländern]
gebrucht werde.' 1523. Strickl.. Act. ,Dass uns in
landmärs wys begegnet, wie üch nit gemeint sye, über
in zuo richten.' 1523, Absch. ,Da Zürich in diesen
schwierigen Zeiten nirgendshin berufen werde und
ihm Allerlei begegne.' 1524, ebd. .Wollten wir üch
des, .so uns begegnet, euch unsers anschlags berichten.'
ebd. — Mhd. begegenen, entgegen kommen, Widerstand leisten.
B e g e g n e r 1 i s = Wegli'-Fahens BsStdt. S. Bd 1 723.
Gegni(g) s. Gegend. geigen s. geiglen.
gegere(n): im Fallen die Füssc in die Höhe
.strecken, bes. von Frauensper.sonen L. Vgl. die Synn.
gageren und geiglen.
147
Gag, seg;, geig, gig, sog.
Gcgere" f.: grosse, hagere Frauensperson I.. Vgl.
ilas !Syn. Giir/cgc und Gageri 1.
Geigeli n. : zolllanges Holz an der Kurbel des
Spinnrades BsTerw. Viell. zum Folg.
Geigle", Gre-igk' ÄAFri., Geiggele SchwMuo. f.:
1. Doppelast an einem Baume, der in beliebigem
Winkel aus einander geht SchwMuo. Syn. Griggele.
— 2. „(PI.)" (die entblössten) Schenkel, doch nur in
einigen KAA. Die G. stütze', z' G. xvelpe", a) die
Beine beim Fallen in die Höhe strecken, einen Purzel-
baum schlagen, kopfüber stürzen BO. Syn. Glge,
Räfell, Schüssel stützen (velhen). E Greigle mache-,
die nackten Beine spreizen. Schäm- di"'', declc-di''',
mach nit so ne Gr. XaVü. Syn. Giegle. — b) ..den
Faulen spielen, die Beine aus- oder hin- und her-
streckend liegen." Syn. gageren. — 8. grosser Mensch
L. Syn. Gägi, Gäggi, Beigel.
Obsuhun :S aus Oreigle entstanden oder beeinHusst sein
kann, so lässt es sich doch aus 1 ableiten, indem der hagere
Mensch seine langen Glieder weit spreizen kann. Vgl. (jeUjUn.
geigle(n) Aa (gr- ÄAFri.); Gl; L; GA.; Schw,
geigglen AAFri.; ZO., geigen W: 1. üppig ranken und
schwanken, sich räkeln Aa. Syn. reiglen. — 2. in
steter Bewegung sein SiuwE., bes. von kleinen Kin-
dern, die mit ihren freien Armchen in der Wiege
spielen W. Vgl. dagegen gelten (von den Füssen). —
8. auf dem fr'eile schaukeln WGoms. Syn. gelten. —
!. nii.m s f undiu' :iiii li"ili-Mi siih wälzen, bis die Klei-
der l.iM' w.-id.'ii. ,,n ,l;i-s aif riitblössten Beine spielen
k('niieii; Im.'s. di.'s.llM.n t-iiipur strecken und die pu-
denJa zciurii. wie Kinder, wenn sie fallen Aa; Gl;
L; GA.; S('iiw\ S\n. i/ieglen. — 5. puraeln, drollig
umfallen; j;ihliiii;s. kopfüber stürzen (bes. so, dass die
FUsse dabei weit ausgestreckt werden) BR.; Gl; L;
Schw; Z. Der ist recht a" Bode' iise' g'geiglet. , So-
gleich geiggle der Lustigmacher in das Erdgeschoss
des Hofes hinunter. Der Nöck lachte: der Geigglete
wolle er einmal zusehen.' Stutz. — (J. „faulenzen,
träge herumliegen Uw." — 7. (von Sachen) unordent-
lich, durch einander, herum liegen, wie z. B. die
Scheiter eines gestürzten Holzstosses. Syn. gageren.
Geig- ist ohne Zweifel Steigerung von tflrj- in gUjen, welches
urspr. übh. hin und her bewegen bedeutet. Diese Grundbcd.
erscheint auch in tir. u. kämt. <jaiij(g)ern, zweifeln, schwanken.
Betr. den Bedeutungsübergang vgl. auch tjiujern. Lautlich
eingewirkt haben dann finiijiln, wauken, ranken, sowie ander-
seits ijäwjydn, s. d., vnn .hni aus man, was die Bed. anbe-
trifft, leicht zu Ulis. IUI \V. k"iiiiiR'n könnte. (, Gaukelnde
abe-, appe-: herabfallen Aa (.infolge von schwan-
kender Bewegung h.' H.); L; SciiwMuo.; Z.
über-: überpurzeln, sich im Fallen überschlagen
L; ScHW; „Gl; Z.-'
um-: umfallen, bes. von Kindern AASt. ; L; Z.
umme-: sich (mutwillig) herum wälzen; auf träge
Weise herum lagern GA.
ver-: 1. umfallen, wie Pflanzen, die allzu üppig
ranken Aa. — 2. durch Herumwälzen in Unordnung
bringen Gl (Schuler).
„Geig(g)ler Im.: 1. Mensch ohne ernstliche Be-
schäftigung. — 2. Taugenichts Uw.-
„geiglig: (von Kindern) beim Kutschen oder Um-
fallen seine Blosse zeigend L."
gig- aus redui)lizierendcm gl- vor folgendem g
s. die einfachen WW. -gagen, -gampfen, -gangglen,
-ganxen, -gatschen, -ya.ven, -geigen.
Geigler 11 m. : Schneefink, fringilla nivalis Gl
(It Alpenp.).
Wahrsch. dasselbe W. wie tjägkr, a. d., .jedoch mit An-
lehnung an geiyliM, weil der Vogel lebhaft und drollig umher
hüpft. Vgl. noch Anm. zu yär/gen und Gäggi.
Gigel m.: penis B. Syn. Giger(li).
gig(e)le(n) (l), -eme'GRD.: 1. kichern, in kurzen
Tönen, unterdrückt, mutwillig, einfältig, ohne Ursache
lachen, bes. wie Kinder, allg. Syn. gagelen, gigeren,
kicklen. Wer gigelet oder lacht und die wisse Zänli
füre lat [zeigt], mues Pfand ge' Z [bei einem Spiel].
,Wie kannst du noch g. und lachen?' JJUlr. 1727.
— 2. schreien wie der Specht Aa. — 3. zum ,Gigeln'
bringen, kitzeln. Wemme d' Chind cü gigelet, so lerned
's stammle" GA. S. noch giggelen.
US-: auslachen Th; Z.
ver-: sich zu Tode lachen, vor Lachen vergelien
Z (scherzh.). Syn. vergitzlen u.a.
Gigeier, -li: wer über jede Kleinigkeit lacht,
allg. , Paulus war allezeit frölich, doch kein fleisch-
licher Gigeier.' JJUlr. 1727.
gigelig: 1. „zum Lachen geneigt" ZS. — 2. La-
chen erregend Zu.
gigere(n) I, in Gl; GKli. gigg-: = gigeleti 1 Ar;
Gl; GfiPr.; G. — ver-: = rergigelen. — Gigeri m.:
= Gigeier.
gigerle(n): vor Kälte od. Angst zittern. Fast ver-g.,
vor Zittern fast vergehen ScuNnk. Syn. verzigeren.
gig(e)le(ll) : tändelnd auf der Violine spielen, allg.
D' obe im- Tanzsaal het 's afö [angefangen] glgle' und
musiziere'. Hofst. Auf der Geige elend spielen L;
Zg (St.'>). — 2. auslachen, mit der Geberde des Geigen-
spiels (Kübchenschabens) S; Z, auch üs- (St.*").
üf-gigle°: (mitDat.P.) Einem zu Diensten stehen,
ihm Alles zu Liebe tun SchwMuo. Vgl. gägelen 4.
Gigeier, -li Sch m.: Geigenspieler (scherzh.).
Mueter, i''' mag nid spinne', d' Finger tüe-mer wc ;
d' Gigeier spanne' d' Saite", tanze" chann-i''' e LH. —
Gigelete f.: Violinspiel.
Gige" f.: 1. das bekannte Musikinstrument, wel-
ches zur Erntezeit im ZB. auf die Felder mitgenommen
und von einem Geiger hinter der Schnittersehaar unter
Absingung des Liedes vom Zipfcli (s. d.) zur An-
feuerung der Zurückbleibenden gespielt wurde oder
den Takt zu dem Tanze angab, den Einer aus dem
,Geschnitt' auf dem Rücken eines zu früh Ermatteten
abhielt. KAA. Das ist wie e Heller in e G., unzu-
reichend, unbedeutend, wie die beim Tanz in die Bass-
geige gesteckte kleine Münze im Verhältniss zum
weiten Raum des Instrumentes Gl; Gr. De'' hat ies
der G. en Stoss ge", sein Anschlag ist ihm miss-
lungen Z. Vgl. 's Glück verschütte', de'' Chübel um-
g'heie'. Süess und sür uf einer G., freundlich und
mürrisch zugleich. Du verdammti G. (formelh. Ver-
wünschung) Bs. ,Zue syner G. tönen' [in seinem Sinne
reden].' ThFrickart. ,Das sind alles guot griff nf der
gigen [einträgliche Kniffe].' NMan. 1522. 1531 schrieb
der Abt von Pfäfers an Zürich, er dürfe es wegen der
Bauersame, die noch ,auf der alten G. verharren wollte',
nicht wagen, alle Zeremonien und Bilder aus der
lasr. ffoir, giR, gi>K, gng'
Kirche zu entfernen. .Meinst du dann, das wir dyner
gygen zuolosen müessend und dir schwygen [zu He-
noch, der Kains Stamm eine Strafpredigt hält].' Rüef
1550. , Oberrare eadem chorda. Yemmerdar auf der
alten gygen ligen, das ist, allweg auf einer niateri
bleiben, oder ein ding treiben.' Fris.; Mal. Vgl. noch
,tanten'. .Das heisst lang an einer Geigen gestimmet
und doch kein Dänzlein aufgemacht.' Heut. 1658. —
2. Mundharmonika OrHc. Die M.- und Ziehh. ist
It Ai,?ENW."als modern-stes Musikinstrument nach den
höchsten Hohen gedrungen, wo es an langen Abenden
gespielt und kurzweg als G. bezeichnet wird. Vgl.
Mulg'ige u. gigen 2. — 3. Gegenstände von der Form
einer G. a) Bretzel, ungefähr von der Form einer
Leier, zur Weihnachtszeit aus Weissraehl gebacken
Th; ZSth. Bes. Nationalgebäck zu ScnSt., deswegen
auch Steiner-G. genannt und als Neckname für die
dortige Bevölkerung gebraucht. Syn. Simmel-Bing. —
b) missratener, verkrümmter oder gebrochener Bogen
aus dem längsten vorjährigen Schosse am Rebstock
ZRickenb. S. Bogen. — c) eisernes Instrument, mit
welchem man beim Sinnen 3 — 4 Punkte in die Ge-
fässe brennt. Vgl. Tüpfli- Giger, Gige'-Tüpßer. —
d) genitalia mul., bes. die Scheide GRh.; Z. Daher
verächtlich auch für ,Frau'. Mit Wortspiel: Er liet
d' G. Ulli Wll am Arm ScnSt. Spottn. für eine un-
verständige, unüberlegte, gutmütige Frauensperson Gl;
vgl. Schiit z-G. — e) Straf Instrument, früher bes.
bei geringern Vergehen angewendet, bestehend aus
einem schweren Halsring aus Holz, mit 2 Löchern,
um- die Arme durchzustecken; der Delinquent wurde
entweder damit an den Pranger gestellt oder musste,
wie in G bis ins XVIII., dasselbe ein oder mehrere
Mal den Markt auf- und abtragen L; ScnSt.; G; TnTäg.
Lass es sl" [liegen], oder du dmnnst i" d' G- TiiTäg.
,Der Schulmeister raufte mich am Haar und brüllte :
Bekenn, du Lausbub! Mir wurde die G. angelegt,
d. h. ein In.strument mit 3 Löchern, in der Mitte aus
einander gehend. Sodann flog die Rute auf meinem
Rücken.' L. VgL Schuel-G. Einspannung in die G.
droht das G Sitten-Mand. von 1657 den Unzüchtigen
an. ,In nideren gerichtsfälen die übertretere mit der
g. zue büessen.' 1670, Ar«. ,Mit dem turn, trüUen
oder g. strafen.' 1671, ebd. So auch bei Lev 1727.
Denzl. 1716: ,Geigen, darin die Huren gelien, nianic*
lignese', meint wohl dasselbe. Pranger ScnSt. (Sulger).
— f) die gekrümmten Beine eines auf dem Bücken
Liegenden, der dieselben in die Höhe streckt, nur in der
RA. (d'J G. stütze", n-elpe", einen Purzelbaum schlagen
GRPr., V.; „W"; infolge eines solchen oder auch zur
Belustigung obige Lage annehmen GrD. Syn. d' Lam-
per-G., d' Geigle, Giegle, Häfeli, Schüssel st., 's Gäbeli
mache". — 4. Schaukelvorrichtung für Kinder Th.
Syn. Gigampfi. — p. grosse Waldsäge Aa (Rochh.).
UM.ffige, i. S. T. 1. Zu 3 a vgl. Änken-G., Schnitte Butter-
brot (Schwaizwald). 4 von der Bewegung oder dem dabei
entstehenden Ton, vgl. <iig<m; 5 ebenso, wenn iibli. richtig
bezeugt. Lt Rochh. ruft der Buchfink den Bauern zu: Giye-
hkl, Gi;jel!el (elg. Tom Ton der Säge), und die am Waldsauni
liegenden, ausgestockten Äcker hätten von der Waldsäge den
Namen Gigen-Büel, -Äcker bekommen. Richtiger aber werden
(J. -Acker (schon 1386, L als Beiname eines östreichischen
Ritters) sowie G.-Hag, -Mülli, -Buch, -Betti von einer ge-
wissen Hügelform, resp. von der benachbarten Lage eines
solchen Hügels her benannt sein. Christ 18fi9 vermutet,
dass der Name ,Gigo' eines Moorgrundes in UwSarnen vom
Tönen des Schilfes entnonnnen sei; er wird aber, ähnlich wie
viell. auch derjenige eines Wildheuplätzehens in GlBetschw.
und eines Hofes in L, eher der langgestreckten Gestalt zu
verdanken sein.
Am 1er-, in der RA.: Jir hänkt 's Mul wie-en
alti A. Sprww. 1869. Vgl. Lamper-G.
Violin-: tautol. scherzh. Verhochd. für Violine
AARuedertal; Z. — Viell. auch zum Unterschied v. Gige 2.
Hunds-: 1. Hund (verächtlich) Bs. Vgl. Hunds-
Fud. — 2. Schimpfw., bes. für Mädchen Bs (Spreng),
lt ebd. von Müttern auch scherzw. ihren Töchtern
beigelegt. Syn. Hueren-Fosli. Vgl. Glgc 3 d.
Mül-: Maultrommel, Mundharmonika Gr ObS., V.;
ZF. (scherzh.). Synn. s. bei Miil-Orgele.
Bass-: wie nhd., in der RA. von einfältigen Leuten:
Was weisst e Chue von-ere Musgetnuss und en Esel
von-ere B.? Z. Es Stuck Brot wie-n-e B., ungewöhn-
lich gross ZS.
Sau-: Lärminstrument beim Trosseln, bestehend
aus einem über einen Kasten oder eine Mulde bis
zum Zerreissen straff gespannten Seile, über welches
von 2 Männern ein schwerer Gegenstand, z. ß. selbst
wieder eine Mulde, wie eine Säge an beiden Enden
liin und her gezogen wird, um möglichst widrige und
weithin schallende Töne zu erzeugen BM.; S. Vgl.
Möre-gigen.
Schuel-: in der Schuh' !iii^;rwciidetes Strafinstru-
ment, lt Abbildung im (Iikk. isi:'. bestehend aus
einem Ring um den Jlal.s mit _' für die Hände be-
stimmten Schliessen. S. Gige :j e.
Schlitz-: Frauenzimmer (Schiinpfn.). oig. den
hinten mit einem Schiit,: | Einschnitt! versehenen
Frauenrock bezeichnend S.
Steiner-: = Gige" 3 a.
gige(n), Vtc. g' gige' Z: 1. auf der Geige spielen,
allg., in Volksliedern und z. T. bildl. KAA. /•:- ,/'>/«'
en Giger, es tanzet en Schwab, hei uniun-. irnmi iiiiniie.
du tusigs U'flät Z. Wideli, vndeli. himln-rm Si.uleli
hed der Bettelma"" Hiichsig: es ijiijr! rs Ch,rl:sli. rs
tanzet es Chr. L. J''' iiinf-n ,i,ii-,,„s Shirl.h liiml,
)''"'' g. nüd vergebet, iiml imiii <li- W'uilrr iihcri-ii-ist,
so gan i''' vidcr /" (/' Hih," ZS. |l,ir,l
geigers]. (?h/'". '/ """' . '/' >"/7"'-"-'-'
Wenn i'''' clniinil iini'". ^" 'imi ''' -\
hildetps Imprvi; Cniii.]. Kl miirs „H„
im dir Aii,lrrr" ,/. S. J )r- (n.i.i h„l ir
,sl iflninl. u.\rr: US isl »V, /„„/ ,/,' (;. ,.
uchclliyv.,.li;,ll,.t lu.l, A
..•uialir.s-
» nsf. G.
rzh. ge-
' yy^'
h,u\
Sprw., z.B.: i')/.//r" l,hU\ mul
.\ls Abfertigung: Du l'isl ri, .V„,y ,iu,l ,'l,,i"-si „,„/,;.
Me* wird d'r 's g., iiurli Siki:n(i Eiiirni. il.'v Alles
besser wissen will, zugerufen Bs. Me" wird-cm g.,
sich über ihn und seine hoch gestellten Anforderungen
lustig machen Bs; ihn zurecht weisen. ,Die Frau
würd ihm geigen.' HSulz., Schulm. Ähnlich: h'i'"iii
heim g., eig. ihn unter Sang und Klang heimhegh-itiu.
I"'' u-ctt üd g., ich gäbe nichts darum. Syn. tinii.
pfifen, dreheil. Das giged „id. yrht so nicht; es dw"
nid. g., kann nidit aii;;-.'licii, ITus mllsl liiiiii eigclig
mache", rrciiii 's In umu Jiiireinsr" umiersrh ct. [zu-
gehen] srir^ SnuM.. As ,n,ll u„l :'s,n,„„e ,i.. ^i,•h
l| w,
151
Gag, geg. glg, gog. gug
152
g. (Sprw.); vgl. die KA. unter Äff Bd I 99, G. Er
giget hinder-em Türli, hat es hinter den Ohren. I'''
packc-us, das hingerm Türli g. via^ i''' nit. Gotth. (vgl.
Türligiger). Trüebsal blase' und Elend y. Z. ,lch
sehe anders nicht, als dass sie [die Wundärzte] stets
auf einer Seiten [Saite] geigen, bleiben bei ihrem
alten Lied und brauchen stets einerlei Salben, es
stehe wol oder übel mit der Wunden.- Würz 1634.
,Wer die warheit gi'igft, Acm schlahet man vilraahlen
die geigen an il'ii k.i|if.- .IKHofmstr 1645. ,Wann
aber die W. in uiim i.i Stuti nicht will gegeiget sein,
wann man dem Kind il.-u N:imen nicht geben, noch
ein Ding nennen darf, wie es an sich selbsten ist.'
DToMANN 1708. ,Es ist dem Herrn nüd Leids g'scheha,
weder grad dass wir üch ei" klei" bitz die W. giget
händ.' GöLDi 1712. — 2. spielen auf Musikinstru-
menten übh. Er giget uf d'r Orgele nid so guet a's
uf der Pfife« FJ. — 3. reden. .Doch muesstent 's
darzue schwygen und torstend nit vil g.' 1405, Ap
Krieg. ,Darus will ich nit me g., ich will anders
sagen me.- ebd. — 4. von hin und her fahrender Be-
wegung, mit mehr oder weniger Rücksicht auf die
dabei entstehenden Töne. Vom Sturm, der am Lotter-
fenster giget Bs. Türli-g., sich an eine Türe hängend
hin und her schaukelnd knarrende Töne hervorbringen
GrD. Vgl. den Namen der Wiege im Kinderrätsel
Gige"-gage GrD. Wenn im Homer [Februar] d' Mugge"
g., müesse' si im Merze" schwige" S. .N. N. wird be-
schuldigt, gegenüber dem Landvogt sich trutzenlich
gestellt und an der Nase giget zu haben.' 164'2, Absch.
— 5. von scharfen, durchdringenden Tönen. Spez.
a) vom Geräusch des stumpfen Messers, z. B. beim
Brodschneiden Sch. — b) kirren, knirschen, wie ein
ungeschmierter Wagen, ein Fenster, eine Türe in den
Angeln, die Tritte auf hart gefrornem Schnee GO., Rh.;
„B; L." , Kirren, gyren, geigen wie ein zäche wyd,
pfyfen, als wenn man ein glüyend eisen in löschtrog
stosst, stridere.' Fris. Syn. gtxen. Bildl. : Es giget-em
afange, es wird ihm schwer um's Herz, er ist be-
klommen Gl. Vgl. i(f-g.
uf-gige(n): 1. in der RA.: Ei"m Öppis fEi"s)
uf-g., ihm in Worten derb zusetzen Aa; Bs. — '2. von
schmerzlicher Eiterung. Es giget-mer tüchtig uf SchwE.
Auch pßfen wird von schmerzlicher Empfindung und
Schmerzensrufen gebraucht. Vgl. Oigey S.
um-: herumziehen unter musikalischer Begleitung.
1615 verbietet der Rat von Aarau den Missbraueh des
Umgeigens an Hochzeiten.
US-, in der RA.: de'' hat usgiget, ist zahlungs-
unfähig oder gestorben Z.
nach-, mit Dat. F.. Acc. S.: nachmachen (ver-
•ächtlich) W.
möre-: den iintiT A>-\n S)n. Inisschi zu schildern-
den Brauch üben, ein', niil .lii SniKiiije (s. d.) Lärm
machen BS. Syn. MiuHi' kral:.ni. il:,re. Mutterschwein.
Giger m. : I.Geigenspieler, allg. Wenn i"'' en G.
bi' and du en Tanzer, so bin-i"'' en halbe Narr ond
du en ganze Av; Z. Zwei ff. tauged nid in ei' Würts-
hus. Sdlger. Da heisst 's : ff. mach uf [spiele auf],
z. B. wenn ein Reicher nur lachende Erben hinter-
lässt Z. Der ff. ha", Tanz veranstalten, wie die Wirte
Gl, daher zum (a'O ff. gä', zum Tanz gehen Gl; Obw;
am ff. si', auf dem Tanzboden sein. Derfür [für
einen gespendeten Strauss] gun-i''' mit em Babeli a"
der Chilbi z. G. Gl Volksgespr. An der Chilbi ist
albig der ff. und Tanz GrAv. Zur Tanzete g'hört
en ff., heisst es von einer Familie, die zu einem Kna-
ben und einem Mädchen noch einen zweiten Knaben
erhält Bs; Gl; Z. De" ff. selber zale" müesse, die
angerichtete Suppe selber ausessen müssen Z. Die
Mandate nennen neben andern Vaganten seit dem XVI.
meist auch ,die G.' (1641/ 1702, Z Mand.). s. L'iren-Frau;
so erklären sich auch der heute noch vorkommende,
urkundlich seit dem XIIl. belegte Familienn. G.. auch
.Butzegeiger' G, sowie die Ortsnn. ,Gigerhof' Gl; L,
,G.-Hubel' L, ,G.-Hus' Xv; L; TnBisch.; ZStdt, ,G.-Gas8'
ZStdt. ,Gigers-Buel' Ap, ,-Berg' S und viell. auch:
,Giger.' 1370, Zellw., Urk.; ZS., ,Gigeri' Zg und ,uf
der Gigern' Ap; Z, ,Gigernwald' aSi.-HW. — 2. Zahn-
weh Ap; gg. Syn. Musik. — 3. Durchfall Ndw. Syn.
l'fifer. — 4. de" ff. in SchueHie ha", von neuen, beim
Gehen knirschenden Schuhen BHk. — 5. Käfer, welche
summende, knarrende oder knipsende Töne hervor-
bringen und von Kindern etwa darum ans Ohr ge-
halten werden, bes. a) verschiedene Elateriden oder
Schnellkäfer GRigis; Syn. Klepfer. — b) (auch -ü-)
„Bockkäfer, cerambyx alpinus B.'- S. auch Herrgotts-
Güegi, -Tierli. — C. penis puerorum Bs (Becker). Vgl.
Gige 3 d.
Zu 2 Tgl. u/i/igen. Über die Organisation der Ijiijer und
I'ß/er in früherer Zeit vgl. Königlich. In 5 könnte tw. blosse
Entstellung aus (lueg, Güeiji vorliegen.
Füst-: G.. der nicht nach geschriebenen Noten
spielt LE.
Häl-: glatter Schmeichler Gl. Syn. Häl-Streichler.
- Mhd. hatU, glatt.
Krotte"-: Schimpfn. ZWettschw. — Krou, KrBtc,
vvahrsch. als Ausdruck der Geringschätzung.
Neujahr-: G., der um Neujahr singend und bet-
telnd durch's Land zog Zf.
Dürr-Bire"-: Scheltn. ZWettschw.
Wahrsch. ein Hohn auf die einem solchen Fahrendeu ge-
reichten, oft höchst bescheidenen Gaben und damit auf den
Empfänger. Vgl. Bratia-G.
Purrli-: ganz saurer, geringer Wein AaKu., L.
Z, auch schlechter Liqueur Z. Syn. Burrli-Fuchser.
(*DYa,tei\ii-) Brätis-: herumziehender, schlechter
Fiedler, der an Gelagen, bes. Hochzeiten, spielte, wenn
der Braten aufgetragen wurde (über-''e Brotis gige"),
und den man mit Speise, oft wohl mit einem Bratis-
Bein [-Knochen] vom Tische entschädigte Aa; „BO. ;
L;" schlechter Musikant übh. Ap; Bs; Gl; SouSt.; Z;
vgl. Spis-, Kirchwxh-G. D' Chilbi [Kirchweih] chunnd,
e B. spiü-em [dem Bauern] Freud i' Herz und Füess.
Häfl. 1813. Unbedeutender Mensch übh. (Spottn.)
Aa; B; Z.
In der Com. Beati ermahnt ein Spielmann den andern:
.Es ist g'stimmbt iez, wann wir ga" wend, wir komnient
sunst, wann 's Bratis geud.' Über ernen ähnlichen Brauch
in Schwaben vgl. Birl. Volkst. -2, 367/8. Über die Form
liralia s. ye- Bd II 41.
Sele"-: Geistlicher Ap; Z (spött.).
Arme"-Sele°- Ostschw., Liebe"-Sele°- ScuwE.:
= Spis-G. Dri" g'seh" n-ie-en Arme'-Sele"-G., elend,
abgelebt aussehen. — Viell. darum, weil das Lied von
der armen Seele oft von den Spielleuten gesungen wurde.
Schilli"^-: Spottn. auf einen schlechten Musi-
kanten, eig. ,der um einen Schilling geigt.' Vgl.
JKToBL. 1867. S. 171.
153
(Sag, geg. glg, gog,
Spis-: schlechter Geiger, der zum Tanz siiielt VV.
Tüpfli-: 1. Brenneisen (vgl. (rige 3 c}. mit wel-
chem eine Figur Ton 3 Punkten als Eichzeichen auf
hölzerne Gefässe aufgebrannt wird ScnSt. — 2. (als
Spottu.) Blatternarbiger, ebd. Syn. Glge-Tüpfler.
Türli-: 1. herumziehender, armseliger Musikant,
der vor allen Türen (vgl. hinderm Türli gigen) spielt
Aa; S. — 2. abgemergelter, einfältiger, herunter ge-
kommener Mensch, Pinsel Aa; Bs; Gr; S; Z. .Blosse
A-B-C-Schützen und T. gegen die [im Vergleich mit
den] alten.' Dennl. 1817. — 3. Plaudertasche Aa.
— 4. wer an der Türe hängend mit derselben knarrt
(vgl. gigen 4) GrI)., bes. scherzw, auf kleine Kinder
angewandt, die dieselbe noch nicht schliessen können
BsStdt. — 5. schlechter Wein Aa; B; „L;" Z. Syn,
Kuttlc-Rügger, Purrligiger. — 6. Durchfall (Oig&- 3)
VOrte; S; Balz 1781.
Kilbi-: auf lürchweihen ziehender (schlechter)
Musikant, allg.
Geisse-Gigeli: Gänseblümchen, bellis perennis Aa.
Syn. -GiseU, -Gismeli.
Gigeligö, uf-em G. rite', Huckepack reiten GrD.
(Kdspr.). Vgl. Gögel, Rücken.
gigere(ll) II (uf-): 1. nachlässig aufschichten. Die
Schiter heintsch [haben sie] nummu ufgigrot W. Syn.
yögeren. — 2. sich von. einem Falle aufrichten BO.
Syn. ufgageren.
Giger-ne, -te f,: lose aufgetürmter Holzhaufen
VV. Syn. Go-, resp. Gö-, Güegerfe.
.,gigle(n) 1 (auch uf-): eine schwache Mauer
ohne Mörtel aufrichten. Steine übel passend auf ein-
ander türmen oder häufen W.- Vgl. Gogermür.
GTge(r)tsclli n.: Samengehäuse im Obst BoAa.,E.;S.
Syn. Güegi; andere s. bei Flieg 5. — Zyro gibt für B » an.
Gigüx s. Eidechs.
giege(n): wiegend hin und her neigen SchwE. —
Wahrsch. nur Nbf. zu gigen in ders. Bed.
Giegi m.: 1. der hin und her neigend sich bewegt
ScHwE. — 2. Tölpel, ebd. Syn. Gageri I.
Der Tölpel scheint von seinem schwankenden Gange benannt
zu sein, wie noch in synn. WW. ; übrigens vgl. mhd. ijicge.
giegle(n): hin und her schwanken, sich wälzen,
z. B. am Boden iimme-, von einem Betrunkenen GO.
S. Peter hat nach e Wili umme g'gieglet uf der herte
Diu und schlaft aw'' i". Von Kindern, die in der
Sonne sitzend sich die nackten Glieder bescheinen
lassen. Syn. geiglen, e Gieggle machen. — Giegli m,:
Schemel, welcher nicht feststeht GaHe.
Gögel m. : ein sonderbarer, komischer Mensch.
Wenn man z. B. Jnid etwas Gutes anbietet und er es
nicht annehmen will, so sagt man: Bis nid so n' en
G. und nimm 's ScHSt. •- Nahe vwdt mit Gnur/gtt, s. d.,
und zunächst zu t/oglm.
Strüss-: Blumenfreund, -Narr Z. Auch -Gögel.
gögle(n): spielen, schäkern ZGrün., Horg. Narren-
possen treiben Z. — Mhd. tjogehn, mit vwdter Bed. liat B.
Gogeli n.: Ei (Kdspr.) Bs. Nbf. zu Syn. Gaggeli.
göge(n) [-gg- GF.): 1. „ruhen (verächtlich) W;-
faul, unschicklich sich hinlegen oder hinsetzen, sich
gähnend strecken, faulenzen, herumlungern Ap; G;
TuTäg. Auch umme-. Im Bette g., unnötiger Weise
darin liegen Ai-Id. bei '1. — 2. sich langweilen GRPr.
- Wahrsch. blosse Nbforui zu gagtn I, da die Bedd. ,sich
wiegen* und , ruhen* sich leicht vermitteln lassen.
gogere(n): \. ^= gägere" B (n); L; U; Ndw.
2. scherzen, wie kleine Kinder, tändeln B; S. Syn.
göglen, gögelen. — 3. ,G., inordinate superstructum
esse.' Id. ß. So noch Bß. Auch = gablen 3 B. — Im
Ganzen Nbf. zn gilgeren. Zu 2 vgl. Anm. zu göglen.
Gogerli (öj n.: scherzw. Schelte unzufriedener
Kinder BBurgd. — Wahrsch. zu gügeren i. S. v. unruhig
sich herum treiben, steigen.
,Gogerte f.: incongesta molos.* Id. B.
gögere(n), Dim. „gögerlen"- : 1. locker, lose auf
einander häufen ,B0.; Gr;" W. — 2. schwankend
gehen BO.
uf-gögerle(n): auflockern BHk.
gögerlig: 1. „locker, nicht fest, von Sachen, die
herunter zu fallen drohen BO,; Gr;** etwas ,g.' aus-
breiten, damit es von der Sonne besser beschienen
und getrocknet werde BHk. — 2. „ökonomisch in
schlechten Umständen stehen BO.' — 3. „heirats-
lustig sein, bes. von Wittwen und Wittwern BBönig."
Gögerte f., „Güegerte": etwas auf einander
Gestelltes, das baldigen Einsturz droht BO. Syn. Gi-
gerte und Gogerte; s. gageren.
Gögel m.: 1. a) Lustigmacher, Possenreisser, Hans-
wurst Z. — b) Geck, Narr, dunmier Kerl Aa; Bs; Gr;
ScH; Th; Z. Wer an Etwas eine närrische Freude
zeigt; vgl. Gögel. Syn. Gäuggel, Göggel, GÖl, Gölgg. —
c) langer, schmächtiger Mensch AAZein. — d) , Schlech-
ter Kerl.* .JCUlr. 1768. ^ e) Übern. ,Han.s Frig, gen.
G.' 1431, Z. ,Henslin G.. syn Ij'blicher sun.* ebd.
.Gögeli; Gögel* 1715/83. ZZoll. Taufb. .Gögeldick',
Familienn. ScHwSeewen. Vgl. auch den Übern. Gögi
in ZTöss. — 2. verdickter Nasenschleim Scii. Syn.
Gölgge, GÖggel, Bfrjogg, ButzenmÖggel.
Von Ooggrl ist ijögel in Laut und Bedeutung nicht wesent-
lich verschieden. 1 c erklärt sich daraus, dass Leute von
jener Statur in ihren Bewegungen leicht etwas Linkisches
und insofern Lächerliches haben, vgl. Gtiyeri, Uagi, Gäggi.
Ulrich, der das W. aus dem hebr. OaJ, Heiden, herleiten will,
hat sich entweder durch seine Etymologie bestimmen lassen,
oder nimmt .schlecht' i. S. v. .gering'. Zu 2 vgl. Bögg, das
die Bedd. Maske und Nasenschleim ebenf. vereinigt.
Butze"-: Popanz Sch (auch -gg, s.d.); Th.
gögelig, güglig: geckenhaft ScHSt.; Z.
gög(e)le": 1. Mutwillen treiben, närrisch tun,
sich lustig machen ZStdt, Zoll. — 2. (gogele'J dumm
handeln Sch. ver-: 1. „Etwas aus plumper Un-
besonnenheit verlieren, verlegen oder für Kleinig-
keiten weggeben Sch; Z." — 2. verwöhnen, -zärteln,
-hätscheln GrL. Part, rergoglet. Syn. verhätschlet,
erwärt. — Bed. 2 lässt sich durch .vernarrt' = verliebt und
Xärrli als kosende Bezeichnung eines kleinen Kindes erklären.
um-: umstürzen, von Menschen ZO. Syn. um-
geiglen, -gäugglen.
Gogel, Gügel (GRPr.) m., Dim. Gögelti GrD.:
kleiner (alter, schlechter) Keitschlitten für Kinder,
kurzer Handschlitten, mit Holzstäben „GL'-(t); GrD..
He., Pr. .Jmdn auf den G. nehmen*, auf den Kücken
GrD. Syn. Güggi II, Krücke.
' Zur letztern Bed. vgl. Uigeligü, sowie vnrarlli. giigm, auf
dem Rücken tragen, wozu wieder unser ijiig'ii I (eig. mit «1
zu vergleichen ist.
155
Tag. geg, gig, gog, gug
Giig 111.. Diin. Giiyli: Ton, Laut, Kuf. Beim Vei-
steckenspielen ,Guggelibergen' antworten die Ver-
steckten auf das Verlangen des Suchenden : Los [lass]
en Gmjüg! (s. d.) mit einem Gug kiSh. ,Er lasset
noch ein kleines Güglein von der Ohren-Beicht.'
Klosterguggü 1687.
Wahrsch. zu Owje, Blashorn; <jngen U, f[üfit/fn. Hörn
blasen; Tgl. auch güggen, pfeifen, von Vögeln.
Gugel I m.. Dim. Gilgeli, Gügerli: Haushalin Ar; (i.
Syn. Güggel, Guli, Giigelhan. Er wird vor Hochmiief
tcie-n-en G. g'schwolk" Ap; vgl. nhd.; der Kamm
schwillt ihm. Pote, ist der G. «»"* envacht! JJKütl.
,Es soll ein wirt nit mer haben, dann ein hängst am
baren, ein katzen und ein g. und soll der wirt uf der
first stan und sol ein .sichlen in der linggen band
nemen und so fer er die sichlen werfen mag, also wyt
soll syn gugel recht haben zu weid gan.' Offn. ZDielsd.
uf-gugle°: auifahren wie ein Hahn, sich zur
Wehr setzen Ap. Vgl. gügelen, gügerlen, güggelen.
Gugel n m., Dim. Giigeli, Gügerli (Ap): 1. a) Röhre
oder Spitze eines konischen Hutes BG., Si.; Ndw. Syn.
Gnpf. — b) , spitzige Mütze. Kappe L." Der Spitz-
hut der Beamten beider Stände in BsStdt (Spreng).
Vgl. G-hiiet, -kapi)e. — c) turbanförmige Wintermütze
der Frauen, von Pelz oder Wolle, früher bes. im
XVn./XVm. in G u. ZWint. getragen, jetzt noch in
Montafun. ,Von Stauchen und Guglen wird Nichts
mehr vernommen.' GZdst. 1860. — d) eine Art Kappe
oder Kapuze. ,Dass ein jeglich fröwelin [Dirne] tra-
gen soll ein rotes keppeli über twerch uf dem houpte ;
kummt si in ein kilchen, will si das kugellin abe-
ziehen, so soll si 's uf ir achsel legen.' 1313, Z Ratserk.
.Ein Chorkappen mit einer Listen und mit einer Kugel
von Perlen [zu einem Messgewand gehörig].- 1357.
Arg. ,Si [leichtfertige Mönche] schluogend mit dem
g. die mensur [den Takt zu ihren Gesängen].' UEckst.
1526. ,Und hat sich der gottlos erengeit [Ehrgeiz der
Mönche] gar gern soeben und zu etwas Zwietracht
bringen lassen; er schlouft sich aber widerum under
die g.' Vad. ,Cappa autem. capitis tegmen a tunica
separatum. cucullus, Gugel, capello Italis. Geimanis
Kappen, Alamannis Schlappen.' Goldast. ,Wie man
etwan in den klöstreii den sauhirten kutten und guglen
an.stosset. (hiinit sie eingedenk syn mögend, dass sie
zu dem onlen gehörend.' ebd. ,Im anfang des spils
verbunden ihm die meister d' äugen mit sydener bin-
den und zugent synen gugel darüber.' Ansh. .Bar-
diacus, ein kleid on ein g.' Fris.; Denzl. 1ij77; 1716.
.Cucullus, ein g., den die frauwen tragend, wenn es
regnet, item ein halskapp oder kappenzipfel.' Fris.;
Mal. .Der G.. hohe Kapp.' Red. 166'2. S. noch .Spanier-
kappe.' — p) sehr znaespitzte Garnspule ApH. — f) (nur
als Dim., (hiiirli. (hiqirli) eine Art Sattel in der Fabrik,
beweglielii- i'vliieliT niederzudrücken Ap. — '2. Hügel
AAZein.; auf eiuem Berge hervorragend L; runder
Gipfel Ndw. ,Die offnung ze Wurchonloss gat unz
oben uff den g.' Noch vielfach erhalten in Flurnn.:
Innerer oder vorderer, hinterer oder äusserer ,G.'
(letzterer auch ,Burghorn' genannt), 2 Bergköpfe auf
der Lägern. ,Weiss-G.'. Bergn. LE. ,In der Gugel-
ment' ZAndelf. [-ment verk. aus ,Allment'], ,Guglen-
berg' FTaf. Reben im ,Gugelweg' ZUrd. .Uf Gugefei.'
XIV., L Propsteir. ,Ein Acker genannt Gugelpünton.'
1659, Arch. Wett. Vgl. auch noch Ghügel :i.
Mhd. yuyi'k, giujd, Lityrt f. Kapuze, aus nilat. iiueuitu,
lat. cucullus. Für den Zshang der Bedd. 1 und 2 vgl. das
Verhältniss von Kappe zu Kuppe und auch Gupf und Qugd-
hopf, Name eines Gebäckes von ähnlicher Form. Als Ge-
schlechtsn. erscheint einfaches Gugel nur selten. ,Ruodi
Gugelly.' 1484, SchwWoll., öfter als erstes Glied von Zss.:
Ougelhehn; G-mann B oAa. ,G-berg.' 1400/1523, Z; 1449
bis 1531, Schw. ,Guglenberg.' 1526, F. Die beiden letztern
natürlich zunächst von den gleichlautenden Ortsnn. entnommen.
Mit nachgesetzten Vornn. halb appellat. : ,Du armer Gugel-
fritz.' Lind.. Wint. Chr. ,G-Franz.' Gcngb., Gauchni. ,G-lutz
(I.udwigl.' 1Ö31, Zg. ,Ruotsch [Rudolf] Gugellotz.' 1531,
ZErl., zsgz. ,Gugolz.' 1593, ebd., und als Übername: ,Heinrich
Müller, genannt Gugellorin.' 1681, AaB. Zu unserm W.
wild auch der Flurn. : ,in der Guglen.' ZUster u. Zoll., ge
hören, der sich zu demselben verhielte wie: ,in der Giblen'
zu Gihel. — Tgl. noch Anm. zu Gnf I.
Gngeluch: = Guggüs, beim Verbergenspielen mit
Kindern ScnStdt.
Gugel-üs: dass. ebd. ,Macht auch ein Kind,
wann es etwann 2ii Jahr alt i.st, Gugelaus'r" Herzbr.
Pred. 1759.
Gugelum (ChuMum%K) m.: Früchte des cocculus
suberosus (Indiens), Kockel-, Fischkörner, als betäu-
bendes Mittel beim Fischfang gebraucht GRh., Rorsch. ;
SB.: ZS. Vgl. GuggeU-Fang. - Aus co.mln>.
grige(ll) I: hin und her bewegen, wiegen Bs, auch
als Dim. gügele". Het men-e aber g'heisse : Gang wagten
e wengeK dinne! het er blöselig giiget, un'' 's China
het g'schratie, u'ie vorher. All. 1843. Auch: sich hin
und her bewegen. D* öhilchtüre g-t. Hebel.
Schwab, gügeln, wiegen, wackeln. Der Voc. scheint aber
erst später verlängert worden zu sein, wie in gOgen, schau-
keln; mhd. r/nr/en, gugeii. haben kurzen. Vgl. noch Anm. zu
gigageii.
Guge" f., Dim. Giigeli: 1. a) „(Gueg) Widerrist,
[Nacken des Pferdes] L." Hals. Nacken (des Menschen)
Bs (Spreng). So in den bildl. RAA. : M"'m uf dr G.
si", sitze", ihn belästigen durch allzu grosse Nähe Bs.
Er hockt mer uf d'r G., dass i''' nit schnüfe ka".
Spreng. JEi""«! uf d' G. cho", zu nahe kommen. Gang
mer ah dr G.! bleib mir vom Leibe, lass mich in
Ruhe. P* kam hält grad mit gueter Baslerlauge und
saiti: Gehn Sie mir doch ah der Gange! RKelterb.
1874. Syn. ab de" Socke", Hippe". ,Sy sind uns uf
die Achslen gesessen oder wie man gmeinlich spricht,
sy sind uns gar auf gugen gehocket. In capite atque
in cervicibus nostris restiterunt.' Mal. Dafür Fris.:
,Sy habend uns auf den hals treeten.' Einem under die
Gügen kommen dürfen [mit Hineinspielen der betr.
RA. von den Augen] ZG. — b) (PI. Gilge') die weibl.
Brüste Z, auch Dim. Gügeli. Syn. Süge. ~ c) Blase
(von wässerigem oder eiterigem Inhalt), Schwiele,
Geschwür Aa; L. Syn. GügCeJle, Gügere. Wer de'
Treschflegel a'grlft, muess d' G. vergesse". Du hesch
rüdigi Finger und Gilgeli drä" S (Volksliedch.). , Später
zogen dann die Herren [Offiziere] auf, so gelassen, als
ob so etwas sich von selbst verstünde, und Pauken
und Trompeten eben nichts anders wären, als vor-
nehme Gügerlein, also etwas ganz Ordinäres.' Gotth.
— 2. a) Blashorn des Kuh- oder Ziegenhirten, auch
des Nachtwächters, oder der Knaben, als Spielzeug,
aus Rohr, Holz, Rinde, Papier oder hohlen Pflanzen-
stengeln, wie derjenigen des Kälberkropfes Ap oder
bes. der Wald-Angelica verfertigt Ar; Gr; GEh.
Gag. geg. gig. KOfr. s»?
Güycli, Kiiuleitroiiipetcheii GRh. Syii. Gugi, Güggen,
Blöseli, Pfife. - b) Wald-Angelica, angelica silv. GG..
Eh., S., Sa. Syn. Bilchel, Rörhuggle, Pfiff, Beribläse,
Lüsrör, Bach-, Blas-, Sinckrör, WaldrÖre. S. auch
Spick-G. — 3. Röhre zum Trinken (aus einer Bütte,
bes. in der Kelter) GSa. Vgl. gügelen und gügeii II.
— 1. (m. und f.) Berg mit haubenförmigem Gipfel im
Jura. Vgl. Giigel. ,Eiiie der höchsten Spitzen [des
Bergzugs] ist die Guge bei Stusslingeu.' Gem. S 1836.
.Von dannen in das höchste uf Gugen.- 1351, Aa Weist.
Noch als Fluni.: ,in der G.- GT. — 5. ,= Gueg 1 d,
im bildl. S. B; L; U."
Von yüijen, blasen, woraus sich Beil. 1 und 2 von selbst
erklären, wenn bei 1 a, b der Grundbegriff ,Anscliwollnng,
hervorragender rundlicher Teil des Leibes', angenommen
werden darf. Zu 1 c vgl. ,Fistel', röhrenartiges Geschwür,
lat. ßatula, Röhre, Rohrpfeife, und ,Blase: blasen'. Bed. i
(wo das m. aus dem mitgedachteu Begriff .Berg' zu erklären
sein wird) schliesst sich an 1 mit dem gms. Begriff rund-
licher Erhöhung. Zu 1 a scheint auch trotz der auffälligen
Form (ue für «, resp. fi- statt u') St-s Angabe aus L zu
gehören; umgekehrt giebt er u für ue au iu ffii./tn für
Gueg ö. Ö. noch (iaugke bei Schin.-Fr.
Eiter-Gügeli: kleine Eiterpustel AASt.
S p i c k - g ü g e " GSa. = Guge 2 h. Syn. GugC-Krut.
— Spicke», Kügelchen durch ein Rohr blasen.
güge° II: 1. auf einem Hörn blasen, von Feld-
hütern, Jägern. Wächtern, Hirten, Schiffern Gr; GRh.;
SfHW; Ndw; Z. In ZZell bes. vom Bäcker, der durch
Blasen die Leute zum Besuch der Schwitzstube ein-
ladet. Syn. j" 's Bädli blase". Auch gügen, gugelen,
güggen, güggen, s. dd. — 2. jo'.leln. trillern SchwMuo.
S. noch gugelen. - 3. heftig, laut weineu GrV.;
GEh.; schreien, heulen von einem Gespenst; s. Bogeten-
Gugi. Von Tieren: schreien wie ein Kukuk BsLd;
von der Stimme des Salamanders, der darum Güge"-
möli und entstellt -mörchli, -manHi, Gügge-mimli,
Gügge-möfußi, Güllegugger lieisst. D' Frosch gügen
uf ein Tüchel Schw. Auch güggen, güggen, s. dd. —
4. verächtlich von der menschlichen Stimme, in der
RA.: Er kann nit g. und nit gage", keinen Laut von
sich geben, = er weiss weder Gux no"'' Ga.c BsLd.
Vgl. güggen 4. — 5. schlurfen Th. It Schwzrd. '20. 36.
Dim. güg(e)len, s. d., und gügglen u. vgl. Guge' 3.
Der ä.Spr. ist das W. fremd; es scheint Lautnachahmung
zu sein. Die syn. Formen mit it und ß, y und ijij bestehen
z. T. neben einander und fliessen iu eiuauder über, viell. mir
mit dem Unterschied, dass die Formen mit yy einen etwas
stärkern, die mit ü einen etwas höhern Ton nachahmen.
Doch scheint es ratsam, dieselben zunächst getrennt zu halten,
weil sie nicht alle Bedd. gemein haben. Im S. v. I scheint
es auch enthalten in den Compp. Guyen-Ma", -Wib, zur Be-
zeichnung von Eheleuten, die getrennt leben, halb geschieden
und darum ,verrufen' oder Gegenstand des Spottes sind.
Vgl. tisgiiyen.
US-, auch ver-: öffentlich als fallit erklären, ver-
rufen L, schon It Schweizerb. 1818; in Zo mehr scherz-
haft ; ernsthaft üs-rüefen. S. üs-, vergüglen, -güggen.
Gügete f.: Getön; Geschrei GRSchiers. As hohls
Gadü' old a G. vom wilde Geissler [einem (iespenst].
Schwzrd.
Gügi m.: 1. Einer, der jodelt SchwMuu. Zu gü-
gen 11 ä. S. noch Gügeler. — '2. n. a) Blashorn L:
Zg; St.'' Auch Gügi, Güggi. b) weibliche Schreck-
gestalt, Kindergespenst Gi.; L (Güggi). .Gefürchteter
als diese Schreckgestalten war das Bogetengugi. denn
dieses hörte man von Zeit z« Zeit in seinem Walde
gugen, und es hockte ungehorsamen und umherschwei-
fenden Kindern auf, so dass sie das Ungetüm unter
Angst und Schrecken eine Zeit lang tragen müssen.-
MEsTERM.. Rick. Zu gügen II H. — ßoyete, FUirn., Wald
bei LMüuster. Vgl. Lüt. Sag. S. 12G.
Guge» (-!(-) f.: = Guchle, Röhre und Rinne an der
Obstmülile ApI. Vgl. Güge" 3.
¥iäi- dngtT = -gügger Bd I loTs L. mit An-
lehnung an gügen.
Kratz-: verächtliche Bezeichnung eines krätzigen
Menschen BE.. Zu Guge' 1 c. Vgl auch das Folg.
«ngere (-«- BS.) f.: Eiterblatter Bs; B. Dim. CHi-
gerli, bes. Hitzblätterchen oder -bläschen im Gesicht,
Ausschlag, verursacht durch Genuss von scharfgesal-
zenem Käse oder Schweinefleisch B. Syn. Güge, Gügle,
Bibeli, Borple, Sure'. Schiitzeli. wie bist du dach so
rüdig, und r'' bi alle'' Hn'i'i'i i'"U : lliisl h,,'' .jmnHt,
i"' Süll d'r chratze. Xn : 's ti(,i „nr s,Ah, ,- in,l : 7,\k(i.
Eusere Gugerehans hat ginbcl. hat 's Bibtii - Xaiini
g'nö" : chann eigetli nid bigrife, ivie die st" zämmechu .' B.
, Keine Rose ohne Dornen, sagte eine Tochter, die Gu-
gern im Gesichte hatte.' Gukk. 1843. Syn. Güge' 1 c.
vergügeret: voll von Gugeren B.
tingle, -ÖM- UwE., Gügele (-»- AAWohl.) f. (meist
als PI. = Gouigle Ulsent.), Dim. Gügeii: Blase am
menschlichen oder tierischen Körper, Pustel. Ge-
schwulst AaF.; L; S; UwE.; U; Zg. Syn. Eissc,
Güge, -re, Gügi, Gide. Im PL auch: Finnen. Mitesser
S; Ulsent.
Gngeral: ein Stoff. .Eine niange ze linwat und
ze g.' 1335, Z Ratserk. Hieher wcihl auch: .Ein stück
gugrars.' 1376, Z. Vgl. aucii Guyler. - Ursprunglich
viell. ,Stoff zu Gugeln'.
gngilliere(n) : necken, plagen L". — Vgl. afiz. </o</nc,
Scherz und Vwdtc und yüyemirlen.
gugle", -ele" (-H-): 1. hellauf-, aus vollem Halse.
stossweise, herzlich, mit lebhaften Körperbewegungen,
unanständig, ausgelassen lachen B; FM.; „VOkte;-
SG. ; Ndw; Syn. gagglen, chachlen, schüblen. Lauten
Spass treiben Bs; BM., U. ,Er sah Änneli süsslächt
g. mit ihnen.' Gotth. Heimlich, versteckt lachen 1!.
— 2. (gugele'J Töne nach Art der Turteltauben und
Birkhühner von sich geben Ndw. Auch von der Eier
legenden Henne Z (It Wack. 1869).
In den Gaumenlauten und dem dunkeln Vucal liegt offenbar
Nachahmung des Schalles, für 1 etwas stärker mul voller
als bei yiylcn. Vgl. auch yüyelen, Guyelfuer.
(tugler 1 ni.: ein Kleiderstoff, viell. dass. was
Gugeral. ,Die Gewandschneider sollen kein G. feil
haben.' 1526, Ochs. - Vgl. auch Schm.-Fr. 1, 881.
Gagler 11 m.: (PL mit Art.) die englisch-französi-
schen Soldtruppen, welche a. 1375 die Schweiz über-
fielen und geschlagen wurden; so genannt nach ihrer
Kopfbedeckung, s. Gugel II 1. ,Die gugeler. die Brit-
ten, die Engeischen, die ritten.' Liliencr. .Die G. oder
Engländer.' Tschudi. Dagegen Gugler uml Gugelniann
als Geschlechtsn. eher zu Gugcl II l'.
Gagnnieli: Türkenbund. Liliuni martagon Uw
Seelisb. (Durh.).
Viell.. wenn richtig angegeben. Iipruu'll ein.- Viiquickuug
Gag, geg. gig. gog. gng
160
Zwiebel des Türkenbunds, auch CnhI-Ep/d, -BliUe ponannt,
mit jenen einige Ahnlichlteit hat.
Gugüs s. Guggüs.
Gügel 111. : Haufe, z. B. von Klee auf einem Wagen,
bes. i. S. V. unvollständiger, nicht kunstgerechter La-
dung, wenn dieselbe unten zu schmal angelegt ist
ZWyl. — Wahrsch. halbes Dim. zu Gage i. S. t. rundlicher
Erhöhung; s. Anm. zu diesem W.; doch vgl. auch fl'yejerh
und gigeren.
Gttgel m.: 1. s. Gögel. — 2. Name eines Berges
bei Matzendorf S. ,Uf Gügele.' Flurn. XIV., L. ,Der
Kempfen-Hof gat . . . unz obnpii uff den G.' Offn.
Würenlos. S. Gugel II ä.
gttgele", gügle°: 1. ein Hörn blasen G; Tu; ZO.
Feuerlärm machen GRLandq.; SchwE. S. gügen II 1.
— 2. fein jodeln Schw. — 3. Wein durch ein GiigeU
[Rohr] aus der Bütte trinken, wie in Keltern geschieht.
wenn man sieh zum neuen Wein einladet GEh.. Sa.
Schlürfen, langsam, aber häufig und anhaltend trinken,
den Trunk lieben AaZ.; L; Tu. Syn. gügen II 5,
gilgghn, glügglen. — 4. mit Dat. P. (resp. S.) hätscheln,
bes. Kinder. Dem Für g-ele(n), das Feuer sorgfältig
pflegen, wenn es nicht brennen will ZW. Syn. nf-
giglen.
Hieher (zu 1) gehören wohl auch die Peisonenn. ,GügIi-
gUg.' ca 1320, ZStifts-Urb. u. ,Hans Gügler.' 1531, Egli, Act.
üs- (auch ver-) gügele": als fallit ausrufen L.
S. üsgügen und -güggen, -güggen.
Gugeler: Einer, der fein jodelt Schw. Z\x gügele" 2.
gügele(ll) (-«-): 1. lachen Sch; Syn. güxlen; s. gu-
g(e)len. — 2. vor Zorn zittern, 's het Alls in im g'g-t
Sch. Vgl. gügerlen.
üf- = üfgitgelen Sch; s. Gugel I. Wo de" Gross
da' g'hört hat, ist alles in im ufgügelet und er hat
g'chlbet und g'schecht [scheel gesehen] und hat nid
weHe" i' d' Stuben inne. JMey. 1866.
GBgeler: Hahn Ap. Sonst Gugel.
giigelig: fröhlich, freudig Bs (Spreng).
Tiell. aus dem Syn. (ge)hmielieh. s. hiigelig, das aulantende
g also für g'h.; doch vgl. auch duget in Gugel/uer. giigelen
und die Synn. gigelig, güggeUg.
guge° : 1. ins Hörn blasen, durch ein Hörn rufen
AABremg. ; S ; s. gügen, güggen, güggen. Des Morgens
durfte in G im XIV./XV. nicht eher gefeuert werden.
,won [als] von der zit, so man den tag kündet oder
rüeft oder — im Winterhalbjahr — so man darzuo gü-
got.' G Eatssatz. — 2. „brüllen GRObS.'- = güggen 3.
— 3. das Gügispiel machen, .s. Gügi 5.
geiss-güge", -gügene": das Knabenspiel, das
sonst auch liornigleti, hornüssen, Möi'e' schlän heisst
Schw. Man macht so viele Löcher in die Erde als
Spielende sind und in der Mitte eines für die Kugel.
Dann nimmt Jeder einen Stock und sucht die Kugel
mit demselben in eines der äussern Löcher zu bringen,
was dessen Inhaber mit dem Stock zu verhindern
sucht. Verspielt hat der. in dessen Loch die Kugel
zuletzt bleibt. Auch etwa in einfacherer Weise, indem
Steine nach einem als Ziel aufgestellten grössern Stein
geworfen werden ; der nächiste am Ziel ist Sieger, ebd.
So genannt, weil mit dem sog. ,Hirtgeissen' tw. identisch,
wo ein ,Geisshirf vorkommt, dem als solchem auch ein Blas-
horn (s, (lüge ? <i) zugeschrieben werden konnte. S. Gelnngugi.
Gügene f.: Beiname des Löwenzahns, weil Kinder
den Stengel dieser Pflanze als Blasinstrument ge-
brauchen. EocHH. 1857. S. 174. Vgl. Güge 3 c. - Wohl
nur Verlängerung von Güge, vgl. GeiMgugenen neben -gügen.
Güger ni.: 1. a) = ,.Giger 5 b B.' — b) Ge-
schlechtsn. 1488. ZKlot. Wohl zu gügen 1. — 2. Kalb,
das mehr mit Gras und Heu, statt mit Milch gemästet
wird und zum Schlachten bestimmt ist L. Syn. Gras-
gügger. — Zu 1 b vgl. auch die Gescblechtsnn. .Gügler' Zg.
,Gügis' (l.iSl, Strickl.. Act.), sowie Pfiffr. Wawr.
gügeiiade(li) : foppen, höhnen UMad.
Vgl. frz. goguenarder, spöttisch scherzen: s. auch Anm.
zu dem Syn. guginieren-
gfigerle(n): aufschwellen. .Da fleug im an das
Herz g.. ward stolz und gedacht, wie er gar uf den
küngklichen Stuel möchte sitzen.' IJEüerer 1606.
Vgl. gügelen 2.
Gügi n.: 1. Blashörnchen AABremg.; Schw. —
2. kleine Eiterbeule SchwMuo. Syn. Gugle. — 3. ,das
vorn am Halse hervorragende Ende des Schildknorpels
Schw- Zg." Auch Güegi, s.d. — 4. Kranz der Haare
hinten am Kopf der Mädchen, aufgerollte Haarzöpfe
GlH. Vgl. Buri. — 5. das bei dem Spiel Parlaufen in
der Mitte liegende Ziel, wo die 2 Gügespieler stehen,
welche die von den 2 äussern Zielen auslaufenden
Spieler zu fangen suchen; s. Eochh. 1857, S. 414.
Für Bed. 3 ist viell. Güegi die richtige Form ; doch kann
.jene Bed. auch aus der von Güge, ,HerTorragung. Anschwel-
lung', erklärt werden; vgl. dieses. Ohne Zweifel gilt dies
für Bed. 4. Bed. 5 kann aus Gcimgiigen (s. Anm. zu diesem)
erklärt werden, weil man von jenem Spiel ausgehend auch
den Mittel- od. Zielpunkt anderer Spiele Gügi nennen mochte
Geiss- n.: Knabe, der in dem Spiel Geiss-giigen
(s. d.). wobei nach einem Ziel von aufgeschichteten
Ziegelsteinen geworfen wird, dasselbe zu hüten hat Zr,.
Dass das n. für eine Person gilt, ist gerade bei Musik-
instrumenten nicht auffallend. Vgl. frz. tamhour, Trommel
und Schläger derselben. Auch im Orchester nennt der Diri-
gent die Instrumente statt der Spieler.
Us-Güglete f.: Schlusstrunk L. .Die für den
Fritschivater ziemlich kostspielige sog. U. am Altmarkt
(wird dies Jahr wegen des allgemeinen Notstandes
unterlassen).' 1879, L Vaterl. Zu gngfeßen 3.
Gneg, -e" Gueg m. Aa; BO.; L; S; Zo. Guege
(Guogo F ; W) m. BSi. (-«-) ; F ; Gr tw. ; W, f. AAAarb. ;
BsLd (Spreng); GRChur. Val.; Schw; Uw; ,Gr; L; U",
PL -e», Dim. Güegi Aa; B; LG.; S; W, Giiegli BsLd
(Spreng); B; FMu.; L; UwE.: 1. Wurm BHa..Si.; W.
Graswurm BFrut. ; St."" Vgl. Gras-G., Raupe BSi.
Syn. Paluse. Langer, fleischrother Wurm F. Coli. Ge-
würm W. Giiegli, kleine Würmer in Esswaaren, z. B.
Erbsen B; FMu. .Dass das vorrätige, durch das Un-
geziefer der Guegen angegriffene Getreide sich nicht
wohl halten lasse.' 1639, Fetsch. .Dass der Zehenten-
Speicher voller Iinziffer und Güggi sein, folgsam un-
brauchbar.' 1783, L. .Von dem U. nnd Güggen ge-
säubert.' ebd. ,Mit den Güggen, mit denen der Spj'cher
solle angesteckt sein, könnte die Frucht [Getreide]
infectiert werden.' 1780, L Stiftsprot. Guegen im Grind
haben zuweilen die Ziegen, was sie sehr unruhig
macht; d.h. es bohrt sich eine engerlingartige Made
durch das Innere der Hörner hinauf. Um die Ziege von
dieser Qual zu befreien, müssen die Hörner abgesägt
werden BH. „(PI. Guege') Eankkorn, Krankheit der
l(il
laff, geg, gig, gog, gug
Scliweine, wobei sich unter iler Zunge Blasen bilden F."
— b) versteinerte Muschel SchwMuo. — c) Schlange,
■L. B. a leida G. W. Molch GRChur; SchwE. Regen-
molch BFrut.; St." Vgl. Wetter-G. - d) Insekt BR.;
schwarzgeflügeltes F. Käfer BsLd (Spreng); B; FMu.
Gr; L; UwE.; W; Zg; „kleiner K., z.B. die Cocci-
nellen B; Gr ; Senw = Güegi L;" Laufkäfer S; Mist-
käfer Gr; Schwabenkäfer; auch die kleinen schwarzen
Käferchen in Mehlsäcken, Brodladen L. I''' nimm-di"''
bin Ore, bis d' fürig Güeg [s. Johannis-G-] g'sehst vom
Himmel färe BBurgd. ,Ein grosser käfer oder guoge.'
VoiiELii. i.j57. .Crustata animalia, tier, die ein herten,
ruchen Überzug habend, als käfer, guogen, krebs.'
Fris. .Cantharus, ein guogen oder käfer.' Fhis.; Mal.
.l>er Käfer, Raup, Gaugo. bruchus. searabieus, eruca.'
Red. Ui62, = Ö(7«c/i Aa; BH.: IU. /(rinyi i: S. Fliege
(grössere UwE.), Mücke. Jln^l i.^ (iimji im. Aitg?
Ks Güegi hat mi'-'' gstoche" AiAail.. I'.iKll. {„Güegi,
Gugen B; L; U'-): Grille. Er hat a Guugo im Chopf
W. Das Güegi, bes. i. S. v. Reiz zu Zorn. Ds G.
im Chopf ha', zum Zorn gereizt oder geneigt sein B.
's G. sligt em, er wird zornig S. Bern ist icieder es
G. a'-clio', ein plötzliches Aufflammen von Zorn [viell.
vom Aufleuchten eines Glühwürmchens] BBurgd. Er
het 's G. im Chopf, 's G. chunnt im grad i" Ch.,
pronus est ad iracundiam.' Id. B. Auch von andern
Antrieben, Einfällen. Afl'ekt^, z. B. des Ehrgeizes,
von momentanem Feuereifer zur Arbeit B. Es chunnt
mi'''' es G. a' B. 's G. ist em g'stige, er hat einen
seltsamen Einfall bekommen, ebd. ,Das Güegi, das
auf einmal in die Bauern gefahren [Eifer für Schul-
unterricht der Kinder].' Gotth. ,Er wollte wissen,
dass das G. d's Mädi nicht erst jetzt angekommen.'
ebd. D'r GottsuiUe do si' ha-n-i"' niimme möge':
so jung Bürste hei aw'- ihres G. Joach. 1881. Vgl.
Beis-G. — '2. (Güegi) Kerngehäuse des Apfels BsLd.
Vgl. Flieg Bd I 1178 und Spitzgiiegi. — 3. (Güegi)
Gurgel, Adamsapfel S. Mit aller Chraft nimmt er ihn
bim G. und wird em Meister. BWyss 1863. — 4. übertr.
(Guege f.) ein auf etwas erpichter, gieriger Mensch
Ndw. Syn. Fress-, Git-, Hunger-G. ,Fir ys und die
Tallyt-Giegi [Hochzeitsgäste] schärmants Zuckerzyg
zur G'niegi.' Balz 1781. Gueg, dummer Schwätzer,
Güegi (n.), vorwitzige Weibsperson S. In Verbindung
mit ,arm' = Tropf, von Menschen u. Tieren ; dagegen
en Malefiz-G., ein , Wetters Kerl', an Derbheit, Zähig-
keit GRPr. Schimpfn. Gr uVatz. — 5. Teufel L, bes.
auch in den Hexenprozessakten (L Turmb.).
Das W. ist dem Mlid. fremd. Schm. 1=, 881 hat: 6'««/
l.jvmf) = Gachel, Gackel, Baumwauze, also = uuserm (Jauuh,
s. d.' Grimm Myth. l", 1027 führt aus einem Hexruhammer
au: ,Vermes noeivi qui alemannieo nomine jnger imueuiiautur',
und vermutet Identität mit Uuci/; die Beschreibung p;»5St
jedoch genau auf ,EngerUug' und es ist daher imjcr zu lesen.
Schm. aaO. vergleicht span. cuc«, Wurm, Raupe, was auch
auf bösartige Menschen angewandt wird (,mala cuca'). Der
Begriff unsers W. ist offenbar naturwissenschaftlich nicht
genau zu bestimmen; es bezeichnet eben allerlei kleines,
widriges und z. T. auch schädliches Getier, Ungeziefer. Vgl.
die Compp. u. Käfer. Für die bildliche Anwendung i. S. v.
.Grille' ist dieses W. selbst nebst .Mücke' (Mui/g) die beste
Parallele. Im Übrigen ist zu erinnern, dass der Glaube der
ä. Zeit allerlei krankhafte Affektionen des Leibes und der
Seele als Wirkung böser Geister in Gestalt von Insekten
und Würmern auffasste. Daraus erklärt sich auch Bed. 5,
da gerade der Teufel unter Anderm in Gestalt einer Fliege
erscheint. Vgl. noch (/«;/ in dieser Bed. bei Meyer, l, Hauskai.
Schweiz. Idiotikon. II.
1870, und bei Lüt., Sag. S. 223, und s. Do,mcr-(J. Für
Bed. 2 u. 3 vgl. das Syn. Bätzgi, das auch den Schildknorpel
des Halses bedeutet. Für 4 scheint als Mittelbegriff das zu-
dringliche Wesen von Fliegen und Mücken und das gierig
gehässige von Käfern angenommen werden zu dürfen. Vgl.
dazu noch nhd. ,Wurm' und unser Knif, in verächtlich-
mitleidigem S. auch von Menschen. S. noch Anm. zu (luyai,
sowie Güegeli.
Äpfel-Guege°: Apfelwurni W. - Erd- (Herd-
güegli): kleiner Käfer (vidi. Er.lflol,. lialti.;,) P,.
Flander-: C.ll.vtivii. für ,anniillirl„.- Inov/iH.T.
das sich am K..rp.M- n.lrr in .Im \V„l,iiniii;vn .\r. .Mi-
schen vorfindet, nicht Bezeichnung einer einzelnen
Spezies BR. — Flandern, herumschweifen, Bd 1 1200.
Fress-: ein auf Essen recht erpichter, gieriger
Mensch Ndw. — Unser-licbeii-Fra iirn-Güegli:
Marienkäfer, coccinella, bes. sr|ii(iii-]iiiih t.ita Sciiw.
Syn. Gold-, Herr-Gotts-, Himm,!-. i l,r,sil;„.,Ut-. Mncta-
gottes-G., Herrgotts-Geissi, -Kadi, -Tierli. -— Gold-
Guege Ndw; Zg, -güeg(l)i B, -Guony GlMoII. : Gold-
käfer, cetonia aurata. Syn. Herrgotts - Küeli, Lieb-
Gottskäferli. Vgl. Gllss-G. — Git-: geizige Person
GRChur. — Herrgotts-Güegi B (Zyro), -Güegli Gr:
= Unser-L.-Frarien-G. — Mueter-Gottes-Güegli:
= Umer-L.-Frauen-G. S; Ndw.
Gliss-Guege" f.: l. = (;oW-ff. Ndw. \g\.Schln-G.
— 2. spanische Fliege. ,Denen, die cantharides (gleiss-
güegle) trunken habend.' Tierb. 1563. , Käfer, ein kraut,
gar grün, unden gel, welches etlich gleissgügle nen-
nend, cantharis, canthara.' Mal. — 3. bildl. von Pers.,
i. S. V. Gleissner und umgedeutet aus diesem W.
.Ermessend, was Christus und Paulus von glychsneren
und sömlichen glyssguogen erlitten habind.' HBull.
1531. ,Es wäre guot, das volk Hesse sich nit einen
yeden zänsler und glyssguogen verwirren.' ebd.
Mal. hat in seinem Beleg cantharis = fumaria, Erdrauch,
und cantharis, die Käferart, zsfliessen lassen.
Gras-Gueg m.: Raupe BLautbr. — Heu-Güegi
n.: Härchen, Spreustückchen. Spelzchen, das mit dem
Staub herumfliegt AASchinzn. — Holz-Gueg m.:
Wurm im Holz BR. — Himmel(s)-Güegi, -(e)li
= Unser-L.-Frauen-G. BE. H.-Gilegli, ßig »f, füg
uf, frag Vater und Mueter, ob 's morn reell schön si"
BBurgd. Es duecht Eim mängist, us de' schönste'
Himmelsgueglene sötts die tmsteste Donnerguege ge'.
Gotth. — Hunger-Guege: Person, die Alles essen
möchte S. - Hirz-Gur-: rTir.,l,l.;if,.r. Vmrr^rhrlArr.
lucanus cervus B. Syn. Khimii-. Kniiniif-. I )iiiiiH'r-(i.,
Hirs-Kcifer. — .loh'aiuu.-d ii.--, : l,,Mirl,i » un.irlir,,,
lampyris L. Vgl. Schm-, Zünd-(T., -Käfer. - - Kcller-
Gueg m. BHk., -Guege f. BE.; Ndw: Kellerassel,
oft unter morschem Holze. Syn. Keller-Esel. Bett-
seiker, Holzwäntele. ,Uie Kellerguege, die um un'' um
Schiebe [Beine] het.' Gotth. — „Christkindli-Gueg
m.:= Unser-Lieben-Frauen-G. W." — Korn-Guege.
-Güegi: brauner Kornwurm, calandra (curculio) gra-
naria L. — Chirsi-, Chriesi-Guege f., Schw; Ndw,
-Guogo m. W, -Güegi L: Baumwanze (auf Kirsch-
bäumen), cimex baccarum. Syn. Chriesi-Gauch, -Gagg.
Klemm- (Chlemmguege) t: = Hirz-G. - KIcmmai.
kneipen.
Krampf-Gueg m., Guege f.: = Hirz-G. ,B0.:"
Gr; „Schw;" Ndw. Syn. Hirz-G., Krampf-(K('ifer).
— Von kramp/en, kneipen.
I Lach-: Mensch, der viel lacht B.
iag-gug. «asg— gugg
164
Mn"^- Mügueg: Hausgrille S. Syii. Muchheitn.
— Miir-: Mauerkäfer BLangnau. — Mos-: ver-
zärtelte Person von beiden Geschlechtern B. Vgl.
Zinipfer-. Me'' wüsse a's menge Mösgueg us d'r
Stadt. Vgl. Mös-Kalb. Du M., du Zyberligränni!
GoTTH. — Mist-Guege f.: wahrseh. geotrupes ster-
corarius, Mist- oder Rosskäfer GRÜbS., Spl.; Uw. —
Reis-Güegi: Reiselust f's ü. fta-y FMu. Zxx Gueg 1 c
bildl. — Schi"-GuegZG, -Gue^e BS. (-»(-); S; UwE.,
-GüegOß BM., Stdt; „L;" Ndw: 1. = Juhannis-G. —
2. {ScMn-Guege f.) = Gold-G. USil.; UwE. Glänzender
Käfer UwE. Vgl. Gliss-G. — Schwabe°-Gueg f.:
1. Schwabenkäfer, Schabe, blatta oricntalis und ger-
manica Ndw. — 2. Hausgrille, gryllus domesticus Ndw.
— Spitz-Güegi: eine Art Birnen STh. Vgl. Gueg 2.
— Stink-Gueg BTh.; SG., Stich-GiMgo W : 1. Ross-
käfer, wohl scarabajus stercorarius BTh. — 2. Baura-
wanze, ciniex baccaruin SG. Syn. Gauch. — 3. Wurm,
stinkendes Gewürm W. Syn. GajL — 4. Mensch, der
durch Bauchwinde Gestank verbreitet B. Vgl. Stink-
gütterli.
Dunner- Donnergueg B; Zg, -güeg L (Ineichen),
-guegi L (Lüt.), -guege B; FMu.; S, Dmider- LVitzn.:
1. = Hirz-G. Syn. Dunner-Käfer B; FMu.; L; S; Zu.
Soll nach dem Volksglauben im Stande sein, Hagel-
wetter zu erzeugen L oder übh. schlechtes Wetter zu
bewirken FMu. Zuweilen verbunden mit Tüfel. ,Im
Namen des Teufels und des Donnerguegs.' Gotth. Der
Tüfel und der Donnergueg Hei mit enandere g'schisse";
Der T. hat dem D. E" Bitz vom Fiidle b'bisse» B. —
2. = Gold-G. Wenn er getödtet wird, erfolgt ein
Donnerschlag B. — 3. verwünschter Mensch. lez chöm-
mer no''' ne Donnerguege U"' gränn vier d' Wijber a"
[Drohung gegen Frauenverächter]! GJKuhn 1806. ,Die
rechten Donnerguegen' werden Freudenmädchen ge-
nannt bei Salat 1537.
Der Grund der mythol. Beziehung des Hirschkäfers auf
den Donnergott, an dessen Stelle später der Teufel tritt, ist
viell. der Aufenthalt des Käfers auf Eichen. Bed. 2 durch
Übertragung. Als Verwünschung kommt auch Tunncrs Guetj
vor, z. B. in einer .\nekdote von einem BOberländer, der
eine am Boden liegende Uhr für einen Käfer gehalten und
mit jener Schelte angeredet haben soll ; dann hat aber Tlonnn-s-
(mit ») allg. verwünschende Bed.
Walser-Guege f.: := Schwaben-G. Nuw.
Wie Walser in U als Bez. einer Bremsenart, vom Yolks-
namen der Walser (Walliser).
Wetter- f.: Salamander, Molch Gr, bes. der
Alpen-S., salamandra atra GrD., V., nach St. auch der
Maiwurni, nieloe pniscarabiBUs. Wenn d' Wettergüege
nidschi |al.wäits| innid, so tvetteret 's d'r ganz Tag
GRValz. W'i'HH !■ ritiic e W. infrässi, se müesti seh
[sie] zersjiri}i(ir. r\u\. Eine lebende W. im Lauf eines
Schiessgewehrs verbrannt macht dasselbe trefffähiger B.
— Zimpfer-, auch Zimper-Giiegli: 1. Herzkäfer L.
— 2. überfeine Weibsperson L. Vgl. Z.-Güggli. —
Zünd-Güegeli: = Johannis-G. B. Syn. Zünd-Käfer,
Schi'-, Zündehvürmli.
guege(n): Käfer fangen, sammeln Ndw.
Guegox s. Eidechs.
Gegüeg G'güg (-Ü--J: Gewürm BSi.
güegele(n): läppisch tun Gl. — g'güegelet:
läppisch, ebd. — Güegeli m. : läppischer Mensch,
der sich mit kindischen Spielereien abgibt, ebd.
Scheint zu Oaugel, Qäuijijd usw. zu gehören, da Über-
gänge zwischen ou und uu schon in der ä.Spr. vorkommen;
weiterhin dann auch zu mhd. ijietje, Narr.
Güegerte f.: = Gögerte GRPr.
Gägsch, Gägst s. Here'-Gägg.
Gugsch m.: Handlanger. Gehilfe GrD. (B.)
Scheint Lehnw. ; vgl. frz. ijoiiyr, eig. Magd, und :i<>uj<il.
Trossbube, Handlanger. Gr. M.' 393 giebt als Schweiz, an:
.Gugsch, ungebetener Nebenbuhler bei der Liebsten', stellt
das W. aber zu Kuckuck (als dem Vater der Hahnreie).
Gügscher ra. : 1. Hülfsperson beim Alpdienste
GrPt. (B.) — 2. Aschenbrödel, dem die harten Ar-
beiten aufgebürdet werden, ebd.
Gäegsch m.: dummer Kerl GlH. — Dass. was das
Syn. Güer/cli, mit vergröbernder Endung; vgl. auch i''H''jiji.
Gagg, gegg, gigg, gogg, gugg.
Vgl. auch die Gruppe (Jaij usw.
(iagg 1 BM., 0., Gägo W, Gägger 1 BO.; F,
„Gugägger B" m., Gägge (ka-), PI. Gäggi BSi.,
Gäggere, -ri B (auch ri); Sch f.: 1. verschiedene
vwdte, oft verwechselte und zsgeworfcne Vögel aus
dem Rabengeschlechte. Spec. a) „Rabe, corvus corax
W." — b) „Saatkrähe, c. frugilegus B". auch Korn-
Gägger. — c) Rabenkrähe, c. corone B. — d) Dohle,
c. nionedula B. .Gacke. dohle. ein vogel, monedula.'
Fris.; Mal. — En G. mechti eimel nit so gleitig ahi'
fliegen. Er ist wie ne G., so mager F. — 2. „oft wei-
nendes Kind Sch", mürrischer, unzufriedener, streit-
süchtiger Mensch, bes. von Frauen Sch; Z (Gägge).
Nach dem Schrei des A'ogels (gägg) benannt, mit welchem
er etwa spottend gerufen wird. Nebenher gehen Synn. mit
Anlaut Cr- und Gw-. St. hält Formen mit a und d nicht
aus einander und stellt auch den Häher (s. Oägg) hieher.
Gag-gäggn.: Gans (Kdspr.) Bs. Syn. G^äfjrä (Sulg.).
gagerageragägg, han e' Eilt g'lät [gelegt], ruft
die Henne Sch.
Gu(g)-gägg ra.: 1. unbesonnener Schwätzer. , dum-
mer Junge- Bs; BM. Syn. Gäggi. ,So hat's mancher
Gugag, wenn er in ein Amt kömmt, er meint, wenn
er einen Gagg lasse, so müsse, was er gegagget, da
stehen fix und fertig.- N. B Kai. 1845. .Jeder G. sei
gut genug in jedem Rat.- Gotth. — 2. = Gägg 2.
Gotth. Syn. Branzi. — 3. Mensch mit Glotzaugen
BM. (AvRütte). — Reduplicierte Form des vorigen, in 3
mit Anlehnung an gutjijen, schauen. Vgl. iju<H(i)aygen.
gägge (n) I: 1. von Vögeln, a) mit rauher Stimme
schreien, krächzen, wie z. B. Raben, Elstern, Dohlen
Aa; B (ausser Ha. u.U.); F; L; G 1799; SNA.; „W."
D' Lüt lan reden, d' Hund lan waulen, d' Vögel lan
gäggen und geng grad usi de recht Weg gan. Srnww.
1869. — b) gackern, wie die Hühner Bs; It St.""
auch Ap; Gl; Gr; Zg. Syn. gäggen, gägglen. Vom
Krähen der Hühner Ndw. — c) schreien, wie die
Gans G; .Sch; Z;" HPest. 1785; Sprww, 18'24. Syn.
gägen. — 2. von Menschen: a) stammeln, stottern,
eines organischen Fehlers wegen (wofür sonst gäggen),
oder bes. aus Angst, Verlegenheit, z. B. beim Her-
sagen eines Liedes Bs; B; L; G; Sch; UwE., It St."
Ap; Gl; Gr; Zg. Wenn i''' 's gägge" chönnt, RA.,
wenn man ein W. mühsam oder unrichtig hervorbringt
L. Er isch e so voll g'si", wie 'ne Sack, er hett nüt
105
Gagg, gegg, gigg, gogg. gügg
iu6
me chänue g. Bs. Syn. gäxen, stäggele'. Töricht reden
Aa; B; L; Sch; Schw;S. .Einer gaagget dem Andern
oin Vorurteil nach dem andern nach und Niemand
nininit [sich] die Mühe, darüber nachzudenken.' Gotth.
.Es sei hier nicht wie in einer Kirche, wo Einer das
Recht habe, vorzusingen und Jeder dem Andern nachg.
müsse.- ebd. .Wenn Einem etwas Neues in Sinn komme.
so meinten die Andern, sie müssten auch nache gagge.
sie seien sonst die Leidern. und so entstehe ein Ge-
brüll, dass Einem die Ohren surreten.' ebd. Er hat 's
(jMjget, ausgeplaudert SchwMuo. — b) mit widriger,
weinerlicher Stimme sich über Etwas beklagen ; mür-
risch sein, weinen Sch ; Z. Wenn 's [das Kind] nw
en Finger a'schlöt, so gägget 's grad. Syn. gäygen,
ginggen, trinstn. — 3. „knarren, z. B. von einem
Stuhle, dessen Beine lose sind Tu."
SchallDachahmung wie gägen, welchem gegenüber es aber
zur Bezeichnung der rauhern. widrigem Laute dient; vgl.
noch tjäggtii,
gl- (resj). gl-) I: 1. = gfiggen 1 h. — 2. u. 3. = gi-
gngeti 2 u. 3. Syn. gigäxeti.
Alle 3 Bedd. giebt St.' sowohl für gi'jägen wie für gi-
gagijen, in (') kennt er nur noch letztere Form.
gäggere(n): 1. schreien, wie Krähen, Elstern B
(neben gäggen). — 2. stottern. Er hat g'g-et, will 's
en Lug ist, weis er g'seit hat ^Tö.
Gäggi I m. : 1. Stammler. Stotterer, aus Angst od.
Verlegenheit Bs; L; S; UwE. Syn. Gäxi. Schwätzer,
dummer Mensch Aa; Bs; S. Du bisch en G., treibst
Spass mit mir S. Vgl. noch Guggi, Narr. — 2. (auch n.)
Krähe L (Kdspr.).
Giggi-: gutmütiger und dabei unbeholfener, lang-
weiliger Mensch. Auch (wie Gitzi-Gäggi) Eigenn.
eines Wildmännchens Gr. — Vgl. GiggU-üiujgiH.
Gu(g) gäggi m.: = Gu(g)gägg L.
gäggle(n): gackern (von Hühnern) F,T. Syn.
gägglen.
Gagg U BU.; GRpr.; ZoWalchw.. Güggn BM.,
Gägger II B. Gägg I Gl. doch meist als Comp.
Kriesi-, Kirs(i)-G. — m. : 1. Beerenwanze, cimex bac-
carum B; Gl; Gr; „Aa; VOrte; S." Syn. (Kriesi-)
Gaueh. — 2. Kohlwanze, c. oleraceus B.
Viell. Entstellung aus Gauch (s. d.), indem des üblen
Geruchs des Insekts wegen Anlehnung an Gagg, resp. GUijg,
Küt, statt gefunden hat. St. gibt als Syn. noch Gak an,
das wohl auf einer ungenauen Angabe beruht; vgl. Gaclt.
Gägg I Gr tw. (/.-), -ä- Kk, Gagga (-«-) Aa (Dim.
Gaggäli); Gr (auch i-); W. Gaggi (-«-) I Gl; Gr (/,-);
LG.; ScHW; S; Zg, auch -ä- AaZ.; B; L tw. — m.:
Kot. bes. von Menschen; auch als Interjektion des
Abscheus (Kdspr.). Liebe Zuluirer, d' Sund isch es
wiiesch's, ivüesch's Ätschi, es wüesch's Fidigäggi, soll
vor Jahren ein alter B Stadtpfarrer gepredigt haben.
Gäggi mache', cacare. Hellflüssiges Excrement von
Hühnern B. Schmutzfleck auf Kleidern. z.B. von
einem halbrohen Ei. Heidelbeersaft B. Unreinigkeit
übh. Gr. Das sind Alls nW Gaggi-Sach^,. Ä Pfiidi,
a u-iestn G.-Bueb bist du! Wiesti G.-Fingar<; hest
g'machiit Gr.
Synn. Agga (s. Bd I 155), Gägg; vgl. lat. eticare und
dessen rom. Sprossformen, bes. rätorom. cacc, cacca, Kot.
Die 2 letztgenannten Formen sind auch, wie zu erwarten, n.
Gaggel, Gäggel I. meist als PI. Ge-ggel, Gaggle',
Gilggle' m.: 1. = Gagel II 1 Gl; Gr ObS. (ö); GRh.;
,LE.; W.'- — 2. = Gagel 113 GO. Wie-n-i''' e sou-n-e
Blieb g'si" bi", ist Eim nit alle'' d'r Tmlfl z' Sing
[Sinn] ehw, wie dene" jetzige Hexe Gäggle. Prophet
18.55. — Vgl. it. caecale (PI.), Kot, und Anm. zu 'Gagtl.
Hase"-Gaggle" (PL): Sorte kugelrunder Erbsen
GRh.
gagge" I. auch -ene" GRPr.. Dim. -ele" (-ö- ZRafz,
k- Gr): cacare Gr; L; GRh.; Sch; ZRafz. Syn. gaglen,
gäggen.
Gaggis {-ä- B) m.: Kot, i. S. v. Gägg I B; nur
von Vögeln Aa; Z. - Betr. die Endung vgl. HraUa cte.
unter yc- Bd II 41.
Giggis Gaggis I: = Gägg I, bes. in der RA.: das
ist G. G., Nichts wert W. Auch Ablehnungsformel.
Vgl. Giggis Gaggis.
gaggle", abhi"-: herunterkollern, wie das Ei
vom Huhn, der Mist vom Pferde B (Zyro); GrHc.
Vgl. gäglen.
Gagglete" f.: 1. trockne, runde Excremente GW.
— 2. kleine Kartoffeln, ebd. Synn. in Bed. 1 u. 2 Ge-
gagel, Gaglete, alle in coli. S.
gäggele": sich gähnend strecken. Er g-t wider
umme', er ist z' ful zum Schaffe' TuTäg. Syn. gögen.
gägge(n) II: \. = gägen I Aa; Th. Klettern an
Wänden und Bäumen Nnw. Syn. gräggen. Hin und her
rutschen ScawNuoL — 2. aus einander klaffen G. —
3. ummc-g., läppisch grossartige Bewegungen machen,
die doch Nichts nützen, z. B. bei der Arbeit G oT. —
G äggi m.: langer Kerl, der sich läppisch benimmt, ebd.
Zu 2 vgl. gdgeim, aus einander stehen. Schon hier ist auf
einen nasalierten Stamm ganyg- mit vwdteu Bedd. zu verweisen.
gi- II, auch gü-: 1. = gigägen I Aa; „L". —
2. Versteckens spielen, auch Guggäggis (— GuggüsJ
mache".
ver-gu-: aus Unverstand oder durch Leichtsinn
verderben, vergeuden AAFri.; Bs. De'' chönnt 's no^''
lang giiet ha" [behaglich leben], loenn er si Sach [Ver-
mögen] nit so dummer Wls ver-g-gget hat. ,Wenn
seine Frau recht gewesen wäre und nicht alles ver-
guggaget hätte, so wäre es nicht so weit gekommen.'
Breitenst.
Vgl. vergägen, .durch Schwanken zu Grunde richten' und
die Synn. vergugijeren, vergänggckn, sowie auch Gugagg I.
Güggäggerei f.: Menge lose, (,schwankend') und
nachlässig auf einander geschichteter Gegenstände
AAFri. Syn. Gagerte.
Gägg II m. GRObS., Gaggeli I (ra.. n.). -le (f.)
GrV.. Gaggeier GRÜbS.: dummer, ungeschickter
Mensch Gr; G 1790 (.Gakeli'). Vgl. gäggen II und
Gäggel II.
gaggar s. gar.
Gäggel II (-i), Gaggi II, gewöhnlich als Comp.
Schelle"-G., auch Sch.-Goggeli, -Goggel m.: Schellen-
bube in den sog. deutschen Spielkarten, das Bild eines
Narren, mit einer Schelle in der Hand, darstellend,
also eig. .Schellennarr' Th; Z. Auch die betr. Karte
selbst, ebd. Synn. Schelle"- Under, -Biieb, -Bär.
Schlegel-Gaggel: Mohnkopf mit den Samen SB.
Syn. Kölbli.
Viell. nach der rundlichen Form, vgl. Gaggel I, u. Anm.
zu Gagel, viell. aber auch an den nach mittelalterlicher Sitte
mit dem Kolben (.Schlegel') versehenen Narren erinnernd;
s. noch GCiggi III.
Gagg, gesrg. gigg, gogg, gugg
Gaggt'läli, -läri i. -Lali, res\). -Lari.
g"gäggelig: buntscheckig, grell, von auffallenden
Farben,- grobem, rohem Dessin an Kleidern Z. Syn.
gaggelürig, fgjschlnig. — Mit Bezielumg auf Naneiiklei-
duug: vgl. Schwab. ,gakkelig' in derselben Bed.
Gäggeli II Aä; Bs; B; ScHwMa.. ,Gaggi III.
Gäggi P n.: Ei (Kdspr.). Vgl. die Synn. Gagg-Ei,
Bd I 17, und Gageli; It St. auch Gägi.
gagge{n) II: 1. gackern wie die Hühner, be.s.
nach dem Eierlegen „Aa;" Gl; VOrte; Z. .Gracillare,
gagken.- Denzl. 1677; 1716. — 2. scherz- oder spott-
weise von der menschlichen Stimme; vgl. gäggen. Si
gagget na [noch], aber leit nümme" [von einer be-
jahrtem Frau] ZS. Wenn i"" 's rhu'" </., wenn ich'.s
herausbringen, aussprechen kann. /. l;. 'in -rhwieriges
Fremdwort Z. .Weder gigg nndi t;ai;-Lrcii kiinnen',
s, frisch. Vgl. weder Gix noch Gax chönne". Stottern,
unzusammenhängend, unverständlich, sinnlos, zur Un-
zeit reden. Etwas ausschwatzen, „allg." ,WelIiche
dero [der armen Leute] spotten und uf sie gaggen,'
1510, S Wochenbl. Abi, Gäggi.
Vgl. zu letzterer Stelle girrn, spotten, mit der Geberde
des Rübchenschabens; viell. urspr. ein Verspotten unter
Nachäffung der Stimme.
gaggere(n): gackern GScv.
gagg(e)le(n): 1. gackern, von Hühnern, wenn sie
ein Ei gelegt haben B; F; GoT.; SB.; Obw, it St."
auch Ap; Gl; Gr; L; Zg. Vgl. gaxen. ,Sie sagte,
die Hühner werden heute manch Ei gelegt haben,
sie hätten den ganzen Morgen gegaggelt.' Gotth. —
2. (auch gaggelen) stottern, unbedachtsam, dumm,
hastig, ohne rechten Zusammenhang reden AaEtI.;
SB., It St." auch Ap; Gl; Gr; L; Z«. Denk z'erst,
ob d' vo-n-ere Sach Öpjiis seisch und chunnsch clio'
g. dervo". Syn. gäggen. — 3. „hadern, zanken F;"
vgl. gäggen. — 4. hellauf, stossweise. in hellen Tönen
lachen B. Syn. gagelen. ,In cachinnum erumpere.-
Id. B. — Gaggli m. : wer laut und auffällig lacht.
Gaggermäng, bim G.: euph. verdeckter Schwur für
.Sacrament.- Balz 1781. Vgl. Hackerment.
Gäggi III n.: Mohnkapsel BS.
Vgl. das Syn. Schlegel -Gmigel: dass im BS. trot« der
frz. Nachbarschaft frz. vonue. Schale der Eier und gewisser
Früchte, mitgespielt habe, ist nicht aazunehmen.
giggis gaggis II (gäggis) in dem Spielvers: G. g.
Eiermues, malt viell. den wackelnden Gang der Gänse
oder ist identisch mit Giggis Gaggis I.
Gägg II GT.; S, Gäggel I L (-««-). Gägger B;
S (-rf- SStdt) m., Gäggi I (m., n.) .Aa; Gr; L; GT.;
S; Zg; Z, Gäggle f. L: 1. {Gäggi n.) Holz mit einem
eingespannten Grashalm, das unangenehm tönt Gr.
Syn. Bäggi. — 2. (m.) wer langsam, undeutlich, un-
schön und töricht schwatzt Aa; B; S; Zg; Z. Syn.
Gäggi. — 3. verschiedene Vögel, a) Häher, bes. Holz-
od. Eichelhäher, garrulus (corvus) glandarius, weniger
der Tannen- od. Nuss-H., der als Strichvogel nur etwa
im Herbst aus dem Norden zu uns kommt AAWohlen;
L;GT.;S. Syn. Greggern. - b) ß:rähe AAWohlen. —
c) Reiher GT. (Wyl). — St.'s g für «;/ beruht wohl nur
auf ungenauer Angabe.
Here"-Gäggel, -gger, -ggi, -ggis (L), Herre'- B;
L: = Gägg 3 a B; L; S; Th (Pup.). Synn. s. bei
Heren- Vogel.
Chriesi-Gägget, -Gäg^t, -Gägi: = Gägg .? n Gl.
— Er frisst gerne Kirschen.
Nuss-Gägger: Nusshäher S.
Schnäderi-Gägg f.: Schwätzerin Bs. — Tautolog..
da Kchnäilereit auch ,schwatzen' bedeutet. Syn. Sehnädeic
Gägg III in der E.-\.: G. mache', schreien, wie
ein geschossener Hase, der verendet AAFri., daher
auch übh. : verenden. z.B. auch von Hühnern, ebd.
Vgl. gäggen I :i b.
gägge(n) I Aa; „B;" Gr; „VOrte; L; S", gäggle"
GfiPr, (k-): unangenehm tönen, eine widerliche Stimme
hören lassen, a) von Menschen. 1) von Erwachsenen,
mit einer kreischenden, durchdringenden, gedehnten
Stimme singen oder reden, z. B. wie ein vor Zorn Er-
regter ,B; Vürte." (gäggle"J spötteln, kritisieren
GRPr. Er hed über Das und Anders albig nw z" g. g'ha".
— 2) von Kindern, weinerlich, einfältig sprechen Aä;
,B; S." — b) von Tieren, hell und widerlich schreien,
z. B. wie ein Kalb, ein Häher, wie Hühner, Raben
Aa; Scbw. F'' wett lieber lose", wie d' Hüender gäggi d,
tceder di''' g'Mre" verzelle". Vom Schreien des ver-
endenden Hasen AAFri. Vgl. Gägg mache'. — c) vom
Ton des Gäggi, s. Gägg II 1 Gr.
Lautmalend wie gägen II i, gräggen u. räggen. Gäggen i* h
wie mäggen von der Stimme der Ziege; ähnlich gügen und
güggen.
US-: auslachen, verspotten Aa; GRPr.; Z. - Viell.
zu gägg-n«.
ushin (usej-: mit verstellter, kreischender Stimme
zum Zweikampfe herausfordern, wie junge Bursche
beim Kiltgang gegenüber glücklichern Nebenbuhlern
tun, welche schon bei den Mädchen in der Stube
weilen S (Schild 1885).
gägg-üs, emph. -üss: Interjektion zur Beschä-
mung eines nackten Kindes AABb. Vgl. Gägg.
Gägg IV Aa; SchwE., Gäggel II Z, Gäggeli
GW., Gäggi II Aa; Ap; Gr; G {Gägi GoT.); Siii;
ScHW (rf); Th; Z, Gäggis ScH m.: 1, en lange" G.
(Lang-Gägyi), hoch aufgeschossener, hagerer Mensch
mit wiegendem Gang Ap; G, Vgl. Gagel, Ganggele.
— 2, langsamer, allzu bedächtiger Mensch, Tändler
G; Schw; Z. Syn. Gräggi. Bos. verächtlich von alten
Leuten GrV. — 3. zaghafter, ratloser, unentschiedener
Mensch, Feigling, Memme Aa; GW.; Scu; Schw; Th; Z.
— 4. Narr, Geck SchwE. (GäggJ; ZO. Und n-enii er
das niid täti, so tcär er jo en Gäggi. (Viell. aber
zu 3). Stütz, Syn. Gäuggel, Gäuggis.
Zu gäggen II. Diese und die ganze folgende Gruppe
enthalten lautmalende WW.. welche d.is Geringe, Verächt-
liche bezeichnen wollen, ähnlich wie die nebenher gehenden
Synn. auf H, e (ei). St. giebt für dieses W. (Bed. 3) und
dessen Abll. auch viell. unzuverlässige Formen auf g statt 77
(,LE.; Z"), doch vgl. auch geglen.
Gäggel lU («) m.: Zustand der Schwäche, Kraft-
losigkeit, Unbehaglichkeit L. Er het de" G., er ist
krank ohne Aussicht auf Besserung.
Viell. = Gäggel II, pers. gedacht ähnlich wie Tuileiiih,
Zitier; daher werden die Abll. von diesem W. vnn uns im
Folg. nicht mehr geschieden.
fiagg, gegg. gigsr, gogg.
170
gäggelig, „gäggelhaft", gäggig: 1. tändelnd.
Von Sachen: leicht auszuführen AaSI — 2. furcht-
sam Z. — ö. {.gäglig") unbehaglich, schwächlich, in
der RA.: Es ist mir gägglig, nicht wohl L.
gägge(n) II, Dini. -elc: 1. sieh auf dem Stuhle
wiegen Ap, verstärkt auch guggäggle' Ap. Syn. gägen,
gftggen. — 2. ohne Ernst und Fleiss arbeiten, sieh
nicht rühren, nicht fertig werden, tändeln, über Kleinig-
keiten die Hauptsache vergessen Aa; G; Z. ^yn. gäg-
gelen, geggelen, nnggeJen, tdggen, teggelen, tihen. —
4. keinen Mut haben, sich scheuen Z. — Vgl. Gr. WB.
,a;,iken, gäken', gaffen.
üs-gäggle"; in der RA.: er chönnt mf'' us-g.,
sterben L.
ver-gäggele(n): 1. (trs.) verzärteln, verwöhnen
(Kinder) AAÖt; Ap; Z. Syn. vergöggelen, -geggelen,
-teggelen. — 2. vor Übelkeit vergehen. I"* mues zum
Zug US, siist rergäggl-i''' no''' [werde krank] L.
(iägg (resp. n) Z. Gäggi I Aa (tw. d); Ap (neben
Gd-,gägga); BHk.; Gl; L;GEh.; ScHW; U; Uw; Zg;
Z, bim. Gäggeli 1, Gäggis Bs; Th m. (resp. n.):
= Gägg I, als Subst. und Interjektion. Lach 's [lass]
si' [rühre es nicht an], 's ist G. 's Engeli seit : Gugg,
g., wärist hrävner g'si". JKMev. 1844. Ver.stärkt:
ä gägga kv; GEh. Allgeraeiner für Nichtiges, Unbe-
deutendes. Bas ist G., dumm'es Zeug Gl. Du bist
en Ma'" wie Gäggi, etwa mit dem an sich sinnlosen,
die Beleidigung verdecken sollenden Zusatz: Und ene'
lief de" Finger verhroche" GRh. Vgl. Giggis Gäggis.
Vgl. Anm. zu (läyy I, sowie Jie Synn. .Aijg, A<jyi, Äk,
welche ein ähnliches Schwanken des Voc. zeigen, je nach
dem mehr oder weniger emphatischen Ausdrnck. S. (jCiijg-üit.
gägge(n). Uim. gäggele(n) I: \. ^ güggen I kv.
~ 2. nach Kot riechen Ndw. — 3. „wie Kinder mit
nassem Kot .spielen Gl.;*- mit Unsauberm zu tun haben
Ndw. Syn. kötlen, dreckelen.
(Jäggel B (Göggel It Bs Hink. Bot 1877) ra.:
Narr B. B's Gäggels werde' (sl"), gutgelaunt, über
Gewohnheit aufgeräumt, närrisch übermütig werden
(sein). Sehr häufig bei Gotth. u. Addr. 1877. ,l)ie
Weiber wurden [über dem Essen und Trinken] z' [d's]
G-s und brichteten sich alle Lumpengeschichten, die
sie in ihrem Gedächtniss hatten.' Gotth. — Vgl. autiyyel
und den analogen Gebrauch von Jfarr.
gäggele(n) II: = gdgijen II 3 Aa; B; S; ZRafz.
De Adolf het Gn [Lust] gha für Mechaniker z' werde",
er het geng Öppis gOggelet it"'' g'macht. Dr. Bari 188.3.
Ohne Dauer zureclit machen L; Uw. Bes. von Kindern,
welche spielen oder das Tun der Erwachsenen nach-
ahmen B. Syn. gäugglen, gänggelen; g'vatteren. Eine
Arbeit sehr langsam ausführen, um sie schön zu
machen BE. — Mit Mühe Etwas abhauen AaZ. Syn.
gigtigen I, gäxlen, näggelen.
St. giebt dieselben Bedd. für gägrjihn und gänggelen,
sowie auch für gäggehn, indem er die Formen nicht aus ein-
ander hält. Für Bs u. LE. gibt er auch g an, wahrsch. nur
mit ungenauer Schreibung.
Gäggeler, -li m.. Gäggele f.: 1. Tändler. Pe-
dant. ,der in kleinen, niedlichen Dingen und deren
Aufputz sich gefällt" BÜ. Schlechter Arbeiter. Pfu-
scher B; „L; Obw." Gäggi, Gäggeli (n), spielejides,
etwas kindisches Mädchen B, schwächliche Person.
— 2. Geizhals, sein Interesse kleinlich verfolgender
Mensch BBc.
gäggelig: = gäggelig B.
Gäggi II m.: = Gäggeler 1 BO.
Burrli-GSgger m.: 1. schlecliter Tabak AaF.,
Z. 181.") (.-Gäger'). — 2. VV'ein von geringster Qua-
lität Z. — Vgl. das Syn. Burrli-Gtger und die Anm. dazu.
Gäggi UI (d Gr tw.), -is BHk., Gäggle. Zschokke
1797: Kerngehäuse des Obstes B; Obw. in BE. nur
der Birne; auch nur der Butzen des Obstes. Weder
Stil no''' G. hä", der erforderlichen, wesentlichsten
Merkmale entbehren, nicht sein, wie es sollte, wie
Obst, das weder Butzen noch Stiel hat BÜ.; keinen
Sinn haben BHk. Synn. s. bei Flieg, Gigertschi, Güegi.
Viell. zu (•'Aggi, Kot i. S. v. ,wertloser Abfall'; doch ist
auch an Gayyi III zu erinnern, wenn die gms. Bed. Frucht-
kapsel wäre.
Giggis Gäggis: verdeckte Schelte in der Formel:
Ihr sind e G. G., 's ist Philipp und Jäggis L. Er-
fundener Personenn. bei NMan.
Soll offenbar wie Giggis Ouggii Geringschätzigkeit aus-
drücken ; das VV. verhält sich viell. zu Gägg III wie Giyyi»
Gäggis I zu Gägg; vgl. auch Gägg IV.
Ganggel I n.(V): I. Gaukelspiel, Blendwerk. ,Noch
so narrest du die einfältigen mit solchem gouggel.'
Zwini;li. ,So forchtend si des bap.sts gougel [d. i. den
Bann].' Vad. — 2. Dim. Gauggeli, Purzelbaum. Ds
Güggeli welpe oder ,stützen': 1) Purzelbaum machen.
2) Bankrott machen, fallieren B oSi. Synn. s. bei
Geiggle'.
Mhd. gougel, goukel n., närrisches Treiben, Possen, Zau-
berei, Blendwerk; das Stammw. von gäugglen usw., daher
Bed. '2 i. S. v. yaugglen — umschlagen, körperlich und iiko-
nomisch. Gauggelhusen, Flurn. LE.
Gangge" m.: vorderer, keilförmiger Teil eines
Holzgeschirres, aus welchem man den jungen Kalbern
zu saugen gibt GrV. ,Goggenschnabel.' a.Geschlechtsn.
Z. Syn. Gögel, Gäuggel 3, Gonggen, Götsch, Zaugge".
Wie die Synn. Zaugge' und Zolgge" neben einander vor-
kommen, so scheint auch das vorliegende W. nur Nbf. zu
dem Syn. Golgge" zu sein.
ganggerle(ii) : sich hin und her bewegen, von
Bändern, Troddeln udgl. Gl. — Frequentativ zu ynuggkn
in derselben Bed.
gauggle(n) gaugl- BBrisl.. kü^ggle' B oSi.: 1. leb-
hafte, meist scherzhafte, Bewegungen machen, z. B.
purzeln, culbuter B oSi. Vgl. Gauggel. ,Ich mein, ich
wöll dich gauglen lehren, dass du muost d' fiess gen
himmel keren.' Com. Beati. Syn. geigglen. Bildlich:
Bankrott machen (.umstürzen') B oSi. Insbes. a) vom
Zeiger bei Schiessübungen, der, wenn ein sehr guter
Schuss gefallen war, vor der Scheibe, auf der er den-
selben .zeigte', entweder eine Puppe g. liess oder es
selbst tat B; L; Schw; Zo; Z. S. Gauggler 3, 4. I"
dem Takt, wo d' Musik macht, wird das Pröggemensch
erschaugglet, dass 's für all die Nare gaugglet. Nägeli
1842. — b) spielen, Spass treiben, sich mit einander
belustigen. Von Kindern GlH. (weniger roh als feien,
Bd I 63'2/3); Gr. Höred uf g.! zu Kindern, die sich
um frische Kuchen zanken. Joach. 1881. Syn. gäugglen,
gölen, göpen. ,Sy gougleten in dem bett unibhar. als
dann kinder tuon.- Zielv. ,Dänzle, springe und gaukle
nicht mit den Kindern, wie die Katze mit der Maus.-
FWüRz 1634. Von Tieren, bes. jungen Hunden und
Katzen .UWohl.; Bs; PMu.; L. D' Chue g-t mit dem
Gagg, gangg, gegg, gigg, gogg, gug
172
Bind. Häpl. Mit jungen Hunden und Katzen Spass
treiben Gr, mit dem Vieh seine Kurzweil haben W.
Von Erwachsenen: sich vor Freude ausgelassen und
fast närrisch lustig geberden, den Narren machen L;
U; Zg (mit enand g.); bes. von Liebenden: tändeln,
schäkern, kosen L. Im , Kuhreihen' der Emmentaler
singt die Sennerin: Wenn V'' de"" soU ga" melche, so
steit wer d's Chueli nit recht : Da stelle-n-i''' d's Chübeli
nebed si u"' gauggle mit dem Chnecht. Kühreib. 1826.
,Dass der Ehstand nüd zum Naare und Gauggle g'ordnet
ist.' PHeng. 1836. —Vom Feuer: Wenn's Für flackret
und gaugglet L (Schwzd.). — 2. lässig, faul in der
Arbeit sein, von Menschen und Vieh Gr ObS., V. Vgl.
gäggelen. — 8. trs., auch üf-gaugglen, eine liegende
Tanne an einem Ende durch ein oben auf dieselbe
gelegtes und mit Kette daran befestigtes Querholz
(den Gauggel, der als Hebel dient) aufwinden, so dass
der Baumstannn in die Schwebe kommt und der Wagen
zum Aufladen darunter geschoben werden kann ZZoll.
S. Gäuggelß. — 4. zaubern, d. h. seltsame Geberden
machen. F'' weit em 's nüd besser g., er hat's lange
gut genug GlK. — 5. betrügerisches Spiel treiben.
,Lueg yetz, wer mit der g'schrift gougle [leichtsinnig
umspringe].' Zwingli. ,Das Mess-Gauglen', das Gaukel-
spiel der Messe. ClSchob. 1699. 1879 hausierte in Z
ein Ap-Knabe mit Lebkuchen. Er hatte im Porte-
monnaie Brosamen, angeblich, weil dadurch verhindert
werde, dass das Geld gauggle [Gaukelspiel treibe, d. i.
wegkomme, gestohlen werde].
Mhd. gaukeln uud ijuutjeln, Possen, Zauberei treiben. Die
Kehllaute schwanken seit alter Zeit; bei uns überwiegt im
Auslaut der Stammsilbe entschieden gg (k). fc in B oSi. ist
ein Beispiel der in Gebirgs-MAA. nicht seltenen Verhärtung
im Anl., vgl. z. B. Gifer, Ovyger, Gül. Mit gUugglen fällt
gauggkn in Bed. 1 b zusammen, aber in den andern keines-
wegs ; auch ist güugglen von Gäuggd, gaugglen von Gaug(g)el
gebildet. Bed. 4 schliesst sich au 1 an, insofern das Gauggle'
des Zeigers auch einen Gliickszufall (nur einen bereits ein-
getreteneu) bedeutet.
u f - s. gaugglen 3.
ver-: zum Gespött machen, als nichtig darstellen.
,So mag er das alles in zwyfel bringen und ver-
gougglen, dass der einfalt nit weisst, woran er ist.'
HBüLL. 1563.
Hechel-Gauggle f.: Fasnachtsraaske, verklei-
detes Weib mit einem Spinnrocken Bs. Syn. Hutzgür,
s. d. ,Solle das Masquieren gänzlichen vermieden und
vornemlich die sog. Hechelgaugelen von den Wacht-
knechten ab den Strassen weg und in Turn geführt
werden.' Bs Ref.-Ordn. 1758.
Die (jetzt aussterbende) Maskenfigur stellte wahrsch. die
sog. ^alte Fasnacht', mittelbar den absterbenden Winter vor,
und war das Gegenstück zu der vor Weihnacht in ähnlicher
Gestalt umziehenden Chlungeri (Frau Berchta, Holda), welche
das Gespinnst der Frauen überwachte.
Gaug(g)ler, Gäug-, Goig- W ni.: 1. Spassmacher
GfiObS.; bes. im W eine vermummte Person, auch
,Spielnarr' oder ,Narr im Spiel' genannt, welche das
Volk mit dem Vortrag von Spässen, ,Goigler- oder
Narrensprüchen', belustigt, t. in den dort von Alters
her üblichen volkstümlichen Schauspielen den Prolog
sprechend, oder Zwischenscenen ausfüllend, t. selb-
ständig auftretend, so bes. als Hauptperson bei der
sog. ,Fänderhesatzung' (Neuwahl des Bezirksvorstehers,
eig. Fahnenträgers, s. Bd 1 831/2) ein vermummter
Bursche, der mit einem Stäubsack versehen, von einem
Trupp Knaben und der '.Gauglerin' (s. d.) begleitet,
unter den jungen Leuten herumspringt, dabei ge-
legentlich hoffärtige Mädchen mit Staub bewirft und
übh. allerlei Schabernack treibt. ,Diss schowspiel sye
glycli sam die gogler hinter einem umbhang bossen
trybend.' Kessl. .Praistigiator, ein gaugier oder Zau-
berer.' Fris. .Petaurum, allerlei gauglerzeug oder
gaugelspil; petaurista, gaugier, der luftsprüng treibt.'
ebd. ,(jaukler, so allerlei possen, weis und berd an-
masst' Mal. ,Der gauklerzeug, gaukelspil, allerlei
gattung mit ringen, leibsubungen und lüftsprüngen.'
ebd. .Von gouggleren und derglychen g'sind. Mit
der gauggleren, vermumbten personen, kunzenjageren,
springeren, seilgängeren und derglychen lüten lycht-
fertigkeit.' Z Mand. 1627/28. ,üm des während des
Krieges vermehrten Gesindels von allerlei (iäuglern,
Strolchen, ausgerissenen Soldaten usw. loszuwerden.'
1673, Absch. ,Die gaugier bringend auch vil durch
ire geschwinde zwegen.' LLav. 1670. ,Der Pfaff steht
vor dem Altar vermummet, macht allerlei Fechter-,
Gaugier- und Kunzenbossen.' ClSchob. 1699. S. auch
afentüren Bd I 164 und Gogler. — 2. Narr, i. S. v.
junger, unverständiger, übermütiger Mensch. Er hat
d' Goiglerschuo'' no'''nit üsgizogen W. — 3. der Zeiger,
der einem Schützen, welcher genug Nummern ge-
schossen hat, um einen Becher zu beziehen, beim Zug
vom Schützenstand nach dem Gabentempel und der
Festhütte vortanzt. Früher auch die einen Hanswurst
vorstellende, aus Papier vcrlertigte, bewegliche Puppe,
welche nach einem besonders guten Schusse über der
Scheibe aufstieg L. — 4. guter Schuss in der vor-
nehmsten Scheibe, weil auf einen solchen hin der
Zeiger mit dem roten Fähnchen oder mit seinen Glie-
dern allerlei Bewegungen macht, ,gaugglet' L; Z;
s. gaugglen 1 a. — 5. (Flurn.) im Gaugier ZTrutt.,
Gaugieren F. Gäugetspil S.
Mhd. gtiuk-, goug-elaere, Zauberer, Taschenspieler. Ahd.
,Maleficos, caucalara.' Rheinauer Gloss.
Mül-: Maulheld, Spötter, Witzbold. ,Der Floren-
tinische Maulgaukler Poggius.' Wurstisen.
Gaug(g)leri" f.: bei der ,Fänderbesatzung' (s.
GaugCgJler 1) als Weib verkleideter Junge, der eine
grosse Puppe herumträgt W.
gaug(g)lerisch: trügerisch. ,Und ist [das Trei-
ben der Pfaifen] ein gouglerisch wesen.' NMan.
Gaugglete" f : heftiges Lachen, lustiges Treiben.
Gester isch e recht i Gougglede g'si", 's Schüli [Julie]
und d' Mägd hai zämme g'lacht, ''ass me" 's im Hüs
g'höi-t het; 's isch e rechti Gugelfuer g'si' Bs (S.).
gaugglig: zu Spiel und Scherz geneigt Ndw,
flatterhaft S.
Gäuggel, Gauggel II, Gäugel (au und äu Aa
Wohlen; Bs; B; S, ai und äi Ndw, äu vorherrschend
oder ausschliesslich AAZof.; GWe.; ScHSt.;-ScHw; Z,
au AAFri., Zein.; ZKn., ei Sti'tz). Gäugel BBrisl.;
ScH m., Dim. Gäuggeli u. Gauggeli: 1. Possenreisser,
Hanswurst, Spassvogel, meist nur gelegentlich im ge-
selligen Privatverkehr AiFri., Zein.; L (,den G. ma-
chen'); Ndw; Sch; SchwMuo.; Z. Doch auch: ver-
mummte Person zur Belustigung des Volkes bei Festen
AAZof ; L. Syn. Bögg. .Ein Bär tanzt wie ein G.'
PHeng. 1836. ,Den Bülimann muss bisweilen der
Geuggel, 's Bauggi vertreten.' Uw, It Lüt., Sag. —
biiK,!,'. RilllSÄ. «'•'S-K- SiffS- gogg. gugg
■_'. a) einfältiger Mensch Aa; Scu, Geck B; L, fader
Kerl Bs, auch Göyel, Gäuggel; der Alles mit sich ma-
chen lässt S. Öyn. Tschöli. „Person, die gerne tändelt
und dahlt; bes. kindisches Mädchen Aa; B; S; Vw;
Z." Ähnlich wie Narr halb ernst-, halb scherzh. als
Schelte L. In dieser Bed. oft das Dim. B; G, schäker-
suchtiges Mädchen L. E'" verliebts G-i B. Vgl.
Gäuggeli-Ärbät Bd I 423. Auch von schlecht ge-
zogenen Hunden und Katzen AAWohl. Syn. Göggel.
Vgl. gauggkn 1 h. — b) leichtsinniger, eitler,
junger Mensch Sch, der nur der Lustbarkeit nachgeht
L; Z, verblendeter, kurzsichtiger B (v. Rütte); halb-
erwachsener, der sich schon gross macht Z, Person
ohne sittlichen Ernst und geistigen Gehalt, die sich
gern putzt und herumschwänzelt, bes. vom weibl. Ge-
schlecht, z.'B. Mode"-G. B;SB., hochmütige Frauens-
person GWe. 's nimmt mi''' Wunder, dass d' so en
G. hiröte magst Sch. Freti-di''', Wlb und Chind, de''
Vatter (ÄttiJ ist en G.! ZHed. (a.Spruch). E so en
junge G. müesst mer g'cogtet si". Stütz. ,Die jungen
Geiggel heutzutage, wo gerade so viel von Führung
eines geregelten Hauswesens verstehen, als eine Kuh
vom Tanzen.' ebd. ,Bci rechten Gäugle b'schüsst das
Alter nicht viel.' Gotth. ,Der Vater ist oft Gäugels
genug [und lässt die Kinder Staat treiben].- ebd. (vgl.
Gäggel). Wider emol de" G. abla", recht lustig sein.
Gäuggel werden die schwäbischen Uferanwohner des
Bodensees von den schweizerischen genannt, diese von
jenen Sebueben TnTäg. Früher auch Geschlechtsn.
.Heinr. Goügel.' 1444, Z. ,Jos Geugel' (neben .Göugel').
150(5, JJRüEGER. — 3. (Gäuggeli) schnabelförmige
oder dreieckige Mündung von Gefässen, z. B. Milch-
töpfen Ar (Dim.); Gr; GTa., auch die Röhre, durch
welche die Flüssigkeit aus einer Kanne gegossen wird
GRh. (au). Syn. Güggel 6, Zäuggel, andere s. bei
Gaugge". — 4. „('Gäit^/f/eZO Schnörkel, überflüssige,
geschmacklose Verzierung GRÜbS.;" s. Schnarr-G. —
5. ßu) Seil zum Fällen von Waldbäumen, nachdem
sie an der Wurzel gelöst sind Z. — 6. fauj Vor-
richtung zur Hebung einer Last, bestehend aus zwei
vertikal stehenden Brettern oder Pfosten, in denen
sich einander gegenüber je 2 Reihen Löcher befinden,
in welche eiserne Bolzen gestossen werden, auf denen
der Hebel mit der daran befestigten Last aufliegt und
successiv aus einem Loch in ein höheres gebracht
wird. Syn. Heblad. S. noch gattgglen 3.
Der Uutei'schied der Lautformen mit au und äu ist
lliessend, wenigstens für 1 und '2, ebenso der der Bedd. 2 a, b.
Bedd. ö und 6 schliessen sich am nächsten an den Grund-
begriff: auf und ab, hin und her bewegen, an. Betr. Bed. 3
vgl. Anm. zu Gaugge^.
Fasnacht-: Verkleideter an der F. AAZof. -
Guggis-: Neujahrsgebäck aus Mehl, Eiern, Zucker und
Gewürzen, von rundlicher Form ZO. Syn. Gugellwpf.
Hübsch-: komische Figur, die zu Neujahr als
Begleitung der Kirchensänger, welche Weihnachts-
lieder sangen, im Dorfe LGross-Dietwyl (und viell.
auch anderwärts) herumzog. Sie war in Rot und Grün
gekleidet, d. h. es waren an ihren Kleidern grüne und
rote Zotteln angenäht. Kleine Schellen hiengen um
den Leib des H.-G-s und er trug eine rot bemalte
Holzmaske mit grosser Nase, zugespitzten Ohren und
Hörnchen. Zwei geradeaus stehende Kräheuflügel zu
beiden Seiten des Kopfes waren für ihn charakteri-
stisch. Er knallte mit einer Peitsche in der Hand,
tanzte nach dem Takte der Musik, machte Kapriolen
oder hielt Begegnende an, um sie nur gegen ein kleines
Lösegeld wieder frei zu geben. Gemeinsam mit den
Sängern und dem zierlichem H.-G. zog das Zerrbild
desselben herum: der ungeberdige, eine abscheuliche
Teufelsniaske mit Fledermausohren und aufrecht ste-
henden, grossen Hörnern tragende Wüest-Gäuggel, der
schwarze, rote und grüne angenähte Zotteln trug.
Dieser raunte wild herum, erschreckte und fasste die
Leute an und forderte ebf. Lösegeld. Er hielt sich
länger als der längst vergessene H.-G. und hiess ge-
meinhin Glünggel (Mitteilung von JBucher).
Beide Figuren sind wohl tj-pische Gestalten der in Luzern
so beliebten Osterspiele gewesen und wirklich kommt der
Name des H.-G. im Texte der Osterspiele vor. Er scheint
die Rolle Lucifers, des gefalleneu Engels, gehabt zu haben,
während sein Gegenbild den Beelzebub vorstellte.
Bä-: närrischer, leichtsinniger Mensch Z. — Bä-
wahrsch. entstellt aus bar- in bun/äugi/w-li, s. d. Vgl. Syn.
Bamuggd.
Schnarr-: 1. Schnörkel; gewundene, geschlungene
Zierrat Schw; Zg; ZF.; auch Schnörkel zur Unter-
schrift U. — 2. gaukelhafter Mensch LG.
Bei 2 ist wohl an schnarrende Stimme zu denken ; bei 1
an engl, tnare, Schlinge, Strick, wozu , Schnur' den Ablaut gibt.
Spar-: Geck ScnSt. Syn. Spargäuggis.
,S;)«r- viell. zu .sperren', von absichtlich verschränkter
oder unbeholfener Stellung der Beine; vgl. ,Sparren', Sperr-
balken, aber auch lurgänggiach, wo » abgefallen sein kann.
Oder zu Spar- (ahd. npm-u, Sperling), eig. also ,Vogelscheuche' ;
vgl. Hanf-LüU.
gäuggel-haft, -ig, -locht, -massig: närrisch
ausgelassen, possenhaft oder zu Possen geneigt. G.
tue", Possen machen Uw. ,Weil Annelisi zuweilen
etwas gäugelhaft war, so trieben sie oft ihr Gespött
mit ihm.' Gotth.
„gäugge(n): 1. geckisch tändeln, mit Etw." Syn.
göggen. — 2. zum Narren halten. Gäugg mi''' nit!
zu einem Lügner. Sprww. 1869. Syn. gäuchen, gäuken.
Gäuggis m.: I.Geck ScuSt. (auch mit einfachem (/).
— 2. „penis Z." — 3. Ge.schleehtsn.: ,Heini Göuggis.'
15'27. TuEschenz.
Betr. die Endung -i», die sonst meist coli. Begriff mit
sich führt, vgl. Gäggis s. v. G&gg IV.
Fidi-, Fisi- s. Fisigäuggis Bd I 1078.
Schnäug- Sclmaiggaiggis m. : Brodschnitten in
Eiern und Butter gekocht, oder fein zerschnittene
Zwiebeln, Pfeffer und Salz, Essig und Öl, als Tunke
zu .geschwellten' Kartoffeln Bs.
Von schnäuggen, schnüffeln. Die End. -i« oft an Namen
von Speisen. Die Bed. von G-t in dieser Zss. ist unklar,
viell. die eines bunten Durcheinander; auch ruht der Ton
auf dem zweiten W., was auf Entstellung aus einem Fremdw.
deuten könnte.
Spar-: Geck, Hasenfuss ScuSt., s. Spargäuggel.
bargäuggisch (auch p-): sonderbar, lächerlich,
auffallend, übertrieben hoffärtig. bes. von Kleidung
Aa; B; Z (St.'). Syn. barjäggisch.
Bar- viell. aus spar-, s. d. Anm. zu SjKirgüuggd. Vgl.
aber auch bar- in barhämmUch, steif, unleuksam, eigensinnig.
gäuggle(n), gäuggele(n), -6i- Ndw. -oi-BoHa.;
Obw. -gl- W, -gel- Sch, -ggel- B; L; UwE.: 1. wesent-
lich = gaugglen 1 b: Possen machen U; UwE., den
Narren. Hanswurst und Geck machen Aa; Ndw, spielen.
175
Uagg, gaiigg, gegg. gigg, gugg. gugg
176
von Kindern BErL, possierlich wie junge Katzen Aa
Zein. ; UwE. ; von Erwachsenen: tändeln, kindisch
sich geberden und belustigen Id. B (.puerilia tractare') ;
S; W; Z. Du bist doch afig schier z' gross, eister eso
z' g. ScHwMuo.; von Verliebten Bs; B. Maideli, wenn
du gäuggele" witt, Gäuggele mit viir! Bi" ja ehe recht
lang und diel;, Wie-se-si"'' zum Gäuggele schielet L.
Scherzen B oHa. „ Umenander g., wie ein Geck herum-
laufen." — 2. fallen Z. Syn. geigfgßen.
Die-Form auf -elen, mehr dim. aufgefasst, wird bes. von
Kindern gebraucht. Gäugglen in der Bed. ,fallen' ist Ver-
mischung mit r/eiglen (s. d.).
ver-gäuggle(n): 1. vertändeln, die Zeit W; ver-
scherzen, durch Nachlässigkeit, Leichtfertigkeit ver-
lieren Sch; Z. Syn. vergütterlen, vertörlen. — 2. „auf-
hören, sich närrisch zubenehmen, gescheider werden."
Gäuggeler, Giini;\^'r: = Gauggler, s.d. .Göug-
geler, puerilia traetans.' Id. B.
gäuggerle(n) : tändeln. — ver-: vertändeln
ÄAWohl.
geggele", geggle" L, neben geg-: kindische
Spiele treiben, tändeln Ap; GTa.; TbHw.; Zu. Syn.
gäggen, gänggelen, teggelen. - ver-: verzärteln, ver-
wöhnen AaSL; Ap. Syn. vergäggelen. — Geggeler,
-li m.: Tändler Ap. — geggelet: kindisch; affek-
tiert Ap.
gegge(n): hochmütig absprechen BLenk.
Gegge" Th, Gege°GL f.. Gegli n.: 1. gutmütig-
dummes, eitles Mädchen; Schwätzerin Gl. — 2. furcht-
same Person Tu. Vgl. Gugege.
Geggi, Geggcs GfiPr., Geiggi AaZ. 1815; F
(neben Geggi) m.: Schwächling, furchtsamer Mensch
AaZ. 1815; F; GKPr. Syn. Gdgyi. - Betr. die Form
Oeiggi vgl. (jeigglen unter t/'i'jl'-'n Öl>- ü'i .
Gugegge" f.: unsicherer, leicht ins Schwanken
geratender Aufbau, z. B. ein schief geladenes Fuder
Heu Z. — Verhält sich zu gl- (gu-) gäggen wie Gugege (s. d.)
zu gi- (gu-) gägen.
Geggschösserdi f.: Kleinigkeit ZWl. Als PI.:
Krimskram; dummes Zeug Z (auch Gelgg-).
Aus frz. quelqtie chose (in vulg. Ausspr.) mit deutschen
Bildungssilben. Ein merkwürdiges Beispiel von Aufnahme
und Behandlung fremden Sprachgutes!
geggschösig: nur in der Verbind.: 02J2ns g-s,
etwas Eigentümliches, Ungewöhnliches L f.
Gebildet wie das vorige, nur einfacher und mit geringerer
Lautentstellung, da im Anlaut tw. k und » weich gesprochen
wird.
geiggele(ll) : Possen reissen, sich närrisch geberden
zwangen. — Verquicknng von geiglen Sp. 147 und dem
Syn. gäugglen. Davon Geigg-Aff Bd I 100.
Geiggi s. Gi.ggi.
gTggele(li), ,giggerle", gl- Z": 1. die Notdurft ver-
richten; meist nur von kleinen Kindern Gl (Schuler);
Z. — 2. sich mit Kleinigkeiten befassen AAFri. Abi.
Gtggeli, Mensch, der bei der Arbeit Nichts aus-
richtet, ebd.
Zu 1 vgl. gögkeln (Schm.-Fr. I, 882) und unser gfiggeii,
gäggden. Bed. 2 lehnt sidi viell. an 1 an wie das Syn.
gäggelen II tw. an ghggden 1.
giggelig: winzig AAFri.
Zum vorhergehenden Vb., i. S. v. ,sich mit Kleinigkeiten
abgeben', vgl. ganggelig : gänggelen.
glgge(ll) 1: pfeifen, von Mäusen BS. Syn. wiggen,
einen hohen Ton von sich geben, kirren AAÄugst; F;
kurze, schrille Töne geben B; striderc. Id. B. Syn.
gibsclien, glgen. .Pipilare, gypen, gycken oder schreien
wie die jungen vögel (sparen).' Fris.; Mal.
Die aus Kaiseräugst gemachte Angabe gieggen beruht wohl
auf ungenauer Wiedergabe des i, da sie von anderer Seite
in Abrede gestellt wird, doch könnte sich giggcn : gieggen
verhalten wie gigen : giet/en.
Gigger I m.: Grille, Heimchen. Er hei mit Schi'
nid emal G. g'fresse', ist brandmager FMu. — So
benannt von den Tönen, die das Insekt hören lässt.
Gäbeli-: Ohrwurm ZWasterk. Syn. Örenmüggeler,
-niggeler. — Viell. aber zum Folg. ; Guleli-, von der Zange
am Hinterleib des Insekts.
gigge(ii) II: ein kleines Kind scherzend mit dem
Finger auf den Leib stechen, wobei man glgg! sagt
ZA. Syn. higgen; vgl. auch Glx.
Vgl. gigken. stechen, namentlich mit der Spitze des Zeig-
fingers, Schm.-Fr. I 883, und ,kiken' bei Gr. WB., dass.
Der hohe spitze Voc. stimmt zu der Bed. .stechen".
gigge(n): zucken, zittern? Nur in formelhafter
Verbindung mit dem Subst. ,Gigge', in der Stelle:
,Ich han üch eins Hunds giggenden Gigken gesworn',
sagte 1367 ein Basler zum Oberstzunftmeister und
wurde dafür 10 Jahre verbannt. — Gigken. beben, zucken,
z.B. vor Kitzel. Schm.-Fr. I 883; s. gigerkn, zittern.
Gigge" m, nur in der unter giggen angeführten
Stelle, wo G. die Geschlechtsteile eines geilen Hundes
zu bezeichnen und das Ganze als roher Schimpf oder
Finch gebraucht zu sein seheint, ähnlich wie Hunds-
fott, WL'lrln's sirli auf das weibliche Tier bezieht.
Vgl. (/;.//,./ III.. Zinkin; ,gygel, t.entigo, pars quse in Vulva
apparet; uuch fmltfifgil.' Schm.-Fr. I» 884. Vgl. GUggerli.
giggerc(n): in kurzen Tönen lachen GSev., un-
anständig 1. GW. ; kichern Gl. Syn. gigeren u. gigelen.
Abi. Giggeri, Einer, der lacht, ebd.
(iigger II m.: magerer Käse F.
(iiggei'li: ein altvaterisches Kartenspiel, frz. qui
gagne, perd. E G. mache' Bs, auch giggerlen. ,Er
muss uns doch nicht gar das Ansehen geben, dass
nicht auch etwas Aufklärung neben Staatssachen und
dem ehrbaren Gikerli unsrer sei. Väter in unsern So-
cietäten Platz gefunden hätte.' Hüber 1787. — Vgl.
gaigkeUn, ein Kartenspiel. Schm.-Fr. I 882.
(ügKCi'uill'^ "'■■ '■'-''"''".i; \'öu altem Gerät, Gegen-
.stainlr i.liiir Wi'it. IMiiiiilfr Bs. Dr G., wo i' dr
Estrig Blatz. [In des
('(• fi'störhcii isch, no"''
Mannes
Alles in
"/-
Dnsr
ml .Mixture,
VoStrosshiir.i Isainmpl.l. ,i!li Miinr. rrrsdiiiniL'e Glas
VO Glaris, G.; dt" Fniide scheitktn und Bikaimte loill
i''''s. K Keltere. G. und Chrebslebere [nigl.], auswei-
chende oder abwehrende Antwort auf die neugierige
Frage: Was haben wir zu Mittag? Sprww. 1869. —
V?ohl zu Guggemdl i. S. v. Pluuderkammer.
Giggesli n.: schwächliches Kind, eine in der Ent-
wicklung zurückgebliebene, schmächtige Person. Es
ist nW es arms, nüdnutzigs G., das würd nie Icei'
Ma" Gr.
Eig. Eidechse (s. Iggesli Bd I 94, aus dessen ; sich der
conson. Vorschlag entwickelte wie in Gilge Bd I 17(1) und
mit Bez. auf Naturell, Gestalt und Zartheit iibertr. wie in
dem syn. Gucg, Güegl (eig. Käfer).
GagiT, gct;«, gigg, g(igg. gugg
178
(iieggle" f.: Blö-sse am Leib. E G. mache, un-
anständig mit gespreizten Beinen sitzen ; auch giegglen,
welches sonst: hin und her schwanken, sich wälzen,
bedeutet. Pfiä, me g'sieht-der d' G. ! zu einem Kinde,
wenn es die Schamteile nicht bedeckt hält. St macht
a G., schürzt den Kock zu hoch GW. — S. gieylen.
VwJt ist auch tjeirjlen, die Beiue aufstrecken, kopfüber fallen.
Gögg: Jakob ZO., auch Göggeli, Göggi u. GÖggel.
s. dd.
(jogg I m.: hohe Frisur, in die Höhe gestrichenes
Haupthaar, ehemals beliebt bei Stutzern BsStdt. Er
ti-cit e Goch und het en Uhr, doch ro" Verstand isch
gar kei Gspur. Hinderm. 's Büebli raucht und stricht
si" G. ebd. Vgl. Goggele. — Wahrsch. aus frz. coj, Hahn,
iuiluni die Frisur mit einem Hahuenkamni verglichen wurde.
«ögg II m.: Cocus(-baum, -holz) Uw. S. Goggis.
goggi": aus Cocusholz. z.B. e' guggi's Bcttli, ein
ikranz aus Körnern der C
Erzähler 1856.
Uw. Goggeni
Ciöggel m.: einfältiger Mensch. Sprww. 18(39.
Syn. Jofjijel, und wie dieses aus ,Jakob', verächtlich in
appellativer Bed.
Goggele" f. : 1. (spött.) grosse geschmacklose Haube
Bs. — 2. eitle, hochmütige Person Th. — Zu Go.jy I.
Bed. -2 vieil. f. zu GSyriet.
Nacht-: Nachthaube Bs. Auch Xachtgiiggere. -
liad-: Badhaube Bs.
(iöggöggeli: Übern, eines Knaben Namens Jakub.
ZZoll. ca 1820, i. S. v. dummer .Tunge. G.-icis, Flurn.
in ZWied. Zu Goggel.
Fäschi-Goggeli n.: Wickelkind GSa.
(jSijgeli hier wohl nur aus der Kdspr. und <j viel), für
</, I, zu Tvche, Puppe, doch vgl. auch BüppeU, Wickelkind.
Goggeligö: rote Farbe Z (Kdspr.), scherzh. wie
gäggeli-gel, munggeli-brun u. a. — Frz. corpidiroi, Feld-
mohn, Klatschrose, couleur de c, Feuerfarbe.
GoggelttschV m.: 1. Keuchhusten AAZof.; BBurgd.
— 2. Croup, Stickhusten GStdt. (-(5- statt -H-). - Fi-z,
cutjuihivhe f., Keuchhusten.
Gogge" (/.-) ni. : Klumpen einer dickflüssigen Ma-
terie, z. B. Nasenschleim BR. Syn. Goggel, Golgge.
Westerwäld. KocUe ni., Heuhaufe; ebenso engl, cuek, nor-
wog. kuk, Haufe übh., Klumpen, schwed. W,«, Erdscholle,
altn. kiiU-i Gr. \VB. V, 1.56.5; viell. .aber nur Nbf. zu dem
Syn. (-lulyyi:
Goggi I: Jakob ZO.; s. Gögg.
Göggi n n.: Eierkuchen GRÜbS. - Vgl. rätuioni.
cocc«, Kuchen, zu lat. coquere.
Goggis, nur in der RA.: Du bist en Ma" wie G.,
taugst Nichts ThHw. Vgl. Gäggi s. v. Gägg u. Gägg.
Go'ggis m. : der zierliche, kostbare Handknopf am
Spazierstock, auch der bes. bei feierlichen Anlässen
getragene Stock selbst Th. — Aus .Cocus', da solche
Knöpfe auch aus der Sehale der Cocusnüssu gemacht werden.
Goggöli s. Göli.
Goggwergi s. Ge-twergi.
^»SSi'i-) ra-: Kuchen, etwa mit 'k\i1e\- (Öpfel-G.)
"der Kirschen-Zusatz (Chriesi-G.) Gr vPr. Syn. Goggi,
und desselben Ursprungs.
Schweiz. Idiotikon II.
Goggel m.: 1. dummer Kerl GlH. ; Narr, Possen-
macher L; Z; unbeholfener, schwachköpfiger, willen-
loser Menscli Sch. Syn. Gögel, Goggi, Goggöli, GÖl;
BÖgg. — 2. vertrockneter Nasenschleim Sch; s. Gögel.
Syn. Gölgg, BÖgg.
Appe"-: dumme Person, Verstärkung von Appelc
Sch. — Butze"-: Popanz ScnSt. Syn. Bögg. Auch
-gögel, s. d.
göggle(n) = göglen. , Gaukien, gauchein, geken.
gokeln, gesticulari, motionem agere." Red. 1662.
vergöggele{n) = vergnglen 3. Sulger.
Goggel: 1. Spottn. für Jakob ZTö. Schon 1-186:
,Göggel Ruder. T.- (iKricss. - 2. appellativ: dummer
Kerl Sch; ZT,.. Vgl. (l<,ggi.
gÖgge(ll) I: 1. sich erbrechen AAZof.; B; Gr;
rülpsen Gr. Unpers. : ekeln, so dass man sich er-
brechen könnte. Es het mer gögget, i"* hätt möge . . .
BE. — 2. unschön tönen B (Zyro).
Nhd. kukeii und kiiclcen; engl, tu keck, Brechreiz empfinden.
Die Kehllaute und auch der trübe Voc, kurz oder lang,
bezeichnen trefflich die Sache selbst. 2 bedeutet wahrsch.
Töne ähnlich den beim Erbrechen vorkommenden, z. B. wider-
lich reden. St. giebt auch g statt ji/.
gögge(ll) U: „sich wie ein Laft'e betragen L;"
dummes Zeug schwatzen B (Zyro).
Mit .</o</;/en I vereinbar, da weite Öffnung des Mundes,
wie sie beim Erbrechen stattfindet, auch als Zeichen von
Uummheit gilt, viell. aber nur Nbf. zn gäuijijen.
,üs-: aufhören sich wie ein Latfe zu betragen L."
Vgl. vergauchen.
„ver-: durch läppisches Benehmen verscherzen,
verlieren L."
„Göggi (ö) m.: Laife L."
Uehört zu den unter GSgr/el angeführten zahlreichen Synn. ;
ist aber zunächst von ißgijm II abgeleitet. Im Gb^ggi ZHerrl..
Flurn., eig. N. des Besitzers. .GUgger', ausgestorbenes Geschl.
in Z.
„Göggig-keit: Betragen eines Laffen L." —
..göggisch: läppisch L."
Goggi: Zun. eines Mannes, resp. seiner Familie
f .•? Göggi's) ZO. — Spott. Koseform von Jakob. Vgl. (imjgcl.
(rugg-, Gügg- vor folgendem«/ s. nach Abwerfung
des reduplicierenden gug- die einfachen WW.
Gögg I m.: 1. Blick. De- letzt <?. tue" GRPr.
E Güggli tue", einen kurzen Blick, ebd. — 2. (Dim.
Guggeli) Guck-. Schiebfenstcrchen. dgl. z. B. früher
ilic Metzger in ihren Laden hatten B. Syn. Gugger-
nelli. — 3. kleiner Erker, Winkel, Versteck. Loch in
einer Wand, um etwas Kleines hineinzustellen, bes.
Ofenloch in einem sog. Kunstofen zum Warmhalten,
resp. Zubereiten von Speisen B; GO. VgL Ofen-G. ~>.
Syn. Guggernelli. ,Dann war ein viereckigt Guggeli
in dem Nachttischli, wo das bekannte Geschirr Raum
fand.' GoTTH. ,Es dokterte beständig, in irgend einem
Guggeli war fast immer ein Hafen für ihns z'weg,
bald mit derlei Trank, bald mit anderlei.' ebd. —
4. ein Gebäck, Brod mit wenig Birnen oder Äpfeln,
s. d. Compp. Ofen-, Biren-. Die süessen Öpfelschnitz
sind giiet zum Giigg GSa. (Hilarius 1881).
Es ist die Frage, ob die Bedd. einem W. angehören,
obwohl sich ihre Zsgehörigkeit denken lässt, zunächst die
von 3 mit '2, da ans dem Begriff ,Guckfenster' der eines
Loches und engen Behälters entspringen konnte: ddcli auch
Bed. 4, obgleich ihr viell. eine Abi. von lat. cor; «.ir zu
Gagg, gegg, gigg, gogg. gllgg
180
Grunde liegeu möchte (vgl. l/oijyi II), kaun ähnlich wie 0/en-
Gutjij und das schwarzwäldische Ougy-in-Ofin = Gugelhojtf
als eine Speise erklärt werden, nach welcher, wenn sie nicht
missraten soll, eifrig geschaut werden muss. Zu 1 gehört
viell. auch Rappenguck als Name eines Ortes oberhalb GrZizers,
wo früher ein Galgen stund (Kapp, Rabe; vgl. ,Rabenstein',
Bichtstätte).
Ofe"-gugg: 1. Ofenloch; Wärmekasten B. Syn.
Ofenrohr. Auch Dim. -guggeli. .Mädeli zog aus dem
0. ein sorgsam zugedecktes Kacheli [Schälchen, Täss-
chen] mit Kaffee.' Gotth. , Selten vevgieng ein Tag.
wo er nicht im 0. einen Hafen mit Trank stehen
hatte.- ebd. -^ 2. Ofenkuchen GoT., We.; SchwE.,
Gericht aus g^ehackten oder gestampfton Kartoffeln.
Birnen oder Äpfeln, mit altem Käse, etwas Mehl und
Salz in oinfii Bri^i '.'evülirt. in pjnf mit frischer Butter
l„.,,|irrl|n-f,. I:Ml|,r,llinr nv-n^,,.|,, "1 1 r 1 Kl U f IT ir], ] ich nÜt
Si,...k„url,.In UV..,,,,. kl uiM in, nw» ,-.l.r;,t..„ GW.;
.Scinv. Auch Ufcn-yii.jgis. byii. U.-Giu:, -Tatsch. -
Vgl. Anm. zum Vor.
Bir°e"-: Türken- od. Maisbrot mit einem kleinen
Zusatz von Birnen gebacken GSa.
Schill- m. : Schielendef, vormals des bösen Blickes,
der Hexerei verdächtig Gr (Schwzd. 29, 02). Scheltw.
z. B. für einen ungeratenen Sohn GuSchiers. — Giujrj
hier also persönlich, wie sonst G'iujgcr. Vgl. Si:hili-yii<j;ier.
Gug-gugg m. : 1. in der Formel: Los en Gm/gug
oder i''' lo di''' verfule' [lasse dich im Versteck sitzen,
bis du verfaulst] AABb. — 2. G. mache", Versteckens
spielen S.
Vgl. Gürj II Sp. 155 und Güx, yuyguliemi. Eig. Re-
duplikation des Rufes: Gmjij, sieh da; Einfaches;/ inr Aus-
laut in AaBb., wo zwar auch die Nbf. Guguii (s. Guy II
aaO.) vorkommt, ist nicht wesentlich.
Dach-Guggeli, PI. -güggleni: Dachfensterchen B.
Syn. Guggere, Guggehürli.
Gugg II: Imp. des Vbs guggen, in folgenden Zss.
substantivisch.
Gugg-ins-Land m.: Spottn. für einen gedanken-
los vor sich aus schauenden Menschen Sch (Kirchh.).
Gugg-in-das-Nest: Name eines Turmes. BsXIV.
Wohl ein nach der Stadt hin statt nach aussen offen
stehender Turm, als Ggs. zu Lueg-ins-Land.
Gugg-dur''''s-Glas: Gelehrter, der die Brille
oder andere geschliffene Gläser gebraucht. Der Un-
sfiidiert gseht Hecht von blossen Auge bas, als mänge
glehrte Guggdürsglas. B Gedicht 1831. — Imperativische
Namensbildung in Form eines Satzes.
Gugg-üs: 1. Versteckensspiel, besonders einer er-
wachsenen Person mit einem Kinde, wobei die erstere
sich einen Augenblick verbirgt, dann plötzlich sich
zeigt. Mit ihrem Ruf: G.! will sie das Kind über-
raschen, i. S. V.: ,Da bin ich!' oder zum Suchen reizen,
i. S. V.: , Schau, wo ich bin!' worauf dann die Ant-
wort: Da, da! erfolgt Aa; Bs; B; Gl; L; S [ss); Z.
Guggus Gl; Z (auch Gug-), Gugguseli SchwE. {-ss-); Z,
-machen, bald da, bald dort sich blicken lassen, wobei
man sagt: Guggugg! AaP. Auch Versteckens spielen
übh. ZO. Syn. Verbergis mache'. Auch etwa, indem
man den Leib des Kindes scherzw. mit dem Finger
berührt, auch ohne sich zu verbergen, nur zur Über-
raschung desselben ZA. Geigeli-G.'. als Zuruf an das
Kind, damit es suche od. sich selbst verberge ZMünch.
[geigelen, purzeln, s. d.]. De Botz G. od. G. de Hotz!
ruft das Kind, wenn es sich verbirgt Bs. Vgl. aucli
Guggü 3 und Guggeisis, Gugel-nch, -üs. Wohl nur ein
Wortspiel hat HPest. 1785 an folg. Stelle beabsichtigt:
,Gewisse Kinder, die zu glauben geschienen, ich habe
ihnen meine ersten Buchstaben bloss zum Gugg-aus
und Gngg-ein damit zu machen dargeworfen.' —
2. Fenster, im Volksrätsel. Eochh. AK. 255/0. Vgl.
Gugg-herüs, das Haus, im Kinderspruch vom Haushalt
L (Tobl. VL. I, 152). — 8. (GiiggüseU) penis (,etwas
halb versteckt Hervorblickendes-) L. Syn. Güggerli.
— guggüse(n) = G. machen ZO.. IT., dessen Imp.
auch an einen Erwachsenen gerichtet werden mag:
,Wenn ich dich nicht mehr seh, so guckus!' W, It
NnwVolksbl. 187'2. — Guggüscrli: Guckloch, Öff-
nung GaLandq. Vgl. Guggi.
Gugg-üs eig. Imp. zu us-guggen. Doch lässt sich Beziehung
des Versteckenspielens auf den scheuen Kukuk, welcher
sich in den Kronen der dicht belaubten Bäume verbirgt und
seinen neckischen Ruf dann unerwartet aus einer andern
Richtung vernehmen lässt, schon früh nachweisen. So sagt
Aldrovandus: .Ludunt Germani, priecipue Helvetii, ludura,
quem cuculum dicunt, hoc modo: unus occlusis oculis manet
in loco, quem solium vel trilnmal appellant; Interim ab unitate
Clara voce et interstltio iiuijuraiis, dum alii diffugientes passim
se occultant. occultatis uniuilius uuus cuculi voce clamat. tum
ille a solio discedit et passim iuquirit, si quem ahditum de-
prehendat. deprehenso aliquo tribunal celerrinie conscendit,
ne cursu a deprehenso aliove prseveniatur, ultimus enim iu-
quisitoris laboreni sumit.' Ygl. Gugger II B (guggii).
Gnggacher: Apfelsorte Th. — Vgl. A,-her Bd I os.
Guggehöntlli: Frauenschuh, cypriped. calc. ZDättl.
Der 1. Teil des W. scheint eine Beziehung auf den
Kukuk zu enthalten, dem zu Ehren der Frauenschuh im
Vorarlbergischou auch G ugger-Schuch heisst; betr. den 2. Teil
vgl. Vihöndli Bd I 633.
Guggehü s. Guggehür.
Güggeie" f.: Sitzen mit aufgehobenen Knieen und
angestemmten Fersen XvH. ; sonst Guggere". Syn.
hären, kauern.
Dass das W. aus Guggere selbst (s. Gugg-gerc') entstanden
sei, indem nach Ap MA. vor r ei aus e entstehen konnte
und dann i- ausgefallen wäre, ist nicht wahrsch., obgleich
sich dafür Gafeie aus Ka/eire anführen Hesse. Aber dass
es jenem Syn. irgendwie, viell. mit Anlehnung an die Hal-
tung der Eier legenden Hühner, nachgebildet sei, scheint
ziemlich sicher; denn auch das mit Guggere in dessen ge-
wöhnlicher Bed. ,Dachfenster' syn. GuygehMi bezeichnet in
h zugleich jene Art des Sitzens, und an das abermals ,Dach-
fenster' bedeutende Guggehür (sonst meist Dim. Guggehürli)
schliesstsich Gvggehüre macheu, kauern Z. Allerdings scheinen
auch Guggehür (li) und Guggehüdi selbst schon entstellende
Umdeutungen von Guggere (resp. Güggerli); aber dass dieses
selbst (in Ap) auch jene Art des Sitzens bedeutet, muss doch
seinen Grund darin haben, dass ein Dachfenster von der betr.
Art auf dem Hauptdach des Hauses in ähnlicher Weise ge-
duckt aufsitzt, wie ein Kauernder auf dem Boden, oder dass
man in demselben nur in geduckter Haltung ausblicken kann.
S. Gugg-gere, Guyge-hür, -hiinU ; auch Guggernell, aus Gugij-
grenell. Uf der Goijg- (resp. Gugg-) eien kommt 5 Mal iu Ap
und G und « der Goggei 1 Mal in L als Name von Berg-
und Alpenhöhen vor.
Guggeisis »i((c/te": Versteckens spielen; während
ein Kind in der Ecke steht, verbergen sich die andern,
worauf sie gugg! rufen und vom erstem gesucht wer-
den GWe. Syn. Gugg-üs m.
Vgl. Guggeie", aus welchem es unter Einschub eines
euphonischen « entstanden sein mag und das als Vb. nach
einer Angabe auch , Versteckens spielen' bedeuten soll.
m
Gagg, gegg, gigg. gogg, gngg
182
liiiggele" f.: (las ausgehöhlte, entleerte Ei. Solche
Eier wurden l'rülier zur Verzierung der Palmen ver-
wendet ÄAZein. — Wahrsch. zu frz. coque n. coquille, Eicr-
scliale. Vgl. mhd. kocke, schalenförmiges, rundliches Schiff.
Gngge" (PI.) : Kinder LHorw. Syn. Gnf I. — Vgl.
Vorarlberg, (ir,,/. liass.
grigge(n) -ni- Ndw. -v><- UwE., Bim. güu(j(jehn.
ehd.: 1. auf einem Hörn blasen AABb.; L; Nnw; UwE.
= güiieii II, (jugen, gilggen. Für g., Peuerlärm ma-
chen L. .Auch: auf einer Schalmei blasen, von Hirten,
Geissbubon UwE. Oft auch scherzh.: auf einem In-
strument schlecht blasen „Aa; Vw; Z.'' Demuet g.,
.Trübsal blasen', klagen AAWohl. Vgl. glgen. Ehe-
dem (noch in den 40er Jahren) wurde der Konkursit
zu L am Wochenmarkttage dem Publikum auf der
Altane der Werchlaube, später des Wirtshauses zur
Linde, vorgeführt, wozu ein Polizeidiener mit einem
Hörne durch Güggen die öffentliche Aufmerksamkeit
anzog. S. usgügen und die dortigen Synn. Bildlich
als Au.sdruck von Abweisung. Vgl. Güggis. !"• gügg-
dr'' roll AASt. I ivill-dr g. Suterm. (Drohung). Du
cliannst mr (lang) g., bemühst dich umsonst AaS.. Zof.
CJo) gügge'! warum nicht gar! AaK., L., auch gilgge!
s.d. Syn. güggen I, blasen, pfifen. — 2. schreien
Ndw, s. gügenllS. Vom Kuki;k: de Gügger gügget,
der K. ruft AAWind. F'' lose gern, fallt er [der
Kukuk] si«s Güggen a". Usteki. Auch von andern
'l'ierlauten ZWint. Vgl. ffii^fjrer, Dompfaff. GüggemöK,
Molch. „Brüllen, zunächst von Eindvieh GKÜbS.;"
auch gügen. Vgl. Grasgügger.
ÜS-: 1. als bankrott und ehrlos erklären L; Ndw
= üsgügen, vergüggen. — 2. mg' gügget ha", fallit
sein L. S. güggen 1. — ushin- use-: zum Heraus-
gehen aus dem Stalle blasen, z. B. den Schweinen,
Morgens früh. De [du] chunnst immer hei", wenn der
Hirt de* Sänne vsegügget, sagt die Frau zu dem erst
gegen Morgen aus dem Wirtshaus heimkehrenden
Manne L. — ver-: durch Trompetenstösse als fallit
ausrufen L. Auch vergügglen.
Gügge f., \)im. Güggli : Briefsack. Düte. konischer
Papiersack BsStdt; Ostsohwz.
Scheint zu i/üggen zu gehören, aber importiert zn sein, da
altbaslerisch dafür Sii'c/ gehraiicht wurde; vgl. ,Düte : tuten'.
Gügger: 1. Kukuk AAtw.; Z tw. — 2. ,Die Peuer-
kröte, G., Guggenmönli, bubo bombina.' HSchinz 1842.
Zu 2. Sonst Gurjijer (s. a. 3), O'üllmgiigger und O'Tujc"-
miili, von dem langgezogenen Ton, den das Tier aiisstüsst.
Güggete (-ÖM-) f.: schlechte Blasmusik UwE.
Güggi (-öi(- UwE.) n.: 1. Hörn, Trompete (im
scherzh. S.) AAWohl.; L. Kindertrompetchen UwE.;
.s. Gügi. -- 2. Fluni., hochgelegener Ort, wahrsch.
urspr. Hochwacht, mit Feuerhorn versehen .Aa. —
?>. Frauenspers. (Schimpfn.); scherzh. für Mädchen
iibh., weswegen der Volkswitz das .Mädchenbad- bei
LSchong. G.-Bad getauft hat Aa; L.
Bogetcn- s. Gügi 3 h.
Gi'iggis I: Ausruf der Abfertigung AASt.; s.
güggen 1.
güggle": blasen, mit einem Home L.
(jüggler m.: (als PI.) Mu.siker, welche, meist 4
an der Zahl, dem Orchester ,im Hof angehörig, am
Abend des Neujahrstages in der Stadt von Hans zu
Haus zogen und auf ihren Blechinstrumenten gegen
ein Geschenk Haushaltungen oder Einzelnen ein Stück
spielten, nachdem sie angekündigt hatten: das gilt
jetzt dem Herrn N., oder der ehrsamen Jungfer N. Lf.
Vgl. Feierabend 1843, 95: ,In der Ke.sidcnz bringen
die altehrwürdigen Guggler um ein paar Batzen ihre
kläglichen Serenaden und ihre begeisterten Lebehoch.'
gngge(ll) I: schreien, rufen vom Kukuk Ap; Bs;
VOrte; G; Z. Syn. giiggcrru 1. güggen. Wenn de'
Gnggieh g'nueg scliinirn Clirnsi nhirrliiiiiinl. so luirl
er iif g. ZW. Eätsrl: 11,. /,w ,/,,■ (nsl ) Giiggtr
fz'erstj g'gugget? Antw.: (ts 'cm d^icr |;ius dem Ei],
oder: Wieeros'em Ali [Eichen] gsclüofj'en ist [Wort-
spiel mit güggen, schauen] Ap. ,G., schreien wie der
gügger oder guggauch, cuculare.' Mal. Auch von
Menschen: rufen. Los ! er gtiggel-is ! [uns] Bs. Bildl. :
!''• u-ill-dr [dir] g. ! (Drohung). Du channsch m'r [mir]
gugge" ! [lange warten]. I"'' gugg dr drüf (drl'J! F''
giigg di''' roll! Abweisung Bs. Synn. s. unter güggen,
pfifen, blasen, schissen.
Mhd. ijucken, von guggai II [schauen, s. d. | verschieden
und direkt von dem Ruf des Vogels abgeleitet, der aus Ijii'j;/ii.
resp. aus der reduplizierten Form Gtu/gui/ (s. dd.) in '■'a.'/;/
(vgl. Lexer I, 1110 ob.) verkürzt werden konnte. Vgl. 'hnj,/-
rjauch; vwdt ist auch güggen, blasen, wo der lange Yocal
langgezogene Tone bezeichnet. Von güggen ist dann (Jugger II,
der gewöhnliche Name des Vogels, gebildet (s. d.). — Wie
das Vb. im bildl. S. eig. zu verstehen sei, ist nicht ganz
klar und kann verschieden gedeutet werden; wahrsch. wird
der Ruf des Vogels als neckisch oder trügerisch, spöttisch
anfgefasst.
gugge(il) II (-'.- BSi.. -M- Aa jüdisch), Dim. güg-
geh": 1. von Menschen. 1) sehen, aber meist ohne
bbj., also nicht: unwillkürlich Etwas erblicken, son-
dern mit absichtlicher Aufmerksamkeit schauen Ap;
BSi.; Ndw; G; Sch; S; TnTäg.; USiL Gugg! sieh!
BHk.; GG. Syn. luegen, statt dessen in BO. aus-
schliesslich güggen üblich ist. Er g. sr'' d' Äugen üs L.
Eich z' werde clmnnt nid ru Gugge her. Sülger. ,1c1i
gugken fa.st und sich umb mich, nüt kann warlichen
sehen ich.' Eüef 1550. .Ulf in der mass tuo also
gugken [blicke dermassen (scharf) auf ihn].' ebd.
.Tueri, videre. luogen, schauwen, sehen,- güggen.'
Fris.; Mal. S. noch Hnfrn. Insbes. a) neugierig
schauen B; na. li .t\Mi. I'n-ewohntem, Merkwürdigem,
meist in schcivli. Sinn A\Z. .Die Kraut und Gräslin
vorwitzig guggcn au.s zaiacn Erderich.' J<'\VfisskM!.
1G78. — b) heimlich, verbotener W.'isr. liint. r .inmi
Versteck hervor UwE.; Z, Nachts durch- i'rnin AvI'..
durch eine kleine (Mfunng. z. B. ein Srlilu,s,l|,„!i
UwE.; Z. 3Ii» mnrhli <irinl :ii-inr Chnnfiti ircrdc"
und gern GüiiLh | S,liiial>,-1 1 „<.,;■ ,111'M'n' [scherzh.
Ausdruck von rngc.lnhl. Kntni.tnny] iluKlost. In
diesem S. die Compp. l-e [hinein]-, «.se [heraus]-, dure-
[hindurch]-!/. AaF. Trs.: D' Stund g. uf-ner dur''-
schmige Zittafele [Uhr], nach der Zeit sehen BGr.
Wie gern macht i''' umme g. [wiedersehen], d' Muoter
u»-' der Att [den Vater] BGu. (Schwzd.). S. noch
sterne-g. — 2) zugleich mit dem geistigen Auge,
a) sich vorsehen, in Acht nehmen. Hättsch g'güggt!
sagt, der Jude zu dem von ihm Betrogenen AAZein.; L.
— b) abwarten, sich bedenken, überlegen. Mcr wci
derno''' g., wir wollen dann sehen Bs. Auch zu 2) ist
syn. luegen. — 2. von Sachen: „sichtbar werden,
zum Vorschein kommen, hervorschauen, z.B.: Ds
I Fiitzcnetli g-t vs Vw Feelcen use |das Nastuch aus
183
Gagg, gegg, gigg. gogg, gagg
184
der Rocktasche]. Von Pflanzen : hervorspriessen.
D' Erbse", d' Herdöpfel fi-d G ; Z. Syn. für-hin luegen.
Mhd. (jucken, yucken, neugierig schauen; viel). Intensiv-
bildnng von einem verlornen starken Vb. mhd. giechen, zu
dem Gauch (mit der Grundbed. ,Tor', nicht .Kukuk') sich
ablautend verhielte und dessen Bed. etwa .den Kopf vor-
strecken' gewesen sein könnte. Vgl. Weigand I. 1123. Oder
es könnte mit gleicher Begriffsentwicklung zu mhd. giegr,
Tor, Narr, gehören. Vwdtschaft mit ,Geck' liegt lautlich
ferner. — Unser Vb. auch in dem häufigen Flurn. Guggen-
Büel (auch als Geschlechtsn.) ; vgl. auch Guggen-Fluoh (schon
1277 bezeugt). .Guggen', .Guggental', .Guggenmüli', ,Guggen-
loch' scheinen dagegen gerade tiefliegende Orte zu bezeichnen.
ab-gugge(n): 1. (mit blossem Dat. P.) zusehen.
,Uli konnte mit Vreneli reden, ohne dass er immer
ringsum blicken musste, ob nicht Elisi hinter irgend
einem Baum ihnen abgugge.' Gotth. — 2. (mit bei-
gefügtem Sachobj. im Acc. oder mit ('oiij.) ansehen.
.Sie habe es ihm wohl abgegugget.' Gotth. .Aus
einer Flasche trinke er nicht; da könne einem ja jeder
Narr abg., wie viel man trinke.' ebd. — 3. Einem
Etw. absehen, um es nachzuahmen, durch Zusehen
ablernen UwE. (wie nhd.).
über-: übersehen. ,Ir mögint der sach nachfragen
und darunder handien, damit nützit überguggt, sunder
durch guot sorg und ufsechen grösserer schad ver-
hüetet werd.- 1530. Strkkl.. Act. ,Mit flüchtigen
Augen ü.' Goliath 1741.
under (hin)- (undergugge(n) B oSi.. sowst undere-g.)
mit Dat. P.: zärtlich ansehen. Alles zu lieb tun, sorg-
fältigpflegen; durch solches Tun sich einschmeicheln
B; „VOrte." Syn. chüechlen, chüenzlen. ,Marei gug-
gete dem Alten untere so zärtlich.' Gotth. .Dann
wusste es [das Mädchen] mit seinen saftigen, blauen
Augen mir so anzüglich untere zu guggen [mir so
verliebt in die Augen zu sehen].' ebd. ,Wie viele der
Mädchen auch waren, wie lockend sie nach mir sahen,
wie nahe sie an mir vorbeistrichen. wie holdselig sie
mir untere guckten und liebliche Beden führten.' ebd.
Grundbed. scheint: von unten, also in dienstfertiger Hal-
tung, ansehen und aus den Augen des Andern seinen Willen
absehen.
ÜS-: 1. ausspähen, -spionieren BM.; UwE. („allg.")
— 2. „aufhören zu g. allg.'' — ver- (refl.): 1. sich
versehen, täuschen UwE. — 2. sich in Jmdn verlieben,
ebd. — sterne(n)-: ein Vexierspiel, bes. im , Herbst'.
Man lässt Jemand durch einen Ärmel aufwärts blicken
und schüttet ihm dann durch denselben Wasser oder
Anderes auf das Gesicht hinunter Aa Jens. Kais.; W;
Z. Vgl. Stern-Gugger.
Gugger I m., Dim. Guggerli, -ü- Z Kn., Stdt:
1. Wahrsager aus dem Glas BO.; „LE." — 2. (Dim.)
Auge, im Rätsel Gr ObS. Auch Gugiiggerli (s. d.). —
3. {Gugger GSa.; ThHw.; ZO., sonst oder daneben
auch Dim.) kleines Guckfenster. Flügel an kleinschei-
bigen Fenstern alter Häuser AaF.; ThHw.; ZKn., 0.
Syn. Läufterli. „Kleine Öffnung oder Lücke, z. B. an
einer Wand B; auch Giiggi." Guckloch an einem
alten Turm. Dim. Guggerli: Dachfenster Z. Syn.
Guggere, Guggernell. — 4. kleines Perspektiv „BO.;
L;" GStdt; TiiTäg. Lorgnette ScuSt., auch Guggi.
— .5. früher Vorrichtung zum Visieren hinten auf dem
Schaft alter Stutzer Ap; Z, an Stelle des .Absehens'
und nur im .Stand' erlaubt, im ,Felde' nicht. —
— 6. kleines Vergrösserungsglas. um die Zettelfäden
und Einschlagschüsse genau zählen zu können Z.
Syn. Faden-, Schutzzeller. — 7. kleiner, viereckiger
Flicklappen auf einem Kleidungsstück Z. Syn. Fen-
sterli. Vgl. auch Fäll-laden. — 8. (Guggerli) Reiber
am Hahn des Fasses ZBüL.Rüml.. sonst Güggel (s. d. 6).
Ofen-: 1. Beamter der Feuerpolizei, der die Öfen
zu untersuchen hat U. Syn. Filrg'schauer. — 2. Ofen-
sitzer. Stubenhocker SchwE. Syn. Ofe'-Briieter.
Fidi-, Fisi- s. Fisigäiiggis.
Gu-gugger: \. = Gugger, Kukuk (s.d.). — 2.(Gu-
guggerli und Gugg-) scherzh. für Auge in dem Rätsel
über die Kuh kk. Vgl. Gugger 2.
Himmel-: 1. Sternseher. — 2. ein Fisch, urano-
scopus. .Ein himmelgugger. ein sternenseher. Diser
fisch hat seinen namen von den äugen, welche allezeit
gegen den himmel luogend.' Fischu. 1.563.
Kabis-: Ingenieur (scherzh.). Der Chahisgugger
wil (hm Sji'ktirirör [Perspektiv] und hnche Huet chdiii
iirh :iiii, Sfinssiic" guet. SfBW Fastn. 1883. - Der Mess-
ti^-.li vnL.'li'li,ii mit der , Kabishechel'.
Sterne"-: I.Astronom S (Schild); Z. ,Stern-
gucker.' Tiere. 1503. ,Küniglicher Mathematikus und
Sternengugger.- Mal. 1593. — 2. Hochmutsnarr Bs.
— 3. wer zuerst nach dem Schnee durchs Fenster
guckt, heisst St. Aa (Rochh. 1853. — 4. Rohrdommel,
ardea stellaris, weil sie, verfolgt, den Kopf gegen den
Himmel streckt Z.
Zue-Guggeri°: Weinrebe, die keine Frucht trägt
(also gleichsam nur raüssig zusieht, was die andern
leisten) Scii (Kirchh.). Syn. Zue-luegeri".
Gugger U {k BSi.; Gr, ü AaF.; ZWindl.). allg..
Gugugger ÄAHold., St.; SThier.st., Guggug(g) Aa;
Gl; GrD., Guggü GRRhw., Val.; L; Z, Guggus Gr
(Tsch.), Guggüser BR.; Gl; Gr (auch Güg- It A ni-
stein). .Gug(Güg)-güser GRÖbS." (neben«), Gu-
gücher ScwNnk. m.: A. 1. der Vogel Kukuk, nach
seinen natürlichen oder vom Volksglauben ihm zu-
geschriebenen Eigenschaften, a) mit seinem Schreien
den Frühling verkündend. Am drttta (cider alta]
Aharella mos [rauss] der G. grüeiie Hnlier xrlnieUa Xw
Im alta Ä. seit [sollte] der G. im Lauh cliöiina .ii-hnella
(a.Baucrn-Sprichw.). Der Guckus chunnt den ni'mte
A})ril, si der Früeli''g wo er trill GRCast. Im Merze
seit de Guggu clw und wenn er i' Häntsche m,üesst
clw ZStall. Dei- Gugger mues me' ror-'em 9. April
g'liöre und war em 's Minder verfrore L (Ineichen).
De"" Gugger muess spätstes am 9. Abrelle schreie" und
sött-em 's Füdli verheie' L. Am Trihudiag [14. April]
soll der G. schreie" oder 's Mul cerheii-'. Sihild. De''
Gugger mues im Märze schreie u. sott'x-em "s Fiidli rer-
heie ZWettschw. Drei Tag no''' mues er im M. schreie"
und sött-em an''' der Buch r. Bs. .Dises jars winter
was gar lidig und wann und hört man im Rintal den
gugger im hornung.' Vad. Von einem Menschen, der
den nächsten Frühling kaum mehr erleben wird, sagt
man. er höre den G. nicht mehr schreien .^AEhr.; Ap;
L; S; W; Z, oder er habe ihn zum letzten Mal ge-
hört G.\. Ebd. von einein Kranken, der noch lange
leben kann: De ghört de" G. nu [noch] mängs Mal.
Auch das Aufhören des Kukuksrufes hat seine be-
stimmte Zeit: So glaubt man, dass er nach dem Jo-
hannistag nicht mehr gehört werde (und sich dann in
den ihm ähnlichen Sperber, s. u., verwandle); oder
185
Ga^fi. gegg, <figg. gogg. gngg
18C
es heisst anderswo: Wenn der Gugger lang nach
Johanni schreit, so prophezeit er iure ZU. (Vgl. Vogelb.
1557: .Wenn man sy nahin [nach Johanni] weiter hört,
verhofft man dasselbig jar einen sauren Zürich-Wein.')
In Ap herrscht der Glaube, er könne nicht rufen, bis
er ein Ei gefressen habe und er höre auf. wenn er
drei Mal genug Kirschen gefressen habe, so auch in
L und Z (nur im letztern Gebiet ohne den Zusatz:
:'. Mal). Anders in FMu. : De Gugger hart uf schreie,
wenn 's ein a" 's Lebe geit. An die Eigenschaft des
K. als Frühlingsboten knüpft sich der Glaube, dass
er, gleich dem Osterhasen oder statt desselben, den
Kindern bunte Eier in ein Nest lege, das sie ihm aus
den ersten Blumen und Gräsern bereitet haben BE.;
LSemp. ü"'' s' Ostre', vor 'ein erste G'lüt, wenn aUs
no''' in de Fedre lit, so fingst du still zu jedem Hus
und chramist schüni Eier us. GJKi'hn. Die Mutter
geht mit dem Kinde etwa an den Waldrand hinaus
und tut, als ob sie den K. herbeiriefe, dem G. pfifen,
welche RA. dann auch sprichw. bildl. den Sinn von
.sich um Etwas bewerben' angenommen hat, ■/.. B. : Er
hed lang dem G. 'pfiffe", aber er hed nid welle" cho' L.
Aus dem Glauben an den Eier bescherenden K. erklärt
sich auch die RA.: De' G. hed-em g'leit, einem jungen
Ehemann, dem ein Kind geboren wordep ist L. Hieher
gehört viell. auch der einem Yerlobten Pärchen zu-
geschriebene Reimspruch: Guggii! lein liebere Vogel
weder [als] du! L. Von dem Kinderglauben selbst
gilt freilich der Spruch: Der Samiklaits und der
Gayger Mnd bedsame eis Dutter. Der Volkswitz meint
damit: der Glaube an die Gaben des hl. Nikolaus oder
an die des Kukuks, der im Frühling den Kindern be-
malte Eier legt, beruhen auf gleicher Täuschung L
(Ineichen). — b) menschliche Schicksale, Glück
oder Unglück verkündend. Auch bei uns gilt der allg.
deutsche Glaube: Wenn man beim ersten Ruf des K.
Geld oder Brot im Sack hat, so hat man das ganze
.Tahr, und umgek. Ap; Bs; F; S. Wenn man dann
nüchtern ist, so hungert man das ganze Jahr Ap;
ZHörnli. Die Kinder in Ap u. Z fragen: G., wie lang
leh r* Mo'*.^ und nehmen die Zahl seiner Rufe für die
ihrer Lebensjahre. Gugger uf-em breite Lo'' [Busch,
Wald], röt [rate], wie mängs Jör leb i no''<? Wenn
der Vogel schweigt, so wird ihm statt: Güg-mer i 's
Lö'' [ruf mir ins Holz] zugerufen: Gugg-mer i's Loch!
RocHH. AK. 79. Der G. rha'» dir prophizeie, wie gli''-
[U\ä]dHstirbsch. Ghn,h ,1,,.. »■,,■»„„/ „sw. H(Schwzd.).
— c) vermischte and'i !■ \ "i 4.11iiHi;i'ii nml I!AA. vom
K. Er singt immer d's glnli Liiil wie der Gugger Gl
(Sprw.). Rätsel: Wo ist de'' (?., wenn er nid dinn
und nid duss ist? Under-em Loch Z. Zu Einem, der
müssig und lauernd umher steht: Was stallst under-
Loch wie de"' Gugger? Bei seiner Ankunft soll der
Vogel sich im Laub verstecken können, sonst gibt
eine Teurung und es heisst (nach Vonbun 186'2):
Kunnt der Gugger uf en dürre" Ast, so gilt d's Schmalz
en ganze" Last, oder : Der G. uf-em dürre" Ast, wenn
es regnet, wird er nass, oder : bettlet d's Brot und git 's
dem Gast [Fremden], wofür bei Rochh. AK. 77: Er
bettlet Broil und wird nit nass. Der G. uff-em dürre-n-
Ast macht allerlei Figure. Schild [er schaukelt sich
gern auf dem Ast. was als Gaukeln gedeutet wird].
Der Gugger ist vor Alters es gizigs Wib g'sl" [eine
Bäckerin, die einem Knaben ein Brödchen um allzu
liühen Preis verkaufen wollte, wurde dafür von ihm
verwünscht]. Mit Umkehrung der Verhältnisse erzählt
LüT., Sag. 355: Ein Knabe wollte einer Frau ein
Brödchen abkaufen, aber nicht um den vorgeschlagenen
Preis. Da sagte sie: So fläg uf und mach guggu!
worauf der Knabe als Kukuk davon flog. Manche
sagen, der G. sei der einjährige Habicht K (Zyro).
Der G. verwandelt sich im Winter in einen Hühner-
habicht (Hennaglr) GrD. Vgl. : ,Die teutschen nennen
einen gar räudigen menschen: als räudig als ein gug-
ger, darunib dass diser im winter, so er seine federen
endert, einen räudig bedunkt.' Tierb., und so sagt, auch
.\dam zum Fälklein: .Darum, fälklein, sollt heissen
ouch dem rüdigen vogelglych: guggouch,' Rüef 1550.
Hieher gehört viell. auch die an ein Kind gerichtete
Warnung: Bim Gugger! das tue nümme mf, sWst
nimmt - di''' de'' Stossvogel [Hühnerweih]. Undere!
[ducke dich] Gugger, 's chunnd e Rege! L. Viell. ist
Gugger, wie von anderer Seite angegeben wird, rich-
tiger; doch könnte auch noch eine Beziehung des
Vogels auf das Wetter darin versteckt liegen, wie in
der Stelle aus dem Vogelb. 1557: .So er nach zuo
einer statt oder vil mer, so er gar darein kumpt. ver-
kündet er einen regen oder ungewitter.' Bei der
Sennenkirchweih auf UwEm. wird von dem Gugger-
vogt (Bd I 705) auf einer Stange ein Kukuk getragen,
der schreit, dass er die Alpen überwacht habe und
verraten könne, was er dort während des Jahres ge-
sehen. LüT.. Sag. -355. Nach anderer Angabe soll der
Vogel sich darauf beziehen, dass die Sennen zuweilen
.Vorbruch' machen, d. h. die Milch zu sauer käsen und
dadurch den Käse verderben; s. Gugger III. Guggers
Käs und Brod (Sauerklee), s. Gugger II 6. ,Das alen-
fanzet Struss so frevenlich mit so offner schmach der
warheit, dass mich schier dünken will, es .sye nit
ein Struss, sunder ein gugger.' Zwingli c. Struss. ,lst
essen und trinken opfren oder heisst opferen essen
und trinken, so gesach ich den gugger nie.' Gvrenr.
.Manche achten einen kuckenden Kuckuck höher, als
das ernstliche Zusprechen getrewer Dieneren Gottes.'
.\nhorn 1674. .Nieraal hab ich hören sagen, dass der
süessen Nachtigal auch der Gugger nachgeschlagen.'
JCWeissenb. 1678. (Vgl. Gr. WB. 5, 2524.) Lt Gr
Kai. 1884 soll man durch eine Handvoll Erde, die man
bei seinem ersten Rufe sammelt. Flöhe vertreiben
können. Vgl. Vogelb. 1557: .Ein wunder wirt von
disem vogel gesagt, dass niunlich, an welchem ort einer
disen vogel /niii .rsti'H mal höre und daselbst seinen
rechten fuoss iiiiil,z..i,.liii,. und denselbigen herd aus-
grabe, keine timli an .Icr statt wachsen werdind, wohin
der ausgegraben herd gesprengt werde, wie Plinius
schreibt.' Ebf. lt Gr Kai. 1884 soll nach dem Volks-
glauben der Kukuk mit dem Schwänze singen.
2. der K. als dämonisches Wesen, geradezu =
Teufel. 1) der T. als der wirkliche böse Geist:
concr. und pers. gedacht. Wer z' Nacht in Spiegel
luegt, der g'sie''t der G. [Volksglaube, s. Spiegel; hier
Wortspiel mit Gugger von guggen II]. Mi''' het der
G. g'hudlet B [zu einem Schelmenstreich gereizt].
,Mädi hatte diese Herzensergiessungen mit wahrer
Wohllust eingesogen und mäuschenstill dazu sich ge-
halten; endlich stach es doch der Gugger.' Gotth.
,Eisi wollte für d's Guggers Gewalt, dass man den
Wert bestimmen solle.' ebd. ,Geb wie es Wolken
gibt, will für G-s Gewalt kein Regen fallen.' ebd.
.Mit des Guckucks Gewalt.' IL-rer 1787. Es i'.s-c/) Ei"
187
Gagg, gegg, gigg. gogg, gngg
188
Guijger, der d'Lüt holt GiiChur. Zum G. si", von Pers.,
gestorben, v. Sachen, hin, verdorben sein. ,Müssiggang
ist des Guggers Ruhbank.' Ktrchh. ,Der Welt Dank,
des Gukcrs Lohn.' Mey. Hort. 1C)9'2. ,Wenn zwüschen
den Teutsehen und denen Franzosen der Friden wird
g.sehlossen, da helfe der Gugu besagten zwei Ständen
[Zürich und Bern].' Kalthics 1714. , Wollte denken
und könnt 's nicht, nichts als Teufels Gugereien.'
UERÄiiR. 178'2. Daher bereits abstrakter, in Formeln
der Verwünschung (s. 2d): Gang ztiw G.! Bs; L; L'w.
Lauf zum Giiggu! ZHörnli. Far dem Guggüner zue!
Gl. Das hei dr Gugger (Guggü ZF.) g's'e''! Bs [das
ist fatal]. I''' wött [wollte], das hett dr Gugger g'se''.
GT. De'- G. soll's hole! Bs. Wenn 's au,"' dr G.
holti ! Hol 's d. G. .' Dies aber zuweilen auch nur als
Beteurung eingeschaltet: Öjjpis Possierlicheres git 's,
hol 's der Gugger, nid g'rad B (Bari 1885). [Statt:
hol-mi"'' d. Gr., sc, wenn es nicht wahr ist.] Vgl. nem
mi''' dr G. = ireiss der Tüggeler Aa. I"'' weit, dass
di"' dr G. holti fnämj! De G. soll di'''' hole! Hol
di"'' dr G.! Ndw (zuweilen nur scherzhaft); G. Nem
di"'' d. G. ! L. Nem 's mlnetwege bald de'' G., i''' wott
nüt nieh devo tcüsse! Stutz. Dass di'^'' d. G.! B (Kuhn);
ScH (Sulger); Gr Samml. 1780. ,Das ist der Gugger,
ila.vs liiaii s(. iift nicht weiss, was das erste, was das
zHritr i.t. (Jim™. Das jtw *-e..' GrCIiut. De'- G.
,ht,il ,iu' ,l„s: li. Das G-s Werch! B, Zug! Ai-; Bs;
Z. Die (r-(s) Reis! B. En G-s Bueh, Kerli GF., G.
Öpjns G-s Z. Was G-s'!' Bs. Hieher gehört auch Futter-
[frz. foudre]- Gugger, als Fluch GW. Ein" schier 's
G-s mache", fast rasend, z. B. von plagendem Unge-
ziefer Bs. Das sind G-s Sache" (auch Ausdruck der
Verwunderung). — 2) abstr. a) zum Ausdruck des
Erstaunens. En tüsigeG.! Ai'. Fotz G! (bei Gotth.
auch einmal : Bugger). Ä dr G. ! Z. He z' G. Bs. —
b) hohen Grad anzeigend. G'schtcind wie de G. U.
Er lauft vie df G. '/.. Gufign-xfrö. s.^hr frdh B.
'.s „niiml ,i,r'' 's C-s ]V,n„ln- l!s. /)' llanni Uinnl
liiil kris (rnrhls 1,1,' : yrhi ii.iiiil ,nc ilif h,ir,i iiinjsUni,,
Gugyara Git,Scliicis (ScIiw/aI.) [-obcrdcn sich touili.sch
wild, weil sie aus dem Stalle heraus müchten]. —
c) beteuernd: Das han-i"'' bim G. nid g'imi-sst L. —
d) nach unbest. Adj. od. Pron., meist mit dem Neben-
sinn des Verwünschten, vgl. 2, 1. a) Ö^j/jis Guggers,
all, alle Gugger, alles Mögliche Bs; L; Z. Seit si do
nüd ?'ow allem G.? Vo" Wi", vom Tische". UFarner
1882. 's ist nüd miigli''', uf der Welt nu'- au"' emol
S Tag ganz ruehig oni öppis Guggers [einen ver-
wünschten Ärger] z'lebe". ebd. — ß) bei kein. Kein
GiK/ffK l'iih'ischied ist me bim Landvogt und de"
Cliiiicliliii. 17IIS, Lied, 's weist kei G. Nüd dervo".
'i'iiVNKK IMn, e) die Neg. vertretend n. verstärkend
(weil der Teufel auch nichtig ist). Do mücht de'-
Guggu Vikar si". üstf.ri. [Ähnlich bei Breitenst.,
euph. verdeckend, nicht volkstümlich: Der Guggi und
Gaggi möcht im''' Dokter si" hi der Ndtimi.'] Der
Gugger weiss nid was Aa. Es iniiii/ k'.v der G.
ScHwMuo. I"' frage" en G. dernw'' |daniacli| GF., G.
Du weist en G. G. ,[Wenn es] hätte viel Schätze,
viel Schmuck und viel Ehr, So war es nicht schöner
und liebte nicht mehr; Da hätt' ich den Gukuk von
Schätzen und Ehr.' Huber 1787.
3. von 2 übertr. auf Menschen, a) en arme G.,
Schlucker Gh. — b) leide G.! Schelte GiiL. — c) en^
tüsiga G., ein au.sgemachtfr Pfiffikus Ai>. d) Be-
zeichnung für weibliche Pers. von auftallender gei-
stiger oder leiblicher Eigenschaft GWa. — e) Guggerli,
leichte Schelte für kleine Kinder und andere kleine
Geschöpfe, z. B. : Du tüsigs G. ! GStdt. Gilggerli, liebes
kleines Kind .\p. — f) Spitzn. auf Personen ZHörnli.
Insbes. tragen die Bewohner einzelner Ortschaften,
denen irgend ein lächerlicher Streich nachgesagt wird,
bei ihren Nachbarn den Spottn. Guggu. So in L die
von Meggen, in Z die von Albisrieden und Hegnau.
Den letztern wird (ganz wie den Bewohnern von
Gotham bei Nottingham) nachgesagt, sie haben einmal
den Kukuk einzäunen wollen. Die Bürgerschaft Albis-
rieden besitzt ein blechernes Trinkgeschirr in der Form
eines Kukuks, das beim jährlichen Bürgertrunk (bis
in die neueste Zeit) gebraucht wurde. Dann pflegte
allemal der Witz sich zu wiederholen, man wolle auch
den ältesten Bürger von A. leben lassen. Das war
eben der Kukuk. Gugger ist auch Geschlechtsn. B
|Zmm|; 1, ",_'■_», S; u. schon 1464, SciiwRich. — 4. eine
An I '"i'iullilasbiilg, welcher beim Drücken einen die
Kiiiil.i ri;;,,tzoiiden, dem Euf des Kukuks ähnlichen
Laut gibt Ap. — 5. Hahn, sonst Güggcl (hd. Gockel).
,Er stellt sieh wie der Gugger auf dem Mist.' Sprww.
18'24. Daher dann wohl auch Guggerli, Beiher am
Hahn des Fasses ZBuL, Eüml. ' Syn. Güggeli. —
(3. Name von Pflanzen : a) Sauerklee, oxalis acetosclla,
auch Sür-G. Syn. Gugger (resp. Guggüser)-Klee, -Krüt,
-Käs, -Kost, -Brod, -Sp%s, dicke Milch. — b) Ampfer-
Arten, a) Sauerampfer, rumex acetosa. ß) sog. wilder
Sauerampfer, r. scutatus VOrte. — c) Buschwindrös-
chen, anemone nemorosa Aa. Syn. Guggu-Bluem. —
d) Guggug im Maie, Kukukslichtnelke, lychnis flos
cuculi Aa. Syn. Gugger-Maie".
B. Interj. guggu 1. als Nachahmung des Kukuks-
rnfes. allg. Die Kinder antworten dem K., wenn sie
ihn rufen hören: Guggu, en Nnr bist du! oder: Guggu,
srliiss du. hin , HC" (hl. nie du ! Kukuke, welche nicht
mir l.ii-l,,' soii.lcni I. i<-i.ii-l.i(! rufen, nennt das Volk
l'npiirhiuujiiii n,l,i- loppkic (r. ZBül. Auch vom Ton
einer l'leife: ,Uiid dir will ich die pfiffen ge", guggu,
guggu. so machet sy.' Com. Beati. — 2. beim Vcr-
steekenspielen der Kinder der Ruf der Verborgenen;
auch der mit dem Kinde .spielenden Mutter, wenn das
Versteck aufgehoben wird, z.B. G.! /''' ha di"' übercho!
Ar. Syn. guggugg, guggüs, gü.i:
Die gewöhnliclie Form Gugger ist z. T. mir für Bed. 2
bezeugt, gilt aber au ilcn betr. Orten iirspr. auch für 1.
Unigek. kommt die Form Guggu, welche zunächst nur der
Bed. 1 angemessen ist, auch für 9 vor, ebenso Guggüscr in
Gl. Diese Form scheint in ihrem zweiten Teil auf guggen II
Ischauen], resp. ns-g., herausschauen [ans dem Versteck], an-
zuspielen. S. Gugg-üs und Gugger B (luterj.). Formen mit «
bezeichnen sonst den Hahn (s. Güggel, Giiggehü), der aber
auch Gugger heisst; s. 5, anderseits heisst der Kukuk auch
Gugger. Die übrigen Formen erklären sich als Keduplikationeu
des Natiirlautes, wie das nhd. ,Kukuk', welches schon in der
Bibel 1667 vorkommt, während die von 1531: ,Gugug' hat.
Guggech s. u. Gugg-gaucli. An letzteres schliesst sich die
Form Guggucher. k ist im Anl. in Gebirgs-MAA. für g.
nicht selten. — Ob die weitverbreitete Sage von der Ver-
wandlung eines Bäckers oder einer Bäckerin in einen Kukuk
(s. Sp. 185 u.) auf der (nicht sehr einleuchtenden) Ähnlichkeit
des Gefieders des Vogels mit Mehlstaub beruht, haben wir nicht
zu entscliii'liii ; rlin m.,, htr an eine mythologische Beziehung
des Vogils Uli Willi iiihI Fruchtbarkeit zu denken sein,
oder, du IIa' k' i ihimI Mullnl als betrügerisch verrufen sind,
au dns Iriis. i i- h. W.mji .l..ssf1\.pn. Wl. »bor den Kukuk
liapfg. t^egjx. S'igg. g-"Sg:. gugg
im Volksghuibcii das i.ied v„ii UJKuliu; der Kiikuk, suwic
dauii deu Aiifsiitz von Mauiiliardt iu der Ztschr. 1'. d. Mytlui-
lügie, BJ 3. — Zu (>. Ou<j<jci-ts) (auch GuijijU) Chiu (und
Biod) bedeutet Sauerklee Ap: GIH., -Ä'ö» die Blüten, -Brod
die Blätter GA., wahrscli. weil man glaubt, der Kukuk fresse
dies Gewächs, wie die Kinder deu Sauerklee aussaugen.
Ähnlich scheint es sich mit b zu verhalten, c und d be-
zeichnen Pflanzen, deren Blüten mit dem Erscheinen des
Frühlingsboten sich zeigen. Vgl. noch G uijguijija-li, Guijtjucht.
Aus andern Gründen ist die Guyijer-MUdi. Wolfsmilch (s. d.)
benannt. — Zu B. Bei 2 liegt zunächst die Tatsache zu
Grunde, dass der Vogel sehr scheu ist und sich bei seinem
Kufen versteckt hält (vgl. Guy/jus); es spielt aber wohl auch
itiiijije.n II, schauen, mit. Betr. Anwendung auf den Tun der
l'feife vgl. Güije, Blasrohr, Hörn; ijügen, blasen.
Un-Gugger (ö-): ein ungemein grosses Ding oder
Tier Ap.
Un- hier offenbar in verstärkender Bed., s. Bd 1 -i!)»;
ebenso Gugger wahrsch. = Guggm-ll i. S. v. 2, 2), mir dass
es hier selbst zum Grundw., statt zum Bestimmungsw., ge-
macht ist. Vgl. Un-T,ifd.
Kirsi- (Chriesiyo-gger) = Chnesigauch Ai-.
Mues-: 1. der frühzeitige Kukuk. welcher wohl
Mites [Brei] isst, aber keine Eier legt Ap (T.). —
■-'. Leute, die den Ruf des K. nachahmen, ehe er seihst
ilm hören lässt Ap.
Gugger III: 1. „die butterige Masse, die sich
beim Kochen ungekäseter Milch [besser viell. beim
aweiten Kochen von Käsmilch, Sirte] oben ansetzt ;■
Zigerteilchen auf gerinnender Milch; auch Vorbruch
BO. (Ha.). Syn. Vogel 8, Gans, Wigger. Wenn die
Milch zum Käsen nicht in hohem Grade sauer ist, so
sagt man: Es hed der G. g'ge" Ouw. Vgl. guggeren.
De'' G. ha'', wenn die Milch so sauer ist, dass sie
Ijeim Erwärmen gerinnt GrV.; U. Schier all Ahet
hem-mer d'r G. dri'" [ist die Milch sauer] U. letz
iiei-mer is ziin G. setzen, ier nerdid wohl auch
hungrig sin BBr. (Schwzd.). ,Das heisst g'wüss Gugger
essen [etwas Unbesonnenes. Voreiliges, Verkehrtes
tunV], wo man ufricht ewig Messen.' Lied aus der
Keformationszeit. — 2. „das Gelbe im Ei GT." Syn.
Tutter.
Der Grund dieser Bezeichnung resp. die Identität des
W. mit Gugger II ist nicht ganz sicher; es müssten denn die
auf der Masse schwimmenden Zigerteilchen mit den weissen
Punkten am Vorderleib und Schweif des Kukuks verglichen
werden, wofür als Belege angeführt werden können ; Ja, ja,
'l'r Gitggin- irä>ir7it-i^ esie einUch dr Schwanz drin (U), und;
.Bei dieser Wahl schlug der Parteigeist seinen Schwanz in
die Milch Id. b. spielte mit].' Ndw Kai. 1886. Vgl. auch
uhd. .Kukukspreckleiu', bair.-östr. Guggemchcggcn, Sommer-
sprossen. Leicht kann aber auch [wie in den Beispielen sich
zeigt] das Dämonische im Wesen des Kukuks [s. Gugger ^\
mit hinein spielen. In 2 wäre der Dotter mit einem kugel-
förmigen Zigerklümpchen verglichen. Eigentümlich ist auch
die durch das Syn. dick! Milch für Gugger e i. S. v. Sauer-
klee gestützte Berührung mit diesem Ptlanzenn. Vgl. auch
noch die Angabe aus Enimeten am Schlüsse von Gugger II I.
sowie Gigger, weicher Käse (F), verguggeren und Kitzi.
Gugger IV; Ortsn. Gugger, Hügel Gl; Berggut.
ebd. Reben ,im Gugger.' XIV., AAKlingn.; XV., ZZoU..
.Gugger-Loch', waldige Kluft bei Ap, .G-Matt.- 157ö.
Aa (Arch. Wett.), ,G-TaI' Zg. Einige dieser Lokalitäten
sind z. T. als gespenstisch verrufen. In ScHwIberg
hält sich ,in der Guggeren- der .Guggehu' auf, ein ur-
alter, unveränderlicher Vogel, den man nicht schiessen,
auch nur bei Nacht sehen kann. Er gruchst wie ein
kranker Mensch. Lüt., Sag. 354/55.
Kann sowohl von guggen, schauen (vgl. GuggcnhüeJ), als
von Gugger. Kukuk, hergeleitet werden ; zu letütcrm vgl. den
Ortsn. Chante-coucoH hei Nyon, ,Amsleu' Z und die häufigen
.Vogelsang', zu ersterem dagegen noch .Gugger-Huhel', Aus-
sichtspunkt WLeuk.
guggere(n): 1. rufen, vom Kukuk B (Zyro) =
guggen. — 2. refl.. gerinnen, sauer werden, von der
Milch. D' Milch will si"- g. B oH. (Zyro). Syn. scheiden.
— 3. (unpers.) a) es g-t, wenn der Ziger im Käse-
kessel nicht in eine Masse zusammengerinnt, weil die
Milch zu wenig gesäuert ist „BO.;" Obw. Es hed
si"'' g'guggeret Obw. — b) bildl., „fehlschlagen, miss-
lingen Scnw; Zg." Syn. fdlen. — c) fein hageln, wie
es zuweilen im Frühling vorkommt. Im Mäje [Mai]
g-t 's dick [oft] F. Syn. rislen.
1 von Gugger II 1. 2 und 3 von Gugger III und zwar
3 b Ubertr. von a, von der Käsebereitung auf anderes Tun,
c von der .Khnlichkeit der kleinen Hagelkörner mit Ziger-
teilchen.
über-: unerwartet, plötzlich überscliäunien. über-
laufen GnPr. Syn. übertunderen, -tiillen.
uf- und ab-, auch us- und in-, umhin fumhaj-,
umher ('«(»mei-;-; unruhig, hastig nach allen Rich-
tungen schweifen, sich bewegen. F'' hau lang timma-
guggera" [mühsam streifen] müesa, bis i''' za Imperri
[Himbeeren] cho bin GaPr. — Von Gugger II l, weil der
unruhige Vogel seinen Ort oft verändert.
ver-: verderben, zerstören, zu Grunde richten,
z. B. sein Vermögen Gr. Syn. verchutllen, oerhaglen,
vertüflen.
Vgl. '» Guyyers machm unter Gugger II S 1) (Sp. 187), auch
Güggis. Nach dem Syn. verliaglen wäre guggeren H, nach
vertäßen Gugger II 2 als Grundlage anzuuehmeu.
„guggerig: körnicht, z.B. von der Milch, wenn sich
Zigerteilchen darauf befinden BO." Zu Gugger III :i.
Guggere s. Gugg-Gere".
Nacht-Guggere f.; Nachtkappe. - Wahrsch. ent-
stellt aus -Goggele, s. d.
Gnggernell BSi.; L. -ncilU n. B; S. -nälle f. B:
1. Dachfenster, kleines Fenster auf dem Estrich B; S.
— 2. Dachstübchen, kleines Gemach, verborgener
Winkel B, „Erker B."
Eig. Gugg-grciull. Seh-TAicke, ans frz. rr/url. rosp. .reiirrn,.
Zinne, Schiess>rli,,i ir. Au.,',;hl u-, nn.I ui. «;,l,i-.l, :M.^
,Krinne',- Ein-'ln,;n \u,, ,,!,,,[,. I, ,..|..,/. i • r : .: .l,i,
syn. Guggen I.ü.- ''-w '.... l '!"■! .!i. - • ... '/••■'■.
-Hiidi, nur d:l^- III dp. -Ml \V\V. ilii /IM II. 1. il .I.Mi . ii isl.
Zyro gibt auch Gungy,:,„alli an mit der lied.; kleiner Uiium
zum Versteck.
tinggesli, -asli, auch Peter Guggnsli: Früblings-
Safran, crocus vernus GRh.
Wahrsch. auf den Kukuk als Frühlingsboten gedeutet,
lautlich nur Nbf. von dem Syn. Krakkedi, Diiu. von er.»..».
Gfiggi: 1. (in.) a) dummer Mensch I!s. Syn. du-
gägg, Gaggi. — b) Wahrsager aus eiiiem (ilas l'.Hk.
= Gugger VI 1. — 2. (n.) a) Prauenzinmier von zwei-
deutigem Ruf Z. — b) Fernrohr B; L (f. Ineichen);
UwE., Lorgnette ScnSt., auch Guggerli. — c) Guck-
kasten Ndw; Scuw. ^ d) (auch Guggerli B, Güggi.
Ggüggli, Ggüggi G) Loch. Guckloch. „Öffnung odei-
Lücke in einer Wand B;" Gr; S. Syn. Heiter-Loch.
Dachfenster, Lokal mit Guckfensterchon (Ju. Syn.
191
Oragg, gegg, gigg. gogg, gugg
102
Gugg-Gere". — e) Name aussichtsreicher Anhöhen
AaF., z.B. Guggi-Bad, -Tal; im Guggi L (4 Mal);
Guggi-Berg, -Schwand, ebd.
Aus i/ui/fien 1 u i. S. T. üuuinier Neugier oJ. Untätigkeit.
■2 a aus der Vorstellung leichter Zugäuglichkeit oder frechen
Blickes. Das f. bei 2 b ist, wenn die Angabe richtig, aus
dem hinzugedachten Begriff von Vorrichtung Izum Sehen)
zu erklären.
Gnggis: z' G. od. i'n G. gö", fallieren, ökonomisch
und moralisch herunter kommen ßs. Auch z' Tüggis.
Wohl zu Giirjyer II 3 i. S. V. Teufel, wie Tügtjis wohl
euph. Entstellung von Tü/el ist.
Gnggis: in dem Kinderspiel G. solle' [zählen], eine
Art Verstcckenspiel. weil eines der Kinder mit ver-
haltenen Augen bis auf 40 oder 50 zählen muss, bevor
es gehen darf, die versteckten andern zu suchen GA.
Gguggis mache" Gr. dass. Syn. Gugg-üs.
Aus Gugrjau, dem Gen. des Inf. (wie Fahi» u. a. Spiel-
namen) von yugijen, weil der Betreffende nicht sehen, höch-
stens blinzeln darf, bevor er gezählt hat: vgl. inluegen.
In-: wesentlich dass. Spiel, wie Gnggis, nur ohne
die Bedingung des Zählens, so genannt, weil das betr.
Kind nicht nach aussen, sondern gleichsam einwärts
blicken soll, bevor es suchen geht AaL.
Gnggüche" (Guggücherli ZUhw.) f.: 1. Wind-
röschen, bes. anemone nemorosa und pulsatilla (Durh.;
ZUhw.). — 2. Löwenzahn, leontodon taraxacum SchKI.
Das ch dieser Formen schliesst sich an das von Oaui-h,
Guyyuch usw., das ü an das von Gutjgü. Vgl. Gufft/ütjgerli.
Alle diese Namen haben Beziehuug auf den Kukuk als Früh-
lingsboten, der auch Gugyüdier heisst. Vgl. Ginjijer JI 6
nnd Guggu-bluem.
Guggttli n.: Ei (Kdspr.) L.
Kaum fremden Ursprungs wie Guggele (s. o.), sondern
vom Namen des Kukuks benannt, der ja die Stelle des Oster-
hasen einnimmt. Vgl. Gugger II Sp. 185.
guggnliere(n): Verstecken spielen kv. Vgl. Giifigilx.
giif/gü (unter Giigger).
Gaggumniere" (auch Gug- BsStdt; G) Dini. -imwerli
AASt.; Nnw. -HWHifW/ AABb.; Bs; Z — f.: 1. Gurke,
cucumis sativus; auch c. colocynthus AABb., F.; Bs;
B; aScBW; S; Z. .Gross Melunan und Gogumeren.-
HsStockar 1519. ,Gartencucumren ; c. sat.' KdGessn.
1542. , Würzen des satcucumers.' Tierb. 1563. ,Cu-
cumer, ein frucht wie kleine kürbsle, cucumren.' Fris.;
Mal. — 2. dicke Person AAAarb.. en alti G. Z. —
3. Übern, der welschen Frauen S. E velschi G.,
Frauensperson aus der französischen Schweiz oder
Frankreich ZStdt (scherzh.). E falschi G., Person, die
aus Geschwätzigkeit es mit der Wahrheit nicht genau
nhnmt GRChur.
It. cocomero m., aus lat. cucumiti. Zu 2 vgl. Lmidjximerunze
als spöttische Bezeichnung halbstädtischer Landmädchen. Der
fremde Ursprung der Frucht verrät sich ausser durch das
Fremdw. auch noch in der Bed. -i.
Guggüser s. Guyger II und Gugg-iis.
Güggl(5-) m.: Falte. Bausch am Frauenkleid Aa.
Vgl. Gügge" .3.
Gttgg 11 m.: Ruf gewisser Vögel, vgl. ntiggen x'.
Und d' Vögeli schüttle" PerüggK, me" g'hdrt eiei'.s Pfifli,
Jceis Güggli. Schweizerb. 1827.
Fisi-Gügg s. Fisigäuggis.
Güggehn I Gii-ggehü (die letzte Silbe höher als die
erste): 1. Euf des Haushahns, lautlich nachgeahmt
Aa; Z. G.V am Morgen am Drü! Erweitert mit Re-
duplikation: Güggehiihü! L; Zg; St.*" G.! a. M. a.
D., üf go lache! Schild. CHiggegüggehü ! Z. Gilgge-
hüggü! Th. Güggeregü! Morgen am Drü usw. (An-
zählreim), Crüggerüggü! Ap; B; Z. Giiggerihü! Sch;
ZBauma. — 2. der Hahn selbst B; Sch; S; Z (Kdspr.).
Giiggerüggü Bs. — 3. (Güggerüggü) gem. Lerchen-
sporn, corydalis cava GWe.
Euf und Name des Vogels zstreffend, der letztere natür-
lich dem erstem entnommen, wie bei Guggu; ähnlich verhält
sich dann auch Güggel, die gewöhnliche Form des Namens,
beide vom reinen Naturlaut in die normale Wortbildung mit
Endungen übergehend. Güggerüggü entspricht dem nhd. ,Ki-
keriki', wofür Schild Giggerigigi gibt. Zu 3. Den Namen
verdankt die Pflanze dem Sporn an der Blüte, wesswegen
sie auch Spore", anderwärts Hahuenfuss, ,rote und weisse
Hahnen', genannt wird. Vgl. auch Syn. GuU.
Güggehü n s. G-ugge"-hür.
Gttggel Aa; Bs; BSchw.; Gl; L; GSa.; Sch; S;
U; Z, Göggel Th. Dim. Güggeli m.: 1. Haushahn.
, Ein güggel oder han, hausgüggel.- Fris.; Mal. ,Der
giikel, gugel. gule, han, gallus.' Red. 1662. ,Gallus,
Han, Güggel.' Dexzl. 1677, dafür 1716: ,Guggel.'
a) der Hahn in seinen natürlichen Eigenschaften,
z. T. mit bildlicher Nebenbed. De G. brüelet ZNer.
Ctiräie' u-ie der G. uf-em Mist L (Ineichen). Wer
am Sylvester zuerst die Stube betrat, durfte als G.
den letzten Tag des Jahres verkünden ZSth. Wenn 's
bis StKathrl (25. Nov.) g'frürt, dass 's en G. treid, se
ist die grösst Chelti verbi AAEhr. Ein Eilfertiger sagt:
/•■* ha" ZU, wie df Giggel db-em Mist! ebd. Güggeli
uf der Stege, Hüenli uf-em Mist, cha"" vier Niemert
säge, ICO mi"'s Schätzeli ist? ZObf. E guete G. ist
(oder tcird) nid feiss Aa; Bs; Z. Zwei G. uf eim
Mist tnled [dulden] enand nid. Sulger. Und wenn
die Hüener g'storhe" sind, so git de'' G. en Wittlig Z
(Kdspr.). De'' G. ztt-n Hüenere" sue setze [Gefahr.
Schaden herbeiführen] Z. Das Güggeli und das Hen-
neli gönd mit enand uf 's Tenneli (Var. sind zwei gueti
G'späneli) Tii; Z (Kinderreim). Ander Lüt solle"
d' Hüener l" diie", mir lün [wir lassen] der G. laufe"
[Warnung vor einem Mädchenjäger] Bs. Vgl. Meitschi.
Katerl, tue d' Hilendli l" und lä der G. laufe, mer
wend-em hüt nc'' z' fresse" ge" und wend-ne morn
cerchaufe (Kinderreim). Rätsel: Was tued dC G.,
wenn er uf eim Bei" stät '■! Antw. : Et hed 's ander uf.
Güggeli fange" od. Güggel schwänze", ein Spiel, wobei
die Kinder Hühnchen oder Hähnchen vorstellen, die
von einem Dieb gefangen werden. De Hücndlidieh
seit: Guete Tag, Herr Güggel! i hält gern es Hüenli
usw. im Zwiegespräch. Zuletzt sucht der Dieb eines
zu fangen, während die Hühner, den G. an der Spitze,
hin und her weichend sich ihr zu entziehen suchen
Z. Ähnlich in Bs der Wächter im Spiel Ellenmesserlis,
der den Tafel am Abfangen der Kinder hindert. Vgl.
Hüenli hüeten, H.-Brüe. .Lautere eier, das sind un-
nütze ze schlöufen oder ze hüenlen, welche die henn
allein gemacht hat one das fügelen des gückels.' Mal.
Vgl. gevogel ßd I 698. Hähne und Hühner waren
früher beliebte Abgaben. Vgl. ,Zechend-G.' .N. N.
gibt järlich ein Hnen. ein Gügel.' 1653, Arch. Wett.
.Wird man auch kein Güggel schlachten, soll es alle-
I zeit noch nachten; dann das wachbar Hannengschrei
Gags, gegg.
bringet keine Stund herbei. JCWeissenb. 1678. ,Vom
U. zum Esel springen', d. h. aus einem Unheil ins
andere geraten, s. Bd I 514, frz. coq ä l'äne, unge-
reimte Rede. — b) bildl. Anwendung. 1) Eim de
rot oder en röte' G. uf 's Tach oder Hus (u-e) tue",
mache; setze', stelle', das Haus in Brand stecken, bes.
in drohender Rede Aa; Sch; Z. Syn. en röte Chamhe
[Kamm]. — 2) Vergleichung mit iVIenschen. Er häd
Wade' n'ie-n-en G. ZS. De-- Vorsinger singt bis in
G. ufe", in so lauten und hohen Tönen wie der Hahn
THBerg. ,Er hatte eine Stimme wie ein englischer
G.- Breitenst. Er cha" 's ussicendig wie ne G. Bs.
Er cha" d' Auge' verträe' wie en G. ZO. Springen
können wie ein G., d. i. flink ZLimmatt. Vgl. Spring-G.
Er het e Chopf wie-n e G., blutrot vor Aufregung
Bs; S. Vgl. güggelrot (vor Zorn) B. Er spreizt-si''<
wie-n e 3-chrüzerige G. oder wie dr G. uff-em Mist
[ist stolz] S. Eb.so: Er stellt de" Chopf wie en G. Z.
Vfgumpe" wie-'n en G. AABb. .Er springt auf wie
ein G., ist jähzornig.' ScnSt. ,Er springt gleich auf
wie ein G.; iracundus.' Mey. Hort. 1692. ,Er juckt
auf wie ein G.' ebd. ,Er springt auf wie ein g., Hadriä
e.st iracundior.' Denzl. 1716. Vgl. Hitz-, Spits-G.;
güggelhaft 1; güggelen. ,Gegen seine Oberen den G.
machen [sich auflehnen].' Gotth. Vgl. güggligen. Ich
als junge G. törf das nüd g'icage," Z. Auch geradezu
= hochmütiger Mensch AAZein., jähjorniger Bs. Vgl.
Hochfarts-, Stolz-G. und den Bs Übern. Giiggel-Durs
(Breitenst). .So im das nüt sollte gelten, so stund
er eben wie ein anderer G.' Zwingli. Der Prior zu
den Augustinern sagt [auf der Disputation], ,er wüsste
nüt darwider, er stüende da wie ein anderer G.' HBull.
1.572 [,ander' in diesen 2 Stellen nach Bd I 303, 3 a.
aufzufassen]. — 3) böser Geist = Gugger 2. So in
dem Ausruf: Fotz Heidegüggel! do het's-m'r 'taget!
JoACH. 1881 = Potz Heie-G. Bs, und in den Formeln
der Verwünschung: Buss di''' de' G. hicl^ni) oder sust
e r/rösses Huen! Bs; 1. ; /. ,\\ riin ilirli nur d'v d.'i-—
T— G. pickte.' SoHPil-rr ls>l. Jin- (i. snll-iur'' i.irh-e'
— verzieh-m'r's Gott: n-i/im-iurr die Mntsrli, nit
zeh'mal lieher wäre" als dir'. Joach. 1883. (Die Formel
als Beteurung auch Aa; Bs; Z.) De'' G. soll-mer 's
Westli verbicke"! Sprww. 1869. — '2. Wetterhahn. ,Für
Zurechtmachen des alten Giggels [auf dem Kirch-
turm].' 1778/79, LRScHMinLiN. — 3. der Embryo in
der Eimasse, der am Eigelb oder Dotter haftet Z. —
4. (Giggeli) .Bierschnecke' Bs (It Becker, wohl Stu-
dentenspr.). Syn. Huen. — 5. Gurgel, Halszäpfchen.
,Rumen, das gurgele am hals od. güggele.' Fris.; Mai..
— 6. penis (meist Dim.) Z (Kdspr.l. ?>ii. GuiiijiirJ.
(Vgl. nhd. , Hahn'.) — 7. der bewegliiln' T' il ü^ili-i,
am Fasshahn, meist Dim. Z. Auch Gniiijii'li, ^i;l.
Häni. — 8. Tannzapfen AAÜegerf. Dira. : Zapfen der
Kiefer oder Föhre AASt. Vgl. Erlen-, Forch-, Lärch-,
Scharen-, Tann-G. — 9. einer der vielen mit bes.
Vorstellungen und Bräuchen verbundenen Namen für
die letzte Garbe (wenn sie sehr klein ausgefallen ist
Bs). Synn. s. bei Fuchs 5. In der Strohflechterei.
beim sog. Lüchen, die Handvoll Halme geringerer
Qualität, die übrig bleiben, nachdem die langen heraus-
gezogen sind ZBafz. — 10. Flurn. B; L; Sch; S.
Name eines Hauses : ,Zum G.' AaMbII. Vgl. das Haus :
.Zur Henne' in Z. Sprmg-G., Name eines Berges S.
.Güggelstein' : erratischer Block ZGlattf. Die Schenke
,beim G.' 1820. S. ,Güggelischloss' LWohlhusen (It
Schweiz. Idiotikon. II.
Leu). .Güggelhof- S [viell. einer, auf dem .lie Abgabe
eines .Güggels' lastete].
Das W. fehlt mhd., vgl. nhd. .Gückelhahu'. Unserer Spr.
ist es wesentlich, da sie ,Hahn' meist nur von Dingen und in
Zss. und Abll. kennt. Ohne Zweifel ist es mit frz. cor/ Laut-
nachahniung der Stimme (vgl. ilüyyehü); daher der wieder-
holte Kehllaut. Vwdt mMGugtjer, Guijgu und mit gagyeren,
gackern; mit yuggen //viell., wenn dieses urspr. Vorstrecken
oder Aufrecken des Halses bedeutet, was ja auch mit dem
Schreien des Hahns verbanden ist. Mit Gugger berührt sich
e. z. T. auch in der Bed. 1 b 3 und zeigt ähnliche Begriffs-
entwicklung, resp. Übertragung vom Vogel auf leblose Dinge.
Vgl. Güygel S - 10 mit Gugya- III u. IV. Bed. 5 beruht
wohl auf der Vorstellung von etwas Hervorragendem oder
-guckendem (wie der Kamm oder Hals des Hahns), die auch
bei 6 — 8 zu Grunde zu liegen scheint. 9 hängt viell. mit
Kräh-hane und den entsprechenden Bräuchen zusammen, ausser
es sei (nach Mannhardt) der Name eines ,Korndämous'. Bsi
G. als Name eines Berges (10) ist viell. a.n guggen II zu denken,
wie bei den ähnlichen Ortsnn. mit Guggen-, Giiggi-; denn
die Vorstellung des Hervorragens hängt mit der von Aussicht
nahe zusammen. Bei LLav. 1670 ist ,Güggel' der Ausgabe
von 1569 durch ,Han' ersetzt. Vgl. noch Syn. Gugd II.
Sp. 155 und betr. die mythologischen Beziehungen vgl. Gr.
WB. s. V. ,Hahn'.
Erle"-: die Fruchtstände der Erle Aa.
Fenster- Feister-: wer am Sylvester -Morgen
zuerst aus dem Fenster schaut Z.
Ähnliche Namen für Personen, die au jenem Morgen
andere Teile des Hauses zuerst besuchen.
Forch- Forr- AABb.; ZSth., Forre'- AADegerf..
oEnd., Kais., Dim. Forgilggeli AABb.; ZRafz, Rüml.:
Zapfen der Föhre. Syn. For- Bibel, -Biekel, -Igel,
-Biigeli. — Hochfarts- Hoff'erts-: putzsüchtige Per-
son ScnSt. Syn. Hochfarts- Schwanz.
Holz-: Schwarzspecht, picus martius Z. De'' H.
hat Chrämpf i' de' Beine", es git rüch Wetter Z.
So genannt wegen seines dem Krähen des Hahns ähn-
lichen Geschrei's; gleichsam , wilder' Hahn, im Ggs. zum
Haushahn. Vgl. Wald-G. Auch von HEEsch. 1692 aufgeführt.
HÜS-. ,Du bist ein rechter H.! sagt ein Narr zu
dem andern, der sich gerühmt hat: ich han ein langen
Nüttel [penis?].' Rdef 1538. .Hausgüggel. niaritus.'
Mal. — Hitz-: jähzorniger Mensch Bs. — Lärch e°-:
Zapfen der Lärche AABb. — Mode°-: eitler Mensch,
Modenarr SouSt. ; Z. Yg\. Hochfarts-G. u. in. coquet
von coq. - Mist-: unsäuberliche Person ScH; Z. Vgl.
Schmutz-, Schmier-G. Syn. Mistfink. — Meitschi-:
der gern den Mädchen nachzieht L.
Borz-: 1. Hahn ohne Schwanzfedern ZW. —
•-'. S]iottn. auf Einen, der sich in gezierter Weise die
Ha, UV am liiut.Tk.ipf nach dem Rande eines Napfes
-ihih i.lii lasst, SU dass die ohern Haare verhältniss-
niässij^' laii^- bleiben ZW. — Harzen, hervorragen, bes.
mit dem Hinterteil, daher nhd. purzeln.
Schere"-: Tannzapfen AABrugg. Vgl. Schor-
Niggeli, unreife Kirsche; auch -Näggel.
Sch mir"-: schmutziger Mensch S. — Nhd. ,schmie-
ren' aus .schniirwen'.
Schmutz-: unreinliclnT Mensch Aa; Hs; li; 8;
Z;Id. B. üyn. Dreck-(!.. Srhmiil^Kiiilrl na. /•; ,v»rc
Holzäpfel, e länge Stil ilm". <• i^dr Schiiiiii-.iiunqrl nill
e Frauhä'ü. .Madam Silniiutzgügirlin.- LKInmiikiizi
1824. .Frau Schmutzgüggel.- ebd. Bes. Schimpfn.
einer Sudelköchin B; ,VOrte". Syn. Schmutz- Ursel,
-Bubi, -Pastete, -Turte u. a. Dim.- Giiggeli, bes. von
U!
Gagg. gcgg, gigg, gogg, gugg
196
Kindern B; Obw; auch bei Uotth. Abi. Schmutz-
fjiiggelel
zürnt Bs
' Spitz-Güggel: der sich leicht er-
if^-. — S]irrn jj-i Xanie eines Hauses
-»//(/'/ /". S|iii iii;-: .,Mensch, der
1 -il'riiii^t li; L; /., lustiger Bursche,
llläufer ZLunn.
Tann-: Tann-
der nirgend;, Kulie lindet ZO. S,
— Stolz-: stolze Person ZWint
zapfen Aa; Bs; ZRafz, Sth.
Wald-: ,Waldguggel. Schwarzspecht, Bergspecht,
Tannroller, Waldhahn, picus martius.' Meisner k Schinz
1815. — Vgl. Holz-G., aus dem es viell. verhochdeutscht ist.
Zechend-: als Abgabe. Vgl. Gücjgel .Alle die-
jenigen, so in den zehntfreien Matten Garben machen,
sind schuldig, nicht allein die Garten-, sondern auch
die Zehntg. abzufertigen.' 1672. Ztschr. f. sehwz. E.
güggelhaft: 1. anspringend wie ein Hahn, auf-
brausend. — 2. ausgelassen, überlustig BM.
>>H'iggele{n) I: vor Zorn auffahren, -jucken, nach
Art eines Hahns, 's hed Alls an-em g'güggelet, er
war in heftigster .\ufregung Aa; B; VOrte; S; Sch."
„üf-: auffahren." Vgl. uf-guglen und -gügelen.
Güggeler I (auch Giig- kv): 1. Hahn Ap; GKh.,
Stdt. Cliräie tvie-n-en G. Th. — 2. Wollüstling Ap.
Vgl. Schwab. Goggder.
güggle(n) I: krähen wie der Hahn B (Zyro).
g(e)gügglet: vom Hahn befruchtet, von Eiern,
die man ausbrüten lassen kann Zg; Z. Syn. geJianet ;
s. Giilieier. Ant. lüteri Eier.
gügglige", -ligs: (Adv.) herausfordernd wie ein
Hahn, z. B. sich g. vor Einen hinstellen Z.
gtigg(e)le(ll) II (-M- UUrs.), Dim. zu giiggen II:
1. durch eine kleine Ölfnung sehen, ein wenig hervor-
schauen Aa; Gl; S; UwE.; Z (wohl allg.). Compp.
an-, US-, er-; inhin-, ushin-, fürhin-, tinderhin-g. Syn.
güxlen. Verstohlen, neugierig blicken, auch von der
aufgehenden Sonne Bs. Lueg, inc\ Mii^li :iiiii l.nrhli
üs g-t. Güggele numme'' [mix^ hii:i:' fun", dr nnnsrli
[du musst] halt zur Ströf doch /'-.'' >- ,-Iila" <Uhititr
hltbe". Bim Furtgö' het der Schnei meister im Gang
tisse" vw-em Loch g'lüsteret [gelauscht] und ine" g'g-t.
Schild. Er g-t und glüslet stlf [genau] B (Schwzd.).
No''' nie hen menschligi Auge g. dürfe und seh", wie
schön ml Meiteli do Ut. Hebel. Es schlieft in d' Hürst
[Gebüsch], — iez suech mer 's Ei's — dort g-t's use".
1. -sprossen = guggen II 2.
ilv'iuirnden Samen im Garten
(iirvhtmn g-t's [das Sanien-
iFi.n,. V,i,i Frü.-htrii ZKii.
ebd. — 2. hervuiVri
Syn. Stupfen. A'om In
UUrs. Garheimrini .
körn] zum I!,i,l,„' „
Drü Tn<hl, ,/-,! fiirr s,h,r. „ml ha-Ji in,, r'' iiiV''
uf's Ilci-hsir" ■/.. Allel, N„ii /„ilnin,: V /(„/'/ „,„l ^cclisl
[ZähndUj a-einU- gmjgk" cho. NAiiULi 1,S42. - :l. (bildl.)
hindeuten, zielen auf. Er ist no"'' hei Lump, aber es
g-t drüf. (Sprw.)
ÜS-: ausspähen Bs; B; S; s. Güggeler.
ushin-, fürhin-: heraus-, hervorgucken.
us-fisi- s. fisigügglen.
Güggeler II: der scharf blickt, spioniert; der
Alles us-g-t BBe.; S. D' Jude si"' verßuckti G., die
gseih [sehen] Alls dur-e-dur. .Joach.
,(jügge" {ü S) f.: 1. Blashorn der Knaben, aus Strei-
fen von Weidenrinde spiralförmig aufgewunden, mit
Dornen zsgeheftet; als Mundstück dient eine .Furze'
AABb. Syn. Güge 3 a, Güggi, Gägi, Gügeli. Schlechtes
Blasinstrument AaF. — 2. der Hintere, z. B. : Streck
dl' G. II if so hC,1i »/'.' AaF. — 3. Röhre, Röhren-
falte an Kl.nliini,'sstiirkon AAWohl. Syn. Gügg I. -
4. Wassers, liitiliiiy S Thierst., Bach-G., Rohrpflanze S.
Bed. 'J \ i Bhiseii wie das gleichbed. lat. änm aus h«-iiii«
von der Wz. ns, atmen, blasen. Bed. 3 erklärt sich ans dem
Begriff Röhre von selbst, nnr dass hier die Form, niclit der
Ton in Betracht kommt, ähnlich wie bei Güye die Bedd. 2 b
nnd 3 im Verhältniss zu 2 a. Vgl. auch Giiyyi ä h. Bed. 4
wie Guge 2 l, c, weil der Stengel der Pflanze als Rühre zum
Blasen dient.
Dorf-Gügge: Plauderweib S. — Von Üfiji/e" i. S.
V. I : die Alles austrompetet.
gügge(n) (-01- UwE.): 1. tuten, in langgezogenen
Tönen blasen Aa ; Bs ; „ Vw ; Z " (wesentlich = güggen 1).
Vom Nachtwächter AABb.. ein Zeichen zum Essen, auf
Höfen mit weit entlegenen Gütern BsLd, auch durch
die hohle Hand statt des Hernes, ebd. Als Ruf beim
Versteckenspiel: Gügg <-mol! AABb. Schlecht blasen
Bs; „Aa; Vw; Z". Bildl. als Ausdruck der Gering-
schätzung, Abweisung. I''' gügg-dr druf Aa. J'*
tvett-dr mit g. defilr AAZein. (auch: dn«« Aa; BHk.).
Syn. güggen, güggen. — 2. pfeifen, von Vögeln;
s. Gügger und Gügg II. — 3. , brüllen, vom Kind-
vieh Gr Obs." (auch gügen). Vgl. (Gras-)Gügger. —
4. heulen (von Menschen), widerlich weinen AaSI;
Bs (stossweise) ; „LG." Syn. gügen II 3. Vgl. auch
güggen 3. Schreien, lärmen AABb. — 5. leise spre-
chen. Vgl. gügen II 4 und Anm. dazu. .Mutire, nü-
selen, leis reden, güggen.' Fris.; Mal.
ÜS-: öffentlich ausrufen, indem ein Ausrufer in
ein grosses Hörn stösst, um die Leute auf eine Be-
kanntmachung aufmerksam zu machen. D'r Wächter
hat Chüefleisch usg'gügget AASt.
Gügger (-«-) {-l- Ndw. -oi- UwE.. l.- BSi.) m. :
1. schlechter Trompeter AaF.; Bs. — 2. Dompfaff,
(üiMiiel, Hliittiiik. Inxia pyrrhula B; VOrte; ScnSt..;
Iii: r«i: ; Z. 1 i.'H.. Inilich i?öS-ff. Syn. Gilggi, Goll,
r,iiUeiihi,-l:i:r. .lier lüiiiiiel. Gügger, Rotgügger, Dom-
ptaff". Sein Locktni, ist ,,». „„.'• HSchinz 1842. .Gucker,
Kicker, Kucki: rntln ii<tii^n Kernbeisser, Gimpel, Dom-
pfaff, Blutfink, loxia pvirliula.- Meisner & Schinz 1815.
,Güger heisst [der Bluttink] von seines gesangs wegen.'
VoGELB. 1557; dafür an andern Stellen , Gügger'. ,Me-
lancoryphus, ein schwarzkopf, grasmugg mit einem
schwarzen köpfte, wiewol etlich ein gügger, goU oder
giiiipel dartür halten.' Fris. .Gerade wie man G. ab-
richtet, zu [ileifen, was sie nicht begreifen.' Gottu.
Die Krähe ruft: G-rag, grag, der G. chunnt, er nimmt
di''' in es Ghrättli. [nach Rochh. der Kukuk]. —
3. Feuerkröte, Unke, bombinator igneus, in Mist-
pfützen sich aufhaltend und gü! schreiend ZA.; s.
Giille-G. und vgl. Gügger. Syn. Gülle'-Grügger. lin-
dere, Gügger, 's chunnt e Hege! L. [Nach anderer
Angabe Gügger 11]. Vgl. ,Regenmolch.' ,Wasser-
kröttle, in unseren landen gügger, von irer stimm her.'
TiERB. 1563. .Die kleinen wasserkrotten oder g.' ebd.
— 4. 1 — l'/ajähriges Rind, Mittelstufe zwischen Kalb
und Järli'g od. Gusti L. S. Gras-G. — 5. Öllicht
auf einem Stock von Zinn oder gedrechseltem Holz,
altes Öllämpchen SchwMuo. — 6. „rote Pustel auf
der Haut aussätziger Leute Th;" Eiterbeule ThHw.;
kleines Geschwür GF. Syn. Eiss. — 1. Rausch L
(Ineichen). „Fehlstreich oder Narrheit, die sich in
197
Gagg— gugg. Öaggsch-snsgscli
198
sonderbaren Ideen äussert L.*- Güggerli, Schlaftrunk,
Nachtzeche Lf. Nach St.'' auch : Brechmittel. - 8. (Güg-
fierli) penis Bs t (jetzt Pflß); Th. Syn. CHiggel 6. '
Das W. ist der ä.Spr. und dem Nhd. fremd. In Bed. 2 — 4
ist ts Nachahmung des Lautes, den jene Tiere von sich
geben. Vgl. gtiggen S, 'jüggen ä. Die Beziehung auf den
Kuliuk (auch bei Röt-) ist unsicher, ßüggers-froh = sein
froh (BOtt) ist wohl nur euph. statt Tu/eh-. Vgl. üugger S, i u.
Der Zuruf bei 3 bezieht sich, wenn er wirklich dorthin und
nicht zu 2 gehört, wohl darauf, dass der Ruf der Unken als
Kegen verkündend gilt. Zu 6 vgl. Güge, Oügi, Geschwür.
7 könnte von 5 abgeleitet werden im S. des syn. ,Brand' ;
die Bt'd. ,Trunk' oder ,Trank' weist aber eher auf gtiggkn,
gfigl'-n 3, gern und oft trinken. Vgl. Schnajjjis-G . u. fiiiggis.
Gülle"-: = GüggerS Z. - Weil in Mistlachen lebend.
Gras- „(-Güger, -GüggerJ: altes Kalb, zum Schlach-
ten bestimmt, mehr mit Gras und Heu als mit Milch ge-
mästet L" (St.'491, nicht in''). - Chriesi-: = CAriw/-
Gauch, -Guege Zg.
Blüemd- (Plüemggügger) : Alpen-Flühlerche, inota-
cilla alpina Gl (W.). Svn. s. bei Blüemd- Vogel. —
Bluem,!, Abfall von Heu.
Röt-: 1. Dompfaff = Gügger 2 AABb.; L; S; Tb;
UwE.; Z. Dieser Vogel scheint zuweilen mit dem
Kukuk verwechselt zu werden, dem in einem Kinder-
sprueh zugerufen wird: Eötgügger, sibe" Chrüzer, acht
Rappe': git e gueti Belzchappe. 'Oder: B., für sibe'
Ghrützer und en Grosche bist scho' lang dem Tüfel
verspräche'. (Eocuh. AK., 68). — 2. Rotkehlchen .\aH.
Syn. Bot-Hüserli. Wem-me' Rotgitggerli iisnimmt,
cMmmed Ei"'m d' Chile roti Milch über Z. — 3. Mensch
mit rotem Gesicht oder Haar Z.
Die Verwechslung mit dem Kukuk kann nur auf der
Ähnlichkeit des Namens mit Gugger beruhen, die mit dem
Rotkehlchen auf der Gemeinschaft des die Farbe bezeichnen-
den ersten Teils der Zss.
Sehnapps-: Schimpfn. für einen Säufer L. —
Geliört zunächst zu (niggtf 7 und güggcn, trinken.
Spiri-: = Tisigäuggis s. d.
Scheint im zweiten Teil nur eine Nbf. wie die andern
unter FUigätiggls angeführten, angelehnt an Gügger als Vogel
Ivgl. Vugd Bd I 692, 6). Der erste Teil scheint dass. W. wie
im Schwab. .Spirigvdükes (Fromm. VI. 68), spiren = spüren.
Spitz-: magerer Mensch AaH. ; S; Z. — .•^piiz,
mager; Ggs. rund, voll, beleibt.
Güggerei f.: schlechte Musik AaF. 7,Vl güggen 1.
Guggi (m): 1. ni. a) Schreihals. Lärmer Bs. —
b) schlechter Trompeter, ebd. — c) Dompfaff Gr;
s. Gügger 3. — 2. n. a) Blasinstrument, Hörn, Trom-
pete AAWohL; L. Hörnchen aus Rinde oder Rohr
Nnw. Vgl. Güggi 1. — b) Röhrchen. Ader im Koch-
fleisch L. — c) Anschwellung auf dem Gesicht oder
Arm B.
Zu 2 b vgl. Gxigge S. Zu 2 c vgl. Güge 1 und Gilgi.
Zu 1 a gehört wohl auch der G Geschlechtsn. ,Güggi' bei
Vad. und heute noch in S; vgl. auch ,Fridr. Schumacher,
gen. G.' 1522, Th. (Pnpik.).
Güggis (ü) m.: Gläschen Liqueur L. Syn. Gux.
— Gehört zu Schna]yi>sgügger, Gügger 7, güg(e)len 8, gügglen S,
Vs-gilglete.
güggle(n): 1. Hörn blasen L = gügen III,
güggen 1, g&ggen 1. — 2. trinken, gern und öfter,
berauschende Getränke, scherzh. od. euph. für: zechen
L; auch güglen, s. d. Vgl. Schnapps-Gilgger, Güggis,
JJsgüglete, vergügglen 2. — 3. = geissgtlgglen und dies
= geissgügen (s. d.) L.
11S-: 1. einen Falliten auf die Rathauslaube
(s. Läiibli) führen und unter Trompetenstössen an-
zeigen, dass er zahlungsunfähig und ehrlos (bei Män-
nern auch wehrlos) sei Lf (früher gesetzlich geordnet).
Syn. üs-gügen, -gügen, -güggen. — 2. den am sog.
.scliniutzigfMi Donnerstag' stattfindenden Maskenzug
(.Fritsrlii-l'nizug-) durch eine Anzahl masquierter Be-
rittener unter Hörn- und Trompetenstössen auskünden,
was am Dienstag vorher geschieht (de Fritschi usg.J.
Der Zug selbst heisst Usgügglete.
ver-: 1. = üs-g. 1. ,Der nach seinem Tode noch
als Concursit vergügglet [verrufen] wurde.' ,Die Fal-
liten wurden bei der Lasterbank auf dem Fischmarkt
[der auch Gerichtsstätte war] vergügglet.- Liebenau
1881. En Vcrgfiqrjletc. ein Concursit. — 2. vertrinken.
durch Trinken \. rsrliw, nden L; 'J'h. Er vergügglet
Alles, was er ii/- mnl n-hriiuit [erwirbt].
fisi- s. fiffigugglei, lid I 1079.
Zimper-Güggli n.: = Zimper-Güegi L (Ineichen).
(iilgger m. : 1. = Güggel Ö (auch Dim.) S. — 2. der
Hintere. De" Gigger i" d' Luft siil:cii. ein.-n Purzel-
baum schlagen W. — 3. Ziel. .Im. In iif nhe G. ue".
ihm aufsätzig sein S. Syn. Miii/ii. .siikIi, Zug. -
2 ähnlich zu erklären wie Güggel .;. - :; viell. = Gugger ] .;.
Pfann-: Pfannkuchen S. S. Gugg 3 und Ofeii-
Gugg, -Güa\
ver-gnggerle(ll): vor Zittern, Frcst fast vergehen
AAZein. — zesamraen-, zäme-: zsschauern BsLd.
Ver-g. viell. von Gugger III 1; Vgl. das Syn. verzigeren.
Doch vgl. auch das Syn. vergatterltn, zu dem es bloss laut-
liche Nbf. sein könnte; ferner gigerlen.
fifiggi I n.: Hähnchen GrD. — Verkürztes Dim. zu
Güggel wie bern. Häni (Geschln. lliinni) zu ,Hahu'.
GUggi 11 n.: 1. erhöhter Ort zum Sehen, Gestalt,
die entsteht, wenn eine Person auf den Schultern
einer andern sitzt. Uf 's G. ne", auf die Schulter Gr.
Auch Güggibutz. — 2. Dachfenster GrD. — 3. Ge-
fängniss GO.; Schulgefängniss GRLandq.; Vogelkäfig
GRMal. — Eig. = Guggi £ d, Guckloch. Zu 1 vgl. Göijrl.
Schili- m.: Schieläugiger Gr; s. Schili-gugg.
Stüde"- ra. : ehemaliger Name eines mit einem
Kreuze gezierten aussichtsreichen Hügels bei SGallen.
jetzt in , Freudenberg' umgetauft. S. Guggi 2 e.
Züri''''-(iuggler: geringerer Zürcher- Wein Gl.
Trotz der verschiedenen Quantität des Voc. (das W. scheint
sich aus unbekannten Gründen an güggen angelehnt zu haben)
könnte urspr. gügglen S zu Grunde liegen ; vgl. 6'fia-, Schnaps.
Giieggi m.: unpraktischer, unbeholfener Mensch,
bes. verächtliche Bezeichnung alter Leute GrD.. He.,
Pr. Es ist doch en arme Güeki! Onist [ohne] dass
ma' tmd wie d's Wetter, bringt ma de" Güek-i nid ab
Statt [vom Platz]. Vgl. Giiegi (s. v. Giie'g 4J und
Güegeli, s. v. güegelen.
Gaggs— guggs s. 6'a.c usw.
Guggsclli n.: leere Eischale. Die Haut eines Mäd-
chens wird an Weisse etwa mit einem G. verglichen
GrAv. — Aus rätorom. il cocc, Ei (Kdspr.); vgl. frz. <■«(,«.■,
F.ierschale.
GüggSCll ni.: Gläsche
(s. d.) und Gu.r.
liL. Syn. Ciiqgi:
Gah -?uh. (iaj — siij. (iak ,2;nii. (jal — gul
(iali, geh, gih, goli, guh.
(ieliiisi, in der an einen unerwarteten Ankömmling
gerichteten Trage: Woher, G.? Z. Auch Übern. ZGlattf.
— Beruht auf II. Kön. 5, 25.
Markt-Vor-Gelier ra.: vormals Markt-Vorsteher
in SGallen; ein von den Kaufleuten gewähltes Col-
legium mit 2 Obmännern und 6 Beisitzern zur Wah-
rung der Interessen des Kaufmannstandes, ferner zur
Begutachtung der vom Rat an sie gewiesenen Streit-
händel und mit andern Competenzen; s. Simmler-Lbu
1722.
Stelze»- schilt der Tod die Quacksalber. Run.
Meyer 1050.
^i^i, gej, gij, §•«.), g«i-
Vgl. ilit Grupiicn dtuli usw.
gajele": gehen (Kdspr.) Ndw. — Dim. zu i/nn.
Gaja f., Gäji n.: Baumwanze, cime.x baccarum.
Auch Käfer, Wurm W.
(laß lässt sich aus 'Gäch-li, Dim. zu <!ävh Bd II 103 er-
klären : vgl. gäj für gü,'h, Oaja wäre dann erst ^us der
geläufigem Dim. -Form abstrahiert. Syn. in allen Bedd. Guey.
gäjig: mürbe, von zarterm Gebäck BSa.; für dies
Tal charakteristische Wform und daher als Neckw.
gebraucht. - Zu .70« i. .S. v. 2 d (s. Bd II 6 0.).
gäj, gäjen s. gäeh usw. gäuje" s. t/uwen.
Gujong. gujonieren s. Kujon usw.
Gak, gek. gik, gok, guk, resp. gack usw.
gättke": = gäuggen 2 „BO." ,Laborom injungere
alicui, unde ridiculus fit, qui illum perfert' Id. B. —
Vgl. Syn. yauchen Bd II 106 f. und die Anm. dazu.
vcr-, -geikhu: hintergehen. Der ist nit giiete
Lleicht] z' V. W.
Geck m.: 1. Narr. Fallt der erst Sehne in'n Dreck,
ist de'' Winter m G. [ist er genarrt, ist auf einen
ernsten Winter nicht zu rechnen] oTh (Wetterregel).
— 2. junger, nichtsnutziger Mensch GrD.
Das W. ist unsevn MAA. sonst fremd; ihm entsprechen
Oägi/, Oägij. Kine Umdeutung hatten die Armagnaken als
,arme Gecken' erfahren; vgl. Gr. WB. und unser ,Jäck'. In
der Bed. ,Narr' findet sich Geck in unserer Lit. des XVIII.
und in der Form ,Jeck.' Discourse 1721.
Gecker m.: eingedrückter Hut BBiel; S. — ver-
geckeret: zerdrückt, ebd. — Viell. von der Art, wie
ein Geck den Hut trägt.
Gick m.: kleiner Einschnitt mit einem schneiden-
den Instrumente BSi. Syn. Bick.
Verhält sich viell. zu dem Syn. Bick wie (,'/.;,( IV
(Bd II 112 f) zu liiclii (vgl. die Anm. zu (;;.■;,( /li; denn
iiu.'h UM T,cclp,iti.t .!..,«.
„(iöke f.: Brustverstecklatz F."
(lockermeilt, als Schwur: Bi G.. euph.
Gott! AaF. — Vermischt und combinicrt mit ,f
(s. d.) : auch Hahr-.
(xal, gel, gil, gol, gul, resp. gall usw.
Gall I, Gallus, Galli I (Dim. GälMi) 6, Gälli
(etw.geringschätzig)L;G: Personenn. ,Gall3'.' 1555, Z,
,Gallis.' 1522, SchwE.; 1525, ZHinw. Insbes. der Name
des heilig gesprochenen Missionärs der Ostschweiz und
Stifters des nach ihm benannten Klosters SGallen.
Sein Namens- und Festtag (16. Okt.) erscheint im
Bauernkalender als ein wichtiger Termin für Jahres-
zeit und Landwirtschaft; es sollen auf denselben die
letzten Feldfrüchte eingebracht und das Vieh von der
Herbstweide in den Stall geführt werden. Galli uf-em
Stei", tvas ditsse" ist, tue hei'" Aa. (D'r) G. hocket
(sitrf) iif-cn, Sfci'. Bin: tue d' Bähe" (Rüebli) hei" Z.
l)r G. |n>\s.| „,i.\ hfürl sni, HM.r hn"' ZWeinl. Der
hchij dnll s,l:l ,if-nii Sfa inni rnrfl : Ir Bure', tuend
d' Bäbe" hei"". Usisciiw. .Der alt Gally sitzt auffem
Stei: Baur. was dausen hast, tue hei!' ZNiedergl. 1791.
Auf SGallen Tag ,muss jeder Apfel in seinen Sack.' S.
Von diesem Tag an ist das nicht eingeheimste Obst
vügelfrei für die Buben SchKI. Betr. den Beginn der
Weinlese heisst es am Zürichsee: Mieheli [29. Sept.].
n-ottst? — Galli [16. Okt.]. du muest! Vgl. Ursde
Bd I 468 und Galli- Win. ,Auf SGall bleibt 's Vieh
im Stall. SGallen tut 's Vieh stallen.' alte Baüern-
spRüiHE. Der Gall tuet ds Veh i" Stall, der Martini
tuet -s r„lli,, udii- BHk. SGall stellt 's Veh vor "e- St.,
Murhill iiiri 's gar ini. Schild. iT SGalle tuet-me"
il'n \'. xiiille" : mag's de"" nit sl", so bringt's der
Marti V BMerzl. Galli stellt d' Stiere" für •*«" Stall,
Martini tuet-se-n-in^ und d' Kathri steckt der Rigel
dri" AAÄugst. Zur Zeit des allg. Weiderechtes durfte
man nämlich das Vieh nur bis G.-Tag auf die AUmend
treiben; von dann bis Martini trieb man es auf eigene
Wiesen (Einschläge). ,Im StGallenwädel' [zur Zeit
des Vollmondes um 16. Okt.) sollen Fassreife gehauen
werden. XVIL, Gesindeokün. Muri. Wenn 's an SGallen-
tag regnet oder schneit, so deutet es auf einen nassen
Frühling. S. noch eine Wetterregel unter Verena
Bd I 915. Auch für das bürgerliche Leben ist G.-Tag
ein Termin: für Ein- und Austritt von Dienstboten
Si'HW, für Hausniiete L. Der Reimspruch : Galli, Gall,
*"* rupf dr Vogel z' oberst uf em Dolder [Wipfel] obe";
gim-mer au"'' ne Federe, chann i''' zue-dr chledere' Aa
Zein. bezieht sich darauf, dass G. der Patron der
Hähne ist. Zu: Firabig, Gallabig, schlag d' Chuchitür
zue, wie tanzed die Wiber, icie chlöpfed die Schueh
G; Th, vgl. Sing- Abend (Bd I 38). Nicht ganz klar
ist die Beziehung in der sprw. RA.: ,Handeln wie
Galli in dürren Bir(n)en [betrügen].- Kirchh. Etwas
00" Hand ne", trie d'r G. [de Bär, Baier, Hallauer]
de" Bappe [Brei] L. Ein Acker ,im Galliberger' ZNeft.
,Galli-, Galle-leh, Galleh', von Lehen, welche auf
16. Okt. aus- und angiengen L; Sch.
Die Nameusform , Galli' kann aus dem lat. Gen. erklärt
werden, wie ,Gallen' in ,G.-Tag' und im Namen der Stadt
und des Kantons als Gen. einer nach schwacher Flexion ge-
bildeten Namcnsform: walirsch. hat sie aber vielmehr das
(ial. ge\. fjil, gnl. <,'ul
202
lieliobtc -1 persöulicher Appellativa, welches bes. aucli in
Koseformen von Taiifn. erscheint. Pie Form ,Gallis' ist
.\bschwächung aus .Gallus' (v^l. h.nf,> Bd I 1093; ./f«/«;
<■„„•, udgl.).
Galle" 1: abgek. Form de.s Namens der Stadt
Sankt Gallen vom Standpunkt der alten Landschaft.
Insbes. aber verblümte Bezeichnung des in der Haupt-
stadt befindlichen Zuchthauses. Er ist au"'' z' G. g'si'
GA. — S. .\nni. zu (.'alhu. Vgl. noch Zssen wie ,Gallen-
Kappel, -Kirch".
Gallcr: 1. Bürger der Stadt oder des Kantons G.
Ap; G. — 2. ,eine Art Bretzel. stark aufgegangenes,
leichtes Brot Ap." — 3. Sant-G., eine Art saurer
Äpfel. JKettiger 1857.
•2 ohne Zweifel ein Gebäck des benachbarten SG., welches
auch .sonst für feines, luftiges Weissbrod berühmt ist. Auf
.SGallerart' stricken besteht darin, dass das Garn in der
rechten Hand gehalten wird. Eine frühere Münze waren die
.SGaller-Piessli'.
gällerle": reden und tun wie ein SGaller (etwas
verächtlich) Ar. Vgl. gäuerle".
Gall n in Zss.: Nacht(i)gall. Dieser Vogel ist
bei uns wenigstens jetzt ziemlich selten. Singe' icie-ne
N., d. h. fröhlich, hellauf Z. UBrägger 1782 erwähnt
Nachtigallen im Toggenburg. Sonst sind sie wohl nur
etwa aus alten gemeindeutschen Volksliedern bekannt;
daher dann etwa ein Scherz wie: Der het doch e Stimm
uie-ne N., wo [welche] de" Bure d' Schaf frisst ! [also
ein Wolf] L. Bemerkenswert ist die ä. Schreibung
ohne Bindevoc: .Nachtgall.' Vogelb. 1557; Fris.; Mal.
Da andere Zssen mit .Nacht-' keinen Bindevoc. haben,
so scheint er hier ausgestossen worden zu sein und ist später
viell. erst aus der Bücherspr. wieder aufgenommen worden,
lihd. nahte-, -i-gal, Tom alten galan, singen. Vgl. ijixhttren.
Gala (m. Z), Galle" II f.: Staatskleid. I' der
{im Z) G. iifzieh: Si ist se [so] schön, wem wett 's
niid g" falle', tcenn er si g'seHi [sähe] voller G. Schw.
— Das Masc. nach den volkstümlichem Synn. G'rust, (l'stat.
Galacll m.: 1. Geistlicher (Gaunerspr.). ,Galch,
galle, pfaff.- Gengenb. — 2. Schimpfw. Du Ttmgs-
Wetter Galleeh! ZFlaach.
Aus hebr. galuih, glatt geschoren, mit Bez. auf die Tonsur,
oder (vgl. .Mönch') statt ,Wallach' mit Bez. auf das Cölibat.
Galan m.: Liebhaber, Buhle ScnSt. S. galant.
galanesiere": den Galan spielen. ,Als ich drauf
kam vor den Platz zu g.. tätest mich, mein 1. Schatz,
aus Not charessieren.' 1712. Lied.
Galander I m.: Haubenlerche, alauda ealandra, in
der ä. Poesie als treiflicher Singvogel oft genannt;
später ist dieser Name ausgestorben. ,Calandris, ein
Kalander oder G. genennt, erfröuwet mit seiner wunder-
baren stimm die zuoloser.' Vogelb. 1557.
Mhd. galander, aus frz. mianilre, it. ealandra, urspr. aus
dem Griech. In der ersten Silbe fühlte man viell. denselben
Stamm wie im zweiten Teil von .Nachtigall'.
Galander 11 m. : Walze zum Glätten [Appretieren]
des Tuches, welches zwischen zwei solchen Geräten
durchgezogen (.galanderef) wird Xv. — Frz. ealandn: f.,
Mange, Rolle.
galand(e)riere(n) (-nt-.\A): plätten, insbes. die
gewaschenen und gestärkten Schürzen der Bauern-
frauen mit abgeplatteten Glaskugeln bewalzen. wo-
durch sie Glanz und Festigkeit bekommen B. .Ein
calanderlertes Fürtuch.' Gotth. Dazu bei Gotth. .Ga-
landeriere', Frauenspers. mit diesem Berufe.
Frz. ealandrer. Vgl. calandrinr. Glättstein. Viell. wird
bei dem W. Zshang mit dem Adj. gulani in der Bed. .hübsch'
angenommen oder gefühlt.
galiingge(n) (gil- GO.): nachlässig gehen, schlen-
dern, schleichen Z. Syn. glanggen. Wankend gehen,
faulenzen, langsam arbeiten GO.
Das Syn. tjlangr/en, hangen (lassen), und der Wechsel des
Voc. in der ersten Silbe, der beim Subst. auch als e und o
erscheint, zeigt, dass dieser übh. nicht wesentlich, sondern
wahrsch. nur als lautliche Verstärkung aus dem folgenden I
entwickelt ist, also eig. keine betonte Stammsilbe g-l zu
Grnnde liegt.
Galangger ÄAWohL. Galanggi (*""' ZWyt.),
Gil-i GO., kol-i (Dan.). Gel-i (e u. e) Z. Geländer
Z (Spillm.) ni. : langer, träger, schlafler Mensch, der
schleppend geht und dabei die Hände hangen lässt,
Schlendrian (in der urspr. pers. Bed.).
Accent und Form (bes. Oil-) widerstreiten z. T. der in
der Anm. zum Vb. gegebenen Erklärung, mögen aber nur
auf Emphase beruhen. Doch könnte auch das Fremdw. Ca-
langger, Hausierer, das seinen Accent zurückziehen konnte,
mit hinein gespielt haben. Gelander umgestempelt zu einer
Abi. von einem fingierten Ortsu., dessen Bewohner Zielscheibe
des Spottes waren.
Galangger e" f.: penis Aa (selten). — Das W. be-
zeichnet zunächst etw. Herunterhängendes ; s. auch Glanggere".
galant: L Adj. 1. artig, hübsch, stattlich, wohl
gestaltet, angenehm, von Menschen, Tieren und Sachen
Gl; Gr; G; Zg. G. und fi" Töchtere". E g-s Wibe'-
volch. Proph. 1855. En g-e Stier B oHa. Von Pferden.
1712, Lied. Von einer Predigt, von Wein (wohl
schmeckend) ScnSt. — 2. gutgeartet und gesittet, brav,
ordentlich, tüchtig Gl; Gr. Ggs. ungeherd. Dienst-
fertig Gr ObS., V. — 3. passend (von Sachen) GO. ;
Schw. E Cheschnerinq [Kastanienring] war nit z' ver-
werfe", die sind g. zum Neue' [sc. Wein]. G O.-Anz.
1868. Ein Lied in Schw MA. über die Ereignisse von
1830/1 sagt von sich selbst: Für d' Sache", wie sie
stand [stehen], ist 's passend und g. Gut. günstig.
,Die Kranke hat eine g-e Nacht gehabt.' B oHa. —
n. Adv. 1. hübsch, tüchtig. Gang schön und g. Es
gät g. vorwärts Gl. ,Er schlagt d' Trumme recht g.'
XVIIL, L Spiel. — 2. pleonastisch oder verstärkend.
G. schü [schön] GG. G. e schöns Wlbervolch Zg.
Frz. i/alunl, artig, fein, geschmackvoll, gefällig; brav,
rechtlich. — Lessing braucht g. auch von einem Zimmer.
Galänteli n.: ironische Bezeichnung eines Men-
schen, der galant sein will ScbwE.; eitel geputzter
Mensch Ndw. Syn. Scharmänteli.
Galätsche f.: Kalesche, leichter, offener Wagen.
,Dahin dürfte man weder mitG-n fahren noch Gutschen.'
AKliNGL. 1688. — Aus frz. ealiehe.
Galätscheri f. (resp. -tschi m.), in der E.\. über
Klatschsüchtige: Tätscheri (resp. Tätschi). G., gut
Alles goge" tatsche' [ausschwatzen, verzeigen] Z.
Gale Gale-e SchwE., Galeje Ndw. Galeie Z«, Galene
ZKn.. AU AaF., Fri.; ZZoll. f. (n. Bs): 1. Galeere
Ndw; SchwE. I''' wett lieher uf d' Galeie! Uf's G.
cho" Bs. Er ist G Jör uf dr Ale g'sl" AaF., Fri. .Sie
sassent in die galeien' [zur Fahrt nach Palästina].
Strattl. Chr. .[Die Münze] mit der galcnen und dem
uchsen hat I ß 1 hl.- 147(1. L Katsb. .Liessen wir uns
Gal, gel, gil, gol. gul
in das verding uf die gale.' HsSchürpf l-lyT. .Das
sind die gale, so den grössten schaden tüent. darin
sind allweg gerüst lüt und farent etliche suptile g.
wol mit 200 rienien [Eudern].' ebd. ,3 schiff, ain
grossen navem und 2 galleyani.- Stockar 1519. .Ver-
.schickiintr dir laiultsti-ycher uf die galeen, wie man
dann darzu.. «nl -,.|,.H',..nheit hat.' Anf. XVI.. Z Mand.
Der Toil -|irirlit /iim Kaufmann: .Hettst du uf dem
meer hundert yalee. noch [dennoch] muesst sterben
mit ach und wee!' NMan. Lt Lied von 1556 gab es
auch eine mit Geschütz versehene G. auf dem Genfersee.
,Esel [dienen] den bettlern, die in Schwaben auf den
Alpen ir kinder darauf umher fiieren, das dann im
schimpf ein schwäbisch galeen genannt ist.' Tierb.
1563. , Levis biremis; longa navis, ein galeen.' Fris.;
Mal. (Dieser Nom. auch bei Kessl.) .Raubschitfle,
kleine galeen, paro, lembus.' Mal. ,Es hat ouch der
unseren einer 2 fendli, wie man gewonet im galeen
zue gebruchen. erobert, so in's türken obersten galeen
g'syn.' 1572, Lüt. 1859. ,Nacher Venedig auf die
Galleen verschafft werden.' Z Mand. 1651. .Sie [die
Kriegsschiffe auf dem Zürichsee] sein in Form einer
Galleen.' HEEscher 1692. ,Was ist aber eine Galeere
gegen der HölleV JJUlr. 1733/34. S. noch ferggen.
— 2. etwas Weites übh., z. B. ein weites, grosses Ge-
bäude Ndw; SchwE., altes Haus ZKn. — 3. unver-
hältnissmässig grosses Weib, Pferd Zg. — 4. Allee Zg.
— 5. als Ausruf, Schwur, Fluch. Heiden Galee! Hebel.
Potz Mord Galee! Allem. 1843.
Mhd. guU, gahc (welche Fonii noch 1688, Tobl., YL.),
ijaltne, Galeere, aus it. yalea, afrz. galee usw. Das n. (auch
in einem der &. Belege) erklärt sich viell. aus dem Oberbegr.
,Schiff . 4 erklärt sich nur aus dem Gleichklang, verbunden
mit Auffassung des g als ablösbaren Präf. Bei Heiden- kann
an Türken gedacht werden, welche auf Galeeren Seeraub
trieben; es kann aber das W. auch, wie in andern Ver-
bindungen und wie ,Mord', nur in allg. S. als Fluch ge-
nommen werden.
Galeieli s. Gläieli.
Gale" m., f.: beraster Bergrücken zwischen zwei
Taleinschnitten oberhalb der Waldregion; darauf lie-
gende .\lpen W. Daher die Bergnn. Gallen BWimmis
und ,Galenstock.' Vgl. das Syn. Galni. — Wohl kel-
tischen Ursprungs.
galle(n) BBe., ä Aa; Bs; BM.: 1. spielen, auch
von Hunden BBe. Syn. gauyylen, gölen, galfen, gal^jen,
gö2)en. — 2. sich müssig herumtreiben Bs. ume-g.,
müssig, neugierig umherschauen, gaffen Aa. Syn. gal-,
gin-, glar-affen (BJ I 100). — 3. sitzend schaukeln
= gägen AaF.
Galli II BO., GälikAFrl; Bs; Btw. - m.: un-
bedachter, gutmütig schwachköpfiger Mensch, dabei
oft gross von Gestalt und ungelenk ; Gaffer, Einfalts-
pinseL Tölpel; gelindere Schelte als GÖl Bs; B. .Fa-
tuus, horao Simplex.' Id. B. Du grosse G..' Ir Galine!
Anrede eines Lehrers an unwissende Schüler B. Zu-
weilen mehr Schmeichelw. als Schelte B. So jungi
Purst si" mängisch no''' grüsUchi Gali! Gükk. 1843.
En lächerige Galli, ein spasshafter, komischer Mensch,
Tor (Sulger). Dummer Grosshans AAFri. — Auch
von jungen, spielenden Hunden Bs; BO. Synn. Galaff,
Galöli, -löri, GÖl, Challi, LalH, Lot, Lasch i, 3{ö/f,
Schminggel, Tschalpeler, Tschanggel.
Dumm-: dummer Junge BS.
Da (j(di starker bezeugt ist als galten, m ist die Frage,
üb dies Mal nicht das Vb. vom Subst. abgeleitet ist, statt
umgekehrt. Die Quantitätsverhältnisse des Voc. wechseln
wie zwischen Goll \ind Gol; viell. soll die Dehnung die mit
Dummheit verbundene Langsamkeit oder Schwerfälligkeit der
Bewegung noch deutlicher bezeichnen. Galli könnte sich zu
dem Syn. Challi vorhalten wie Gitzi zu Chiizi.
gallig: geckenhaft, jung BBe.
Galle- II Gall GlK.; Z, GälGT. f., in GT. n.: 1. wie
nhd. allg. Bitter wie-n-e G. Vgl. galle" -bitter. Bildl.
D' G. ist ilberhlt. B' G. ist-em usecho' Ap; GT. D' G.
ist-em überloffe' od. i" Chopf od. i 's Bluet g'schosse',
er ist zornig geworden; vgl. GallC-Hegel, -Bläterli,
-SeckU. Chlini Tierli händ au''' e G. Sülger. Si sind
wie Gift und G., Todfeinde GlM.; Z. Er häd e G.
gege" mi''' ZStdt. Er ist, tmrd e ßrürigi, ebigij G.
Gl. Geradezu = Zorn W. Pers.: zorniger Mensch
(Ebel). Vgl. Gift, G.-Galle'. Abi. gallig, über-g., er-
gälligen, vergellen. — 2. eine Viehkrankheit, bei der
man annimmt, die G. habe ins Blut geschlagen Gr ObS.
— 3. Geschwür im Maul der Pferde. ,So ein pferd
geschwulst oder die gallen in dem maul hat, so soll
im das maul oder g. geriben werden mit wein.' Tierb.
1563. ,So die gallen heraus oder aufgeschnitten sind.'
ebd. Vgl. Floss-G. Auch am menschlichen Leibe.
Bei Rdef 1538 wird der Krankheitszustand eines alten
Schlemmers und Wollüstlings bezeichnet: ,Voll blater,
löcher. krebs und gallen.' Vgl. noch Magen-, Wund-G.
— 4. a) Niere im Mineralreiche, eine in einen Felsen
eingesprengte, fremde, harte Steinart „BO.''; Gl; Z;
Syn. Nest; eine weichere Masse in den Fugen des Ge-
steins L (Ineichen). Molasse, die durch Spalten, welche
Wasser durchsickern lassen, in einzelnen Quadern sich
ablöst Aa(H.). Syn. Stein- Dniese'. — b) „Stelle, wo
der Sandstein härter ist als rings umher B;" vgl.
Sand-G. und gallig 5. — 5. (d' Galle" ha") vom Laub-
holz, wenn es stellenweise rot und wassersüchtig und
desshalb härter als das gesunde Holz ist UwE. Vgl.
gallig.
Mhd. galle f.; auch: Bitteres übh. und bildl.: Falschheit:
pers.: böser Mensch; Geschwulst. Bedd. 3 — 5 gehören viell.
urspr. zu einem verschiedenen W. (vgl. lat. galla, Gallapfel,
it. galla, dass. und: Blase, Geschwür am Pferdefusse, frz.
gak, Krätze, Räude, engl, gall, wundgeriebene Stelle, Wolf,
is\. galli, Vitium; bair. , Gallen', hervorquellende Flüssigkeit,
bes. an einer Stelle, wo man sie fehlerhaft findet), sind aber
mit 1 zsgefasst, weil das Volk wahrsch. Zshaug annimmt
uud die G. übh., bes. wenn im Übertluss vorhanden, als
etwas Bösartiges, Krankhaftes auch in der Natur betrachtet.
Zu 2. Wahrsch. ist darunter das nach Wirth, ,der Rind-
vieharzt', auch ,Gallicht, Blattern', genannte Rotlaufficber,
welches in fehlerhafter Gallen-Bildung und -Absonderung
seinen Grund hat, zu verstehen, vgl. Übergälli. Zu 4 vgl.
auch den Term. techn. , Tongallen' für linsenförmige, ver-
schieden gefärbte Tonnester im Sandstein und Mergel. Dahin
gehört auch der Flurn. Bach-Galle' für einige schwer zu
bearbeitende Acker GHorn.
Erd-: gem. Tausendguldenkraut. ,Centauria major,
erdegalle.' Ebinger 1438. ,Ertgal, centorea.' XV.,
ScHW Arzn. - Einfach Übersetzung des schon bei Plinius
vorkommenden ,fel terrae' ; von der Bitterkeit der Pflanze.
Floss-: eine Krankheit (Geschwulst) der Pferde.
,lst ein ross flossgellig, so truck im ein glüend ysen
in die flos-sgallen.' XV., L. — Auch schon mhd.
Gift-: zornsüchtiger Mensch Bs (Spreng). Dini.
G-gälleli, ein solches Kind. ebd. — gift -gallig:
fial. gel. gil. s»
in]
•206
1. zonisüclitig Bs (Spreng). 2. voll Gift und (ialle.
,Ein so zornmütiges und git'tgälliges buech.- HBüll.
1S32. — Gift-Giilligi f.: ,Oiie iiyd und giftgällige
oder schalkhafte.' HBull. 1572.
Glas-: flüssiger Schaum, der sich beim Glas-
schmelzen bildet (techn. Ausdruck). .Weisse Gl., dann
man auch schwarze Gl. hat, welche etliche nennen
die Feisste des Glases.' JRLandenb. 1608.
Magen-. .Das Enisöl treibt aus die zähen M.'
JJXÜSCHELER 1608.
,Sand-: Stelle an einem Sandstein, wo er härter
ist als die übrigen Teile B.- Vgl. Galle 4 h.
Stein-: 1. ,Die gel feuchte uss den steinen.' Mal.
.Etwann wird auch eine Art Steinkohlen herausge-
graben aus der Mitte der Bruchsteinen, welche die
Steinsprenger und Graber bei uns nennen St., weilen
sie aussehen wie eine gedörrte Galle.' JJScheüchz.
1707; 1746. — 2. eine Art Hühneraugen in den Hufen
der Pferde, schmerzhaft und darum beim Beschlagen
mit Speckschwarte belegt AABb.; vgl. Galle 3 und
Floss-G.
Wund-. .Die W., welche von etlichen für eine
sclilechte [schlechthin f. e.] Pestilenz gehalten wird.'
FWuRz 1634. ,Die ander Art dei- Wundsucht wird
genennet der Schauder oder W.: die kommet auch mit
Frost, darauf doch kein Hitze, sonder grosser Wehe-
tagen in der Wunden folget. Man siehet auch gemein-
lieh ein kleines Bläterlein, entweders in der Wunden,
welches hell und klar, oder ausserhalb bei der Wun-
den, welches braun ist und voll Blut stecket.' ebd.
Winter-: Herbstzeitlose, Colchicum autumnale
SoHwSehüb.
Viell. uiufach des scharfen, bitteru Geschmacks (vgl. iu
LiithtTs Bibelübersetzung , Galle' für ,Unkraiit' und ,Giftkraut'
in der zürchftrischeu), viel], auch der Form der Fruchthülleu
oder der Zwiebelkuollen wegen; doch vgl. auch das Syn.
Ij allen- Bluem, aus welchem es verkürzt sein könnte wie
"ugger für Gugrifi-Biuem.
ver-gälle", -gelle" (e' Ak; Z): verbittern, ver-
derben, verleiden, z. B. eine Freude.
iaile
itl.
.Ampfe
Uber-Gälli f.: 1. Uberflu.ss
Wasser vertrybt die gilwe |(iell>
menschen ist von übergalli.' XV., Scnw Arzn.
2. Magenverstopfung beim Vieli. .Vk' ii. Vet. l^'J".
3. .Rinderpest, Ubergälle, Gallenruln- I,/'^'iiluirf.
Hornviehseuche.' Römer u. Schinz l>ii'.'; S, hin/ 1^12.
Gilt als Währschaftsraangel. Auch l'lirr-(nHliiii.
'2 und 3 gehen auf 1 zurück; vgl. .\uiii. zu {i'allt; II.
■2 ist wahrsch. nur eine ungenaue Angabe für 3, insofern
sich die unter 3 genannte Krankheit u. A. in unterdrückter
Verdauung mit Aufblähung des Leibes äussert.-
Gift-: gehässige, neidische Gesinnung. ,Kyb, nyd.
hass und giftgälle.' HBull. 1531. Vgl. Gift-Gälligi
s. v. Gift-Galle.
gallig, gallig -a- BSi.; Odw; W. -ii- Af; Gl; G:
1. an der Galle leidend. .Einem galligen Jüngling, so
stets das feber gehebt.' Vocelb. 1557. - - 2. jähzornig
.\i'; BSi.; Gl; G; ÜBw. Yg\. chölicj. .Rabiosus, wüetig.
taub, rüssig, gallig, voll Zorns.' Fris. - 3. gehässig.
.Oratio plena veneni, ein giftige und gallige red.' Fris.
— 4. von einem Tier, das die Galle (2) hat Gr ObS.
— 5. (gallig) vom Erdreich, fest, lehmig, so dass es
schwierig zu bearbeiten ist Ai'K. ; GHorn ; vgl. Galle i h.
■- 6. vom Laubhiilz mit .l.-r unter (lalle:, geschilderten
Eigenschaft UwE.
„über-gallig" (« GlH.): jähzornig. Fber-
Gälligi f.: = Ühergälle 3 Gl.
er (auch ver)-gällige(n): zornig machen, werden
(auch refl.) Gl; ergälliget, erzürnt, ebd.
Galene s. Gale. Galeppe s. Gleppe.
Gallern m. AAFri.; Bs, Gallere f. BsStdt. sonst
Gallerech, -irich (m.): 1. Gallerte, Sulz, Gelee; als
Speise (geronnene Fleischbrühe mit einzelnen Stücken
Fleisch darin) AaF., Fri.; Bs; B; L; U; Uw. Syn.
Suh. Die Glättere' hei deiie" Hiiitfraue" scho' ivüsse
der Verstand z' mache', dass es htm Firabe"' iw''' es
Glas Wi" u'"' e chli Hamme u"' Gallerich 'ge' het. Dr.
BiRi 1885. Am Neujahrstage, wo Bürger und Hand-
werker auf ihren Trinkstuben zusammenkamen und
Geschenke in Geld und Galrei brachten.' Bs XIV.
,A. 1500 wurde verboten, am Neujahrstage Galren
auf den Zünften zu machen, sie sollen sich mit Ge-
sottenem oder Gebratenem begnügen.' Ochs. ,Was den
götzen [Heiligenbildern] bishar zue zeichen ir gött-
lichen kraft fürgehenket und geopferet ist, als kinds-
wiegen, krucken und wächsin arm. Schenkel und ander
figuren, soll alles zu einer gallren oder sulz gemachet
werden.' NMan. .Von dem schwein werdend bereitet
die sülzen oder galre.' Tiere. ,Um fisch zum gallern
2 pfd 2 p 8 d. Um spezerei zum gallern und zu an-
derem zug z' bruchen 2 pfd 5 ß. 2 mass wyn zum
gallern 5 ß 4 d.' 1576, B Küchenrechn. .Gelatina. Sulz.
Gallern.' Denzl. 1716. ,E glonze [glänzend, durch-
sichtig] Gallerech.' Balz 1781. — 2. etwas Bitteres
wie Galle: Bitter icie ne G. Ndw.
Mhd. galreide, -rede, galhert, galrei, aus mlat. geladriu.
Die daraus verk. Form Galkr mit -eck, -ieh welter gebildet
nach Art der Coli, auf -ech, ich(t), aus ahd. -alii. Bei '2
seheint das W. als Nbf. von Galle missverstandeu.
Galette Galeta Gr (Sf) f.: Flockseide; häufig in
ZZoll.- u. a. Ordn. des XVU./XVHI. unter ,Floretwaar'
genannt. ,Galleti' (PI.). 1639 u. 1692, Z, sonst ,Gal-
iet(t)en.' Auch Galet-Side«. - Frz. «oie galette, schlechte
Flockseide; vgl. it. galette da sete, Cocons.
Galfl)otti n.: der unterste, farblose, aus Sehnen
(hI.t Ditniien verfertigte Teil der Angelschnur, an
wel.-hiM- die Angel selbst befestigt wird GrD.
Wiilusi-h. aus dem vorhergehenden gebildet, indem früher
ridie Seide zu diesem Zweck verwendet worden sein wird.
Galli 111, -is n.: grober Baumwollenstoff, dünn ge-
schlichtet, bis in die 40er Jahre um geringen Lohn
gewoben ZO. Ei- hat frili"' nüd ril z' schabe' g'ha
und st nüd vil dure s'bittze'; 's händ Bedi nw müese
Galli wehe" und das isch y'nueg g'säit! JSenn 1864.
Verk. aus frz. calicot, leinwandähnliches Baumwolleuzeug,
Kattun, aus Calicut. Die Form auf -in nach Analogie von
Stoff-Adjj. wie iM»"., Sidi'8.
Galie s. GaU.
Ualiot m.: Galeerensträfiinfj-. Srliafje" irir cii G-,
hart arbeiten GrD. Fn Gajute"-Cheib, Schimpfn. Lf.
— Span, galeote, frz. galiot, it. galeutto.
Galiote f. ,Galiot, Lustschiff, phaselus.' Denzl.
1677. — Span, galeota, frz. galiote, it. galeulta.
Galise u. Dim. -Ii: Hahnen fus.sblünichen, ranun-
culus aeris GO. — Aus dem syn. Uha»e wie Galik aus
SUl
■208
Galöggi (''") lu.: grosser, linkischer Mensch AAFri.
— Viell. Verqnickung aus den Synn. Galöri und Lopi, resp.
galöle(n). Galöli s. Gall-Löli.
Galopp m.: 1. wie nhd. Wer im G. [in Saus nnd
Braus] lebt, fahrt im Trapp em Tüfel zue. Sulger.
— 2. ein Tanz: Galoppade.
gal6ppäde(n): Galoppade tanzen. Min Bueb ist
uf em Tanzplats und walzeret und galoppädet GEbn.
(Feurer).
Galoppader in.: der sonst Galoppade genannte
Tanz SThierst. — Umgebildet nach den männlichen Tauz-
namen: Walzer, Hopser, Ländler usw.
galoppe(n): eilig laufen. Er ist z' röss [zu stark]
g'sprunga, dass er bald nümme hat möge' g. GRMaienf.
(Schwzd.).
Galopper m.: saurer, schlechter Wein, den die
Bauern selbst trinken GRh.
Wahrsch. so benannt, weil man ihm die Eigenschaft zu-
schreibt, heftige Diarrhöe zu bewirken.
galoppiere(n) : im Galopp fahren oder reiten,
auch schnell gehen, laufen, rennen, allg. Bildl. sich
über alle Schwierigkeiten weg setzen, flüchtig ver-
fahren Uw. — ver-: refl. 1. sich verlaufen, verirren.
— 2. bildl. im Sprechen oder Handeln aus Eilfertig-
keit und Unüberlegtheit sich irren; auf Abwege ge-
raten, über die Schnur hauen, sich verrechnen, ver-
steigen, seine Kräfte überschätzen, allg.
,(ialörilf.: Strengcl, Krankheit der Pferde BSa."
Galöri 11 (galören) s. L&ri.
Oalotte (i-) f.: Uhr älterer Construction GwEr. —
Aus frz. caloHe oder it. caloUa, Käppchen, Deckel an der Uhr.
Galrei s. Gallerech.
(ilalliln ra. : Borte, Tresse. .Den Mantel mit einem
Galaun einfassen.' G Mand. 1611. ,Vermüglichen Bur-
geren allein zugelassen, ganz güldene und silberne
Gallunen und derglychen kleine Schnürlin eins oder
zwei uf den Wamisten allein den Näten nach und uf
den Hosen vier oder fünf nebent den Secken, oder an
statt derselben ein zilige [bescheidene] Breite gebro-
dierte güldene oder silberne Schnür, die aber nit
breiter als fünf G.' B Mand. 1628. ,Zu den Schuhen
und Pantoflen weder Spitz noch Schnür und keine
andern Galaunen, als was zum Verbändlen der tuchinen
Schuhen erfordert wird.' ebd. 1686. — Aus it. ijiMmie m.
Gallus s. Gall I.
Gallwiler: Apfelsorte, s. Bd I 368.
gäl s. gel".
Gällere s. Kellerin.
Gälli ni. : kleiner Schlitten, auf welchen man beim
sog. ,Heubergen' das vordere der beiden gleichzeitig
mit einander ins Tal zu schaffenden Heubündel ladet
BSi. Syn. Vor-, Bock-Schlitten.
gäling s. gächling.
Gaul s. Gül.
gaille(n) 1 Uauwle BSi.: spielen, aber nicht einsam
und ruhig, sondern etwas wild, im Scherz mit einander
raufen, sich auf dem Boden herumwälzen, bes. wie
junge Tiere (Hunde, Katzen) und Kinder tun Bs; B|;
„F." Und wie 's [das Murmeltier] rfo lustig g. tuet,
und 's Männli maclit im Übermuet. Hikderm. ilfe*
gaulet, herdelet, tanzet chli", ein klein wenig. Schweiz
186'2. Hüpfen, von Lämmern BSi. Tändeln, von Ver-
liebten Bs. Die Zeit mit unnützen Dingen zubringen
BBe. Syn. yalpen, narren, ranzen, riltzen.
Lautlich nächstvwdt mit gokn und wahrsch. das selbe W. ;
schwerlich zsgez. aus gaugUn, gaugghn. w in der BSi. Form
erst aus u entwickelt.
Gauli n.: Spielkatze, Katze, die gerne spielt und
mit sich spielen lässt BsStdt.
gaulig I: zum ,Gaulen' geneigt, z.B. von Hunden
und Katzen BGu. Syn. überstellig, närrisch. — S. uuch
gütig.
Gel: Personenn. L. nach Häfliger (.Bruder Geel')
Agidius, nach .andern Gabriel.
Gell m.: durchdringender Schrei BSi. (i-); „L;"
GW. „Er hat einen grüslichen G. ausgelassen." Syn.
Geiles.
Gelle" I, rf". resp. e- AAZein.; B; Gr (tw. i-),
e' Aa; Bs; Gl; Gr tw.; G; U; Ndw; Z, Gele GA. — °f.:
gellende Stimme Aa ; Bs; B; Gl; Gr; L; GW., U.; Z.
Hüö! schreit ei' mit siner gruslige G. BsLd. De hätt
e G.: er hätt en guete Pfarer g'ge", dass men-en im
hinderste Winkel g'hört hätt AAZein. E G. tcie c»
Nachttcächter Gr. D' Hund störid Ei"'m sl Bue'' mit
irer G. HXfl. ,Vox sonora.' Id. B. ,Mangelt ihm doch
nicht die Gelle.' Fröhl. ,Schruwend [schrieen] mit
grusamer gell.' Salat. Syn. Kelle, Lüte. Früher auch
vom Ton von Blasinstrumenten : ,Acuti litui, die hell
und hoch lautend, die hoch in die gell gond.' Fris.
Pers. (vgl. Galle) laute Klatscherin und Lachcrin;
Lästermaul GW. E G. sl', eine stark schallende
Stimme haben ZO.; bes. spottw. von Weibern Bs.
Schnuder-: Mund, in den aus der Nase Schleim
herabhängt; auch solcher Schleim selbst und Mensch,
der ihn hat Gr; U.
gelle(n). rf-, resp. e-°B; GrV.; GW.; Sch, «'Ndw;
Z, i- BSi.; GrL. : 1. durchdringend tönen, rufen,
schreien AaF.; Bs; BSi.; GrD.; Sch; GW.; S; Uw,
auch: laut weinen Gr. Von Hunden und Füchsen:
kläffen, bellen AaF.; GrL.; Obw. Syn. gleien; hauren.
Mulen und g. Proph. 185.5. Me' sieht, wie si gellt
[schmält] und Gift und Galle' sprüet. JMiHLv. ,Er
sang in seinem Übermut ein geiles Lied; er gällete
und wieherte laut wie ein junges Boss auf voller
Weide.' HPest. 1783. ,Des fuchs rechte stimm ist
gellen oder beifzen.' Tierb. 1.563. ,Vocem modulari,
die stimm recht füeren, temmen. massigen, nit über-
schreien oder g.' Fris. .Gellen, greinen wie die weiber.'
Mal. ,So ein Kind einschlief mit Angst, als man kann
spüren am rochlen, achzgen und schnupfen, wie auch
erschrecken und gällen [schreiend auffahren].' FWürz
1634. — 2. prallen, aufschlagend abprallen, göllern,
wie die sog. Prell- oder Ricochet-Schüsse. Syn. gelten.
, Welcher schütz aber gölt oder brölt und nit fry
durchgat, in irre dann span. nagel oder öst, der gilt nit.'
1485, G Schiessplan. ,Wo eine Kugel zu kurz gehet,
würket sie oft im Gellen das Meiste.' Kriegsb. 1644.
Der Grundlaut des starken Vbs gellen ist ?, er hat sich
aber, wie bei andern Vben dieser Klasse (und wie bei dem
Subst. Gelh), z. T. mit dem Umlaut e des schwachen Vbs
gemischt. Bei 2 tritt die den Schall begleitende oder ver-
ursachende Bewegung hervor. Vgl. mhd. sehet, laut tönend;
springend.
Gal, gel, gil, gol. gul
210
ab-: abgleiten, plötzlich ausglitschen, abprallen,
abspringen U.
über-: beim Reden Andere übertönen, -schreien.
an-: hart anfahren B.
er-: 1. stark widerhallen Gk. .Vor Freude e. die
Berge.' 17o7, Jes. .Mancherlei Getöne und Widerhall
e. [erschallen].' 1707, Weish. Auch refl. ,Die Himmel-
fahrt ist ein Triumph, darüber die Erden jauchzen
und der Himmel sich ergellen mögen.' FWvss 1650.
— '2. schreiend auffahren, aufschreien. ,Es hält aber
der Krampf stark an, strecket und beugt ihre Glieder
mit grossen Schmerzen, nach diesem ergällen die
Kinder.' FWürz 16.34. - Mhd. erytUen.
er-ge'lle": erschüttern. ,A. 1356 erhübe sich
zu Basel ein solche ungeheure Erdschüttung, dass
hiedurch sonderbare und gemeine Gebeuw nicht nur
ergellet, sonder auch zu grösserem Teil in ein Haufen
gefället wurden.' Wurstisen.
Mhd. eryelkn, (durch Schall) erschüttern; vgl. mhd. «-
ichcHen, mit Geräusch zerbrechen, gegenüber erschethn, er-
schallen, ertönen.
gellend: klar hervortretend, offenbar, a.) yälland,
gällunds Isch, Glatteis GrD., L., Y.; W. — b) jäh.
schroff, nackt. E gäUundi Fliioh CrPt.; W. Syn.
schnidend. ,Ein hoehen berg, der so sorglich, dass
an vil orten an einem gellenden felsen der weg bloss
zweier finger breit gewesen.' 1.531, Strickl., Act.
,.\n einem aufrecht gellenden felsen.' ARyff 1600. —
c) e g-i Biedere, Eiterblase GRPr. — d) bildl. ,An
dem ort nützit dann die gällende armuot ist und
überall nützit vorhanden.' 1531, Strickl., Act.
Das Ptc. Prs. von gdllen, adj. gebraucht wie das syu.
'jfUiij. Gellen scheint zunächst vom Schall auf das Licht
übertragen (vgl. .grell, hell, schreiend' von Tönen und Far-
ben, dann auch von Gegensätzen und Widersprüchen) und
auf dem Gebiete der Gesichtswahrnehmung angewandt auf
verschiedene Erscheinungen, welche den Begriff des Offen-
baren, klar und nackt Hervortretenden, also auch hohen
Grades einer Eigenschaft gemein haben.
gellig. gälig, „gäll- und gäl- Gl; Gr; Vw; Z;"
gälliCgJ Ap; Gl; Sch (e*); UwE., gäl- SchwE., e' Z,
ge'll- Aa; BHk.; Gr; „L;" GRh.; Sch; Z: 1. vom
Hunger, überaus gross „Aa; B; L; Vw;" Sch; Z.
Syn. heilig, köllig. De"^ gelligst H., der erste, grim-
migste, schreiendste, der zunächst Befriedigung ver-
langt Z. Der macht Auge", a's icenn-er d'r gälig Hunger
hett; auch subst. : D'r G. luegt-em zue den Augen üs
ScBwE. .Esuriens insane, der den galligen hunger
hat, der von hunger ertaubet.' Fris. .Rabies improba
ventris, edendi rabies, der gross oder g. h.' Fris.; Mal.
S. noch nissig. , Grosse armuot, gälige hungersnot.'
XVII., Ztschr. f. schwz. R. ,Gelling, gellinger Hunger,
faines dira ac dura, ssva.' Denzl. 1677; 1716. ,Eine
feurige Begierd, einen gelligen Hunger und Durst
nach Christo.' JJUlr. 1733/34. Auch als Adv. .Nach
Jesu und seiner Gerechtigkeit gelliglich hungeren und
dürsten.' JJÜlr. 1727/31. Von Pers.: heisshungrig
(Ebel); erpicht auf Essen auf Kosten von Andern
üwE.; s. gellen II. S. noch küllig. — 2. von Kälte,
grimmig; g. ehalt, auch einfach gellig, eiskalt ScnSt.
(Sulger). — 3. von Eis, glatt, spiegelhell Gl; Gr.
Vgl. gellend a) und hell. — 4. vom Feuer, hell auf-
flackernd L. — 5. von Felsen, hart. Vgl. gellend b,
aber auch Galle 4 b. ,So lauft' das Gewässer durch
einen harten, gelligen Felsen.' JJRüeger 1606. ,Der
Schweiz. Idiotikon. II.
Wasser [hat] bringen können aus g. f., hat selbs durst
gelitten.' FWyss 1650. ,Es muss ein grosser g'walt
sein, eh [er] die g. f. zum aufspalten ergwünnen mag.'
ebd. ,So hart als die gelligsten Felsen.' JJUlr. 1727/31.
— 6. von einem Felsen oder .\bhang, jäh, steil, auch
kahl Ai-; Gl; GRh. Es göd [geht] völli« gällin u-i
hinauf [hinauf] ApK. Syn. stotzig. — 7. baar, wirk-
lich, z. B. „vom hervordringenden Blute" ScnSt. Syn.
lotig, urehen, hell. D'r g. Fü", der wirkliche Föhn,
nicht nur ein vorübergehender Luftzug Gl.
Die Bedd. erklären sich alle aus dem in der Anin. zu
tjMend (mit welchem geilig in unserer Spr. auch lautlich
identisch sein kann, da das -end des Ptc. Prs. meist in -ig
übergeht) angenommenen Grundbegriff und zeigen auch mehr-
fache Übergänge zwischen einander, so 3 und 5. Die An-
nahme des Gr. WB., dass sich in diesem W. mehrere ge-
mischt haben, ist also unnötig.
Geladi: Personenn. 1599/1701, Taufb. ZRüinl.,
viell. .Gelasius'; vgl. aber auch Gladi.
Gelander, -langgi s. Galangger.
Geläreteli n.: Taschenuhr Gl (scherzw.) — Aus
der frz. Frage quelle heure est-il? mit Dim.-Suffix.
Gelle" H f.: Buhlerin. ,Rivalis, gelle vel zuowip.'
Edinger 1438. — Mhd. ydU, Nebenbuhlerin, Kebsweib, aus
ahd. gelhi, gi-ellu.
Wind-: Name eines hohen Berges in Uri (früher
.Kalk.stock'), auch eines Berges bei BSa. Bildl.: Öuseri
Zinne' ist wie-n-e W., hoch und frei gelegen Z (Dan.).
Mau denkt wohl zunächst an das Heulen und Sausen
(gellen, s. d.) des Windes um die Bergspitzeu und diese Deu-
tung führt auch nicht weit von der Wahrheit ab, nur müsste
das Comp, dann ,Wind', nicht ,Berg' bezeichnen. Das Comp.
, Windsbraut, das auch im Volke noch lebt, führt auf die
richtige Spur, dass Windgelle einen (weiblich gedachten,
resp. mythologisch personifizierten) Bei-g bezeichnet, mit dem
der Wind ,buhlt', d. h. um den er spielt oder streicht. Vgl.
Haupt, Ztschr. VI 290, und NAlpenp. V 181. Hieber ge-
hören viell. auch die Bergnn. : ,Hund-G.' 1.5.")6, LSemp. und
,Schin-G.' 1454, AaSins.
gelle(n), gälle(n) II: viel und gierig essen, auf
Kosten Anderer, z. B. von Dienstboten, Tagelöhnern
UwE. — Abgeleitet od. abstrahiert von dem Adj. gellig (1)
i. S. V. heisshungrig.
gelle(ll) III {e') : spähen, gaffen, z. B. von der Strasse
in eine Stube ZZoll. f — Gruudbed. wahrsch. = mit
offenem Munde blicken, abgeleitet vom Subst. (relle I.
gelle(n) IV: Ja sagen, beistimmen, gutheissen.
Recht geben B. Er gällt im Alles, tanzt nach seiner
Geige. ,So ein Weib ist gewohnt, dass ihm Alles
[Jedermann] gället' Gotth.
Gebildet von gell ^ gelt (von gi'hen) i. S. v. nicht wahry
welches auch als Zustimmungsform gebraucht wird (s. d.).
geil {gel F): 1. von Menschen, munter, gesund
GS. ,Wol uf mit ryehem schalle und sind all frisch
und g.' XV., Lied. Übermütig, mutwillig, närrisch F.
,Guet [,besser'] ist hoffen in gott dann [als] in men-
schen und in die fürsten, herren geil.' JLenz ca 150ii.
.Sie [die gsellen] sind jung, fröhlich all und geil und
zugind gern an Venus seil.' HRMan. ,Der Bär [Bern]
ward frevel, frisch und gail.' Salat. , Ein junger knab
hat über friden geredt: du giler keib.' 1541, .\mts-
rechn. ZGrün. ,Diewyl du aber bist so geil, will ich
dir eins versprechen, dass du wöllst fürhin [fürderj
ruowig syn.' 1576, Erwiderung auf ein Spottgedicht.
211
Gal, gel, geil, gil, gol, gul
Subst. : Narr. 0 du dumme'' Geil, bist mer lang scho'
feil usw. KocHH. 1857. — 2. von Vieh, lustig GRÜVatz;
GSa. — 3. von Pflanzen, üppig aufschiessend und aus-
wachsend GSa. Syn. frueiig. — 4. von Feuer: stark
aufflackernd. ,Im anfang sollt du das fewr nit allzu
g. und hitzig machen, sonder allein lind brünnen
lassen.' JJNdsoheler 1608. — .5. von Wunden. ,G. oder
faul fleisch wirt hinweg geetzt, so man vitriol darauf
sprengt.' Tierb. ,C'arneni supercrescentem coercere.
dem geilen fleisch weren, verhüeten, dass es nit wachse.'
Fris. ,Gegen das geil oder überig Fleisch' [an Wun-
den] wird Alaun empfohlen von Würz 1634.
Mhd. geil, mutwillig, üppig, lustig; auch vom Fleisch.
Das ein Mal vorkommende i für ei beruht viell. auf der im
XVI. nicht seltenen Verwechslung des alten i, welches damals
ei wurde, mit dem alten Diphthong; doch s. auch g'du>. Betr.
den Übergang der Bedd. vgl. Anni. zu freeh und fruetiij.
Biber-geil f. u. n.: Biberhode. ,Von der b. und
irem nutz. Weil sy der bibergeilin ein bösen geruch
zuogebend.' Tierb. 1563. ,Das b., castoreum, biber-
hoden.' Mal.
Mhd. (/t>7 n., Lustigkeit, Instiges Wachstum ; Hodeneben
gleichbed. geiU f. und wahrsch. erst aus diesem verkürzt.
S. d. folg.
Geili f.: 1. Übermut. ,Deferbuit adolescentia. die
hitz oder geile der Jugend ist vergangen oder erlegen.'
Fris. — 2. Hode, ,Niere'. ,I)ie bibergeile ist an ge-
ruch der rechten geilin ungleich.' Tierb. 1563. ,Dass
man etwan seine [des Bibers] nieren, die gross, für
sein geilin, die klein, ausgebe.' ebd.
geile": 1. von Menschen, a) Freude. Mutwillen,
Übermut empfinden und äussern. Synn. gauggelen,
gauleu, gämelen. ,Des [über eine gute Nachricht] wur-
den s" frolich, geilten mit guetem muet' JLenz, ca
1500. ,Ich wonen nit under den verspotteren, das' ich
geile oder muotwille.' 1531, Jerem. — b) gelüsten,
jucken GRTschapp. Syn. nasseren. — 2. von Vieh:
herumspringen GO. Von Fischen: spielen. ,So die
delphin in dem meer spilend und geilend.' Fische.
1563. — 3. von Pflanzen, stark aufschiessen und aus-
wachsen, z. B. bei zu grosser Wärme im Zimmer Z.
Auch ver-, s. d. Vgl. geil 3 und geilig. — Mhd. geilen,
übermütig sein; sich freuen; wachsen und wuchern.
er-: (refl.) sich erfreuen, sich lustig machen, Mut-
willen treiben. ,Also hat sich abt Uolrich mit den
Appenzellem abermals ergeilt und inen nit wenig an-
b'halten [abgewonnen].' Vad.
ver-: 1. (refl.) üppig auswachsen, krankhaft lange
Schosse treiben Bs; Z. Der Blumenstock hat sich im
Winter in der warmen Stube vergeilt Bs. ,Ein reben,
die sich vergeilt: vitis, qu« nimium luxuriat et abun-
dat.' KdGessn. 1542. — 2. (Ptc.) von Menschen. .Ja,
wo man mit dem geldsack lüt"^', da laufend s' all dem-
selben nach, vergeilt man ist [von leidenschaftlicher
Begierde erfüllt, betört].' Euef 1538. - Mhd. refl. über-
mütig sein, sich erlustigen.
geilig: von aufgeschossenen Pflanzen. Syn. ge-
reiglig.
erst-: zum ersten Mal sich vermehrend, z.B. von
Tauben Bs.
Geiligkeit: 1. Lebhaftigkeit. .Yedoch soll mer
die schöne gestalt, muetigkeit. j.'cilkeit und storke der
pferden betrachtet werden, dann 'lic färb.' Tikhb. 1563.
,So es [das Füllen] den anderen mit geilkeit vorlauft'
ebd. — 2. von Wunden, i. S. v. geil 5. ,Und wert der
geilikeit der wunden.' XV., Schw Arzn.
Gll m. ; Bettel. ,Den pfaffen ursach geben, den
gyl und gutzel wie vormals wider ufzerichten.' 1526,
Egli, Act. - Mhd. gtl m., Bettel.
gile(n) I: betteln. Syn. guenen und gutzlen, mit
welch letzterm es oft verbunden wird. ,.^m Neujahrs-
tage, wo sich auf den Trinkstuben Spielleute und
Pfeifer einstellten und um Geld gilten.' Bs XIV. Ein
Landfahrer sagt: ,Ich hab mich lang darmit ernert
und keinerlei arbeit gelert [gelernt], dann bettlen, g.,
scharpf schwätzen und gan in bösen hudlen und fetzen,
als ob ich die lüt erbarmen soll, ab man mir dess me
geben well.' NMan. ,[Die Vögte in den Vogteien]
rupfend, verschlahend, füerend hin, gutzlend und gy-
lend.' 1531, .\bsch. ,Mit onträglichem g. und termi-
nieren [der Bettelmönche].' Vad. ,Wenn glych die
fründschaft [zweier Nachbarn] nit so vil bringen
möchte, so wurde er [der eine Nachbar] sich doch
durch syn [des andern] ungestücm und beharrlich g.
oder höuschen bewegen lassen [ihm bei der Bewirtung
unerwarteter Gäste auszuhelfen].' Gialth. 1559. ,Pro-
care, umb etwas werben, höuschen, g., gutzlen, an-
strengen, begeren.' Fris.; Mal. ,Ist gar nit göttlich,
das", so ein pfarr ledig worden, ein yeder loufe, bettle,
gyle, gaben verheisse und gebe, die undertonen an-
fechte, parten [Parteien] an sich hänke, ganz schaaren
fürbitter mit im füere.' XVI./XVII.. Z Mand. ,r)amit
die burgerschaft mit dem unverschampten, ungstüm-
inen überloufen, gutzlen und g. der bettleren vor den
hüseren nit mer also geblaget werde.' JJRüeger 1606.
.Unverschambtes nachgläuf, g. und gutzlen gegen
Personen, die ut ämter befürderet werden.' Z Mand.
1650/1731. ,Die Profosen sollen Achtung haben auf
das beschwerliche und unanständige Gutzlen und G.
der Kindern bei den Gattern in den Flecken und Dör-
fern gegen ehrlichen durchreisenden Personen.' 1662,
Z Ges. In edlem S., sehnlich verlangen. ,Der Herr
weinet, geilet, sehnet und seufzet nach unseren Seelen.'
AKlingl. 1688.
Mhd. gilen, betteln. In der Bs Katsverordn. von 14'22
ist ,der gylen und lamen' viell. nur verlesen für ,gyler'.
ab-: abbetteln. ,So müesstind die pfaffen zuo
Hierusalem nit allein mit irer glychsnery den witwen
ire hüser abg'gylet haben.' Zwingli 1527. .Expalpare,
abgylen, abzenzlen, abschmeichlen, mit glatten Worten
ablaussen.' Fris.; Mal.
er-: erbetteln. ,Si sprechen, si wollen von den
Sünden kehren und wollen Buss und Gottsferte für
ir Sünde tun und ergüent dann etwie vil Guets da-
mite.'.1422, Bs Katsverordn. (Bruckn.).
glle(ll) II : ein Fangspiel, auch Zickijugen genannt.
Es wird abgezählt, wer das ZicH oder Güi sein soll,
dann springen die übrigen aus einander. Wen Jener
erwischt, oder wer den Spielraum zur Unzeit verlässt,
muss selber die Rolle des Fangens übernehmen. Kochh.
1857, 404/5. — Viell. dasselbe V?. mit gilen I, da» auch
urspr. bedeutet: (Etw.) zu erhaschen suchen: doch s. yjmi.
Giler m.: Bettler, bes. der den Bettel gewerbs-
mässig, unter Verkleidung, absichtlicher Entstellung
des Leibes und falschen Vorgebungen betreibt, also
dann = Betrüger, Schwindler, Gauner. ,Dass alle
Stirnstössel, G. und Gützier, welche mit ihren Worten
218
Gal, gel, gil, gol, gul
2U
den Leuten das Ihre aberliegen und triegend, sollen
schweren, dass keiner mehr auf den Gutz- nach [noch]
Bettel in die hiesigen Land kommen soll.' 1416 und
1 129, Z Ratsverordn. ,So hat ouch der vogt macht,
dass er (in denen zytcn, so der offen bettel meng-
lichem nachgelossen ist), giller, blinden und lammen,
die es an in forderent, mag gönnen drye tagende hie
zc blybende ze bettelnde.' 1465, Bs Kq. ,Stryten wider
der nüwen sammleren oder gylern, der bettelmünchen,
gutzel.' HBüLL. 1561. ,Flagitator, ein gutzier, g., ein
überlegner bitter, müehseliger höuscher.' FRrs.; Mal.
Mhd. (jilaere, Bettler. Nur noch als Geschln. Geiler Th.
Über Ursprung uud Treiben des bes. in Basel handwerlis-
mässig betriebenen und fast zunftnmssig organisierten Geiler-
wesens s. Gr. WB. IV 1, 2, 2602 ff.
Gill Gl, Gilgl Gl; Schw, ,Jilg.' G 1513: männl.
Vorname, Ägidius aaOO.; ZHombr. E. XVI. (,Gilg');
,StGilgen', Schlosskapelle der Manegg bei Zürich.
.Gylie von Schwyz.' 1378, Absch. ,Egidi, dem man
spricht Gili, von Schwyz.' 1384, ebd. ,Gilly.' 1747,
LNeud. Gilg auch als Geschln. Th; Bs 1559; G 1515
(neben ,Jilg'); S 1532, Uli Z; 1747, LNeud. (neben
,Gilli').
Beruht zunächst auf einer vorauszusctüenden Nbf. 'ÄyUiua
(vgl. lat. Ovidiua für Uvilius). Im Übrigen s. betr. die Laut-
foimen die Anui. zu Ilie Bd I 179. '
Uilangi gilaygl m.: Spiel, darin bestehend, dass
Jmd etwas Verstecktes suchen muss. Auch in Gesell-
schaften Erwachsener, wo dem Suchenden durch .an-
schlagen einer Saite des Klaviers Andeutung gegeben
wird FMu.
Gillian, Gilgian 1, Gilgen, Gilg II BFrutt:
männl. Vorname, Julian. ,Gilgiau.' 1486 B; 15'21 W
(auch ,Gillian', ,Gilg' und ,Ilgio'); 1068 B. ,Sant Gil-
gian', Verdeutschung des Genfer Dorfnamens StJuUen.
15'26, Absch. — Betr. das Lautliche vgl. (IUI.
Gillappi (gillappen) s. Gil-Lappi.
6iel m. : 1. Maul, Schlund. ,Was taten die von
Hochentvviel, den [denen] allweg offen stand der g.,
als wollten s' iedermann fressen.' JLenz ca 1500. ,Der
mund, maul, giel, gosch, gefress.' Red. 166'<i. — '-'. Be-
gierde, Gelüst, in verächtlichem S. W. — 3. Geschln.
1400, G; 1472, Okfn. Burgau; 1523, Z. — 4. (PI.
Giele') Buben, Jargon der B Jugend.
Mhd. (jiel in Bed. 1. Vwdt mit Oil, Bettel, ,Begehr-
lichkeit'; vgl. Bed. 2. Der Geschlechtsn. dürfte erst als
Nomen agentis vom folg. Vb. abgeleitet sein. Ob 4 hieher
gehört, ist nicht sicher.
giele(n): 1. „gelüsten W." Insbes. mit Dat. P.
prägnant: Jmd todt wünschen, gierig darauf warten,
dass er sterbe. Wenn seh [sie, eine Frau] mu [dem
Manne] nit so g. täti, so sturb er ender. — 2. gierig
zusehen beim Essen Anderer Gr ÜbS., Rhw. Syn.
guenen.
Gol, Göl I, (?o?/ Gl; GrL., ßö^ Aä; Ap; B; Gl; G;
SCH; ScHwMa.; S; Th; Uw; W; Zg; Z, Göll GrPy. {k).
Göl Aa; Bs; B (i- BD., Si.J; Gr; L; G; SchwE.; S;
Uw; Z m. : 1. a) mutwilliger, närrischer Mensch,
Possentreiber. Bes. von erwachsenen Personen, die
sich bewusst od. uubewusst närrisch geberden ; Tauge-
nichts. „Gol, ein schnellzüngig Alles durch einander
werfender Plauderer." Auch: ein toller Lärmer, mut-
williger Geräuschmacher TnTäg. De" Göl mache',
sich wie ein Hanswurst benehmen. Si händ de" G.
mit-ere g'viacht, die jungen Bursche haben mit ihr
geschäkert L; Z. Öppis Gols, etwas Sonderbares Ap,
vgl. öppis Narrs Z. Zu der RA.: Gol um Gätsch
mache' = wettauf machen, par pari referre, vgl. Güd.
Du bist doch efa' en rechte Cr., no''' [.schon so gross]
so dumm ge tue', sagt die Mutter zu ihrem Jungen
ZU. ,Den stockigen Buben, den Gölen und Schlänggen,
die immer dn-in Iu.'uth wie Eselsköpfe.' Stütz. In
BWimmis s'''i'i'l''''ii ■ Kimln", Bursch in verächtlicher
Bed. Syn. Gaiiil. (Inicincl. Gali, Gätschi. — b) Narr,
Einfaltspinsel, Diuiinikupi. Gimpel. !''• bi' Göls g'nue"
g'si" u ha en abselut welle" [heiraten]. Gotth. ,Er
sei ein G., dass er sich so plagen möge.' ebd. ,Dio
Theatergöle [leidenschaftlichen Theaterliebhaber] sind
in Berlin und Paris ungefähr gleich.' ebd. .Neben
diesen [3 Taubstummen und 1 Blödsinnigen] gibt es
im Dorf keinen einzigen Göl oder Totsch.' Glur 1835.
Syn. Löl, Lappi, Galaff, Torebueb, Tschöli. Als Ge-
schlechtsn.: .Heini GoL' 1370, Sch. ,Eberli Göl, Adel-
heit Gölin.' ebd. 1437. ,GolL' 15.32, GFlums; 1541,
BAarb. u. noch jetzt in Aa; Z. — 2. (Goll Bs, It St.*';
Bus. 1865, Gol, -er Tu, It Pup., Goller AaZcIu.; BsL; S)
Blutfink, fringilla i^yrrhula. ,Ein gügger, goll oder
gimpel.' Fris.; Mal.; Denzl. 1716. Syn. ('Rot-jGügger.
- 3. (Gol) s. Gül.
UM. Göl und Gol verhalten sich lautlich zu einander
wie Bdl, Bül und Hol, so dass dann Goll die älteste Form
wäre. Vgl. Gölli. Vor l ist Dehnung des Voc. gewöhnlich,
auch der Umlaut nicht selten; vgl. gölen (bezw. gollen] und
gölen; lollen, holen und Kien, Subst. Bolle und Bolle; Troll,
Tröl und Trol, bes. aber LSI, das wohl auch von Seite der
Bed. auf unser W. eingewirkt hat, aber den stillen, nicht
wie Gol den lärmenden Narren bezeichnet, und Noll, Nöl,
Nöli, Noli. Auch nhd. .liniip.!- »nrini^-t Bed. 1 u. 2. Der
Vogel ist auffällig t. dui.li luiHilliKes Hüpfen, t. durch
sein beständiges Rufen I ll-ilm ivifl. Gügger), sodann,
weil er sich leicht faugtu lii.>.st, duirli seine Dummheit. Es
lifgt somit nahe, Goll und golen I zu mhd. gellen, Ptc. ge-
gollen, die Stimme laut hören lassen, zu stellen ; die Grund-
vorstellung wäre: Äusserung der Lustigkeit durch die Stimme.
Weniger wahrsch. ist die Annahme einer Mischung mit einem
aus gogcl contrahierten Stamm.
Gagri-Göl: Übern. LStdt; s. Gageri.
Glöggli-: läppischer Mensch, Narr Aa; B; F.
Auch zu Kindern scherzh.: Du Gl. B.
Bezeichnet eig. wie Schellegaggel, Rölldi-Bbgg, Rolle"-Butz
den (Fasnachts-) Narren mit seinen Schellen.
Han-: Schelte eines gleichgültigen, dummen Bur-
schen, Laffen. Du cha"'st de' [diesen] H. nicne hi'
schicke', es ist Nut üsg'richt mit-em [ihm] ZPfäff. —
Vgl. das Syn. Hanögg, wo Han = Hans.
Marr-: Narr; marrgöle", närrisch tun L. — Vgl.
'» Märi ablä', sich ausgelassen geberden L.
Tanz-: leidenschaftlicher Tänzer. Gotth.
Trälli-: plumper, dummer Mensch BBe. — TriUli,
dicke, fette Person.
gole(n), gölefnj (gölle" Gr tw., gölenefn) UwE.,
neben göle'): 1. wild jauchzen, laut mutwillig sein
AAWohl.; „Ap; Sch; W; Z." Syn. j ölen; schäkernd
lachen GTa. — 2. schäkern, Narrheiten treiben, im
Gegs. zum ernsten Benohmen, allg. a) bes. von Kin-
dern, sieh mutwillig lachend unter einander oder mit
Erwachsenen herumbalgen, scherzen. Auch nur: spic-
' len Gr. Üyn. göglen, andere s. hei gecatteren. Me [man]
215
Gal, gel, gi\, gol, gul
golet nid alliwll, Mahnung der Mutter zum Ernst Z.
Das ist mer au''' e g'golets Tue Gl. Dann Tom Spielen
und Gaukeln junger Tiere, bes. von Katzen und Hun-
den, miteinander BM.; Schw; Th; Ndw; W; Z. Hin-
gegen in ZRafz : cV Mensche' göled mit enand, d' Chatze'
göpled. Syn. gätschen; vgl. auch fällen II (Bd I 767).
— b) von Erwachsenen: mutwilligen Scherz treiben
statt zu arbeiten, sich zum Spass herumbalgen. In
Obw auch vom Tanzen. Gelt, mir Bfd hei"'^ qiing guot
zsämmen chünnen, mir lutn miiiuiist :iiiiimeii tj'göled,
Cg'gölen) BUi. Si häd (flurlui innl ,r,l,i. Imi-ki. Bes.
von Liebenden, kosen, tiiiul.-lii. l>e llaus mu} 's Mädi
händ nW g'gölet mit enand, statt z' schaffe" Z. Wo
si 'n [ihn] sieht, so golet si mit-em. Si wird halt nid
noHo' [nachlassen], his si im Unglück ist Scb. —
3. (vorwiegend mit -ö-) sich einfältig, dumm benehmen,
gedankenlos herum gehen und stehen B; Ndw; „gaffen
mit offenem Munde B; L; Z." Syn. gälen, glaren,
lalen, lolen. .David verstalt [verstellte] sein geberd
vor inen, und golet under iren henden.' 1531, I. Sam.
= ,und tet, als war er ein narr under iren henden.'
ebd. 1548.
Vgl. die Anin. zu Hol. Bed. 1 würde sich zu Gol S
stellen, Bedd. 2 ii. 3 entsprechen denjenigen von Ginl 1 a u. b.
A'gl. auch gaulen.
„an-göle(n) (6): angaffen B; Z."
üs-göle(n): seinen Mutwillen sättigen Sch; Z.
ver-göle(n): (refl.) sich vergaffen, durch Gaffen
und Tändeln die Zeit verlieren B. — umhin-, -her-,
umha-, iwime-, iimmer-g.: mit Kinderspiel die Zeit
vertreiben UwE.; sich herumbalgen, aus Mutwillen
oder Verliebtheit BR. ; gedankenlos herum stehen oder
gehen B.
gole^ie" f''0: Mutwillen treiben; sich unartig be-
nehmen; müssig und zerstreut herumgaffen. Goleii m.,
Maulatfe G oT.
GOler m., GOleri" f.: der oder die gerne golet
Sch; Z. — 2. Goller = Gol 2.
GOlete" f.: „wildes Gejauchze, ungebundene Fröh-
lichkeit Ap; Sch; W; Z", possenhafte Unterhaltung
UwE. (-Ö-).
Göli Göli {GÖlli Aa): 1. m. PI. -ene". a) Spass-
treiber. E Mueter soll fkei" Goli Mibe' wie-n-es Hiiener-
meitschi Zg Kai. 1881. (Vorwiegend -o-) Erwachsener,
der sich kindisch dumm benimmt, Narr. Ei'"m de
Göli mache", für Einen arbeiten, der selber zu trag
ist; ihm die Kastanien aus dem Feuer holen UwE.
Gelinder Schimpfn. eines einfältigen, plumpen Kerls S ;
ZO. Syn. Löli. — b) (-ö-, -u'-) 1) Knabenkraut, orchis
mascula, o. morio, o. maculata GSa. — 2) Lerchen-
sporn, corydalis cava. ebd. Syn. Güleli. — c) ,(-Ö- m.)
Eülps, bes. wegen einer fetten Speise Gl." — 2. (n.)
Spielzeug, auch Chindc-G.
1 ist Subst. agentis zum Vb. golen, gähn. 2 gehört eben-
dahin zu Bed. 2 a. Ygl. das Gogi, Blashorn und das Gägi,
Blashörnchen, von gvgtn. 1 b trifft zs. mit der lat. Be-
zeichnung morio, frz. bouffim, WOZU man noch Tgl. Samnut-
hogg für die ähnliche ophrys nracltnitee. Die orchis mac. heisst
von den gefleckten Blütenblättern auch .Harlekin', von den
Bulben ,Narrenhoden', engl, /ool-slonea ; die orchis morio spez.
hüll, ebenfalls hnrieki/n, deutsch auch ,Pickelhäring', weil
man ihre Blüten einer bunten Narrenkappe ähnlich fand.
Immerhin lässt die Uusicherheit der erhältlichen Angaben
über die Ausspr. die Möglichkeit eines ganz andern etymo-
logischen Zshangs offen; s. das Syn. GuUi 4. 1 c wol auch
aus 1 a abgel., indem der Rülpser als Tölpel aufgefasst wurde,
Tgl. de'' Bäcki, Husten, und ähnliche personif. Bezeichnungen
von körperlichen Übeln; doch vgl. auch ,gollen', mmere bei
Schni.-Fr., und unser jolen' in der selben Bed.
Gog-Göli: guter, etwas närrischer Kerl Gl; GO.
Synn. Gaggeläli, -Läri, Göggel, Gol u. a.
Entw. reduplicierende Verstärkung von Göli oder Ver-
quickung von Goggicl), Jakob, und Goli.
golig, in LG. gollig, Ap tw. goli, tw. (wie auch
GStdt; ZHörnli) gaulig II, anderwärts gölig: 1. un-
gebunden fröhlich, mutwillig Ap; GStdt; Scb; W; Z.
— 2. einfältig, dumm B; L; GF.; Ndw; Z. — 3. selt-
sam, sonderbar, eigentümlich Ap; G. E gölis Säge"
[Gerede] Ap. ÄnC Bueb hät-mi''' all [immer] e chli"
[ein wenig] en gölege dunkt G. — 4. widrig, unan-
genehm, übel AAAarb.; Ap; G; ZHörnli. Es ist mir
ganz gölig, ich habe Hunger, oder auch: mir ist un-
wohl Ap; G, ,Hättst du ein so gauliches Dürrwälder-
g'sicht [lieben] mögen ?' UBragg. 1780. Syn. gaulig I.
— Göligi, -ö-, -äu-, f.: Seltsamkeit, Widrigkeit Ap.
Für die Begriffsentwickelung bietet das Syn. g'gjiOssig (von
Spass) die beste Analogie. Auch dieses bedeutet .sonderbar,
seltsam', wird aber ebenfalls Ton leiblichem Übelbefinden ge-
braucht, indem der Begriff .widrig, unangenehm' aus dem
TOn .seltsam' herTorgieng. au hier aus ö, während das
westschw. gaulen und gaulig (s. Sp. 208) zunächst Ton gülen
zu trennen ist.
\in - (ogatdigj : unangemessen, unzweckmässig, un-
geschickt, meist mit Neg. Ap. — mm- hier pleonast. oder
Terstärkend (s. Bd I 298).
gamper-gölig: dumm ausgelassen, pudelnärrisch
B. — Syn. gümperiavh. Von gnmpen. schaukeln, gaukeln.
Gigeliman-Gölis mache": lauten Spass treiben,
schäkern ZO. Syn. G.-Göpis. — -i« aus -nis. Gen. des
Inf. Ton gr,h„ wie in Fahia.
Göl II: Kropf B (Zyro. der als Syn. auch Gufer
bringt).
Göl in, Goli: grober Steinschutt im Unterschied
von Gufer, feinerem B oHa. G'göl n., Steingeröll BRi.
„GOleten f.: 1. Haufe unförmlich über einander
liegender Steine, z. B. von Felstrümmern BO. —
'2. steile, gepflasterte Strasse B (nur in St.')."
Zur Y, i-]> irliiiii-' I, iHimen die Flurnn. Gohmng, mit Ge-
schiebnia- . i lialdu am Pilatus; die Gollach. ahd.
Goli (amli X.l.enfluss der Tauber; die Göl(en),
wilder F.. i;'!':!'!) )ii Ulmgu.; Gulaihen, Weiler in SOIt. ; das
GoltschenrieJ ViUitüKhen (vgl. in der BoltHchm Zg von BoU,
Hügel, mit Dim.-Suff. -tsch-, eig. z); in der GilitHchen. Alp
über steilem Abhang in BFrutt.; Goläten od. Gnliten I (.Gu-
lada.' a. 990 BKerz. = .Golatun.' 1276); ,auf (in) der G.'
5 B Ortsnn.
Gö'lägg. Gulägg (d) m.: Krähe (scherzh.), auch
übertr., dummer Mensch Aa. Wo flüget die zwölf-
jährige Gulagge" anne"? Antw. I"s driizehe"t.
Die Stimme des Vogels nachahmend. A'gl. gr. nöpag und
die Synn. Gägg, Grägg und Gwägg.
Golanggi s. Galanggi.
Gol IV s. Gön.
GoUate" GdllHe" II f. : mehrfach vorkommende Be-
zeichnung von gewissen Stadtteilen oder Gassen. ,ln
der Golleten' in Biel 1596. der Teil zwischen der Alt-
stadt und der äussern Befestigung, daher noch heute
die .Gollatastege'. Die .Gollattenmattgasse".' Aarad; B.
,Von der Gollata.' Geschln. 1294, B. In Burgdorf lag
217
Gal, gel, gil, gol, gul
218
It alten Urkunden die .Collata' zwischen dem 1. und
2. Tor.
Aus nilat. lUlaiit, Abgabe. In der .Oollaton', meist zw.
der innern und äussern Ringmauer, sassen die Leibeigeneu
fremder Herren, welche für dieselben die ,OQllata', das Kopf-
geld. zszHlegen hatten. Lautliche und (da die Gallalen durch-
weg faktisch an mehr oder weniger steilen Abhängen sich
befinden! auch sachliche Berührung mit Goleten wird nicht
für alle Fälle abzuweisen sein.
golle(n): undeutlich, .unter der Stimme' reden Gr.
er-gollje(ii) (auch -»-): heftig erschütteln, hin-
und herzerren W. — Vgl. das Syn. ergeVen.
Golli, Gölli: nur in der den Namen Gottes ver-
hüllenden Beteuerungsformel bi G. Bs; Sch. .Pol.,
adv. jurandi, bei göli.' Dasyp. 1539. .Mediu.s fidius,
bei meiner Treu, bei Gölle.' Denzl. 1077. — Vgl. frz.
jxtrhleu für J""" I>ieu udgl.
bi-gollig Bs; L (auch Um G.); S, bi-göllig
Ap; L; G; Sch : bei Gott; sicherlich. Es ist b.wahr!
BsL. Göllig gern, sehr g. L. ,Jos göllig, er hed [ja
freilich hat er] . . .' Zeitvertr. Z 1700.
Weiterbildung aus Golli, Gülli durch die beliebte Endung
-iji (vgl. die Mittelformen hiijottlig, bigopplig) oder Umstem-
pelung zu einem Adv. nach Analogie der svu. gebrauchten
,,v,g. heilig udgl.
wills-göllig Ap; G (in Ta. auch tcülsgoch, in
G. willsgochlig); Th: will's Gott! (aus dem es cnt-
.stcllt) hoffentlich; wahrhaftig; ganz gewiss. Si zwü
[zwei] sige'd gueti Fründ w.! G. Se'6 ist w. nüd wör
Th. Dass-evj [dem Hunde] v: d' Drirm nse'keit [ge-
fallen] sind. ebd.
geliehen s. gold-Ucheii.
(ioUlse" Aa (j-AaL.), Tollise" Aa; L; Z n. (in
ZW. auch f.): unterirdische Wasserleitung aus Steinen,
überbrückte Stelle einer Strasse. .Die Strassen mit
gemauerten Abzügen, Coulissen und Brücken ver-
sehen.' Z Strassenverordn. 1791.
Aus frz. Patois cnlima (= frz. cotilinw), tranchee pour
li-coulement des eaux, mit Anlehnung an he', welches das
s;cihl. Geschl. hervorrief, wie in Fclliaen, Reminni, Vemlieli
(;uis mlint, remim; devise). In TolUsen ist der erste Teil das
Syn. Tollen (nhd. ,Dole'), welche Unidentschung durch den
urspr. harten Anlaut erleichtert wurde. Vgl. die ähnliche
Zwitterbildung Sigiierne' aus ,Cisterne'. Die weniger volks-
tümlichen Formen Coliase' und Ciifisse" f. laufen nebenbei,
doch ist dabei u aus o zu erklären, weil das schriftfrz. '■•ju-
ÜHte nicht die Bed. von coliim hat.
golisieren, gu-: lärmen. Unfug treiben. Eine B
Verordn. von 1.571 verbietet den Zuschauern auf der
Richtstätte ,alles Drängen, Schreien. Gulisieren und
andere Ungestümlichkeiten'. .Die Ratsknechte sollen
sich des unzüchtigen [unordentlichen] scharaperen We-
sens und Golisierens vor der Ratstuben, desglichen uf
den Gassen müessigen.' 1581, L Ratsprot. — Scheint zi
grJen zu gehören, reit rom. Abi.; vgl. golleien a. earinieren
Göller allg., -o- in ä. Spr., L- Gr ObS., Gallert Bs
B; W tw., Gölder GRh.. oT., We. — n., in AAZein.;
ScnSt. m.: Halsbekleidung, -kragen. 1. a) ein Stück
der weiblichen Landestracht, vormals allg. der Stolz
und die Zierde der Frauen und Jungfrauen, bestehend
(in Aa; B; S u.a.) aus einem handbreiten, viereckigen
Stück schwarzen Sammet oder Seide (In L ; Z Lein-
wand und zwar an letztem! Orte schwarz, in besonderm
Putze weiss für Jungfrauen, farbig für Verheiratete,
welches ringsum den obersten Teil der Brust und des
Rumpfes bis zum Anschluss von Hemd und Mieder
(Brusttitech, G'stalt, Tschöpli) bedeckt; bei Vermög-
ichern gewöhnlich vorn mit Glaskorallen und Silber
gestickt; an den 4 Enden befestigt hangen unter
den .\rmen durchgehende Silberketten (GöUerchetteli ,
-schlenggen) mit Rosetten (Göllerrösli), Birnen, Gold-
blättchen und andern Zieraten (Spitzen, Bändchen),
je nach der Landesgegend variierend Aa (ref.); B; L;
S; Sch; U; Uw; W; ZW\ Sjn. LMi, Halskrägli-
bändel, Brüechli. So bleicht Bagge' wie mi"s G. do.
Stutz. .Elise plärete, bis es keinen Atem hatte und
die Mutter in aller Eile das Göllert auftuen musste.'
GoTTH. ,Der Busen der [sagenhaften] Spinnerin ist
mit Geliert und Vorpletz altmodisch eingeschnürt.'
W Sagen. ,Es verschwinden bei den Mädchen die
sog. G. am Halse und ein rotes oder gelbes Tüchlein
vertritt die Stelle.' JRWvss 1816. .Anstatt des nied-
lichen, die Gesichtsfarbe hebenden G. haben sich bei
den Reichern farbige Seidentücher eingeschlichen.'
Gem. Aa 1844. ,Von einem schlechten frowenmantel
mit einem goller 2 ß; von einem zw^ifelten [Männer-J
mantel mit einem g. 18 ß.' 1409, Sch Ratsb. .Goller,
halstuch, collarium.' XV., G. ,Uss messgewändern den
huoren göllerlin machen.' 1527, Absch. ,Uss m. den
h. gölderlin und Nabelbindli, euch .seckeli machen.'
Wthur. Chron. c. 1570. ,Halsband und Goller.- Bin.
1531/48; .Göller.' ebd. 16G7. ,Die schweisstüeclile
oder göller.' ebd. 1531/1667. ,Das Koller. Goller,
Kragen, colobium, collare, mammillare; HaLstuch,
Goller, Müder, focale, mammillare.' Red. 1662. ,Die
Mägd sollend keine üssgescbnittnen, gestrickten, mit
Mödelinen oder anderer Arbeit genäjeten Göller, noch
einiche Spitz an Hüben haben.' Z Mand. 1650. ,Dass
die Weiber mit rings um den Hals beschlossenen
G-eren in die Kirchen und mit geschlossenen anstän-
digen Halstüchern auf den Strassen umher gehind.'
ebd. 1735. ,Die Weibspersonen sollen sich enthalten
des Tragens der weiten Gölleren.' ebd. 1744. ,Wir
erlauben den Weibspersonen glatte Mousseline zu G.
und zu Riemen an die Hemder zu setzen.' ebd. 1766.
— b) an der Männerkleidung: Hals-, Hemdkragen Ap;
G; Gr. Syn. Brisli. Auch der kragenartig geschnit-
tene Teil des Männer- (und Frauen-) Hemdes (Comp.
Göllerhemd) über Nacken und Schultern Ap; Bs; Z.
Nümm nur chlei Schluck [vom Enzianliqueur]. mach
ds G. US, der chützlet Eis [Einen] bis in all Zeche'
ÜRPr. (Schwzd.). ,Unserm Sönlin macht man das
Henibd aussgeschnitten wie die alte schweizerische
Goller [hier wohl Jacke].' Fischart. Vgl.: ,Capitium
ad OS tunic» Collum circum amicit humeris injectura,
veteribus Alaniannis Goller, quasi collare; nostrates
Alamanni pro eo dicunt Hal.smantel.' Goldast. .Wel-
cher Predikanten und G'lehrten Söhn und Tochter-
männer ufzüchind gut alamodisch mit Edelmanns
Stecklinen, mit Gölleren und langen Falten.' 1636.
JJBreit. — c) übertr., der häutige Kragen auf dem
Nacken einer Kuh Ap (Hirtenspr.). — 2. a) Brust-
panzer aus Leder. ,Uf dem nüwen Turne sind be-
halten 27 Slappen [Art Helme] und Cöller.' 1314,
Lauf., Beitr. ,6 Blechharnisch, 4 Göller.' 1380. Z
Staatsarch. ,Ein Goller.' 1476, Sch Staatsarch. ,Lorica.
lederin göller, krebs, brustharnist.' Fris.; Mal. .Ein
burger ward mit einer handbüchs in den kragen ge-
schossen und bleib der stein ijn goller, dass er nit
219
Gal, gel, gil, gol, gnl
220
durchgieng.' Vad. ,Es sind Etliche [Eidgenossen], die
anstatt der Harnischen Göller aus Elends- oder sonet
Ochsenhäuten gemacht brauchen.' JosSimml. 1576. —
b) Göller, Name der ehemaligen fürstäbtischen Reiter-
kompagnien in G [um 1790], von ihrem dichten, gelb-
ledernen Koller.
Ahd. kollicr, gdlier, frz. cMier aus lat. collarium, wie
,Saller' ans aolarium. Der Uml. aus dem PI. in den Sg. ein-
gedrungen, wie die historischen Belege zeigen, im PI. selbst
daraus zu erklären, dass man das -er dem der Neutrapi. auf
-er (mhd. -ir) gleichsetzte; -( angeschossen wie in yealert,
Puffert u. a.; -!d- aus H entwickelt wie in Ckolder aus ,Koller'.
Hals-: 1.= Göller 1 a. ,Uss dem messgewand
wurdent den frowen vil halsgelleren gemacht.' Edlib.
1526. ,Ein zal halsgöller.' Aal 1549. ,Focale, ein h.
für Irost und kälte. Mamillare, ein bru.sttuech, h.'
Fris.; Mal. — 2. Stück der Männerkleidung, vgl.
Göller Ib u. 2. ,Der Bilger soll han ein lidernen
halsgoler.' Stockar 1519. — Hemd-: Hemdkragen
bei Männern und Knaben GKh. — Lib-: ,Sein [des
Elenns] haut gibt gar guote leibgöller, das stich und
schwertschläg aufhebt.' Tierb. 1563. S. Gijller 2. —
,Ledergoller, lorica.' Mal. = Göller 2.
Göller n s. Gol 2.
Gnl I m.: Gaul, Pferd Aa; Gr; L; GRh.; S. Der
Cr., de" de' Haber verdienet, frisst e" [ihn] nid L.
Wenn er am erste' Lug es Boss cj'ge [gegeben] hätt',
er war' en alte G. ebd. Gross und fül git (ist) au''' en
G. Gr; GRh.; Sch; Z, gemünzt auf grosse aber träge
Personen. 1. grosses, starkes Pferd, Arbeitspferd.
Striglen und bürsten a' dene" Gülen um. .Ioachim. —
2. geringes Pferd Gr. Auch übcrtr.: e' grosse" G.,
verächtlich, ein grosser Mann Gk; GWe.; daher: Er
hät-eni [ihm] alli Schand und Gaul g'seit. Süterm.
— 3. Reit-, Streitpferd. , Bering, schneller Gaul,
der daher lauft, als ob er fliege, ales equus.' Mal.
,Keiser Adolf ward von sinem gul [herunter] ge-
stochen.' RüEGER 1606. Bildl.: De' best Gaul stolperet
öppen e'-mol. Suluer. Vom G. uf der Esel cho [kom-
men], ebd. A' 's Meine' und Glaube' bindt me [man]
kein G. fest. ebd. .Jeder seinem G. schau zum Maul.'
1706, Gl. In ä. Spr. bes. die RA. vom [zum Angriff]
gehenden Pferde : ,Da liess er [der Priester] den Gul
inher gän [geriet in Harnisch, eig. spornte das Pferd
zum Angriff], ze strafen, dass wir die fürbitt der hei-
ligen verwurfend.' 1529, Strickl. ,üu bist im z' jung
und z' glatt um 's mul, wärist erst elter, so gieng der
g. [so hätte deine Behauptung Wirkung und Erfolg].'
NMan. 1526. Ähnlich Salat 1537: ,den g. Ion gan.'
, Mittler zit ward vil zwüschet den partien an die band
genommen, si gänzlich ze verrichten [versöhnen]. So
wollt der gul doch nit gon [die Sache geriet ins Stocken]
und truog der tüfel alwenzuo [stets] etwas in die sach,
dass nünt [Nichts] daruss ward.' Vab. ,Die narren lasst
man toben und treiben iren g.' ValTscbüdi 1533. ,Kouft
er ir 's nit, so henkt s}- 's mul und blitzget wie ein
böser g.- Aal 1Ö49. .Meisterwurz hilft dem erstor-
benen [impotenten] mann wider auf den gaul.' Bock
1577. — 4. Hengst. , Wegen dem Gul und ganzen
Hoodstiereii. Damit die Erjüngerung des Vychs desto
besser befördert werde, mag ein G., so man uf die
Alp ordnet, frei laufen.' Alprecht BHa. 1749. Bes. in
alliterierender Formel mit Gurren [Stute] verbunden
i. S. V.: Eins wie das .\ndere, in gleichem Werte,
vgl. Heiri was Hans -u. ä. ,Und ward die sach bericht
[geschlichtet], schad gegen schad und gul an gurren.'
Jdstingeb c. 1420. ,Man sach, dass gurre glich was
wie g.' Eckst. 1526. ,Ir sind zuo beiden syten [beide
Parteien] ful und ist warlich fast gurr als g.' NMan.
1530. ,Es ist eben Gurr als Gaul.' Met. Hort. 1692.
Vgl. noch Güd (Göl) um Gätsch. — 5. Geschln., in
Z schon vor 1500 (Leu). , Adelheid Gul von Basser-
storf.' 1504, Edlib. Der jetzige Geschln. Gull in Tb;
ZVolketschw. könnte Verdumpfung aus Goll sein; doch
vgl.: ,Uoli Gul von Hegnau.' 1531, Bull. Auch Bergn.
Gr und davon viell. der dortige Geschln. Guler. —
Zu dem Bergn. vgl. £«e/, Hemjst.
Acher-: Pflugpferd S. — Post-. , So mager, wie
ein alter Postgaul.' Bs (Breitenst). — Schind-:
Pferd, reif für den Schindanger. D' Boss si"' worde'
wie alt Schindgül S. Vgl. ,Schindmähre'.
Guless m.: mageres Zugpferd SRech.
Mit der nicht seltenen, meist einen verächtlichen Neben-
liegriif mit sich führenden Endung f-e»«) -w« weitergebildet.
Vgl. (!äy</is (Sp. 168), GäuggiH (Sp. 174).
Gul II m.: Hahn. Ausser in der ä. Spr. nur bei
Hebel: Der G. uff-em Chilcheturn. Für Aa u. Z gibt
St.° Göl q. V. ,Eicr, huener, güU.' Met., Wint: Chr.
c. 1550. .Das Werfen nach lebendigen Hähnen als
Spiel und Volksbelustigung im XVI.: ,[Der Urheber
des Schiessfestes] hat auch ein obentür ussgeben; die
ist g'syn : Ein güggelnest hett er an ein pfal gebunden
und hett 3 bengel von erlinem holz trayen [drechseln
lassen] und welcher mit disen bengeln zun güU hett
wellen werfen, hett sollen ein costenzerpfennig ggben
von einem wurf und welcher aller merest g. ze tod
wurf, der soll die abentür g'wunnen haben. Der wurf
ist in der wyti g'syn 14 schritt.' ebd. ,Gallus galli-
naceus, von den Teutschen Han, Gul und Güggel ge-
nennt.' VoGELB. 1557. .Hanen oder Gulen (PI.).' HBüll.
15.57. Syn. Gulli, Gülli. S. noch Gulligü.
Wahrsch. identisch mit Gal I, welches im Ahd. auch
Eber oder männliches Tier übh. bedeutet. Zu der Form
Göl Tgl. noch ,Gollstein' bei Simrock, Mythol. 387 = unserm
GüggelHleln. Hieher viell. auch der Personn. Gülenieser c. 1500,
Arch. SchwE., i. S. v. Feinschmecker, Schlemmer.
Gnl III f.: das Ungewisse, Geratewohl. Nur in
der RA.: uf G. g'e [geben], auf Risiko geben, auf Treu
und Glauben borgen AAZein. — Das Geschl. ist wohl
zweifelhaft.
Hundert-, nur formelhaft in einer Art Spiel, bes.
zur Herbstzeit. Es hält Jrad vor einer Kinderschar
einen Gegenstand, bes. Nüsse, Äpfel, Birnen, empor
und mit dem Rufe: (Uf) H.! Wer 's ufhebe' will, sei
nit z' ful! wirft er die Sache weit weg, worauf ein
Jedes sich beeilt, dieselbe zu erhaschen AAZein.
gflle" : in grossen Flocken schneien GW. S. auch
Fazenetli. — Viell. zu Gül II, da das Schneien in kleinen
Flocken mit dem Bienenschwarm verglichen wird (s. lijelen).
Grile° f., Dim. Güleli: Beule, Blatter, bes. von den
Pocken, der Räude Aa ; Bs. GiUeli, Eiterhläschen Bs,
Hitzbläschen, bes. an den Lippen AaFtI. Syn. Gügen.
Gülen kann aus Gaißen zsgez. sein. Vgl. auch mhd. gilll,
scrophula und EltergüU Schm.-Fr. Da aber das Syn. Bibeli
sowohl ,Hühuchen' als ,Eiterbläschen' bedeutet, kfinnte Galen
auch zu GüU Hahn, gehören und nach dem weiblichen Syn.
Gugra, Blaieren udgl. gebildet sein.
Hitz-Güleli: Hitzblättercheu AAFri.
1. SnI
tinlli Ap; VOrte; Gl; Gr; G; Sch; ZRichtersw.,
Giilli LHabsb.; aScuw; UwK. (neben -«-), PI. -lene'
m.: I.Hahn, a) Haushahn, auch Hahn auf dem Kirch-
turm, allg. Neben Güggel tw. mehr mit scherzhafter
Färbung und in der Kinderspr. Der G. schlät i"
(V Trumme', d's Hüendii tanzet uinme' Gl. Salomi
tuet d' Hüender i", lät der G. laufe'; es chunnt e
fründe" Bettelma"' und wott der G. chaiife'. ebd. Mir
[wir Schweizer] sind iez nur ei" Fdiiiilll. hrürlit 's
denn aw'' e frönde Giilli, wenn sust li Ilnriicr luiit/
sind? HXfl. 1803. ,Ein adler im [ihm] den !,nili iiain'.-
Inschr. bei Lachen Scuw. ,Es durfte Keiner mehr als
t'i Hühner sammt einem Giilli halten.' Dettling 18G0.
.Der Han, Gukel, Gule.' Red. 1662. Syn. Gür/gel, Gül II.
— b) Truthahn, meleagris gallopavo GuMaienf.; üwE.;
auch mit dem Zusatz , welsch' L. Er hat en Chopf
trie-n-en G-, rot wie ein welscher Hahn Sch. Syn.
Gulligü, Gurri, Gurriröter. — 2. Guli ! G. ! Z u r u f an
die Hühner Gr. — 3. übertr., ein lustiger Bursche
Ni)w, ein unbesonnener Plauderer L, Prahler ZO.
(GülliJ. .Schwyg du, Gulü' sagt ein Vater von Zg
zu seinem vorlauten Sohne. 1523, Abscu. ,Du g., wenn
willt witzig werden, wenn d' hüener fürsich [vorwärts]
kratzend d' erden V Aal 1549. ,Uu wüester g., grober
filz!' ebd. ,Dass dich der ritt [Fieber] als gulis schütt!
Wenn hast guueg g'schwätzt und g'klappret hüttV
KuEF 1550. ,Narr, g., blennus, fatuus.' Mal. S. Gauch.
— 4. Pflanzenn. a) Guli, die rote Varietät des Lerchen-
sporns, corydalis cava, während die weisse Henne'
heisst GWe. Syn. Gügerügii; Goli 1 b; Hane'. —
b) Güli und üim. Güleli, Orchisarten, bes. o. masc,
morio und maculata. ebd. Vgl. , roter Gukuk', orchis
latif. — 5. Eigenn. a) G. und Guller, Geschln. in Zf.
b) Hundename: ,ein Vogelhund, genannt Guli.' Z 1504.
e) Name eines Hofes LUdlig.
Gebildet wie ein nomeo ageutis, wiewohl kein Vb. gullen
vorhanden ist. Ähnlich das Syn. GuUei- bei Feiner 1803;
vgl. ,die huhuer und gülerlin' in einer Miilhauser Urk. 4 von
dorn hahnenkauimartigen roten Blütenstrauss beider Pflanzen;
vgl. noch (nii/yellMinbcn. Zu 4 a vgl. östr. ,Giggerehaner',
bair. ,Gackelhanblueni' und die gemeindeutschen Namen;
.Hahnenkamm, Hahaensporn'. Doch scheint Mischung mit
f!öU 1 h (s. d.) Statt gefunden zu haben.
Wild-: Weibchen des Auerhahns, tetrao urogallus
GA. (Alpina 1827). Syn. Ur-, Gugel-, Wild-Huen. —
Wahrsch. n.
Zit-; ein Hahn, der nur zur bestimmten Zeit
kräht ScHwE.
Gnllign Ap; L; Sch, „Güligü VOrte" m.: 1. Trut-
hahn Ap; L; Sch. Syn. Gulli 1 b; Gurri. Welsch
welsch Hüne", träg-mi''' i'-der Zäne' [Zeinen, Korb];
bi" grösser weder du, Guli Guli-gü! Sch (Kinderreim).
-- 2. „Haushahn VOrte." Syn. Güggel, Güggehü!
Für die Etymologie des Namens dieses irrtümlich aus Ost-
indien statt aus Amerika hergeleiteten Vogels liegen zwei Mög-
lichkeiten vor; entw. Entstehung aus Calhut (vgl. ,Gallopavus'
ein indianisch, kalekuttisch oder wälsch huen.' Vngelb. 1557)
durch Anlehnung an Gulli, wie frz. dintle, dindon aus (poule,
ruq) d'Inde, oder dann aus Gidli-gü(l), einer Zss. wie Omjijei-
hun und Gugelhan, welch letzteres auch den Auerhahn be-
zeichnet. Zulässig ist aber auch die Annahme, ff. sei eig.
blosser Lockruf des viel geneckten Vogels, reduplicieread
gebildet; vgl. JSibi, Bobouas, llujipenho, Schlumjximp u.a., mit
Zugrundelegung von Gulli und Nachahmung der Stimme des
Puters; vgl. Gügciehü.
-Oulilger, Gulungger m. : ein verächtliches,
schlechtes Ding in seiner Art, lebendig od. leblos LG."
Wahrsch. durch Vocaleinschub aus Glugger und Glungger,
wie Galangger aus Glangger, und daher wohl Giduggcr an-
zusetzen.
Gül m. : kleiner Holzpflock mit einem Einschnitt,
einer Nase (oder auch kurzes, an beiden Enden zu-
gespitztes Aststück), beim Spiel gülen gebraucht GS.,
T.; ZReg. Syn. Niggel; Bolz; TötzU. - Aus dem folg.
Vb. abgel.
gülefn) (-»-): i^in Spiel der Knaben. Der Gül wird
von riih'in -rliirr,i,|i(ii,l<'ii 1 ' fahle (resp. das am Boden
liegcii^l.- A-iMihk .lui.h S.hlagen auf die Endspitzen)
mit einer hulzcrncii S^cliaufcl oder einem Prügel (Ell)
weit weg geschleudert. Die Gegenpartei sucht ihn
aufzufangen. Gelingt dies nicht, so wird die Distanz
mit dem Schlag.stab abgemessen. Die Partei, welche
mehr , Ellen' (GT.) oder .Güle"' (ZReg., wo 9 Ellen
einen G. geben) hat, bleibt Siegerin. Syn. niggelen,
güflj-nigglen, hornigglen; bölzlen, tötzlen.
Wohl von Gal II. Das Spiel ist übrigens weit verbreitet:
,Gill schlajen' Elsass, ,möckelen' Schwaben, rätorom. dar h
gcrla. frz. guine.
Gülle- {l- BSi.) f.: 1. Wasserlache. Tümpel, bes.
vom Regen gebildet, gleichviel ob klar oder trüb;
dann Kotlache, Sumpf; Ansammlung von Jauche Aa;
Ap; Bs; B; VOrte; Gr; G; S; W. Und lauft uir-
nö [nach], sc sinkt me' in e G. Hebel. Er haltet
tapfer de" liegen uf mit-eni Filzhuet und p fallet
[watet] wacker dur''' d' G. uf der Ströss. Breitenst.
1864. ,Wenn Zeberg [der Schuldige] Obgesagtes wird
erfüllen, wird er austrocknen seiner Sünden G.' Schwz.
ErzXhler 1856. ,Ein weg über das ägkerli zuo der
g. der zeig.' 1433, ScnRüedl. .Gott hat in [Luther]
die statt Rom soeben lassen als den cistern und g., uss
welichen verfüeruni,'- uf((iiellet.' Kessl. 1539. ,Palus,
ein pfütz oder iMoskulirn, i;.- Fris. .Volutabrum, mist-
lach, katlach. i,'-. dariii ,sirli die seüw walend.' Fris.;
Mal. .Lassest dem Pferd sein Muet und Willen,
wirft's dich vom Sattel in die G.' Barzäus c. 1050.
,G., pfui, lache, lacuna, palus; coenosa aqua.' Red.
1662, neben .gul, lacuna.' 1656. , Palus, pfützen. la-
chen, g.' Denzl. 1677; 1716. Vertreten in zahlreichen
Flurnn., auch in Gegenden, wo der appellative Ge-
brauch aufgehört hat. , Streuland in der G.' ZPfäff. ;
,in der blauen G.' ZUst.; ,in der Wi'g.\ Reben in
ZHott., schon 1727; ,in der Katzeng.' TnDän.; .der
G-acher.' Arch. Weit. 1653; ,der G-graben', Graben
mit stagnierendem Wasser. Glur 1835. Gülle' in
GBalg. Name der Aach bei ihrer Mündung, weil
sie da von Lehmerde gefärbt ist, was auf Bed. 2
Weist. In den G., Wildsaulachen im Walde AAVillig.
In WLeuk ,eine Roos-, eine Heil- und eine Kotz-G.',
das angesammelte Wasser der Badequellen bezeichnend.
Hieher gehijrt auch der Geschln. Güller, Anwohner
einer G.: ,Jak. G.' ScnwPfäff. 14'27; ,Hänsi G. von
ZDällikon.' 1529. Scherzhaft übertragen vom Tümpel
oder Teiche auf Seen, ja das Meer in folgender An-
wendung: Er ist über d' G. use", er ist über den (Vier-
waldst.-)See gereist UwE.; d' G-, uo d' Schwiz m»
TütschhiKl srhrhll [der Bodensee].' HXfl. 1813; «/"
der Cr,, aiil drill Weltmeer GRh.; über d' G. fare",
nach .\iiierik;i i^elicn ScuwE. ,Die gross G.', der Ocean.
B Hink, Bote lS-_'2; vgl. waadtl. .la iimn gollha, hx
(ial— gnl. Galb—gulb. GaU— guUl
224
mer, et aussi le lac Leman.' (Bridel). Ins Kleine, ge-
wendet dagegen ist die Anwendung, wenn G. in GrL.
zerschmolzene Butter oder Gilleli in Ndw gar nur einen
Tropfen Flüssigkeit auf dem Tisch bezeichnen kann.
Syn. Gumpen; Gunten; Glunggen. — 2. Jauche zum
Düngen Aa; Ap; Bs; B; Gr; L; G; S; Schw tw.; Th;
Uw; Z; Zg. In der ebneren Schweiz, zumal seit Ein-
führung der Stallfütterung, neben dem .Mist' das
Hauptdüngmittel, übrigens in 2 Spezies zerfallend, je
nachdem dazu die Exkremente vom Vieh (Vieh-,
Küe-G.) oder vom Menschen (Hüali-G.J vermengt mit
Wasser verwendet werden. Im Herbst de'' Mist, im
Früelig d' G. tuet dem Bür die Schüre' fülle'. Sprw.
Chlär tvie G., sarkastisch von einem unklaren Ar-
gument Z. Syn. Lachen; Mistbrüe; Beschütti.
Mhd. gUlle, Lache, Pfütze. Ein echt alem. W., das in
der Schweiz seine eigentliche Heimat und seine reichste Ent-
faltung hat, wie sein Eindringen zu den romanischen Nach-
barn (frz. la gMhn, gottie, gouille, rätoroni. la tjüla), sowie
der Umstand beweist, dass dasselbe erster Bestandteil von
über 40 Zssen ist, deren Mehrzahl zu Bed. 2 gehört, ein
Zeugniss zugleich für die landwirtschaftliche Betriebsamkeit.
— Nach Bed. 2 liegt Vwdtsch. mit , Galle' nahe; doch zu
Bed. 1 stimmt merkwürdig finn. l-ulju, auch nd. kute und
koH; während die Laute sich nicht dazu fügen; eher engl.
ijill, Vertiefung, Wassergraben, und noch mehr mnd. yole,
goel, m. u. f., Sumpf, feuchte Niederung. — Der Mittelbegriff
zw. I und 2 ist Mistlache, d. h. das in der Mistgrube vor
dem Stall, wohin die gebrauchte Streue geworfen wurde, sich
sammelnde schmutzige Wasser. Vgl. : ,Es soll niemand im
dorf kein g. in der gemeindstrassen streuen |d. h. die Mist-
lache bis ins Strassengebiet ausdehnen], bau [Dünger] zu
machen, damit nienkli'hs iintrthindert faren und wandlen
möge.' 1591, GrHr. (Ztsclir. f. schwz. R.). 0. daher in ge-
wissen Gegenden, z. B. Bs. .S|iitzname der Bauern von Seite
der Handwerker odfi Städter, iilinl. OüUi-'-Hünd und -Wünn.
Aprille"-Gülle": die Regengüsse und das Sudel-
wetter im April. Nur im Bauernsprichw. : Ahrelle'-G.
tuet de" Pure' d' Chäste' {Schüre' und Ch. S) fülle'.
allg. Merze'stauh und A. tue' de" P. d' Spicher f.
FMa. Merzeschne wie Gift, A. wie Mist AaL. Vgl.
das gemeindeutsche: .Trockner April ist nicht der
Bauern Will.'
Der fruchtbare Aprilregen ist in der Wirkung gleich-
gesetzt derjenigen von Güllen 2; da aber der April zugleich
die Zeit des Düngens ist, mag das W. vom eigentlichen
Düngen mit Jauche ausgegangen sein.
Ve"^""-, Chüe-: die von dem Auswurf des Rind-
viehes gewonnene Jauche Z. Syn. Mist-G.; Küeh-
graben. — Frosch-: Tümpel, Sumpfstelle, wo Frösche
sich aufhalten Aa; Z. — Hüsli-: Abtrittjauche Aa; Z.
Syn. Schi^s-G.
Maie"-: Merzestaub, Abrellelaub, 31. tuet de" Pure'
d' Chäste" fälle" UwE. - Die Höhe der Lage m.<icht hier
Mai statt April begreiflich.
Mist-: 1. Mistpfutze B; L. ,Wie in einer Misti-g.,
wo alles voll Gugenmöne [Unken] rufen.' Inderbitzi
1826. ,Es [das Fuhrwerk] gieng einer M. zu und
Anna Bäbi meinte, es gehe ihm wie dem Pharao im
roten Meer.' Gotth. .Stercorata coUuvies cortis, mistg.,
mistlachen.' Fris. ; Mal. ,Ist die Todesgefahr vorüber,
so laufen sie den M-n ihrer Wollüsten wieder so be-
gierig zu als zuvor.' JJUlr. 17-33. — 2. Mistjauche
B; L; üw. .Die M. [um den Düngerhaufen] lief hin,
wohin es ihr beliebte.' Gotth. „Syn. Mistgüllenwasser. "
— Schioder-: die nach dem Eintunken und Rühren
des Stallmistes im , Kühgraben' gewonnene Jauche
ZKn. Syn. Flotsch-G. — SiMode,-, dünner Brei.
Schnee-: Pfütze von Schneewasser Obw. —
Stall-: == Küe-G. Z. — , Wasser-: Wasserpfütze,
allg."
güllele": nach Jauche riechen, allg.
güUe" (jTM?/««" GWe.): Jauche austragen, -fuhren;
mit J. begiessen, düngen Aa; Ap; S; Z.
gülleriere": = gülle' Bs.
güll-ig, -achtig: „pfützig, einer Pfütze ähnlich;
Mistjauche enthaltend, allg." .Paludosus, mosachtig,
güllachtig, voll pfützen.' Fkis.
gelb s. gehe.
gilb- s. gilw-
„Gildi: w. Taufn., Hermengild ü."
bi-Gold s. Gott.
er-goldere" (-Ö- GSev.): 1. (intr.) vor Frost oder
Schmerzen zittern GRh. — 2. trs. schütteln, z. B.
einen Baum. ebd. Vgl. erguderen, ergolljen und er-
bolderen.
Gold er s. Göller.
Golil, veraltet Guld n.: Wi" wie G., goldgelb Z.
Gold (als Metall) in vielen RAA. En Tag wie G.
[so schön] ZS. En Ma"" (treu) wie G., von gold-
lauterm Charakter Z. Weisse' [Weizen] so gel'' wie 's
G. im Lade' Z. Ei"m 's letzt Tröpfli G. ge; das
letzte Goldstück Z. Er [der Kranke] ist gel worde"
wie-n-es Göldli, sogar 's Wüs ro" de" Auge' Z. Wenn
man auf das Weinen eines Kindes aufmerksam gemacht
wird, so sagt man in beruhigendem Ton: Es schreit
ke' Gold! [sein Schreien hat Nichts zu sagen] Z.
Wenn man Etw. entlehnt, das der Eigentümer nicht
gern hergibt: Es tiird-em wol rkei" G. abgä" [es wird
von seinem Werte beim Gebrauche Nichts abgehen,
gleichsam abgerieben werden] Z. Glattfelder, Höngger,
Hettlinger, Sternenberger, Tössegger G., so viel als
.Katzengold'; auch etwa Höngger G., 's Pfund um-enen
Schilli'g [z. T. entlegnere ZOrte, an die sich der Volks-
witz heftet]. .Dass Gott mit solcher ruoten oder Züch-
tigung (wie man von den kinderen g'meinlich sagt)
inen das g. in buosen lege.' RGualth. 1584. ,[Der
Abt] soll ohne silber und gold [ohne dafür Entschä-
digung fordern zu dürfen] und wann es die notturft
erforderet glycli zue 14 tagen umb g'richt und recht
halten.' ItJlo". Okf.\. oUtzw. Z' (Aa; Gl; GrHc., Pr.;
GA.), irr- (BO.; ä. Lit. .für') Gold gä; vergold(eJt gä",
vergolde" Gr: untergehen, von der Sonne Aa; BO. ;
Gl; Gr; GA. D' Sunnn ist am Vergoldgä' g'si" OrPt.
(Schwzd.). D' S. will vergold BHa. Auch vom Monde
GrD. Vergold sl', untergegangen Gr. ,Am dritten
tag, so die sonn für gold gät, so so"°nd die pfand us-
gerüeft syn.' 1466, GGebhardsw. Oifn. und ähnlich in
den gleichzeitigen Offn. von GBurgau, Sulgen, oBüren.
,Also gieng die richtung an uf tatem [Datum] des-
selben tags und wert bis uf Santjörgen tag, so die
sunne virgelt zue gnaden gieng.' Edlib. ,Es soll yeder
Galil, g.'KI, güd, ffoM, Riild
zue fiueyer uiesszyf an die arbeit stau und nit wyclicn,
bis die sonn vergolt ist.' 1491, Gr (Ztschr. f. schw. R.).
.Occasus solis, nidergang oder das vergoldgon der
sonnen. Sole occiduo, wie die sonn für gold was.
Condere dieni in collibus, da sein, bis die sonn für
gold gat, bis die sonn hinder den Berg gat. So die
sonn nidergat oder fürgold gat. Die sonn ist nider-
gangen, ist vergold.' Fris. ,Die sonn will fürgold,
die nacht ist vorhanden, sol ruit.' Mal. , Gleich der
Sonne, wann sie des Abends, wie wir zu reden pflegen,
zu Golde gehet' JJÜlr. 1733. .Am Abend, weil eben
die Sonne zu Golde gieng.' Tobl. VL. S. noch Vesper.
i^bertr. auf andere Gegenstände: dem Anblick ent-
zogen werden, z. B. von einem Manne, der um eine
Ecke biegt BO.; Gr. „Er ist mir vergold gegangen,
ich habe ihn erst vorbeigehen sehen, habe ihn erst
aus dem Gesicht verloren. Er ist lustig vergoldet,
schnell verschwunden, unsichtbar geworden GRAnt."
l)' March heind-sch' [haben sie] nid finda' chönna",
(ib'ir schi ist au"'' rila [beinahe] O;rgoh im Bode' und
itbarwasmat [mit Rasen bewachsen] (fsl' GrD. Von
einem im Wasser udgl. versinkenden Gegenstand Gr.
Amol [einmal] is( .j Kua ihi" [in den See] g'fallo" und
dri" ersoff'a'; si ist (j'rad c'rgold g'gangw (Schwizerd.).
Es hed im Mied teufi Atalöcher [Luftlöcher], i' dena'
die grösst Lama vergoldati. Zur Neige (von Lebens-
mitteln), zu Gruudc. verloren gehen, abhanden konmien
BBe.; Gl; Gh. De [du] gast no''' z' G., zu einem
schwächlichen Kinde, das in seiner Entwicklung mehr
rückwärts als vorwärts geht GlK.
.\mhd. (johl. Das W. lebt auch ia Fhinin. ,Iiii Gold',
Wiesen in ZZull. u. Wyt., gegen SouDeuuntergang geneigt;
vgl. ,Goldsiten', Höfe iu LEntl. n. Komoos; die ,Gold-acli',
Fl. iu Ap u. G, die .Gold-a', Bath in BE.; ,in der Goldey',
Landstrich zw. dem Härder und der Aare [= Goldau SchwJ,
,G-Acker' Seh, ,G-Halden' Z, ,G-Bach' B; L; Z, ,Gcjldeuberg'
ZWthiir, Zoll, (im adhenij), ,Goldberg' GSchmer., ,Güld-
bnmnen' LRain, ,G-Rain' Seh, ,Goldi- und Golds- Wyl' BO.
Im ,G-Loch', einem Schacht am Schnebelhorn, sollen ,Vene-
diger-Männli' nach Gold gegraben haben. In ,Golen- oder
Goldcngrund', wo Goldwäscherei betrieben wird, hat Um-
deiitung ans Goll IV stattgefunden (die Gegend wird von der
verheerenden ,Gol' durchströmt), mit welchem unser W. in
mehreren Flurnn. coucurrieren dürfte. Vgl. guldin. Hieher
auch der Z Familienn. ,Göldli- (um das J. 900 ,Coldilln'),
die, wie gesagt wird, den Namen von ihrem Keichtum er-
halten haben sollen, und der in dem G Ortsn. , Goldingen'
steckende Personenn. ,Goldo'. Urspr. mythologische Beziehung
lebt vielleicht noch fort in der EA. vom Gold weinenden
Kinde; vgl. die goldenen Tränen der Freyia und .Morgen-
stunde hat G. im Munde.' Simr. , Myth. * 283. — Zc ti.
gä", auch mnd. lo ijol(k gun. Vgl. (das nicht ganz sichere)
ags. «Mime goedh Iu gläde [zu Glänze. Gr., Myth. 702. 3] und
.VVann die Sonn in ihrem Undergang nicht nur, wie wir
reden, zu G. wird, sonder etwan gar blutrot erscheint.'
IMüller 1666. Die Sonne wird dem G. verglichen (»i gät
■r//e" leie nea G. Z) oder geradezu als golden gedacht; so in
.Uni Zuruf des (ieizigen: Ach, chönnt i''' d^r au''' di"s Cidd
■•hHvhahe'! Stutz (ähnlich bei Rochh., AK. 192, als Zuruf an
.iie Abendsonne). S. Germania 19, -1:30 ff. n. vgl. noch den
lUauben an die goldenen Regenbogenschüsselchen. Betr. vcr-:
n„- vgl. Bd I 912, Aum. .Virgelt' bei Edlib. ist ein Bei-
spiel mehr von seiner Ungeschicklichkeit in Handhabung der
Feder oder, worauf die tautologische Beifügung von ,zuo
liuadeu' deutet, ein Beweis, dass dem Schreiber jene alter-
tümliche RA. nicht mehr klar war. Betr. die Verwendung
von gan mit Ptc. fast i. S. v. .werden" vgl. die analoge von
Jvin. Vergolden aus dem adverbial gebrauchten, versteinerten
vfrgold. wie ,vergueten', gestatten, aus verguet. — Abi. gohlcn.
Schweiz. Idiotikou II.
Unz-: gemünztes G.; aufgenäht oder röhrenförmig
aufgerollt und an Schnüre gesteckt, auch als Schmuck
getragen. ,Gold, silber, berlen, u., sammat, tamast'
wird an Kleidern verboten.- ir)'29, Egli, Act.
Kette"-: Werkgold von geringerm Feingehalt als
das Dukatengold, wie es die Goldarbeiter bes. zu
Ketten verwendeten. In einer an die Eidgenossen
gemachten Zahlung erscheinen .1 Mark l'/a Unzen an
K.-G.' 1476, Absch.
Katze"-: unechtes G., Mineral mit (joldglanz
(z. B. Glimmer), auch scherzw. Messing S.
Pietrus-: fremde Geldsorte zur Zeit der Bur-
gunderkriege G Stiftsarch. Wahrsch. aus den Nieder-
landen und den Eidgenossen als Beuteanteil zugefallen.
Schätter-: Flittergold, in dem Spruch: I'* hin
imene Göuermaiteli hold, es dräit [trägt] es churzes
Jüppli, am Chopf e Ghränzli vo' Seh. AAZein. —
Schauer, wertlose Waare.
Ziginen-: Zechinen-, Dukaten-, also feineres G.
,1 Büchlein Zigeineng.' Altes Mittelbucu.
Zein-: Stangengold. ,Auruni factum, z.. das nuiii
yetz verwerket oder sunst zuo nutz braucht.' Fkis.
,Das yetz gemünzet oder ins werk bracht ist.' Mal.
S. noch Plantschen. — Mhd. sein, Stab; vgl. unser ,Zein-
Isen'.
Gold-acher, -ecker s. Epfel Bd I 3(38.
golde(n): Gold waschen. ,N. N.. dem ir die weid
in der Aren ze g. verlihen habent.' 1157, S Wochenbl.
.Weilen sie ihr Stück Brot durcli G. verdienen.'
JJSOHEÜCHZ. 1746.
über-gülde(n): mit Gold überziehen, vergolden.
,Die Leute seien heut zu Tage Nichts mehr wert.
Wenn man sie schon ü. wollte, so finde man sie
nicht, wie man sie suche.' Gotth. ,In feur Übergült.
Auratus, vergült oder Übergült, aurarc, vergülden, ü.'
Fkis.; Mal. , Zwei Übergülte, silberne Trinkgeschirr.'
JJRüEUER 1606. ,Wann einer in ein königlich Schloss
gienge und man führt ihn in die Stuben der Knechten,
ja in den Rossstall selbst und funde daselbsten Alles
Übergült, wurde er nit die Rechnung macheu, dass
die Wohnung des Königs noch viel tausend Mahlen
herrlicher sein werde'?' StGabriel 1627. — ver-:
1. wie nhd. Silber und vergült, silbern und vergoldet.
Einen schier v., übertrieben lieb haben und hocli
halten Z. Er tät-en v., wenn er chönnt. Scherzh.:
Eine" mit Dreck v. Z. ,Mit gold vergölt.' Edlib. ,Ver-
gülter becher; vergült trinkgeschirr.' Mal. , Hiesige
Krämer mögen allerhand möschine Zeichen und Creuz-
liu, jedoch nit vergült oder versilbert, feil haben.'
1631, ScHwE. Klosterarch. ,ln den vergülten Kugeln.-
JZiEiiL. 1647. Goldgelb färben: ,Den Teig auf das
Röstewcissmodel legen, sanft zudrücken und backen,
um das Trölhölzli winden und rautenweis vergulden.-
B Kochb. 1756. — 2. s. (ze) Gold (gan).
.Golder, Göldner nennet man die aurilegulos.
Goldfischer, welche mit dem Gold suchen und waschen
umgehen.' JJScheuchz. 1707; 1746. Hieher viell. der
alte L Geschln. ,Golder', da in der Emnio Gold ge-
waschen wurde.
Goldere" f.: 1. Türkenbund, liliuni martagon
„B;" Gr. Syn. Gold-nölle", -Würz. '2. Ort, wo
227
Gald, geld, gild. gold, gilltl
man nach Uuld sucht. Erhalten in dem (.Irtan. ,in
der (i.' B oH. Analog: Koleren.
Die goldgelbe Zwiebel der Pflanze wurde, viell. gerade
ilirer färbe wegen, von Goldmachern beuutzt und lieisst
daher auch Alchyniisten-Zwiebel.
Goldi (resp. -Ö-) m.: 1. Name eines Rindes S. —
2. (ü) Gold- oder Ringfinger Schw; Zg.
^MiMi". -dig: 1. golden, eig. u. bildl. allg. 3Iit
(jHhUiu" CliiHijife". JKMey. Ei"!)! giildi Bery ver-
[spirrh," S^ II -t. Z' Bade" stöt e guldifg/ Hits [Kinder-
licd, an die g.ddcnen Wohnungen der Götter erinnernd].
Wenn es gelingt, die unterste Wurzel der Ackerwinde
(eines eben so schädlichen als schwer ausrottbaren
Unkrautes) herauszuziehen, so findet sich ein ,guldener
Kiin|.t- daran, sauten dir Alten /Zoll. Hölzigi Chelch
iiinl i/iililhn l'nrstcr linl :lir n.lt ('hil'''(" g'hd" ; und
jet:lY L (liieiihcn). Die ijnldnii Xnclit, Brautnacht
Aa; B; L. 's Mücli wHl der Wüle" nit drl" ge"; es
seid, es lueg-di"' nid a"; und die guldig N. über-
chömmid-mrf nümme, nirr hei'-si scfw g'ha". Die
guldi Wache', Flitterwoche W. ,Silbern vel güldin.'
Ebinger 14.38. ,Wir bittend üch yngedenk ze syn,
was glückseliger und guldiner jaren (wie man 's nem-
nien möclit) gewesen by unser vätter zytcn, da unser
catholisch gloub noch ganz und einhellig war.' 1586,
Absch. , Münzen, gulde, silbere und erze.' JJRüeueb
1606. , Keine guldine Zeiten zu erwarten.' JMüi-lek
1665. l>as ,christliche Bündnis' oder die , christliche
Bruderschaft' der 7 katholischen Orte vom J. 1586
■wurde später von den TiM^oldcten Initialen di'r Ur-
kunde .goldener' Bund (aurh .liiin-.iiii;ii.' li-i'i uriiaiint,
S. auch frmi Bd I 1'26;'.; /V..,.,/,. //„/., . AV/:. j;n.i :
Schaf; Wasser. — 2. (guldigj -iiMrimnn- Nnw.
Mhd. ijulilui iu Bed. 1. Das \V. ."n li m m-I. ii Fluruu.
^1" der yuUUtf Wand wächst der (/.,/r/„ <.,,/;, , (in ^nter Wein
AaBb., wie ähnlich in ZZoll. a,> ■! ' ' //'''•. ,Im
guldigen Hubel' soll ein goldener Wi-- -vu sein,
dessen Deichsel zu Weihnachten h' i : i ' '\ i" iip. VII,
5G1). Die Gegend von BSträttl.hiess. :-• i: i ilirlerung:
,zum goldenen Lust'; das Schloss zu iiya^i ,Jci gulduue Hof.'
JRWyss 1816. ,In der Guldistüd.' ZDüruten; der ,Goldi-
bach' ApTeuf. ; ,im Guldiherg' ZWein. ; ,im Guldiland' ZWI. ;
,das goldene Tor', Quelle in der Nähe von röm. Gemäuer
ZKloten. ,Die güldene Huch.' XV., Offn. Eggen. ,Im gul-
dinen Acker.' 1450, Schw (Gfrd.).
Guldi" m.: wie nhd. RAA. De" Eappe" spare'
und de" G. fare" la' Z. Besser e" G., de" men erwirbt,
als zeche", die men erbt. Inkiciien. De» G. iif 15 Schillig
[statt 40] bringe", ökonomisch zurück kommen Z.
,Die guldiu stür, das ist ein Schätzung der Juden in
des keisers landschaften [die Juden, als .kaiserliche
Kammerknechte', zahlten jährlich 1 fl. Schutzsteuer].'
BossH., Wthur. Chron. S. Halter; Batzen; Erützer;
ewig Bd I 609; guet; Guldin-Gelt.
Mhd. fjuldm, eig. adj. ijuldin pAeHiiinc (vgl. den röm.
.aureus' sc. ,nummus'). Während in der ursprünglichen
Silberwährung das Pfund Grundlage des deutschen Münz-
wesens war und als gesetzliche Kechnungsmünze auch sjjäter
noch fortbestand, erscheint 1387 in einem MUnzvertrag zum
ersten Mal der Gulden : ,Söl]ent slahen ein pfund für einen
giildin [rheinisch].' Der Münzvertrag von 1425 und nach
ihm alle folgenden basieren das ganze Münzsystem auf den
fl. rh., von dem a. 1428 68 Stück auf die kölnische rauhe
Mark giengen, so d,iss er ungefähr auf 4 Zürcher fi. (ä 2 Fr.
33 Cts.) zu stehen kam. Der Münzvertrag von 1387 hatte
den fl. zu 20 ß, der von 1425 zu 30 ß gewertet, aber schon
1449 galt er in Luzern 40 ß und im Vertrag von 1487
wird dieser Ansatz verbindlich gemacht und der fl. rh. (als
blosse ideale Uechnungsraünze, denn im Currentverkebr galt
er schon It Coucordat von 1490 45 Luzerner ß) zu 2 Pf. hir
= 40 ß gerechnet. Zürich fleug seit 1500 an, 16 Batzen auf
1 fl. zu prägen, während Bern, Solothurn und Freiburg ihn
zu 15 Btzu rechneten; Luzern aber prägte auf den fl. 40 ß
geringerer Qualität, so dass I2'/3 I^fl- = 10 Zfl. = iC/s Bfl.
waren. Mit der Einführung der Batzenmünze entfernten sich
also die 3 Schweiz. Hauptwährungen von einander sowie von
der Keichswährung, die fortwährend auf dem rh. fl., nun
auch Eeichsfl. genannt, basierte. Mit der Einführung der
(auch aus Silber) gemünzten fl. unterschied man den alten
,Goldgulden', auf welchen Fuss, als die gesetzliche Keichs-
währung, die altern Capitalschuldea meist contrahiert waren.
,Wa einer ein guldin an gold soll, soll einer drU pfund für
ein g. gen.' 1490, Ztschr. f. schwz. K. [derselbe fiel, !t Absch.
vom 16. Oct. 1558, nicht mit dem rh. fl. zusammen, da auch
dieser verschlechtert wurde). In Basel erschienen im XIII.
die Floren (s. Bd I 1206), E. XIV. der rh. fl., der zwischoB
10 bis 30 ß schwankte, um 1403 20 ß = 1 ib. betrug, seit
1428 zu 23 und 1500/70 zu 25 ß = 15 bis 16 Batzen ge-
rechnet wurde. Bes. durch das Söldnerwesen kamen alsdann
eine Menge fremder Geldsorten ins Land. Der StAndreas-G.
mit dem Kreuz wurde wie der rh. fl. zu 32 Plappart go-
wertet. 1479, Absch. ,Ein ungerschen guldin soll man nemen
umb 31 ß 2 den.' 1416, Absch. 1487 galt ein guter u. fl.
53 ß 4 hlr. Ein Araguner-G. sollte für 2 fl. genommen
werden. 1479, Absch. ,Ein gueten uterschen guldin für
dryssig plapphart.' 1480/1504, Absch. (a. 1477 31 Plapph.,
a. 1487 37ß, a. 1504 35ß). Ein cölnischerG. galt 1487/1504
38 ß. 1482 erscheinen iu einer Zahlung 55 Stück ,Katzen-G.'
[vgl. ,Katzen-Gold'y]. 1 StMichels-G. wird für l'/a fl- ge-
rn.inniun. 1479, Absch, : 1 Wilhelmer G. für 24 Plapp. ebd.
Zur /.ril il. I l'.uix'iiiMltrkriege werden auch die berüchtigten
I'm hilil-i;. Li II. I- ,l>is Guldin sind zu Basel noch gäng
I _',li: ili I I I liiiiirir^leu G.; die kölnischen, die Frank-
liiilci, Xiinubuiyci, Liaudenburger, pfalzgräflschen, Nörd-
liuger G., des Margrafen von Niderbaden G., die Bunner G.,
Erzherzog Sigmunds sei. G., die Menzer, Trierer, Berner,
Metzer G.' 1503, Absch. S. noch Floremer Bd I 1207 (wo
auch ,Kammer-G,'), Salucicr. .Schilt-Frtmktn Bd I 1309, Ge-
iioN-er, Hehcm^ch. ,Umb guldin (PL).' 1336/1446, Z Chron.
,Guldi.' XVII., AaWett. Klosterarch. ,15 Guldi.' 1609,
Diener, OGlatt., ,guldinen (Gen., resp. D. PI.).' 1604, L
Escholzmatt, 1650, Z Mand.
Appellation«-: Appellationsgebühr. .Solle solche
Appellation in Zeit '24 Stunden der Widerpart in der
Canzlei angekündet, der A-Guldi der Canzlei erlegt
werden.' 1756, Schw Rq. Auch in L betrug die Ap-
pellationsgebühr von jeder Partei 1 fl. 1561, L Eats-
verordn. — Ere°-: Ehrengeschenk im ungefähren
Betrag eines Guldens. Der Stubengeselle, welcher in
den Kleinen Rat oder auf eine Vogtei gewählt wurde,
,soll der Stuben ein E. verfallen syn'. B Taschenb.
1865. — Erb-: Erbschaftsgebühr an die Obrigkeit.
Die übervügte, Meier usw. sollen darauf sehen, wo
,man 5, mehr oder weniger, fürs 100 oder allein den
Erb- und Schirmbgulden abzerichten oder zu bezahlen
pflegt.' 1627, Bs Rq. Vgl. (Erh-)Fall.
Kerze"-: Beitrag an den Unterhalt einer h. Kerze.
,0b aber ein [Neuburger] die gesellschaft [Zunft], des
antwerch oder gewerb er trybt, nit koufte. so soll er
doch derselben gesellschaft den kerzenguldin ze geben
schuldig syn.' 1480, Ztschr. f. schw. K.
Die Zunftgesellschaften dienten neben gewerblichen und
politischen auch religiösen Zwecken ; so unterhielten sie vor
den Altären ihrer Schutzheiligen oder in Kirchen überh.
brennende Kerzen (ewige Lichter). A. 1467 wurde in L
beschlossen, dass wenn ein fremder Schneider oder Weber
(ial.
-gnitl. «alf-Kiilf. (ialg gulg
~u\\ iu der Stadt niederlasse, er an die Kiij^^ellierze vor dem
h. Kreuzaltar 1 tl. zu spcudeu habe.
Kötzer-: Busse von 1 fl., welche im Nov. 1531
jede evangelische Maunsperson zu Stadt und Land in
Rajiperswyl erlegen musste, als dort der katholische
Glaube wieder eingeführt wurde.
Krone"-: als Ehepfand gegebenes Geschenk des
Bräutigams an die Braut bei der Verlobung GlH.
Syn. E-Pfemiing.
Vgl. .Kronengold', welches im Unterschied vom feinen
Itiikatengülde zu Kronen (als Münze) und Goldgulden ge-
braucht wurde. Odcr = Münze mit einer Krone als GeprägeV
Land-: ira Ggs. zum rh. fl. (zu 0—6,50 Fr.) der
mit dem Churer (bischöflichen) Landgulden gleich-
wertige fl. Montiner Währung (des Gr Oberlandes) zu
16 Plapp., im Metallwert von 4 Fr. 80 Ct. oder in
heutigem Geldwert von 24 Fr. Häufig im XV. genannt
in den Eechtsq. des Obern od. Grauen Bundes.
Münz-: G. in (kleiner) Münze statt des Rechnungs-
guldens oder statt in Gold; leichter, ringwertiger. als
Ggs. zum .guten G.' Der Jahrlohn eines Weibels be-
trägt 6 M-G. 1552, aLB. Ndw. .Jeder Einzüger hat
inskünftig 50 M. zu bezahlen.' 1708, Aa Weist.
A'gl. unser Münz und: ,Sein hof verliidien järlich umb
10 fl. münz Zins.' Cys. Mit der zunehmenden Münzver-
schlechterung wich der Current-G. oder Münz-G. von dem
.guten G.', der eine Rechnungsmünze war, immer mehr ab,
so dass Gülten aus dem Freiamt, die nach MUnz-G. verzinst
wurden, im Curs gering geachtet wurden.
Bad-: Gebühr für die Benutzung des (Armen-)
Bads Spanweid (bei Zürich). .Die Verordnete sollen
für die Einziehung des B-s von Allen, die keine
Scheine, dass sie Almosensgenössige seien, aufzuweisen
haben, besorget sein.' 1769, Z Ges. — Schirm-: an
die Obrigkeit für ihren Schutz von den Schirmver-
wandten und Untertanen zu entrichtende Gebühr.
16'27. Bs Rq. (s. bei Erb-G.). Vgl. Schirmijeld. -
Schwabe"-: ein in Xvl. bis 1872 aus der Landes-
kasse entrichtetes Reisegeld an die ins .Schwabenland'
ziehenden , Verdingkinder'. — Tu send- s. T.-G.-Krut.
-- Wacht-: eine in der Stadt Zürich bis Ende des
XVIII. von allen erwachsenen Bürgern und denjenigen
Wittfrauen und ledigen Töchtern, so eine eigne Haus-
haltung führen, jährlich auf das Neujahr entrichtete
Abgabe zur Unterhaltung der Turm- u. Nachtwäcliter.
Vgl. W.-Gelt. — Hochzits-: Abgabe von 1 fl.. den
in BEoggw. jeder Bräutigam vor seiner Copulation
anfänglich der Kirche zu Äufnung des Kirchenguts,
von 1782 an dem Seckelmeister der Gemeinde ent-
richten musste. Vgl. Hochzits-Gab.
Guldner m.: ,Stipendiarius pro causa injusta.'
XV., L. — Wuehe"-: Stipendiat, der vom Stift zum
Grossen Münster wöchentlich einen G. bezog. 1637
gab es It JJBreit.'s Verzeichniss einen W., neben
zwei 40-Guldnern, mehreru 20-Guldnern usf.
Goldbächler: Birnensorte Tb. — Naeh einem Orte
.lidldbach' benannt.
Güldcrling ni.: Apfelsorte Tu.
Gold-: saurer Usterapfel ZThalw. - Wie Uold-
E/,/,-!, Golil,i,:lirr nach der gelben Farbe.
Galfe" f.: ein Trockenmass, bes. für Salz. ,l)er
vordrist salzknecht soll das salz, so gemeinen burgern
yngät, es syge in galfen ald schyben, eigentlich von
stuck zu stuck ufschryben.' Z Ordn. 1542. In einer
Verordnung von 1492 wird unterschieden .Rörli-, schy-
ben- und galfen-salz'. .GalfenzoU' noch 1610. — Mhd.
ijalcei n.
Kröttli-: in Körbchen gefasste oder gepackte G.
Xu! der Tag.satzung in Luzern 1521 zieht der Ge-
sandte von Zürich des Salzes halb an, wie die Kr.
und andere Masse nicht mehr wie bisher in die Eid-
genossenschaft kommen [aus Baiern].
Kröttli für Krettli, KrattU (Dini. von Kralle', Korb),
beruht auf bair. Schreibgebrauch, wie der ganze Ausdruck
übh. uns mit der Sache aus Baiern zukam.
galfe": mit einander spielend und schäkernd rau-
fen, zunächst von jungen Hunden Z rS.f Syn. galpen.
Von mhd. i/alf (cjalp), Gekläff, also eig. mit Bez. auf das
solches Spiel begleitende Gebell, und nur durch den Maugi-I
des Umlauts von gelßn geschieden.
Galfrues s. Kalfrues Bd I 1331. Gälverne
s. Gehvere.
Gelf: Wolfe. .Als wir vor zyten teil |l'arteien|
hatten unter uns von Giblingen und von (iclfcn iin.l
von andern teilen.' 1403, Absch.
gelfen: rufen, schreien. .Hilf, Herr Gott, hill! zu.i
dir ich gilf.' Zwingli im Pestjahr und ähnlich Gi alth.
1542. Mit unrichtig gebildetem Inf: ,Ja, auch die
wilden ticr werdend zuo dir gilfen.' 1531/48, Joel,
= ,schreien.' 1667. - Mhd. gyl/en, (jel,,jh,.
Gulfe s. Glufe.
Galgane" f.: Ingwer BSi.; auch G.-Würz.
Mhd. yulyun m., Galgantwurzel, welche Bed. auch für
unsere Gegend in der I,it. des XV./XVIII. reichlieh zu be-
legen ist.
Galge" m.: Vorrichtung zum Aufhängen w\>-r Auf-
ziehen. 1. a) zur Vollziehung der Todesstrafe durcli
Hängen. Syn. Wlzübawn. .In gewissen Anligen solle
man den einten von seinen Hosenbändlen an den G.
binden und ein Spänlein von demselbigen hauen und
bei sich tragen.' Anhorn 1674. ,Du hast gewiss mehr
als einen gesehen, der um des Diebstahls willen um
den Kopf kürzer gemacht worden oder den G. hat
ziehen müssen.' JMev. 1694. .Handwerker, die' den
G. reparirt hatten, wurden im Namen Meiner Herren
wiederum redlich gemacht.' 1706, Ölhafen. Zur Be-
zeichnung einer grossen Menge in verächtl. S. : ,Es
syge ein ganze G. voll dere" Bandite" uss de" Ländere"
use" dinne" [in Eapperschw.] gsy".' Gesi-r. 1712. .Wie
vil Schwyzer siuds gsy°y Vil; e" ganze G. voll, wol
meh'' dass 2000.' ebd. , Stock und G.' als Bezeichnung
der höchsten Gerichtsbarkeit. ,Wo das andre und alt
umbgefallen hochgericht oder st. u. g. vor disem ge-
standen.' 1616, FoFFA. Das Bild eines G. .Dann etlicli
in lender hattend inen stempf [Münzstempel | lassen
zuorichten, und wann inen ain Zürcher batz"" ward,
so stampftend si iren stampf euch daruf, das was ain
galg [wodurch die Zürcher für ihre Klosterplünderung
als an den G. gehörig bezeichnet werden sollten j.-
Sicher 1531. Mit einem G. wurden Verbrecher go-
brandmarkt, daher die RA. de" G. uf-em Ruggc" hii",
welche noch 1839 in Zürich auftauchte. Sonst bricht
die Erinnerung au den G. nur noch iu RA.\. usw.
durch, z.B. in der scherzh. Droliung: JDu chuniisch
[kommst] a" G.t S. Die Pflasterer stampfen die Steine
(Jalg— gulg. Galgg-gulgg
nach dem Takte des Eeiraspruclis fest: Zum G., zum
G., mer wend-e' [ihn] go salbe'! Z. Nachbarlicher
Neckspruch: D' Langehmier Näre' ziencl de' leere'
Chäre' bis g^, Bade', bis gr. Töss, bis de Charre' de"
G. löst ZZell. Da hange' wie de^ Schelm am G., d. h.
steif Z. ,Äb dem G. gefallen sein-, dem verdienten
Tode entgangen sein. ,Er sei ein unglücklicher Mann:
Wenn einer, der ab dem G. gefallen [also ein ganz
gemeiner, nichtswürdiger Mensch], etwas über ihn
sage, so glaube man's ihm.- HPest. 1783. Vgl. ,dera
Henker oder Teufel vom Karren gefallen'. Er het
unger 'em G. nümme recht, ungerecht verurteilt kann
er nicht mehr zu seinem Rechte gelangen. Schild.
Er ist de"- G. nid wert. Sulger. Wärid keini Dieb,
sj gab 's keini G. 's git meh'- Dieb als G. 's hilft
kein Panzer für de" G. Wer zum G. giboren ist,
versüft nid. D' G. hät-men abg'schaffet, d' Schelme"
sind 'Mibe', ebd. Er het en goldene" G., eine reiche,
aber böse Frau, die ihm seine Armut vorwirft Bs.
Verbunden mit Rad. Bi G. u. E. verbäte". Ab-em
(vom) G. uf 's B. chu" {g'hije" BHk.), vom Schlimmen
in noch Schlimmeres fallen; vgl. ,Sequitur varam
vibia, ein Übel aufs andere.' Red. 166'2. Dagegen
beide Begriffe als gleichwertig gefasst: ,.\lle Wochen
musste ich denken: der Weibel schätzt mir Pfand
[pfändet mich], doch konnte ich immer vom G. aufs
R. fallen [das drohende Übel an ein anderes ver-
tauschen; vgl. von ei°'m Nagel an andere' hänke"] F
(Schweizerb. 1820). Als Beteurung: Potz B. u. G.
.Etliche stossen anstatt der Lumpen grobe Meissel
oder Zapfen zwischen die Haft mit Gewalt in die
Wunden bis auf den Grund und geben also (wie man
spricht) für den G. das R.' RWürz 1634. ,An G.' früher
als Verwünschung i. S. v. nhd.: Zum Henker! ,Maluni.
interjectio irascentis. wett als unglück, an g.' Fris.;
Mal. Abstr.: zur Bezeichnung schlechter Qualität
oder verst. Verwünschung, als erstes W. von Zss..
z. B. e G.-Ornig, arge Unordnung. G.-Lün, geringer.
G.-Vogel, -Hund, -Bueb, -Strick, -War; -Wetter,
-Lärmen u. a. Auch vor Adjj., z. B. galge'-ueh. Syn.
galgisch, galgenmä^sig. Vgl. ,ein G. voll'. In Flurn.
Erinnerung daran, dass an den betr. Orten oder in
der Nähe derselben früher eine Richtstätte sich be-
fand. Eine solche Stelle in der Nähe von AAWett.
hiess geradezu ,G.' (,Stosst an G.', Grenzbestimmung.
1572, AAWett. Arch.) Sonst als erstes W. in Zss.,
z.B. in den häufigen ,G.-Buck, -Buel'; ,G.-Acher' ZSt.
,G.-Rain', bei S. ,G.-Zelg.' ebd. .Der G.-acher, daruf
der G. steht' Aa 1674. — b) Kreuz. ,Ich [Pilatus]
giben Jesum an den gallen [sie !] des krüz.' HsStockar
1519. — 2. Hosenträger AaoF.; ,GG.; VOrte; Z;"
S. Han i'* nit gar ordligi Höseli a' und oif* gar
ordligi Gälgeli dra"? L (Schwzd.). Den Mannsper-
sonen ist das Tragen ,deren mit allerhand gefärbten
Seiden gestebete [gesteppte] und geblüemte Galgen'
verboten. 1(375, G Mand. Syn. Hosen-G. Vgl. engl.-
gallou-s. — 3. verschiedene Geräte, a) an der Decke
des Wehkellers befestigte Vorrichtung von Holz,
woran die Weblade und andere Geräte aufgehängt
sind Ap. Auch Gälgeli. — b) hölzernes Gestell, an
welchem die Schuster ihre Lampen und Glaskugeln
aufhängen. — c) eine galgenförmige Vorrichtung mit
Flaschenzug, bei Errichtung hoher Gebäude Holz.
Steine usw. in die Höhe zu ziehen, Krahn Nuw. —
d) der Querbalken, welcher oben von einem den langen
Zinimerhaum des Dachstuhls tragenden Balken zum
andern hinübergeht, damit die Heuleiter daran gelehnt
und befestigt werden kann Ar. — e) der obere Quer-
balken der Schleuse SNA. — f) das aus 2 Pfosten
(,Vorderstüden', auch .G'schwüsterte' genannt) be-
stehende Gestell des .Trottbaums' in der Kelter.
Mhd. ijalge, auch i. S. unsers Brunnen-O. Bemerkeuswert
ist die Abstossung der End. bei Sicher und in tJaly-ftrunuen.
Bed. 1 b entspricht got. (/alga, Kreuz.
Ofe"-Galge": Aufhänggerüst über dem (Jfen Z.
Syn. Ofen-Stang. — Flöh-. De" F. mache', die Arme
sü legen, wie man es zum Schlafen tut, sich zskauern
FMu. — Fleisch-: eine 7' lange, an den Stichbalken
des alten Bauernhauses sitzende Stange, an welcher
horizontale Äste mit Hakenenden emporlaufen, an die
man den Fleischvorrat hängt, den man beim Mangel
eines Rauchfanges im Dachrauche trocknet. Rochh. Gl.
Vgl. Metzg-G. — Hunds-: Flurn., zwischen ZRobenh.
und Uster. — Hose"- = Galgen 2 AaF.; SL.; Z;
, VOrte." — „Korn-: Dörrgerüst für Getreide, ähn-
lich den .Heinzen' für Heu Gr." — Metzg-: rechen-
ähnliches Gestell, an dem man die geschlachteten
Tiere aufhängt Z. — Brunne»-: ,Gabelstud, brunnen-
galge, vara cum vibia.' Red. 16ö2. — Schnabel-:
1. galgenförmige Vorrichtung mit Rolle, um klein-
gespaltenes Holz u. A. in einem Korb oder einer Kufe
auf den Estrich zu ziehen ZS. Syn. Winde, Ufzug.
Vgl. Galgen 3 c.— 2. eine Art G., ein einzelner Pfahl
mit Arm. ,N. N. sucht nach, man möchte den in einer
seiner Matten befindlichen Seh., welcher verfault am
Boden liege, anderswo, wo das Hochgericht ehemals
gestanden haben soll, aufrichten.' 1721, Absch. ,Zur
Verhütung von Todtschlägen soll auf dem offenen
Platz zu Lauis eine Sehand.säule oder ein Seh. er-
richtet und Name und Tat der Übeltäter mit schwarzen
Buchstaben auf einer blechernen Tafel angeheftet
werden.' 1745. ebd. — Wolf-: urspr. eine Art Falle
für Wölfe, jetzt nur noch Flurn. 1.-.72. AAWett. Arch.;
EsTERM., Rick.; Sch; Z.
galgisch: verwünscht, arg .\aF.; VOrte. En
g-e Lärme UwE. Oft nur abstr. verstärkend = sehr.
G. ivüest, vil. In Ausrufen, z. B. : E, g. ! iiiie ehummt
du! ei, wie seltsam siehst du aus L (Ineichen).
Gilg I u. II, Gilgen, Gilgian I, s. Gill u. GlUian.
Gilg ni f.: Lilie s. Die Bd I 179. ,Einen lalm
und daruf ein hirzhorn, darin sind drei französisch
gilgen.' RüEGER 1606. ,Ein Diadem mit einer guldinen
G.' 1616, L 0.sterspiel.
gilgecht, gilgisch: lilienhaft. französisch. ,Wer
gilgisch [d. i. französisch gesinnt] i.st, der ist feiss und
truegt [gedeiht] wol.' 15'2.3, Er.Li, Act. Der Glanz der
französischen Sonnenkronen mit der Lilie heisst: ,Der
gilgechte sunnenglanz.' Ansh.
Gilgian II m.: französischer Parteigänger. ä.Lit.
Bezieht sich auf die Lilien im buuibonischen Wappen,
ist aber .au den gleichlautenden Taufn. angeleimt.
galgge": ausspucken. Er g-t Alles voll ZRafz.
— Wahrsch. zu Gvlt/ij, Nasenschleim, Speichelauswurf.
Gelggscliosereie° = Gegg- Sp. 175.
gelggeschosig = gegg-. ebd. Öppis G-s, eine
Zwischenmahlzeit Bs.
•233
(Jahn <;"l'ii. (Jalp — giilp. (Jalsf — jjulst
234
(Jolgge" 1 GrHc; U. Gölgg Aa; „B; F (Giilg);"
Z, üölgge" Aa; Bs; Z m. : 1. Sehnaljel. Ausguss-
röhre eines Gefässes, z.B. Kruges i'.v.: (ilMi. Syii.
s. bei Gaitggen n. Gäuggel; ferner Kumnl: /.iiiiiitjin;
Znlgye; Zuenyye; Zauten. Mn' mvditi :niii'i Chniri/Ii
L werde" und um (G)gölggli üsse(r)lun(jn" ! GRSchiers.
[ Röhre am Saugkübel für Kälber GRHe. — 2. abge-
brannter, verkohlter Docht eines Talglichtes AiBb.;
Bs. 2>' Cherze' ist ahe 'brennt und Gölgge' hange"
(IUI Däche' Bs (Breitenst.). Ein herabhängendes Stück
eines solchen kündigt Besuch von der betr. Seite an
AABb. Syn. GnJj.n-: Knll,,,, ■ Thöachen. — 3. Nasen-
* schleim, Rot/ \\r.li., I'-: i:>; J'.; /Xer.; auch Sc7m«-
' der-G. Auch >i.'i. lirhiii-xMirr l;-. i^yn. Gögel ; Gogge' ;
Kännel; Bugg: ,'<diiiiulti-Ziilggen: vgl. Schnuder-G.
.Der Schnudeiberg, do die böse kind mit den golggen
iif den ermlen sind, rüert obenhar an unsre houptstatt.'
HvRüTE 1532. Daher Schnuder-GöJggi m.: Schimpfw.
ZW. — 4. „ungezogener Laffe F;'- läppischer Junge;
Schimpfw. für Buben AABb., Z. Ungezogener, un-
säuberlicher Mensch AaZ.
Da üas W. soust nirgends (aussor a. 1577: .StUnzeB mit
folgen.' Inventar Pfullendorf) bezeugt ist und Sjnn. z. T.
lautlich nahe stehen (bes. bei 1 u. 2), so mag es aus einem
l solchen umgebildet oder entstellt sein. Übrigens scheint
I Gruudbed. das Hervorragende zu sein; die Vermittlung zw.
I 1 u. 3 bildet Kännel, diejenige zw. 2 u. 3 lat. wiiiciw mit
f it. Hmuciulare und nhd. ,das Licht sr.hneuzen'. Für die Über-
r tragung auf Menschen (4) sind bes. die Synn. GSyel, IJSgr/
uud Tächte (Letzteres i. S. v. Dummkopf) zu bemerken.
gegolgget kolket: gross gemodelt, von einem
Dessin mit grossen Figuren von einer Farbe GO.
Golgge" II m.: Tintenklecks GO.; ZRafzerf. - Syn.
'Toly<jen, zu welchem es wohl blosse Nbf. ist, attrahiert durch
Golgijcn I.
gnlgge(ii): löten, z.B. Pfannen ZStadel.
Wahrsch. mit richtigem, altem Umlaut ii (nicht 0) von
Gdgge' I 1 i. S. des schnabelförmigen Lötkolbens.
(Jalni m.: Gipfel, Rücken eines Berges W, bes.
sanft zulaufender BSi., übrigens hier selten, gewöhn-
lich Gupf oder Hörn.
Vgl. Galen Sp. 203 uud bes. Guhn, zu welchem es im
.^blautsverh. steht. Hieher wnhl auch der schon l.")32 ge-
nannte Wald dieses Namens bei FMu.
„galniig: von Saugkälbern, wenn die Knochen
steif, wassersüchtig und schmerzhaft sind B; S." —
„Galmigi f.: der betr. krankhafte Zustand."
Wahrsch. von Gulm, Duust, Wind, Qualm, Betäubung.
(Ir. WB. IV, I, 1, 1199/1200, viell. aus der Vorstellung,
ilass Menschen und Tiere erkranken, bes. an Geschwulsten,
ttiun sie in einen sog. ,bösen Wind' gekommen sind, odei
i-iitstellt aus dem Syn. ijammUj.
Gtlmele s. Gerwere.
(iolme f.: Blutflnk GnObS. - Wohl zu c.J.
Galni, in Gl G-e', Kulm, an derRigi Ä-c" — f. (m.):
oberste Bergkuppe, bes. von kegelförmiger od. runder
Gestalt VOrte; Gl." ,Auf der Culm [des Rigi].' JLCvs.
l(i()l. Gidm, Name eines Waldes bei ZHausen a/A.,
»/■(?., Ort oberh. ZoÄg., Gulm-Holz ZWäd. Vgl. Galm.
Lat. culmen mit der regelmässigen Erweichung von lat.-
rcim. <• zu y. Vgl. churw. eulm, Vorberg. Die Form A'-
scheint der Ausspr. (k/) nach zu schliessen erst aus dem
Bücherdeutsch eingedrungen zu sein ; ebso das niänul. Gcschl.
gal|ie(n) I: tändeln, spielen, ringen, .von jungen
Katzen B;- von jungen Hunden 8; von Kälbern, die
zum ersten Mal aus dem Stall kommen und dann
Sprünge machen BSi.; „von Knaben B;" von Ver-
liebten (schäkern) B. Heisst-mr" Meif.scheni chn-, sii
wird Mit verrichtet; die hei" niiiiiii'" \\\n\\ :' r/. und
d'r Narre z' trihe: N. B Kai. l>ln. Syn. /-/-,/. /./,/,j/,-
gäugglen; gaulen, gölen; galf'en : iiiikiiii-Ii-ii : iiaiiijilni-
gappen, göpen; gürten, narren ; rülzen. — Galpi n\.:
wer kindisch spielt. — galpisch, spielend B. —
Ver(iuickung von (jalfen mit gopenJ Doch s. auch r/ulpeii.
galpe" II: pumpen TnTäg. — Neben yamjnu.
gilperig: sinnlich begehrlich, geil S.
Von einem Vb. 'gitpen 10, das sich zu galpen und </ii///./i
ablautend verhielte und mit diesen die Bed. ausgelassen
spielender Bewegung gemein haben möchte; vgl. auch Gid/j;
gülpen. Doch könnte es auch verhärtete Ausspr. für gilherig
(s. gihverig) sein.
Golp m. : schwingende Bewegung des Wassers in
einem Geschirr Ndw.
golpe(n): 1. vom Schall einer in einem nicht
ganz gefüllten Gefäss sich hin und her bewegenden
Flüssigkeit. Das Fass g-t, ist nicht ganz voll: :uu-h
vom Plätschern der Wellen im See Nnw . Syn. iiiiugii-
len, glunggen, gluntschen. — 2. schwaiikni. stol|nTii.
— Golpi m. : ein Mensch mit solchem (iaii^i- Xnw.
— Gruudbed. hin und her schwanken, schwabbeln. S. .\uni.
zu gilperig.
gülpe(n): von Tieren: beim Springen abwechselnd
Vorder- und Hinterleib auf werfen, eine Art Galoppieren
BSigr. — umhin (ummej-: herumspringen BBe. —
S. die Aumm. zu den vorhergehenden WW. Vgl. Iiüljjen.
galstere(n), ge'lstere{n): 1. (galst- res^. gaust-J
verzaubern, verwirren, erschrecken, ausser sich brin-
gen L. ,Galsteren, zaubern, blenden.' Rkü. 1662. -
2.(gelst-resi).gäi(,stre''Jlä.rmru '/.<.. khilV.n, von kleinen
Hunden BE. Syn. gältschen, kai'i-i In n. i^ij iqni, hauzeii.
Gruudbed. ist: Sehall erzeu^r, >,- i n .li l.nite H.r-
sagen von Zaubersprüclien und ^\ii : Wi ," n !' Z;ni-
bers, wie auf andere Arten \ n l i i ' ilin
konnte. Stammw. ist das &\\<- - . i '»-i.
Bezauberung (bei KdvAmmenh. an li ■iinuil i;.iinj -, Hr.
WB.) von gnlan, singen. Für 2 küuutc auch das luür.-.isti-.
, Galst', Schall, angenommen werden. Übrigens vereinigt aucli
norweg. giildni beide Bedd.
cr-y;d,stere(n) AABb.; F.; VOrte, -gelstere(n)
AaImI.. S., St.; l!s (-«-); B; Gl; LE.; S; Th: 1. (tr.)
a) crsclircckcn, oft nur zum Scherz ÄABb., F.; Bs;
durch Schreien S. Syn. z' fürchftje" mache". Ergal-
steret, erschrocken, vom Vieh ÄAEhr. Syn. erklüpfen.
— b) ausser Fassung bringen, verblütFen VOrte; in
Aufregung und Erstaunen versetzen Aa. — c) an-
strengen, hart mitnehmen; erschöpfen, entkräften,
plagen, ermüden B; L. De-' Wueste' [Husten] hed-
mi''' ergelsteret. D' Flö'' erg. Ein". Von Kindern
gegenüber der Mutter BSi. Durch übertriebenes Zu-
reden unwillig machen (St.''); Tiere, z. B. Hühner,
herumjagen BHk.; durchprügeln BHk.; Th. Syn. er-
gatteren, -haheren. — 2. (refl.) sich anstrengen, er-
eifern, erhitzen B; „LE."; sich abmühen AAKlingn..
z. B. beim Umziehen in eine andere Wohnung B.
235
tialst-gulst. (Jalt-gult
Von Kindern, die sich beim Spiel aufregen B; FMu.
Syn. erjauzen. — 3. (intr.) erschrecken AAFri.V —
Ergelsteri"g: Aufregung Aa. Syn. Gehäber.
ver-galstere(n) Aa; Bs; Gl; Gr(;-); L; G; Sch.
-e- Aa; Bs; S; UwE.; Z {e'), -ä- Bs; Gl; Gr; Zg;
„Aa; B; LE.; S" : 1. (trs.) a) bezaubern, verhexen
Bs; GRPr.; Th. „Er ist wie v-t BO.; VOrte; Z."
Spec. von dem der Wirkung des Irrkrautes zugeschrie-
benen Zustande eines z. B. im Walde Verirrten GEh.
Er habe biderben Leuten die Kühe ,vergalsteret'.
1526, E(,Li, Act. [Dasselbe mit andern Worten ibid.;
er könne den Kühen die Milch nehmen.] Weil ihm
ein Stück Vieh zu Grunde gegangen, hat er vermutet,
sie [eine alte, der Hexerei verdächtige Frau] habe
ihm dasselbe .vergalsteret'. 1540, Absch. .Hilft dem
vergalsterten menschen, dem sein mannheit genommen.'
VoGELE. 1557. ,I)ie tauben legend für Zauberei und
vergalstrung zart lorbaumschützling in ir nest.' ebd.
jFascinare, verzauberen, vergalsteren.' Fris.; Mal.
,So ist oft'enbar, dass man einem syn gsicht wunder-
barlich vergalsteren kann, dass er nit änderst ver-
meint, dann der verschlinde ein schwert und speuze
gelt, messer oder anders, einer esse brot und speuze
mel, einer trinke wyn und er gange im zur stirnen
vviderumb hinuss, einer schlache dem anderen den
köpf ab und setze im denselben widerum an, ein
güggel zühe ein trottbaum. Demnach kann man auch
durch natürliche ding, als röuch und anders, zwegen
bringen, dass einer schwüere, alle, so by einem tisch
sitzend, sähind, als ob s' tod wärind oder sy hettind
keine höupter oder eselsköpf, oder ein wynreb er-
.strackte sich durch das ganz gemach.' LLav. 1569.
,Ein Zauberer, der andere vergalsteret und verblendet,
als ein unhold, hex oder hexenmeister.' RGwerb 1646.
,Excantare, verzauberen, vergalsteren.' Denzl. 1677;
1716. Oft auch nur bildl.: durch geistige Mittel auf
den Geist (nicht die Sinne) wirken, verblenden, be-
rücken; auch von Wirkungen des Aberglaubens und
des Teufels. ,Dass die o"gen nit verblendt ald ver-
galstert [werden] an dem roten gold.' Kessl. ,Sogar
was die weit mit l.liinilp-it MTgalstert.' Vad. ,So hette
er doch betrutj'li'lirr » \ < dir äugen der menschen ver-
galsteret oder otlich aiiyvrirlitet, die derglychen geton.
als ob sy gestorben.' LLav. 1569 = ,verblendet.' 1670.
,Der Aberglaube konnte ihn bis zum Selbstmord ver-
galstern. Vergalsterte Sternseher, die sich entleibten,
um gewiss die Stunde ihres Endes vorhergesagt zu
haben.' AKlingl. 1691. ,Da denn diser arglistige Feind
den abergläubigen und vergalsterten Leuten dise Sa-
chen so gut vorgibt.' Zauberei 1704. — b) = er-g. 1 a
Aa; Bs; L. — c) = er-g. 1 b Bs; L; G; Sch; Z.
Ergeisteret, verstimmt ZKn. Auch: Tiere (Pferde und
Rindvieh) scheu oder durch rohe Behandlung störrisch
machen Sch; Zg. — d) erbittern und verbittern Gl;
Sch. — e) = er-g. 1 c UwE. — f) verderben Bs; Gr;
LE.; Sch; auch eine Freude Z. Verunreinigen, z.B.
den Fussboden oder untern Teil der Wand mit den
Schuhen Bs; L. In Unordnung bringen, z. B. das Bett
durch Hiiioiiilies'eii hei Taf^o SV /sf vo''' ganz v-t gsi",
unordi-iiili- h .iii-.vm-vii. mii :\1mii;-.'ii Jj. Durch Unbe-
.sonnenhrit, I L-ivilmm \ ndn l,..,, l;.; Z. — 2. (intr.)?
a) verwirrt, yelahiat, ver-^teiiicrt werden TuTäg. Syn.
vergatteren, rerstünen, vertatteren. — b) erschrecken
AAFri.: Bs. Vgl. i 6. — c) zornig werden SchKI.
Vgl. 1 d.
Galsteri f: 1. Zauberei. , Mit gilt und galsterei
vom leben zum tod bringen.' Vad. — 2. Betrug, Täu-
schung. ,Dass du, einfältiger Leser, seine [Fabers]
G. mit seinem prächtigen Allegieren kennen lernest.'
1532, HBrLL.
galst(e)rig: 1. „ausser sich gebracht, seiner selbst
nicht mehr mächtig. Es ist mei- rso g. P* U" recht
g. worde", vor Ärger, Zorn BO. ; LE." Ausgelassen,
mutwillig, übermütig lustig BSi.; W, von Mädchen.
Syn. gainplig. „Über die Massen verbuhlt, von Mädchen
B-^a.'' .Boshaft, unbändig." „Scheu, v. Pferden SL."
galt: 1. keine Milch gebend, wegen Jugend, hoher
Trächtigkeit, Krankheit oder Bestimmung zu anderm
Zweck (Mast), a) von Kühen oder Ziegen Ap; BSi.;
FJ.; VOrte; Gl; Gr ; G; W ; Z. Syn. gast; Gegs.
melcli. G. gä" (vgl. .schwanger gehn') Ap; Ndw; Z;
Syn. g. stä", alti Milch gehen, er-gdlten; Gegs. leeren.
In GRh. g. gä' auch vom Vieh, das noch nicht tragend
ist und es nicht mehr werden kann. — b) von Kälbern
und Rindern, welche galts Veh (BR., Si.) od. Galtveh
(Gk; G; FwK.i. rjalli War (BR.; F J. ; GSev.) heissen,
gewöhiilirli /um .Matten bestimmt sind (G) und z.T.
in besnii.lmi Sclhuiirii, wo nur mageres Futter ein-
gelegt i.st. iidor auf geringern Weiden gehalten werden
BSi. Auch von Ochsen UwE. — Subst. Galts, junges
Vieh, bes. Kälber und Rinder, doch auch Ziegen BO.
,Well'"''er den andern pfeuden will, der soll des ersten
pfenden ross oder galts vö [Vieh], demnach ander
farend guet.' 1480, Ztsohr. f. schwz. E. ,üass inen
[den Messpriestern] die best melchkue, das fegfür, nüt
galt gange.' Zwingli. ,Es sollen auch die Metzger
kein Geissvich vor StJakobs Tag nietzgen änderst
Gitzi und jährige gälte Geissen.' 1634, SchwE. Kloster-
arch. .Brach, unträchtig, galp [i*], 1er, sterilis, viduus,
vacuus.' Red. 1(i6'2. - '2. „unfruchtbar, nicht trächtig,
von Kühen Ap; Gk." Von Frauen UUrs. — 3. un-
angebaut, brach, von Äckern W. Vgl. Galtimattli,
Name eines magern Grundstückes UwE. — 4. von
Brunnen und Quellen: nicht mehr fliessend, ver-
trocknet BR.; GA. — 5. Mangel an Etwas, z. B. an
Geld, habend BR.
In andern MAA. ydt und gelde; ags. gehk, siocus, altn.
(jdd, castratus, sterilis (von Ochsen ; vgl. engl, gelding, Wal-
lach); von weibl. Tieren: ohne Milch, z.B. von Schafen und
Kilhen. Bed. 2 ist wohl die urspr., aber schwächer bezeugt.
Die Übertragung vom Tierreich auf den Erdboden bei 3 hat
viele Parallelen, auch in umgekehrter Kichtung, z. B. der
Mutterschoss mit einem Acker verglichen; vgl. Zeitschr. f.
Völkerps. XIV, 86; Tobl. Volksl. I, 208. S. noch ergalten.
Summer-: den Sommer hindurch keine Milch
gebend Gr. ,Eine Kuh, welche nicht gemolken wird,
um im Herbst als fettes Schlachtvieh verkauft zu
werden.' Ebel. ,Sommergalte Kühe sind im Winter
desto leichter zu mästen.' Gr Samml. 1779.
strupf-: wenig Milch gebend, im Übergang zum
völligen Galtsein. G'mulche" han-i''- hir gli [bald],
i"'' ha s" [die Kühe] schier all Str. U. — Strupfen, mühsam
melken.
Galt m.: 1. die Zeit, in welcher eine Kuh oder
Ziege keine Milch liat Gr. D' Cime liet der G. g'nn
[genommen], hat aufgehört, Milch zu geben GaPr.
•237
(Salt. gell. gilt. goU. gult
D' Ohne het e" länge" G. GrL. Gegs. Melch. — 2. an-
steckende Krankheit, welche Kühen und Ziegen die
Milch entzieht GrD. (B.)
Galteli Ar, üaltli. Galtji, Galtschi Gr.
Galti Gr; W — n.: gälte Kuh, Ziege W. Kind von
1 ■-' Jahren, das in der Regel noch keine Milch gibt
i.K. üyn. Galtlmr/, Gitsti, Küetschi. Kalb im zweiten
Halbjahr GkD. (B.) Etwas jünger und kleiner als der
(TcütUmj Ai-. Ghelber und Gälti GRMai. ,Die Galtje
und junge Ross.' GsKlost. Alpbrief. Als Schelte, doch
nicht unfreundlich. Du dumms Galti! Gr. — Dim.-
Bililung aus dem Adj.
Gälte" f.: gälte Kuh od. Ziege Gk.
galte(n): 1. im Milchgeben abnehmen, die Milch
verlieren, fast keine M. mehr geben, von Kühen und
Ziegen BR.; 6A.; W. Syn. gasten. Auch von säu-
genden Frauen BR. — 2. wenig oder kein Wasser
mehr geben, von Brunnen GA. — 3. (übertr.) an einer
Sache keinen Überfiuss mehr haben BR. — ent-, et-.
E Cime e. lä", aufhören, dieselbe zu melken, weil sie
schon seit längerer Zeit trächtig ist Z. — er-: 1. die
Milch verlieren, keine Milch mehr geben, allg. hi
der Sucht [während der Seuche] ist-is [uns] d's Veh
völlig e-t ScuwMuo. D' Cliüe e., vier müese fürer,
weiter [ziehen], auf eine andere Alp BSi. jE. län, zu
melken aufhören B. Vgl. er-gelten. ,Wann ein Kue
an eim Strich keine Milch gibt, so soll mau sy im
Wassermann lassen e., so wird sy wider an die Milch
kommen." Arzneib. ZZoll. c. 1750. , Untragend oder
sonst halb ergaltete Kühe.' 1776, Obw. ,Alle Pflanzen
von sonderbar kalter Eigenschaft können das Vieh
nach und nach e. machen.' Gr Samml. 1784. Syn. ab-
fallen, ergusten, von der Milch kommen, abnemen, er-,
cer-melchen; Gegs. die Milch behalten, er-melchen.
Auch von Frauen BAdelb.; „scherzw. von einer Frau,
die lang ohne Mann und Kinder lebt Gr." — '2. von
der Milch selbst: abnehmen, ausgehen. D' Milch
muess z'erst e., '"vor me" biemste" cha'" Aa [eine An-
nehmlichkeit muss durch vorausgehende Entbehrung
erkauft werden]. — 3. (übertr.) a) von Hühnern: auf-
hören Eier zu legen GrD. — b) von Brunnen. Quellen,
versiegen, abstehen. — c) von Menschen in Bez. auf
den guten Ruf. Er ist e-t, sein ,Lob' ist nicht mehr
gross W. — ver-, bezw. zer- = er-g.: von Kühen.
Ziegen und Brunnen GA.; im W vom Ackerfeld:
.Wenn d' liebu Sunn mit ihrem Schein so hoch nit
war gesetzet ein,' würd man gewiss den Schein ab-
halten, den Meisten machen ds Guot z. [unfruchtbar
machen], kein Gras, kein Frucht würd mehr aufgehn,
wenn 's in der Menschen Gwalt tat stehn.' Aus einem
W Volksspiel. Ptc. vergalt't GSev.
Gälte ro" f.: Rind, das noch nie gekalbt hat GSev.
Syn. Galtli'g, Kne-Vech(U).
.Galti: Kuh von 2 — 3 Jahren, die noch nicht
.trägt' Ar; Gr." S. Bock. — Bock- f.: Kuh ohne
Milch GnSav., Sculni.s. — Eig. weibl. Adj., aber in vcr-
stoiuerter Form.
Galtli"g, .auch Galtig", in G oT. tw. Gald-; in
GlH. Galt-, Geltlig— m.: 1. Rind von 1 — '2 Jahren
od. Ziege, welche noch nie geworfen haben Ar; GlH.;
L; G; Z. Syn. Gusti. , Welcher für ain kuo gsitz
hieryn [in die Weide] tuet, soll syn drü kalbli older
zwen galtig older ain gras-kalb.' 154t!. Zellw. Urk.
.Vacca sterilis, ein zeitkuo, die nit tregt. galtling oder
wiutermelch.' Fris.; M.4l. — 2. Mädchen in den Ent-
wicklungsjahren Ap (niedrig); kräftige, junge Weibs-
person G. — 3. Neckn. der Rechtobler kr. Schirapfn.:
abeg'hite'- G.! G.
Gälti, Gelti (auch Wind- GfiSchud.) f.: 1. der
Zustand oder die Zeit der Milchlosigkeit von Kühen
und Ziegen UwE., insbes. von Kühen vor dem Kalben
B oHa. Ruhe vom Melken. Es ist en Howptsach,
dass-mu' dem Veh ord^llrchi G. läi [lasse] BRi. —
1. Krankheit der Kühe und Ziegen, die sich durch
Anschwellung des Euters, Abnahme und Verschlech-
terung der Milch, indem sie etwa mit Blut und Eiter
sich mischt, Steifheit des Körpers, Trübung der Augen
usw. kund gibt, .Milchtröckne' „Ai-; BRi.; Gl; Gr;
LE.; GRh.; Z." ,Die Gelti oder Sucht' Steinm. 18o-2.
,Uie Gelti oder der Milchpresten besteht in Niercn-
und Blasenentzündung.' Römer u. Schinz 1800. .Wann
die in das Lehn empfangene Kuo an einer oder zwo
Strichen ein Gelte bekäme.' 175ö, Schw Rq. Die
Krankheit wird zuweilen der Wirkung eines bösen
Geistes zugeschrieben.
gältig, geltig: mit der Krankheit der Gälti be-
haftet BRi.
er-gelte(n): ergalten lassen, aufhören zu mclkoii.
D' Chue ist ergaltet: wir müesse"-scha [sie] e. W. —
Faktit. zu ergalten.
Gelt, Geld I n.: 1. Geldschuld. „In Gelten stecke"
80." Er ist starch in Gelt(n)en, hat viele Schulden
BHk. ; vgl. Gelt IL ,Der scultheisse richtet unibc
scult unde umbe gelt unde unreht.' 1200, Wack., DR.
,Wenu ein Bürger kein G. [irgend eine Schuldver-
pflichtung] in keinem Weg machet, debitor alicujus
quocumque modo fuerit factus.' Anf. XIV., B Handf.,
.in deheinem weg jemans bürge wirdet' (nach späterer
Übers^'tzniiu'-l .T>ass keiner den andern mit gerichte
behalt. 11 ."llr. ,, seie denn rechte gelte oder bürg
[BürgM liali j. l:'.-.'s, Ochs. Umgekehrt vom Stand-
punkt des Gläubigers: die Schuldforderung, das Gut-
haben, Gült und diesem analog weibl. aufgefasst. Er
het vil G-en BSi. ,Unz dass wir si [unsere Creditoren]
gerichten [ausrichten, bezahlen] und geweren ir g-es.'
1328, UwE. — 2. Zins, jährliche Rente. Nach der
mittelalterlichen Auffassung, wonach man nicht sowohl
ein Capital auslieh, sondern um dasselbe eine Rente
kaufte, sagte Einer, der einem Andern 100 fl. ä 5 °/o
geliehen: ,Ich habe 5 fl. Geltes um 100 fl. Guet ge-
kauft.' Daher Angaben wie: ,So hant wir Geld ab-
kauft 4 Pfd 3 ß Geltes um 42 Pfd 15 x.' XIV., Ochs.
S. Gtildin-, Pfiinder-G. Auch von Naturalzinsen.
,ö mütt kernen geltes järlicher gült Zürich messe«.'
1334, ZZoll. S. Stuck, .(Kernen-) Zins'. — 3. Preis,
Wert, Geltung. Das Silber habe damals ,in so hocheni
g.' gestanden.' Vad. ,ßonen, erbiss und allerlei ge-
mües, so in rechtem g. gekauft mag werden.' Tierb.
1563. .Dass si [Wirte, Bäcker, Krämer] die weit
[Kunden] nicht zu teur, sonder in einem g., das recht
ist, halten und sich einen zimlichen [massigen] ge-
winns benüegen lassen.' 1586, ScnwE. ,Das Brot i.st
in einem hochen Gelt.' JMüll. 1665. - 4. {Gelt Gl;
ZO.) = nhd. (pecunia). '*■ G. ist -ix (bi eus) 's We-
nigist, scherzh. doppeldeutig: ,das Wenigste, was wir
haben (d. h. wir haben keines)' oder ,wir halten nicht
viel darauf.' Ani [Eine] mit G., eine reiche Braut
Galt. gelt, gilt, golt, gult
GTa. Dem ehunnt 's G. zum Tach ine", er hat grosse
Einnahmen Gl; Z. Es lit im [i»(»ie, in einem] G.
inne", beläuft sich auf eine hohe Summe, erfordert
viel Cai)ital. z. B. der Betrieb eines Geschäfts Z. Das
ist da no''' G. g'si', galt als eine grosse Summe Z.
Halt, Hagel, ztre Batze" sind au''' G.! Z [vgl. Zive-
batzen-Biieb]. Vo" dort a" lian i''' derno''' 40 Chrone"
übercho', es schöns Geldli, we"' vie" Alls hält chönne"
uf d' Site' legge". BWyss 1863. E Geltli z'sämme"
tue', eine Summe Geldes zsbringen Ap.^ .Kundschaft
in unser kosten ze machen und uns ein geltli daran
nit beduren ze lassen.' 1529. Absih. .Auf der Land-
schaft sollten die Untertanen alle Sonntag ein Geldlin
zsschiessen [für die Armen].' 1(503, Bs Arnienordn.
Von den Habsüchtigen sagt man: Sie wend eisder
Teller und G., oder: Sie tvend de' Schilli'g und s"
Beckeli ZWangen [vom Sammeln, indem ein Teller
die Bunde macht]. G. a" d' Wand henke", indem
man kostspielige Wandbilder anschafft Z. ,Mit dem
Gelde wachen und nicht mit dem Leibe', auf der
Wache nicht persönlich erscheinen, sondern seinen
Ersatzmann stellen. XIV., Ociis. Edlib., dessen Aus-
trittserklärung vom Rate nicht angenommen worden
war, sag^: ,Und gebend mir die wal, man butte [böte]
bim gelt oder bim eid, so es mir nüt füegklich war.
daryn zue gan, dass es mir unschädlich syn sollt am
gelt und eren, ich gienge oder nüt.' Sprww. Geld ist
[d'] Losi"g [Baarzahlung erst macht den Gewinn aus].
SuLGER. Wer G. het, isch rieh, und wer rieh isch,
isch g'schld, isch 's gäng und gab Sprilchwort. Schild.
G. ist d' Welt. Sulser (vgl. dagegen : 's G. g'härt der
Welt. Ineichen). G. ist de'' Ma". ebd. Gott regiert
im Himmel und 's G. uf Erde". Ineu'hen. Wenn 's
G. redt, muess en Andre'' schwige'. ebd. G. im Seckel
duzt de" Würt [den Wirt]. Sulger. Für G. tanzt
sogar der Tifol W. Alles um 's (lieb) G. Ineichen;
SuLGER. Bär G. lachet. Me" muess 's Gelds Narr si'.
Ineichen. Hest G., so bist lieb, seigist e' Schelm oder
e' Dieb. ebd. Hest du G., so setz-di''' nider, hest
ekei"s, SU scher- di''' wider, ebd. ,Wo wenig G. ist,
ist wenig Gunst.' ÜBräggkr 1780; vgl. ,Nümma [nicht
mehr] g., nümnia g'sell.' NMan. ,Nümmen g., n. lieb.'
HBuLL. 1540. G. füert de' Chrieg. Sulger. 's G. macht
de" Markt, nid d' Lüt. ebd. Wer kei" G. hat, muess
nid z' Markt gö". ebd. Chüpferi'' G., chüpferni Si'l-
mess. ebd. Wie 's G., so d' War. ebd. G. ist c gueti
War, si göt Summer und Winter, ebd. Dem G. isch 's
glich [einerlei], jcer 's heig. Ineichen. G. und 3Iist
nütze' nid am Hufe', ebd. 3Ie" schmückt 's am G.
nid a", wie-me 's verdient hat. Sulger. Me' muess 's
G. von Liite' ne", me' cha'" 's nid vo' de' Bäume"
schüttle". Ineichen. Der Eini hed 's G., der Ander
hed 's g'ha", der Dritt hätt 's gern. ebd. G. ist e rari
War. ebd. G. ist gern bim G. ebd. Me" cha"' dem
G. ke grösseri Ehr a'tue', als dass me' 's zält. ebd.
G. macht nid selig, ebd. (t. macht Srhclme". ebd.
's G.g'no", um d' Freihiit rli,," ].]]<■ I'ri'ilüit M.'rloren].
Sulger. Wer um 's G. luirntrf. ,, r</,,(/(// >,' Freiheit.
ebd. G. lehne" macht Frand, uiuHiaß Find. Ineichen.
Cha""st 's Geld brfiche", so bist sin Herr; wo nid, sin
Chnecht. Sulger. Vil G., vil Sorge". Ineichen. Wer
kei' G. hat, verlürt kei Mi'inz. Sulger. Er und ander
Lüt häud vil G. [Spott auf Einen, der sich für reich
ausgibt] Z. Vgl. noch usgän; gelt; guct; Futzerli;
Frau; Heu; Kdt ; Stuck; Stein; Ti'ifel.
Mhd. iji'li, n. und m., Zahlung und Scbuldfoiderung;
rentierendes Eigentum, Einliommen, Zins; Preis, Wert. Zah-
lungsmittel, geprägtes Geld. Ein f. gelte ist im Mhd. nicht
bezeugt, scheint aber aus 1328 vorzuliegen, viell. erst später
gebildet nach Analogie der sinnvwdten WW. G'ült, ,SchHld'
und mhd. b'urge, Bürgschaft. Dann Hessen sich noch andere
Stellen der ä. Lit, die jetzt unter Geh II 1 stehen, hieher
ziehen. Die RA. in Oh-ii Hti grenzt allerdings nahe an die
Uw RA. i7t (d') G-en ohu', in Konkurs geraten, wo tf-en
urspr. .Gläubiger' zu bedeuten, also zu Gelt II gehört zu
haben scheint (den Gläubigern anheimfallen), aber sich dann
mit dem sächlichen Begriff vermischt haben mag. Die in
der heutigen Spr. fast allein herrschende nhd. Bed. niusste
sich aus 2 und 3 entwickeln, nachdem Münze als Zahlungs-
mittel und Wertmass üblich geworden war.
Dri-Gelt: dreifache Strafe. ,Ein gemachte Wun-
den im Angesicht wird mit einem Dreigelt oder drei-
facher Straf belegt, weilen sie mit dem Kleid nit be-
deckt ist' Hafner 1666, der in entsprechender Bed.
auch ,ein Sechsgclt' und ,das Neung.' verwendet.
Erklärt sich ans der Bed. von Gelt = Vergeltung, Ersatz,
wie in dem alten ,\VergeIt'.
E-: Geschenk, welches der Braut von dem Bräu-
tigam bei ihrer Verlobung gemacht wird. DWyss 1796.
Syn. Kronen-Gulden, E-Pfenning. — Ehaft-: Ab-
gabe von den Ehehaften (s. Ehaft Bd I 8). ,Die Ehe-
haftgelder von Badstuben, Pfistereien, Metzgen und
Schmidten werden von nun an gänzlich aufgehoben.'
1797, G. — Eier-: Äquivalent f. Zins an Eiern. 1845.
Z OGl. — Achram-, Acheret: Abgabe, Zins für
die Nutzung der Eicheln und Buchnüsse in den herr-
schaftlichen Wäldern. Dem Vogt von Grandson wird
vorgeworfen, kein A.-G. verrechnet zu haben. 1533,
Absi'h. Noch 1844 bezog der Pfarrer von SBib. jähr-
lich 12 Fr. als ,Holz- und Aeheret-G.' Das W. mehr-
fach in den eidg. Absch. für die Westschweiz belegt.
Vgl. Aclieren Bd I 70, Holz-G., Achram- Haber. —
Audienz-: Gebühr für eine (gerichtliche) Audienz,
ein Verhör. Der Landvogt von Baden soll ,von der
Urtlen wegen mit dem A-Gelt bei gewohntem Tax
bleiben.' 1653, Abscil — Uf-: Aufwechsel, Agio t-
— Druf-: 1. Anzahlung an die Kaufssumme bei
Käufen um Fahrendes (vgl. Wln-Kauf für Liegen-
des); Hand-, Auf- Geld. — 2. „kleine Münze, mit
welcher man eine Zahlung in groben Sorten oder in
Papier vervollständigt." Syn. Beleg-G. — Allmend-
(auch Fi''*)-: 1. nach , Kuhessen' berechnete Auflage
für die Benutzung der Allmend zum Auftrieb von
Vieh. Wird a. 1647 für Schw bereits als .hergebracht'
bezeichnet. — 2. unter die Berechtigton verteilte
jährliche Allmendnutzung. .Es solle aber von denen
aufgetriebnen Kühnen denen Teilern, so nicht auf-
getriben [haben], das gewohnte A. bezahlt werden.'
1826, Kernser .\lmendordn. — Alp-: 1. Gebühr für
die Benutzung der als ,Sallaiid' von der Herrschaft
reservierten Alpen, Alpzins. Im XV. werden die Appen-
zeller verpflichtet, dem Abt von StGallen für das bisher
entrichtete A. eine jährliche Pauschalsumme als Geld-
entschädigung zu entrichten. — 2. ähnlich wie All-
mend-G. 2. A. 1681 ,ist von wegen des Alpgelts [be-
schlossen worden]: wann ledige Knaben oder Töchter
wären, die Vater und Muoter haben, die sollen von
der Gnossami Nichts zuo nutzen haben.' Ztschr. f.
schwz. E. S. Ürti-, AUmend-G. — Eimer-: Geld-
entschädigung, ursprünglich für Anschalfung eines
Feuereinicrs bei Aufnahme in eine Corporation B. —
Galt, gelt, gilt, golt, gult
242
Ininii-: = Immi o Bd 1 223. — Um nie"-: kleines
Geld, das man beim Bezahlen einer Summe von der-
selben als Trinkgeld wieder zurück ftimme'J erhält.
Früher bes. bei Zinszahlungen statt der jetzt üblichen
Verabreichung von Erfrischungen gebräuchlich. Vgl.
Zins-, Brud-SchiUing. — Verein igungs-: Bundes-
subsidien bes. von Frankreich, Spanien und Savoyen.
Statt Pensionen sollen künftig die Jahrgelder [von
Frankreich] , Fried-, Bund- oder V.-Gelder' betitelt
werden. 1731, Abscii. — Erb-Einungs-: der It der
.Erbeinung' von 1511 mit Ostreich vereinbarte Betrag,
den dieses jährlich an die ,Orte- auszahlte. Ähnlich
entrichtete auch Burgund ein E.-G. S. ,Erbeinung'
Bd I 282 u. vgl. Absch. IV 2, 80. 95. 120.
Un-. resp. Um-: 1. Steuer, Gebühr, Abgabe.
• Unde soll man inkein ungelt noch einunge setzen
ane [des Bischofs] willen [der die Steuerauflage als
Hoheitsrecht allein beansprucht].' 1200, Wack., DE.
.Swer syn pfant setzet den burgern über 8 tage
[hinaus], es werd verkoufet ald versetzet, dem git
man enhain antwürt darunib von den burgern, es sy
denne, so man ungelt nimmt, so git man niemande
enhain antwürt für ersten tag umb dehain pfant.'
c. 1100. TuDiess., Stadtr. [die Obrigkeit hat also ra-
scheres Verfügungsrecht über die Pfänder als der
Private]. .Die dörfer mögen söliche wegsanie wol
bruchen, also dass si darumb kein umbgelt schuldig
syn sollen.' 15'2J. Absch.; vgl. ,'Weg-G.' Die Leistungen
der einzelnen Schützen an die Gesellschaft bestanden
in einem jälirliohen Beitrage an Geld, ,Umgeld' ge-
nannt, welches im J. 1623 durch die Regierung auf
t) Pfd jährlich festgesetzt wurde. Erinn. 1878. Spec.
a) Verbrauchs- und Umsatzsteuer, im Marktverkehr
und an den Grenzen (Stadttoren) z. T. neben dem Zoll
erhoben, den man aber bes. an Brücken und Strassen
bezog. Accise. .Die hofjünger sprechind, sy habind
das recht, dass die äptischin sy soll schirmen vor dem
immi [s. Bd I 2'24] und vor dem ungelt, sy koufent
oder verkoufent.' Offn. ZFäll. ,Wann die zue Solo-
thurn von kriegen wegen in geldschuld gekommen
sind, so haben wir [der Kaiser] erlaubt, dass sie auf
sich und ihre stadt ein zimlichcs umgelt setzen und
das von allerlei kaufmannschaft nemen mögen, doch
dass [sie] solches gelt in irer stadt nutzen wenden
sollen.' 1376. S Wochenbl. Lt Bs Ratsbeschluss von
1376 zahlte man in Bs von allen Waaren. die man
kaufte oder verkaufte, 4 den. vom Pfuml [also aucli
eine Art Einkommensteuer]. A\'\r habrn den Bürgern
[von Lucern] erloubet, dass si in irer statt ein ungelt
von newes ufsetzen und mit namen von iglicher kouf-
mannschaft und habe, die ein gast in ir statt bringen
und do verkoufen wirt, von iglichem pfunt pfennings-
wert, das do verkouft wirdet, 4 pfenn. fordern.' 1418.
Seh. RG. [vgl. .Pfundzoll']. Die Schwyzer klagend,
.dass die von Zürich uns körn und wyn, so wir ussert-
halb iren landen kouftend, nit durch ir land füeren
lassen wollten, wiewol wir inen davon gern geben
betten zoll und ungelt, wie das von alter harkoramen
was.' Fründ. Später nahm das U. geradezu den Cha-
rakter eines Tor- (Ein- und Ausgangs-) Zolls an. ,Das
kleine Umgeld begriff den Einzug unter den Toren
von ein- und ausgehenden Waaren, darunter sowohl
die eigenen Fabriken, d. h. Seidentücher, Leder, Land-
wein etc., als die fremden Tücher von Mecheln [usw.]
verstanden waren.' Z Meni. 1801. Spec. war das ,U.'
Schweiz. Idiotikuu II.
gelegt a) auf geistige Getränke, zunächst auf Wein,
dann auch auf Branntwein und Most; laut der Bundes-
verfassung von 1874 soll das noch in mehreren Kan-
tonen als Eingangssteuer erhobene .Ohmgeld' mit IS'M)
eingehen. Im Unterschied vom Angster-G., Hüswyn-
Umg. (1394, Bs) und Böspfenning war es vormals eine
Auflage für das Schenk- und Tavernenrecht, also eine
(Gewerbs-) Steuer auf die Wirte, nicht auf Private,
und urspr. eine bloss städtische Verbrauchssteuer, die
dann aber auch auf das Land ausgedehnt wurde. So
führten die .Länder' lt Blvmer RG. das Ohnigeld erst
im XVII./XVIIL ein. .Ouch ist der rat übereinkommen,
swer der ist, der in der stadt wyn schenkt oder salz
feil hat und noch nit gesworn hat, das umgelt ze
gebenne. der git 1 pfd ane gnade.' 1300/15, L äStdtb.
,Der das ungelt verseit ald nit git, so es geforderet
wird von dien, die es pflegent, so soll er es zwyfalt
geben.' 1304, Z RBr. ,Wer wyn schenket ze Brattelen,
da ist der 4. pfennig des ungeltes unsern herrn.'
BsPratt. ,Es soll ouch ein ietlich schultheiss und
undervogt ir ungelt geben als ander burger, wenn
sie offenlich wyn schenkend, und sond si die ämpter
davor nit schirmen.' 1384, AaB. Stadtr. ,Die wirt
suUent sweren, alle wuchen ir ungelt den ungeltern
ze werende oder mit ir willen fürer behan.' 1411, L
Ratsb. 1444 wurde verordnet: ,Es sollen die Wirt,
die schenkend oder Gastung empfahend, zu Umbgelt
bezahlen von jedem Saum 4 Mass. Was Weins aber
von der Statt hinaus verkauft wird, es sei ab Land
oder ausser den Kellern, da soll man von jedem Saum
der Statt 5 ß zu U. entrichten und ist das der Seckel-
meistern Ampt, das alles einzunemmen.' [lt. Hafn.
1666). ,Wann ein Abt das Wirtshaus am Far ver-
liehet, so nimbt er dort vom Wein, der verwirtet wirt,
das umgelt.' 1479, Arch. Wett. Im Waldmann'schen
Spruch (1489) wird entschieden : .Ob aber einer ussert-
halb den gepieten [der Stadt Zürich] wyn koufte, von
demselben soll er das u. geben, nämlich von iegklichem
eimer achtendhalben ß hlr.' ,Was der wirten nit an
den landstrassen gesessen, deren soll jeder für das
ungelt 1 pfd stebler geben.' 1525, Absch. , Welcher zuo
Tietwil wirtet, der soll das umbgelt geben 5 plaphart
von eim soum wyns unseren herren.' 1530, Aa Weist.
.Welicher unbezalt des umbgelts wyn von der stat
Thun füeren [wurde], soll das abieggen der stadt
mit 5 pfunden zu buess.' Stadts. Thun 1535. .Die
[StGaller] welltind in [den Abt] nit schenken lassen,
er zalte inen dann das umgelt als wol als ain anderer
burger.' Vad. ,Das bisher in den 5 Ämtern [von
Basel] bezogene Ohmgeld auf Ausschenkwein, 4 Plapp.
vom Saum, ist auch ferner zu entrichten.' 1591, Absch.
,Item seilen die wirt ie ze Fronfasten umb uns an-
zeigen, wie vil ein jeder wein verwirtet habe, seilen
si ebenmässig so woll schuldig sein, den wein, so si
bei dem lagel verkauft, da fürhin solcher in das fass
aufgefasset, anzuzeigen und das umbgelt gleich wie
von deme, so bei der mass ausgeschenket wurde, zue
jeder fronfasten, da sie berueft werden, mit barem
geld [abzustatten].' 1625, Gfrd. (U.) ,Der Schultheiss
soll auf das fallende Wcinumbgelt Achtung geben,
damit dasselbige vermög der Ordnung entrichtet werde.'
1654, Bs Rq. ,Die am Umgelt stehende Wein.' Z Mand.
1700. — ß) auf Korn, sog. ,Mehl-' od. ,Müli-U.' Ochs.
1357 wurde in Bs beschlossen, wer sein Mehlumgeld
nicht zahle, solle von seinem Bürgerrecht sein und
243
Galt, gelt, gilt, golt. gitlt
nicht wieder Bürger werden. ,Al.s wir von unser
stette grossen notturft wegen das müliungelt von jeder
viernzel korns, die man malet, 6 nüwe pfenn. zu geben
ufgesetzt haben uf 5 jar mit gunst des bischofs.' 1369.
Bs Staatsarch. ,So einer körn zuo eigenem bruch in
syn hus malen lat, [soll er] von jeder viernzel nit
me dann 6 pfenn. zuo ungelt geben.' 1525. Aesch.
,Dass die Müller fürbass schuldig sein, das ünibgelt
alle Sambstag ordentlich auf das Rathaus, mit Naiumen
von jedem Mütt Kernen, wie auch einem Malter ohne
allen Unterscheid, wem sie das malend, 0 hlr. zu
überantworten, und dann selbiges von den Kunden
widerumb ynzezeuhen.' 1629, Z Vcrordn. .Den Lohn
des Müllers betreffend, so ist demselben ein Vierling
vom Mütt zu nehmen bewilliget, daraus er dann das
Mülle-Umgeld abzuführen verbunden sein solle.' 1770.
Z Ges. — y) auf Salz. ,Die salzlüt sullent sweren:
Was salz si in dem koufhus koufen, da sullent si
das ungelt daselbs im koufhus lassen. Was salz si
aber ze Zürich koufent, ist dass si denne ein mess
salz ganz verkoufent. so soll ietweder, der kouft und
der verkouft, gen 1 den. Und soll der, der da ver-
kouft. den selben pfenn. einnemmen und soll den
pfenn. und den synen weren by dem eid an unser
ungelt [an die Umgeld- Kasse].- 1411, L Eatsverordn.
— d) auf Vieh. ,Unib das vichungelt, da von unsern
usburgern vil unlust und klegt ist gewesen, ist er-
kennt, dass wir alle unser usburger, unser umsessen
und die, so mit uns stiurent und dienent, des ungelts
nu ze mal erlassen haben.' 1413, Z Ratserkenntn. —
e) auf Fleisch. ,Das Fleisch- oder Metzger-U.' wurde
in Bs a. 1452 eingeführt und betrug per Ztr. 4 ß 2 den.
,Von dem Vieh, das auf Verkauf geschlachtet wird,
sind die Metzger schuldig, das Fleischohmgeld zu ent-
richten nach Massgabe des Mandats, wie die Metzger
in der Stadt [Baeel] das Ohmgeld auch bezahlen. Das
Fleisch, das für den Hausgebrauch eingeschlachtet
wird, ist von diesem 0. frei.' 1591, Absch. — b) Ab-
gabe, welche Krämer auf Jahrmärkten entrichten
müssen, .Standgeld' (s. d.) ScuSt. (Sulger). — c) Ver-
mögenssteuer. Eine solche wurde 1376 (1394 , neues,
grosses U.' genannt im Gegs. zu dem schon bestehen-
den, auf Waareuumsatz erhobenen U.) in Basel ein-
geführt. Wer 1000 M. besass, gab wöchentlich 10 ß
(s. o.). 1674 wurde in Glarns (It Ebel) von den Re-
formierten beschlossen, zur Bildung eines Schatzes ein
U. oder eine Hab- und Gutsteuer, auf 100 fl. 1 ß,
zu erheben. — 2. die Umgeld kasse und deren
Verwaltung. S. oben 1 y. 1490 wird in Luzern
verordnet, der Kornhausmeister solle alle Wochen
an das U. Rechnung geben und das Geld den Um-
geldnern abliefern. Vgl. Umgelter. — umgelten,
ver-ungeltc(n): (trs.) vom ausgeschenkten Wein das
Ohmgeld entrichten L ; Zg. ,Dass man eilenden [aus-
ländischen] wyn V. soll, als er ufgetan wirt. Swer
ze Zürich dehein eilenden wyn zem zapfen schenket
und verkoufet, der soll in v., unz der wyn uskummt
[ausgeht].' Z RBr. 1304. .Ain ieglich schenk soll sinü
fass V.' c. 14011. TiiDiess. Stadtr. ,Wir haben geordnet,
dass hinnanthin allo dir wirt. so in unser statt Wirt-
schaft oder gastniiir lialtriit, allen den wyn. den sy
schenkent oder den j,'e.->tLn gebent. es sye über tisch
ze den rechten malen oder zwüschent den malen, ver-
ungelten und dasselbe ungelt alle fronfasten den un-
geltern antwürten sullent' 1422, Z Eatsverordn. , Jeder
Bürger, der Wein schenkt, ist verpflichtet, ihn zu
verumg.' Stadtb. Wthur. Die Thurgauer beschweren
sich, dass ,ain biderb mann den wyn oder most, so
im uf dem synen erwachsen, nit usschenken darf, und
ob er schon dörfte, so muoss er selbigen tür umb-
gelten.' 1525, Absch. Auch von anderen Objekten:
,Doch wirt allein der wein, den man vom zapfen und
bei der mass verschenkt und verkouft, verumgeltet,
sampt dem körn, so die beeken auf den kouf bachen
oder so an die frömbde hinweg gefüert wirt, sonst
was wein und körn die burger in iren häusern brau-
chen, darvon geben sy weder zoll noch umgelt.' Simml.
1577. — Um-Gelter m.: Steuer-, Umgeld-Einzieher
L; ScnSt; Zg. ,So ein burger oder ein gast eilenden
wyn [gen] Zürich füeret, den er den burgern uf ge-
winn schenken welle, den soll niemand entladen noch
ze kellre ziehen, die ungelter alle drye ald der mere
teil versuochen in danne.' Z RBr. 1304. ,Swer wyn
verkouffet us einem fasse, der soll das fass den on-
geltern von ersten öigen und danach verongelten.'
1341. Z Ratsb. .Coactor, ein umbgelter, oder der
verloren schulden an sich zeucht oder bringt.' Fris.;
Mal. Den Ladenherren in Basel ,sind bei uns nicht
ungleich die umgelter, die alle Wochen durch ire diener
das uragelt [daher auch etwa Wochen-Umgelt genannt]
von wein und körn einzeuhen.' Simml. 1577. ,Die ver-
ordneten Herren Umbgelteren uf dem Rathus.' 1643,
Z Umgeldsordn. ,Die Herren Umbgelter fragend [die
Wirtin], warum sie kein Umbgelt bring.' Schimpfr.
1651. Lt Brückner hatten die VVeinsticher oder , Um-
gelter die Fass und Geschirr zu sinnen'. ,Der Herren
MüUi-Umgeltneren sind zwei, von und aus den Kleinen
Räten erwehlt.' Z Merkw. des XVUl. In ScHSt. der
Einziehcr des , Standgelds- (s. Unyelt b). In L Ver-
walter des Umgeldseckels. .Was nun [in L] die min-
dern Ausgaben belanget, was unter einem Taler ist,
darzu wird alle halbe Jahr einer aus dem kleinen Rat
erwehlet, welchen man den Umg. nennet, dessen Amt
ist, alle Samstag auf dem Rathaus alle Unkosten, was
die vergangne Wochen über die Stadt ergangen und
unter einem Taler ist. zu bezahlen, darzu er auch
besondere Einkönften hat, das des Seckelmeisters [der
die grössern Posten zu verwalten hat] Rechnung nicht
antrifft.' SuiML.-Leu 1722.
Mhd. umjill, Zehr-, Verbrauchsteuer, Abjaljc von Eiufuhr
und A'erkauf der Lebensmittel, insofern eine mit Un- recht
geforderte Abgabe, als keine Gegenleistung (wie beim Königs-
zoll) entspracii und sie auf keinen Kechtsgrund sich stützte.
,Golt' (i. S. V. .schuldige Leistung') verhält sich zu lat. de-
hitum, wir "»./ r7( /n (l,.>iii lat. hiefür angewendeten indebilum
oder zu 'Imi 1-111. /.( lollu. Vgl.: ,Angaria, pecunia ex-
torsa, iniL- 11/ M"ih. Aiiz. 1839, '256, und das Syn. ,Uu-
pfenuiug- li. i Unit. ms: iiihd. unpßlhl ; die verwandte Abgabe
des Böspfeuuigs uud uhd. .Unkosten'. Die Bedeutung des
zu Gemeindezwecken verwendeten U-s im Verhältniss zu den
Reichssteuern kennzeichnet das Z Memorial vou 1801: ,Die
Einnahmstitul [Kornmarktsgcfälle, Lehenzinse von den Met«g-
bänken udgl.. Kaufhausgefalle) wurden wohlbedächtlich Um-
gelder genannt, uud dadurch als lokal charakterisiert, um
nicht mit der Reicliskastvogtei in Cunflict zu kommen, welche
die eigentlichen Dominialeinkönfte zu Händen des kaiserlichen
Fiscus bezog.- Das verhasste U. war u. A. Mitursache des
Waldmann'schen Aufstandes und des Bauernkrieges. Da dei
Bezug des U. nur der Hoheit zustand, galt es als ein bes
Vorrecht, wenn Untertanenstädte, wie ZReg., ein Umgcldsrecht
hatten. Über die mit dem Bischof von Bs von dieser Stadt,
welche ein Besteurnngsrecht auch für sich, nicht nur für
Galt, gelt, silt, j?olt. gult
246
ilen Oherhenii. behauptete, s. Heiisl., Vfgesch. der Stadt Bs,
S. 164 ff. H. vgl. übli. Blunier. RG. 2, 289 f. u. Seg. RG.
2, 300/304. 3, 2, 42/43. Betr. das .ÜDgelt', welches in Bs
in den Jahren 1429 und 1446 als Personal- und Vermögens-
steuer neben dem gewöhnlichen Wein- und Mühle-Umgeld als
ausserordentliche Steuern bezogen wurde, vgl. Schönberg,
Bs Finanzverhältnisse S. 167 f., 207 f. u. s. auch S. 270 dessen
Correctnr betr. das .Fleisch-Umgeld'. — In manchen über-
lieferten Stellen bleibt natürlich die specielle Natur des U.
unbestimmt: ,5 viertel fuoterhaber dem meister Pur, als er
uf-em umgelt reit [das U. auf dem Umritt iu Empfang nahm].'
1536, ZGrün. Anitsrechn, ,'Wir sind die amptlüt unserer
Herren, die zoll und g'leit, stür und umbgelt ynziehcn tuciml
von aller weit.' Aal 1549. .Vectigal, census, zoll, st.ui.
umbgelt, fuorlon, Zins.' Fris.; Mal. .Steuer, Zoll, S.liul/nnu.
Umgelter abstatten.' AKlingl. 1702. — Aus ,Un-' .nt^t.ui.l
durch Verderbniss ,Ura-', sei es, weil man entweder an eiiu;
auf den Waaren- U m satz gelegte Steuer dachte oder dann
~ wie einige Belege zeigen — an eine Verlegung der Steuer
auf die Pflichtigen (vgl. .Umlage', Abgabe). ,Ohra-G.' endlich
ist eine Umdeutung auf ein Weinmass (s. Am Bd 1 211),
welche um so näher lag, da das Wein-U. vielleicht die älteste
und auch wieder die Gegenwart überdauernde Form der .\b-
gabe ist.
Angstcr-Gelt: 1. von Privaten bezogenes .Ohm-
geld'; vgl. Ungelt laa.u. Schw Staatsverm. S. 51. .Wer
Wein und Most trinkt, der ihm selbst wächst, soll
für jede Mass einen Angster Auflag an die be.stellten
Faktoren bezahlen.' 1697. Schw. 1715 wurde ebd. be-
schlossen, von jeder Mass Wein, Most, Branntwein und
Kirschwasser 1 A. zu erheben und an den gemeinen
Nutzen zu verwenden. 1798 betrug der Angstcrgelds-
fond l(i'218 fl. Syn. Hüswyn-Umgclt ^ 2.=Haiipt-
AmiMei- Bd I 339.
Walirsih. eine auf den Kopf verlegte Kriegssteuer ist
auili das 14 S9 neben dem Fronfasten-, Büchsen- u. Plapphart-
lield unter den abgeschafften Steuern in den Waldmann'schen
Spruchbriefen genannte A.
Antoni- und Barbara-: B Stiftung des Anton
und der Barbara v. Grafenried zu Gunsten der in
den Burgerspital Aufgenommenen. Vgl. Mesm. 1831,
S. 137/8. — Ent- s. u. ent-gclten. - Appellation«-:
Appellationsgebühr vor Gericht. Vgl. A.-GiiMhi.
Opfer-: in die Kirchenbüchse eingelegtes Geld
ScuSchl. Vgl. opferen. Früher das in den Opferstock
gelegte Geld. Die Schulser wollen die Scharler zwin-
gen, dem Pfarrer ,selpraid und o.' zu bezahlen. 1570,
Gk Sammler. — Das 0. machte einen Teil der sog. Stol-
gcbühren und damit des Einkommens der Geistlichen aus.
Verer-: Ehrengeschenk. In ApI. wurde es 1764
bei Leib und Leben verboten, von fremden Fürsten
heimlieh ,Verehrgelder' anzunehmen. Absch. Ein V.-G.
wurde auch als .Pension' von Savoyen bezahlt.
S. m-eren Bd I 398. Einer der zahlreichen, verdeckenden
Namen, unter welchen die Pensionen in die Schweiz wan-
derten. Vgl. .Gnaden-, Stuben-, Sitz-G.' u. a.
Erb(s)-: Erbportion. ,Erb [1719: ,Erbs']-G.. wann
der Schuldner von wegen eines ihme in gemeiner
vätterlicher oder anderer Erbschaft zugeteilten Guts
seinen Miterben eine Summa Gelts zu gewisser Zeit
zu bezahlen .schuldig geworden ist.' 1694, Bs Rq.
Mehrfach in den Bs Bq. neben den .Schatzungsgeldern'
als in Concursfällen privilegierte Forderung genannt.
— Arme"-G6ltli (n.): den Armen verabfolgte Unter-
stützung Ap. Syn. A.-Gab. — Ürti-Geld: das unter
den Gliedern einer Corporation aus dem Ertrag des
• 'orporationsgutes verteilte Geld Ndw. S. Ürten Bd I
492. — Use"-: was nach einer .\brechnung bei wechsel-
seitigem Kaufe oder Tausche Einer dem Andern noch
schuldig bleibt und nachbezahlen muss. Passiv-Saldo
B; Gl; Z. Was man bei einer Zahlung in grober
Münze als überschüssig in Kleingeld wieder zurück-
erhält, allg. Vgl. ushin-geben. — Üscl (Rüsel)-: Geld
an Münzen von geringem Wert, bes. Kupfer-G. G.
S. Üsel Bd I 564. — Oster-: zu Ostern (s. d. Bd I .582)
unter die Schulkinder verteilte kleine Gabe. ,Es soll
das Osteren-G.. um denen Kindern desto grösseren
Lust und Eifer zum Schreiben zu erwecken, auf fol-
S'ende Weis ausgeteilt werden.' Wochenbl. ApTrog.
Vyl. noch (Isfcr-Batzen. — Atz-, Etz-: I.Vergütung
für die Unterhaltungskosten eines Gefangenen, Zehr-
geld. ,Es sollend alle gefangen uf baid tail bis den
genannten friden üss zil und tag haben und soll ain be-
schaiden a. von inen genommen werden.' 1460, Absch.
.Zürich muosst für ihre 16 burger [die Geiseln waren]
ätzg. bezalen 1700 pfd.' HBiri,i,., Tig. Vgl. Atzung
Bd 1624/25. — ,2. Kostgeld AaF." — Fach-, bezw.
Föch-: Fanggeld für Einbringung Gefangener, bes.
auch bei der Schuldhaft. .Wer hinnanthin gefangen
wird, hat der so vil, dass er atz, turnlösung und f.
geben mag. von dem soll oueh solich gelt genommen
werden.' 1417. Bs Bq. ,So über zwen oder drei tagen
[nach dem .Warnungsbott'] kein zalung erfolgt, mag
am andern oder 3. tag das f. usgöben [also der Schuldner
verhaftet] werden.' XVL, ZGrün. Auffallsordn. .Des-
glychen [sollen] .sy [die zur Mahnung des Schuldners
verwendeten Weibel] sich des einfachen f-s. wie es
bestimmbt ist, vernüegen, es seie dann sach, dass der
ein und ander [Schuldner] so wyt entlegen und einem
undervogt oder weibel dcnselbigen unib das daselbst
bisdahin gebrüchige f. also alleinio- 2;hnr>;am ze machen
nit müglich wäre, dass uf sijli.li.ii i.ihl ]e,lri ,,l,.n,,et
befelch haben [soll], ihnen <lie liili^lnin.l /e l.iei,Mi und
zuc dem gewohnlichen f. noch ein geburliche be.^se-
rung ze sprechen. Hieby aber sollend auch uiidervligt
und weibel pflichtig syn, so oft ihnen von dem rat-
schryber ein oder mehr f-er überschickt werdend, uf
allernächst daruf folgendem frytag zue ihme ze gahnd
und deniselbigen. damit er demjenigen, so das f. us-
geben hat (dem Gläubiger], gewüssen berieht und
was je 1er tiir lies.li.'id lieben habe, tuen könne.' Z
Brieiuidn, U;:'.!. \ ui. Krmi. — Vieh- s. Alhiicnd-G.
- Fall-: = /((// na 1 7.!.-,. Z Neuj. W. 1878. 2:>.
— Fülli-: in eine Celdaliiial.e verwandelter Jung-
oder Blutzehnte. 17Ü7 It iliereinkunft mit den G
Gotte-shausleuten neben dem .Kallili-Geld' unter den
kleineren Aliy-.ilien e-enaiint. «elehe gegen Erlegung
des .l..p|,elten Kai.ital. auslrislieli sein sollten.' S. Fülli
Bd 1 Tii.-.. Feld-: der seil isol jährlich an die
Bürger verteilte Ertrag der verpachteten [statt zur
Bebauung angewiesenen] Stadtfelder [urspr. AUmend-
gut] in Bern. .Machten nicht die Aargauer den Scliult-
heiss von Bern zu ihrem Burger! Der wird sich be-
danken! Müsste ja abtreten [während der Ratsverhand-
lungen ausstehen] in allen Angelegenheiten zwischen
Bern und Aargau, würde vielleicht gar gehalten wie
einer mit fremden Titeln und Pensionen, besonders
wenn die Aargauer auch F. haben oder das Recht zu
einem Kühfuss auf einem Berge'. ■ N. B Kai. 1844. —
Fane"-: Ehrengabe an glüekliehe Seliül/eii. .Diewyl
die büchsen- und armbrustsehiilzeii nl dem seliiessen
zno Strassburg vil kosteus gehept, wellent myn lierren
247
Galt, gelt, gilt, golt, gult
•248
inen uf alle fanen, so zue Strassburg und Basel g'wun-
nen worden, das fanengelt ggben.' 1576, Z Neuj. Ant.
— Vor-Gelt: zum Voraus entrichtete Gebühr. Als
1401 in Bs unter dem Najnen ,Ungelt- eine Vermögens-
steuer eingeführt wurde, musste man gleich Anfangs
ein ,V.' entrichten, nämlich so viel Gulden, als man
wöchentlich Angstcr .Ungelt' bezahlte. (Heusl. 1860,
237). — Für-: Abgabe für Benutzung der Waldung
zu Feuerungszwecken. 1776 weigert sich ein tessini-
scher Untertan, das Feuergeld zu bezahlen, weil er
über ein halbes Jahr mit dem grössern Teil seiner
Familie mit Feuer und Licht ununterbrochen in einer
fremden Gemeinde gewohnt habe. Absch., wo die Ab-
gabe häufig Foccage genannt wird (eig. Feuerstatt-
zins). — Puer-: Geldleistung statt der frühern Fron-
fuhren; s. Frön Bd I 971. Verschiedene Gemeinden
werden a. 1802 u» A. wegen F. belangt, welches sie
vor der Eevolution an das Schloss Eglisau bezahlt
hatten (Wild 1883, 340). — Abfuer-: I.Gebühr für
(polizeiliches) Geleit. Lt Armenrechnungen von BSigr.
musste die Gemeinde wiederholt .grosse' Bettler weg-
führen lassen und dann jedesmal 3 Btzn A. bezahlen.
— 2. Ausgangszoll auf Vieh. ,Im XVI. war im BO.
die Viehausfuhr bes. nach Italien so stark, dass die
übrigkeit den Käufern etwas , Tratten- oder Abfuer-
gelts' auferlegte. , Jeder Käufer soll von jedem Stück
Vieh bei einer Kaufsumme bis auf 20 Pfd von je 10 ß
1 ß, bei höhern Kaufsummen den halben Zehnten
als A.- oder Trattengcld bezahlen.' 1.569, Absch. —
Ferggungs-: Gebühr an den Grundherrn (oder dessen
Stellvertreter) für die gerichtliche Fertigung eines
Kaufes. .Wer güeter [zu Schwamendingen] kauft, der
soll den pflegeren [vor denen die Fertigung zu ge-
schehen hat], ihr gewonlich f. bezalen.' 1533, Offn.
ZSchwam. S. ferggen Bd I 1006. — Puess-: von
Passanten erhobenes Weggeld. .Die da farend oder
gand durch den pass und weg ze Bellenz [sollen] fry
und ledig syn zollens und tax, es sy fuesszolle oder
andere Schätzung an ir lyb und ir eignen koufmann-
schaft' 1426, Friedensvertr. (Absch.), wofür in dem
einige Monate später abgefassten lat. Instrument ,pe-
dagiura', in dem deutschen aber ,fuessgelt' (s. Gahelle)
gesetzt ist. — Fisch-: Geldentschädigung an die am
Müsegg-Umgang Teil nehnrenden Priester als Ersatz
für die ihnen einst zum Mahle vom Bäte der Stadt
gespendeten Fische. Gem. L 1858, 322. Vgl. Fisch.
— Fronfaste°-: eine nach Terminen des Kirchen-
jahrs (s. Fronfasten Bd I 1114) zu machende quartal-
weise Zahlung, 's Fr. sale', als Vater eines unehe-
lichen Kindes zu dessen Unterhalt beisteuern müssen
[vgl.: a. 1701 entscheidet das Z Ehegericht, N. N.
solle zur Erhaltung eines ausserehlichen Kindes fron-
fastenlich 5 Pfd beitragen]. ,Von dem Fr.-G. Ein jeder
haushäblicher Mensch soll alle Fronfasten 2 ß und ein
jedes Hausgesind, wie auch die Kinder, die opferbar, alle
Fr. 1 ß geben.' 147.'), Orns. Das im Waldmann'schen
Spruchbriefe nachgelassene Fr.- und Büchsengeld ist
eine in die , Reiskassen' abzuliefernde, z. T. in viertel-
jährlichen Katen ä 6 Pfenn. zu zahlende Kriegssteuer.
,Myn herren haben alle diener, so fr.-g. von der statt
haben, uf das rathus beschickt.' 1.530, Strickl. A. 1644
betrug zu L das an die 3 Trompeter, 8 Turmwächter
und 14 rufenden Wächter von dem Umgeldner zu be-
zahlende Fr.-G. 81 fl. .Die Hebammen sollen auch
ihren rechten Lohn von Weibern nemmen und darzu
ihr Fr. von der Stadt.' JMuralt 1697. .Fronfasten-
gelt, salarium angariale.' ThSpieser 1716 [der , Fron-
fasten' auch mit angaria wiedergibt]. 1727 wollte Seg-
lingen, dass Eglisau ihm einen Beitrag an seinen Nacht-
wächter gebe, indem es das .Fraufastengeld' [wahrsch.
ein Beitrag an die Bewachung der Stadt] erlasse.
1 fl. Fr.-G. als Schulgeldrate. 1824. Z. Vgl. Heiz-G.;
Quartal-Zapfen. — Frecht-: = Frecht Bd 1 1272.
Der StMichaelspfründe in Frauenfeld werden a. 1385
6''/4 Mütt Haber als Fr. zugewiesen. — Frid-: l.hiess
die Summe, welche Frankreich gemäss dem ewigen
Frieden von 1516 an die XIII Orte der Eidgenossen
und an Wallis alljährlich zu zahlen sich verpflichtete.
,N. N. ist gen Lyon, das fridgelt zu holen, verordnet.'
1551, ScH Ratsprot. .Bisher sind den Ständen gewisse
Gelder unter dem Namen Friedgelder, Pensionen,
Bundesgelder, Stipendien usw. von der Krone Prank-
reich zugeflossen.' 1776, Absch. S. auch ,Vereinungs-G.'
— 2. Kriegskosten, welche die V Orte lt Landfrieden
von 15'29 den 6 evangelischen Städten zahlen sollten.
1530, Absoh. — Fron-: in Geld zu leistender Er.satz
bei Nichterfüllung der Fronpflicht. 1.556, Bs Rq.
(s. Frön Bd I 1300). Noch 1757, Bs Landesordn. —
Fr und-: Fond für Ausrichtung von Ehrengeschen-
ken (?). ,Den Ehrengesandten aus dem F. 10 Pistolen
geben.' 1643, W Monatsschr. -- Frett-: „jährlicher
Zins." S. Frett Bd I 1338. — Gab-: Geschenke,
welche dem Ehepaar bei der Hochzeit gemacht werden,
in der Regel der bedeutendste Teil des sog. .Ehe-
rechts'. ,Des G.-G-s halber ist dise Erlüterung ge-
macht, dass, was nöuwen Ehlüten von den Hochzyt-
gesten verehrt und gegabet worden, selbiges beiden
Ehementschen gebühren solle.' 1658, ZFlaach, Erbr.
Auch im Z Erbr. von 1716 aufgezählt.
Guide°-: Geleit-Geld. Die von Lauis [Lugano]
werden aufgefordert, den Säumern [über den Gott-
hard] allen Vorschub zu leisten und ihnen kein G.-G.
abzufordern. 1580, Absoh. — It. <juida f., Wegweiser,
Führer.
Güggel-: in eine Geldabgabe von 8 ß verwandelte
Entrichtung eines Zehnten-Hahns. S. Zehent-Güggel.
XVIL/XVIIL, ZWetz.; auch ,Stück-G. genannt.
Vgl. ,0b eiu Prädikant Strauw niangela würde, so soll
man die Giiggel zu Geld schlahen und ihme das Straiiw
darfür werden lassen.' c. 1615, ZWetz., Zehntcn-Urb.
Weidgang-: Gebühr an die Allmendgenossen für
ein auf der AUmend oder Brachzeig ,eingeschlagenes',
weil angepflanztes Stück Land, das damit dem Weid-
gang entzogen wurde; es bezahlten es bes. ausser der
Dorfgemeinde wohnende Besitzer. In ZWetz. wurde
sie erst 1858 abgelöst. — Gant-: die in Terminen
zahlbare Summe für ein an einer Gant [öifentlichen
Versteigerung] gekauftes Grundstuck u. a. Bs. Ihre
Stellung im Concurs mehrfach in den Bs Rq. erwähnt.
Ebd. mehrfach i. S. v. Ganterlös übh., ,Gantschilling'.
— Gasse"-: die Abgabe, welche der von auswärts
kommende Freier den ledigen Burschen des Dorfes zu
entrichten hat. Es geschieht oder geschah dies einige
Tage vor der kirchlichen Verkündung der Trauung,
und freigebige Freier Hessen sich 3 Louisdor nicht
zu viel sein Gl. Vgl. G.-recht, -haus; Anstand; Haus;
Heise!; Instand; Passieru-in. — Glück-: 1. kleines
Geldgeschenk, welches der Taufpate seinem Taufkinde
in den Sack der ersten Höschen, die Patin in den-
jenigen des ersten Kleides der jungen .Gotte' steckte.
249
Galt, gelt, gilt, golt, g\\]t
,Staaf zu zeigen ZBiir., Pfiitf, — •-'. in ZErl. u. Zull.
bis c. 1840 ein Geschenk von meist 4 ß, welches der
Bauer dem Händler oder seinem Knechte gab, wenn
dieser im Frühjahr ihm die jungen, gekauften Mast-
schweine brachte; man hoffte, die Schweine würden
alsdann gut ausfallen. Vgl. Glücks- Hampfle, -Nuss.
— Gnad-: = Verer-G. ,Es soll nieman in unsrem
land von keinem fürsten, stetten, kommunen noch
Personen kein dienstgelt, gn., miet noch gaben nit
nemen.- 1481, Ztschk. f. schwz. R.
Grab-: dem Kloster Einsiedeln entrichtete Ge-
bühr für dort abgehaltene Begräbnisse. .Die Messnier
sollen das Gelt, so sie auf Altären, Beichtstühlen etc.
finden nuichten. aufnemmen und selbiges sammt dem
Hochzeitgeld. Gr. etc. dem Decano überantworten.'
ScHwE. Klo.sterarch. Abgabe der Zunftgenossen an
die Zunftkasse bei Beerdigung von Angehörigen. B
Tasehenb. 1862. Auch Uch(t)-, ,Leichen'-G.
Iii Bs entspricht in solchem Falle eiuo Abgabe ,an die
bor- [Leichenbahre], eig. für das Geleite [,die folge'] von
Seiten der Zunftgenossen. Sie gieng nach der Beerdigung
iu einem Leichenschmause auf. Vgl. Lu-heiitm-ch-O.
Gred-: Lagergebühr für die in der .Gred' (Lager-
haus am Landungsplatz der Schiffe] niedergelegten
Waaren. ,Der zu Lindau erhobene Zoll sei kein
neuer, sondern nur ein G.-G.' 1585, Absch. Spruch-
brief. ,den Zoll, Gröd- und Umbgelt zu Steckborn be-
treffend' (a. 1662). THÜottl., Erm., üiessenh. u. Steck-
born bezogen noch 1838 ein zur Unterhaltung der
.Schifflände' verwendetes G.-G. Syn. Hof-, Hüs-,
tSiist-G. — Heu-: in eine Geldabgabe umgewandelter
Heuzehnte. .Darab gänd jährlichen 5 ß und 0 hlr.
Hangelt.' 17'26. ZGrün., wo es erst nach der Mitte
unsers Jhdts gänzlich abgelost wurde. .Beschreibung
des Heuzehendes und auf jedes Stuck, dessen Grösse
und Güte gelegten H. zu Bachs.' 1750, Z Staatsarch.
Davon .verhöugelten'. das H. entrichten. Urb. LMünst.
— Haber-: 1. Geldäquivalent für an den Vogt zu
entrichtenden .Fueterhaber'. 1797 in G unter den
kleinern Abgaben genannt. — 2. in Hafer entrichtete
Rente; vgl. H.-GüU. ,8 malter Habergelts.' G Stifts-
arch. — 3. .Teloneum avena apud Brukkam quod vul-
gariter H. dicitur.' 1307, Kopp, Urk. Vgl. Brurjy-Hahcr.
— Hueb-: Zins von einer Hube (Erblehengut). 15(iO.
Absch.
Heide"-, in der RA. : es H. chosfe', si', verdiene",
sehr viel kosten, ausmachen usw. allg. — Halden- iu
abstr. verstärkendem S.
Spar-Hafe°-: Geld in der Sparbüchse, allg. .Sel-
tenes Gold- oder Silbergeld, das man aufbewahrt."
Hof-: Lagergeld. ,Da von einem Salzfäs.sli nit
mehr zugehet als 7'/^ frs. für Zohl, H. und Leggelt.'
10.54, ScH. — Hof, Waarenhaus-, Niederlage.
Haft-: Handgeld bei persönlichen Mietverträgen,
das bei Nichterfüllung derselben verloren geht, bes.
beim Dingen von Dienstboten Bs; BSi. ; „VÜrte;" S.
Aufgeld übh, .Auf lOnO Tachziegel H. [gejgeben 2 fl.
10 Btzn.- S.iii.oss Rued 1734. Vgl. verhaften und
Ihuf-G. Syn. lI.-l'fciDiiiuj.
Hilf-: Beisteuer. Abgabe in ausserordentlichen
Fällen, ,Subsidie'. Die Schaffhauser klagen 1521 gegen
den Bischof von Constanz, dass er ,den armen lüten
vim Halldw unvermöglich Schätzungen, stür und h..
Kaiser beim Rünierzug Zuzug zu leisten. .Absch.
Diese Steuer beruhte nicht, wie das Keis-G., auf einer
Verbindlichkeit, sondern war urspr. eine freiwillige Auflage.
Hels-: Patengeschenk an Geld ZO. Vgl. Helselen.
— Halfter-: an Knechte bei Vichkäufen bezahltes
Trinkgeld, , Strickgeld'. ,Drü ross zue Wien erkouft.
den knechten und h.' 1481/82, Bs Rechn.
Holz-: 1. Geldäquivalent für Holzfuhren, Holz-
lieferungen. .Dass Nieniands keinem Vogt Höw. noch
H.-Gelt. Vogtkorn, Fueter-Haber nie' solle geben.'
HBii.i,. 1572. Vgl. noch H.-Pfenning, -Haber, behohen.
— 2. der jährliehe Geldbeitrag jedes nicht almosen-
genössigen Pfarrgenossen zu Händen des Pfarrers,
damit dieser das nötige Holz herbeischaffen könne Ai'f.
In Z OGlatt war Jeder, der einen eigenen Karren
hatte, schuldig, dem Pfarrer eine , Fahrt' Holz oder
dann einen Ersatz in Geld zu liefern. 1802 übernahm
die Gemeinde die Last, 1804 aber strich sie äas nach-
her von der Regierung wieder eingesetzte ,Holz-
ersatz-G.' — •'•. f'mr iiliiiliche Abgabe an die Lehrer
zur Beheizuiiu .hi S, ImMulie (oft der Vfohnstube des
Lehrers), wenn nirlii jrilos Kind seine Scheiter in
natura zu bringen hatte, wie in vielen Orten bis in
die 50er Jahre geschah Z f- Vgl. Hols-Batsen. —
4. Erlös von verkauftem Holz. allg. 1619 schicken
die zürch. Sihlherren H. an den Seckelmeister von
ScHW für Holz, das Z in Scnw Ib. gekauft hatte.
Zu 3. Noch jetzt bildet die Baarentschädigung für jähr
lieh "2 Klafter Holz einen Posten in den Besoldungsansätzen
der Z Lehrer.
Hau en- = Güyyel-G. Erscheint noch 1844 als Teil
des Pfarreinkommens von SBib., wo es an Stelle der
früher zu entrichtenden ,Gartenhahnen' getreten war.
Hüener-. Unter diesem Titel wird 1371 im Seil
Stdtb. die Abgabe von Herbst- und Fasnaohthühnern
zsgefasst. 1719, ABsen ist wohl schon unter dem H.
ein Geldäquivalent zu verstehen, wie auch für vormals
geliefert.' FasTiachthühner. 1797, Z ÜGl.
li:i II. i:. i~l ri^-. eine vogteiliche Abgabe, die in spä-
ten! /ri! L'rU"liiilirh auf die einzelnen Feuerstätten fixiert
Hand-: wie nhd. Nur in der RA. H. ne", sich
für fremden Kriegsdienst anwerben lassen, allg. Du
hesch leider H. g'no', sagt man scherzh. zu dem von
schwerer Krankheit Genesenen S. Vgl. dingen. —
Hans-, Hansel-, Hauss-, Häusel- s. Hans usw.
— Haujjf- = Hauptguet (s. d.). XV., Bs; 1623. Bs Rq.
— H"^.".: von der Obrigkeit in Geld statt der ur-
spriiiiulicli ;ils Preis ausgesetzten Hosen gespendete
Scluitzeiiyvibc. ls.-,4, U Landratsbeschl. — Herre"-
Hose"-: Schiessgabe für die sog. ,Umscheibe' Srnw-f.
5. Hosen. — Hüs-: Lagergeld für untergebrachte
Waaren, auch ,Lagerhus-G.' In ä. Quellen häufig neben
dem Zoll genannt. ,A. 1423 ward erkennt, als vor
zyten von der statt notdurft wegen ain h. ufgesetzt
worden ist. dass ain jeklicher gast, der gewand her
in uns.T stHtt Ijiingt, von jedem tuech 4 den. pttichtig
sy v.v u.l'' iit.- (1 iv'ats-Satz. In den Bs Rechnungen
erschrini im \\. ff. als ständiger Einnahmeposten:
.Vom stock [Zollkasten] genannt husgelt . . . pfd.' .\n-
wälte der Kaufleute, welche Salz in die Eidgenossen-
schaft liefern, bitten um die Bewilligung, eine Sust
oder ein Salzhaus zu Coblenz bauen zu dürfen; sie
251
Galt, gelt, gilt, golt, gult
wollen dann gern von jedem Fass einen kr. H. be-
zahlen. 1.509. Absch. Für je 2 Mütt die im Kornhaus
eingestellt werden, soll der Hausmeister das ihm über-
gebene ,Immi-Mes' voll für das H. nehmen. 1725,
Wild, Egl. .Das H.- oder Niederlag-G. hat der Sust-
meister zu beziehen.' Z Sustordn. 1777. Synn. bei
Gred-G. u. s. noch Underkauf, Pfundzoll. — Husier-
Gelt: eine von den Krämern (It Gl Landsgemeinde-
beschluss von 1736) zu entrichtende Abgabe von
'/. Btzn auf jeden im Lande gelösten Gulden; wurde
nur von Nichtschweizern erhoben. Auch .Pfundzoll'
genannt. — Hütte"-: von den Milehlieferanten für
.Milrh aus ilrr Kiiserei (, Hütte') zu beziehende Geld-
sinnm.-, alli;-. Hie Milchbauern hocken in's Wirtshus
Kiiil i-Kfiiie", irie i-iel H. [sie] mc ah Koste" [hätten].
N. ß Kai, 1840.
Schinn-Huet-: Taggeld, welches die an der
Maien-Landsgemeinde in Schw teilnehmenden Land-
leute vom Statthalter und Landanimann, die alsdann
neu gewählt wurden, für ihr Ehrenamt erhielten.
1680 wurde verordnet, dass es den ausserhalb des
Landes wohnenden Landleuten nicht zu Teil werden
sollte. Vgl. Sitz-G.
Es scheint, dass die Beträge von 5 resji. 10 ß urspr.
dazu verwendet wurden und l- r:iil.' liinriirhten, um an dem
auf die Landsgemeinde folg.B.l. u Sri,» Maimarkt einen Stroh-
hut, die gewöhnliche Koiinifd. ■ kmiL' '1. a männlichen Schw
Bevölkerung im Sommer, au/usLliarti.ii.
Heiz-: nach Fronfastenterminen bezahlter Bei-
trag der Gesellschafts- und Zunftmitglieder zur Be-
streitung der Heizungskosten der .Stuben- Bs. Auch
.Fronfastongeld'; vgl. StubenhU:. .W'rWchrv ,li.- sel-
zunft koufen [der Bruderschaft aim-.lirnan j will, der
soll geben jährlich das h., ob er mit uns dii-iict oder
uüt.' ca 1450, Bs. Seit 1487 besitzt z. B. die Basler
Safran-Zunft eigene .Heizgeldbücher'. — Juchart-:
auf die Juchart berechneter Zehntenbetrag in Geld
für den urspr. zu leistenden Heu-Z., welche Umwand-
lung der Abt von StGallen 1795 gestattete. Vgl.
Heu-G.; s. auch Mäder-G. — Hof-Jünger-: jähr-
lich unter die Berechtigten verteilter Ertrag des an
Zins gelegten Hofjungergutes (s. d.) GWattw. — Jär-:
1. wie nhd.. bes. aber die von auswärtigen Fürsten
an die Eidgenossen bezahlten .Pensionen'. 1586 ver-
antworten sich die katholischen ürte auf die Klagen
der reformierten Städte, ,dass [Bündnisse mit fremden
Fürst, II iiiia die Annahme von ,Miet und Gaben'] nüt
niiu-, -.Mihlii von uraltem har gebrucht worden [sei].
liaiiu zuus,!iLai derglychen pension und j-ern von
fürsten. mit denen man erliche pündtnussen hat, ist
ein underscheid ze n6men gegen andern mieten und
gaben, so heimlicher wys geben und genommen wer-
den.' 1586, Absi'h. — 2. in Jahresterminen bezahlte
Steuer, bes. die von Hintersassen in ScHwMa. u. Nnv,
(hier auch , Einzugs-Gulden' genannt) jährlich im Be-
trag von 1 fl. zu bezahlende Gebühr, weswegen die
Hintersassen auch .Jahrgeltler' hiessen. .Den Bei-
sassen und J-n sei das Holzhauen in den Landes-
waldungen ganz verboten.' 1756, ScnwMa. — 3. jähr-
licher Steuerertrag im Gegs. zu ,Wuchen-G.'. auch
.Jahrsteuer' genannt; so z. B. 1529, Absch. IV 1 b, 312.
— Guet- Jär-: vormals in BsStdt Beisteuer der Zunft-
geuossen an die am Neujahr auf der Zunftstube ver-
zehrte ,Galrei-Pastcte. — Käfen-: Geldabgabe für
einen ursprünglich in Erbsen entrichteten Zehnten.
.Üwer anbringen, üch [die Leute von Wvtikon] los-
zelassen des kleinen zendens, des rüebenzendens und
k. für den zenden.' Anf. XVI., Egli, Act,
Kegel-: Platzgeld an den Jägermeister an Markt-
tagen und Kirchweihen von den zum Kegelschieben
bestimmten Plätzen. 1671. Brauchb. AAKadelb.
Viell., wie die Argnvia 4, 4'i3 annimmt, darum dem
.lägermeister zufallend, weil die Spiel- und Kegelplätze ur-
sprünglich im Bannwalde gelegen waren.
Kälbli-: Juug-Zehnte, ähnlich yiie FüUi-G. durch
ein Geldäquivalent entrichtet. 1795, G. Syn. Kalber-
Zecliend. — Kil(ch)e"-: in der Kirche als Almosen
an Sonn- und Festtagen zsgelegte Liebessteuer. In
der kath. Schweiz auch die Einkünfte der Pfarrkirchen
für Jahrzeiten, Messen usw. Der Kirche gehörendes
Gold. Busse wird angedroht dem, wer .umb kilcheng.,
laiengelt ald umb lehen' [willen, die er empfangen]
gegen die Stadt conspiriert. 1377, G Rats-Satz.
Komissen-: Lehenzins. .6 vierteil jerlichs k-gelts
hofmes uf den güetern ze Nonwyl, den"° man spricht
die eigen hofstettc.' 1348, Klosterarch. UwE. — Lat.
commitlere (commimum), fibergeben.
Willkumni-: Einstandsgeld eines Schülers (Stu-
denten). .Isagogicum quod pro rudimento donat disci-
pulus, das w-gelt gijben und bezalen, den introitum
geben.' Fris. — Compagnie-: Abgabe, welche von
den in auswärtigen Diensten stehenden Compagnien
(rosp. von deren Hauptleuten) an ihre Obrigkeit zu
entrichten war. So hatte 1678 Hauptmann Beding
60 Kronen nach Schwyz zu senden. .\uch .Protektions-'
oder .Konzessions-Gelder' genannt. — Urkund-: Ge-
bühr für Aufsetzung einer Urkunde, spociell eines
.Gantrodols'. 1683, Bs Eq. Vgl. VHeil-, Sü/el-G. ■-
Kundschaft-: Zeugengebühr. .Denen Kundschaften,
so auf die Stöss [auf das Streitobjekt] boruefen wer-
den, solle nach Befinden eines Gerichts ein billiches
K. taxiert werden mögen.' 1756. LB. ScHwMa. Syn.
K.-SchilUng. — Kappen-: Geld, das der neu ein-
tretende Chorherr statt des Pluviale oder Chormantels
leisten musste. 15.33 (Egli, Act.) neben dem ,Stouf-G.'
genannt. — Kapitel- und Synoden-: vormals die
von den evangelischen Gemeinden in GT. an ihre
Geistliehen für den Besuch der .Kapitel' [Kreisver-
sammlungen] und Synoden bezahlte Entschädigung,
gegenwärtig durch Taggeld und Eeiseentschädigung
aus der kantonalen, evangelischen Centralkasse ersetzt.
— Kapiziner-, in der RA.: mit K.-G. zale', mit
blossem Dank, da die Kapuziner kein Geld haben
durften Z. Vgl. K.-Batzen.
Kernen-: Getreidezins an Weizen oder an ge-
rolltem Dinkel. Gegs. Pfenning -G. Syn. K.-Zhis.
.Welicher dem andern gelegen guot oder ewig k. fer-
tiget' 1495. Wkist. 1. 212. .Wenn eins k. zue dem
anderen [in die Ehe] brächte und darnach mit tod
abgiengo und lyberben bette, mag es das ander erben,
unz es sich verenderet' 1538, Herrschaftsr. ZReg.
Es durfte It Übereinkommen mit dem Abt von G wie
die übrigen Lasten von 1795 an abgelöst werden. Vgl.
Kernen-Giilt, Stuck. - Über Kemcn vgl. Ft«en Bd I 1069.
Korn-: 1. Getreidezins. .1 Malter ewiges K.-Gelts,
halb Dinkeln, halb Habern.' Vgl.: .20 stucke geltes
an körne, der 16 mütte kernen [Dinkel] svn sülln und
4 malter habern.' 1331, Z Urk. Vgl. Guet. - 2. Geld
•253
;,'cll, gilt, gnlt, guli
iurIi ilom eiiilifiiiiischen Müiiüfusso Zg. S. Korn-
Batzen. — 2 zu Koni = Feingebalt von Münzen; also eig.
,ilas echte, uuverfalschte Geld'.
Kerze"-: 1. Entschädigung für Beleuchtung, so
beim Gericht Ndw; im XVIII. in ZWetz. au.s dem
Kirchengut an den Lehrer für die Nachtschule. —
— 2. von den Zunftgenossen an h. Kerzen gespendeter
Beitrag. Vgl. Kerzen-Gulden. .Wir sollend auch ein
kerzennieister erwehlen, der insonders das k. ynzühen
und das in kein ander weg dienen soll dann zu kerzen.-
1508, ZWthur, Rebleutenordn. Vgl. K.-Batzen. — :?. in
ZWetz. nach Abschaffung der Nachtschule (a. 1773)
scherzw. das dem Lehrer für die Führung <ier Sunn-
tagsschule bezahlte ,Wart-G.' Vgl. Liechter-G.
Zu 2. In GSax hatte der Pfarrer, in GFrümsen der
Lehrer ,das Uuschlitt für die Nachtschul' anzuschaffen und
wurde dafür vom Schulvogt entschädigt.
Käs-: 1. Äquivalent in Geld für früher in natura
abgelieferte Käse. 1405 neben dem ,Alp-G.' unter den
dem Abt von G schuldigen Gebühren genannt. Syn.
Käs-Zins. — 2. dem Dachdecker als Entschädigung
statt des beim Trünke üblichen Käses gereicht Z. —
Kaste"-: im Kasten verwahrter Sparpfeuning. im
Gegs. zu dem Brfich-G., der laufenden Kasse Z. Syn.
Spar- Hafen. — Kost-: vom Kostgänger dem Kost-
geber bezahlte Entschädigung. Wenn Ei's [ein Kind]
b'hört [konfirmiert] ist, sott 's chönne" sl's Chostyeltli
cerdiene'. Auch etwa von erwachsenen Kindern ihren
Eltern, von Schwestern dem Bruder entrichtet, 's üh.
schreit vor aller Welt, wird zuerst bezahlt. Recutssi-kw.
Davon: i'me" cerchostgelte", ihn gegen Bezahlung von
K. unterbringen, allg. Chost-Gelter, Kostgänger Ar.
Küster-: Gebühr, welche ein Küster zu beziehen
hat. ,Welich schueler tütsch lernen, soll jeder 10 p
schuellon und zween angster k. dem schuelmeister
[als Küster] geben.' 1579, U Schulordn. — Klafter-:
nach dem Klafter Strassenlänge berechnete, aus dem
Krtrag des Ohmgelds und der Zölle an die (iemeinden
bezahlte Entschädigung für den Unterhalt der Strassen.
welcher ihnen als Anstössern oblag Gl. ,Das gemeine
Land übernimmt den Unterhalt derjenigen Landstras-
scn. für welche bisher die resp. Tagwen das sog. K.-
oder Weggeld bezogen.' 1835. Gl. Auch .Strassen-G.'
genannt. — Klasse"-: aus der Armenanstalt ('Ä'/o.ss;
erhaltene Unterstützung Nuw. — Kriegs-: ein in
ScH von jedem Fass Salz im Betrage von 9 Batzen
zur Deckung von Kriegskosten erhobener Zoll. 1653,
B.\LTU., Helv. 6, 51. Vgl. ,Aes militare, kriegsgelt.' Mal.
Krone"-: von Töchtern oder Wittwen, die sich
ausserhalb der Gemeinde zu verheiraten gedachten,
ursprünglich von der Burschenschaft des Ortes zum
Trunk abgeholte Gebühr, die 1710 It , Kronenbrief'
1 fl. 21 ß betrug, von da an vom Seckelraei.stor zu
Händen des Gemeindegutes bezogen wurde ZWetz. f
.Das hin und wider den Wittfrauen und Töchtern, die
sich ausser ihrer Gemeinde verheuraten. abgeforderte
sog. Kroncngeld ist für die Zukunft abgeschafft.' Z
Ges. 1806. Syn. Becher-G.; vgl. Hans u. Hochzlt-Gah.
Da die Krone (das Symbol der Jungfrauscbaft bei Bräuten)
bei uns sonst Schajtjxl heisst, so scheint wirklich zunächst
nur an die Krone als Münze fs. (Leizi-)Kron) gedacht werden
zu dürfen, obschon die ältere Auffassung aus der TJnideutung
viell. noch durchschimmern mag.
Kränk-: wahrscheinlich Gebühr an Zollstätten
und in Lagerhäusern für Heben von Waaren mit dem
Hebezug (Kranich). 1740, Absuu. Vgl. den Einnahme-
posten: ,Von dem kraniche im koufhus.' 1451/52, Bs
Rcchn.
Kränzli-: 1. , Strafgeld, welches Mannspersonen
für das .Entblümen' einer Jungfrau, die sie nicht hei-
raten wollen, an einigen Orten dem Mädchen selbst,
an andern dem Fiscus zu bezahlen haben, welcher
diese Busse auch für Kinder fordert, die von Huren
und Wittwen geboren werden VOrte; S." — 2. Gabe.
welche beim .Kranzsingen' vor den Häusern gereicht
wurde. — 1 bezieht sich auf den Kranz als Symbol der
Jungfrauschaft.
Krotte"-: zur Zeit des Bauernkrieges f. Abfiier-G.
Spottw. im Munde der am meisten dadurcli betroffenen
Bauern entstellt aus Tiatlen-G. Kmtl bezeichnet in vielen
Compp. das Verächtliche. Vgl. auch Ilatten-0'.
Krüt-: = Krüt-Fond Bd I 850. 1715 sollte das
,Krut-G.' neben Gemeinde- und Kirchengütern zur
Anschaffung der nötigen Gewehre verwendet werden.
Z Mscr.
Krüz-: 1. Abgabe an den Messmer, der zum
Weihwasserspritzen das Kreuz mitnahm. ,Dem Sigrist
das K. oder Brod.' 1772, LNeuenk. Vgl. Krüzgawj.
— 2. Abgabe an eine Kirche. Die von BLaufen be-
gehren, ,dass sy des krüzgelts, so mau järlich gan
Basel uf dem stift pfligt zue geben, nämlich von jeder
erherrn [1. ern. Ernte] ein pfenn., inen nachgelassen und
abgetan werde.' 1525, Strickl., Act. Absch. IV 1 a 658.
Viell., wie der Krüz-Haber, eine Abgabe der Getreide
pflanzeudeu Kirchgenossen dafür, dass ihnen die Geistlichkeit
das Getreide gegen Ungewitter zu segneu hatte.
Laie"- s. Kilchen-G. — Liechter-: = Kerzen- K.
Die äbtischen Lande müssen nach dem 171'2er-Krieg
der Garnison der 2 Städte Z u. B zu Rorschach das
L. bezahlen. 1715, Absch. — Ab-Lader- musste It
Übereinkunft von 1732 in Zürich vom Ausladen der
Kornsäcke aus den Schiffen bezahlt werden. Absch. —
Lneäer- s. Lueder. — Lauf-: Werbegeld. .Auctora-
mentum; Verpflichtung, 1-gelt, das man einem knecht
auf d'hand gib[t].' Fris. 1568. ,Wyters ward für die
geworbenen des 1-gelts halben vermeint, eine halbe
krönen genuegsam wäre.' 1646, Z Staatsarch. — Land-
lüten-Uflag- s. Uflag. — Leg-: Gebühr für Salz-
fässer, die im ,Hof' (s. Hof-Geld) gelagert werden.
1654, ScH. — B(e)leg- = Druf-G. BBi. S. belegen.
— In-Lässer-, auch ,Mesüre-G.': Laderlohn, Ent-
schädigung an die ,Inlässer', welche den Wein aus
den Kellern auf den Wagen der Fuhrleute luden und
eine gewisse Controle übten; von B am Gcnfersce ein-
geführt. 1642, Absch. S. in-län. — Lös-: 1. unter
alle Landleute verteilte Abgabe der durch das Leos
zu einem einträglichen Amte Berufenen. 1638, Gl.
S. noch verkilbfeßen; vgl. Schinn-Huet-G. und s.
Blumer, RG. 1, 2, 126 ff. — 2. Geldentschädigung für
die von den Berechtigten nicht bezogenen Loosanteile
aus dem Gemeindewald oder G.-Land Z. — 3. Gebühr
für Bezug des Holznutzens. Bluntschli, RG. — Für-
Leit- s. Fürleiti. — Ge-Leit- s. Geleit. — Hose"-
Latz-: spottw. für die wegen zu frühzeitigem Bei-
schlaf Verlobter zu bezahlende Busse ZHinw.f Vgl.
Fron-Fasten-G., HoseHatz-Zins u. s. Kranz, Schappel.
— Letz-: Abschiedsgeschenk; Trinkgeld. ,3 gülden
verzert und 1. [gejgen, als man mir schankt [mich
von übrigkeits wegen bewirtete]. Stockar 1526. 150.
.1(1 ß Jen weiblen 1. an der vorrcchniing.' 1535, ZGrün.
255
Galt, gelt, gilt, golt. gult
256
Aratsr. Auch unter Jen Ausgaben des Z Grossmünster-
stifts neben ,Kost- und Mal-G.' genannt. 1532, Egli,
Act. Syn. L.-Pfenning.
Lisi-macb-Geld: lysimachia nummularia G.
Wie das dem lat. nummularia eotsprechende Syu. P/ennm;/-
Krtii der runden Form der Blätter zu verdanken. — Das
lat. W. ru einem iiiiperat. Satze umgedeutet. XiVi, Elisa.
Mäder-: 1795 als ablösbar erklärte Abgabe der
Gotteshausleute an das Stift StGallen, entweder, wenn
auf GRh. allein bezüglich, von den Mädern [,Eoss-
heuwiesen'], die dem Kloster gehörten, oder auch,
wenn Mäd als Syn. mit .Juchart' gefasst wird, zu
erklären wie J.-ff. (s.o.). — Mal- I: Entschädigung
für Zecheauslagen. ,Den puren für coste und nialgelt.
als sy nachtes wachen muessten.' 1446, Bs Rechn.
1532, EuLi, Act. neben dem ,Kost- und Letz-G.' auf-
geführt und schon bei Fris. neben dem Syn. ürten.
— Mal- 11: Gebühr für die obrigkeitlich an Tüchern
vorgenommene Zeichnung, um deren Herkunft anzu-
geben (Ursprungsmarke). ,Unser eidgenossen von G
sollen von einem stuck lynwant nit mer nemen denn
3 pfenn. m.' 1480, Absch. .Ob ein gottshusmann ein
lynwattuech uf deren von StGallen schowmal und
zeichen koufen wurde, dass dann der, des das tuech
gewesen, dry pfenn. m. ze ggben schuldig syn solle.'
1579, Zellw., Urk. Vgl. malen. — Milch-: 1. Ein-
nahme für die den Kunden oder dem Käser gelieferte
Milch, allg. — 2. Alimentationsgebühr für ein uneh-
liches Kind Seil (gemein). Syn. Fmn-fasten-G. ~
Am'-Mann-: dem Ammann bei gerichtlichen Hand-
lungen (Fertigungen usw.) schuldige Gebühr. ,Die A.-
und Weibelgelter werden wie bis a. 1700 gebräuchlich
gewest inskünftig abgeführt.' 1731. GT. ^ Monat-:
dem Lehrer in monatlichen Katen zu zahlendes Schul-
geld. 1824, ZStdt. — Mantel-: Entschädigung für
die den staatlichen Angestellten vorgeschriebene An-
schaffung eines Mantels mit den Landesfarben. Z bis
1798. .Pro M. werden 1754 den beiden Ammännern,
dem Portner, dem Müller und Beck im Kloster Piüti
jedem 36 Pfd, wie alle 6 J. gebräuchlich, geordnet.'
Z Staatsarch. — Montierungs (Mundievigs)- : Mi-
litärsteuer Bs. — Gemein-Märk-: für das aus der
geraeinen Mark zugeteilte, eingeschlagene Stück Land
zu entrichtende .\bgabe. 1G08, Schw LB. — Markt
(Märt)-: wie nhd. Spec. das Geschenk, das man
früher den Dienstmädchen zum Besuch des ,Schliss-
niarktes' schenkte ZStdt f. — Mass-, resp. Mess-:
Abgabe für das Messen, neben und mit dem Miili-
Ungeld entrichtete Abgabe der Müller und Bäcker in
Bs. .Wen ein Brodbeck malet, der gibt zu den 4 ß
Unigeld 1 Pfenn. Mass-6. Für 3 Viernzel ist aber
das Mess-G. nur 2 Pfenn. Von dem Korn und Roggen,
das hier genialen und dann hinausgeführt wird, ist
das Mass-G. 1 ß.' 1460, Ouhs. — Müs-: in den L üm-
geldsbüchern von 1520/'24 in der Form ,Muss-' oder
,Musen-G.' für das vor- und nachher gebräuchliche
,Wachtgeld' für die Bewachung der Türme bes. auf
der ,Müsegg' (s. Bd I 157). S. Liebexav 1881, '282.
Meister-. .Arzetlon, sostrum quod niedico datur
pro curatione, m.' Fris. — Der .\rzt als Gelehrter führte
den Titel .Meister'.
Muster-: Musterungs-, Aushebungsgeld, den Reis-
läufern bei der ersten Musterung vor dem Dienstantritt
bezahlt. \. 1500 von den 3 Bünden neben dem Jahr-,
Dienst-G. usw. abzuschaffen beschlossen. S. musteren.
— Mucter-Geltli : mütterliches Erbteil. XVH.,
RoHNER. — Mütsche°-Geld: Stiftungsfond zu Gun-
sten armer Greise und Krüppel, aus welchem der Ver-
walter die mit ihrem Fang vom Bielersee her nach
Bern wandernden Fischer im Kloster Frienisberg, von
dem die Stiftung ausgegangen, mit Mütschli [Brödchen]
zu speisen verpflichtet war. Auch Spend-G. — Nach-:
Nachzahlung bei Tauschhändeln, um die gegenseitigen
Ansprüche nuitt zu machen. ,Ich tieng an zu händclen
mit der Uhr, bekam eine schlechtere um die andere
und das N., das ich allemal legen niusste, hätte fast
zu einer goldenen hingereicht.- Gütth. ,\Venn ein
guet umb das ander vertuschet und ein n. [ge] geben
wäri und denn desselben fründ, so das n. ynnimmt,
den zug zu haben vermeinen wurde.' 1598, BSa.
Nudel-: Angeld als Bürgschaft; Pfand L. Syn.
Brüf-G. ~ Entstellt aus UeiM-G.; s. Uedel Bd I 98.
An-näms-, -nemungs-: Aufnahmegebühr neuer
Stubengesellen in eine Zunft od. Gesellschaft. XVI. ff.,
B. 1731, Abscii. VU 1. 1258 ist für FMu. ,Anrccli-
nungs-G.' für Annemungs-G. verschrieben. Aufnahme-
gebühr neuer , Burger'. Die Burgerschaft du Bourg
zu Tscherliz beschwert sich, dass es ihr 1729 verboten
worden sei, ohne Einwilligung des Amtmanns Burger
anzunehmen und das Annehmungs-G. zu verteilen.
1731. Absch. VII 1, 1'200. - Nördlinger-: Geld-
spende zu üwStans aus dem dortigen Spitalgute als
Äiiuivalcnt für das früher an Dürftige verteilte ,Nörd-
I linger-Tuch'; s. Nördlinger u. vgl. Hosen-G. — Bü-:
1. Beitrag neu aufgenommener Zunft- und Gesell-
schaftsmitglieder an den Bau und die Unterhaltung
städtischer Zunft- und Gesellschaftshäuser; so XV.,
Bs; B; ScH. Vgl. .Jeder Stubengesell soll an buw zum
.Narren' 1 fl. geben.* 1475, B Taschenb. — 2. Äqui-
valent in Geld für die den Viehzüchtern in Rorschach
obliegende Lieferung von .Bau' [Dünger] ans Kloster
StGallen.
Becher-: Einheiratungsgebühr fremder Bräute
(daher auch Brut- und B.-G.) als Geldäquivalent für
vormals geschenkte Becher. ,In könftigen Rechnungen
soll ein eigener Titel: Eingenommen von B.-Gelt. von
Weiber- Einzügen usw. [eingeführt werden].' 1697.
ZSth. (Z Staatsarch.). Der unglückliche Pfarrer Waser
zum Kreuz wurde u. A. der Beschuldigung wegen pro-
cessiert, in der Gemeinde Riesbach seien 4 B.-Gulden
unterschlagen worden. 1773 wurde für Scu das B.
auf 100 fl. zu Händen des Spitals festgesetzt und dabei
bestimmt, dass, wer hierin das Gebot umgehen würde,
sowohl für sich als für seine Kinder ,vor je und alle
Zeit des Bürgerrechts verlustig sein solle'. ,Eine
Kantonsbürgerin, die sich mit einem Kantonsbürger
aus einer andern Gemeinde verheiratet, hat in das
Kirchen-, Armen- und Schulgut zusammen eine Eiu-
zugsgebühr, Braut- und ßechergeld von 8 Fr. zu be-
zahlen. Für eine Schweizerbürgerin beträgt das B.
40 Fr., für eine Landesfremde 80 Fr. Die Bezahlung
geschieht an den Gemeindrat.' 1833, Z Ges. Sehr
häufig fiel das Brut- u. B.-G. dem Kirchen- und Armen-
gute zu und wurde oft als kirchlicher Einkauf be-
trachtet ScH; Z; vgl. dagegen die Erwägungen in
einem Urteile des Z Obergerichtes: .Der Bezug des
B-es dürfe niclit lediglich auf die Kirchgemeinde
bezogen werden, sondern müsse vielmehr als wahre
Galt, gelt, gilt, Rolt, gult
Eiiizugsgebiihr bezogen wenlen.' 1807, Z KeelitspH.
9, 362/370.
Vgl.: .Weilen bis ilahiu eine fröuibde Weibsperson, die
einen Stanimheiiner geheuratet, einen silbernen Becher zu
einer bestimmt- und gesetzten Verehrung in die Genieindlad
ggben müssen, disere Gemeinde aniezo aber mit dergleichen
wohl versehen, ward gut befunden, dass konftighin eine solche
anstatt eines silbernen Bechers 10 fl. baren Gelts zu Händen
des Gemeindguts gleich nach ihrer Ankunft [a. 169-1: ,ehe
und bevor sie in das Dorf gelassen wird.'J erlegen solle.'
1736, ZSth. (Staatsarch.). S. Imtand-Becher.
Buechen-: an die Vogtei entrichtete Abgabe in
Buchenholz; wurde in LMalt. a. 1532 It ,Urkund we-
gen des Togten buochengeld' losgekauft. Vgl. Holz-G.
lu.3. — Büchsen-: von den Untertanen der ZLand-
schaft für Kriegszwecke in die ,Eeisbuchsen' zsge-
legte Abgabe; von jedem Hausvater jährlich 1 ß,
von einer ,Wittfrau' 6 hlr; durch den ,Waldmann-
schen Spruch' 1489 nachgelassen. S. Fronfasten-G.
Syn.Beis-G. — Bechteli-: jährlich am Berchtoldstag
('2. Jan.) unter die Glieder der Allmendgenossenschaft
ZHorgen verteilter Ertrag der Allinend. — Bicht-:
Beichtpfenning. ,Von dem Schulmeister auf Burg
empfangen 1 Pfd B.' XIV., Ochs.
Bad-: 1. den Badern zu entrichtende BadegebUhr.
Dem Bader von ZWthur wird a. 1.517 eingeschärft,
.die Welt mit dem B. nit [zu] steigen [steigern], sonder
[beim Bisherigen] belyben [zu] lassen.' Troll. ,Die
Handwerksgesellen, die kumen das B. band, solch
Hosen [,Flodder-H.'] tragen wollen.' 156'2, Lied. —
'2. Trinkgeld, Benefice. ,Den dryen, sibnern, schry-
bern, knechten usw. rechnunggelt und b-gelt.' c. 1455,
Bs Kechn. ,Man mag gedenken, dass der Küng aus
Engelland das büechlin wider den Luther nicht ge-
macht hat, sunder ein andrer Sophist; so er aber das
büechlin in synem namen hat lassen usgön, so wirf
im euch das b. g'schenket [hiefür der Gewinn zu-
fallen] und bedunkt mich, dass der Künig ab allen
Sophisten in der weit nit so vil lösen möcht, als im
dafür ze ggben wäre.' Gtrenr. 1523.
Bed. 2 erklärt sich aus dem Brauch, Arbeitern und An-
gestellten am Samstag früher Feierabend und ein Geschenk
zum Besuche des Bades zu geben. (Anders Kirchh., Sprww.
53/+, und ihm nach Wander).
Boden-: Abgabe an die Weinsticher. 1572/77, Bs.
Die Zunft zu Weinleuten in Bs beschwert sich beim
Rate, welcher zur Zeit der Teuerung anfieng Wein
auszuschenken und begehrte das B.; der Bat ant-
wortete, auch der Bischof habe früher, wenn er Bann-
wein gemacht, kein solches bezahlt (Ocus).
Urspr. eine Abgabe vom Wein, der fassweise (,zwischen
'2 Böden') verkauft wurde; s. Boden.
Becki"-: Abgabe der Soldaten an den Feldscher
(Militärarzt). 1698 beklagen sich die in frz. Diensten
stehenden Soldaten, dass sie mit dem Denier (Kopf-
steuer, 1 Denier per Kopf), EoU- und Becken-G. belegt
werden. Absch.; s. auch Kriegsr. 1704; 1778, Aarau.
— Big. nach dem Becken der Bader und Barbierer.
Pulver-: an Schützen vereine von der Obrigkeit
(Behörde) statt des sonst verabfolgten Pulvers ge-
reicht. .An jedem gewöhnlichen Schiesstage wird eine
Krone oder Stadtgemeinde-Gabe nebst 1 Pfd P. in der
Stichscheibe verschossen.' ZWthur. I'euersch. 1842.
Bümpeli-: Sackgeld zu kleinen Ausgaben B; Z
(Kdspr.). — Bumbel, Buiiqjel, Sack in Rock oder Hosen,
bes. eines Kinderkleides.
Schweiz. Idiotikon. U.
Bän-: 1. früher an die An.stösser der Gottliard-
strasse bezahlte Entschädigung von 27 kr. per Pferd
dafür, dass sie den Weg stets often hielten. Vgl.
Alpina I 162. Syn. Bruch-, Butten- G. — 2. Ent-
schädigung für die Benutzung der Eisbahn ZNer.
Syn. Bän-Lön. — Bann-: Busse, mittelst welcher
man sich aus dem Banne löst. 1525, Absch. IV 1 a, GOO.
S. Bann-Schatz.
In-bind-: von Seite der beiden Paten dem Tauf-
kinde gemachte Geschenke, bestehend in 2 ausge-
suchten, glänzenden Geldstücken, und, in die beiden
Taufz.Mldcl riiiLTewickelt, von der Patin, nachdem ihr
derl'al' n,[. h riiirm feierlichen Händedruck am Altar
das .sciiiiu^ uliniricht hatte, von ihr links und rechts
vom Tiintting in die Kissen oder das Taufkleid ge-
steckt; in neuerer Zeit von den beiden Paten im
,Taufzeddel' auch erst zu Hause überreicht; Paten-
geld Z. Mutter zum Sohn, der Pate stehen muss:
Was hän i''' nüd au"'' müese" tue*, bis i''' drr 's I.
hä" chönne" s'sämme'' bringe" und das, wo d' mimst i'
d' Chindbett ge". Stutz. Syn. I.-Pfenning, -Sack, In-
bindete, Inbund. — Von inbinden, einwickeln, s. d.
Bundes-: einer der Titel der von den Eidgenossen
infolge ihrer Bündnisse mit auswärtigen Fürsten be-
zogenen Subsidien; s. Frid-G. — Bank-: Abgabe
von Metzg- u. a. Verkaufsbänken, ,0b ein gottshus-
raann ein lynwattuech uf dem bank koufen wurde,
dass dann der, des das tuech gewesen, ein pfenn. b.
ze geben schuldig syn [solle].' 1579, Zellw., Urk.
Die Gesandten sollen die Anordniin^x treffen, dass zu
Bellenz nur eine Metzg sei iin.l aa:^- ri,, nr.lentliches
B. erhoben und der Coramuiiila inlr r il.iiii'iiigen, der
die Metzg baut, zu deren Erliiiltuay ubcit,'cben werde.
1624, Absch. Vgl. Stand-G. — Bar-: 1. in baarem
Gelde zu erlegende Anzahlung bei einem Kaufe ZNer.
— 2. fällige Schuld, ebd. Vil B. ha'. Zu Gelt 1.
— Burren-: Stammlöse; von jedem gefällten, ent-
ästeten Baum (Burre") dem Grundherrn oder dessen
Vertreter zu entrichtende Abgabe. 1725, Absch. (für
die italienischen Vogteien). Syn. Stumpen-Lösi. —
Burger- s. Bat-G.
Pass-: , Weggeld', Ausfuhrgebühr. , Alle Inwohner
mögen zu allen Zeiten ohne Bezahlung einigen Zolls
oder P.-Gelts (,di alcun datio b gabella') eine solche
Viele Weins wegführen, als sie zu ihrem Brauch von
Nöten haben werden.' 1622, Absch. — Pum wird mit
Wa; häufig amplifizierend verbunden.
Passier-: Geldgeschenk, welches ein aus einem
andern Dorfe kommender Bursche der einheimischen
Knabenschaft, die es dann im Wein aufgehen lässt
(vgl. Passieriüin), machen muss, damit er dem um-
worbenen Mädchen ungehindert seine Besuche machen,
,passieren' darf Zlllnau. Vgl. An-, In-Stand; Hans.
Bet-: „freiwillige Gabe, die in einer Kirche zum
Besten derselben eingesammelt wird L." 1660, L neben
dem ,Stock-G.' genannt. '/« oder '/s desselben gehörte
dem Pfarrer. Syn. B.-Pfenniny. — Beten, bitten, also
,Bitt-G.' ; doch vgl. auch Gehen u. mhd. hme, Abgabe, Beitr.ig.
Für-biet-: Gebühr an den Weibel für die Vor-
ladung vor Gericht. ,Ist ouch [ein] weibel [gesetzt]
und git im ein inmann ein pfenn. zuo fürpietgelt und
ein usmann zwen pfenn.' 1441, Offn. Wengi. Syn.
(Für-)Bott-, Weibel-G., Fürbieterlön. - Fürbieten, vor-
Galt, gelt, gilt, golt, gult
260
Bott-resp.Ge-Bott-Geld: Gebühr an die Weibel,
Gerichtsknechte und Amtleute für das Entbieten vor
Gerieht, Citationsgebühr. ,Es solle der Bott-Gelteren
halb bei eines iedwederen Gerichts Brauch verbleiben,
ausser dass bei dem Gericht zu Gelterkinden einem
Burger von Basel hinfüro mehr nicht als 1 ß abge-
forderet werden solle.' 1757, Bs Rq. Auch F ür-Bott-.
,Der Vogt soll F. udgl., so zue dem Vogt- und Richter-
ampt gehörig, fleissig einziehen.' 1671, Arg. Eben
solche für das Entbieten in eine Zunftversamralung
CBottJ. ,Der Bottmeister soll schuldig syn, alle Fron-
fasten durch den jüngsten Meister ein Bott zu samm-
len, daruf jeder Meister Bottgelt zu erleggen schuldig
syn soll.' 1637, ZWthur Hafnerordn. ,Soll jeder, der
wetcen Streitsachen von Meister. Gesellen und Lehr-
knal.eii 1 Kxtia-Gebott verlangt, 2 Frkn Bottgeld er-
h-.'ii- l>n:,. Z Küferordn. Wer vor Zunftgericht we-
i;..!! Mi^sueiks schuldig gesprochen wurde, hatte 5 ß
B. als .Besserung' und Prozessgebühr zu entrichten.
1364, Geering. Syn. B. -Schilling.
Bätz-: Honorar für Privatunterricht Bs. — nutzen,
Privatunterricht erteilen.
Pfaffen-: von den (sonst steuerfreien) Geistlichen
gezahlte Steuer. Eine solche bezahlte die Basler [.Ein
sack mit pf-gelt.' 1446, Bs) und 1487/89 die Z Geist-
lichkeit, letztere an den Ausbau der Grossmünster-
türme. — Pfeffer-: Geldäquivalent für ursprüng-
lichen, der Herrschaft schuldigen Pfeiferzins. Das
Pf. zu ScnEeiat bestand a. 1700 aus einer Abgabe
von 1 Pfd hlr von jedem Wasserwerke, jeder Ziegel-
hütte usw.
Pfenning-: in Geld statt in Getreide entrichteter
Zins; Gegs. Kernen-G. ,Wir hant gegebin ze kouflnde
ein phunt phcnniggeltis umbe zehin phunt phenninge.'
1316, Bs Urk. ,Der Schaffner zu StPeter frönt ein hus
wegen versessener Zinsen, nämlich 6 pfd als syne
herren järlich daruf hatten 81 ß pfenninggelts, dessen
eigenschaft dem rate gehörte.' 1455, Bs. S. Pf. -Gült.
Ein loses Comp., ähnlich wie Uuldin-G.; vgl.: ,Dass ich
geben soll ze einem ewigen zinse ein pfunt Pfenningen geltes.'
1343, Gfrd.
Pfänder-: Entgelt für Freigabe eines auf unbe-
rechtigter Weide getroffenen und daher als Pfand
zurückbehaltenen Stückes Vieh GRObS. Syn. Forst II;
s. noch Batzger, Saatner. — Pflueg-: Geldersatz für
früher geleistete Frohndienste mit dem Pfluge; 1798
f. SohKI. bezeugt. Vgl. Pflueg- Tagivan. — Pflaster-:
Transitzoll, erhoben zur Unterhaltung des Strassen-
pflasters. ZEglisau bezog seit der Strassenreparatur
ein Radschuh- oder Pfl.-G., das 1836 vom Staate durch
Loskauf abgelöst wurde. Der Kleine Rat des Kantons
Th erstattet 1838 Bericht über die im Kanton be-
stehenden Pfl.-G-er und andere in die Gemeindekassen
fallenden Zölle. Vgl. Weg-G. — Pfruend-: die mit
einem geistlichen Amt verbundene Besoldung Ar; Gl.
Syn. Pfruend. — lili-<ieltli: Bleimünzen, wie sie
im ,Bläppert-Spiel- vakomuien Bs. - Plättli-Gelt:
in Kirchen an Sonn- und Festtagen gesammelte Liebes-
steuer, welche in eine Schüssel ("Platten) oder einen
Beutel (s. Säckli-G.) geworfen wird. 1787 wird in
G aStJohann angeordnet, ,das Blättlin-G. an ein Ca-
pital zu legen'. — Bluet-: 1. wie nhd., Lohn für
eine Bluttat. — 2. beim Volke zur Reformationszeit die
Werbe- und Dienstgelder in verächtlichem S. (1532,
Absch.) — Platz-: Abgabe für Vieh und Waaren an
Vieh- u. Jahrmärkten. 1832, ZEglisau. Syn. Stand-G.
— Bruch-: 1. Geld zur Bestreitung der laufenden
Ausgaben Z; Gegs. Kasten-G. Unter der Baarschaft
des Klosters UwE. werden bei der 1558er Jahrrech-
nung 4 hlr. ,Br.-G.' aufgeführt. , Tisch- und Br.-G.
ist von den Eltern des Knaben redlich erlegt worden.'
JosMäl. 1593. — 2. = Bruch, Steuer, spec. ausser-
ordentliche Steuer in Kriegszeiten. ,Die anwält der
gemeind brachten für, wie [der] äbtissin in irer ge-
naht zwing und bann güeter ligend, uf dieselben si
des vergangnen kriegs halb br. nach anzal [mit Ver-
teilung nach Verhältniss] gelegt habe.' 1504, Absch.
— Bruch-: „Zoll, Abgabe, womit die Leute bezahlt
werden, welche den Winter über den Schneebruch
besorgen, d. i. die Bahn durch den Schnee frei halten
U." Syn. Rutten-G. — Bruggen-: Brückengeld, von
Personen; von jedem Stück Vieh, von Fuhrwerken;
häufig in ii.Quellen; ebenso Br.-Zull. Vgl. Pflaster-,
Weg-G.
Brett-: seit 1646 wöchentlicher Ausgabeposten in
den L Umgeldrechnungen für die Beköstigung der
Stadt- und Turmwächter.
Brett, eig. das eingefasste, zum Geldzählen bestimmte
Brett: vgl. vom Br. allen, aus dem öffentlichen Seckel ent-
richten.
Brut-: Geldgeschenk des ausserhalb der Gemeinde
wohnenden Bräutigams an die Knabenschaft des Ortes
bei Gelegenheit des Brüt-Vertrinkens ; das Empfangene
wird von ihnen an einem Ball oder Tanzsonntag ver-
trunken ZWeiningen. Auch wie das Becher-G. an das
Pfarramt zu Händen der Gemeinde entrichtet Z f.
Vgl. Kronen-G. — Reb-: Geldäquivalent für Fron-
dienste in herrschaftlichen Reben. 1529 wird nach-
gelassen, dass bischöfl. Bs Herrschaftsleute ,des r.-gelts,
holz-g-s, wyn- und holzfuer fürohin ledig syn' sollen.
Rauch-: Hofstattzins, von jeder Feuerstatt an
den Grundherrn zu entrichten. Egiisau und Rafzer-
feld weigerten sich a. 1802, dieselbe mit andern Peudal-
lasten an das Schlnss Egiisau zu bezahlen.
Als Hnivt ittziii^ iiiii^stfa an den Vogt urspr. insbesondere
Hühner .-iiti i> lit.t w.iM.ii, vgl. Famacht-, Raueh-Huen und
s. noch U.,pujn-(: ., n„„,h-Sth:
Rechen-: bei Abrechnungen gezahltes Honorar.
1423 ist erkennt, ,dass man den sibenen [der Bs Finanz-
kommission] ieglichem 1 fl. geben solle für die rechen-
mole (s. d.) zue deme, das inen sust zuegehört, näm-
lich dem rechengelt, so man inen vormals [auf die
fronfastenlichen Rechnungstermine] g'geben hat.' 1423,
Bs (Schi'nlHTü- :!:;i. S. noch Bad-G. ,Den sibernern
in der rei Imiiiiil;- 1 li. i/ 1 1-".', ebd. Honorar des Bs
Stadtschreibers b^-i Aufstrllung von Berechnungen bei
Erbteilungou. 1683, Bs Rq. H, 213; der Amtsgerichte
bei Frönungen. ,Von flüchtiger Leuten Hab und Guet
gebührt den Ämtern für R. wegen der CoUocation von
100 Pfd 15 ß.' 1719, ebd. (I, 920). — Burg-Recht-:
Gebühr, die Verburgrechtete von ihren Gütern zu
zahlen hatten. Zürich habe kein Recht, die Güter
der Äbte von SchwE. u. AAWett, die in Z Bürger
seien und von ihren Gütern ein B. entrichten, an sich
zu ziehen. 1534, Abscu. Vgl. Schirm-G.; Uedel.
Gericht-: Gerichtstaxe, welche den streitenden
Parteien auferlegt wird, Gerichtskosten Ndw, schon
1565, a. LB. Ndw. Uri verantwortet sich über die
Galt, gelt, gilt, golt, gult
262
Anschuldigung, als beziehe es ein zu hohes G. für
Abhörung von Parteien; es habe zwar wohl ein ange-
messenes G. festgesetzt, jedoch nur, um der Prozesssucht
vorzubeugen und um die etwas weit entfernten Räte
für ihre Mühe einigermassen zu entschädigen. 1581,
AiisrH. ,Wie die Grichtgelter sollind erlegt und zer-
teilt werden. Wann Ordinari-Gricht wird gehalten,
so soll von einer Partei, so es einfache Sachen be-
trift't, wie von Altem har nit mehr als 8 ß zu G. gelegt
werden; gehört davon dem Landschryber 2 ß die Urtlen
ynzuzeiehnen, das Überig habend die Richter under
sich zu teilen.' 1668, Herrschaftsr. ZGrün. Lt LB.
fScHwMa. 1756 neben dem Kundschaft-G. zu erlegen.
— Vgl. ,z'gericht gült legen' im gl. S. 1565, aLB. Ndw.
' Red-: Gerichtstaxe bei Prozessen. 1693; 1719,
Bs Rq. Vgl. ,Die amtleute sollent der lüten rede tuen
slechtlichen und erberlichen [schlicht und wahr] one
alle urabwort und davon 6 den. zue lön nemmen.'
c. 1520, Bs Eq. - Med, der Klagevortrag der hiefiir be-
stellten Gerichtsperson.
Ruef-: Gantgebühr. ,Der Gantmeister soll die
ganze Losung [das ,Gant-G.'] umb das halbe Rüef-G.
einzuziehen verbunden sein.' 1611, Bs Rq. , Ein jeder,
so an einer Gant etwas kaufet, soll die bishero ge-
wohnten 4 Pfenn. vom Pfund für R. bezahlen.' 1757,
ebd. — lUicf, öffentl. Steigerung, vgl. ,Feil-, Schuldcn-Ruef.
Rekruten fiJejfj-wfej-: Werbungsgeld, um welches
1798/99 die Schweiz lt Vertrag mit Frankreich die
für die Franzosen zu stellende Mannschaft (auf 100
Bürger 1 Mann) sich zu verschaffen suchen sollte. —
Roll-: eine von den in frz. Kriegsdiensten stehenden
Soldaten erhobene Gebühr, wahrsch. eine Entschädi-
gung für die Führung der Musterrollen. 1698, Absuh.
S. Beckin-G.
Ramen-: Abgabe der HolzHösser auf der Birs an
die Obrigkeit von Bs, im Betrage von 2 Btzn [jer
Klafter. Wurstisen 1779. — liamcn, Gestell, um Holz zu
fassen und aufzuschichten, zu messen.
Rappen-: Rappensteuer. 1525, Absch. IV 1 a, 658.
Vgl. Angster-, Plapphart-G.
Reis-: zu Kriegszwecken zsgesteuertes Geld,
Kriegs-steuer; so 1428, B. In Z wurde es in die Reis-
büchsen auf den Schlössern der betr. Herrschaften
zsgelegt, zur Verköstigung der Truppen und zu Be-
festigung-sarbeiten verwendet. Lt Bürgereinkaufsbrief
von 1614 für BSigr. gelobt der Statthalter dem Neu-
bürger, dass er an allen Rechtsamen, so auch am R.
[als Sold] Teil haben solle. ,Ein iedwedere Gemeind
soll ihr R. an Barschaft zusammen legen und selbiges
verputschirt ihren Obervögten gewahrsamblich hinder-
legen, damit ein jede Gemeind je und allwegen in dem
fürbrechenden Notfall das Gelt bei Händen habe.'
1637, ScH Ratsprot. ,20 Pfd Buess, darvon der Halb-
teil den Herren und Oberen, der ander den Landlüten
in ihr R.-Gelt [in die Reisgeld-Kasse fallen soll].'
1645, BSi. ,Das von Teils Empteren bezahlte R., so
[von der aufrührerischen LLandschaft] wider hinus
[zurück] gefordert, betreffend, diewyl ein lobl. Statt
Luzern vor 6 Jahren in das Turgeuw usgezogen, ein
grossen Kosten gehabt, so lassend wir es darby be-
wenden.' 1653, SoHiEDSPR. (Absch.). Vgl. Angster-,
Fronfasten-, Blappliart-G. In den Städten B u. Z das
Geld, welches die Zunftgescllschaften zur Besoldung
ihrer Auszüger in Kriegszeiten zszulegen und vorrätig
zu halten hatten; sie forderten daher schon beim Ein-
tritt neuer Stubengesellen in B von denselben neben
andern Gebühren unter diesem Titel eine bestimmte
Summe. Für die Gesellschaft der B Kaufleute schon
vor Mitte des XIV. bezeugt. Lt Beisgeldbuch von 1665
hatte die B Schiffleutenzunft z. B. 321 Sonnenkronen
als R. bereit zu halten. Als 1822 die Vorsteher der
Zunft zur Waag ihre Laden durchforschten, da fimden
sie cv tiirhtlrir SarJ: Jt.: f/ds Wm-t i.-it :iiiuiili-'- rrr-
fhih/orl <ln,r,r.hn„lr\ MTmh:! l^'M. Sni. ll. r-- K.,<tn,.
In US Je
und
Selbstverküstiguug beruhte, s. Seg. KG. '2, 315/32.J. 3, 84/7.
Ris-: Einsatz beim Kegeln. 1734 wird den Orts-
behörden vom ZGrün. Landvogt eingeschärft, die R.
zu besehen und zu zählen, damit man wissen möge,
wie hoch gespielt worden. — Ki«, Einsatz im Spiele, die
Kegelbahn, die 9 Kegel, auch: das Kartenspiel. "Vgl. Ker/d-G.
Ross-: Entschädigung des Pfarrers von GHenau-
NGlatt für die sonntägliche Pferderaiete, da er den
Weg zwischen beiden Kirchen zu Pferde zurücklegte. f
Rat-: Taggeld der Mitglieder des Kleinen, resp..
als Rat- und Burger-G., der Glieder des Grossen
Z Rates; 1.546 aus den Gütern des Obmannamtes im
Betrage von 5 ß dekretiert. ,Das grosse Almosen,
welches gestrigen Morgens gefallen, da es nicht genug
gewesen mit 5, mit 20, sonder auch gar 25 Pistolen,
die Armen zu beschenken, ja die völligen Rät- und
Burgergeiter, die man das ganze Jahr durch empfan-
gen, herein zu legen.' AKlinhl. 1688.
Die Ausgaben hiefür, sowie noch gewisse Naturalleistungen
oder deren Geld-.itiuivalent (Sihlholz, Kernen, Wein) betrugen
a. 1700 ca 5200 Pfd.
Ratte"-: zur Zeit des Bauernkrieges (1653) spottw.
entstellt aus Tj-nitew-ff. Ygh Krotten-G. — Retour-:
von auswärtigen Fürsten an Schweiz. Offiziere bei
ihrem Dienstaustritt bezahlte Entschädigung. 1755,
Absch.
Reit-: der zur bestimmten Zeit an Bergheamte
und Bergleute auszubezahlende Lohn. 1590 klagt der
Bergrichter in Grü., dass ihm ,die gewerk das r.'
schuldig geblieben seien. — Unten, rechnen, also eig.
,Abrechnungsgcld'.
Schiff-Reiti-: jährliche, per Schiff oder Floss,
das die Aare passierte, berechnete Abgabe der Meister
des B Schitfhandwerks an die Zunft der B Schiffleute.
B Taschcnb. 1874. — Schiff-lieiti, Schiffswerfto.
Rit-: Reit-, Eoss-Lohn, Reitersold. ,Den rytenden
burgern, so um zyt [als gerade Krieg herrschte] umb
r. ritten.' 1446, Bs Rechn. ,Das usgeben des r-es an
den alten Grossweibel.' 1491, S Wochenbl. ,Es solle
dem Stadtschreiber [bei Auskündungen und Schuld-
verweisungen] wegen der Collocation für R., Rechen-
gelt ein Quart pro cento neben Futter und 'SUM
bezahlt werden.' 1683, Bs Eq. II, 215. ,Anbetretfend
die Kosten bei der Anwesenheit des Landshaubtmanns
lassen es unsere Herren und Oberen bei dem gewohn-
lichen R. der zwei Dublonen verbleiben.' 175G, SonwMa.
— Riet-: 1. für den Weidgang auf den zum Allmend-
gut gerechneten Riedern zu entrichtende Abgabe. .In
der Riedatzung sollen die Beisäss fürderhin vor den
Frembden und mit billichem Riet-Gelt betrachtet [be-
rücksichtigt] werden.' 1698, Ztscur. f. Schwz. R. 10, 146.
Vgl. Albnend-G. u. a. — 2. der Schützengesellschaft
Galt, gelt, gilt, golt, gult
264
aus der Schwyzer Bezirkskasse verabreichte Gabe von
300 fl. als Ersatz für das ihnen früher geschenkte,
dann wieder entzogene .Schützenried' Schw.
Eutten-Geld: = Bruch-G. (s. d.). ,Zu dem Ende
disere Dörfer des Schadens [die Bergstrassen zu unter-
halten] cinkonimen, ist angesehen worden ein Weg-
geld, welches sie auch E. nennen, a rumpendo, von
Brechung des Schnees, und von denen Reisenden an-
statt eines Zolls fordern können. Bei Einneraraung
dises K-s müssen sie sich verpflichten, die Wege oifen
zu behalten, alles Schadhafte zu verbessern, ja auch
den von ihrer Versaumnuss her entstandenen Schaden
zu ersetzen.' JJSchedchz. 170G.
Tgl. it. ruHura, von jedem Pferd der Gemeinde Airolo
für den Schneebruoh auf der Südseite der Gottliardstrasse
bezalilte Abgabe.
Eüt-: taxraässig nach , Kuhessen' bestimmter Bei-
trag der Alpgenossen an das ,Reuten' auf den Alpen.
1576 im LB. von U neben aoin Syii. ,Scb\vend-G.' —
Se-: im XVI. in L für KlMi^s,,,-\Vrin. ,lrr ulier den
Vw-See ausgeführt wurde, au Jrn ( ibur.sDiuer bezahlte
Abgabe (Weinzoll), die dieser dann an den ümgeld-
seckel ablieferte. S. Seg. RG. 3, 2, 39/41.
Sei-: für Benutzung eines Kührecbts auf der All-
mende der Stadt Bern von den , Kühern' bezahlte Ein-
schreibegebühr. S. Messmer 1880, 40. - Sei, Allniend-
recht.
Sau- u. Stiere"-: 1. hiessen bei den Pflichtigen
der Herrschaft ZGrün. im XIX. die Vogtsteuer und
das Vogtrecht, weil sie die Entrichtung dieser Ab-
gaben als eine Gegenleistung ihrerseits für die dem
Vogt obliegende Haltung eines Zuchtstiers und Zucht-
ebers ansahen. — 2. wie Heiden-G., in abstr. ver-
stärkendem S. Z (auch Sau-). — Sigel-: ehemals
Gebühr für das Siegeln von Urkunden. Im Bauern-
krieg war die Ermässigung des S-es ein Begehren der
anfständiseben Bs Fnrnburger. — Säckli-: in den
Kir.li.'iib.ut.l -vl.-t.'s Almo.sen Z. ,Das Seckligelt
S..11 ,1,11 llau.ar ii .licnen.' 1684, ZEglisau. Vgl.
aucli DWvss IT'.'Ü, .Ji-L 396. S. noch Plättli-G. und
Säekli-Guet. — Soldaten-: Er.satzsteuer für Wacht-
und Kriegsdienst, vormals in Bs zur Besoldung und
Beköstigung der Bürger, die mit dem ,Leibe dienten',
.„l,T v,,n S,,l,biorn verwendet. Im XVII. u. XVUI.
war 'la^ ,,li,i!,n mit dem Gelde' so allgemein geworden,
duNS ,!!,■ Ms /inifte das S.-G. mit dem „Heiz- und
\\a,Ii^-i i. |,,i i,Hlisi-li iMn/,,u','n und in eigenen , S.-G. -
l.',,,l,'lir l,n,ht,ii. hi,' s,it ItlL'T auch vom Landvolk
zuiiachst zum liiti'rlialt ihr, t in die Stadt geschickten
„Zusätzer" geforderte Steuer bildete einen Hauptbe-
schwerdepunkt im Bauernkriege von 1653 und wurde
dann abgeschafi't, in der Stadt von den Bürgern aber
noch ferner bezogen. Vgl. J?m-ff. — Sünden-: wie
Heiden-G. in abstr. verstärkendem S. Z, eig. ein Geld,
wofür es Sund und Schad ist. — Gesang-: aus der
Schulkasse an die Lehrer gezahlte Entschädigung für
die Erteilung der sonntäglichen Gesangstunden Ap.
Sortie- ^ Abfuer-G. ,Fremde und einheimische
Pferdehändler bezahlen von jedem zu Bern gekauften
Pferde, welches sie ausser Landes führen, das Tratten-
oder Sortie-G.' 1744, AbSCIC. — Frz. mrlie, Ausfulir, Export.
An-, In-, Hinder-Sässe"-: Xied-'rlassungs-,
Hintersässengebühr Aa; G; Z. ,W,,r,Mii .in,' li, iiieinde
kein Einzug- oder Hintersässgebl luzii^hrii w,,llte, sieht
das Stift ein solches ebenfalls nach.' 1795, G. ,Alle
in Volksschulen Angestellte sind von dem Ansässen-
geldo, Prohn- und Wachdienst frei.' 183'2, Z Ges. Syn.
An-, Hindersäss; vgl. Schirm-G. — Sessel-: Be-
soldung eines Beisitzers beim Gerichte, Sitzgeld. 1767,
Absch. VII 2. 961. Von den Amtleuten in den B-P-
Vogteien bei Ablegung der Amtsrechnungen an die
Delegierten der Obrigkeit zu zahlende Gebühr. 1749,
Absch. VII 2, 1074.
Sust-: Lagerhausgebühr für durchgehende Waaren
,B; Vw; Soh; Z." Auch häufig in den ä. Ab.sch. Syn.
Gred-, Hof-, Hus-G. u. a. — Susi, Lager-, Waarenhaus.
Sattel-: Gebühr an reitende Boten, cig. Entschä-
digung für Instandhaltung des Sattels. ,Ein ratsbott
soll nit wyter nemen dann syn zerung und s.-gelt und
dem knecht syn ryt^ und rosslon.' 1522, Eoli, Act.
S. noch Beschlächt.
Satz-: 1. Sitzungsgeld, Komuüssionskosten Ar.
In der ä. Lit. = Sessel-G. und mit diesem Ausdruck
wechselnd. Das Gericht des Gotteshauses Pfäffers zu
GSa. habe das bis dahin gebräuchliche S. moderiert.
1670, Absch. VI 1. 1273. ,S., old wie sie 's heissen,
manchem ist kommen teur, so man tat erpressen, un-
g'stüra und ungeheur.' 1710, Toggenb. Biderm. Syn.
Sitz-G. — 2. It Einzugsbriefen aus dem Ende XVII.
in TnWeinf. von Hintersassen alljährlich zu entrich-
tende Gebühr. Syn. Hindersäss-, Hindersitz-G.
1 zu &((2, Beisitzer, „Zusätzer" bes. bei Schiedsgerichten.
Zu 2 vgl. das heute in ThWeinf. veraltete .Einsatztaxe',
Njederlassungsgebühr, und Hlnderealz (s. d.).
Übersatz-: iia,li ,li:-i' Zahl ilor unberechtigt auf-
getriebenen Kühe h,a,',l tr. ludjen der Busse zu
erlegende Strafgebuhr tur ilas .('hersetzen' oder ,Über-
stossen' von Alpen. 1749. Alpr. BEngstlen. — Sitz-:
1. = Sessel-G.; Sitzungsgebühr. ,Niclit ein geringer Ab-
bruch geschieht dem Fischen [dem Predigtamt], wann
jemand in der Geraeind muss beschickt, fürgestellt und
abgemahnet werden und dasselbe nicht geschieht in
gebührender Form: Wann ein Pfarrer solchen Per-
sonen auch abnimmt S. [für die Sittenrichter].' 1624,
J.IBiiEiT. ,Es soll anbei jeder Teil [Prozesspartei]
4 Pfd S. und 2 Pfd auf [d'] Stuben zahlen.' 1778,
ZMcil. Prozess. ,In einer Verordnung (z. T. auch durch
alte Übung) ist auf einem sehr massigen Fuss bestimmt,
was die Ober- und Landvögte bei Entscheidung von
Prozessen den Parteien unter dem Namen des S-es
zur Bezahlung der i l,i iihtsk,isten auferlegen.' DWvss
1796, 71. S. noch Slnhni-d. Spec. Taggeld jedes an
der Landsgemeindc erselüeueuen Bürgers, zunächst
von den daselbst gewählten Landesbeamten zu ent-
richten Gl; Sohw; Ndw bes. im XVH. u. XVHL; vgl.
Blumek, EG. n, 126. 1763 musste Frau Generalin
Reding jedem Landmann It Urteil 1 Thal. S. bezahlen;
aber auch, wer eine Begünstigung von der Landsge-
meinde nachsuchte, musste oft zum Voraus S-er ver-
sprechen; auch der Landrat konnte sie dekretieren.
Vgl. Schinnhuet-G. — 2. = Satz-G. 2. XVH., GSev.
Auch Hinder-Sitz-G. 1694, Z Staatsarch.; Sulger.
— .3. Haus-, Mietzins. 1630, L Stiftsarch. — Schau-:
an die den Marktverkehr beaufsichtigenden, die Realität
der Waaren prüfenden , Schauherren' zu entrichtende
Gebühr. ,Von welliches koufs wegen die verordneten
der schow, über die gewönlichen zöU und schowgelt
10 kr. zue zoll yngezogen betten.' 1579, Zellw., Urk.
265
Galt, gelt, gilt, golt, gult
Ein .Schweing'schau-G.' für ZEglis. im XIX. unter
Jen früher in die Genieindekasse fallenden Einnahmen
genannt. — Sc ha üb-: Ausgabe für Schaub, Stroh
zum Binden der Reben an den Pfahl. 1533, Aiisen.
IV 1 c, 220 unter den Kosten genannt, welche das
Kloster TnFeldb. für Bestellung der Rebgüter habe.
— Schaf-: Geldäquivalent für an Grundherren in
Schafen zu leistende Abgabe. 1281/1300, Gpiid. 5, 14.
\g\. Schaf, Weid-Sch. - Schaff-, resp. Schaft- =
Schaft (s. d.). — Schiffi"g-: in die Kasse der in
SciiwBrunnen vormals bestehenden Gesellschaft der
Schiffleute abgelieferte Einnahme f. S. ScMfßng, Teil.
— Schueh-: Entschädigung an die Auslagen für
Schuhwerk; als Besoldungsposten des ZWthurer Holz-
amtraanns seit 1752 in den Rechnungen aufgeführt.
— Rad-Schueh- s. Pflaster-G. — Schalen-: Ab-
gabe der neu gewählten Sechser an die Bs Safranzunft,
woraus diese dann eine Schale, resp. einen Becher,
herstellen Hess. 1481, Geering. Vgl. Becher-G. -
Schilling-: nach dem Schillingfuss contrahierte
Schuld, so dass auf 1 Pfd ß jährlich 1 ß als Zins zu
entrichten war; so bis 1629. ,Um [baar] gelt und nit
um sch.-g. lösen.' 1585, Ap LB. .Wann ein hindersäss
in unserm land seh. erkaufte oder ererbte, die kernen-
oder schnialzzins meldeten [auf solche lauteten], und
aus dem land züge, soll man ihme ander seh. darumb
erzeigen.' ebd. ,[Der Gläubiger,] so die letzten brief
oder zeddel hat, mag die anderen mit guetschillinggelt
dännen lösen.' ebd. S. JCSchäfer 1810, S. 195; 197.
— Kaufschilling-Gelder: die Quoten des bei Käu-
fen ausbedungenen Kaufpreises. 1753, Bs Rq. II, 292.
- Schanzen-Geld: im XVII./XVUI. Beitrag, Steuer
an die Befestigung der Städte. — Scher-: an den
Scherer auf der Scherstube bezahlte Gebühr. ,Du
musst nicht Junker-Schergelt geben, bist kein Junker.'
1553, HBrLL. Vgl. Bekin-G. — Schürlitz-: Geld-
gabe, von der B Regierung seit 1016 im BO. den
Schützen statt des üblichen Schürlitztuches gespendet.
Vgl. Hosen-G.
Schirm-: Schutzgeld; bes. 1. von den Schirm-
verwandten zu entrichtende Schirm vogteigebühr. ,Nun
hat ein abt [von ScHAllerheiligen] einen bischof von
Constanz zuo schirmherrn über Hallow angenommen,
darum ein bischof bishar syn seh. von des gottshus
armen lüten und güetern yngenommen.' 1521, Absch.
IV 1 a, 132. Burgermeister und Rat der Stadt Bs
haben sich erboten, ,den abt von StBlasien bj synem
dinkgericht zu Riehen von oberkeit wegen [zu] schir-
men und aber von solichen schirmbs wegen das gotts-
hus mit keinem nüwen seh. -gelt [zu] beschweren.'
1548, Bs Bq. 11, 51. Der Schultheiss zu Rheinau habe
daselbst im Namen de,s Abts von G zu richten; von
den Bussen gehören 2 Teile dem Abt, der dritte dem
Landvogt als Seh. 1563, Absch. IV 2, 1026. Der Prälat
von Wettingen sei erbötig, [bei den Rechnungsab-
nahmen] das gewöhnlicheRechnungsgeld zu entrichten,
das man Seh. oder auch anderswie nennen möge. 1618,
Absch. V 2, 1684. — 2. Abgabe, die ein Fremder für
die Erteilung des Landrechts oder ein Einsasse für
das Recht, im Lande zu wohnen, an die Obrigkeit zu
entrichten hatte Z; daher in Einzugbriefen als ,Schutz-
und Schirm-G.' in der gleichen Höhe wie das den
Gemeinden zu entrichtende ,Ansässen-G.' angegeben.
.Der hindersässen halb: wcUer fürohin in unserm land
Wonnen will, der soll erlegen 20 fl. zue eim ynzug-
oder sch.-gelt.' 1572, Obw. ,Die sich beständig hier
aufhalten wollen, sollen ihr Seh. jährlichen abstatten.'
1648, Bs Rq. I, 601. ,Die so usserthalb niyner Herren
Oberkeit Gerichten erboren, [sollen], so bald sy von den
Gemeinden angenommen, der Oberkeit cinich Schutz-
oder Schirm-G. geben.' 1675, Kyb. Grafschaftsr. Um
geduldet zu werden, bezahlten die Kessler ein Sch.-G.
an den Landvogt. 1698, AaB. (Absch. VI 2, '2003). ~-
3. Concessionsgebühr für die Ausübung gewisser Ge-
werbe. .Seh. von der bad.stuben zu ZGrün.' 1554, Z
Staatsarch. ,Ingenommen an seh. 5 ß gab N. N. von
syner wirtscha-ft (tafernen).' 1580, ebd. , Taferen- od.
Sch.-G.' 1668, ZGrün. Amtsr.
Betr. den Charakter eines a. 1471 von der Priesterschaft
der Stadt LSurs. per Kopf zu entrichtenden Sch-es vgl. nncli
bes. Seg., RG. 2, 7:37. S. noch Schirm-Gnlden.
Fabrik-Schirm-: kaufmännische Abgabe von
der inländischen Fabrikation von Garnen, Baumwolle-.
Seide- und Wollenstoffen. ,Gibt ein Bürger Baum-
wollen aus und lasst daraus um den Lohn Garn
spinnen, so soll er nach altem Herkommen keinen
Pfundzoll davon schuldig sein; von dem von hiesigen
Landleuten erkaufenden baumwollenen Garn aber von
jedem fl. 2 hlr Fabrik-Sch.-G. bezahlen.' 1725, Z Zoll-
ordn. — Ürti-Inschuss-: Abgabe beim Eintritt in
eine Corporation (Ürti) für Mitbenutzung der Cor-
porationsgüter. 1833, Ztschr. f. Schwz. R. 10, 126 neben
Lueder (-Taler) als Syn. zur Erklärung gebraucht.
Schatz-, Schätz-: 1. Lösegeld Gefangener. .Von
etlichen gefangenen seh., atz, turnlöse [eingenoinnien|.'
1475/6, Bs Rechn. ,Dass all brantschatzung und schetz-
gelt der gefangnen hin und ab syn und die gefangnen
uf ein zimlich urfech und bescheiden zergelt ledig er-
zeilt [gesprochen] werden sollend.' EnuB. Sehr häufig
in den Absch. — 2. (-a- Ndw, sonst ä, resp. e') Taxe
für die Schätzer „B; L; Sch; G; Z"; bes. bei gericht-
licher Schätzung von Pfändern. Wenn Jmd eine For-
derung an einen Andern hat, so mag er dieselbe am
bestimmten Tag einfordern; kann er die Bezahlung
nicht erlangen, so mag er den Schuldner pfänden;
die Srliatzci- .-..11.11 dann das Pfand bei ihren Eiden
schütz. 11. .1.1" .l.r .\nsprecher seine Forderung sammt
dem S.liat/-( ;. daraus lösen kann. 1.586, Absch. IV '2. 940.
, Welcher zuerst das Schetzgelt legt auf das Under-
pfand, solle das erste Recht [auf dasselbe] haben.'
1693, Schw LB. 112. ,Vom Schatzgoldlegen, Verkün-
den und baar Geld.' 1807, Gi. 1,1!. S 1 ::.-.. Vgl. Schatz-
Batzen, -Schilling. — S.fSchal.-.'drliln liiihs.lies Silber-
stück als Patengeschenk Scn; Geld in dir .''^|>arkasse Ar.
— 1 u. 2 von schätzen, resp. schätzen^ 'i von Schatz.
Schatzungs-: = Erb-G., soweit es von den
Schätzern festgestellt werden musste. ,Dass alle Erbs-
oder Sch.-Gelter in den [festgesetzten] Terminen von
denen, welche dergleichen Gelter zu fordern haben,
eingezogen werden sollen.' 1753, Bs Rq. II 293; vgl.
noch ebd. II 187. 377. — Schützen-: von der Obrig-
keit verabreichte Schützengabe. 1541 wird in ZGrün.
Einer gebusst, als er ,vom sch.-gelt genommen.' Die
Schützen des Amtes Muri, die bis dahin kein Sch.
bekommen, suchen bei der Tagsatzung um ein solches
nach. 1733, Absch. VII 1, 964. Syn. Hnsen-G. u. a.
— Entschlach-, auch Entschlag-: Gebühr für
die Aufhebung eines Arrestes. ,Wäre sach, dass der,
so also verbotten war, des gerichts nit erwarten
möchte, und mit dem kläger überkäme, git er dann
Galt, gelt, gilt, golt, gult
das entslach-t in den stock, die mag der amtmann von
im nemmen und im das verbott entslachen.' c. 1520.
Bs Eq. II, 475/6. — Schlag-Gelt = Schlag-Schatg.
1604, Absch. V 1, 1922. — Inschlag(-ings)-: Gebühr
für die Erlaiihniss. ein Stück AUmend oder zehnt-
pflichtitres T.aii^l .'■iii7iisfhlagcn' (zu umhegen). .Wegen
dem Eins' liliiL; I i. viiiden die Herren Deputierte auf
die Zeliii'l' ii\ ■ ! li' iiuMu mit dem Pfarrer reden, dass er
von denen liiii^clilancren, die ihre gemachte Einschlag
nit angeblürat, das Geld einzühen mochte.' 1780, L
Stiftsprot. — Beschlag- s. Beschlächt.
Schliss-: von den Eltern bei der Erbteilung
ausbedungene lebenslängliche Nutzniessung. Die hei-
ratenden Söhne und Töchter abtretender Eltern müssen
sich verpflichten, denselben ,fall und rat zo tuen an
spys und trank', sowie ein jährliches Sch.-G. zu be-
zahlen. 1565, Hagenb., Sigr. 55/6. S. ScMissguet. --
SMus-, zu schlissen, verzehren, aufhrniichen.
Schliess-: dem , Schlips-, ,,•■ v.in den Gefangenen
zu bezahlende Gebühr. .|i''i Ti^il-i-s .soll, so sich
einer versäumt, das Gewehr iMiisrhliessen und das
Schliessgelt, so ihm bestimmt, vom Wuchengelt ze
fordern haben.' JHLav. 1659.
Schlitz-: Taschengeld GSev. - SchUH, Sack (in
Kleidern).
Schmuel-: Schweigegeld, das ein bei einem un-
redlichen Kaufe anwesender Dritter erhält Sch.
Jüdisch-deutsch: v-l. mi- r s.h„nv, Betrug, nhd. .Schnui',
Gewinn, ,Schninf'l\ ll:iii'l. I. mhl s.limiis-G.
Schmerze"-: ycriihtli.h gesprochene, gesetzliche
Entschädigung bei Körperverletzungen , neben den
spec. noch zu berechnenden Arztkosten, allg.
G«schmürz-: schlechte Scheidemünze S. Bettler
zum Almosenspender: Dan!: Ji,-i,irf |ilir], aber lueget,
das ist G., so 'ne fnlsclir W.ilhsh,!! :,:■', h'heit e [he-
h<et ihn] litber selber. 8i iiili.. (..../»müi-j, dass., .auch
zsgelesene Reste, Abfalle.
Schmüs(s), Schmaus-: Trinkgeld, das ein Unter-
händler und Vermittler bei einem Kaufe als Lohn
seiner Überredungskünste von den Contrahenten er-
hält B; Tu. B' Avekate' mached om e Schmausgeld
mit irem guete" Redhüs us schwarz iciss Tu (Schwzd.).
Zu jüdisch-deutsch ,Schmus', Gerede eines Unterhändlers;
hebr. schmüäth (gespr. schmuoss), PI. zu echmüäh, Erzählung:
vgl. Schmvd-G.
Schnitz-: auf die Bürger verlegte Gemeindesteuer.
XVII., GSev. — Schnitz, Steuer, zu schnitzen, schneiden, zu-
teilen.
Schwin-: Geldäquivalent für als Grundzins ge-
lieferte Schweine. 1281/1300, Gfrd. 1533, Euli, Act.
1509, Hotz, ürk. Vgl. Hueb-Schicin; Schwin- Pfenning ;
Schaf-Geld.
Schwend-: = Rüt-G. Vürte. ,Von einer Kue-
schweri 3 ß Sch., welche man sammt dem Alpzins dem
Alpvogt bezahlen soll und soll der .Alpvogt solches
Sch. in den Küealpen lassen verwerchen.' 1616, Obw
Allmendordn. ,Denen Frembden ist zuegelassen wor-
den, die ererbte Alp zu besetzen, doch dass sie jähr-
lich hierumb aukchren, ihr Sch. und andere Kosten
abtragen und ablegen.' c. 1670, Talb. UwE. Syn.
Schivend-Batzen. — S. Kue''-Esscn Bd I 52G, Lueder.
Schwirren-: Gebühr auf Viehmärkten für das
Anbinden des Viehs an Pfählen. 1559 bescliwert sich
die Landschaft Bollenz, dass die von Beilenz von
ihnen, wenn sie auf den Markt kommen, von jedem
Boss 1 Btzn Schw. fordern, auch wenn Einer das Ross
nicht anbinde. Absch. IV 2, 1'299. — Schwirren, Pfahl.
Schwer-: auf verbotene Flüche und Schwüre ge-
setzte Busse. ,Vom swergelt . . . pfd.' 1361/2, Bs Jahr-
rechn. - Spech-: Lohn für Späher- und Fahndungs-
dienste. 1599, Absch. V 1, 1612. — Spil-: Einsatz,
Gewinn oder Verlust im Spiele; spec. Spielschuld.
1531 erklären Ammann und Rat, dass keine fahrende
Habe länger als 1 Jahr auf Borg gegeben werden
möge, ,dann ein Rat will nüt darrait zue schaffln han,
als wenig als mit spilgelt [Spielschulden waren nicht
durch's Recht geschützt].' 1409, Ap LB. 97. - Spend-:
Geld aus dem Spendgute (s. d.). Spec. = Mütschen-G.
(s. d.). — Spis-: Geldentschädigung für Verköstigung.
an Hirten. ,Sy sölltend ouch nach anzal [im Verhält-
niss zu der Zahl des aufgetriebenen Viehs] das sp.
gen.' 1538, GRJcnatz. Vgl.: ,Wie die umsessen enhalb
der Fürna vor etlicher zyt [vormals] spys und Ion den
hirten in das dorf Jenatz geben bettend und darnach
etlich zyt das gelt für die spysung.' ebd. — Für-
sprechen-: Gerichtsgebühr. Wer in einem Streit-
handel als Beteiligter erschien, musste einen ,Behemsch
F.' bezahlen. 1544, Z Proz. -Akten. S. noch Fürsprech.
— Spritz- (-M-): dem Messmer von L Willisau für
seine Verpflichtung, in den Häusern der Gemeinde
Weihwasser zu spritzen, seit 1645 von jeder Haus-
haltung zukommende Entschädigung von 1—5 ß, die
1879 abgelöst wurde. Vgl. noch Spritz-Brot. —
Stuben-: 1. vormals Beitrag der Zunft- und Stuben-
gesellen in die Zunftkasse, eig. für die Benutzung der
,Stube' Bs; B. Syn. St.-Zins. Vgl. Stubenhitz. —
2. = Sitz-G. für die Mitglieder des Rates oder einer
andern Behörde. Savoyen bezahlte im XVII. ein
.Ehren-, Sitz- oder St.-Geld' infolge seines Bündnisses
mit den 6 katholischen Orten. Vgl. Seg., RG. 3, 78/9.
Wer sich in L um das Bürgerrecht bewarb, entrichtete
ein Sitz- oder St.-Geld von 1 Thlr bis 1 Duk. auf
jeden Rat und Hundert, ebd., 113. Die während der
Sitzungen der Syndikatskammer zu Frauenfeld und
Baden fallenden Sessel- und St.-Gelder wurden tw.
auch an die Gerichtsdiener und Überreiter, welche die
Standesfarbe trugen, verteilt. Vgl. Absch. VII 2, 562.
756. 808. 811/2. S. noch Stube i. S. v. Rats-. Ge-
richtsstube.
Stauf-: vormals Spende eines neu eintretenden
Chorherren an die übrigen, damit sie sich täglich auf
das Zeichen der Spendglocke (je nach ihrem Rang)
7= — 2 Becher Wein geben lassen konnten. 1532 wird
vom Z Chorherrenstift geklagt, dass kein St. mehr
,gfalle'. Egli, Act. 888.
Vgl.: ,Statutuni'st, ut quicumque in ante,i de novo acci-
pitur in canonicum ecclesie nostre per servizio nünistret nobis
prasposito et canonicis urnam vini optimi quo[d] Thuregi
vendltur prteter viuum terre.' 1259, Z Staatsarch. S. noch
Stau/-Win.
Stock-: in den .Stock' fallendes Geld, so in den
üpferstock als Almosen. 1660, L Kirchenrechn.; oder
in den Stock der Tuchschau oder den Zollstock. ,St.
und andere des g'werbs nutzungen.' Vad. III, 432. —
Stuck-: = Güggel-G., weil dieses nach den Portionen
(.Stucken') des Kirchenzehntens berechnet wurde. Vgl.
Mei., Wetz. 401. 403. In Rücksicht auf die bedrängten
Zeitumstände fallen das Zehndenstroh, Zehndenehr-
schatz und das Stuckegeld ganz weg. Z Verordn. 1799.
Galt, gelt, gilt, golt, gult
,1t Pfd Stück-G.' als Teil des Zehntens auch bei
Diener, OGl. 337. — Stall-: Abgabe für Benutzung
eines Stalls. Die Gastwirte zu ZEglis. dürfen den
Salzfulirleuten kein St. abfordern, wenn sie Wein und
Brod geniessen. 1695, Wild, I 208. — Instell-:
Lagerhausgebühr. 177.5, Absoh. VII 2, 421. Spec. eine
zur Besoldung der Kornhausbeamten verwendete Ma-
gazingebühr, welche diejenigen bezahlten, die ihre
nicht verkauften Früchte auf einen künftigen Markt-
tag hin im Z Kornhaus unterbrachten. Z Mem. 1801, 31.
Auch Unter stell-G., für Waaren, die im Schloss
Grynau untergebracht wurden. 1800, Schw Staatsverm.
91. 97. Vgl. Uüs-G. — Stuel-: wohl eine Gerichts-
gebühr. Vom Bischof von Bs abgeschafft. 1525, Absch.
IV 1 a, 660. Vgl. Sessel-G., Stuelsässe. — Stumpe"-:
= Hoslatz-G. Z. — Stand-: 1. Platzgeld, bes. Ab-
gabe für die Marktbude während der Markt- und Mess-
zeit; Bohlen-, Buden-Geld. Die Rorschacher bitten,
dass ihnen der Abt das ,Zölli und Standgeldli' [von
ihrem Markt] vergönne. 1529, Absch. IV 1 b, 458.
Eine ,Lista des St-s od. Ladenzinses' s. 1550, SchwE.
Klosterarch. 1 B, 18. ,Man mag die brüginen [Zu-
schauerbühnen] etlichen bürgeren um ein zimlich st.
übergeben.' 1597, L Buhnenrodel. In AAKadelb. wurde
es vom Jägermeister bezogen. 1671, Bbaüchb. (Arg. 4,
127. 139). S. noch Kegel-G. u. Absch. IV 2, 1095. 1112.
Für Vieh auf Viehmärkten Z; vgl. Z ßechtspfl. 6, 381.
— 2. Abgabe vom Viehauftrieb auf die Alp. ,Der
Auflag, fct, Schwendgebühr sind zu bezahlen, bevor
abgetrieben wird.' 1883, Scuw. ,I)er Viehauflag ist
auf Fr. 15 per Kühesset festgesetzt, ohne St. und
Schwenttagwerk.' ebd. Vgl. Allmend-, Vich-G. —
3. Gerichtsgebühr; neben dem Bott- und Urteilgeld.
1693, Bs Rq. I, 634. Vgl. Bl-, Vor-Stand (vor Gericht).
— Standgelter m.: obrigkeitliche Person, welche
das Standgeld (1) bezog ScuSt. — Anstand-: = An-
stand. Stutz 1850, S. 51. — Instand(s)-: 1. Auf-
nahmegebühr beim Eintritt in eine Genossenschaft.
SuLGER. S. Instand. — 2. = Instell-G. 1732, Absch.
Vn 1, 401. — ,Stündigungs-, (das) ist ein Opfer,
das man bringt neben Kapital und Zins, damit man
Einem mit Kapital oder Zins noch länger warte.' Gotth.
— Stiere»-: 1. s. Sau-G. ~ 2. auf das Stück Vieh
berechneter Beitrag der Viehzüchter einer Genossen-
schaft an die Haltung eines Zuchtstieres B OAa. ;
GKapp.; Z. — Stür-: Steuer. Als Grundzins von
einer Hube in ZSchwam. 1509, Hotz, Urk. S. noch
Hilf-G. — Staats-: Pension für einzelne einfluss-
reiche Staatsmänner, pension particuliere oder p. par
etat; im XVI. auch einfach , Staat'. Schw u. U be-
klagen sich über die Übelstände, welche die Verteilung
der ,Staad-Gelder' durch die vom Ambassador von
Frankreich bestellten Distributeurs mit sich bringe.
1764, Absch. — Hofstatt-: Hofstattzins; Abgabe für
die auf unfreiem Boden erstellten WohngebäuJe. ,Es
sind unser hüser und hofstatten mit Zinsen und h-gelt
beladen.' 1525, Absch. ,Die seit dem J. 1750 neu auf-
erlegten H-er, wofern diese Hofstatten nicht auf des
Gottshauses Grund und Boden stehen, sollen erlassen
sein.' 1797, G. Syn. H.-Pfenning, Bauch-Geld. S. auch
Wild 1883, I 264, und Zimmer-Stür.
Statuten-: 1. durch die Statuten festgesetzte
Eintrittsgebühr eines Chorherren. 1532, Egli, Act.
S. Kappen-, Stauf-G. — 2. von den Mitgliedern geist-
licher Capitel für die Verabfolgung der gedruckten
Statuten zu entrichtende Gebühr L.
Zu 1 vgl. : .PriBterea receptus ia caDouicuin inlra mensem
dare (lobet marcam argenti ad festiim corporis Christi.' 1346,
Z Stiftsstiituteu.
Stätte-: Platzgeld. ,»Stettgeld: Wir haben gesetzt,
dass hinfür alle, die des richs Strasse brüchend, si
standen in den gassen ald vor den hüsern oder haben
feil uf den laden, usgenommen in den gädmern, die
sollen das geld von den stetten der stadt geben.' 1441,
ScH Stdtb. Vgl. Stand-G. — Strau-: Geldäquivalent
für ursprüngli«!! (in Z OGl. bis 1784) in natura ab-
gelift.i ir> stinli. Die GHaagcr müssen in das Schloss
Sax Im .Iru /,, iiiitcM 12 ß Str. entrichten. CTomann
1741. .:. nu .'<tr. [als Zehnt].' 1817, Diener, OGL
Vgl. : ,Zu GFrümsen gehört der Zehenden dem Pfahrer,
jedoch muss er das ausgetröschte Strau dem jeweiligen
Landvogt überlassen.' CTomänn 1741. S. noch Heu-G.
— Bestrich-: Trinkgeld für das Bestreichen von
Bettzeug mit einer Wachslösung. .Gleicherweise ist
eine nüwe gewonheit [um Geld zu erbetteln] hie uf-
gestanden von dienstmägden, jungen und alten, wenn
die bestrichent, so fallen sie erber lüte an und fordern
an die [dieselben] b-gelt.' Bs im XIV.
„Täub-. Täup-: V.-rlinri;vbühr, Gebühr an eine
Comniissiuii tili- die Uiitrrsiiehuiin' fines Rechtshandels
vor der endi^ültigen, richterlii-lien Entscheidung LE."
— Mhd. luulmi, töuhai, dämpfen, Ijeschwichtigen (einen Streit).
Lichentuech-: Geschenk an den Stuben wirt und
dessen Magd, welche das bei Leichenbegängnissen der
Zunftgenossen der Kaufleute und deren Angeliiirit,'!'!!
gebräuchliche, über den Sarg geschlagene Balirtiich
in Verwahrung hatten; so bis 1838. B Taschenb. —
Auch iu Bs waren Bahrtücher Zunfteigentuni.
Brüttafel-Gelder: Hochzeitsgeschenke, welche
die jungen Eheleute von ihren Verwandten und Be-
kannten erhielten. ZWtlniv It Tkoi,!, IVM.'io. - Ta-
fernen-Geld: Abgabe .I.t Srhrnknirtr für das Recht,
ein Wirtshausschild (,'l'alenn-i zu fuhren und Wein
zu schenken (.Tafernen-Keclit). .Se i^elu'iit die 5 hüser
zue den kleinen bedren alle jar .". fi tatiTeii^r,.lt/ 1490
Urb. AABaden. 1525 wünschen die Ziirüiiinger, .kein
umgelt mc von dem wyn noch täfergelt zue geben.-
,Was einem jeden für wyn an synen reben wachst,
den solle ein jeder ono einich täferg. bim zapfen zu
verschenken macht haben.' 1.577, Z Mand. Der Wirt
beim Weissen Kreuz in AABaden soll kein Umgeld,
wohl aber das jährlich ihm auferlegte T. von 6 Pfd
den Obrigkeiten zu geben haben. 1642, Absch. Die
4 Gastwirte von ZEglis. sollen in ihren Tavernen ge-
schützt werden und dafür jährlich 4 Pfd Tafären-G.
ins Schloss zahlen. 1695, Wild. Da die vom Ohmgeld
Befreiten sich auch vom T. befreit glauben, so wird
der Landvogt beauftragt, das T. nach dem Project
von 1738 zu beziehen. 1740, AaB. (Absch.). S. noch
Zapfen-G. — Tag-: wie nhd. ,Bei Werbungen soll
jedes reufällige Landeskind das Hand- und T.-Geld
zurückzahlen und dann frei sein.' 1797, G. — Teil-:
das in Folge von Bündnissen oder Capitulationen mit
auswärtigen Fürsten den Orten zufliessende und von
diesen unter die einzelnen Landleute , verteilte' Geld.
1567, aLB. Ndw. ,Des T. halber ist geornet, dass
weder Landaramann noch Statthalter bei ihren Eiden
einlebe Umbfrag halten noch scheiden sollen, dass
271
Galt, gelt, gilt. golt. gult
272
man solches austeilen solle.' 1625, Gfrd. S. noch
Teil-Krone. — Urteil-Geld: Gerichtsgebühr für die
Fällung und schriftliche Ausfertigung eines Urteils.
1538, Absch. ,Urtel-Gelt an den Ordinari-Gerichten.
In der mindern Stadt wird das ganze U. zwischen
dem Schultheissen, den anwesenden Kichteren und
dem Stadtschreiber zu gleichen Teilen verteilt.' 1722,
Kq. — Denier-: eine zu 3 Pfenn. per Pfd ihrer
in franz. Diensten
II Invalidenfond zu
- Ding-: Angeld
lem neuen Meister
Th; Z. Verhüch-
Löhnung berechnete Abgabe der
stehenden Söldner, um daraus ein
gründen. (Absch.). S. Beckin-G.
der Dienstboten, wenn sie bei e
in Dienst getreten sind ,Ai'; G;
deutscht: ,Aufding-G.' Eohnkr 1867. Syn. Haft-G.,
Dinfi-Pfenninff. — Verding-: Bezahlung für die bei
frnihlrn l,riit.>ii untergebrachten Waisen (sog. Ver-
diim-KiiMln 1, .Pas järlich usleggend [auszulegende]
v-yrlt- iiiM.liir .alles zusammen geschüttet' hinreichen,
die Waisen zu versorgen. 1635, Spyri, Waisenh. —
Dienst-: 1. Sold für Kriegsdienste; sehr häufig in
den ä. Absch. S. Gnad-G. u. a. — 2. bei Geldanleihen
an den Darleiher bezahlte Provision. ,Dass etliche
ihr Gelt hinweg leihen vergebenlich [ohne Zins], aber
dargegen mues der Entlehner ihnen etwan ein grosse
Waar und ganz in einem geringen Wert zuestellen
oder ein merklich D. darzue geben, darinn sie ihre
Hauptsummen und ein grossen Geniess wol doppelt
und mehr haben.' 1590; 1637, Bs Eq. — Doppel-:
Einsatzgeld für Schüsse in Gewinnscheiben Uw; s.
Doppel. — Dar-: Darlehen. Der Bericht über den
Befund des Reiskastens der B Pfisternzunft von 1555
bemerkt zu 2 Posten: , Wider ist in einem dargelt
5 pfd 8 ß 8 d.' — Tor-: Gebühr, welche vormals
dem Torwart an den Stadttoren nach Torschluss zu
entrichten war. Vgl. Si'hild 1885, S. 43. Syn. T.-Batzen.
Tisch-: 1. = Kost-G. allg. In Kechtsq. häufig
unter den Anspraclien o-.'iiaiint. welche in Concursen
den gemeinen Funlmiimvii \ ..rtjehen. ,T. von tisch-
gängern, die eiinji Ihi llini,- zue tisch hätte.' 1588,
L Stadtr. Eine Tucliler geht in ein Kloster und wird
mit 2500 fl. ausgesteuert, von welchen 500 fl. für T.
und andere Kosten. 1723, Absch. S. noch Briich-G.
— 2. ,Tischli-G.', der B Gesellschaft der Kaufleute von
der Obrigkeit je am Ostermontag für Tafelfreuden seit
1607 gespendete Gabe. B Tasch. 186'2, 115. — tisch-
gelte": ausserhalb des elterlichen Hauses Kost neh-
men. Schweizerb. 1824, 338. — ver-tischgelte" =
verkostgelten, allg.
Toten-: = Haupt-, resp. Gewand-Fall. XVIU.,
JCPäsv, Th.
Traktaments-: =Annahm-G. B Taschenb. 186'2.
89. — Tmktument, Gasteroi, Schmaus, hier spec. bei der Auf-
nahme eines Zunftgenossen.
Trüll-: eine von fremden Fürsten verabfolgte
Geldleistung, um für den Militärdienst taugliche Leute
einexercieren zu lassen. 1647 wird beschlossen, der
Pensionen und des T-s müssig zu gehen. Schw Staats-
verm. — Trank-: Trinkgeld. ,Die Wärter sollen
von Niemandem weder wenig noch viel als Tr.-Geld
fordern.' 1793, Unsichtb. Auch 1758, KLSchuster, 26,
und in den Rechnungen des Z Spit. noch Anf. XIX.
Trink-, bezw. Trlch-, Trech-, in ZO.f Trinke"-:
wie nhd. In einem Kaufbriefe behält sich die Ver-
käuferin über den bedungenen Kaufpreis hinaus ,4 stäb
von guetem Ionischem [lündisch] tuech umb myn tr.'
vor. 1533, BLaupen. Ähnlich werden in einem Kauf
um eine Mühle 10 Pfd ,ze drinkgeld' festgesetzt. 1566,
H.\genb., Sigr. Werkführer: ,Es scheint mir, jener
Pfahl stehe nicht aufrecht.' Arbeiter: Es ist wahr,
er haldet bireits geg-em Tr. Z. Wenn man dem Boten,
der ein Kätzlein zum Geschenk überbringt, kein Tr.
gibt, stirbt das Tierlein Z. Verächtlich: Es ist (nif) es
Tr., eine geringe Summe Z. Syn. Trink-l'fenning.
Eig. ,Geliigabe zum Vertrinken', statt des früher z. B. den
Zinsleuten gebotenen Mahles oder Trunkes gereicht. Vgl. ;
,Eiu jeder hab dann vor [zuvor] den weibeln geben 5 ß ze
vertiiuken.' 1493, S Ratsman. Der Vogt von Grandson wird
IjeschuUligt, er habe sich ungewöhnlich viel ,fUr den wyn'
zugehalten. 1533, Absch. Vgl. noch Wm-Kanf.
Hochsig-: Gabe der Hochzeitsgäste nach dem
Mahle. 1824, Z.
Tratten-: = ^6/'Mer-(?. „Tratte-G., Auflage auf die
Ausfuhr B; S." ,Was das Tr.-Geld betrifft, war solches
das, was man anderswo droit de sortie [s. Sortie-G.]
oder Ausfuhrrecht betitelt, da die Fremden, wenn sie
in dem Bern-Gebiet sonderlich Pferde, Hörn- und an-
ders Vieh gekauft, einen gewissen Pfenning wegen
des Abzugs erlegen müssen.' JLauff., Schwz.-Gesch.
Luzern zeigt an. dass es, ähnlich wie B, ein Tr. auf
das fürkaufsweise aus der Eidgenossenschaft gehende
Vieh gelegt habe. 1618, Abscb. Uri beklagt sich, dass
seinen Landleuten, welche im Gebiete von B Vieh
kaufen, ein neuer Zoll oder ein Trattgeld abgefordert
werde. Die Gesandtschaft Berns behauptet aber, dass
derselbe schon bei 80 Jahren bestehe. 1620, ebd.
It. iratta, Abgabe. Vgl.: , Getreide und Salz sollten ohne
Tratta, Gabella, Verehrungen nnd andere Bezahlungen die
freie Durchfuhr haben.' 1552, Vertrag mit Mailand. Vgl.
noch frz. traitc
Trett-: Abgabe eines Unberechtigten für die Be-
nutzung der Geraeindetriften; daher in Einzugsbriefen
als ein Teil der Einzugsgebühren aufgeführt. XVII.,
TnWeinf.
Trett, gew. Tmtt, Genieindetrift; Kecht, sie zu nutzen.
Vgl. der fremde Einzügling .soll von jedem Haubt Viech, so
er auf der Gemeind Träft laufen lasst, jährlich 2 fl. ze geben
pflichtig syn.' 1693, Z Staatsarch.
Traverse-: Durchgangszoll. Die Gesandten Berns
wollen dahin wirken, dass jedem Freiburger gestattet
sei, des Jahrs 6 Fass fremden Weins ohne Tr. durch-
zuführen. 1642, Absch. — Zu frz. travfi-scr, hindurchgehen.
Weibel-: Weibelgebühr; vgl. Bott-G. 1797, G,
neben den , Ammann-Geldern' (s.d.) genannt. — Wach-
s. Wacht-G. — Wuchen-: in Wochenraten bezahlte
Steuer oder Löhnung. Gegs. Jär-G. Spec. wöchent-
licher Sold der im Felde stehenden , Knechte'. 1633,
Gfkd.; 1668, eidg. Defensionale. Wöchentliche Besol-
dung des Lehrers. 1733, Schulordn. Ai'Heid. Wochen-
betrag einer Steuer, z. B. des Umgelds (s. d.). —
Wachs-: fron fastenlich entrichtete Bruderschaftsge-
bühr, woraus die Kerzenmeister die h. Kerzen be-
schaffen mussten. S. Geering S. 96 ff. Vgl. Kerzen-
Guldin, -Geld; Wachs-Groschen. Geldäquivalent für
Wachszinse der G Gotteshausleute. 1797 als ablösbar
erklärt. — Wechsel-: Wechsel-Forderung, -Schuld.
Die Zunft der Tuchleute zu Lauis beansprucht das
Recht, zu entscheiden ,in allen stössen und spänen,
es syge im ansprechen und versprechen von wegen
lidlons, kostens, Schadens, zinses, bürgschaften und
273
Galt, gelt, gilt. golt. gult
weehselgelts.' 1505. Ansiii. — Wacht-, Wach-: von
den Zunftgenosseu, welche nicht persönlich die Mauer-
und Torhut versahen, zu entrichtende Abgabe. In die
Schneiderzunft aufgenommene Frauen sollten einen
Basler Plapphart als Wach-G. entrichten. 1466, Ocus.
Im Z betrug von 1575 — 1714 das von jedem Bürger
als Äquivalent für 4 Wachen zu leistende Wacht-ü.
2 fl., von 1714—98 nur noch 1 fl. Vgl. Soldaten-,
Keis-G. u. s. noch Wild 1883, 120. — Weid-: Weid-
ganggebühr. 1539 erhalten die von Oberriet durch
Urteil das Weidrecht ,an der Eisi' gegen 3 Kr. W.
Wild 1883, 118. Vgl. Trett-G. — Wag-: Gebühr für
die Benutzung einer städtischen oder obrigkeitlichen
Wage. Leim und Lumpen sollen in das Kaufhaus
gebracht und gewogen und davon Pfundzoll, Hausgeld
und W. bezahlt worden. 1489, üchs. ,Dass wellicher
sein Frucht und Mehl gewägen haben will, derselb
den bestimmten Schilling Umb- und W.-Gelt voll-
koiumenlich bezahlen; wellicher aber die Waag nit ge-
brauchte, mehr nit dann den Sechser Umg. schuldig
sein [solle].' 1629. Z Verordn. — Wagen-: Abgabe
des Verkäufers ,für die beim Abladen ihm angedeihende
Hülfsleistung und für den Gebrauch des zum Kornhaus
gehörigen Geschirrs. Von einem Wagen voll Frucht
von 5 ä 10 Säcken beträgt es 2 Btzn.- Z Mein. 1801, 31.
.Dem Sjianner gebührt das gewöhnliche Wägeligeld,
wenn die abgeladenen Waaren durch die Spanner ins
Kaufhaus geführt werden.' S Kaufhausordn. 1834. Vgl.
Abhider-G.
Weg-: Abgabe für Benutzung von Strassen mit
Pferden und Wagen, Weggebühr. Die Fürleiti oder
das W. vom Kaufinaiinsgut sei nicht eine Neuerung,
sondern von Alters herkommen. 1491, Absch. ,Sovil
das W.-Gelt belang, habend sy mit machen und uf-
haltung [Unterhalt] der Strassen gi-ossen schaden, es
gebe ouch sonst mengklicher söllichs mit dank von
wegen der gueten strass und sygend sy gefrygt und
befüegt, das ufzesetzen und ynzengmen.' 1570, ebd.
Vgl. Bltmer, kg. 2, '289. — Erst durch die Bundesver-
fassiiug von 1848 mit den übrigen Zollgebühren aufgehoben.
Wecker-: vormals an die Schaar- und Nacht-
wächter in ZWthur bezahlte Erkenntlichkeit Solcher,
wek-IiL' .<irh Villi ihnen wecken Hessen. — Wald-:
unter Axr eiii/rliirii Berechtigten verteilter Ertrag des
GeiiKiin\.ililr-. Wenn su ml Tanne (fsi' sind, da hat
dvcli d' übendliimj [die Oberallmendgenossenschaft]
recht (/schwind welle" W. usteile". Schw Fasnacht 1869.
— Wolf-: Schussgeld für die Erlegung von Wölfen.
XVin, Gßh, Kechn. Syn. W-Kösting. — Anwalt-:
an den bevollmächtigten Vertreter in Prozessachcn
bezahlte Gebühr. 1719, Bs Rq'.
Gewalt-: für die Gewährung und Eintragung eines
Bevollmächtigten an das Gericht zu bezahlende Pro-
zessgebühr. 1719, Bs Eq. - Gewalt, Vollmacht.
Tagwan- resp. Tauen-: Geldäquivalent für schul-
dige Frohntagewerke. Brückner. — Win-: l. = Iieb-G.
1530, Bs Rq. — 2. an die Chorherren von LMünst.
statt des Weins aus den Rebbergen des Stifts nach
deren Verkauf verteilte Geldspende. XVI., MEstebm.
1876. — Weri-: Steuer zu Erstellung und Unterhalt
von Schutzwehren an Flüssen. Mehrfach 1619, Absou.
(für die it. Vogteien); vgl. V 2, 1832 ff. — Werch-:
Beitrag der Alpgenossen an die Auslagen für die Ver-
besserung der Alpen. ,I)ass jährlich ein jeder, der
Schweiz. Idiotikon 11.
daselbsten Vych sommert, von einer jeden Kuh, so
er besetzt, zween Kr. W. geben solle.' 1749, Alpb.
BEngstlen. ,Das Werk-G. soll sich für Arbeiten auf
der Alp verwenden.' 1854, ebd. S. B&t-, Schwend-G.
— Warnung-: Gebühr für die 3 Warnungen vor der
Pfändung in Concursfällen ; It Z Stadt- u. Landr. 1715
von dem Kläger an den Gerichtsweibel (beim Stadt-
gericht) zu bezahlen, mit späterm Regress auf den
Schuldner; auch Warner-Lohn. — Wart-: 1. jähr-
liches Einkoumien eines Wartners oder Exspektanten
(auf eine Pfründe, eine Stelle). ,G'macht han ich den
verstand [Übereinkommen] mit dem herzogen von Mei-
land, dass er mir järlich w-t git, tusig gueter dicken
Pfenning.' Eüef 1538. Von einem akademischen Lehrer
in Bs. 1641, Abscb. — 2. jährliche, fixe Besoldung ge-
wisser Angestellter im Gegs. zu den ihnen im gegebenen
Fall zufliessenden Sportein, so der Ärzte, Hebammen,
Trommler u.a. VOrte; Z; „Gl; Gr." Von Soldaten,
die gegen Versprechung eines W-es geworben wurden
und darum W. -Gelter hiessen. 1653, Heusler. Vom
Scharfrichter. 1736, Absch. u. ö. im XVIII. Als Wort-
spiel mit der gewöhnl. Bed. von , warten' in der RA. :
/''■ hä" kei" W., habe keine Lust zu w. ZWetz. —
Wase"-: an den Scharfrichter als Wasenmeister von
den Gemeinden für das Verscharren gefallener Tiere
bezahlte Gebühr Zef. — Wasser-: Wasserzoll, beim
Schloss ScHwGrynau für die Instandhaltung des Linth-
Fahrwassers ehemals entrichtet; vgl. Schw Staatsver-
inögen S. 95 ff.
W isi-: Abgabe an den Grundherrn bei der visitatio
seiner Güter. 1533, Egli, Act. (ZHöngg). S. Wisat,
W.-Haher, -Kernen, -Käs u. a. ; Wlsunt/. — Mhd. ics«e»,
nach Etwas sehen, besuchen. S. noch tfist.
Verwisungs-Gelder: die aus der Versteigerung
der .\ktiven in C'oncursen oder Erbfällen herrühren-
den, in It Gantrodel bestimmten Terminen fälligen
Summen, welche den Gläubigern resp. Erben für ihre
Forderungen angewiesen wurden. Häutig in den Bs
Rq. unter den privilegierten Forderungen genannt.
YgLErbs-, Gant-G. u. s. verwlsen. — Zuber-: neben
dem ,Wag- und Kranch-G.' für Konstanz genannte
Abgabe von flüssigen Dingen, die mit dem Zuber ge-
messen wurden. 1740. Auscii. Vgl. Mass-, Mess-G. —
DriziM liiiii -: Al.-alM-, wrlche die Gemeinde ZHorg.
jährli. h .1-11 l:: i;-j,\ M-tcn für die Bewachung des
Albih'iKluutr^ .Uli! ,\,-r ll'^i;- bezahlen musste. — In-
zng- = iitztiij s. d. — Zal-: Abgabe nach der An-
zahl, statt nach dem Mass oder dem Gewichte, von
Kaulmannswaaren. ,Damit dem Immi, Zahl- und Haus-
gelt, wie auch dem Zohl und andern Gefällen Nichts
zustossen füge.' 1700, Z Mand. — Zunft-: Beitrag
der Zunftgenossen an die Zunftkasse; in Bs neben
dem , Stuben-' und ,Bü-G.' genannt (Geering).
Zapfen-: Abgabe vom Wein, der vom , Zapfen'
geschenkt wird. ,Es sollen die bisherigen Tafern-
und Z-er jährlich richtig bezahlt werden.' 1797, G. -
Xiijifen, auch = geringere Schenke.
Hochzit-: als Einnahmeposten in den Besoldungs-
ansätzen der Ratsschreiber aufgeführt. XIV., Ochs 2,
432. — Vgl. die Hochzeitgebühreu, welche heiratende Zuuft-
genossen an die Zunftkasse zu zahlen hatten.
Zwing-: Einzugs-, Niederlassungsgebühr. ,We-
licher in disen zwing uf des gottshus lechen ziehen
will, derselbig soll zuo rechtem ynzug oder zw.-gelt
erlegen 10 fl.' 1568, Oft'n. ÄABünzen.
Galt, gelt, gilt, golt, gult
üs-gelte": an Haarschaft auskommen BO.; Nnw.
Syn. ernüechteren.
Ubergelderet: reichlich mit Baargeld versehen
ZMönch.
Göltll, Gelte" m.: 1. „(PI.) Gläubiger. ,Sein Ver-
mögen den gemeinen G-en darschlän' B", sich insolvent
erklären. Sl" Sach de" G-' darschlän, omnibus bonis
cedere.' Id. B. Me' vmes' Alze [Alles] de" G-e" ge"
[für Zinse]; d' G-e" fresse" im [ihm] Alze treg, die
Zinsen (Gläubiger) verzehren den ganzen Ertrag seines
Gutes BSi. Ein Vater, welcher Butter zum Verkauf
machte, soll seinen Kindern, die Kahm lecken wollten,
zugerufen haben: Hörid lecke", sustnemmen-is d' G-e"
ds Hus. BEi. Er ist i" de" G-e", ist i" d' G-e" cho",
den Creditoren anheimgefallen Ndw. I" G-e" cho",
ins Falliment UwE.; vgl. Gelt I 1. (B') G-e" ange"
[angeben] : aus Furcht und Schrecken plötzlich Alles
bekennen BHk.; laut zu schreien und zu klagen an-
fangen BHk., Ei., 8i.; schreien, aufreden (wenn es
recht ,gelten' soll?) BHa.; lebhaftes Verlangen und
Freude laut kund geben, auch von Haustieren, z. B.
wenn der lang ausgeblielH'iic Hiiti> den Stall betritt
BEi. ,Wirt ein burger lirkla-t umlie gelt und im
denne du stat verbotten wirt vt.ii .les rates buosse
und umb des klegers gelt, der selbe gelte mag in
darumbe fahen, also dass er in nit letze an dem
lybe.' Z Eßr. 1304. ,Unser burger sollen vor allen
frömbden g-en bezahlt werden [bei einem Concurs].'
1480, L. ,So jeman fürbrächte, dass er umb syn schuld
pfand hätte, der soll vor allen g-en gan und bezalt
werden.' ebd. .\\ " liii uilt einem Schuldner uf die
pfand, die er im irr.irllt l,:iite, butte.' 1489, L. ,0b
ein iiffal uf eins umun^ ,-u..l Ix/schicht, dass dann syn
cfn'inv. ol, sy das begert, vor allen g-en umb ir zuo-
lji:[rlit i;uni, iiiiirgcngab und erecht ussgericht werden
soll- ] l'.is. 7. Iv'atsver. ,Es soll der rechte gelt das
geld von synem Schuldner ziechen.' 1527, Aa Wst.
,Wenn ein mensch ligt im todbett, der mag gen 10 pfd,
wem er will, doch synen g-en on schaden.' ebd. ,Es
soll niemand khein gemächt tuon noch machen von
kheinem synem guot, dann synen rechten g-en das
unschädlich sye.' 1539, BThun. .Die gemeinen Gelten
oder Ansprecher.' 1706/65, L Stadtr. — 2. „Schuldner
B." Das Mandeli [Winnchen] was grusam gitigs, und
tcenn 's hat eine" von sinen G-en chönnen chlämpnen
[klemmen], so hät's-mu [ihm] nüt 'borget [geschont]
BSa. (Scbwzd.). — 3. Bürge und Selbstzahler. ,Es
soll nieman den andern pfenden, er sy danne g. oder
bürge.' 1315, Absch. ,Gelt lychen uf g-en, bürgen
und uf brief und gyselschaft.' 1400, Z. ,Niemand soll
den andern pfänden oder verbieten ausser den rechten
g-en und den unlougenhaften bürgen.' 1543, Absch.
.Welcher einem Anderen einfaltig Bürg und Nachwähr
wirt. da soll von erstem der rechte Hauptschuldner
angriffen werden. Aber welcher Bürg und Gelt wirt,
so mag der, dem die Schuld gehört, einen solchen
Bürg und Gelt vor, mit oder nach dem Hauptschuldner
angreifen wie er will' 1659, B. ,Die Unterpfänder samt
den Mitbürgen und Gölten darstellen.' ebd. , Gegen
Jemanden Gelt oder Bürg werden.' L Stadtr. 1765.
Mhd. gälte in., Zahler, Bürge; Gläubiger. Die Bedd.
.Schuldner' und ,Gläubiger' verhalten sich wie Gelt: ,Schnld'
und ,Einkommen'. gemäss der Wechselseitigkeit aller solcher
Rechtsverhältnisse; vgl. mhd. rehi auch: Pflicht. Die Bcd.
.Gläubiger' ist in den vorangestellten B RAA. noch deutlich
erhalten; bei den Uw muss man wol m i. S. v. ,in der (die)
Hand, Gewalt (der Gläubiger)' auffassen. Die merkwürdige
BO. RA. (die) G. a'ye" bedeutet wol «rspr. die verzweifelte
ökonomische Lage eines Mannes, der sieh nicht mehr anders
zu helfen weiss als mit offener Angabo aller seiner Gläu-
biger resp. Schulden (was in Ap Gülte" a'iß" heisst, s. GüU),
Hod der ein solches Bekenutniss natürlich mit Jammer und
Wehklage begleitet. In der erweiterten Bed. ,Iaut schreien'
übh. und dann sogar .Freude laut kund geben' muss jene
Gruudbed. ganz erloschen sein. — In einigen Stelleu der
ä. Rechtsquellen, wo die Verbindung ,vor allen Gelten' oder
,deu rechten Gelten unschädlich' vorkommt, könnte G. auch
den sächlichen Begriff von Zahlungs- od. Schuldverpflichtung
(Geh 1 1) haben, aber soust ganz ähnliche andere Stellen
verlangen deutlich die persönliche Aufi'assung. Immerhin
mögen später die beiden WW. sich teilweise vermischt haben
und mag daraus ein fem. Gelte (Schuld) entsprungen sein.
S. Anm. zu Gelt 1.
gelt BSi.;VORTE; Gl; Gr; G, gell Aa; ApK.. M.;
Bs; BU.; F; ScH; S; Z. gij, auch ge gell ZO., gelta,
göHta, gella ApH., in der Anrede an eine Mehrzahl:
g-et (-ed, -it, -id, -end, -e"J, selten gend (Spillm.) :
1. Fragew. mit Erwartung oder Voraussetzung zustim-
mender Antwort i. S. v. nicht wahr? G. Vater, g.
Miieta; schäm Meiteli bin i'': Ap Volkslied. Gelten,
i mach-ich hütt warm [sagt die Sonne]. Allem. 1843.
,Gelt, gelt, ich hab's fry eben troffen! gelten, ich bin
bald wider kon?' HsRMan. .Gelt, du bist gsyn so
vermessen.' Euef 1550. ,Geltend?' Lied 1669. ,Gället?'
HPest. 1785. Hieher gehört auch das alte und weiter
verbreitete Wortspiel: Er sät au"": Gelt du bist-mer
lab? Met er denn 's Geld g'mänt oder 's Wyb, wäss-i
nüd. Merz. ,Er sagt auch: Geld, du bist mir lieb;
und dann soll Eine verstehen : Gell, du bist mir lieb!'
GoTTH. Geldß) dich hän ich lieb? U. .Gelt, du bist
mir Heb. (Wer Gut hat, hat Freund).' Sylloge 1676.
— 2. mehr Ausruf wort, oft als .Ausdruck des Eecht-
habens in Bez. auf eine Voraus.sagung, die sich be-
stätigt hat, zuweilen nicht ohne einige Schadenfreude.
Geltid, i'* han-ech 's voröusg'seit! UwE. Gell, er hät-
der's g'seit! dir den Text gelesen G; Z. Daher dann
Zuruf des Spottes: Ge, ge, i''" ha" di-'' möge" [dich
überwältigt]! ZO. — 3. der Sinn von 1 und 2 wird
verstärkt oder nuanciert durch vor- oder nachgesetzte
Partikeln, welche jedoch (ausg. hä!) schwächer betont
sind, a) vorgesetzt: aber g..' (Verwunderung) Z.
während umgekehrt g. aber? oft nur lebhaftere Frage
resp. erwartete Zustimmung bedeutet ZSth. Ja g.
Gl; L; Z. — b) nachgesetzt. G. echt? ist das denn
möglich? AASeeng. Syn. g'wüss au"''! G. au"''! Ver-
wunderung Aa; Gl; Gr; L; Sohw; Th ; Z. G. aw'', der
Franz! [wenn man eine erstaunliche Neuigkeit über
Fr. in Erfahrung gebracht hat]. G. iez! i. S. v. Eecht
haben (s. o.) G; Z; ebenso g. hä? Gl; Z, z.B. wenn
man durch eine eigene Leistung die Erwartung des
Andern übertrotfen zu haben meint. .G. ja? nonne?'
Id. B. G. nei"? B; vgl. gell-du nüd [nicht]? ZO.
Gelt ist die (in unserer MA. regelrecht) verk. 3. P. Sg.
Conj. des Vbs gelten i. S. v. ,es mag, soll gelten', fragend:
,mag, soll es g.V' Wie sich von hier aus der Gebrauch und
Sinn weiter entwickelt resp. verflüchtigt hat, s. bei Gr. WB.
IV 1, 2, 3053 fi'.. welchem wir folgende Belege über die Ver-
bindung g. wo, mit und ohne Negation, beifügen. .Gieif ihn
an. gelt wo er dich nicht schelten werde!' = was gilt's, er
wird usw. Z Bibel 1560. ,Nüt haben ist ein rühwige Sach;
gäll wo ich also umben laufen müess' (Schimpfr. 1651), sagt
spöttisch der den Bauersleuten müssig zuschauende Bettler,
etwa 1. S. V. .wahrlich, wenn ich . . . sollte, so würde ich
Galt, gelt, gilt, golt, gult
278
lieh bedanke
,j.lH
1. Vgl. auch uoch gdlKii. In der Ap Form
Yoc. ein späteres Anhängsel sein, wo nicht
Rest des mhd. inteiject. -u an Imperativen, viell. nur zu
dem Zwecli, dem W. uielir Fülle und Klang zu geben. Assi-
milation von ausl. -Ii in U ist zwar in unsern MAA. nicht
Kegel, konnte aber in diesem Fall eintreten, wenn der urspr.
Sinn der Form erloschen war. Dass endlich ein zur Partikel
gewordenes Vb. doch wieder verbal aufgefasst werden und
eine 2. P. PI. bilden konnte, findet tw. Parallelen am got.
Iiirjith (kommt) hieher; von hiri, her, und an dem genau ent-
sprechenden gr. Seüxe! von Seüpo; näher allerdings an unserm
send! nehmet hin! (frz. («i«.') vom Sg. se! nimm.
gelte" - Cond. gOltCiJ, gult(i), in LM. golt; Ptc.
lulte': A. intr. 1. gültig sein, Geltung haben, einer
Bestimmung entsprechen; im Ganzen wie nhd. und
allg. a) absol. z. B. von Spielregeln. Bas gilt (nüd).
Gelegentlich auch von Regeln der Sitte, Formen des
geselligen Verkehrs. ,N. habe N' auf das Fenster-
gesims hinuntergedrückt; hierauf habe N' geäussert,
ob es so gelte, das sei niederträchtig und schlecht'
Z Eechtspfl. Selten einmal refl. Bas gilt-si"'' nüd B
(wahrsch. nach Analogie von: ,es fragt sich, versteht
sich'). Bes. bei Abreden und Wetten. Er sclilöt uf
der Stell i' und sät [sagt]: es soll g.! Er nimmt
d' Wett sofort a', chlöpft l' und sät: 's hat scho"
g'golte"! Th (Schwzd.). ,Es soll gegulten haben: ratum
hoc, fixum, firmum sit.' Hosp. 1683. Es soll es Wett g.
BRi. (S. u. 2). Es seil g. (beim Zutrinken Duzens
machen udgl.) Aa; Z. Wo gilt's? wohin müssen wir
gehen '? Es hat g'gulte" go" holze", man war zu Arbeit
im Walde aufgeboten oder bestellt Z. Übertr. auf die
ernstliche Betreibung eines Geschäftes. lez gilt 's
(-^ne'J emäl, lassen sie sich's angelegen sein, z. B. bei
der Heuernte, wenn Gewitter droht. Potz Tüsigl es
gilt-em, er zeigt grossen Eifer, macht sich energisch
daran; auch, er strengt sich an, zur Geltung zu kom-
men, Effekt zumachen, z.B. durch gesuchte Toilette Z.
Uf G. Gr; GWa.; geltis Ap; z' Giltis, z' Geltem B, im
Ernst, auf die Dauer, z.B. , Etwas auf G. geschenkt
haben [zum Behalten] Gr;'- GWa. Syn. geltigs; ye-
u-ünnens; u. s. gilltig. Einticeders chunnd Tobias uss
Amerika z'ritck, laber [oder dann] se lad er schich dert
uf G. nider. (Tsch.) Bu hiist-mi"'' uf G. g'seh", ein
für alle Mal, zum letzten Mal. Uf Büte" und G. ver-
löre" gä", gänzlich, unrettbar, sicherlich Gr (Schwzd.).
Uf Cr. spile', um einen gewissen Einsatz, um Geld.
G. lä", 1) von Personen, unangefochten, ungehindert
lassen, Raum gewähren, z. B. d' Sü IM Ein" nid g.,
tvemme' wott de' Stal usemiste' AiKais. Achtung
zollen. Lass du d' Börfler la' g., es het au"'' hravi
Manndli drunder Schw. Bo stöt emöl en Galler dö,
me' het-e' Nübis [Etwas] g: lö. Merz. ,Will man,
dass der Kaiser kein Stecher sei, so sagt man bloss,
man lasse ihn Wurf g., d. h. er sei die Zehn seiner
Farbe.' L Kaiserspiel. — 2) von Sachen, a) z. B. eine
Behauptung, zugeben (wie nhd.). allg. — ß) bleiben
lassen, ein Tun, i. S. v. unterlassen oder davon ab-
lassen Aa; Gl; Uw; Z. Z.B. zu Streitenden wird
gesagt: Lönd 's [lasst es] iez g.! oder zu Einem, der
Complimente macht: Lass das g.! lass gut sein. F''
vrill 's Flueche" la" g. UwE. Oft mit pleonastisch
wiederholtem lä". Er lät 's Arbeite" la' g., hat damit
aufgehört UwE. Lass 's iez lo g.! Aä; Z. — b) mit
zugesetztem Dat. P., für welche Etwas g. soll. Bas
Glich söll-mer aif* g'gulte" ha', das Selbe ist auch
meine Meinung, das Selbe wollte auch ich gesagt
haben Gl. Bes. beim Zutrinken: Es gilt-der (gilt-echj
(Ei's)! propino tibi hunc cyathum. Id. B. Wenn man
(sitzend) einem Andern (der kommt) das Glas reicht,
nachdem man selbst daraus getrunken Bs; B. Syn.
(z') G'sundheit ! Es gilt-d'r, chumm u tue Eis B' scheid!
GoTTH. Seh, Benz, hock, es gilt-d'r, es gilt-d'r! Sonn-
tagspost, 's gilt im Her [dem Pfarrer], i gimmer [gebe
mir] d' Er. Breitenst. — '2. wert sein, einen Wert
haben, als Preis auf dem Spiele stehen, mit Acc. der
Wertbestimmung. So bes. von Wetten, eig. und bildl..
vgl. 1 a. Was gilt's? auch: icas giltsed? Gl; heraus-
fordernd od. droliend : quos ego ! GA. Gilt 's 10 Taler,
du cha"'st das nüd? Id. B. Es soll e Mass (Wi'J g.!
,Es gelte jetzt nicht mehr ein riemen, sunder die ganze
hüt.' 1531, Striokl., Act. ,Was gilt's! jez sei ich vor
dir gnesen!' sagt Kain nach dem Totschlag. Ruep 1550.
,Was gelt's, gotts gricht werd jetz erfüllt.' ebd. Abge-
schwächt zur Formel der Verwunderung i. S. v. geltet
(s. 0. gelt): Was geltsid aw"*, wie ist das en Kerli!
GSa. (Albrecht). Auf dem Markt einen Preis haben,
z. B. der Eimer Wein gilt (so und so viel), allg. Auch
von Menschen in der Gesellschaft: geachtet, geschätzt
sein; vgl. gelten lan. E' lede gilt so vil, a's er weis'
(a's er hed, a's er cha"), sobald 's d' Lüt merke" L. —
3. (unpers.) laut, lebhaft, lärmend hergehen VOrte; Z.
Bas gilt! Bas gilt aw''! 's häd hinecht wider emäl schön
g'gulte' bim Wirtshüs. Bim Abschidhet 's Eis g'gulte',
Tränen gekostet Z. Es gilt um Öppis, es herrscht
starke Nachfrage darnach, es werden hohe Preise ge-
boten Z; Syn. (/äw. — B. trs. 1. eintragen (Gewinn).
,Si spann, verkouft das garn, das galt iren [ihr] vil.'
Platt. 1572. ,Es galt iren wenig z' Ion.' ebd. ,Da3
guet gilt jerlich 1 mltr. [Zins].' Jahrzeitb. LHitzk.
— 2. bezahlen (Schulden, schuldigen Zins); auch;
ersetzen, vergüten; vergelten. ,Dass er [der fort-
ziehen will] von der Stadt nicht kere, er habe danne
vor [vorher] allen burgern vergulten, den"" er g. soll.'
Z RBr. 1304. ,Und swas schaden dem kleger ist be-
schehen, den soll man im allen g.' ebd. ,Soll ich im
ütsüt, das gilt ich.' Boner. ,Der mit übel giltet guot,
das man im dur'^'' triwe tuet; der mit der gallen bitter-
keit gilt des honges süessekeit.' ebd. .Wollte [die
Frau] den dritten pfenn. nit gelten der schuld, so ir
mann schuldig ist.' 1435, Offn. ZBinz. ,Man gebeut
zuo g. in 8 Tagen; wer nicht innert 8 T. wert, der
soll Pfänder geben.' Offn. AAFahr XV., bezw. 1749.
Eine Frau soll beim Tod oder Concurs ihres Mannes
ihre Morgengabe und Aussteuer vorausnehmen, mit
dem Übrigen aber einstehen. ,Wär aber ir heischstür
[Aussteuer] uf des manns guet geschlagen, so soll si
den dritten pfenn. von aller farenden hab niimen und
damit ungulten usgän [aller Zahlungspflicht ledig sein].'
1490, Urb. AaB. .Alsdann mag die frow nit gezwungen
werden, ir guot für den mann ze geben noch ze g.'
c. 1520, Bs Rq. II 487. ,Wer dem andern g. soll, es
sye zins oder andre schuld, so einer nüt den andren
bezalte, soll einer zue eim sagen: Bis pfent [sei ge-
pfändet]!' 1538, SoHW. ,Wir band bishar gelebt im
süs, so wir aber sollend g., hebt sich ein lestren und
schelten.' HsRMan. .Er soll vil g., er ist in grossen
schulden.' Mal. ,Beitrag, den jeder neuerwählte Pfarrer
bei seiner Aufnahme in die Classe zu g. schuldig ist.'
ZKyb. Capitels-Gesetze, erneuert i. J. 1809.
Mhd. gelten, zurückerstatten, entschädigen, eintragen, be-
zahlen; Preis, Wert haben, kosten; engl, lu ijiihl. Die trs.
Galt, gelt, gilt, g.ilt. gult
Bed. (B) ist die ältere. B 1 und 2 Terhalten sich wie die
entsprechenden Bedd. des Subst. Gilt: Einkommen nnd Sclinld.
A 3 beruht auf AI; die vermittelnde Vorstellung scheint
die der Entscheidung, des ernstlichen Kampfes um dieselbe,
welche mit Anstrengung aller Kraft« und Wettstreit ver-
bunden ist, wobei allerdings auch der Begriff des Wertvollen
(A 2 b) mitspielt. Srlt^nm ist die Erweiterung von gilfs
in giltsed; sie mxvj •■\,u- A. ii|i,i' kiing der Formel was gilt's:
mit dem Sp. 276 l.rliuhl, li, n ,,;(,/.■ sein. Was yeJt's ist die
ältere und richtignr r,i,i|„i„tiv-Forni, i. S. v. : was soll es
gelten? Vgl. Anm, zu yili. (IiIHk i^i,ih_"i ist dfr Gen. des
Inf. wie Fahh usw. Z' Geltem (Zyrnl ,iiir s. IKame Ver-
quickung nach Anal, der in B MAA. iMlitlitrii A'lv.-Furmeln
aus ze mit Dat. Ntr. eines Adj., z.B. zrjm:hu:m, in ge-
rechter Weise.
an -gelten: ,als rechtsgiltig errichten.' (Götz.).
,Darnm man sölicher gaben halb Charten a. und stellen
lassen.' Vad. I 122.
ent (et, ekj- Gl; Gr; Z, er- Aa; Ap; LG.; 7,Bauma.
Ner., ert- Ndw: 1. üble (soltoii: q-nte1 Fnlfren >-\s:urn
oder fremden Tuns erfaluvn, S.lml.l ••d.v Xarhtril
tragen Gl. Mit Gen. .mI.t Arr. s. : /),,■ r'.,l,„l,li.i
hätt's müessen e. Me muc^s^« li, n \^ih. Jcs.seiiJ uft eil
e., von dem mc sclii [si(li| »<;,/,/ nrmiKj [wofür man
wenig kann, woran man w.ni- Srhuld ist] GRPr.
(Schwzd.). ,Der recht f;-rtaii li'-tt, .lor geniesse syn;
der unrecht g. h., der engelte syn [büsse dafür].'
1444, Absch. ,Dess er aber schwerlich möcht cntg.
[Nutzen haben].' 1523, Strickl. ,Wie können si [die
Kinder] in muoterlyb Sünden oder der sünd irer eiteren
erg. und teilhaftig werden?' 155.3, G Stiftsarch. ,Es
soll kein kind synes vaters oder syner nmoter tod
entg.- [au.'h wniii .11. sr .in., zu .it." Kli.. -vsclilossen
undKin.l.'V nns.l. TS. Ih. Ml .'!■/. 'u-l ]i;ili.ii|. l.'.'.'l. Landr.
AAMölinl.. .M.'iishns.Mi Init .l.^s Kii._',i;s ul...'! .Mitgolten.
dann es v.il.r.Mint ist worden.' JJRüeger 1606. ,Sy
au.;li .l.'ss. 11 in allweg mehr zu geniessen [Vorteil
bali.'iil, wo.l.T [als] zu c. haben.' Z Täuferber. 1639.
Kefi. : l)e [du] muest-dv'' desse' Nid erty. Ndw. Er
magst''' nid etg., ist nicht Schuld daran Ap; ScnSt.
— 2. (refl.) vergelten. Es mag-si''' nid etg., es lohnt
sich nicht der Mühe Ar; SiuiSt. (Sulger). Syn. erliden.
— 3. jUnentgolten' : ungestraft oder ohne Nachteil.
,Es sönd [sollen] die lüt von denen von Zürich un-
gefecht, unersuocht und ganz unentgulten belyben.'
Fründ. ,0b einer einem landvogt in geheim anzeigte,
dass einer bös gehandelt hett, sollte er syns anzöigens
nn.'nt;;:..lt(Mi lilybiMi.' 1530, Abscii. ,Die selben rechte
l;i>s, 11.1 -. s, ln\ iisl. i^il.. kind in die e unentg. z'sammen
Jllid. , iiiihi.Ji.ii, Ijizahlen, Strafe wofür leiden, büss.Mi:
durch Etw. zu Schaden kommen; unentgolten, unb.'zalilt, ..Im.'
Zahlung, Busse zu leisten; ohne in Kosten oder S.lnul.ii zu
kommen. Betr. den Wechsel der Präf. ent- und .;■- s. Bd 1.
— In einzelneu Fällen ist zweifelhaft, ob si aus sidi oder
sin verk. ist, und wahrsch. ist das erstere aus dem letztem
entstanden; doch kann auch das z. T. syn. sich verliden ein-
gewirkt haben. Das Ptc. mit «n- kann von 2 i. S. v. ,be-
strafen' abgel. werden, doch eher von 1, da das adj. Ptc.
von Vben, die mit ,haben' verbunden werden, auch in act. S.
gebraucht wird ; vgl. ungegessen, ungeschlafen, ungebetel.
Entgelt n.: Entschädigung. ,Die Geissbauern
hatten das Entgeld oder Luoder für das geschenkte
Lattenholz erhöht.' 1874, Ndw Volksbl. ,One einiges
Entgelt.' Z Stadtger. 1715. — un-cntgelt-lich, auch
un-er-g. Z : 1. ohne Entschädigung, Lohn Z. — 2. ohne
Schaden. .Inen bi 400 mannen unibbrächt uns un.'
1499. Zellw., ürk. — Entgeltniss, -nuss f. (auch
n.?): 1. Busse Gl. Schaden, Nachteil. ,Si machtend
unruow, die wol hättend on entgeltnuss bi ruowcn
blyben mögen.' Vad. I 316. ,Ward aber bald darnach
on entg. widerum ledig g'lassen.' ebd. ,So die knaben
zu .studieren nit geschickt, so mögen si on alle e. ab-
stän und das empfangene gelt nit erlegen.' 1553, Sch
Ratsprot. ,Ohne sorg ciniches ungunsts oder e.' Z
Täuferber. 1639. ,Dass Spys und Trank ohne E. des
allgemeinen Kostens und Landseckeis allein von den
Gästen solle bezalt werden.' 1667, Schw LB. — 2. Ent-
schädigung. ,Im sollen U. H. die ersten frücht gen
Costenz one syn eng. abzurichten schuldig syn.' 1512,
Hi'BER, Klingn.
ver-gelten: 1. wie nbd. Tergclt 's Oott! Dank-
formel. Es seit-cm .Xii'iiirr V. dirfiir. Niemand weiss
ihm Dank. I)'r hrh (,,,11 „-,11 's /,.r,;.'//r",' Gotth. —
2. bezahlen; mit A.. , (s, li.ii \y.,i.] 1'. (.'inen Gläubiger
befriedigen) und A. . . .'^. (.'in.' S.luild abtragen). ,Der
zins dien herren jailich .nie alLjn ufzog soll vergolten
werden.' 1305, li Stuatsar.li. .l.st ouch dass jeman als
notig wirt, dass er den lüten nit v. mag [zahlungs-
unfähig wird].' 1313, Z Katserk. Zur Tilgung rück-
ständiger Zinse solle der Schuldner an den Gläubiger
monatlich 1 Mütt Kernen entrichten, ,unz er im gänz-
lich vergulte.' 1344, Z Urk. ,Und soll man da eim ze
koufen geben ein stein anken oder ein halben oder ein
vierling ungefarlich, so vil er v. mag.' 1427, ScnwMa.
LB. Von Einem, der andern ,lüten schuldig ist, mag
man nützit erben, unz syne Schuldner vergolten sind.'
1541, Z. ,Das sy den armen ire käs und mulchen
unvergulten usstruogend.' Kessl. ,Der Schlangenstein
sye nit wol zu v. von syner Tugend wegen.' RCys.
Verabgabcn: , Einer von des abts amptlüten rauoss
die lynwat verzollen und v. als ain gast [wie ein
Fremder].' Vad. — 3. eintragen, betragen. ,Als vil
als die 3 mütt v. mugent' c. 1426, Z Urk.; dafür 1387:
,Die übrigen 3 m., da soll der Convent davon getröstet
werden, als fer es mag gelangen.' — Mhd. bezahlen;
eintragen.
Vergeltung: Entschädigung. Der abgesetzte Abt
behielt sich eine jährliche ,V.' [Jahrgehalt, Leibding]
vor. Vad.
vor -gelten: in amplific. Verbindung mit ,nach-
ziehn' = vor- und nachhin gilben (s. Bd 1 930). ,Aus
rachgirigem eifer und dass niemand den andern ützit
V. noch nachziechen wollt.- Xai,. I l'JS.
' i d e r
: 1. = V
iiTz 1847
Hins
rkei
■.!.• einem jeden nach seinen
■n l.arnilierzigen ist wider-
:;-ulten.' .l.ll'.niii. l(l'_!!t. .Wer hat Gott vorhin gegeben,
dass es ihm soll widergolten werden?'. JMCll. 1665.
— 2. bezahlen, ersetzen. ,Wir süllen es aber ime w.:
aut reddi faciam aut persolvam.' XIV., B Handf. .,Fru-
mentum pecunia remetiamur, lassend uns w. oder gelt
für körn geben.' Fris.; Mal. — Mhd. ebenso.
Widergelt m. (od. n.?): Vergeltung; Gegendienst,
Ersatz. ,Die haben all gross wolgefallen daran [am
Zuzu^] und sich zum w. geoifnet [anerboten].' 1476,
Bs Chr. ,Er prophetiert den künigen den w.' 1531,
SiRACH. ,I)es rechts erwarten um w. seines gehabten
Schadens.' 1541, B. ,Was ein Eidgnossschaft von den
fromden Herren gelts und w-s empfangen und geben
•281
Galt. gelt. gilt. golt. galt
282
liab.- AxsH. .Zu ('rsiitzun)? und w. des grossen Scha-
dens.- Cys.
Widergeltung: 1. Vorgeltung. ,Dass wir der
guotat unser eitern gleiche w. tuen.' HBull. 1597. ~
2. Bezahlung, Gegenleistung, Entschädigung. ,Bcrn
übergab synen teil widerum. doch nit on ein statt-
liche w.' Euerer 1G06.
Gelter m.: 1. .Schuldner oder gälter.- Fris.; Mal.
— 2. Gläubiger. ,Wenn einer abstürbe und die gelter
bezalt wölltind syn.' Z Gerichtsb. 1-553. — Mlul. ebso.
Syn. Geh II.
gelthaft: mit Schulden behaftet. ,Wir habent
gesechen. dass lüte, so sy g. werdent, ir guot von
inen gabent und damit ir"" gelten ir schuld vor hat-
tend und sich da mit schirment, dass sy nit gultind.'
c. 1420, B. ,Wann solche Menschen, es seie Bürg-
schaften oder Glühten halb, g. nnd'Biderlüten schuldig
sind.' 1659. B.
geltig (Ap auch -ö--): wirklich, ernstlich. JS«
(j-e [ausgemachter] När, Spitzhueh udgl. Ap. Syn.
gültig. Adv.: Er cha^'^'-mi''' recht g. reue' Ap. G-s
spile', um Gewinn Ap. Syn. s. u. gelten A 1. Anton.
z' ungültige'' ; vergebis. Uf g., für immer, definitiv GW.
Syn. uf Gelten. — (Heilig zu giillig, wie Odt zu Gült.
glich- B; GRPr.; LE.; UwE., glt- GG., Seebez.:
gleichgültig, nachlässig, unachtsam, sorglos. — Dazu
das abstr. Subst. Glich-geltigi f. B. — verglich-
geltigen B, -gll- GG., Seebez., W., „-gült- Obw":
vernachlässigen, aus Nachlässigkeit verderben lassen ;
„versäumen-. Syn. rergugäggen (Sp. KiO), -gütterlen,
-lAämperlcn u. a.
(ab-)ge'lte" 11: abprallen „Vürte", auch: um-
kippen L,
Zu dem gleichbed. ydlen I 2. Vgl. das mit ( weiter ge-
bildete ,Gellt', Prall (neben ,Gellsebuss') Gr. WB. IV 1, -1.
3040 u., wovon geltm unmittelbar abgel. sein könnte.
Ge4te°, in Ap auch -ö-, f.: 1. Zuber Aa; Bs; Gl;
Gr; G; Schw; Z; „hölzern, dreieckig, zur Aufbewah-
rung von Schotte und Ziger für Hau.sgebrauch LE.;
SiHW; Zg." Mulde GRMal. Syn. Gehse, Zuber; vgl.
Staude. Zulier. Kübel, Eimer. Die Zunft ,zu den
Weiiil'utcii- in 11s heisst auch ,zur G.' von ihrem
Wapiirii. Chili, f iric G. (so gross) ScH. Als G. mit
eim (hl bot liii Kiibelverkäufer seine Waare in einem
Dorfe feil, dessen Bewohner den Spottn. .Kübel' trugen.
,Lasst euer Brot uns in die G. brocken' [vorher , Zuber'].
Alpenros. 1837, 160 (von der Kappeier Milchsuppe).
RAA.: Es lärt, schüttet wie mit (us) G., regnet in
Strömen 6r; Th; Z. Und tcenn es regnet und giesst,
a's ivie mit Küblen und Gelte". Scuwzd. Daher: De'
Ttrertrind häd e G. am Füdli, der Westwind hat Begcn
im Gefolge ZS.; vgl. Wasser-G. Mit G-n i^'schcnke",
im Übermasse B. Sprw.: Hat d' Kueli de" Chiibel
u mg' schlage", so g'hei (schlug) si d' G-n aw^'' no''' grad
um! Z. Chübel und G-n umschliV, seinem Zorn durch
Toben Luft machen ZTurb. Wenn Eine'' bim Chiibel
uid rieh wird, so wird er tri der G. nid rieh. Spuww.
1869. ,Darzuo mag ein jeclich binder wol g-n, stan-
den. Zubern und ander semlich geschirre machen, von
derselben zunfte unbekümmert.- 1341, Z Eatserk. ,Es
soll nieman kein gelti noch geschir mit fischen [aul
dem Markt] zwischen dien henken uf den herd [Erd-
boden] nider setzen.' 1359, ebd. ,Die metzger sullen
deliein fleisch nit mer waschen, denne so der buch
und das yngeweid herus kummt. und das druf furo
nit in die kübel noch gelten stossen.' Stadtr. Diessenh.
um 1400. , Weitend si [die Eigentümer von gepfän-
detem Vieh, das nicht auf die Allmend gehörte] das
vich nit lösen, so soll man im stein in einer g-n für-
setzen und Wasser in einer zeinen und süllend darob
leben, als lang si mögend.' Otfn. GBenken, ,Es sollen
auch in jeglich gassen insonder g-n gemacht und einer
person in ir keller geleit werden, wann für üfgät, dass
solich g-n herfüi- getan [werden].' 1501. Troll 1843;
vgl. Fiir-Kiibel. ,Es kamend ouch unser lieben nach-
buren von Breragarten vil zuo ross gan Zürich mit g-n
und melchtren und wollten ouch gelöscht haben.' Edliu.
Weil es sich nicht schickt, dass beide Confessionen in
dem Taufstein taufen, so sollen die Neugläubigen eine
G. oder ein Becken darauf stellen und aus diesem
taufen. 1533, Absch. ,Es ensoll auch kein hausvolk
ohn ein g. mit wasser über nacht nicht sein.' 1538,
Ztschr. f. schwz. E. .Oenophorum: allerlei weingschirr,
als ein kant. sester oder gelt. Labellum: ein gattung
kleins gschirrs, als ständle, büttle, g-n, kübel.' Fkis.;
Mal. ,Die diener zeigend [an der Hochzeit von Cana]
die leren gschirr oder g-n, dütend, dass nüt da sye.'
ItilO, L Spieh Im XVII. hatte der neu aufgenommene
Stubengeselle u. A. für einen Feuereimer und G. 10 Pfd
zu bezahlen. B Tasch. 1865, 177. ,In einer hülzinen
G-n.' JJNiJscH. 1608. ,Mit einem Holmesser wie die
Kibler ihre Gölten und Kibel inwendig auszuziehen
pflegen.' Würz 1634. ,Cratera, ein brunneneimer.
zuber, gelte.' Denzl. 1677; 1716. .Die Diener brach-
ten in hölzernen Zubern oder G-n das Essen,' Würst-
ISEN, — 2. Kübel mit nur einem Ohre oder mit Henkel.
Handhabe. ;i) mit ^^■d^.■ versehener zum Säugen der
Kälber, aucli /um i:iii-. liiitten von Arznei Bf. Syn.
Kalber-G.; Stiiiifiiiijj/. 1 1« in Dummkopf muss man's
mit der G. i'schiitte". — b) länglicher und mit Schnabel
versehener, um Wein in kleinere Gefässc zu giessen
(Id. B) oder ein Fass nachzufüllen BU. Syn. Kübel.
— 3. bestimmtes Mass Wein ,B; Gr. Syn. Geltere."
In Z vormals = 8 Mass; noch in Z Ges. 1808 als ge-
eichtes Gefäss aufgezählt. In B begegnet im XV.
häufig die Bestimmung, dass bi>i der \iifii;ihnie in die
Zunft oder bei der Verheiratung: rim . M jii^li.j.les ,eine
viermässige g-n', gefüllt ,niit I iii:i-< -niirii wyns, ge-
meinen Stubengesellen zu vertiuikcu- ye-cben werden
musste. Auch von andern Stoffen: , Anken 1 G.: 8 ß
[Zoll].' 1779, Z. — 4. m., Name eines Bergpasses, der
von BLauenen nach W führt, über die Muttenalp. —
5, Füllw,, tummi G., einfältige Person Z,
Mhd, (jdte, yellete, Gefäss für Flüssigkeiten. Alul. <iclliiw.
-ida, aus lat. gallida, mlat. auch galiUi, woraus rätor. yuleida.
Vgl. Gr. WB. IV 1, 2, 3065. Betr. Bed. 2 vgl. die Angabe
von Moor (bei B. II 69), wonach ein der mittelalterlichen
ijtdeda ähnliches Geschirr auch in Gr zum selben Zweck ge-
braucht wird unter dem Namen ühalherchübd. Ober roman.
galleUii als Weinmass s. B. II 69. IV 101. Bei 4 ist das
m, wohl nur aus hinzugedachtem ,Berg' oder ,Pass' zu er-
klären. Dass der Name zn diesem W. gehöre, scheint das
syn. .Muttenalp' zu beweisen, da Mittle = Geptc und dieses
= Gdtc gilt. Entw. ist wohl die betr. Alpe von muldeu-
ähnlicher Gestalt oder nach dem Becken, welches sich das
herabstürzende Wasser (vgl. Bütten, Name der Fälle des Bier-
baclies im Schwarzw.) gebildet hat, benannt. GdtenbUd Fluni,
in Znnttl.. viell. nach der Gestalt eines umgestürzten Zubers;
vgl. die Iliigelnanien Kcssi-, Zidwrbüd. — Zu 5 vgl. Saga
Galt, gelt, gilt, golt, gult
„Öl-Geltli" n.: länglich rundes Gefässchen von
einer Viertel- oder halben Mass mit einem Deckel und
Röhrchen, zur Aufbewahrung des Öles zum täglichen
Gebrauch Aa." Syn. Öl-Stizen.
H er döp fei -Gelte: kleinerer Zuber mit durch-
löchertem Boden, um von den gesottenen Erdäpfeln
das Wasser abfliessen zu lassen ZO. Vgl. Slg-G. —
Äsche"-: eiserner Zuber, in welchem die aus dem
Ofen gezogene Asche weggetragen wird Z. — Fels-:^
Becken in einem Felsen, in welches Wasser herabfällt
Z (Spillm.). Vgl. Bach-G. — Gang-: 1. auf dem
Hausgang oder der , Laube' des Bauernhauses auf-
gestelltes Gefäss zur Verrichtung der Notdurft für
sämmtliche Hausbewohner; Nachtgeschirr; früherauch
etwa in Schulhäusern statt des Abtritts für kleine
Kinder Z f. Vgl. : ,Ihre Kellen hangen ob einem
Kübel, der ihnen Allen das heimlich Gmach ist.'
UBrägg. 1780. Syn. HüsH-, Klopf-, Nacht-, Bracli-G.
— 2. hinten im Gang des Bauernhauses stehendes
Gefäss zur Sammlung von Speiseabfällen, die zur
Fütterung der Schweine bestimmt sind. — 3. (bildl.)
Sammelsurium von schmutzigem Gerede ZSth. ; auch
personl., Mensch mit unsauberem Maul. — Haupt-:
auf dem Kopf zu tragender Zuber? ,4 houpgelten.'
1469, in einem Invent. ZWthur zwischen ,Rätschen'
und ,Wasscr-G.' genannt.
B'hör-: Cylinderhut Z.
Von lehören, confirniieren, admitti.i.ii, wtil .lio mäiin-
liclien Confirmanden zur ersten Allrl|llllKllll^l.■H r riui-h zum
ersten Mal einen Cylinderhut trugen. \r''- '/'""--. Il;rhzii-(i.
Hüsli- = Gang-G. 1. AABb. - HuxU, Abtritt.
Choch-: Küchenzuber. Sprichw. RA. : Si schicke'
sich z'säme' wie en Mensch und e Ch. Sprww. 1869.
— Cheller-: zu Weinbehandlung, Küfergeschäften
dienender Zuber Z. — Chüel-: Gefäss zum Abkühlen
gebrannter resp. gebrauter Getränke. ,Ein alte ge-
büezte [geflickte] K. auf 3 Füssen.' 1627, TuBürgl.
— Chalber- = G. 2. BSigr. — Kalch-: Zuber als
Mass für Kalk. .Wie die k-n soll syn, da man kalch
bi [damit] misset, dass man die k. also fechten [soll],
dass [man] ein fesenviertel nemen und das mit sprüw-
ren gestrichen messen soll, das vierteil zwei und ein
vierling ouch gestrichen gemessen sollen syn ein gelt
und der gelten 18 ein fueder.' XIV., Sch Stadtb. —
Chupfcr-: küpferner Z. (höher und enger als der
hölzerne), gebraucht um das Wasser für den Küchen-
bedari zu holen und aufzubewahren, ein Prunkstück
der Küche Z. Solche in einem Z Invent. von 1599
erwähnt. Syn. Wasser-G. Sprwörtlich zur Bezeich-
nung ungewöhnlicher Grösse: e Chürbs, es Uter wie-ne
Ch. Z. — Chäs-: niedriger Zuber mit Deckel zur
Aufbewahrung eines Käses für wirtschaftlichen Ver-
brauch Z.
Chlöpf-: 1. = Gang-G. 1 Kk; l. Syn. Schiss-
Ziiber. — 2. eine Pflanze, a) gemeiner Taubenkropf,
cucubalus Beben (silene inflata). Syn. Klöpfere. —
b) Windröschen, anemone nemorosa, weil die nicht
ganz geöft'nete Blume einer G. ähnlich sein soll ZZell.
— c) Wiesen-Schaumkraut, cardaraine prat. Z. Syn.
ScMss-G.
Klopfen, klatschen. Bed. 1 von den beim Gebrauch des
Gefässes Torkommendcn Tönen. 2 a ebenfalls von Tönen,
welche beim Schlagen des zsgekueiften Kelches der Blume
auf den Rücken der Hand erzeugt werden, b und c wegen
Ähnlichkeit der Blüteu mit derjenigen von a.
Melch- Aa, Milch- Bs; Gl: Zuber mit trichter-
förmigem Deckel, in welchen der Inhalt der Milch-
eimer gesammelt wird. — Nidel-Geltli: zierlicher,
aus Dauben zusammengefügter Napf vom Umfange
einer Kafteesehale, in welchem die Bäuerinnen ge-
schlagene Sahne oder Zieger auf den Markt brachten.
Der Boden war zum Nachteile der Käufer in halber
Höhe angebracht Z f. — Bach-Gelte: 1. kleine
Backmulde Z. — 2. Name einer Runse Gr. Vgl.
Fels-G. u. G. 4. — Buch-: Waschzuber Gr. Vgl.
Stock-, Wasch-G. - Bad-: Badzuber. Er häd ase-n-es
Ding an-eme sülederne Halsli'g [Strick] über d' Lendi
Ihe a'g'ha" wie-ne B. : es nennt-si viedi [nur] e Drumme-
kübel [Trommel]. Madleni 1712. — Bode"-. Butz-:
Zuber, welcher das zum Aufwaschen der Dielen ge-
brauchte Wasser enthält Z. Vgl. Butz-Kühel.
Brach- = Gang-G. AAEhr. — So genannt, weil man
den Inhalt nicht gern auf Anpflanzungen schüttet.
Hiräts-: Cylinderhut, den man zu Hochzeiten
trägt. Syn. HochzU-G.; auch schlechthin Kiibel. Vgl.
Behdr-G. — Secht-: Zuber, in welchem die Wäsche
gelaugt wird Z. Siü-: kiipfornes oder blechernes
Gefäss mit duiThl'"h.'H,.in l'.dden, in welchem man
das gekochte Gemüsr abtii^iifen lässt ZTurb. Syn.
Krüt-Sienen. Vgl. Herdöpfel-G. — Sinn-: Gefäss,
das zum Messen (Sinnen) des Gehaltes von Wein-
fässern dient. ,15 ß gab ich von einem fuerfass, sinn-
zuber, sinngelten und umb trachter von Z hinüs ze
füeren.' 1541, Amtsrechn. ZGrün. — Söu-: Gefäss,
in welchem das für die Schweine bestimmte Futter
gesammelt und den Tieren vorgeschüttet wird Z. Syn.
S.-Kilbel, -Stande; Gang-G. 2. — Seipfe»-: Wasch-
zuber G. — Schueh-: Zuber, in welchem der Schu-
ster Leder und hart gewordene Schuhe in Wasser
erweicht Z. — Schenk-. ,So bliben da tod [bei einem
Brande] N. N. und des wirts knecht, zwo sch-en mit
wyn ze löschen [hin-] uftragende.- Ansh. Vgl. Gelten 3.
— Schöpf-: Schöpfgefäss mit langem Stiel, zur Be-
sprengung des Bodens mit Jauche Ap. Syn. Harn-
schöpfer; Gön; Schüefi. — Geschirr-: Gefäss zur
Reinigung von Essgeschirr Z. Erwähnt in einem
Baderodel 1730. Vgl. Spüel-, Tassen-, Abwäsch-G. —
Schlss-: 1. = Klöpf-G. 1. So noch in dem Spott-
reime : Du alti Bunggunggle, hast d' Bäben a'brennt,
bist mit der Sch. dur'' d' Stege' ab g'rennt ZWthur.
— 2. = Klöpf-G. 2 c ZBaur. — Schwi»- = Söu-G.
Gl. — Spüel-Geltli: kleinerer Zuber, in welchem
das aus der Abwäschgelte kommende Tischgeschirr rein
gespült wird Z.
Stock-Gelte: 1. grösserer Waschzuber Z. —
2. Wasserkessel G.
Nach dem Stock-, Holzblock, welcher diesen Gelassen vor-
mals statt des jetzt gebräuchlichen Fussgestelles zur Untei--
lage diente, benannt. ,Hülzine St-n.' 1627, Invent. ThBürgl.
Stöss-: grösserer, im Weinberge selbst aufge-
stellter Zuber, in welchen der Inhalt der Bütten
zsgeschüttet wird, um vorläufig zerstossen zu werden
ZUhw. Syn. St.- Zuber; vgl. Wümmer-Standen. —
TassC-Geltli: Gefäss zur Spülung der Tassen Z.
Vgl. Geschirr-G. — Tisch-: das selbe. — Trag-
Gelte: Zuber zum Tragen von Wein. ,Und muosst
man den wyn in den büttinen, träggelten und anderen
geschieren zuogetecket ston lassen.' Kessl. — U s -
trag-: Zuber zum Austragen von Jauche AABb.; Ap.
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Galt, gelt, gilt. golt. gult
- Wümnier-: leichterer und meist kleinerer Zuber,
in welchen die Trauben gelesen werden. Er wird auf
den Ruf läre"! oder löse*.' vom Träger abgeholt und
zunächst in die Tanten entleert Z. — Wasser- =
Kupfer-G. Gl; Gk; GT.; Scu; Z. Die neuw W. mit
dem Gatzi [Schöpfkelle], als Bestandteil einer Spusen-
fuer GRSch. (Schwzd.). Der Loft hed e W. an-em
[sieh], der Wind bringt Regen Ar; vgl. Gelten 1.
.Ein w-n.' 1469, Invent. ZWthur. ,Situlus, w-n.' Fris.;
Mal. ,Ein küpferen W-n in der Kuchi.' c. 1600, Invent.
ZStdt. — Wasch-: Zuber, in welchem gewaschen
wird. ,Grosse w.' 1380, Z. - Abwasch- = Ge-
schirr-G. Z. Vgl. Spüel-G. — W ose her-: Zuber zum
Gebrauch der Wäscherinnen Z. Vgl. Buch-, Stock-G.;
W.-Standen, -Zuber. — Hochzit- = Hlrats-G. Z.
„Geltere f.: ein gewisses Ma.ss Wein F." Vgl.
Gelte 3.
recht-giltig: echt, probehaltig, besonders von
Münzen GRh.
Golter, Gult s. d. folg.
Onlter (-o'- Ap) m.: dickes, gestepptes Stück Zeug,
Decke Ap; ScuSt. 1. bes. Bettdecke. Gult n. gesteppte
Bettdecke ApI. (Hirtenspr.). ,1 gulter m. H. [des
Abtes] ist mit füchsin gefüllit und zersnitten g.' 1332,
Urb. ScBwE. ,2 lynlachen, ein gülter und ein küssi.'
13.:)9, ZWthur. Weberbr. Der Floh erzählt: ,Si [die
Frau] wart gowar, dass ich was kommen uss der g.
(guter, kuter, kultern) an den lip.' Boner. ,ües an-
deren tags aber nam er den golter und tunket in ins
Wasser.' 1531, U. Kön. = ,die Decke.' 1667. ,Als er
lynlachen, tischlachen und gülter zusammengeknüpft
hat [um sich aus dem Gefängniss zu retten].' Vad.
.Si laitend den körper [Leichnam] uf ainen golter und
zHchend in also die stegen ab.' ebd. ,Lodix, ein gul-
teren oder bettdecke. Culcitra, ein bett oder pfulwen
mit federen oder wullen gefüllt, ein gulteren, under-
bett, polster. Teges, ein gattung einer decken aus
masskraut oder binz udgl. gemacht, gleich wie ein
gnlter(en).' Fris.; Mal. ,Gulter, golter, decke, culcitra,
stragulum.' Eed. 1662. — 2. Altardecke, Teppich und
Ähnliches. ,Diu sydintuoch und gulter und decke-
lachen und tischlachen, die ze der kirchen werdent
geopfert.' 1318, Arg. Mit ,Gaulter, golter, sergen',
übersetzt 15'23 Petri seinen Baslern das W. , Teppich'
d-er Luther. Bibel. — 3. Wickelhülle für kleine Kinder
Th. Syn. Umtuech. Langes Tuch, in welches man
solche hüllt, wenn man sie zur Taufe oder sonst aus-
trägt ScnSt. Kinderröcklein ohne Ärmel ScnSt. Lum-
pen zur Aufnahme von menschlichen Unreinigkeiten,
z. B. Katamenien Ar.
Mhd. kuüa; kalter, göltet- m., n., kultt, kälte f., gefütterte
Steppdecke über das Bett. Aus afrz. coultre, lat. culcitra.
Aus der f. Form scheint das Gult der Ap Hirten noch weiter
verk. ; s. auch Kühe.
(inlt 1, PI. -c" (Id. B Gülti, PI. Gülteni) f. (n. W
u. in den ApLBB.): 1. Grundzins Gl; W, jährliche
Leistung, Rente, was ,ab' gewissen Liegenschaften
Demjenigen, der sich die Rente (mit 20 für 1) erkauft
hat. oder dem sie als .Seigerät' gestiftet worden, ,ge-
golten [entrichtet]' werden muss und an der Liegen-
schaft, nicht wie beim Schuldbrief an der Person des
Schuldners haftet. Gelöst werden konnte das Gülten-
verhältniss nur durch Rückkauf (20 für 1) durch den
Schuldner, nicht auch wie beim schuldbrieflichen Ver-
hältnisse von Seiten des Gläubigers. Erst später er-
richtete man auch G-en auf Ablösung, zu denen dann
die ,ewigen' (s. Bd I 609 f.) oder ,gesatzten (s. setzen)
G-en' in Gegs. standen; damit war der Übergang oder
die Vermengung mit dem persönlichen Gelddarleihen
angebahnt. S. auch Ingänds Sp. 21 b ß und die fol-
genden Zssen und G.-Korn. ,I)ass wir ein mass Öls
järlicher gulte oder so vil geltes, damit man mag
koufen ein mass öls ungefarlich, geschlagen haben
uf unser bunten und garten,' 1441, LNotwyl. ,Unser
seckelmeister sollen ouch alle unser gilt, die in ir
ampt gekercn [einsehlagen], beziechen,' 1462, S Wo-
chen-Bl, 1846. ,A11 die nütz und g., so einem vogt
[ze] Z von des Rychs wegen zuogehören süllent,
Süllen hinnanhin gemeiner stadt Z. folgen und be-
lyben.' 1465, Z. ,Do gab er im ross und hämisch,
rent und g.' Ziely. ,Die rych [sind] und irer gülten
g'lebind.' HBull. 1540. ,A11 ander zins und g., dorum
jemand brief oder gedinge hat.' Scnw LB. .Vectigal
et portorium, das järlich einkonunen, rent und g.
Pradia opima, wol ergebliche güeter, darvon man
grosse gült nimpt oder gross einkommen hat.' Fris.;
Mal. ,Des gottshüses zins, rent, g-en, zechenden,
ynkommen und zuogehörden.' AAMuri Invent. 1596.
— 2. Schuldverschreibung auf Grundstücke, Hypothek-
schein, Wertschrift auf Unterpfand von Haus und
Land, die sich verzinst; Schuld-, Gült-, Pfandbrief
BO,; L; Ndw; Z. ,Die Verschreibung eines Zinses
heissen wir G-en, die V. einer Hauptsumme [eines
Kapitals] aber Schuldbrief.' JHSchinz 1763, 138. ,Wer
Gelt umb Zins uslychen wurd und im selbs vorbehält
das Houptguet yuzezüchen, es sye über kurz oder
lang, soll söllichs ein G. heissen.' 1566, Zg Stadt- u.
Aintb, 's het 's Niemer so schlecht a's ne Bur one
Gilte' und Geld U (Schwzd.). Inäme' han i keini
'brilcht ,lf:yrhnhr': mir vinl .Uh haar'ralf: d>i hrittsch
das rhi.unr w.rl.r. ,t,lss rHs.nin l.,in G-nr hrf. I'.W^SS
186:;. >/ /'./ (rnltu,,. l-t ivirll 1!, r,nl Insrh ,nt nck
an G-c" und bisch iiul i. au Guld: cn dtrlt G'ninet
isch über Geld. Hebel. Und bist au"'' richer iceder
[als] ich, gell, 's Anneli hat doch me uf mich als dich
und d' G-e" g'ha"! Z (Schwzd.). In New werden
solche nach ,Pfunden' (ä 3 oder 5 alte Batzen) ge-
rechnet; sie sind nur mit sichern andern G-en ablös-
bar, ausgenommen Baargeldg., welche auch mit Geld
ablösbar sind Ndw. Man unterscheidet: Die vordrist
G., das erste und beste Unterpfand; die hindrist G.,
das letzte und schlechteste, das bei Falliment verloren
gehen kann. Gueti G-e, deren Wert vollauf bezahlt
wird, z. B. pro Pfd mit 5 alten Batzen ; schlechti G.,
deren wirklicher Wert unter dem Nennwert steht
UwE. S. noch ein-, zwei-rücMg. G-e' mache", Schuld-
verschreibungen auf Grundstücke ausstellen, d. h. ein
Grundstück ganz oder tw. als Unterpfand für eine
Schuld einsetzen, ebd. Syn. brieflen. Es Gi'dtli be-
kenne", einen Schuldtitel auf Grundeigentum als Unter-
pfand einer Schuld errichten Ndw. i' G. ablöse", ein
solches Unterpfand mit baarem Geld einlösen, ebd.
EG. üfchünde', bildl.: Nw zue! Du chündst mir ke
G. üf, zu Einem, der mich mit Drohung einschüchtern,
mich seine Übermacht will fühlen lassen L. .Welche
an gottshüser geben, es syen jarzyt old seigerät, das
soll kraft haben, doch dass die erben sömlich gült
oder gelt ablösen mögend.' 1489, LE. Landr. , Sparen
Galt, gelt, gilt, gult, giilt
ist ein lyche g.' HBüll. 1540. ,Die von Otelfingen
haben eine kleine G.; diese wollen sie gerne steuren
[Jaran geben], damit ein Prädikant bei ihnen bleiben
möge.' Hess, Sammlung. ,So der er.storben Mensch
hinder im verlasset ze erben järlich G., es sy Kern-G.
oder Korn-G. oder Haber-G. oder Guldin Gelts oder
Pfünder Gelts, oder wie die G. geheissen, die abzelösen
stat, so soll des abgestorbnen elich Gernachel ganz
dehein Recht haben, als von des dritteils des Eerechts
wegen.' 156G, Ztschr. f. schwz. R. ,Was soll ich erst
von Güten sägen, Acher und Matten, Alls wol g'legen?-
klagt Beatus (Comcedia), sein Besitztum, das er auf-
geben soll, überschauend. ,Von synem Schuldner g.
ald Schuldbrief nemen.' 1587, Z. ,Wann Einer mit
Tod abgehet und verlasst hinder ihm Gült und Gut,
und befindet sich, dass nicht genugsam vorhanden,
die Gülten, zu bezahlen, so soll deniselbigen Gült und
Gut ein Vogt gegeben werden.' 1747, ApA. LB. ,Dass
die vor a. 16U1 errichteten Schuldbriefe (die sog. G-en)
für den Creditor unaufkündbar seien.' 1838, Z Rechtspfl.
— 3. Abgabe, Steuer. ,Amtlüte [einer Stadt], die zolle
und ander g-n nijment yn.' Schächzab. 1066. .Subsidia,
g.. so man der oberkeit gibt.' Fris. — 4. Schuld,
Geldsumme, die man einem Andern zu zahlen schuldig
ist. „G-n abtragen Ap; GRh." Er het-si^'' in Gölta
inH''g'lö" [eingelassen] Ap. Mösa [müssen] d' Gölta
a'ge", auf amtliche Aufforderung vom Stand seines Ver-
mögens (resp. seiner Passiva) Kenntniss geben Ap; vgl.
(d'J Gelte' a'ge' unter Gelt II 1. , Kommen in gross g.'
Ap Krieg 1405. Der Sg. gewissermassen koll.: .Wann
eiu mann on lyberben abgät, so soll das farend guot
das g. gar zalen.' Ap LB. 1409 = ,die g-en.' ebd. 1747.
,Wer mehr als 4 zins [zu fordern] hat, soll um den
übrigen zins zum g'meinen g. stehen.' 1633, Ap LB.
1585/18'28. ,So ein falament otfenbar wird, soll das
gemeine g. 1 nionat mögen hinder sich greifen.' 1662.
ebd. , Gelehntes Geld solle gleich den Zinsen gehalten
werden und mit dem fahrenden G. [den unversicherten
Forderungen] anstehen.' 1741. ebd. — 5. Gültigkeit.
,Es sollen die Heurats-Brief allein in der Stadtcanzlei
ausgefertiget werden und alle andern Brief und Schrif-
ten kein Gült noch Kiaft haben.' Erbr. GStdt 17-21:
Mhd. gälte, Schuld, Zahlung, Eiukonimen, Reute, Zins.
Das n. in den Ap LBB. erklärt sich durch die koll. Bed.,
sonst durch Vermischung mit dem nahe vwdten (ielt; eine
ähnliche erscheint iu der KA. d' Giilien ant/e' (in welcher,
beiläufig bemerkt, unausg-eniai-lit Kleilit. «b G. nicht eher in
persönlichem S. [s. Gült ll\ .nil/nli". ii ^i.il verglichen mit
Gelten 1. Ygl. Gült II m. = '.v/i // „i, i, S. v. Gläubiger. Die
nahe Twdtschaft der beiden ^i. hl,, hm H-Kritfe Gelt und Gült
III F"riiir]ii Hl. .liiii CuMrii i,<lts jährlicher Üült.' — Von
d;it, \Ki (itlt 1 11. // ^,,s^llulalin■, lesp. ,Biirge', und , Gläu-
biger', ebenso Gült 11) Bemerkte. (Betr. die lautliche Doppel-
form Tgl. die Anni. zu gellirj.) Bed. 5 ist wohl aus rjultig
und GültüjkeU mit Anlehnung an das in Bed. 1—4 geläufige
einsilbige W. zu erklären. — Über das Sachliche vgl. Arnold,
Gesch. des Eigentums; Blumer KG. I +52 ff.: II 79 ff.;
Bhmtschli RG. lM'29 f. 501; ders., Comment. II § 772/75;
Segesser RG. IV 75 ff.; Ztschr. f. Schwz. R,, Bd 9.
Haber-Gült: in Hafer bestehende Abgabe, Hafer-
zins; s. Crült 1. ,Von der h. wögen, so si järlich dem
gottshüs vornachca' mit gelt erstattet.' Vad. Auch
1450, Zg. — Hueb-: Einkoromen. Zins von einer
Hube (Hufe) Grundbesitz. ,Es soll jeklich person ire
güeter,. es syen hüser, hofstetten, huobgült, zehenden.
acker, wisen, holz und feit, haben und messen.' 1389,
Absch. — Herren-: Abgabe an den Grundherrn, resp.
Einkünfte desselben von einem Gute , Herrenzins.
,Drü swyn, der ieglichs 5 ß gelten soll nach herren
gülte [so dass keine Abgabe ihr vorgeht].' 1331, Z Urk.
,Die schuopessen söUent dem gottshüs järlich geben
8 swyn, gilt iekliches 3 ß 2 den. h.' 1351, Aa Weist.
— Kernen-: gekaufte Rente, bestehend in jährlicher
Lieferung von Getreide- statt Geldzins; urspr. auf dem
Grundstück haftend und unablösbar (.ewig'), seit dem
XVI. meist beschränkt oder aufgehoben, resp. in ab-
lösbare Geldgült (,Pfenninggült') umgewandelt, weil
das Schwanken der Getreidepreise auch den Zinsfuss
ins Schwanken brachte, in Fehljahren viel Getreide
dem öffentlichen Markt entzogen wurde und Gegen-
stand des Wuchers werden konnte usw. ,Understanden
die von A. ainer jeden pfruend zwen pfleger zueze-
ordnen, die der pfruenden rent und gült verwalten;
dardurch werden aber etwa die kernengült zue pfen-
ninggült verwandelt.' c. 1520, Zellw., Urk. Der Abt
von Muri bittet um Erlaubniss, die abgelösten Kernen-
gülten wieder als Kernenzinse anlegen zu dürfen, weil
er zu sehr von Armen angesprochen werde.' 1566,
Absch. Syn. Kernen-Gelt (s. d.). — Korn-: jährliche
Abgabe von Korn an geistliche u. herrsch. Stiftungen
Wf. Syn. K.-Gelt. ,Gab an ein Jahrzeit etlich K.'
RCys. ,Dass jene Korn- und Kernen- oder Getreid-
G-en, die um baar Gelt erhandlet und aufgericht und
nit rechte alte Boden- und Erblchenzins wärent, [im
Concurs] nit mit den Bodenzinsen, sondern in dem
rechten gehen sollent, wie andere Zinsgülten.' L Mu-
nicip. 1706/65. — Boden-: Grundzins. ,Herrschaft-
rechte und B-en oder Bodengerechtigkeiten [verjähren
nicht].' 1623, Aa. — Pätschli-: Schuldbrief, an
welchem ein altes Siegel (Pätschli) hängt New. —
Pfeffer-: Zins in Gestalt von Pfeffer. Keine Familie
des alten Luzern besass so viele P-en wie die Frey;
1433 bezogen sie 1, '/=, '/« PW Pfeffer von verschie-
denen Häusern der Stadt. (Lieuenait). — Pfennig-:
baares Einkommen, z.B. von einer Pfründe; Gegs. zu
Kernen-G. .Was pf., so ze seigerät von inen [den
Burgern] unserm gottshüs geslagen [zugeteilt] ist und
stät iu ir statt uf hüsern, des mögent die burgern
abkoufen 1 pfil iileniiing mit 20 pfunden.' 1420, L Urk.
.Einige Pf-en uinl Ilauptgüter rühren von erspartem
Gelde der Coiivciitshcrren her; man soll daher-diesen
das Geld verabfolgen lassen.' 1538, Absch. — Salz-:
Salzzins. Der Abt bittet, ihn bei seinem Zehnten,
welchen B und F [als Schirmherren] auf der Salz-
pfanne besitzen, bleiben zu lassen ; es wird darauf au
ihn geschrieben, dass bez. der G.. welche beide Klöster
auf der Salzpfanne haben usw. 1556, Absch. IV 2,
1382, 482. Da einige Berner, welche S-en auf der
Salzpfanne zu Sälis haben, das jährliche Salz nicht
einbringen können, wird Burgund ersucht, dafür zu
sorgen, dass jene jährlichen Salzzinse verabfolgt wer-
den. 1568, ebd. S. 390 ff. — Schmalz-: Abgfebe,
Einkünfte in Gestalt von Schmalz (Butter). ,1474
kouft abt Uolrich die höf uf Stain, daby ouch etlich
gülte, besonder guot seh.' Vad. — Win-: Abgabe
oder Zins in Gestalt von Wein. ,Die kernen-, haber-,
roggen-, weissen- und wyn-gült und -zins, so umb gelt
erkouft und verbrieft sind, verbietend wir, dass fürt-
hin dieselben frücht nit mer. sondern allein gelt darfür
geben und genommen werden solle.' 1529, Z. .Wie
•289
Galt, golt, gilt, golt, gult
290
man dhein frucht- noch wyu-g-en, sonders allein geld-
zins machen soll.' 1545, Z. .Der Wyngültenen und
Lybdingen halb.' B Gerichtss. 1615. — Weizen-:
Abgabe in Gestalt von Weizen. ,Das Korn-, Weiss-
Gild, welches man den Kirchen, Pfründen jährlich als
Zins entrichten iimsste.' W f. — Zins- = Pfennig-
zin)<, -güU.
Gült II 111.: 1. Gläubiger Ar. Um sich bescheiden
als Schuldner zu bekennen, sagt man: £6- kirrd mir
[das Gut gehört mir] ond de' Gölta". ,Wann ein frow
ungeerbt ü.sgat, nimmt si ir morgengab; so si aber
deheinen g-en verheissen hat, den°" muoss si helfen
bezalen.' AABirm. Erbr. ,Meinte aber der Schuldner,
der g. hätte pfänden genuog für syn schuld.' 1480, L.
,So mag der g. dem Schuldner das syn zuo recht ver-
heften.' G Hennob. Landr. 1565. ,[Die Erben] dürfen
nit teilen, eh die g-en bezahlt und vergnüegt seind.'
1578. Ar LB. 1585/18'28. ,üoch ist der G. der nächste
Erb.' GStdt Erbr. 17'21. — 2. = Gelte 113, Bürge. ,Und
soll der rat das yngewinnen [einziehen], ob [wenn]
der gälte pfandber [-bar] ist.' Z Richtebr. I.'i04. ,Des
sind gült und bürg der Mayer von A. und Heini W.'
1509, Arg. ,6. und bürg sein, sich zum Schuldner
verbinden und mit im geloben und verheissen, expro-
mittere.' Mal. .Hie wäre nun hoch zu wünschen, dass
unser land kein grewel were, so hätten wir gleichsam
g. und bürgen darfür, dass es nimmermehr wurde ein
Verwüstung werden.' FWvss 1655. ,Er hat uns zu
rechten Bürgen, G-en, Trösteren und Selbstschulderen
gegeben N. N.' 1617, Arch. SchwE.
Mhd. gülte m. = (jelte, Schuldner; Gläubiger. Über das
Lautliche und Begriffliche s. Anm. zu Gült I. Die Bed. ,Bürgo'
beruht natürlich auf der von ,Schuldner' od. der noch altern
von .Zahler', da der Bürge unter Umständen als Schuldner
und Zahler einzutreten hat. S. Ztschr. f. schwz. K. 9, 68 — 88.
An-: Bürge, Geisel. ,Ist dass dehein burger den
schirmet, den syn gelten [Creditoren] fahen wenn
[wollen], der soll dien [denen], die in da wollten fahen,
des guotes a. syn.' Z Richtebr. ,Es sollend ouch die
von Glarus umb das vorgeschriben gnot ze a-en und
ze giseln geben '28 mann, die zuo den Heiligen schwe-
rind hie ze Zürich ze leisten umb jegkliche werschaft
ungemant.' 1390, Z. .Selbstschuldner, a-en und bür-
gen.' 1395, Zellw., Urk. .Haben wir zuo rechten, un-
verscheidenlichen [untrennbar, ohne Unterschied] ge-
schwornen a-n gesetzt die Edlen N.N.' ebd., wo neben
den 2 A-en 4 , Bürgen' genannt sind. ,Welicher bürg
gemant würde und der manung nit gnuog tet, der soll
syn rechter a. und mögen in MHH. anlangen mit geist-
lichen oder weltlichen gerichteu.' AAWett. Otfn.
All- muss wohl ursyr. eine nähere Bestimmung des Be-
griffs enthalten haben: erster Bürge oder Anzahler'i' Viell.
gleich dem folg.
Haupt- und ,Mit-G-en' für eine auf Grundstücke
aufgenommene Geldsumme als Mithafter unterschieden.
1551. Z Staatsarch. — Mit-: mithaftender Bürge, Riick-
bürg. .Und ward der zinsbrief ufgericht, darin man zuo
merer Sicherheit mitgulten und bürgen stellen muosst'
1459, Vad. ,Ich versprich den N. N. von diser m-schaft
und allem kosten und schaden ze ledigen.' 1466, Z.
.N. N. hat zu kofen geben dem N. N.' 10 rh. ti. jer-
lichs zins ab dry teilen des zechenden zu Stadel und
umb dass er solicher gült dest sicher syge, hat er im
zuo rechten m-en geben N. N.*' 1500, Z. ,M., expro-
missor, mitbürg.' Mai,.
Schweiz. Idiotüou II.
gülte": 1. Schuldbriefe auf sein Gut machen lassen
Ndw. Syn. brieflen. — 2. bezahlen. ,Wir haben denn vor
bezahlt die erbern lüt, denen wir g. sollen.' 1445, B.
— 3. schulden. ,Dagegen wolle man Jedem, der ver-
fallene Zinsen, Gülten und Schulden bei ihnen habe,
Pfändung, Vergantung und Remissiven auf der Gül-
tenden Güter gestatten.' 1.547, Absch. — über-: ein
Grundstück über seinen Wert verpfänden, z. B. es über-
güliets Heime' Uw. .Wohar kummt's, dass etliche
hüser Übergült den Schuldnern fürgeschlagen [über-
lassen] sind?' Ansh. — ver-: 1. (ein Haus, ein Land-
gut) verschreiben als ein Unterpfand einer schuldigen
Geldsumme; mit Gülten beschweren „VOrte." Bas
Hus ist vergültet bis obenüs L. Nach Obw Recht
können Güter nicht über den Schatzungswert .ver-
gältet' werden. UwGem. 1836. .Dass keiner mehr ver-
setzen soll dann sein eigen vergült guot.' Arl. LB.
1585/1828. — 2. Pte. adj. in persönlicher Bed.: mit
Schulden belastet. ,Wie ein frouw, die rych und hab-
lich, so sy ein vergülten mann näme und derselbig
sturb, für die gülten ynston und bezalen solle.' 1576,
Gl. — zwi-: zweifach vergelten, bezahlen. .Swel
[welcher] hurger den andern hurger brennet, roubet,
da soll man dem synen schaden zw.' Z Richtebr. 1304.
gültig: wirklich, ausgemacht, wahrhaft. 1. Adj.
Er ist e recht giltege Chrämer. De bist e recht gilteger
Esel Ndw. Syn. geltig. .Recht reife und g-e Melonen
sollen diese Eigenschaften haben.' JCSülz. 1772. —
2. Adv. Es geit g., man spielt um Gewinnst BO.
Für g. a) für die Dauer, für immer, definitiv geltend
Aa; BSi. Auch (für) z' g-em BBe. Syn. s. b. gelten;
Ernst. — b) tüchtig, stark Aa. Syn. geltig. — un-:
z' u'gültige' spilc, nicht um Geld Gl.
glich-: 1. Adj.. gleichwertig, von gleich hohem
Wert. .Erstlich rühmet die römische Kirch sich des
Tituls Catholisch; mit gleichgültigem stolzieren die
Juden und Muhamedaner.' JHHott. 1666. .Dass es
dem Augustino gleichgültige, hochgeachtete Zeugen
seien, ist mir sehr argwöhnisch [zweifelhaft].' ClSchob.
1695. Ein gemeinnütziger Bürger anerbietet unent-
geltlich ,Platz zum Kirchhof, so es nötig ist. statt
dessen gleichgültiges.' 1701, Hey., Wetz. , Welch ein
Unterscheid ist zwüschen dem Zürich-Wein und dem
süssen italiänischen und gleichgültigen'?' Goliath 1741.
— 2. Adv., ebenso wohl, mit gleichem Rechte. Die
Deputierten Genfs erklären, dass die von den sar-
dinischen Ministern den Traktaten gegebene .^.uslegung
auf alte Rechte gl. ausgedehnt werden könnte. 1735,
Absch.
nach-: gering, schlecht. ,Dass ir mit sophi-
stischen, spitzfündigen oder n-en reden komment.'
ZwiNGH. ,Was kostliches [von Messgewändern] was,
ward uf dem koufhüs verkouft, das n. luoderwerch
undrem helmhüs.' Edlib. ,Sy wird die allern-est sein
under den Völkern, wüest. öd und dürr.' 1531. Jerem.
= , allergeringste.' 1667; .das letzte.' 1860. .Der n-est
ist der ßisem Salmindi.' Tierb. 1563. .Parcus iesti-
mator alicujus rei. der ein ding zuo n. achtet. Fri-
vola, klein zerbrüchlich hausgeschirr und gerümpel,
das nit vil wert ist, nütsöUige, n-e geschirr und
schlechter hausrat. Cibus aridus, vilis, schmale,
schlechte, n-e oder wolfeile speis. Modicus cultu, ein-
faltigklich und unkostlich oder n. mit der kleidung.
zimlich und mässigklich beklcidt. Silber ist minder
Galt— giilt. Galtsch— gultseh. Galw— gulv
292
wert, n-er, dann gold.' Fkis.; Mal. ,Die Mannsper-
sonen sollen die Hosen einer einfaltigen, erbaren, n-en
gattung, auch urab etwas länger und anständiger ma-
chen lassen.' B Mand. 1628. ,In n-er Behausung.'
WüRSTisEN. 1765. Man habe den Kaiser in verschie-
dener Weise aufgenommen, hier ,n-lich', dort ,prach-
tisch'. ebd. — Nachgültigi f. ,Aritudo, parsimonia:
kündigkeit, kargheit, nachgültige.' Fris.
nöt-gültig: schlecht und recht Aa (H.). — Im
S. V. notdürftig, für den Notfall gültig, genügend.
Gülti°g f.: Geltung. AUi Fründ und alte Wi'
werde' stets bi G. st' ÄALenzb.
Gültschaft: Bürgschaft. .Si mit bürgschaft oder
mit g. nach notturft versichern.' Vad. — Zu Gvlt II s.
giltsen s. ißUen A 2.
geltschelig: gelblich Bs. — Abgel. von .gelb' mit
dimin. /, wie rStsthetig, rötlich, von ,rot'.
Geltsche°, Göltsche f.: gelbliche Kuh GrV.
Syn. Gelbsche, Gelbe.
t durch Assimilation statt p, b, zunächst verk. und sub-
stantiviert aus dem Adj. 'gelbisch (s. yilw).
geltsche": anhaltend, lästig bellen B; S3'n. s. b.
geisteren.
Ahd. gekön, mhd. er-glhen, aufschreien, altn. gelta, latrare,
baubari; also (»cä vergröbert aus (», wie in manchen ähn-
lichen Bildungen.
Geltscher: Kläffer, Tadler. ,So ich mein bauw
vollendet han, heust [heisst] mir g. iederman.' Keller-
inschr. zu LRotenb.
Var. des in vielen Hausinschriften ausgesprochenen Ge-
dankens, dass der Erbauer sich leichtfertige Kritik verbitte
oder sich Nichts daraus mache. Vgl. Suterm., schwz. Hausspr.
S. 20 ff.; deutsche Inschriften an Haus und Gerät, 1875,
S. 27 ff.
gelw BSa.; Ndw; PPo.; U (vorherrschend); UwE.
(neben -6), c/selmv GrD. (B.), gelb FJ.; Gl; Gr; S;
UGesch.; UwE., gM (resp. e^) Ap; Bs; Gr (Chur. D.,
Schud.); LM.; GT., Ta.; S (Buchsgau); ScnSt; Utw.;
Uwtw.; Zg; Z: gelb. 1. eig. Von Messing, syn. möschi',
z. B. die g. Pfanne Z. G-i Bappe', Brei aus feinem
Mehl und Milch, mit eingerührtem Zucker und Safran.
Spreng; Syn. Brütmues. ,Ein gels müesli von milch
oder wyss von einem göttiprot gemacht' G Küchen-
ordn. 1495. G-i Suppe', Fleischsuppe mit Safran,
gewöhnlich nur bei Kindstaufen AASt.; vgl. ,g-i Brüe'
bei UEcKST. 's Gel vom Ei, Dotter; Gegs. 's Wlss.
Kätsel: Es ist as wlsses Hüs und as gälatcs Herli
drl GrD. Am Bach isch 's wlss und hei, wenn 's abe-
fdllt, isch 's gäl [Schnee am Strohdach] Aa. G-e- Chle,
gelber Schotenklee, lotus arvensis AaVüI. G-i Bändli,
Dotterweide, salix vitellina ZWettschw. Gelacher,
Name eines Ackers, auf welchem Hahnenfuss wuchert
AAObEhr. G-i Vögel, Goldstücke; vgl. Gelw-Fuchs.
,Aber des fürschlags güldene flammen [der burgun-
dische Einfluss] warent so schwach, und der gelen
gilgen [das französische Gold] geschmack so .stark.'
Aksb. Geli Chind, schöni Chind! sagt die Hebamme.
wenn das Neugeborne (weil nicht reif genug) noch
leder-gelb ist; es werde ein desto weisseres Kind Z.
Er g'sicht üs tcie das gelb End [der blasse Tod].
Spreng. ,Bei den gelben Webern gewesen sein', gelb
und blass aussehen. Kirchh. 's g. Wasser, Krankheit
der Kälber, bei der sich in den Gelenken Wasser
sammelt, so dass die Tiere lahm werden; angeblich
in Folge von salpeterhaltigem Boden des Stalles Z.
S. noch Knopf. ,Der gelwe Berg.- 1461/1536, Schw,
,Zum gelen Schat'^ Name eines Hauses. 1538, Z. Her-
berge ,zum gelen Krüz' in Wthur. Mal. 1593. ,Gel,
bleich, flavus, croceus, fulvus.' Fris.; Mal. Subst.
die Gel, Name einer gelben Kuh Ap; vgl. Gelbsche,
Gelbi. Gelbe, Erdäpfelbranntwein F ; Syn. Fisler, Lide.
's Gel, was sich im und am Hause von Messing vorfindet,
als Geschirr, Zieraten udgl. — 2. uneig., bildl. Er ist
gel, berauscht. Suterm. De Gel und de Schel, Personif.
des blassen Neides [?]. Sulger. ,Er ist noch gelb um
den Schnabel, narrechtig.' Mey. Hort. 1692. Vgl. nhd.
.Gelbsehnabel'. De' g. Abscheid, einer mit Schimpf
und Schaden ; angeblich von dem Abschied auf gelbem
Papier, den Söldner bekamen, die sich der Päderastie
schuldig gemacht hatten Z. Hesch-mrr-f' niene" g'seh
uf de" gele" Riebe' rite'? Bs. , Wärint die usslüt [die
[Zürcher. Landleute] nit g'syn, so welltind wir die
gelben keiben [die Stadt-Zürcher] bald heim in die
statt gejagt haben [im 1. Kappelerkrieg 15'29].' 1531,
Absch,, wahrsch. i. S. v. ,verhasst' (Gr. WB. IV 1, 2,
■2882) oder ,mit den wyssen antliten' Bd I 350. Die
gel Frau oder die Gel s. Bd I 1242; dazu nachträglich
Folgendes. Dass die g. F. meistens die Patin oder
eine nahe Vwdte der Braut ist (auch in AaF.; L),
stimmt mit der Angabe, dass sie bei der Hochzeit die
Stelle der Mutter vertritt (AaF.; Spreng) und dass
sie auch wieder Patin des ersten Kindes wird (AaF.; L).
Weil sie bei der ganzen Anordnung und Vollziehung
der Bräuche sehr viel zu tun hat. heisst sie auch
Frau G'schäftigi. Sie gibt Brautleuten und Gästen
die nötigen Anweisungen für ihr Verhalten; schon auf
dem Zuge zur Kirche: Drum sim-mer hüt se stätli'''
z' Chille 'zage', d' Hochzlteri vorüs, und ire hed d' Gel-
fraic kes Aug verzage' [von ihr abgewendet] , *'! teilt
Cotisynen [Anweisungen] üs. Häfl. Die g. F. nimmt
auch das während der Hochzeitmesse von den Gästen
auf den Altar gelegte Opfer und händigt es der Braut
ein L (Ineichen). Sie gibt ihr auch bei Tische An-
weisungen, daher der Scherz: Die Gelb hed g'nianet
scho" ml Gret: Am Mol gib Acht c chlei', wenn-d's
Fleisch hest vo' de' Beine' 'zert, leist nebe' d' Teller
d' Bei'. Ineichen. Laut Stald. 1797 trug die g. F. in
ihrem Körbchen Nastücher und Blumensträusse für
die Gäste, womit stimmt, dass sie im Aa nach Kochh.
Gl. jedem Gast einen Rosmarinzweig gibt. Nach In-
eichen L setzt sie Braut und Bräutigam die Kränzlein
auf und gibt dem Letztern beim Abnehmen des sei-
nigen einen Backenstreich. Wenn es den Gästen ge-
lingt, die Braut zu entführen, z. B. in ein anderes
Wirtshaus, so muss die g. F. sie dort holen und die
,Ürte' bezahlen L (Ineichen). In AAWohl. löste sie,
oder wenn es keine g. F. gab, eine der eingeladenen
Frauen def Braut, sobald sie vom Altare zu ihrem
Stuhle zurückkam, den Kranz aus den Haaren und
übergab ihn dem Paar zur Aufbewahrung. G. F.
heisst auch das aaü. Bd 1 951 unter dem Namen die
fürigi F. beschriebene Kinderspiel. „Der g. Götti,
Galw. gehv, gilw, golw. gnlv
die g. Gotte heissen die für die abwesenden wirklichen
Paten eintretenden Uw"; vgl. Schlotter-Götti. — Gelbes
Haar (,coma aurea/ Mal.) gilt als besonders schön,
daher die Ermahnung an junge Mädchen: JEssed Älte-
n-dchs, so chömmed-er gel Zupfen über! Z.
Mhd. gd(wj. Sehr altertümlich ist die aus GrD. ange-
gebene Form gelmo mit dem eingeschobenen Voc. In der
ä. Litt, findet sich ,gälw' in der Bibel 1531/60, aber schon
1525 auch ,gäl', ebenso im Vogelb. und bei Ansh. Natür-
liche Folge der Äbstossung des w (h) war Verlängerung des
Voc. Eine Übergangsform ist das ein Mal bezeugte gdl
(II assimiliert aus iw). Die Schreibung ,Geltfrau' bei Mal.
ist nicht, wie Bd I aaO. als möglich vermutet wurde, die
ursprüngliche, sondern eine umdeutende Entstellung; der
Grund der Benennung .gelbe F.' bleibt aber dunkel; in Aa
Wohlen zwar kleidete sie sich in auffallend viel Gelb (Gold).
Im Namen des Kinderspieles ist ,gelb' ohne Zweifel =/firi<;
zu erklären und erst später statt des Letztern eingetreten,
durch Übertragung von dem Hochzeitgebrauch. Die Anwen-
dung auf die Stellvertreter der Paten wird daraus zu er-
klären sein, dass die ,g. F.' Stellvertreterin der Mutter und
meist auch Patin der Braut ist. Der Backenstreich wird
.jetzt als eine Art Rache des weiblichen Geschlechtes für die
geopferte Jungfräulichkeit gedeutet; der ursprüngliche Sinn
war aber vielleicht derjenige der Erweckung von Fruchtbar-
keit; s. Mannh. Baunik. S. 299; vgl. aber auch s. v. firmen.
Abend- n.: gelbe Färbung des Abendhimniels.
Morgerot und Äbiggcl giH e nasses Haseßl ZUhw.
Ahiggel — Morgerege' oni Fei [unfehlbar] Th. Vgl.
regen-g. und A.-Höni.
äggeli-: Ton der Farbe der Eiereniente kleiner
Kinder Z. Vgl. dreck-g. — S. .%/ Bd I 155 uud vgl.
yüijgdi-g.
Ocher-. auger-. .Ochra. augergel. berggel oder
ochragel. Sil atticuui, aug.. kunipt über meer her.'
Fhis.; Mal.
Mhd. oj/er n. dass., aus lat.-griech. ochra. Unsere Lexiko-
graphen scheinen das ö des Fremdw. nach andern WW. ge-
deutet zu haben, deren ö sie (wie oft im Franz.) ans au
entstanden wussten, welchen Laut sie dann herstellen zu
müssen glaubten. Betr. das Sachliche vgl. Quenstedt, Minera-
logie, S. 659.
gol^-erde"-, verstärktes .goldgelb' Zßauma.
Erde nur abstr. verstärkend beigesetzt, wie schon die
Betonung zeigt; s. Bd I 4-37.
gibeli-i krankhaft-, fahl-gelb wie bei vergilben-
den Pflanzen; nur spottweise als Verstärkung von
,gelb' BM., U. - S. ver-yiblen und Gibe.
gäggeli-: 1. = äggeli-g., doch auch i. S. v. eigelb-
farbig Z; im letztern S. auch gaggeli-g. G. In der
Kinderspr. oft verbunden mit mimggeVhrün. — 2. röt-
lich- hell-, feurig gelb Sch.
Bei 2 ist wohl Vermischung mit GoggeUgo Sp. 17 7 an-
zunehmen, da in Z auch goggeli-g. vorkommt.
züud-gold-, Verstärkung von ,goldgelb' U; Uw.
— Vgl. gold-erde-g. Xünd- gehöl't also nicht zu gold-.
für-zünd-gold-: hochgelb Gl. Yg\. färzündigrot.
goldliche-, goldlichi- Z, goliche- ZDüb., gulUx^e-
GT.: goldgelb, auch von gelb gewordenen Spitzen,
die weiss sein sollten Z.
Das 2. W. ist verk. aus dem alten hchum, welches mit
Bez. auf den Leichnam Christi oft beteuernd und allg. ver-
stärkend (wie Erde u. a.) vor beliebigen Adjj. gebraucht
wurde, im XVI. auch in der Schweiz; s. Gr. WB. 7, 628.
hoch-: hochgelb; als Subst. Kuhname B.
baue"-: strohgelb. Bezeichnung gewisser Stoffe
für Frauenkleider ZZoll.f - Aus frz. pr,;He. Stroh.
Berg- n.: ein Mineral. Nüscheler 1608, 34. Vgl.
Auger-g. — blf-: bleigelb. XV., G Stiftsarch. —
brü(n)-: braungelb, z. B. von gebackencn Kuchen
Gr; Z. — rege"-: vom Himmel, wenn die Sonne bei
ihrem Auf- oder Niedergang den Horizont mit einem
hochgelben Glänze vergoldet, was ein sichrer Vorbote
von Regen ist ScuSt.; Th; Z. Vgl. Abend-g.
Boss-, Eüsch- n.: Rauschgelb, geschwefelter
Arsenik, von rotgelber Farbe. ,Gib im [dem Adler]
in der speis rüschgel oder rot operment zuo essen.'
VoGELB. 1557. ,Reuschgel oder rossgel, bergrot, san-
daracha vera.' Mal. ,Reuschelgelb', als Mineral. Nü-
SCHELER 1608, .34.
Urspr. ,Ross-, Euss-g.', von it. roeso, rot (weil das Mineral
r. gelo lieisst), mit Umdeutung auf lautähnliche deutsche WW.
saffran-, saffret- S. ,Die Safrangelben', Spitzn.,
den man den Juden beilegte, indem sie im Mittel-
alter genötigt waren, ein gelbes Abzeichen zu tragen.
, Augen saffergel.' Vogelb. 1557. — gold-schmilbe»-:
ganz goldgelb Ap. — schwöbel-: schwefelgelb. Am
'29. Juli 1548 sah man die Sonne von einem Ring um-
geben, ,mit farwen wie ein regenbogen, grüen. blauw
und schwebelgel.' Mey., Wthur. Chr.
tuble- CtoblaJ-i goldgelb Ap. — Tui.lr, Dublone.
Goldmünze.
töni- B, deni- W: hell-, quitten-gelb ; von' der
Farbe des Eidotters, Honigs, frischer Grasbutter, aber
auch von der Gesichtsfarbe Kranker und Sterbender.
User Lebtig het de^ Bueb kes Galle fieber g'ha'; da
wird -nie' ja tönigelb und er ist nie gelbe'' worde".
GOTTH.
Eig. gelb wie eine Toni. Trollblume, trollius europ.,
wegen ihrer hochgelben Blumen auch Anke'hätti, frz. houh
d'or, genannt.
dreck-: 1. ganz gelb ScuNnk. — 2. = äggeli-g. 7^.
— 1 also nicht vergleichend wie 2, sondern nur verstärkend,
zünd-wachs- UwE., zünd- Gl; L; G; S; Ndw,
gold-zünd- Gr: .brennend' gelb. Prallet Äpirra
mit (/-er Gratta, geröstete Kartoffeln mit g. Bodensatz
Gr (MKuoni).
Gelbacher Th, Gelbecker Gr: eine Art Äpfel.
Syn. Gelb-Öjifel. Vgl. Ächer Bd I 65.
ggl^'-acht, -acht Z, -ocht Uw: gelblich. ,Die
färb der federen ist geteilt aus schwarzlächtem, gäl-
ächtem, weissem.' Vogelb. 1557. ,Sufflavus, gellecht
und rauchfarb.' Fris. ; Mal. ,Die citeronenfärbigen, gel-
ächtigen [Pestgeschwüre] sind am allersorglichisten.'
Arzneibuch ZZoll. 1710. Vgl. gilbig und gel-lecht.
Gel"ele" s. Gerweren.
gelbhaft: gelblich GrD.
gelwe°, gelbe", gele": gelb werden, z.B. vom
reifenden Korn, vom absterbenden Gras und Laub im
Herbst. Es Pergament, vu ÄUi hat 's mächtig g'gelbet
g'ha". Akderl. 1852. .Flavere, gelwen, gel werden.'
Fris.; Mal. — er-: ebso Gl; Gr. Der Wald ist e-t.
— ver-: vergilben Ap. Zu gelb werden, von über-
reifen Pflanzen Ndw.
gel^^ere": gelber werden Ap: ..Scn'.
Gel''''er(n)e" s. Genceren.
Galw— guhv. Galz— gulz
Gelwetsch m.: der (gelbgraue) Holzhäher, gar-
rulns glandarius W. Syn. Zapfenräggi. — Betr. die
Bildung vgl. Fideritsch, Gei/etsch, Gübertsch.
Gel"! f.: gelbe Farbe. Das oder der ist e Gelbi!
sieht gelb aus! Gl; Gr (z.B. vom Aussehen eines
Gelbsüchtigen). Auch Gelbsucht als Krankheit der
Weinreben, deren Laub in nassen Jahren gelb wird Z.
,Ein tröwents angsicht es stets treit [das den Neid
darstellende Tier], geli, on färb.' Salat.
gel"-lecht s. gel'°acht.
Gelbling (,Gilbl.' Vogelb. 1557; Mal.): Pirol, auch
Ammer spec. .Icterus, ein vogcl.' Mal.; Denzl. ,Es
wird von einem Vogel, Galgulus oder Eupica genannt,
auf teutsch Gelbling oder Hämmcrling, vorgegeben
[dass er, einem gelbsüchtigen Menschen aufgebunden,
die Krankheit abnehme].' Wmz ITtiO. , Weltscher
gilbl., hirundo hortulana [Gartenammer, Ortolan].' Mal.
S. auch GilwerCichJ u. Emmeritz Bd I 218.
Gel WS che Gelbsche f.: gelbe Kuh GnSpl. Syn.
Gehven, Geltsclien.
gilw gilb: bleichgelb, von Wolken, als Anzeichen
nahen Sturms oder Unwetters SchwE. .Gilb, luteus.'
Denzl. 1677; 1716. — i-Forni zu «/Ar, zunächst viel!, vou
GUwi und güwen gebildet.
gilwe", gilbe': 1. tr. gelb färben, z. B. den Grund
von grün zu färbenden Stoffen Bs. Früher auch in
der Kochkunst. ,Geuss ein wenig guoten wein daran,
gilbs, tuo darzuo gewürz.' Vogelb. 1557. ,Rutilare.
gleissend oder scheinend machen, gilben wie gold.'
Fris. — 2. (auch ver-) intr., gelb werden Gr; GG.;
ScHwE.; Z, z. B. von den Wolken (s. giliv); fahl, welk
werden, absterben, z. B. von Gras und Blumen. —
er-: (refl.) sich verschlimmern, von körperlichem Zu-
stand PMu. — Mhd. gilwcn in Bed. 1, refl. = 2.
Gilwere s. Gerwere.
Gilwer(ich) Gilber „B" ; SStarrk., GilberichftJ B,
neben -ig, -isch B (Zyro), „Gilbrätsch- m. — Dim.
Gilbertschi BGu.: 1. Goldammer (Gelbfink), emberiza
citrinella. ,Doppelter G., Grauammer, Gerstenammer,
grosser Ammer, emberiza miliaria.' Meisxer k Schinz
1815. .Gilbling, Gilberschen, emb. fl.' Vogelb. 1557.
— 2. (Güberig) gelb, übel aussehender Mensch B.
— 3. Gilbertsch, Wollüstling Bße.
3 kann aus 2 als spec. Fall hervorgegangen sein, viell.
aber schliesst es sich enger an mhd. gilwerinne, die (mit
gelbem Abzeichen versehene) Hure. S. noch gilherig.
„Eör-Gilber, -Gilbrig: Wiesen-, Rohr-Ammer,
emberiza pratensis B; S." — ,Zün-gilberig: Zaun-,
Zirl-, Hecken-, Pfeif-: Frühlingsammer, emberiza cir-
lus.' Meisner k Schinz 1815.
gilberig: brünstig, von der Kuh. Übertr. auf
Mädchen: mannstoll, geil, üppig S.
Kaum zu trennen von GUhertsch, obwohl eine Bez. auf
gelbe Farbe bei dem .\dj. nicht ersichtlich ist. Zu einer
überzeugenden Etymologie zu gelangen verhindert überdies
die Nbf. güi^rig (s. 0.).
Gilwi f.: gelbe Farbe, gelber Anstrich, a) ein
dünner, flüssiger Teig ans Mehl, Milch oder Wasser
und einer starken Portion Honig gemacht, um einen
Fladen damit zu bestreichen ScnwMa. — b) Gelbsucht
als Krankheit. ,Es sind etlich [Bettler], die heissent
die Schweiger, die nemmend Pferdmist und mengent
den mit Wasser und bestryehcnt Bein, Arm und Hände
damit, so werden sie geschaffen, als ob sie die Gilwe
oder andere grosse Siechtagen hettent.' 1422, Bs Rats-
verordn. S. noch Übergälle Sp. 205. Auch von Pflan-
zen: ,Ich wird euch schlahen mit dem brenner und
der g.' 1531. Amos (1667: ,dürrc und brand-; jetzt:
.Getreidebrand und Vergilben-).
Mhd. gihn; gelbe Farbe; Gelbsucht; nhd. .Gilbe' auch
eine gelbe Erdart; vgl. das Folg.
Berg- = Berggelw. Die gelben Strohhalme in ge-
wissen Kristallen scheinen ihren Ursprung zu haben
in jener .flüssigen Berggilbe, welche den Stein nicht
hat mögen durch und durch färben.' JJScheuchz. 1708.
gilb ig: gelblich. , Etliche Pestilenzgeschwär sind
rot, etliche g., etliche schwarz.' Arzneib. ZZoll. 1710.
Gilbli m.: Übername eines mürrischen, verweint
aussehenden Menschen ApK. Vgl. Gilberig 3.
Gilbling s. Gelbling.
Galz: verschnittenes Schwein. 1. (in.) männliches
E; S. Syn. Barch. Vgl. Lauer. — 2. (f.) in BE.
Gahle', weibliches Bs; B; L; S. In Bs fand im XIV.
in der .finnigen Scholen' der Verkauf der .Moren' und
Eber, der nicht rein erfundenen Schweine und der
.Galzen' statt.
Mhd. gahe f. in Bed. 2. Altn. gültr, schwed.-dän. galt,
verschnittener Eber. Gr. WB. IV 1, 2, 3120 nimmt das W.
ais wesentlich identisch mit dem Adj. galt, nur mit teil-
weiser Laut- und Begriffsverschiebung. Das Gemeinsame wäre
der Begriff der Unfruchtbarkeit, positiv bei beiden Tiergat-
tuugen die Eigenschaft, dass sie zur Mast, nicht zur Zucht
dienen. Der Lautabstand niuss wohl durch die von Gr. III
1303 für , falzen' im Yerhältniss zu , falten' und für ähnliche
Erscheinungen angenommene fortgesetzte Lautverschiebung
erklärt werden oder durch Annahme ursprünglichen Neben-
einanderbestehens beider Lautstufen. Betr. den Voc. vgl.
noch Gik, Götz.
galze° (jrak/p" BO., ,gelzen.' Spreng: verschneiden,
castrieren, bes. Schweine. , Galzen, aushawen, ver-
schneiden; heilen; lübben, castrare, evirare.' Red. 1602.
S. noch golzen; gauzlen. Syn. Nimnen machen.
Galzer, auch Ga^^t (Spreng), ffa?2?er B; L, ,Galz-
ner.' 1588, L, auch Sü-, Söu-: m. Schwein verschneider.
Als Zuname: .Krügel der galtzer.' 1398, L. ,Cuonrat
der geizer.' 1308, Sch. In letzterer Form Geschln.
ScH. Wegen der G. wird 1416 entschieden, es sollen
die N. N. ,hier diesseits der Reuss die Weid niessen,
allein nicht über die Reuss galzen.' Absch.
galzin: Adj., vom Fleisch verschnittener Schweine.
Das schön g. Fleisch sollen die Metzger so entfernt
von den grossen Bänken auflegen, dass man dazwischen
hindurchgehen könne. TnFr. Stadtordn. 1331. ,Dass
man enhein finnig Fleisch, mörins noch gelzins, in der
Schale feil soll han.' 1365, Bs. ,Jeklich Meyer soll
den knechten landwyn und rindfleisch und schön bärgis,
und nit galzis geben.' 1453, Arch. AAWett. — heil-:
pleonastische Verstärkung oder Erklärung des vorigen.
.[Die Fleischschauer] sond alls schwynifleisch ge-
schouwen und suudren, das finnig und süwin und heil-
gelzin sunderbar feil haben.' AaB. Stadtb. — Von hcilm,
castrieren.
Gälzc f. = Galz 2. ,Die gälze, geize, noune. ver-
schnittene saw, castrata sus.' Red. 1662.
207
Galz— cfulz. Gam— gura
(iilz 111.. Gilzg f., Gilsge" m.: der Gipfel Jos
Bauiiios Z. I''s&ih(ili tcfe" chledere". Syn. Grotzen;
Tiilder. Auch etwa übertr. auf die Spitze eines Brot-
laibes ZBass.
IIa Gr. WB. aaO. für Gah ein ablautendes Vb. als Grund-
lage sucht und auch Formen mit i in der Bed. von ,Galz'
nachweist, sowie in Guh den Ablaut des Ptc. findet, so könnte
auch das hier vorliegende, sonst verwaiste und rätselhafte
W. auf ein Vb. 'gihen, schneiden, zurückgeführt werden, nur
niüsste angenommen werden, dass der Wipfel urspr. als ab-
geschnittener bezeichnet wäre. — In GUzg ist <j angehängt
wie in Plaiz<j u. a. nach falscher Analogie von Blitzt/, welches
.aus Umstellung von ,Blick-z' (Intensivbildung von ,Blick') zu
rklär
ist.
Golz 111. = Gah 3 Aa; BsL., = Galz 1 LG. —
golzen = gaben BBrisl. .Das" diu von S unsern
golzler in unsern grichten nit wollen lassen golzlen.'
147.x B an S.
Golzeren f.: Fluni. 1G07, II.
Viell. urspr. Name eines Ortes, wo Wald umgehauen <Rler
gestutzt wurde; s. Anm. zu GHz.
Gani, geiu, gim, goin, giiiii, resp. ganim usw.
Ciamaliii. Garn eh ü m., f.: 1. geschnittener Edel-
stein, Camee. ,Ein urich guldin krüz mit einer ga-
inahü und mit edelm gestein' im Schatz des Klosters
Kijnigsf. 1357. ,Ein pacem [Priedenstäfelchen] mit
eiin berlimuoter Ölberg mit eim ganiahu, wigt an gold
12 lot.' Burgunderbeute 1476, Absch. ,Dem gainachin
und dem edeln Gestein.' 1483, ebd. .Gemnue, quas
Germani vulgo a leni mollitie Speckstein appellant et
Gammenhü.' KdGessn. 1565. ,Die Gamahij sind ein
Gattung Fingerring mit gwüssen Bildnussen, Zeichen
und Buchstaben gestochen und übersetzt.' RGwerb
1646. ,Ein Kleinot, an welchem in der Mitte ein
Garamahü.' Kirchenschatz Hof L 1766. ,Ein goldner
Gürtel, in dessen Mitte ein goldne Rosen mit einem
G., wigt 27 Sonnenkronen.' ebd. 1790. Syn. Uniehel
ScH. — 2. Gamehii ra., grosses, nach Körper und Cha-
rakter ungeschlachtes Weibsbild S.
Mhd. ffämahiu m., f., afrz. camageu, mlat. camctcus ahu^,
ramahotus, -hütus, die Camee. Das barocke Fremdwort zu
Bed. '2 verwendet, nicht ohne Anlehnung an hü! oder Hü"'
und an Gamme", Lärm.
Gamander, auch dini. -erli, -änderli Aa; B, Ku-
mnnderli Aa in.: Pflanzenn. 1. wie nhd„ teucrium,
bes. t. chamsdrys, auch botrys und scorodonia. Syn.
Kalendern, fürscor. : inhll Stilhim". Schon bei Hadl.:
,Garaandre des sumers ;:i~.llr. ,\lit -.hafkraut [pseudo-
chaniadri], gamenderli.- Tikhi;. 1",';:;. .Chamaedrys, ga-
manderle, doch nit das gemein mit blauwen bluomen,
edle der kleinen Betonien.' Fris. ,Das gamanderle,
ein kiaut mit blauwen blüemlinen, trissago, cha-
insdrys, chaniserops. Das edel gamanderle, serrata.'
Mal. ,Gamanderlein , vergissraeinnicht, chamsedrys,
trissago.' Red. 1662. , Chamsedrys, Gamänderlin, Ver-
gissmeinnicht. Quercula, Krottenkraut, Gamänderlin.'
Denzl. 1716. ,Klee, Gamanderlein, Bockbart [etc.].'
JCNiGELi 1738. — 2. Ehrenpreis, veronica chamanlr. ß.
Syn. wilds Vergissmeinnicht; Hennenäugli. - Berg-,
-änderli: t. chamadrys BO.
Mhd. gamandre f., frz. ijenmndree; aus chamaedri/a, Zworg-
eiche, mit welcher das Kraut verglichen wurde.
Gamasehli n.: Überstrümpfe U. Syn. Fink, llher-
f'uess, Stifel. — Frz. //»murhr:
„Gammast m.: Haufe 'l'annzapfen mit Erde ver-
mischt BSi.'
Ob frz. umriR, Haufe, mit coli. Ge- und angesetztem tr
Doch wahrsch. von Stalder verlesen für Tummast (s. Tann-iV.).
Gammel m.: 1. Lust, Kitzel, Mutwille. Bes. in
den RAA.: de^ G. ist-em vergange'; Ei"m de' G. rer-
tribe", ne"BO.;ScH;Z. Auch: Zuneigung. N. Mt mir
de" G. g'nö", hat meine Z. verscherzt, so dass ich
ihn nicht mehr mag ZSth. ,Das macht uns demütig,
schlägt uns den muotwillen und g. nider.' Zwisgli.
,Dem arbeiter vergät der g. wol am karst.' ebd. .Vom
brassen, schlemmen, unküscheit wird üch der g. bald
geleit.' Seb.Brandt. — 2. lärmende Freude, fröhlicher
Lärm, Jubel, wie an einer Hochzeit, einem Volksfest
ScH; Z. Dim. Gämmeli, Lustbarkeit, kleines Mahl Z.
Auch: unruhiges Treiben, Spektakel. — 3. a) hochauf-
geschossener junger Mensch GO., W., We. — b) Tauge-
nichts ZW. Syn. Gamöl, Beigel. — c) grosser, aber
unbrauchbarer Kohlsetzling GWe. Syn. Narr; Beigel.
Mhd. gamel n. und yamen m., n., Lust, Spass, Spiel; engl.
■Jim,,-. Zu 3 vgl. Gammel bei Gr. WB. IV 1, 1212 ebenf. in
pers. Bed. nach Analogie der zahlreichen pers. Subst. auf -el
mit abschätzigem Begriff; doch viell. ein anderes W.
gammle": sich lustig machen, schäkerhaft ein-
ander herumbalgen, bes. vom mutwilligen Treiben
zwischen beiden Geschlechtern ScH; Z. Syn. gölen.
Abi. Gammler, -erin. — Mhd. rmmcin, schäkern.
lassen fröhlich.
gammlig Sch, g'gammlig Z:
jugendlich mutwillig.
gammele": 1. gaukeln, Kurzweil treiben Bs. Syn.
gritnele". — 2. bei geringen Schmerzen empfindlich
sein Gl. Abi. Gämmeler, Gämmeli, ungeduldiger, wei-
bischer, zum Klagen geneigter Mensch. — 1 = ynmmlni.
2 zum Ädj. gämmelich 4 h.
gämmelich, -i(g) (auch „gimmeligF"): 1. scherz-
haft, mutwillig, üppig, heiratslustig F; W. ,Gämnie-
lich, muotwillig, als ein Jungs pferd, lascivus.' Mal.
,Dass alles das dem fleisch zu entziehen seie, dannen
es gämmelicher und geiler wird.' Helv. Conf. 1566;
1644. ,Gamelig, geltfressig, geudig', unter den Fehlern
einer Frau aufgezählt in Schimppr. 1651. ,Kril, gäil,
gämelig, lascivus, salax.' Red. 1662. ,Ferox equus,
das freche (gammelige) ross.' Vest. 1692. ,Wie man
ein gämraeUges Ross, einen geilen Hengst zähmer und
bändiger macht.' JJUlr. 1727. — 2. schnell, eilig,
hastig, in Bewegungen sowohl als im Charakter W. —
3. auffahrend, jähzornig, reizbar Gl; W. — 4. a) selt-
sam, wunderlich Gl. — b) verzärtelt, sich über jede
Kleinigkeit beklagend, weibisch Gl; Syn. leelldig.
Mhd. gemeUtch, ahd. gamanlih, lustig, spasshaft. Ähnliche
Bedeutungsentwickelungen zeigen arig, gOlig, gspämg. Ge-
meinsam ist allen Bedd. der Begriff des Unruhigen.
gamme": gelüsten BBe. (Dkr).
Gammer, lämer BRi. — m.: sinnliches Gelüsten
BBe., Ha., Ri. — Wohl statt Gammel; doch vgl. auch kämt.
gämen, lüstern sein; eig. gähnen nach Etwas; s. gucneyt.
gammerig, kämerig BRi.: 1. lüstern nach Etw.
BO. — 2. gammerig, frohsinnig, leichten Gemütes F.
Syn. gammelig 1.
gern, gim, goni, gum
Giiniöl IB.: närrischer, läppischer Kerl ZO. Syn.
GaUori. — Stamm Gum- wie in Gammel mit Ausgang -öl
nach Analogie von 6SI, LSI.
gäm(in)ere°: nach Etw. lüstern sein; doch nicht
gerade mit Beziehung auf Nahrung U. Syn. guenen.
Gamilie" m.. f.: 1. Gabelung, a) eines Baumes,
Nebenstamm, -ast GSa. (m.; Dim. ßinimU); GRPr. (f.).
Syn. Griggelen. — b) die Gabel am Pflug, Pflugsterz
GRUVatz. Syn. Geizen. — 2. „(m.) Stück Land, das
durch ,Zusammeneren' und ,Gräten' [in der Mitte]
erhöht worden ist B." — 3. (f) m. t. t. der Schwinger.
Der Hakenschwung (Beinunterstellung), wobei man
dem Gegner die rechte rer.se hakenförmig ums linke
Bein .schlägt, ihn gleichzeitig rückwärts stösst und
überdreht BO.; LE.
Zu it. gamba (auch com/w), churw. comha, vhamma, Bein.
Zu 1 vgl. it. ijumbo, Pflanzenstengel (eig. Bein einer Pflanze).
In 2 liegt ebenfalls die Anschauung des Dach- oder First-
formigen, also Gegabelten. Hieher viell. auch die B Ortsn.
Gammen und Gammeten. Mit 3 Tgl. die gleichbed. it. dar il
gamltetto, churw. dar comha und frz. donner U croc-€n-jamhe.
Vgl. noch Kamen.
Bü-, Pflueg- f.: das in natürlichem Wuchs ge-
schweifte Pflugholz, an dessen hinterm Ende die Pflug-
sterz; der Pflugbaum GrPr. Syn. Grindel. -- Vgl. harn,
den Acker bestellen.
üs-gamme°: sich gabeln. De' Baum gammet vs,
wenn sich 2 oder mehrere Stämme aus einem Stocke
bilden GnPr.
gammig: ungeschickt zum Gehen, hinkend; von
den Kälbern, wenn sie bald nach der Geburt Wasser
(gehv W.J in den Gelenken bekommen BM. ; von den
Ziegen, die im ersten Frühling, des Gehens entwöhnt,
bald müde und momentan lahm werden BSi. Syn.
barhäinmig.
gammele": Jmdm (beim Schwingen) ein Bein
stellen und ihn so zu Fall bringen LE. Syn. de'
Sägge' schlä", beinle". — Ahgel. von Gammen S.
zwei-gämmlig: zweigipflig, von Bäumen GSa.
— Zu Gammen 1 a.
Gämmeli (Af auch -erli) n.: kleine Scheune oder
Hütte auf den Weiden der Niederungen, worin etwas
Stroh und das Vieh untergebracht wird Ar. Vorstall
bei den Alphütten BO.
Zu churw. camonna, -iinna f., c«Mio«n m., tessin. caman,
oberit. camana (alt cavana = capanna, frz. cabane), Alphütte;
Verschlag im Stall für Kleinvieh. Vgl. Gr. WB. 4, 1, 1212.
In-Ganm, -gom m.: Einsasse; Hofgenosse; Miets-
mann. ,An sneles burgers hüs für üfgat und er's oder
syn ingomen innan werdent.' TuFr. Stadtordn. 1331 ;
ähnlich 1495, GRickenb. ,Item die ingomen söUent
och einem heren einen weibel geben und söllent bitten,
dass er im das ampt lyche.' OS'q. TnThund. 1463.
,Umb Ingoumen. Wer mit eins ingounien kind oder
vogtkind ütz märktoti an ir vatter oder vögten wüssen
und willen, ist 10 pfd verfallen.- 1464. Scaw. ,Da soll
ein stuelsäss oder ein ingöm frid gebieten.' Offn. Th
Sulgen 1472.
Die Stämme gomo. Mann, und gaumen {Nbf. gomen). Wache
halten, haben sich schon im Mhd. bisweilen vermengt; vgl.
,der gotes goume [vir Dei] lac ruowen in deme troume'. Dies
scheint auch hier der Fall zu sein. ,In-gom' wäre ganz =
dem Syn. ,In-mann'; ,In-gauni', Einer, der aufs Haus ange-
wiesen ist, das Haus hütet, im Gegs. zum .Burger', dem
freien Haus- und . Grundbesitzer. Die Form /njnum ist aber
eher besser bezeugt; denn auch in dem Beleg von 1463
könnte wohl .ingumen' gelesen werden, wie in einer gleich-
zeitigen Quelle aus gleicher Gegend ,böm' = Baum ; ü in den
Drucken oft statt ,ö'. Schon ahd. findet sich bei Notk. : ,sie
werdent ingoumen hiusero, in lares domorum vertuntur."
gaume" (^ömeApId. 1788; GRPr. u.a.; GRh., W.,
gomme Ap; (iTa.; Sch; Th; ZSth.): wohl eig. mit ge-
öffnetem Munde spähen. 1. (gaume") sich hungrig
hinstellen und ohne Worte betteln SchKI. Syn. guene"
neben gueme"; gäw^e", gä'-e". — 2. Wache halten.
Acht haben, hüten, a) mit Präp. bi-me-ne Chind, bime
Chrankne g., bei einem K., einem Kr. bleiben und sie
hüten Z u. a. — b) mit Dat. (in ä. Spr. Gen.). i'mf
Chrankne", de Chinde" g. De' Herrgott häd-em g'gau-
met, G. hat ihn bewahrt ZDättl. ,Ein bannwart, der
der wäld un 1 hölzer warte und der [derselben] goume
mit trüwe.' Oä"n. AaKöII. 1400. ,Vögte [Baunwarte],
die des holzes gaumind.' Urk. ZHorg. c. 1460. ,Paulus
spricht zu den bischöfen uss Epheso: goumen üwer
und der ganzen schar.' Zwingli. .Des Huses goumen
müssen [d. H. hüten m.].' Cts. c. 1600. ,Man kann
der Ehr nicht genug g.' Mey. Hort. 1692. Auch tr.:
mit Bez. auf Vieh VOrte; Gl; Gr. Uf User Alp muess-
me" d's Veh nie g. [überwachen]. Wer gaumet-d^r
[dir] hiU dl War [dein Vieh]? Zwicky 1856. Di
Trübe" göme, vor Diebstahl hüten Gr. 's Geld g., in
guter Verwahrung halten, das eigene, wie ein Geizhals
B; Gl; U, oder fremdes, an vertrautes, das man zu
verantworten hat B. Am Verkündsonntag wird die
Braut von 2 Simsegaumerne [Brautliüterinnen] g'gaumet
GrD. Einen Kranken, einen Sterbenden ,g.' B; F; Gl.
Euse [unser] Herrgott well-is [uns] g. (oder ver-g.),
Gott wolle uns behüten ZAuss. Chind g., kleine
Kinder bewachen, besorgen, pflegen Gl; G; U, spe-
cieller: sie auf den Armen herumtragen, wiegen, ihnen
die Zeit vertreiben B; Gr; W. Es [mein Weib] gü'mt
d'r Büebel [den Buben] BSi. Es muess allzit d's Chind
goumu, sie muss stets das K. auf dem Arm schau-
keln W. ,Mir ist's wohl zu Hause, meine kleinen
Jungen zu g.' UBrägg. 1784. ,Ich war noch nie Kinder-
meitschi gewesen und also gar nicht gewöhnt, kleine
Kinder zu g.' Gotth.; vgl. Gaiimsehuel, Kleinkinder-
schule. ,Die gefangenen g.' 1552, Ndw LB. ,Das land
g. und verwaren.' ÄgTschüdi. — c) abs. a) in allg. S.
Wenn de'' Herrgott nüd gaumeti, gab 's na''' [noch] vil
me'' Unglück Z. „Gott gaumet wunderbar SchwMuo."
Auch: sich in Acht nehmen: gaum-da, flieh von jener
Stelle weg! W. ,Und lag jedermann an syner gwar-
sami und gompt und huot='" zum besten.' Fründ 1446.
In allen Quartieren der Stadt L mussten während des
Gottesdienstes 2 Männer ,g.', d. i. bes. auf die Hand-
habung der Feuerpolizei achten, c. 1470, Liebenaü 1881,
s. Gaumeten u. Gaumer. , [Durch Aufnahme von In-
sassen in die Gemeinde] wird des grichtsherrn sorg
und gaummüe gemeret.' AAWett. Arch. 1479. ,Bald so
[sobald] Struss des Eggen namen nit nemmen [nennen]
will, fürbüt er stark und bedarf doch des goumens
nit [ist sehr vorsichtig und hat doch nicht nötig, sich
in Acht zu nehmen].' Zwingli. ,Wir ermahnen, Hund,
die zum G. unnütz, abzuschaffen.' Z Mand. 1714. , Ge-
denke, dass dir Übels begegnen könnte, wann Gott
nicht gaumete.' Ky-bitrz 1753. — ß) mit Bez. auf kleine
Kinder BO.; Gr; Sch; aScHW; Ndw. , Curare parvulos.'
(ia
gaiiiii,
goiii, gum
302
1.1. H. Du rhaiist rcnmidt toll ff., weisst sehr gut mit
ileii K. umzugelien BO. 8U ir am G.? freundliche
Frage des an einer Mutter Vorbeigehenden, ebd. Z' (j.
liherchon, ein Kind bekommen; z' g. wellen, schwanger
sein. Si häd z' y. im G'reis, ist wieder in gesegneten
Umständen, ebd. Z' g. han, 1) ein Kind haben. 2) auch:
einen kranken Finger haben, der eingewickelt, ver-
bunden, übh. besorgt werden muss und etwa mit dem
gesunden Arme wie ein kleines Kind gehalten wird
BKi. Das Vieh füttern, pflegen F (Kuenlin). ,Ver-
dingkinder werden zum ü. oder Geisshüten angehalten.'
Landw. Wochenbl. B 1847. — f) das Haus hüten in
Abwesenheit der andern Hausgenossen .Aa; Ar; B;
VOrte; Gl; G; S; t^cH; Tu; Z. P>' cha"' nid z' Chllle"
[Kirche], i''' inuess ff. allg. B'hüet-i |euch] Gott!
Gaumed wol! Abschiedsgruss beim F"rt;;i.'hrii ;ni den
oder die zu Hause Bleibenden Ar; GA.. 1.; S. ii; S. hw;
Th; Z. So durel's, bis 's [das Mäd.-ln-nJ am Miirkt
diheim eleige" ffommet. Schwzd. ,Sedere domi, dem
haus hueten, daheimeng.' Fris.; Mal. , An sonn- und
fyrtagen, so man züo kilcheu gät, soll in jedem hus
ein mensch g.,. das nit minder denn 14 jar alt syge.'
Olfn. AABöttst. 1585. Händ-er g'gaumet? Gruss bei
der Rückkunft. Gott grüez-i mit cnaitdtre" ! Händ-er
ff'ffaumt? SiUTZ. G'rad hüt /»> '' nnicli-t''' mis Jliiiulrli
z'iceg und säge mit Freude" : Omi lilnhi-i lanl iiinimct!
ebd. Der Vorübergehende grii>>l : .^n-n- um (r..-' L; S.
yaumed-er? Sca; Z. Auch: ,in Abwesenlieit einer
Fauulie ihr Haus bewohnen und ein Aufsehen darüber
halten" B. In Sch schliesslich geradezu = ruhen,
nicht arbeiten. — d) refl., sich hüten (vor) Ar; L; Zg.
l'i' muess-mi''' gomme", sagt der Kranke Ar. ,Und ob
ein hofmann einen gast lyblos tiiti, der soll sich g.
vor des erschlaguen fründen.' Offn. öchwWoU. 148i.
,Es möchte im von den unsern lychtlich etwas be-
gegnen, darum habint wir in gewarnet, dass er sich
goume.' 15'25, Absch. ,Etliehs ist geschriben, dass wir
uns darvor goumiud.' Bibel 1531. ,Er [der Pfarrer]
soll sich vor dem Wein g.' 1534, Z Synod. Act. .^ich
vor laster hüeten und g., declinare vitia.- Mal. ,\Veil
ich Gott furcht, so gom ich mich und sich mich um.'
Vad. ,So er sich nit g. wolle, werde man ine ver-
schicken [fort schicken].' 1597. L. ,Sind die Aus-
erwählten so behutsam, dass sie vor Verführung sich
g. können?' FWvss 1055. ,Gaura-di''' vor dim nie"
[neuen] Schuelmeister.' Balz. 1781.
Mhd. goumeii und yöumen, ahd. guumian, goumön, got.
gaumjan, beobachten, hüten. Bed. 1 (welche sich auch im
JBair. .findet) steht wohl der Grundbtd. und dem Grundw.,
welches bei uns duruli '''"" (Sil :'o i iiml .fnu; „ xrihrtuu
ist uud den Begrilf .Ir- IJ iI1-h~ iI"/«, nii "tl-i \liiiiile,
mit offenen Augen dii^irh.m ni-'l i ih L i . luh. i , ■! i- imi I ^yii.
i/iit«,™, üblicher </««u,., iflU m> li ih,/ii, »i. dir amlM. Xl.fen
gnmm und gueme sich ZU eiuauder verlialteu. — Wie tief
das W. dem Schwz. Alemannen in Fleisch und Blut steckt,
beweist u. a. der Umstand, dass ÄgTschudi den Namen des
Schlosses Güminen ,zii Latin custodiam, ze TUtsch Goumiuen'
von demselben ableitet (s. dagegen bei tf«mw). - Vgl. tppoupsu)
in ähulichei- BegrittsentwickUnig. — Ob der BSa. Flura.
(Imimbtrg eine Alpe bedeute, auf welcher ausnahmsweise das
Vieh beaufsichtigt werden muss, oder Alpe bei einem Bann-
walde, oder was sonst, ist nicht leicht zu ergründen.
ab-: hüten, schützen. .Gebannte Wälder (auf
Alpen) a.' N. Gl Zeitg 1872. — üs-: einen Kranken
bis an sein Lebensende pflegen ,,B0. : F.; Gl." B'r
Nachbiir häd d's Wxb icto üsqoumd, hat seine Frau
nach langer Pflege nunmehr durch den Tod verloren
BRi. Mt;r kein hüt den Alten üsgüumt, der Vater ist
uns heute gestorben BGt. Mer hei' üsg'gäumt, unser
Kranke ist gestorben BHa. Helfen üsg.. einen Ster-
benden noch auspflegen BBe. (s. Bd I 554).
ver-: 1. bewachen, beaufsichtigen; verwahren,
bewahren. B's Obs verg. [vor Dieben] Schw. „Der
Wald muss vor dem Vieh vergaumt sein, d. h. einge-
friedigt." Me [man] cha"" d' Chind nüd eisdig v. Gl.
Vergamn-is Gott, G. behüte uns! Z. „Wir sind Gott
Lob vergaumet geblieben, d. h. bewahrt, geschützt."
.Das Volk, so im befolchen ist, nach synem vermögen
zuo verhüeten und zuo v. und darzuo syn bests .zuo
tuon.' Ar LB. 1409. ,Die eidgnossen verteilten die ge-
fangnen in die örter [nach Kantonen] ze vergomen
[sie zu verwahren].' FrUnh. ,Ein hoptmann mit synem
Volk vergonipt[e] und behüct[ete] das tor.' Edlib. ,So
hat Gott die gesundheit niynes lybs also vergaumt
und verhüetet.' HBull. 1527. ,Vergoum dein herz mit
allem fleiss.' 1531/48, Prov., jetzt ,behüte'. ,Womit
mag doch ein jungmann seinen weg bass v. und säu-
beren?' 1531/48, Psalm. .Ir predikanten sind schuldig,
euwere schäflin vor den Wolfen zue v.' 1532, LeüJud.
,Gott hat die synen vergaumpt.' UMey. 1540/73. ,Dass
man si [Huss und Hieron.] sollte als ketzer v.' Vad.
Gott spricht zu Adam : ,Der krüter sollt du gwalt han, si
vergoumen [im Reim auf ,somen', Samen].' Ruef 1550.
Kain zu Gott: ,Sich z' hüeten hat er eignen gwalt;
muess ich in, Herr, allweg v. ? ' = bin ich denn meines
Bruders Hüter? ebd. , Einen in seinem haus v., asser-
vare aliquem domi suse.' Mal. ,Hoedos pascentes ser-
vare, verhüeten, v.' Fris. ,Alle hüeter, die in ver-
gaumtend.' c. 1570, AaTscHUDi. ,Das schloss v. und
verwaren helfen.' 1576, Z. ,Der Margstaller soll die
Füllin und Feldross v. und versehen.' XVIL, Gesinde-
ORDN. Muri. ,Dem Kelnhofer die Vergaumung des
-iott
Waldes auferlegen.' Iii3!^, Hott.
vor kriegen v.' Z Litur.i;-. liill. .iM^itn imiii|icmo la-
bellum, vergaum dein maul.' 1>in/i,. lilTT; ITlii. .Ihre
Häuser vor den Lauwinen v.' JJicuEicuz. ITutJ; dafür
1746: , verhüten.' ,Die Strassen sollen vor Schaden
vergaumt werden.' Z Ges. 1791. ,Ein Stern vergaumte
ihn vor Schiffbruch.' Fdssreise 1798. .Anordnungen
bestimmen zur Vergaumung der Archiven.' Z Feuer-
ordn. 1809. Auch mit Dat.: Me' muess de' Chinde"
eissdig v., immer bei ihnen sein ; i''' han->;ne' de" ganz
Voi-mittag vergaumet Gl. — 2. verhüten, a) mit Obj.
Wenn ja, Gott vergauvi's, Für üsbräch Z. „Gott ver-
gaum's, wende es gütig ab Z." , Krieg zu v.' 15'24, Z.
,Ergernuss der schwachen zu v.' 1526, G. ,Wir ha-
bend mit unserer leer unruen vergaumt.' 1532, LeoJfd.
,Wann si schand und laster an iren kindern v. und
fürkommen wolltend.' Kessl. ,Diss alles ist uns zur
Warnung, grössers Schadens ze v.' UMkv. 1540/73.
,Dass er si, allerlei unrats zu v., bevogten wellte.'
V.iD. ,Prohibere, verhüeten, v., verhinderen.' Fris.;
Mal. Damit ein unversehener Überfall ,vergaumbt'
werde. 1634, Absch. .Durch mutwillige Verhärtung
(ach Herr, vergaum es!) gar zu einem Zornspiegel
werden.' JCMey. 1657. ,Zu allen anderen Füllen (die
Gott gn. vergaume).' Z Ratserk. 17'26. .Alle Sorgfalt
zu Vergaumung des s. v. Ungeziefer.' 1770, Si-vki.
Wais. — b) mit folg. ,dass': verhüten, dass (nicht).
,Rat und predikanten ze Zürich habend ernstlich ver-
goumt, dass ir volk nit ist ufrüerig worden.' Zwixcu.i.
303
Gain, ganm. gein, gim, goui, gum
304
,Veigauiii, vergauui, meine Liebe, dass du uit allweg
im kummer hinlebest.' HBdll. 1527. ,Gottes gnad yer-
wart, verhüet, vergouiut, dass [das schwache Fleisch
nicht der Sünde verfällt].' Rdef 1550. ,Gott vergaume,
dass wir nicht verstockt bleiben.' JMüll. 1673; dazu
der positive Ausdruck: ,G. wolle und verschaffe, dass
wir in einen Reuen geraten.' ,Ein studiosus philo-
sophiffi soll V., allzuvil auf die eine Seiten sich zu
henken.' JJHott. 1666. ,Weil der gnädige Gott ver-
gaumet, dass keine Malefiztaten begangen worden.'
JCEscHER 1723. ,Vergaumen, dass nicht .. .' Genieindc-
verw. Z 1801. — 3. (refl.). ,Vergoumend üch, dass ir
nit...' ZwiNGLi 1527. .Niemand soll den andern an
lyb oder guot antasten, sonders sich jedermann des v.'
1531, Absch. ,Wie die armen sich vor den reichen
hüeten sollend und vor den gwaltigen sich v.' 1531/48,
Sir. ,Jeder Christ soll sich vor Schwören und üppigen
Worten vergäumen.' XVn., Gesindeordn. Muri. ,Wie
sich ein Mensch vor der Pest v. [möge].' JJBreit.
1629. Auch ohne Eefl.-Pron. und mit Äcc.-Obj.: .Wir
wellend von dem predigampt schryben, damit menklich
die hochmüetigen klapprer v. könne: dann wo man
sich vor inen nit verhüet, so kumpt alle tag ein nuwe
Irrtum.' Zwingli 1525 (geleitet von der lat. Construction
cavere ahpn neben c. ab aliquo). ,Sich zu hüten und
vor allen heidnischen Greulen sich zu v.' 1667, Levit.
,Vergaume dich, nicht zu hurtig einzusaufen.' GHeid.
173'2. ,Dass Jedermann sich vor Schaden und Straf
sorgfältig zu hüten und zu v. wüsse.' Z Nachr. 1756.
,Wornach sich jedermann zu richten und vor allfälligem
Schaden zu v. weisst.' L Intelligenzbl. 1810. — „Ver-
gaumer: Bewahrer, in phys. und moral. S., z.B. ein
V. der Rechte des Volkes Z."
be-gaume". ,[üie Äbtissin] mag einen ieklichen
hueber twingen, dass er des forstes ein jar b. und
behüeten muess.' XV., Z. ,Die sollen dem Zwingherreu
ein vich b. mit anderem irem vich.' Offn. AAFreienw.
Gaumer, Gäumer {Gomer GnSchud., Gömmer
GRPani), in ZWl. auch Gaumler, Gäumler m.:
Hüter, Aufseher. ,Gott ein g. ist und hüeter.' Ruef
1550. Spec. 1. Einer, der in Abwesenheit der Andern
das Haus hütet Ap; VOrte; Gr; G; Z. So heissen G.
die Knechte, welche den Winter über die Bergkur-
häuser (wie das auf dem Pilatus) bewachen. .Mache
einen Brief an den P. Guardian, er solle mir [dem
Pfarrer] einen G. [Invigilanten] schicken auf Montag.'
XHerzog 1862. — 2. Kinderhüter BD.; Gr; Ndw; W;
vgl. Gaumerin. — 3. Viehhüter. ,Ein Kühbub oder
Junger, der die Herde hütet, heisst auch ein G.'
Steinm. 1802. — 4. a) Waldhüter, Unterförster Gr;
Z IS. — b) Plurwächter, um das bürgerliche Gemüse-
land zu bewachen. Es gab dem Range nach erste und
zweite G. und alle Bürger wurden zu diesem Dienste
verwendet. ZWthur c. 1830. Von Gemeinde wegen
bestellter Hüter für Obstgärten und Weinberge ZWl.f
— 5. Sitten-, Polizeiaufseher. , Während des Gottes-
dienstes mussten G. auf den Strassen herumgehen,
damit kein Lärm gemacht, kein Wasser geholt werde
etc.' ZWthur f. ,In allen Quartieren mussten während
des Gottesdienstes 2 Gäumer Wache halten, auch auf
die Handhabung der Feuerpolizei achten.' L 1340 u.
später (Liebenau). S. noch Gäum-Fänli u. Gaumet.
— 6. Gomer, Gefängnisswärter GuRr. In Gr ehemals
die Polizeiwache zur Beschützung ausserordentlicher
Strafgerichte über politische Verbrecher. ,Dann die
Bündner nicht nur mit dem Strafgericht und Gäumeren
fortgefahren, sondren auch etUehe enthaubten lassen.'
WüRSTiSEN 1779. ,6 bewaffnete Gömer mit ihren Har-
nischen, Unter- und Übergewehr begleiten die ver-
strickte Person vom Rathaus in den Ring.' GrD.
(Osenbr.).
E- [iH-Gomm, V\. -Gümmer ArK.): bis zur Neuzeit
Name des kirchlich -bürgerlichen Sittengerichtes in
den Landgemeinden B tw. ; Z f- In ApA. der Orts-
pfarrer und die beiden ,Hauptleute'. als Hüter der
Sitten übh. und bes. als erste Instanz für Beurteilung
von Ehehändeln; so bis c. 1860. Dasjenige Mitglied
des Gemeinderates, das über Zucht und Sitte in der
Gemeinde zu wachen hatte Senf. Einrichtung und
Wort eine Schöpfung Zwingli's, daher Letzteres sich
nur so weit Boden verschaffte, als der kirchliche Ein-
fluss Zürichs reichte; übrigens i.st es auch in Z fast
ganz verdrängt durch die Ausdrücke ,Stillstäuder' und
.Kirchenpfleger', hat sich aber vielorts festgesetzt als
Zuname von Familien, die einst Träger dieser Würde
waren. Vgl. noch Chor-Richter. ,In unser statt [sind
zur Handhabung der Kirchenzucht geordnet] unsere
eerichter und uf dem land der predikant zusampt dem
undervogt, den eegoumeren und zweien erbaren mannen
von den eiteren.' Z Mand. 1530; 1580. .Vile Pfarrer
klagen, sie haben keine E., und etliche Gemeinden
wollen sie ungern geben.' 1533, Z Syn. Act. ,Von den
Eerichteren ald Eegoumeren gewarnet werden.' Z Mand.
1539. .Von den Eerichteren ald Zuchtmeisteron.' ebd.
,Censor, zuchtgaumer, hie bei uns nennt man sy auch
egaumer.' Fris.; Mal. ,Der kirchendiener und ver-
ordnete aus der gmeind, sy seiend kirchraeier, e., ge-
schworne oder andere erliche leut, sollen die namen
der armen aufschreiben.' Hochh. 1591 / 1693. ,Ein
Pfarrer mag eine fehlbare Person beschicken und zu
sich nehmen die E., Ältesten, Geschwornen.' 1613,
JJBreit. ,Allen unsern Ober- und Underamtlüten,
als Sehultheissen, Landvögten, Gubernatoren, Vögten,
Tschachtlanen, Statthalteren, Undervögten, Freiweib-
len, Ammann, Weiblen. Ehgöumern, Grichtsässen und
verordneten Ufsehereu unsern Gruess.' B Mand. 1628.
,Von den Kilchengüeteren soll durch die Kilchenpfleger
dem Ober- und Undervogt sampt dem Pfarrer und den
Ehegäumeren jährlich Rechnung gegeben werden.' Z
Mand. 1650. ,Der Ehegaumer Eid- der Grafsch. Ky-
burg 1675 verlangt, .zum Vordersten die Ehr und Lehr
Gottes zu schirmen, also dass wo Einer ald Eine ver-
ächtlicher weis sich äusserten [wegblieben] der Kir-
chen, auch wo man die Jugend nit zur Kinderpredig
und Gottesfurcht zöge..; demnach wo zwei Menschen
einen ärgerlichen wandel zusammen führtend, dasselbig
anzezeigen, auch verhelfen, dass unser Satzungen wider
das Schweren, Füllerei, Spilen, Tanzen. Wuecher usw.
gehandhabet werdint.' .Ehegoumer, welche auf Zucht
und Ehrbarkeit zu gewahren ihren Eid haben.' Z
Landschulordn. 1684/1719. ,E., censor morum.' Denzl.
1716. , Unsere Beamtete: Untervögte, Weibel, Richter,
E., Stillständer und Geschworne, sollen auf alle im
Mandat enthaltene und verbotene Sachen fleissig Ach-
tung geben.' Z Mand. 1718. In ZBirmensd. gab es
1736: ,1 Ammann, 1 Untervogt, 1 Seckelmstr, 5 Richter,
1 Weibel, 2 Dorfmeier, 3 E., 1 Schulmeister, 1 Trüb
[TrüllV]- und 2 Wachtmeister'. ,Aber der E., der den
gaiiiii, gem. giin. t,'oiii.
Christen und die andern Lumpen zwischen der Predigt
ins Wirtshaus gehn sah, ärgerte sich in seinem Herzen
und gedachte an seinen Eid, den er geschworen hatte,
Acht zu geben auf allen Unfug und auf alles gottlose
Wesen und solches dem Pfarrer anzuzeigen.' HPest.
17SI. , Chorrichter, ^ine Art von Ältesten, auch E.
genannt.' Gotth. — Eig. Hüter des Oesetzes, s. JE Bd I 6,
und vgl. amhd. ewart, Priester.
Ofen-: 1. Ofenhocker; Einer, der sich nicht in
die Welt hinauswagt. Süloer. — 2. ,Pornacarius, 0.,
Ofenheizer.' Denzl. 1677; 1716.
Holz-: Forstwächter. ,Ein jeder H. soll allwegen
zu des Gottshaus Höheren gaumen und sehen, dass
darin nüt geschädiget werde.' XVII., Gesindeordn. Muri.
.Was das Zäunholz betrifft, so sollen die Viertleute
und der H. den Bürgern solches nach Bedürfniss geben.'
Offn. AiAlik. 1676.
Küe-: Viehhüter U. Folgt als Dritter in der
Rangordnung, nach dem ,Senn' und dem ,Zuesenn'
oder ,Handknab'. Seine Aufgabe ist, bei jeglichem
Wetter das Weidevieh zu überwachen; s. Gem. U 56.
.Imbellem gregem sequitur Kühegaumer und Hand-
knab.' XVIII., Uw Älplerged. Syn. Küejer.
Köl- und Eüeben-: Aufseher über die zur Privat-
nutzung übcrlassenen (meist zu Gemüsebau benützten)
Stücke der Allmende. U 1701/21. Vgl. Blumer KG. II
1, 36.3.
Lade"-: Ladenhüter; Waare, die schon lange im
Laden liegt, weil sie keinen Absatz fand Aa; Z. In
eine Verbalcoiistruc-tion setzte MMsteri das Wort um:
Sind (V Sjiil: und Umid dirl; und schön und artig
blüendii. Sil nimmt |k,iiilt] si 's. iiniimted-si denn au<-''
sciw Sit AdiiHis Ziii- dl" l.iidi".
, 8 i 1 1 e n - G ä u m e r , iuspecteurs des mceurs.' F Bez.
Mu. 18114 It Küenlin 183'2. Syn. .ß-ff.
SiJÜsli"g-: Bräutigamführer GflGlar. Syn. Spüsen-
Fiierer. S. Spüsen-Gäumerin.
Dirnen-Gaumer: 161"2 wird iu LStdt geklagt,
,dass die versoldeten D. ihren Dienst schlechtlich
versehen'.
Weid-Gäumer: Alpenaufseher, Alpvogt Gr. Syn.
Pfanä^;r.
Wald-: Aufseher im Walde Gr. Syn. Holz-G.
Zucht-Gaumer. Antrag der TuLandsgemeinde,
die 8 Z. der grossen Kosten wegen abzuschaffen.
1.531, Absch. ,Z., schetzer der sitten des volks und
auch des ganzen regiments, censores.' Mal. Syn. ß.-G.
Gaumeri f.: Überwachung; spoc. Pflege eines
Kindes, Kranken od. Sterbenden BHk. Syn. Gaumeten.
Gaumeri", resp. Gau-, Go-, Garniere" BRi. f.:
Aufseherin. E G. ha", eine weibliehe Person halten,
welche in unserer Abwesenheit das Haus hütet Ap.
Spec. Kinderwärterin B; „Vw;" Gr; GT. Syn. Gaiimer-
meitschi. — Spusen-Gäumerne" (T'l.): '- vmi der
Braut aus der Zahl der Vwdten udri- l'r.iiihljinieii
erkorene Jungfrauen, von welchen si,' am \r)kiiiul-
sonntage scharf gehütet und auch am Cupulatiuustage
in der Kirche in die Mitte genommen, im Übrigen
auch zur Hochzeit gerüstet und geschmückt wird GrD.;
s. Bd I 379 f. und vgl. Sp.-Mueternen u. Vorgängerin.
Syn. Sp.-Füererin (Gehri).
Gaumet m., Gaumeten i.: Überwachung, Aufsicht.
1. -ete": Bewachung. Wartung der Kinder Uw. ,Die
so furohin den Gaumen [wohl verschr. für ,-et'] band,
sollend sich morgens vor der Hofzyt zuo Mess ver-
füegen und dann daheimb zu Haus verbleiben.' L An-
sehenb. — 2. a) Wachgenossenschaft, dann: Wach-
bezirk, Quartier. „So wird meine Vaterstadt L in
7 Gaumot oder Bezirke abgeteilt." ,Vor Zeiten hat
man zu L nach den Gesellschaften die Söldner aus-
genommen [ausgehoben], jezund aber nimmt man nach
den 7 Gaumeten aus, in welche die Stadt abgeteilt
ist. Diese G. müssen alle Sonn- oder Festtag zwischen
der Predig in d^r Stadt gaumen oder wachen von
wegen der grossen Feuersbrunsten, so die Stadt vor
Zeiten erlitten. Sie müssen auch zu bestimmten Zeiten
im Jahr von Haus zu Haus die Öfen und Feurstätte
besichtigen, dessgleichen wie die Bürger mit Harnisch
und Gewehr versehen seien.' Simml.-Led 1576/1722.
Ir wissid, dass i''' Pfarrer bl'; im Udligeschwyler
Gäumetli [Dörfchen bei L]. dert ist miHHerd. Ineichen
185!». Syn. Wiirlil. \-l. ihinmir .'-. — b) das betr.
Aufsi.'hi -|i,T,nii;il ^rll,.-i, u h' /. T. sclion unter a. Am
Sniuiliij fnii'li ihrdiuniiil i-liiinnd, macht flissig ditr'''
alli Gasse' d' Hund mit Fräcke", Mäntle" und Mutzit-
schüpe" [gestutzten Jacken] ; biivahrt-is vor Diebe" und
Fürsnöte" Zg (Schwzd.). — Vgl. gr. ypoupä, 1) Vurschau,
'2) Garuisoii.
„E-Gauniete° f.: Versammlung der Mitglieder
des Sittengerichts Ap; Z." — E-Gaumi f.: Sitten-
gericht ApA., so bis in die neueste Zeit. ,Es sollen
alle Unzuchtsfälle von dergesammteu Ehegaume unter-
sucht werden Ar Verf. 1854. ,In Hundwyl habe eine
Hebamme ein Kind getauft; sie soll vor E.' 1631, Ar
Syn.-Act.
gaumig: der Obhut, Pflege bedürftig, schwer zu
pflegen, anspruchsvoll; weinerlich. Nur von kleinen
Kindern. User Ching sl" allisame grüseli g., wollen
stets gehätschelt sein BAarb. Zu gaumen 2 b.
gäumele" gei- Bs; U; Uw, gömele" GRh., gömle"
GStdt: Dim. zu gaumen. 1. dem Traubenkeltern ab-
warten GStdt; s. Gäumler. — 2. (Kinder) zärtlich
warten und pflegen. !''• han-e [ihn] eso g'gäumelet uf
der Schöss B. — 3. spielen, tändeln wie Kinder Uw.
Ein einzelnes Kind für sich allein g'vätterlet, mehrere
zusammen aber gömeled und zwiir mit Spielzeug, wel-
ches daher Gömeliwär heisst lil.'li. Kinzweil, Mut-
willen treiben, schäkern, von juiiLjeii 'i'ii'ieii u. Leuten
BsL.; ScHwMuo.; U; Uw. Syn. golen; göpen. Tän-
delnd, ohne Ernst arbeiten Uw; Syn. g'vätterlen.
Gäumler: Aufseher der obrigkeitlichen Keltern
in GRh. .Antoni Locher, Obergöramler, Joh. Kästeier,
Torggelmeister, Marx Werder, Gömmler.' 1741, Inschr.
eines Kelterbaumes G StMarg. Eine ,G.-Ordnung' vom
J. 1802. ,So wenig Wein gab es, dass der Spital in
G nicht einmal G. in seine Törkcl [Keltern] schickte.'
Pfau 1863. Syn. Trottmeister. S. noch G.-Bilechli.
gemmer: 1) gebt mir. 2) geben wirV S. geben.
Gemmeren s. Gerweren.
Ge'mmi (PI. Gemmeni) f.: Spielplatz; der zur Vor-
nahme gewisser Jugendspiele genau begrenzte Bezirk,
welcher von den Spielenden nicht überschritten werden
darf BBi. Viell. bedeutet auch der Bergpass gleichen
Namens die Landesgrenze. — Ob zu mhd. gamen, Spiel':'
film BSi. (v.Eütte), Gime" I BK., O., Gimme»
BRi.; Zyro, Gimmen BSi. (lOb.) m. — ,Dim. Gime«
307
gern, gim, gom, gaiii
B; VOrte", Gimmli BSi.: 1. Spalte, Ritze; bes. die ab-
sichtlich belassenen Spaltöifnungen zwischen den Bal-
ken an Milchgaden, Heuschuppen usw., um dem Wind
Durchgang zu verschaffen. G'höret ir-'s dur''' d' Gy-
me° pfiffe"? GJKuhn. Im Gim, von Türe, Fenster,
Deckel = nicht vollständig ins Schloss gefallen, so
dass noch etwas Luft durchspielt BSi.; vgl. achar
(unter Karr). Syn. Glffen, Kitten, Klatk. — 2. Gtmeli
(dim.), ganz kleine Dosis, so viel man zwischen Dau-
men und Zeigefinger fassen kann; Syn. Priseli, Töpli;
dann übh. kleines Bruchstück, bes. von Esswaaren
BStdt; Syn. Brösmeli. Fig., es het es G. g'felt, nur
wenig fehlte, ebd.
Gebildet von der Wz. g%- in gfeii, gf-n-en usw., hiare. —
2 eig. = die von den beiden Fingern zusammen gebildete Spalte.
„gime°, bes. dim. gimele», gimle", gimmle°:
klaffen, gähnen B; L; Schw." Syn. glffelen, ginnen.
S. Anm. zu glnen. Vgl. mhd. achim Nbf. zu schm ; ahd.
ktnan neben mhd. i-tnien.
Gime" II: Zorn. Ja, ja, e Glme stechet [steckt] im-
mer [in mir] Gr (MKuoni). — Vgl. Kmen, doch anch G. 1 2.
Oimmechsöl und tige' Bocksfüess und Spillmugge'-
hirni: scherzhafte Speisenamen G. — Gehört zu den
Entstellungen bei Imbiasgauch Sp. 105.
Cimmel m.: Gimpel GW., wohl i. S. v. Einfalts-
pinsel. ,Wuecherer Fleckenstein und g. Hertenstein
und etlich im Bat.' Salat 1539.
Vgl. ijimmtUij = gämmelitj und Gummel bei Schm. -Fromm.
Zu t/immlen, gähueu, gestellt, würde es ,Ma«laffe' bedeuten.
,gimmelig := gammelig, frohsinnig, heiratslustig
AaF."
gimnier: gib mir. 8. Anm. zu gäben Sp. 76. Hieher
viell. der Wiesen- (resp. Acker-) name ,G.' ZVelth., der
viel Dünger verlangt; vgl. die RA. der Bauern: Eb
me" cha" ne", muess-me" ge', u. das folg.
Gimmer-me"': Name von 5 verschiedenen Höfen
in L. Daher die KA. : Er ist nid vo' Schenke' [Dorf
iu L], aber üs-em G. i. S. v.: er ist unersättlich, ein
Geizhals. Vgl. Gebigs Sp. 96 und den Hofnamen
Gibisnüt (Gib-uns-Nichts) Z.
gommer s. Gott (mir).
Gonimer m.: 1. Einer aus dem Zenten Goms im W.
Wenn der Schlaf über Einen kommt, so sagt er: die
Gommer chommund vier (z' MengartJ, welche RA. eine
Anspielung darauf sein soll, dass die G. einst, zu einer
Schlacht zu Hülfe gerufen, zu spät gekommen seien,
indem sie sich verschliefen. — 2. ein besonderer Vieh-
schlag, klein, braun W.
„Gum n. [It St.'], Gumm I m. [It St.=] — PI. Gü-
mene": Gebäude zum Aufbehalten gewisser Waaren
BO. — Käs-: Käsespeicher, ebd."
Von St.° zsgestellt mit Gumm II. Von Niemandem weder
in der einen noch der andern Form bestätigt. Wenn die
ursprüngliche Angabe die richtige und der Voc. «^ ist (resp.
war), so wäre ,Gaum' anzusetzen.
Gumm n s. K-.
Gnnimel, in AaFtI. Gummer — PI. Gü- und Gu-
— m.: bes. in dim. Form: 1. Kartoffel Schw; seltener
AAFri.; Gl; S; U; Zg. !'>' hau aw'' nu [noch] e'"
grosse' Garte', darinn wachst Eisten und Barte", Gum-
mel und Bone" und anders mehr. Schw Kiltspruch.
I''' bi' sust e' g'schlagnC Bur; ha" d's ganz Jar nu'' G.
z' fresse", mag der Zis nit use" presse'. Tryner. 184U.
Harüs und Gummeli g'nueg! Herausforderungsformel
der Nachtbuben Schw. Daher Gummeli, G.-Schwyzer,
geradezu Neckn. der Schwyzer. — 2. (auch Hasel-
Gummeli) Knolle vom Schweinsbrot, cyclamen europ.
ScHwMorsch.; ÜSeel. Syn. R.-Würze; Gätzi-Epfel.
Angeblich so benannt, weil die ersten Kartoffeln, im Jahre
1727 von einem Söldner aus Frankreich gebracht, in Schw
zuerst auf dem Hofe Gummi bei Goldau (Gmde Arth) ge-
pflanzt wurden, mit der seltsamen Angabe, in Arth selbst
heissen die Kartoffeln Berdbire", sonst iu allen Gemeinden
des Bez. Schwyz Gummeli. Vgl. auch die Allmend Gummen
bei Schwyz. Diese Herleituug hat jedoch in sprach!. Bez.
starke Bedenken. Erwägt man dagegen, dass das W. in den
Zss. die allgemeine Bed. ,Knolle, Kugel' hat und dass spec.
Bach-Gummekn das Selbe ist, was anderswo B.-Bum(b)ele",
so ergibt sich ein Grundw. " Gummel in der Bed. Knolle, Rolle,
ähnlich wie Bumhd, kugelförmiger Wulst. Vgl. die Nbf.
Gumintr mit Gegummei; Gepolter, eig. wohl das Rollen hohler
Gegenstände von einem Vb. 'gummen, Schallw. wie das Syu.
bummen in der Bed. rollen, poltern; vgl. Hummel von hummen.
Der urspr. Ausgangspunkt dürfte aber das aus frz. pomme de
ten-e entstandene Bummeliterr gewesen sein, welches durch
französische Söldner mag nach Hause gebracht worden sein.
SÜ-: eine geringere Art grosser, weisser, länglicher
Erdäpfel aScHW.
Bach-Gummele° (in ScHwArth B.-Gummere) f.:
Pflanzenn. 1. Sumpfdotterblume, caltha pal. LW.;
ScnwKüsn.; U; Zg. Syn. B.-Biimbelen, Ankeballen.
— 2. Alpenhahnenfuss, ran. alp. LW. — 3. Bach-
bungen-Ehrenpreis, ver. becc. ScnwKüsn. Syn. Bach-
bum(b)elen.
S. Bachbummelen und die Anm. zu Gummel. Der Name
haftet ursprünglich und volkstümlich eig. nur an 1, auf 2
übertr. wegen Ähulichkeit der kngligen, gelben Blüten; von
den Gelehrten wurde dann die Form , Bachbunge' (mhd. bunge,
Knolle und Trommel) abusive auf 3 angewandt, denn hier
passt die Blutenform durchaus nicht mehr, sondern einzig
noch der Standort in Bächen. Die Nbf. Gummcren viell.
angelehnt an gummcren.
gummele" Schw, gummle" L; ScuwE.: Kar-
toffeln aushacken, einsammeln. Gummele du brav, g.
d. b.! Anfang eines Liedes Schw. Obse", gummle',
Streiii reelle' muess-i''' schier der ganze" Tag. Tryner
1840. Syn. herdöpflen. — Gummeler: Kartoffelaus-
hacker Schw. — Gummelet m.: Kartoffelernte, ebd.
Gnnimelast Schw, Gummilasch Z : Gummi elasti-
cum. Syn. Flasch.
GUme" m. : Gaumen Ar. ,Wo einem am g. etwas
gepresten [würde], nemme er [usw.].' Tierb. 1563.
Das W. nicht volkstümlich ; doch wo es, aus der Schrift-
sprache genommen, mit ou gesprochen wird, wie in ZG.,
schimmert das alte u noch durch. Über das Verhältniss zu
den amhd. Formen goume, gueme s. Gr. WB. IV 1 a 1576 f.
Gnmme° I: Bärentraube, arctostaphylos off. (ar-
butus uva nrsi) U. Syn. Buchsberi. — Wohl zu Gummd,
von der kugeligen Form.
an-gumme": mit Gummi befestigen Bs.
Gummer I s. Gummel.
Gammer n, dim. „Gummerli: kleines, hölzernes,
ovales Milchgeschirr Schw; LW." — Auch österr. —
S. die Anm. zu Gummel u. vgl. Gr. Wß. V 2588.
G(e)-gnmmer Gi-gumn
Rumor W.
Gepolter, Getöse,
Garn— guni. Ganib— gninb. fiamhs— gumbs. Gaiiif~-f,'"iiit'- Oamp- gmiip
310
Urspr. das Geräusch vom Rollen eines riindcn, hohlen
Gelasses, s. Gummel u. Tgl. das deutsche .rollen' vom Donner,
sowie frz. roulcr, roulement.
gumm(e)re(n) W, gümmere" (^iüwmre; GrL.,
Mal., UVatz: stark tönen, poltern, rollen, z. B. Tom
Donner, von Holzblöcken, die den Berg hinunter rollen,
vom Klopfen an einer hohlen Wand. Man hörte in
einem Hause, in dem es spukte, die ganze Nacht kni-
.stern und ,gummern', als wenn viele alte Schriften und
Pergamente aufgerollt, gelesen und urahergeschmissen
würden W Sag. i' stettigi Gurre läd-schi''' güetekli'''
ringer ixische", as wemma' über-sche-n-l" gümmeret und
sche-n-albig zersehmütze" tued, eine starrköpfige Mähre
lässt sich mit Güte leichter leiten, als wenn man . . .
und sie immer peitscht. MKuoni.
Schallnachahniend wie die Synn. bumm(er)en, gi. ßo|J.ßEU),
tonnen, lat. tonare (f) u. a. : übrigens abgeleitet von 'gummen
(s. Oummd, Anm.)
umme"-gümniere": mit Gepolter und Geräusch
herumgehen, herumstürmen Gr. S. auch gümmenen.
Bach-Gummeren s. B.-Gummelen.
Gamiui I m.: 1. der bekannte Klebstoff, gummi
arabicum, allg. ,3 lod gumy darinn.' Arzneib. 1556.
,4 lodt gumych.' ebd. Abi. angummen. — 2. gummi
elasticum. Syn. Gummelast.
Gninini 11 — PI. Gummene' — m.: Commis, Ge-
schäftsdiener; bes. der Handlungsreisende, commis
voyageur. allg. Eine vom Volke nicht gerade hoch
taxierte moderne Charakterfigur. De G. mache", vor-
witzig dienstfertig sein Z. 's Omnibus füere' werd'
gäng und gab, b'sungers wege' dene' vile' Gummene",
wo jetz chömme". Schild. ,Spöttische Blicke schössen
sie mir zu: Es isch e Gummi, e Gummi, e Müsterler
oder e Schntder! hörte ich schon von Weitem.' Gotth.
,Das Geld wird rarer, wo viele Wirte sind und Gum-
mene Büntel um Büntel ins Welschland führen.' ebd.
Syn. Müsterlirüter. Abi. Gümmeler.
G. aus .Commis' wie Gummode" aus ,Commode'. Das
lautliche Zstreffen mit 0. 1 gibt auch dem Begriffe eine mehr
oder weniger gefühlte komische Färbung.
Wi"-: Geschäftsreisender einer Weinhandlung.
.Naturgeschichte des Weingummis. Er gehört unter
die Zug- oder Wandervögel.' B Hink. Bot 1884.
Gummi in s. Kumm.
gnmniifö: wie sich's gehört, gehörig. Be'' Bock
ist g. g'macht Bs. — Frz. comme U /mit.
Gummilasch = Gummelast.
Gumniss s. ge-wunnens.
Gümmeler m.: Handelsbeflissener, Commis voyageur
B. — Von einem von Gummi II
dini. Vb 'qihnmchii.
chtlichem S. abgel.
gnmmene°: 1. poltern BRi. - 2. „herum-g.. herum-
schwärmen, ohne Zweck hin- und hergehen, z.B. im
Hause, ohne zu wissen, was man eigentlich tun will
BO." Syn. gummeren. — S. Anm. zu Ge-gummer und zu
Gummel u. vgl. das deutsche ,herum-rumpeln' in ähnl. Bed.
Gummi m. : die geronnene Milch, Säure im Magen
der Kälber BM. .Des Bibers g. oder rennin stillet
die fallend sucht.' Tierb. 15(i.3. Syn. Lupp, Benncn.
gambe(ll): laufen, rennen. In der «iir. der .Wild-
mannli' Gr. — lt. gambn, Bein.
Gamber m. : ein sonderbarer Kauz , komi.scher
Mensch; auch Querkopf, Halbnarr, der Alles verkehrt
macht AAWohl. — Viell. aus dem it. gamhem, eig. Krel)s.
G u m b i s t s. Gumpist.
Gambs: Alp.stafel in GlS.; Dorf in GWe. (,Cam-
pesias.' 835) ; Dojrf in W. — A'on rnm. cam^w, lat. camput,
Feld. S. auch GumjKl III.
Gamfer m. : der Kampher. allg. ,Gampher.' Mal.
,Gampfer.' JELandenh. 1608.
gämferle" {ga- Bs.): 1. nach Kampher riechen
(oder schmecken), allg. — 2. Genferart haben. —
'2 von ,Genr, gespr. Gämf.
Gamp n.: Ausdruck beim Ballspiel der Knaben.
,Es geht um's tamp, es handelt sich um die Bestim-
mung des Standortes der beiden Parteien im Spiel-
revier Aa (Rochh. 1857, 399). Es ist G.! Ausruf,
wenn beim Ballschlagen der Ball seitwärts, ausser die
gesteckten Grenzen fiel ZStdtf- — Es ist wohl das frz.
cnynp i. S. V. Turnierschrankeu, Kampfplatz; ähnlich it. campo.
Gampel I ra.: das Übergewicht und das Über-
schlagen eines geneigten Gegenstandes TiiTäg. Syn.
Gampf, Gnepfi.
„Gampele" f.: lange Weibsperson mit wackeln-
dem Gang SCHW; Zg." — Zur Bildung vgl. Stagden.
üs-gampe!e": auspumpen, z.B. einen Ziehbrun-
nen, bis er leer ist GT.
gampe": 1. intr., sich auf- und abwärts (auch
hin und her) bewegen, nicht fest stehen, schaukeln,
schwanken Bs; G; Siii; Tii; 7., /. V.. rin Tisch gampct,
daher ein solcher oi (iiiiiijn .jr.rlh,|i,ii l;,; Scii. An
Etwas (z.B. einer l'nuiiir. 1 r ibi -|,rit, .■. rinem Zieh-
brunnen) die Bewegung auf und ab machen; Syn.
gumpen; cmken. Er cha" au''' säge' : Tischli rüst-di'''
und Esili gamp! = Mül, was witt [willst]? Sulher.
,Gampen, gnappen, jactare pedes.' Red. 1662. Syn.
gägen, gägelen, gampfen, ganggen, gnappen, gnepfcn.
Spez.: das Schaukelpferd fGampi-BossJ reiten GF.;
Th; Syn. gampi-rUen, -reitsen, gigampfen. — 2. tr.
a) „einen Stuhl udgl. schwanken machen Sch; Z." -
b) Wasser, Jauche udgl. pumpen Sch; Th. ^yn. gum-
pen, galpen. Vgl. Gampbrunnen. S. auch Gampel II.
— Mhd. gampeti, hüpfen, stampfen.
Gampe r m. : 1. (bezw. -eri' f.) Person, die gern
hin und her schwankt, schaukelt Sch. In Aa auch
Geschln., schon c. 1600. — 2. a) Pumpe AaZ.; Tu.
— b) Pumphebel ScnNnk. — c) ein an einem Wage-
balken hängendes Fischernetz TnTäg.
Gampessli n. : kleines Kind aScuw.
Mit der Bildungssilbe -ess, wohl von gumpen. eig. ein
Kiud, das man schaukelt, wiegt.
Gampete" f.: Schaukel; ein in der Mitte auf-
liegendes langes Brett oder Balken, auf dessen Enden
je ein Kind sitzt Sch. Syn. Gtgampfi.
311
Gamp, gemp, gimp. gomp, guiiip
312
gample° = gampen, .schwanken, z. B. von Balken,
Dielen 8chwE.
gigainple": ein Kinderspiel G oRh. — Wahrscli.
= gigamp/en.
ver-gämperle": durch Ungeschicklichkeit oder
Unachtsamkeit verlieren GG.; leichtsinnig verschwen-
den AAFri. Syn. vergänggerlen.
Wohl eig. diiich Schaukeln, Wackeln verderben. Gebildet
wie oeqilämjjerhn von jilampen. Vgl. vergägcn; vergümplen.
Viell. MischuBg mit vergrämphn.
Gampel II:. das Gaukeln junger Tiere (Kälher,
Hunde, Katzen) B. — Zu gampen, doch so, dass auch
Gammel eingewirkt hat.
gamplig: munter, fröhlich, von Menschen und
Tieren (z. B. von Kälbern, die vor Lust Sprünge ma-
chen) W. — Vgl. gammlig und gammelig.
gamperisch: 1. „leichten, frohen Gemüts, nur
aufs Springen und Tanzen bedacht BSi. — 2. gecken-
haft, bes. in der Kleidertracht B." ,Ad juvenilem
ostentationem compositus, de vestihus utplurimuni di-
citur.' Id. B. Syn. gampergöliy;' vgl. gammelig.
gämple": gaukeln, spielen (von jungen Tieren) B.
Syn. feien, galpen, gammlen, gämmelen.
„Gampe" f.: Gewiichs in der Grösse eines Apfels,
das sich bei Kindern hinter den Ohren bildet F."
Gämpli, -eli n.: kleiner, weisser (in S schwarz-
sanimtener) Halskragen aus feinem Linnen, meist in
eine Krause endend, für Frauenzimmer (auch Kinder)
Aä; B; Bs; S. Syn. GolerettU, Schmisettli.
Aus frz. guim/K f., Busenschleier, dünner Schleier vor
der Stirn; Spitzen auf Kleidern.
Gimp m. — PI. -e"; spitzenartiges, schmales Band
als Garnitur auf Frauenkleidern Z.
Ebcnf. aus guimpe, aber mit deutscher Ausser, des Voc.
und selbständiger Bildung des Geschl.
Gimpel 1 = Gimp L. ,Die Kinder durften nicht
[gekleidet] kommen wie sie wollten, sondern der Götti
gab schön Acht auf Schneider und Naherinnen, und
was er nur an Gimplcn, unnötigen Bändern Jahr für
Jahr erhauscte [ersparte], würde sich auf ein ordent-
liches Geld belaufen.' XHekzog 1862. — Aus afrz. guimjie
= guivipe, die beide auf deutschem ,Wirepel' beruhen.
Gimpel II m. : langbeiniger, magerer Mensch, auch:
mageres, schwächliches Kind Aa; Tölpel BSi. — Aus
der Schriftspr. entlehnt; vgl. unser Gümpcl.
gimple°: etwas einfältig tun New.
ver-gimple° s. vcr-gümplen.
,gimpe° (mit .haben'): rogeln [wackeln], schwan-
ken G." S. gimpfen.
u^-g'giraperet: geckisch GO. — im- mit verstärk. S.
Gnmp, PI. Gü-, m.: Sprung. En G. ne", einen
Sprung tun. allg. ,Wo [bei der Umschreibung des
Katechismus] kein Zcitw. aus dem Hauptw. zu machen
war, da nahm man einen G. über das Wort.' Gotth.
,Que votre Majeste prenne ici ne' G.!' warnte jener
Berner Herr ein gekröntes Haupt, dem er als Cicerone
in seiner Vaterstadt diente. Syn. Juck, Satz.
Von einem ablautenden Vb. 'gimpen, wie ,Sprung' von
.springen'; engl, a Jump.
Flöh-. Er misst en Fl, ist ein Knauser, eng-
herzig. Sprww. 1809. Syn. Kilmmi simUen, Hanf-
samen bigen.
gurape" (i- BSi.): 1. hüpfen, springen, allg. 's Herz
(im LlbJ giimpet mir vor Freude" [schon bei Mal.).
Lite", wie die Flöh umme gumpe". Gotth. jy Freud
schiesst dt' Wisplige' in d' Bei", si gumpe' wie-ne
Frosch im Mai. Hinderm. Und 's ist e Springen und
Gumpen und Stampfen und Jüchzge" g'si' Bs (Schwzd.).
's G. wird-em [ihm] scho' na [noch] vergä', der jugend-
liche Mutwille wird dem Lebensern.st schon noch Platz
machen Z; vgl. ver-g. Die Kinder singen: Es glget
en Giger, es tanzet en Schuöb; gump umme, gump
umme, du wiieste" Uflöt ZO. S. auch Kaminfeger
Bd I 687. Jokebli, gump! [var. bump] pflegte zum
Blinden sein halb blödsinniger Führer zu sagen,
wenn .sie zu einem Bache kamen ; der Hallunke sagte
es aber einmal, als sie vor einem Baume stunden.
Wer si''' z' starch uf d' Äst use" lad, muess g., wenn
man's zum Äussersten kommen lässt, muss man sich
durch verzweifelte Mittel retten. Ineichen. Es [das
Bächlein] tschodert und tschädert und gumpet und
rislet im gleitige Sprung dur''' Hasle' und Erle" Ndw
(Schwzd.); vgl. Gümpel 1. S. noch bei nachhin-gan
Sp. 31. ,Es half nüt ir g., das sy gen dem tobel
taten.' Ap Krieg 1405. ,Do fieng das ross an zo g.'
ZiELY ir)21. ,Sy gumpend vor freuden.' 1531, Habak.
,Der fisch gumpet und schnatteret vor im.' 1531, Tob.;
dafür 1667: ,zapplete vor seinen füessen.' ,Nach dem
nachtessen [der Hochzeit] muess es aber uf ein nüws
gegumpet und gehoppet syn.' HBull. 1540. ,üie esel
haben sich so voller wein gesotfen, dass sy gumpt
[haben].' Tierb. 156.3. ,Quatere terram alterno pede,
tanzen und g.' Fris. ; Mal. , Lassend uns nit springen
und g. und allen mutwillen treiben, wie in den fass-
nachten geschieht.' Pred. 1601. ,G., hüpfen, springen,
saltare, exsilirc Red. 166'2. ,lm Schlaf gurapete sie
mit den Füssen, als wann sie danzte.' Anhorn 1674.
,Tripudiare, tanzen, hupfen, g.' Denzl. 1677; 1716.
,Pccudcs exhilaratffi lasciviunt, das vieh, wann es
lustig ist, gumpet.- ebd. .Dein gumpende Stimm, dein
irdischer Klang, gesellt sich gar übel zum himmlischen
G'sang.' Gesi'R. zw. Himmel u. Erden 1693. ,0 Teil!
wie wurdest g., wann du noch wärest hier.' Eidgn.
ToGRENB. 1712. ,Beim Tanz gumpt's wie ein Rössgen.'
WHuBER 1787. ,Die Bettler, die auf dem Brüel g.,
auf einander umtroUeu [sich wälzen].' SchwE. ßettlcr-
ordn. 1807. Scherzh. für , laufen, gehen': ,Man habe
nicht Zeit, desumme [umher] z' g.' Gotth. Die Cf stu-
dierte" [Ärzte] hei' vf begehrt [darüber, dass man
einen Quacksalber gewähren Hess], aber die Dolders
Gütterlimanne' [die verdammten Ärzte] het-me" la g.
[ihre Wege gehen, herumlaufen, wo sie mochten] und
het-si''' ihrere Nüt g'achtet. ebd. Er chunnt z' g. Z.
Scheinbar trs. : en Klass g., in der Schule eine Klasse
überspringen B. Als t. t. a) beim Kinderspiel, mit
beiden Beinen statt mit Einem (welch letzteres hoppen
heisst) in die sog. Hölle hüpfen. — b) in den Brett-
spielen die Steine (Bohnen) des Gegners überspringen;
im Mühlespiel ein Verfahren, das nur dem bis auf
3 Steine heruntergekommenen Spieler erlaubt und der
letzte Akt der Notwehr ist; Syn. jucken. — 2. lahm
gehen W. — 3. = pumpen, z. B. Wasser etc., eig. am
Ziehbrunnen Aa; GrL.; G; Sch; Th; Ndw. Syn. anken,
gampen, buderen. S. Gumper 4; Gumpbrunnen. —
4. /•-, klopfen GrL.
Mhd. gumpen, hüpfen, engl, lo jumji. Bed. 2 lässt sich
mit 1 vereinigen, insofern auch das Hinken eine hüpfende
Gaiiip, gcinp, gimi.1. gonip. gninp
314
Gaugart ist. 3 bezeichnet wie ijamjien die auf- und abgehende,
luipfende Bewegung. 4 drückt den mit dem G. verbundenen
Schall aus; indess Tgl. auch die Anni. zu Gummd.
ab hin-: hinabspiingen. z.B. von einer Bank. aWg.
/'■* bin ahe(fgumpet, meine Hochzeit ist von der Kanzel
verkündet worden, eig. ich (mein Name) bin von der
Kanzel gesprungen ZW. Trs. 's Esse" a., durch Sprin-
gen, Hüpfen nach dem Essen die Verdauung beför-
dern Z. — üf-: aufspringen. Davon der Gumpüf, der
Springinsfeld ÄAZein. Im Rätsel: Weller G. im Gade'
wird nie schlöfrig? Der Floh Aa. — a"-: (tr.) 1. an
Jmdn hüpfen, springen, wie Flohe, Heiisclncikrii. iillo\
— 2. zudringlich sein ge^'eii Jrnd L. S. LntdiniiiinjnT.
— i"-: hineinspringen. Auch tr., mit .liiÜH'ir: Wie
d's Ziiissi [Susannchen] d's Vatersch Gäscherne" [Stube]
Ingumpot hat [in die St. hineingesprungen ist]. W Sag.
Übertr.: ,Mädi war so in die Hausübung eingunipet
[eingeschossen], dass, wenn ihm Etwas fehlte, es keine
Umstände machte.' Gotth. 1843; dafür in der Berl.
Ausg. einge-urhet. — ver-: 1. sich ausspringen, an
Sprüngen ersättigen. Me" muess d' Chind v. lä'. allg.
— 2. die Lust des Hüpfens, die jugendliche Lebhaftig-
keit verlieren, 's Boss hat vergumpet. Er hat v., lange
genug ein lustiges Leben geführt. Auch von Früchten,
deren Zeit vorbei ist: d' Chriesi sind r., man kann
keine Kirschen mehr bekommen ZB. — 3. (trs.) Geld,
Zeit udgl. mit jugendlichem Mutwillen verscherzen,
vergeuden L. — 4. (leH.) .^iuli verrennen, irren, übel
anlaufen. Auch sich zu frühzeitig verlieben B; vgl.
cer-galoppieren. — geiss-: t^piel der Knaben, bei
welchem sie über eine Pieihe an einem Abhänge auf-
gepflanzter .Geissen' (Paare von Gabelhölzern, über
welchen je ein Stab quer liegt) zu hüpfen haben, ohne
sie zu berühren Aa. Syn. Stecklispringen. — bock-:
bockspringen, ein Knabenspiel, daher Bockgumperlis
Bs; Z. — sack-: eine Belustigung, bei welcher ein
Knabe bis an den Hals in einen Sack gebunden über
ein vorgehaltenes Seil oder Brettchen setzen muss Aa.
Auch Wettspiel der Erwachsenen B; S<'hw; S. ,Die
Heiterkeit des Älplerfestes in Schwyz erreicht ihren
Höhepunkt, wenn das S. beginnt.' HHerzog 1884. S.
S.-Gumpet u. Osenbr. 1864, 30. — seil-: seilspringen.
Zwei Mädchen schwingen gemeinsam ein Seil auf und
ab und ein drittes muss wiederholt darüber springen,
ohne es zu berühren, wobei (in Aa) der Taktspruch
gesungen wird: SfHiiijurli. Gihiijirrli. T!iiiiihi.<}m»ih,
chumm, mer |«ir] Imnl in SiiIhihiiiii I An.'h mit der
dim. Form veii .Seil-: snl,,iiii„iir„ Aa; V.^-. Z. —
stigeli-: ein Kinderspiel, W'etthuil über Hindernisse,
bestehend aus Querstäben, die in Pflöcken, Stigele",
ruhen S. Vgl. geiss-g.
Gumper I (Gii- AAHalhv.) m.: 1. Kupfer, Springer,
allg. Spec. (im Kätsel): De' G. im Sprnrhelt, der Floh
Aa. — 2. GUmperU, Stei"-G., kh/ine St.iiikiigol zum
Spielen Aa. Syn. Bollei (Bd I 17); M.r-. l'„ln-imi^-,
Spick-Knglen; Kluckeren; Klür; M.nhrl: Slmssa;
Schütser; Schtieller; Doli. — 3. ein liiiuei nt.inz. Audi
nur: Freudensprung Bs (Spreng). — 4. das Pumpwerk
z. B. eines Ziehbrunnens G. Syn. Gamper, Buiiipir.
Ygl. engl, jumyyer. Bed. 2 von dem Hüpfen der beim .\uf-
fnllcu elastisch abprallenden Kugeln. 3 gebildet wie /fojiwr,
Waher. 4 ZU gumpen 4.'
Lüt-a"-: gleichs. Leuteanspringer. 1. Mensch, der
sich Jedermann aufdrängt, sieh lästig macht L.
2. Mädchenjäger S. — Vor-: Gehülfe eines Vieh-
händlers, besonders des jüdischen, welcher auf dem
Markte die dienlichen Stücke vorläufig auszuspähen
und mit dem Besitzer anzubinden hat, wobei er die
Waare weidlich herunterwürdigt und damit dem eigent-
lichen Käufer den Weg ebnet B. ,Der Meister, ein
alter Fuchs, den die V. (so nennt man die Treibauf
der Küh- und Bosshändler) nicht täuschen.' Gotth.
— Gülle"-: Jauchepumpe ZRafz. Syn. G.-Bumper.
S. Gumper i. — Gras- AAKais., Heu- (Gü- AAtw.;
B) Aa; Bs; B;.'S: Heuschrecke. Syn. Matten-G.;
H.-Gümpel, -Giipfer, -Hoxber, -Jucker ; -Ströjfel ; Heini-
Ströffel. Vgl. engl. Grasshopper. F'' bi' doch sellcts-
mol no'''-n-e rechte H. g'sl', noch ein junger Spring-
insfeld Bs. Auch übertr.: langbeinige Person S. -
Lade"-: (scherzh.) Ladendiener Scn; eig. der immer
im Laden herumspringen muss. — Matte"-: Heu-
schrecke Bs; S. — Bändeli-: spöttische Bezeichnung
der Aufseher über die Seidenbandwebstühle, weil die-
selben den Webstühlen auf dem Land nachzugehen
und die Arbeit zu kontrolieren haben Bs. Syn. B.-,
Stuel-Läufer. — Rechts-: Rechtsverdreher. Gotth.
Steckli-: einer der Titel, welche die Landleute
den Städtern geben Z. , Kanzlei- und Büreauangestellte
wurden nichtsnutziges Federvieh und gewichste St.
gescholten.' Z (Girsb.). Syn. St.-Springer. — Steckli =
Spazierstock.
Gumpere" f.: 1. elastischer Ball, der auf den
Boden geworfen gumpet. — 2. Schnellkäfer, elater,
der, auf den Rücken gelegt, wieder auf die Füsse
springt Zg; vgl. Gumper I.
gumper ig, vorwiegend gü- {hümperisch Gr) :
1. hüpf-, tanzlustig, munter, mutwillig Bs; Gr. 's ist-
m^r nit g., ich habe keine Lust zu .springen Bs. —
2. brünstig, von Hunden Bs (Spreng).
Gumpet m., Gumpt-tK f.: 1. Gehüpfe, bes. scherzh.
der kunstlose Tanz, Bauerntanz, Tanzbelustigung B.
Syn. Tanzete(n). — 2. = Sack-G. ,Wenn es einen
lustigen Tag gab, einen Schiesset, Kegelt, G. oder
sonst eine ganz ordinäre Hudelte.' Gotth. — Sack-
Gumpet m. {-ete" f.): das unter sackgumpen beschrie-
bene Vülksspiel B; Sinw; S. In ß auch von speku-
lativen Werten veranstaltet, um Leute anzulocken;
vgl. Gotth. X1\ >■"■. Syn. s, irklaufet. Vgl. Gränneten,
Wegglifressel, Sh iiisiiissil . — Stengel-Gumpete" f.:
Lustbarkeit am Schlüsse des Hanfbrechens, wobei die
jungen Leute über einen Haufen gebrochener und bis-
weilen angezündeter Hanfstengel zu hüpfen pflegten.
Eine solche wurde etwa auch zum Schlüsse des land-
wirtschaftlichen Jahres übh. veranstaltet und der fest-
liche Nachmittag damit eingeleitet, dass eine Zeit lang
Hanf ,gereitet' wurde, was unter allerlei Scherzen und
Plaudereien geschah; nachher dienten die auf dem
Boden ausgebreiteten Stengel als Unterlage, auf wel-
cher die Bursche und Mädchen herumhüpften L.
Scherzw. jetzt noch die letzte Sitzung einer Behörde
in einer Amtsperiode L.
Gumpi I m.: = Gumper I. Dere junge GumpinC
(Springinsfeld), wie-me'-se jetz hat. Gotth.
Gumpi II f.: 1. Schaukelpferd Gr. Syn. G.-lios^.
— 2. Gesellschaft junger Leute, die hie und da einen
Tanz veranstalten. Auch ein solcher Vergnügungs-
abend selbst L. — Seil- f.: das Spring.seil der Mäd-
chen ; auch G.-Seil BsStdt.
Gamp. gemp, gimp. goniji. gnmp
316
Gurapi HI s. Sp. 317.
gumpig Ap; B; Z, gümpisch SchwE.: hüpfend,
unruhig, springlustig, wohlgemut, munter. Von Ziegen,
Kindern usw. E gompige Wettfrau, rüstige Wittvve
Ap. Dim. gümpeUg. ,Die .sect wa.s uss der müssen
kutzlig, gumpig, kurz bunden und spitzig.' Salat.
,Lasciyus, geil, gumpig, muotwillig.' Fris. ; Mal. Vgl.
gumperig.
Gumpis I: kleines Kind Th. — Mit der Ableitungs-
silbe -188 von tjumpen. Vgl. (Jamj>€nnti.
Gümpel ni.: Springer, Hüpfer. 1. von Menschen:
, Einen lustigen G. und Bockspringer.' UBrägg. 1782.
Übertr. von einem Bache: ,Den lustigen G. da sehe
über die Felsschroffen herab sprudeln.' ebd. Vgl.
gumpen. — 2. Gimpel, Blutfink; doch nicht volkstüm-
lich (s. unten CGessner). Syn. Gügger. ,Gümpel, Gim-
pel, Blutfink.' VoGELGES. 1737, dafür ,Gi-' in den andern
Ausgaben. ,Pyrrhula, Güger, apud nos per onomato-
poeiam; alibi Guotfink, Bluotfink, Brommeiss, Bollen-
bysser, Rotvogel, Hail, Goll, Bollebick, in Austria
Gimpel.' CGessn.
Pas Festhalten des -ii- gegenüber dem schriftd. i beweist,
dass der Zshang mit gumpen dem Bewusstsein nicht ent-
schwunden war.
Heu- = Oras-Gumper Aa.
gümp(e)le° I Ap; L; Th; \5w (gu-), gümperle"
Aa; Bs; B: leicht, zierlich hüpfen, tänzeln; zappeln,
allg. Wiegenlied: Gümpele nw, g. nu' (cMi''s MeiteJi,
holleho Aa), 's G. wird-der ncho' vergö"; 's G. ist-mer
au''' {ist-drr sclio' od. wol Aa ; Th) rergange", d' Hötteli
(d' Windle'' L) liangid a'-der Stange" Ap, — tvenn
d' W. a' d. St. hanged Th (Pupik.) — b'hanget d' W.
a" d. St. Aa, Letzteres wohl Warnung an mutwillige,
hoffärtig trippelnde Mädchen. .Nun fröwt sich alls
g'blüot in mynem lyb, myn herz das focht jetz an zu
gumplen, erst tuet die lieb recht in mir runiplen.'
Gengenb. Ein Bauer fragt, wie es denen in der Stadt
.wurde gefallen, wenn si ushin müesstint, den karst
in die händ zuo nemen, die räben zuo werchen. und
gümploti darmit [hüpfte dazu].' 1522, Egli, Act. —
Davon ein fingierter Name : ,Der Herr Gümperli war
ein eigener und lustiger Mann, nicht nur weil er so
hübsch und fein ,g.' konnte, wovon er seinen Namen
hatte, sondern auch weil er so viel wusste und überall
bekannt war.' Breitenst. 18ö0.
Gnmpe- f. AAFri.; Bs; Gr tw. (tw. h-); S tw.; Uw,
sonst ni., Glumpe" in. Aa; L, f. B; L - PI. -«-;
l. von fliessendem Gewässer ausgehöhlte kesselartigo
Vertiefung im Bette, tiefer und weniger stagnierend
als die Gülle» aaO. u. Ap; Gl; G; Sch; Schw; Th; Z.
Chumm, mer wend go bade'; niei", i''' tveiss en schöne"
G. Z. Ivie" G. ertninke". ebd. Si häd Wiseblueme"
i"s Wasser g'worfen und g'lueget, wie sie im Clireis
ume tanzid, bis es d' Strömig mit si"'' fürt füert und
imen andere" G. de Tarn und das Spil u-ider a'gät.
Usteri. ,Dyn gerechtigkeit ist wie ein starker berg
und dyn billigkeit wie ein tiefer gump.' 1531, Ps.,
dafür 1667: ,eine tiefe', jetzt ,eine Flut'. ,Die gmeind
ist gestraft worden darumb, dass sy in der Wueten
die giessen und g. onerlopt gefischet haben.' 1549,
ScH Ratsprot. , Turbo, ein wirbel im wasser, da gross
gumpen sind. Gurges, ein wassergunte oder gumpen,
waag oder grosse tiefe eines flusses.' Fris. ; Mal. ,Ein
schneller würbel, so ringswy.s herum louft in einem
g. oder grossen tiefe.' Rüeger 1606. ,ln gemeinen
Wassern ist das Fischen erlaubt, doch soll Niemand
dabei darin Schwellen anlegen oder Glumpen aus-
schöpfen.' B Jägerordn. 1649. ,Der gump, gomp, golp,
dümpfel, kolk, gurges, vorago, vortex.- Red. 1662.
,Es ist verboten, die Bachforellen mit den Garnen,
Händen und Ausschöpfen der G. zu fangen.' HEEscher
1692. ,Gurapo, gurges.' Denzl. 1716. ,Die Töss in
ihrem Lauf gehemmt, so dass die Kinder konnten viel
Fisch ab den Steinen und aus den Gumpen zusammen
sammeln.' Z Nachr. 1756. ,Sie hatte den Kopf in ein
Gümpchen gesteckt [um sich zu ertränken].' UBrägg.
1784. ,Ich setzte mich an den Bach; o bis zu Tränen
rührten mich die G., die dort mein lustiges Bad ge-
wesen.' ebd. — 2. jede Ansammlung von Wasser (oder
anderer Flüssigkeit); kleiner Teich, Lache, Tümpel,
Pfütze, immerhin von grösserer Tiefe als Gülle" 1
Aa; Ap; B; VOrte; Gr; G; Sch; Th; Z. Bald ist er
leider terstünet [in Staunen versunken] und ist uf-em
Waldstrdssli pnäl nng'sinnet in es Gämpli ine" trette".
ScHwzD. Mit Syn. zu einer Klimax geordnet: Mnist
isch 's in di Gurle" g'hit, in anderist in Süke", ol gär
au"'' in Gumpe", wie schi dergliche" zer Gnüegi trifft
uf de ruhe" Älpwege" GRPr. (MKuoni). Z' Brunne"
und z' Sebe" hend-er's mit de" Krümpe" [Biegungen]
doch aw^'' prächtig use'brunge", d' Strasse" gönd i de
Gümpe". Schw Fasnachtsp. 1883 (Wortspiel mit Gump).
En G. Bluet, eine Blutlache. 10 Chile gend en schöne
G.Milch, ein bedeutendes Quantum. Ähnlich: 80 Eimer
sind en schöne G. Wi". 's inrd wider es schöns Gümpli
[Wein] 'trunke", bis die neue" G'meindröt verschwellt
sind. Hertenst. Me" sott e Gümpli Schmalz uf's
Öpfehnues tue", aber nit nw e Pfüpfli GSa. Wenn
der Anke" e Chivipli hat [wenn im Buttertopf ein
Grübchen mit flüssiger Butter sich bildet], so git 's
ander Wetter Aa; Z. ,Die iren Ij'b geziert habend
zuo der Üppigkeit, ligend in der hell in einem fulen
stinkenden g. voll der schlangen und krotten.' .\lemann.
Incünabel, s. Herrig's Arch. 43, 234. Die gross G. =
die gr. Güllen, der Ocean Gr. — 3. übertr. a) GlimpH,
kleiner Rausch Uw [?]. — b) tiefe Schüssel voll heissen
Wassers, in welche die Theekanne ge.'itellt wird Bs;
auch The-G.
Die Synn. G(l)unggen, Gflhmten, Glun(t)schen. Glutten
(neben Gurhn, Gieaaen, Luemen, Lortschen, Putzt, Silken, Wäg)
viell. etymol. vwdt mit unserm W. und blosse Nbformen zu
diesem oder dieses zu einem von jenen ; aber schon das mhd.
WB. kennt gumpe (swm., tiefe Stelle im Gewässer). Wäre
die auf einer einzelnen Stelle bei Notk. beruhende Angabe
,gumpito' = stagnum, gesichert, so Hessen sich viell. die
sämmtlichen genannten Formen auf dieses zurück führen.
Einschiebung (wie .^usstossung) von l tritt nach anlautendem
Guttural so häufig ein, dass eine Trennung in dieser Bez.
nicht am Platze ist. Glum/ auch cimbr. Gumpe ist spec. obd.
Vgl. die im deutschen WB. aufgeführten, aus dem Ndr- u.
Md. stammenden WVF. ,Kumme, Kump(e), Kumpel; Kumpf,
welche allerdings nur ein Geföss bedeuten. Ans diesen ist
3 b, wenn auch mit Anlehnung an das alemann. VI., wahr-
scheinlich entlehnt. Vgl. auch it. combo, gekrümmt, frz.
combe, Einsenkung, udgl., und Späel-Kumpen. Im Volksbe-
wusstsein wird das Vf. an das Vb. gumpeti angelehnt; vgl.
Fälle wie «6er en'" G. ine" g. Gumpen als Flurn. ZUster. ;
Gumpenbüel ZStäfa; hieher viell. auch ,ze gumpelfar an der
wasserschöpfen.' 1454, AaSins.
Gülle"-: Jauchetümpel G; Z.
Wasser-: = Gumpen 1. allg. ,Da die Birs zwü-
schen dem Gebirg heraus fleusst, ligt ob einem tiefen
:517
iiiniii P>H"|'- ('Hllipf- f
W.-Gump das Schloss Angenstein.' Wurstisen 1580.
.Daselbst [an jener Stelle des Baches] war ein W.-
Guinpe.' LLav. 1670. ,Gurges, Strudel, W.' Denzl.
1077; 1716. .Tiefe W. in Bächen, in denen sich Fo-
rellen aufhalten.' Steinm. 1804.
Gumpi Ul f. : = Gimpen Bs. Wer nimml e"
Gump über die G.? Breitenst. ürtsn. ZHirz. — Fe-
liiiuiubilduug zu Gnmjien.
Gumper II: Militärbezirk in W. ,Dcr Centen Brig
ist militärisch in 8 Gumper eingeteilt, welche die
Natur durch Vertiefungen bezeichnet.' SFurr. 1850.
— Vgl. frz. coiiibe.
„gunipere": poltern Gr." Syn. piniiperen. - Schalhv.
Syn. ijummerm. S. Aniii. zu Gummel.
Gumpemante: scherzh. für Gouvernante B. So
unverschant, meinte sie, sei sie doch nie gewesen,
wenn sie schon nie im Weltschland gewesen und Gum-
pernantlis gelernt habe.' Gotth.
Gnmpisperger: Apfelsorte; s. Epfel Bd 1 'i^ii. —
Viiu einem Orte Gumpithertj (vgl. GiimiiUbüd B).
Günipist, -isch, -is II, i- BSi. ni.: Eingemachtes.
1. bes. eingemachter Kohl, Sauerkraut Aa; Bs; B;
Gr und wie die Comp. G.-Epfel, -Fass, -Kirsi, -Krüt,
-Bir, -Ständli, -Zuber, sowie Bed. 2 und die histor.
Belege zeigen, früher allg. ,Swer dehein gumpost oder
krut südet uf deheiner tili oder nachtes, der git 10 ß.-
c. 1300, Stadtb. L. Der Meier soll. ,so er einen g.
machet, wenn im ein jung kint wird, howen ein fuoder
hohes.' Otfn. ZHöngg 1338. ,Jeglicher keller hat das
recht [zu beziehen] 2 fuoder usser demselben holz,
dass er synen g. gesüdet.' Offn. ZOss. [Der Kohl wurde
also vor dem Einmachen gesotten, was jetzt nicht
mehr geschieht; vgl. Sohm. I" 905.] ,Derselbig wyn
oder [viel-] mehr gumpest [.saure Brühe] was so arg,
dass MHH. verboten, den ze verkoufen.' 1574, Bs
Chron. ,Ein frischer corabi-st vom bapst und den seinen
über Teutschland eingesalzen. Es ist ein gumbist ob
dem für, da wirt manchem die brüe zu tür. Gar orden-
lich ist er bereit, wol gesalzen und gcleit, wer weiss,
wer in ausessen will.' Gengenb. ,Des Pabstes recht
ist ein vermengt mues und gar ein wilder gumpisch,
darinnen mancherlei kraut und wurzel, saure und
süsse, durch einandren sind.' 15'24, Bs (Püssli, Beitr.).
.Die von Meilen haben ihrem Pfarrer Anken, Ziger,
Käse abgössen und genommen; 1 Napf zu Stücken
geworfen, der gumpist Lst gar zerworfen und zergängt.'
1523, Egli, Act. ,Es ist zyt, dass man im sag, dass
er krut gumpist lasse sin [die Wahrheit nicht ver-
drehe].' 1.5'29, AAZof. .Doch denkend wir oft an thverii
gueten gumpest, kabeskraut und most — • schrieb 1561
der aus seiner Heimat vertriebene ABlarer nach Hause.
.Spissamentum. ein buschleten, die zesammengetruckt
ist. von fenchelkraut oder anderem, welche man legt
in die gumpist, darein man oliven oder ander ding
einmacht.' Fris. .Nach dem Herbst habe sie Käben zu
Gompist gesotten.' Wasterk. Proz. 1701. — 2. anderes
Eingemachtes, bes. Obst, Früchte, a) in Sauerkraut
(G. 1) über den Winter eingelegte Äpfel und Birnen
Aa; Sch; Schw; s. G.-Epfel Bd 1 382. Es eignen sich
hiezu nur gewisse Obstsorten, wodurch sich z. B. der
Flurn. .Wiesen im Gumpisbirben [-Birnbaum].' ZFehr.
erklärt. Vgl. o. die Stelle aus Fris. — b) für sich
Eingemachtes, wie Kirschen, Zwetschgen Sch. Wer
sl Frau lobt und sin Gumpist, war 's gern los. Sllg.
— .3. übh. ein dem Eingemachten verglichener Stoft",
Masse, a) Eiweiss und Dntlrr. im llat^cl: Es ist efs)
Ständen (FässliJ oni Bninl fj:,n„l/,. I.'np m,|.., I„„I
tceder R. noch Bänddt mul dind i ..irrtiiin (iiiiK/iis
(Vumpis) drinn (dri*) Gr; L; Z, last 's falle", so ist's
hi" Gr. — b) „Eiter in einer Wunde AALengn. It 2,
BLangn. It 1." — c) Masse, Haufe. En Gumpisch
Sache" Sch; „en G. Geld, überaus viel B; L." —
d) Gemengsei, Durcheinander, Wirrwarr, von kleinen
Sachen; auch Ausschuss Aa; Bs; B; Scii; Z. „'s ist
e" rechte' G." Er g'hört zum Gumpist, zum G'schlüech.
Sprww. 1869. ,Der Hehler und der Stehler sind ein
Gumpisch.- Sprww. 1824. .Man wurd ein seltsamen
gumpist und blander erfaren.' 1530, Striokl. (B.) ,Dass
schier ein wilde gompost war worden.' Sicher 1531.
Von lat. compos(i)tum, it. camposto, das Eingemachte; dazu
it. composta, frz. compdte f., Confiturc. Vgl. Gr. WB. s. v.
Komjiost. Scheint in der abgel. Bed. von .Sicher als f. be-
handelt zu sein. — ,Gumpost' auch Geschlu. 14'28, Z, und
,Gumpistloh', Hof GT.
Chirsi-, Chriesi-: gedörrte Kirschen mit Wein,
Zucker und Zimmet gekocht (oder auch nur darin
erweicht) und kalt aufgetragen, bes. beliebt im Som-
mer als Erfrischung beim Heuen und Ernten Sch; Z;
eingemachte Kirschen auf Butterbrod gegessen Ap;GT.
Kirschsuppe Gl, Brei von (i,'(..lr,rrten) Kirschen 8;
Syn. K.-Brägel. Ygl Kiisi-K,„ln-. Eiiiisrhhim Milhni-
esse", just bim Chirseguiiijnsili^ ."^riiiM. l-iilil. Ch.. ,liirn
l''g'kiti Bire' für uf'c Tisdi inni nf's Erhl. r\,.l. 1 -<•■..
— Rabe"-: zu Sauerkraut eingcuiaclite weisse Kuben.
,Sie habe aus dem Kessel gesottenen Keben-Gompist
gegeben.' Wasterk. Proz. 1701. — Schieb-: ein .sclile-
gumpest' mit Spezereien angemacht, unter den frommen
Gaben ans Kloster. 1518, Bs Chron. — Zwetschge"-:
dürre Zwetschgen, bereitet wie die Kirschen des
Kirsi-G. SoH.
„gümple" 11" gi-: , trödeln Bs." — ver-: ver-
trödeln, auf leichtsinnige Art und unter dem Preis
verkaufen, wie Verschwender tun Bs. Er hat 's bim
Grempler vergimplet und 's Geld vertrunke'. Breitenst.
1863. — Vgl. vergämpa-hn. Das W. in seiner Bs Ausspr.
mag sich im Volksbewnsstsein an ,Gimpel' anlehnen.
„Gümpler m.. -eri" f.: Trödler. -erin Bs." Syn.
Grämxder.
Scheint elsäss. zu sein; s. bei Üasypud., Dicif., Gloss.
genn. und Frisch. Ob von G'r'ümpel, mit Ausstossung des r?
Die Frankf. Ausgabe des Dasyp. von 1653 ersetzt das alte
Gumjjler geradezu durch ,Gr-'.
Gampf m.: 1. Zustand, Moment des Übergewichts,
Überkippens eines Körpers. I" im G., in einem Hub.
Ruck (nach den Gesetzen des Hebels) Ap. Uneig., ("
im G. Nebes tue', nicht zweimal daran machen, ebd.
Ein Glas in einem G. austrinken Th. — 2. Neige,
kritischer Moment, Ausschlag zum Fall. Of-em G.
sij' Ap. De' G. ge", den Ausschlag geben, ebd.; G.
Von der letzten veranlassenden Ursache zum Falli-
ment, Geisteskrankheit usw. Vgl. Gämpfi u. Gimpf.
Gigampf in.: 1. Schaukel GlK. — '.'. wieovnartige
Bewegung Gr. Im Kinderspiel, in «elcli.'iii Zw ei,
Rücken an Rücken, einander ^vech^elwei-,■ li.-l,rii
(s. RocHii. 1857, 453). Anfang einer WechseUcae: A. O..'
Gampf, gomiit. giiiipf. frmnpr, giinipf
320
B. Haber (Gerste', Wasser) -stampf. A. Wo ist de''
Ma""? B. Im Höh [usw.], mit dem das Niederducken
Beider begleitenden Schlüsse : hock nider (sitz abe) und
sing! Th; Z, od. ligg nider derzue! ZO., wo die Stampf-
mühle wegen der abwechselnden Hebung der Stämpfel
oder des Wasserhebels ein Gigampf genannt ist. In
B, wenn man das Kind auf seinen Knien reiten lässt:
G. ! Eösslistampf! Guldige Bing, Chlapf [Schlag] zum
Gring [Kopf]! B. — S. noch gitjampfen.
gampie", „Diva, gampfle"' : = gampen, schwan-
ken, wiegen, schaukeln; auf und ab bewegen Aa; Ap;
Vükte; Gl; G. Syn. gigampf en, gämpfen, gimpfen.
,Es zittret und gampfet die Welt.' Kütl.: Der Sturm-
wind. ,Die Grundwellen giengen, dass das Schiff nur
hinten und vornen auf und nieder gampfete.' UMev.,
Pilgerr. Bildl. : Es gampfet mit-mer, ich weiss nicht,
soll ich oder soll ich nicht, ich bin unschlüssig Aa
Wohl. Syn. es macht ufe' und abe" mit-m^r.
gl- Aa; Bs; B; L; Z, gile-, giri- Ap, glri-
ZWl.: verstärktes gampfen. 1. schaukeln, wackeln
übh., taktmässig sich auf und ab (hin und her) be-
wegen. Si rutsche" de' Tisch hin und her, bis er uf
dem Iwlperige Bude' endlich grad stöt, öni z' g. Bs
(Schwzd.). ,Die genagelten Schuhe der Tanzenden
schlugen den gigampfcnden {anf- und niedergehenden)
Boden [des Tanzsaales].' Gotth. Auf einem Stuhle g.,
sich darauf schaukeln. Wenn der Pfarrer Simlch seit
i' der Predig, vil 100 Mol glgampfet mit-''em Chopf,
uie-n-e alts Boss. Stutz. Kinder, auf schwimmenden
Hölzern, Baumstämmen sich auf und ab wiegend, rufen:
G., Wasser stampfe", kk; Z. Ähnlich in Aa; Ap; Gr;
Z bei dem unter Gigampf erwähnten Spiele, wobei
Reime wie folgender rcsi.on dorisch das Heben und
Senken begleiten: G., ]\'n.s, r ,i;n<t,-i stampfe", rote
Bock, Nägelistock, mit ih m llni,!.,-,- aheg'hockt! oder:
G., Bäbe' stampfe". Wo <>( il>„ An,:' [usw.] mit dem
Schlüsse: En brave, brace Abenitz (Niderhock), oder:
Sitz nider und sing! Syn. Gersten stössen. — 2. schau-
keln im spec. S. von .wippen'; Belustigung der Kinder
auf der wagbalkenarti^cen Schaukel (Glgampfi). allg.;
in Gr auch: sich auf dem Schaukelpferd (Gigampfross)
wiegen. Zu der taktartigen Bewegung werden zwischen
beiden Spielenden Reime wie die o. angeführten ge-
wechselt. G'gigampfet hend si in alle" Wirtshüsere
und 'trablet [getanzt] und 'brüelet L. ,Geigampfen, ja,
das hass ich auch, 's ist ein abominabler Brauch.'
Kelterb. ,Änneli träumte, es gigampfe mit einem
schönen Engel.' Gotth. ,Die aussen vor den Toren
gegigampft und gespielt.' 1567, Müller, Lenzb. Syn.
gigeizen, gireizen; rülzlen. — 3. übertr. a) , ächzen,
sich unruhig und klagend hin und her bewegen B
Lauterbr." Vgl. geigen I mit g. IL — b) auf den
menschlichen Geist: hin und her schwanken, zu keinem
Entscheide kommen B. Syn. gampfen.
Mit dem Kediiplicationspräf. yi- (dessen i aber viell. in
Anlehnung an yigen verlängert ist) von gamji/cn gebildet, wo-
durch die alternierende Bewegung gemalt wird, wie in .Zick-
zack', Bimbam, hihäheJen, gigagen, gigarschen Bd I 467, Fi-
falter Bd I 820 udgl. Girc- fGile-) hinwieder aus der einfachen
Redujil. erweitert, wie in Glrigitz, giriginggetcn, Biribitz.
Gampfi f. GA.; Uw; Zg; ZAuss., Gi- f. Aa; Ap;
BsLd; Gl; Gr; L; G; Scb; Uw; Zg; Z, n. BsStdt;
ScHW, Giri- Z Fisch.: 1. aus einem Wagbalken be-
stehende Schaukel, Wippe. aaO. Strickschaukel Uw.
Syn. Gireizi, Bülzel. — 2. Gig., Schaukelpferd AAAarb.;
BsStdt; ScHW; Zg. — 3. i" der Gampfi, in schwan-
kender Lage, in der Schwebe Zg; Syn. Wäg. — Das
sächl. Geschl. erklärt sich aus der Zss. G.-Ros».
gämpfe": 1. (tr.) auf die Ecke oder Kante heben,
auf-, umkippen Ap; ein Gefäss so neigen, dass der
Inhalt herausfällt Aa. — 2. (intr.) a) = gampfen,
wackeln, schwanken, wie ein Tisch mit ungleich lan-
gen Füssen, wie unfeste Bretter einer Brücke B;
VOrte. — b) wippen, schaukeln, z.B. auf einem
Stuhle Gl; G; Uw. Syn. gägelen. — c) übh. sich
auf- und abwärts bewegen ZO. ,Ich schaute zu, wie
der Stampfbalken der Gerstenstampfe auf und nieder
gämpfte.' Stutz. Eine nickende Bewegung machen,
einschlafend nicken Aa. — d) das Übergewicht be-
kommen, kippen Aa; Ap; L; GWe.; Th; ZO. Gang
nid so hoch üfe'; wie Hecht chönntst aw'' g. Th. Es
gämpft, es will umfallen, ebd. Auch über-g. Syn.
gnepfen, überhljen. Bildl.: es gämpft mit-em = es
gampfet AAWohl. — e) hüpfen Ndw.
Urspr. wohl das Faktit. zu gamp/ea. — 2 e meint wohl
nur die anf- und abhüpfende Art des Gehens. Vgl. gimpfen.
um-: 1. tr., umschwänken ApM., U. (T.). — 2. intr.,
umschlagen oTh, z. B. 's Schiffli chunnt in en Wirbel,
fangt a" schtvangge" und gämpft um. — um-hi°-:
hin und her schwanken (beim Rausche etc.) GTa.
Gampfi: 1. f. Gleichgewicht, Schwebe, Kippe. Es
ist i" der G., es zieht auf beiden Seiten (der Wage)
gleich Zg. üf der G., auf der Wage, im Punkt der
Entscheidung Gl. Er ist uf der G., es geht mit ihm
zur Neige Aa. Syn. Gnepfi. — 2. „n. Etw., das wie in
einem Gleichgewicht hängt VOrte." — 3. (f.?) Strick-
schaukel ScHwE. Syn. Eeiti, BUseili. — Vgl. Gampfi.
(Jampfer m.: Seckelmeister TB. 1645, Urk.
Versuch einer Andeutschung des mlat. aineparius, it. cano-
vuiu, Verwalter der Vorratskammer (cauvi-a), vom mlat. ca-
nejKi, canem, cella penaria.
Gimpf m.: der Ausschlag, die Entscheidung in
einer Sache Ap; G (1790). Das git-em de' G. Ap.
,r>as gibt der Sache den G.' 1788, Ap Id. Vgl. Gampf.
gimpf e°, swv. : = gampfen 2d kv\ GRh. (bisw.
gimpen). Der Stuel gimpft.
Es wird d.is i als degeneriertes ä in der MA. von Ap. u.
GRh. zu fassen sein, oder dann ist es aus gimjxn eutnonimen.
über-: = über-gämpfen ApL, M., H.; G. — um-:
tr. u. intr., umkippen ApL, ii,, K.
Gimpfi f.: die Kippe, Zustand, da ein Körper zu
kippen droht Ar = Gampfi (s. d.). Syn. Gimpf
I"-Giimpf m. : plötzliche Vertiefung GO.
Das In wie in in-hd, konkav. Da Gupf, zumal boini Ei,
den Gegensatz zur Spitze ausdrückt, könnte es aus diesem
erweitert sein, wie das syn. Iniumpf aus Intupf. Vgl. das
folg. W.
Gigeli- s. G.-Gupf
tiumpfl f.: wohl = Gampfi und daher viell. nur
Druckfehler. Dert isch 's nit kauscher [geheuer];
mängC Ma"" het dert scho' oft sis Fahrt g'ha. Und
b'sunders mit so vilem Geld, da ist-me' chli" uf d' G.
g' stellt. B It Dorfkai. 1879, 38.
321
(iaiiis— giiius. (ianist
Gams Gl; GR(n.). GamschGT., Gemscli, Gem-
sche» BSi.; GrOLS.; FJ. - f., Gamschi BO tw.,
Gemschi BO.; Gr; L; üw; U; W, Gemsi Gi, — n.:
1. Gerase. , Keiner der nit landmann ist, soll zu keinem
gemsehen mit der büchs schiessen.' 1490, Ndw LB.
,Als dann allenthalben in unserra land das gewild und
iusunders die gemsen durch schiessen [usw.] us unsern
bergen vertriben waren, band wir gebannen den berg
genampt Höwberg.' 1524, Schw LB. ,Zwen Wild-
schützen, deren der eine 350, der ander aber 1150
Gerabs geschossen.' JLCys. 1661. .Gembsch.' 1670,
Absoh. .Verstigen Gambsch.' JCWeissenb. 1678. , We-
der Gämbschi, Huenli noch ander Gewild.' 1689, UwE.
.Die Gams und Rehe.' Wildk. 1786. Hingegen schon
bei JXSchn™. 178'2 die verhochd. Form: ,I)ie Entli-
bucher Jäger begehen den Fehler, die Gemsen mit
den Hunden zu hetzen.' Vielfach in Flurn. des Hoch-
gebirges, z.B.: ,Uf Gemsch-medlen [1. -mettlen]', Alp
bei Alpnach, 1498; ,Gamschilucken.' BO. — 2. übertr.
a) Name von Ziegen und bes. Kühen Ar; BO.; Gl,
gegeben nach der Farbe oder nach den krummen,
gemsartig geformten Hörnern. — b) Gemsch, Knaben-
schlitten, aus Kuten und Stäbchen gefertigt BHk.
Syn. s. bei Geiss 3 a.
Mhd. tjam», ahd. t/amima (u. nach dem Mhd. zu schliessen
•<l<wiuts). An die zu Grunde liegende roni. Form (vgl. it
camozza, churw. camuotsch) schliesst sich der Bergu. ,Gamussi
hörn' PMac. und Ekkehard (um d. J. lOöO): ,Pernix cam-
bissa hona sit elixa vel assa [gesotten oder gebraten].' Zu
der Yergröberung des s (in GamscJi usw.) vgl. .Hirsch', mhd.
hirz, ahd. Iiiruz. — Das sächl. Geschl., welches in der ä. Lit.
das ausschliessliche zu sein scheint (s. o. und ,das Gems',
PI. ,G-e' bei JScheuchz. 1706; Leu 172'2; AvHall.; Langhans
175:3; LMeister 178a) scheint durch das Syn. (Gams)lkr
^helc
:h Gc
sen
:hen Nin
(iemseli n.: Meerzwiebel, Scilla bifolia Z.
Stammte die (übrigens vereinzelte) Angabe aus dem Hoch-
gebirge, so würde das Aussehen des Ptlänzchens mit seinen
zwei wie Hörnchen zu beiden Seiten der Blüte emporragenden
Blättern die A'ereinignng dos W. mit dem vorhergehenden
nahe genug legen. Vgl. churw. camutacJias, Herbstzeitlosen.
gimsle": sich leicht hin u. her bewegen? 's Kmiigs
Düchterli dänzlet im'' gümplet un'' hopplet un'' wisplet
im'' zimpfer gimslet umme". Zeitvertr. 1700.
(iiims (Giimser?). ,Das luter, suber und bloss
lieiscli. daran weder gümbser noch anders hange und
klebe, wie es dann etlich uf den bänken umbher sud-
lend.' L Ansehenb.
Gnmsle" f.: Scherz- oder Schinipfn. für eine Weibs-
Ijerson, bes. in der Verbindung alti G., behäbige alte,
auch falsche oder unruhig umherziehende Person Bs;
BBrisl.
1 s c h , Gemse h s. Ga ms
Gäiustler (Gämsler): kleine, grüne, eifürmige
Birnenart. roh ungeniessbar, nur zu Most ZEgg. —
Vii-11. von dem Ortsn. iii der Uiimstt" ZHombr.
Schweiz. Idiotikon. II.
Gau, gen, gin, gon, gun, bezw. gauii u.s\v.
S. auch die lieihe Ga usw.
gan BEi., gpi Gr tw., </« B; GRtw.; Ztw., gö
bzw. gu Aa; Bs; Gl; GRtw.; G; ScH tw. ; Tutw.;
Z tw., ge bezw. gi Aa tw. ; Ap ; Tu tw. ; Z tw. : I. Präp.
1. bei Vbn der Bew^egung (gehen, kommen, schicken)
die Richtung, das Ziel derselben angebend = nach.
Syn. uf (Bd I 117 B 1). a) meist vor Eigenn. bezw.
AdvT. des Ortes. Gand-er o gi Zi-Galle"? gehet ihr
auch nach StGallen? Th. Ko' wie Daniel gi Buecha,
zu spät komrae'ii Ap (lokale RA.). In Gr MA. vor
folgendem Voc. noch weiter verk. : Wo-n-i''' g' Usser-
Säge cho" bin (MKuoni). Selten begnügt sich die
Volksspr. mit dieser allgemeinen Angabe der Rich-
tung, sondern präcisiert dieselbe noch durch ein dem
Ortsn. nachgesetztes Adv., eine entsprechende Zss.
mit ,-hin', z. B. ab-, uf-, über-, an-, dur'''-, in-, us-hin.
In B mit pleonastisch vorgesetztem ,für': 's Anneli
muess 's Böttli mache" [kleine Botendienste verrichten]
für ga Brienz; vgl. frz. pour. Hinwieder erscheint
(jan selber pleonastisch vor Advv. der Richtung, z. B.
m-r wend ga da füre', wir wollen da nach vorn
(gehen) Tb. -Bis ga wo schneit 's? (ZKn.) Vexierfrage,
welche sich auf mundartliche Lautunterschiede be-
zieht, denn die zutreffende Antwort lautet: Bis ga
Baar [Dorf des Kantons Zg], den schnit 's. .Sind ge-
ritten gan Einsidlen.' HsSchürf 1497. ,Si waren bis go
Thun kommen. Etlich kamen gon Liechtstal.' JLenz
ca 150U. ,Gienge gan Kusnach.' Edlib. .Derselbigen
zyt rait M. Sittich genab [hinab] gen Buochorn.' Sicher
1531. , Schickt er synen vettren zuo mir gan Visp.'
TuPlatt. 1572. ,Diss ist gan Weggiss geschriben
worden.' 1602, L Ansehenb. ,Sie karaend gon Zürich.'
RüEGER 1606. ,Diewyl ich bin belehnet worden zu
einem Pfarrer, gehen Altnauw oder gegen Ricken.'
1627, JHaberl. 1870. ,Da die Störkin gen Baden kom-
men.' JLGys. 1661. ,Gehn Rom.' Wurstisen. Vgl. Gk.
WB. IV 1, 2, 2195/96. 2211. — b) selten vor Appel-
lativen und in manchen Fällen auch aus IIa oder
aus II erklärbar, üb er au"' mit-na" [ihnen] ga Holz
[um Holz zu hauen, oder in den Wald] chämmi GkV.
,Wann einer seine kelber gen alp [jetzt z' AI})] oder
andere enden hin tuen will.' 1538, Ztschr. f. Schwz. R.
,Domum ire pergam, ich will mich gon heim machen.'
Fris. Welcher gen alp oder von alp faren will.'
1500. Zi
Bürlir..i.
alli Jim-
üf /.. ..
Bero--i,^l
Zui^eh-ii
kirchlich
,Tribsch.
tiir Schwz. R. Wahrscheinlich durch
li.fiuflusst sagt Stutz: i'.s stönd Eim
I ni. denn volkstümlich ist de" B., sc.
IV II Angedenken Einem alle Haare gen
n i.K. 1727. — 2. in Bez. auf rechtliche
Die HiXser g'hiired go Horge", sind
bürgerlich der Gemeinde H. zugeteilt.
auch gan Horw [ge-]hört.' RCvs. Er-
klärt sich aus 1, resp. daraus, dass solche Zugehörig-
keit sich in Entrichtung von Abgaben an den Ort
einer Herrschaft darstellte: ,lhr undertaneii, so gan
StUrban zinsend.' RCvs. — IL Partikel vor In-
finitiven, oft in redupl. Form oder eig. mit pleonast.
vorgesetztem Inf. gä" (gägan GfiTschapp., göge" (bzw.
güge"), gäye") und chö" (chöge'J: (um) zu, nach Vbn
der Bewegung (gehen, kommen, schicken), oder nach
den den Begriff solcher in m.Ii srlilii^s^.Miden Vbn
der Modalität (wollen, sollen, um,- ii. ihm^vm. können,
dürfen), auch nach ,sein' als llill'-,/..'it\v. .Ics Perf. mit
Gau, gen, gin, gon, guü
Auslassung des Ptc. .gegangen', allg. 1. nach Vbn
der Bewegung. Chumm ga (choge") esse"! !''• ivill-dr
choge 's Bücheli ne", scherzh. Bedrohung eines kleinen
Kindes Ap; Z. Go luege' cho' (nicht: cho' g.) G
(Peurer). Es ehimnt go (auch, mit Angleichung an
das regierende Vb., cho) regne"; vgl. frz. il va pleuvoir.
Wenn er niimme" [nur] hüt chäm, gon is d' ZU e icenig
vertribe'. Etwas verschieden ist der Sinn der Ver-
bindung: er ist cho ga laufe, er liam gelaufen B (Zyro):
„er ist cho ge hriegge," kam weinend. .Er ist nit kon
gen klagen.' 1549, Gr Rq. ,Wo etwer für ein"" kam
gen bitten.' 1552, ApI. LB. ,üas.s sie nit mehr in
unser Land kommen gehn aufspielen.' 1685, Gfrd.
,Komm doch gen essen.' HPest. 1790. J"* han-en
g'schickt g. Brod hole". , Schickt er sie gen bychten.'
ScHiMPFR. 1651. ,Die Kinder gen dienen schicken.'
JCEscHER 1723. ,Sessum deducere, gen sitzen fueren.'
Pris. Gang g. luege" ! geh nachzusehen ! Er ist
g'gange" gon-en grileze, ihn (zu) grüssen. M^r günd
g. e Halbi ha". Si tcird-si''' nüd g'gange" sl" gogen
ersäufe", halb scherzh. Beruhigung beim Weggang
einer erbosten Person. ,Wenn in Folge von Trocken-
heit das übst fällt, sagen die Alten: d' Chirsi [udgl.]
gangen übe" gan ernte".' B Volksz. Wenn i''' en ägni
G'inänd [Gemeinde] hett, so gieng-i''' not ga bettle" Ar.
,Dass sy in den graben giengind gen werken [zu
arbeiten].' G Hdschr. ,Zum babst louft er gon klagen.'
1460, Lied. ,Wir giengent in das kloster gan essen.'
HsScHüRPF 1497. ,Gon will ich ga fragen.' Euef 1545.
,So der ein" gan dienen gang.' 1557, Z Ratsver. ,So
du gen schlafen gon willt.' Voofir. 1557. .Gang alle
tag mit im gen beizen.' ebd. ,S" im:iii iliin für zuo-
luff gähn löschen.' ÄgTschudi. .tl;inu ucn -pazieren.'
ebd. ,So hoch das Viech gähn weiden gulit.- HsRRebm.
1620. ,Der Mensch in grossen Sorgen staht, voraus,
wann er gen schlafen gabt.' ,Ich gehe jetzt gen
schlafen in: der lieh Gott woll min Hüter sin.' In-
schriften Z. Das regierende Vb., wenn im Inf., auch
nachgesetzt: gä tue gä, an die Arbeit gehn GRPr.
Vor-em Ga-ligge-gu, vor dem Schlafengehn GSa. ,Er
wolle gen fischen gehen.' FWyss 1650. Das Ptc. .ge-
gangen' wird meistens unterdrückt: Er ist gon-en
grüeze, ist g. luege" usw. ,Wir warend dahin gen
sehen, wie es dort stat.' 1486, Geschfo. Ges. Aber
auch gän als Inf. kann verschwiegen werden: Es ist
schlecht, d'Lütg. a"(z'Jlüge" (hinzugehn und) die Leute
anzulügen. — 2. nach Vben der Modalität. I''' will
gen (goge'J esse". I"'' will go spaziere", nicht = nhd.
spazieren gehn, sondern ausgehen, um zu sp. 's Bettel-
fräuli wott go bettle" gö" (Anfang eines Liedes). Warmn
magsch [magst du] nit go luege? Hebel. I''' sott [sollte]
ge schlafe". lez nmes-mer [man] ge gü, sich auf den
Wegmachen, scherzli. Verstärkung des einfachen gü G.
Ähnlich prägnant: Ihi rli,i^i ie- gu gü! machen, was
du willst, es iiül/,1 Xi.lit- melir Gl; vgl. ,Alde, ich
muoss ga gän.' X\'., L Fa.-,tii. -Spiel. Ist das regierende
Vb. durch einen Ausdruck umschrieben, welcher die
Präp. ,zu' verlangt, so tritt Umstellung dieser mit un-
serer Part, ein, z. B. i''' tenke (han im Sinn) g. z' luege".
,Wo i.st nun der' pfafFe, dem sy gen bichten sond [b.
gehn sollen].' Rdss, Semp. Lied. , Wollten all mit
einander gan luogen.' 1500, Zellw., Urk. .Kommen
gen losen.' 1509, ebd. ,Muosst alle weit gen löschen.'
Salat. ,Ich will's gen bringen in schneller yl.' Birk
1535. .Herr koch, wir dörfend nit lang dichten, den
gesten lond uns an gon richten.- Ruef 1550. ,Ich
will gehn luogen.' 1579, Bigandus. ,Dass hinfüro
keiner mehr [solle] gähn bettlen oder dem almosen
nachgange.' Z Mand. ,Der arm tuot doch die fryheit
han, dass man ihn lasst gen bettlen gan.' Com. SBeati.
— 3. beides combiniert, wenn nachdrücklich das Gehen
als solches, als besondere Tätigkeit und Bemühung,
nicht nur das Streben nach einem Ziele ausgedrückt
werden soll. M^r wend gä" gogc luege" udgl. Wir
müesse" bim Pater zuehe [sc. gä", vorsprechen, ein-
kehren], gun-em go danke". Schild 1885. Combiniert
mit .kommen' etwas pleonastisch gehäuft: Hans, gang
gogen im [dem] Joggi säge", er seil cho" chogen esse".
— 4. besondere Modifikationen oder Unregelmässig-
keiten des Gebrauches, a) die bereits i. S. v. ,zu'
stehende Part, wird zuweilen noch durch ausdrück-
lichen Zusatz von .zu' verstärkt. Er het-e" g'schickt
Öppis g. z' hole". „Mer wend ttf de Mär''t gö", Öppis
goge z' chaufe"." ,Jetz geht der Landweibel sich gen
zu verdanken.' Ap LB. 1585. Da ,zu' auch durch vor-
gesetztes ,für' verstärkt werden kann, i. S. v. ,um zu'
(Bd I 956/7), so kann hinwieder auch in dieser Ver-
bindung ,zu' durch unsere Part, ersetzt werden; daher
z. B. Zuckertcasser für den Durst go lösche: Spreng.
— b) nach der Part, kann der Inf. eines Vb. weg-
gelassen werden. Er ist ga Chris, gegangen, Reisig
zu suchen GrV. Gang ge Wasser, Gebse" [Milchge-
fässe] sc. holen! GRÜbs. — c) sehr eigentümlich ist
die ebd. übliche Formel ga dernäh (gehen darnach)
i. S. V. .holen', welche auch wieder mit Vb. fin. gän
verbunden wird: !"• icill fs) gä dernah. Gang gä
dernah, geh es holen. lez we-wer [wollen wir] Gebse"
ga dernah. — d) noch abstrakter, aus verbalem Cha-
rakter ganz in adv. übergegangen, erscheint in Soh
und Tu ein kurz abgestossenes ga, go i. S. v. ,bald,
fast, eben, schon, gerade', auch mit dem letztgenannten
Adv. (in der Form grad, gad) zuweilen verbunden,
aber eben darum schwerlich aus diesem, sondern aus
dem Inf. gön (gehen) verkürzt und verflüchtigt. !"•
chumme ga, komme bald. Es ist go bald drü, drei
Uhr. 's isch NÜni go Th. (Vgl. es ,geht' auf 9 Uhr.)
!''• mues ga gä, muss sogleich gehen, ebd. 1 ha ga
chüm g'nueg ZU zu vilner Facht, ebd. E Süli packt
de'' Chüz go l". JohMey. 1866. Er chunnd iez go grad
Th. Er wird iez denn go gad cho". ebd. Aus TnTäg.
wird noch ausdrücklich angegeben, dass der Zusatz
von ga vor gad die Eile einschränke.
Zu I. Die urspr. Identität dieses gen mit ,gegcu' ist
offenbar; vgl. Gr. WB. IV 1, 2, 2211; Schm.-Fr. 1, 917-18.
Allerdings hat sich dieses gen mit dem urspr. ganz verschie-
denen, doch lautlich und begrifflich nahe stehenden gen II
mehrfach berührt und vermengt. Die ä. Schreibung und heute
vorwiegende Ausspr. ga", go" lässt sich nur aus Berührung
der Präp. mit dem Yb. erklären; auch die ä. Schreibung
,gehn' ist doppeldeutig; vgl. Gr. aaO. 2195 — 6. Einzelne
Wendungen der ä. und heutigen Spr. lassen sogar schwer
eutsc.heiden, ob man das eine oder das andere W. oder eben
eine nicht mehr lösbare Mischung vor sich hat; z. B. »ho-
leend ga dafure". ,Als sie gan heim schlafen wolltend.' Fris.
(wo ,gan' auch mit ,schlafen' verbunden werden kann). Noch
stärker und offenbar ist die Vermischung, wenn statt gen I
die sonst nur dem // zustehende redupl. Form gogen vor
Ortsnn. erscheint, z. B. goge" Apjieiell G, goge ScMffhüsc gö"
Seh. Auch die unter II gestellten elliptischen Ausdrucks-
formen ga Chrin, ge Wasser streifen an I (fast = ins Holz,
zum Brunnen) ; vgl. dort 1 a ga Holz, das eben so wohl zu II
gezogen würde. ,6en Baden faren' von GPict. 1560 i. S. v.
flan, gen, gin, gon, gun
,in eiu Bad gehen' gebraucht, könute in anderni Zshang ebenso
gut bedeuten: nach Baden reisen. — Zu Tl. Diese in ihrer
Bed. mit dem lat. Supinuni aiil' -«.. i. i .1 i lil^aie Part, ist
nrspr. der in Ton und \'oc. alL. in l.'S Vbs i/än,
ijöii, der dem von ihm abhän},'!-. : I i .iiios zweiten
Vbs vorgesetzt war. Indem sir ;ini M. i i. n mit diesem selbst
verbunden wird, bildet sie einen uiibewussten Pleonasmus,
der in den redupl. Formen </o-f/c usw. gesteigert erscheint,
immerhin so, dass der zweite Bestandteil nur in der abge-
schwächten Gestalt (ijrK der erste nur in der volleren (ga-,
ijo-, yu-) auftritt. Die Construction von ,gehen' mit blossem
Inf,, im heutigen Nhd. selten geworden und unserer Spr.
beim Vb. fin. ganz verloren gegangen (s. Sp. 2), war früher
häufig, s. Gr. WB. IV 1, 2, 2415 — 18, wo auch der all-
mählige Übergang des Inf. ,gehen' in abstr. Anwendung und
fast präpos. Geltung (= zu) nachgewiesen ist. Nur ist dort
nicht genügend erklärt, wie der pleonastiRi-lir nrlinii^'b eines
Vb. fin. ,gehen' mit Inf. des selben W. ml-lrlhn k.iniitc.
Da vom letztern dann erst wieder der Inl •■ - üimIi mi Vl.s
abhängt, so ist Yergleichung mit homerisili. m fjv, ii-jyj. iid','1.
nicht statthaft. Der Gebrauch scheint von den in unserer
Darstellung als 2 angesetzten Fällen ausgegangen zu sein,
wo der Inf. ,gehen' von Vben der Mod. abhängig w.ar. wie
im Englischen z.B. Jet iis go ß<ßt. Erst n.ifhdim in srdchen
Verbindungen der Inf. .gehen' eine abgesclmi dit, mid ("iiiul-
hafto Bed. als fast prflp. Exponent eines iic. li I d-md. n Inf.
erlangt hatte, wird er dann auch mit seimm . dir, n, n Vli. tin.
verbunden worden sein, wie im Flämischen: ,he gink gen
ploegen' udgl. Beigetragen .haben werden auch die bereits
stehend gewesenen Verbindungen ,spazieren gehen, betteln g.',
in denen das von .gehen' abhängige Vb. nicht den Zweck
des erstem, sondern eine Art desselben ausdrückt, so dass
sie ohne Pleonasmus mit nochmaligem ,gehen' verbunden
werden konnten. Vgl. zu ,bett.elu gehen' noch: (/an hudlen,
Lumpen sammeln BRi., wo ebenfalls blosser Inf. vorzuliegen
scheint. Dass dieser früher auch bei uns noch vorkam, zeigt
z.B. eine Stelle bei ThPlatter 1572: .Wir giengen in der
statt, etlich singen, ich aber gan heischen [betteln]', wo
blosser Inf. und Inf. mit vorgesetztem ,gan' beide abhängig
von ,giengen', neben einander im gleichen Satae vorkommen.
Bemerkenswert ist bei dem Selben neben einander: ,Der
Cardinal gieng gan firmen', nachdem vorher gesagt war: ,der
C. ist durch das Land gefaren zu visitieren und zu firmen.'
Zu präp. Geltung des Inf. konnte auch das lautlich und be-
grifflich nahe stehende ijni 1 beitragen, sowie dieses umgek.
Einwirkung von jenem erfahren hat: s. Anm. zu I. Daher
finden wir auch bei Beiden fast das selbe Schwanken des
Voc. Übrigens ist bei allen Farben desselben der Abstand
des verkürzten und unbetonten vor dem Inf. gegenüber dem
langen und betonten des Vb. fin. (wenigstens im Präs. Ind.
Sg. der meisten MAA.) zu bemerken: !''• yä gü -, ,;■ yöt
yti ^, ebenso in: yU yü. Dass trotz der eingetretenen Ab-
straktion des Gebrauches der Ursprung desselben nie ganz
vergessen wurde, zeigen Schreibungen wie: ,ich will gehn
lugen' [wo übrigens noch die volle verbale Bed. mit blossem
Inf. angenommen werden kann]: ,gahn weiden gabt; kommt
gehn aufspielen.' Zweifelhaft ist, ob wir verkürztes ge für
yen schon in einem Liede aus dem J. 1500 annehmen dürfen:
,Wend ir die beren ge jagen, als man von üch tuet sagen,
ir habend sölchs vor band [im Sinn], darzuo den stier von
Uri, die all ertöten gar: es muess üch werden sure.' Lil. 2,
372, 15. Die Handschr. hat: ,Wenn ir beren all gejagen',
und das Lied hat allerdings ,-en' als Endung der 2. P. PI.
statt ,-et' : aber der Zshang spricht für die im Text stehende
Lesart, und nach ,wollen' ist das Präf. ,ge-' vor Inf. (s. Sp. 49)
selten. Dagegen ist allerdings ,ge' statt ,gen' für jene Zeit
auffallend, neben dem wahrsch. gleichzeitigen ,gen bychten'
im Sempacherlied, und Str. 25 beginnt ganz ähnlich: ,wenn
ir die Schwyzer kriegen [bekriegt]', wo ,wenn' nicht in ,wend'
geändert ist. Was endlich die in der Jüngern Zeit gegen-
über der einfachen Form überhand nehmende redupl. Form
ya-ge, yo-ye sogar nach bereits vorangehendem Vb. fin. yan
betrifft, so findet sie Parallelen au den Verdopplungsformeln
chu" cho, kommen zu (neben t/io" go), Ui ga" lan, gehen
lassen (s. dd.) und fa a'^fan Bd 1 715 (nur hier ohne Ver-
kürzung des Voc). Sie erscheint auch schon in ä. Zeit: ,Ich
will ein wenig go gehn schrien.' JCWeissenb. 1702, wo
allerdings die Schreibung des zweiten Inf. (neben .go gen.'
1701) eiue andere Auffassiiug desselben verrät. ,Die nit
wollten kommen, durch lied.ilii likrM willen, ko gen helfen.'
GrAv. Strassenordn. 1(;.'>.;. /,\\. il, lli:iti sind folgende Stellen,
in welchen der erste Inf. li/n. \\>. lin. als betont und dann
nur einfache Setzung der Part, angerionimen werden kann:
.Er wellte gan gen z' abint essen.' 1523, Egli, Act. ,Ich
gan weder gan bredigen, noch gan gan teufen.' 1525, ebd.
(Briefeines Bauers)'. ,Doch sollend die armen für kein tür
gon gen bettleu.' Kessl. ,Ich will denn ga gen ornig schaffen.'
Com. SBeati. Ahnlich, wo der zweite Inf. vom ersten ge-
trennt steht: ,Dass du so sehr gan weinen musst gan.'
XVII., Lied. Der fast noch abstraktere, doch weniger pleo-
nastische Gebrauch 4 d findet (wie schon der unter 1, 2
behandelte) Parallelen in andern oberd. MAA. Den bei Gr.
WB. 2418 gegebenen Citaten ist noch beizufügen Fromm.
4, 245, 90. 7, 419; Sohm. Gramm. § 977.
giillig (JÖ-: im Schwange gehend Ap. — Zu ga".
Gann I, -er m.: 1. ,Gann: der gesprenkelte Taucher,
rotlsohliger Seetaucher, colymbus stellatus (septen-
trionalis, rufogularis).' Hartm. 1808. — 2. Ganner
a) „grcsser Sägetaucher, Tauchente, niergu.s mergan-
.ser, auch mittlerer Sägetaucher, m. Senator, am Boden-
.sec, Rhein, bisweilen auch an der Sitter. " — b) .Der
Imber, Ei.s-. Seetniieher, colymbu.s glacialis.' Hartm.
1808. — c) .Il.iiiliiiii.iih lirr. podiceps (colymbus) cri-
status, in ganz ,iii-l:.\\,i. Ii-.'iiem Zustand.' Hartm. 1808.
Syn. s. rSr-iFh„l,r ilU [ 1174).
Gr, WH. IV I, I. IJ.... \rniiutet, ,Gann(e)' bezeichne das
Weibili.ii und .ii:iiiiii 1" >•'! :iiis ,Gander' assimiliert; Beides
schweilieli rielili^'. Ins. das letztere, da die ebd. angeführten
Formen nd. ganr,-. ags. gunm darauf weisen, dass d einge-
schoben sei wie in Fämhkk aus mhd. vmre (s. Bd I, 832)
und in vielen andern Fällen. Vwdtschaft und Berührung
mit ,Gander, Ganser' usw. kann nicht abgewiesen werden,
aber zunächst gehört das W. zu gannen = ginmn, s. gäntun.
Gannele, Gann^la, ^Gannale' ; Qenilla f.: Ziramt
W. — lt. cannella, frz. ennn^lle.
Ganne" I f., in der RA. Ei"m <V O. srhhm \V =
Gamme' 3 (Sp. 299) und aus diesem verderbt durcli
Anlehnung an Ganne IL
(janno" 11, er-gannen s. Kanne".
an- ganne" (-gäne): nach Etwas gelüsten Gr. —
Gani ni. : alberner Kerl, Gähner Bs (Spreng). —
Eig. der das Maul aufsperrt. Vgl. Gin-Aff, -Öffel Bd I 100.
ganizen — Ftc. giganizot : zanken W. — Intensiv-
Bildung zu yannen, eig. = den Mund weit offnen.
Ganille s. Kamille.
„Gannusclile" f.: Schinken W."
Wahrsch. aus einem ronian. W. ('cannucciaf), gebildet aus
lat. mnna i. S. v. Beinröhre, Knochen, wie ahd. scineo nrspr.
das Selbe bedeutet.
Um-gSne" f.: magerer Heubezirk am Talabhango
W. Syn. Biedmäd, Halde. — Wahrsch. zu umgänd Sp. IG.
gänne": 1. den Mund aufsperren. ,Die sön und
töchterli um ire vätter sitzend, irer reden ufmerkende,
genende und verwundernde.' Kessl. ,Sam die armen
Seelen under der erden standen und das durehtliessende
wassor in ire oiTne genende raund zuo einer eriinieknng
empfachend.' ebd. ~ 2. heftig begehren UwK. Vgl.
327
Gan, gen, gin. gon. gun
an-gannen und gäiinen, guenen. — 3. durchsichtige
Stellen haben, die leicht reissen, yon Webstoffen Th.
Sonst ginnen. Syn. zäunen. — Zu ginnen, liiare.
Gänni m.: der heftig begehrt, von Menschen und
Tieren UwE. Vgl. Gauner. ~ gännig: gierig, lüstern,
erpicht auf Etw., gleichsam darnach schnappend „LE." ;
z. B. von einer Ziege, die fremdes Gras nascht UwE.
gänne": um Speise betteln, meist von Hunden
ThHw. Syn. guenen (gönert), güiren Cgäuen). — Gmm-
verhält sich zu f/uen- wie nhd. , Gaumen' zu mhd. ijuome.
Gauner m.: Hund, der gierig blickt ThHw. Syn.
Guener.
Genauer, Genuese r m.: eine Guldensorte, erwähnt
in dem Münzvertrage von 1425 u. 1435, L. S. Bd 1 1207.
.Wyngelt: 6 .Tenueser = 16 fl.' 1084, ZZoll., Herbst-
rodel. — Nach Genua benannt, welcher Name im XVI. zu
,Gen-ouw' unigedentet war.
Genner s. Jänner.
Ge'nere' B; F; Z, Ge'neri Aa in der Verbindung
in (ZStdt) oder i" 's G. : insgesammt, allgemein, durch-
gehends, im Durchschnitt. D' Begierv'g häd i. G. ab-
'danket. Am Z Gymnasium war es vormals üblich,
dass am Schlüsse der Schulzeit die Klasse i. G. sich
zu den Lehrern in die Wohnung begab, um Abschied
zu nehmen. D' Herdöpfel sind i. G. guet g'rate". Ds
Stück chostet i. G. 5 Tiible". Es git i. G. Fege', wenn
d' Sunn en Hof hat. I. G. zale", auf geineinsame
Rechnung.
Ans lat. j'n (jeture, mit tw. Übertragung in die Acc-
Construction in Anlehnung an das syn. ,ins Gesammte'.
Gencstcr Durh., Jeist SchwK.: Besenginstcr, spar-
tium scoparium.
Ahd. genestc. Jcüt aus ,Gonsf (s. Gr. Wl!.) mit Kr-
weichung des g wie in Jvmf für ,Genf ndgl. Ül>er n' aus
en s. Froraui. 7, 37 ff.
Ge'ni: 1. in., Eugen Aa; Uw (mit der Vi-iii-ri.lK'ning
Griifl). — 2. n. (Dim.) Eugenie Uw.
Ge'ni: Geist, Verstand. Ke'" G. ha". Me" miies'
aw'' e chli" G. ha", den Verstand brauchen ZZoll. f
— Ans lat. ingenlMin. Vgl. ScJiaii, aus frz. gtnic.
Gein m.: der einzelne Akt des Gähnens Z. Wenn
d' en tvackere" G. tuest imd-di"'' streckst Z (Corrodi).
Dagegen: G'gein n.: das fortwährende, wiederholte
Gähnen, ebd.
geine» bzw. gä-, gV-: gähnen, fast allg.; doch
s. die Synn. ginen, ginnen, gienen. Es git drlerlei
Geinu": 's Ffüetschu-G. [aus Faulheit], 's Hunger-G.
und 's Gibet-G. W. G. bis a" d' Ore" hindere", stark
g. Z. We*" Ei's geinnf, sn grinunt AUi W. ,Wenn
Einer .n-abnct. -^. i,'Liliiirt der Andn.' hu.1i.- Si'Kww.
1824. i''' iinuhl „ul ihr ,i,n,r: ,h, <i,n,,sl nie ich,
ich fühle iiueli .lir -eiMe-Aeiu.. 11,11. -leirli-vstimmt
oder -gesinnt .Sch. Die ganze Frcduj üs [walirend der
g. P.] g. SpRENC. Sprichw. RAA. I"'' wett nid drum
(drl) g., es ist mir gleichgültig Z. .Ich möchte nicht
darum gähnen.' Sch (Kirchh.); Syn. gügen, pfifen,
schissen u. a. .Gänen, gäinen, gaffen, oscitare, hiare.'
Red. 1662. ,Als i. J. 590 eine Pest vil Menschen hin-
geris.sen, indem, wann ein Mensch niessen oder g.
müssen, er alsobald dahingefallen, danahen die Gei-
nende" im Papsttum sich mit dem Kreuz bezeichnen.'
JJMüLL. 1673. Von dem, welcher des Morgens gähnt.
sagt man, er habe der G'schar, der Herd, nicht nach-
zukommen vermocht ZW. Sprw. Meine' göd über g.,
eine Meinung aussprechen (und wenn es auch eine
unrichtige wäre) ist immer noch besser als gähnen,
zu faul zum Denken sein L. ,DissutK mal«, die kifel
fast offen, als wenn einer geinet. Hiare, geinen, auf-
ginen.' Frls.; Mal.
Spät mhd. geincn neben ginen, auch ginnen; genen, gienen;
ahd. geinOn neben ginen, ginön. ,Kenetist, hisceres.' IX.,
G Glosse. Aus der Grundbed. des Muudaufsperrons cnt^
wickelte sich auch die des Sehnens, Gelüstens (vgl. gännen,
guenen und ,1echzen' aus liehen), welche wir aber nur aus
ä.Lit. und nur ein Mal zu belegen vermögen. ,Gott ver-
schliesset die tür des himmels, auf dass du desto heftiger
anklopfest, halte darum an, geine eines (s. Bd I 271) geinens;
es ist doch Gott angenehm, er will deinen Willen nicht tun,
bis du ihn gleichsam zwingest.' AKlingl. 1688.
ÜS-. nur in der RA. de' Chifel u., durch Gähnen
die Kinnlade verrenken Z. — Ebenso muginen bei Schm.-
Fr. I, 919.
nach (nohej-: nachäffen. Spreng. — Gtinen hier im
S. v. .gaifen'. Vgl. IJin-Aff, -Offel.
Geini m.: Gähner; auch: „langweiliger, schläfriger
Mensch."
geinig: 1. was gähnen macht, z.B. das Wetter
Uw. — 2. leicht, viel gähnend Ndw.
Gina f., Dim. Gini, Gineli: weibl. Taufn., Regina W.
Ginanzerm. : eine Art Zieger, welcher auf Ginanz-
Alp verfertigt wird und vormals sehr gesucht war W.
gine": 1. „bersten, klaffen"; in Scicw auch „uf-g."
- 2. „das Maul aufsperren B; Vw; Z." — 3. gähnen
Aa; Bs; S. Auch geinen, ginnen, gienen.
Kin altes ginen wird wohl auch auf hochd. Gebiete be-
standen haben wie im Ags. (lo-ginun, bersten) und im Altn.
{gtna, schnappen), aber wie die Ablaute in geinen und ginnen
zeigen, als starkes Vb., wilhrentl unser obiges W. schwach
ist, und iii;iii l,:iiiii si.li iil" I 'lii .l\iii Slrlhing desselben
um so W(iiiL.'.r mii l'.r^i . , Ihm, als die An-
gaben /wisrlM,, ,,l,t,i- „ipI ,,i i',, 1 ,,,., a.-s Voc. fl' u. i-'J
seliwankeii mel miC St.V .'^rli i - il-nirj a . m^; lü^wicht zu legen
ist. Da auch das ,y' unserer ii. Schriften nicht durchaus
Lange bedeutet, so schieben wir die betr. Belege bei gi7inen ein.
ginne": 1. = ginen 1, z.B. von einer offenen
Wunde, einer gespaltenen Mauer Gl; G; Sch; Schw; Z.
Er häd-em [sich] i 's Bei" gehaue', dass es ganz g' ginnet
häd Z. De se'b [Fenster-] Lade' ginet vmest [arg] us
enand Aa. ,Dehiscere, hiare, g., aufklecken, zer-
lechen.' Fris.; Mal. ,Ginend klimsen, hiantes rimae.'
Mal. , Lasse es aber auch nicht von einanderen g.
oder sich weit auftun.' WOrz 1634 [von einer Wunde].
, Gaffen, bersten, ginnen, hiscere, fatiscere.' Red. 1662.
, Gehen von einandern. ginnen, hiare, divaricare.' Denzl.
1677; 1716. ,Ein .-iimeiider Ri,.-.- XVIIL, Merkw.
Von Kleidungsstüekeii. ,lie nieht --ut >elili,.ss.Mi (an-
passen), weil sie nii lit uiil :;e,seliiiitteii .^illd. ihI.t Hafte,
Knöpfe nicht ihren Liiensl tun. Ein Selaili ginnet,
wenn eine Nat sich gelöst hat; Syn. tuet *.< Mül üf ;
häd es Läff; häd Hunger. Vom Erdboden bei an-
haltender Trockne: De'' Bode' ginnet von enand. ,.Ar-
dore terra dehiscit, das erdrych kleckt oder spaltet
von hitz oder ginet.' Fris. Von Pflanzen: Als Zeichen
der Reife der Nüsse gilt, dass die äussere Schale
.ginne' Z. ,Hiascere, ginen, eigentlich von den nussen
wirf es gcredt.' Fris.; Mal. .Oscitant folia ad solem,
zertuond sich, ginend auf gegen der sonnen.' Fris.
329
Gan, se
Syn. s. (ßffeUn Sp. V-Vl. — 2. = (ßnen 2. Syii.
f/äggen. ,Mit ginendem mund, ore hianti.' KSailer
14t)0. ,Möchtentl wir iro [der kranken Messe] ein
ut'entltalt [Fristung ihres Lebens] geben, so war unser
suw feist, es wurd uns dem g. Ionen.' NMan. ,Wenn
die rappen gegen der sonnen ginend, bedeutend sy ein
wann weiter.' Vogelb. 1557. .Channus vel Channa,
ein ginflseb, ein (meer-)ginner, ein ginmaul; hat seinen
nanien aus dem, dass er alle zeit mit offnem maul
ginnet.' Fische. 1563. .[Nach dem Genuss des giftigen
Krauts] tuot der mensch nicht dann günen und gäten
[1. gänen'?].' Tierb. 1563. ,Appetere mammam. nach
dem pupple langen, darnach g.' Fris.; Mal. Insbes.
als Geberde der Verwunderung oder mussigen Gafi'ens.
,T)o flengend die lut erst an zuo g. und losen flyssig,
was ich seit.' NMan. ,Was stand ir all hie z'ginen?'
Aal. , Gaffen, gänen, ginnen, hiare, oscitare.' Eed.
166'2. — b) Geberde der Gier: gierig zusehen, wie
Andere essen Gl; Syn. guenen. Gierig essen LM. ,Er
[der Hund] sprach: ich hsete wol genuog, möcht ich
das stück zuo disem han. Vil schiere er ginen began.'
Boner. ,Capessere cibum hiatu oris et dentibus ipsis,
nach der speis ginen oder essen.' Fris.; Mal. Von
Habgier: ,lnhiare, einbrünstig etwarauf g. und begir-
lich darnach stellen. Imminenti avaritia esse, ganz
und gar dem geit ergeben und geeignet sein, auf den
geit yemerdar ginen.' Fris.; Mal. — S. =i ginen 3 u.
geinen AAFri., St., Zof.; BAarb., E. ,Hiscere, ginen,
als Yom schlaf oder sun.st von unmuot.' Fris. -
■1. wackeln, sich hin und her bewegen (wahrscheinlich
identisch mit 1) AaWoU.
Mhd. ginen, t/eiitn, (jiunen, (/ünfn, das Maul aufsperren,
gähnen. Vgl. altn. yinming, Kluft, ijiHiiiinijr, Narr (der den
Mund aufsperrt).
über-: „überschnappen, in phys. und moral. S.
LE.*- Bes. in der Verbindung: Alles ü. (wollen), über-
tönen, -schreien, -maulen; für sich lioanspriichen S;
ZSee. Syn. er-g.; üher-kläfteren, -srhlr,,,. -^rlnn„,,,ni.
Der Lechema"", der Alls mächt ü. uml </i unii miiii-r-
einisch [auf ein Mal] rieh trerde". Hotii. l^ü.j. .Ein
grosse wyte [Gebiet] übcrgyneten die münch so, dass
die regenten ein gesatzt machtend, dass sy nüt nie
kaufen söUtend.' HBcll. 1572. ,Gott spricht: die ding
sind alle myn, die ir tuond überginen, das irdisch
nuioss verschwynen.' Lied über Esaj. — überginnig:
gefrässig aus Neid, z. B. von einem Kind, das mehr
als genug isst, Alles vorwegnimmt, nur um einem An-
dern Nichts zu gönnen L. Syn. übertveidig.
ufsper
Vastius didu
r weit aufgyr
-gimm
AABb. -
Mhd. überginen. über Etwas das Ma\
im Aufsperren des M. übertreffen.
üf-. ,Hiare, geinen, aufginen.
verba, das maul weit auftuon odi
Fris.; Mal.
an- „B; L;- W, -k-innen BSi.,
Ptc. a'g'gunne" 7.: „anschneiden, z. B. Brod, Kä
Bes. Käse BSi. (wo der anzuschneidende Käse zunächst
halbiert wird, was bei altern Käsen ziemlich schwer
sein soll); W. Syn. an-, ent-gämen, anhauen. Übh.
den Anfang machen mit Essen und Trinken von Auf-
getragenem, einen Vorrat anbrauchen, auch von vollen
Fässern (an.stechen), Flaschen. Milchbecken, ebenso
von einer ganzen Traube, einem grössern Geldstücke
AABb.; BSi.; Z; Syn. a'zeren.
Dieses Comp., iu welchem sich, sowie in dem syu. ent-y.,
ohne Zweifel die urspriinglirhe, in nlid. .beginnen' erlosclicnn
Bfd. von .ginnen' (,spalten', wozu yinm und ginnen i. S. v.
.bersten, klaffen' das entsprechende Intr.) f-rhalton hat (vgl.
Gr. WB. .beginnen'), ist sonst nh.-.nl- i, ,. i:/; «. i-, n. hi
der Lautform günn- ers*-liiiirt >< -i iit - .\i, i. - . w/wi,
gewinnen, und in vickii .MAA. ijIü.i i i , st.
gibt daher eine Form <iji<j':ru,„. ,f. .,«./»,.„, r,< h im iliu
Bed. ,anschneiden', wie sich auch i/wunncn statt gunnen,
gönnen, findet (s. d.). In: en a"g' gunnenc'' Baum, dessen
Früchte man zu pflücken (günnen) angefangen hat (Z), liegt
auch begriffliche Vermischung von anginnen und angUnmn vor.
— ,An-' nach Analogie von ,an-hauen' udgl. ; vgl. Bd I 25(),
Anm. 1.
e"t Ptc. 'e(n)t-gunne(n) : = an-g. BBe., Sa., Si.;
W. Bildl. entjungfern W. Ekunne si" (am liilgg),
den Rücken wund gelegen haben BLangn. — Mlul.
en-ginnen, alid. inginnan, aufschneiden, spalten, öffnen.
er-: erschnappen, verschlingen. iV «-(7/ Alls e.,
isst für Zwei S. Vgl. über-g., er-gienen. — Mhd. irginm
(selten), das Maul aufreissen.
Ginöff-t- Aa; üw, Ginöffel Aa; L; Uw; Z m.:
Schimpfw., Maulafte, Laffe, Tölpel Aa; L; Z. M-l
feil ha, Maulaffen f. halten B; VO." ,So Paulus Hus-
g'sind tauft hat und Kinder sind under dem Husg'sind,
so luogend, ir Ginöffel, bas druf, ob die .\postel Kinder
tauft habend oder nit.' 1524, HBdll. ,Diewyl der
ginöffel küng Ferdinand syn banketen und jagen vol-
bracht.' Vad. — ginöffle°: gedankenlos gaffen, Maul-
affen feil haben AALeer., Wohl.; LG. — ver-: (reff.)
über einer Sache eine andere übersehen Aa(H.). Syn.
vergaffen.
Ergänzung zn Bd I 100. Möglicherweise ist Oin-Aff die
spätere Form und Umdeutung etwa aus mhd. ginolf, der Narr
mit offenem Munde, mit Unterdrückung des l wie in ,Ruef
aus ,Rudolf . Oder falls die urspr. Bed. die des schläfrigen
Menschen wäre, aus ginnen i. S. v. ,gähnen' und — nach Ana-
logie des syn. Sehla/öp/d — Üp/el (vgl. .Affolter', Apfelbaum)
zsges. Jedenf. werden die Syn. Gijß'el, Liiffel. TiJffel mitge-
wirkt haben. — St. gibt i.
giene": 1. gähnen BsLd; BM., O. Syu. geinen,
ginen, ginnen. — 2. klaffen, bersten L. ,Dehiscere,
hiare, von einanderen .spalten, g., ginnen, (v)erlechen.'
Denzl. 1677; 1716. — 3. mit offenem Munde müssig
stehen L. Vgl. ginen 2, ginnen 2, günen, gitenen. —
Schm.-Fr. 1, 919 hat gienen, schreien.
,auf-, hiare.' Denzl. 1677; 1716.
er-: erhaschen S. Vgl. ergliiiien. Eig. mit auf-
gesperrtem Maul erlangen.
Gön Aa; BsLd; B; VOrte; F; Gk; SNA.; Uw;
TnBisch.; Z rS., Gö BSi.; GfiRbw., V.; Z rS., Eicht,
Gü GRChur, Gönn, Göne GrD.; T; W, Göl ZErl. f.
Laimb., Stäfa, Talw., Gorn AAMenz., Zein.; BsLd;
L; SsJ.; ZIS. (öj, Gurn LG., Giirm BsLd, Güner
(wo'?), Gonni GrD., Pr. - m. -^ PL Gon BBi.; L;
Scnw; Z — Dim. Göni BRi. (PI. -eni), „Gunni I
Gr", Göni bzw. Geni BAarb., E.; GrPi-.; „Sihw;"
Uw, GÖn(dJlH}ii; Uw; „UUrs." neben GÖneli, Gendili
und Gönd(i)li, Güni Gl: rundes Schöpfgefäss. ,Mit
dem Gon schöpfen', heisst bei den Landleuten was
sonst: mit dem grossen Löffel schöpfen, d. i. gar zu
plump in das Geld greifen.' Spreng. ,Wele'' smit de-
heim rosse [zu Ader] lät, der soll das bhiot enpfalicn
in ein kübel oder in ein gon.' 1300, L Stadtb. ,Capula.
ein schöpfgatzen oder gon oder kellen.' Fris.; Mal.
,Die gaze, gäze, boU, schäpfe, goon.' Reh. 1662. Die
(iescllschaft d.>< törichten Lebens (XVII.) wandte sich
Gan, gen, gin, gon. gn
332
an den Stadtrat, welcher gegen die 3 grossen Becher
saniiiit dem Gönilli [Kännchen?], die in den Schatz
eingeliefert wurden, 700 fl. vorstreckte. (SPlattn.).
Insbes. a) hölzernes Schöpfgefäss für Milch BSi. ; Gr;
L; ScHwK.; Uw; U; „Gunni n., grosser Alplöffel, etwa
l'/ü Schoppen haltend Gr." Guni n., grosse Kelle mit
Hakenstiel Gl. „Genli, grosser, tiefer Alplöffel Uürs."
Zum Abnehmen des Rahms Gl (GüniJ; Gk; Ndw;
vgl. Nidel-, Schüm-G. Syn. Rom -Kelle", Schussle:
Auch zum Anrichten Gl (das Güni); Schw (Göni);
vgl. Hafen-G., Suppen-, Ess-Löffel GrD., Pr. (Ess-
GöniJ, oder Trinken UwE. Dieses vornehmlich in
den Sennhütten gebrauchte Gofäss hat an den einen
Orten die Gestalt eines tiefen Napfes, an andern
die einer Wanne, und hält 1—3 Mass, ,'/i Becher'
BEi.; U. y gl Gtmsch. Scherzh. übertr. auf geistige
Getränke: M^r wend mich es Güni tie, noch eine
Flasche trinken Gl. ,Ein keiner von Malters soll
weren ein ziiber und ein gaun an der herren dienst.'
XIV., L rrnpstfirndol. ,Von der Sirpe [Molke] nimmt
der Senn mit .leiii Stielnapf, Hakennapf, Gon, etliche
Mass hinweg und schüttet sie in ein anderes Geschirr.'
JScHEDCHz. 1706. ,Denjenigen grossen hölzernen Löffel,
der hin und wider heisset Gon, Haggennapf, nennen
auch die Tavetscher Gont, andere Püntner Cazzetta
und Scarmsera.' ebd. 1708. — b) für Wasser und für
Jauche, hölzern, in Gestalt eines Kübels mit 4—8'
langem Stiel Aa; BsLd; B; F; GRRhw.. V.; L; S;
Th; W; Z; Syn. Schöpf gelte' ; Schii/'f,". D' Cime süß
Wasser wie mit-eme G. L {Scinvza.i. Mill-im Gorn
voll süttigi Lauge. Brkitf.nst. .Man soll .las Wasser
mit einem kleinen (i.Milrii, nn.lrr .\w Illatt^T -lessni.-
RhäGOR. 1639. Mr\\ nu\r.jyu an Cnn/ W Knlria.nln.
1691. Mit kurzem Stiel liir enn^ Hand, in .1er Küehe
gebraucht, meist von Kupfer oder Blech Bs; W. Syn.
Gatze'.
Wenn das sonst nirgends vorkommende, d,agegen bei nus
aus allen Kantonen, ausgenommen Ap und 6, bezeugte W.
übh. deutsch und seine urspr. Gestalt Gsn ist, so kann es
zu einem starken Vb. 't/tunau gehören, das auch für gienen
vorauszusetzen ist und, nahe vwdt mit ginen, ginnai, die Bed.
,sich öffnen, in sich fassen' gehabt haben möchte, wovon
die Bezeichnung eines mehr oder weniger weiten Gefasses
abgel. werden konnte. Vgl. guciicn S, den Mund aufsperren.
Die Form Guni (Güni) würde den Ablaut des PI. darstellen.
Einschub von r nach langem Voc. (bes. ö und ö) ist nicht
selten, .jedenfalls häufiger als Ausstossung. Ourm konnte aus
Gurn entstehen (obwohl sonst häufiger auslautendes n aus m) ;
ähnlich l aus n in Gel. Gö ist zu erklären wie schö u. ä.
in einzelnen MAA. aus ,schön' usw.; für die vollere Form
aber muss angenommen werden, dass das n urspr. durch
einen folgenden Voc. gedeckt war, wie die zweisilbigen For-
men von GrD., Pr. ; T und W ausweisen. Dagegen zeigt der
Endungsvoc. der Neutra Guni, Güni eine Diminutivbildung
an und sind die gleichlautenden Masculina nach Analogie der
Nomina agentis gebildet. — Übrigens ist das W., wie sehr
viele Ausdrücke der Haus- und Alpwirthschaft, wahrschein-
licher rom. oder keltisdien Ursprungs; vgl. waadtländ. goumo
mit der Bed. 2 unseres W.; churw. caum, Mass für Milch,
Butter und Käse; it. rogno, altes Weinmass; Schöpfgeföss,
aus lat. cmigiutt.
Alpen-Gon: grosser, 2 Liter und mehr haltender
hölzerner Löffel, mit welchem der Senn die Milch
schöpft W. — Ess-(?om' m.: hölzerner Esslötfel GrD.
— Gülle°-Gon: Kufe zum Schöpfen und Ausschüt-
ten von Jauche L. Syn. Güllen-Schüefi. — Hafe"-
Gone": grosser hölzerner Löffel, bes. um die Suppe
und andere Speisen aus dem Hafen, in welchem sie
gekocht worden, horauszuschiipfen Gr. Vgl. die (me-
tallene) Hafen-Kelle. — ,Milch-Gon mit Handhabe
zum Schöpfen, in Sennhütten.' Wvss 1817 (BO.). —
Nidel-: grosser hölzerner, wannenförmiger Löffel,
um den Rahm von der Milch abzuschöpfen GrAv.,
Rhw., Saf., Val. — ,Süfi-Gönelein: ein Löffel, daraus
gemeinlich die Sennen ihren Gästen zu trinken geben,
[auf bündnerisch] la scudella.' JJScheuchz. 1708. —
Schüm-ffejiK n.: kleiner hölzerner Löffel, mit wel-
chem man den Schaum von der Milch schöpft Gr ObS.
— Schotte°-Gonni: breiter, hölzerner Schöpflöffel
für Molken GRPr. — B'schütti-Gon = Güllen-G. BS.
Schweib-: kleiner Napf mit gekrümmter Hand-
habe BO. — Mhd. sv}eihen, schwenken,
„göne" I: mit einem hölzernen, langstieligen Ge-
fäss schöpfen L."
gönen II, Göni s. gue-.
Gön s. Geimlnn.
gonele": zimperlich gehen ZF. — Dim. -Bildung zu
ga' (gö"). Vgl. gajden Sp. 199.
Gön ig s. Gott.
günen, Güni s. guenen. Güner s. Gon.
Gunn(e") m.: Gun.st Z. Syn. Wille". Eim de" G.
ha', gewogen sein. Eim G. ge". Er chiimit liei G.
[keinen Beifall] über bi-n-em. Uf G.
Erst später aus dem Vb. gebildet; die zweisilbige Form
in G. überchö und ?«/ G. könnte auch nur der subst. ge-
brauchte Inf. sein, aber in den beiden andern Fällen scheint
wirkliche Subst.-Bildung nach Analogie von , Wille"' und ähn-
lichen vorzuliegen. Übrigens scheint das Ptc. g'gunnen (s. ge-
loünnen) hereinzuspielen.
gunne" AAFri.; Bs; Gl; Gr; G; Th; Z, go- Aa tw.;
Ar; GTa., gö- (resp. e) B; L; Schw; S; Uw, gwunne I
GA., G.; ScHwE.; USchäch. — Ptc. g'gminet Z, g'gönnt
B; L, g' gönne' Aa(H.): 1. gönnen. Er gunnet-si'''' keis
Müeli, nicht die geringste Ruhe Gl; Z. 's händ All
enand öppen-es Vorteil g'gönnt. Häfl. 1813. Junge'
J.iilr". die firi/c [den] Zitgeist rönne [rennen], isch gueti
y)'e^^e;■(./ : ^iiiinie [zM wüuschen]. Schild. Üsereins
niiuhl opj,,' iitl vil Compliment [mit Aufwarten], aber
's isch-d'r g'gönnt [ich gebe dir das Wenige von
Herzen]. MWalden 1879. Nes Freudeli gönne'. Hopst.
1865. Si gönne de" Liite» d' Sach, gebe ihren Dienst-
boten udgl. reichlich, was ihnen gebühre. BWvss 1863.
Eim 's Wort {'$ Mal Z; s. u. diesem W.) nit g., un-
freundlich behandeln B; Syn. 's W. ge". ,Es war ihm
zuwider, die Grosseltern zu fragen, sie gönnten ihm
auch das W. nicht.' Gotth. Syn. d' Er antuen, sc.
Jmd anzureden. S. noch u. Hund. Oft verbunden
mit ,mögen', wobei dem Inf. ge- vorgesetzt wird (vgl.
Sp. 48), er mag-m^r Mit g'gunne". ,Wie wol man
eim der kriesen [Kirschen] gunnet.' 1530, Schw LB.
,Nun hottend MHH. inen iren guoten muot wol ge-
gonnen.' Kessl. ,Male cogitare de aliquo, einem übel
wollen und böses gunnen.' Fris. ,Dass ich die schwer
Stell Anderen herzlich gegunnet hatte.' JMCll. 1673.
,So hast du demselben nicht gönnen mögen, was ihm
Gott gegonnen hat.' JMey. 1694. ,Wann einem Glied
in allem Baden seine gebührende Ruh zu gunnen ist,
seind es die Augen.' SHott. 1702. — 2. vergönnen, be-
willigen, verleihen, schenken. ,Und demselben gonn-
den [wir] das guot gänzlich ze niessende und entzigen
Gau
334
sich unsers gottshuses rechtes.' 1325, L Leibdingsbr.
.Die bett und das gunnen das soll denen von J. an
Iren reeliten an schaden syn.' 1394, GRJen. Arch.
.Batend, dass si inen verhengen und gunnen weltind.'
M()4, Absch. ,Gönnend uns, dass wir erlich by üch
leben mögind.' Zwingli. ,Wenn yoman in unserm
land etwerm so guots gann, dass er im von synem
eignen guot etwas gönnd und gen will.' 1537/44, Schw
LB., dafür im offiz. LB.: .etwan eim so guots gönnt.'
Diewyl man by inen so vil gunst und gonnes fand."
Vad. (Der Inf., in genet. Form, allitterierend mit
seinem entsprechenden Subst. verbunden.) .Keinem
menschen wird es gönnt, dass er mit Gott zuo gericht
gange.' Z Bib. 1560. ,Ein solchen gwalt hast du be-
kommen, welcher den englen nit ist gunnen.' Com.
SBeati. ,üns hast du gegonncn einen besonderen und
in allweg einen gefreiten Stand.' Z Lit. 1644. ,Die
Wyn, wie sy Gott und die Reh den Menschen gunnen.
auch blyben lassen.' 1649, Z Mand. (vgl. noch u. Eeh).
.Die Ehr, die ihnen Gott selbs gunnen und gegeben.'
JHoTT. 1666. ,Eine audienz gunnen.' ebd. ,Doch ist
ihnen gegonnen und erlaubt . . .' Z Metzgordn. 17T0.
Ein Mal abs. = einwilligen: ,So doch gott darzuo
günnet.' Zwingm.
Mh(i. gunnen, tfunnen, (ver)gönuen. Die beiden Bedd.
grenzen in einzelnen Fällen nahe an einander. — Die uvspr.
Natur des Yb. als Prät. Präs. ist längst vergessen. Bei Hadl.
lautet das Präs. noch ,gan'; bei Aal 1549 aber: ,Der mir
kein fröud nie gan' (im Reime auf .mann') bedeutet sie das
Prät. nach Analogie des ganz unvwdten .begann', welchem
umgok. mhd. auch ein Prät. .begunde' zur Seite steht. Neben
dem schwachen Ptc, welches in der lebfudrii S|ii , vm lui i s.-ht,
begegnet in der altern (bes. noch im XVII i im lii rli, n das
starke .gegunnen (-o-)', welches auch mlil. x-i L' nniit. wii
von andern Vbn dieser Klasse ebenfalls ziiutiltu i-tiukt l'.uti-
cipieu gebildet werden. Übrigens bedient sich ein und der
selbe Schreiber etwa beider Formen, so JHott-. 1666 ,ge-
gonnet, neben .[ge-] gunnen'. Der Unterschied zwischen ii u. o
hat so wenig zu bedeuten, wie im Präs. der von u, o und ii;
der letztere Laut (statt ii) mag durch die Schriftsiir. be-
günstigt sein, mit Bücksicht auf (Vermeidung von Gleieli-
laut mit) jüiinen i. S. v. .gewinnen'. Aus dem letztciu Ein-
fluss erklärt sich auch die Form gxounne; s. Anm. zu an(jimwn.
er- = gunnen 1. Si mö [mögen] mir 's nit er-
gönnen. B Lied V. 1715. — Er- hier wie jetzt r/e-.
ver- (Ptc. -gimnfejt, selten -qunne": 1. missgönnen
Aa; Ap; BO.; Gl; GrD. ; L; G'; SchwE.; Th; Zg; Z.
.Wer wollte doch so hartherzig sein und den armen
Leuten das Gras vergönnen, das unbenutzt zu Grunde
geht!' Kasth. 18'29. .Die Linth hat zu wenig Wasser,
weil es Einer dem Andern vergönnt.' N. Z. Ztg 1864.
.Wenn die Städter ihren Carneval haben, warum dem
Vollie seine Freude v.?' Hopst. 1865. Den Ärbeitere'
d's Esse" vergimmne GA. Von einem Geizhalse : er ver-
gunnt-em [sich selber] 's Esse' Z. Me" hed-ne [ihnen]
null [weder] 's Webe' noh 's LÖndli vergönnt. Häfl. 1813.
.Den ich ihm missgünstig vergönnte.' Gotth. Sprww.
und RAA. Ei"m d's Wisse-n-in den Auge" v., den
Neid auf die Spitze treiben GRPr. Sim Nebe"dmensche
d' Simn V., sagt man von einem Geizigen; vgl. u. Sunn.
E /-c/ss! Soi,. r /V/ss/ Chile innl r /V/,«,' Frau, häd Nie-
mer iiihmisI ii„,I isI ,V„ ,,„ , :' ,■,,■.////(/((•" Aa; Z.
Weiiii'.-< Kiiim |Kiiir„i| ,i„ri ,,,„1. .., rngonnt-ma's
Emm, und wenn '.b' Eiiiiii iiiid giict ijijd, >iu gunnt-ma's
Emm Ap u. aw. Die beste" Summer sind, tcenn mrn
enand de" Rege" vergunnt. Sulger. Volksglaube: Wenn
Einen die Speise würgt (oder wenn man beim Essen
den Schluchzer bekommt), so wird ihm das Essen von
Jmdem vergunnt Z. ,Da die Lut einandern vergunnent
zu kriesen, und das von wegen dass nieraands des an-
dern schonet.' 1530. Schw LB. .Vergunnen. verbünstig
und nydig syn, invidere.' Fris. (.-günncn'); Mal. .Dass
du alle die zu schänden machest, die dir dyn glück
vorgonnent.' FPlatt. 1612. .Daher sei [die Teufel]
dem menschlischen gsind gar über d' mässen neidig
sind, vergönen ihm das ewig leben.' Com. SBeati.
Auch abs.. mit Dat. P. = Jmdn beneiden. .Hassest du
für mich und vergönnst mir?' 1531, IV. Mos. .Man
flndt wol lüt. die uns vergönnend.' NMan. .Ich hotfe.
es solle mir noch so gut werden, dass man mir zu
vergunnen haben werde.' JHott. 1666. .His «mulamur.
wir vergönnen denen.' Denzl. 1677; 1716 (.vergönnen').
— 2. ^ gunnen 2. .Die [Weg-] recht hat nit N's mad
dann mit vergunden [ausser mit besonderer Bewilli-
gung].' 1472. ZOWthur. Offn. .Erbarmend üch über
uns; vergunnend uns dasselb.' Zwingli. .Artaxerses
vergönnt, dass der Tempel widerum gebauwen werde.'
Z Bib. 1551. ,Tuon wir ihnen die Gnad und vergunnen
ihnen alle und jede unserer Hölzer.' 1530 (1569).
Steinm. 1802. .Ich will ein Liedlein heben an, wend
ir mir das vergunnen.' LGlett. 1560. .Fecerunt po-
testatem. habend mir vergönnen oder gewalt geben.
Impertire. vergunnen, erlauben. Tibi permissurus sum.
ich will's dir nachlassen und v.' Fris.; Mal. .Was
gäbest du darfür. dass es wurde vergönnen dir, dass
sie noch möchtest legen an ein Mal!' Com. SBeati.
— 3. vergunnt verstärkendes Adv.. z. B. v. nütnutzig
BE. Syn. verdammt u. ä. — Mhd. v-iyuniKn in beiden
Bedd. — Bei JJBreit.. Kilbe .vergönnt' neben ,gegonnen'.
Gunner m.: 1. der Einem Etw. (auch Schlimmes)
gönnt. .Wenn Unsereinen ein Unfall trifft und es in's
Publikum kömmt, so hat man immer Gönner.' Privat-
BRiEF. — 2. Gönner. Freund. .Er klagt's ouch dem
Stouffacher, dann si ^m.tr wi.lliel^annlr niiiiner warend.'
ÄgTschudi. .Iiri- -minri, i;iniu|-.- \lu,. ,N. N., unser
getreuer Gi'niii.r/ IM'is. r n - : .\.i,ln. Feind, ,0b
mich glych myiie uiigunner einen kelzer scheltend.'
Zwingli.
Ver gunner m.: Neider Z. Es ist besser, me' heb
en V., als en Verbarmer [Einen, der uns bemitleidet].
Gunni U f.: Gunst Z. Nur in der RA.: Ei"'m
(d'J O. ge, recht geben wie z. B. schwache Eltern dem
verzogenen Kinde. Eim hei G. ha, nicht gewogen
sein. D' G. bi-n Eim verlüre'. Ein Vater sagt zum
Lehrer: Gend er mine' Chinde" nw Tatsch [Schläge].
wenn si nüd wend folge" [gehorchen] ; »>'' gib ene" Icei
G., wenn si chönnd [kommen] cho" chlage" ZO. Vgl.
Gunn.
gunnig: wer Andern das Verdiente gönnt, ihnen
genug gibt; freigebig GW. ; S. Syn. gebig. Vil z' guet-
herzig, vil z' gönnig. Joach. 1883.
Gunni L Günni s. Gon.
Gunagel. gunäglen s. Kue- Nagel, guniere",
Gunierer s. kujonieren. Gunnis s. gewinnen.
grine" I i-: 1. heulen FS.; GaBh., sich laut be-
klagen, sich beschweren F. D' Miillei- gyüne'd g'nueg
[sehr]. — 2. streiten, zanken GrV.
Dürfte sich auf einen Siiniin -,» i- -, /nriickführen
lassen, vidi, mit Auiiah 1. i I ui.::il , u l ,>u. Iiiiuen,
und eig. bedeuten ,deii Mihi i.!- ii i \ ' imt-h ijincn;
yiencH, ijiinen II, mit weleh l.,i.l..iM;i .- d li .lell, eins ist.
335
Gau— giiii. GaiiLli-Guiich. (Jaml Kuml
336
ganig: schmackhaft Aa; Th; ZWl. Es ist-im nid
g., schmeckt ihm nicht. — Mit euphonisch eingeschobenem
n von Gu (Sp. 52) abgel., wie das syn. g'iutig von Ciw(.
Vgl. a«si,j.
günnen s. ge-icinnen. Güniggel, güniggleii:
1. s. Kue-Nagel. 2. Gül-Niggel.
gaene" Aa; B; VOrte; GT.; S; ZS., gucme BsLd.
güne Ap; Gl; G; THtw.; ZWL, güne" II -«- Gl;
ScuwE., göne P; Gl; G; Th; Z (ausgen. S), göne -ö-
Th — Dim. gönele Z: 1. sich mit gierigem Blicke und
bettelnder Miene hinstellen, besonders wo gegessen
wird. aaO.; Syn. gäunen, gienen 3, glslen, sänen; an-
hin-, zuestä". Der Sigrist gitenet albe" g'nue^, wenn
der Pfarrherr am Charf ritig Wi" t" d' Heiliggrab-
ehugele ine' tuet, und darf nit etnöl es SchlücMi dervo"
MC». BWtss 1863. De" Müller het albe' mitUne' i'
der Pinie es Glas Wl" trunke'; denn si' die arme"
Mannli us-em ganze Örtli derher cho" z' trampe' und
hei guenet S (Schwzd.). Das Spätzli guent im Summer
nit, es findet selber 's Brod. Hagröschen. Und der
z' spat [zum Essen] kunnd, ka" de" guene' und geine'.
Balz 1781. Der Bettler gönt im Darf limine' P. Die
soll-mp- tcider cho guene", i''' gang-t^e" nümme' go'
chtlechle". Breitenst. 1863. — 2. mit gespannter Auf-
merksamkeit horchen oder spähen. Etwas zu erfahren
suchen S. Er guenet 's Dorf uf und ab und lüstret,
um z' erfare', wer ihn a'g' schwärzt heb. BWvss 1863;
glotzen Gl; zusehen, gaffen B; das Maul aufsperren
L (Ineichen); mit Verlangen auf Etw. warten, müssig
wartend herumstehen Gl; Z. I"'' wott da [den Ar-
beiter] nümme' zum Schaffe', er stät nw da go göne".
Du läsl-isja gohne wie d' Esel. MUsteri. M^- wend-is
[wir wollen uns] a»"* als bravi Bürger wehre', nild
g. a' der Wand! Lied auf das Helv. Bundesfest 1798.
,Lorcn, gönen, warten, morari, exspectare.' Ked. 1662.
Ouencn, ijuneii, ijörnn und gäunen verhalten sich ähnlich
wie gienen, ginen, gHnen, mit denen sie auch die Grnndbed.
,den Mund aufsperren' gemein haben. fJuenen (ndrd. günnen)
weist auf ein starkes 'gmien (vgl. X'^'-^"^ ^us 'xavjo) und
,Gan-s', eig. die den Schnabel aufsperrende), gönen, guncn,
günen, gäunen auf ein altes 'giunan (vgl. Anm. zu Gön), wenn
man nicht blosse Verderbniss aus guenen annehmen will. Es
gibt übrigens Parallelen zu diesen Voc.-Terhältnissen, z. B.
mhd. büenen, schwz. bünen, nhd. bohnen. Guemcn (mit welchem
guumcn Sp. 300 f. zu vergleichen) ist wahrscheinlich bloss
lautliche Entstellung und berechtigt kaum dazu, es (und damit
die ganze Sippe) an mhd. guume, Gaumen, anzuknüpfen. —
Abi.
üf-gnne": gierig nach Speisen aufschauen; vom
Hunde: sich auf die Hinterbeine stellen, Männchen
machen Ar. — a"-guene": ansehen (vielleicht nur
scherzh.). 's chunnt druf a", wie me" 's aguent. B It
Posth. 1868. — ver-: vor unbefriedigtem Verlangen
(fast) vergehen Z oGlatt.
Gueni, Goni m.: zudringlicher Mensch, Schma-
rotzer, oft als Scheltn. Aa; Bs; G; Schw; Uw; Z. Da,
ff., hast Öppis! In ZKn. scheint es Titel für Einen
gewesen zu sein, welcher der Hebamme Botendienste
leistete und hungrig nach Gelegenheiten dazu aus-
spähte. Wolf lässt in seinen Baurengesprächen zu
einem guten Läufer sagen : Wenn i''' Meister war, so
müsstisch-niff du de Nächst geh [abgeben, werden]
na''' der Hebamni; weist, wie-me' S&bem said? Guhni!
Dj must denn der H. säge", die oder disi [Jene] well
Chindbetteri' werde" [niederkommen]; da brficht'sen
guete' Läufer.
Schlaps-: zudringlicher, gemeiner Schmarotzer
L t. Du müessist Schlabsgueni werde', sobald das
Ämtli lidig fall. Stald. 1798. — Zu ,schlappen, schlabern',
lecken.
Gencli: Queckweizen, trit. repens B (Durh.).
Etwa aus lat. genieulum, Halmknoten (woraus auch waadtl.
genollet. convall. ,polygonatum'), wie Fenchel aus J'enieulum.
Gand— gund.
Gand n. BO.; Gl; W, m. BHa.; UUrs., f. Gl; Gr
(auch Gande); Ndw; PP. (-(); SchwMuo.; U (-<); W
— PI. Gänder Gl; W: 1. Schuttfeld. Geröllhalde,
Masse von Felsstücken und Steinen im Hochgebirge,
bes. von Gletschern vorgeschoben ; dem Steinschlag,
Bergstürzen ausgesetzte, von Steinen oder Felstrüm-
mern bedeckte Gegend BO.; Gl; Gr; P; Uw; U; W.
Syn. Püfi, Misi. Haufe zusammengeworfener Steine
aus Äckern und Wiesen GlH. (n.), auch Stein-G. Stei-
niger oder sandiger Boden BO. Sanft ansteigendes
Sand- oder Steinufer LV. Grien oder Geschiebe eines
Flusses, Kiesgrund. Flussbett B (Zyro); Z (Sihl), Kies,
Sand ScHwMuo. ,I)er frische Schnee reistete uns bis
in ein Gand hinunter.' WSenn 1871. Wie ne Gemscha
d' Jäger re'ht zem Xarr ha' und springen und lustigi
Si" und über alli Gänder faren. Vf Sagen. ,Ort«, wo
die Dammerde nur dünne auf dem Grien oder dem Ge-
schiebe aufliegt, welches in frühern Zeiten durch die
Sihl mag hingeschwemmt worden sein; man nennt
solche Stellen Ganten.' HSoiiisz 1842. ,Si [die Glarner]
wichen 1 in ein gand [am Rautiberg].' Lieb 1388. ,Vor
der Stjadt lag ein hoher, weisser Büchel, der gleichet
sich geschüttem Gandt.' 1460, B. ,Agaunum hat seinen
Ursprung vom Wort „am Gand" und nicht nur von
einem Stein; denn G. heisst in teutsch ein Ort, das
voll grosser Flühen und Felsen ist.' AgTschudi, Gallia.
,Uen Communen Giubiasco und Morobbio wird be-
willigt, etwas Gandt zu verkaufen.' 1563, Abscu. .Dass
ein Gottshaus aus der Weid Sand und Gand auf den
Waldweg möge führen.' 1583, ScuwE., Klosterarch.
,Sand und Gand graben und hinweg führen lassen.'
ebd. ,Die Gant, Ägert. glabretuni, calvitium agri.'
Red. 1662. — 2. (f.) Jagdzeit. Die Gant geit offen,
geht auf GrL.; Mastr.
Wahrsch. rom., rcsp. nilat., und viell. nrspr. kelt. oder
rätisch; daher in den an unser Gebiet grenzenden rom. MAA.
von Gr, Tirol, Oberitalien: ganda, gonda, ganna, Schuttniasse,
Steiugeröll, Moräne; vgl. Gr. WB. IV 1, 1, 1215. Eben weil
die genannten rom. Dialekte das W. nicht mit c oder tsch
darbieten, schwerlich vwdt mit it., span., port. canto, Kand,
Ecke, Eckstein. Für unsere Spr. wäre allerdings Vertretung
des anl. rom. c durch g regelmässig, die Erweichung des
ausl. t nach n zu d ebenfalls sehr häufig. Die zweisilbige
weibliche Form scheint vorzugsweise zur Bezeichnung einer
mit Steinschutt bedeckten Gegend (daher wohl auch das f.)
gebildet, während die kürzere Form mehr die StofFmasse als
solche bezeichnet, das n. viell. nach Analogie von Ku, Grien,
Sand, ,Geröll', das m. nach ,Schutt', Gu/er udgl. Der PI.
scheint selten, da der Begriff wesentlich coli.; neben Gänder
findet sich auch: ,in den Ganden der Berge.' Gr Samml. 1782.
Bed. 2 meint wohl eig. das bes. auf Gnnd liegende Gebiet
der Jajd (auf Gemsen), (ümd erscheint noch, mehr oder
weniger appell., als Ortsn. und in zsges. Ortsnn. (imu, Ort
in Gr Pradn. und Schuders, auf einer ,Eck' [Erhöhungl ge-
legen. Oandu, Name von Orten, wo Bergstürze stattfanden Gr.
Ein Gasthof zur Ganda an der Klus GrPr. Die Gand, der
freie Platz zwischen dem Kloster und dem Dorfo UwE. Du»
Gundli, Heimwesen, ebd. ,üass ihm [einem Angeklagten]
offen tag [Gericht] geben wart an die Gand zu Betzlingen
[Ort der ü Landsgemeinde].' U04, Absch. Hü''-Gani, Berg
an der Grenze von BE. und LE., seiner zerbröckelten Gestalt
wegen so genannt. ,An der Frowen Segant, der ouch by
dem [Lowertz-] Sew ligt.' 1524 ff., Schw LB. Eine Gamln-k
(vgl. Bd I 157) am Lötschcnjiass erwähnt Justinger. G.-Flmh
s. Bd I 1185, G.-F„rrf Bd I 938. G.-Lau,r,-,wi,, ein Ort
im BDiemt. U.-Siuck, Teil des Freibergs Gl. S. noch Leu
VIII 212 f.; 217.
Stein-: Steingeröll oder Kies an einem Berg-
abhang Gl; Gr^; U. ,Unweit Attinghausen kann man
in einer St., dem .sog. Tiergarten, das Treiben der
dort gehegten Marmotten beobachten.' Gem. U 1834.
Mij"s Buabsch [Sohnes] Älpli soll e ruhi Steiganda
uerda ! flucht die von ihrem Sohn missachtete Mutter
in der Sage Gr (Schwzd.). Auch Name einer mit zer-
klüfteten Felsstücken überschütteten Strecke auf dem
Wege über den Schilt nach dem Mürtschen. Steinm.
1802. S. noch G. 1 Gl. — Wurm-: Ort, wohin durch
einen pfeifenden Fremdling (vgl. den Rattenfänger von
Hameln) allerlei Ungeziefer gebannt wurde, das in der
Gegend im G'wüest gehaust hatte. U Sage.
uber-gandc": durch Steingeröll verheeren Ndw.
Syn. ver-g., -sären, in-sanden. — ver-, „-ganten":
mit Felsenschutt überdecken BSi.; Ndw. Auch intr.:
bedeckt werden Ndw.
Gandere f.; Stück Land voll Geschiebe od. Stein-
trüQimer BO.; „Gl; Gr; U; W." Von einem steinichten
Grundstück: Es ist e volligi G. BHk.
Naeht-Gander: wer Nachts sieh auf der Strasse
betreffen lässt. .Die Scharwache fasste die N.-Gander
ab.' Bs XIV. — Von yänd, Ptc. zu 30". Vgl. Gassen-Gänyer.
ab-gandig = abgänd Sp. 9. ,Die Verbesserung
des Trülls, so etlichermassen a. und unbschlüssig ist
[nicht gut verschliesst].' 1565, Absch. IV 2, 1393.
gänd s. gä".
Widergände s. Sp. 35.
Gänder I m.: Kanal, Einne zu einem Mühlwerk.
1402, Hof Kkies. Sp. 17.
Wohl nur Nbf. zu Channel, Chändel, C/mnner, obwohl y
für e* (1-) im Anl. nicht oft vorkommt.
Gänder II i-, in der liA. im Ggänder um'' erlaufe",
Nichts tun GrD.
Wahrsch. als Coli. -Bildung Ge-tjiinder (vgl. Candm) zu
verstehen (zu Gand) und eig. ^ der Jagd nachgehn; vgl.
Gand 2.
er-gend s. er-gäbig Sp. 03.
Gnnde Sch, Gundel 1 Schw f.. Gundi n. L; Uw:
Taufn., Kunigunde.
Flarze-'-Gunde = narze' 3 (Bd I 1'208) Gü. —
Der Eigenn. appell. gewendet.
Gundel II, III s. Gungel; Gunten I.
Schweiz. Idiotikon II.
Gang gung.
gang, gange"
gangi s. gw (fep. 1).
Gang gay m.: im Allg. wie nhd. 1. abstr.. das
Gehen, zunächst von Menschen und Tieren; übertr.,
von leblosen Sachen, a) von fortlaufender Bewegung.
Me" muess de' Lüte' de" Wille" lä" und dem Wasser
de" G. SüLG., oder: me" vi. de" Litte" (der SachJ de"
Lauf lä" u. d. .TF. d. G. ,Descendit alvus, er gat,
hat sein«" g.' Fris. Wenig G. ha", von einer Lawine,
welche sich verhältnissmässig langsam bewegt Ap.
I" G. cho", ,geläuflg', gebräuchlich werden G; Z.
(Wider) z' G. cho", eig. (wieder) zum Gehen, in Lauf,
Umlauf konnneii. .liii licst's nun triben eben lang und
ist dyn geltli kun zun i^/ (sagt der Wirt zu seinem
Gast). Sal.vi IM'.T; jetzt in mehr abgeblasster Bed.,
zurinht k"iiiiinii, rine Aufgabe gehörig anpacken; auch:
ökoii.iiiiisrli -.■Irihcn, bestehen können Ap; Gl; G;
Z; Syn. ;' Srldii,/, z' Streich, z' Weg. „Wol mit ein-
ander zu G. k. = in Eintracht leben L; Soh." Daher
auch z' G. bringe", zuwege br. Z. ,Recht und [die
richterlichen] sprüch zuo g. pringen [in Kraft setzen,
handhaben].' G Hdsehr. — b) von einmaligem, be-
grenztem Gehen, a) der einzelne Besuch des Arztes,
welcher so und so viel für den G. berechnet. Ähnlich,
aber zusammenfassend, stellt der Advokat Rechnung
für Stand und Gang [Zeitverlust und Mühe] aus Ar.
In Aa; B lautet die Formel tautologisch Lauf und
Güi,;,. wir.lrrliolt,- IriMicl,,. B./iii ülLUiiu-ru iu eiucr An-
gele-.'nlirit (^^l. ul„.|i /,. ,ii,.U,M. .Im. In i- d' Gang
bri)„i,\ iliHi M.;l.; Mull... uu.l S..!-,', nani..ntl. und eig.
viel Lauieus verursachen, seine Kühe .sturen B; Syn.
s. Gusel; Unmuess. ,Das zu anfang mit kleiner arbeit
gehandelt wäre, wird nun zu hertern gangen kommen.'
1476, OcHSENB. — ß) das Durchlaufen einer bestimmten
Strecke von Seiten des zu Rutenhieben Verurteilten.
Der Ap Strafcodex unterscheidet den .langen' und den
, kurzen G.' Syn. Um-G. 1 a e. — y) Waffengang.
,Tue ein gänglin mit mynem herrn.' 1531, Jesa.j. ,So
fechtend wir us fryera muet ein gengli zwei, dry
mit dem schwert.' Aal 1549. ,Inter se componi, mit
einanderen fechten, ein gänglin tuen. Certamen ex-
periri, ein gängle versuochen, ein kämpf wagen.'
Fris. Von der Volkssprache auf das Schwingen und
Ringen angewandt. S. auch Vor-G. 2. — 6) in (den)
Gänge", im Gange. B' Suppen ist in'n G., unter-
wegs Z. Wie ^mal Alls [was zum Rauchen gehört]
in G. [in Bereitschaft, in Ordnung] g'sin ist . . . Gr
(MKuoni). De Fö" ist in'n G. Ap. Von der am Hori-
zonte auftauchenden Cholera. JMerz 1836. — e) eigene"
G-s, express, geradezu S. Z' Öhe chunnt er ei. G-s
zum Pfarrer. BWvss 1863. Oni lang a'z'halte bij-me
Zicüsche"fueter fart der Chnecht mit-rm ei. G-s uf
Bern. Schild. — Q Einisch e G., eine Zeit lang U.
,Sinen G.', die zugemessene Zeit. ,Un\vetter hat syn
g. gerychsnet [regiert] uf der beide.' 1443, Tobl..
Volksl. — 7j) in ei"'m G., mit der nämlichen Mühe,
ohne besondere Veranstaltung B; VOrte; Z. .Es geit-
iHjc in Hm G., eadem opera fit.' Id. B; Syn. es gät
in Eim zue, in eim Tue". Ei»'s G-s Bs; L; Uw; W
(Gangsch), d's G-s B öO., gangi W, geradewegs, sofort.
Syn. ei"s Wegs; vgl. auch oben e. — 3-) Mal. (FürJ
de G., dies Mal, dermalen Ap; Zg; Z; Syn. Pari
Gang, geng, ging, gong, gung
340
Bd I 1027; Gebot. De'' Kaiser braucht de G. kei dere"
Eychsfürsten. Madleni 1712. ,Der Pfarherr verwaret
21 Menschen eines G-s [auf ein Mal].' KCvs. Wel"'e''
G., in welchem Male; wann Z. All Gang, alle Male Z.
A. G. ist er dfbl g'st". !''• will zur Bäsi; si git-mrr
a. G. Öppis. Stutz. En G., einmal, einst Z ; vgl. 2.
I)a chiimit 's de" jünger a', dass er en G. zum Ätti
sait . . . Lucas 15, 12. ,Ich muess ein g. hinuss für
d' tür.' HBuLL. 1533. — 2. concr. a) was in ein-
maligem Gange herauskommt, a) bei Tische, so viel
auf einmal aufgetragen wird. allg. — ß) so viel Ge-
tränke, als man auf ein Mal holt. En G. Wasser.
Spec. 2 Mass AaZ. 1815; „F." ,Hie und da wurde
Wein ausgeteilt, so 1731, und zwar an einen Bauer
2 Gänse, an finen Bürger 1 G., an eine Wittwe 1 Mass.'
.l.Miii,. l^iiT. — y) ei"e Strecke Ackerland in der-
jriiiurii r.ic'iir. welche ein Säeraann auf einmaligem
Gaiiyr bowii It [V]. ,l)ie [austretende] Linth hat 2 Gang
Saaten genommen.' 1762, GtSchw. Tagwenb. — 8) am
Strickstrumpf die einzelne Tour um den Umfang herum,
die abgestrickte Reihe, der 4. Teil eines Nätli Z.
Syn. Umgang; es Mal ümme'. „Gängli, so viel Garn,
als gesponnen werden muss, um die Spule mit einer
Tour zu bedecken." In der Weberei diejenige Anzahl
Fäden (theoretisch genommen 40, in Wirklichkeit aber
auch bis auf 64), welche die Zettlerin in einem Male
(Gang) an den Rahmen legt und welche, wenn die
Kette aufgespannt wird, durrli >,niis.ieir Zwisclionräume
Gruppen bilden; irz. jtartK : m:\. Umi'h 'fnninii. Abi.
gängicht. — b) etwas G«.'lirihli>. ai in d.'i Muiiledas
Getriebe, das von je einem Wasserrade in Bewegung
gesetzt wird, Mahlhaufen, Mahlgang Aa; Z. .Machten
einen Lärm, ärger als 3 Gänge in einer Mühle.' Brei-
TKNsi. isr.d. ß) Abteilung einer Körperschaft, so
vi.l,- ,Mitulira.;r umfassend, als der Reihe nach ,mit
cinaii'lri /M nfhen haben'. In ApI. eine der 3 den
jeweiligen .Wochenrat' bildenden .Abteilungen des
.Kleinen Rates' (Regierungsrates). — i) Ort des Ge-
hens, a) Hausflur Bs; B; Gr; S; V : /.. .Introitus,
das ort, dardurch man hineingat, der g.' Fris. In
ZO. so nur in Bez. auf das obere Stockwerk; vgL Em
Bd 1 461 f. — ß) im Stalle der freie Raum hinter dem
Vieh durch Aa; Z. ,Zu neuer einrichtung seines stal's
holz erloubt zu belegung des g-s.' IT:!!', Hotz, .-^chwam.
— y) Gängli, Abtritt BsStdt. Syn. ImkI'U: Häsli,
Sin-ächhüs, Privet, Sekret. — ä) <;asse zwischen Ge-
bäuden Bs; Gl. Am Gängli, Hausn. GStdt. — s) Durch-
gang in unwegsamer Umgebung. ,Im obern G.', am
B Wetterhorn, Stelle, an welcher Gemsen angehalten
werden. .Gängli'. Wald bei GiRüti. ,ln alpe Coranoor
vicina prafecturse Saxensi loco dicto im Wellerschen
G.' JJWagn. 1680. — g Finrichtung. durch welche
die Fische .gehen' sollen, s. IM 1 <.i\s ,,.. wnlil zienilirli
syn. mit Fach (s. Bd 1 C,:>t. \< ) H.iliii der Sehlitten;
in dieser Bed. erhalten im Srliliitmi lll^■ : ns de" Giiinjc" !
GaHe. — vj) Mastdarm. ,Het ein ross das getwang,
so stöss met und stöss es dem ross in synen g.' XV.,
L Hdschr.
Zu 1 b 3- vgl. nord. ganrj in der selben Bed. ; dazu Ztschr. f.
Volk. Psych. 1864, 306. — Mit 2 c a deckt sich churw. aniUi.
Ab-Gang: 1. abstr., das Abgehen; s. ab-gän
Sp. 8/10. a) Niedergang, zunächst im räumlichen
Sinne. .Von einem end der weit zuo dem anderen,
d. i. als vil als von der sunnen ufgang unz zuo d. s.
ab (under)-g.' 1497. Herkommen d. Schwyz. Nicht den
Tages-, sondern den Jahres-Lauf hat Gualth. 1559 im
Auge: .Der sommer [und] der winter wechslend sich
nach der sonnen zuo- und abg. gegen einanderen ab',
und der Z Kai. v. 1555 setzt ,Ab- und üfgang des mons'
i. S. V. Nidsich- und Obsichgend (s. Sp. 33. 34). -
b) Abschied aus dem Leben. .Das» er nit vernommen
hette von derselben mönschen tod und a.- 1451/1544,
ScHw LB. — c) Verfall, Verderben, .Abnahme'. Id. B.
Zunächst von Pflanzen: .N. N. habe eichen an der
rinden abgehouwen, das" villi(lit der>.dben a. zu er-
warten [sei].' 1649. Hotz. Seinvani. Iiann in verall-
gemeinertem Sinn. Im A. ^i", abnelnuen ScaSt. In
A. cho", aufhören gebraucht zu werden, von Waaren:
aus der Mode kommen; vom Krämer: seine Kunden
verlieren L ; Z. .Dass er alle jar 10,000 guldin one allen
a. aller hoptgüeter [Kapitalien] verbruchen möcht.'
1529, Absch. .Das kloster mit münchheit und herr-
lichkeit in ein a. ze richten, dass weder bsitzung noch
Verwaltung nie in der münch bänden syge.' ebd. ,Dass
man uns nit a. anmuote.' ebd.. wechselnd mit .nach-
stand'; gemeint ist das Zurücktreten im Range hinter
einen andern Bundesgenossen. .Solches dienet zuo a.
und undertruckung unseres burgrechten.' 1530. ebd.
.Sy sind fürtreö'lich in allen lästeren, damit [wodurch]
sy sich in a. und in die höchste Verachtung und hass
aller menschen richtend.' 1540. HBüll. .Bapst Jo-
hannes verwilliget dem Gottshus von wegen des Ab-
gangs der Kriegen halb [gewisse Vorteile].' RCys. —
d) das Abschweifen ,ab' dem richtigen Pfade, das Aus-
weichen, Umgehen einer Verpflichtung. ,So lang die
tallüt diser obgeschribnen ordnig an a. g'lebend und
nachgand.' 1514, übw (Ztschr. f schwz. R.). ,Der soll
den zins ane alle fürwort [Ausreden], mindrung und a.
bezalen.' SchwE. Hofr. (vgl. aber auch 1 c). ,.\., ab-
weg, deflexus.' Denzl. 1677; 1716 (vgl. aber auch 2 c).
- 2. in concr. S. a) = Abgänds a (Sp. 9). , Ertrag
einer Flachsanpflanzung: für A. und Aglen 50 Kr.'
Alp. 1821. .An Unkraut, Blätter und durch das Ein-
trocknen zeigte sich A. 100 Pf ebd. Die Excremente
des Viehes Z. — b) etwas Abgelöstes = Fluss 4 c
(Bdl 1216). — c) Weg. welcher abseits führt (vgl. 1 d).
,Es hat in dem Berg hin und wider Klüften und Holen,
dann darin vil Abgang und Xebentsehlüpf ' JLCys. 1661.
Side°-: Abfälle bei der Verarbeitung der Seide.
Syn. Stumpen-Siden. -- Winder-: solche beim Win-
den der Seide. Strazze. — S. noch abijämj, -iy, -lieh.
Über-: 1. Übergabe an den Feind, spec. die Ca-
pitulation der Stadt Bern am 5./6. März 1798 an die
Fian/.nsen. durch welche der Untergang der alten Eid-
j^-iMiMSMii-rhart besiegelt war B. .Alle Leute sollten
ruliiii.n. « ie d.is ein Kind sei, wie wenigstens seit dem
Ü. keins mehr erschienen sei vor ihren Augen.' Gotth.
— 2. „etw. Vorübergehendes, z.B. von Regen". Verlauf
,Man meint: wärend s' bliben und bettend dem wetter
einen ü. gestattnet, so war die mess noch nüt abgeton.'
Sicher 1531. — 3. ein vom Wechsel der Witterung,
der Jahreszeit bedingtes, oft epidemisches Unwohlsein,
z.B. Katarrh. Schnupfen; unbestimmtes Missbehagen,
allg. Er häd o"''- den [en G) V. Es regiert aber en
Ü. undr 'en Lüten BRi. En allg' meinen Ü. 's ist
nu-n-en Ü., hat de"- Fuchs g'seit, wo [als] men-^m de'
Balg über d' Oren abe" 'zöge' hat. Sülger. .Menschen,
die ihre Sünden für Bagatellen, für geschwinde Über-
gänglein eines generösen Gemüts achten.' JJUlr. 1727
Gang, ijeng, ging, gong, gung
342
(vgl. aber auch 2). Syn. Inier; vgl. auch Strücheten.
„Auch von Anwandlungen übler Laune."
Beii. 3 wird vom heutigen Sprachgefühl vorwiegend auf
die kurze Dauer des Unwohlseins bezogen (vgl. es i»t nu'' es
l'h&ryängli); allein dass eigentlich die Veränderung des Wetters
(iu seiner Wirkung auf den Menschen) gemeint ist, verrät
sich 11. A. in der Anwendung des best. Art. — S. ühergängig.
Uf-: 1. das sich Öifnen, Lösen von etwas Ge-
schlossenem, Gebundenem.' ,Der Aufgang der Fisch-
eier.' N. Z. Ztg 1877. ,Wann der Bruch geöffnet ist,
so entschwillt das Glied von dem Aufgang und wird
die Binden luck [lose].' FWürz 1634. — 2. das Empor-
gehen. Im U. s'i", wachsen, zunehmen ScmSt. In U.
cho'j Mode werden Z. ,Unserm vatterland zuo eren
und ü.' 1529, Absch. ,Der unseren wolstand und u.-
Z Mand. 1586. ,Das Gottshaus, welches in seinem
ersten u. nit ein so gross ansechcn gehabt.' RCys.
,Die statt ihren u. [Aufschwung] genommen.' ebd.
,Der rechte Aufgang der Weisheit istBegird der Zucht'
Weish. — 3. Sonnenaufgang, Osten. ,Der erst fluss
[des Paradieses] soll gan us dem garten und dem ü.
warten [nach Osten fliessen].' Rdef 1550. — 4. An-
fang der Schwangerschaft Ap. Mi" Wib ist im Tl.;
M'on'si [würdest] -»»gr du nüd z' G'vatter stö'? 1825,
BCrser- u. Baurenfreünd.
Um-: 1. abstr. a) von Personen, a) das Herum-
gehen bestellter Personen von Haus zu Haus zur
Sammlung von Beiträgen oder um die Meinung der
Burger zu vernehmen Ai". — ß) ebenso eines Orts-
vorstehers (s. E-Gaumer) während der Predigt auf
den Strassen, um über die Beobachtung der Sonntags-
gesetze zu wachen TH(evang.); Z. — y) Umzug, z.B.
ein solcher der Landsknechte im alten Luzern (s. Lie-
BENAü 1881, 240); besonders aber kirchliche Procession
AAEhr.; Gr; S; Uw; W. U. ha', eine Procession ab-
halten. Im J. 1534 beklagt sich der G Abt: ,beim U.
geschehe allerlei ihm zu Spott.' Absch. S. Musegg- U.
Daher die RA.: Nüd im U. [nicht mit dabei] si« S.
— 3) Procession spee. ura.die Gemarkung der Gemeinde
LBerom.; s. Um-Eilt; vgl. auch Under-G. und Gr., Kl.
Sehr. II 61/S. -- £) = Gang i b ß. ,Der grosse' bezw.
.kleine U.- in L s. Liebenao aaO. 173. — Q Wechsel,
Reihe, Kehrordnung; Syn. Ker. Spec. die Verpflegung
der Armen der Reihe nach in versi'lii.'dciirii lliiiiN.Tii
der Gemeinde B (bis 1872). Vgl. »»(/„<„-./:-,/. .\\:i-
ihr nicht sagt! Klaus einst der Bauer hier und jetzt im
U.?' GoTTH. ,Es wäre doch grausam für die Kindlein,
wenn die so von Haus und Hof sollten, vielleicht in
U.' ebd. Jmdn im U. ha", Jmdn in U. erchenne", ver-
ordnen, dass er auf dem genannten Wege von Gemeinde
wegen erhalten werde. In Gl diese Art von Natural-
verpflegung für Kuh- und Ziegenhirten. — i\) abortus
Ap; Syn. Umkeri. — ^) Umweg mit betrügerischer
Absicht. Syn. Hinder-G. ,Warheit braucht nicht viel
Umbgäng.' Sylloge B. 1676. .Durch grade Weg und
ohne schlimme Umbgäng aus den Sachen helfen.' 1711,
B Mand. — b) von Sachen, a) Verlauf der Zeit. ,I)es
Intens halb um vieri [Vm.] ein mal und zu u. des
tages das Ave Maria zu mittem tag und zu nacht das
Ave M.' 15-28, Aar. Ratsver. (Ölhafen). — ß) der ebig
U. s. Bdl 609 m. — y) „Epidemie Schw; Zg." Vgl
Über-G. — 8) das Herumgehen von Person zu Person.
Etw. in U. ge", herumgehen lassen, z. B. eine Dose Z.
Beim Kartenspiel das Au.sgeben der Karten durch
jeden Mitspielenden in einmaliger Reihenfolge Uw.
M^r wind nu''' e U. spile". Bei Beratungen die Stimm-
abgabe Aller der Reihe nach Z. Bei Versteigerungen
das einmalige Ausbieten und Bieten, wo solches mehr-
mals wiederholt wird, was etwa geschieht, um die
Kauflust zu erhöhen Z. ,Die Meistbieter und Nacii-
bieter von der Gant vom 9. werden zur Vornahme
des letzten Umganges auf den 20. eingeladen. Die
Gantbeamtung.' 1871. Der Wechsel von Verpflich-
tungen oder Befugnissen unter den betreffenden Per-
sonen. ,Das« der statt tor uf alle sonn- und fyrtag,
wann man prediget, durch die burgerschaft im u. ver-
wachet werden ' sollen und das" alle stubenknecht
[Diener auf den Zunfthäusern] an den .samstagen die
wachten denselben personen, so wachen sollend, um-
sagend.' 1562, Z Ratserk. ,Wann der U. und Kere
der Bevogtigung [das Recht, den Landvogt aus den
Ihrigen zu setzen] an dem Ort Glarus syn wirf 1627,
Absch. ,Vogtyen, die sye in u. der Jahren [zu Jahren
um, abwechselnd] durch ihre Landvögt beherrschend.'
RCys. ,Ein Landvogt mag die buesswürdigen Sachen
von underschidlichen Orten zusammen an ein Ort
züchen, allein dass der Orten halben ein U. gemacht
werde.' um 1650, Absch. .Disere Ordnung soll einen
ganzen Umgang, bis jedes regierenden Orts Landvögt
nachgegangen, gehalten werden.' ebd. — 2. concr.
a) = Gang 5 a a Z. — b) = Gang .3 o 8 am Strickstrumpf
B; am Garnstrange, bezw. Haspel, der 1000. Teil eines
Schnellcrs Ap; Z. — c) Garnitur, welche rings um ein
Kleid gellt „L~; Z. Vgl. Beleg. Sammetbesatz, mit
welcheiii der untere Saum des Prauenkleides der
Bauerntracht versehen i.st ÄABb. f — d) Kreuzgang
eines Klosters. ,An Sant Regien abende süllent die
husgenossen [von Fluntern] jeglicher mit einer bürde
gras in den umbegang kommen und den fürwen [fegen]
und wüschen [kehren].' 1459, ZFlunt. Offn. Rings
um ein Gebäude (einen Turm) führender Gang in der
Höhe; Syn. Letzi-G. .Einer [der Belagerer] huob an:
So lass uns brennen die festi! Des Schürpfen sun tat
ein anfang; er luif uf den u.; das hus brann je anstatt
[sofort].' Ap Krieg 1405. ,Da wichend, die im sloss
warend, in einen sinwallen [runden] turn; also ka-
mend zwen von eignossen ze obrist uf den turn; die
wurfend herab mit steinen uf die Burgunschen, die
.1:11111 in i-iiiem u. des turns warend.' Edlib. ,Wenn
.hl .111 n.'ü haus bailwest, so mach ein u. umb dein
ta.li.' ir.:;l, Deuter.; dafür später ,länen'. -- S. Vm-
Gross-Umgang: Proces.sion am Fronleichnams-
fest. Wenn de Midier uf Chappel z' Gr. cho" isch.
BWyss 1863.
G'schwüsterkind-: in geregelter Reihenfolge
umgehende Zusammenkunft der Verwandten bis zum
zweiten Grade zu geselliger Unterhaltung ZStdt.
Musegg (er)-: die vormals ,Um-' oder ,Romfart'
genannte, aus weitem Umkreis besuchte ausserordent-
lich festliche Procession, mit welcher alljährlich die
Stadt Luzern umwandelt, und bei welcher auf dem
höchsten Punkte der Stadtbefestigung, der Musegg.
Halt gemacht und die Bulle über den auch am Vor-
und am Nachtage gültigen Ablass verlesen wird, ehe-
mals auch eine Predigt lateinisch und deutsch gehalten
wurde (vgl. Bd I 1082. 1036); der Kern u. Glanzpunkt
des drei Tage dauernden Frühlingsfe.stes der Stadt
Luzern, an welches sich besondere Volksbelustigungen
343
Gang, geng, ging, gong, gung
344
(LehküeMi aheschlö', s. L.-K.; Bingli iimmebisse",
s. Bing; Fuesshall) und Freiheiten knüpfen.
Einlässlichcres s. Gfrd 1, 384. Simml. 1722, 541. Bii-
singer, J., 1811, 132. AFeierab. 1843, 119. Liebenau 1882,
285. HHerzog 1884, 161. — Für das hohe Alter des ge-
nannten Festes spricht die Ratserkenntniss von 1252 und
wohl auch die bis in die nene Zeit festgehaltene Uebung,
dass die Geistlichkeit von der Mutterkirche ,im Hofe' aus
im Schiffe ans andere Ufer setzt und am untern Ende der
Stadt gegen die Mus,-? biTüt.er eiue Brü.-ke i-ijeii'! zu diesem
Zwecke geschlagen «iril. In s.in, n .T-t.n Ant'uiL-.n i^ilit
es sich wohl an dir li. l,:innt. n irli-iM,,.n ];. -. Imn-. ii .1. i
Gemarkung im Friililin--.:[nfani;>' zur Ki lan.LLuni: 'lis hinini-
lischen Segens und Schutzes au (vgl. Um-HUt); die Pflicht
und Segnung der aus einem Gelübde hervorgegangenen .Rom-
fahrt' mag auf die althergebrachte Übung übertragen worden
sein und ihr neuen Glanz und vermehrtes Gewicht gebracht
haben.
Bann-Umgang: Begehung des Gemeindebannes
am Auffahrtstage BsLd.
G^spilen-: die gesellige Zskunft eines geschlos-
senen Kreises von Jugendfreundinnen in festgesetzter
Keihenfolge abwechselnd im Hause eines Mitgliedes
ZStdt.
Düsseli-: nächtliche Feier der unbefleckten Em-
pfängniss (8. Christra.) mit grossartiger Illumination
in der ehemaligen Jesuitenkirche in Luzern.
Der Name bezieht sich auf die zur Zeit der Jesuiten
innerhalb der Kirche abgehaltene Procession, bei welcher
man wegen der grossen Yolksmasse nur ausseien, d. i. sich
schleichend fortbewegen konnte. S. AFeierab. 1843, 160.
A"-Gang: 1. Anfang. ,Das buoch der anegenge
der hofstatt ze den Einsidelen', Titel einer im XIV.
herausgegebenen Legende des h. Meinrad. ,Der erst
a. des kriegs.' GWyl. Copial-B. .Abgang [Tod] Herzog
Philiberts undAng. [Eegierungsantritt | llei/"y Carlis.'
Ansh. , Anfang oder ang. der s.;li,Mi,|,ilrii. Mal. Im
Gen. adv. ,A-s hette er gern iVi^liii i;-.'iii,ii lit. Vad.
— 2. bedeutsame erste Begegnung auf einem Gange,
Missgeschick ist z. B. zu gewärtigen, wenn man beim
Ausgange (namentlich zu Neujahr und an anderen
wichtigen Tagen) zuerst einer (altrn) l'iauriisperson
begegnet, während ein (alter) Mann 4a- I'ni-nkehrte
bedeutet. S. u. Llcli-G.; Guyijcr: II.k: Uu.r: 3Ifis;
Schlang; (Krüz-J Spinn ; Wolf. Eine gewisse Brücke
im Ktn B, welche zum ersten Male von einem mit
Branntwein beladenen Wagen befahren wurde, behielt
davon im Volksmunde den Namen Schnapshrügye. Vgl.
GRj Myth. » 1072/86.
1°-: das Eingehen, a) Zutritt, Eintritt. ,Er hat
kein mittel noch eing. zuo lob und ören, non est ei
aditus ad honores.' Mal. , Weiher mönsch in dis
jarzyt [einzutreten] begert, der soll geben für den
yng. und ynzeschryben 5 ß.' ca 150Ü, BBrandst. 1886.
.Eingang machen zu einer sach, aperire viam rei, no-
vam rem inducere.' Hospin. 1683. — b) Einstands-
gebühr, Antrittgehl, das zur Einleitung eines Miet-
verhältnisses bezahlt wird, Übersetzung des frz. en-
trage. ,Gegen einen angemessenen Ing. und Zins ver-
leihen.' 1570, Absch. (s. Register zu Absch. IV 2). —
c) Urkunde über eingegangene Vereinbarungen. Die
Stadt StGallen erklärte, dass sie für ihre vom Kloster
erworbenen Rechte ,besigelte anlass und eingeng' be-
sitze. Vad. I, 260. — d) Einleituiiir. Aiifan- .Beim
Jahreswechsel wünscht man einanilni- nin.'ii uliicklichen
In- und Usgang Z. ,Die Kindci'iirc. listen sollen nit
lang Ingäng oder ab der Kanzel viel Uslegens haben,
sondern es soll der Pfarrer eilen zu der Sach selbst.'
JJBreit. 1634. ,Der äugst [August] hat ein guten L'
RCts. — e) Beispiel, das man Anderen gibt, Präce-
dens, Anstoss. Der Abt v. G erklärt, er wolle .keinen
yngang machen' zu der Ablösung ewiger Zinse. 152.5,
Absch. ,üb wir für die Eidgnossen zum rechten [vor
Gericht] kummen, so wurde dadurch inen ein y. wer-
den, dass wir sy widerum in unser statt ynkummen
la-^-rii si.lltnii/ l-">:!'i, Absch. ,Da es dem Herkommen
z.nwiil. 1 lanln nml .in solcher yng. später zu grösseren
Xaclitcilnn iTilireii k..nnte.' 1530, Absch. ,Ein junger
Priester griff zum ersten zu der h. Eh; darauf ver-
ehelichet sich ein anderer Priester H. Seh.; als dieser
Eing. gemachet, hat Leo Hochzeit mit C. G.' 1574/17'24,
Mise. Tig. ,Das ist ein böser eing., pessimi exempli
res est.' Hospin. 1683.
Zu c. J. clg. das Eintreten in eiuen gemachten Vorschlag,
rechtsverbindliche Zustimmung zu einer Verpflichtung.
Sunnen-Ingang: Sonnenuntergang B. In einer
B/F Marchbereinigung von 1720 ist ,der Eggen Sonnen-
eingangs halb' dem , Eggen Sonnenaufgangs halb' gegen-
übergestellt. Absch. VII 1, 1252. — Viell. zu vgl. Gr.,
Kl. Sehr. II 51/3.
Under-Gang: 1. Niedergang, Verderben (wie
nhd.). — 2. überbrückter Durchbruch, z.B. durch
einen Strassen- od. Eisenbahndamm ZObf. — 3. Grenz-
umgang, Gr.-Besichtigung, -Festsetzung, -Bereinigung,
in ScHNnk. nach einer Angabe feierlieh begangen.
S. Umgang. „Ein von beeideten Personen angestellter
Gang, um Grundstücke zu l"-irliti-vii (ii,; oder nach-
zusehen, z.B. auf einer (i- nnimloH.-nlc, ob gefrevelt
worden sei Zg." Bes. bei Maiksticitigkeiten durch
das zuständige Gericht (s. Underyänger, Gescheid),
früher auch durch ein ad hoc bestelltes Schiedsgericht
angeordnete oder vorgenommene Lokalbesichtigung,
oft verbunden mit Marchsteinsetzung Ap; Gl; Sch
(Sulger) ; ScHW; Z. Syn. Augenschin. ,Wär ouch,
dass jenian mit dem andern stössig wurde, der güeter
ze B. hette, es wäre umb u-gäng, umb wasserrüns,
umb weg, umb steg oder umb marchen, so süllent
beid teil kommen für die dorfmeier und die söllent
dann darzuo gan und sy entscheiden.' XIV., Offn.
ZBasserst. ,Um den u. der 2 herrschaften, nämlich
Grüeningen und Utznang, sollend die von Z. ze tagen
kommen; erfindet sich denn vor den vieren und dem
fünften [den Schiedsrichtern und dem Obmann], dass
der hof gan Gr. gehört, denn so seilend die von Z.
bin ir straf blyben.' Edlib. ,Ouch band die vierer
gewalt undergäng ze tuen, wo .sy beid teil darum
bittend.' Offn. ZAltst. .Semlich und ander u-gäng als
zwüschen eigen und allmy soll man verschaffen getan
werden von zechen jähren zu 10 jähren und darzue
einen landschryber beruefen, der mitgange und uf-
schrybe, wie der u. bescheche.' 1516, Schw LB. ,Wer
allhie in der herrschaft mit synen anstossenden nach-
puren in gelegnen güetern spänig ist, der soll zue des
herren vogt gan und in umb ein u. anrüefen, daruf
im der vogt den u. vergunnen und den partyen ein
tag ansetzen soll, und daby befelhen, dass sy zue
beiden teilen lüt und brief uf den span bringind; das
welle er sampt den 4 raten, die allwegen sampt des
herren vogt mit inen die u-gäng tuend, uf dem span
verhören und daruf den u. voll.strecken.' 1535, ZElgg
345
Gang, gong, ging.
31 (i
Henschaftsr. .Nun seien die von Überried in letzten
Jaliren von iliren Nachbarn in H<ilz und Feld ange-
sprochen worden und haben mit Schiedsgerichten und
Untergängen für das Aufrichten von Märchen grosse
Kosten erlitten.' 1545, Absch, ,Und hierut' so sind
dise partyen kommen uf uns fünf mann zue einem
rechtliehen sprach und undergang,' 154C, Arch. Gr
Jenatz. .Pangere terminos, marchen setzen oder einen
u. haben.' Fris.; Mal. ,Man soll ein U. tun wegen
dem Zäunen, wann es von Nöten ist, damit die Zäun
nit verloren werden.' 1649, ALroRDN. .Den verhassten
Namen des U-s in der Meinung aufzuheben, dass die
ausstehenden Schulden eingezogen und dann daraus
die Untergangsschulden [von der Verteilung des All-
mendgutes her] und ergehende Unkosten bezahlt wer-
den.' 1770, GRh. Auch das Gericht selbst, s. ünder-
Gänger. S. noch under-gän Sp. 23. — 4. Untersuchung,
Prüfung übh. ,Wir haben mit unermüdetem U. der
Sachen Beschaffenheit die Satz- und Ordnungen zu-
sammen tragen lassen.' 1706/65, L Stadtr. — 5. ver-
mittelnde Uazwischenkunft, schiedsrichterlicher Ver-
gleich. ,In gund [begann] darab schuhen [vor dem
Kriege] und wollten han tan ein u.' 1405, Ap Krieg.
— Mhd. in Bed. 1, 3 und 5.
Irr-: 1. = Mül-Vich (Bd I 649 f.). ,Wär, dass ein
i. ze R. gieng, denselben i. soll man 6 wuchen und
3 tag gon lassen und in ze E. in der kilchen 6 sonntag
einandern nach verkünden. Kumpt dann ieman, des
er ist, in der zyt, dem soll man den i. lassen, doch
soll der, des der i. ist, den kosten und schaden, so
der i. 'kostet hat, usrichten; kumpt aber in der zyt
nieman, so ist der i. myner herren von Zürich.' Offn.
ZRüml. Im adv. Gen.: ,üie schwyn, die in den wälden
uf uns irrgangs gand, die sond wir ustryben unwüest-
lich.' Hofr. AALunkh. ,Von irrgängigem vech. Wo
ouch im Ampt einicherlei verlorens vechs i-s gät.'
1538, Herrschattsr. ZRegensb. Abi. irr(sj-gängig. —
'2. Hausn. 1345, Z. - Mhd. irreijunc in Bed. 1.
Ur-: 1. Gang. ,Hupsch urgäng ad colloquia und
usgäng zu spazieren.' G Hdschr. — 2. Kloake. 1583,
HowALD 1872 für B als Syn. mit ^-Graben genannt.
Mhd. uri/nnr, Giing, Ausgang; vgl. nlid. ,sich ergehen',
spazieren, wozu ,Ur'-gaug die richtige Suhst.-Bildung.
Us-: 1. Ausgang, Austritt. ,Das ausfallen oder
der ausgang der bärmuoter, vulva; procidentia.' Mal.
,l>er u. (uslouf) des sees.' ECys. .Nachdem etliche
ihrer Landlüten von Sicherheit ires Glaubens us- und
in andern Ort gegangen, von inen aber glych nach
ihrem U. als meineidige Lüt verrüeft worden.' 1655,
Absch. Von austretenden, aufbrechenden Geschwüren:
, Condyloma, herte, runde knoUen wie feigwarzen umb
den hinderen; die franzosen nennents SFiakers krank-
heit, etliche teutschen ausgang dos leibs.' Fris.; Mal.
— 2. Ende. Der U. xcird 's lehre' (Sprw.). Lt Z Um-
geldsordn. 1643 soll ,das Fass bis zum Ausgang [Leer-
werden] versiglet verblyben.' (Vgl. üs-gän Sp. 24 f.)
— Ablass r^fc/ts^-U.: der 8. Tag vor Schluss der
Feierlichkeit während der Fronleichnanis-Üktav UwE.
— Zelgen-U.: Ende der Bepflanzung einer Frucht-
zeig. ,Wenn brach ist oder z., so mag iedermann syn
vech wol län loufen.' Offn. Z OMettm. Vgl. Sp. 25:
i'n Äclier lä' üsgä".
Volch-: = Nacht -Vnlch Bd I 804. S. W Sagen
S. 58. - Von-: Gang (Weg) von Etwas weg. ,üie
fischenze, mit steg und weg, mit zuogang und v. über
unsers gottshus eigen.' 1342, Hotz. Urk. .Mit flyss
zue bewaren, dass kein zue- noch v. einigs menschen
gemeltem Gottesdiener [dem Bruder Claus] beschech.'
Salat. — Vor-: 1. Vortritt, Vorrang. .Ehrerbietig
Hessen gerne die Jungen eine Zeit lang den Alten
das Recht des Vorganges und hörten andächtig zu.'
Breitenst. ,Da kein verzagter Burendusch der V
wollte haben.' Rappersw. Belager. 1655. — 2. vor-
läufiger Waffengang; s. Ganglay. ,Vorfechten, ein
Vorgefecht, vorgängle oder versuochsspil tuon.' Mal.
— 3. was den Vorrang hat; spec. : Summe oder Ka-
pital, das ein erstes (früheres) ünterpfandsreeht auf
ein Grundstück hat BHk. Vorgangsfreie Schuldbriefe
= vorstaudsfreie B(Zyro). Auch von Servituten, welche
auf verschriebenen Liegenschaften haften. 1785 wurde
in ApHeiden beschlossen, denen von Wolfhalden an-
zusagen, dass sie ihre auf Heiden liegenden Gemeind-
teilstöck [ihrer Brunnenleitung] unter Siegel legen
[durch Brief und Siegel sichern] sollen, widrigenfalls
dahier die etwa zu errichtenden Zedel ledig und los
ausgefertigt würden, d. h. ohne in denselben die Ge-
meindteilstöck als V. anzudeuten.' Monatsbl. Heiden
1837. — 4. = Fürgang 4 BHli.
Für-: 1. das Weitergehen. ,Noch bass wend wir
den f. nen; luog nier, ob künndest etwas gsehn.' Ruef
1550. — 2. Fortgang; Erfolg. Gelingen. .Wo diser
zug fürgeng genommen hett' Edlib. ,Dyn will soll
gegen mir ein f. han' [von mir erfüllt werden].' Zielv
1521. ,Etlich priester jiredigent den klosterfrowen,
weliches ein anfang [ist], der in andern frowenklöstern
ouch angenommen worden und dis also ein f. über-
kommen möchte.' 1523, Absch. ,Wo aber üch daran
jemant irren [hindern] und das nit in f. also blyben
lassen wollte.' 15'24, Strickl. ,Wann sölicher ufbruch
zuo f. [zur Ausführung] kommen wurde.' 1525, ebd.
, Bettend für uns, dass das w. des Herren ein f. habe.'
1531/48, IL Thess.; dafür: ,laufe.' 1667; ,sich schnell
verbreite.' 1860. ,Und der Ascany krank von wegen,
dass im syn fürschlag nit ein f. hatt ghan.' L Missiv.
1556. ,Und dise Urteil hatte einen F. [wurde voll-
streckt].' GStaheli 1559. ,Die gern sähind, dass Gottes
er und 1er ein f. hette.' LLav. 1569; dafür: ,Die sich
bearbeiten, dass sie Gottes Ehre befördern mögen.'
ebd. 1670. ,So ein lange zyt im wesen und f. gsyn
[Bestand und Fortgang gehabt hat].' 1586/1626, Schw
LB. — 3. das Vorbeigehen, der Vorbeiweg; ,im F.',
obiter, en passant, verwendet wie ,im fürgän' Sp. 29.
,Näm ein frömder raa"" an einem furgang trübel, den
söllent die bannwart nüt pfänden, denn in heissen
fürbas gan.' 1426, Rebenweist. BTwann. ,Was alles
in einer so wytberüempten stadt also in yl und für-
gangswys kann besehen werden.' JosMal. 1.59.3. ,Von
welcher sachen urhab [Anfang] und Ursachen wir hie
nützit schrybcn, sonder allein dis also obenher im f.
angerüert haben wollen.' RCvs. .Aber es soll Nie-
niands erwarten ein vollkommen[en] Bericht, dieweil
wir allein Wenig gleich als in einem F. hie wollen
setzen.' JRLandenb. 1608. ,Unnotwendiger Weis im
F. an den Häusern klopfen', wird 1636 als Unsitte
der B Schuljugend gerügt. ,Hicr ist im F. nicht zu
vergessen.' Mise. Tig. 1723. — 4. Saum, Streifen von
anderm (soliderm), auch andersfarbigem Stoffe am
Frauenkleide (in AAEhr. am Unterkleide, so dass der
Streifen unter dem Oberkloide noch hervorschaut) B;
347
Gang, geng, ging, gong, gung
L; ZW. ,An der Jtippen ist gar wenig Tuech, der
F. göt fast ans Brusttuecli.' Lied von Kleiderpracht.
In der vormaligen Tracht der Frauen in OAa reichte
der Rock bis an die Waden und hatte unten einen
'/« Elle breiten F.' Glür 1835. Syn. (Stoss-J B'legi.
Ansatz an einem zu kurzen Frauenkleide ZNer. Der
faltige, wollene Teil des Frauenkleides, so weit es
nicht von der Schürze bedeckt ist LG.
In der Stelle bei Aal 1549: ,Das merer muess das besser
syn, das mer soll hie den f. hau', kann ,Mer' i. S. v. Mehr-
heitsbeschluss genommen und F. zu 2 gestellt werden, wenn
auch die Bed. .Vorzug' einen eben so guten Sinn ergäbe.
,Fergg-Gang: = Feniurte i' P, „.- S. Bd I 1012.
— Fuess-: Gang zu Fu-s. .IMlt -icss tütsch myl,
tuet by dryssig stunden ziinli. 1l, 1-s.- ÄhTschudi 1538.
,0b es schon nur eine halbe Stund F-s ob N. gelegen.'
WüRSTisEN. — Fueter-: zum Aufschütten und Zu-
rüsten des täglichen Futterbedarfes für das Vieh be-
stimmter, zwischen Tenne und St;ill hinlaufender Gang
Bs; B; Sch; TuKreuzl.; ZSth. Syn. ;■■/(- /<r-7V),(i. ,Er
hatte sich manchmal im F. oder im S.iim;iiii;li ver-
steckt, wenn er den Pfarrer gegen Jas Hnus zukommen
sah.' GoTTH. — Holz-. ,Der H. für dürres Holz auf-
zulesen mag erlaubt sein jeden Donnstag.' 1806, Aa
Lenzb. Forstordn.
Ler-hei"-- (Suterm.), resp. Dr6»-h- (ZO.), Dra"-
hci-Gängeli n.: im Vexierbescheid auf die Frage
der Kinder nach dem ,Marktkram', den sie von Ab-
wesenden bei der Rückkehr erwarten Z.
Eig. ein .Nichts'; entstanden aus der Satzconstruction :
leer, resp. ohne (Etw.) heim gehen; vgl. dar-äne Bd I 263,
aber mit tw. Umd. auf d(a)r-an, also: woran man heim geht
(Stock). Vgl. noch Nüteli, NUc'-TrückU, Nient'-WUgdL
Hinder-Gang: I.Arglist, Betrug; Ränke, Schleich-
wege. ,Mit solchem hochmuet, untrüw und h.' Zwingli.
,Das laster des untrüwen gabennemens und h-s der ge-
meinen regimenten fast an allen höfen und landen.'
ebd. ,Geit, h. und alafanz.' Vad. ,Wir empfiengend
etwas misstruwens, sam ein trungenlieher [1. ,trug-']
h. in der sach syn wellt.' ebd. - 2. Abstellung und
Berufung auf Schiedsrichter. ,H. uf einen tuen.' G
Arch. ,Dass sy uns des h-s und der gelübd. so wir
hinder sy und ir machtbotten getan haben, ledig sei-
lend.' 1424, Zellw., Urk. - Zu 2 vgl. mhd. 7,;«^.,- W„c„
gän, auf ihn abstellen, sich berufen.
Herti-: Weg, welcher die Pflanzgärten auf dem
,Herti' genannten Allmendland von einander trennt
aScHW. — 'R.\is-: = Gang 3 c Ap; Z. Syn. Hiis-Ern
Bdl 462. — Hexe": eine nach Art der , Hexenstiche'
ausgeführte Tour (s. Gang 3 a 5J an den gestrickten
oder gehäkelten Spitzen von Leintüchern Z. — Jar-:
Jahr, Jahreslauf, Jahresfrist. Vu" wel'''ein J. bist du
od. tcas liest du für en J.? wann bist du geboren? Z.
Die Altersgenossen, die dem selben , Jahrgänger-Verein'
angehören, nennen einander daher scherz w. Brueder
J. G. ,Ein rat mag das fleisch beschetzen und heissen
geben nach dem, als es [das Vieh] an dem kouf [beim
Kaufe] jargang hat.' 1384, Stdtb. AaB. ,Wir sitzen
izt da bei einander, wie im nassen J. Es hatte näm-
lich a. 1759 in der Erntezeit 4 Wochen nach einander
geregnet. Da kamen dann die Bauern oft zs. und alle
Augenblicke fragte einer den andern: Wann wird
dieses Wetter doch einmal aufhören V HPest. 1788.
,Landwein, wie ihn Gott und der J. geben.' ADennler
1817.
Kilch(e'')-: 1. Gang zur Kirche; Kirchweg, Kir-
chenbesuch. ,Was personen sich haben lassen schei-
den, dass dieselben weder [in] MH. stadt noch land-
schafte einleben kilchgange noch hindersitze sollen
haben.' 1538, SWochenbl. ,N. N. sei vor das Land-
gericht gestellt, ihm der Wein und die ,statt mit
markten [Marktbesuch] und k. bruchen' verboten. 1543,
Absch. , Einen beschwerlichen und weit abgelegenen
K. haben.' 1651, ApHeid. Monatsbl. k\>\. Kilch-Gänger.
Spec. a) Gang zur kirchlichen Trauung; auch die erst
seit der Reformation allgemein geforderte und üblich
werdende kirchliche Einsegnung selbst; Hochzeits-
geleite BsL.; „B; G." E grosse (chllne') Ch. mache".
,Daby sind euch etlich, die nach bezogner ee lange
zyt on k. by einandern sitzend. Sölichs zuo fürkom-
men, will ich zum ernstlichesten geboten haben, dass
all und jede personen, so sich also mit einandern ver-
elichend, sölich ir bezogne e mit offnem k. vor der
kilchen, in bysyn der nachpurschaft unverzogenlichen
bestäten, euch sölichen k. zum mindsten zwürend durch
ire pfarrer an der kanzel verkünden lassen; sunst soll
der pfarrer zuosampt der gmeind disen k. on vorgenJe
ruof zuozelassen und die verelicheten by einandern
wonen zc lassen nit gedulden.' 1530, Absch. ,Und
demnach alles gespött und narrenwerke, so by sol-
lichen k-en [d. i. wo 2 Personen sich ,mit elichem
k-e wollen bezügen'] gebrucht, abgestellt heissen
und syn.' 1538, S Wochenbl. ,Der k. und hochzyt
ward gehalten zu Birmenstorf' HBdll. Diejenigen,
welche den K. unterlassen, sollen als ,huoren und
buoben mit dem eid unserer landen verwisen werden;
darzuo ire kind, so sy unerbracht des k-s überkommen
bettend, wollen wir unelich halten.' 1567, B Mand.
,So band MGnH. inen der [den] ehstand lassen folgen
und si der k. lassen tuen.' 1614. L Sondersiechenordn.
S. noch Gefräss. — b) = iic/j-G. „B;" Z. En grosse
Ch.-G. ha", ein zahlreiches Leichengeleite. Es ist
wie-n-en Ch., ivemmer z'säme" chömmed, so still ist es
jetzt Z. ,Feralis pompa, ein kilchgang und nachfolgung
einer leich.' Fris.; Mal. ,Die haltung kirchgangen
oder process in einer leich, funeraria actio.' Mal. ,A1so
starb er z'nacht und morndrigs um 4 was der k. ; was
ein mächtige vile volks von mann und wyb der ganzen
Stadt- Mise. Tig. 1723. — c) Cerste) Chilche-G., erster
Kirchenbesuch der Wöchnerin nach dem Wochenbett
B. ,Meyeli, das unter der Küchentüre stand und
nicht vor's Dachtrauf hinausdurfte, weil es den K.
noch nicht getan hatte.' Gotth. ,So weit sei es noch
nicht, dass ihre Sohnsfrau wie eine arme Frau in den
ersten 8 Tagen Iren K. tun müsse.' ebd. — 2. Kirch-
genössigkeit, in der Verbindung: Chilch-G. und Trüll-
zwang, K. und Militärpflichtigkeit BBe. — 3. Kirch-
spiel, Kirchgemeinde L; Schw; Obw, It St.- „allg."
Wenn die ganz gross Chilemusig ummegange" ist und
g'sunge hed im ganze" Ch. umme" vor alle" Husere" L.
,Der Kirchgang SchwMuo., in einer Strecke von 5 Stun-
den das ganze Tal von den Glarnermarken bis zur
Pfarrei Schwyz umfassend, wird, mit Schwyz und
Steina, zu den drei ältesten Kirchgängen des Landes
gerechnet.' Gfrd. Eine ,botschaft aus dem k. von
Cham.' 1529, Striokl. ,Dass ein yeder pur, so im k.
gesessen, dem sigristen ein halb viertel kornes [für
das Wetterläuten] geben solle.' 1589, Gprd. .Habend
der K. Ottenbach den Bescheid geben.' 1646, Z Staats-
arch. ,Ist zuo Schwyz usgekündet und in die Kirchgang
(..ans. geiig'- u:'
"iig. S"ng
35(1
ustrcschribeii wonlen.' 1739, Souw ],B. In Obw ver-
walten die ,Kilchgänge-, da sie mit den politisclien
Gemeinden wie anderwärts zsfallen, auch Polizei- und
andere Angelegenheiten. ,In Obw verschwindet der
Name Ürte, der auch hier urspr. vorkommt, und an
dessen Stelle sind .Kirchgänge' getreten.' Ztscur. f.
schwz. R. ,Obw besteht aus 6 K-n.' ebd. Syn. Kirch-
Höri.
Mhd. kirvligain; Gaug, Weg in die Kirche, Kirelienbesuch,
Gang zur Trauung. Zu 1 b vgl. mit Ei'^m z' ChiUc ga", an
dessen Leicheugeleite Teil nehmen. 1 c Nachklang des Aus-
scgneus der Wöchnerinnen der katholischen Kirche.
Uss-K.-G.: Kirchgemeinde ausser derjenigen des
Hauptortes Schw. ,Du hörst den Ruf und das Drän-
gen von hier und von den U-en.' Schw Fasnachtsp.
1863. — Kilt-Gang: Gang zur ,Kilt' (s. d.). —
Ker-Gängli n.: Treppenlauf, Wendeplatz, Boden
zwischen den beiden Teilen einer gebrochenen Treppe
GnHe. Syn. Absatz. — Ketteli-: ,Gang' i. S. v. 2 a 8
aus Ketten-stichen (beim Nähen, Sticken) Z. - Krebs-:
wie nhd. (allg.) De' Clir. ha' AABb. .Den kr. g'wün-
nen.' Mscr. Ende XVII. — Krüz-: 1. gemeindeweise
ausgeführte Bittfahrt mit .Kreuz' und Fahnen, so z. B.
die von 14 aScnw Gemeinden nach Einsiedeln je am
l'Hngstmontage. Syn. Krüz-Fart (Bd I 902). Vgl. mit
Chrüs gä', krüzen. Dabei ist üblich, dass von der
mit dem Besuche bedachten Kirche aus die Gäste
ebenfalls mit Kreuz und Fahnen abgeholt (Inh'kitet)
und dass bei der Begegnung zum Zeichen nachbar-
licher Liebe und Treue die Bilder an Kreuz und
Fahnen einander mit grüssender Bewegung genähert
werden (kath. Schwz allg.). ,Als die von [L] Hochdorf
an der Uffart zuo im [dem Wirte] kommen sygent.
sy ze herbergen, so heissent sy in kochen uf 18 mann,
sy iren nun [nur] 8 kommen, syg er hön [zornig]
worden und zuo inen gesprochen, er schyss inen in
ir kr. Ouch sygent sy zuo nacht ins ft-owenhus gan-
gen, heig er gesprochen: wir [von Zürich] sind ouch
mit krüz gangen, aber unser herren [Geistlichen] hctti"t
das uns nit verdreit [geduldet].' 1524, Strickl. .Wenn
die krüzwuchen ist, desglychen wenn gesatzt krüzgäng
sind, soll man kein gricht han.' 15'26, Ndw. ,Vün
Alter har wurdent [ze] Zürich allerlei Prozessionen
und Crüzgäng gehalten.' HBull. 1572. ,Krüzgang gen
Einsidlen: Uf Pfingstmontag muesst us einem jeden
hus der stadt Zürich ein mensch mit krüz gen Ein-
sidlen gan.' ehd. ,Supplicationem decernere, ein ge-
mein bett oder kreuzgeng (ein gmeine process) an-
sehen.' Fris.; Mal. ,Es sollend die tallüt [von Engelb.]
in dem jar 4 krüzgäng tuon, dass sy in den bach
sollend gan und darus stein werfen nach des gotts-
hus nutz.' 1580, Obw. ,Die Länder [inneren Kantone]
feiren die Tag, an welchen ihre Vordem grosse Sieg
erlanget haben, und halten da ihre Kreuzgäng.' Simml.-
Leu 1722. Feierlicher Umgang innerhalb der Kirche,
an hohen Festtagen, wobei ein Priester das hochwür-
digste Gut und die Kreuzgangtöchter das Bild der
Jungfrau Maria herum tragen FO. — 2. Gang eines
Einzelnen mit einem Kreuze, nämlich des Mesmers,
welcher im Kirchspiele herumgeht, um jedes Haus mit
Weihwasser zu besprengen (Glück i' 's Hiis, 's Un-
glück drüst) und bei dieser Gelegenheit seine Be-
soldung einzuziehen. Er nimmt zu diesem Gange auch
ein Kreuz aus der Kirche und zwar vorzugsweise und
beharrlich das altertümlichste mit sich L. .Ouch hat
ein sigrist 3 krüzgeng und gat im kilchspiel umb von
hus ze hus.' 1488, Gfrd. ,Es hat ouch ein s. ein kr.
oder Umgang von hus zuo hus syn recht ze sammeln,
da soll er das wychwasser mit im tragen.' 1584, ebd.;
vgl. Krüz-Gdd. — 3. eine ins Viereck gebaute be-
deckte Halle bei den Klosterkirchen, auch bei älteren
Munstern, in welcher die kirchlichen Processionen an
hohen Festen mit Fahnen und Kreuz geschützt gegen
Sonnenhitze und Regen gehalten werden konnten.
Daher die RA.: , Einen durch den kr. jagen, acerbis-
sime cruciare, affligere aliquem.' Denzl. 1710, welche
auf einer Disziplinarstrafe des Klerus beruht, nach
welcher der Betreffende z. B. in LBerom. von 9 Uhr
Vm. bis 3 Uhr Nm. mit dem Chorgewande angetan
und den Augen des Publikums preisgegeben im Kreuz-
gange auf und ab gehen musste. — 4. einander kreuz-
weis schneidende Wege in einem Garten BsLd. Eben
solche Gänge in einer Kirche, übh. diejenigen Teile
des Schiffes, die nicht mit Stühlen besetzt sind AABb.
— Lich(t)-, in AABrugg Liehen-: Leichenbegäng-
niss, auch concr. der Leichenzug Aa; Ap; Z; Syn.
Kilch-Gang ; Gräbt; Lieh; vgl. mit Ei"'in z' KU ehe
gär'. Zu demselben wird durch Boten (s. Lich-Lader)
von Haus zu Haus geladen, in besonderer Weise bei
der Vwdtschaft (Fnmdschaft), welche mit den näch-
sten Angehörigen das Leid bilden sollen, und für die
Letzteren auch über die Kirchgemeinde hinaus. In
B beschränkt man sich etwa auf eine Auswahl, wenn
man beabsichtigt, alle und jede Geladenen zu bewirten.
In den zur Reformation übergetretenen Städten wurde
die Leichenbestattung Obliegenheit der betr. Hand-
werksinnung, welche somit an die Stelle der Bruder-
schaften des Katholicismus getreten sein mag, und
noch lange blieb die abgeschwächte Verpflichtung für
die sämmtlichen Zunftgenossen, an dem Leichenbe-
gängnisse persönlich Teil zu nehmen, die Bahre zu
liefern und die Leiche zu Grabe zu tragen. Auf be-
sonderes Gepränge von dieser Seite deutet noch 1647
das Einschreiten des Rates Scn gegen den bis dahin
geübten Unfug, dass ,bei Leichenbegangnussen sowohl
ohnfern von Gesellschafts- und Zunftgebäuden als
sonsten Junge und Alte haufenweis zusammengestan-
den.' Doch schon vor der Reformation verordnete der
selbe Rat (1475), ,dass man niemans zu keinem Leid
in seiner Zunft noch davor schenken soll; aber wem
ein Kind wirt, dem mag man wol schenken.' Bis zur
franz. Umwälzung war es Brauch, dass zu der Be-
stattung eines städtischen Gutsbesitzers oder Vogtei-
inhabers auch die betreffenden Landleute, etwa unter
Anführung ihres Pfarrers, in die Stadt kamen. Die
Teilnehmer am Leichenzuge kleiden sich, wo. möglich,
schwarz, wozu das B Kleidermand. v. 1747 förmlich die
Erlaubniss erteilt; oder man schlägt, wie in Ap; Zf, den
schwarzen Kirchenmantel um die Werktagsklcidung.
Im deutschen Teile von F ,tragen viele Bauern weiber
über den schwarzen Röcken weisse Schleier, welche
das Gesicht bis über die Mitte verhüllen, so dass man
nur die Augen und einen Teil der Stirne sieht.' Kdenli.v.
Im Bernbiet binden die Frauen die Zöpfe um den
Kopf fest. Der Sarg ist noch meist unverhüllt und
dann, wo nicht Armut es verbietet, schwarz, in einigen
Gegenden auch mit weissen Verzierungen und Em-
blemen bemalt; in Ap die Leiche mit einem weissen
Tuche bedeckt (Schweizerb. 1825, 283). In Z werden
die Särge der Ledigen bekränzt; betreffend diejenigen
351
Gang, geng, ging, gong, gung
352
kleinei\Kinder s. Bd I 15. Im J. 1647 sah sich der
ScH Bat veranlasst, die HofFart, welche bei Schmückung
der Särge Lediger getrieben wurde, dahin zu be-
schränken, dass einer ledigen Tochter nur ein Schäp-
pelin [Krone] und zwar ,gemeiner und schlechter
Gattung' aufgelegt werden möge. Auch ein Bs Mand.
1667 tadelt ,die verbottene, aber bei etwas Zeit wider-
umben eingeführte Anheftung der Kränzen und Mayen
bei Bestattung ohnverheurater Personen'. Früher,
z. B. 1555 It Z Mand., 1569 It Z Syn.-Act., musste um-
gekehrt verboten werden. Tote auf einem blossen
Brette oder ganz und gar ohne Sarg zu Grabe zu
tragen. Im Trauerhause, in und an welchem in der
Stadt Zürich alle Bäume, wo die Leidtragenden hin-
durch zu gehen haben, mit schwarzen Tüchern be-
hangen sind, vormals auch die Tische mit solchen
bedeckt wurden und zwar vom Schneider, werden die
Leidlüt, nachdem sie einander mit feststehender For-
mel ihr Beileid bezeugt, etwa mit einem Trünke be-
wirtet. Sobald die Zeit des Aufbrechens gekommen
ist, dankt einer der nächsten Anverwandten für die
dem lieben Verstorbenen erwiesene Ehre; danach stellt
sieh das männliche Leid (die Leidtragenden) nach einer
minutiös beobachteten, durch den Vwdtschaftsgrad be-
dingten Bangfolge (s. auch Götti) vor dem Hause in
einer Beihe mit entblössten Häuptern auf und wird
nun von sämmtlichen Männern, in der Stadt Zürich
im vorigen Jhdt und an einigen Orten noch jetzt auch
von den (verheirateten) Frauen der Beihe nach be-
grüsst (s. ergetzen, klagen), welche Ceremonie sich
unter dem weiblichen Gosohleolite wiederholt, sobald
die Männer abgezogen .siinl. alüi inihThalb der Stube,
wo die leidtragenden Frau.n i ill-^^ll( runi sitzen. An
einigen Orten nimmt auch daa nuiiuiliche Geschlecht
diese Ceremonie im Hause, aber immerhin stehend,
entgegen. In ZStdt stellte das weibliche Geschlecht
seit der Zeit der französischen Eevolution, veranlasst
durch Ungezogenheiten der französischen Einquar-
tierung, seine persönliche Beteiligung an den Leichen-
geleiten ein. In Gr war es zur Zeit von HLLehmann
(1799) Brauch, dass ganze Durfschaften. auch Weiber
und Kinder, vor dem Trauorliause sich einfanden, wo
das gemeine Volk stehend einen Trunk erhielt, während
die Vornehmen sich im Hause reichlicher bewirten
Hessen. Auf der Landschaft wird in gewissen Gegen-
den, besonders wo die Entfernung von der Kirche
gross ist, bevor der Leichenzug aufbricht, in oder vor
dem Hause von dem Schullehrer ein Leichengebet
(s. beten) gehalten, in den B Städten eine Leichenrede
in der Wohnung durch den Geistlichen. Die Beerdi-
gungen finden auf der Z Landschaft um 10 U. Vni.,
in der Stadt um 4 U. Nm., im Spital aber um Mittag
statt. Auf dem Lande wird durch die Kirchenglocken
an das Leichenbegängniss erinnert und zwar mit der
einen oder andern Glocke oder sonst in einer Weise,
welche erkennen lässt, ob die Leiche eine männliche
oder eine weibliche oder ein Kind sei. Nach einem
stillen Gebete setzt sich der Zug vom Hause weg in
Bewegung, meist paarweise, in GStdt löblicher Weise
Jedes einzeln, vormals die Männer mit entblösstem
Haupte. Der Sarg wird in der Begel von den Nach-
barn des Verstorbenen oder von bes. angestellten
Männern getragen; Kinderleichen werden an einigen
Orten vom Todtengräber abgeholt, an anderen von der
Patin, ungetaufte von der Hebamme (auf dem Kopfe)
getragen. Bei grossen Entfernungen nimmt man Wa-
gen zu Hülfe. In einigen Gegenden verlangt die Sitte,
dass die Frau ihren Mann, die Mutter ihr Kind nicht
persönlich zum Grabe begleite, wie an anderen, dass
die Vwdtschaft der Leichpredigt nicht beiwohne, oder
dass die Nächsten dem Gottesdienste ferne bleiben,
wann ihres Trauerfalles oder der Verstorbenen des
betr. Jahres übh. gedacht wird. Wer sich dem Leichen-
begängniss erst unterwegs anschliessen will, wiederholt
die Ceremonie des Leidbezeugens, wodurch der ganze
Zug zum Stehen gebracht wird. Bei der Annäherung des
Letztern an Kirche und Kirchhof wird er mit Glocken-
geläute empfangen. In ScaStdt war es bis 1669 üb-
lich, dass am offenen Grabe ein Bekannter eine Rede
hielt, worauf man ohne Weiteres aus einander gieng.
Auch in ZStdt pflegte bis zu dem Seuchenjahr 1611
der betr. Zunftmeister die Abdankung am Grabe zu
halten, doch verfügte sich danach der Zug noch in die
Kirche zu einem stillen Gebete. Jetzt herrscht im
Ganzen der Gebrauch vor, der Bestattung die religiöse
Weihe in der Kirche durch den Geistlichen geben zu
lassen. Im vorigen Jhdt verfügten sich die Vwdten
nochmals (noch immer paarweise schreitend) in das
Trauerhaus, um einander wiederholt das Beileid aus-
zusprechen. — Volksgl. : Begegnet der Leichenzug
zuerst einer alten Frau, so betrifft der nächste Todes-
fall des Ortes eine weibliche, wenn einem alten Manne,
eine männliche Person B. Wenn nach Beendigung des
Geläutes die Glocke nochmals anschlägt (Z), oder wenn
während des Läutens übh. die Stunde schlägt (S; Z),
so wird es bald (wieder) eine Leiche im Orte (aus der
Vwdtschaft) geben. Ebenso, wenn das Todtengeleite
zerstreut einherzieht Z, oder wenn das Grab bald
einsinkt. Schild; vgl. Sunntag. Wo nach zwei ver-
schiedenen Kirchen hin die Leichenwege sich kreuzen,
ist , Kreuzstrasse'. Eine solche Stelle ist verzaubert.
S. LüT. 558, 584. S. noch Lichen-Mal. Vgl. Toten-
Volch Bd 1 805; T.-Procession. — Löchli-Gang: am
Strickstrumpf eine Tour mit Luftmaschen. — Läufer-:
Botengang. .Läufer (Laufer) -gäng, Bottenlöhn und
Briefporto' als Ausgabeposten. 1774, SWochenbl. —
Ab-, bezw. An-lätsch-: der erste (letzte) G. am
Strickstrumpf Z. — Letzi-, Litzi- = Umgang 2 d.
(IvAri.) — Melch-: ganz od. teilweise offener Baum
vor dem Eingange der Sennhütte, dem der vorsprin-
gende Teil des obern Stockwerkes als Dach dient, bei
ungünstiger Witterung als Melkstätte benutzt BO. —
Mär(k)t-: Gang auf den Markt. , Einen Kreuzer zu
verdienen, damit Alle sich halb satt essen und es alle
Wochen noch einen Märit-G. erleiden möge [wobei
man ins Wirtshaus geht].' Gotth. De" Märt-G. tribe",
Gemüse für den Markt pflanzen Z. — Muse"-: unter-
irdischer Gang, welchen Mäuse im Felde bohren L.
ly Hummel brueten i' Müsegängen.
Metzger (Z)-, Metzg(Bs)-: vergeblicher G.
Solchen macht der Fleischer etwa, wenn er über Feld
geht, um "Vieh zu kaufen. Die Bs Zss. ist Verderbniss.
Nach-: das Nachgehen einer Schuldforderung be-
züglich Sicherheit der Deckung; spätere, nachherige
Hypothek, im Gegs. zum Vorgang Aa; B. , Endlich fand
er Geld [ein Anleihen], aber die Frau musste mit dem
Weibergut den N. erklären [mit ihren Ansprüchen auf
ihr in die Ehe gebrachtes Vermögen der aufgenom-
menen Hypothek weichen, indem sie nach B Gesetz
dies durch einen gerichtlichen Verzicht auf ihr Vorrecht
Gang, gong, ging, gong, gung
bescheinigte].- Auth das .nachgehende' Capital selbst;
Gegs. Vorgang 1. — 2. gerichtliche Untersuchung,
Verhör; besonders die darüber abgefassten Verhör-
atten. die z. B. im Z Staatsarcb. eigene Rubrik und
Abteilung haben. .Aber wir schickent üch synthalb
hier innverschlossen ein n., wes er selbs ist bekennt-
lich gewesen.' 15'21, Zellw., Urk. — 3. das Unter-
suchungsgericht der .Nachgänger', die Verhörrichter
mit ihrem Geleite und dem ,Nachgang-Schriber' Z f.
Vgl. Nach-Gänger. — Nider-: Untergang (der Sonne);
Gegend, wo die Sonne unterzugehen scheint, Westen.
,I)er Comet in seinem Lauf vom Aufgang gegen den
N., von Morgen gegen dem Aljend.' JMüll. 1665. ,I)as
Gsang war vor alten Zeiten gebräuchlich in den Kir-
chen des Aufgangs, doch spat angenommen in den
Kirchen des N-s.' JJBreit. (Mörik.). ,Occidens, N.
der Sonnen. Occidentalis. gegen N. oder Abend ge-
legen.' Dexzl. 1716. — Nar'e»- = Metzger-G. Z. —
Puren-: Bauernsehritt [?] als Längenmass. .Die Woh-
nungen 1, l'/a bis 2 hundert Bauerngänge aus ein-
ander.' Dennl. 1817. — Berg-: (festlicher) Zug mit
dem Vieh auf die .Berge', Alpen B. — Passe li-,
Bäseli- s.Passel(i)tang. — Brut-: der mittlere grosse
Gang vom Haupteingange der Kirche zum Taufstein,
davon benannt, dass durch denselben der Hochzeitszug
sich bewegt GStdt. — Eöd- = Umgang la^ Gr. —
Söu-Gängli n.: Gang, der an den Schweinställen
vorbei führt B; S. ^. Fueter-G. — Gesellen-Gang:
= Gang 1 b y, Zweikampf. ,So vil. dass man [von
Seite der belagerten SGaller] usshin luf gegen SFiden
wärts und si [die Belagerer] erfordert zuo gsellen-
gängen und kriegsrechten.' Vad. — Schorr-: die
mitten durch den Viehstall gehende Vertiefung, in die
alle Jauche sich sammelt und die von Zeit zu Zeit ge-
reinigt (g^schorret) werden muss BHk. Syn. Sch.-Grahe'.
— Spatze"-: scherzh. Verderbniss aus ,Spazier-G.'
BsStdt; Z; vgl. spazifizottien; Passeli-G. — Stal'-:
der Gang im Stalle hinter dem Vieh durch B; S.
Stuel-: wie nhd. Der letst St., Vexierbescheid
auf die Frage, was man von Jmdm geerbt habe Bs.
,Hiltprand St.' bei NMan. als Personenn. verwendet.
— überstuelg'gängelet: beschmutzt GnPr. — Vgl.
ilas syn. beschissen.
Stängli-: bei der Häkelarbeit, Gang mit Doppel-
maschen Z.
starre°gangs Aa; L; Schw; S; Zü; Z tw., -gans
AaF.; zw., Wl., -ganz AaF.; ZO.: adv. Gen., so-
gleich, stracks, spornstreichs, geradezu. Syn. stante-
beni. Er geit deheim st. [sobald er heim gekommen]
's Gadeloch uf [in seine Schlafkammer]. Schild. I'''
chmnnie st. vo' Born. ACorrodi. G'rad starre ganz
lauf ich zu ml"re Mueter. Stütz.
.Starr' etwa i. S. v. ,sti-amm' ; doch St. und seine Laiids-
leute fassen es, gestützt auf ihre MA., als ,stark', imd so
schon FWyss 1655: .Wolltest du so frefen sein und starken
gangs grad also für Gott kommen?' Viel), gibt Letzterer
•■»her die wirkliche Aussprache seiner Zeit; vgl. dazu: .Woher
so stark [eilig]?' Madleni 1712. Freilich ist »tarre als bloss
lautl. Spielart für atarche ausser Vw nur für Z nachgewiesen ;
aber die beiden (etyniol. und begrifflich vwdten) Adjj. spielen
in unseren MAA. vielfach in einander über; s. sturr u. starch.
Welt-: Weltalter. , Gülten, welche nit in gegen-
wirtigem Seculo oder hundertjährigem W. datiert,
sonder vor a" 1601 aufgericht worden.' 1666, Z Ratsver.
— Wasser-Gang: Wasserlauf, -leitung. ,Die vierer
Schweiz. IcUotikon II.
sollen alles das. so den dörfern ang'lügen. es seie mit
feur und w.-gängen, mit unfridbar vech und rossen,
dazue sollen sy ufsechen haben.' Olfn. GSchwarzenb.
,üie Streitigkeit betreffe gleich Häg, Weg, Strassen,
Äcker, Wiesen, in Wasser oder Wässergängen, Rosen,
Marcheu.' 1747, ApA. ^B. — Weid-: \. = Feldfart
(Bd I 1032), Weidfart (Bd I 1037), die Benützung
eines gewissen Bezirkes zur Weide; das Recht dazu.
Wo de W. no''' g'sl' ist, als ungefähre chronologische
Bestimmung, die Zeit vor den Dreissigerjahren Z.
,Dass der W. daselb.st [in einem ausgereuteten ehe-
maligen Hochwald] allen Landleuten verboten sei.'
1558, Absch. ,Gemeiner Feldfahrt und W-s halben.'
1680, B Schiedspruch. ,Wie weit die Reutrechte und
der W. der Alpen den Wäldern gegenüber geht.' Gl
LB. — 2. Weide, Bezirk, welcher zur Weide dient,
im Gegs. zu Matte und zu Wald GT. , Weiher metzger
syne schäf in die obgemeldoten weidgäng tribe und
darin ze weid Hesse gan.' 1456, AATättw. ,W., weid,
allerlei ort, da sich das vych weidet.' Mal. ,So schaf
und geissen einem schaden tuent oder sunst eim durch
syne güeter faren und weidgäng machen wellten, da
sunst kein weg zu faren ist.' 1562, Obw. Begreif-
licherweise auch zum Flurn. geworden, so z. B. in
Z NWen. Es werden auch spec. ,Kalberweidgänge'
herausgehoben. 1680, Mei.. Wetz. — Zue-: 1. abstr.,
das Hinzugehen. ,Vil stett in einem z. einnemmen,
urbes permultas uno aditu atque adventu capere.' Mal.
Spec. a) zum Tische des Herrn, Teilnahme an der
Communion BHa. So in einem hdschr. Gebetbuche
der Franzisk.-Bibl. in Luzern XV. — b) Zutritt, An-
recht. ,Z. für den küng [zu dem K.].' Aal 1549.
.Ihren Z. zum Kirchengut habind.' 1672, Mei., Wetz.
,Dis gemächt [Vennächtniss] sollte kein kraft han und
die natürlichen erben ires z-s nit berouben mögen.'
Vad. — c) das jährliche Näherkommen der Sonnen-
bahn an unsere Region, s. Ab-G. 1 a. — d) Besucli.
, Diese Sägmühle hat viel Z.' Gem. Aa 1844. ,Der
klo.sterschaffuer soll keinen z., nachhinlaufen noch an-
hang haben, als oft von fründen und kinden beschicht.'
1531, Absch. Syn. Zuelauf. — 2. concr., wie nhd.
gangbar: 1. stark begangen, von Wegen, Wirt-
schaften Z. ,An einer g-en Strass.' Z Donn.-Bl. 1787.
— 2. seinen ungehemmten Gang habend, Syn. gäng,
gab; im Gange befindlich. ,Dass die Einkommen noch
nicht g. und flüssig, sondern weit grösseren Teils in
[im] Stecken verbleiben.' 1653, AHeusl. 1854. S. gäbig
Sp. 68 0.
be-, ver-gangen s. be-, ver-gä".
Begange°hei't: Verumständung, Ercigniss Aa.
,Begange''schaft: 1. ,Gewerb, weg und weis ze-
gewünnen, quiestus.' Mal. So noch L; Sch. Er ist
slner B. e' Bür. Vgl. sich begä' mit . . Sp. 32. ,Die
handwurcht wollt er nit tryben; er suocht ein ander b.'
1487, ToBL. Volksl. ,Es ist zuo einem gwerb und b.
worden, dass sich einer von einem herren lasst dingen
und im die lüt hilft z' tod schlahen.' LLav, 1584.
,[Ihr Bettler] spilent mit Würflen und mit Karten, das
ist üwer B.' Com. SBeati. ,Ihr [der Glarner] griisster
gewirb und b. ist mit vych und molchen.' RCvs. .Die
sich studierens, b. und handwerken halb an der frömde
befinden.' FWvss 1650. ,Damit der junge Vetter nicht
etwann vom Studieren zu einer anderen B. gezogen
355
Gang, geng, ging, gong, gung
356
wurde.' Mise. Tig. 1722. ,Der Einwohnern des Sieben-
tals B. und fast tägliche Berufsarbeit.- SLutz 1732.
,Auf den Zünften kommen Leute zusammen von einer
B., welche durch ihr gemeines Interesse zusammen
verbunden werden.' vMoos 1775. — 2. Kundsame, Be-
such von Kunden Gl; Sch; Z (Gangeschaft) ; übh.
Leute, mit welchen man zu schatfen hat. Er hat e
grössi B., ein weitläufiges Geschäft Gl. ,üie Wirt
nach ihrer ungleich starken Gastung und B.' Z Mand.
1765. — 3. Vergehen. .Die von N. beschweren sich,
dass fehlbare Parteien in das Amtshaus nach Eheineck
citiert werden und dass daselbst ohne Beisein der
Beamten von N. um ihre B. abgemacht werde.' 1741,
Absch.
Begangnuss: 1. = Begangenschaft 1. .Der röuber
Bhetierlands b. ist g'syn, harz, bech udgl. zuo ver-
koufen.' ÄgTschudi 1538/60. — 2. Totenamt, Exequien,
kirchliche Leichenfeier. .Ward auch sonderbaren Gotts-
dieust und Begengknuss LLli.n.li^'.n und Abgestorbnen
zu Trost und Heil georJii.-t.- l;i\-. .\uch ,Toten-
begengnuss.' ebd. — 3. Lichciibvgdiiyniss f., Beerdi-
gung, Leichenzug Gr. Si hei g'sehn en ganzi L. dem
Fridhof zwe gan. Schwzd. ,Die Leich-begängniss.' Z
Nachr. 1756. S. Lieh-Gang.
gäng: I. Adj. 1. a) im Gange, in Bewegung be-
findlich, gehend. Das Z Gerichtsb. 1587 unterscheidet:
,genge und farende pfand.' (Syn. gänd Sp. 3). ,Mola
molendinaria, ein malende oder g-e müle.' Fris. ,Wie
sich aber diser handel verzech, damit er g. wurde [in
G., Fluss käme], sant(e) der h. vater by [durch] synen
curtisanen die bull.' Ansh. — b) unter den Leuten
umgehend: gangbar, üblich, gebräuchlich, verbreitet,
gemein, häufig, im Schwang, kursfähig, guten Absatz
findend ; in lebender MA. nur in der allitt. Verbindung
g. und gab (gang und g. GG.), s. Sp. 62; auch mit
Bez. auf Ansichten, Überzeugungen: 's ist g.und g.
[allbekannt], dass d' Engelberger es witzigs Völchli sind
Uw. .Welicher brauch nach disem keiser mit etwas
g-em brauch angangen.' Vad. ,Der abt sollt schuldig
sein, wein oder körn nach g-en löufen [an Zahlungs-
statt] ze nemen.' ebd. ,Damit beder küngen gelt nach
fürwitz der geltsüchtigen gestreckt, länger und ganger
wurde.' Ansh. ,G-e äferung der Worten, frequenta-
menta vocis.' Mal. , Christo selbs war in seinem h.
Mund schier nichts Gängers als eben das, dass Gott
ihn gesendet.' FWyss 1650. ,Gemem, üblich, g.' Red.
1662. S. auch Uelig Bd I 602; gän (von Münzen)
Sp. 6 und läufig. — c) mit guter Gang-Einrichtung,
-Werkzeug versehen, zum Gehen geeignet und ge-
schickt oder aufgelegt; (leicht) beweglich, schnell,
a) mit Beziehung auf Menschen: rüstig Gr; Syn.
gängsch. Gegs. un-gäng, z.B. von Kindern Ap; tm-
gänd Sp. 22; gestablig. Vom Munde: geschwätzig, ge-
sprächig Ap; GrD., Pr. E g-s Mül; vgl. st"s M. lauft
loie-ne Mülli, es Bad usw. ,Oculi lubrici, g-e und
unstäte äugen, die sich lychtlich hin und her be-
wegend. Citum agmen, ein schneller, genger.' Fris.;
Mal. ,Ich habe ihm das Bein gekrümbt, gestrecket
und beweget, dass es ihm g. bleibe.' FWOrz 1634.
— ß) von Tieren (Rindvieh, Pferden usw.): unermüd-
lich, rasch, beim Ziehen, Rennen usw. Ap; GrD., Pr.
E g-i Chue, die auf der Weide den andern immer
voran ist GfiPr. ,.\rabier uf schönen, g-en pferden.'
1460, Bs. VgL läufig. — y) von Sachen, z.B. einem
Wagen, Bad, Schlüssel; einer leicht zu ziehenden
Glocke, der Türe (in den Angeln) Ap. ,Ein g-er MüUi-
Karren.' Schimpfr. 1651. — 6) vom Stuhlgange. ,Fer-
tur alvus, er ist g., oder wenn man für und für laufen
muss. Cita a., der durchlauf oder ein g-er stuolgang.'
Fris. ; Mal. Vgl. schnelle Katri. S. noch fertig Bd I
918 f. — 2. leicht gangbar oder fahrbar, von Wegen,
Strassen Bs; Schw. Je chälter, je ganger [ist die
Schlittbahn] Schw. Viel besucht, gut frequentiert;
auch von Verkaufslokalen mit grossem Verkehr. ,Wenn
sy den weg und strass wider g. und guet gemachent,
dass man mit wägen darüber gefaren mag.' 1387, Gr.
,Der yngang ist an dei; gängisten strass, so in der
Stadt ist.' 15'26, Egli, Act. ,Ein g-e strass aus Egypten
in Assyrien.' 1531/48, Jesa.i.; dafür: ,gebahnte' in den
spätem Ausgaben. , Einen fuossweg, der ungeng und
ungebauwet ist.' 1531/48, Jerem. ,[Die Fuhrleute]
sollen gan die rechte, g-e strass und also [das Salz]
füeren synen rechten wege.' 1533, Absch. ,Ein schöne
und g-e metzg.' Vad. ,Frequentem locum, ein g. ort,
da man fast hin gat und vU leut sind. Inaccessus,
ungeng ort, da man nit mag hinzuo kommen. In-
frequens, ungeng, unbewandlet. Frequentia compita,
die g. sind oder voll volks. Iter terere, ein weg g.
machen, ein strass vil brauchen. Invius, ungeweget,
ungeng.' Fris.; Mal. ,üie Katzensteig, ein gar g-e
und brüchige landstrass.' JJRüeger 1606. S. noch ge-
triben, getcirbig. — II. Adv. (in F It Schwzd. ge).
1. in Einem fort, immer, fortwährend, stets, alle Zeit
Aa; BsL.; B; F; LE.; S; W. Er het ge g'gugget und
ge g'gugget, wn si oppa hin gangi. 2"''' &/" ge dur"''
d' Holt hindert u"' ge dur''' d' Höll hinderi F (Schwzd.).
Numme nid gsprengt, aber g. hü B (Schwzd.). Er het
g. g'lumpet Tag und Nacht LE. B'' glaube g., du
hast Becht S. Es got g., wie 's mag Aa. La numme
g. [jeweilen, wenn du issest] es Bestli [vom Käse],
sust het di' Herrlichkeit grad flugs es End, mahnt
der Zwerg den Alpenjäger BHk. ,Wer g. krachet,
bricht nit, wer g. berstet [ächzt], stirbt nit.' Sprww.
1824. .Damit das Plätzli z'weg sei, wenn ich komme
für g.' GoTTU. Tautol. : g. in Eim, g. an-enandere",
in Einem (immer) fort, ohne Unterlass B. Gueten
Abend geb dir Gott, was lebst g. ? wie geit 's d'r g. ?
Antw. : Ho, es geit rmmel g.' Gotth. G. wieg. 1) wie
immer, bes. als Antwortformel auf die obige Frage
nach dem Befinden B ; S. Es ist Nüt g. wie g., Nichts
bleibt immer beim Alten, die Verhältnisse, die Zeiten
ändern sich. — 2) es gehe, wie es gehe GRPr. Vor-
steher, die Alls la' hottere' g'lu' hend, g. wie g. MKüoni.
De*" hat nüt Anders welle" mache', als g. was g. Gotth.
D'r Chamme isch-em g. wie me g' wachse. JHopst. 1865
(vgl. bei BWtss 1863: eisster wie me). Pleonastisch
einmal bei Gotth.: [Einer] wo öppe d' Sach nit elleini
v'rsta wird u"' de'* no''' lang g. nit [der noch lange,
d. i. bei Weitem nicht der Einzige sein wird, der
Etwas von der Sache versteht]. Man wolle ,g.' nur
Blut vergiessen. 1531, Absch. ,Assidue, stätigklich,
g., on underlass, oft und dick.' Fris.; Mal. ,G., immer,
allezeit, semper, continuo.' Red. 1662. Synn. s. bei
eisster Bd I 53'2/4. — 2. immerhin, wenigstens B. Es
ist doch g. sövel (das), Etwas ist doch wenigstens er-
reicht, vorhanden. — 3. oft. ,Sy suochend die Strassen
und ort, so g. durchwandlet werdend, aus forcht der
anderen wilden tieren.' Tierb. 1563. ,Frequentare, g.
und vil an einem ort sein.' Fris.; Mal.
357
Gang, geng, ging, gong, gung
Mhd. (jemjr, rüstig, bereit, verbreitet, gewöliiilicb. Über-
gang, resp. Combination der Bed. 1 c und der temporalen
des Adv. zeigt die Stelle: ,Die nennung dos allerheiligsten
sei nit g. in deinem mund.' 1531/48, Sir., wofür in den
spätem Ausg.: ,oft\ während an der ähnlichen Stelle: ,l)ie
lügenen sind aber g. in des unweisen mund.' ebd. ,gemein'
in den Ausg. erhalten geblieben ist. Vgl. auch in Hm (Jung;
nilirrij und it. tuUavia, immer. Die GrPr. Bed. von y. mit g.
zeigt eine Mischung der verbalen Formel mit der adverbialen,
nie aus BLangn. angegebene und vom B Kai. 1778 unter-
stützte Schreibung geing scheint ein furtives i vor n ent-
wickelt zu haben. Ge ist ähnl. verk. wie ge aus geb und gUy".
um-: in Spiralen (.Umgängen') verlaufend, spiral-
faserig, vom Holz GrD. (Försterspr.). Vgl. iim-läufig.
— a°-: = angänds 2 GT. (Feurer). — in-: eingehend,
von Zahlungen; Syn. m-gänd Sp. 21. Auch von den
Aktiven übh. ,Das lebendig Ehemensch erbt den halb
Teil der Verlassenschaft in allem, sowol in- also aus-
gengen Mittlen.' 1675, B. — müessig-: müssig, nicht
arbeitend. ,Von wegen der falschen, müesiggengen
Christen.' Kessl. — g'rad-: gerad-, verticalfaserig,
vom Holz GRPr. (B.). — sunne"-: auf die Sonne
gehend, von rechts nach links spiralfaserig, wenn man
die rechte Hand an den Stamm legt; vom Holz GRPr.
(B.). — wind-: von links nach rechts spiralfaserig
und deshalb nicht gut spaltend GfiPr. (B. H 11.3).
Syn. letz-gängig; sclielh.
gängele" I: 1. (Kinder) gehen lehren Bs; Ndw.
Syn. gängerlen, läufelen. — 2. einen Korb oder Zuber
an beiden Handhaben wiegend tragen, ohne gerade
zu schlenkern Bs. Syn. hängelen. — 3. Stoff mit ab-
stehenden Haften rändern, die beim Nähen als Ansatz-
punkte für einen durchbrochenen ,Gang' dienen Z ;
vgl. ricklen.
1 Dim.-Form zu mhd. gmgen, gehen machen, dem Fact.
zu gän. Vgl. nhd. .Gängelband'. 2 wenn auch vicll. ein
anderes W. (vgl. gangelen, ganggehn), jedenfalls dem vor-
liegenden angelehnt, im Gedanken an die schwankenden Be-
wegungen des an oder unter den beiden Armchen geführten
Kindes.
„nä'=''-: schmecken wie der Wein des zur Neige
gehenden Fasses, durch den Nachgeschmack verraten,
dass das Fass bald leer ist, ,ausgeht' BO." Vgl. nach-
gängig.
gänge°: 1. tr. a) schmelzen, flüssigmachen, z.B.
Schnee, Butter usw. Gl. Syn. er-, ver-, zer-g., üslän.
— b) aufgehen lassen, z. B. Backwerk im Ofen Gl.
— 2. intr. a) leichter zu gehen, zu gleiten anfangen
Ap. — b) aufgehen, vom Backwerk Gl. Syn. gän,
s. Sp. 6 0.
er-BO., ver-Ap; Btw.; Gl; GRtw.; S, zer-Gn
tw.. in BO. u. Gr tw. ->jk-: 1. tr. a) = gangen 1 a B;
Gl; Gr; S. Du muesch das im Mul v., nid grad ahe"-
schlucke' B. D' Nidle' v., den ßahm in die zum Käsen
über das Feuer gesetzte Milch mischen BSi. — b) ab-
gehen lassen; niederreissen, bzw. umändern, z.B. einen
Pferdestall, den man in einen Kuhstall umwandelt Ap.
— c) ausrotten, z.B. Unkraut, Ungeziefer BD.;
tilgen, verheeren, verwüsten. ,Alle die, die da
gengent dise kilchen und andere pfrüenden, die lebent
nit lange jar.' ca 1464, StrIttl. Chron. ,Was in den
rauren zergängt und zerbrochen ist.' 1489, G Urk. ,Es
soll keiner holz in hegen abhowen us muotwillen,
dardurch die heg zergengt möchtind werden.' 1489, L.
Speise finde man wenig, weil die Spanier Alles , er-
gengt' haben. 1522, Strickl., Act. ,Si zergangtend
und verwuest[et]end mir vil.' 1526, JStookar. ,Zer-
genggung und Zerstörung gemeiner Eidgnosschaft.'
1529, Strickl., Act. ,Der pur zergängt für und für
mit endeckung [Abdecken] des [kilchen-]tachs.' Sicher
1531. ,Terga defossi verbere, der rugk i.st inen von
streichen übel zergengt und zerhacket. Infecta facere,
das gemacht ist, widerumb z. und zenüte machen.
Equi sine calceatu fatiscunt, .sy zergengend die füess
übel. Artus digerere, auflösen, verzeren, z.' Fris.;
Mal. ,Chor- und Gesangbüecher mchrteils zerrissen
und vergängt, als unnutz.' HBull. ,Helvetierland
ward übel zergengt und verderbt mit Nam, Brand und
Todschlag.' JJEtiEGER 1606. ,0b die Weid unzergengt,
die Wasser luter und unbetrüebt den Schafen gelassen
werdind?' 1617, JJBreit. ,2 Häuser sind übel ver-
gengt und erschüft worden.' 1630, Bossh.-Goldschm.
.Reformieren heisst ein abganges, vergengtes und ver-
wüestets Wesen verbesseren.' JJBreit. 1640. .Dem An-
dern Trauben abhauen und das Seinige z., g'schänden
ald verwüsten.' Z Mand. 1676. .Unterhalb hat es alle
Wuhr vergängt, die Strass weggerissen.' 1762, Tagwenb.
GLSchwand. S. noch zer-schleizen, -strielen u. Fuerung
Bd I 976. — 2. intr. = gangen 3 B; „LE."
Mhd. ergengen, Z.B. das Feuer; ver-g., zum Vergehen
bringen (s. unter vergän) ; zerg. = zer-gän machen, zerstören.
.Zergantent' Bd I 392 s. v. Unir wird wie: ,Zergent (ab-
gaugen und bawlos).' 1649, Hotz, Urk., auf Flüchtigkeit oder
Missverständniss beruhen.
Gänger m.: 1. Gänger (wie nhd.), bes. in Compp.
Fuess.Cr. usw. Prägnant i. S. v. gän 1 a (Sp. 1): wer
schwierige Wege leicht begehen kann UwE.; vgl.
Läufer. — 2. ,Ein G., cheval de pas.' DeLacoür 1736.
Vgl. nhd. .Passgänger'. — 3. = Vorgänger 1. Kinder,
die den Hochzeitreihen führen Th (Pup.). — 4. (Gän-
gerlij Fuss, in einem Rätsel von der Kuh Gr ObS. (B.).
— 5. Parteigänger. .Töufisch G. und Anhänger.' XVI.,
Z Mand. — 6. Landfahrer, Hausierer, Vagant. ,Es
kommt dein armuet wie ein g.' 1560, Prov. ; dafür
1531: ..strassenröuber'; 1667: ,Reisender'. ,So sind in
eueriu Land Quacksalber. Schmierer, G. (die man Hau-
sierer nennt) des Ungemachs Anfänger.' RGwerb 1646.
Vgl. Gängler. - 7. = Wiss- Fisch (Bd 1 1105) bei
JLCys. 1661, neben den Synn. Gänger, ,Gang-'Hasel.
Vgl. noch ,Gang-'Fisch.
Über-: starker Mann, bes. ein siegreicher Schwin-
ger BO. — Zu üher-gan S d, Sp. 12.
Uf-: ein aus Mehl, Milch und Eiern im Ofen gc-
backoner Kuchen Ap. üyn. Ofen-Küechli. — Zu uf-gnnla:
vgl. Jyuiz-, Juck-nf und V/Juek.
Um-: 1. Patrouille Th. — 2. „Magistratsperson,
die den Umaang (s. d. 1 ß) zu machen hat Th." .Ein-
mal wurde der Zuchtvater N. N. auch constituiert [vor
Rat beschieden], weil die Herren U. des Sonntags
Morgens während der Predigt ein unruhig und stür-
misch Wesen in der Zuchtstube bemerkt haben.' Z
Wthur. Neujahrsbl. 1871. — 3. Armer, der i. S. v.
Umgang 1 aZ, von Haus zu Haus Verpflegung und Her-
berge erhält B; L. ,U., pauper, quem vicani alter-
natim nutriunt.' Id. B. ,Ein armes Umgänger-Mensch.'
B bist. Kai. 1775. ,Was doch Eisi für einen Zorn
verwerchete über die Kudermannleni [Bauern], die
ihns behandelten wie eine U-in.' Gotth. Syn. Keri-G.
Ein-: Wildeber, der allein, nicht im Rudel lebt,
.Einsiedler' S (Jagdausdruck). — Vgl. frz. mngller aus
359
gong, ging, gong, gung
300
Under-Gänger: wer bei einem Undergang mitzn-
■wirken hat, Flurrichter. Syn. Gescheid- Herr. ,Da lüt
irrig werden von undergängen wegen, soll man in yedem
viertel die verordneten u. darzue wyson und sy heissen
undergan, wo da span ist.' 1516, Schw LB. Einige
Güter seien mit den U-n rechtlich von dem Hof Krie-
sern gekommen [von demselben durch Rechtsspruch
der U. abgetrennt worden]. 1545. Absch. ,Obwohlen
die Meinung vorgefallen, wann ein Sach [vom Neuner-
oder Fünfer-Gericht] zum Undergang erkennt, dass
die U. nit mehr von den Parteien, wie bishar, sondern
von MGHH. erwcUt werden sollen.' 1649, Gl Satzung.
Obmänner waren in Ap (bei ursprünglich 4 Eecht-
sprechern) und Gl der Landammann oder sein Stell-
vertreter (der Landweibel). 1711 ernannte evangelisch
Gl für sich ein besonderes Gericht (s. Augenscheins-
Gericht, -Richter), während bei .katholischen und ge-
mischten Undergängen' die alte Übung bis 1798 fort-
bestand.
Vor-: wer voran geht. ,Diser herr Christus ist
unser v., fuerer und houpt.' 1536, Absch. ,Ein keln-
hofer [soll] lut synes amts und eids ein gmeiner uf-
seher und v. aller huoberen und ein flyssiger schirmer
aller des stifts gerechtigkeiten syn.' 1564, Hotz, Urk.
,Ein guter V. macht einen guten Nachgänger.- AKlingl.
1688. Spec. wer bei Hochzeiten und Leichenbegäng-
nissen dem Zuge vorangeht; im ersten Falle die kleinen
Geschwister (V-li) des Brautpaares Th. Nach der Gl
Ehegerichtsordn. von 1638 mussten geschwängerte
Bräute ,in aller Einfältigkeit, ohne V. und einige
Pracht' zur Kirche gehen. .Bei den Brautleuten mag
eine Braut nicht mehr als 8 Paar V. und lauter ehr-
bare Frauen haben.' 1683, ApA. Verordn. — Vor-
Gängeri": 1. entsprechend dem männl. .Vorgänger'
bei Hochzeiten. ,Bei andern Hochzeiten werden be-
sondere Brautführer und V-nen, die nur Jungfern sein
dürfen, eingeladen.' GLHartm. 1817. — 2. Pflegerin
der Wöchnerin und des Neugebornen. oft zugleich die
Amme Aä; Bs; B (Zyro); L; Z. ,Ir v., die hinket
Margret.' ARypf 1597 [wo von einem 3 Monate alten
Kind die Rede ist]. .Allen Hebammen. Vorgängerinnen
usw. notwendig zu wissen.' FWürz 1634. .Wie sich
die Wehemüttern und Vorgängerinnen gegen schwan-
gern Weibern in der Geburt, gegen den jungen Kindern
aber nach der Geburt zu verhalten haben.' JMuralt
1697 (Titelbl.). .Hebamm, Pflegerin und V.' JJUlr.
1727. Syn. mit .Wickelfrau.' L Hebamnienordn. 18U9.
S. vorgän Sp. 28.
Gasse"-: 1. Müssiggänger U. — 2. (auch Gass-)
Sommerrock Ap.
2 eig. Umd. aus frz. casaquin, kurzer Sommerrock, das
viell. zunächst in der schwäb. Form Gassgäng Eiugang fand;
viell. diente als Vermittlung: gaesatum gan, spazieren gehen.
Here"-. Äerre'-Gänger. -Gäner, bezw. -i":
Knaben und Mädchen, die den Konfirmationsunterricht
besuchen, zum Here [Geistlichen] gönd Ap; GT. —
Jär-: Altersgenosse vom gleichen Geburtsjahre; s. Jär-
Gang u. Järgänger- Verein Bd I 276. Was sind Ihr für
en J., wann seid Ihr geboren? Z. Vgl. gän Sp. 1. —
K e r i - = Um-Gänger 3 AaHoIA. - Kirch CChilchfeJ-,
Chille")-: Kirchgänger, allg., doch s. Kilcher. Prägn.:
ein fleissiger Kirchenbesucher Z. — Kost-: wie nhd.
allg. De^ Herrgott hat doch allerlei für Ch., wunder-
liche Heilige Z (RA., um verkehrtes Tun zu kenn-
zeichnen). 8yn.Tisch-G. Scherzh.: Eingeweidewurm Aa.
— Verlaub-: Beauftragter, der die Erlaubniss (.Ver-
laub') hat, im Lande herum Werbungstruppen zu ge-
winnen. .Im Fall ein Hauptmann seinen V-n den
Auttrag machen würde, ihrae einen oder mehrere Mann
zuzuführen oder anzuwerben, soll er jeder solcher
Person ein[en] Schein, in welchem er sich auf das
oberkeitliche Patent bezieht, zustellen.' 1772, Z Wer-
bungs-Mand. — Liehe"-: Teilnehmer an einem Lei-
chenzuge AaWoW.
Müessig-: 1. wie nhd. — 2. im Mittelalter in
den Städten diejenigen Reichen, welche, um leben zu
können, nicht nötig hatten, um der Ausübung eines
Gewerbes willen in eine Zunft sich aufnehmen zu
lassen. Gegs. : die icerbende Hand. Um anderer Vor-
teile willen traten in Bs manche ,M.' doch in die vor-
nehmem Zünfte ein, aber nach freier Wahl; denn
.wer keine Hantierung treibt, darf dienen, wo er will.'
(Ochs.) — müessiggängere": zur Unzeit müssig
gehen B.
Nebe(n)t- (bezw.-i»): Brautführer (-in) BBe.. Hk.
.Das Hochzeitspaar schreitet in den Talgrund zur
Kirche, die Braut zwischen 2 N-innen, der Bräutigam
zwischen 2 N-n.' JRWvss 1817.
Nä(ch)-: 1. Angestellter bei einem Seidenfabri-
kanten, der den Seidenweberinnen von Haus zu Haus
nachzugehen hat. um ihre -\rbeit zu controlieren Z.
Syn. Tuech-Geschauer ; Anrüster. — 2. Freier B (It
Id. B). — .3. im XVIII. die Söhne der Offiziere bei der
GStdt-Miliz. da sie bei den Musterungen hinter ihrem
Vater her paradierten. .Die Offiziere schritten einher
in rothen Hosen mit grossem Speer, und junge Söhne
noch hintendrein; man nannte sie nur Nachgänger-
lein.' 6 Zustände 1860. — 4. halbjährlich zur Unter-
suchung von Verbrechen bestellte Richter (meist die
jüngsten Ratsglieder), Verhörrichter Z f. .Wenn ein
todschlag geschieht, sollend allhie in der statt die ie
zun zyten zwen geordneten n. alle die personen, so
darby gewesen, bim eid in kundschaftswyse verhören
und derselben sagen in gschrift verfassen lassen.'
1578, Z Gerichtsb. (s. .Nach-Gang'). .UGnH. habent
sonderbar N. verordnet, welliche den Spileren nach-
fragen und die Buossen abnemmen werdent.' 1616,
Z Mand. .Zue Ufsecheren und N-en verordnet.' ebd.
,Jeweilen hat ein Maleficant selb.st zu einem Seel-
sorger ein bessers Vertrauen als zu den oberkeitlichen
N-cn.' JMey. 1694. ,Zu N-en oder Criminal-Examina-
toren verordnet.' Simler-Lcu 1722. ,Die Hartschiere
haben die Aufträge zu verrichten, welche ihnen von
den N-n erteilt werden.' 1787, Z Ges. — 5. N-in =
Vorgängerin 2 L. ,Es musste. nachdem die N-in nicht
mehr kam. eine Kindsmagd zu.' — Zu 5 vgl.: .Gleich
wie ein Magd oder N. nachgefolget.' Luth. Katzenkrieg.
Seil-: Seiltänzer. Im XVII. in Z Mand. neben
allerlei Gauklern häufig genannt, indem die Wirte
ihnen keine Herberge gewähren sollten. — Vgl. lat.
fitnamhuhm.
Schlaf-: wer bei fremden Leuten gegen Entgelt
ein Schlafzimmer mietet Z. — Schwabe"-: Knaben,
welche sich nach Oberschwaben verdingen Gr. —
Stadt-: ärmere Leute, welche vom Lande her täglich
regelmässig in die Stadt dem Bettel nachgiengen.
1785. Z. - Tisch-: = Kost-G. .Diewyl ich denn stets
vil t. hatt.' ThPlatt. 1572. ,Dise Rechnung ist sonder-
lich kommlich denen, die T. setzen oder zu Ti.sche
S61
Gang, geng. giiiK. S'J'ig. gung
302
gehen.' JBEscH. 1685. — „Wild-: geübter, gewandter
Berg.steiger, der schwindelfrei in der ,Wildi' geht BO."
gängerle": 1. = gängelen 2 Bs. — 2. einen un-
gchor-samen Bürger ins Gefängniss führen Bs (Spreng).
g'gänget = (7ä«gij> 6 Z.
gängig: \. := gäng 1 a. ',G-e pfand, d.i. ross,
vech, schaf, geissen.' LE. Landr. ,Säge, welche wegen
Mangel an Wasser nicht g. ist.' 1565, Absch. —
2.= gäng 1 b Aa; Bs; B; L; W. ,Was bringt ihr
Neus? ist wohl die erste grosse Weltfrage [an neue
Gäste], wird g. sein zwischen dem Kaukasus und den
Pyrenäen allüberall.' Gotth. .Sitten und fragen, so
bei den Juden g. sind.' 1560, Apostelgesch. ,Ven-
dibilis, usualis, g., verkäufig, bräuchig.' Denzl. 1677;
1716. S. noch gihig Sp. 96. — 3. = gäng 1 c a— y
Aa; Bs; B; L; S; Uw; Z. E g-C Purst, ein flinker,
rteissiger Bursche AaF. E g-s Chalb, das sich leicht
führen lässt BSi. Daher u"-g., mit schlechtem Gang-
werk versehen Aa. E ti'g-e'' Wage", ein schwer gehen-
der Uw. — 4. das Gehen erleichternd; von Schuhen,
in denen man leicht geht ß; en g-e'' Wind, ein sol-
cher, bei dem sich's auf dem See leicht segeln lässt,
M"f/-c ir., Gegenwind, der das Schiff aufhält ZS.
(Spillm.). — 5. = gäng 2 B; Uw; U; Z. ,G-er Weg,
via frequens.' Denzl. 1G77; 1716. — 6. Spuren der
,Gänge' zeigend (s. Gang 2 d); ein durch das Xn-
winden verschuldeter Fehler des Seidengewebes, wenn
die G. nicht sorgfältig auf den Baum geleitet werden Z.
Syn. g'gänget. — Mhd. gengec = gengc.
ab-: abgehend. 1. vom Schauplatz abtretend, aus
dem Leben geschieden. , Erledigte Stellen wurden erst
dann besetzt, wenn sich die Zahl der A-en bis auf 8
vermehrt hatte.' Gem. Aa 1844. ,Diewyl der mensch
a. ist und unblyblich in disem zergengklichen wesen.'
1491, UwE. Jahrz. — 2. unbrauchbar geworden Uw;
in Abgang, aus der Mode gekommen L; Sch; Uw.
Im S. V. abgän 1 c: ,A. gewordenes Vieh (ein Keib)
ist von Stund an zu verlochen.' 1662, AAWeist. An
Wert und Geltung abnehmend Th; Syn. ahgänd(ig)
Sp. 10. — 3. verkäuflich. Sulgeb. ,A., das einen ab-
gang oder kauf hat, vendibilis.' Denzl. 1677; 1716.
— über-: von einem Übergang i. S. v. 3 befallen W.
Syn. zufig. — an-: ansteckend (von Krankheiten) W.
Vgl. angän 1 f. — irrs- s. Irr-Gang. — „feld-: eben,
flach, von einem Stück Land B." — letz-: nicht regel-
recht verlaufend, von den Jahrringen am Holze Uw
Sax.; vgl. wind-gäng; Gags, gesehlacht. — müessig-
= müessig-gäng. ,Hierumb redend wir nit von gleichs-
neten glauben, der 1er, m. und tod ist.' IL helv. Conf.
1566/1644. ,M. Vieh' im Gegs. zu ,Bruchvieh' (s. d.).
1671, Offn. AAKadelb. — ,nä<^''- (resp. gängelig): vom
Wein, s. näch-gängelenBO.'' - weid-: 1. dem Weid-
gang (s. d.) geöffnet. ,W. machen', (ein Stück Land)
dem Weidgang öffnen. 1772, Mei., Wetz. — 2. auf
dem W. begriffen, das Recht zum W. habend, vom Vieh.
,Vieh, das der 4 Gebresten einen hat, soll man über
keine Weide treiben, wo anderes w. ist.' 1662, Aa Weist.
Gängler m.: l. = Gänger 6. ,(Recht der Fremden.)
Man soll gegen keinem g. um an keinen einung kom-
men.' ca 1500, Obw. ,Man soll keinem bettlcr, als die
g., die da mit buessen und briefen gand [Beisteuern
an Bussengelder oder an Brandbeschädigung suchen;
s. .Brandbrief'], nüt vom land geben.' ebd. In der Lit.
des XVI. f. unter den .Landfarern' sehr oft genannt.
bes. in den Z Bettel-Mand. und den Absch. (v^l. z. B.
IV 1 c, r280; V 1, 136; V 2, '281). — '2. der Leit- od.
Endfaden in einer Garnsträhne, der einmal gefunden
(am Under-Bund, wo er befestigt ist) möglich macht,
ohne Verwirrung des Garnes bis zu Ende zu haspeln
oder zu winden; das Fadenende auf einer Garnspule
Bs. Den G. findet das Lehrmädchen, wenn es im ver-
worrenen Strickgarn sich wieder zurecht findet. Spreng.
Syn. den Faden, Gängling, dag Trumm finden. Bildl. :
in einem misslichen Geschäfte Auskunft erlangen, den
Ausweg finden. Im G. si", im Gange sein, seinen
Fortgang haben, mit einer Arbeit fortkommen. Wo
si [die Tabakspfeife] tvider ist in G. [in gehörigen
Gang und Stand] fco". Met.-Mer. 1860. Nöchen isch
Alles in 's G'leis, in G., 'ko" Bs (Schwzd.).
Gänglete" f.: (coli.) Gewirr von Gängen (s.
Gang 3). Das ist e" G. i" dem Hus umme' Z.
gänglich; fortdauernd, ununterbrochen. , Und der
zuoldul' i;.n(klirh der Eidgnossen was.' Edlib. Als
Adv.: in Kiii.'in fnit. .Also Hess der herzog nüt ab,
er scluiss gcncKchen, an underlass, in die statt.' ebd.
,Und kam auch g. MHH. vil lüten vom see zue.' ebd.
Syn. gäng. — W\i. gmclich, vergänglich; g. tcerdm, Fort-
gang haben.
un-ab-gänglich: keinen , .Abgang' zulassend, von
beständiger Dauer. ,Dem [Bündniss] zuo unabgängk-
lichem fundament.' 1480, Absch. — um-: gesellig,
leutselig (im ,Umgang') Bs; Z. ,Dass die Wirtsleute
reputierlich, u. seien, dass sie ihm ablosen, bis er all
seines Herzens Freude oder Schmerz ausgesprochen
hat.' Breitenst. 1860.
ver-: leicht in die Irre führend, von Wegen Schw.
— S. vergäll 1 Sp. 27.
hinder-: ärgerlich, verdriesslich Gl. — .S. kiiukr-
gän 1 c Sp. 30.
zer-: vergänglich, eitel, nichtig. Häufig im XVI.
bis XVUL, neben ver-g.
Gängling m.: 1. =^ Gängler 2 AAFri.; Bs. ,Aber
wenn die Seide böse ist, wenn sie durch einander ge-
werchet ist wie die Dornen einer Laubhecke, wenn
man mit allem Lieb und Leid keinen G. zu finden
vermag.' Breitenst. 1860. De'' recht G. finde", den
Faden zu einem Gespräch f., dasselbe in Fluss bringen
Bs. iiider sHbmol, wo si mit enander z' Gvatter g' stände"
si', het die Bekanntschaft erst de" recht G. übercho"
BsL. (Hausfr. 1886). — 2. Gang, Gewohnheit des Ge-
hens, z. B. in Beziehung auf den Kiltgang Bs. Wo
hett-er der G. anne? Antw.: Zu's Heiri's Bösi.
Syn. Leich, Strich. Auf die Bildung und Form dos \V.
mag Nüdling eingewirkt haben.
Gade-Gang, Dim. Gade-, Gäde-Gängli : am Hinter-
haupt mit einer Schnur zsgefasstes Haar (ohne Beutel),
männliche Frisur im XVIII. ZStdt f. — Frz. c'dogan.
Gangel I Gay,^ GlS., Gä-IL; Schw; Zg, Gäng Gl
— m.: Taufn., Wolfgang. Gengel auch Geschln. Gr.
Gangel U ScuNk., Gängel II Aa — m.: grosser
arbeitsscheuer Mensch AASeet. Ein leichter Schimpfn.
Sch. — Wahrsch. der mit I bezeichnete Personenn. .ippellativ
verwendet; doch vgl. auch Gänger 6, (längler 1 und Oangycl,
Gänggel.
gängelen s. ganggelcn 2.
Gangeli: Maschinengewebe 7A). — Vii-ll. aus ^/i«./"",'/
Gang— giing. Gangg— ginigg
gäng in der Zsstellung schnäderi-g.-g. : Nachahmung
des Trompetentones Z. Als Subst: unausstehlicher
Schwätzer Aa.
gängele" II: mit einer kleinern Glocke vorläufig
auf den bevorstehenden Gottesdienst aufmerksam ma-
chen ZFlaachtal. Syn. klenkm. Vgl. ginggelen 2.
Gingang m.: kleingewürfeltes Baumwollgcwebe ;
Indienne Aa; Ndw; Z; auch Bezeichnung von leichtem
Gewebe. Einst feiner Stoff zu Damensomraerkleidern
ZStdtt- Syn. Guntellne; Gehüslets. Dazu das Adj.
gingangig, -gängig.
Frz. guingamp, im Garn gefärbtes Zeug (nach der Stadt
Guingamp benannt).
Gingeligang: 1. das Hin- und Her-Schwanken, Bau-
meln. Mit Jmdm G. mache", ihn hängen Sch. Wenn
ihr de' Lüte' e Ding diiend ne': Es könnt Gingi-
gangeli ge [so könntet ihr an den Galgen kommen]!
Eliata 1762. — 2. Giyeligägeli, leerer Klingklang ZB.
Iterativbildung mit Ablaut, das Hin-und-Her (und an kein
Ziel kommen) malend.
Gungang m.: 1. Perpendikel ZEfz (Kdrspr.). —
2. (dim.) Gungängeli n., kleine Quaste? Nur in dem
Kinderliedchen: D' Mueter hed es Chindli g'funde',
's ist mit Silber und Gold umwunde', 's hed es goldi's
ScheUeli a' und es rots Gungängeli d'ra'. — Vgl. die
vorhergehende Anm.
Güngcr m.: = Gänger 7 „Ap; G; Zg". mit wel-
chem es im Ablautsverh. stehen könnte; vgl. mhd.
gung als unregelmässiges Prset. von gän.
Gueng = Gvieg GlMoII. — Mit uuorgauisoh aufge-
stiegenem Nasal.
Gangg (d.
S. auch di(
Reihe Ganf) usw.
Ganggel Aa tw.; B (Si.i-); FMu.; LE.; S, Gänggel
AAtw.; Bs; L; GG.; Uw; W, nach vereinzelten An-
gaben aus B und S auch -yg — m.: 1. kindischer,
närrischer, tändelnder, gedankenloser Mensch, Mensch
ohne Mut, Kraft, Geschicklichkeit, Ernst; schwer-
fällige Weibsperson B; L; GG.; S; „Z". Syn. GäggfelJ
(Sp. 168) ; Gäuggel; Ginggel; Hauderihau. F'' bi" selb
Mal e" junge G. g'sl". MWalden. De"" guet G. [Tropf] !
Bis hei G., sei kein Tor! Auch auf spiellustige Tiere
angewendet B. Dim. Ganggeli, Gä-, leichte Schelte
oder Schmeiehelname für junge Personen aaO., „noch
kindisches, spielendes grösseres Mädchen Vw; Zs; Z."
— 2. Gänggel, Flurn. ScnEüdl.
Von gimggen, s. d. 1 bezeichnet demnach zunächst einen
Menschen mit unsicherem Gang, mit energielos baumelnden
Gliedern; ygl.Gamj^Ie: gampc7i; Schlamp : schlampen ; Schlangg:
Schlanggen. 2 viell. nach einem Besitzer benannt.
ganggele" B, ganggle" Aa; Bs; B; F; Gr; Sch;
S (gängle); W, gatjde ZEfz: 1. unsichern Ganges mit
hängenden Gliedern hin und her schwanken, schlaff
einher schlendern Aa; L; Sch; ZEfz. Syn. schlampen.
Es la' g., gleichgültig Alles gehen lassen, wie es
mag L. En Gangili, Mensch mit solchem Gang ZEfz.
— 2. närrisch, dumm tun od. reden, kindisch spielen,
sich im Scherze raufen; schäkern; seine Zeit mit
unnützen Dingen zubringen; müssig herumstehn B;
FMu,; S; W. Syn. gaugglen; gallen. Er macht Nüt
i" der Schuel als g. Cha'"st du Grösse'' na [noch]
jso g.? Sich unanständig geberden S. — ver-: ver-
tändeln, verscherzen B. ,Sie v. ihre Seligkeit mit
Taten und mit Worten gleichgültig und leichtsinnig.'
GoTTH. Auch refl. B. a) sich leichtsinnig mit Gaffen
und Schwatzen versäumen. ,Wenn es ein Manne"bein
antreffe, wäre es im Stande, sich einen ganzen Tag
zu V.' GoTTH., XXI, 235. — b) sich verlieben.
Ganggeier m.: läppischer Mensch B.
gangg(e)lig: 1. läppisch, einfältig Aa; BU.; S.
— 2. wacklig Z (g'gangglig).
GänggeTöri Th, Ganggelüri B m.: Narr, Pos-
senreisser ThHw. Einfältiges Mädchen oder Kind B;
Syn. Fandudeli.
Die erstere Form lässt an Zss. mit einer Abi. von ,Ohr'
denken (vgl. die Zssen Bd I 415 ff.) und sich auf die alte
Narrentracht mit den langen, wackelnden Eselsohren beziehen.
Vgl. auch das Syn. Galöri II, das wir (doch nicht mit Ent-
schiedenheit) in Gall-löri getrennt haben ; ferner Gagge-Lari.
gangge", g'g-: schwanken, z.B. von einem Tische
auf unebenem Boden Th. Syn. gampen.
Könnt« Nbf. zu glanygen sein; s. Gr. WB. V 952 d. e;
s. auch ginggen. Doch wahrscheinlicher ist es eine Intensiv-
bilduug aus ,gang', d. i. ,gehen'. Auch gäggen Bd I 166
ist zu erwägen.
ganggele", seltener gänggle": 1. tändeln, ar-
beiten ohne Eifer und Erfolg, langsam tun, sich mit
unnützen Dingen abgeben, spielen wie die Kinder Aa;
Bs; L; Sch; S; Tb; Uw; Z. ,Parva tractare.' Id. B.
An Öppisem umme' g. Er hat sin Bueb g'rad so
erzöge', uie-n-er ist : er hät-e' nu"" lo' g., lo' tue' und
mache", was er gern hat wolle'. Stütz. — 2. Geld für
unnütze Dinge ausgeben B; FMu. ,G. statt das Nötige
sich anzuschaffen.' Gotth. — 3. naschen, leckere Sa-
chen schmausen, statt mit der gemeinen und gesunden
Kost vorlieb zu nehmen FMu. — 4. „im Gehen zappeln,
kurze schnelle Schritte machen L; Z." Wackelnde
Bewegungen machen, wie z. B. das Gewichtsteinchen
einer Weckeruhr beim Ablaufen Z. Tun, als ob man
schreiten wolle, ohne doch vorwärts zu kommen GEh.
Zu der Begriffsentwicklung aus der Grundbed. von gangglen
dürfte der Anklang an ,Qnincaillerie' (s. Gänggeliwär) mit-
gewirkt haben. Doch s. auch das syn. gäggden II (Sp. 169).
4, das sich allerdings aus 1 entwickeln lässt, könnte auch
als eine Abi. von .Gang' erklärt und als bes. W. angesetzt
werden. S. auch ginggelen.
ver-: vertändeln; verscherzen, sein Geld unnütz
ausgeben Bs; B; Gr; Sch; Uw; W; Z. , Minutiis per-
dere.' Id. B. Syn. ver - guggäggen Sp. 166, -görglen,
-lalen, -bamperlen, -plämperen, -blöterlen.
Ganggele" f.: lange, hagere Weibsperson GWe.
Syn. Gampele, Gägele. — In dem W. liegt der schlaffe,
wacklige Gang ausgedrückt.
Gänggeier, Ganggeli m.: Tändler; schlechter
.Arbeiter Sch; Uw. Schleicher, Umständemacher GEh.
Syn. Gäggeler Sp. 169. Einer, der zum Gelde nicht
Sorge trägt FMu.
gänggelig Bad. Wies., gängglig Z, gänggilich
Sch, gänggerlig AAEhr.: 1. tändelhaft, langsam,
läppisch Sch; Z. -- 2. vertändelt, wertlos, unbedeu-
tend, klein ScuSt. — 3. blöde im Magen mit Eeiz
zum Erbrechen Aa; Bad. Wies. Es ist mir g. Syn.
3t)5
(iangg, frengK, giiigg. gmigg. g"ngg
elend; (ferijaelig; (jäggelig. — 3 ist wohl nur (.■inu Nl.r,
zii ijäijr,eUci.
gänggerle": 1. tändeln Bs. — 2. tröilcln, um
kleine Betläge schachern (von Kindern) Gl. — ver-:
1. = vergänggelen Aa; Gl; L; U; Z. Um zu geringen
Preis hergehen Bs. Der ledig Stand war BaUeli wert,
uemme"-ne' nit v. tat. — 2. verschachern, um Geld
weggehen Gl. — 3. vereiteln GWe.
Gingg 111.: hüpfende Bewegung mit einem Fusse
.\AWohl. ISchhig, Stoss mit dem Fusse von Menschen
und Vieh; Fusstritt Aa; Bs (auch mit dem Knie); Z.
Syn. Kelling; Stirz. .Bekam einen G. mit dem Schuh
an den Bauch; seine Blase platzte und er musste
sterhen.' Z Processakten. Daher übertr.: eine un-
angenehme Lektion. Ei"'m en G. a'henTce" Z; vgl.
ginggen 3; Schlötterling. , Dieser G. oder Interpellation.'
1869, ZBül. Volksfrd. Schwung heim Turnen Bs.
Ginggel I — PI. Ginggle" — m.: 1. etw. Herab-
hängendes und Schaukelndes, a) beweglicher Teil
am Ohrgehänge Uw. — b) penis, von Menschen und
Tieren Bs; L; Schw. — c) Kropf, als schwaiipelnder
L. — d) dira., Qitjgeli, kleinere Kirchenglocke, mit
welcher die Dorfbewohner auf das folgende Einläuten
zum Gottesdienst vorbereitet werden ZHettl., Bill. —
2. = Ganggel 1. Bes. von jungen Leuten, welche sich
zu ernster Beschäftigung nicht gewöhnen wollen;
junger Mensch mit oberflächlichem Sinn, tändelndem
Wesen; Geck Aa; VOrte; S; einfältiger Mensch Aa;
EU.; ScBw; e narchtege G. — 3. Sache, die mehr
scheint, als ihr innerer Wert ist, etwas Glänzendes
für Kinder BGu.; „Vw"; spec. a) meist dim., Bildchen
für Kinder BG. Syn. Taflen und s. Ili (Bd I 179).
- b) „schales Geti-änke L; Uw" It St. 1. A. Syn.
Gunggel. — Bei 3 a scheint Jas frz. quinmillerie, Kurzwaare,
mitzuspielen.
Giri-: reduplicierte Nbf. des vorigen W., nur in
dem Spielreiiiie: Girigiriginggeli, schlüf hie WinlceU;
GirigirigeiggcU. va u-itt, das i hei [was willst, be-
hauptest du, dass ich habe]? Th (Pupik.). — giri-
gingg(e)le» BHk.; ,Vw;" Zg, „giringgle» Vw",
tschiriginggele° Schw, biribinggele», Biri-
binggis mache" Aa: Blindekuh spielen. Syn. giri-
gitzelen. - Mit erweiterter Red. (vgl. Giri-Gitz, Bin-Bitz)
aus dem Grundw. gebildet.
Schill-: hämische Benennung eines Schielenden L.
Vgl. Sch.-Bingg.
Heugade°-: arge Schelte Uw. Big. Einer, der
sich allenthalben (in allen Heuscheunen) auf Unzucht
herum treibt. Vgl ginggelen 3. 4.
gingg(e)le'': 1. baumeln Uw. Syn. gungglen. —
2. (tw. giygele) kurze Zeit und mit einer kleineren
Glocke läuten, ,bingeln' BE. ; ZHettl.; s. Ginggel 1 d
und gängelen; Syn. klenken. Klingend sich bewegen,
von Spielzeug kleiner Kinder; Lärm machen B. —
3. tändeln Schw. Das ist nur g'ginggelet = gevätterlet.
Syn. giggelen. Ver-, liederlicher Weise verlieren, ver-
geuden, verpassen. — 4. umnie-, sich müssig herum-
treiben Schw; Uw. — Ginggelei (""") f.: unsolides,
wenig dauerhaftes Zeug, blosses Spielding ÜRChur.
— S. noch gtntj(jen 3.
Ginggel-, Gunggel-ore, -ori(s), „Gunge-
role" (Durh.): Küchenschelle, anemone puls. Scii.
Syn. Guggüche.
lu dem ersten Teile des W. drückt sich wohl die Ver-
;Ieichung mit einer (herabhängenden) Schelle aus; der zweite
Teil lässt wegen der Gestalt der Kelchblätter eine Deutung
auf .Ohren' zu; vgl. Gamjgdori.
gingge": 1. beim Sitzen mit den Beinen schlen-
kern AAWohl. Syn. lüten. — 2. (auch Hs-g.) mit dem
Fusse ausschlagen, von Rindern, Pferden und Menschen
Aa; BsStdt; ScH; Z; seitwärts (versch. von schlän)
AAEhr.; nur von Rindern ZElgg. Syn. kellen; stirzen;
stujifen. Sf bald a's s' ie-e [sie, die Herren, herein,
in den Saal] clio" .sind, händ-s' d' Hüet ah'tö" [vom
Kopfe genommen] und mit de' Beine" g'gingget, halt
(irezis wie eusri Lobe [Kuh], wenn 's vil Brem'e" hat.
Stütz. Si [die Schiffe] händ prezls g'ha" wie zwei
Bei' und händ denn alliwU so g'gingget mit. ebd.
Mit den Beinen strappeln ZO. ,Der eine Hosenstoss
[Hosenbein] ist so verdreht, dass er [der Eigentümer]
trotz allem Zappeln und G. den Durchpass nicht zu
finden vermag.' Stutz. Mit allen Gliedern tätig sein,
zappeln, eilig tun TuTäg. ,Wer auch so zappeln und
g. möchte? Man werde noch fertig mit andren Leuten.'
Stutz 1853. „Alle Vier ausstrecken, eig. mit denselben
zucken (vom Schlachtvieh nach erhaltenem Streiche)
Schw." Eilig laufen SchwE. Scherzh.: , Ja nun, hun-
dert Jahre werd ich auch nicht mehr g.' Stutz 1854.
Auch tr.. Einen mit Fus.stritten traktieren. ABC
Zingge, de'' Lirer het-mi''' wolle' g., het-mi"'' nit 'tröffe',
denn i"* bin-em vertloffe" AARheinf. Bildl. u. unpers. :
Es hät-en g'gingget, er hat einen empfindlichen Schlag
erlitten AAFri. — 3. hinken Ar; schwankend gehen,
baumeln /,. lüldl: Es ,/./, liaprit; es hil ,fij-t.
schlu- Irlil; fs nnin'f'l iml-ni,. -vlit l.ci-ab mit ihm
G; Z. S, lunhl. dr lla,„hl rhuni, i/. .IMI'mfui. Syn.
schlinggen. — 4. quengeln, murrend klagen, (lialbliuit)
weinen Sch u. angrenzend Z. Syn. gäggen; trinaoi..
Vom Sperling: einzelne, abgebrochene Töne von sicli
gehen, wie namentlich, wenn Regenwetter droht ZStdt.
Syn. binggen.
Im Ablaut zu ganggen und guiujglen gebildet. — Zu 4
vgl. ginggelen 3 und die Anni. zu gigägen Sp. 137. Abi. ginxen.
Über-: (refl.) sich überanstrengen Z. — tis-:
1. intr. a) = ginggen 3. — b) aufhören zu g., die
letzten .ginggenden' Bewegungen machen, z. B. von
verendenden Tieren, Syn. üsgablen; vom Perpendikel
einer Uhr, d' Ur ist am U. Übertr., übh. zu Ende
gehen, z. B. vom Wein im Fasse. — 2. durch ,Ginggen'
ausschütten, wie etwa Kühe beim Melken es mit der
Milch im Kübel tun Z. — ver-: sich durch Zappeln,
zappelnde Arbeit erschöpfen Z; vgl. vergablen Sp. 61.
Lueg, wie 's au''' göt mit Werche' do! Fürwor, die
Lüt vergingget fast. Stutz.
ginggerle", ver- = ginggelen 3, fver-J gängger-
len 1 AAWohl. Syn. giggelen Sp. 175.
Ginggi n.: Medaillon, grosse silberne Kapsel mit
dem Agnusdei, bei kirchlichen Festlichkeiten von den
Frauen, namentlich den .Kreuzgangtöchtern', auf der
Brust getragen PJ. Syn. s. Agnusdei Bd I 1'28. —
Vgl. Ginggcl 1 a; S u.
Harli- s. unter H.
Ginggis m.: 1. Knirps AAFri. Syn. Binggis. —
2. Kern, Hauptsache. Erst duo ist er zum rechte' G.
cho" Schw. — Zu 1 vgl. Ginggel S, doch auch Giggia Sp. 176
am Fusse; zu 2 vgl. Ginggel 3, etwa i. S. v. Kleinod.
Gaiigg, geiigg, gingg, goiigg, giingg
Zimpei-Ginggis (ZBuch), Zipper- (ZBenken)
m. : wohlriechende Gartenpflanze mit lanzettförmigen,
hellgrünen Blättchen, dem Majoran ähnlich.
Ginggel 11, Ginggels k- m.: Kaninchen Gr ObS.
— Aus dem churw. cunigl usw. (lat. cuniculus); vgl. ChUngeli.
Gangg f.: träges, unhaushälterisches Weib GKh.
„Als kosende Schelte für ein kleines Mädchen. Du
ffili Guilk! Aa." — Aus ffiing/jJen abstrahierte Wortbildung.
Grundbed. wäre demnach die selbe wie bei gänygf^len.
„Gunggel", Guggel, Günggel, Güngel — m.:
1. etw. Baumelndes, a) Güngeli (Dim.), kleine Quaste,
Syn. Zötteli; Glöcklein Aa (Kdrspr.). — b) Giinggel,
Ofenwisch ; so wenigstens im Volksrätsel (s. Bd I
394, 20) mit Anspielung an Bed. e. — c) Gungel, bau-
chiges Gefäss (von Blech oder Ton) mit einem Henkel,
an dem es baumelt, z. B. der grün glasierte Krug, in
welchem die Schnitter Wasser aufs Feld mit sich
nehmen Aa. Vgl. Schenkfass Bd I 1053. — d) Güngel,
Anwuchs, Kropf oder Wanst L. Syn. Cfüdel Sp. 125.
— e) Giiygel Aa tw. ; Th ; Z tw., Güngel Z tw., Günggel
AAtw.; VÜkte; Sch; Th; Z vorwiegend, penis. —
2. Guijgel (in ZFehr. Gundel), schwacher, nur ein Mal
gebrannter Fusel Z. „Güngel, schales Getränk L";
Syn. Ginggel I; vgl. Vor-Läss.
2, dir. vom Tb. gungglen abgel., bedeutet darum die durch
einander geschüttelte, gepantschte und darum verhältniss-
mässig wertlos gewordene Flüssigkeit übh. Vgl. Gudle Sp. 124.
Zuber- Güngel: Mensch, der sich widerstandslos
Alles gefallen lässt AAFri.
Eig. wohl Henkel eines Zubers (od. (?. hier = Gunggen,
AusgussröhreV vgl. oben Bed. 1 c). Dienen die Namen von
häufig in die Hände genommenen, gleichsam für fremden
Zweck leidenden Geräten (vgl. Tiipfi udgl.) zur Bezeichnung
willen- und gedankenloser Menschen, so kommt beim Henkel-
geföss noch das besondere Moment des Schwankens dazu.
Gunggele" L, Gurgele" Aa; Z, Gunggle" Bs,
Gungle" Aa; L; „Z" — f.: 1. etwas Baumelndes,
a) halbgrosse, eiserne ViehschcUe von geringem Werte
L; Syn. Trinkien; Klepfen. Gegs. Schellen; Glogg;
Plumpen. Wenn i"' ^niol es Schätzen (en Alti GlJ
ha', i''' tvill-em ordli''' (so weiss i"'', was i"'' Qh) tue":
i''' legg-em (-ere'J de"' es Gungeli (e Schelle Gl; a" und
verchauf-es (hä'-si Gl; für e Chue L. — b) die Hoden
Bs. — 2. die Kuh mit hängendem Euter Aa. —
3. Weibsperson a) ältere, stark beleibte L. — b) träge,
nachlässig und schmutzig gekleidete L; Z, dumme L.
Syn. Schlamp. — c) liederliche L; „Z." — d) Spottn.
auf eine sich städtisch kleidende, städtische Art nach-
ahmende Frau vom Lande Z.
Zu 1 vgl. das syn. tirol. Olunggel. — 2 beruht auf Über-
traguug von ilcui Gegenstande auf den Träger desselben und
bildet den Übergang zu 3. Zu I.etzterm vgl. Gonkel, nach-
lassig gekleideter Mensch (Fr., Ztschr. Yll 280), u. Ganggel.
Gurr-Gungele": Spottn. auf ein altes Weib
LEigi. — Durch Umstellung und Anlehnung au Gune ent-
standene Nbf. zu Runggunggh.
C'hüe-: grosse Kuhschelle L. — Kaffi-Gungle:
Kaffeetopf Bs. Vgl. Gunggel 1 c. — Mär^t-Gungele:
Marktweib Bs.
Nacht-: Nachthaube Bs. — Wohl entstellt aus GoggeU,
um sie als die lose, nicht anliegende zu bezeichnen.
Kungg-Gungg(e)le, RuDguyg(e)le' : 1. Weibs-
person, a) alte, runzlichte, dicke Aa; B; „Gl;" Gr;
L; G; S; Z. ,Eine alte Kunkunkel.' Schweizerb. 1819
(F). Du alti B., du g'hörige'- Bär! Wer hätt-di'''
g'hürotet, wenn ich nid g'sl" war? L. Du alti B.,
(bist sibezg Jär alt), hast d' Bäben a'''brmnt, bist mit
der Chochchelle (Schtssgelle) dur''' d' Stegen ab (um 's
Hüs umme — zum Chämi" usj g'rennt Aa; L; Z. Alti
E., wie luegsch [schaust] ^so sür (fül), wie tropfet-drr
d' Nase, wie lampet-d^r [hängt dir herunter] 's Mül!
— b) liederliche, anrüchige L; ZO. — 2. runzlige
Rübe od. Zwiebel, im Aa Kinderrätsel: Runggunggele,
Dickbumpele und a" der B. e' Bart.
Obwohl die erste Silbe in jetziger Ausspr. der meisten
Orte nicht Trägerin des Haupttones ist, so ist das W. doch
ans Zss. (mit mhd. runke, Runzel) entstanden; vgl. die syn.
Rumpumpele und Gurrgungek. — In den aus BSi. mitgeteilten
Spottversen: Du alte Bunggunggd, du kleine Nunds/utt, du
muest-dkh bekere', sümt jagt^mu" dich fürt — scheint das W.
masc. gewendet; doch dürfte das ganze Liedchen aus Deutsch-
land importiert sein, wo B-el richtige Femininforni ist.
Se-Gung(e)le: 1. von den Städtern gebrauchter
Spottn. auf Frauen vom See, wenn sie in die Stadt
kamen Zf. — 2. Se-, bzw. Stadt-G., weibl.. flatterhaft
gekleidete Person, welche aus den städtischen Verhält-
nissen der genannten Kantonsgegenden etwa durch Ver-
heiratung oder aus längerem Dienste in eigentliches
Landleben (zurück) versetzt wird und sich ungeschickt
zu demselben anlässt ZAuss. ; vgl. Ziiri-Munggele.
1 entspricht dem Se-Bueb. — G. bezieht sich auf die
plumpere Gestalt, Haltung und Kleidung (vgl. das syn. Land-
Pumeranz, gleichsam die kuglichte) oder auf das , Bummeln';
vgl. SeheUe, die ohne eigentliches Geschäft sich vom Hause
entfernende Person.
Gungge" I f.: Flasche Bs (Ochs; Spreng). —
Vgl. Gunggel 1 b. Gnngge 11, III und (?«>»;» Sp. 316.
Gunggis: 1. Gericht, bestehend in Äpfeln und
Erdäpfeln durch einander gemengt Bs. Syn. Miggis;
Binggis; vgl. Stunggis. — 2. Scheltwort G 1799. —
S. das folg. und Anm. zu Gunggel.
gunggle", ieMener gunggele, giing(e)le, „güngle'' :
1. intr. a) mit .haben', baumeln, schaukeln, wackeln,
z. B. von einem Stuhle, der dann Gunggli (m.) ge-
scholten wird (Th); von schwebenden Gegenständen
AAFri.; „Z"; bes. auch von Flüssigkeiten in einem
Gefässe Aa; L; Sch; Th; Z. Die Guttere [Flasche]
ist nid Ur; es gungglet, wenn-me'-si schodlet. In Folge
solches Schaukeins aus dem Gefässe heraus treten (mit
,sein'). 's Wasser ist-m'r zur Gelten üs g'gungglet Z.
— b) pantschen, klatschen, von dem Schall, den das
Schaukeln einer Flüssigkeit in einem nicht ganz voUea
Gefässe oder das Drängen einer solchen durch eine
enge Öffnung verursacht L; Z. Syn. guderen. — c) mit
,sein', liederlich umher schlendern VOrte; „Sch." —
2. tr., Flüssigkeit durch einander schütteln TnTäg.
— ver-: 1. Flüssigkeit verschütten ScnSt. — ^ 2. Ge-
tränke durch Schütteln trübe machen und verderben
Th. — Vwdt mit gangglen ; ' \g]. aber auch glunggen. Für
1 b liegt indessen auch Abi. aus gluggen nahe.
günggcle°, güngele": 1. müssig herumschlen-
dern S. — 2. mit einer Schelle läuten AAFri. — ver-:
vergeuden S. — Günggeli I n.: Glöckchen AAFri.
Günggeli s. Bas.
„güngelig: schal, abgeschmackt (von Getränk)
L." Vgl. Gunggel 2.
Günggerli, Günggi n.: Kosew. für Kinder BU.
üs-günggerle°: Bankrott machen L. — ver-
günggerle L, -güng- Bs: unnütz vergeuden.
Gangg— giillgg. (iaiigscll
iigst— gungst. (Jans
(ilunggeler, (iuiigeler iii. : weithin sichtbarer
WaUIbaum, der mit .Stroh iiiul Keisig umgeben, wel-
thos in Brand gesteckt wurde, zur Alarmierung des
Landsturmes diente; so i. J. 1798 S. Auch G.-Eich,
■Tann. Der Name ist einigen Örtlichkeiten bis heute
verblieben.
Villi • Gunijr/de = Kunkde? Die inännl. Bildung nach
AiKil.i^'ki anderer Baumnanien. Die Vcrgleichung mit dem
llmlisumwundcucu Rocken läge zum Wenigsten eben so nahe
wie diejenige mit einem zerzausten Schöpfe bei dem syn.
( Wacht-)Küz. Aber die Verdünnung der beiden k ist bei
diesem W. schweizerisch sonst nicht nachweisbar.
Gunggelori s. G-ingg.
Giingge II Gonka m.: = Gauggen (Sp. 170) Gr. Er
hcd d'r Gongga mid dem üfg'stützta' Falleli [Klappe]
über ds Glas l'g'hebt. MKüoni. — Chalber-J-o«I-a:
Au.sgussröhre an dem Kübel, aus welchem Kälber ge-
säugt werden, ebd. — Spielform zu fJolygcn Sp. 233.
Gungge" ni s. Glunggen.
Fisi-Gunggi s. F.-Gäuggis Bd I 1078.
Gnenggi m. : schlaffer, gleichgültiger Mensch; Feig-
ling Gl. — unune-guengge": ohne Beschäftigung
umher schlendern, ebd. — Zu Gunt/gd, Glungyi mit Diph-
thong-Entwiekelung des Voc. Vgl. auch Güei/gi Sp. 198.
Giienggli (t) = G^teg-M 1 (Sp. 160) GlK.
Mit Stammerweiterung aus Letzterem wie in der selben
MA. Grienygi für Griggi.
gängsch: 1. (von Personen) gelenkig, beweglich
(iTa. — 2. (von Sachen) das Gehen leicht machend,
z.B. von beijuemcr Fussbekleidung; leicht von Statten
gehend, ebd. - u"-: was nicht leicht geht Ar; schlecht
zum Begehen oder Befaliren GT. - Aus •gün,ji«,h mit
beliebter Sync.
(Jüngste,", in der 1!A.: Ki
Korn nelimen FS.
Gans— guns.
(Jans a) Gas Ar (PI. G'ese); BSi. (a nasal.); G
(z. T. mit nasal, a — PI. Gis). Gaus Aa (PI. GeHs,
-e", auch oBs); F (PI. Gaus); ,LG.", Gauss S nJ. (PI.
GeHss). b) Gans AABb. (PI. unver.); Sohw (PI. -.);
U (-J, PI. unver.); ZFehr. (PI. unver.), <?e% SonSchl.
(Vx'Ge'is, Dim. Ge'isli). c) Gas (PI. Gi's) GW. —
PI. Gänse", Gänse'' L tw. — f.: 1. Gans, jetzt bei
uns ein seltenes, im Gebirge natürlich unbekanntes
Haustier; dass es aber vordem unter andern Verhält-
nissen der Landwirtschaft auch hier wohl bekannt
gewesen, beweisen ausser vielen Sprww., Spielen und
den übertragenen Bedeutungen auch manche direkte
Zeugnisse, sowie Flurnn. (Gans-ägert, -matte, Gäns-
acher, -brunnen, Gänse'-hürnli, -mos {Geisse'mäs LE.),
-mätteli, -riet, Gänse' -hach {'i' Geisbach BAd.), -rain,
Gansere", Gänseier, Acker am Bach SBib., von denen
allerdings der eine und andre auf die wilde Gans,
Schneegans, sich beziehen mag) und Pflanzenn. wie
Ganse"krüt ua. In ZO. nicht bekannt. Drum schildert
das Storchenegg- Anneli nach seinem ersten Besuch in
der Stadt den rätselhaften Vogel zu Hause folgcnder-
Schweiz. Idiotikon. II.
massen: En grosse', wisse' Vogel; er hät-e' lange'
Hals, en breite', gele' Schnabel g'ha' und dann aw''
asc nithirlitif/. so hfcil. hreit Füess und hat e Mordio's
G'scJiiii q'liii" Kjiil ,i'ri(rfi schier w-ie-n-en Heeremgel
und Iiiit ihm II :iiiii Kuh ii ander d' Feckete verto' und
d' Auijc hall i/rasaiiiihlirh rcrrlicrt und äisig obsi"''
g'lueget und si"'' rj'sfrirl.t. (Smi/.) Gänse in Z er-
wähnt Bonstetten 11^1. .an.n. |,t pullos)' das Urbar
Beromünster. Die Utlii. A-vWiacnlos bekennt: ,Dem
Spitalhof von Z soll werden das zechend (Jensli; das
soll er einem abnemen, wenn es Gras abrupfet und
nit an den Ars fallt.' , Welcher uf der bröch ynzünt,
der soll den zun machen für die gäns, dann sy uf der
bröch gan sollend; ob aber sy hinüberflugind, sosoll
man sy b'schroten, und ob das ouch nit b'schäch, so
mag man .sy in den zun .stecken und hinüber werfen
[ihnen also den Hals brechen, nach dem Rechtsgrund-
satz: Eine Gans hat keinen Frieden].' Üffn. ZWetz.
, Welcher im zwing zuo Tietwyl gäns hat, die habend
kein weidgang, dann uf der brach.' 1530, Aa Weist.
1610 wird Einer von AAHendsch. vor Chorgericht ge-
straft, weil er in der ,Wynfülle' Gäns vom P'eld gejagt
und eine derselben erschlagen. JMüll. 1867. Natur-
anschauung spiegelt sich in folgenden EAA. E Hals
wie ne Gaus, ein langer S nJ. (vgl. , Schwanenhals').
Jung Gäns händ grossi Müler. Sulger. Hindcr enand
go" wie d' Gäns. ebd. Derher g'waggle' wie ne G.
ebd. Derzwäris [quer] dri' luege", wie ne G. uf e
Bitsgi. ebd. (Etwas angucken) wie ne G. (e Chats,
e Geiss) en alt Schürtor. ebd. Schnädere' [schnattern]
wie ne G. Aa. Sonst heisst ihr Geschrei prieschen,
gägen usw. Schnäderet (gäget, gägget) e G., so schnä-
dere"d all G; Sch; Th. S. gagen II {S\>. 130), gageren
(Sp. 140). Mit Bez. eben auf das Gekreische heisst
es : Drei Fraue', drei Frösche' und drei Gänse" machen
e Jörmärt. Ineichen. Vgl. gagen II (Sp. 139). Die G.
ist gefrässig und zudringlich; daher kann Einem wohl
beifallen : , Wött eh, dass d' Gäns mich hätten g'fressen !'
Myricäus 1630. Die Gänse halten sich gerne im Wasser
auf. ,So würd hindennach ein Baden [von Seiten der
Wiedertäufer] wie Gäns im Rhyn.' 1525, Siml., Uik.
Vgl. noch pfnaderen. Wasser uf e G. [giessen] be-
zeichnet darum eine verlorne Mühe Sch. De het au"''
Gänse' im. Bach, braucht Andere nicht zu verspotten,
da die gleichen Fehler ihm auch ankleben LAatal.;
vormals muss diese letztere RA. Obliegenheiten, in
welche man verwickelt ist, bedeutet haben (vgl. Werk
an der Kunklen): ,Grosse Herren, deren Huld doch
Aprellenwetter ist und die jederzeit so viele Gänse im
Bach haben, dass sie ihre Versprechungen selten halten
können.' JJUlr. 1733. Die Gans wird über jener
Gewohnheit zur Trägerin einer Wetterregel: Göd
d' Gäns z' Martini uf'sis, se got si z' Wiehnecht im
Chod Aa. Wasser i.st auch ihr Getränk: Mit de' Gänse'
trinke', mit Wasser vorlieb nehmen. Sulueu (vgl. den
Ürtsn. ,Gänsbrunnen' und ,der gensen wyn [d.i. Wasser]
trinken.' Aal 1549); ,zwen tag brucht ich den wasser-
krueg, han mit den gänsen trunken g'nueg!' JMukek
1575; daher der Trostspruch bei geringem Ertrag der
Weinlese: Me' cha" mit de" Gänse" trinke', aber
nid mit-ene" esse". Si'lger. Von einem unbärtigen
Jüngling sagt man: er ist no''' mit de' Gänsen im
Strit (ebd.), als ob diese streitfertigen Tiere ihm den
Flaum ausgerissen hätten (vgl. brem. ,niit den Giisen
im Prozess liegen'), oder Strit i. S. v. Wettstreit (mit
'31
371
Gans, gens
gms, gons, guns
jungen Giinsen ; vgl. engl, gosling auch von den flau-
migen Pflanzenkätzchen). Sonst ist es an der G.,
gerupft zu werden : Me" rupft die G., wo [welche] i^^-
dere" het Aa. Daher bildl. : ,Dass es uns träge doppel
g'winn, uns ouch werd von der g. ein feder.' Aal 1549.
,Dass man bei der schwere [in Hülle und Fülle]
hinzuo truoge und inen auch ein f. v. d. g. wurde.'
SHocuHOLz. 1591. ,So hat er ouch ein federen von
diser g. haben wellen.' Rüeger 1606. ,Und wird ein
Jeder ein P. von diser G. rupfen wollen.' Kittkelst.
1655 (T.). .Das gänsli rupfen' erscheint auch als Spiel
in einem Verbote des Sch Kates 1538, in welchem es
ein .ungewönliches' genannt wird. Vom Gans-abe"-
hawe" als einer veralteten Belustigung in LG. redet
JStaifelb. 188'2, 13 f. (vgl. GansUpfet, -Tödete). Die
G. ist einer der vielen Ihm .In Ti.Mwelt gesuchten
Typen der Dummheit, ziiii:irli-i im- .las weibliche Ge-
sohlecht; vgl. ganseren, giin^ilni .■ Omisilreck. Es meint,
es slg die G'scheitsti rw'' und isch e G. in Folio.
HiNDERM. 1866. Aber auch ohne Beschränkung auf
ein bestimmtes Geschlecht: ,(Ein) G. über Meer,
(ein) G. wider umen (heim).' JJHin i ir.hi;; ATIküport
1669. ,. . . und gaga wider heim.- Ili.-i i\. 1.;-:;. Vgl.
gaga, gagele". Damit hängt die w. ^w . 1 1. ii.l.' lit-Iiand-
lung, welche der G. in gewissen KAA. zu 1 eil wird,
zusammen. Es isch nid um der Gäiise wille', nicht
umsonst BsStdt. ,Nun kann man's kum den gänsen
klagen.' Gletting 1557. ,Müssiggänger sagen, der
Spital [als Altersasyl] seie nit den Gänsen gebauet,
sonder den Menschen.' JJBreit. 1616, und ähnlich bei
SHocHHOLZ. 1591; RüEGER 1606. Klugheit bildet die
Ausnahme: E g'schldi G. hat aW'' scho" es Ei la'
falle" Z. , Einer witzigen G. kann auch ein Ei ent-
fallen.' Hospin. 1683. ,Eiii misw.^isy G.. od. die gleich
.spürt, sagax anser.' Mm,; II..,i'i\. Er hat Gang
z' Vielehe", It Sprww. l>i:'' 1'.. /.i. Imnng heimlicher
Schlauheit; anders erklärt Sikin..: .liauf^e melken, ins
Wasser reiten, von einem Kerl, der Nichts zu tun hat
und daher etwas Verkehrtes tun könnte. StMarkus,
bzw. der 25. April scheint eine bes. Beziehung zur
Gänsezucht zu haben (vgl. StMartin): ,Wenn S.Marx
Einem eine G. schenkt, muss man ihn darüber zu Gast
laden, so schenkt er übers Jahr wider.' Mey. Hort.
1692. — Im Kinderhaushalt heisst die G. ,Eappel-
schwanz, Langhals'. S. noch Schitli. — Geschlechtsn. :
,Gänsli, priester.' XIV., TflTän. Jahrzeitb. — 2. (Gäsli)
kleiner Säger, rnergus albellus. Bodens. - - 3. Ganseli
(Dim.), halbentblösst, im Hemde dastehendes Kind Z
(Dr. Jucker). Vgl. naekigi Geiss. — 4. Krug mit
Ausgussschnabel. ,Das gänsli, ein krüseli, anserulus.'
Mal. — 5. ,Membruni virile.' Mal. — 6. eine Art
Sch if f. ,Gans, -li, Gau(n)sli.' L Schiffmstrb. Anf. XVL
,Wenn Einer mit Rossen an diese Schiffländen [zu
ScnwBrunnen] kommt und diese in einer Gaus möchte
geführt haben.' 1627, Absch. Auch als Eigenn. : ,Gans,
ein gar grosses, spitziges, eichenes Schiff, so derer von
Uri war.' MRoss Anf. XIV. Etwas später heisst das
Adrairalschiff der Luzerner so; ebenso das Hauptschifl'
der Schwyzer im alten Zürichkriege; vgl. Ent (Bd I
354); Fuchs; Bär. Abi. Gänsler. — 7. Geflecht aus
Binsen (Entenrueten) wie eine Ente oder G. gestaltet,
ein von Knaben verfertigtes Spielzeug, welches sie
auf das Wasser setzten Z f. Vgl. ,Floz aus binz ge-
macht oder [aus] knospen [Blättern des Sumpfkolbens].
darauf die knaben lernend schwümmon, mit einem
Schnabel als ein g., scirpea ratis.' Mal.; Syn. Wudli
(eig. Ente). — 8. Geissli (Dim.), Frostblätterchen ;
Gänsehaut Tu; vgl. g'gänslet. — 9. Gaus, Ziger-G.,
in BHa. auch Gugger-G., auch Dim. Gü'ssli BHk..
Guggergausi BGadm. — Fl. Gauss — f. BHa.; Uw,
son.st in. (auch in Uw), ein aus den zweiten Milcli-
niederschlägen (Ziger) bei der Käsebereitung gewim-
nener Ballen, welcher erstellt wird, mdem man den
gesanmielten Quark, fetten in einem Gasentuche, ma-
gern in einer Einfassung von Tannenrinde, an die
Luft hängt und das Käsewasser abtropfen lässt; vgl.
Gugger III (Sp. 189); Gitzi. Dieses Gericht diente
ehemals für sich allein zum Abendbrote, bis Kartoffel
und Kaifee sich ihm beigesellten B; Vw; vgl. Gaus-
ziger. Mer händ [wir haben] erst nacht e schöni grössi
Zigergauss und Holdermuoss darzue z' Nacht g'häbe"
— berichtet die Hausmutter ihrem Manne ins Feld-
lager. JCWeissenb. 17111. Heilige'' Bisclwf Samichlaus!
schleik-mer [bringe mir] aw'' e Zigergauss, nid e chllne'
und nid e grosse', ''ass-ne' g'rad mag i's Mal ine"
g'stosse'! war ehemals die bescheidene Bitte der är-
meren Kinder, welche sie den Rosenkranzgebeten an-
fügten, die die Jugend, wenn das StNiklausfest heran-
rückt, jeden Abend bei offenem Fenster hersagt aScinv.
Su'ffi, Schotte und Zigergaus, das teird dernah st"
Ise' [unser] Schmaus. Balz 1781. S. auch Bauch-G.
Die Lautformou des W., welches wie kaum ein zweites fast
iu allen Dialekten uud MAA. Vocalisierung des n erfahren
hat, beruhen auf den bei Fromm. Ztschr. VII 33. 35. 333
erörterten Gesetzen (,In unserer sprach : Gauss, Gauss.' Vogelb.
1557; Plur. ,Geins.' ZRatsb. 129'2/1371), wobei äu unmittel-
bar aus au umgelautet ist, ei aber auf an zurückgeht, die
Form mit aufgelöstem n sich für gewisse Bedd. ausschliesslich
festgesetzt hat, weil das Bewusstsein des Zshanges mit der
Grundbed. sich verloren und Vermengung mit dem homonymen
W. Ociss (welches wie die hier folgenden Zssen nai;hzasehen
ist) Platz gegriffen hat. .\us letztcrm Grunde ist die Deutuug
mancher mit (?ei'«< /•>-.-. rilin, . n- uud Flurnn. unsicher. In
dem verbreiteteu K.,. i r-| . u )[. : 'riggi'i yayyif Eü^nnuesI
d' Geis» gät (d' 'i'..- '- , , .'. i«n-fuees, passt die Ziege,
deren Klauen ja s..iivi ..N s.liiilii aufgefasst werden, keines-
wegs, während die Gesellschaft v.jn Henne und Güggel, der
Stall hinter dem Stubenofen und bes. die Einleitung, welche das
Geschrei eines eierlegenden Vogels nachahmt, entschieden auf
die Gans deuten, welcher denn auch in anderen Fassungen
des Spruches (neben den Var. d' Hennen, d' Hüener) der recht-
mässige Platz gewahrt ist; so bei Rochh. Nr. 247 frf' Gäu»
ySnt); SO in B; Gr; G; S; bei Simrock, Wander u. A. Es
ist leicht ersichtlich, wie ein rein lautlicher Vorgang eine
Vermengung mit dem W. Geim anbahnte, die dann in dem
bei Rochh. Nr. 226 aufgezeichneten Spruche auf die völlige
Vertauschung an den Begriff .Ziege' auslief. Der nämliche
Vorgang wiederholt sich bei Geiss(e')- und Gämebluem, -giicK.
Der Bs Flurn. Geiapel wird als .Gänsespiel' i. S. v. Gänse-
weide erklärt. Unsicher sind dagegen die folgenden Fälle:
Geiasgicht, welcher Ausdruck sich auf die Vorstellung ,Gänse-
haut' oder auf diejenige der ,Ziege' (s. ver-gib!en) beziehen
kann; Herrgaiieyeis, Marieukäferchen, das auch H.-Küeli be-
titelt wird; naekigi Geisse nackigs Gauseli ; Haber-, Himmeh-
geim, ein geheimnissvoller, nächtlicher Vogel mit mäckernder
Stimme. Vgl. noch Grennel usw. Das verschärfte », welches
bei der Vocalisierung des n die Eegel bildet, tritt teilweise
in denjenigen MAA., welche dasselbe als Auslaut erweichen,
wieder ein, sobald das W. zweisilbig wird: Gäsdi Ap, Gmae-
Uüemli GO. An einigen Orten werden die VVortformen für
Gaus und Ziege dissimiliert: in Bs Geime'l = Gänse, Geitm"
= Ziegen; in G Gas (mit nasal, s) verschieden von Gast.
— Der Umlaut (ä) im Sg. erscheint schon im sp. Mhd. zu-
weilen, ebenso in manchen MAA. Deutschlands. ,Gens', Name
Gans, gens, gins, gons, guns
374
eines Hauses in Bs (Platter 1612). Nicht im selben Range
mit obigem (dem PI. oder dem Namen für das Männchen,
genz, entlehntem) ä steht dasjenige der GWe. Form, wie die
davon abweichende Pl.-Form zeigt; vgl. vielmehr die jener
(legend eigentümliche hohe Aiisspr. des a in Gras, yär usw.
— In Zss. tritt das W. (wohl aus rhythmischen Gründen)
gerne zweisilbig auf, z. B. Gansehirni B. — Bed. 3 erinnert
an das federnlos aus dem Ei geschlüpfte Gänschen, viell.
auch au die ,Gänsehant'.
druck der Volksspr. a
lies lat. sei) wohl wege
uiul wohl nach ähnl
Viell. bezieht sich der
st mit .Giiggais' der
lie g. g'sotten' = nun
wie das ähnliche icz
i. (vorausgesetzt, dass der Aus-
■ iMi'i iii.lit blosse Übersetzung
, ! : - inleii Ausgussschuabels,
^1 M- auch 5; ebenso 6.
I — mg. führte Name ,Gänsfar'
auf diese letztere Bed. — Zu 9 vgl. das nahezu syn. Vocjel 8
(Bd I 692). In Schweden bezeichnet G. ein Stück Butter
vou gewisser Form. Auch mit andern Tiernamen werden
Gerichte bezeichnet, z.B. Gutjijer; Km-Happech [Habicht];
(litzi; Henijst; Ankenbock. Es ist nicht notwendig, mytho-
logische Bezüge für diese Bedeutungsübertraguug zu suchen,
da Form und Farbe des Ziegerballens genug Anhalt darbieten.
Dass das Genus sich nicht durchweg zu der Vorstellung ,Gans'
fügen will, ist durch Anlehnung an andere Benennungen,
zumal bei einem Ausdrucke, dessen ursprüngliche Bed. dem
Sprachbewusstsein des Volkes abhanden gekommen, wohl er-
klärlich: ebenso dass die Grundform des W. durch die sekun-
däre ganz verdrängt ist. — S. noch Gmjit (Sp. HO o.); Gagerith.
Gugel-Gans: dummer Mensch. ,Also lachen ich
iler G., und wänt ieder, er sye Gross-Hans.' NMan.
Da die WW. an einen Doctor gerichtet sind, so bezieht
sich der erste Teil der Zss. auf die Amtstracht; s. Gugel II
(0. Sp. 155).
Gugger-(?a«s('0 s. Gans 0.
Guggei- = Zieger, Quark. Viell
Ap Reimchron. S. 138. 146 (,Do wa
war der Schaden am Tage, wohl iro
liiinrl «■ ni Chäg, die Bescheemng) nichts Anderes als das
obige W., was bei der nachlässigen Art, mit welcher der
Verfasser jener Chronik die Sprache behandelt, wohl an-
nehmbar ist.
Gänse- (LE.;Uw),6ause-(AAltEochh.),Geis«e-
{\k; L), Gise-, Gisi- (Aa; LPfatfn.), Giri- (AAHottw.;
ZVelth.), -Gänse gespr. GeHsse AäKöII., als Sg. meist
dini. -Ge'iseli Aa; L, -Gäuseli Aa It Rochh., auch
■Geissei Z, -Giseli AaL., Rupp., „-Gisseli Kk," -Güseli
AASchinzn., -Gisserli LE. (Durh.), -Gismeli AaZoT.;
l'w, -Gissnieli LE.: Masslieb, bellis per., inAASchinzn.
auch: Wucherblume, chrjs. leuc. Syn. Geisse-Gigeli,
-Bluemli.
Scheint eine redupl. Zss. von ,Gans' unter Übergang und
Anlehnung an ,Geiss' zu sein; das Vorherrschen des J-Voc.
(vgl. auch das syn. Gisse-Bliicmli) weist auf Anlehnen an
einen andern Stamm (vgl. etwa Glisserli). Das Pflänzchen ist
ein Lieblingsfutter der Gänse, von deren Düngung es auch
bes. gern wächst; die obigen Namen konnten aber auch Bezug
haben auf die Farben des Vogels, welche sie vollständiger
malen als die Synn. Müller-, Milch-Blüemli. Giri Ist bloss
euphon. Ausweichung oder zu erklären wie in Giri-Gitz.
Dass eine Zss. mit ,Gans' zu Grunde liegt, beweisen ausser
dem altern und weiter verbreiteten Syn. , Gänseblümchen'
das weiche « und die von H. fixierte Ansspr. des Diphth. (iu>.
Zu der Vertauschnng mit ,Geiss' vgl. die Zssen mit -li«;./,
-Glöggli, -Maien, -Bluem. Der Verlust des etymol. Verstärnl-
nisses verrät sich auch durch die sinnlose Ausweichung GIuk-
Hlüemli. Die redupl. Zss. scheint das massenhafte Beisammen-
sein der Blümchen zu symbolisieren.
Huppeli-Gans: G. bzw. Ente mit einem auf-
gerichteten Federbusch (HuppeliJ auf dem Kopfe L
(Mohr).
Rauch-: der unter G. 9 beschriebene Ziegcrballou.
sofern er im Hauche aufgehängt wird BHa.
Eot-: eine Mowenart des Süsswasscrs. ,Gavia,
Mewe, R., Alenbock.' Denzl. 1677; 1716. — So benannt,
weil Schnabel und Füsse rot sind.
Se-Geiss: 1. Tauchergans, Gänsesäger, mcrgus
merganser. Bodensee. Syn. Finder, Ganner, Se-Katz.
— 2. Se-Gänsli n., weisser Sägetauchcr, mergus al-
bellus. ebd.
Sehne- {Gans A&Bh., -Gaus, PI. -Ge^is Aa It H.,
-Geiss Aa It H.; Z (neben -Geisse'): 1. wilde Gans,
Graugans, anser cinereus. Sic zieht im Herbste bei
uns durch. Los;' los [höre]! was schreit so i" der
Luft? Was chunnt, was chunnt diithar? Schnegeisse
sind 's — nei' lueg, nei" lueg! — e grössi, langi
Gschar. Weusch [ich wünsche] Glück zu eure'' wtte'
Reis; si mach-i [euch] tuenig Mileh! und ziehnd cso
im Chettefiug recht hübsch go Mailand ie [hinein]!
Stütz 1850. Si [Weiber, welche in der Reihe hinter
einander gehen] chömme''d wie d' Schnegäms Z. letz
gent, wo-n-er h'erlo" sind, ir Schnegäns! Bs (Schwzd.).
,Die unseren haltend die wild g. für ein tier, so gar
lang leben mög, also das», wenn sy von einem gar
alten reden wollend, sagend sy: Er ist als alt als ein
sehn.' VoGELB. 1557; vgl. WWäckerk. 1874, 180. Das
ist viell. aucli gemeint mit dem Personenn. .Hans
Marquart, den man nemmt Sehn.' 1568, AAWett. Arch. ;
doch vgl. auch den Eigenn. ,Schnevogel'. — 2. Schnee-
huhn, tetrao lagopus GG. (Alpina).
Die Anlehnung an den Namen der Ziege mag wie bei
Häher- und bei Himmelgeiss durch die Stimme des Nachts
(also ungesehen) hoch in den Lüften mit grossem Geschrei
durchziehenden Vogels gefördert worden sein. — 2 beruht
auf der Vermengung zweier gleich seltenen Gäste.
Schnäder-Ga»is, -Geiss: Schwätzer, Plauder-
maul Z.
Win-: Säuferin. ,Der war ein schöner aber lieder-
licher Mann und sie ein vertrunkenes Weingänsli.'
1568, HBuLL.
Das Bild beruht schwerlich auf Gans 4, sondern vieluu;hr
auf einem Gegensatz zu dem Vogel, der viel Wasser trinkt.
7Ager-Gaus s. (?o«s .9.
Ganser m.: 1. Gänserich Bs; „li; L;- Mal. .Wel-
cher den hof innhat, der muess haben dem dorf den
g. zue den gensen.' AAWürenlos Offn. — 2. „dummer
Mensch B." {St.'') — 3. Handziehschlitten, kleiner Lei-
terschlitten B It St.'' u. Zschokke 1797 (-lij. — 4. eine
Hustenseuche. ,Zu Basel wie auch in andern Landen
gieng ein starker Fluss und Hu.sten um, welcher vil
Leut hingenommen; ward genannt der G. od. Bürzel.'
Gross, BsChr.
3 bezeichnet wohl das schnabelartig auslaufende Geräte:
vgl. Gansei; Garn 6; auch Gein«. — 4 viell. nach dem dabei
erzeugten Tone.
gansere": gedanken- und zwecklos herumschlen-
dern; Etwas ohne Fleiss und Ernst verrichten BU.
Gansinge": fingierter (Mtsn. ,'iV ist rit" G.. d. i.
dumm. Sprww. 1869.
Gänsel — PL Gänsle' — m.: Kiiidcrsclilitten. im
Gegs. zum Murri aus Stäben verfertigt BRi. — Syn.
Gemseh, Geim. Vgl. Ganser .1.
gänsele(n): 1. „nach Gans riechen od. schmecken."
— 2. „dumm aussehen."
(jänserich {Gäiserech Aa) m.: 1. GänscMuli Aa.
— 2. (länsefingerkrant, poteMtilla anserina 1!.
Gans — gnns. Gansg — guiisg. Gansch — gnnsch
2 angeblich, weil von den Gänsen mit Vorliebe gesucht,
anf Ganseweiden häufig wachsend, viell., wie der frz. Name
hec d'oie andeutet, eher wegen der Gestalt der Pflanze ; vgl.
noch die Formen Grünsd, ahd. ynmftmc, neben genvinr.
gäiiserig,gänslig: starke Prostempflndung durch
die sog. Gänsehaut zu erkennen gebend. Oänserig
loerden; gänslig dri'g'seh". Spreng.
gänsi»: aus Gänsefleisch bestehend. Subst. Gän-
sis ScH.
gänsle(n): (unpers.) es gänslet-nü"', schaudert
mich. G'gänslet, von Gänsehaut überlaufen Scn.
Gans 1er Gäusler m. : ehemals eine gewisse Klasse
von Schiffern, welche nur Personen beförderten Schw
Brun.; s. Ge-fert Bd 1 1038/9; Gegs. die gross Schiffi'g.
S. Gans 6.
gänslig s. gänser ig. starr e"-gans s. st.-gangs
(Sp. 353).
Gansaner m.: eine Art Baurawollengewebe. ,Alle
Burger, so Gwerb trybent mit Waaren, als Gansauger
(Gansüuwer). Bettbarchet. Trilch. Tuech udgl.' Z Zoll-
"i.ln. K;:;;' 1711. .Der Tii,vl,l,.|„.|i halber sollen alle
.lhjriii-,.ii r.rii-vr, .„ iiu- sirli ^.•lbst, Tüechlein,
\\ i.-ii,T. kli'iii uiiil L;-i"^sr Sclili'icr. G., Mousellinen.
Jlattelotteii, weiss und gefärbte Iiidienen, gedruckte
Mouchoirs garnis, und von Allem so aus Baumwollen
geweben wird, selber machen oder durch Landleute
rauh machen lassen, Fabric-Schirmgelt zu bezahlen
schuldig sein.' ebd. 1725/57. — Gewiss nach einem Orte
benannt; etwa nach ,GansaH' in Böhmen?
Günsel ni.: das it. ,console', ehemals Titel des
Gemeindevorstehers im Tessin. ,Dem Seckelmeister,
Dolmetsch, Weibel und Gunssel und den Amtsleuten
soll Nichts ausser einer ziemlichen Zehning gegeben
worden.' 1547, Absch.
„gunsle(n): schmeicheln; ab-, er-, Etwas mit
Schöntun erhaschen ü." — Wahrsch. ungenaue Schreibung
für guc- und dann Nbf. zu guenzlen (s. d.).
Güns Güss resp. (?iss VOrte; GRÖSax. ; Schwarzw.,
Göiss Aa; BU.; UwE. foij; Z — m.: durchdringender
Schrei als Ausdruck sowohl der Freude, des Wohlseins,
als des Schmerzes oder des Schreckens; von Menschen
und Tieren. Es hät-m'r en Stich g'ge'; i'* hä' do
emmel au"'' en G. dbg'lö". Stutz. Si lat en G., denn en
wverschants Ästli ist-eren i" d' Frisur cho". Schwzd.
In den westl. Kantonen auch von leblosen Dingen :
Die Orgele lät numme es Paar verflüemeret Geuss iis
u"' es Paar Gi.ve. Dr.Bäri 1883. — Ge-güns hlss,
l-öiss n.: Gekreisehe.
günsen güsse (gisse) BO.; VOrte; GRRhw.; GA.;
W, göisse Aa; Bs; BSi. (Hl'-J, U.; LG.; G (tw. -s'-);
Seil; S; UwE. f-oi-J; Zotw.; Z, geuchse ApSchön.:
1. (von der Stimme) einen schrillen, durchdringenden
Schrei ausstossen, gellen Aa; B; VOrte; Gr; GA.; Z;
stoss weise Aa; Mordio g., um Hülfe rufen ScHwMa.;
kreischend singen Z; in hohem Tone rufen, mit
schreiender Stimme sprechen AaF.; LHorvv; bes. vor
Schmerz oder Schrecken aufschreien Aa; BU.; Gr;
L; S; Uw; W; Zg; Z, von Menschen und Tieren
(Hunden) : Und bissest au"'' am härte" Brod e Zand us,
darfst nit güsse". L pol. Lied 188'2. .Wenn Einer einen
Bengel unter die Hund wirft, geusset der, wo [den]
es trifft.' Sprww. 18'24. In AAZein. nur von Tieren
(vgl. Winsen); und nur uneigentlich etwa übertr. auch
von leblosen Gegenständen, z.B. der Lokomotive; im
S. V. Winsen (s. d.) vom Pferde GRRhw., (uneigentlich)
bei Stutz vom lauten Niesen : Du göust ivie 's grdst
Boss; vom Schweine BSi.; Schw; W; er hei g'göusset
wie iie taube Munistier. Gesprach 1712; kläglich beulen
BStdt (wo die Beziehung auf Menschen statt brüelen
für trivial gilt); L; .ejulare canino more.' Id. B; stoss-
weise weinen, um Etwas zu erzwingen AAHold.; Bs,
in AABb. nur uneigentlich vom Weinen. Seltener :
Ausdruck unbändiger Lustigkeit Z; bei MUsteri von
einem Hunde, welcher in dem vorerst zornig An-
gebellten einen lieben Bekannten erkannt hat. —
2. übertr. a) vom Klingen des Ohres W. — b) hell
knarren S; Syn. karren. Do oder dort chlapperet no'''
ne Stalltüre und geusst ne Wasserpunipi. BWvss 1863.
— Günserling Gilsserli'g m.: der einzelne Schrei;
e G. ablö" GA.
Mhd. gunndn, plattd. günse(l)n, wehklagen ; Schwab, geinsen,
gemun, knarren. ,Ginisen, seufzen, steenen, gemere, gemiscere.'
Red. 1662. Möglicherweise gehört hieher auch: ,Mussitare,
runeu, güsseln.' Ebinger 1431/38; nur ist die Ausstossung
des n in so früher Zeit selten. — Betr. die Ausstossung des n
s. Fromm. Ztschr. YII 25 f.; 200 ff. — In geurhsn ist wie
in dem syn. ivichsen (aus wtmen d. i. winaen) di müssig oder
begriffverstärkend eingeschoben, wie umgekehrt organisches
cÄ vor « nicht selten verschwunden ist. Vgl. noch die Synn.
gäuxen, gäUTxn, ferner gimgen. — Fernere Synn. gipsen, gepsn,
f fixen; hünzgen; Jüzen.
Günsel, auch Guide»-, Wise"- (Durh.): wie nhd.,
ajuga reptans Aa. ,Gunsol: sana munda.' XV., Lie-
benau's Arzneib. ,Von guldin Günsel, Walwurz und
Sanikel. Die Pletter und die Wurzel habend sondere
Kraft, die Wunden zu heilen; dahar pflegt man zu
sagen: Wer Günsel und Sanikel hat, piet Trutz dem
Wundarzt mit eim Platt.' Arzneib. ZoUikon 1710. —
Aus lat. conmlidn (vgl. frz. consnui]<).
ginsge(n): stöhnen BBe.
Lässt sicOi nach der dortigen MA.
lärt sich dann als Weiterbibluns; v.,
Gansch gunsch.
an -gen seh s. -gend.
„Ginschet", Gintscbet „m.", n.: Türklinke W.
„Gansch m.: Geschirr, mit welchem man die Kälber
säugt Gr." — It. coiu/io (lat. mtigiim), s. Anm. zu Oiiii.
Gnnsclier GRScuolras, lii- GrD. — m.: Geschwulst,
Bausch, Beule.
Ge-Ganscher n.: Geschnatter, Kauderwelsch. Die
Wältsche' hei" e apparti Mugge [Zorn] g'ha" uf das
Pfauegunscher [das Patois des Dorfes Pfauen]. Gotth.
gunschere(n) : 1. schnattern, schreien a) von
Gänsen und Enten; b) von Birkhähnen Aa. — 2. von
Menschen, lebhaft durch einander oder sonst unver-
ständlich schwatzen Aa; B, z. B. von der Sprache der
Juden, vom Lallen, Plaudern des Wiegenkindes, in
letzterm S. auch -erle' BS. Syn. guschlen.
„gnnschle(n), gü-", guntschle": schwappelii
von dem flüssigen Inhalte eines Gefässes LRigi. Syii.
giinggen, guntlen, gautsehlen.
Ganscli - gniiscli. Ganst— gimsf. (iiint— guiit
378
Uünscll 111.. PI. -e", „Güntsch": Winter- und
Haiisscliulio ans „Ziegenhaaren", Tiiohenden gefloch-
U-n ScnwE. Syn. J'V(d-/r(Bd I 8G8 f.); Guntxch-Schueh.
Gatvst gunst.
(iiinst, Gfiit Gr tw., Goiiit Ax; Bs; Z — m.
(mcMlern f.): 1. Gcstattung, Gewährung, Erlaubniss.
.Unsorn g., willen und erlouben darzuo geben.' 1482,
ZOGlatt. .Ana g. und wüssen einer gemeind.' 1524,
AiiscH. ,Mit un.serm g.' ebd. ,Ire g'müet zuo eren
und i'lichem g. biegen.' HBi'll. 1540. ,Mit g., wüssen
und willen syner erben.' 15.37/44, Schw LB. ,Die ich
(mit eunn g.) gezeichnet hab hieher.' JHAmm. 1657.
3IÜ G., Höflichkeitsformel, mit welcher man um Ent-
schuldigung bittet; Syn. mit Verlaub. I''' ha" denn
HO''' Nüt ff'ha', m. G. ! sagt der Tischgenosse, welcher
selbst zugreift Z. Bes. wenn man etwas Unangenehmes
sagen oder einen uiuipiietitlichen Gegenstand erwähnen
will, salva venia. Mit G. z' rede'! 'i. ,Uer bös fyend
hat nit gewalt, m. g. z' melden, über ein stinkende
suw.' LLav. 1569. .Dann er m. G. z' melden am Harn
Nut gelitten.' 1576, Mise. T. ,Er wolle die von N.
lehren ihme stelen, oder, m. g. ze m., der Tüfel trage
sy dann.' 1587, Hagenb.. Sigr. ,M. G. zue schryben,
Schweine, Hennen oder Gans.' 1610, G OUtzw. —
'2. Gewogenheit, Wohlwollen; Gefallen. .Rauch ist
viler Menschen Goust' Stutz. Es Mesli [der 16. Teil
des Viertels] Goust ist besser weder es Viertel Recht Z.
G. (jöd ülier Chunst. Ineichen. Jindm s' Goiiste' spre-
che" [vom Gerichte] Z. ,Was gunsts und willens oder
fründschaft.' lö'2ö, Absch. ,Den g. hat er von yeder-
man.' Aal. .Frigus, ein böser g., als wenn einer sich
fleisst, den g. des gemeinen manns ze überkommen
und er denn aber grob feit.' Fris. .Ich beger deines
g-s, volo tuam gratiam.' Mal. ,Hat mir den G. getan.'
JHAmm. 1659. ,0, dass ich nicht dem Bauch, dem
Weltgunst diene!' AKlingl. 1688. ,Uer G. ist ver-
schütft' Mev., Hort. 1692. ,G. geht für Gespunst'
ebd. ,G'rechtigkeit verbleibet nicht, wo der G. das
Urtel spricht.' JCWeissenb. 1701. .Nach dem G., den
du gegen deinem Volke hast.' 1707, Ps.; dafür: .Gnade.'
1860. — 3. persönl., in höflicher Anrede. ,Üwer lieb
und g.' HBuLL. 157*2. - Betr. die Formen ohne v s. Fromm.
Ztschr. VII 25. 200 und noch bes. 202.
Un-: das Gegenteil von G. 2. ,Grosser U. ist ent-
standen.' 1524, Absch. ,Invidia, die schmach und der
u.' Fris. .Welchen U. Niemand gern ihm selbs auf-
ladet' WURSTISEN 1765.
Ver- GüHAr(-ö-); BO.; Gl; GWe.; Th(-ö-);W,
-Gouit Aa; Z — m. (f. Gr): 1. Missgunst, Neid Aa;
B; Gl; Gr; GWe.; Sch; Th; Z. Der Brief habe .den
grossen v., Unwillen und versagung des rates merken
lassen.' 1523, Egli, Act. — 2. Gunst, Erlaubniss. Mit
V.! Aa (H.). — vergunsten: 1. intr., einwilligen,
zustimmen. .Ich vergunste es nit uft" ze nemen.' KSailek
1460. Mit Dat. S. .Also vergunstet er dem rat des
kunges, persuasioni consensit.' ebd. .Iren taten ver-
gunstende. actibus consentiendo.' ebd. — 2. tr., gut-
heissen, vergönnen, bewilligen. .Bat uns, den kouf
also ze geruochen und ze v.' 14'29. Z Urk. .Das soll
inen ein Herr v.' 1433, ebd. ,So mag er vergun.sten,
das farend guot ze geben, wem er will.' 1139, ZMttnch.
Ortn. .Das im ouch mit recht vergunstet ward:' 1449.
SiHw l;i|. .Baten uns. söllich ablösen [eines Zinses]
zu v.' 1495. Zellw. .Das vergunsten ze tuon.' 1479.
Mev.. Wetz. — vergünstig -««f- Aa; GWe.. -günstig
GrD.. -Üit- Ap (-Ö-); BLaut. (-7-); Gl; GT.; Tu. -öi-
L; Z: 1. neidisch. miss;,aiiistiir .\a; Ai-; Gl; Gr; L;
G; Th; Z. V. sl' m. Ar,'. iCn ) S. De'' hed 's aber
ml (j'merkt, wi'-n-em de T<nu/ Allrs p. ist. RBrandst.
1884. .Der Herbst hat heuer seine Gaben ausser-
ordentlich ungleichartig ausgeteilt, indem Manche sehr
viel und Andere äusserst wenig einheimsen durften;
unsere Leute sagen deshalb, der heurige Herbst sei
ein vergünstiger gewesen.' Sch (Allg. Schweiz.-Ztg).
.Einer eidgnoschaft weder trüw nach hold, sunder alles
unsers glucks und wolfarung vergünstig.' Kessl. —
•2. unfreundlich, mürrisch BLaut. — vergünstigen
= vergunsten 2. ,Wenn es vergünstigt wird.- 1607.
Ztschr. f. Sehwz. R. .Pharao vergünstiget ihnen das
Land Gosen zu bewohnen.' 1667. Gen. — Vergün-
sti"g f.: Missgunst, Neid Aa. I)o hend si alli heidi
enand liherments Nüt mP esse" lö" und sind z'leit alli
beidi a" der Venjöiistifi ifstorbe'. Schwzd. — Ver-
günstli"g -ijd^iriiiji 111.: Neider Ai'. — Vergunst-
nuss f.: Gunst. .Mit willen u. v. des Junkherrn.'
154'2. Foffa. Münst. - S. au.h V,r-Il„n«i usw. und .;,,-
gunnen.
M e n s c h c n -. M. und Vocjehj'sang, das chld't [tönt |
und uiirt nid lang ZWl. — Rätsherren-: besonderes
Wohlwollen. .Er kaufte mir das Häuschen um einen
Preis, dass er nebst obigem Vorteil noch R. von dessen
Verkäufer zu erwarten hatte.' Schweizerb. 1820.
ab-günstig: abgeneigt. ,böswillig. übelwollend,
malevolus.' Fris.; Mal. .Der adel was im a.' Riieger
1606. — günstlich: gewogen ; günstig. .Unsern g-cn
willen und gruoss zuovor.' 1529. Z Mand. .Der handel
[der Kreuzzug] was wol g.; der ausgang aber bezeuget,
das.s dis hitzig fürnemen nit guot gewesen.' Vad.
Ab-gunstling. .Unsere A-e', die uns nicht ge-
wogen sind. GHeui. 1732. — Vgl. ,myiie ungiinstiuen.'
Zwiiigli.
Gant gunt.
ch di,
(iaiit f., in Ap auch Gamt und in ApI., M. auch ii.
— PI. -c": 1. öffentliche Versteigerung, Auction. allg.
Güeter-G., eine solche über Liegenschaften. Farhab-G.,
Farniss-G., über Mobilien. Uf d' G. chö', versteigert
werden Z. 0/ offetlige G. g(e)stelle' oder räefe", öffent-
lich versteigern Ap. S. anhin-geben. .Daheim stellte
er ein Gäntlein an, wie wol er nicht viel zu verganten
hatte.' Breitenst. .Welcher auf der g. kauft, der soll
das bei derselben tagzyt bezalen. Wo er das nit tuet,
so ist er den 3. pfenn.. wie er dann das an der g.
kauft- hat, verfallen.' XV., Th. .Manceps, ein köufer.
der etwas an der g. kouft. Auctio, ein g. mit dem
ausrüefen: Will niemants iner geben'?' Fris. ,.^uf g.
schlahen [auf die G. bringen].' Mal.; ebenso aber im
S. einer Submission: Der Landvogt wird beauftragt,
das am Tessin zu erbauende Wuhr .auf die G. zu
schlagen'. 1619, Absch. Es wird für unpassend ge-
halten, dass die Landvögte , wegen Wildbanns in die
379
fiailt, g'eiit, gint, gont,
380
G. bieten [mit anderen .Tagdiiebhabern concurrieren]
sollen-. 1645, ebd. (V 2, 1942). Im Bes.: Versteigerung
der vom GläubigiM- zu Pfand frenommenen Sachen des
Schuldners durcli ^li- \:rrU.ty,r\,.\.r],.:n\r. .\uv\Utuf
der G., wenn ihm ri;iin|.'r i:vn„i„i,i,.|, «,,i,lri, sind B.
In Gr geradezu ^^ (;.iii,iir,\ ,-i l.iln.'H ; ::if iirtmie G.,
geschlossener Eechtstrii'l), l.''' lit^-till-t;iihl liKl'r.; vgl.
(ver-Jganten nni Ganter. Syn. Wr^i/hrmi^i-^-G. .Wenn
man das pfand uf offner g. voikouft uimI u.-iin'lt: ainost.
änderst und zum dritten mal! so ist es nach dem rech-
ten beschehen.' 1471. G. ,Das hus ist dem Baschian
uf der g. g'standen [wäre ihm beinahe zwangsweise
verkauft worden].' 1.540/73, UMey. .Einsi armüetli
und hab auf die g. geben zc verkaufen, oft'entlich feil
ausrüefen lassen.' Mal. ,Gant [scheinbar Adj.]. ver-
gantet werden, venire sub hasta.- ebd. (s. Gr. \VB.
IV 1 a, 1284). p:in Unterpfand ,aii die G. sclilaf,'en
lassen'. XVIII., Kanzleispr. ,Von b'schlu.ssner G. Unib
Geltschulden solle von eingehendem Brachmonat bis
auf Micheli Gricht und Kecht eingestellt sein.' 1713,
Gr. — 2. Gantlokal. .Auctionaria atria, ort, daran
man vergantet, die g. oder das ganthaus.- Fris. Hieher
viell. auch die Bestimmung des AaB. Stadtbuches von
a. 1384: ,[Der Creditor] mag die pfand uf unser statt
g- legen.'
Frz. encnn, afrz. encant, it. incanto, beruhend auf lat. in
tjunntum, auf wie viel':' [sc. bietet man], was iirspr. Frage
des Gantausrufers gewesen wäre.
E-Gant: G. unter Leitung einer Behörde, rechts-
gültige G. 1579, Absch. IV 2. 1400. S. E I 6. —
— Obs-: Ver.steigerung di'^ Obstes, spec. an den
Bäumen der AUmend. In Y.Y.'M. ;iiii Kircbweihmontag
(Mitte August) für die Onm iiiJ.'lini-rr t\v. jetzt noch
mit einer gewissen Feierlichkeit ; Lauten der grossen
Glocke, früher Eröffnung durch den Untervogt (später
Gemeindspräsidenten) mit einem laut gesprochenen
Vaterunser, wobei alle Anwesenden das Haupt ent-
blössten. Zwei Bäume mit frühreifen Birnen wurden
hierauf sofort nach altem Herkommen, der eine von
den .Knaben', der andere von den ,Jungfern' des
Dorfes, durch Besteigung in Beschlag genommen. —
Örtli-: Versteigerung der Kirchenplätze ('Örto-^, wie
sie in prot. Kirchen üblich ist GT. — Hage"-: Ver-
gebung des Zuchtochsen an den Meistbietenden einer
Viehkorporation Z. Syn. Muni-G. — Us-künd-: =
Gant 2. ,Von Auskündungs- und Fallimentsganten.
Wann Einer ganten solle, aber keine Bürgen für die
Versatzungen aufzubringen weisst, so muss er die Aus-
kündung (s. d.) ergehen lassen usw.' 1757, Bs Eq.
,Wann ein Gantmeister für sich selbsten bietet, soll
er solches sagen und ehender nicht abfahren, bis er
an einer freiwilligen G. von dem Verganter, an einer
Auskünd-G. aber von den Ämteren die Erlaubnuss
darzu erhalten hat.' ebd. — Not-: Versteigerung von
Pfändern, welche im Z Gesetze 1832 einem Schuldner
gestattet wurde, wenn er damit seinem Concurse vor-
beugen konnte.
Versilberi"gs-: Versteigerung der beweglichen
Pfandobjecte eines Schuldners zur Deckung einer lau-
fenden Forderung, während die Concurs-G. auch den
Grundbesitz des Schuldners beschlägt Z. — Von wr-
silheni, ZU Geld machen.
gante(n): 1. eine Ver.steigerung, Gant abhalten,
allg. Es wird-em (/gantet, sein Eigentum kommt
Schulden halber unter den Hammer Z. ,.\lso. dass
ein Mann ein Teufel leibhaft sah in eines grossen
Mannes Gestalt, auch an der Gemeind helfen g. und
mehren [.stimmen].' Salat. .Platz, da die Burger zu-
sammen kommen, da man gantet, allerlei feil hat,
kauft und verkaufet.' Wurstisen. — 2. mit Bitten und
Begehren anhalten, beharrlich um Etwas bitten; er-
müdend lange um eine Sache hin und her reden,
streiten BO. ; L; Schw; Obw. G. und drängle'' BO.
D' Gofe" gante'd-mer eisterBrod SchwMuo. Syn. gresten.
Der bei Auctionen au den Tag tretende Lärm und die
Begehrlichkeit der einander Überbietenden hat Veranlassung
zu der allg. Bed. von 2 gegeben.
in-: auf der Gant erwerben. ,Ich hab auch etlich
Stück eingantet.' UBragg. 1783. — er-: er.steigern
fii,; (i. US-: 1. M.'rsteigern Ap. — 2. bis zu Ende
,nh li.iiiirrrii, ,lnl. — veT-: 1. durch Auction ver-
kaiilrii, (ill.'iitUili \ ei steigern übh., mit Sach-Obj. allg.
,\Venn einem Verstorbeneu die Fahrhabe vergantet
wird, so werden bei Anfang der Gant für ihn drei
Vaterunser gebetet' L (Ineichen). Me sött-di"'' v.,
scherzh., du bist nicht mehr wert, behalten zu werden;
oft mit dem Zusatz: Aber es wiird niemer Nüd büte" Z.
,0b die Pfänder [z. B. Vieh] ützit verzärtln, so mag
der wirt die nach 8 tagen umb sin zergelt v.' 1472,
LReiden. .Die güeter versetzen, verkoufen ald v.'
1530, .\bsch. — 2. (von Gant 2) einen Zahlungsun-
fähigen zur öffentlichen Versteigerung seiner Güter
treiben B; L; Gr; GRh.; Z; Zg (St."»). Syn. vergelts-
tagen. ,So zwei Ehemenschen dermassen Hus hielten,
dass sie in Geltschulden kommen und verrueft oder
vergantet wurdend.' 1541, Z. ,Die Hälfte der Graf-
schaftsangehörigen [AaB.] sei [durch die Juden] schon
v-t' 1773, Absch. ,Viel Bauern sind v-t worden, die
10 Mal mehr besessen als die, so ihre Güter erstanden.'
HPest. 1785.
Ganter: Gantmeister. ,Durch den geschwornen
Weibel oder G. soll die Gant zu drygen Eüefen oifen-
lich u.sgerüeft werden.' 1575, Ztschr. f. Schwz. K. —
0. auch Geschln. ; vgl.: ,Ueli Gantner, Ammann von Sargans.'
1579.
Ver-: der Eigentümer der Gantobjecte. 1757, Bs
Kq.; s. Uskünd-Gant und G.-Geber Sp. 9.5.
ver-gantiere(n): = verganten 1. Werden Herr-
schaften verkauft, ,vergantiert' oder vertauscht. Itil9,
Absch. ,Wann Güter sollten per incant vergantiert
werden, soll der Meistbietende solche beziehen mögen.'
1739, U.
gänt(e)len: dim. zu ganten. ,Als es nicht mehr
gehen wollte, gab er das Omnibusführen auf und fieng
an zu g.; alle Augenblicke las man wieder im Amts-
blatt, dass er Dies und Jenes versteigern werde.'
Breitbnst.
Gantere" s. Kantrum.
gänt s. gäfnj.
Günter m.: 1. (Ganter) Gitter vor einer grossen
Öffnung AaZ. ,Genter' (PI.) mit ,Gätter' wechselnd
in Oppn. Je-stetten c. 1515: ,Die strass soll offen syn
und haben zwen g.' ,Häg und genter, so das körn
schirment' 1549, JHuber, Klingn. ,1m Genter', Fluni.
SciiHa.; ZBül. — 2. Verschluss, Verschlag; Gefäng-
niss. kenter, enger, dunkler Behälter, finstere Seiten-
kammer für allerlei Dinge BSi.; (G-) Gang vom Stall
bis zur Tenne G oT.f; i-H, kleine Kammer BSi. ,In
381
(iant, Reut.
ut. sunt
382
(l.Mii j;eiitrr .>,1.T keikev.- ZRliein., nacli 1330. ,Gantei"
mit ,kanmiei- syii. in der Spitalordn. Const. 1374.
.Iieiii .Steinmetz verdinget die camin. steinine genterlin,
samt den brunnen im höflin.' 1571, L. In TnErmat.
wird 1651 Einer ,in den Genter' eingesperrt. L ötaats-
arcli. -- 3. Gänterli. Mitritt lilla.; .latrina.' Id. B.
Syn. Hilsli. — 4. Gihilcrli. Srlnaiik, Kasten, a) auf-
recht stehender, mei.st eintüri^'.'r Kasten für Kleider
(im Unterschied zum liegenden Troy) Aa; L; G; Sciiw;
ü\v; Zg. Früher war es Brauch, auf der Aussenseite
oder der Türe dieses meist blau oder rot angestrichenen
Möbels einen Blumenstrauss oder -topf mit dem Namen
des Eigentümers (und seiner Frau) und der Jahrzahl
der Anschati'ung oder der Verehelichung zu malen,
z. B. ,A. M. Meyer g'hört diser Schrank, Gott sey
Lob und Dank.' 1786, L. ,Was von Seiden oder köst-
lichen Sachen, soll der Schneidermeister in die Kästen
und Genterli verschliessen.* ca 1650, Gesindeordn.
Muri. — b) Küchenschrank, Speisebehälter, olt mit
gegitterter Türe AAEhr., F.; TnGachn.; s. KuuU-G.
Syn. Almare, Schaffreiti. ,Ein genterli by dem für.'
14'2'2, L Inv. — c) Kästchen, kleiner Schrank im Wohn-
zimmer, entweder als Wandschrank in der Wand oder
Mauer eingelassen oder nur KopfiMide di's .BnrtVts',
zur Aufbewahrung kleinerer (icunn-tinnlr, ]ir<. Wert-
sachen, dienend und ohne ScliiiMiuhn mit .Miimi n,lor,
wenn aus mehreren Fächern lirstrlinul, mit mcliirreu
Türchen v.tm lilirs^l,;iv A\; Ar; Bs; B (,rcceptaculum.-
M. ]t); Gl, (aii.li l;,,M|k',MrlH.n); G; ScHW; S; ÜW; W;
/li; Z(».t ''^.vii. K'-i'/liiish, Kämtcrli, Büffet, Schaft.
.Einen liervcis|ii iiii,'ciidi'ii .Schrank, der bis an die
Decke der Stiiln^ iciilil. nennt man das G. und er ist
in den meisten Stulicn "der doch fast in allen Neben-
stübchen zu finden. Dieses G. ist ein gar bedeutsamer
Behälter, er ist die Schatzkammer des Hauses, birgt
Kleinodien, Schriften und Baarschaft.' Gotth. .Das
(!eld war im G. in einem Körbchen nnd Vater und
Jlutter nahmen daraus, wann sie es nötig hatten.' ebd.
.[Für den Kirchweihschmaus] wird das Küchengeschirr
von seinem Behälter, Schaft oder Genterli genannt,
lieruntergeholt' Hofst. 1865. RAA.: Dem Here über
'n G. i)ö', fluchen, .sakramentieren' L (Ineichen); i''s
G. lü" liiege", von Solchen, die gerne Staat^amter
hätten Bs. 's ist Öppis im G. und schml :i,,tf.-/,iiini,,iii
[Kind in der Wiegel AaF. Zwei Hii„ir/,. .»,/ ,s/-„/-
fiell. es G., cn Sjiiess fl.ichtscheere]. ,h:,n -anle,-|i
in iler Sacristei, darin ila- lieiltnm -tal/ <■. l-^nii. /,,,
,Der priester habe ein li/i^lin mM g-enleilin nlneian.
die zierd darus zue neninieii.' l-"iUl!, Stkic;ki,. .Lad
sölich register soll behalten werden in dem sacrastin
in einem g.' 1567, Gfrd. .Die alten Kasten und G.,
welche in der Kirche [zu Beilenz] herumstehen, sollen
weggeschafft werden.' 1784, Absch.
Zu ürunde liegt tat. canterius, Sparrwerk, Jochgoländer,
woraus ital. eaniiere, lomb. cantir, Dachsparren, Zimmerplatz,
frz. chanlier, Fasslager, Schuppen, bair. Ganter, O'anlmr,
Unterlage von Balken für Zimmerbolz, Fässer. In der Baar
bedeutet Ganter eine mit Brettern oder Balken abgesonderte
Stelle im Keller für Obst, Kartoffeln. Diese Grundbed. ist
in 1 — 3 noch leicht erkennbar, der Übergang zu Bed. 4 war
nicht schwer: Gehäuse, urspr. zum Teil aus Gitterwerk zu
verschiedenem Zwecke. Das schriftd. ,Schrank- vorglichen
mit Sihrmd-e hat dieselbe Bed.-Entwickelung durchgemacht.
Zu Bed. 3 vgl. it. eanlaru, Abtrittgrube. S. noch Kanirnm.
Hüener-Gänter: gitterartiger Verschlag für
Hühner .AAZein. Syn. Hüener- Gatter. — Kuchi-
Gänterli: Küchenschrank AArAare; G; Schw; S;
Uw. Er treit 's Ch. iif-cm liugrje' nö^'', hat einen
Höcker LG. ,Etwas Apartes im K., ein Stückli Flei.sch
oder Küchle.' Gotth. ,Umb 1 Kuchegenterli 6 Gl.
•20 ß.' 1611, L. Syn. Kuchl-Käsjfll; vgl Gänterli 4 b.
— Mileli-: .Milehkästehen AArAare. ,ln der Wohn-
.stuheii iH'lindend ^i^ll : das Kniifli usü. das M. und das
Zyt.' Itiuj. Aa. Ilmt-: Kastclien zur Aufbewahrung
des Brotes Nnw. — Seliatz-. .Di.ss Sigel band MHH.
widerumb ernüweren lassen, dann das alt gar zu fast
ussgeschlissen, um! das alt in das Schatzgenterlin im
Wasserturn behalten lassen.' c. 1600, RCvs. — Spis-:
kleiner Schrank zum Aufbewahren der Spls, d. 1. Käse
und Brot Uw. — Stube"-: Wandschrank in der Stube
GA.; einzelne Abteilung im Büffet Nnw. — Tor-
Gänte I : (Üfteii-Tniei AaZ. (i (ei wand-Gänterli:
kleiner Klenleika>len I'h; V- Zu. .Das Büffet und G.
in Sal l-sGl.- UiU. L. — Zit-; Uhrgehäu.se für eine
Wanduhr LV. Syn. ZithilsU.
gänterle": 1. das Gänterli häutig auf- nnd zn-
schliessen Ndw. Syn. türlen. — 2. einschliessen;
bildl. : Einem seine Freiheit nehmen B (Zyro). -
3. riechen oder schmecken wie Etwas, das lang im
Schrank verschlossen war." — 4. a) bis zum Ekel
von Etwas reden, bes. um es zu erhalten; Jmdm durch
Bitten und Forderungen beschwerlich fallen „Sch"
[wo /,-|: Uw. Er hat scho" lanfi a" - mer [an mir]
iiiiivii" idrn- tniniii') ifii<'iiilrr}rl Xow. Syn. umme"-
liirrlni. h) .zankeln, keinen otVenen Streit, aber
in 'r Hispute haben... Syn. killni.
Für I Ir^'l sieli ..»(.1. » ;'. IM I :!l, nahe; doch spricht
das <'br. in l'iv vorkmi lele Svii. (»/./.« für Zshaug mit
Güiiliiil,! : viell. ei-. iil„r'^ C. ;/ii", wiederholte Versuche
machen, VAw. m liialen; v;;!. re/fei.
i"-: einsejiliessen. einsperren, einschränken, eig.
u. bilill. ; einpassen, z. B. ein Gläschen ins Fernrohr B.
,Dass man dem Burschen keine Freude lasse, ihn ein-
gänterle, wie einen gefangenen Vogel.' Gotth. ,Man
werde es [das Mädchen] jetzt nicht mehr so wollen
eingänterle; es werde jetzt ungeniert gehen können
über Gold und Wein.' ebd. Aber i'-g. lai [lasse] es
si notti [denn doch] nid u"' z' Märit u"' z' Masterig,
deich [denke] es. verd 's chimne' ga wi bisdahi". Lieber
in"ll es strrlir". ir,,lir s.) i^ff schranket si' wi di meiste."
Il'/Zier. Uli iiinii" In" diirfe". ebd. Syn. in-hilslcn,
'hini. umme"-: in verborgenen Winkeln heruni-
sjilrn^leni l'w (St.''). — ÜS-: tr., schelten UwE.
l; e n I s, (/«". Widergent(er)e" s. wider-gän
Sp, Mk
(lenlcl 11,: tienftal, langgestrecktes Tal in Holla.,
daher die l;,\.: Imig tele 's G., sehr lang B.
G uutel s. GiiHlen.
Gi'mtellne" ("""") f.: eine Art klein karrierter
Baumwollstoff Aa; Z. Syn. Gingang; Gehiislet's; Ga-
derelli'S, — Wohl frz. Ursprungs.
Gunte'^ I PI. -ü- u. -u-, dim. Guntll u. Gü- \k\
Gl; L; G; Schw; Z; Zg, Guntel BÜ. (PI. -</c», dim.
-teli)\(i-R {Gundel Av., Nuf.); GWe.; Uw; W — m.:
eiserner, pflockartiger Keil, durch dessen dickes Ende
ein eiserner Ring geht, an welchem eine Kette oder
Seil befestigt wird, um eefVinte Üaumstämmc wegzu-
schleifen, in deren Kepien.le ei getrieben ist. .\uch
etwa eine als Ersatz diiinn.le ei-erne Klammer (Bund-
Haggen) G. In die Kripiie .■inee.^ehlagen dient er in
(ianfs— gunts. Gantsch— gunts
384
Gl uiul Gk auch zum Anbinden des Viehs vermittelst
der GtmteJ-Chetti. , Ketten und Günten zu verstei-
gern.' L. Wie am G. g'männt, durchnässt und voll
Kot, wie das am G. ziehende und darum der Be-
spritzung mit Kot viel mehr als ain Wagen ausgesetzte
Vieh SoHW. Am G. ha", an sein Interesse geknüpft
halten L; Syn. am Bändel. .Achsen, gunten.' 1379,
ScHwE. Arch. ,Von einer neuen g. 18 ß.' 1561, ebd.
,So Einer mannte [führte] am G. oder uf dem Schlitten.'
1622, ScHwHö. ,So Einer am Herbst Holz, so er uf-
gemachet hat, z'weg männete. so mag dann Einer wol
Etwas am G., dass er nit müess leer heimbfahren.
[wegführen].' 16'2'2, ebd. , Wegrecht für Handschlitten
mit Anhänki, für solche Stücke Holz, die ein Mann
mit einem G. hinabziehen mag.' 1709, ZHorg. .Zwo
Bundkettenen, zwo Günten, ein Eisenschlegel.' 17'2.5,
ZMeil. Syn. Süfzi; Gimtel- Weggen.
Weder direkt von lat. cuneun (churw. cuegno), Keil, noch
von dem in keiner der roni. Sprachen fortgepflanzten lat.
coittm, Spiess, Stachel, sondern wahrscheinlich von mlat.
cunmla (von <■««<•«»), Axt (frz. coijnte, churw. cuynuda); vgl.:
,Unaqna'qin' vilh Ivilif nt sccnres, id est cuniadas.' Capit. de
villis. li:i- "< Ml. lii -' lil. ist uiir noch sporadisch vertreten
und villi, iliiirli ili, ,\.'- syn. Weggen und des ähnlich klin-
genden lliiiii.n vriilraiigt worden; die Endung -el nach Ana-
logie von , Schlegel' u. a. Die 2 ältesten histor. Belege
könnten noch die ursprünglichere Bed. ,Beil' hahen; vgl.
Gunt-Ax Bd I 619.
Haggen-Gunte": G. mit blossem Haken statt
eines Ringes; neben .ganz G.' erwähnt 1659 in ScnwE.
Klosterinv.
Scherr-: Eisenkeil mit einem drehbaren Zapfen,
der wiederum lose im Ringe steckt Zg; Zichschwinge
oder Zugscheit mit einem G. aScnw. ,5 Gertel, 14
Scher-G., 6 Züg-G., eisin.' 1550, SchwE. (Klost.-Inv.).
,Von einem Scheer-G. [dem Schmid] 20 ß.' 1593, ebd.
Das Zugschoit sammt G. wird einer Schere verglichen,
wie sonst einer Wage; vgl. An-img.
Schrüben-: .Schrauben- und andere G.' L.
Zug- s. ScMrr-G.
gunte" Gl; „L", guntle" 1 „B;" Gl; L; Uw:
einen ,Gunten' einschlagen, z. B. in eine Krippe Gl;
L; Holzstämme oder -Blöcke vermittelst des ,Guntels'
(zumeist aus dem Walde bis zum Fahrwege) schleifen
„B;" Gl; L; üw. ,So1 nieman enkeins buechis brönn-
holz im berg nit houwen, wann das einer entweders
wol guntlen mag old aber durschlahen.' 1433, Offn.
üwBuochs. , Welcher in den wälden holzen will, der
soll die hölzer nüt lassen walen [wälzen], sondern das
gonten oder aber das schleipfen [auf dem Schlitten].'
1493, GKrin. Gifn. ,Wie bringend ir das holz dahinV
si haben geantwortet: si guntens her über Dangstall
und lassens hernach in die wcid.' 1532, Hof Kriess.
G'guntlet, nass und mit Kot bespritzt. Du chunnst
[kommst] fi" g. hei"' BHk.; Syn. s. Gunten. — umha-
guntle": herumpoltern BRi. — a"- gunte» Gl,
-guntne» Gl; Gr UVatz, -guntle" Gr; W: tr.. ein
Stück Holz an den G. befestigen. Auch m. Dat.:
einem Pferde ein Zimmerholz a. W. ,Es muoss das
tier und gschirr mit einandren an die bürde gefüert
werden und angüntet.' Zwingli 1527. — i"-gunte":
einen G. entw. in einen Baumstamm einschlagen, um
ihn fortschleppen zu lassen, oder in die Krippe, um
das Vieh mit einer Kette daran zu binden Gl; L;
auch das Vieh auf letztere Weise festbinden Gl.
er-gunte" Gl, -guntle" UwE.: 1. stark schütteln
Uw. D'r Htteste häd-mi''' sdwili''' erguntled. Syn.
ergeuschlen, -gesten, -girgelen. — 2. durchprügeln Gl.
.\bl. erguntschen.
1. Das Bild ist entlehnt von dem am Gunten geschleiften
und durch die Unebenheiten dps Bodens umhergeworfenen
Stamme. — 2. Auch frz. cogner hat diese Bed.
üs-gunte" Gl: 1. sich von der Kette an der
Krippe losmachen. D' Chue hat üs-guntet. Syn. abkön,
üsrisgen. — 2. (tr.) durchprügeln = er-g. — 3. iis-
guntlen, hart verfahren mit Einem BBe.
Gunte" II (PI. Gu- n. Gm-, dim. GüntU) AAWohL;
Gr; ZIS.; m. Gl; G; Th; f. Ap; Gl; Schw; U; „Z";
m. u. f. „Gl; U;" Zg, Glunte" m. u. f. BG., 0.,
Ghtnde" und -t- BSi. (PI. Ghmten, tw. -ü-, in BRi.
Ghinti — dim. Glündeli BSi.): = Gumpen In. 2 (s. d.).
Z" der Gonte' isch 's frei [bequem] z' bade' Ap. ,In
einem Seeli oder Wassergunten versenkt.' ÄgTschodi.
.Gurges, ein wassergunte oder gumpen.' Fris. ,Es soll
in der Rüss noch in allen andern giessen und gunten
im land niemand fachen by verlierung des fischerzügs.'
1607, U. Als Ortsn.: Gunten, Gonten, Dorf am Thuner-
see; Gonten Ap; im Gunte' Weiler ZHombr.; im Gunti
ZOssing.
Ader-Gunte". ,Tori venaruni. a., wenn die bluet-
aderen an etlichen orten aufgeblasen voll werdend,
wie krampfaderen.' Fris.; Mal.
Ross-: tiefe Stelle eines Baches in ApWolfh. —
Eig. wohl Pferdeschwemme.
Gunter m.: mit Wasser bedeckte grössere oder
kleinere Fläche ZSth. — Dazu vgl. den Flurnn. ,iu der
Günteren' SchwMuo., ebenf. Abi. von Gunten II in coli. S.
guntle" H: 1. (act.) eine Flüssigkeit in einem Ge-
fässfe schütteln, so dass sie schwappelt und plätschert.
D' Mi.vture mues-me' mängist brac g. Kdw. — 2. (intr.)
plätschern, wie Wasser usw.. das in einem Gefäss ge-
rüttelt wird. ebd. - Vgl. umll.n und gnng.jh,,.
Gunten III s. Punten. Gunten IV s. Cunten.
Gnntle": Adelgunde.
Günte" Ginte im Kopf haben, seltsam, wunderlich
sein W. — gün tisch: launisch. Ds Wetter ist luni-
sches old gintisches wie ds Wibuvolch W.
Etwa von Gunten I (obwohl hiefür im W die Form
fftiiKcO? vgl. S]>amn im Kt,,,/. Oder von Gxmt,n II- vgl.
Tropf; Guctachlag, Beides eig. Blutaustritt im (uhiiu: vgl.
Adercn-G. Oder von conto, Rechnung; vgl. Kuhiulvr.
Guentig s. Gttew Tag.
In-Gäntsen: eingehende Gerichtsgebühren. ,G(
fäll und Eingenzen.' 1670, Aa. - Ein vom ueutnilen l't
intjändi (s. Sp. '21) neu gebildetes Fem.
G int seh et s. Ginschd.
GÜlltsch „m.. n.% It T. f. Ap: 1. Kinderpuppe (bes.
zerzauste). — '2 verächtlich: junges Mädchen; unver-
schämtes, ungezogenes Kind. — 3. Dirne; Syn. Gösch.
Vgl. G'un(t)isch, Winterschuh aus Haaren, ,Fink', welches
ähnlich wie Häntsvh (Handschuh) in verächtlichem Sinn auch
auf Menschen und Tiere übertragen wird.
Büre"-Göntschl n.: Bauerndirne Ap (Merz 1836).
(iailz— !J
■11 S. IJI(ll>yCJtk)i.
(Seliuler). «yii.
i 11 1 sc li s. (rünsch
si-ganxe": an Etw. hcrumuiachen, bis es geht BBe.
Ktwa VHii ciiieni zu .Gang' gehöicndeu Vb. 'ijuni/mn vediipl.
lüdet wie iji-;iiimji/fii, -ijaijen I oder auch nur aus Letzterem
fcitcrt.
Ginx 111.: eig. = G-ingg, aber in dem engern, präg-
iiten S. des entscheidenden Stosses, des Todesstosses,
(1 nur bildlicli. Das hät-em na [noch] de" G. g'ge" Z.
i"is-ginxe": ausschlagen, bes. von Pferden G.
11. iis-(jinij(jcn.
ver-ginxle": verzaiipelii B nHa. i>yn. cer-gitslen.
^aiiz, Ciiiiiii. ganzer, Sup. „gmiziiexf". A. AJj.:
1. wie nlid., unzerbrochen, unversehrt. Aiit. ah ein-
iiHd(cr), lerhlt. allg. So wird auf den nieisten 8ar-
!,'aiiser-Alpen ,das Vieh jeden Tag für ein paar Stunden
zu g-eni Gras [wo noch kein Vieh geweidet] geführt.'
FkTschudi. ,lch weiss wol. dass ich selten ganz zehen
gebebt hau.- TuPlatt. Vom ganzen Leib: Du bist
emd-aw" na''' g., naiver Trost zu Einem, der einen
Fall getan Z. „Er ist ganze- n-ussem Chrieg chö',
unversehrt." ,Man sötte für den fall geben ein ge-
spaltenen fuess. das ist rindervech und nit ein ganzer
lUL'ss. il. i. ein mss.- l.^'2tifVK Ofru. Sin [des geizigen
Üanersl Clairrhf .^,,1/ /„ /s-, Fr.,,,.. ,,i,,l,r iler Nase g.
(d. i. uluic .Mnip|| „i,,J l„i,rl„:„i S,l,,hr scMsse" Z.
G. Hmlöpfcl, nicht zei-^tuckclte. 1j1u.,s -■cM..ttene, zum
Unterschied von den gekochten Kartotfeln Z. Syn.
gesell iccllt, gesotten. Im nioral. Sinne: ganzi Hose'
anhä', von einem sittenreinen Manne W. S. noch ge-
schlagen. — 2. von Tieren: unverschnitten. En ganze
Stier, Zuchtstier Ndw; Z. .Ein einjähriges verschnit-
tenes oder ganzes Stierkalb nennt man einen Kalb-
stier (Gl).' Steinm. 180'2. En ganzfnje Hengst, Zucht-
liengst Ap; Gr. Auch substantivisch: de;- G., en G-e
GKEhw.; vgl. roll Bd I 880, Voller Bd I 784. ,Du
hast Tvohl [beim Mähen] drein geschlagen wie ein
G-er.- JSenn. ,Ein Laufschwein (ganze Loos).' 1883,
Scuw (Bote der Ursehweiz). ,Der keller soll han ein
g. rind, ein g. swyn und ein g. schäfe.' 1385, ScuSt.
— 3. von Getränken: g-e Milch, wie die Kuh sie gibt,
unabgerahmte, im Gegs. zur abgerahmten (,abgenom-
menen') und zur ,halben' {halbabgerahmten), oder zur
.Käsmilch.' allg. ,I)ie alte Wittwe, die, so lang ihr
Mann lebte, nie ins Wirtshaus gieng, nie g-e Milch
brauchte [denn der Genuss von g-er Milch gilt als
unhaushälterisch].' Gotth. , Daheim hatten die Geissen
Milch gegeben und wenn sie abbrachen [weniger Milch
gaben], fand man bei der oder jener Bauersfrau ein
williges Herz, dass sie Einem für einen Halbbatzen
g-e oder doch abgenommene Milch gab.' Breitenst.
.Viuuni merum, lauter oder g-er wein. G-er unge-
niengter wein, darin kein wasser ist.' Fkis.; Mal. —
I. Gegs. zu zerteilt, halb. En ganze Schüblig, eine
Doppelwurst (ein .Pärchen'). Ganzi Stitd = Hochstiid,
so benannt im Gegs. zu Pfeilern, welche nur von
Stockwerk zu Stockwerk reichen AAMeerensch. Von
einem Begleiter, der nicht gut marschiert, sagt man:
Schweiz. Idlotiliou H.
Mit dem käme man in einem g-en Tage so weit als
in einem halben, 's ist weder Halbs na''' Ganzes, un-
zufriedene Bemerkung zu einer Arbeit, die Einer an-
gefangen, aber wieder liegen gelassen hat Z. Fast
(schier) ist ken ganze (nur en halbe) Gast (Stier), un-
mutige Zurückweisung eines fast oder schier Z. Nach
der Meinung des Volkes gibt es nur wenige ganze
Apotheken, d. h. solche, wo man alle Medikamente
haben kann '/.. S. Glger Sp. 151, Galgen Sp. 231).
E (/(iii:, l.iuvu'iiiarlite] Wäret (in beteuerndem Tone)
Z. l>i, ;/(-' ,1,1" ' ,1, ijanze Näi"', ein völliger Z. S. noch
Schulder. Substantivisch: Ganzes, grössere Geldmünze,
im Gegs. zur Scheidemünze. D' Lüt händ z' wenig
Münz [Kleingeld] und kei" G. Z. ,Ganze Wochen
[ohne Festtage, volle Arbeitswochen].' 1515, Ochs.
,Uf den helgen karfrytag [an welchem keine eig. Messe,
nur die missa prasanctificata, gefeiert wird] zwang der
lantvogt einen priester, dass er im g-e mess halten
müesst. das doch wider Ordnung gemeiner, kristeu-
licheu kilchen was.' Edlib. .Es sagend unsere fischer
solches für ein g-e warheit.' Fischb. 15ü3. ,Erzellung.
das lesen, wenn man mit g-cr [voller] stimm list,
recitatio. Mit g-er und heller stimm aussprechen,
voce summa pronunciare versus.' Mal. Ganzer Land-
tag hiess die Versammlung des Landgerichtes, wenn
ein Todesurteil gefällt wurde, in Folge dessen man
auf die Eichtstätte sich verfügte, halber Landtag ein
solcher für andere Kriminalfälle. EuKiniiKK Hauskal.
1841. - 5. (übertr.) a) ungeteilt, vullk-n.ni.n. lu. hti-
„En g-e Fründ." ,Sie hätten ganze Krrli.^-r [Knls].
die Ivätten es dem Schulmeister gereiset [ilnn den
Meister gezeigt].' Gotth. ,In ganzen, gueten trüwen.-
1424, Aä. ,Er habe allezeit ehe zwei, als nur ein
Gewehr bei sich, seie ein g-er Kerle.' Z Monatl.
Nachr. 1754. — h) ungelenk, unbeholfen. Er tuet wie
g., benimmt sich .steif bei der Arbeit, eig. wie wenn
er (resp. seine Glieder) keine Gelenke hätte Zu. Er
ist neume-n-e Ganze, weiss sich nicht zu benehmen,
ist grob Zg. Im letztern Falle könnte es auch zu
Ganzer m. (sc. Stier) gehören. — c) (unpers.) g. werde",
vor den Augen schwimmen, etwa Vorbote einer Ohn-
macht Bs; B; Syn. schicinde". Es wird -vier g., eig.
wohl: die Details, Einzelumrisse werden zu einem ver-
schwommenen Ganzen. Wenn i«* ummemache [flicken]
soll, so wird mer Alles ganz vor den Auge", klagt eine
Näherin. — B. Adv. : 1. wie nhd., positiv verstärkend,
sehr, z.B. g. tür BL. ; g. vil Bs; Z. Ganz und gar
erlöge" Z. ,Gar und g. erschrocken.' LLav. 1509.
,Perquam flebiliter, ganz kläglich.' Fris.; Mal. Auf
der Grenze zwischen Adj. u. Adv.: ,Er ist ganz unser
mann, totus noster.' Mal. — 2. eine Neg. verstärkend.
G. nit, gar nicht, g. Nüt, gar Nichts Bs; B; PP.; GSa.
Mer wohne g. nit wit, nur da obe" i" der Vorstadt.
ScHwzD. ,Es hatte g. keine Art.' Gotth. ,Wir truwteiid
inen g. nüt' HsSchürpf 1497. ,G. keins nit.- Ehmh.
,G. nüt', gar Nichts. Gengenb. .G. nüts.' 1524. Abscm.
,Wider Gott hilft g. kein list.' Birk 1535. .G. keinerlei.-
ZMand. 1545. ,G. nüt verboten, sonder mer [vioImohr|
gepoten.' XVI.. G. ,G. nicht bewilligen.' 1557. Aiis.ii.
,G. Niemant.' RCys. c. 1600; XVII., Ges.-Ordn. Muri.
,Des Handels ires Heils g. nicht berichtet.- I(i35, Si-viti
Wais. ,Beweget sich g. nimmer mehr.' .111 \m\u\n li;57.
Auch wir habeu den Unterschied, wri. li, !, - !i Ir. I.
9'27 beiiicrklich macht, je nach der Bet(iMuM_ //.,."
(der noch nicht angegriffen ist), en rjnnz, //m . ' (^ m i Mulh liov
(laiiz— gunz. (iap
Haufe). Unbetnut auch, weuu das Adj. den adv. Ansdimk:
im Gauzen — vertritt. Si händ-evi eti ganze" Batze" ifstnrrf
I beigesteuert; d. h. nur (sage) einen B.].
un-ganz: von der Seide, wenn einzelne Fiidclien
de.s Fadens abgebrochen sind ßs.
ct1,,^-o-|.>i. : verstärktes jiawr, wie eine Glocke uline
l;i-^, /. r.. ^oll .inrin Topfe Ar; Gl; Gr; G; Z. E«
;il'i,i/ir,i,t,i:i^ r.ir^sli | ( icUistück] Ap. Ell dtizigi glogcjc-
i/aiui :SpiHdlc ist-iHfi- )ui'''' hlibe vo-me Totzet GRSchiers
(Schwzd.). Hingegen : Be'' gl. Tag Gl ^ de'' g. g' schlage
Tag Gl. Der g. Gloggetag GW.; vgl. Glogge'stund.
fglogge"-) ]){ennig- : vollkommen unversehrt, von
Kleidern usw. Aa; Gl; GfiPr.; Sch; Z.
Eiuo ueu geprägte Münze dient wie die frisch gegossene
Glucke als Typus der Ganzheit nnd Unversehrtheit.
ganzen: ganz machen, wiederherstellen, ,0b die
gescheidne ehe widerumb gegenzt werden möcht' 1532,
Bs Rq. — Mhd. (Jemen.
an-: 1. ein Ganzes anbrechen (anzapfen, ein Fass;
anschneiden, einen Laib, Käse usw.) Gr. Nu tcege-
n-ere Portion kami-i''' de' Tschunke" [Schinken] nit a.
Syn. an-icenten. S. an-ginnen. — 2. angreifen, an-
fassen, berühren. Der verderbt Alls, was er angenzt GrL.
Mhd. en-ijenzen, bair. «i«-, un-gänzen haben ähnliche Bed.
wie 1. Das überh. den Anfang bezeichnende Präf. an hat
sich daher wohl aus den Synn. un-haucn, -schntden, -zapfen,
-zeren eingedrängt. Bed. 2 ans 1 verallgemeinert, wie auch
frz. entamer, anfangen, bedeuten kann ; vgl. auch lat. inripere.
er-: wie nhd. ,Zu Ergänzung des Schadens.'
ECvS. C. 1600. — Auch crgänsen gesprochen; vgl. Franms.
zer-: brechen, auflösen, zerstören. ,Von des heil-
tuonib [Heiligenbilder] wegen, das zergenzt und g'bro-
chen ist.' Vad. ,A1s das closter von denselben von C.
etwas zergentz [!] und verbrennt was.' ebd. ,Darunib
von allen dreien [Feinden] grosse rüstung wider den
künig fürgenommen ward, welche er mit mannheit
zuerugg legt und zergenzt.' ebd. — Mhd. zergenzen, zer-
stückeln. Syn. zer-gängen.
gänzlich. In der Teilung sei die Grafschaft
unverteilt (.gänzlich') dem Herzog geblieben. 1.544,
Absch. .Gar und genzlich'. ganz und gar. 1369, Urk.
ZZoll.
Gänzli"g m.: ausgewach.sene Schnecke Uw. —
Von ganz, wie HätUing von halb. Vgl. tir. GmisUng, unzer-
schnittene kleine Rübe.
Ganz ni. : Enterich GSev. - Mhd. ganze, ganzer, Gän-
serich; unser W. viell. aber blosse Übertragung von ganz A2.
Genze(ne") s. Jenze.
ginze": zwinkern mit den Augen AiZein.
er-ginze": schaudern, schaudernd erschrecken, auf-
fahren; frösteln, gruseln Gr. „Das Wasser ist so
kalt, dass man drab erginzt." Es erginzt mi''', beim
ersten Eintauchen ins Wasser. Auch etwa vom Ein-
druck plötzlicher Freude: i''' hin erginzt GRPani.
gonzle": = gönen I Sp. 332 GRBh., V. Syn. guenzen.
— Mit dem ableitenden z von Gun.
„Gnnze" f. = Gunten II LG."
Günz: Koseform von Günther Bs. Nbf. Güntschli.
Einer von BsEpt. heisst 1368 als Edelknabe ,Günz-
mann', 9 Jahre später aber als Ritter ,Günther'.
Günzen-hüser: Apfelsorte im Th. — Aus dem
zum vorangehenden W. gehörigen Ortsnamen.
..giienze" = gdnzlen."
giu'iizle", ah-g.: betteln, durch Schnieic
List Jradm Etw. ablocken L (Feierab.).
Abgel. von guawit, viell. unter Einwirkung
gntzlen und kiunlzlen; vgl. noch gnentilen.
ß«P» gep> giP) g"P> g"P) l'pzw. gapp usw.
gappe": spielen, gaukeln (mit den Händen, resp.
Vorderpfoten, vun jimiivii Tirren und Menschen) Aa;
L; SEech. — Zu 'Irii S\iiii, .,,.//,. ,i, göpen, gämpten vgl. die
unter sich syn. K.ilir: i,,/,/,,,,, t,,lj,tu, ispen, tampeu.
umme°-: tappend umhergreifen L (Ineichen). Syn.
umme-täpen.
Gappi m.: Gaukler, Tändlcr L. — gappig, -isc li:
gaukelhaft, mutwillig L.
bi-gapper s. Gott.
Gappe", Gäppe" f.: Name für eine Kuli mit ;i1j-
wärts gebogenen Hörnern Gr.
Gäppi: Kaspar W. Syn. Chäpiii.
ganpe" Ai'K., gauple" ScnNuk.; TuTäg.: schäkern,
sich possenhaft geberden. ,Die esel goupen und geilen
mit einander.' Tierb. 1563; wofür ebd. gewöhnlicher:
,gopen'. — Zu dem Wechsel mit gojnn vgl. gaidig : golig.
gäupisch = göpisch Ai"K.
Geppi: Gebhard.
Gippe" I f.: Föhre Gu ÜbS.
Gippe" II s. Jüppen.
Giper s. Gipser und Gl.rer.
glple" = giblen S. — Vor Liquida ist iu gewissen
M.\A. Verhärtung der Media zur Tenuis nicht selten.
göpe": 1. spielen, schäkern, sich im Scherz herum-
balgen (von Menschen und Tieren, bes. jungen Katzen,
Hunden, Ziegen) Aa; Ap; B (St."); Gl; Gr (i>); L;
ScH; ScHW; Th; U; Z. Von gölen so unterschieden,
dass das äusserliche Spiel, Bewegung der Hände (resp.
Pfoten) in den Vordergrund tritt, 'v Cliiilrli (ifijiet mit
dem Hündli, mit der 3Iiis, mit ihr ('hruiinih: | Faden-
knäuel]. Wenn er öppen rmul mit-vnic Si:liiit:eli göpe
chönnt Th (Schwzd.). ,Ich°[der Bär] wollt erst mit dir
g., so willtu mir nit b'stän, förchst du ein jungen
dapen [Tatze], den alten sollt ruewig län!' 1536, B
Lied. ,So dise tier mit einander spilend oder gopend.'
Tierb. 1563. ,So schimpfig ist die katz, dass sy auch
mit ihrem schwänz gopet.' ebd. .Pen hasen betriegt
[der Fuchs] mit s.liinipf, iiiil im ze s;-.- ebd. ,Collu-
dere, mit anderen -rliimplm. >|.il.'ii. l»iirzweilcn und g.'
Fris.; Mal. ,G"lrii. -mimh. i;ai>rhlLii, scherzen, collu-
dere, jocari.' Reu. liio'i. 6y\m..jiisteii, haiislen, andere
s. bei galpen. ~ 2. sich dumm, unbeholfen bewegen
GSa. Es goupet e Chrott über d' Strouss, es chimnt
ge' regne".
umme"-: sich mutwillig herumbalgen, bes. vom
Gaukelspiel zweier Hunde Schw.
Göper: Einer, der gern den Narren treibt Tu.
Göperi": 1. Katze, die lieber spielt als Mäuse
fängt Z. — 2. dim. Göperli, kleine Forelle TnErmat.
nso
Gap guii. (iapf gupf
(iöpete" f.: 1. scherzhafte Balgerei G; Z. -
•J. ai (iewirrc, ungeordnetes Durcheinander, z.B. beim
Striikstrumpf ZStdt. — b) verworrene.s Geschwätz
Sichrerer ZStdt.
Gc'ipi m.: 1. Einer, der gern kindisch spielt, tän-
delt Z. — 2. unbeholfener, dummer Mensch. E" rechte
il'stiihetc [steifer] Goupi GSa.
gopig, „göpiseh": spielsüchtig, geneigt zum
Schäkern, Herumkollern usw.
Gigeliman-Güpis machen s. G.-Göha Sp. '21(1.
gup(e)le" = fidpe" AAWohl.; GRChur (/.-); G;
Seil; Tu; ZGlatt I'.. Kuiiil., Kafz. U'a" lu'isl de'" viit-em.
Mein, .fiiinrhf:' !'•■ h, ,1,1'- m,l-nn ,,',i„,,M. Aä (Lied).
- »i^.plcr (-i"), ,1,'üplit;- = G,jj,ei-(i"i usw.
gople" Z, göpcle" AaBB. : Dim. zu (/öpen und
flöjilen, mit den Abll. „Giipler und göplig".
gopisch Ap; Schw, ge'psch ü: 1. gern schäkern4r,
närrisch Kv; ScHW; U. Närrisch und göppisch trie-n-es
Gitzi Heng. 1836. — 2. hotfärtig, anmassend. E gep-
scha Meidli U. Aber de"- [der ältere Sohn im Gleich-
niss] seit göpsch: Lue// Ätti usw. Isis. Z Kilchb.
(nach Dial.).
bi-gopp(lig) s. Gott.
Bi-göpp, Ph -göpp (m.?): Lärmwerkzeug, in der
('harwoche gebraucht und bestehend in einem höl-
zernen Hammer, der sich am Stil halb um die Achse
dreht und durch das Aufschlagen am Untersatze einen
klopfenden Lärm hervorbringt GTüb. Vgl. FahiUa
Bd I 635; Klapfe.
Ein Schallwort, welches das kurz abgebrochene Klopfen
ii.aiOiahmt. Vgl. Bopjicr. Das (Jdpp entspricht dem starken
Anschlag an den Untersatz, das Jli- dem schwächern, feinen
d(!S Rilckfalls in die natürliche Lage.
Goppel m., Dim. Goppeli: kleine, hölzerne (ahor-
none) Schüssel; Kachel Gr. Auch Himda-G., Hunde-
selnV rl; MiI.J,-G. GrÜ.; Syn. M.-Brucken.
Ii II iijj'ixi), Trinkgefäss, chiirw. i-<,jjeht f.,
Sciiii . :,' ,.//;is, wovon das deutsche A'iiW, aus lat.
'1'/"- K.i. , \j1. Ii.'. (jnbelet, Becher.
goppel s. Gottf-wellJ.
(inppe": eine der 4 Farben im Tarokspiel W. Syn.
Kiijife. — It. co)ijxt (eig. Becher), Farbe im Tarokspiel, na(;h
der Zeirlinung benannt.
(Nase"-) Gnpe" f.: vertrockneter Nasenschleim L.
Vicll. blosse Nbf. zu den Synn. J'iliid oder ß"Y;,'/; aiulere
Sjrin. s. bei Goli/tje S[). 233.
Gupp m.: hölzerne Schüssel Gr ObS. — Churw.
••"/'/' "Im dass. ; s. die Anm. zu Goppel und Gupf.
(Jiippel (tw. /,-) — PI. Gupple" m.: Wölbung.
1. gewölbte Stirne kleiner Kinder Gr. Syn. Gupfen.
— 2. Buckel, Erhöhung an Sachen Gr. — 3. (ge-
wölbter) Rücken. De G. voll Schlag GrD., L. —
4. Höcker, ebd. — Eher aus it. cüpla (woraus .Kuppel'),
als durch Umstellung aus Bugijel.
guppel: Adj. (nur präd.). kuppenfönnig, rundlich
erhaben GRPr.
Guppe" (tw. i- und fc-) f.: Hutkuppe, -Kopf. Auch
Huet-G. Syn. GupffenJ.
Von churw. cup]}, coppa, Napf; erhalteu auch in der Gl
Gujijßenidp; Tgl. Gujqi. Zur Bed. vgl. Bergnamen wie; Xitpf.
Xiihr,-, KeHsibüd; Piz Padella, Pfunnenstock u. ii.
„gnppe", Guppete" f.: = gu.ven usw. BO."
Gapf s. Ka2)f. Gaupfle" (Göpikv s. Gaiifleii.
Gepfi s. Gnepfi.
Gipl" (m.): 1. Spitze (des Eies usw.) ApH. Wenn
ein Gast so weit hinuntertrinkt, dass der Halhmässig
1% Mass haltendes Trink-lai] nieht leer wird, sondern
Yom Halhmi'is-.,,// :i. -■ ' ^^/./// . rrheint, pflegt man
zu sagen, da-- ii in. \l:i lie/.ililen müsse Ar (T.).
— 2. (f.) in der i;A.: Wä,,,,':' Antw.: Das weiss Jce
Biir i der G.! Sprww. 1869.
Gleichsam Grundw. zu Gipfel und zu einem vorauszusetzen-
den starken Vb. i/epfen gehörig. Vgl. Zipf: Zipfel, Zwidr :
Zirickel. 2 bezieht sich viell. auf den Aa Weiler gleichen
Namens.
Gipfel m.: 1. (wie nhd.) oherster Teil von Pflan-
zen Ap; Gl. D' Geisse' tuend a" de' Stude" und
Bäumlene' d' G. abspigge' Gl. ,Ein rottann mit zweien
kipfeln [als Grenzmarke].' 1537, Zeij-w., Urk. E'
Gipfeli, ein Wenig [eig. eine Spitze] Ap. Syn. Zöpfen;
andere s. bei Gih. — 2. halhmondförmige Semmel Bs;
Gr (k-); LG.; ScuSt; Z. Syn. Gibel 6. Übertr.: e neu-
backene G., neu eingetretener Schüler Bs.
Zu 2. Urspr. wohl bes. zur Fastenzeit iu Klöstern ge-
gessen; vgl.: ,Panis lunatus (in lune moduiu factus).' c. 10(10
(Eckehard). Bair. Kipf, das Kipfl, tir. Gipfl und bis nach
Italien gedrungen: ;ihiffah. In Deutschland auch .Martins-
hörner' genannt. S. noch Gr. WB. V, 781.
Gipfen s. Kipfen.
Gupf I Aa; Ap; Bs; B; Gr; G; S; Ndw; ZDättl.,
k- BSi.; GRRh. 111., in L; Z f.. üüpf Aa; Ndw iii.,
in AaF. f., Gupfe» AAPri.; Ap; Bs; Gl; Gr; G;
Th; Z f., Güpfe" L in. — PI. Gupfe' Z, Giqjf Ar
— Dim. Güpfi Aa; Bs; LE.; S; Ndw; W, Gupfi
GRSpl., sonst Güpfli: oberster, rundlicher Teil eines
Gegenstandes. ,Tote, tütel, spitz, gupfe. apex. conus.
cornu.' Red. 1662. Spec. 1. Berg-Gipfel, -Kuppe Aa;
Ap; Bs; B; L; G; Z. Syn. Güfrl GiihcJ. G,igH. Gül^^ch.
E Berg, vo si (i„,.f, ',rri,ii;,l ,„ II'»/.-/,,-. llimirNsi.
,Vom Fuess hi< znm (i. stel,t inaelilej- iiiel -.li-ii le''
Bergris.' ebd. .Kliiej.'. Iluliel, Duln
Güpf, clivu,-. eiilli,. III. Ulli, ■nlii-.- i;i
als Fluni. Ca-tlun,- ./Ulli iHllil' .
Gupf(en)' Ar; Z (mehrta. Ii i. .(iii|.lea
,Ofen-Gupfen'. kelt. i ;i,il,lni.j..l /liiiUt..ii; .ii.- nieu-
güpf, Hügel, auf a..iii .la- S.hl..-, SelL-iiLuivn -.-
standen Z. ,ln der gypiiliun.- IJTs. I'vk. = .uupiilnin.'
1280 = .In der Gitpf- ZBirmensd. Der ,GUpfhof-
AAWohl. It Urk. V. 1304; vgl: ,Der hof in der gupfen
gelegen ze Wolen.' 1430, Urk. ,Scopoza in guphen.'
Änf. XIV.. Urb. ZBhein. ,An der Güpfgmeind.' 165:'.,
Arch. ÄAWett. — 2. Dachgiebel Gr; G. — 3. Baum-
wipfel Aa; Bs; Syn. Gipfel (s. d.). - 4. Beule Bs; S.
•s het Prügel 'ge, 's het 'ge im G'sicht e blaue Gupf.
Hagröschen. — 5. der obere Teil des Hvites (für
Männer und Frauen), Hutkuppe, -Kopf, allg.; aueh
Huet-G. Syn. Gicppe'. E" Hiot. „■" :,ils,li,- „-<-m
Schirm und em Gupf e ijaii., M,ii, ,i'si,rlJ i«!, I'.s.
Obei Dreiegg [Dreispitz] het , r i/e-» .m ,ff„i-l„i .V'(.^e-
lumpe i" G. drückt. Bari 18.^3. Du citast cii Jluet
voll [Wasser] use ne und alle" dine' Lüte' ge; und
isch' nöd gnueg, so holt me' toll grad h«'* c rechti
Gupfe roH Tu (Schwzal.l. .Sein [des Hanern] Hut
hatte keinen hohen Guiif. .lest., lu.'iler «ar .1er Schirm.'
Gönn. Öppen Ein, |Sel,lat| (s/ es ri,a,irl, ,l„r'i' e lluct-
qupf d,<re [hindureh] '^-/'V/^'- l!\V^s. 1^<'X D' S„„n
.:. llugel.
. Häutig
In ,der
.;ssl. Die
3Ö1
Gapf. gepf, gipf, gopf,
sticht, ■me" chönnt Eier siede" im-ene H. inn! Joach.
1883. .Die Kreinotter.'an den Stirnen und die gar
köstlichen Güpflein mit Perlen und Edelgestein ver-
setzt, sollen an 5 pfd verbotten sein.- G Mand. 1611.
,Ein breiter Hut, wit Banden bedeckt, ein Gupfeli,
das am Kopf nicht hed [fest hält], der Maien höher
als die Güpf.' Lied von Kleiderpracht. .Ein nur auf
einer Seite aufgestürzter, um den Güpfen herum weiss-
bordirter, nicht weiter Hut [der Miliz].- XSchnyder
1782. Vgl. Gugel. Vulgär und im wegwerfenden S.
für den Hut selber BM.; Gl. — G. oberer Teil dos
aufgesetzten Brotes ZStdt. Syn. Kopf. — 7. ein Eier-
auflauf AASt. ^'gl. Gugel-Hupf. — 8. ein auf den
Stubenofen gebauter, meist zugerundeter, hutartiger
Aufsatz Ap; Gl; Gr; S; Th; Z. D'r Ffannechnecht
channst hinder d' Ofe"gtq>fe" tue" Gn (Öchwzd.). ,Ar-
tisten [Destillateure], die in der Stuben wohnen, lassen
ihnen in denselbigen niderträchtige [niedrige] Ofen be-
reiten und zu Oberst auf der Gupfen mauren sie zwen
gläsin Kolben.' JRLakdenb. 1608. .Einer tut mit einem
Anderen ein Gewett, wo er dörfte umb d' Ofengupfen
umben gähn und ihm nit lörchten; der nun steigt uf
den Ofen und gat ganz gebückt umb die Gupfen umben;
der ander fragt ihn, warumb er nit ufrecht gange?
Er antwort: Ich förcht, ich stoss den Kopf oben an
der Tille an.' Schimpfr. 1651. ,Nimm den Staub ab
der Ofengupfen.' XVH.. B Arzneib. — 9. das stumpfe
Ende des Eies, auch der Baumnuss Aa; Ap; Th; Z.
Syn. Füdli. Spitz oder Gupf? fragt ein Kind das
andere, indem es ihm die eine Nuss bergende Faust
entgegen hält; errät das letztere, welcher Teil der
Nuss nach oben gerichtet sei, so hat es dieselbe ge-
wonnen Z oTöss. Die selbe Frage ist mit Bez. auf
die Ostereier üblich, welche man im Glücksspiel auf
einander schlägt. Antwortet der Gefragte: Sp.! so
werden die Spitzen, sagt er: Cr..' so werden die stum-
pfen Enden auf einander geschlagen. Vgl. churw. /Vir
pizz a eupp für eben dieses Spiel. Gupf und Platz !
ruft der, welcher nur noch die G. zur Verfügung
hat und von Einem, der nur noch den S2Htz ganz
hat, verlangt, dass er ihm seitwärts von der Spitze
Platz zum Draufschlagen gestatte Z. S. Oster-Ei
Bd 1 16. Bildl. (It T.). Sintz ond G. übencerfe" und
der Sach de" G. ge"; Syn. s. Gampf. Eine rasche
Entscheidung fordern (, spitz oder gupf mit uns ma-
chen'). 153'2, Strickl. — 10. das sackförmige Ende
eines grossen Fischernetzes TnErm. Syn. Sach. ,Alle
gerwer [1. gerner = Garne] sollen gupfen haben.' 1544,
FiscHERORDN. Bodenses (Absch.). Vgl. Gupfen -Ris.
Schon mhd. Gupf verhält sich zu Gipfel, wie Zopf (Zupfi
zu Zipfel, sowohl nach Form als Bed. Für das Ablautsver-
hältniss ist ein wie ,treffeu' flektierendes ahd. Vb. keffan,
ißpfan anzunehmen iu der Bed. ,hervorragen' ; Tgl. güpfen,
(hervor) springen. S. noch Gupf II, mit welchem es ohne
Zweifel eig. Eins ist; vgl. Ä'lo«« (Stutz), welches ebf. , .An-
höhe' bedeuten kann. Dass aber rem. eupjxi sich mit dem
gut deutschen W. gemengt habe, ersieht man deutlich aus
dem Gr Guppen. Vgl. auch Kapf und Kopf Zu Bed. 5 vgl.
das ahd. chuppha, mhd. lupf, Kn]ifbcdccknng, wovon auch it.
cnffia, frz. coife h. i.-I-il-t >> ■ iL n -. ilr. WB. s. v. .Kuiipe'.
Zu Bed. 2 vgl". u.mIi i, ! :.. :i i;u|,fcn |des Rat-
hauses).' 1604, ],. Ii - i. ,;.|.l, d.'.s MiiustLTS.'
LTschudi 1606uihl [., y um . in .I.t Kcd. Kuiiiiel.
Ofe"- s. Gupf S.
Huft- s. Gupf r,.
Leder-Gupf: Lederkäp)Khen ZO. ,Ich füllte
meinen Ledergupf mit Wasser.' Stftz 18.")3. ,Die
Buben warfen ihre Ledergüpfli hoch.- ebd. 1851.
Mittags-Güpfe" m., -Güpfi n.: einer der Gipfel
des Pilatus. — Vgl. Mittag(s)-Horn (BO.); Bergspitzen
dienen den Hirten als Stundenzeiger.
Nase"-Gupf, meist Dim. -Göpfli: die Nasen-
spitze Ap. Synn. N.-Köpfli, -Zöpfli. Vgl. N.-Tupf.
— Stirne"-Güpfli: Wölbung der Stirne GT.; in
dem Kinderspruch : Chünneli [Kinnchen] , Münneli
[Mündchen], Nase-Tierli (-Tüpfli, -Tünneli Z), Gräb-
Äugli [Grauäuglein] {Gliir-, Ftlr- Z, Schwarz-, Wasser-
ÄitgU), Stirne" -G. (Sterne" - Tüpfli GlK.; Z), Här-
riipfli! GlK.; Z, wobei man mit der Fingerspitze
nach einander die genannten Gesichtsteile des Kindes
berührt, um schliesslich dasselbe etwas am Haar zu
zupfen.
Tasse»-Gupf: Obertasse Ap. Synn. T.-Glöggli,
-Köpfli, -Beckeli. — Auch hier hat das rom. cuppa hinein-
gespielt; vgl. frz. soucoupe, churw. suttacuppxi, Untertasse.
Güpfel: Hut (Gaunerspr.).
Zu Gupf .3. Übrigens kommt auch schon im XV. die
Form Güpfel neben Gipfel vor. Vgl. Güpfel-Stein, hoch emimr-
ragender Markstein.
Gnpf II m.: Sprung in die Höhe Z. Syn. Hupf:
Gump. — Zu yi'qifeii, emporschnellen.
Gigeli-: ein Tanzsprung zur Geige. Nur in Taiiz-
sprüchen wie: Gigeli-G. (-Gump .kk, -Gumpf Z, -Fa.v
Sch) und Brätisbei", d' Chnabe" fmred d' Jumpfere"
(Meitli, Meitschi) hei", si füered 's uf de" Schütze"-
(Chegel- Z, Chöpfer- Sch) Platz und säged: Guet
Nacht, min liebe Schatz! fsi setzed s' an es Tischli
und gend-ene bratni Fischli und oi alte" Schoppe"
Wl" und dann chönned s' z'fride sl"; oder: gend en
alte" Schoppe" Wi", das' Alli chünned lustig (z'fride")
M", u,li-i-: nnul-ene vil süesse" Wi" und na [noch] e
siii.<.^rrs /iirhrli dri"; oder parodierend: Füered'shis
.-.Ulli ^jiittul iiinl gend-ene mit-eme Chnittel) Aa; Sch; Z.
Nach dem Tanze führen die Bursche die Mädchen zu
Tische. Vgl. Brätis-Giger. Etwas plumper lauten:
G. und Schwabegötz, ir alti Wiher und Ente", 70 Chile
und SO Chalber git e grossi Sennte". Sowie: G. ist
au"'' en Tanz, d' Chatz hat Här am Schwanz Z.
Nider-: das plötzliche Niedersitzen, -Kauern ZKn.
Syn. Abe"-, Nieder-Hock. S. glgampfen.
Heu-Güpf(er) m.: Heuschrecke Z oT. Synn. s.
bei Gras-Gumper Sp. 314.
güpfe" B (neben gupfen); Z: 1. sich plötzlich
auf den Fussspitzen, Zehen erheben, z. B. um besser
zu sehen oder um höher zu erscheinen, wenn Zwei
Rücken an Rücken ihre Körperlänge messen; vom
Kauern emporfahren (wie die Kinder), aufjucken B;
GRh.; ZStdt, W. ,Güpfen, in altuni se extendere.'
Id. B. So oft si-ne g'seh häd, ist si zum Feister use
güpft, so wit, dass d' Mueter si mängist bin Beine"
rfna" und fest g'ha" häd, damit si nüd öppe i" d' Gass
fall. UsTERi. Syn. bäiimelen. Auch: vor Erstaunen
auffahren. ,Die Leute horchten hoch auf und gupften
sehr und fanden lächerlich, dass..' Gotth. — '2. einen
hüpfenden Gang haben, auch etwa für hüpfen übh. Z ;
Syn. gunqien. ,Hupfen, hopen, güpfen, saltare, tri-
pudiare.' Red. 1662. — Mhd. <jupfen, stossen. S. Anm.
zu Gupf I.
(Japf— gii |if. Gaps — gups
394
Hl'-: 1. stossweise aufjucken, aufhüpfen Z. -
..aufstossen. wie Maulwürfe auf einer Wiese LE."
yn. stössen. — füre"-: hervorjuckeii. d. i. sich er-
L'bcn, um zu schauen Z.
iTÜpflc": l)im. zu (lüpfen Tu.
üf- L: dass.
bi-Geps s. hi Gott.
(jc.'ps m.: heller, kurzer Schrei, bes. von weiblicher
Stimme Z. i^n G. ablä".
Sür-: saures Aufstossen ZLunn. — Ans S.-di.q,^
entstellt durcti Anlehnnnj ans vorige W.
gepse": hell, durchdringend, in abgebrochenen
Lauten schreien, kreischen Z; auch wüst schreien,
lärmen, wie kleine Kinder, Fasnachtsnarren usw.
ScHwE.; Z. , Elisa vox, ein unvollkommne stimm, wie
das göpsen der jungen hüenlinen.' Kris. , Gellen, gal-
men, gepsen, schreien, vociferari, clamare.' Red. 1602.
Syn. gipsen, gixen, gellen, gunsen, gäutsclien, jäzen,
wichsen, Winsen, hünzgen; hepen.
Ein schallnachahmendes W. ; wohl urspr. von dem krei-
schenden Ton, den junge Vögel unter auffälligem Aufsperren
dos Schnabels auszustossen pflegen.
Gepse" Aa; Bs; B; FJ.; Gl; Gr: .LE.;" PPo.:
G; S; TB.; Th (-«'-); W; ZHombr., Gäps GG., Rh.,
Göpse" Ap; S, Gerpse" AaB.; ZLimmatt, Gäp-
sche»— f., Gäpsch m. UwSax., Gepsi FS.; WGoms,
Giipsi FO., Gäpsch i BMeir. n. — Dim. Gepselti Gr;
W, sonst Gepsli: 1. a) kreisrunder, sehr (gew. c. 2'
im Durchmesser) weiter, aber nur wenig (c. 5") tiefer,
hiilzerner, aus Dauben und 2 Reifen gebauter Zuber
ohne Öhren oder Handhaben, zur Aufbewahrung der
.Milch, bes. im Milchkeller der Sennhütten vom Abend
auf den Morgen, da sie alsdann zum .Käsen- verwendet
wird. allg. .Gepse, vas latum ligneum profunJitate
i/arens, in quo lac asservatur. donec cremor tolli possit.'
Id. B. Synn. Gelte, Mutte, Xa/'f. Bmite. [Der starke
Senn] hei dri gross G-" coli Mih-h uf , itimal us-em
Cheller g'fergget, i-ren iedcrt Itfiml ,i,i G-" . . . Gr
(Sclnvzd.). I g'seh die brüne lIuiLi , d' .Sch'dcrblge, Um
('hiUerhals w>''* d' G-" a« dr Wand B oE. (Schwzd.).
Du gebist d' Schleckhafti üf u"' gangist nit gan die siefti
fidlen [süssen Rahm] ab den Gepsen schnaren. hinder-
riicks, wie-n-en Glir [Siebenschläfer | r.S;i. iS. liwzd,).
,4 stürzene und 8 hölzerne Gepsen.- V». .< ;al.-.\ i iifte.
Asch, Brente, gabara [1. gabata], siiiu^.- i;i:ii. Iil(i2.
S. F(jllen Bd I 786. RA. D' G. tvelpe", einen Furzel-
baum schlagen GrD. Synn. s. beiffi(/e3/'; yg\. FässU
trOle". Der lieb Gott tued G. tröle', es donnert stark
GrS. ; Syn. s. bei Gott. — b) „kleines hölzernes Milch-
geschirr mit einem Schlagdeckel.- Syn. Jansen. —
c) (bes. Dim.) a) Napf, in welchem Milch oder Suppe
aufgetragen wird Gr; W. Syn. Ess-Gepsen. Rupft
<is Gebsidi ab d<f Lattu und gaid z' Cheller, niimmt
dort gröninti [abgerahmte] Milch its ronn Binner und
stellt d's G'schläpp d'r Mamma für GRÖchiers (Schwzd.)
[vgl dazu auch JRWyss 1815, I U2]. — ß) Katzen-
schüssel, aus Holz gedrechselt BM. — 2. Zuber zum
Wasclien des Essgeschirres B; PPo.; T. Syn. Aliin'isih-
Geltli, Brentli. ,Das Geschirr und das Was^ r in :|.i
G. kalten lassen.' Gotth. — 3. Käszuber S. S\ n. y^r(^
Gelte. — 4. grosser, runder, hölzerner Scli"|illiilli'l
bes. für Molken AAZein.; Gl; S; UwSax. Syn. Gön,
Schueffe'.
Ahd. fjrhizti, älter gebilu, aus lat. giihula, Essgeschirr (vgl.
it. .lunita, frz. jaite). Wenu bereits das Original, auf welchem
dii; Abschrift des LUrbars im Hof von 1314 beruht, wirklich
,geipte' und nicht ,gepce' aufwies (,De scoposa scutellas quc
dicuntur gepte'), so könnte ( wohl nur als altertümelude
Schreibung aufgefasst werden. Gemeint sind hier eine Art
Schusseln, vgl. ebd.: ,Ein keiner soll ierlich wi'ren 60 hof-
schüsseln. ein züber und ein gaun [Gon].' Was die jetzige
Aussprache anbetrifft, so wechseln e' (z.B. in PPo.; T) mit
ungehürigem l (z. B.' in Aa; Gl; GA., G.) und e* (so in BSi.).
Die Form mit r wie in Florz = FIosh.
Ess-: = Gepsen i c Gl; Gr. ,ln der Sennhütte
finden wir den ganzen Tag ein Fressmütteli oder Ess-
gepsli, welches mit Sufi oder Schotte gefüllt ist.' Gl
Gem. 1846. ,Die Essgepsli sind 2—3 Mal kleiner als
die Milchgepsen ' Steinm. 1802. — Käs-: = Gepsen 3.
Geringschätzig von einem alten Weib: Der alte K.
hätt' es tvelle d'r Marsch [Vorwürfe] machen. Gotth.
Vgl. Gelten 5. '— Milch-: = Gepsen 1 a Ap; Gl;
Gr; W; Z. ,29 grössere und kleinere Milchgerpsen,
46 Kässargen.' ZLimmatt. ,Auf 2 unter dem Dach
[der Sennhütte] verlaufenden Stangen liegen die M.'
Gl Gem. 1846. ,Die M. der Veltliner sind küpferne
Schalen.' Gr Sammler 1779. ,Wenn 's hagelt, so nimmt
der Kühbube eine M. über den Kopf.' Steinm. 1802.
— Schotte"-(re2JsfJ: kleine ,Gepse', in welcher die
.Schotte' [Molken], das einzige Getränk der Hirten,
nach dem Essen auf den Tisch gebracht wird GA. —
Wasch-Gepse": = ffe/»sem 2 B. ,Draussen polterte
Mädi mit der W.' Gotth. ,A1s die Mutter in der
Küche die Hände nicht aus der W. nahm, sie nicht
abtrocknete, um meine zu ergreifen.' ebd. Syn. Ge-
schirr-Gelten.
ab-gepse": die (in der , Gepse' befindliche) Milch
abrahmen F. ,Die schlechten Milchmänner, welche
Wasser darunter giessen, oder sie a., um Niedien zu
haben.' Schweizerb. 1818.
Gepscte" GrL., „Göpsete"" f.: eine ,Gepse'
voll (Milch).
Gepsler: Verfertiger von ,Gepsen-, Kühler BO.
(Jeips ScHw, Gäups SchwMuo. — m.: Schrei. Er
ist e-so erchlüpft [erschrocken], dass er e' G. abglä"
häd. Syn. Geps. — S. das folg. und auch yeipschi-'.
Gips Ar; Gl; UwE.; ZAuss., Gips G.^.C-i-J, Gipsch
L — m,: 1. a) feiner, gellender Laut, wie z.B. die
Stimme der Maus, der Küchlein, das Kirren neuer
Schuhe Ap; L; G; Uw; ZAuss. — b) als Stoff oder
Ursache des Kirrens gedacht, wenn Kinder oder Mäd-
chen den Schuster ersuchen, er solle ihnen für einen
Batzen G. in die Schuhe tun, bezw. nähen L; Uw;
Syn. Giri. — 2. feiner, gellender Laut der mensch-
lichen Stimme (en G. ablä"); weniger stark als Göuss
oder Wichs, Wins Ar; Gl. Gipst rufen die Kinder
beim Versteckensspielen ZAuss. Syn. Gü.k.
Offenbar schallnachahmend wie Gips, nur den Jiöheru,
feinern Ton ausdrückend als dieses. In Gipach ist ach aus »
vergröbert. Die Verkürzung des Voc. unorganisch.
gipse" Aa;Ap; B; Gl; L;GRh.,oT., gipse" ^-i-;
G.\., W., girpse" ÄAFrL, Bb., gipsche" L; Sciiw;
Xr.w; V. ?irpsche" Ndw tw.; Zr.: 1. in hohem,
Irin. 111 Tniic |it.ilen, pipsen, von Küchlein, Mäusen,
klein. 11 \ n-vlii Aa; Ap; ß; G; Syn. giggen, gi.ren,
jupcn: vul. Gipsi-Tierli. tlbertr.: mit feiner, zarter
395
Gaps— gnps. Gapscli— gupsch. Gapz— gupz. (iar-
396
Stimme sprechen. Si hed gar sanftmüetiglich ehönne'
lächele" und süesslächtig gipse' mit-em Midi L (JBEgli
1871). Was nützt 's, wenn e Frau cha"' französisch
g., aber Nüd will tue" a's Pantöffeli brndiere'? L.
Vgl.: ,Mutio, ich red heimlich oder ich gipze.' Dasyp.
Auch: „Sich unberufen in ein Gespräch mischen LE."
Vgl. drt' bieken. — 2. in hohem, feinem Tone auf-
.schreien, stossweise kreischen, wie Mädchen, schrill
jauchzen Aa; Ap; Gl; G. — 3. kirren, knirschen,
knarren, hes. von neuen Schuhen, ungeschmierten
Wagen, Türen, hartgefrorenem Schnee Aa; VO.; Gl:
G; Syn. glren, glxen; kirpsclien. — Abi. G'gips.
Gipser I m.: = Gips. ,Es ijrüssti'ii mich die
Meitschi, machten aber kein HiUinergescharr und G.,
aus dem Komplimentierbuch gelernt.- LG. — Gebildet
wie Schluchzer u. ä.
Gipser 11 m., meist Dim. Glpserli: Zipplerchc,
Wasser- und Bergpieper, anthus aquat. et mont.,
„alauda prat." BHa.; L; G; Syn. ffi.rer, Winsler;
Steinlerch; Herd-, Schnee- Vögeli. — S. gtpien i.
Gipsi f.: = Gips 1 b Aa; GA.; U. Vgl. Glri-
Schueh und Giger Sp. 152. — Gebildet von ys^y».«, wie
Schmkri von »chmitren.
gipsig: kirrend; ge'ipschige Schüeh UwE.
„gipsle": girren, kreischen; auch von ,Nacht-
buben', die ihre Stimme [in hohen Fisteltönen] ver-
stellen LE." Vgl. geipschen.
gipsiol: Ruf beim Versteckensspielen, indem man
sich verbirgt, während man mit dododo aus dem Vcr-
.stecke hervortritt GTa.; Syn. Gugg-üs, Gmx.
Vgl. O'ljK II und iö Bd I 20; l au den Ruf (lijmfi!
viell. nur angeschossen in Anlehnung an jBlen.
Gipse" f. : Wasserassel, asellus aquat. .Tinea aquat.,
ein gyzen, gypsen, stabysen, mäschen, wasserschaben.'
PiSCHB. 1563. — Viell. blosse Nbf. zu Gizen, mit Anlehnung
au obige W.-Fainilic.
Gips, gipsen s. Jips.
bi-gops s. Gott.
(iiipsi I: Bauernhütte (Pupik.). - .\lul. -V/../"«''.
II, Giipschi, GApsH
Gürp:
gäupsclie" (-ei): mit dem Kopf schaukeln, ihn
/iegen Bs. — Nbf. zu (/äutschm.
geipsehe": kreischen, lärmen LBerom. Syn.gipslen.
- Nbf. zu ge.itachen; vgl. Geipfi; seh also vergvubert aus ».
Gipsch, gipschen .s. Gips usw.
bi-göpsch s. Gott.
(iepz: Gebliard. ,nas guot in Gepzenbio.- VM^>,
/Leinib. — VkI. Kiiem aus Kuenrat, f.imr. aus I.icnhard.
Gar, ger, gir, gor, gur, bezw. garr usw.
gar {gär Ar; GRHe., Pr.; LE.; GSa., Eh., T.; Sch;
Th): 1. ganz, gänzlich, völlig Bs; B; F; Gr; G; Sch.
G. fertig mache' Bs. Es ist (du hestj g. Hecht Z f.
,Man kann sich bei solchen Verhältnissen meinen
Vater g. vorstellen.' Gotth. Din Ma" chönim iez
nn'-'' mir} //rir [gleich] hei'" GEbnat (Feurer). Mir
cliiDiiii ir: IUI'-'' nild gär esse', die Mahlzeit ist noch
nicht iH-icit (i'l', /'■'■ mue" der Mueter mf'' gär helfe
's U'o.schscil fi.-isjianne" . JMever 1860. ,Damit dir kouf
old dir brief möchtin mit werten old mit werchen kein
weg kreucht werden, garwe [im Ganzen] old an kein
teile.' 1305, B Kaufbr. .Was böumen uf undermarchen
stand, da hört jetwederm das anris, wa.s uf das .syn
fallt; wo aber böume uf eins eigentumb g. stand, was
anrises dann einem andern uf das syn fallt, das soll
halbs demselbigen und halbs dem, so der boum hört,
zuegehören.' Städtr. Wesen. ,Da dies alles gar be-
schah.' 4344, Aa Aarauer Urk. ,Git g. zenden [wofür
auch einmal .ganz'; Gegs. .halben'].' (?) 1515, Gfrd.
.[Das Gesuch] ist ihnen g. abgeschlagen.' 1531, Absch. .
.Wenn dyn usgeben und ynnemen glych sind, so mag
dich ein [ge]ringer unfal gar umbkeren.' HBiill. 1540.
,Wie das herzogtum, das er jetzt yngenommen hätte,
einen teil oder gar umb ein summ gelts ze lassen.'
Ansh. ,Die milch kompt von überflüssigem bluet, doch
nit g. [einzig und allein].' Ruef 1554. Einem Zu-
trinkenden, der sagt: ,Ich bring dir eins us diseni
krueg', antwortet der Andere : ,Ich halt 's, far har,
sei halb ald gar.' JMurer 1559. ,Ich tuen nit b'scheid,
er sei denn g.- ebd. ,Der niemer vor krankheit aus
dem bett kompt, der g. ans bett gehaft ist.' Mal.
,I)ie eidsform, die er hie brucht, ist nit g. [aus-]gsetzt.'
LLav. 1584. ,lch komme bald gär um den Appetit.'
Bantli 1712. Im S. der Verstärkung allit. mit ganz,
,gänzlich' in Wechselnderstellung verbunden Z. ,Gänz-
lich und gerwe.' 1328, L Urk.; dafür: , Ganzlich und
gar.' Anf. XIV., Cop.-Buch Königsf. ,Der [Geldsumme]
si von im g. und gänzlich bericht und gewert ist.'
1369, ZZolL Urk. ,[Das Ungewitter] zerschlueg mit-
tenandern alle fen.iter g. und ganz.' G Hdschr. ,Ganz-
lich und g.' XIV., G Urk.; 1433, Z Urk. Ähnlich ,g.
und süber' (s. d.). Mit vorgesetztem ,gerade' (gad-
(go-fl-) garj Gl; Gr; G. !''• bi' no"'' nüd gaggär fertig
Gl. Er meint ait"' gad-gar, er ellei hei Mecht. ebd.
Hinwieder wird gar selber zum gleichen Zwecke an-
dern Advv. vor- oder nachgesetzt (bezw. copulativ mit
ihnen verbunden). Gvüss gar, ganz gewiss, allerdings
BBe. Zum Ausdruck blosser Annäherung dienen fol-
gende Verbindungen, deren unbetontes erstes W. z. T.
starke Verkürzung erleidet und mit dem folgenden
gar fast untrennbar (wie in gaggar) zswächst, während
,fast' und .schier' auch durch ,und' von demselben
getrennt vorkommen, js [als] gar s. Bd I 198. I"''
han es-gar möge zueche [ich vermochte beinahe an Ort
und Stelle zu gelangen], ob 's g'regnet hed SchwMuo.
Noch weiter verstärkt: es-gar egigärigs (s. garig).
Fila [ril im, sehr nahe] gär. As ist d'r f. g. wia minr
und nid ril besser GRHe. (Schwzd.). Er hat villa gär
ei' Natih; y'hu" wie min Ätti. Bantli 1712. Verstärkt:
ßa Gott(s) gär Gr (auch i. S. v. .vielleicht'); GSa.
's hed g'haglet, d' Steine sind f. so gross g'si' a's Eier
GnPr. Fast g. B; Z, aber auch f und g. Bs; Z;
auch f. (i(iid) garigs (s. d.); schier-, schir- Aa (H.),
schie- AAKued. ; L; G; ScHW, SChi- L; Schw; UwE..
schr-gar L, schie-gärete, schier und gar Gr; Z, scho-g.
Ndw. Si het grad sch.-g. nit vermöge" selbe'' z' Uechte"
[eigenes Licht zu lialten] B oSi. F'' wä'- grad sch.
Übels [ohnmäclitig] worden, ebd. Sch. ist nimme halb
Gar, gt-
gor. gur
luid luilh ,st \iil A^St. S. u.»;li »(,rc/( (.gar iiacli. luirli
iukI i/ar] 1111.1 f/iiKil fiiiid ii(ir). -- ■-'. v.illeiiil.s, zumal.
l.K'soii(ici'.s. A's isch und scIm". (/lir ira-ii-er iceins, ((fyms
mir arm sind G'l'a. i\"iii r.vnrlniifii eines, Reichen).
Wenn-em iez das lur" hnirfimii. inird er na''' g. ver-
rückt Z. G. wenn 's, zumal w. GuPr. So, so, </. no'*
laiich das noch]! Bas chemti no"'' yuet! GiiPr.
(Sihwzd.). Ja, na"'' gar! Ausruf der Verwunderung
mler Verwerfung Z. Ironisch: Warum nüd g.! GTa,.;
'A: und (so fast) g.! ganz und gar nicht Gl; Z. —
;!. .sogar F; Z. ,So müesst es der Tufel ger [am Ende
gar] ".syn.- Vau. .W..1 ist .li-ii BiissfVrti-^.i in ihrem
K'rou/. und Leiden g.' .IMiiiii; \iW::,. .•<. (imlni. .So-
gar- wird zu srgar ali^Tsrli« arht (;S;i.. ihI.t ihirrh
vorgesetztes ßn (Bd 1 .s:JiJ) \ LT.-,tarkt : IVtc in« Sonntig
i" d's Wirtshus gät oder na''' fi"- sogar hlaua Mentig
macht V. — 4. sehr, resp. gar, so, zu sehr. Lauf nit
gär.' gar si] (zu) schnell LE. Si leui-ech [lasse euch]
g. griiessc B. Aw^'' g., doch gar zu sehr, arg L; Z
(s. auch Bd I 71). 's ist ä g., wie si en [übertriebenen]
,S'((i( macht Z. .Gär vil.' Bantli 1056. Noch verstärkt
durch eingeschaltetes grad, gerade. Ks ist (aw'') gag-
gar, z.B. ehalt! GlMoII. Gar ebig (s. Bd I Uli) glV',
gar so bald, zu bald. JKMeier 1844; g. grosser, viel
grösser PP. Wenn das mit g. verbundene Adj. von
einem Subst. mit unbost. Art. begleitet ist, so kann
(/. dem letztern vorangestellt werden, z. B. : ,Sie war
gar eine ruhige (Frau).' B.s (Me\ .•r.M.Tiaii). I'" tritt
im [dem] Herr wf 's Füessü. \r,,n,iii ' W'il /'■'' 17. e bös
Ticrli bi" Bs. , Gar einen gcscliirktni Sdin.- Schimpkr.
10.51. Es kann aber bei dieser Stellung das Adj. auch
ausgelassen und durch gar selbst i. S. v. ,gar (so, zu)
gross' vertreten werden: .Machen g. einen Wind [einen
stjirken].' EFhühlich. /<^'' ha g. e Freud B. Küsse'
hl [lassen] isch g. e Schund Bs. In diesen Verbin-
dungen kann das Adv. eine conjunctionale und zwar
causale Nebenbed. annehmen, indem der betr. Satz
einen andern begründet, der im Zshang der Rede ent-
halten od. leicht zu ergänzen ist; dabei ist beachtens-
wert, dass in diesem Falle gär gesprochen wird, auch
in den MAA., welche sonst dehnen; vgl. z.B. es ist
gar ehalt, es ist eben sehr kalt; dagegen es ist faii'''J
gar ehalt, es ist doch sehr kalt! Er ist gär gli chö",
i''' ha nümme möge' e"frünne' Z. Das Chind häd röti
Auge': es häd g. g'schroue", hat es ja gar so sehr
geweint Z. Er ist hinderst^'' chw : er häd 's g. gross
g'ge' [ist rückwärts gekomiii'-u. bat rv .lueli auf gar
zu hohem Fusse gelebt]. Dt' Jlrirf ,x/ innst [schlecht]
g'schribe", %''• ha g. müese" fci-hfe' [iiiirli dabei beeilen
müssen] Z. In dieser Bed. erscheint zuweilen die
Form gar-nu [nur], garu, garo. Er ist garo ängstli"''.
Es ist garo bald es Unglück g'sche'', ein U. geschieht
leicht Z. Endlich mit vorgesetzter und betonter Ne-
gation und in diesem Falle häufig wieder mit Ellipse
des Adv. Nit g., nicht sehr, eben, besonders (sc. gut).
Es cha-' nid gar choche' BBe. Wie geit 's-tm':' Nüd g.
ebd. '.s ist nummc gär! es steht nicht mehr glänzend
GTa. In ironischer Anwendung, als Antwort auf die
Behau]itung eines Andern kann nit g. (ähnlich wie
iiäd ganz) auch den Sinn des umgek. .gar nicht',
keineswegs, im Gegenteil, annehmen Gl; GiiHe. Üoch
kann dieser Gebrauch auch direkt zu 1 i. S. v. .nicht
ganz' gezogen werden.
Mhd. (jartir). bereit (daher nhil. .ic.ir' von gekochten
Speisen), vollständig, ganz; daneben aiicli ijurwe, gerwe (vgl.
iiliil. .Kerben'. Lcder znberoiten). Der Umlaut konoto oig.
nur dem Ad.j. und auch diesem erst später zukommen ; doch
liudet er sich auf das Adv. Ilbertragen bei einem si-hweiz.
Dichter schou gegen Ende des XIII. und dann bei Vadiau.
Bemerkenswert ist jedoch, dass er Jinf den Nordosten ein-
geschränkt ist, wo übrigens auch andere a durch U vertreten
sind, ein Lautwechsel, welcher violl. in der dortigen hohen
Aussprache des a seine Erklärung findet. Der adj. Gebrauch
ist der lebenden MA. abhanden gekommen; desto auffallender
ist folgender von Kirchh. 1824, S. 267/8 aus Ap unter dem
Titel: ,Es ist Alles gar—' angeführte Beleg: ,Das i.st Alles
gar, richtig und g'sichtig, klar und wahr', worauf eine Kette
von adj. Wortpaaren folgt, welche t. den Begriff der Gauzheit
und Zsgehörigkeit ausdrücken, t. syn. sind. ~ Unzweifelhaft
beruht t/aru auf nachlässiger Ausspr. für <jamu = ,gar nur'
(,nur' in afliriu. S. wie häufig in der Volksspr.). Mit (/an,
scheint Anlehnung an das interj. Anhängsel 0 (s. Bd I 22)
versucht zu sein, in dem eine Interj. zu dem deiktischeu
Charakter, welcher der Bed. 4 innewohnt, sich wohl fügen
würde. Dass zwischen fast gar, srhier gar ein und gesetzt
werden kann, während doch nicht wirkliche Erreichung der
Totalität damit ausgesagt werden soll, erklärt sich wohl nur
aus der Häufigkeit der Verbindung mit und bei andern zwei-
gliedrigen Formeln, z. B. 7>r;,r mul iim: In Hi:hier gärete
scheint der Schlussvociil dir in 1; M,\, iMÜrlite Adverbialendung
zu sein; ( aber ist viell. irld \m, m hundert anderen Fälleu
niüssigcs Anhängsel, hiir ^illn nhilibrnl. wcdil nach Analogie
des gleichlautenden gerct für .gern', ri/.,-.;" '"^ ' : ''-o;-./,.
vgl. .nahezu" und .beinahe'; gotu-gär frl,l.iit in d > in.-
der zahlreichen mit elliptischem (lull«- ■_'. iiil. 1, n \,i i.u-
kungen. — Der conjunctionale Gebrauch ylinlit dmi von
drum Bd I 231. Für 4 ist eine Abschwächuug von 1 an-
zunehmen, wie umgek. in lebhafter Rede .viel' leicht zu .all',
hoher Grad zum höchsten, gesteigert wird.
garig: 1. Adj., fast nur in Verbindung mit der
Neg. : Nüd en garege oder ennig-garige, ein niittel-
mässiger (z. B. Mensch, Wein), von zweifelhafter Be-
schaffenheit, nicht gar brav, nicht vorzüglich B. Nüt
garigs. nichts Besonderes, Etw. von geringem Wert.
Erst mittelbar dann auch positiv: Es isch icol absits
hie: tvas öppis Garigs [etw. Rechtes] isch, sieht si
meiste's geg de" Dörfere" zue BM. Syn. nüd gar Eine'.
— 2. Adv. Fast {fast und -schier- Scnw; Zg; Z) garigs,
fa.st gar. — Mit der auch für Adv. beliebten Bildung auf -ig.
welche durch adverbiales -s noch verstärkt ist.
egi-garigs, nur in Verbindung mit ps-gar, dieses
verstärkend: !''• han-eii [ihn] es-gar egi-garigs möge'
b'sieh |, beziehen', einholen] ScHwMuo. (Kdspr.).
O'itr '-;//;/. enthält eine redupl. Bildung durch abgek. ,und'
(s. Bd 1 '!'20) mit dem einfachen g. verbunden.
(iarällt: Bürge. Als präd. Adj. gefühlt in der RA.:
/■■'' bi'-der G. dcrfür, ich versichere dich Z.
Garailti (t), nui' i" der RA.: de" G. gä, eilig Ge-
schäften nachgehen, auf die Suche gehn GuPr.
Das syn. manclmiite' deutet auf die Geschäftigkeit eines
Handlungsreisenden [frz. marclmnd\, das W. selbst aber auf
Entstellung ans frz. qmrant [suchend] in der KA. alhr 7.
unter Einfluss von Garant, Bürge.
(iaraune f., Dim. Garauni: improvisiertes Gestell
für Gerätschaften, Esswaaren u. A., aus einem dünnen
Brett bestehend, in der Ecke eines ,Bergauns' [Heu-
schoppens] ÜrLuz. - Das W. ist. wie ßergmm, rätorom.
Garebüse f., in der RA.: in e schüni G. cho', in
eine arge Verlegenheit Gl. — Wahr.sch. frz. grahugr,
Gezanke. ■
Gä'rele" f.: langvs Brut aus Wcis.Miiclil. Butler und
Eiern in Form einer Haarllcclitf. auf .Vcujalir und zu
andern festlichen Anlässen gebacken B oSi. Syn. Zupfe.
Dim. Gäreli, dreizinkiges Backwerk Bs-'a. — Die letzte
Angabe deutet auf Ableitung vom folg. Vb. garren in Bed. 2.
garre", bezw. -ar-: 1. knarren (stärker und tiefer
als giren, girren), von Türen, Wagen, Schuhen, Wetter-
fahnen Bs; Gr; L; GT.; Sch; ZÜ. Loset toie der Gül
uf-em Chilcheturm gahret ! Hebel. JEs gäret und glret,
vom Sturmwind vor einem Gewitter im Walde Z
(ACorrodi). Vom Blasbalg: Der Blöshnlg gahrt im
hohle Schnüf AaB. (Minnich). — 2. , klaffen, aus den
Fugen gerissen sein; auch: weit hinausstehn, von den
Beinen eines Stuhles BO. ;- von den Rändern einer
Wunde BEL Empor-, hervor-ragen (auch iif-). Nid
wit und linggs vom Of'ipdss garrend zwei allmächtig
gross Felszaggn-n in d' Luft GsPr. (Schwzd.).
Mhd. und iihd. ijarrcn, bair. (jarrezen, nur iu Bed. 1.
Betr. den Begriifsübergang zwischen 1 und 2 Tgl. Annj. zu
t/it/ägen II Sp. 137 und ijaijyen II Sp. 166.
ushin- (ujDS'igarrt;): unordentlich hervorstehen,
z.B. von Haaren GW. — vor-, fürhcr- (fürha-
taritj: hervorstehen Gk.
Ga rette s. C'-.
Gari m. : Lcodegar L.
Garibaldi: Blouse, urspr. rot, dann ;uuli bla
und
andern Farben BBe.; ZStdt.
So benannt, weil der it. Freischaarenfübrer und seine
Leute ein solches Kleidungsstück trugen, das dann auch beim
weibl. Geschlecht Aufnahme fand.
Garien. ,G. sagen die Bauern für Gregorius.- Si'reng.
S. noch Gorjes. — Ahd. Oeurje, Gorju.
Garillioil (läuten): eine eigentümliche Art des Kir-
chcngeläutes, wobei die Glockenschwengel an Stricke
gebunden sind, die über ein Kad gehen; nur an Fest-
tagen üblich WGams, — Frz. mriUon, Glockenspiel.
Garodeli s. gar-ordenlich Bd I 439.
Garodt m.: Überstrumpf, Gamasche FS. Synn. s.
bei fink, Gamasche. — Aus dem benachbarten frz. Patois
(garoda).
Garojn m., (iaronje f.: Schimpfw.. ersteres für
einen Mann GnChurw., letzteres für ein Weib GrV.
— It. nirogna, frz. carmjnc, Aas; vgl. Keib.
garoliert: mit Vierecken besetzt, von Zeugen
BStdt. Syu. ge-huset, ge-chöltschet, ge-gätteret.
Die echt frz. Form des zu Grunde liegenden Vbs wäre
carreler; es ist aber der o-Laut der Subst.-End. (frz. carrmu)
herübergezogen oder beibehalten.
Garotsche {-atsche Zg) — f.: 1. alte Kutsche A.^Z.;
BGu.; ScHwE. — 2. alte baufällige Hütte, schlechtes
altes Bauernhaus AaZ.; Schw; Zg. — 3. altes Haus-
gerät. Mls ZU [Uhr] ist afig en alti G. Scuw. —
4. Schimpfn. eines alten Weibes AaZ.
Mhd. karräucht, kurronche. karrotsche, aus frz. curostsc, it.
rairocnu, Wagen. Syn. in Bed. 1 — 3 Gudd Sp. 122; vgl.
auch Oale Sp. 203.
Gäre s. Gerrisch.
gärre": 1. = gurren 1. Mer [wir] g'höre' 's Gätterli
[Gittertürchen] gäre" BsLd (Volksl.). — 2. Es uill
nicht gärre", vorwärts rucken, bes. von einem Fuhr-
werk AaZ.; „f."
Bed. 2 wahrsch. aus 1, da ,garren' auch von den Rädern
eines Wagens gebraucht wird. Der bildl. Gebrauch ,Torwärts
gehen übli.' au.li v..n S,i. hen. liiscIiiUlcn. AihciU-n, «iü bei
, hotten', vom FiihiniaDiiM iil .luittl' liir Vue. ttäie der viui
mhd. kä-nn.
Ganre f. = Geiss im Knabenspiel, welches sonst
geiss-gügen (Sp. 159) genannt wird (s. B. IV, 50/1)
GnObS. — Churw. c«.(i« (aus lat. atpra), Ziege.
Ger, Geril: Personenn., Gerhard Z. - Hievon
die patronymische Abi. (lerirnj als Geschln. L: Z.
Ger(e°) m. (f.): 1. (Fisch-) Gire in. Aa; L; Uw;
Zg; Z, f, B; Gl; ,L.- a) gabelförmiges Instrument
mit 3- 6 widerhakigen Zinken an einem langen Stiel,
zum Stechen von Fischen, bes. Lachsen. Dim. Gerli,
Gerili Ndw. ,I)Ie Lachse werden teils bei Tag ab
beiden Brücken in der Stadt Zürich, teils zu Nacht
bei Anzündung der Fackeln mit Geeren gestochen.'
EKöxiG 170G. ,Ouch ensoll keiner kein fisch mit der
geeren stechen,' ä.LBatsb. 1300/15. ,üer biber wird
mit langen gären gestochen.' Tierb. 1563. .Fuscina,
ein gäbelin mit dreien zinken, ein fischergere oder
Stachel.' Fris. ; Mal. .Geren, fischergabel, fuscina,
tridens.' Eed. 1662. — b) von JMuralt 1715 übertr.
auf Pflanzenteile, nämlich die von einem gemeinsamen
Ästlein ausgehenden, mit den einzelnen Zacken des
Fischergerätes vergleichbaren Nebeiis(lio-<^(> od. Blatt-
lappen. ,Es sprosset aus der Wid/.'i 1^1- \ -•■{<] virl
Schösslein oder Geerlein auf.- [lilutrn .|r^ li. i^vMatis,
lonicera] , die wegen gererweisc ZLilciltLii S:iuiiien
und artigen Züngleinen gar schön anzuschauen sind.'
,[l)ie Blätter von centaurea benedicta] sind lang, jedoch
in Geeren gespalten und ringsher zerkcrfet.' — c) Vor-
richtung an einem Wehr, welche dazu dient, Gegen-
stände, die daher treiben, zurückzuhalten und zu
sammeln Z; gewöhnlicher Sechen, beides wegen der
parallel laufenden, oben durch ein Querholz befestig-
ten Stäbe. — 2. {Gere f. Gl; L; Ndw, iil. Aa; Z)
Winkel, a) in der Verbindung i" d' (z' B; Gl; Z)
G. schnide' (schrote" Aa) B; Gr; 6; Schw, einen keil-
förmigen, schräg od. spitz zulaufenden Schnitt führen,
z.B. vom Zuschnitt von Hemden und Kleidern Aa;
B; Gl; Gr; G; Schw; Z; ein z' G. geschnittenes Kleid
hat auf beiden Seiten ein langes Dreieck eingenäht
ScHwE., und wirft keine Falten, sondern steht nach
unten gleichförmig heraus Z. Bei Holz- und Papp-
arbeiten spec. in einen Winkel von 45 ° abschrägen
(vgl. Germess), so dass zwei Stücke zsgefügt (vgl.
vergeren) einen rechten bilden; s, GerifgJ. Syn. geren,
in Winkel scliniden, engl. ,to cut in gores' , nhd.
,göhrig schneiden'. — b) Gere (meistens m.) schräg
geschnittenes htück selbst. 1) der auf beiden Seiten
des .Stockes' eingesetzte Zwickel am Frauenhemd Bs.
— 2) der durch eingesetzte keilförmige Zeugstreifen
(vgl. ,Spatt, Spickel') gebildete Teil der Kleidung,
auch: Flügel, Zipfel des Kleides. .Der Geren, Schoss,
Tiefung, die man mit den Vorderflügeln des Kleides
macht, um Etwas aufzufangen, greniium, sinus vestis.'
Si'RENG (Bs). E Chind allewil uf der G. ha", immer
auf dem Arm herumtragen. Sülger. Ein'" bi'm G.
ne" [ergreifen, packen] Z. Syn. Cbim) F'ecken, Frack.
,Wär sach, dass der wuecherstier jemand kein [irgend
einen] schaden täte, der soll in usjagen mit dem geren,
und nit mit Irefler hand.' AAWett. Offn. ,Dor stier
und das wuocherschwyn hand ouch das recht, wo sy uf
schaden gond, das« da einer inen soll mit dem geren
weren und tryben unz uf das näch.st guot.' 1483, Offn.
R'ii-
W2
Zlluli. ,\Vo (las brreiid [tiäclitig] riiul liingat, soll im
nieniaii oiikein leid tuen, woii [sondern] es mit synem
rechten gern ustryben an orten landstrasse.' 1538 (resp.
1350). /. .Niemants soll aufdecken seines vatters
geren.' 1548, V.Mos.; dafür: ,decke.' 1531; ,rtügel.'
UiU7. ,Do spannet ich meinen geren über dich, dir
dein schaiu ze bedecken.' 1531/48. Ezech.; löüT mit
Kandglosse: ,Wird hie für Schutz und Schirm genom-
men.' ,Zuo derselben zeit werdend zehen männer aus
allen sprächen der Heiden einen Juden bei dem g.
orwütschen.' 1531/48, Zach. , Welcher glüet im geren
treit und schlangen in syn buesen leit, der will mit
gwalt gross unrue han.' HBull. 1533. .Kleider-geren,
sinus vestium, lacinise. Sinus, die geren der kleideren.'
Dasvp. 1537. ,Gar bös ist schlangen in der schoss
iisbrueten und dieselben neren; denn sy ei'm 's gift
land im geren.' Aal 1549. ,Extremura tuniciß, das
bort oder der säum des rocks, der geren am rock.
Lacinia. ein g. oder falt eines kleids. Laciniä togie
alqm retinere, bei dem g. erwüschen. Calcare laciniam
tog». auf den g. treten. Ein g. des rocks under dem
arm durchbin oder über die achslen geschlagen, einen
ze decken, cinctus gabinus.' Fris. ; Mal. .Der Geren,
Schoss. Falt, Buesen. lacinia, greniium, sinus.' Rep.
l(iü'2. S. noch Fecken 2Bäl 7'29. — 3) a) („f.") drei-
eckige Dachfläche, welche bei der sog. Ständerbauart
durch Verkürzung des Firstbaumes auf den beiden
Schmalseiten des Gebäudes sich ergibt; abgewalmter
Dachteil B ; L ; Z ; Syn. Gerschild, Walmen. — ß) (m.)
dreieckiges Giebelfeld L; Z; Syn. Gerschild. — 4) (m.)
die zwei äussersten, halbmondförmigen Dauben zu
beiden Seiten eines Fas.sbodens Z. — 5) (f.) Vorderteil
eines Nachens, insofern er mehr oder weniger spitz
zuläuft BO. — 6) (m.) spitzer Streifen Landes, drei-
winkliger Acker, z.B. zwischen zwei längern Äckern
(iL; Z. .Ein achtüdc teil des geren einer wise.' 1328,
Z Urk. Hieher gehören zahlreiche Namen von Örtlich-
keiten, bes. Grundstücken, in welchen das W. alle drei
Geschlechter zeigt: (der) .Geren', Wald von länglicher
Gestalt mit schiefen Winkeln Aa; Wiese SKappel;
1330, L; Berg BO.; .im G-n' ZUster. Wäd., Erl. (wo
der Gerenlirieg Statt fand), Düb. Hochfläche zwischen
Reuss und Limmat. Itn (am) Ger AAFri.; ZTurb.;
.Jenny ze Geron.' 13'21/70, Gfrd; .ab dem Geren.'
XIV., ebd.; ,vom guote am Gern.' Jahrzeitb. UwE.
.Die zwei güoter, die man nempt die zween gerne.'
1391, GWal. ,Gere' f. UwE.; ZF., Mönch. ,Das holz,
genannt die geren.' 1493. Offn. GKrin. ,Das Ger'
GOberh. (= die , Geralp-); Soh. Dazu die Compp.: Ger-
iicher Gh; ,Gerenacker.' 1.580. SBib.; Gerenau ZWäd.;
Gerenegg Gl; .Gerensteg.' 1511, L; Gerensteghof Z;
Gerental W (geschlossen, ohne Gebirgsübergang).
Gerete f. S (viell. in c"ll. S.). — c) (Gere f.) Winkel-
mass der Schreiner. E.juerre BS. — d) (Gere m.) drei-
beiniges Gestell für eine Tanse, in welche Jauche
geschöpft wird Tu (Spillm.); Syn. Giillen-Stuel.
Mh(i. yer(e) Dl., Wurfspiess; keilförmiges Stück, Schoss,
Saiim. — Der Bed. i c liegt viell. das aus dem benachbarten
Frz. herübergenummene ei/iierre zu Grunde. — S. auch
Gugg-Gere", Giiggere' auch -öre \vK.: ZDättl.,
-erle GStdt. f.: 1. kleiner, mit Giebel und meist mit
Fenster versehener oder mit Laden verschliessbarer
Vorbau auf dem Dach eines Hauses AaF.; Sch; Th; Z,
Ausblick und dem Estrich Licht gewährend, häufig
Snl.weiz. Mi.itik.m 11.
einem besondern Gemache dienend L; GW.; THSteckb.;
Z. das auch etwa als Werkstatt benutzt wird L, daher
Güggerler, Übername eines Menschen, der lange Zeit
in einer Dachkammer gewohnt hatte SuiiwE., Ma. ;
s. Werch-Hus. Mansarde L; Th; Z. Aber auch nur:
kleine Dachlucke, offen oder verschliessbar, Gaupe,
Licht-, Rauch-, Katzenloch auf Strohdächern, auf
Ziegeldächern von Blech, kleiner als Guggenhürlifg),
durch .\usbreclicn und Erhöhen des Daches ange-
bracht Aa; (u. ; (i; ScH ; Ndw; U; Zg; Z. 's hindrist
G'halt |(njiiiacli| (li(r'''näuse" bis uf d' höchst G. [unter
dem l>achgiebelj Schw (Bruhin). ,Auf dem obern Bo-
den ein Zimmer ohne Erhöherung des Dachstuhls und
nur mit Beisetzung einiger oder mehrerer Guggerlen
angerichtet.' 1728, G Ratsprot. Syn. Giigger 13, Dach-
Guggeli; s. auch Guggernell und Gugge-Hür, -Hüs.
Auch Name eines Hauses in ZBenk. — 2. = Guggeie
s. Sp. 180.
Für die Erklärung aus (luijij-Uerc' spricht die .\nschaHHng
der Sache, indem die bei der tw. Erhöhung des Ziegeldaches
(welche urspr. ohne eigene First bewerkstelligt wurde) ent-
stehenden Seitenwäade Dreiecke bilden oder die halbkreis-
förmige Erhöhung auf dem Strohdache nach hinten keilförmig
sich verjüngt. Die Form -öre, -ärli scheint nur lautliche
Ausweichung, welche aber auf ,Ohr' gedeutet werden konnte,
weil dieses an der Seite des Kopfes ähnlich hervor- oder
eiuporsteht wie der Vorbau am Dache. Jedenfalls liegt im ersten
Teil des W. das wesentliche Merkmal, d.'iss ein Dachzimmer-
chen oder -Feusterchen einige Aussicht (s. (juijijtn) gewährt.
Chel-Gerli s. Kel-Gerten.
Madel-, Model-Ger: Enzian, spec. g. cruciata,
mit kreuzweise durchstochener Wurzel GT.; Durh., It
Sulzer = g. minor. ,Mo., so etlich kreuzwurz nennend.'
TiERB. 1563. .Senecio, (H)erigerün, creuzwurz, docli
wirt mo. auch also genannt.' Fris.; Mal. .Cruciata,
Creuzwurz, Mo.' Denül. It377; 1716. ,Mo., so einige
Kreuzwurz nennend, wird dem Vieh eingeschnitten,
so auch zu den Wurmen und Pestilenz gerühmet wird.'
Churer Schreib-KaL 1712.
Mhd. modal-, modd-;jei; basilia, cruciata (bei Dieffenbacli
auch: ,Spereustich' glossiert); ahd. auch häufiger Fersouenn.
Ober die wahrsch. mythische Beziehung der Pflanze s. Gr.
Myth. ', S. 1160. und vgl. Perger, Pflanzensagen, S. ITU,
und Schm.-Fr. 1568.
Nabel-Gerli" n.: Nabelbinde; auch der weiche
Lappen, den man dem Neugebornen auf den Nabel
legte und mit der Nabelbinde festband, Nabeltuch ZG.
So bis in die 30er Jahre. — 2. Nabelschnur. .Kitzi
I Zicklein], das das nabelgerlin noch hab.' XVI., (i
Katsatz. — 3. = Madel-G. ZG., aus diesem umgedeutet.
'2 möglicherweise verschrieben für das in med.-anatouii-
schen Werken sonst hiefür vorkommende: ,Nabcl-Gorlo'.
gerächt: .Sinuosus, winkelechtig, krumme, gehr-
cchtig.' Dasvp.
gere'': 1. a) „schräg od. schief schneiden GT.", bes.
in intr. Bed. von einem Dache i. S. v. Ger 3 b 3J a. L.
Syn. z' G-e schniden. — b) „Zwerchfugen machen,
z. B. an Brettern, von denen das eine perpendikular.
das andere horizontal zu stehen kommt L; Z." Zwei
Gegenstände nach dem Winkel von 45° zsfügen BHk.
— 2. stechen. Vgl. Ger 1 a. .Da gereten die feinde
ihnen 10 oder' 12 nider.' Edlib. — i°-: in einem
Fussboden zwei Friese kreuzweis'in einander fügen Z.
— ver-: = geren 1 b in tr. Anwendung L; Z. —
Vergeri^g f.: in eoncr. S. die Rinne, welche entsteht,
wo zwei Dachflächen (jucr a\if einander stossen L: Z.
403
Ciar. ger, gh. gor,
404
(iori II f.: der halbe rechte Winkel; i" d' G.
schinde" Z; s. Ger 2 a.
Geri III n.: = Ger 2 b S a. BAarh.
Eig. Dim.-Biliiung zu ff«-, den kleinen SchiW im Gegs.
zu Ehi, dem Haiiptschild, bezeichnend.
Geri"g: 1. f. a) = Geri IIB; L; Ndw; Z. Etw.
i' d'r G-g zerschnlde", in der Diagonale entzwei schnei-
den BK. — b) die Fuge und Ecke, welche durch Zu-
sammenfügen schräg geschnittener Gegenstände (z. B.
Bretter, Gartens) entsteht Bs; Z. — 2. m. das Winkel-
mass, welches den halben rechten Winkel angibt B.
Syn. Germess. - 8. n. = Geri III B.
Das Geschlecht bei 2 wahrsch. übertragen von ,'Winkel':
bei 3 wohl von Geri III, viel], aber eig. adj. d« gerig Schildli.
Dach- f.: das Verhältniss, der Winkel, unter
welchem die beiden Hälften eines Daches sich zu
einander neigen. Vgl. Ger 2 h 3) «..
gerig: spitz- oder stumpfwinklig LHitzk.
gerle": eine Querstellung annehmen, schief stehen,
sich in die Quere neigen ; umnie-g., beim Gehen sich
hin und her neigen, schwanken, müssig herumschlen-
dern GG. Zu Ger 2.
ger s. gern.
Ger f.: Begehren. Nur in der ä. Spr., bes. in der
Formel: ,(Uf) syn bitt und ger' häufig, und in Gerezi.
— Mhd. gei; auch bei Hadl.; noch 11521. Urk. BBurgd.
gere" I, Via. (fgeret K\; GTa.: begehren A.\: Ar;
Bs; G; Z f. I''' gere nüd iise [mag nicht ins Freie]
AABb. He ,jo, wol frili"'' wd-mer 's das, das hei-mer
'gert. Breitenst. Singsch derzue und gersch kei Dank.
Hebei-. !'•'' gibe Nüt und gere" Nüt ZB. F'' gere 's
nüd G. G'geret, begehrt, von einer Waare, nach der
starke Nachfrage im Handel stattfindet GTa. .Von
weme man euch den zoll kann gern, den[en] soll man
schirm und fride bern [gewähren].' Schachzabelb. ,Ich
han üwer bitt wol verstanden, der ir gerend.' 148'2,
Gfri). ,[Es] kamend unsre eidgnossen für gross und
klein rät und gertend an sy . . .' Edlib. ,Bet und ge-
ruug [Bitte u. Begehren].' ebd. ,Zuo G. lyt fast [viel]
des volchs, so lieher unfrid geren.' 15'29, Strickl. Si
weuschid Nüd meh z' günne' und gärid Nüd meh
z' günne. Gespräch 171'2.
er-gijrend: ,Ehre begehrend', verehrungswürdig.
, Vorab Gott dem Allmächtigen, auch der ergerenden
Jungfrauen Maria.' Cysat.
ver-nü"-geren s. -gernen.
be-gere": wie nhd. Er hat nie Öppis higerc"
z' tue", hat nie Lust zur Arbeit gezeigt Z. ,Ich bin
hier, ohne dass er mir oder dem Kinde je Etw. be-
gehrt hätte zu zahlen.' 1870, Z Proz.-Akten. Bigert
si", gesucht, zunächst von Waaren, dann auch von
Menschen: beliebt, willkommen GW.; Z.
Sieben-geschlechts-Begeren: eine der UVer-
fassung eigene Form der Volks-Initiative, indem die
der Landsgemeinde vorzulegenden luitiativbegehren
von 7 Männern, die 7 verschiedenen Geschlechtern
angehören, gestellt werden müssen.
üf-begüre": 1. ursp. von Untergebenen: gegen-
über Vorgesetzten sich auflehnen, empören, zunächst
gegen ungerechte Zumutungen, dann auch gegen ge-
rechte; Recht haben-. Nichts an sich kommen lassen
wollen, widersprechen, trotzen, pochen Bs; Gl; G;
ScnSt; Z. , Wer aufbegehren wolle, solle zuerst seine
Schulden bezahlen.' 1582, Seg., Pfyffer. — 2. zunächst
von Vorgesetzten gegenüber Untergebenen : Unzu-
friedenheit äussern, Vorwürfe machen, hart anfahren,
schelten, zanken; dann übh. aufbrausen, poltern Aa;
Bs; B; S; Z. Im Wortspiel mit vfbegere", aufstehen
wollen: B' Mueter hat ttf bigert mtt-em, dass es am
Morgen nie uf bigeri. Er bigert gern uf, nw nüd ame
Marge früeh. U. mit Bs; Z, gege" Gl Ei"»!. S. noch
Nachtwächter, Burspatz, Häftlimacher. Syn. balgen.
Zu 1 und 2: üf -kellen, üs-bröten, -keren, -kramen,
-binden, losfaren, den Kragen leren, von Leder ziehen
u. A. Vgl. üfB6. - üfbegerig Bs, -isch BO.; Gl;
S; Z: von trotziger Gemütsart, zu Widerspruch und
Schelten geneigt, leicht aufbrausend, jähzornig.
Gerezi: nur in der Verbindung: Mit G., mit Ab-
sicht GlK.; GoT. Hesch's mit G. tue? Syn. gerigs.
Versteinert aus 6er und &'"» [Begehr und Bewusstsein,
Willen und Wissen] und jetzt als eiuf. Subst. gefühlt.
gerigs: mit Absicht G oT. Syn. mit Gerezi.
Eig. wohl nur das Ptc. Präs. von gfren, mit Übergan;,' vnn
-e(n)d in -ig, im Gen. adv. gebraucht, nach Analogie der
Advv. auf 4igs aus -liin)gs.
ggre" 11: sich beeilen, sich anstrengen mit einer
Sache bald fertig zu werden, geschwind machen, auch
refl. G oT. Wo-mer g'seh händ, dass kei G. Nüt nützt,
händ US Müedigkeit wir üs in Schatte' g'leit. Feurer.
Der rofl. Gebrauch wahrsch. erst ans dem syn. und an-
klingenden ,sich weren' und das W. wahrsch. nur eine be-
sondere (absolute) Anwendung von geren I i. S. v. begierig,
eifrig sein.
Gsret: Personenn. 1. Gerold, daher Geretswyl Z
aus ,Geroldeswilare'. - 2. Gerhard. Neuj. ZW. 1884.
Vgl. Eret = Erhard. 3. s. Ger.
Geri IV: Personenn. 1. Gerold AASt. — '2. Ger-
trud. 1452, Urk. Z OGl.; Cysat.
Güri-Geri s. Hutz-Gür.
Gerig: Personenn. 1. „Gerold U.» — 2. Georg.
,Sant Gerigen Tag.' 1375, Z Urk. neben: ,Nach sant
Gerien tage.' 1411, Bs; vgl. ,ze sant Georien tag.'
1339, ebd. und Jih-g.
Gerrisch, Gerrist BÜ., Si., Gerst BSa.: Meister-
wurz, d. h. die Wurzel von imperatoria ostruthium
(auch G.-Würz, Wiss-Gerrist); ebenso die beissend
scharfe W. anderer Doldengewächse, wie von lego-
podium pod. Aa; B(Girsch), angelica, laserpitium U.A.
Schwarze'' G., astrantia major BO., wofür auch Gäre
BSa. Sachliches s. bei Astrenze und Meisterwurz.
S. noch Gerste.
Ahd. gere^, gcrs für imp. nstr., seseli uiaer,d. und ;i*g<i-
podium podagraria; vgl. Grassmaun S. 100.
Gerolf: Goldamsel, Pirol, oriolus galbula bei Fitis. ;
Mal. — (ier-(ir),ilf ahd. PN. vgl. iLuhhjrr.
Gertrud Trud, Brut „VÜ.", Trüth; SciiwE., „Träte
Gr", Dim. Trut(e)li. „allg.", Trüdi kh^t.; Bs, Trudel,
Trutsch GRPr. Die h. G. soll die Tochter Pipins von
Landen gewesen, a. 658 als Äbtissin gestorben und
schon im VIU. in den oberdeutschen Gegenden verehrt
worden sein. Es scheint aber, dass der Name {Gerdrüt:
Speerkraft) urspr. einer kriegerischen Göttin (entspre-
chend der nordischen Freyja) od. Halbgöttin (Walküre)
zukam, der dann, wie der Walburg (,Walpurgis') und
andern angeblichen Heiligen auch Wirkungen auf das
Gar,
ger, gir, gor, gur
Naturleben zugeschrieben wurden. Der ihr im Kalender
zugeteilte Tag (17. März) gilt als Terrain der Früh-
lingsarbeiten im Garten und ist noch mit altem Glau-
ben verbunden. Gertrud säit (bringt S, sä Bollen Z)
Zihekn [Zwiebeln] und Chrüd L. I" der G. wachst
(lern Mangolt und ChnV. BBe. Am G.-Tag soll man
wacker Wasser trinken, so schade das Wasser Einem
das ganze Jahr nicht. An diesem Tage reinigen .'iich
die Wa.ssertiere Gr.
Laut Kopp, ürk. IV, 2, 247, 4 soll gleiclibeaentend mit
li. (liir Name Guta (,GH0ta.' 1.320, Urk.) vorkommen; daher
viell. die in der Sage von der Mordnacht in Bregenz vor-
kommende ,Ehr-gutta' s. Lüt, Sag. S. 43.5, Rochh., Gl. u.
Br. 2, 300). S. noch Trat.
Gir I m., Giri n. (Dim.) W: 1. Geier, spec. (auch:
,Gold-, Joch-, Bart-, Stein-, Schaf-G.') Lämmergeier,
gypaijtu.s barbatus; meist aber jeder grosse Raubvogel,
bes. Adler (Stein-A.), welches W. (s. Bd I 90) auch
unigek. den Lämmergeier bezeichnet. ,Geyren oder
Geyradler.' Cysät. Gir-Anneli hiess eine Frau aus
BHk., welche als Sjähriges Kind von einem G. weg-
getragen, dann aber fallen gelassen worden war. Der
li. gilt als räuberisch, wird aber in einem Kinder-
spruch durch den Hunger entschuldigt, der alle Ge-
schöpfe treibt: 's Büebli springt de" Berg üf, 'em Gijer
iKi [nach]. „Was springsch-mer nö?'' Was gisch-mer
Nüti' „Ha selber no Nüt z' Obig g'nö." Eocmi. 1853.
Liiege' es-mie 'ne G., mit gierigen Blicken Ndw. ,Der
gir [eig. da.s Wappentier Karls des Kühnen] treit
grossen übermuot, der bär und stier gar wol behuot
wend mannlich mit im kretzen.' Granson-Lieu. ,Der
g. ist u.^geüogen dem hären in ,syn land.' Murten-Lied.
.Von einem Gycr 4 Pfd [Schussgeld].' 1582, UwF.
Talb. ,Gire>i werfen, zum Raub auswerfen, wie die
Grielgelder, missilia.' Spreng. ,Es i.st, wie wenn man
den Gyren rupfte. Das Gyrenrupfen ist ein altes
Pfänderspiel, bei dem sich Alle gegen Einen ver-
einigen, um ihn zu plagen; wahrsch. von den Raben
und andern Vögeln hergenommen, welche, wenn sie
i'inen (i. sehen, denselben verfolgen. Wie alt jenes
Spiel ist, beweist der Titel einer polemischen Schrift,
.das Gyrenrupfen', welche vor 300 Jahren einige Bür-
giT von Zürich gegen den bischöflichen Vicar Joh.
Faber herausgaben.' Kirchh. ,Sy band an mir nüt
überhupft und mir den gyren g'nau berupft.' NMan.
,Sehend zuo, wie wir mit Hansen Schniid [Joh. Faber]
so hiipschlich wellend den gyren rupfen.' Gyrenrupfen
15'23. Der Landvogt von Grüningen beklagt sich, wie
er von allen Seiten verleumdet werde. ,Und ist ein
wyl um mich g'syn, wie man den gyren rupft, und
ist wild über mich 'gangen.' 1528, Eglt, Act. Häufig
in Flurnn.: Giregg Th, Girsberg Tu; Z, Gyrenhad Z,
Girenflue U (vgl. ,Vogelflue' Bd 1 1185), Girhalde
ScnSchl.; ZDiet. (schon 1653, Arch. Wett), Glrenspitz,
ein Gipfel des Säntis; auch Name dreier Berggipfel
Gr. N. N. in Z urkundet 1538 wegen der umgehauenen
Gerichtsmarke ,Gyreich' (vgl. Gir-Tann in dem Ge-
schlechtsn. Girtanner). Auch zum Geschlechtsn. ge-
worden ScHW; Z. ,Peter zem Gyrn.' 1335, Bs Urk.
Mhd. giy. In ,Glren werfen' scheint G. Dat. PI.: (den)
Geiern hinwerfen. S. noch Ropp.
Furkeli-: Gabelweihe, roter Milan, falco milvus.
Syn. Fiirkelin Bd I 1013 und GäbeU-Vogel. — Gold-:
liämmergeier. ,Es wird in Schweizeralpen ein Gyr
gefunden, welchen sy von der roten Brust wegen ein
Goldgyren nennend.' Vogelb. 1557. ,Goldgeir, vultur
alpinus.' Mal. ,Harpe, ein Golgeir.' Denzl. 1677; 1716.
— Henne"-, Hüener-, Tube"-: 1. Habicht, falco
palumbarius Gr; Syn. Vogel 2; ferner Tube'-Pad;
-Sperber. — 2. = Furggeli-G. .Die Gabelweihe, Moos-
weihe, Gabelschwanz, Hühnligeier, Hühnlidieb, falco
milvus.' HSchinz 1842. — 3. ,Der Bussard, Mäuse-
bussard, Moosweihe, Hühnergeier, Hühnerdieb, falco
buteo.' ebd. Syn. Hennen-Vogel. — Vgl. roni. «iV/«^
pkailo, Sperber, im Gegs. zu ayid grande, Lämmergeier.
Hasen-: = Gold-G. ,Darumb man [den Goldgyr]
ein Assgyr, Keibgyr und von Rossen ein Eossgyr, von
Hasen ein Hasengyr nennet: darumb dass er dise tier
alle angreift oder frisset.' Vogelb. 1557. ,Hasengeir,
vultur.' Mal.
Keib-: Aasgeier Bs; Vogei.b. 1557. — K.;i,. .\as.
Berg-: Adler Gr ObS.
Stein-: 1. Steinadler GrD. AU wie en St.. sehr
alt GrD. — 2. Lämmergeier Gr (It Alpina 1, 169).
Dem Adler (wie einigen andern Vögeln und vierfiissigen
Tieren) wird nach altem Glauben hohes Alter zugeschrieben
(dazu dann anch noch Fähigkeit der Ver.)üngHng, vgl. Phönix).
S. Wackernagel, die Lebensalter, S. 23. 36. ,Alt wie ein
St.' erinnert auch an ,steiualt'.
Gir II: Ursache oder Stoff des Girens (Kirrens)
in den Schuhen Z. Syn. Gips, Glri.
gire" I Ap (It T.); Bs; B; Gl; Gr; G; Sch; Th: Z.
girre" AABb., Zein.; Ap; ScnSchl.: kirren, knirren.
knarren, knirschen, bes. hohe, .schneidende Töne her-
vorbringen od. von sich geben, wie z. B. Räder, Türen
in den Angeln, Baumäste im Sturme, Türschlösser,
Windfahnen, Schuhe, trockene, harte, an einander ge-
riebene Stoffe Aa; Bs; B; VOrtf; Ol: Cr.; Sru; S;
TH(-i-); Z. Syn. yarr.,:, ,,,y,.,7„„. In,,,. I:,r-<,,K As
hat [bei einem Concert.'| mr <i^,' ,f,iiiil ni^inJir. /.(«-/s
wie 's Kätters Bliebe KiichilHi\ Sn i/, l^tMi^llr|n.^■^'•-
Anneli). 3ter g'höre de' Br,„lrti„rl. </. IM.ailolil..
VL. U237). A'Tessin abe [vn,„ (n,ttli;ii.l li.r| ,jnrd
d' [Fracht-] Güeter Schw (Schwzd.). Wenn neue .'Scluilie
(/., so sagt man, sie seien noch nicht bezahlt oder man
habe dem Schuster kein Trinkgeld gegeben Z; vgl.
Gips. Von hartgefrornem Schnee unter Tritten oder
Wagen Ap; Bs; B; Z. Mit dr» /,h,<" </. Ar: S. iiSt.;
Tnläg. C-irr-J. I''' gibe-n-im [S.l,l;,;....|. I.,<^i„i ,r l!,,,j,r"
g. Bs. So dirösed's und ißml 's in WiiiKtm imic"
Sch (JMey. 1866). ,Er [der Wiiidlials] kirschet oder
geiret mit seiner stimm.' Vogelb. 1557. ,Porium cre-
pitus, das goiren oder geräusch der türen. Tacitur-
nissimum ostium, fast still, ein tür, die nit gern gyret.
Infrendere, mit den zänen kirren, grissgranmien, goiren.
Gemunt gubernacula nautis, gyrend od. gygend. Sonns
remorum, das geiren der ruederen.' Fris. ; Mal. .Die
Kaiserischen tribend die sach ernstlich, ja schmirwtcn
den karren der massen, dass er, wie er joch [auch]
girret, gan muest.' HBdll. 1572. ,Wenn in dem
hohen Saal des Vogelhimmels geiret [: feiret] des
Schwalben Mnttcrstimm.' RGwerb 1646. .Von gyrcnden
Gliedern, so sich begeben tuend, wann Einer sicli
understeht, einen grossen La.st aufzuheben, oder so
streng und stark werket, dass ihm die vordere Hand
krachet, als wenn sie gebrochen wäre.' FWinz 1631.
,Ein ganger Müllikarren gegen einer alten gyrenden
und kirrenden Bannen.' Schimpfr. 1651. ,Gyren, girren,
kirven. crepare. stridere.' Reh. 1662. .Rixantnr herb:e
407
Gar, ger. gir, gor. gur
4f^l
aridae, die dürren kräuter krosen, gyrren. Stridere,
kirren, geiren. pfeifen.- Denzl. 1677; 1716.
Das W. scheiut in zwei versch. Ablautsstufen (i : J) vor-
zukommen oder dann ist aus onomatopoetischer Rücksicht
Dehnung vollzogen; vgl. Gir, Oirilz, Spir, lat. hirundo, Namen
von Yögcin, welche sich durch den scharfen Ton ihrer Stimme
auszeichnen. Letzti-n- AiiITms-iuil' wirO s-istützt durch Ver-
schiedenheit der Hiil.l. il.r l:iiiu'. ii uihI der kurzen Form
(i für langgezogfTK-. ( liir kuiv :ilii.-.^t..v^,.iif. Töne); vgl. na-
mentlich die Angal-Mj au» Tli. ijirrrn entspricht dem mhd.
llrien (nehen girren), kirrcu; wobei sich die Anlaute </ und k
verhalten wie in den Doppelformen ffii/en und kripfen, gaffen
und kap/en u. A.
Giri: = Gir IL Glitzerig Saline^ und G. drin.
Sti'tz. Vgl. Glri-Schue''.
girig (girr- U): 1. grimmig kalt (wenn der Schnee
gir et). Je giriger de'' Winter, desto tropfiger (nasser)
de Summer Ar; U. — 2. knirrend, knirschend. Glrigi
Sehne'' Z.
girle" GrV., girrle" GW.: 1. = giren I, z.B.
von Fensterladen GrV. — 2. durch Reiben zweier
harter Gegenstände, z. B. eines Messers an den Zähnen,
einen unangenehmen Ton erzeugen GW.f
glre" II: .spähen (wie ein Raubvogel nach Beute),
bes. beim Ballspiel: sich umsehen und wenden, um
den Ball zu erhaschen Z. — Wahrsch. von Gir. da syn.
auch nperljeren gesagt wird.
Gire" ßj m.: Gier, Begehren. Gelüsten. En G.
na'''' Öppis ha" ZRafz.
Mhd. nur gir f. D,as m. wahrsch. nach dem syn. GIiisi,
Gelüsten; für die schw. Form vgl. Gtuinf Sp. 332.
er-giret: von heftiger Gier oder von Eifer erfüllt,
beseelt, leidenschaftlich auf Etw. erpicht ZZoll.
girig: begehrend, sich sohnend. geneigt, willig.
,Guotwillig und g. zue stcrli.n.- K'i s»i,.
nü"'-: 1. Öppis Neugt 11 q^. fXw . N^mios Aa. — 2. wie
nhd. ,Den Menschen ist Xiclit- in.ln.rs von Natur
anerboren als die Neusbegirigkeit. AKiiml. I(i88.
1 eigentümliche Übertragung auf ^Ih Sm h.-. i|;i~ Objekt,
durch welche die Neugier gereizt o.l, r g.vtillt wird. Für !
in der lebenden Spr. wunder-gUh, -filzig, g' ici'itidrrig.
wunder-: neugierig Ap; G (1790).
begirlich: 1. begehrenswert, erwünscht. .Ich soll
ouch beroupt werden der be-en anschauung des an-
gesichts Jesu Christi.' Ap LB. 1409, ,Eren mit b-en
gaben,' Anf. XV., G Hdschr, ,Dass es mir allwegen b.
und frölich was.' KSailer 1460, ,Wess wirt sein alles,
was lieplich und b. ist in Israel?' 1531/48, I. Sam.;
dafür 1860: , Alles Wünschenswerte'. — 2. begierig,
eifrig, ,Wenn dem vogel von girligkeit zu essen etwas
im hals bestecket.' Vogelb. 1557. .Herzlich und b.
befelchen, commendare de meliore nota. B. und herz-
lich gebett, preces ambitiosse,' Mal. ,Welchen ich
ganz begirrlich nachgestellet hab.' 1619, Mise. Tig.
— Mhd. hegirlicli, begehrlich.
Giretsche s. Gürgetsch.
(iiriz, Gi- B; ZS., Gl- Aa; L; Sch; ZSth., W„
Griz B; L, Graz LM,, — PI. -e" — m., Girizi B n.:
1. Seesehwalbe. sterna hirundo L; ZS.; Syn. Hol-
Brueder. Lachmöve, larus ridibundus äa; ZW. Tue'
wie-n-en G., lännend, unruhig sich herumtreiben Z.
,Holbrod, Pfaff, Gyritz, Alienbeck , die Lachmeve,
schwarzköptige Meve, gemeine graue Mevo, Fisch-
meve,' MErsNER u, Schinz 1815. HSdlzer 1830 f. nennt
alte Jungfern ,magere Gyritzen'. — 2. Kibitz, vanellus
cristatus B; L; ScuSt,; Ndw; ZKn., Sth. ,Der Kifiz,
Geiriz, vanellus.' Red. 166'2. ,üie Mädchen machen
lange Hälse [in der Kirche], länger als die Giritzen,
um zu sehen, was die Gotte anhabe.' Gotth. — ."?. Dim.
Gritzeli, Krikente, anas crecca L, — 4. übertr.: kleine
Person, die sich allenthalben leicht zu helfen weiss
ScH; böses Kind, ebd.; vorwitziger Mensch, ebd.
Der Name des Vogels scheint seinem kreischenden Ge-
schrei (s. giren) entnommen und mit der bei Vogelnn. nicht
seltenen Endung -Uz (Emmeritz, .Stieglitz') gebildet zu sein;
nicht unmöglich wäre aber auch, dass er eine blosse Spiel-
form zu Gißtz, s. Sp. 130, und r nur ein anderes Mittel
wäre, um den Hiatus zwischen den beiden spitzen Voc. zu
tilgen; vgl. mhd.^a-»-«, nu-i-ö (Gr. Gr. 3, 296). Die Über-
tragung auf menschliche Charaktere lässt sich aus den Eigen-
tümlichkeiten der einen und der andern Vogelart leicht be-
gründen. Über den Volksglauben, welcher die Seelen von
alten Jungfrauen in der einen oder andern der gen. A'ogel-
arten sich verkörpern lässt, s. Girizen-Mös. Welche Vogelart
den Flurnn.: G.- Acker S, G-en-Ried Z, -Mos S und Giriz
SchwE. den Namen gegeben habe, können wir nicht bestimmen.
Girlande f., Dim. Girländli: kleine, schief auf-
gesetzte Kränzchen, von den weiblichen Hochzeits-
gästen getragen ZFlurl.
Verglichen mit Blumenguirlanden als Verzierungen von
Festräumlichkeiten. (Die Braut trägt ein SrhäpiieU.)
giere": aus einander gehen oder stehen, von Teilen
von Bauton oder Geräten. Es gieret vonenand L. Syn.
ginnen; gritten. — Vgl. garren, kleren, ginn und .sfäreii',
aus einander klaffen. Bergmann, Walser S. !)'2.
Goräsch s. Guraschi.
göre" I, gorr- BR., oSi., gor- BO.; W: grübeln,
stören, wühlen, in Sand, weichem, halbfcuchtem Stoff,
von Kindern, welche spielend Erde ,häufeln' BoSi, ;
in Feuer BR.; „in der Nase;" „mit den Fingern oder
mit Gerät BO.; W;" Syn. noderen, storren. Den Boden
oberflächlich bearbeiten BR.; wühlen, von Schweinen
W; Syn. niielen. — Etwa von ahd. gor, fimus, waadtj. /. ./r„,
Pfütze, also eig. in einer Pf. herumrühren ? s. Gur.
üf-: auflockern BHk. — umnie-: herumrühren,
-wühlen, bes. in Flüssigkeit, Suppe, von Kindern und
Schweinen B,
gorre" II: hervorgucken, -ragen GrD. Di' Hern p-
zipfel gorret us de' Hose. D's alt MUllimutr gorret
hür us-em Wasser [wegen tiefem Wasserstand], —
Nbf. von gnrnn in Bed. 3.
Gori: Personenn. 1. Georg; als Übern, einer Fa-
milie (Gori'sJ F. ,Und weller dorfmann wintervich
hat, der mag es wol in die ouw tryben unzet ze sant
Görien tag.' 1433, Gfrd. — 2. Gregor UwE. Auch
Goris GT. (neben Göris); JCWeissenb. 1701, Chiris
Gi-Netst, Gorius Z; u. schon XVI./XVIII., Gorjes Gr.
— Appellativ gewendet: Göri. Knolle"-Gorjcs:
Spottn. eines grossen, dicken, runden und darum
drollig aussehenden, unpraktischen Burschen oder Töl-
pels. Syn. K.-Fink (s. Bd I 848). — Lappi-: Tölpel
Gr. Vgl. noch Göri.
gorri: gross und ungeschickt AaZ. 1815.
Wahrsch. aus dem appell. Gebrauch von .Gregorius' weiter
entwickelt; s. noch Göri.
Göri m.: langer, hochgewachsener, aber unge-
schickter, läppischer Mensch GO., Stdt, Ta. Bursche,
Kerl ZWäd. — Vgl. gmn', Laiifi-GmjeH und Gnlüri.
40f>
(iar. ger, jfir. gor, gur
4111
tiöre (*■- Gr) f.: schlechtes, kaltes, unwohnliches
Gemach oder Haus; kalte Stube Gr. Ji if. tvie-n-e
Kinhn, verstärkt Hunds-G. Elende, alte Wohnung
Ai'K. — Das W. scheint riltorom. Ursprungs.
„(Jür m.: frischer Kot des Rindviehs, Dünger L."
Aliil. ;/or, Mist, Dünger, von jemn, gähmn; vgl. iirrivinziell
,ilur', Gährnng. « also ans o luiil iirspr. kurz. Vgl. auili
waadtl. Patois: gor, Pfütze.
(inrä'g m.: Rabe AAKlingn.
Entweder m nur als Nebenvnc. entwickelt aus dem folg. r,
:>lso = Gräg : od. r eingeschoben, rcsp. statt w, = (lifäiilij).
Vgl. Giriz : Giwiz. Syn. Gnlagij.
Gnrä'schi («' u. «*) Ap; (auch Guraischi) Bs; GnPr. ;
LM.; Th; Z, -rf- Aa; Ar; Bs ; L; GA.; S; Uw; Z,
Goräschi ApI.; Z, Gürasche Ap (Merz), Guri Aa;
Ai', Gurre" I LE. — n.: 1. Mut. Wer nur e chll
Guräschi hed. de' fürchted G'spänster nid. Häfl. 1801.
Chumm nw, icenn 's Guräschi hast, gewöhnliche
Herausforderung, ebso: Hest Gurre'? LE. Wie so-en
arme Schlucker dar [darf] 's Guräschi ha, um so ne
richi Töchter d*z'halte Th (Schwzd.). letz hän-i'''' G.,
ietz will i"'' »li"* wehre. Stütz. De" Schnaps git G.
Eim'sG. ahchaufe", ihn entmutigen; auch geradezu:
Er hed-mer's G. abg'chauft, meine Gunst verloren Ap.
— 2. (Guräsch, in der Gaunerspr. Guris) Branntwein
LM.; Ndw. Syn. G.- Wasser. — 3. (Gur-, Goräsch,
Dim. GornschliJ Hundename Z.
Frz. i-mirage; ä aus « umgelautet durch das folg. -i, eine
Neutralbildung, viell. nach ,Herz'. Guri ist abgek. aus Gu-
riiaihi, viell. aber auch noch angelehnt an Gvrri, s. d.
guraschiert UwE.; Z (auch seh-), -ä- AAFri., St.;
Scnw; Nnw, guräschig Gr: mutig, beherzt.
(Jarre" II resp. Gorre» B (Zyro); G, Gurr St."
(neben G-e); SchwE. — f., Dim. Gurreli Gl, Gürrli
Soh; Z: 1. Stute Gl; Gr; G. Am Seil hebe n-und
d' G. la" laufe', nutzlose Anstrengungen machen GrPr.
Fs ere Mugg e G. mache", übertreiben GRMal. ,Pen
riitern mit iren gurren und mit iren hengsten.' Fri'nd.
.IIa Hessen wir d' gurren im haber gan.' 14G8, Liei>
(Tobl., VL. II 47). ,Ritterlich, lieben Herren, wir
wollen üch schon wider uf die Gurren helfen.' 1474,
JMüLL. Schw.-G. ,Die schruwend, man sollt in [einen
Reiter] über die gurren abstechen.' Kessl. ,Den er
hat g'setzt zum schaifner yn, der doch allein nun [nur]
suecht das syn, deshalb wird er, wie man dann spricht,
der g. luegen zue der g'sicht, damit er muess kein
armuet han.' JMurer 1560 (s. Äug Bd I 1.34). ,Bene
gerere suum negotium, sein dingle wol machen, der
g. (wie man spricht) wol zum aug luogen, sein sach
schaffen können.' Fris.; Mal, .Blinde, hinfällige gur-
ren.' SHocHHOLz 1591, mit dem Gegs.: ,Guete ross'.
,Mar, märre, märch, gurre, .stut, mannus, equus, cqua.'
Red. 1662. ,Wem Rinder oder Gurren in unser Nider-
holz entrinnen, soll es heraustun.' 1662, Aa Weist.
Beispiele der Betonung des Geschlechts in der ä. Spr.
s. u. Gül Sp. 219/20; sonst Pferd übh. und zwar ge-
meines, sowohl zum Reiten als zum Ziehen. In der
heutigen Spr. meist wieder spezieller: altes, schlechte;;
Pferd, resp. Stute B; Gr; G; Th. ,Equa macilenta et
vilis pretii.' Id. B. Schimpfn. einer alten störrischen
Kuh ScuNnk., auch anderer Tiere BAarb. — 2. Weibs-
person, meist in ungünstigem S. und als Schimpfw.
a) grosse, breitschultrige, plumpe, so z. B. ein Markt-
weib Gr; GRh.; ScHwE. Syn. Bonen-Boss; s. noch
StändU-G. — b) schlechtes, liederliches Weibsbild,
Dirne, Hure, Vagantin Aa; Bs; B; VOrte; Gl; G;
Soh; S; Th; Z. Hest, Chind, d>- muesst mld allivil
nur mit de" Buche" go", deweg git-me" e G. /'■'' cha""
gar nit higrife", we-n-er so e Gürli hirote mag Sen.
,Du bist ein recht Gürli von Vaz.' Kfrchh. 1824. ,Wie
haben es die liederlichen Weibsbilder? Gehen als
Guren zu Bett und .stehen als Magdalenen auf, was
ungefähr heissen will: Eine junge Hure, eine alte
Betschwester.' Postbeiri 1856. Verächtlich nennt Bru-
hin (Schwzd.) die ar. 1798 von den Franzosen gebrachte
.Freiheit' Gurre. ,Dass dich gott plag, aller gurren!
[Fluch, s. all Bd I 168].' 1549, Z Spiel von Joseph.
„Gurrli, Mädchen, das den ersten Liebschaften nach-
zieht VOrte; Sch; Z." Eim's G. figge", ihn unge-
bührlich misshandeln BHerz. — c) abgeschwächt zur
schimpflichen Bezeichnung von Frauen mit unange-
nehmen Eigenschaften (Alter, Hässlichkeit, Schwatz-
haftigkeit, Um rr,rl,;i„ithrit. Verschmitztheit usw.), oft
mit entsprecli^ihl.iii i:|iiili.'t()n (bösi, wüesti usw. G.).
Nei", los au-'', die CJiet :,■,■.■< G. g'schmöckt [riecht] 's.
Stutz. Sogar in kosender Weise, dann meist in dim.
Form: hübsches, schalkhaftes, lebhaftes Mädchen Aa;
Gl. Die lieb G.! Proph. 1855. — 3. „eisernes Plätt-
chen, welches von spielenden Knaben nach einem Ziel
geworfen wird Aa;" s. gurrlen 4. Nach Rochh. .\K.
S. 465 f. Gurrli die Platte (der flache Stein) zum
,Bämmelen', ,Brutli machen, Vater und Mueter schla-
gen' usw.
Mhd. guri-e f., schlechte Stute, schlechtes Pferd. Die
Übertragung vom Tier auf Weib im schlechten Sinn wie bei
lat. hipa, mhd. zolii-, Hündin, schwz. Fautuch und iö«.
Wenn die Angabe von Rochh. richtig ist, so liegt jener Be-
nennung des Spieles wie mehreren von den syn. Vergleichung
des Steinwerfens mit dem CoYtus zu Grunde; vgl. anch hriHlcn.
Betr. die RA. Eim 's Gurrli figgen könnte sich's fragen, ob
nicht eine neue auf Übertragung von 2 a beruhende Bod.:
pndendum muliebre, anzusetzen wäre. S. noch Gurri.
Fülli-: Mutterpferd mit einem Füllen GrD.; (iWc
Syn. F.-mW're".
Schind-: 1. Schindmähre Aa ; „VOrte;" Z. —
2. „pöbelhafte Benennung einer Weib.sperson;'- gei-
ziges Weib AaZ.; vgl. Schindhund.
Ständli-: Krämerin in den Marktbuden auf dem
Platze vor der Kirche in ScHwE.
,,(umme°)-gurre" I: der Wollust nachgehen VO.;
ScH; Z." — Vgl. mhd. ergurren, zur Dirne werden.
ver-: durch Wollust vergeuden. ,Da werde das
Geld verfressen, versoffen und vergurret.' Stutz.
Vergurt, schlau, schalkhaft, verschlagen, könnte wohl im
S. V. ,verbuhlt' hieher gezogen werden, ist aber wahrsch.
altes Ptc. von vergärten, S. d.
„Gurretsche": alte, abgenutzte Hure VO.; Seil;
Z." — Ohne Zweifel von Cnrn- mit vfrgröbcnulHv Ab-
leitungssilbe.
werfen Aa."
gurre" II: 1. girren, „bes. von den Tauben L; Seu;
auch vom kalekutischen Hahn, der davon Gurri heisst
Z." - 2. „murrend, schnurrend reden; (Jmdn) a» -(/.,;
spec. einen bes. Lockton hören lassen, wie alte Buh-
lerinnen „VO.; Seil; Z." — 3. (unpers.) kollern, in den
Gedärmen. Syn. guderen. ~ Mhd. gurren vom Schreien
des Ksels.
411
Gar— gur. Oarb — gurb
412
gurrle" 11: 1. lallen, auch von den ersten Tönen
junger Vögel Aa; Bs; VO.; Sch; Z. Das Chind fangt
scho' «" g. Vom Kollern des Puters Bs (Spreng).
Syn. giirmen. — 2. unverständlich, in einer fremden
Sprache oder MA. reden Bs (Spreng). MU Maidli
eha"' scho' brav g. für die 2 oder 3 Järli, die 's im
Welschland g'si" ist. Spreng. Syn. küderwelschen. —
3. = gurren II 3 Schw. Abi. Gurli, kollerndes Ge-
räusch in den Gedärmen ScuwE.
Gurri I: 1. m. a) Puter, Truthahn Z. Er wird
wegen seines grossen, roten Kamins und wegen seiner
Empfindliohkoit für rote Farbe von den Kindern ge-
reizt, mit iliTii S|Hittreim: Gitri, Guri, i''' bi' ruter
weder [a]s| iln! iiiid dann auch selbst Guri-ruler ge-
nannt. Sil IiikIi |/,"riiig] wie en G. Ustert. Er ist
ror Täuh, ininli" mr en G. Z. im Chopf, es G' sieht
ha", macJn". im: in G., im Gesicht rot sein vor Zorn
oder Erhitzung Z. i^yn. GiiUi. — b) Hahn Z (Jucker).
— c) jähzorniger Mensch Z. — 2. (m. G., n. ZBauraa)
üble Laune. De» ('sj G. ha' G. Het diele [etwa] e
Frau zur Selteheit e Bitzeli de G., so wett-i, was-me
will, si seit, der Ma'" sig d' Schuld, der Surri. G Kai.
1868. — 3. (n.) „'s G. abla', laut und ungebunden
lustig sein L."
Zu dem N. des Vogels vgl. noch <juri! Bei Bed. 2 ist,
bes. wegen des z. T. sächl. Geschl., wohl mehr au ijurrea IIS
zu denken. 3 liegt wohl das syn. de' Hund aUa' (cig. von
der Kette) zu Grnndc, wobei nicht notwendig etwa an ein
Diin. i. S. v. Füllen zu denken Ist, sondern die RA. die
heitere Laune, gleichsam den Revers zu 2, meint.
guri! (/. </..'; Lockruf für Enten und Giinsc SL.
— Schallnachahmend wie das syn. wud.
Gurri II m.: eine am Silvester den , Klaus' be-
gleitende, verkleidete Schreckgestalt, einen Pferdekopf
mit beweglicher, schnappender und zuklappender Kinn-
lade tragend. De^ G. nimmt di'''! Drohung für un-
artige Kinder ZF.
Masc. zu üiim, da das niännl. Geschl. eig. den dir Tiei-
niaske tragenden Knaben od. Mann bezeichnen kann; s. ii.mIi
iV/ Bd I 516.
Han-: Lärmmacher, Latte ZWyla. Hyn. Hdiieiiggel.
— Wahrsch. zsgesetzt mit IJtins wie Hidi-diil.
Guri in, Guris s. Guräschi.
(ilnrrle" f.: Strassenkot GRMal., Pr. — Aus r,„,-
wrltei- gebildet oder ans einem rätorom. W. V
(iiuTigge" f.: eine Art Kröte. I''' han e G. im
Blich, klagte eine Frau dem Arzt Z (Dr. Fahrner).
ydiwach bezeugt nnd wahrsch. entstellt, da es sich ja
auch nur um einen Gegenstand phantastischen Aberglaubens
handelt; viell. eines der Tiere (Insekten oder Würmer), aus
deren Aufenthalt im Leibe des Menschen man die meisten
Krankheiten erklärte. Vgl. Guijyer ;' Sji. 181 und Gfuji/er,
resp. Grügger.
Hutz-, Ghutz-Gür(i) BsLd, Hotz- A.\Wittn.,
HutzeBsStat -Giri, Gutz-Guri Ndw, Gotz-Güri
LE., Hunds-Gürige oBsBb. m., n.: etw. gespenstig
Aussehendes. 1. (weibliche) Fasnachtsmaske, so in
AAWittn. ; üBsLd, ein mit hoher, spitzer Zipfelmütze
von Pappe ausgestatteter, einen Strick mit Glocken
um den Leib tragender od. in Erbsenstroh gewickelter
Knabe (durch seine Grösse hervorragend), welcher in
Begleit von andern, mit Körben und Säcken zum Ein-
sammeln von Gaben versehenen, lärmenden Knaben
(von denen einer etwa mit einem Stock versehen war)
herumzog, wobei sie ein Bettellied sangen : Hutz-güri-
geri, Stockfisch und Eri usw. (s. Tobl., VL. II 236);
oder Hunfdjs-Gürige, Stock voll Sehne, (gend-is) Eier
und Brot, lueget, icie 's Hmi(d)s-Gürige dö stöt. Im
Aa lautet der Spruch: Hotzgiri Gäri, Stockfisch und
Färi, hiiiihini Uns Hill} rill- um Uns. stechen enander
d' Augen ii-<. Uhu. dun Hin", luinln-m Ofe" füre".
Wend cr-is XhI imt ij. ■ . ./,„ -»y,r-,r/( il' Chats i''s Für
schlö' ; gend-is Anke", due-mer eck- danke", gend-is
Brot und Mel, d'r H. frisst alli Chüechli gern. D'r
H. het e» Meie"; gend-is au"> Eier; d'r H. hat «•
höche' Burst [Borste], gSnd-is o«"'' e Leberwurst. Nach
einer altern Angabe war es eine Puppe, welche unter
Absingung eines mit Giri-Geri beginnenden Liedes
herumgetragen wurde. ,Hutzi-Gyer: bei den Bauern
ein Fasnacht-ßutz, der sich in einen wilden Vogel,
als in einen Greifen, Raben udgl. verkleidet und in
dieser Gestalt Esswaaren erschnappt.' Spreng. S. auch
Herzog 1884, S. 22'2. — 2. etwas Unförmliches, bes.
giebelartig Aufragendes, von Menschen und Dingen,
z. B. Felsen, Hüte, auch für eine (wahrsch. schwer-
fällige, unförmliche) Emporkirchc LE. E rechte G.!
grosser Laffe Ndw.
Als Syn. zu 1 kommt Ung'hiir vor (s. d.) und auch den
obigen Formen scheinen wirklich Zssetzungen mit ,Gehür'
(i. S. V. Ungeheuer) zu Grunde zu liegen; dabei wäre zur
Erleichterung der Ausspr. h in der 2. Silbe aufgegeben, wie
wahrsch. tw. auch in der 1. (Guiz für Gelniiz). Güri-Gfrl
und Gürige sind durch Rhythnnis und Reim bedingte Weiter-
bildungen. Sprengs Unideutung auf Gir, Geier, ist viel).
veranlasst durch die in BsStdt übliche Ausspr. ii = i nnd
durch das in der Stadt wohlbekannte Wappentier des Greifen,
in welches sich zu Zeiten ein Mann verkleidet. Zur Er-
klärung des ersten W. bietet sich hulzcn, hüpfen, aufspringen,
was der H. hauptsächlich tut. Sonst könnte auch an hutzen,
in der Bed. ruppig aussehen, gedacht werden, mit Beziehung
auf das Ganze der Figur. Götz- {, Gottes') und Hunds- sind
leere Umdeutungen. — Zu 2. Bei der Anwendung auf die
Euiporkirchf ist vidi. Giu/iji'hiir mit im Sidcle.
Giirctscli s. Günietsch.
Garb gurb.
(iai'b I, PI. -c", f.: Garbe, allg. 5 Schnitt es
Hämpfeli, 3 H. c Hampfle, 3 H. es Hüfeli und 3 H.
e G. 'L (WSenn 1870). E rechti G. sett [sollte] en
Vieiiig i'^jt Viertel sc. Weizen] ge' 'L. 's ist Eine
kei' Pur, tvenn er nid cha'" säjc und G-e' binde'.
SuLGER. ,Von 9 Juchart Neugrüt die 5. G.' als Pfarr-
bcsoldung. ScuMer. XVIII. Bildl. : ,Die tagleistungen
brachtend vil gelts und ergabend wol uss der g. [wie
die G. beim Dreschen]. Vad. — 2. es G-li, ein Bündel
Reisig F. Syn. Heiziwelle. Es Hundert G-lini für
20 Fr. De'" färt-ech d' Chrugle [Kanonenkugel],
glaub, i' Mä"; die wird im [eig. dem Mann im Mond]
d' Garbe' streue" [striegeln]. JRWvss. — Ahd. ;;«,/».,
mhd. gitrhe.
Ern(d)-: die zur Erntezeit als .\bgabe zu lie-
fernde Garbe. ,Hüener, Futterhaber, Ernengarben
sammlen.' 1461/1749, Aa. ,Sie wollend irae [dem
Weibel] die Erndgarb nit mehr geben.' 1672, Hotz,
Urk. Vgl. ebd.: ,ücr Kellhofer gibt ihm [dem W.]
auf die Ernd 24 Korn- und 12 Haber-G.' — Ficht-:
G. als Abgabe für das Fechten, d. i. Eichen der Masse
113
(iarl), g.'
ib, KU.-
^14
(iiiid Gewichte). .Die Geiiieimlc weigert sich, dem
( (bervogt die Vogts-, Ficht- und Gewichtgarbe zu
geben.' 1747, Absch.
Vogel-: grosser Wegerich, plantago major B
(Durh.). Syn. Vögeli-Krut, Vogel-Samen, -Tnib.
Die kolbenförmigen Fruchtstände, an welchen die Vögel
ihr Futter suchen, sind mit .aufgerichteten Garben verglichen.
Vogt-: G. an den Vogt für die Vogtei. .Einem
Vogt keine tagwen, v-en, vogthaber, vogtschochen nach
[noch] fasnachthiiener schuldig syn.- 1.581, Schaue. R(j.
In ZEglis. gaben die eignen Leute, die mit einem
Zuge bauten, dem Untervogt jährlich eine G. Wild
1883. .Die V. wurde von jeder nicht ganz armen Haus-
haltung in BsGelt. dem Untervogt gegeben.' Brüokn.
1748. — Förster-: im XVI. eine an den Förster für
die Feldhut entrichtete Abgabe (von 7 Juch. je 2 G.).
Mii.LER, Lenzb. — Fasen-: Speltgarbe. , Ein jetliche
huob soll eim forster 2 f-en geben und 2 habergarben.'
1495. GEick. — Glücks-: die letzte auf dem Feld
geschnittene G., welche zu oberst auf dem Wagen
trout. bisweilen verziert mit Goldflitter und, dem Vieh
in die Krippe gelegt, diesem Gedeihen sichert A.\; Z f.
Sjiin. s. bei Ratsch- Vogel.
Land-: 1. Abgabe an die Grundherrschaft, ge-
wöhnlich bestehend in der 7. (5., 6.) Fruchtgarbe,
welche nach Ablieferung des Zehntens verabfolgt
werden mnsstc. .Wenn das körn gesaniinlet wird uf
den aclier.-n. s., sollt die frow [als Erbin drs Mannes]
vun der eii^'ciiscliaft die 1. nömen vnnl in ^l.n w iscn,
dir erbuwen wärind, die halben frucht.- lli:7, yciiwMa.
aLB. ,Als dann im Farnsperger amt bisliar miinger
an 2 "der :i ort 1-en |g'] gijben, sollend sy dieselben 1.
liinfür nit nie dann an 1 ort geben.' Iiy2b, Absch. ,In
allen herrschaften sei der bruch, wo kein järlicher
allmendzins der vogtei der herrschaft bezalt werde,
ilass der herrschaft die 1. gehöre [von 5 G. je 1].'
1.548, B (Geschfo. Ges.). ,Dass alle die, so in des
Gottshüs Twingen gesessen, die L-en von neuwen Uf-
brüchen und Rütinen geben sollen.' Cvs. — 2. = Über-,
An-Fall BO. ,I)er L-en halben ist Einer dem Andern
schuldig, was nit sein Obs wäre, was auf des Anderen
Gut fallt, den 4. Teil. Steinobs gibt kein L-en.' 16'27,
BSi. .Wann das Obs, wann man es schüttelt, auf
eines Andern Gut fallt, demselben soll jederzeit der
3. Korb voll als die L-en folgen.' 167.5, BEschi. —
Mhd. lantyaihc, Ziusgarbe.
Les-: eine bald vcrbindliclie. balil freiwillige
Leistung aller Kirchgenossen, welche Korn bauten,
an den Pfarrer für das Gebet, welches derselbe über
das Wetter zu halten (zu , lesen') schuldig war, wofür
sliäter der ,Le.s-Pfennig' eintrat. ,Uer ku.ster lät wer-
<len dem sigristen in dem Hofe [Chorherrenstift] die
l-en, die ein jeglicher ussniann und burger zue Lu-
ceren, der guet in dem Mose hat, von alter gewonheit
gen soll.' 1324. Gfrd. ,Dis 1-in soll man gen, so man
snydet, von allen gueteren, die in der parrochie ligend.'
ebd. .Die Lese- od. Wetterg-en ertrugen 1764 in LNeuk.
l'/j Malter Korn.' Gkkd. ,Zu entrichten dem Pfarrherr
[zu LEmmen] 1 L.' 1782, Schuldbr. — Lüt-, Lüter-:
Abgabe an den Küster, welcher bei Ungewittern das
Wetterläuten zu besorgen hatte; s. liiten. ,Wer Korn
"der Haber bauet, der soll dem Küster unter harter
Straf Lüterg-en geben; hingegen soll er bei Zeiten
über das Wetter läuten, wie recht und gewonlich
ist.' 14'29, Gkku. ,Der Leuti>riester hat die Kirche
mit einem Messmer zu versehen, der von den Unter-
tanen keine Läuterg-en fordern darf.' 1.50(), ScwBuchb.
,Der ev. Messmer soll die Läutg-en von den ev. Kircli-
genossen. der katholische die von den katholisclien
beziehen.' 1639, Absch. (TuSirn.). .Zürch. Angehörige
sollen im Uznachischen mit Abführung der sog. Läu-
terg, nicht beschwert werden.' 1762, ebd. S. noch
Sp. 348u. — Messner-: =I,M<er-(?. .Der katholische
Messner bezieht die M. der katholischen, der refor-
mierte die seiner ßeligionsverwandten.' 1728, Absch.
(Th). — Burg-: eine von dem Amt AAMöhl. an die
.Burg' Rheinfelden entrichtete Abgabe. .Wer mit zug
buwet, derselbig git ein erntgarben, die b-en genannt,
und wer nit mit dem zug zue bauwen vermag, der git
järlich 1 ß, der burgschilling genannt' 1594, Argovia.
Priniiz-: G. von den Erstlingsfrüchten (primitia;)
als geistliche Abgabe bis zur franz. Revolution S.
Der Beginesins, d' l'r.. 'n-inJi lliislidJluj ■'nn Pfarrer
's Huen. Schild, ,1'r-i'n. Kmn- ".Icr .lungzehnten.-
1642, Absch. ,Deni PfarriT die siliiildigcn l'flugtagwen
und Pr-en leisten.' 1654, ebd. (F.). ,Dcr B Spital
heische nach dem Urbar, dass von Jedem, der da baue,
die Pr-en gegeben werden.' 1720, ebd.
Die Fr. ist auf dem Gebiete des Getreides das, was der
.Jungzehuten' beim Yieh.
Sigrist-: = Messner-G. ,[Das Stift Z habe die
AlbisriederJ der fällen, s-en und anderen dingen, die
sy vorhar allweg geben raüessen, entladen.' 1562,
Hotz, Urk. - Summer-. .Die Untertanen von B u.
F haben Priniizrn, S-cii und Ainlercs, s" sie vormals
den Kirehendicni'in sriiuMii,'- i,'c\v('scn, /u bezahlen.'
1584. .\bscii. .Den .luni,'Z(lintcii und dir S-en zahlen.'
1642, ebd. (B; F). - Stude"-: Bündel ,..u Ä-teben.
Reiswelle U. — Stock-: Abgabe IVn d.,. I|..i/ii;,n-
recht [das .Stocken'] ganzer Tannen 1'. uMnliiein. -
Stro"-: Bund Stroh. Syn. Strau-Wulh. i:,,^s. \\rl.
Garb 2. — Weibel-: Abgabe an den \V,il,el ,iN (ie-
richtsbeamten. ,Das Kloster Wageiilm-rn -lU .inen
eignen Weibel zu synen Grichten haben, dem man die
W. von den Höfen ze geben schuldig syn soll.' 1531,
ScH (Rüeger). ,Die hueben zue ZSchwam. sind dem
weibel in der Ein sync w-en und in dem höwet syn
wcibelhöuw schuldig.' 1573, Hotz, Urk. .Dem Weibel
zu ZBass. die gewonlichen W-en ggben.' 1619, Spruchbr.
,Der Weibel hatte von jedem Bauern, der einen ganzen
Pflug führte, 1 Garbe und von den übrigen von je
drei- oder vieren 1 G. zu beziehen.' Esterm., Neud.
— Wetter-: Abgabe an den Pfarrherrn (L) oder an
den Messmer (L u. G) für das Beten, resj). Läuten
gegen das Gewitter. Vgl. lAd- und Les-G. ,Dem
Pfarrer und Sigerist jedem ein W.' 1806, LNeuenk.
— Zoll-: G. als Bezahlung für Zollfreiheit. .Die
Einwohner der Herrschaft ZEglisau durften zollfrei
über die Brücke gehen und fahren, mussten jedoch
dafür dem Zoller die Z-en entrichten, was ihm jähr-
lich 400 Garben einbrachte.' Wild 1883.
garbe" (refl.): Garbenergeben. De Haber garbet-
.s'i''' hür guet, gibt heuer viele G-en Z. i's häd-si''''
schlecht gUjarbet, das Korn liess sich nicht zu schönen
Garben binden L.
(Jarb II Aa; Z, Schaf-G. Aa; B; Schw; U; Z:
Schafgarbe, achillea millef. ,G., millefolium.' KdGkssn.
1542. , Millef.. herba. g. oder schafripp.' Fris.; Mal.
415
Garl) giirli.
-gm-
Gard-
Garf— guif. (iarg— gurg
ebso HJNvscHEi-ER ItiOS. 8yn. Garben-Krut, -Würz,
Lämmli-Zunge. — 2. sclitvarzi G., achillea atr. BO.
— Ahd. ijurtoa, nihil, garm; engl, yarioir. Abi. Gerhel.
B isain- Schaf -Garb: Mo-schus-Schafgarbe, achil-
lea liiosch. (Durh.). — Benannt nach dem Geruch.
Wil(i-G.: knollige Spierstaude, spiriea filipendula
(Durh.). .Wilde G-e.' Z Anleitg 177«. — Von der Ähn-
lichkeit der Blätter mit denen der Achillea.
Gärb s. Järb.
Gerb. Gerb-, gerb- s. Gene usw.
(ierbel 1 ni.: schwächlicher, abzehrender Mensch
Zu; Syn. Serbcl.
Gerbel II m.?: Schafgarbe. ,Millefoliura, gerwel,
herba quiedani.' Ebinöer 1438. ,Gerbel.' XV., Schw
Arzneib. ,Garbenkraut, gerwel, schäfripp, achillea
lierba.' KdGessn. 1542; Fris. .Garb oder gerwel.'
Mai.. - Zu IJwh 11. Vgl. Gennji.
Gerhele", Gerber(n)e" s. Germekti.
.\nid-(ierbele" f.: Bärenklau, heracleuiu sphoud.
ScHwIb.
Vgl. die ganz ähnliche Pflanze anthrisctis silv. (chieru-
phjlhim), Amdutenyel, Chiebele, C%iibel; auch unser W. ist
wohl eine Umdeutschung von chxroph. mit Anlehnung au eine
der NbflF. von Oermelen.
Käs-Girb s. Järb. Girbel s. Gibel.
Würbe", bezw. Garbe» in. BO.; F; PP.; Z, f. BM.;
GlK.; Vw; Zc; ZS., Dim. Gürbi BE.; S; W, Gürb-
neli¥, GürbeliS; Z: Krummholz. 1. Schift'srippe, be-
stehend aus Bauraästen, an welchen die in die Länge
laufenden Bretter des Bodens und der Seiteuwände
befestigt werden, im Gegs. zu den Nadeln (Latten über
den Boden hin) Vw-, Wallen-, Zg-, ZSee. ,Eine Partie
Schiffsgörben.' Z Amtsbl. .Cost« navium, gürben,
krumbe hölzer, so die seitenladen der schiffen zuo-
samraenhabend.' Fris.; Mal. ,Die Schiff, die mau aus
Kipp- und Görben macht' Z Constafl. 1722. ,Dem
Gürben des Schiffs gleich.- Z Mand. 17'26; 173ti. ,Die
Holzschiffleute sollen unten an dem Mess eine ganze
Doppellatten haben, damit es den G. des Schiffes gleich
stehe.' Z Holzmand. 1762. — 2. (Dim.) Krummholz,
Griff an der Sense für die rechte Hand BE.; S; W;
Syn. Hauch. Hamme", Schinbelen, Wirbel(en). —
8." Spinnrad BO., M. ; F. De" G. füre" ne', wieder zu
spinnen anfangen ; d. G. dänne' tue', zu sp. aufhören.
Wenn i'''' slirbe", se überchunnst du d'r G. BG., Si.
,Es Gürbi, rota tilo ducendo accommodata.' Id. B
(BHa.). — 4. Gürbeli, ein Eöhrchen an der Spindel
des Spinnrades, durch welches der Faden von der
Kunkel geht, um auf den ,Krebs' überzugehen S
(Schild). So groben Faden spinnen, dass er fast nicht
zum G. i' ma». — 5. a) Kurbel am Bad, das eine
Wassersäge treibt W. — b) Rad an einer Kirchen-
glocke befestigt, zum Läuten PP. — 6. übertr. a) ge-
hörnte Ziege BG.; Gegs. Mutte'. En g'schabne G.
mit geschabten Hörnern. — b) alte, magere Kuh F.
Syn. Händsch.
Mhd. knrbe, ahd. curbu, Brunnenwinde, aus mit. tm-r«.
frz. Lowrbi; Krummholz, span. cuiva, Schiffsrippe. Vgl. hd.
,Kurbe, Kurbel' Gr. WB. V, 2795, wo die Herkunft aus dem
Romauischen zu wenig urgiert ist. Der Flussn. Giiihe" BSeft.
viell. auch hieher zur Bezeichnung des krummen Laufes. Ob
in df-nt fnlsrf^ndoT) filtoston Belege Wasserpnmjien oder zum
Erweichen ins Wasser gelegte Schiffsrippen gemeint siud,
bleibt dahingestellt. ,Swer deheiu statt bckünibert bi dem
Wasser mit g. oder mit andern dinge, das soll er lidigen
iurent 7 nachten.' c. 1300, ä. L Stadtb. Vgl. auch den I,
Geschln. Gürber 1514, Günter Ua'J.
(Jirche." t: Wirbel, Strudel in einem Bache "de
Flusse GrV. Syn. Klinge', Gungge"; Triillen.
Ob frtr Giinht' aus mlat. yurga = fjv lyi:« ;' Vgl. auch nihil
ijirißntu, Drehwalze, Haspel.
(ioreh (Durh.), .Gorchen.' Denzl. 171(i: Gurke, cu
cuniis (sat.). Syn. Guggummer.
Schaden-gard: Name eines Turmes in Bs. ,1'ic
Türme erhielten jeder seinen Namen; da gab es einen
.Wogdenhals, einen Stichdengesellen, einen Schaden-
gard, einen Luginsland, Guckindasnest' Bs XIV.
Wenn der •>. Teil zu frz. yunh gehört, so wäre die Bed.
= Schadenverhüter.
Garderobe .W-, Gardrube F — f.: Schrank. Klei-
derschrank. — Modernes frz. Lehuwort.
Gardi I m.: Name für Haus- und HotlnuHle L.
- Frz. .janic. Wächter. Vgl. ,Phylax'.
Gardi U (n.): dim. Form. verk. aus Hildc-ard S.
Gardi Hl s. Gwardi.
gardi!: Kuf keim Spiel, wobei Einer (IJ) erraten
soll, wie viel Bohnen der Andere (A) in der vorge-
streckten geschlossenen Hand hat Z. A. G.! B. Las-
mi''- {di''' ZrS.)! A. Wie dl soll i''- ha'? B. Wink.
— Viell. aus frz. ni/urdez!
Be-gerde" n.: das Begeliren Aa (H.). — e statt i
wohl aus dem Vb. herüber genommen.
Begird f.: das Begehren. ,Nachfolgend die b.
und den willen unsers h. vaters.' 1534, Xhscu. ,Er
wolle ihnen auf ihr Begehren willfaren, gleich wie
sy seiner B. gewilfaret heften.' Simler, Eeg. 157Ö.
In einem Hansspruch bei Suterm. erscheint das W. auch
als Masc, etwa in Analogie mit Gchutt, Wilhn, Wunadi.
Garvender: .Tausendguldikraut, garvenderle, wild
bagrosen [usw.].' Tierb. 1563.
Es scheint der Gaiimndti- (s. d.) gemeint zu sein, ans
dem es sogar nur verschrieben sein könnte, doch vgl. auch
das fiz. ytnmindree.
Gorfel n., ,«!.": ,Das G. im Munde [der Säuglinge]
oder die von dem zu starken Saugen im Munde ent-
standene wässrichte Entzündung.' Gr Sammler 1783.
Syn. Urfüli.
Wenn » als trübes u genommen werden darf, so ist '/.
= Gc-ui-ßl und l'i-/el für Cr-J'ül zum Vb. n-Jiilcu, wie fV(./
zu er-teUen (vgl. Orhai aus ,Urbar').
Gargel m. B(Zyro); ScuSt., Gargle" Aa; H, Gär-
gele" BSi., Argle" ZrS. — f., Dim. Gärgili Scii:
die Krinne am Ende der Dauben von Fässern, Kufen.
Kübeln usw., in welche der Boden eingefügt ist und
Garg gnrs.
(iarni — gurm
ilurcli welchen der Kopf oder die Frosch (s. Bd 1
1833 \ b) der Daube entsteht; Kimme, Zarge. .Gargel,
gärgel, fassrand, margo dol[ior]um, crena secamenti.'
Red. 1662.
Eig. .Gurgel', Kehle, was zum , Kopfe' gut passt; nilat.
r/urgula, fvz. gargauille, Span, tiargola. S. Gr. WB. IV 1 a,
Sp. 1357. und Die?.. WB. s. v. gargalla. Arglen durch Aphä-
resis, die bei g zwar selten ist.
gärgele": ,(ein Fass) kimmeii BÜ.-
gerg(e)le", gergelig s. ge-erggelennsvt. Bd 1 449.
(iirgel: 1. Zuckerraerk. Zuckerwurzel, sium si-
saruiii. Früher auch bei uns gepflegtes, rübenartiges
Gartengewächs. .Pastinaca, girgel, seil, herba radix.'
Ebinger 1438. ,Geirlin oder girgelin, sisaron, et .siser
herba, cuius radix ut pastinaca estur; chervy.' KdGessn.
1.j4'2. , Siser, girgele, geirlin.' Fris. ; Mal. ,Von Gir-
gelen oder Geirlein. die man in Teutschland Gritzel-
mörlein, Gierlein oder Gerlein nennet, ist das ander
Geschlecht Siser oder auch zahme Kapunzel; frz.
Chervis und Giroles von dem teutschen Girgelen.'
Rhaüok. 163fi. .Sisaruni. gelbe Rüblein, Girgele.'
l>EX/i,. ItiTT; ITlii. .(iivijidein oder Zuckerwürzen.'
B Kochli. IT'.ii. .(iiru-ol'in-Küechlein.' ebd. ,Girgelen,
Zuckerwürzen. ■ .K'Sri,/.. 1112. — 2. (übertr.) ein lang-
gewachsener, hagerer Mensch; auch von Tieren B uSi.
Syn. Reigel, Spillen.
Ahd. girgila, el)So; daneben </ei-i;7t(, Pastinak; zu erwägen
auch inlat. girgUhi', Garnspule, Spindel. Über die ganze
Sippe vgl. Grassni. Pflanzenn. *? 260. — Bod. 2 von der
spindelförmigen Gestalt der Pflanzenwnrzel.
er-girgele": hart mitnehmen, angreifen, z. B. vom
Hu.sten üwE.; Syn. er-guntlen.
Yiell. zu irgi-Ien = erggelen, iiggen 11 Bd I 449 udel dauu
rr-gürgfln (s. durglin); Tgl. kurhess. gUiijeln, würgen, plagen.
girgele" s. irggelig Bd I 45U.
Görgel m.: 1. einfältiger, meist körperlich langer
oder plumper Mensch, Tölpel L; „Schw", anmassender
Kerl, Grobian Aa oF. ; L. Das chann iede'' G. vs-
rechnc L. Die ehline" Lüt hat Gott erschaffe', die
grosse' Görgle" sind selber g'tcachse", Sprw. im Munde
kloingewachsener Leute L. Syn. Gögel. — 2. Georg
(grob) L. Syn. Jörgel.
Nichts Anderes als Giigel mit eingeschobenem i; welcher
Vorgang fiell. durch Anlehnung an .Georg' erleichtert wurde.
görgle" I: dumme Streiche machen L. sich grob
betragen AaF. B. göglen Sp. 154. — umme"-: zweck-
los herumschlendern L. — ver-: durch Dummheit
oder tölpelhaftes Wesen verderben, vernachlässigen
AaF.; L; ,SchW; Syn. ver-göglen 1.
-görglig': tölpelhaft; vgl. göglig.
Görgel, görgelen s. Orgel usw. Bd 1 117 f.
„Gnrge" m.: gefährliche Tiefe in einem Gewässer
ScHW.' — It. gorgo, Strudel.
Oürgitsch, -etsch, -ütsch, Gürigütsch, Gurgitsch Gr,
Güretsch, -itsch ßSa.; Gn OSa., Rhw., V.; GO.; W,
Gürtsch BoSL, GüHsch BGugg. — PI. -e» — m.:
1. gemeine Eberesche, Vogelbeerbaum, sorbus aucu-
paria; auch (als Frucht) Vogelbeere; aaOü. Syn.
Giirmsch. ,Quitschen, bei uns Gurgitsch.' Gr Samml.
1779. — 2. wilde Akazie GRÜhurw.. Luz.
Das Charakteristische dieser Pflanze sind die roten Beeren,
welche sich durch ihren herben, zsziehenden Geschmack aus-
zeichnen ; es ist demnach die .Würgbeere' von it. gorgheggio,
das Sprechen durch die Gurgel.
Schweiz. Idiotikon. II.
Gurg(e)le" f.. bes. liim. Gürgeli: Gurgel. Mucss.
di'''' Um G. ne"? Syn. him Grips. D' Süfer chönnid
d' Gurgele'' wider wasche' [wenn der Wein gut geraten
i.st] Z. G. geradezu: Säufer, eig. durstige G. SL.
,Jugulus. das gurgele oder trossel am hals.' Fris.:
Mal. Syn. Güggeli Sp. 193.
Kriegs-: roher Söldner, Einer, der des Krieges
nicht satt werden kann Z. Dc Näpi ist e Chr. (fsV.
,Kr-en, die sich Eidgenossen nennen, nach lands-
knechtischer Weise umherziehen und sich des Betteins
nicht schämen.' 1560, Absch. ,Wir juckend uf die
kanzlen wie ein rauwe kr.- 1.589, Zellw., Urk. —
Süf-: Säufer Z.
gurgele" (görgle" II Aa): 1. (wie nhd.) unter
Gurgeltönen eine Flüssigkeit im Halse herumbewegen
Aa; B; G; Z. — 2. (unedel) trinken B; daher ahe'-,
dure'-, ter-g., mit Saufen durchbringen BO. - 3. vom
Würgen und dem damit verbundenen Laut beim Er-
brechen oder beim Reize dazu L; „Schw"; sich er-
brechen S (görgele); Syn. körblen. Vgl. gor.ten.
Gaffi-Görgeler: Kaffeetrinker F.
gerggelig s. ge-erggelig Bd 1 44
girle": spielen GW. - Von dem churw. Kinderspiele
dar bi gerla ; s. giilen Sp. 222. '
gurlen, Gurli s. bei Reihe Garr-, gurr-.
Gürligg: eine nicht volle Tragbutte im Herbst Bs
(Becker).
Gar Uli He" s. Kaiinllei).
Germa: Frauenn. ,I>er Germen elicher mann.
144-2, Aa.
Vgl. den ahd. Mannsn. tiermo und die Frauenn. Oeniicn-
la-ga, -ildis, -trada bei Förstem., woselbst auch Germana.
Germ an Germe Z, Jerine B; F; S, gröber Germi
Z: männl. Personenn. Am Jermelistag Wallfahrt nach
SLoramisw.. wo der h. Germann Kirchenpatron ist und
als Viehheiliger verehrt wird. Schild 1 -M. 85/86.
Auch Geschlechtsn. Th; Z. ,Dan. Germann.' 1669,
BFrutt. Vgl. die Germen-Schuepis GJon. S. noch Mani.
GerBiere" BO.; FJ.; Schw; Uw; ü, Gemmere U,
.Germele B; LE", Girmel ZO., Gerwere BHk.; Uw;
U; W. Gerbere Gl; Gr; GG.; ScuwMa.; U, Gerberne
GrO.. ObS.. Gerwele U, Gerbele GSa.; Schw; Uw; U;
Zc, Görbele Schw, Gelbere Gr ÜbS., -erne GrV. (auch
Gelferne). Gilberne GlK., Gelbele GSa., Gelmele GWe.
— f.: 1. a) weisse Nieswurz, veratr. alb. aaOO. Syn.
Ger-Mäder-, -Magen, Gerb- Würz. .Gemere, Germere.
ver. alb.. elobrum alb., wysswurz.- Ebinger. ,Helleb.
a., weisse N., Gerraeren.' JJWagn. 1680. — b) schwarze
N., helleborus nig. BHa. ; Uw. — 2. Herbstzeitlose,
colch. aut. Gr ÜbS. (aber auch veratr. a.).
Obwohl sonst m und b sich (als Vergröberungen) aus »■
entwickeln, scheint hier die Form mit m die echtere zu sein.
Alle durch die obige Benennung zsgefassten Pflanzen sind
giftig, von stechendem Geschmacko und werden vom Vieh
gemieden oder ziehen ihm Erbrechen und Durchlauf z«: ein
Absud derselben, mit betäubendem Geruch, wird gegen Kälbcr-
läuso gebraucht (daher auch der Name Lilskmt) und iUinlicl\
419
Garin— giirm. Garms— gnrms. Ganuscli— guriiiscli. Garn— guin
420
verhält sich allium ursin., Kam-sen, ags. hmm-sc. Dieses
letztere führt (nach Grassm.) auf eine gmsame W.'hmm, welche
in skr. ri-am, geqiiÄlt, altn. hramm, (stechende) Kralle, ags.
hremman, quälen, n. a. zur Erscheinung kommt. Die Formen
mit w scheinen auf nahe liegender Anlehnung an gerwen zu
beruhen.
germele" 1: Nieswurz sammeln Ndw. — er- 1:
abführen L. — Doch s. auch ci-;/. II.
Germji: Schafgarbe, achillea mill. GRMonst. —
Nbf. zu Geneel, Oerbel.
germelen U s. gencelen. Gurni s. Gun Sp. 330.
Gurmiss m. : Durcheinander, unordentlicher Haufe
L; Uw. — Syn. Guri-Muech, das viell. blosse Nbf. ist.
Unser W. viell. für •ßnonmi'»« (s. rp-ummlen).
gül'iue": 1. 'I'i'iii' li'T\ niluinoen wie die kleinen Kin-
der beim Erwailim ,^111«. S\\i. grüggen. Xhl. gürmsen.
— 2. gurgelnd t"iioii, wie beim Heraufdringen der
Speisen aus dem Magen in den Mund der Wieder-
käuer; auch bei Menschen, die zu viel gegessen haben
GWe. y^. gurren, gurrlen. — gürmele": leise sin-
gen, tönen Schw. W'i"'-me" d' Ohre" dert drüf ligge'
heig [auf einen gewissen Stein lege], s» Vhör-me"-s'
[die Erdmännchen] g. e chli'.
(iorms: Hieronymus. 1591, Bs. Syn. Hoiii, 3Ius.
— Setzt eine Form •Jironhim«. Jorimm voraus; vgl. frz.
Jermne.
gurmse" Sch; Uw; Z (neben gü-), dini. gurmsle"
Sch: klagende, weinerliche Töne von sich geben, von
Kindern und unzufriedenen Erwachsenen; murren,
klagen; durch halblautes Klagen sein Missvergnügen
oder Verlangen nach Etwas kundgeben; auf solche
Weise mit Bitten anliegen, .(iünn.sen, gonsen, su-
surrare, impetuose postulare.- Keh. 1062. Syn. gürmen
(aus dem unser W. weiter gebildet ist); grumsen;
grochsen; gresten; gramausen. — Gurmsi, Gürmsi
m.: wer nur halblaut spricht, ein Stammelnder; wer
mit der Sprache nicht recht heraus will; ein Unzu-
friedener Z.
Gürmsch (^Gurmsch-) m.-. Vogelbeerbaum BO.;
LE. Synn. s. bei Gürgetsch. ,Unz an den gürmsch,
der am hag stat.' 1472, Spruchbr. .Von dem krüz-
stein den berg an ein gürmschen, darin ein krüz ge-
macht ist.' ebd. ,Die Alpenhasen leben von G.- und
andern Baumrinden.' Bonst. 1793. ,G.-Stöcke' legen
die ,Nachtbuben' in die Dachtraufe, um sie recht
.zügig' zum Dreinschlagen zu machen BSi. Auch
Flurn. : ,im G.', Hof BSumisw.; LE.
Das frz. corme, Vogelbeere, dürfte im erstem, das deutsche
.Esche' im zweiten Bestandteile des W. stecken.
(laril. Gare" n.: 1. gesponnener Faden, bes. von
Hanf oder Flachs (ristis G.J. allg. Früher und tw.
jetzt noch als selbstgesponnenes zum Vorrat jedes
soliden Hauses gehörend. B' Wiber sind nüd z'fride',
wenn s' nüd im Winter vil z' spinne" händ und Buschle'
G. uf der Schiitti obe', dass si de' Weber sitig chünnid
b'stelle" ZKn. RAA. D' Welt spinnt luter grobs Garu
W. /"'' ivill z'erst luege', was er für G. spinni Z.
Si spinne"d kei* guet G. mit enand, harmonieren nicht
zusammen. Sülger. ,Es ist doch alles z' letzem g.,
was man mit euch will heben an [schilt die Mutter
ihre widerhaarigen Kinder].' Com. SBeati. ,P. Cap-
puzin und alle mit ihme im letzen Garen Verstrickte
sollen wüssen . . .' Ant.Tschüdi 1696. Dim. es Gäreli,
die vollgesponnene Spule ; so viel Garn, als eine kleine
Spindel fasst BHa.; Gl. Syn. Abrich Bd I 42. —
■2. Netz, a) Pangnetz für Fische Bs; VOrte; Th;
W; Z, vom , Netz' dadurch unterschieden, dass dieses
sich auf der einen Seite verjüngt und dass das G. .ge-
zogen', das N. aber .gesetzt' wird Boden-, Vw-, Z-See.
,Garn [PL] stricken oder bretten. texere retia.' Mal.
.Sollt man pfaffenhueren allen g. [PI.] fürspannen, die
in der statt sint, so bedörft man aller der g-en, so am
see sint.' 1423. L Eatsb. RAA. Im Gare' ha", Etw.
im Gange, Aussicht auf Erfolg haben BHk. Nüd im
Gr. ha", bei einem Handel keinen Gewinn haben; - mit
Eim, sich auf Jmdn nicht verlassen können BKi.
,üas G. aufnehmen', Feierabend machen. Sprww. 1824.
,Dass man am Hühnermahl bis um 9 Uhr zu Abend
sitzen und dann das G. aufheben soll.' 1660, ZWthur
(Troll). ,Das G. aufnehmen, proripere se, coepto de-
sistere (HosriN. 1683), Feierabend machen, von seinem
Fürhaben abstehen, sich fortmachen.' Mey. Hort. 1692.
.Wann aber Schwachheiten zu befahren wären, als-
dann ist das Ratsamste, das G. bei Zeiten aufzunemincn
und das fernere Baden einzustellen.' SHott. 170'2.
.Mich erfüllte diese Rencontre mit einem solchen
Ärger, dass ich augenblicklich das G. aufnahm und
mich wieder aus dem Staube machte.' Schwz. Amazone.
S. die Zssen und diejenigen von Netz und Beren.
Früher auch zum Vogelfang. ,Vögel, so mit dem G.
gefangen.' 1781, ZWipk. S. Vogel Bd 1 690; Vogel-
Hütte. Auch für wilde Tiere; s. Bären-, Wolf-G.
,Nemt ihr die Buchs, den Feuerzeug, 's Hörn und 's
G. für d' Fuchs.' Myricäus 1630. — b) Netz aus star-
ken Schnüren oder dünnen Stricken zum Fassen und
Transportieren von Heu, Laub, Obst usw. Bs; Schw;
Uw (auch dim. Gareli). .1 G. oder Bünteli Heu.' Schw.
Syn. Beren. — c) Gärnli, feines, sackförmiges Netz,
Flor zum Schnietterlingsfang Bs; Uw; Z. Syn. Kescher;
vgl. Feimer. — d) dim.. Kopf-, Haarnetz der Mädchen
Bs; Z. Syn. Bcrli.
Endi-: = Endi 2 Bd I 316. .Es soll euch en
jeglich Kambe sin rechte Breite haben nach der Zal
der Fädemen ane das Zugezettelote und ane das Ende-
garn.' 1336, Z Ratserk. (Laufer). — Iser-: G. zum
Fange des tsers; s. Bd I 547. ,Die Fischer sollen die
Eiser-G. über den Model, so jedem von der Oberkeit
gegeben, stricken.' 1652, Rheinfischerordn. — Vogel-.
,Zwo wand V. sammt zuegehöriger rüstung und kefi
auf den vogelherd.- 1588, G Inv. — Fisch-: Fischer-
garn. ,Das fisch-g. zerhowen.' 1489/90, Zellw., Urk.
— ¥isc\ii-: = Fischü Bd I 1109. ,Die [ertrunkene]
Braut hatt' bei ihr ein Fischigarn. 10 Kronen lagen
darin.' Aa Volksl. — Fliege»-, Fleuge'-, Flüge"-:
Netz, welches den Pferden zur Sommerszeit zum
Schutz gegen Insekten übergeworfen wird L; Z; spött.
= Schleier L. -- Gnepfi-: = Gnepfen. Verboten
.mit dem Blüemli-G.', erlaubt ,mit Angel und Gn.-G. in
der Limmat zu fischen.' 1700. Z Urk. - Hägling-:
Netz zum Fang der Häglinge. .Für ein H.-G. 3 Pfd.'
Z Fischerordn. 1710. S. noch u. Garner. — Här-
m
Garn, gern, gim, gorn. guril
422
Gärnli: Kopfnetz der Mädchen UwE. — Hard-Garn:
G. aus der Spinnerei im Hard bei ZWülfl. ,Das mei-
nige [Garn] ist ganz süperb, weit mehr fast als das
H. wert.' HSiLZER 18.30. — Hirze"-: Baumwollgarn
mit einem Hirsch als Marke ZO. — Haspel-: Hand-
jfspinnst im Gegs. zu den (glatten) Masthinengarnen;
in der RA.: verleidet tvie H. Sulger. — Heu- Hev"-
Oare: = ff. .2 6 Uw; U. Vgl. Heu-Biren.
Hc.\e°-: Flachsseide, cuscuta europa-a Sch. Syn.
Kiufiel, Bingel, Gewind.
Vinll. ist dieses arge Unkraut wegen seiner den Land-
niauii zur Verzweiflung bringenden Schädlichkeit und Un-
tilgbarkeit libh. als dämonische Saat bezeichnet, oder der
Name bezieht sich wegen der Verworrenheit der Fäden dieser
Wucherpflanze spec. auf die bes. Tätigkeit der Hexen. Vgl.
uoch H.-Bmen, Kle-Tü/el.
C huder-: aus .Chudor', geringem Werg, gespon-
nenes Garn Tb; Z; auch verächtlich für unebenes
Maschinengarn Z. — Kämbli-: G. aus gekämmter
Baumwolle Z f. ,Als der Ururahne K. spann, 6 p
Lohn vom Schneller hatte.' Stutz 1851. S. noch
Kämbli. — Chopf-: den Pferden und anderm Zug-
vieh zum Schutz gegen Mücken und Bremsen über den
Kopf gelegtes Netz aus Schnüren Z ; vgl. Fliegen-G.
— Cher-: grosses, im Gegs. zum Land-G. auf ottenem
See gebrauchtes und am Anker befestigtes Netz ZS.
Syn. Blalig-G. — Kerze°-: G. zu Kerzendochten.
,Niema'"'s solle faden noch k. uf fürkouf koufen.' 1.519,
Egli, Act. Auch in einem Z Inv. 1.571. — Kleb-:
Fischernetz, welches man senkrecht wie eine Wand
ins Wasser setzt und an der selben Stelle ruhig lässt
Bs; GT.; Gegs. Streif-G. ,Es ist 'klagt worden, dass
die Fi.scher die ßüss dem See nach mit Netzen, Kleb-
und Zuggarn versetzend.' 1607, U. — Chlepper-:
Netz mit 2 Wänden und ganz engen Maschen, 24 — .30'
lang und 8 — 10' hoch und am Ende trichterförmig
gebaut; dient bes. zum Fang von kleinern Fischen.
So genannt, weil es mit eisernen Blechen behängt ist,
durch deren Geklapper die Fische unter den Steinen
hervorgescheucht werden TnBodens.; Syn. Streif-G.
Chi US-: Netz mit 2 Wänden und einem Sack,
zum Fclchenfang dienend, dessen P/a' weite Maschen
sich beim Zug aus schwebendem Schilf schliessen
TnBodens. ,Zum Schutz des Hürlinglaichs sollen die
l,omb- und Schwebseginen, auch die Klusgärner 8 Tag
vor StGeorg bis Ende Mai 5 Klafter hinter die Hal-
den gezogen werden.' 1.544, Absch. Syn. Schweb-G.
— Klün, Verschluss.
Chleiter-: ein aus einer einzigen 60 Ellen langen
Wand bestehendes, 2 E. hohes Fischergarn, das gegen
Karpfen und Brachsmen zur Laichzeit auf die Fläche
gesetzt wird TnBodensee.
Es scheint sich iu diesem W. ausnahmsweise ahd. Anl.
erhalten zu haben uad ihm ahd. hkitara zu Grunde zu liegen,
indem dieses aussergewöhnlich lange Netz mit einer Leiter
verglichen wäre ; vgl. Chris, Reis.
ChnöUe"-: Faden mit Knollen, Anschwellungen
ZO. Mached nw öppe Chn.! iron., als Warnung an
Spinnerinnen. Stütz.
Chretz-: auf dem wenig tiefen Z Obersee ge-
braucht, indem es auf den Grund gelegt wird, um
damit Alles zszuraffen und heraufzuholen. ,Ferner
sollen die Staubbäron, item das Kr., die Teufelstracht
und andere schädliche Neuerungen abkennt sein.' 15.37,
Z Fischerordn. .Wir verbieten die Teutelstracht, das
gross Kr. oder Täglen.' 1757, Z Ges. Syn. Schind-G.
— Von krelzen, (den Boden) kratzen.
Laub-: grosses Netz zum Tragen von Laub, Heu
usw. Ndw. Syn. Laub-Beren. — Lödli- s. Lötli-.
— Laufer-: ein der ,Segi' und der , Tracht' ähnliches
Garn mit engen Maschen, das in der Tiefe gebraucht
wird TnBodensee. Syn. Läufer.
Lora-: enggestelltes Netz, das im Rheine gebraucht
wird Th. Sonst ähnlich dem Sack-Garn; Syn. Lom-
Segi. — Zu ISm = IxKin, locker, weil das Netz zum Fange
nicht straft angezogeo, sondern schlaff gelassen wird.
Land-: grosses Fisehernetz auf dem ZSce, wo im
Ganzen von jeher nur 3 existiert haben sollen, so
benannt, weil es an der ,Halde', also am Lande, an
einer Stange befestigt und ausgelegt wird. ,Ein L..
das weder so hoch noch so lang ist als das Schweb-
garn, und welches gesetzt und sogleich wieder gezogen
wird.' Alp. 1827. ,Die garn, mit welchen man die
egle von Martini bis auf Christraonat facht, nennend
sy landgarn und andere kleinere troglen.' Fischb. 1563.
Die ,Triechten und Landgarne' der Fischer am Hall-
wylersee. 1639, Absch. .Wir erlauben die L. bis auf
Gallitag.' Z Ges. 1757. ,Das L. soll bis Mitten August
nach dem obrigkeitlichen Brittli und ohne Säcke ge-
braucht werden. Patontgebühr jährlich ,für ein
Tracbtgarn 5 Pfd, für ein L. 8 Pfd.' ebd. 1779/1809.
— Lötli-, Lödli-: mit der Spindel gesponnenes, in
Strähnen von 1000 Haspelumgängen gehaspeltes und
beim Lot (statt beim Pfd, s. ,Pfund-G.') an die Mous-
seline-Weber verkauftes, feines Baumwollgarn. XVD.
u. XVni., GT.; Z. Der Ausdruck wich im Verlaufe
des XVIII. allmählig dem von ,Schneller-G.'; Gegs.
Rädli-G. ,Das Lötligarn darf nur in der Stadt, das
Radgarn dagegen an jedermann verkauft werden.' 1693.
Z Ges. .Von dem Lödligarn : von 1 Lot aus kurzer
Baumwolle 1 Batzen [Lohn], von 1 Lot aus langer
Baumwolle 3 ß; von den feinern Gattungen 4 — 12 ß.'
Z Fabrikordn. 1717. Näheres s. bei AdBürkli 1SS4, :!4.
,Die feinen Tuechli, so aus nasser Ge.spunst oder ileiii
sog. Lödli-G. gemacht werden.' Z Ges. 1757 u. 1772.
— Läuwi-. ,Dass [sie] mit Fischgarnen, es syge
Spreit-, Läwi-G., mit der Watten, Streifbären und
Blüemligarnen den Fasel und Leich gar und ganz
erÖsen [ausrotten, vertilgen].' 1568, AAWett. Kloster-
arch. .Leuwengarn oder Leuwenen' den Fischern im
Rhein verboten.' 1652, Fischerordn. AaZ. Vgl. X«-
iDelen-Beren.
Maien-: eine Art Pischergarn. ,Damit die Fische
geschirmt und der Same nicht verwüstet werde, dürfen
die M. bis nach Meyenried und von da nach Nidau
mitsammt dem Mäscher nur 16 Klafter lang sein.'
1.546, B Fischerordn. (Absch.). — Viell. nach der Zeit,
viell. nach der Örtlichkeit des Gebrauches benanut.
Spinn- Ap, Spill- Sch Mugge'-: Spinngewebe. Er
lot-si"'' kei' Sp. vnr-em Mul spinne', er wehrt sich
bald. SuLGER. Vgl. Sp.-Wupp. — Nacht-: Netz,
welches bei Nacht gestellt wird. .Nacht- oder Weit-
garn [für Fische].' 1659, ScHwPfäff. ,Das Fangen der
R(?bhüner in den Schnee- und N-en ist verboten.' Z
Jägerordn. 1714. — Nuss-Gärnli: kleines Netz zum
Aufbewahren von Nüssen, dgl. meist von Knaben vor
ein Fenster gehängt werden Z. Syn. N.-Beren. —
Bären-Garn: Netz für den Fang von Bären. 1534
bitten die von BSchwarzenb. um eine Beisteuer ,7.ue
423
(iarn. gern, girn, gon
424
den B-eii.- Abscu. Vgl. Wolf-G. — Pfund -Garn:
gröberes, beim Pfund verkauftes Baumwollengarn; s.
Lötli-G. XVII. /XVm., Z. ,Das sog. Schnellergarn
[s. d.] wird vorzüglich vor dem Pf. gekauft und ge-
braucht.' Z Ges. 1779. Syn. Rädli-G.
Blälig-: = Ker-G. Z. — Haiiptsächlicli zum Fange
iliT .Blülinge', Blaufelchen, dienend.
Blüemli»-: eine Art Fischernetz. .Dieweil sich
nit gebüron will, dass die, so keine Fischenzen [haben],
andern zuf Nachteil und Sclia.len Ziech- und Bl.-G.,
Stör- und Soh(>iifbaren \inil andere dergleichen ysin
oder gestrickt Fischerzüg und Instrumenten bei sich
behalten . . .' 1630, AAWett. Klosterarchiv. .Waten-,
Streipf-, Zipfel- oder Bl.-G. und Bären, desgleichen
die Schöpfwaten oder Wurfgarn verboten, hergegen
die Spreitgarn zuegelassen.' Eheinfischerordn. 1652,
AaZ. Ähnl. 1729, Absch. Vgl. Bl.-Beren.
Brief-. ,Br. zu Musolin (9—10 Kr. der Schneller).'
UBRiGG. 1781. — Eig. = G., das in Umschlag [s. Brief]
verpackt in den Handel kam.
Brust-: netzartiges und mit Fransen versehenes
Garn, über die Brust der Pferde und bisweilen auch
des Rindviehes befestigt Z. Vgl. Fliegen-, Kopf-G.
— Rad-, Rädli-: mit dem Spinnrad, nicht mit der
Handspindel gesponnenes, beimPfund verkauftes, daher
auch oft Pfund-G. geheissenes, gröberes Garn der altern
Baumwollfabrikation. ,Die Tüechler, so ihre Tüecher
aus Eädli-G. und trockener Gespun.st fabricieren.' Z
Ges. 1772. ,Rad-G. 7—8 Kr. der Schneller.' UBrägg.
1781. — Ruef-: Decknetz (Tyras) zum Wachtelfang,
welches über den Acker gebreitet wird, während man
die Vögel mit ihrem Ruf lockt. ,Das Wachtlenfangen
mit den Ruf- und Spreitgarnen in dem Brut' verboten.
Z Jägerordn. 1714/1757. S. noch Spreit-G. — Rupp-:
G. aus dem Abfall (RuppJ beim Hecheln des Hanfes,
gewoben zu grobem Sacktuch GRh. nach Steinmüll.
1804. — Rost-: rostfarbenes, selbstge-sponnenes Lin-
nengarn, bes. zu Bettanzügen usw. verwendet, um
rotgelbe Streifen hineinzuweben Z f. .Schürze von
R.' ÜBRiGG. 1788.
Rütcli-. ,Man pflegt die groppen zuo faheu mit
den bänden, mit groppenysen, mit den garnen, so man
r. [nennt].' Fischb. 1563. — MStdi, Rotforelle.
See- = Zug-G. 2 L. — Segene"-: = Segi. Ver-
boten sind .Segigarn, auch Haselseginen genannt,
Blüemligarn, Wurfgarn.' Rhein-Fischerordn. von 1527
bis 1683. — Sack-: ein sich verjüngendes Netz, das
in einen Sack ausläuft, aus dem sich die Fische durch
eine Öffnung herausnehmen lassen ZS. Syn. Sacknetz,
Sack. Ähnlich: S^negel-Netz oi. -Garn. ,Die Fischer
von Neuenburg bedienen sich der Sackgarne.' 1538,
Absch. — Seil- = Heu"-Garn. — Salme"-: Netz
mit 2 grossen .Spiegeln', d. h. Seitennetzen, zum Sal-
menfang Bs. S. anch Spreit-Garn. — Summer-. ,Es
soind alle lieehe Garn auf dem Z-Seo verboten, doch
also, dass man .".nii Maschen werfe in einem Anfang
des Gestells und dntthalb hundert Maschen soll man
werfen in ein Wändlein, und soll das 21 Ellen haben
und in einem Spaltung soll haben 18 Klafter an der
Länge, also dass die Wand an dem S. nit länger sein
soll dann 25 Klafter und soll man oben auf das Garn
nit mehr binden dann ein köpfige Lägelen [2 Mass
haltendes Fässchen] oder zwo halbköpflge ohngefährt
und nit anders und an .SO Maschen einen Riemen.'
1512, ScHwE.Klosterarch. — Z werch-setz-: Fischer-
netz, welches quer über den ganzen Bach ,gesetzt'
wird B (Zyro). — „Schell-: Fischernetz mit einem
eisernen Ring und einem c. 20' langen Seil versehen B.
Syn. Gnepfen."- — Schind-: = Kretzgarn Z oS.
Schappel-, Schäppeli-: schlechtes Garn. Dann
übertr. etwas Wertloses, eine Kleinigkeit. Für e"
Schappelg., zu einem Spottpreis. Sulger. Es ist-em
erleidet wie Seh. Kirchh. ,Gabend die Ross um Scha-
belg. und ein Spott.' JStockar 1520. ,Es ist Schäpp-
lein- (Schäppeli-) g., mininii pretii, nil sacri.' Mey.,
Hort. 1692 (Denzl. 1716). ,So viele unnütze Papeir
zu lesen, welche von nichtswertigen Sachen und gleich-
sam von Schäppeleingarn handeln.' JZimmermann-Haug
1731. — Schapjxl, Kr.anz. Zu solchem wurde eine geringe
Sorte von Bindfaden verwendet.
Scherli-: G. aus den abgeschnittenen losen Fäden
der Rückseite von Zeugen, in welchen Blumen ein-
gewoben waren; zu geringerem Gewebe verwendet Z f.
Erwähnt auch in den Rechnungen der Fabrik des Z
Spitals Ende XVLH. Vgl. Sch.-Barchet.
Schneller- = Lütli-G. (s. d.). S. auch Pfund-G.
— Schndter, 1000 Haspeluttigänge.
Sehne-. ,Rebhühner mit Schn-en fangen.' L An-
sehenb. ,Das Fähen der R-en mit den Schnee- und
Nacht-G-en und Träten' wird verboten. Z Mand. 1649
(1757). — Schweb-: Fischergarn mit zwei Wänden
und einem Sack, das auf dem offenen See [im , Schweb']
vornehmlich gegen Felchen, aber auch gegen Hechte
und Forellen, mit verengten Maschen auch gegen
kleine Fische gesetzt wird. GLHartm. 1808. ,Ein
Schw., das meistens im Schweb (hoch im Wasser
schwebend) und nicht dem Boden nach gezogen wird
und das man alljährlich durch Einsetzung eines
neuen Stücks verbessert' Alp. 1827. Syn. Klüs-G.
— Schwi"-: Netz über die Schweinchen auf dem
Wagen des Schweinehändlers L.
Wuppe" - spunne"- : Spinngewebe' W. — Vgl.
Siiinn-Mu(j(ji>.n-G., welches aus Spinn-Wwppe.n entstanden.
Spreit-: Fischernetz zum Auswerfen Bs. ,Den
Fischern von Baden verboten, die Spr. zu brauchen.'
1532, Absch. ,In Aare, Reuss und Limniat ist durch
das Fischen mit Spr. das Gebrüet aufgefangen worden.'
1533, Absch. ,Die Spreit- oder Wurfgarne, welche in
höchstem Grade schädlich sind.' 1546, Absch. (B). ,Dic
salmen facht man mit dem salmen-, spreit-, auch mit
sonderen garnen, so man waag nennet; solche hat man
vil zwüschend Basel und Laufenberg.' Fischb. 1563.
,Das Wachtlenfahen mit den Spr-en und dem Ruf im
Brüet' wird verboten. Z Mand. 1649/1757. ,Wurfgarn
verboten, hergegen die Spr. zuegelassen.' 1652, AaZ.
— Steck-: Fischergarn mit 3 Wänden, welche hinter
einander nach Art der Netze meistens in fliessendem
Wasser und nur für grosse Fische gesetzt werden
TnBodens. — Stange»-. ,Die Fischer in der Limmat
sollen sich aller Garnen müessigen, ausgenommen das
St.- und Lachsgarn.' Z Fischerordn. 1757 u. 1776. —
Streif-: die kleinste Art von Fischernetz auf dem
Bodensee, für Grundein, Groppen usw.; Netz, welches
im Gegs. zum ,Kleb-G.' hin- und hergezogen wird GT.
Syn. Klepper-G. Verboten 1409 Ap LB. ,Es bescheche
iren fischern vil yntrags nämlich mit den bolanglen,
ouch den zuckanglen by den färinen in allen gestüden,
auch mit den str-en, streif beren und storberen.' 1500,
1-25
(iarii. gern, gi
(•2i;
AiWett. Klosterarch. ,Die Grafschaftsleute (in ÜT.)
dürfen fischen, doch nur mit Beren, Rüschen und der
Schnur, aber nicht mit dem Str.' 1.527. Absch. ,Dass
in unseren landen mit den sträfg-en oder tötschen,
iuu-h mit dem romijelbrett niemand fischen soll." 1544,
Ai' LB. 77. ,ln Aare und Rhein wird viel Schaden
;uifjerichtet durch Spreit- und Str-e.' 15C1, Absch.
.Waten-, Streipf- und Zipfelgarn verboten.' A.tZ. 165'2.
.Das Fischen in Bächen, Brünnen und Giessen mit
Waden, Str-en, Setzschnüren ist verboten.^ XVIII.,
Gl Verordn. Vgl. Str.-Berm. — Tüechli-. ,Myn
Anni kauft flax, dann si könnt wol tiechligaren spin-
nen.' ThPlatter 1572. — Türgge°-: türkischrot ge-
färbtes Garn, Uf d's T. si''' verstä', sich auf Etvv.
übh. verstehen BR. ,Er stiehlt dem, der ihm eine
Kappe zu weben gibt, allemal das halbe Türkeng.'
HPest. 1790. — Tribinen-: Treibnetz. , Welcher
Weidmann auch den See fürter brauchen will, der
soll im Tr. dehein Netz für die ander setzen, auch
überall mit Steinen nit werfen, noch mit Rudern den
Fisch verwilden und mit Namen allein an Halden und
nit über Fach ausbin tribinen.' 1537, Z Fischer-Einung.
— Trübe"-: im Herbst zum Schutz gegen Vögel über
Spalierreben gezogenes Netz Z. — Tracht- s. Tracht.
— Trichter-: Netz, welches im .Triechter', d.i. wo
der See am tiefsten ist. gebraucht wurde [?]; trichter-
förmiges N. [V]. 3 ß Abgabe ,von einem kleinen Tr.,
wenn es zum er.stenmal in den See geht', wird unter
dem Zehnten aufgeführt. LWäggis 1446, Seg. RG. —
Drat-: Schusterzwirn zu Pechdrat. allg. D' Agnes
hat tjntie" z' tue« g'hw der ganz Tag für i de" Schue''-
machere" Drötg. z' sjnnne'. BWyss 1863. ,Rysten, Tr.'
Z ZoUordn. 1639/40. ,Hätt' ich ein Haus im Toggen-
burg, dass ich könnt Drötgarn spinnen.' Lied 1712.
— TroUi-: grobes Garn Ndw; Syn. Trolli. — Wäg-:
Netz zum Fange der Salmen in einem ,Salmenwäg',
d, i. Strömung, Strudel, wo die Salmen im Rhein sich
aufhalten Bs. — Wolfs-: starkes, grosses Netz zum
Fang der Wölfe, gewöhnlich Eigentum der Gemeinde.
Bis gegen die Mitte unsers Jhdts sah man W-e aufbe-
wahrt, z. B. in AARuppersw.; ZAndelf., Rathaus ZBül.
11. THWeinf.. auf dem Boden der Kirche ZWetzw. u.
bes. auch in GrD. RA. ,Ein Gewissen haben [so weit]
wie ein W.' Sprww. IS'24 und schon bei JIey., Hort.
1692. ,Welicher bürde [.Nachburschaft'] das wolf-
garen geschlagen werde, soll das garen abnemnien
und versorgen, so das gejagt ein end hat' XVI, Gr
(Ztschr. f. Schwz. K.). ,Denen zu BSchw. gibt man an
die W. 2 fl.; fangen sie einen Bären, so erhalten sie
'/j fl.' 1534, Absch.; s. Bären-G. , Jedes Quartier soll
ein W. anschaffen, und wenn ein Wolf sich zeigt, mit
oder ohne die Gerichtsherren auf denselben Jagd ma-
chen.- 164'2, PupiK., Th. — Wurf-. , Keine Schöpf-
waten oder W. gebrauchen.' 1652, Fischerordn. AaZ.
S. noch Segenen-G. — Wasser-: fabrikmässig und
dick gesponnenes Baumwollgarn Ap. — Waten- s.
Watte. — Ziger-Gärnli: luftig gewobenes Tuch,
in welchem der ,Ziger' zum Vertropfen aufgehängt
wird Uw. — Zug-, Ziech-: 1. an einem Seil oder
einer Stange an den Ufern (der Linth, It Steinm. 1804)
hin und her gezogenes Netz. ,Zugg., wie es die fischer
brauchend, everriculum, funda, verriculum, sagena.'
Mal. S. Feimer. .Wird die Kirch Gottes im Evan-
gelio recht vergleichet einem Zuggarn, welches allerlei
Fischen, gut und bös, fasset.' Helv. Conf. 1566/1644.
,Das* keiner weder mit Ziechgarn, Streipf- od. Schöpf-
beren, Gehren und andern Instrumenten fischen nit
solle.' 1607, AAWett. Klosterarch. — 2. grosses Netz
mit 2 Wänden von 72 — 75 Ellen Länge, mit einem
Sack L. Syn. iSe-G. — Zuck-. ,Pantheron, z., ist ein
Vogelgarn, das man zuezücht.' Fris.; Mal. ,Verri-
culum, sagena, ein z. oder fischergarn.' Fris. ,l)ie
Vögel werdend mit dem z. bedeckt' Vooelb. 1557.
,Die wilden enten werden in den z-en, so zu.sammen
fallend, gefangen.' ebd. — Zipfel-: Art Fischernetz.
, Streipf-, Z.- oder ßlüemligavn' sind verboten. 1652,
AaZ. Fischerordn.
Garner: Fischer, der mit einem Garne arbeitet.
,So vil der Häginern Weiden [Fischbezirke] anlangt,
da sie vermeinen, dass die G. gar nit darein fahren
sollten, ist erkennt, dass die G. allein mit dem Heg-
ling-Garn nit darin fahren sollen.' 1537, SchwE. Klo-
sterarch. ,Die G. und Weidleut [Fischer], so das Garn
brauchen.' ebd. u. 1757; 1776, Z Fischerordn.
(ver-)garnen s. ge-arnen. er-garnen s. er-
gannen s. v. Kanne.
Garnille" s. Kamille'.
Garnisönler: Soldat der ehemaligen Bs Standes-
truppen; Stadtsoldat, Stadtpolizist Bsf; s. Schilter-Gnst.
„under-gärne": verunmöglichen BMeir.-
Eig. wohl mit dem Fanggarn dazwischen kunimen oder
mit Garu unterbinden.
gärni(n): aus (Linnen-) Garn, allg.; z.B. iiiirnia
Zug, Leinwand. S. Endi 3 Bd 1 317.
„Garnute° s. Karnute'.
gern, bezw. gere", auch etwa ger, gen — Comp.
gerner B; ScHSt; „Vw"; Sup. am gernste". ebd.; L:
1. vom menschlichen Willen, a) mit Lust Z' Tod g.,
für's Leben g. Gl. Tuesch-es öppe nüd g.? Uä nei',
ies g'rad so tcege' der Gerni! aber i"'' wiU-d'r's iez
doch z' G' falle' tue" ZF. Hättisch g.t sagt man spot-
tend oder .scherzend, wenn man Einem Etw. vorent-
hält; vgl. Hätteli-gern. Du muest na g. welle', Formel
in vorwurfsvollem Tone zu Einem, der sich sperrt
oder ziert, ein Anerbieten anzunehmen Z. !''• n-^'t g.!
ellipt., iron. 1) dass du das tätest (im S. eines Ver-
botes). 2) dass das geschehen wäre (als Verwahrung)
Z. 's ist g. g' schell' (g' gange")! Höflichkeitsformel, mit
der man den Dank für eine erwiesene Gefälligkeit
ablehnt Z. I''' icill ('s) g. g'seh', bin gespannt darauf
Bs; Gl; Z. I weit g. säge'..., Formel, wenn man
sich nicht getraut, Etwas bestimmt in Aussicht zu
stellen oder zu behaupten Schw; Z. Lieber als g.,
nur zu g., gar zu g. Gr. I ha' miiese" fast lieber
als g. z. B. drüf warte', g. oder ungern, wohl oder
übel GRHe. G. ha', lieben, von Sachen u. Personen;
g. g'seh', mit persönl. Obj., verliebt sein in . . . ,lch
g'sich's von Herzen gär.' Com. SBeati. — b) absicht-
lich Aa ; BHk. ; Syn. mit Fliss. I han das [eine Schä-
digung, Beleidigung] nit gere g'macht, Entschuldi-
gungsforinel. — 2. leicht, oft, gewöhnlich. Auch von
vernunftlosen Wesen. Feiss Lät chummed g. d'Wasser-
sucht über. De" Stier stosst g., ist stössig. Die Chue
git g. Milch, ist eine ertragreiche Milchkuh. De
Baum treit g., ist fruchtbar. De'' Wage' gät g., mit
Leichtigkeit, 's Glas lät g., ist leicht zerbrechlich.
Nasses Holz brünnt nit g. Er lügt g. kann auch
hcissen: er ist ein Gewohnheitslügner, gerät leicht
42?
Garn — gnrii. (Jarps— gurpti
ins Lügon. Er chunnt g. z' spot [aus übler Gewohn-
heit]. Auch vom zufälligen od. natürlichen Geschehen.
Er hat g. guet Charte', hat Glück im Spiel, 's git 's g.
[geschieht (durch eine Art Verhängniss) leicht, oft],
z. B. dass en Githals en u'hüsUche" Sw häd. Wenn-
me" a' Vltstag d' Feister nffe" häd, so git 's g. Flüge'.
Wenn 's »'" '.5 1er Holz dunneret, so git 's iw'' g. e
Rächi, pflegt noch rauhes Wetter zu folgen. ,Wenn
die Achelen [Eicheln] wul g'rät, so kommt g. darnach
ein grosser Tod.' 1520/29, Stockar. ,Derwegen die
grossen trinker das pärlyss [Paralysis] so gern über-
kommen.' TiERB. 1563. ,So man die Bluemen also
grüen in den Wein leget, so wirt derselbig g. zu Essig.'
JRLandenb. 1608. .Weilen dort alle 4 Windg. herr.schen.'
GKöNiG 169.3. — 3. (vor Zahlww. und andern Quan-
titätsbestiramungen) wohl, zum Wenigsten, mindestens;
Synn. gehand, sanft. G. so vil, g. so gross, g. e mal
nie'' u. ä. Aa; Gl; Gr; G; Z. Die Sou ist g. 3 Zentner,
wiegt wenigstens 3 Z. Die Ttltsche' händ g. so vil
Lüt verlöre' wie d' Franzose', ganz eben so viel. Vo'
Zürv'' ge' Basel ist -es g. 18 Stund. Me' müesst g.
100 Auge" ha", wenn Eiw Alls wött g'seh". Stütz.
,üer säum wyn galt g. 12 fl.' Mal. 1593. ,Ja etwan
2 fl. g. Unterscheids.' 1663, Z Pfister.
,Gär' bei JosMurer mehrfach (neben ,gärn') im Reime
auf ,wär". ,Ich will dir helfen gären ; du möchtest mynen
nit entbären.' ebd. 1567. — Die direkten Steigerungsformen
auch in ä. Spr.: ,Dest g-er.' 1343, Seh Ratsver.; 1537, Z.
.Niement g-er.' XIV., Sarner Pred. .Noch g-er glauben.'
Zschokke 1797. ,Wem ers allerg-est gebu.' Anf XIV.,
LMalt. ,Wo die eidgnossen sy allerg-ist h,ättind, dahin wären
sy willig zc ziehen.' Friind. — Bed. 2 entwickelt sich aus 1,
indem das, was man gern tut, auch leicht geht. .Leicht'
liegt auch der Bed. 3 zu Grunde.
über-gern: überaus gern. .Nun wollt ich dich
Übergeren in dym vatterland behalten.' 1554, ThPlatt.
un-, u'-gere' Gr; UwE., u-gern ScnStdt, u>jg(rt'
AaZ.; zw., utjgij- Z, ungpjig AaZ., ür/ge-n SciiSchl.;
Z tw. — Comp. ütjgiTfr, Sup. am ÜDg^-ste" Z : 1. mit
Widerwillen. F. ?»a", nicht lieben; übel nehmen. Heb
's uygen (unger) oder gern! ScaSchl.; ZO. (Stutz).
Händ 's nüd u., nehmt es nicht übel. Verstärkt:
hunds-u. Z. ,Nicht ungerner hören als Andere.' Gotth.
,Weil ich nichts Ungerners gehabt.' Ende XVII., Mscr.
— 2. mit Mühe, nicht leicht. Das Messer haut sehiüi'''
lt., schneidet sehr schlecht, ist stumpf, 's gät u., die
Fahrbahn ist schlecht. ,Das fleisch lasst sich seiner
feisstin halb ungern derren.' Tierb. 1563. ,Dass der
Kiefel etwas ungerner heilet als aber die Backen.'
WtRZ 1634.
In «mjfr ist das Stammw. zum blossen Suffi.x herabge-
sunken, daher dann auch der Uml. in den Steigerungsformen.
Hätteli- GBern.; Th, Hätti-gerneli GW.; ZO.,
Hätt-gernetli Z Waltal., Hätt-si-gere' Gl - n.: etwas
Hübsches, das man gerne hätte (Vexierw., Kdspr.).
Gewöhnlich den Kindern als .Marktkram' versprochen:
Es Niiteli und es Drahei'"gängeli, es Nieneicägeli und
es H. Z. Es Hätteligern, es Wärtelilang und es goldigs
Nüteli druf. Sprww. 1869. 's git uf der Welt nit
luter H. ebd. Vgl. Ler-hei"-Gängeli Sp. 347.
mords-: Verstärkung von ,gern' ZO.. S.
nü-, wunder-: neugierig Ap.
Mhd. niugern, dass.; auch subst. Schachzabel b. Unser
W. wahrsch. nur präd. wie ahd. gcmi, got. gairns, als letzter
Teil von zsges. Adjj.
ver-nü-gernen : 1. überdrüssig, satt werden.
,Und do sy an inen [ihren Buhlern] verneugernet
hatt. ist ir huorei entdeckt worden.- 1530/48, Ezech.
(dafür 1667: ,müed geworden'; jetzt: ,hat sich ihre
Seele von ihnen abgewendet).' ,Es blaib och mer dann
7ä jar in der feder, dass ie mengklichs vernüwgerneta,
dass eben wenig daruf ward gehalten.' Sicher 1.531.
.Exuere gratiam novitatis, verneugernet werden.' Fris.;
Mal. .Deferbuit adole.scentia, die hitz oder geile der
Jugend ist vergangen oder erlegen, hat schon verneu-
ggret oder verzählet.' Fris. 1556; 1574. .Verneugernd
werden, bald erleiden, cito alqd fastidiie.' Denzl. 1677.
•Man verneugerndet bald, cito satiatur cupiditas.' ebd.
1716. — 2. ,verneugernden, anfahen alten.' Denzl.
1716. — Mhd. vcrniugemen, die Lust an Ktw. verlieren.
bluet(s) - gern : äusserst gern Nnw; Z. Syn.
mnrds-g. — wunder- s. nü-g.
gern-lächtig: gern ZWäd.
Gorn, Gurn s. Gön Sp. 3.30.
gurnäglen s. gur-näglen. Gurnaueli s. Gur-
Naueli.
gurniere" (auch gorn-): plagen, wehe tun; ty-
rannisieren L. ,Die Herren in der Stadt gournieren,
ihnen nehmen Geld und Gut.' 1844, W bist. Lied. —
Für ciyonicrcn.
Gärps, gärpsen s. Gnrps.
Gerpsen s. G'epsen.
girps(ch)en s. gipsen.
Gorps (PI. -Ö-) AaKu.; Ar; BsL.; BU.; GrPi-.;
GStdt; S, ,£■- BD.; Gr", Görps kk; ApWalz.; VO.;
Gl; Gr; G; Th; Z, Gei-ps AABb.; GO.; Sch; THTäg.;
ZW., (?Mr2)sAASee.;GW.; ZS., Glorps'QiL., Gröps
BSa., Si. — m.: Eülp.s. En G. (abjlä", rülTpsen. De'
G. ha', an Aufstossen leiden. De stinlce'd G., übel-
riechendes Aufstossen Ap; GSa. ,Euctus, ein gürps
oder kopp. Irructare, görpsen, einen görpsen oder
koppen lassen.' Fris.; Mal. ,Gute Zeichen bei der
roten Ruhr sind Görbse und Bläst nach dem Stuhl-
gang, weil das ein Gemerk der Däuung i.st.' Z Bericht
1690. — Sür- {-Gürpisi n.. ÄASt): .saures Aufstossen
der Speisen. Siir-gürbsler nennt unbeholfen bei Stütz
das Landmädchen die ,Sukkürsler' [Soldaten des ,Suk-
kurses'], mit der Motivierung: si wei-ded mängstml
au"'' de" Surgürbs übercho". Vgl.: .Die üfstygenden
dämpf und görpsen sind sur.' Euep 1554; ,Acor, saurer
Görpsen von verderbtem magen.' Denzl. 1677; 1716.
gorpse", görpse", gürpse', gärpse", glorpse",
gropse°: rülpsen. Syn. hoppen, ropsen. Dur''' de'
Sträl g., sich erbrechen AASeet. Einen a'g., aurülpsen.
,So sy aber von fruchten und wein görpsetend, wichend
■sy von mir ab.' 1531, Hosea. ,Üch buren ist wie den
fröschen im früeling; dann kommend sy zuesammen,
schriend und gerbsend: gwagk, gwagk.' Kessl. ,Der
magen wird verdrüssig und unwillend [Brechreiz
empfindend] mit görpsen und ufstossen.- Etef 1554.
,So ein vych nit döuwet, oft gürpset, der bauch im
rauget.' Tierb. 1563. ,Diese Öl machen aufstossen und
gorbsen.' JELandenb. 1608. ,Kopen, görpsen, gürpsen,
grolzen, geken, rülpsen, rülzen, ructare, exhalare, eru-
gere, screare.' Eed. 1662. ,Euetus, ein von Völle der
üaips— gurps. (Jars-
arscli
Garst-
430
Speisen übei-güriisender Magen.' JJÜlr. 1727. .Die
Gorbsbrünnen oder G.-Bäche', d. h. die periodisch auf-
sprudelnden Quellen bei GVättis. JJScheüchz. 1707.
Orujiaen scheint die älteste Form zu sein; Tgl. bair.
t/ro/tpezen, nihil, kropfizen. In (flovpsen ist l eingeschoben wie
nicht selten nach Gutturalen, St. 's k viell. als k zu deuten,
welcher Laut eben in BO. und Gr häufig für anlautendes </
eintritt,. S. noch Gorx.
Gorpser, bezw. -ö-, -ü-, -ä-, Grosser usw. — m. :
1. Einer der rülpst, allg. — 2. das Rülpsen. De" G.
ha', mit dem R. behaftet sein GA. — Gorpsi, bezw.
-ö- usw.: 1. lu. = Gorpser 1. allg. — 2. „Görpui n.,
das Rülpsen L; Zo." Vgl. Hitzgi.
Gürpsi, Gürpschi s. Grüpschi.
görpsle" gi-: kopfüber stürzen, purzeln, bes. in
den Compp. um-, abe'-g., um-, herabfallen. Bes. yon
Kindern und Sachen. Es häd e Girpslete" g'ge', es
gab ein Gepurzel Obw. — Ob aus dem Syn. hUrzUn unter
Anlehnung an fjürptien'
Garsäne", nur in dem Abzahlsprucli: Aue, Gr.,
6' Türgge", i Pfungge", 10 G^gge", himille, Inhitpp
Sciiw; Zg.
Gersami s. Ge-er-sami Bd I .397.
(iersau: (eigentlich Au des Ger) einstige kleine Re-
publik am VwSee. seit alter Zeit ,das Krähwinkel" der
innern Schweiz, daher Gersaiterstücldi, Schildbürger-
streiche. Von den 1482 durch den Ritter von Hohen-
burg geprellten Zürchern schreibt Dieb. Schilling: ,Do
wurdent sy erzürnt und nit unbillich, wann sy warend
wirdig gewissen, in der von Gersow buech ze schry-
ben;' vgl. das .Laienbuch'. S. noch Osenbb., N. kult.
Bilder, 82 ff. Vgl. auch Hegnau, Merlingen u. a.
(iürse Aa; B. Gorsche B, Gurse Schw; SL.,
Gor-, Garsettli Z — n.: Corset, Brustlatz, Brust-
tuch der alten Frauenkleidung; modern: Schnürleib.
,Ein Gorsche mit Guldkrallen und silberig Kittelhäft.'
GoTTH. ,Es werde von seiner Mutter schönen Kitteln
und Kappen, Göllern und Gorsen Nichts erhalten.'
N. B. Kai. 1843. Ge't, wie g'wendt-er die Garbe", icie
schlöt-er s', a's wäre"d-si Sünder; GasetÜi leit-er-ne'
a", [sie] müend selber no d' Mode mitmache''. JKdMey.
1844. Es Gorse wie-n-es Brett. Rochh. 18.57, 813.
Gorse", Gurse m. : Ammer. ,Emberiza flava.'
VoGELB. 1557. ,In desse [der Emmeritze] nest wird
otwan auch der guggauch gefunden, dannenher das
sprüchw. von einem undankbaren menschen: du loiiest
mir wie der guggauch dem gorse.' ebd.
Gel'^'-Gorst = Gorse. ,Emberiza flava, ein Em-
merling, Gilbling, Gilberschen, Kornvogel oder Gel-
gorst.' VoGELB. ,G., der Emraeritz, passer spermo-
logus.' Mal. Syn. GilwerfichJ Sp. 295.
Vgl. die frz. Vogelnamen yot-ge-Jauiw, fuuyt-ijuryr : auch
ijonje allein als Name einer Taubenart.
(iarschine": weisser Halmenfuss, ran. aconitifolius
GrL.
Dieses als milchig gerühmte Alpenkraut hat der Kresse
ähnliche Blätter und der Name ist daher wohl aus churw.
earschün, Kresse, herzuleiten.
Gerschner s. Geschner. Girsch s. Gerisch.
girsche": mit den Zähnen knirschen AAWohl.
S. das Syn. kirse'.
Gorsch, görschien s. Gösch, göschlen.
Garst, Garstli^g m.: Abscheulicher. Du wiieste''
Garst! Du, Garstlig! z.B. zu einem Kinde, das sich
arg beschmutzt hat. Z. Syn. Grüsel. — Viell. bloss Nbf.
von Gast. Doch s. das Folg.
Garster m.: wüster Geselle = Garst ZO.
Viell. Abi. aus dem vorhergehenden (vgl.: Unflui : Un-
ßäter) oder dann aus mhd. gant, Unrat, das freilich in schwz.
MAA. nicht nachweisbar ist, es wäre denn obiges OurHt
dieses W.
Gerste" f. allg., Girst 1 m. GRPr.: 1. wie nhd.
Die erste Körnerfrucht des Jahres. Uralt germanisch,
wohl einst auch bei uns zur Bierbereitung gebraucht,
bis Obst- und Weinbau sich verbreitet hatten. Im
Flachland zu Brot weniger, wohl aber zu Suppe und
kühlendem Absud für Mensch und Vieh benutzt. In
TnBisch. pflegte früher an einem bestimmten Tage
(Gersten-Tag) bei Anfang der Ernte allen Armen ohne
Unterschied des Herkommens und der Heimatgemeinde
ein kleines Mass Gerste als Almosen an der Kirchtüre
zugeteilt zu werden (Pupik.). Nach B Landesbrauch
musste die Mutter dem Täufling 3 Gerstenkörner in
die Windeln binden (Rochh.). ,Die Foggenzer sollent
gerecht guet Brot bachen von guoteni kernen [Dinkel],
als dass si darunder weder roggen noch g. mischen.'
1417 u. 1448, Z Püsterordn. ,Ngmmend einen hafen
vollen gersten, giessend den harn desselbigen menschen
darüber; so dieselbig am 10. tag uswachset oder kymet,
so ist die person fruchtbar.' Ruef 1554. G. u. Roggen
als Rivalen. Roggen: 0 du tusigi (rhlinij G., wie
chunnst aw'' z' blärste' [keuchen] ! Gerste : 0 du tusigs
(grosses) Stagelebei", i"'' chumme" doch na [noch] vor
dir hei"' Z. S. Gehür u. vgl. Schild 3, 54. RAA.
Wei- G. säe' will, muess de' Hüenere" Nüt säge" L.
Er trachst wie-ne rlfi G. [bleibt stehen im Wachstum],
ebd. Rwhi Meitschi und arme Lüte' G. sind glv''
[bald] rif S. Also (item) sei 's G., worum hat si Hör!
also sei es! wir wollen uns nicht länger dabei [bei
einem streitigen Wort oder Gegenstand] aufhalten,
sondern weiter gehen Aa; Z. £»""(». i" d' G. gä'
(hocke'), Einem ins Gehäge gehen, bei der Bewerbung
oder beim Kiltgang Jmdes Rival sein Ar; GRh.; ZSth.
Syn. i" d' Spine' hocken; vgl. Gäu. .Er ligt niemanden
in der G., innocuus jacet.' Mev., Hort. 1692. ,Ist die
Gerst getröschen?' ist schon Alles gewonnen, der Er-
folg sicher':' 1444, Lied. , Möchtest auch etwas sin,
so wäre die G. getröschen.' Gyrenrüpf. 15'23. .Wenn
wir einanderen nit mit trüweren gemüeten gemeinen
[gesinnt sein] wellent, dann der buochstab [des Ver-
trages] begryfen mag, so ist unser gerst bald dröschen.'
1529, Strickl. G. stössen, stampfen, s. Sp. 318/9;
dafür in Aa It Kurz, Beitr. 126: ,G. rollen': .A. Ich
roll, ich roll ein G. B. Für wen? [usw.]'; in W:
A. We" chunnt die G.? B. I' der Nacht bim Mane
[Mond]. A. Was hat der da? K E Sack über d' A.vle'.
A. Was ist i' dem S.? B. E 's Fischi G. A. Was
ist i" der G.? B. E 's POr Schue''. A. Was i.it i"
dem P. Seh.? B. E's Chhmt.'<cM Garu [Knäuel Garn].
Jarst — guist. Gart— gm-
432
A. 11 as ist i' dem CM. G.? B. E Nadle". A. Wcu
ist i" der N.? B. E' Gufe' [Stecknadel]. A. Was
ist i" der G.? B. E Flöh. A. Was ist i" der Flöh?
B. E Lüs. A. Was ist i" der Lüs? B. E' Niss.
Dann rufen plötzlich Beide: Setz di''' nider und friss!
— 2. Gerstli, kleines Vermögen Bs; Z. Bes. in der
Verbindung: ml" 's ganz G., meine g-e Baarschaft.
's Vreneli hat a««* e nett G. i" sim FirdiechU [Schürze]
fha; eine hübsche Mitgift Bs (Breitenst.). Wenn i'''
nvr mi 's G. wider hätt, mein ausgelegtes Geld Z.
— 3. wildi, schwärzt G. = Gerisch Sp. 40-t. Meister-
wurz B.
Bed. 2 eine humoristische Bezeichnung des Vermägens,
da die G. manchenorts das einzige Getreide des armen Mannes
ist; vgl. Chümmi, Kümmel. 3 durch lautliche Anlehnung an 1.
Fächer-, Himmel-, Jerusalems-, Cholbe"-,
Pfaue"-Gerste: die Reis- oder Bartgerste, hordeum
zeocriton (Durh.).
Die viel längern, feinen Grannen geben dieser Art ein
stattliches Aussehen, daher einige der obigen Namen. Zu
Fächer- vgl. frz. orge eventail.
Vogel-: Fuchsschwanz, alopecurns agr. AABr.,
ein Unkraut, welches, wie die Gerste, zu den Gräsern
gehört.
Fueter- (Durh.). Cherne»- (B: L). Chi.stli-
(Dnrh.): zweizeilige G.. hordeum di.stichuni. - Grün
als Viehfutter verwendet.
Chost-: gewöhnliche G.. welche von den Bauern
vermittelst der .Gersten-Stampti' enthülst und dann
mit der Chost (Erbssuppe) als Graupe gesotten und
geessen wird Z. Syn. Stampf-G. — Chnopf-: sechs-
zeilige G., hordeum hexastichon (Hegetschw.). Syn.
Roll-G. (s. auch Brettli-G.) und wahrsch. Summer-G.,
weil sie erst im Frühling gesäet wird und im Spät-
sommer reift, während die Winter-G. im Herbste ge-
säet wird (also überwintert) und im Frühsommer reift.
„Mutti- AaF.; L, Mütsch-G: G. ohne Grannen."
Vgl. Mutti-Korn. — Der 1. Bestandteil des W. bezeichnet
das Stumpfe.
Püre°-: gewöhnliche, von den Bauern gepflanzte
G.. im Unterschied zur Ulmergerste Z.
„Brettli-: zweizeilige G., hord. distich. B." Syn.
Fueter-G. — Wie nhd. .Plattgerste', frz. orge plate, von den
flachen Ähren so benannt, im Gegs. zur Knopfgerste.
Roll-: sechszeilige G. L. - Deutet wie das Syn.
Knopf-G. auf die dicken, kurzen Ähren dieser Species.
Summer-: hordeum vulg. U; Z. — S. auch noch
Knopf-G.
„Stock-: mehr als zweizeilige, nämlich vier- oder
sechszeilige G., eig. kegelförmige [stockige] G. im
Gegs. zur Zil-G. LE." - S. die Anm. zu RoU-G.
Stampf-: = Äbs«-G. L; Z. - S. auch Gerste'-Stampfi.
Tob-: Lolch, lolium temulentum. Dürh. Syn.
Trümmel, Schwindel-Haber, -Weisse".
■Vgl. nhd. ,T8berich' und .Taubkorn'. Die Benennung
nach verschiedenen Getreidearten viell. je nach dem Standort
dieser giftigen Grasart in einer derselben.
Zil-: zweizeilige G. im Gegs. zur Stock-G. L.
gerste": 1. Gerste .säen Sch. — 2. Etw. in klein-
licher Weise ausspionieren Z, auch er- (Z). üs- (ScnSt.).
— Zu 2 vgl. er-hernk",
„Gerstere" f.: mit Gerste bepflanztes Land."
Girst II 111. : niililc Bezeii'linuiig eine.s Geizhalse.s
GrL. — Kaum zu Girni I. aber viel), zu inhd. gimclirn,
gierig sein nach Etwas.
girsti": aus Gerste. z.B. r/irstis Brot Gr. .Nützit
anders, dan girste brot' Vad.
Gart I — PI. Gärt — m.: 1. lange (Hasel)rute, vorn
mit Eisenstift od. sonst zugespitzt, womit man früher
die Ochsen antrieb GRUVatz; „LG.;" ZU. (noch vor
c. 20 Jahren). En G., e Geissle nebet dra', und färed
mit uf d' Brach. Stütz. ,Das (fronwisen höw) soll
Ötenbachs guot mennen, wenn es im geladen wirt,
und soll man im den g. dar stützen und gent aber
gemeinlich den wagen.' c. 1350, Z Stifts-Urb. ,Duo
sluog er mit dem g. dar und sluog des herren knecht
ein finger enzwci.' Weisses Buch. .Stimulus, ein gart,
.Stachel, stupfruet, ein gart <lamit man die ochsen im
pfluog niennt. Contumaces boves, stcttig oder wider-
spennig ochsen, die nützid umb den g. gebend. In-
citamentum, anreizung, trib, stupf, g.' Fris.; Mal.
.Arnold von Melchtal nam sineu Stecken oder Gard,
damit er die Ochsen treib.' JJRüeijer 1(506. ,Dasselb
Rind und das Schwyn band die Freiheit, wo sy Einer
findet an synem Schaden, der soll syn G. in syn Hand
nenien und soll es damit bescheidenlich uss dem Synen
tryben.' 1609. ZKloten, Offn. S. noch ScJiorr-Isen
Bd 1 544. In der alten Schule (etwa mit Stift, Stüpfer,
versehene) Zuchtrute ZO. — 2. ehemals auch der lange
Stab, den die ,E-Gaumer' in der Kirche gebrauchten,
um Störungen des Gottesdienstes zu ahnden ZWald.
— Mhd. gari, Stachel, Treibstecken; vwdt mit ,Gerte'.
0 c h s e n - = Gart 1 GRMalans.
Isen-: = Is-Vogel Bd I 693. ,Der eisvogel, so
auch eisengart genannt' Vogelb. 1557.
Wenn das W. übh. hieher gehört, deutet es wohl auf
den spitzen und harten Schnabel des Vogels.
Beb-. .Tradux, ein r. von einem bäum auf den
anderen darnebend gezüchtet, möcht man wol nennen
einen Überschützling.' Fris. — .Stupf-gard, inci-
tabuluni, Stimulus.' Mal. — Stier-: = Ochsen-G.
.Wegen Schweren durch die Wächter mit einem Stier-
gard gestrichen worden.' 1709, Ap LB.
„er-gartere: tüchtig abprügeln. mit Schärfe be-
handeln ScHwTugg." — Frequentativbildung wahrsch. mit
Anlehnung an das syn. er-galteren. Vgl. ab-gerllen.
Gart 11 f.: das Herumziehen dienstloser Lands-
knechte. ,Die Landsknecht, wann man si bsöldete
und bezalte. wie man sollt, wurdend vil dester minder
rouben und stelen und uf der Gart umbher zühen.'
JJBvEGER 1606. - Nach Gr. WB. IV 1, 1, 1:382 ff. von
frz. giirde; doch s. auch Schm.-Fr. !I40.
an-gartle" (an-): fechten ThFt. - Von dem frz.
Fechterrufe en garde!
Gart m s. Garten.
Gartel n.: Anteil eines Bürgers am Wald der Ge-
meinde ZMdf. Syn. Gerechtigkeit. ,Ein halb G. Holz
im Gemeindholz.'" 1818, Z (Kanzleispr.). S. Gerter III.
Garte", in Gr ObS. -aw - m.: 1. wie nhd. allg.
RAA. Vil Hag und wenig G. Z. 3Iiisli (Bibeli), was
tuest-mer im G. (GäHli)? Name und Anfang eines
433
(iart, s^urt. trii-t. pi
434
Spiels, bei welchem ein Kind das Mäuschen (Hühn-
chen), ein anderes den Gärtner vorstellt, die übrigen
einen Kreis bilden, in welchem das Erstere kauert;
es antwortet: !''• büse' dem Herre' e chlv Chrut ab
(e Bitzeli, B. Chrut abbicke'J; darauf der Gärtner: Wcts
seist, icenn rfe"' GartCma" (Salzma'"J chunnt? Ant-
wort: Chömm-er, de' Lumpenhund! worauf Jenes vom
Gärtner verfolgt, von dem Kreise aber möglichst ge-
schützt wird. Syn. Biber-GärtU. Ei"m im G. wachse',
vom Schicksal zu Teil werden, immer von unange-
nehmen Erfahrungen, Leid, Sehaden, Reue, oft von
verdienter Strafe, aber ohne subst. Subj. Was mer
med gern häd, das wachst Eim im G. ÄABb. ,Und
das Zahlen werde ihm im Gärtlein wachsen, sagen
die, welche die Verhältnisse kennen.' Sch Pilger 1883.
,Sag Pilato, was z' erwarten, was ihm wachsen werd'
im G., wann er dises schlage aus.' JCWeissenb. 1679.
.Mein Sohn, der wollt sich widersetzen, tat totlich
seinen Knecht verletzen, ist jetz flüchtig, ich rauss
erwarten, was mir daraus auch wachs im G.' ebd.
17(il/'2. Dann auch mit Acc. i'w. Es wachst Chindren
Niit so i 'n G. wie das, wie si si''' gegen den Eltren
nffüeren BPi. Ei"m en Stei" (es Steinli Gr) i'n G.
werfe" {rüere" Aa; L): 1) Einem ein Leid antun,
Schaden zufügen, sich rächen Aa; BHk. — 2) im
freundlichen S., ironisch scherzend: Einem eine Ge-
fälligkeit erweisen, ein Geschenk machen, bes. als
Gegendienst Aa; Gr; L; G; Sulger; Z. Syn. en Has
i" d' Chitchi schidce". — 2. mit Zaun, Hag, Weiden-
geflecht eingefangener Platz, auch im offenen Felde,
worin man Flachs, Hanf, Kartoffeln zieht, wodurch er
sich von Ackerland unterscheidet, Pflanzland Uw; U;
W. Das in unmittelbarer Nähe der Wüh)iungen ge-
legene, eingezäunte und besser gedüngte (Wies-) Land
TiiKom. Syn. Pünt; Gegs. Feld. NcbeH dem G. grase",
einen zweiten Liebhaber haben SciiwMa. Von Wein-
reben: ,Wein aus dem eignen g.' G Hdschr. Vgl.
Win-G. Einem Privaten ausnahmsweise eingeräumtes
Pfianzland auf der Allmend (daher auch ,Allmend-
gärten.' 1837, Übw); s. d. Bd I 190. ,I)ass einer
mag machen uf der allmend einen g. sibend klafter
wyt . . . und er und syn kind das mugend han (so lang
sie wollen; nachher soll der g. den kilchgenossen
wider kert werden).' 1436, ScnwGers. (Blumer, EG.
II ' 1, 362). Von Gärten ausserhalb der Stadt, mit
Wirtschaft: ,Noch auch anderstwohin für die Statt
in die Gärten oder andere Hüser zum Wyn gähn.' Z
jMand. 1650. Als Flurn.: G., ein Hof ZZell, wo auch
das Garten-Tobel, im Gart ZWald. GärtU Z NHasli,
G., Alp in Ar, auch Gross-G. Dazu die Zssen: Adler-
USchadd. ; Irr-, eig. Übersetzung von , Labyrinth'.
Name eines Hauses in Z; Fenk [Fenchel]- ZWied.;
Vrenelis-Gärtli s. Bd I 917; Gugel-G. SciiMer.;
Hirs- ZGossau; Hirse"- 1291, Sch Urk.; Hase"-
SciiTras. (vgl. if.-Weid); Cheib-. Wiese, wo früher
Aas verscharrt wurde SThierst.; Chalber- ScnBegg.;
Chünneli [Kaninchen]-, Hausn. Z; Le (Hügel '? Le-
hen'-']- c. lüOO.ScHwTugg.; Mörder-Gärtli ScnBegg.,
Beerdigungsplatz für Selbstmörder, vgl. M.-Grueb;
Bü- ZHombr. ; in der Stadt früher Lokal einer Gesell-
schaft; Bäs- ScnBegg.; Brueder- ZWetz., ein Acker,
jetzt mitten in Wald, wo früher ein Waldbruderhaus
gestanden haben soll (vgl. Schtcestern-Bungert) ; z e n
Raf- WSaas; Stuben- ZRheinau; Stier-Gärtli
ScHMeri.sh.; Tauf-G. ScuNnk.; Dill-Gärtli ZLeimb.
[von einer in Gärten gezogenen Pflanze]; Dcsch-G.
1589, TnArbon; Widen- SciiBcgg.; Wald- Sciiwlb.;
Wolf- GWa. — Mhd. <iurU\ selten ijurt.
Allmend- s. Garten 2. — Ämel-: mit Sauer-
kirschbäumen besetzter Baumgarten (s. Bd I 214)?
, Einen ämel- und boumgarten vor der brugg zu [Schloss |
Griessenberg.' 1474, Z Urk. — Frön-: einem Herrn,
bes. einer geistlichen Herrschaft gehörender G. 11()4.
ZRheinau; ebd. auch .Fronwyngarten', der dortigen
Abtei gehörig. ,A. 1418 was der gart (zu StGallen),
den man nennt froTigart, ein ussligend guot wie ein
gemein merk [Allmend], in welchem etlich burger
kleine krutbettle ufgeworfen hattend.' Vad.
Heim- Heingart GrAv.. HeHgi-jtBW\.\ Gn(-yg-);
G; W, Henggert(k) ZUhw., Bn,n',f,nrtrr'i Sei.; ZWyl.
Hogarte" Th — m., „auch llnininir, Ihmgerte B;
Sch; W, Hängete Z — f.": 1. (n's.'l|,,li;Ltt. Zusammen-
kunft Gr; PGr.; W. a) von Nachbarn und Freunden
ausserhalb des eigenen Hauses, im Sommer auf Bän-
ken vor demselben oder auf öff^entlichem Platz unter
Bäumen, an Feiertagen oder am Feierabend, zu blosser
geselliger Unterhaltung mit Gespräch oder auch zur
Arbeit; Syn. Abendsitz. Im H. si" Sch. ,ln den Han-
garten sitzen, z' H. sin.' Sulger. ,Nachbarn, welche
im Hangarten sassen und die Zeitung lasen.' ZWthur
1833. ,Diese Versammlungen der Frauen auf der
Hausbank erhielten den Namen Hängeten, welches W.
sich bis zur Stunde in unserer Spracln' i'ilhilt.'ii hat.'
ZWthur (Troll). P" gan nit gern diir'- ,/' r,i,l,ysl,u}t
wege" dene" vilc" Hangärte' Scn. Die Mvilli gimd
SU 's Xorlihfrs :'' II. Sch. Am Abed [des Neujahrs-
tages | /((///(/ ili/' (r'irachsne' en Hengert GfiPeist. In
d' Wni-lsihliKsiliir und z' Hengert ist sus nie mi Sach
(/'slM GrD. (Schwzd.). Geselliges Gespräch übh. Händ-
er e" H. z'sämme? GnChur; W. Sid-er im H.? Gruss
an beisammen Stehende oder Sitzende W. Syn. Dorf.
Besuch Gr; bei Tage Sch; W; z' H. gä" fchO"), Abends
nach vollbrachtem Tagewerk W; auf Besuch zum
Plaudern Gr; Sch; W; ZWyl. Syn. Stubete. Ehmols
sind liebi Vetterlüt z' Hangarte mit de" Chinde cho',
me' hat erzält us alter Zit, g'spasset, g'sunge" Sch.
S. noch Gommer Sp. 314. ,Wo der weibel den hessfal
ninipt, so soll er nüntz [Nichts] nemmen, dann das
gewer und die gürtelgewand, als er [der Verstorbene]
ze hochzytlichen [festlichen] tagen zue kilchen und
hangarten gat.' Oifn. THS\ilgpii. ,Gat aber ein fron
ab, von der wirt eiiirm Ihn,' ji liest gewand, als sy
am sunntag zer kirchm nihl vr li:;ingarten gat..' 1521,
Ottn. TirGottl. — bl .\ln.n,lun's..|l„liiift junger Leute
beider llr.rlib.rhtcr. ;;»-/„" „h.I Mr,Hi .ir.r",! ;' //„»-
und Tiiiikon, wnzu beidr T.ür bcitnig.'ii (ii.-. .Ilm-
gert, Herr! bedeutet Reigen, Ball und Sprung und
Fussgezappel in der Sprache der Grisonen.' CFMey.
1882. Und wenn »ij" sehen [man dessen, eines Liebes-
verhältnisses mit eini'iM .\la.lrlirii| sa ril ciilc/ilti')/
muoss, will i''' z' liehst |ain li.h.t.'ii | l,;li<i sm. iiiil
andren Maidjen Hen gart lum. lum frisrhcu und rjinrlnt
Win GrL. .Ledig sein und ledig bleiben, z' Hungert
gehn und doch nit weihen.' Si'rww. 18'24. Verbotene
nächtliche Zskunft zu Spiel und Tanz BSi. Syn.
Wald-Stubeten. ,Pfyfen und tanzen und ze heinigarten
gan.' XIV./XV., Maro.v.Lind. ,Gebott und verbott uf
hanngarten, tenzen und andern Versammlungen.' 11. "^3.
Zei.lw., Urk. — c) nächtlicher Besuch eines Burschen
435
Gart gert, girt. gort, gurt
436
bei einem Mädcheu Gr; W. /'* luin welle" zu Sand-
loris Stini z' Hengert GrPv. Liebesverhältniss und
-Verkehr dieser Art. Er het e" H. mit-ere [einer]
Fremde" Gr. Syn. Kilt (s. d.). — 2. Ort der Zskunft.
a) i. S. V. 1 a: Platz unter Linden od. andern Bäumen,
wo die Bekannten am Sonntag auf Bänken zssassen
TuAmrisw. Belustigungsplatz G uT., We. Wenn d'r
Pfarer uf-em Hingert am Obnt bi üser-eim stö blibt
[so nehmen seine Amtsbrüder ein Ärgerniss daran]
GRMaienf. ,Compitum est locus ubi rustici diebus
festivis eonveniunt adjocandum, vulgariter, heingarte.'
Reichenau. Gloss. ,Die hofreiti umb das hus [des
Bads .zuo der heiigen buochen'] soll fry syn als ein
fryer hängart, dass menklich da soll und mag springen,
loufen, stein stossen, schiessen und ander bescheiden
muetwillen tryben, als dann landläufig ist' 1465, G
üUtzw. — b) i. S. V. 1 b u. c. üf de' HenggeH gä',
auf den Sammelplatz der jungen Bursche, von wo sie
ihre nächtlichen Besuche bei Mädchen unternehmen
ZUhw. — c) ein solcher Dorfplatz als Gerichtsstätte.
.Urteil zühen gon Hedingen zue dem heingarten.' Üifn.
ZBorsikon. — d) Orts- und Flurn.: Hengert GBuchs;
Hangarten ScuHa.; Hengerten Z Hütten; im Hang-
garten, Teil von ZSth.; in Hängerten ZWein. ,Kuedi
am Heingarten' heisst auch ,Heingarter.' 1437, Obw.
,M. Schible, gen. Heinigarter.' 1(353. AAWett. Kloster-
arch. ; vgl. die jetzigen Familienn.: Hangartner Z,
Hängärtner B. — Dazu das Vb. hävirte" W; ZSth.,
hagere' Gr. Und hievon weiter das Subst. Hay-
gartner, Besucher Scii. — Kefen-: Gesellschaft
zur gemeinschaftlii In 11 Kiitbülsung der Bohnen GkD.
— Liecht-: Al.ni.l-, „lUrhaft bei Licht, als Gegs.
zu einer bei 'l'airf ^nitilnnlonden Gr; Syn. Liecht-
Stubete. Dazu d;is VI). I.-Inttjere" GrD. — Nacht-:
Nachtbesuch bei einem Mädchen oder bei einer Mäd-
chengesellschaft GnPr.; Kiltgang, wegen der dabei
oft vorkommenden Schlägereien mit Nebenbuhlern
polizeilich verboten GrD. — Blätz-: gesellige Zu-
sammenkunft (jetzt Ball), bei welcher die jungen
Bursche von den Mädchen den ,Schlitt-Bletz', d. i. ein
meist in einem Kleidungsstück bestehendes Gegen-
geschenk für die Bewirtung der Mädchen bei einer
vorausgegangenen Schlittenfahrt in Empfang nehmen
GrD. — Schleiz-: Abend, an dem in Gesellschaft
und mit Hülfe von freunden und Nachbarn unter
allerlei Kurzweil Hanf abgezogen (,geschleizt') wird
GRFurn, He. — Spinn-: gesellschaftlicher Spinn-
abend, Spinustube Gr.
Die m-sprüiigliche Form nur in ä. Ortsii.-Furuien; n aus
»1 schon früh und später allg. (vgl. Heinrich); der Übergang
von et in e bezw. « (.haugarten' auch iirkundl. 1483) richtet
sich nach örtlichen Lautgesetzen. Das 2. W. nun meist zum
blossen Abl.-Suff. (-%rl) lieruntergesunken und dann z. T. mit
der Endung -i(>.' verwechselt. — Die Griindbed. war wohl:
,abgegräuzter Raum innerhalb mehrerer Heimstätten'. Für
den Übergang dieser örtlichen Grundbed. in die später vor-
herrschende abstractere von 1 ist bes. Dorf zu vgl., dessen
Bed. sich viell. in umgek. Richtung entwickelte.
Henne"-Garte'': Hühnerhof G OUtzw. — Hanf-
Hauf-: s. Garten 3. Syn. Hanf-Land, -Bunt. ,Es
•sollen keine Hanfgarten mehr auf der Albuent ausser
den gemachten 4 Einfängen weggegeben noch aus-
gezeichnet werden.' 17'24, U. Auch Flur- und Ortsn.
B; L; Tu; ÜBW; Z. .Küesch [Rudolf] Hanfgarter.'
153'2, ZGrün.
Har-: Flachsfeld Ai>K.; auch Flurn. Arl.; Har-
gartenzelg in ZWein. — Mhd. /m/, Flachs.
Herren -Gärtli: ehemals Gesellschaftslokal der
ScH Geistlichkeit (Heren). .Heren -Garten.' Flurn.
ScHuHa. — Hüs-G.: G. in unmittelbarer Nähe des
Hauses. ,Kein hindersäss soll mehr eigner güeter
kaufen, dann ein hus und einen h., wie von alter har.'
1607. U. — Chabis-: Kohl-G. We" 's d'r Geiss
z' wol ist, so springt si us-em Ch.-G. BoSi. — Köl-:
Kohl-G. ,Was jedermann in dein fridhag hat, soll
einem als wol behuet [behütet sein], als hätt er's in
synem k.' 1469, TnAad. ,Es soll auch ein Weingarten
ihm selbs frid geben und ein k.' LWellh. Offn.
.Egyptenland, da du deinen somen säjest und wässerest
es, wie einen k.' 1531/1667, 5. Mos. — Kilche»-:
Friedhof Z Wangen (Amts.spr.). Vgl. Bosen-G. —
Kürbs-: Kürbis-G. .Cucumarius, kürbsgart.' Ebing.
1438. — Chrut-: Gemüse-G. Tu (-«-); Z; auch klei-
nere, z. T. mit Bäumen besetzte Wiese beim Hause,
aus welcher Grünfutter geholt wird Tu. Nach Gr.
VfB. IV 1, 1. 1.395 galt auch in der Schweiz im Auf.
XIV. die Einteilung des Gartenlandes in Kraut-, Banm-
und Weingarten, ,0b sich in 0. kein geeigneter Platz
zu einem Kr. befinde, der dem Prädikanten könnte
angewiesen werden.' 1573, Abscu. ,Deni N. ist erlaubt,
ein krutgärtli in der Wetti ufzebrechen, und nach
synem tod soll es wider allmend syn wie vor.' 1599,
Obw. ,Der Winterweg darf gebraucht werden, es seie
durch Kraut-G., durch zween oder dreifachen Hag.'
16-20, SenwE. Klosterarch. S. noch befriden Bd I 1284.
Auch Name eines Grundstückes im Schanzengebiet der
Stadt Z, seit der Pestzeit 1611, mit Beibehaltung des
Namens, Begräbnissstättc. — Chrüz-: Gartenanlage
inmitten eines Kreuzganges, im Laufe der Zeit etwa
zu einer Begräbnissstätte umgewandelt; so beim Gross-
und (-Gärtli) beim Frauraünster Z. — Zue-lueg-:
volkstümlich scherzh. Umdeutung von , zoologischer
G.' Bs. — Maie»-: Blumen-G. allg. — ,Mues-: Ge-
müse-G. L." — Biber-Gärtli. B.-gärtle' heisst in
Ap das unter G. 1 beschriebene Spiel. A fragt: Was
tuest im B.? B antwortet: Biberli [Pfetferkuchen]
esse". A : Wenn aber die bös Chatz chonnt ond nennt-
d'r-sch [nimmt dir sie]V B: Si mos [soll] ebe" cho'.
S. noch T. 50 b.
Baum- SNA.; ZS., Baug.-(r)t 'LO.. .Bäugert Gr^,
Bumgart ÄAWohl., Bommgarle ZStli. (auch Born-),
Bongart GRLandq.; GBuchs, We., -gp-t Gr; GWa.,
Buygart AaL., Bungarte Wolf, Gespr., Bangert Aa;
Scu (auch P-); Z (-art Kn.), Bung^/rHe TuHw.; ZA.,
Bangert BS., Bängrrte BsL.. Bummert AaZ.; ArK. ;
GT.; Z. BommertAv; GO.,Rh.; ZWatt^P-;. Baukx-;(r)t
ZBauma — P 1. Bommgärte" ZSth., Büngert AABb.,
Bongert, Bengert GnVal. — ni.: eine hauptsächlich
zum Obstbau benutzte Wiese, welche meist in der
Nähe des Hauses sich befindet. Syn. Bauin-Schuel,
Hof- Statt, Hüs-Wisen. I" de' Büngerte' 's Laub
z'sämme" reche' AABb. Kindische Frage und Keim:
Hast Hunger? s; schlüf in e Bungert! Gr (Tsch.).
,Dü hofstatt und der boungarten.' 1315, ZZoU. ,Des
bischofes hofe mit den bonngarten, rebgarten, hüseren.'
1401, Bs Urk. ,Die bomgarten. ackern und wisen.'
1423, Th (Pupik.). ,Ort mit fruchtbaren bounien ge-
pflanzet, ein baumgart (-en). arboretum.' Mal. In S
war der B. des Barfüsserklosters der Ort, wo die
437
Gart, s^i'it. tcirt, gort, gurt
Bürgerschaft sich zur Wahl ihrer Vorsteher
Hielte; daher B. fast identisch mit Bürgerversanim-
luiig: .Welicher burger werden will, der soll geben
10 fl. und in 5 jaren nit in b. gon.' 1513, SWochenbl.
is-ir,, 167; vgl. noch obd. 170.
Die liisf iliii i hu. In II i. \lisi;hwäcliung des « im 2. W.
(das sogar zu ., i,. : ii wird) wie bei /Mm-, Win-G.;
in allen :'. \.i. . n i Auslaut des 1. W. mit dem
folgenden y zu f,. iM^ tl'i. List durchgehende Reductinn des
IMphthongs im 1. VV. erklärt sich z. T. aus entsprechender
Ausspr. auch des einfachen W. in den betr. Localdialecten
(vgl. den Ortsn. Bonstettcn, gespr. bau-, aus Baum-; übr.
Iionyart schon ahd.); doch gilt dies nicht von a, welches in
diesem Fall aus o erhellt sein muss, viell. mit Anlehnung
an ,Bann' i. S. v. verbotener, gehegter Bezirk (Bangert auch
hess.). Der Übergang von ausl. m in n ist schon in der
ä. Spr. häufig; auffallend ist dagegen die Assimilation von
iig zu mm, uoch auffallender Bauk/ert, wo der Änl. des 2. W.
verhärtet worden sein und dann das m unterdrückt haben
muss. Freilich konnte m übh. schwinden, nachdem es vorerst
zu II geworden war. Die Schreibung ,Buntgarte', 1790,
AaKirchd., ist wohl nur eine Entstellung oder falsche Aus-
deutung. — Das W. auch als Orts- u. Flurn. : Baum-Gartt'',
Alp Gl; i" de' Bunijerlt" ZTurb.; Bangerte' (,villa Bongarten.'
1263; ,Boum-' 1279; ,Ban-' 1352) BMessen; Schwoata-
Bumjert, Wiese ZSchwam., wo früher ein Haus von Fran-
ziskanerinnen stand. Davon der Geschln. ,Baumgartner' B;
(!1: G, ,PBaumgarter.' 1486, B, ,Bangerter' S (verschieden
von dem modernen Appell. ,B.-Gärtner').
Band-: Pflanzung von Bandstöcken, d. i. Sal-
weiden. ,Kriit-, bom- ald b.-g.' G Hdschr. .Die b.-g.
hacken und düngen als die reben.' ebd. .Mit torggel
[Kelter] und ban-g.' ebd. ,Eine hofstatt zue Gossau
mit dien egerdeji, mit bändergarten, mit steg, mit weg.'
V'<.>'.K Z Staatsarch.
Eine Zssetzung von unsicherer Deutung, da auch die
Formen variieren; sonst bedeuten .Bänder' Weidenruten, die
II. A. zum Anbinden von Weinreben und jungen Bäumen an
ihre Stützstähe dienen; vgl. Wi<kn-G.: Flurn. SchBegg.
Blachte"-; Anpflanzung von Ampfer zur Schweine-
mast GrSpI.; vgl. Schwm-Bluckten.
Brenn-: nur in der RA.: Er ist a' Br. verbi
H'yaiige', beinahe abgebrannt. Sprww. 1869.
Wortspiel mit dem Ortsn. ,Brem-G.', mit welchem es in
der volkstümlichen Ausspr. (bretjijurte) zusammentrifft. Der
Letztere, welcher t. an einem Walde au der Aare bei Bern
(,Wir hein üch [den Bernern] den [l] bremg. ze allmend ge-
geben.' Anf. XIY., B Handf. S. noch Br.-Garter) und au
einem solchen in SchSchl., t. an einem AaStädtchen an der
Reuss haftet, dürfte sich juif mlid. brem. Rand, zurückführen
Pfruend-: der zum Pfarrhaus gehörende G. GrD.
Rose"-: 1. wie nhd., bes. auch als Eigenn. von
Häusern. ,Der titel heiligkeit reimt sich auf den B.
gerad als wol als wenn du (mit verlaub) ein scheiss-
haus ein r. nennetest.' LLav. 1587. — 2. Begräbnis.s-
platz, Kirchhof. Friedhof Aa; B; L; S. In Z früher
der Kirchhof im Kreuzgang des Fraumünsters. In L
heissen R. Friedhöfe von besonderer Heiligkeit und
Heilkraft, meistens zu alten Pfarrkirchen gehörig;
s. LüT.. Sagen S. 254. Syn. Töten-G. — 3. als Orts-
oder Flurn., wobei im einzelnen Falle schwer zu
entscheiden ist, ob Bed. 1 oder 2 oder andere, ver-
schollene Bedd. zu Grunde liegen: öffentlicher Spiel-
platz GRorsch., Quartier BThun, Teil von BSeed.,
Wirtschaft LStdt, Höfe L; Z, Örtlichkeiten in der
Nähe von Altertümern bei AAHerm., Kütt., Lunkh.;
Einfang der frühm-n Bing Fridnau bei Gr/Iz.; .zum
R.', Waldflur ZSchwam.; Name alter Türme I.: Z.
Vgl. LiJT., Sagen S. 254; Rochh., Sagen 2. 154. Gl. u.
Br. 1. 200; Arg. 5, 519 ff.
Nach Uhland (Sehr. Bd 8, .jHt tf.) nannte mau K. in
verschiedenen Gegenden von Deutschland, besonders am Ober-
und Mittelrheiu, bepflanzte Versammlungsplätze, welche zu
Volksfesten dienten, unter Anderm zu der Frühlingsfeier,
welche einen Kampf zwischen Sommer und Winter drama-
tisch darstellte. Jener Brauch liegt nach Uhland auch den
Heldengedichten von den Wettkämpfen im R. zu Worms und
von dem R. des Zwergkönigs Laurin im Tirol zu Grunde.
Eine Erinnerung daran, dass in den Heldenliedern die Rosen
der Gärten von einzelnen Kämpfern zertreten werden, wäh-
rend sie sonst dort, zum Kranz gewunden, als Siegespreis
dieuen, spinnt sich fort in dem historischen Lied von 1474
bei Tobl. 1, 19: ,[Der Burgunder], von dem du wändest
(wähntest] trost erwarten, der schlenzt [verderbt] dir selbs
dyn r.' Der R. war also vielleicht zunächst Kampfplatz:
zugleich aber auch Gerichtsstätte, da das Gericht selbst
als Kampf und der Kampf als Rechtsentscheidung aufgefasst
werden konnte. Der Kampfplatz konnte aber auch zugleich
Begräbnissstätte der Gefallenen werden, und die vielen den
Namen R. tragenden Orte, wo Gräber oder andere Altertümer
gefunden werden, deuten darauf, dass auch diese letztere Bed.
schon im Heidentum wurzle. Indessen ist die Annahme einer
Begriffsentwicklung in umgekehrter Richtung nicht weniger
berechtigt. Die Bezeichnung des Kirchhofes an und für sich
als R. führt, wie namentlich die im Text angegebene Be-
schränkung derselben erraten lässt, auf uralte Verhältnisse
und Vorstellungen zurück. Die Rose war schon von den
(iriechen (vgl. die Ädonismythe) und von den Romern als
heilige Blume angesehen. Die Letztern feierten unter dem
Namen Rosaüa ein jährliches Fest zum Gedächtniss der Toten,
wobei die Gräber mit Rosen bekränzt wurden. Von da dürfte
der Brauch der christlichen Kirche, den Kirchhof mit Rosen
zu bepflanzen, ihren Ursprung haben, obwohl die Rns,-» als
Königin der Blumen sowie als I'ilil t, IlnlH mI. n T, l. n^.
t. der Vergänglichkeit auch ohni'liMi /ii li. i..
Dass auf dem Kirchhofe auch etui ü. m. Ir i il..
ist bekannt und lässt sich aus heiJin^rli. m Miim i,, h, ,;. )■, h ;
vgl. z. B., was Lippert über die Malstättun sagt. Auf diese
Weise lässt sich viell. auch die Bestimmung der Oifn. ZNoss.
von 1431: (,Die urteiln sollend gän gen Gryfensee in den
ros-g. und die soll ein Herr entscheiden') einfach deuten.
Auch der offene Platz zw. dem Beinhaus und der Seitentüre
der StUrsenkirche in S, wo sich früher am Tag Johannes
d. T. Räte und Burger zur Besetzung der Ämter usw. ver-
sammelten, ist ein Teil des Kirchhofes, auf welchen einge-
schränkt der Name eine politische Bed. gewann. Schon
Leu 1759 (s. v.) scheint nur noch diese abgel. abstr. Bed.
zu kennen; eine Erinneiung an das ursprüngliche Verhältniss
bestand zu seiner Zeit darin, dass jeder Burger einen Strauss
(von Rosen) in die Kirche mit sich nahm. Was der Spiel-
platz in Rorschach einst gewesen, wissen wir nicht; dagegen
ist festgestellt, dass der jetzt ebenfalls zu Schülerfesten be-
nützte und daher Schülerhecke genannte ehemalige ,R.' in
Marburg vormals Kirchhof war. Ohne Bezug auf den oben
erwähnten R.-G. in S ist es, wenn .nV:,,H> , in ■ in. m Stli.ni-
spiel Christus von der bcvorzu^-t. n M \ u
schöner rosgart soll rein blyli.n h i in - , I;.
sitzer eines R-s erscheint, bezw. ^nn Hm li.hh mii . mrui
R. verglichen wird; vgl. T., VL. I 88 tf. Eine Vcniuickuiig
der Vorstellung ,Kirchhof mit derjenigen von einem Schlacht-
felde aber liegt in dem ä. Schlachtberichte von Stlakob vor :
,Er [Ritter Burkhard Mönch] sah in den Garten [des Siecheu-
hauses[ und sprach: Ich sehe in einen R.-G., den meine
Vordem gepflügt haben I' d.h. heute ist der .Same der alten
Rache in Blüte aufgegangen (Bs Hist. Beitr. 111 372). In
mhd. Poesie wurden die Wunden der Helden mit Rosen ver-
glichen oder blutige Rosen genannt, und dieses Bild wurde
auch schon früher auf die Wunden Christi und der Märtyrer
angewandt.
m
(Jart, gei't. giit, gort, gurt
440
Sehn egge "-Garten: durch Sägespähne gebil
Jete Einfassung, in welcher Schnecken bis zur Ein-
schalung gefüttert werden Gr. Auch in ApI. gab es
im vorigen Jhdt noch Sehn., in welchen die jungen
Schnecken, von Jakobstag an gesammelt, erzogen und
gefüttert wurden. Die Capuziner in Ar hielten in
ihrem Garten bis auf 40,000 Schnecken, welche ihnen
Kinder aus den Alpen brachten. Sehn, auch Flurn.
in ScnBegg. Vgl. auch Schn.-Weid, -Uflesete. —
Strüss-: Blumengarten ZSth. — Tier-: 1. „Schind-
anger G; U (auch dim.)." .Diese Wiese ist zwar
kein Erblehen, sondern schon im XV. Seculo mit
obrigkeitlicher Vergönstigung von dorn Riet oder der
AUmend abgesönderet und zu einem T. s. v. gemacht
worden, hernach aber von der Gemeind an einen an-
deren, in dem Wald gelegenen T. s. v. vertauschet
und zu einer Wiesen gemacht worden.' 1732, ZWang.
— 2. Wildpark, dgl. früher fast jede Burg besass.
Das W. erhalten in einer Menge von Flurnn., bes. in
der Nähe alter Burgen, deren manche keine andere
Spur ihres Daseins zurückgelassen hat; so z.B. in B;
L; S; Z; doch mögen manche derselben auch i. S.
von 1 zu deuten sein. ,T.' hiess in LStdt ein Eich-
wald unter der Müsegg mit Wildschweinen; s. Gprd
20, 270. Name eines Hügels, welcher ,bei der Burg'
genannt wird ScHwAltend. ,Ein Mättlein, das T.-Gärtli
genannt.' 1653, AAWett. Tierg^t, ein Hügel an alter
Römerstrasse unterhalb GMels, an dessen Fuss einst
das Landgericht gehalten wurde, früher ,Vrcnesberg'
gen. (s. Bd I 916), ein Ort geisterhafter Musik, vom
Volke auch als heidnische Opferstätte betrachtet und
als Gebiet eines gespenstischen Vogels gefürchtet.
S. noch Z Anz. 1877, Nr. 4 (dessen Deutung auf Vieh-
herde aber unhaltbar ist) und Stein-Gand (Sp. 337),
und vgl. die Flur- und Ortsnn. Tier-Achei-en, -Feld,
-Hng, -Matten, Tierlisherg. — Tote"-: Gottesacker
Scn; ZSth. \g\.Bosen-G. — Trubel-: eig. Wein-G.;
in AiLeerau der Ring, den die Kinder bei dem u.
Garten beschriebenen Spiel bilden; s. H. 61. — Web-,
entstellt aus W.-Gaden (Sp. 120) AAFri. — Wi"-,
meist Wiy,rt, in ZWl. Wiy,rte, in ThHw. Wujete — m.:
1. wie nhd. GtObst.; GrHc., Pr.; GSa., W; ScnSchl.;
ZWl. Es hat Mürnnn [Mauern] um alli Wiyert ummi
GRMai. S. noch fallen Bd I 750. ,Ein viertel keriioii
von dem wyngarten [vormals Acker?] in Swerzer.n.-
1320, ZFlunt. Urk. ,Alle die wyngarten oder reb.-ii
hand.' 1475, üffn. Mühlh. Auch als Flurn., z. T. an
Grundstücken haftend, welche im Laufe der Zeit zu
andern Culturen verwendet wurden, z.B. BSigr.; Sch;
Z; im Wiijerte, jetzt Baumg. ZZell. .Wingartenacker'
ScnBegg. ,Vinea nostra vulg. fronwyngarten.' 1352,
JJRüEG., jetzt Here'berg. — 2. Unterabteilung eines
Weinberges, als Einzelbesitz ZWl.; Syn. Fach. —
,Zucht-Gärtli: ein Gärtli in einem geschirr oder
umgezünt fleckle, da man die jungen zwei oder kräuter
in züchtet, bis man sy aussetzt und frei ledig .stellt,
als die töchteren den rosenmarj'n und majoran pflan-
zend, nutrix.- Mal. — Zwi- BÄschi; ZBirm., Zoll.,
ZweH- BU.: eig. wohl Baumschule, jetzt nur noch
Flurn. ; vgl. Zwei- J/aM. — Zwing-: Treibhaus Z Wald.
Flurn. ZÖrlik. Vgl. Zw.-Glogg.
garte": auf den Kiltgang gehen U. — Wahvsch.
verk. aus .heim-garten' ; s. ilns gleichlantenile Subst.
Brem-gar1,er: .\ufsehcr über den Wald Brem-
garten bei Bern. ,Die geschwornon br., forster und
ander bannwarten.' 1539, B.
gartne" (-«- UBrägg.): im Garten arbeiten, den
G. bestellen, Gärtnerei treiben Aa; Ap; Bs; B; VOrte;
Gl; Gr; Z. ,Hortos parare, g., die Gärten rüsten.'
Denzl. 1677; 1716. In UwE. auch: den Kartoffelacker
bestellen, Kartoffeln pflanzen oder au.sgraben. Früher
auch: ein Stück Gemeindeland als zeitweise einge-
hegtes Pflanzland bearbeiten, s. Garten 2 und all
Bd I 107.
Gärtner: Gärtner. ,Sy meint, es wäre der g.'
1531/48, Jon.; dafür: ,Gärtner.' 1667. - Mhd. jar-
t(r)naere. Als Familienn. : ,Anna Gärtnerin.' 1406, GRapp.
Gärtnere" f.: Zunfthaus der Gärtner ßs.
Gebildet von der oben bezeugten alten, unumgelauteten
Form .Gärtner', doch mit Anklang an die sonstigen Collectiv-
bildungen auf -eic, welche gerade zur Bezeichnung von Pflan-
zungen gebraucht werden.
gärtnere": = gartnen Bs.
gärtnere": 1. = gartnen Z. — '2. den Beruf
eines Gärtners betreiben Gl.
gärtle": aus Liebhaberei und in kleinem Mass-
.stabe den Garten bearbeiten Ar; Bs; G; Son; daher:
Gärtier, -in. Auch von Kindern: Gärtchen anlegen
und damit sich spielend beschäftigen.
er-garteren s. Gart I. an-gartlen s. Gart II.
Giirtele": Birnensorte GSa.
Gärtner m.: eine Art Fischernetz. .Ein Herr mag
auch mit der Watten und mit dem G. tischen und
ziehen, so vil er will.' 1479, Ocifs.
Gert m. (n.), Gerte" I f.: 1. Rute Aa; G; Z.
,Die gert, virga.' Mal. Gelegentlich auch als Zucht-
rute: Wie hat [der Geistliche] Alli g'lert und Alls
mit Lieb und Ernist, uni Gert Schw (Schwzd.). —
2. Schoss, Zweig. Von Grubreben. 1792, GnChur. ,Ein
reben, die hette 3 g-en.' Z Bibel 1560. ,Ire g-en wa-
rend wie der .starken cederböum.' 1560, Ps. ,Der gert
oder zweischoss, insitum.' Mal. ,Brachia in vitibus,
die g-en, zwick, sträng.' Fris. , Gustos, Gert oder
Knecht an Roben. Flagellum, Rebschossgert.' Denzl.
171ii. .Die Schwächesten Gertlein ausrupfen von Ci-
tioiniibaum.' JCSuLZ. 1772. — 3. =Gart 1. ,Der sein
tViud hat im (an) g-en und stecken.' 1531, Sir. —
4. Peitschenstecken GRh. — 5. Stiel des Flegels AaF.
-- 6. in der Weberei 2 lange Stäbchen, an welchen
die Fäden zum Durchlass der Kette befestigt sind Ap.
Syn. Steckli; s. noch gegertet. — 7. Segelstange. ,Da
brach die Gert des grossen Segels.' 1460, Gfo. —
8. {Gert n.) = GeH 1 in coli. S., spec. „Zaungeflecht od.
Gerten zum Ausflechten der Zäune Obw; Schw;" vgl.
Etter-, Fitz-G. Über G. und Stock (St- «• G-J, über
Stauden und Stöcke, pfadlos, gradaus B; „L;" W.
Alle mit enandre hin [haben] a"g'fangen laufen un''
über St. un'' G. un'' über Flieh un'' Schepf [Felsenköpfe]
WLö. ,Von einer kleinen burdi gerts gibt man 3 ß
[Busse].- 14'2-t, ZWied. Offn. ,Sind gebannen das äschin
[Eschen-] g. und die kleinen tanngrotzli und forhen.'
1442/ 1544, Scuw LB. ,Es soll ein Gemeind, so einer
aus ihren dorfgnossen etwas güeter im zwing Spreiten-
bach erkauft, zue denselbigen us ihr«n fronwälden g.
und stecken zue geben schuldig syn.' ZDiet. Offn.
,Zwei fueder geerts an die zun.' ZWied. üffn. ,Wenne
■141
Gart, gert, girt. gort, gurt
einer syn guet verzünen will mit g., so soll er ussen-
tür stan und das g., die sprossen, uf das syn stossen.'
1524, ScHW LB. ,Das geert zur zünung.' 1592, ZDüb.
Holzordn. ,I)as Wuhr mit Stecken und Gelirt' lö25,
Siiruehbr. betr. AAFahr. .Keinerlei Hagstecken noch
erlin G. bruclien.' c. 1630, U. ,So man einen Hag
machen will, müessend mehr ü. oder Wyden syn als
Stecken.' Schimpfr. 1651. ,Wydenbänm zu Geert ge-
zuclitet.- 1691, ZSchwam. Otl'n. ,Stock und G.', Alles
zusammen. Stumpf und Stiel: , Straf nit die weit nach
irem leben, sunst wurde stock undg. usg'rüt".' HvKi'te
1546. S. noch Pfannen-Girt. — Ahd. umtja. mhd. f/i^n,- f.,
Kute, Zweig, Stab; Ackerniass.
Etter-: G., bes. ein fingersdicker, angebrannter
Tannast, den man um die Kopfenden der einzelnen
Zaunstecken flicht, um dem Zaune Haltbarkeit zu
geben „LG."; Syn. E.-Ruete; vgl. Gert 8. — Fitz-:
= Etter-G. .Das Bort des Grundstückes verplählen
und F-en in die Pfähle hinein flechten.' Bs Hink. Bote.
— Fleisch-: wahrsch. Rute, an welcher die zum
Dörren bestimmten Fleischstücke aufgehängt wurden.
XV., LVogtk. ^yn.Fl.-Iluelen. — Gruen- B, Griien-
S: rot. HartriegeL r. Beinweide, cornus sanguinea.
He-, Hell-, Herr-, Che-, Chel!-. ChiU- s.
Chern-G. — Chol!-: 1. Rain-, wci-.' ü.iinv.ido.
ligustr. vulg. ScuNnk. Mit de" Cli-i» hliirj,-,! und
rife'd d' Truhe'. Sülger. — 2. = Gnuii-G. SmSt.;
TiiHw. — 3. schwarze Beinweide. Kreuz-, Wegdorn,
rliamn. frangula SchKI.
Die Zweige (bes. von rhanui.) liefi^rii Zeichen- u. Schiess-
imlverkohle; vgl. das syn. I'iihir-lluetr; glcichwulil könnte
d.is W. zn den zahlreichen Ausweichungen und Nbtf. von
t'lieni-lr. gehören.
Chern- (Aa; Ap; Gl; Gr; GVVe.; Z, Chirn- Aa
Mand., Cherr(e')- GSa., T.; Z, Chirr- Aa, Herr(e»)-
LV.;GG.; ZKn., Che'll- Drh.; ZTurb., Hell- ZWL,
t'he'- ZF.. He'- ebd., Chili- ZWyl, Ken (Chey)-
LBerom., Sch; ZGlattf., Hettl., Chiy- Aa; Bs. Chiey-
ScHW, Chind- Aa Kilchsp.; BsL.; ScnwMa.; SOlt.)
-G'ete' GWe.; Z vorherrsch., -Ge'ite GT., -Gette IN.,
-Gerli Drh. sonst -Gert(e'), -Gierte": verschiedene
Sträucher, grösstenteils mit zähen Zweigen, die zum
Binden von Garben, Reisig udgl., auch zum Kurb-
flechten, vormals auch zur Beleuchtung (s. Huete»)
gebraucht wurden und werden. 1. etwa mit dem Bei-
satz wiss = Choll-G. 1 Aa; Bs; Gl; Gr; G; Sch; S.hw;
Z. ,King-G. : Rein-, Steinweide, Bein- od. Mundholz,
ligustr.' Spreng. Ihr Blühen und Beerentragen gilt dem
Weinbauer als Vorzeichen für das der Rebe ZS., Wl.
,Das Zurüsten der Weinen mit Holder, Kerngerten,
Wismet , schädlichem Süssbrand ald anderem der-
gleichen Onrat' Z Mand. 1700. — 2. = Gruen-G. Aa;
Bs; Gr; G; Sch; SOlt; Tii; ZS., WL, meist mit dem
Beisatz rot. — 3. Choll-G., meist mit dem Beisatz
■fchivarz Aa; Sch; Z. — 4. Schneebaü, viburnum lan-
tana L; ScHwMa., auch opulus LV. VgL den Ortsn. in
der Cher-gerten ZStäfa u. den Geschln. K-er. 1521, Scnw.
Die Unterdrückung des r in dem einen oder andern Teile
der Zss. hegreift sich aus Gründen des Wohllautes. Geüer
zunächst aus Geirter, nachdem gemäss jener MA. eir für er
eingetreten war. — \'iell. zu inhd. kerren, nach dem knir-
schenden Ton, den die Fasern des Hartriegels beim Drehen
(s. knoilen) erzeugen oder dann ist der Ursprung in dem oben
genannten lat. mmus zu suchen, das zunächst in Kmn-ll.
(s. d.) zum Ausdrucke kam, allerdings wohl mit Hcziihung
auf die Verwendung zum Garbeubindon. Blosse Entstellung
ist vielleicht auch KoU-Gerie (s. d.); jedenfalls geht das
syu. IlerryotteH-Slud auf das obige Ilerr-getle zurück. Den
.\ltern fielen cornus und ligustrum zs. ; daher lässt sich niilil
mit Bestimmtheit angeben, auf welche Pflanze sicli dii- fol-
genden Belege beziehen: ,Dass sie honen sullend haslins und
widins, tornis und keren-gertis holz.' 1!J47, AaWett. Klust.i-
arch. .Kerngert, heinhölzlin, mnndholz, hartrigel; ligustiuni.-
KdGessn. 15+2 und nach ihm die Andern bis Denzl. 171(1.
.[Die Misteldrossel] g'lebt des misteis, der trübol und kern-
gertenbeeren.' Vogelb. 155". ,Von gemeinem, kleinem und
jungem Holz, das die Gebursame. zc zünen brucht, es seigent
Kerngerten, Hasten, 'Wysstörn, Schlechtörn, Wyden oder
derlei.' 1670, Hotz, Urk.
Chorn- AABb.; GRh. (auch -Gertli); TiiBerg; ZO.,
W., CÄore«- ScHwMa., C/tor- AiRüm.: l. = Chern-G. 2
AABb. frotij; Zu., W. — 2. = Clioll-G. 1 AABb. (in^si,,
Rüm.; GRh.; ScuwMa.; TiiBerg. — 3. Schncball
ScHwMa. — Nabel-: Nabelschnur. ,Dein hcbaiuin
hat dir am tag deiner geburt dein n-lin nit abge-
schnitten.' 1531/48, EzECH. Die selbe Form bei Ruek
1554; JZiEGL. 1647. S. noch N. -Gerli.
,Bi-: ein schoss, so zwüschend den griggelen und
Weinreben aufscheusst, ein schoss in achslen, hürlig,
focaneus palmos.' Mal. Syn. Bl-Schoss, -Zand. —
Vgl. die vorige Anm.
Ris-: Reis, Schoss. .Rysgert noch band, so uf
dem gemeinmerk wachsend.' 1417, TnTrib. Olfn.
Saum-: membrum asini. .Derhalben sich der esel
erhebt und gesehen, dass er so wol gefasst mit dem
zeug seiner ,s-gerten, habe er wollen mit Priapo .strei-
ten und wetten, welcher am basten bevveert.' Tier«.
1563. — Kig. wohl die vom Säumer gehandhabte Gerte; vgl.
Hftfjcn-Sfhwunz und nhd. ,Rnte', engl. ynrd.
Spill-: eig. Spindelstange, jetzt N. einer Fels-
grui)pe BO., von den Cartographen umged. in .Spiel-
Gerte' oder ,-Gärtcn'. — Sj
Strafmittel bri den Sol.latc
Pferd mit eiioT in-i>lcii .kIi r Sp-^
KriEGSB. 164 I. .l'er rUspMrs l;ill.o;
Sp-en laufen.' Den/.l. 1677; 17ir,.
gelassene Tochter] ganz bloss ilur^
Bussverm. an Roggen 1676. .|I»c
der Sp. gestraft werden.' B Mand.
Spitzrute.
.>p
p. g loftVn.'
ti s,dl M,;i
i-cd.
„Gerte II, auch Hag- f.": entstellt
aus Gertel (s. d.) „LG."
garte": 1. kleines Holz hauen, Reisig abschneiden,
,Den Dorfleuten vorbehäbt, dass sie in dem vorgen.
Holze mögen g. zu ihrer Notdurft.' 1408, S Wochenbl.
,Ein keller soll in des gottshüs höher 2 tag mit 4 ger-
tern in den ü.stagen und ze herbst g. und denne teilen
den gemeindern [Genossen] mit im.' XV., ZRüml. , Nie-
mand soll in der burger ouwe holzen, g. noch niitzit
houen.' 1539, BThun Stadts. - 2. Rebschosse, ,Steck-
hölzer' pflanzen. ,Er soll die Roben, es seie mit
Bauen, Binden, Schorren, Hacken, Säuberen, Zu-
stecken, Schneiden, G., Gruben, fleissig werken.' 167(i.
ScHwE. Klosterarch. — 3. ,G., die garten binden, pal-
mare.' Mal. — ab-: mit Ruten streichen, abstrafen L.
— ver-: umzäunen TnEerl. — Von .Gerte', wie .holzen'
von ,Holz' udgl. Vgl. Anm. zu Gertel.
g"gertet: (von Rauchfängen alter Construction)
aus Gerten oder Tannästen geflochten, die mit Lehm
au.sgcstriclien sind ScuwE.. Rotent. ; s. noch Sp. 444.
Oait. gert. girt. gort, gnrt
Gertel I Aa; ßs; B; VÜrte; Gl; Gr; G; Sch; S;
Z (tw. e'), Geitel oTh (PI. Gertle- BSi., sonst = Sg.),
Gerter I ApH.; PSalei; GWe., Wa, Geter GSsy.; öZ,
Geüer Ap;GStdt, T.; oTh — m.: 1: Hippe, in Gestalt
eines starken, langen, breitschneidigen, vorn gekrümm-
ten Messers, zum Jieschneiden von Bäumen und Hecken,
auch zum Abschneiden von Eeisig und Asten im Wald
und zum Zurechtschneiden von Reisig für Bündel und
von anderm Brennholz für die Küche, allg., ausser
in F; ScHW; Th; W. Syn. ÄchsU, Gerte II, Kris-
Hacker, Abschlage, Abschnitzler, Stüden-Degen. Und
su'fid us-em Napf wie Bru'ch [ist], dass d' G. schlife"
choist [kannst] am Bii'ch Uw (LHildebr.). ,Gertel,
virgarium.' UwE. Vocab. ,Und welle [Fronpflüger]
nüt rinder hant, die so"'n dem Gottshus helfen mit
iren houen und mit ireu gerten' [nachher: ,nüt dien
gertern']. 1344, AAWittn. Offn. ,Ouch soll er das hus-
geschir dargen, das syn ist, achsen, schuflin, houen,
gabeln, gerter.' 1435, Lux., Lepr. ,Hout einer [auf
dem Eigen eines Andern] einen stumpen mit der ax,
ist die buess 5 ß, und mit dem gerter 3 ß.' 1469,
TnEom. üffn. .Welcher dem andern syn holz abhout
mit der ax, so ist die buess von jedem stumpen 9 ß,
und was mit einem gerter oder messer gchouen würt.
da ist die buess 7 ß.' 1472, TuSulg. Offn. .Einen
gerter soll er [bei Entrichtung eines Falls] der fronen
lassen, dass si stubenholz damit hou.' ZLauf. Offn.
,Falx acuta, ein scharpf oder wol schneidend reb-
messer oder gertel. Ein g. oder gertmesser.' Fris.;
Mal. ,Der G-el, Hipe.' Red. 16ti2. .Der Holzgaumer
soll den Frevleren G-el und Biel abnemen.' XVU.,
AAMuri Gesindeordn. .Jeder Uszüger, er seie Mus-
quetierer, Piquenierer oder Hallpartierer, sollte nebent
seinem Obei'- und Seitenwehr auch ein Handbiel oder
G-el mit sich nemmen.' 1674, Absch. ,Verbotcn, in den
Hochwäldern Haue mit Äxten, Beielen noch Gertlen
ze besuchen.' Bs Waldordn. 1697. ,Falx arboraria,
G-el. Hagmesser.' Denzl. 1716. .Wer ausser der gesetz-
lichen Zeit mit einem Beil oder G-el in den Wald geht,
wird um 15 fl. gebüsst.- 1751, Absch. — 2. Gertel,
böser Junge, Schlingel BSi.; Ndw.
Ahd. i/erlati, mild, ijerlei; Hippe. Bildungen auf -el und
auf -er, z. T. von Werkzeugen und Menschen zugleich ge-
braucht, berühren sich oft; in dieser Bez. schwankt unser
W. schon in den Urk. des XV. Zshang mit .Gerte' ist
wahrsch.. aber nur durch das Mittelglied des selbst von
.Gerte' gebildeten Vbs .gerten'. so dass das von diesem abgcl.
Subst. das Werkzeug zu jener Tätigkeit bezeichnete (vgl.
.Schlegel' von .schlagen'). — Betr. n s. Anm. zu Kmi-G.
— Bed. 2 wohl i. S. v. Grobheit vom Werkzeug auf den
Menschen übcrtr. ; vgl. t'leyel und Hegd.
Rag-; = Gertel 1 ZW. — Hand-: Handbeil, länger
als der Stiiden-G. und mit beiden Händen geführt
BHk. — Herd-: in der Küche gebrauchtes Hack-
messer Ap. — Reb-: Hippe mittlerer Grösse zum
Beschneiden alter Weinstöcke AAEhr. ; ZW. Syn.
Schnulmesser. — Stud(e°)-: vorzüglich zur Herstel-
lung von Reisbündeln gebrauchte, mit Einer Hand
geführte Hippe BHk. — Wümmer-: das zum Ab-
schneiden der Trauben (wimmen) gebrauchte ,Winzer'-
messer ZW. Syn. Wümmer- Messer.
Gert er H: Holzliauer; s. gerten 1.
Es kann von dem Vb. abgel. sein, wenn es nicht geradezu
= aerUrr I ist mit Personif. des in Anwendung gedachten
Werkzeugs.
Gerter HI ZZolL, .Gertel' H - m.: = Gartel;
s. dur'>'gänt Sp. 35. Im J. 1318 wird in ZGoldb. ver-
kauft ein Gut .mit dem houwe eines gerters.' .Wenn
man ein hou usgit mit anderthalbem gertel.' 1510.
ZBül. Offn.
Hie Gemeindewaldung von ZZoll. zerfällt in (II) , Beilen',
jede B. hat 8-10 .G.' (der G. 4 Vierling, der V. 4 .Messli').
.Gertel' auch in einer Urk. von 1493. ZZoll. Wahrsch. ist
G. in dieser Bed. urspr. mit II resp. mit I identisch (s. die
Anmm. zu diesen), es bezeichnete also den Manu, der mit
seinem Werkzeug auszog, um den_'seinem Hause gebührenden
Anteil zu beziehen.
ge-gertet: in den Verbindungen zwei-, vier-, acht-
g'gertets, von Gewebe, das 2, 4, 8 , Gerten' (s. d. bei 6)
hat Ap.
umme"-gertle°: 1. viel (eig. mit dem .Gertel')
arbeiten Gr. — 2. herumschlendern Ndw.
Bed. 2 entw. nur eine bes. Anwendung von 1 i. S. v.
unstäter, wenig fruchtbarer .Arbeit, «der von deitel I S.
Girt s. Glt.
Pfanne"-Gil'tli n.; Schwanzmcise. parus caudatus
ApK.
Oirt lokale Ausspr. für GerKe) u. P/,-G., eig. = .Pfaumn-
stiel'. wie der Vogel anderwärts wegen seines schwarzen und
unverhältnissmässig langen Schwanzes auch heisst,
ver-gort s. rerjesen.
Gurt m., in Bs It Spreng f.. in Gr n. — PI. Gurt,
in GrL. Gurt: 1. a) Gürtel Bs; Gr; Z. .Band, kuppel-
band, alligatura. copula, ligamcn, g.' Mal. .Mit silber-
beschlagnen und gestickten Gürten. Gürtlen und B'hen-
ken.' Z Mand. 1650. .Die von Gold und Silber ge-
stickten Gurt [der Männer].' ebd. Bildl. RAA. .Glych-
mass [Unparteilichkeit], die soll der reitel [mit dem
die Bürde zugedreht wird] syn. der g. [das Band der
B.] war bald gebrochen, [das] brächt dich in grosse
pyn.' VALTscHirm, Trostlied 1530. .Den g. bass und
liöcher gürten [strenger verfahren] und die Sachen
nit so radwäsch [glatt] hindurch gan lassen.' 1531,
Absch.; vgl. u. ,Gürtel'. — b) die Gürtelgegend des
Leibes. Um das G. werden die Kühe gemessen in
Absicht auf Körperstärke GrL., Pr. — c) Name einer
schwarzen oder farbigen Kuh mit weissem Gürtel Ap;
Gl; GA., T.; übh. einer buntgezeichneten Uw; Syn.
Gurt; Schilt. — 2. a) Streich, Schlag L. Einem „Crürt
ge; Prügel." - b) Mal; Syn. Fart Bd I lo27, Gang
Sp. 338, Hick, Bott, Buch, Benn, Ritt, Bntz, Schmutz,
Streich. De' G., diesmal B. No^'- ne G., noch einmal
SL. Ei's G-s, auf ein Mal, plötzlich ; ohne Aufenthalt,
Unterbruch B; S. Er het-en e. G. z' Bode* g'heit.
.Ich werfe meine Meitschi nicht dem Ersten Besten
e. G. an'n Hals, wie ein Jude seine Waarc auf's erste
Gebot' GoTTH. .Eine Kartaunc nahm mir Kopf und
Bart eins G-s.' ADennl. 1817. Do chunnt dem Chäfer
g'rad ne Herdlüs i's G'heg, die schmaust er e. G.
JoACH. Er ist e. G. äne i'z'chere" uf S 'gange'. Ebso
in ei"m G. Bs; vgl. frz. d'un trait, (toiitj d'un cnup.
„/- 2 Gürte' B." Der 1. (ä. . .) G. BsL. All Giirt,
alle Zeit, jedesmal, sehr oft Bs; L.
Mhd. ijuri, nur in Zss. Bed. 2 viell., weil mit dem 0.
auch Schläge erteilt wurden; vgl. gürt(l)eii, schlagen; übrigens
könnte sich auch rückwärts aus dem selber abgel. Vb. ein
abstr. Subst. G. entwickelt haben. Am Wahrscheinlichsten
aber ist, dass G. S mit einem Teile der folg. Abll. eine
Familie für sich bilde und zunächst aus der Vwdtschaft mit
tf. 1 abznliisen sei. Legen wir ein starkes Vb zu Grunde.
Gart, gert, gh
lt. Kui'l
446
SU crsi;lieiut fi. i' im Ablautsvui'hältuisso zu dem üb. Huri
(lleH) wie ,Bmiil' zu ,Band'. (!. S wäre zuuächst Züchtigung
mit iloni ,Garf , fiitliehrt übrigeos so wenig als .Bund' auch
luucr. Buil. (a-;^- ;/,'/'i'. altengl. gurd, Gerte, und das iu 61
Ufiichtsakteu aus M. XVIII. überlieferte, an und für sich
vurJäclitige ,Si)issgurten' = Spisg-Gerten, welches durch die
eben erwähnten Formen viell. Halt erhält). Das Zusammen-
treffen mit 0. 1 wäre zunächst ein bloss zufälliges, gerade
wie engl, ijird (altengl. gurdaiy ndl. gorden) die Bedd. .Hieb
(mit Peitsche und mit Worten), stechen, stossen' mit der-
jenigen von .gürten' vereinigt. Weiterhin allerdings lässt
sich Vwdtschaft auch von G. S mit G. 1, Gürtel, und von
Gart mit ,Garten' (vgl. lat. hortus, Garten, eig. Einfriedigung
durch Rutengeflecht, neben horlari, eig. stacheln) nicht ver-
kennen. — Zu Bed. 2 b vgl. Zeitschr. f. Psych, u. Spr. III
•206 ff. ; dazu engl, hy ßts and hy girdn, oftmals.
Über-Gurt. ,üem sattler von eim ü. myner
Herren rossen.' 1564, ZGriin. Amtsr. — Auch mhd.
Um-. .Schurz, umgurt, umbschurz, succinctorium,
siipparura.' Mal. Bei einem Eheversjirechen reichte
mau eine Geldgabe, ,ermel und u. zu Wortzeichen.'
Lind., Wthur. Chr. ,Die Wybspersonen sollen sich by
dem Kirchgang mit den gezimmenden Kilchenkleideren,
Hussegken und Urabgürten (wer's vermag] ynstellen.'
Z Mand. 1650. — Für-, meist -gürtli": Schürze Z.
Syn. Für-Tuech, -Schuhe, -Schöss, Schappert. Am F-i
hangen, von einem willenlosen Ehemann Z. ,Peris-
celis, ein fürgurt oder umbsturz der weiberen. Ven-
trale, semicinctium: ein fürgürtle, fürtuech, fürschurz
der weiberen.' Fris.; Mal. , Der Schurz, Fürgürtlein,
Hube, prscinctorium, supparus.' Rkü. 166'2. Die Z
Obrigkeit verbot im J. 1640, farbige Röcke und weisse
,Fürgurtel' in der Kirche zu tragen. ,Sich müssigen der
silbern und vergnldten Fürgürtli-Schlossen, taffeten
Fürgürtlinen.' 16S(i. Z Mand. ,Die Schürze. F-li, le
tablier.' DeLacour 17o6. ,Das Tragen aller kostbaren
Fürgürtleinen i.st verboten.' 1757, Z Ges. ,Die Frauen
dürfen als Kirchenkleidung statt schwarzer, wollener
auch farbige tragen, doch mit schwarzen Halstuchern
und Fürgürtlenen.' 1766, ebd. — Geld-: Geldkatze
Uw; Syn. G.-Bamen. — Haupt-: die Stelle der Um-
fassungsmauer eines Gebäudes, wo die zweite Balken-
lage hinkommt Z. — Hose"-: Hosenband. allg. Syn.
H.-Bändel.
ver-gurt: 1. Adj. a) schlau, listig, schalkhaft,
mutwillig BSi. - b) sehr geizig BSigr. — c) unge-
recht, verdreht BHa. — 2. Steigerungsadv., z. B. v.
ehalt BSi. - Vergurti(gi) f.: Schalkheit, Verschla-
genheit, heimlicher Neid BO.
Ohne Zweifel das (nach älterer Regel gebildete) Ptc. ,ver-
gürtet' und zwar in der bildl. Bed. von .verschlagen'. Die
Bcd. b u. c lassen sich leicht ans a ableiten, da Geiz und
Ungerechtigkeit eben oft mit Kniffen ihren Zweck zu erreichen
suchen; vgl. mhd. arg auch = karg, und karg mhd. urspr.
= schlau, hint«rlistig. Die adv. Bed. erinnert an die syn.
.verftucht, verdammt' u. a., welche aus der Bed. eines hohen
Grades von Schlechtigkeit ebf. zu der eines hohen Grades
iibh. gelangt sind. Doch eröffnet das ebf. syn. venoendt, wenn
es von ,verwenden' i. S. v. .verdrehen' abzuleiten ist, die
Möglichkeit, "2 näher mit 1 c zu verbinden; ,verglirten' wäre
dann etwa = falsch knüpfen, verwickeln; vgl. ,verzwickt'.
Gurte" f.: Sattelgurt GrD.; breites Band an
Feldbetten, Klappstühlen, Federmatrazzen B; Z; vgl.
i/iirten. — '2. Name einer Ziege mit weissen Streifen
um den Leib BÜ.; vgl. Gurt 1 b und Gurt.
gurte": Federmatrazzen mit , Gurten' versehen Z.
üürt m. GkL., G-e' (jitl'r. : Name eines Tieres,
das hinter den Vorderfüssen einen weissen Streifen
rings um den Leib hat, z.B. ein schwarzes Schwein.
Gürtel m. (f.): wie nhd. und = GMrt, früher auch
i. S. v. 1 b des letztern W. ,Die Braut trägt bis-
weilen noch einen silbernen Gürtel; derselbe hängt
auf einer Seite bis unter das Knie herab und endet
mit einem Besteck von Messer und Gabel' GLHartm.
1817. .N. N. von Ure und syn eliche husfrou. dieselb
gab uns einen beschlagnen g.. der ward verkouft um
4 fl.' 1440, UwE. Jahrztb. ,Sie war nass bis an die g.-
Kessl. ,2 beschlagen g. mit den porten .32 lot.' 1549,
Z Inv. ,Ein wasserbad unden uf bis zue der g.' Rlef
1554. Schwyz findet ,don Gürtel umb etwas zuo enge
und schwerlich ingezogen [von einer zu strengen Vor-
schrift].' 1561, Absch.; vgl. bei Gurt 1 a. ,Er hat in
die 10 jar sich als under der g. lam des sessils be-
helfen müssen.' JMal. 1593. Es wurde den Nonnen
befohlen: ,dass sy, wie sy die g. begriffe, zur statt
uszugend [ohne etwas Anderes mitzunehmen als die
Kleider, die sie trugen].' Grob, Chr. 1599. — Mhd. ui. u. f.
Sant- Johannis-: Wermut, arternisia vulg. Am
StJ.-Tag (Sonnenwende, daher die Pflanze auch .S.-
Gürtel' genannt wird) i.'ürt./te man sich mit der Pflanze
und warf sie lirnihl) in d.is Johannisfeuer unter Her-
sagung etliclirr S|,ni.i].' und Reime GaPr. (Vonbun).
.Buckelen, beifuoss (s. Bd 1 lo9S); man heisst es auch
SJohann.sg.' KdGbssn. 1542. ,Bei<uss oder Sant Jo-
hannis-G.' ZZoll. Arzncib. 1710. — .Bruech-, bra-
cile.' Ebingek.
Brut-. ,So ein knab ein wittwe zuo der ee iiiiumt,
und sy den br. abtuet [wird sie erbberechtigt |.- l.">'2'.i,
ZStadtb. Vgl. entgürten.
Spann-: windenartige Vorrichtung zum Spannen
der Armbrust. Bs XIV.. S. 121. ,16 Sp.' a. 1171 im
Zeughaus L. Vgl. Spanner. — Auch mhd.
Weich-: Gürtel um die Weichen. XV., LVogtk.
gürte": 1. wie nhd. , Ein mann und wyb mögent
sich selber gurten, als si ze kilchen und ze merkt
gangen, so sie in dem todbett ligent und an ein otten
fry strass gan und ir guet verschaffen [testieren].' 1414,
LW. Offn. ,Sich zwischen zwei Barten g.', ein er-
wachsener Mann sein. XIIL. Vetter, ScnSt. 1. S. v.
einschränken, zähmen; vgl. ,in-tuen': ,Wir wend dich
eins lochs näher [enger] g.', dich in die Enge treiben.
NMan.; vgl. noch frciiiig Bd I 1273. - 2. durch-
prügeln, schlagen, herumstossen, züchtigen Aa; B; L.
Vgl. Gurt 3 u. gürtlen. ,Zue Sempach in dem stryt,
da wir den Lupoid gurten [gürteten].' HRMan. „Steine
werfen, mit Steinen bewerfen W." — 3. spielend sicli
balgen, sich austoben, bes. von Kindern B. Synn.
s. bei galpen. ,War Etwas zertreten, sie hatten da
gegürtet [unbegründete Anklage].' Gotth. — I. stra-
fen, zanken, schelten B. Der Att wird Ei's g., wenn
er 's vernimmt'. B (Zyro). — Bod. 3 entw. aus '2 oder
vom Ringen, bei welchem man einander am LeibgUrtol fasst.
ab-: 1. den Gürtel abnehmen. Ebel. Übtr.: ,Ks
beschicht, dass ein überkeit denen, so die g'weer
missbruchend, das g'weer abgürtet und verbüt.' HBiill.
1561; vgl. abstricken. — 2. „abprügeln." .Einen a.,
verberibus cxcipere.' Denzl. 1677; 1716. — über-:
(ein Saumtier) überladen; bildl. übertreiben, das Mass
überschreiten, Forderungen, Zumutungen überspannen.
447
Gart gart, (iarlsch- Äiii'lsch. (iarw -gi;
,l)u sollt (lyneii bnunler mit wuoclier nit ü., iioii op-
priiiies euiii usuris.' HBull. 1531. ,Ja, ir, iiiyn hcrren
von den 5 Orten, wöllent den esel ü., und eb si sich
also wüllent zwingen lassen, so werde e der bär
kretzen.' 1532, B (Strickl.). ,Man inuete der weit zue
vil zue, man ü-e die sach.' RGualth. 1552. ,Gar vil
sind ir, ein grosse summ; doch dass ich dis nit ü.,
so will ich ein exempel stellen.' JMurer 1575. ,üen
E. ü., übertreiben, überhölzlen.' Mey.. Hort. 1692.
,Ultra septa transilire, zu viel tun, den E. ü.' Denzl.
1677; 1716. — umme"-gürte": sich herumtreiben B.
Wo bist wieder umme-g' gürtet? fragt die Mutter. —
ent-: sich entkleiden, von beiden Geschlechtern. ,Hät
sich denn syn frow enkeinost [irgend einmal] bi im
entgürt in sölicher mass vor dem bett, als si bi im
liggen wollt.' SimwWangen Hofr. ,Wenn ein mann
und ein frou sich in der meinung e., dass sy elich
by einander liggen wellen.' ZLaufen Oifn. — er-:
1. abprügeln Bü. — 2. unpers. i's het nii''' erg-et, ich
konnte mich des Lachens mit Mühe enthalten BHk.;
vgl. versprengen. — üs-: austoben, in Mutwillen und
Lustbarkeit das Mass erfüllen B (Zyro). — ver-,
zer-: 1. „in Stücke schlagen, z.B. ein Gefäss." —
'2. zerstreuen, verzetten, Etwas, das man zusammen-
gelesen od. -gerecht hat BGu. — 3. „vergeuden, ver-
schwenden BO." Syn. verklopfen, -schlan. S. noch
ver-gurt. — dürhi"-: durchprügeln, auspeitschen B.
hündli-: knausern mit Zeit und Geld, sich ab-
arbeiten B. ,Und dann ist's nicht etwa, dass wir h.
und es den Leuten nicht gönnen, wenn wir schon
Alles zu Ehren ziehen.' Gottii. .Wenn man nur ar-
beite, was man wohl möge, nicht hüiullijiürte und
schaffe, bis man alle Viere von sich strecke ebd. —
Hündligürter: Knauser, Geizhals B.
Üas Siihst. beweist, dass ,h.' selbst schon als Zss., uicht
nur als constructivc Verbindung getrennter Begriife zu be-
trachten ist. Die verbale RA., die doch zu Grunde gelegen
haben niuss, scheint eine ähnliche Anschauung wie bei ,deu
Esel übergürten' vorauszusetzen, doch hier mehr i. S. v.
.plagen', wie etwa kleine Hunde zum Zeitvertreib mit allerlei
tjuälereien missbraucht werden; vgl. gürten S.
Gürtete f.: Rauferei, Schlägerei B; L; Id. B
(.conflictus').
Gürtle" f.: \. = Gürtel. ,Und hat ein lederin
sack mit pfylen under der gürtelen.' Stockar 1519.
,Die vergülten G. den Frauen verhüten.' V, Mand. 1650.
,Ein G. von Sammet.' 1701, ZWasl. _'. l.imenzahn,
leontodon tar. ZMünch. Syn. KiHni-lilnnii.
a bezieht sich daran!', dass die Kiiidui' ans duu Stengeln
der Blumen Ketten herstcUeu, welche sie sich gelegentlich
wie C5Urtel umlegen.
gürtle": mit dem Gürtel schlagen Ndw.
Gürtler m.: Silberschmied, der den zur weib-
lichen Bernertracht gehörenden Silberschmuek an-
fertigt B; sonst wie nhd.
(iartschii: Gummi elasticum ZWthur. 's Bild ist
lii", da hilft kei" G. und hei" linds Brod melv. .\Cor-
UoliI. — Entstellt aus .Kautschuk'; s. Guturhit.
Gertsche° f.: Häher, corvus gland. Gl. — Wahrsch.
lautmaleud; vgl. die Synn. bei ffcrPu-Yniji-l.
„Girtsch m.: Eiterbeule W." — Schwerlich aus Gitn-h,
J. i. (lüixch, Hügel, entstellt; vgl. dagegen das syn. Gütschi.
Gortsch, Görtsch s. Gösch.
Gürtsch s. Gürgetsch.
garw s. y<ir.
Ledcr-Genve m.: Gerber. ,Wie ein 1., der knecht
ist, nieister werden soll.' Z Kichtebr. 1304. Als Zu-
name in den Urkunden: 1278, Sch; 1302, Z.
Die in der ä. Spr. für Berufsnn. nicht seltene einfache
sw. Form statt der Abi. mit -aere; vgl. ,Bock(e), Stein-
metz(e)' usw.
Gerwel s. Gerbel.
gerwele"I: 1. gtermele II, jämmerlich schlagen,
arg zurichten L. Auch ab-, er- II; letzteres auch
= erschrecken, z. T. unpers. — 2. g^erbele, sich er-
brechen ScHwE. Syn. gerweren.
Zu 1. in aus w wie in Schwalm neben ,Schwalbe' aus
mhd. mmboe. Vgl. noch er-germelen I, welches viell. besser
mit dem vorliegenden vereinigt würde, indem die auf Sp. 419
angegebene Bed. sich leicht aus der hier angesetzten ent-
wickeln Hesse.
gerwe" Uw; W. sonst gerbe': 1. Geräte schärfen,
so die Pflugeisen und Äxte mit Stahl belegen und
schweissen Aa; Z. Cliärst und Haue' g'spitzt und
g'gerbt. Lieö v. Bauernstand. — 2. „Getreide worfeln";
in der Gerbmühle die Kerne von dem Balg der Spreu
scheiden Bs; G. ,Soll man nit me geben denne 1 viertel
kernen ze Ion von gerwenne und von malenne.' Scii
Stadtb. — 3. Tierhäute zu Leder verarbeiten, allg.
Bildl. a) die Haut des Menschen mit Schlägen be-
arbeiten, prügeln AaF. .Et"'»» 's Leder g. B; Z; s.
noch Hat. — b) das Gras hart am Boden abmähen
oder abätzen BHk.; ^yn. schaben. — c) sich erbrechen
BBrisL; SchwE.; Z.
Mhd. germen. zubereiten. In ä. Spr. auch von der Klei-
dung, bes. der Geistlichen, daher ,gegBrwet, paratus', z. B.
zur Messe. 1318, Kopp, Urk. ,StPeter ggrwote mich und
wychete mich.' Nicol. v. Bs; vgl. mhd. ge'neehüH, Sacristei.
Zu 3 b vgl. Gosehen-Gerwer. 3 c von der Ähnlichkeit des
Aussehens od. Geruches von Erbrochenem mit Gerberlohe (?);
annehmbarer ist jedoch Zshang mit mhd. gerwe, Hefe, Aus-
wurf, Unreinigkeit, welches von gSm, gähren, abgel. wird und
wahrsch. mit gence vermengt, dieser Bed. zu Grunde liegt.
ab-, er-, üs-, dure"-: durchprügeln Aa; Bs; B;
L ; Seil ; S : Uw ; Z. Vgl. ab-lederen, er-lideren. ,Sind
[seid] dapfer lüt, so wend wir in'=" er-g. d' hüt.' HBull.
1533; s. noch beren. — ver-: verderben. ,Wir.st ein
Kafeschlürferin sein und dein Magen ist vergärwt,
dass er nichts mehr Rauhes trägt.' UBräoo. 1779.
Gerwe" Gerbe Ar; GRPr. ; G, Gcerwi ScHw; Uw,
U'erbi Bs; B; Z — f.: 1. Gerberei, allg. Es si" meh'
Ghalbfell in der G., nann Chiiehüti, es sterben mehr
Junge als Alte BBe.; s. noch Hüt. — 2. „Hand- od.
Windmühle G"; s. gerwen 3.
Mhd. gerwe, Zubereitung; Gerberei; vgl. i/cnmyudnH,
Werkstatt. In Bed. 2 hat sich die allg. Grundbed. in einer
andern Specialanwendung als bei 1 erhalten. — Die Form
mit w haftete in Z am Namen eines Zunfthausos bis in die
neueste Zeit.
(Leder)-G(>rwer: Gerber. Z Chr. XIV.; 1389,
Gfri>.: 1564, Z Ratsver.
Gosche"- (Bs; S). Schnorre"- (Z): liarbior
(gemein).
r/,g—gnr
giis
150
gerwere" gerhere: sitli eibreolien
(jerwelen 3; gerwen S c.
(iorwolu", Gcrwerc" s. Germcrcn.
(idi'x Ml.: K'üliis A.\Fri.; Bs; BLiuiC; S. - gorxe":
\. = gnrglai:i „L; S.miw.- — 2. rüliiseii AaFi-L; Bs;
BLaiif. ; S; Syii. (/iiz/Kry/. Ks häd ordeli''' g'guetet, so
aeit (Int: lidln uml iinr.ni. ÜREiTENST. — 3. unpers. es
gor.vi'l, tiiiit wie lniiii Auttreten in Schlamm- oder
Sumpfboden AAZein. S v w. gitiJcreii. l:viil.-;rhni : aöts-chfien.
— Gorxi m.: 1. gurgelndrs AiiIMm^m'ii im Mui^en
AAZein. — 2. Flurn., Gruiidstürk mil iin-mi Toii-
boden. ebd. — gorxle": Beiz zum Erbrcclieii haben
GaNuf.; vgl. gorzlen. — Schallnaehahniend gebildet wie
die Syuu. Vgl. .görgescn, gargarizare." G Voc. XV.
(Jarz«l- m.: Finger. D'r Melch [Meh-hi..r] raiiiK'l
[kratzt] üich mit den G-en hinder den Oven BSa. —
lias W. seheint vun einem Vb 'ijarzen, kratzen, gebildet.
gerze": ätzen, die Jungen der Vögel BBrisl.;
.SThierst. — Mit augewachsenem Präti.t ;/e- imd eiugescho-
benem >■ = äzcn Bd I 626, ijoctzcn 629.
Gerzler: schön geformte, ziemlieh grosse, saftige
Mcistbirne B; Tu; Z. — Wühl von einem Ortsn.?
gorzle" FTaf., gurzle"GL: aufstos.sen im Magen,
rülpsen ; Syn. gorxen, gorzgen. Du würst z' vül g'gesse'
ha", dass-de [du] geng g. miiesst FTaf. — Vgl. bair.
■iiinezeii. kullern im Baueh.
(Jiirzeli n.: penis GTa. - Viel
il ./..,
lufstossen BBricnz. Syn. gurdcii.
(lias, ges, gis, g-os, giis, bezw. gass usw.
Gas Gas s. Gans.
(iiiss f.: G;i«vp, Durcligang zw. Hän^i'vn'ihrn (cider
s,.ns(i-rn Kilhiliiiii.-jcn), ob gepttast.Tt ,M|ri- nicht.
1. im All-, «ir lihd. und in den Slmltmi alhirililicli
ilurch .Stias^.j- aui' die altern und on.n'ein Wrgr zmiu'k-
gedrangt. In den Uörfern dagegen herrsclit durcliweg
G., Striiss nur i. S. v. Landstra.sse; ilanebcn Weg, in
etwas anderer Bed. Zunächst ist es die Dorf-, bezw.
Stadt-Gasse, die mit Häusern besetzte Strasse, ent-
sprechend frz. nie; als via publica der Ort, wo die
Leute ausser dem Hause zu verschiedenen Anlässen
sich treffen. EAA.: De-' soll mir meh'- a» d' G. cho'
rite' [schlittenfahren]! ich will ein ander Mal nicht
wieder von ihm wissen ZLimm. Gang du o" dl" G.,
sieh du zu deiner Sache! Eim uf alle" G-e' iiiüest
säge", Einen bei jeder Begegnung ausschimpfen BB.
Über d' G. u-irte", Wein in die Kachbarschaft aus-
schenken Bs; Z. Hans in alle" G-e", Prahler B.
Wenn 's Betlogge" [Betglocke] lüt't^ dörfe'd d' Chind
Hümme uf der G. sl" (müend d' Ch. ab der G.J Z.
Uf d' G. gä" a) von Kindern, spielen gehen. Blueter,
Schweiz. Idiotikou II.
tarff)-i uf d' G. gä"? Gi, ; Z. Anfang eines Kinder-
spielreims. ,So offenbar, dass das kind uf der g-en
davon saite.' 1530, Aisscn.; vgl. fürhen Bd 1 991. ,Mach
ilich US der Stadt hinwi^g oder aber ich will die g.
mit dir teilen [dich an die Wand drücken], dass Gott
ein jämer nach dir muoss schryen.' 1531, Stkicki..
,Es verstönd 's oueh die kinder auf der g-en.' 1589,
Zellw., Urk. — b) von jungen Bur.schen (Nachtbuben |
bes. Samstag und Sonntag Nachts sich auf der G.
zsfinden zu allerlei fröhlichem Treiben, auch Schaber-
nack und Besuch bei Mädchen, doch im Unterschied
vom z' Liecht gän oder Kiltgang nicht zu Freiers-
zwecken und nicht einzeln, vielmehr bloss zu ge-
selliger Unterhaltung bei geschlagenem Rahm, Most
usw., wobei die Kosten von ilen TcilnehTnorn getragen
und beim Abschied drm Minhlhn
gegeben wird ZO. AV i^i imi i
Mnl
Schilling'
/' G. gange"
.„Hr, lun, i"
r nf ,r (i..
iff" her
zs.
auch in altern Zeitmi .rlm,, v.'r|„,i,t. Kii, i, Mandat
1641 , bedauert zum iKicIi.sti'ii die Ljros.sr I iilj.'M-h.Mdrn-
hcit, welche sowolil von frmnljdfii als hrimisclien
jungen ledigen Gesellen mit ihrem iiäehtliehen. muet-
willigen Herumschweifeii oft bis Mitternacht oder noeli
länger getriben und ehrlichen Leuten, so an ihrer Kuli
waren, allerlei Trutz und Widerdriess bewiseii: in-
sonderheit aller, wann sie etwan ab den Killjeiieii,
Jalinn.iiklen, IlMrIi/eiten. ausgerüeften Wein- und
Mostla..ein nml amleieii Zechen kommen, sich dann
mit .Inrlizeii. ,l,.leH uiiil audereu tollen und vollen
Gelieideii iiil anilerst erzeigen, dann wie unsinnig Leut,
die iiil ^vn,^selMl, was sie tuend.' Uf d' G. fuse") chii",
arm. zum lieltlei «eiden 11; Cl; Z; vgL ,aut's Pflaster
konnnen.- . T/ :hr <;. >/-, ad incitas redactum esse.'
Id. B. ,Auf dn i.a- en -e , jilaueir, um Hab und Gut
gekommen. 157u. Urk. 7/ G. ahgO",' den Krebsgang
gehen Ai>. Mni ab der G. (hürate'), eine bettelarme
Person; vgl. Bettel-G. 's Geld iif d' G. use" rüm"
[werfen], zwecklos verschwenden Z. — 2. a) mit Ba-
sen bewachsener Feldweg. ,Wo g-en durch güeter
gond, da soll niemad in der g. hüeten, des die güeter
nit sind.' Ar LB. 1-109. - b) tief aiisijewaseliener
Weg, alter Helilwe- Ar; 1.. Vgl.: .Wer der wiire,
der durch di.' g. wasser.'li.' 1.".:;:;. Gi; i;.|.; >. im.di
Wasser-G. lüm. Qiissli, mit eingetretenen Steinen
belegter und mit hohen Zäunen eingeengter Weg, aucli
ausserhalb des Dorfes BO. - 3. freie Bahn übh. Usse
fusij Gass! oder usse Gasse"! Schlittenruf = ,Platz!'
Gii. ,E Gasse", es Gässli mache", viam in frequentia
houünuni parare.' Id. B. Gang mi;r ah der G.! = dein
neuern : ab de" Schinne". ,Den sinen macht er [Winkel-
ried] ein g-en.' Sempacherlied. — 4. übertr.: a) beim
Kegelspiel. E G. schüsse", icörfe", eine Keihe hinter
einander stehende Kegel umwerfen und so Bahn bre-
chen Tn; hingegen in Gl e G. werfe": die Kugel leer
zwischen durch werfen; Hyu. Loch rüeren. Vgl. auch
Hueren-G. — b) Weg zwischen Spiessruteu durch.
,Das Volk wollte sie [eine Falschmünzerbande] G-en
laufen sehen.' UBrägg. 1788. — c) im Gewebe, als
Fehler: Stelle, wo kein Faden durchgeschossen ist
ScnSt. (Sulg.). Beim Stricken, das zu weite Abstehen
451
Gas, ges, gis, gos. gus
452
der Maschen von einander der Länge des Strumpfes
nach Bs; Z; Syn. Chräbli. — 5. Ortschaft, Dorf, nur
in ä. Spr. ,Zuc der nächsten g-en. die da heisset qua-
draves [Grabs] [Übersetzung von: virus proximus].'
KSailer 1460. ,N. N. hat geben in .Im, ,yr,..,le [Übers.
von: in viculo) Tutenhofen ein sullich yuet.- Sc ii Rodel.
,In Gassen-, (Dat. Sg.) lat. platea. jetzt verstanden als
,in [den] Gassen-, nunmehr ein t^uartier der Stadt Z,
urspr. eine nicht zur Stadt gehörige, längs de.s Münster-
hofes durch Wirtschaftsgebäude und die Wohnungen
der Dienstleute der Abtei gebildete Gasse. ,An (in)
der Gassen', Meiringen, Hauptort des Haslitales; welch
letzterer Name 1233 neben jenem vorkommt. Im W
frühere Bezeichnung von StNiklaus; ,zu S. Nikiaus im
Dorf, das man Gasen nempt.' ThPi-att. ; frz. Chauson.
Der W Geschln. ,Indergassen- c. 1390 lat. mit de vico
übersetzt. .Vicus, Gasse; viculus, gässle oder dörfie.-
Fris. Vgl. Kilch-Gass und am Platz. Sonst ist: an,
in, bei der GassfenJ häutige Bez. von Weilern und
Höfen in B; L; auch S; Th; Z; ebenso im Gässli.
Abi. Gä^selen G. Zu Geschln. verwendet in: Gasser,
Gassmann. Vgl. ,Anna Gass von Ormalingen.' 1757,
Bs; ,Clara vor gassen.' 1387, Bs. Wahrsch. gehören
auch Gessler und Gessner hieher; vgl. das mhd. Dim.
gesselin.
Die grosse Menge Zssen, welche zu Stadt und Land vor-
kommen, gruppieren sich nach bestimmten Gesichtspunkten.
Der erste Bestandteil bezeichnet entw. die äussere Lage, wie
ßerrj-, Rain-, Vf-, Under-, Ober-, Mitihr-, Vorder-, Hinder-G.,
oder die Beschaffenheit: Witi-, Sttin-, Dreck-, Tüf-G. usw.,
oder die Benennung ist hergenommen von anstossenden Ge-
bäuden (bezw. deren Besitzi'iii. v. R. Il.ni,i.j-. S.h,,fn!n-, oder
nach einem Häusern, wie '„,/,-,/;, (,i. Kiili.ii. Klöstern,
Wirtshäusern usw., oder vi.n l'irsiiiiiniiniL' mul Zirl, nio Ä'iic-,
Markt-, Weid-, Huh-O., oder cuaiirli mn daiau butriubenen
Gewcrken, wie Färber, .icMomer-0. usw. Vgl. auch die Zssen
mit -Weg.
Öd-Gass. ,Die llanzer haben vil Ordnung in irer
statt recht mit ödgesselynen, tächern, gassen usw.-
15-29, GRRq. — Engel-Gässli: Weg in ZDorl., wo
auch eine Tüfelsbrugg vorkommt.
Anke°-Gass ZStdt, -GössU ZWinkel. - Vgl.
,S,lwmh-Gaas, -Grveb.
Esel- SStdt; ZStdtt, Mülesel- ZBuchs. Däll.,
Regenst. — Beweis stärkerer Verwendung dieser Tiere in
früherer Zeit; vgl. Bd I 514.
Frauen-: Gasse mit einem .Frauenhaus- Scn.
Anders: Frau-GässU, Hohlweg ZWyt. — Geiss-:
Weg, durch den die Ziegen auf die Weide gehen;
vgl. Küe-G. Chumm, mer wend uf d' G. gä', Niemer
wemmer [wollen wir] mit-is lä"; a" der G. wont es
Chind, tcie-me' nüd g'rad derigi [solche] find't ZStall.
Heide"- ZcBaar. — Wie i/eicfen-VTcgr Andeutung ur-
alter Niederlassung oder röm. Gemäuers; vgl. Tü/cU-Gaan.
Hol-: häufiger Name v. Hohlwegen, z. B. ScnSchl.;
ScHwKüssn.; ZZoll. .Holperige Holgassen und Saum-
wege.' MEoHN. 1867. — Holz-: 1. Weg, der zum
Walde führt ZBiesb. - 2. Waldweg. ,Im XVIU.
mussten oft die Tambouren mit ungeheurem Lärm
durch die H-en ziehen, die wilden Schweine zu ver-
jagen.- AAGem. — Here"-, Herr(e°)-: nicht seltene
Benennung von Wegen, die wohl früher zu einer Burg
oder zu herrschaftlichen Grund.stücken führten, so
Z Dielst. Neft. In BStdt: Gasse, wo die Prediger
wohnen. — Huere"-; ein besonderer Wurf beim
Kegelschieben, da nämlich die 3 in der Diagonale des
Rieses hinter einander stehenden Kegel getrotfen wer-
den Z. Syn. roti Gass; vgl. Gass 4 a. — Ja-und-
n ei" -Gässli. Nur in der im Kinderspiel des ,Äng-
sterliausteilens' vorkommenden Frage: Bist aw'' schu'
's J. uf und ab (dur''' 's J.J g'gange', auf welche es
verboten ist, mit Ja oder Nein zu antworten Z. —
Chüe-Gass: häufige Bezeichnung des Weges, auf
dem das Vieh aus dem Dorfe auf die Gemeindeweide
geht oder gieng, so 1653, ÄAWett.; ScnSchl.; ZHott.,
Zoll.; früher auch in Städten, z.B. Z. — Chcibe"-:
Weg zum Schindanger AAZof. ; LSchöz; ZLeimb.,Wyla;
syn. Schalmen-G. — Chugel-: mit grossen Kieseln
gepflasterte Strasse ZMänn., Sth. — Chilch-: der
zur Kirche führende Hauptweg; sehr häufig. ,Zer
Kilchgassen', früher Name des jetzigen Hauptortes
Schwyz. ,4 Kilchwychinen: zuo Kilchgass, Art, Steinen
und Muotochtal.' 1522/44, Schw LB. — Charr-, in
der Verbindung: 's Tüfels Charr-G. (Ch.-Strass) : aus-
gewaschene Felsenkehle am Pilatus. — Chuttel-:
Gasse in Bs; ZMänn., Stdt, wo früher Kutteln [Kal-
dannen] verkauft wurden. ,Ze Basil in der k.-gassen.'
1325, Bs Urk. Scherzh. und umgedeutet: Etwas die
K. hinabschicken, aufessen Z. — Chräni-: Gasse mit
Kramladen BsStdt; BStdt; ScbwE.; vgl. Markt-G. —
Chrüz-: 1. Kreuz-, Scheideweg. .Über einen tod-
schleger sollent dry landtag an offner crüzgassen
g'halten und im jedesmal 3 mal darzu grüeft werden.'
1589, B. ,Per compita, durch die kreuzgassen.' Fris.
,Die kreuzgassen, der kreuzweg, da vier weg zesammen
kommend.' Mal. — 2. Weg, an dem ein Kruzifi.x
steht oder stand Gr. — Lang-. Nicht seltene Be-
zeichnung langer Wege in Dörfern u. Städten. Über-
tragen: D' lang G. öni Staub, die Milchstrasse (im
Volksrätsel) ZEegensb. — Lotter-: Gasse, in der
die , Lotter', Possenreisser des Mittelalters, ihren Sitz
hatten BsStdt, Liest. — Malz- (Malenz-, Malaz-):
Strasse der Malzen, d. i. Aussätzigen, , vicus lepro-
sorum.' Bs XIV. — Mörder-Gässli: die sog. Reichs-
strasse, durch welche die zum Tode verurteilten Ver-
brecher geführt wurden Gl. — Bader-Gass: Gasse
der Bader Z. S. Germania XIV, 4. — Bettel-,
Bettler-. Wie Mänge^ süß und spilt Tag und Nacht
j» ^g, Wirtshusere", bis er uf de'' B. usse stöt GT.
(Feurer). En arme Ma"" üf d' B., vo" Hüs und
Heime" tribe. ebd. ,In unserm Ländchen darf sich
jedes frönide Pack setzen und einen Haufen Junge auf
die Bettelgasse schicken.' UBragg. 1788. — Pfaffe"-:
die südliche Abdachung des Seerückens, die besonders
mit Klöstern gesegnet war Th (Pupik.); vgl. Pf.-
Winkel. — Renn- Bonn-: Strasse in SLost.; vgL
Bennweg. — Tüsig-sele"-Gässli: enge, aber stark
bevölkerte Gasse ZStdtf; vgl. das Tusigsele'hüs, eine
Mietkaserne in Chur. — - Salz-Gass: G., wo Salz-
verkauf betrieben wurde Bs. ,Domus in vico s-gassa.'
1252, BsXIV.; Syn. , under den salzkasten.' — Schäl-:
Gasse, die zum Schlachthaus oder zur Fleischhalle
führt. JHoFSTÄTT. 1865. — Sehne 1er-: Gasse, die
zum Schulhaus führt ZZoll.f u. aaO.; vgl. ühilcherweg.
Schalme»-: = Keibe'-G. In TnWeinf. u. Tag.
durfte der Abdecker das Aas nur durch das Sch.-Gässli
abführen. — Schalm, Aas.
Schlss-, nur in der RA.: es gät d' Seh. ab mit-em,
er geht den Krebsgang, dem Untergang entgegen Aä;
B; U; Z.
453
Gas, ges. gk, gos, gus
454
Schmetter-: der sehinale Weg, den eine Volks-
menge Durchgellenden öffnet Ap. -- Von Schmnitem,
Ijuetscliung.
Studente"-Gässli: die Vertiefung zwischen den
weiblichen Brüsten Z; Syn. Flöhwef/. — Tüfels-
(iass: abgegangene Strasse von LEschenb. nach Hochd.
LiT.. Sag. S. 273; vgl. Heiden-G.
Täpe"-: fingierter Gassenn, in der RA. dem Lang-
wiler a" der T. g'höre', ein langweiliger und langsamer
Jlen.sch sein ZZoll. — '/a/cn. träge arbeiten.
Töte"-: G., auf welcher einst von einer Ausge-
nieinde her die Leichen zum Friedhofe gebracht wurden
ZEgl. (Wild). — Trumm-: schmale Strasse, Fusspfad
GrD.; PGr. — Weld-: ungefähr was Chüe-G. Z. —
Wasser-: ausgeschwemmter Hohlweg. .Beschlossen,
beim Bau der neuen Strasse die tiefen W-en auszu-
weichen.' 1786. ZEgl.
gassätum gä": sieh Nachts auf der Gasse herum-
treiben ScH (Kirchh.). .Vcrbotten das nächtliche Ga.s-
senlaufen, Herumschwirmen, G.-gehen, Schreien.' 1637,
Bs Eq. .Per plateas noctu lascivire. G. gehen. Nachts
auf den Gassen Mutwillen treiben.' Denzl. 1677; 1716.
Syn. gassen-, nacht-roglen Bd I 998 ff. - Makaronische
Wortbildung; deutscher Stamm mit lat. Supinend.
gassne": bei Nacht auf der Gasse herumschwär-
men, bes. von ledigen Burschen Gl.
gässle": Gassen machen i. S. v. G(tss 4 c B.
Se-Gässler: saure, grünliche Apfelsorte Th;
ZTurb. — Von einem Ortsn. Se-Gu»«.
g'äsge" s. ge-ansgen Bd I .348.
gässlig: plötzlich, adj. und adv. GWa. Er ist g.
g'alorbe'; e g-s Unglück. Auch: g. ehalt.
Ans mhd. gähes, jählings, combiniert mit gähehch unter
Vciiiürzung des Vocals.
gäss, -ig s. ge-äss. eng-gäss s. eng-ge-ächst.
Gaus s. Gans.
fianseli n.: kleines, hölzernes, im Gegs. zur .Brente'
mehr rundes als ovales, an der Hand getragenes Milch-
gefäss LE. Syn. Füster, Gummerli, Melchteren.
Vgl. ,Gausß' bei Gr. WB. IV 1 a 1587, mhd. rjetue, ,Gäise.'
Red. 1662, die hohle Hand. S. aber auch Gusi III.
gause": 1. Flüssigkeiten durch einander mischen,
bes. um ein Getränk zu verschlechtern LE. Comp.
rer-g. — 2. ungereimtes Zeug, bes. zum Nachteil eines
Andern durch einander plappern LE.
Viell. aus dem vorhergehenden Subst. abgeleitet, doch
vgl. auch die Gruppe gautsch- usw. — 2 bildl. Anwendung
von 1 ; Tgl. ßäderen, hloderm, schimileren, die sowohl von Be-
wegung der Flüssigkeit als der Zunge gehraucht werden.
Gäusler s. Gänsler.
Ges s. Gans.
ver-gesen s. ter-jesen.
Ver-gess m.: Vergesslichkeit, bes. in der RA. tm
(seltener us) V., aus Unachtsamkeit, Versehen Bs; B;
FMu.; Gl; Z. Es ist e" blosse'' V., nicht absichtlich
geschehen. ADennl. 1817. ,Weil 's ob dem Plaudern
hier ein Versehen, dort einen V. absetzte.' JRWyss
1822. In ä. Spr. = Vergessenheit. ,So [was] in v.
kon will.' ThFrickart 1470. ,Des wir uns zum höch-
sten bedanken, auch solichs in keinen v. nimmer mer
stellen wellen.' 1531, Absch. ,üamit dis Ordnung in
dester minder v. gstellt werde.' 1575, Z Ratsverordn.
.In ein ganz v. g'raten.' Cvsat c. 1600. ,Uie Märchen
verlierend sich und kommend in V'.' 1627, Hagenb.,
Sigr. ,Wie bald wäre doch das leichtfertige Schweeren
in V. und Abgang zu bringen.' FWyss 1655. .Ich
glaube, wenig ihr' [der gelehrten Männer] seien in
V. gebliehen.' EEscher 1692. .Weil in V. all Zucht
und Ehr.' JCWeissenb. 1701/2.
Gotts-verggss: Ackerziest, stachys arv. B.
Ein lästiges Unkraut. Schon ahd.: .Gotc« verge'mien, nmr-
rubium album, Andorn.'
ver-gesse"(in'GLauchrefl.): 1. wie nhd. 's Füdli
na'''' V. (tvenn 's nüd a'g'wachse war), von Einem, der
Alles vergisst Z. De' Heimweg v., nicht mehr zurück-
kommen, z. B. aus dem Kriege, der Fremde, 's Ufstü"
V., nicht mehr aufstehen könnrii. v.m .'iiMMn wuchtig
zu Boden Geschlagenen S. l)'i Clirr.inrl het ä [den
Schulmeister] längisch h'stel/l. als Oii/tr mit v.!'
[nota bene] U. F" will mi^'' mal r., will eingedenk
bleiben Gl. En giiete'' Tag rergisst 100 schlecht, dem
Sinne nach = lässt vergessen .A.A. S. Bd I 1321 und
Namen. ,Nit in v. soll gesetzt werden, dass ..." Z
Verantwortung 1525. .Solls billich nit in dasV. stellen,
glichwol [sowie] nit unbeschriben lassen.' Jos.Mal.
1593. ,I)asselb nicht in V. stell.' 1712, Volksl.; s. Ver-
gess. — 2. Ptc. perf. in act. S. = vergesslich ZEglis.
Syn. rer-gesslos. ,0, ein vergessner Mensch und sinne-
loser Tor; der, so den Himmel lasst und wählt die
Erd davor.' R. u. CMev. 1650. ,Und gibt zu erkennen
für empfangne Guttaten ihr unv. G'raüt.' FWvss 1650.
Im selben S. das Subst. , Vergessenheit' : ,üieses wasser
nimmt hin die Vergessenheit im menschen.' JRLandenb.
1608. - 3. vergesse" (denn) B; L; S; Zg, nach St.'> in
L u. Zg auch: vergösse", vergess (denn) BO.; U; W.
vergiss W; Id. B: geschweige (denn). Stäl und Isu"
git nä''', vergiss ischereis [Unsereins] W. Nit enial
für d' Siw e Chrumme" [Stall] ; vergess für d' Lit es
Silbers Nist. U Sennenkilbi. ,Dann wir eidgnossen
sölich reden von frömden nie gern gehebt haben, ver-
gessen, dass sie sich deren gebruchen sollten.' 1531,
Absch. — 4. vergessen hän, ohnmächtig werden BSa..
oSi., „einschlafen". Abi. Ver-giss-min-nit s. u. nit.
In 3 ist ver-gHme' (verk. ver-gi'st) das Pass.-Ptc. wie das
Syn. g'schwige'; vergiss die 1. Pers. Sg. des Präs. wie das
uhd. .geschweige' oder Imp. In 4 zeigt sich die urspr. BcJ.
(vgl. engl, (o </<■(, erlangen): verlieren, nämlich das Bewnsst-
sein; vgl. lat. deficcre, verfehlen und ohnmächtig werden,
und frz. <Jf/aillir.
gott(s)-ver-gesse°: 1. Adj., eig. .Gottes ver-
gessen habend', gottlos, ruchlos Ap; Z. E gottsver-
gessni, heillosi Hushaltig. Stutz. — 2. Steigerungs-
adverb, doch nur in übelm S.: heftig, furchtbar Aa;
Ap; B; S; Z (wo auch gott(s)vergessli'''). .Der Mann
prügelte es gottvergessen ab.' Gottii.
ver-gessli(ch ): 1. Adj. wie nhd. = leicht ver-
gessend Z. Syn. ver-g'esslos. ,Memor auris. ein hebig
oder unvergesslich or.' Fris. — 2. „ver-gessliche", Adv.
= aus Vergesslichkeit.'' — Ver-gessligi f.: Ver-
gesslichkeit, Unachtsamkeit GrD. — Ver-gessli"g
ra.: Einer, der leicht vergisst Ap; ZO.
Burrli-Geser s. B.-Giger Sp. 152 '/..
Gessmer s. Gescher.
Geis s. Ga^is.
Geiss, bezw. Gäss, Gäss, Gi-s.^ — f. - PI. unver.
B; Gl.; Gr; Schw, sonst -e«; 1. u) Ziege. Im der
455
Gas, ges, gis
gus
456
grossen Zahl sie betreffender Sprww., RAA. und Über-
tragungen spiegelt sich die Rolle, welche dieses Tier
im Leben des Volkes spielt. Allfvdinss wurde ihre
Schädlichkeit für die schutzbediiiiti-^n I'tlaiizungen
von je erkannt. D' G-e" shul es (,,ihi."- Wh /.. ,Da
inen sollich g-en am weidgang. "Ucli an aiuLMcu iren
güeteren grossen schaden tutend, sOlltend [si] sölich
schedlich vech danna" tuon; denn es wer ein schäd-
lich tier.' 1517, ÄAWett. Arch. ,0b die geiss aber
yeniant schaden täten in säten oder in zwyen, so soll
der, des die geiss sind, abtrag tuon.' 1531/44, Schw LB.
Demgeniäss verlangt eine Satzung in SchwE. 1572 für
Benützung der AUmeind für die Ziege halb so viel
Abgabe als für die Kuh, dreimal so viel als für das
Schaf. Doch ist sie das unentbehrliche Nutzvieh der
Armem und di.'sc ^loilVn sicli in Gl darauf, dass
d' G-e" di ältixh" /..i, /.//»/ |l;ürger] seien, d.h. die
älte.sten Rechte IuiIh-h. h's muess Einff' hüraten und
G. zueclie" tue" [anschattenj. so mag er wider s'weg
clio' UwE. ,Was Einer hat, das hat er', sagte der
Schneider, als er statt der Kuh eine Geiss aus dem
Stall liess. Sprww. 1824. Aber: Jüz [jauchze] nüd,
eb du d' G. im Stall hast ScnwMa. F'< han 's wie de-
s&b Ma"" und die .«e'?' Frau, wo g'sait händ, si hebi'd
scho' wängs Jar an-cre' G. umme' (f macht [deren An-
scliaffung angestrebt], aber tia''' nie l-eini z'ueg b'bracht,
d. h. ich habe meine Hotl'nung noch nie erreicht Z.
Dem Faulenzer redet man nach: Er liet i» sl^'m Lebe'
nie nes G-li g'ha' und wenn [selbst wenn] -rtn 's G'kül
[Futter] zum Bare" i" g'wachse' war. Schild. Ihr Ver-
lust wird daher schwer empfunden. Den arme" Lüte"
sterbe"d d' G-e" und de" riche' d' Chind L. Wenn
d' G. verdorben ist, weiss-men erst, was d' Milch wert
ist. ebd. 's iseh glich, g'eb d' G. gitzlet oder süsch düre'
geit (oder verreckt) [sonst zu Grunde geht], sagt Einer,
der auf keine Einrede hören will. Schild. Was nützt's
mid dem Tria.r [Theriak] zuehi", wenn d' G. tod ist'f
zu späte Hilfe nützt Nichts mehr GrD. (B.). Sie ist
auch dem Diebstahl ausgesetzt. De'' Bravst het e fd'J
G. g'stole" L, soll ein schlechtes Gelichter charak-
terisieren. .Bestuond die herrschaft an sorg [eine
Sorge befiel sie], dann sy irer selb.st (wie der Schin-
der, so die gäss gestolcn) guot wissen truogend,' Kessl.
Wahrscheinlich an die dem Tiere schuldige Pflege will
eigentlich erinnert sein, wenn mit der Frage: Hesch 's
Gässli 'trenkt? ein Kind scherzhafter Weise beim Ohre
gezupft wird Ap. Allerdings gilt sie als Typus der
Magerkeit; daher spottet man über einen magern Men-
schen, er sei so feiss (mager) wie e inageri (e rechti)
G., und da- li'Iiii Srlilachten zu erwartende Ergebniss
en ühidiil nni l-ln-rli hat e G., sei sie mager oder
feiss Z; lnuiil,il,i"s ll'fund] ist e jederi G. (womit
etwa ein Maikhcii vuii hagerer Ge.stalt geneckt wird),
streift eher ans Lächerliche; ironisch ist es auch ge-
meint, wenn der Langsame sich entschuldigt: Jo, i'''
weiss; isch-me" feiss wie ne G., so macht 's Ei"'m heiss.
Aber der innere Wert ist doch grösser, als das un-
vorteilhafte Äussere erraten lässt; daher die RA. : Er
ist heimli''' feiss xcie d' G-e", bes. ftg. von Jmdm, der
seinen Reichtum verbirgt Z, und heisst die Ziege im
Kinderlied: Heimlifeiss, Wissfleisch. Ihr Fleisch ist
geschätzt. Geisse'fleisch und Meitschifleisch hed er-
schaffe" der heilig Geist L. Immerhin steht sie an
Gestalt und Wert namentlich hinter dem Rinde, in
einer Bez. selbst hinter dem Schafe zurück. Zwar
schreckt man Kinder mit der Drohung: Lueg, d' 0.
nimmt-di''' uf d' Höre' '. doch erinnern eben die nahe
bei einander stehenden Hörner an die Schmächtigkeit
des Tieres: Er chönnt e G. zwüsche" de" Hörnere"
schmutze" (L) oder chüsse" (Sch), von Einem, der sehr
mager ist, bes. ein schmales Gesicht hat. Ber lieh
Gott wässt [weiss] wol, wie lang er der Gäss de"
Schwanz wachsn" lo mos [lassen muss] Ap. Der l.
Gott lod der G. der Zagel nid länger wachse', als si
bracht. Ineichen. oder .nicht lange w., damit sie nicht
selbst sich die Augen damit ausschlage' Schw. De'
Witzig weiss, tvie mf d' G. schere" muess (Sdlger),
bespöttelt die Superklugheit; vgl. das Horazische ,lana
caprina'. Wenn 's vor Martini g'frürt, dass 's e G.
treid, so ist die grösst Chelli bis Wiehnecht Vfjbi Aa.
Eine Ziege zu heben ist Kinderspiel im Vergleich mit
anderm Vieh. Das heisst nid numme [nur] e G. bim
Schwanz hinden umme" lüpfe" L. D'r Maritz und i'''
hei" scho" grösseri und schwereri G-en umme g'lüpft
a's numme" so. Schild. Iron. mit Bez. auf eine un-
verhältnissmässige Anstrengung (z. B. zu einem Ar-
beiter gesagt, der durch solche Schaden anrichtet):
3Iit G'tcalt ist (isch-es) e G. umme" z'lupfe", oder
lupft (stellt, hebt, bringt) men e G. hinden (am Schwanz)
umme" Aa; B; G; S; Z, oiei mag-niH" en Geis hinna"
um puren [heben] BR. Vf der G. hei"' müesse", mit
langer Nase abziehn, spec. von einer Jungfrau, welche
sich auf den Tanzboden begibt, ohne einen Tänzer zu
bekommen, oder auf den Markt, ohne von einem Jüng-
ling ins Wirtshaus eingeladen zu werden Aa; „B;"
L; Uw, auch von einer Tänzerin, welche von ihrem
Tänzer nicht nach Hause begleitet wird Uw (daher
dann uf d' G. gü" (stä^), von jungen Mädchen, zum
Tanz gehen und Tänzer aufsuchen Zg), scheint den
Gegs. zu einem edlcrn und geeignetem Reittiere ins
Auge zu fassen (vgl. noch Sü); ebenso die RA. hindert-
«»■<■'■ [rückwärts] uf d' G. ue müesse", von dem Spieler,
welcher dem Gewinnen nahe schliesslich doch ver-
liert L (vgl. Geisser; Geisshirt; anders uf d' G. helfen,
s. u. h). Als Karrikatur des Zugviehs erscheint sie,
wenn Gottu. sagt: ,Alles was ihnen noch geblieben,
hätte eine G. weggezogen.' Vgl. noch floretsideni Chue.
Doch müssen die beiden ersteren RAA. vielleicht im
Zshang mit den folgenden aufgefasst werden : z' G-en
üscho", leer au.sgehn, zu kurz kommen. MUsteri I 259.
,Mit G-en kam [bei der Lotterie] der Dritte aus, des
bracht er wenig G'winns zu Haus.' JHGrob 1603. Ab
der G. ist der Krämer, sobald er das erste Geld des
Tages eingenommen hat L. Selbst die Intelligenz des
Tieres wird angezweifelt : Es hed scho' mängs ei"fältigs
G-li aW'' schon es guets Läubli a'troffe" aScHW; vgl.
Huen. Er ist so u"schuldig wie 's Biggelis G. (iron.)
Gl. Es darf [sogar] e G. es Altar a"luege" [also auch
ich dich] Z (vgl. Katz; Gans). Auch bringt deren Be-
sitz Sorge, Mühe und Verdruss mit sich. Es hed-em
tcol reelle", dass im d' G. verdorben ist, er hiitt su"st
müesse" Heu chaufe", bei allem Unglück ist wieder
ein Glück L (Ineichen). Wer e Gäss a'g'na" hat,
muess -si hüete" Th, oder ,anbinden'. Häst-di''' der
Gas a'g'nu", so hüet-si Sch. .Wenn Jemand einer
Gesellschaft lästig i.st und man ihm ein erdichtetes
Geschäft aufgibt, um ihn fortzubringen, so heisst es,
man schicke ihn, die G. anzubinden.' Spreng. Der
Nachahmung.strieb des Tieres mag bloss lächerlich
sein. Wenn ei" Geis d'n Stil üfhed (gitzled UwE.,
Gas, ges. gis, gos, gus
458
(/(tyet ZO.), so gagle'd die andri" (so (jitslv'd all Uw,
(jaget die ander aw'' Z), spöttische Bezeichnung ein-
fältiger oder krip.'h.'ii.ler Nucliiittorci HR.: virl. '';""*.
Lästig aber «iiM ~w Axva .luivl, il,,v K,iiii|.lln~l : W.mi
c a-eis.'i stössrjnll. sn ,»»,.s-N, llnnnr Im» /.. Pir Zn-v
ist leckerhal't. i'liugnss (svlnuukrfra^styj iriciicG.: \-l.
Geiss-Appetit (d. h. wählerischer) u. gegeisset. Die alte"
G-e' schlecke' aw'' no''' gern Salz L ; Z : gemeint sind
geile, alte Weiber. Bas schleckt (^,m) kei" G. ^weg,
daran ist Nichts zu ändern, das ist nicht zu vertuschen
BsStdt. E G., wo [welche] im Früehlig üsg'lö' v-ird,
suecht no''''-em Chrütli. Schild; darum muess nir" d' G.
nid s' wlt i" Garte' la', wenn-me' selber 's Chrüt will
Im'. Er hat 's wie d' G-e", er suecht 's Wlte B; S,
und: d' G-e' hei" ds iVitere lieher B, ein Hieb auf den.
der nach dem fernen Guten hascht und darüber das
nahe Liegende unbeachtet lässt. Damit hängt die Lust
am Klettern zusammen, weshalb ein Kind, welches
den Hang hat, auf erhöhte Gegenstände zu steigen,
gescholten wird: Du Tunders G.! Aa; Z. So lange
es ihr dabei gut geht, kommt Übermut. Wenn e Gäss
wol stöt, sr stampfet si Th. ,Die G. scharret, wenn
sie wol stät, hört bald üf. wenn 's ir übel gät' NMan.
Wenn 's der G. z' wol ist, se gut si uf's Is (Schwz.
Monatschr. I 144) oder se scharret (Sch; Z, gompet Ap.
chratzet GT.) si, Ins es ir<; übel ist B, oder ,bekonimt
dann aber auch Schlag dafür.' Schwz. Museum 1793.
• Dass du glych wöllist z' vil rauetwillen und handien
wie ein feisse g., die glych scharret, so sy ist z' feiss.'
liScHMiD 1579. .Alle Adamskinder haben die Unart,
dass sie im Wolstand gleich wie die G-en gern scharren.-
JBreit. lÖlU. ,Iez fangen die Zürcher und Berner an
schanzen: wann es der G. wol ist, fangt sie an tanzen.-
Kalthiüs 1714. ,Es war der G. zu wol, drum fieng
sie an zu scharren; der Afterfreiheit Stolz macht
Weise selbst zu Narren.' HSieber 1800. S. auch
Denzl. 1716. I 686, II 126 u. s. Esel f (Bd I 514).
Freilich kommt für die Ziege die Zeit, wo die Üpjiig-
keit ein Ende nimmt. Di Geis heint im Summer es
J{eru"lebu", im Herbst es Buru'lebu" und im Winter
es Bettlerlebu" W. Ihr Besitzer leidet im Winter mit
ilir; darum pocht er, ist dieser einmal vorüber: Märzn,
sperz üf oder ab [mache Sprünge, wie du willst], ml"
Geis sind g'winteret! Bihleb. Die Ziege ist (bis zur
Unberechenbarkeit) empfindlich. ,Triflt man die G.,
so leit s". = man soll das Mass nicht überschreiten.
Schade 186:'., viell. v.nn Siiirl .lliitu,Mss,.ir Iht-viioiu-
mon. EG. und es rUim, \ Kin,l| rl,i:ii,l.,i uml ,i-,iiifii-t
(/.s-c/«(-/«r/ [gesundet i;v,. -Im iinl|, S^iiiii.. //,,/ llialn-t]
vMi fii, Irorhini iiinl ir,in,i i, n,l fiillrl -um- ,l,i i, Ihirw.
Tor,/,i„. .\l;ii. i.V.rru., ,1,1,1 u,.n Cr .,.,!,-, ^ „,, ,„,nl\s
im .^uninwr „ad Aa ; GKli.) z' hnss /. I>araii kniiptt
sich der Kuf, mit welchem vormals in LBerom. die
Badestunde kund gegeben wurde: Giri giri Geiss, euses
Bad ist heixs: ver vill bade, ist friwfli^'' l'g'lade'!
Das mit IJ.-iiiirn .inrl.-na.' Kin^l rr.innt u. A.': Hast
ehalt, so srlihif in rx Ch,,!!,: I,,isl /,r,.vs. s,i schl. in e
Ü.; ferner beim Suppcnbhuen; Talma- [Thiilbeimer]
G., mach-m'r d' Suppe nit so heiss usw. \>\r Zi.^.-
erhebt sogar den Anspruch: Vertäub [erzm\i,-\ -u,,''
niid, oder »"■'' gibe ke Milch! Z. Es i.st nach allLMloiii
begreiflich, dass es heisst: D' G-e" sind zum Verläube'
y'richt't, zum Ärger geschaffen Z. D' Geiss sV fin
[fein, recht] es G'schmei,is BSi. Auch sucht man unter
Umständen gerne ihrer los zu werden. Es ist ZU
mit der G. z' Markt, su'st muess -me' Heu chaufe",
von d.-r Zeitfi-cmässheit iv-cnd .-inor HandluBg oder
-in- Inl.Tii..! 11.. ^I,i. k^iii.'i, ,\.ir..-|iul,„,rhr duldet.
I'--- 'In- \,. iratiMiL;-. iMiaiiA, A\ ,./ :.t„, wied'O.
,ib-cm Mali. .1. h. r. 1,1 y.rh. Arn \ ,-n.n,li aufzugeben.
Er chunnt iii,t ,1, ,■ (i. :' /r,,,/, .' Märit B. .Er habe
auch schon .'in .\liii~rli j M.i.lriim. (ieliebte]; ist Zeit
mit der G. zu .Markt.- 171i:l, Scinvciz. Museum. Vom
Ziegenhandel ist der Spruch entlehnt, mit welchem
Kinder ihre Tauschhändel besiegeln : G., G. g'ge''", G.,
G. nümme umme' ne" [nicht mehr zurücknehmen] ! S.
,Dir wird die g. ouch b'zalt, das" du letzlich grosses
Unglück wirdst erholen.- Wagn. 1581, d. h. du wirst
diesen Handel oder Streich noch büssen. Ebenfalls auf
den zu allerlei Unredlichkeiten verloiki.-ndrn Handel
bezieht sich viell. die Warnung: M"i-i- ir,ll ,■„ l!,,lii--
ma'" si' ond hässa", der moss-si"'' hui'l'i" ,;ir Dil).,",
Hennii" ond Gässa" Ap, od. vor Hüener und G-e' ZO.
Fertig, d' G. muess [f., G., muesch, d. i. du sollst)
g'metzget si! auch abgek. f., G.! = jetzt frisch daran!
Z. An dem Tode des .störrigen Tieres scheint die
Volksspr. sich mit einigem Behagen zu weiden. ,Ich
schrei [schrie], wie ein G. am Messer stecket.' Platt.
1572. ,Die G. suchet das Messer: Er ringet nach
seinem Unglück, capra gladium.' Mey. Hort. ,Prangen
wie die G. am Strick, d. i. mit ärmlichem und ent-
lehntem Putze oder gar mit seiner Schande.' Sprenh.
Dri' luege wie ne g'stochni G., dumm, blöde drein-
schauen Bs; wie ne G. uf-''em Todbett, mager, matt.
SpRENß; sonst (Geiss-) Back, 's isch nit bloss u-eg-''em
Hauderidau | l,iistliail>cil | .:' tMe»; nie" muess aw''
luege', gib 's .\l,ss,r ,1' <i. ,rl<inge' [erreichen] mag [ob
die erf()rd<Tli> Ihii .Mittel vorhanden seien]. Schild.
D' Gr/s-. v,/,/,,/, //. an den Beinen hängend, also mit
dem K"pl narh nuten, sich einiger Kleidungsstücke,
z.B. .1.-- Ii'.irk, Hill der Weste, entledigen, ein Kunst-
stück .1 T iiKuiiili-heii Jugend Bß. Vgl. noch nackigi
G. niiil J!i„l fsiliiiiden). Trotz alledem singt ein
FasiKulitssjirii.h in IjBüron das Lob der Ziege, deren
Bild das Wappen jener Gemeinde bildet (s. unsere
hdschr. Sammlung). Einen kultur- und rechtsgeschicht-
lichen Zug s. u. umfressen Bd I 1323. Es gat um wie
's Geisshüeten. Sprww. 1824. Dass unter den Eigenn.
der Ziegen auch Vogelnamen vorkommen, wie Schne-
vogel, Fleugt, Specht, Tüb (s. JRWyss 1817) mag be-
merkt werden, weil umgekehrt gewisse Vögel, z. T.
mit mythologischer Beziehung, die Namen .Donner-
ziege', Haber-, Mos-, Himmels-Geiss tragen; vgl.
ikmIi Sihiiabelgeiss, deren Vorstellung zwiscln-n Vugel
iiihl Zii'i:!' schwankt, neben dem gli'lrliwntiyi'n /'</-
st,,i,. «rl.lirs als Ziege dargestellt wira iL'.hIiIi. l^.i;).
.\ucli sonst werden Gespenster als Zii'uvii -i^knhi. -o
eine Schachen-G. am Ütliberg; s. auch ll,,l„l-(i. Inin
.Donner-. Donnergott, war eben auch Av Zhue iIk /h.
der Bnrk) -chcili^t. Ihr wird darum cm Voii;..luhl
des Llii/ii.ililr, li.igemessen; wie übel die Tiere den
Rc,»-cn kil-ii iiii.ucn, so .stürzt die Herde doch mit
kliiglichcni iic-chrci unter der schützenden W'etter-
tannc hervor, in welche der Blitz fahren wird. Ziegen
kniinen nach dem Volk.sglauben Krankheiten der Men-
sclien ganz oder tw. an sich ziehen Z(j. Auch Ver-
hexung ziehen sie von dem Rindvieh ah und an sich,
indem ,böse Leute' (Hexen) sich eher an sie als an
dieses wagen; es gibt darum Sennen, welche ihren
459
Gas. ges, gis. gos. gus
460
Kühen die Ziege als Schaden- und Fluehableiter bei-
gesellen AAf. Wohl wegen ihrer Verbindung mit dem
Gewitt^rgotte wird sie auch zur Verkünderin des
Wetters; so W, wo aus ihrem Auf- oder Abwärtssteigen
auf schönes oder auf schlechtes Wetter geschlossen
wird. S. noch LOt., Sagen Nr. 215. Lengoenu. kennt
eine gespenstische Ziege, welche durch Gebrüll Regen
verkündet. Hagelmachende Hexen reiten bald auf
einer Ziege, bald auf einem Wolfe. 1527, Eon, Act.
Manche lokalisierte Gespenster erscheinen in der Ge-
stalt von Ziegen, so die Schache"geiss am Ütliberg;
s. auch EocHH. 1856. Da unter dem Christentmne
vielfach an die Stelle heidnischer Götter der Teufel
getreten ist, wird die Ziege im Volksglauben manig-
faeh mit Letzterm in Verbindung gebracht. E Düfel
und e G. d'rnebe", doppeltes Ungemach. Schild. Eine
Inschrift im Kloster ScHSt. zählt die ,12 geissen des
tüfels', d. i. 12 lasterhafte Menschen, Laster, auf.
welche gleichsam der Teufel weidet, wie der gute Hirte
seine Schafe. Viell. ist daher der Ausdruck d' Geisse
sind es Tüfelsceh Z nicht bloss als Emphase zu ver-
stehen. Die Vwdtschaft der Ziege mit dem Teufel
guckt auch aus den Ziegenfüssen, mit denen begabt
man sich Letztern vorstellt, hervor. Eine Weibs-
person wurde einmal von einem Mann mit Ziegen-
füssen [d. i. eben dem Teufel] durch die Luft fort-
geholt zur Strafe für ihren liederlichen Lebenswandel
Ap. Da man glaubt, dass die Ziegenfüsse des Teufels
seien, werden sie von vielen Leuten nicht gegessen.
S. noch ßeisser; Geissmannli. Namen von Ziegen sind
ausser den obgen. : Esel; Fuchs; Geinschi; Gurten;
Hudel; Elbhals; Bellhaupt; Huri; Has; Buesslatz;
Länder; Marder; Murmete; Blass; Schabe; Schlifer;
Schnewe; Windspiel; Speiche; Strudel; Tiger; Tieri.
Syn. Gibe; Gitzi; Mägge (Mutsch, Muttle); Beggeli;
s. noch Fase (Bd I 1065). Die Stimme der Ziege
heisst mäggen, bläggen. Sie wird verspottet mit fol-
genden Scherzen. Wenn das Tier geschlachtet wordeh
soll, schreit es : m-m-m-am Mündig [Montag] ; worauf
der Metzger: Nei', du Chätzer, iez! Z; wenn es aber
gitzlet: i" mtm Lebe" nümmä-ä-ä! Als Lockrufe sind
üblich: gitz! girigitz! gibi! kuen! za! für junge Zie-
gen: beggeli beck beck, beggeli bock bock! Scheuchruf:
tschab! Die Krankheiten der Ziege: Klucker; Holz-
sucht; Scheiss; Uterstrüchleten; s. noch sieh verjucken
und lösen. — b) spec. die weibliche Ziege im Gcgs.
zum ,Bock': .(Wer) wenn mir Einer ein Mal gitzlet,
so ist er mir (den heisst man immer) eine G.' Sprww.
1824 ; SuLGER. Wer d' G. im Hfis hat, dem chunnt
de' Bock für d' Türe. Solger. Wer recht tuet (tcas
r. isch. Schild), ist Gott lieb; wer e G. stilt, ist ke"
Bnckdieb. Ineichen. ,Das alte bekannte Sprüchw. sagt:
Was der Bock an ihm selber weisst, das trauet er
der G.' ClSchob. 1095; und so noch jetzt. .Einen
Geissbock zu den G-en.' Otfn. ÄAWürenl. Auf dem
Ausdruck .Bock' für eine Karte, welche als höchste
von ihrer Farbe im Spiel noch vorhanden ist, beruht
die sekundäre KA.: Stich si [die Karte], es ist e G.
— c) irgend ein Tier aus dem Ziegengeschlecht. ,Wild
geissen, als gempsen, Steinbock, reh.' Mal.; aber:
,Von einer Hindin oder Geissin.' JMüralt 1697. —
2. übertr. auf Personen, 'mehr oder weniger scherzh.
a) eine Weibsperson, mit etw. verächtlichem Neben-
begriif ; bes. Mädchen von schmächtiger Gestalt, e ma-
geri G. Ap; G; Z. Vgl. dazu: D' l'bildi-g halft e G.
für e Wlb. Solger. ä Mal im Tag g^seht-mu' allzit,
dass d's Wibui^olch Geis sind [Ähnlichkeit mit den
Ziegen haben]; d's Wlbuvolch sind wundrigi wie die
Geis W. Auch von kleinen, schwachen Pferden: Huss
janx! welig [was für] Geiss! Starch müend die nid
si', dass nur Eine druff obe' hocket — spottet Einer
im ScHw Fasnachtsp. 1883. — b) Kind, das überall
herumklettert Th; vgl. geissen. — c) wer betr. die
Speisen wählerisch ist G; vgl. gegeisset. — d) wer
Salz liebt Z. — e) Altardiener Schw. Als Hofg-e"
werden in L die Chorknaben der , Hofkirche' gehänselt.
— f) die wlss G. ist derjenige Hausgenosse, welcher
am ,weissen Sonntag- zuletzt aufsteht LEottal. —
g) nackigi G., nackt ausgezogenes Kind Z. — h) Über-
name der Bewohner mehrerer Ortschaften; s. Eochh.
Aa S. I 338. — 3. wie andere Tiern. {Esel; Bock usw.)
Bezeichnung von Geräten, a) G. auch Geissschlitten,
ein Kinderschlitten, dessen Kufen, durch vier Beine
mit dem Sitz zsgefügt, vorn hornartig nach oben aus-
laufen Aa; Ap; B; VOrte; Gl; G; Z; Syn. Gibe,
Gemsch, Gensei, Zitgeiss, Gitzi, Hörnli, Kuechen, Muffe,
Beinler; Gegs. Hocker u. a. — b) Spielzeug aus Gerten
in Gestalt eines Fuhrschlittens ZW. f (abgebildet in
unseren .Proben'). Syn. Karrenbogen. — c) Spinnrad
für Wolle oder Baumwolle Schw; U; S3-n. Geissrad.
Vgl. Bachgeiss. -- d) Spielzeug, bestehend aus einem
Holzkloss mit drei Zinken (Ästen), auf welchen jener
steht. Mit dem neckenden Spruche: Hirt-mer [füttere
mir], hirt-mer d' G., mach-mer-si g'sund und feiss,
mach-m^r-si g'sund und dick! werfen die Spielenden
der Reihe nach aus einer gewissen Entfernung mit
Stöcken darnach, nachdem der zu der ,Geiss' geordnete
.Hirt- durch den Ruf ab der G. ! gewarnt worden ist,
beiseite zu treten. So oft und so lange die G. um-
geworfen da liegt, dürfen die Spieler in den ausge-
markten Bezirk (das Biet) des Hirten eintreten, um
ihre Waffen wieder herauszuholen ; auch dürfen sie
bei dieser Gelegenheit die G. aufs Neue hinterrücks
umstossen, falls der H. sie nicht vorher bestimmt ,ver-
boten' hat. Dieser ist abgelöst, sobald es ihm gelingt,
innerhalb des .Bietes' einen der Spieler zu berühren,
während dieser seinen Stock frei trägt. Das Spiel
hsisst (hirt-) geissen, d' G. schlä" Aa; S; ZW.; s. auch
fjeissgügenen. Eine grotesk-bildliche Anwendung hat
das Spiel bei ThMurner erfahren in seiner Narren-
beschwörung, wo Gott selbst als der H. die G., die
von dem unverbesserlich sündhaften Menschen immer-
fort umgeworfen wird, mit unermüdlicher Langmut
und Geduld immer wieder aufstellt: .Wann du die G.
gesetzet hast, so hond wir weder rueh noch rast, bis
wir sie werfen wider umb, und schickend dich zu
hüeten drumb.' Auf unser Spiel bezieht sich wahrsch.
auch das oben aus Schade citierte Sjirw.: .Trifft man
die g. [usw.].' Dagegen dürfte die RA.: Es gut um
tme 's Geisshüete', von einem schwierigen und eben
deshalb abwechselnd versehenen Amte, auf dem wenig-
stens früher in gewissen Gegenden unter der Bauer-
same üblichen Gebrauche beruhen, die Aufgabe des
Hütens nach Kehrordnung zu besorgen. — e) Pflug-
sterze Aa; Th. Syn. Geiz(g)e, Wepfe. — f) über dem
Feuerherde angebrachte Vorrichtung aus hölzernen
Stäben oder im Freien schief gegen einen FeLsblock
udgl. gestützte Latten, auf welchen Tannä.ste zu Zaun-
ringen gebäht werden GrD. — g) Span, dgl. mehrere
an einem weichen Holzscheite angeschnitten werden
ges
gus
•1152
unil gebogen wie Ziegenhörner davon abstehen Gitl'r.
Xüiiim ng troch'is Schltli und mach-m'r Gaias [PL]
.-,„.»1 A"'für'.i. SciiwzD. Syn. Bock. — h) Sattel, der
vorn zwei Hörner hat t- Schild. Davon noch die RA.
Ei"'m uf (V G. Ulfe", auflielfen S. — i) ein drei-
btiniges Küchen- oder Tischgerät; vgl. Bocl-. ,Ein
S. in der stuben', zwischen ,buffet' und .gluetpfannen'
aufgeführt in einem Z Invent. 1571. ,Zwo chellen.
«■in goiss oder dreifuess.' 1588, G Invent. ,5 zinni"
Siilzbüchslin, 2 verzinnt G-en.' löOO, Z Invent. .Zwei
isin G-en.' 1027, Invent. TnEürgl. — k) die zum
.Geissgumpen' (s. Sp. 313) in die Erde gesteckten
2—3' hohen Stäbchen. — 4. Flurn. 1' der G., Stück
Land in der Nähe der Stadt Aarau. — 5. gewisse
Naturerscheinungen, a) Schneefleck an Bergab-
Iiängen. Es hat no"'' G-e' am Lägeren obe" A.\. —
b) feurige Lufterscheinung. Rebmann 1620 nennt Me-
teore ,G-en' und spricht von ,Feursternen in Geissen-
weis-. Bei Scheuchz. Naturgesch. I 288 heisst eine im
,T. 1629 beobachtete Lufterscheinung ,die hüpfende od.
springende G.', ,spr. od. tanzende G-en'. Scheuchz.
k'lint sich an JJWagner, welcher das Epitheton in
folgender Weise erklärt: ,Hoc meteorum tunc apparet
(juando exhalatio ita inflammatur ut efficiat excursiones
iiuasdani, vagosque dissultus, qui caprinos saltus inii-
tari videntur', und fügt von sich aus bei, ,dass die
G. wol kann mit einem verbrannten Papier verglichen
werden, in welchem die Feurlein noch hin und her
liiipfen'.
CVi"»», in der Schriftspr. durch das inis.nr V..|ksspr.
n-cmde ,Ziege' verdrängt, ist die ältere, alt-ri hlhi. Ilni.iiiiiiiig
des Tieres: got. yait, altn., ndl. i/eit, aji^. ./..' (iii-l. /..,((),
alid. keiz. Ihm entspricht nach der Lanti.!.'.! I:il, /,.., ,/«»,
junger Ziegenbock. — Die stirke (od. wie .VHs^ u. a. tlexioiis-
iose) Pliiralform ist alt bezeugt, z. B. Ap LB. UÜl). .Welicher
kirchg'noss eigen vech hat, der soll kein gäss haben.' 1520,
Zellw., Urk. ,Wie man geiss lösen soll.' 1520/44, Schw LB.
.Ochsen, esel, pferd, schäf, geiss.' Fris. ,Zwo g'wachsen
Geiss wir z' nutzen band.' Com. SBeati. .Die Geiss sollen
von der Knheweid entfernt werden.' 1801, G Alpbüchl. —
Da Giigs auch Nbf. von Oäns' sein kann, so sind Vermen-
gungen der beiden WW. nicht ausgeblieben ; s. Guns und
einige der folgenden Zssen. Die Ziege hat sich an den Platz
der Gans gedrängt, wo der bekannte Kinderspruch lautet:
Git/yis yüfjgi» Eienmtes, d' Geim got harfuess. Ob die ,nackte
Geiss' oder die ,n. Gans' das Ursprünglichere oder Beide
gleichberechtigt seien, lässt sich nicht leicht entscheiden.
Bemerkenswert ist auch, dass sowohl Ziegen- als GänsefUsse
an menschlicher Gestalt vorkommen, ohne dass man Wort-
Verwechselung annehmen darf; jene deuten auf die teuflische
Natur der betreffenden Wesen, diese darauf, dass das urspr.
Element der elbischen Wesen die Luft ist, welche als Wasser-
meer gedacht wurde. — Zu 2 a vgl. Fromm. Ztschr. II :WJ.
519. III 325. IV 312. VI 435, — Z' G-en uh ,h,„i könnte
zunächst in bäurischen Verhältnissen wurzeln, da die Ke-
ducierung des Viehbesitzes auf Ziegen gewöhnlich ökonomi-
schen Niedergang bedeutet; doch vergleicht sich aus deutschen
MAA. z Geins [zu Grunde) rjen; för d' G. — für die K.<itze,
wertlos und preisgegeben. In jedem Falle erscheint die Ziege
hier als Typus des Gleichgültigen. Wertloseu. In der Wendung
mit , reiten' mag die tw. syn. R.A. SrhnuUr u-enlm die Vor-
stellung von dem auf der Ziege reitenden Handwerksmann
wach gerufen haben, eine Gedankenassociation, welche noch
durch den Umstand, dass beim Brettspiele mit, bezw. um
Buhnen gespielt wird, befördert sein mag. — S. auch (Gi:m-)
llovk; Schnlder.
„Ibsch-Geiss: der weibliche Steinbock", wahrsch.
nach Mal. Ebenso Tierb. 1563. — Feder-: Gans?
oder federleichte Ziege? .Auf der Pfrund Boitenweil
und Blangenhausen [fingierte Orte, heilen = warten ;
b'langen = harren] hat Einer Heuwachs [als Einkom-
men] nicht gar zu einer F.' Z Pfrundb. 171'2. [Ironie
über die aufs Zuwarten angewiesenen Pfarraspiranten].
— Vor-; Gemse, welche dem Rudel voranzusclir^iten
pflegt B It JRWyss u. Grüner 1760. Vgl. Lntlmd-.
,Damit die Gemsen desto sicherer können w.i.l'ii.
stehen sie auf guter Wacht, welche versihet der 11. ■,■]■-
führer selbs, den man das Vortier od. Vorgeiss nennet.'
JJScHEDCHZ. 1706. ,üas Tier auch hat Vernunft, das
wissen wir, die wir die Gemsen jagen; die stellen
klug, wo sie zur Weide gehn, 'ne Vorhut aus, die
spitzt das Ohr und warnet mit heller Pfeife, wenn
der Jäger naht.' Schiller. — Fuer-: das selbe B;
U; W (auch die Anführerin der Ziogenherde). Ditz
Lump2"gizudql [Gesindel] heigi oich e F., c Jfdiplnin"'
g'häbet W Sagen.
Fotzel-; zottige Ziege Aa. — Vgl. F.-Iluml. Syn.
Zatt-G.
Gugg- s. Gugger-Gans. — Galt-: Ziege, welche
in ihrem zweiton Lebensjahre nocli nicht trächtig
wird W. — Gems-: weibliche Gemse Gk. — Glri-,
Gise-Geisseli s. G.-Gans.
Herr-Gotts-Geisi (üim.): = Hcrrgults-Giiegi
(Sp. 162) BE., Si.
Geisi lässt sich auch als lautliche Nbf. von Gänii, Gäns-
chen, auffassen; doch hat die Bez. auf die Ziege eine Stütze
an dem Syn. U.-G.-ChüeH, und es wird also «' nur Erweichung
von «« sein.
Habor-Geiss; 1. „Brummkreisel Gr." — 2. kleine
schwarze Spinne, welche zur Zeit der Haber-Ernte
massenhaft auf den Feldern erscheint Aa Mand.
1 ist eine Übertragung von der Heerschucpfe, welche in
deutschen MAA. wegen ihrer Stimme eben so heisst: vgl.
Himmeh-G. u. Rochh. 1856, 334. — Zu 2 vgl. S,h,ii,lr,-H .
Hobel-: gespenstisches Wesen, das seine Stimme
weithin hören lässt Sch.
Verderbtaus ,Haber-G.', welches in Deutschland u. Österr.
eine bald als Vogel, bald als Ziege gedachte Schreckgestalt
bedeutet. S. Schnabel-G.
Hof- s. Geiss 3 e. — Hufe"-: Ziege, welche zu
einem , Hufen' (Herde von 21 Stück) gehört und mit
diesem, nicht bei den Kühen weidet; Gegs. Kueh-,
Sennen-, Heitn-G. Ap. — Heck- Hegg-Goas: Eidechse
GRh.
Helle^-Geiss: Dreifuss (Küchengerät). 1675, G
Inv. - //c(i = Feuerherd; vgl. Geiss 3 i
Heim-: Ziege, die zum Hausgebrauch im Tale
zurückbehalten wird, während alles andere Vieh sich
auf der Alp befindet. Syn. Matten-G.; Gegs. Kueh-G.
.Derjenige Anne, so kein Geiss wintren kann, kann
im Frühling 2 Geisse zu Lehen nehmen. Dise Geissen
sollen aber nicht auf die Alpen, sondern unter ilen
Heimgeisshirt getan werden.' 18'24, Obw.
Himmel-: Wachtelkönig oder Wiesenschnarre,
crex prat. ZKn.
Von der hässlichen, eintönigen, schnarrenden Stimme,
welche dem Vogel auch die Namen .Knarrer, Kressler, Sohnärz'
eingetragen. Vgl. Haber-, Hobel-Gcis»-n. Sehne-Gans.
Herme"-; Ziege, welche ein Lamm säugt und
pflegt GSev., oT. — Henm:, d. i. Hermann, Name des
Bockes, aaO. des Lammes.
Hörn-, Hörner-; gehörnte Ziege Gr; SnJ.: Z.
Gegs. Muttlen-G. ~- Hirte"-: eigne oder gepachtete
463
Gas, gcs, gis, gos, gus
4(U
Ziege, welche der Hirt, wenn er im Hoclisununer über
der Waldgrenze in einsamer Hütte weilt, zu sich
nimmt, um sich von ihrer Milch zu ernähren Gr. —
Chweh-Gässli: Ziegen, welche zu 3—5 mit den Kü-
hen auf der Alp weiden Ap. Syn. Berg-, Sennen-G.;
Gegs. Heim-G. ,Kuhschafe, sowie Kuhziegen waren
untersagt, weil sie in den Äckern und Wiesen Schaden
anrichteten; jedes Vieh sollte seiner Heerde nach-
gehen.' Am-Herd. ,Es soll niemand mehr als 2 Küeh-
geiss haben.' 1751, Ap LB. — Laub-Geiss: Ziege,
welche wählerisch im Pressen und namentlich nach
Laub begierig ist L. — Lämpli-: Ziege mit zwei
Hautläppchen am Kiefer Z. — Los-, Lösch-: Pacht-
ziege GrD.
Lüte°-, LUi-: Ziege, die den Leuten nachläuft
BHa. — Bindevoc. i wie in Brütigam, Nachtii/ali.
Mad-: Z., w- eiche zum Heuen mit in die ,Mäder'
genommen wird GfiAnt. — Melch-, in Gi. Milch-:
Z., welche Milch gibt Gl; Uw. ,10 Melchgeiss mögen
lür 1 nielche Kuo gerechnet werden.' 1723, Obw.
Mords-, Mos-: Nachteule, Uhu Gl.
S. Aniii. zu Huber-G., welches in Deutschland als Name
verschiedener schreieuder Vögel, eben auch der Nachteule gilt.
Musch- Z Wochenbl. 1804, Muttel- 6r; W,
Matte"- ZLunn., Mutti- AAZein.; Bs; L, Mütti- S,
Muttle'- ScH u. angrenz. Z, Mutsch- kv (-0-); Tn; Z,
MuiscAi- ScHW; Zg, Mutze"- Z: ungehörnte Z. Syn.
Stiimpen-G.; Gegs. Hörner-G. Kinderreim, tw. zur
Verspottung der evangelischen Prädikanten: Ich hre-
dige", leas i''' weiss, ron-fr.- alte' M.-G. (Stumpe'-G.)
usw.; s. Var. bei Schild HI 18. — Matte"-: Z., welche
im Sommer auf Matten od. Wiesen zu Hause behalten,
anstatt auf die Alpen oder Berge getrieben wird Uw.
Syn. Heim-G. — Bach-: hölzerne Maschine mit Ge-
wind und Fla.schenzügen, um grosse Steine aus Bach-
betten zu ziehen Uw\ 8. ufe-geissen. — Berg-: Z.,
welche mit dem Kindvieh den ganzen Weidgang des
Sommers mitmacht. Schatzm. Syn. Kiieh-, Sennen-G. —
Pflueg- = Geiss 3 e Ap. — ,Röch- vel farnwider,
caprea.' Ebinger 1438. — Bit- = Geiss 3a GRMai. —
Se- s. Se-Gans. — Side»-: der hölzerne ,Bock', an
welchem die Seide gekämbelt wird Schw. E" Haspel
und ewo S.-Geiss zählt der komische , Hausratbrief' auf.
— Senne"- = Äwefe-ff. Ap. — Schell-: Z., welche
der Herde vorangeht und eine Schelle trägt GnPr.
Syn. Vor-G. — Schleg-: Mastziege, zum Schlachten
bestimmte Z. GrI). — Sehne- s. Sehne-Gans.
Schnabel-: weiss vermummte Figur, welche in
Begleitung der Dorfjugend je an den zwei der Weih-
nacht vorangehenden Freitagen Abends mit Spektakel
herumzieht und Besuche macht. Die Figur gipfelt
entweder in einem aus einem Laken und 2 Stäbchen
gebildeten Vogelschnabel oder in einem geschnitzten
Ziegenkopfe, dessen Hals der unter dem Tuche Ver-
borgene, um die Leute zu erschrecken, nach Belieben
verlängert. Beide Köpfe sind mit Stecknadeln be-
spickt ZKn.
Die an und für sieh siiinl"~r /.. i , , k,;i p, 1 1 .!ir durch
Beobachtung gewisser v.i-ii : - li i- " i.. n Lrumeiü-
samer Eigenschaften uml -hi h ■'-. In. i. i in.li'n der
Wortformen für (Smu mit '.. .- n/m-t, N-i^uirkiing der
Vorstollnngen Ziege und Vog.-l. S^. r- -»v i ». J/„l„,-, Himmdi-
(Jcias. Auch ,Ricke' vereinigt die Begriffe von Reh, Ziege
und Krähe. In Siiddeutschland ist die mit StNiklaus um-
ziehende .Habergeiss' mit einem künstlichen Ziegenkopfe,
desseu Kinnlade beweglich ist (vgl. Klaus-Esel), versehen; in
Norddeutschland in ähnlicher Weise der , Klapperbock'. Das
nach einer Äusserllchkult gewählte W. Schnabel-G. hat bei
uns das in gleichem S. nicht mehr übliche Haber-G. verdrängt.
Schnäder- s. Schn.-Gans. — Schnider-: Euder-
wanze, hydrometra ZWl. Syn. Gitzi. Vgl. Haber-G. ä.
Die Kinder, welche eine solche sehen, reimen: Sehn.,
mach-m'r d' Suppe nit so heiss; mach-m'r d' S. nit so
räss, oder i''' schläh-d'r d' Hand i* 's G'fräss ZWl.
Dazu vgl. einen Reim u. ,Geiss'. — Stumpe"-: Z.
mit abgestumpften Hörnern Z. Syn. Muttlen-G. —
Winter-: Z., welche überwintert wird Schw. , Wel-
cher Winterveech hat oder Halbveech, der mags uf
unser Almeini lan gan von SMartins des heiligen Bi-
schofs Tag bis zuo mittem Merzen, usgenomen W.-Geiss
nit.' I(i05. ScnwG. LB.
Zal-: Z., sofern .sie mit Bez. auf die Benutzung
der Alp (vgl. Kue-esse" Bd I 520) gezählt wird (V). ,Es
söllcnt nit me dann 40 zalgeiss [auf die Alp] getriben
werden und gant 6 z. für 1 kue.' 1498, Übw. ,Nie-
mants soll mehr dann 30 zalgeiss und 30 bescheren
schaaf han.' 1629, ebd.
Jet«t werden In Uw 10 Ziegen = 1 Kuh gerochuet und
hinwieder 4 Zicklein = 1 grossen Ziege.
Zatt-: 1. Z. mit besonders langen Haaren Ap. Syn.
Fotzel-G. — 2. Weib mit unordentlich herabhängenden
Haaren oder Lappen, ebd. Syn. Zatt. — Zit-: Z.,
welche ungewöhnlich spät trächtig wird G, erst im
zweiten (BSi.; F; U) oder im dritten Jahre Gl; Gr;
„L; Z" zum ersten Male wirft, so lange also keine
Milch gibt, dafür aber nachher um so besser wird.
Vgl. Z.-Bock und Z.- Vech, -Kuh, -Bind. ,Die geisshüt
soll gefallen [dem Zinsherr verfallen] syn von einer
geiss. die zytgeissalt ist.' UwBuochs Hofr. ,Geheilts
[kastriertes] böcki"s fleisch u. z. 6 hlr [wie bestes
Rindfleisch], geissin fleisch, so nit gitzigend [geworfen]
hat, 4 hlr.' Liebenau 1881, 230.
geissele(n): nach der Ziege schmecken oder
riechen; den eigentümlichen Geschmack der Ziegen-
milch haben. Syn. mäggelen.
Geisseier m. : Einer, der sich mit Ziegen zu
schaffen macht, Kleinhandel mit solchen betreibt B.
Vgl. Tübdtr. — In dem Namen ,Geiseler-Mös' LEmmou
dürfte unser W. auf einen gespenstischen A'ogel Ubertr. sei»
geisse": 1. klettern (wie Ziegen), von Kindern Aa;
Bs; ScH; Z. Syn. stägeren. Uf de" Stüele' umme' g.;
Uf de" Bank, uf der Ofen iif'i" g. Er eha"" nüd en
Äuge"Mick still sitze"; er muoss eister g'geisset ha".
Auch von Schosskindern, welche sich unruhig be-
wegen, sich aufzurichten versuchen. Daher Geissi m.,
scheltende Benennung eines solchen Persönchens. —
2. müssig umher vagicren, faulenzen „L; Sch;" Z. —
3. wackeln, ins Schaukeln geraten Z. — 4. das unter
Geiss 3 d beschriebene Spiel treiben — 5. g., bezw.
vfe" (öife"), üse" (öise)-g., mit der Bachgeiss Steine aus
dem Bachbette heben. — 6. das Heu an Stäben, sog.
Heinzen (s. d.) zum Dörren aufhängen ScuwMa.
Zu 6. Also war Geis» der einheimische Name für das
von aussen eingeführte HHnze, indem die Querhölzer der Vor-
richtung mit Hörnern verglichen wurden.
gugg-: Versteckens spielen GG. — Ohne Zshang
mit Gwgg-GeisH, sondern wohl aus ijuggüsm verderbt.
geissene": ein Zicklein zur Welt bringen BSi.
Gas. ges, gis. g..
4Ü6
Geisscr Gl; 1-: GG., Geissler Gr; GO., Sev.;
Uw — 111.: 1. Ziegenbesitzer (geiiugschätzig) G. ,Es
f,'ibt nur wenige namhafte Güterbesitzer, desto mehr
Einkühler [die nur je 1 Kuh besitzen] und Geisler.'
III. Ztschk. 1850. — 2. Ziegenhirt. Der G. blaset d's
Höre" ; us alle" Gilde' chännd [kommen] iif ei' Mal
d' Geiss. Anbf.rL. 1849. Denn wird 's lebig und der
G. güget lüt. Henxe 1824. ,Dass der bestellte Hirt
oder G. die Ziegen im jungen Gehölze nicht schädlich
weiden lasse.' JXSchntd. 1782. Auch als Geschln.
1479, Zellw. Urk. ; als Übern. ZO. Als Name eines
Hofes ZRicht., vicll. durch Übertragung von dem des
Besitzers. — 3. de'' wild G-, ein gespenstisches Wesen,
auch Geiss. a) = Wildmännli, Fängg, so benannt,
weil solche Wald- oder Berggeistor gerne den Leuten
die Herdon besorgen Gr (B. H 75). Van unnnnueh,^-
ist allpott latbar word<i' es liols G.ßö' [Getön] old e
Gügntn; vam wildn' G. würd's cho' si', der d' Nacht
dHr'''-H' der Butzibau machat und bi Tag in da"
Löcher stechat [steckt] Gr Schiers (Schwzd.). Vgl.
Geiss-Mannli u. s. Gügete. — b) Nachteule, deren Ge-
schrei die Leute dem Jauchzen eines Hirten vergleichen
tJL: Gr; auch churw. so benannt (cavrlr salvad'O;
mittlere Ühreule It B., der Waldkauz, syrnium aluco.
It TscHCDi 1865, die grosse Ohreule, strix bubo, It
Amstein. — 4. Schneider (scherzh.) Z. — 5. ,wer beim
Kartenspiel keinen Stich macht LE." Syn. Geisshirt;
Schnlder; vgl. Geiss 1 (kinder-sich iif d' G. ufhin
milessen). — ü. im Gässler, Fluni. SoiiBuch.
Zu 3. Die Vermittlung zw. a uud b bietet die 61 8agf
von dem Seun, welcher sich vermass, oincu der unheimlidien
Bergseeu zu durchschwimmen; nachdem er dabei ein Opfer
des Wassergeistes geworden, spukt sein unseliger Geist als
Ijuftgespenst und das Geschrei der grossen Nachteule gilt
als sein Klageruf.
Qi'wi- Geissei s. Gisi-Gänsli.
gegeisset lasset: wähleriscli im Pässen G'l'a.
gogeissig: wackelnd, wankend, z. 1>. ein Stuhl,
ein Brett Z. Vgl. geissen 3.
geissi": aus Ziegenfleisch bestehend. .Has pfund
geissine fleisch umb 6 h. zuo geben.' 1540, Sch Kats-
prot. Graf Ulr. v. Schauraburg pflegte den .geistlichen'
Vater zu Eoni den .geissenen V.' zu nennen. JvMüll.
Subst. Geissen 's, Ziegenfleisch; spöttisch das uner-
wachsenc Mädchen, der Backfisch BsStdt.
Geissin s. Geiss 1 c.
Giri-, Gisi-Geiseli s. Giri-GänsK Sp. 373.
Geisle", in Bs; W -ss-, f.: 1. Peitsche. KAA.
1)' Chue a' d' G. tusche', = das Ross an den Zaum Z.
.Fuhrmann und Pferde an einander gewöhnt, das.s die
Letztern dein Erstem ohne Worte unter der G. laufen,
wie er will.' Gotth. D' G. ha', das Regiment führen L.
Wie n'en Fuerm%n oni G., ohnmächtig Z. Die Fuhr-
leute und Bauern haben oft eine Art Virtuosität im
taktmässigen Peitschenknallen und dasselbe wird an
gewissen Volksfesten mit besonderm Schwung be-
trieben, so z. B. in Frauenfeld am Berchtoldstag und
an der Fastnacht (s. karwatschen), anderwärts am
,C'hrungeliabend' usw.; schon 1611 musste in AaF.
.das Geisslenklepfen' im Herbst durch ein Mandat
verboten werden. S. noch klepfen; Zwick. ,Die G.
ist eine Art von Scepter, sie führen zu können, ein
Ehrenpunkt. Es bildet ein eigentlich Ereigniss, wenn
ein Vater seinem Sohne die G. gibt, er erhebt ihn
Schweiz. Idiotikon. II.
damit zu seinem Mitregenten und Stellvertreter. Aber
ebenso ist es ein Ereigniss, wenn ein Vater seinem
Sohne die G. wieder nimmt. Denk ou''', er het im
d' G. g'no'! heissl 's. Ärgeres droht ein Vater seinem
Sohne nicht leicht als: Ich nehme dir die G.! Das
geht gleich vor dem Enterben her, und wenn man
einen General wieder zum Gemeinen macht, es kann
ihm nicht ärger als einem Sohne sein, der vom Pfluge
weg wieder unter die gemeinen Hacker auf den Acker
muss. Und diese Strafe wird nicht bloss verhängt,
wenn Einer schlecht fährt, sondern auch, wenn der
Sohn zu einem Mädchen geht, welches dem Vater
nicht anständig ist [usw.].' Gotth. — 2. der Peitsche
ähnliche Geräte, a) das in einer Krinne des Weber-
baumes liegende Stäbchen mit Schnur, welche zur
Scheidung der einzelnen Teile der Kette dient Aä;
Syn. Baumsteckli. — b) viell. der Angelrute ähnliches
FiscÜEreigeräte. 1537, Z Fischerein. .Wir verbieten
das Fischfeimen, die Geisel, das Schlinggen.' 1710/76,
Z Ges.
Eng- s. Ameise Bd I 216. — Chüe-: hölzerne
Peitsche mit geflochtenem Stockende, in hohem Grade
biegsam, um dem Vieh beim Schlagen nicht zu scha-
den Z. Syn. Büren-G. — Gharre"-: Fuhrmanns-
peitsche SoHwMa. — Kiep f-: , Knallpeitsche', fingierter
N'ame eines Bauern bei NMan. — Chlaus-: Peitsche,
womit der Chlaus [StNikolaus] in den 4 Wochen bis
zum Silvester zu knallen pflegte Z (Spillm.). Syn.
Schaub-G. — Bure"-: Peitsche der Bauern im Gegs.
zu derjenigen der Kutscher und Fuhrleute, welche
einen ungeflochtenen , harten Stock hat Aa ; Syn.
Chüe-G. — Putsch-: Peitsclie mit kurzem, dickem
Stocke und langer Schlinge, wie sie bei den Train-
süldaten im Gebrauch ist AABb.
Schaub-: eine bis 10 Ellen lange Peitsche, die
von den kräftigsten jungen Leuten in den ,Sami-
chlaustagen' beim Samichlaus- oder ,Schmutzli-Jagen'
gehandhabt wird und pistoleuschussartig knallt L;
Syn. Chlaus-G. D' Chilbeler [die von Kikhbühl bei
LSemp.] liiiiid mit aUr" irr" Cliiiechte' und mit ire" W-
vernirftKii: Srh. inni ,!,'■ i/iMs-i- " Hi acgungele [Schellen]
der SkiiihIiIiuis <hir '.- Stndlli (Inre g'jagt und ganzi
Sack roll Nuss m hs [die Kiiidcrschaar] usg'rüert L.
— Schaub, Stroh aus den zähen, langen Roggenhalmen.
Schlange"-: ein mit einer Natterhaut überzogener
Peitschenstock S. E" Fuerme', wo mit-ere' Schi,
grüsli"'' chlöpft. Schild 1885. — Mit solchen Häuten
werden bisweilen auch Spazierstöcke überzogen.
geisle": 1. mit der Rute züchtigen B. Di Muoter
hat d's ühind gigeisslot W; Syn. fitzen. Sich selber
geissle; schaden üwE. - 2. mit der Peitsche knallen
ß. — 3. umme'-: zwecklos herunivagieren L; Syn.
mnme"-geissen, -schellen. — .S wohl eig. von kleinen Kn.n-
ben, die mit ihren Peitschen sich hommtummeln.
ver-: zerpeitschen, wie z.B. der Hagel das Kraut
AABb.
Geuss, geussen s. Güns, günsen.
Geusi C-öi-) n.: Mensch, an dem nicht viel ge-
legen ist Z oTö. Lass '$ G. fare".
Wenn hier einer der Fälle vorliegt, wo äu und ,v ge-
wechselt haben, so Messe sich Clin.; als IJiui. von '/■("«. d. i.
Gans, erklären.
Giss s. Güns.
467
Gas, ges, gis, gos, gus
4G8
Gisel I 111.: Geisel, Bürge, bes. für Geldschulden.
,Die gyscl sollent sich in die statt ze g. legen, bis
allem statt beschicht' 1266, Gprd. ,So sollen wir
dem probist g. ligen und umbe feil guot essin all die
wyle, unz wir dem probist 16 m. silbers gegebin.'
1275, Z Beitr. ,Was si verkoufent uf benempte zil,
da mugent si sich besorgen mit briefen, gelten und
g-n.' 1409, Z. ,Nieraan soll dem anderen kein g. nach
kein kosten, da einer uf zeren mag nit gheissen nach
geben und weller dem anderen g. darüber verhiesse,
der ist kon um 5 pfd.' 1490, Ndw. ,Begert uf syn
g'lcit Sicherheit und g., disen ritter zuo sechen, welcher
uf ir beger, g'leit und vergislung [Verbürgung] in ir
läger hinus sich gelassen.' Kessl. 1539. So dass der
Zins, wenn er nicht jährlich erlegt, würde, mit ,G.'
eingezogen werde. Alte Verträge auf ,Leisten und G.'
la.sse man in Kraft bestehen. 1547, Absch. ,Obses, g.,
pfandsmann.' Fris. ; Mal. , So welle er mit inen Triden
machen, wenn si g. und leistbürgen gebind.' Eüeüer
1606. ,Der G. und Schuldenbotten halber ist beredt,
dass . . .' 1653, L. ,Leonidas wollte sich lieber zum
Geisel und Tod überliefern, als sein Vaterland und
Statt Spartam zerstören lassen.' AKlingl. 1688. G..
Flurn. TuHüttw.; eine Gisdmatt AALenzb.; G.-Guet
BTrachs.
Neben ytsc/ findet sich im Ahil. eine kürzere Form ißno,
wie xoiso neben tcind. auch bei uns als Personenn. im ersten
Teil von Ortsnn. : Gisen-Benj. -Büel, -Stein B, G.-Eyg Gl,
G.-Hanl -Hcji, -Itüti Z; der Geschlu. Gysi Aa; Bs; S; Z, mit
der patronymischeu Abi. Gtainger (1370, Z), wozu der LOrtsn.
Gisföikun. Gisi Fraucnn. bei Cysat, wohl verk. ans Gisda
(,Glsla.' Anshelm). Betr. das Sachliche s. Näheres in den
Anm. zu Guel-Äis (Bd I 499) und zu G.-FriSser (Bd I 1325).
Vgl. auch G.-Esmr (Bd I 528), Gtsel-Mal, Inlager, sowie das
folgende W.
Giselschaft f.: persönliche Bürgschaft, bes. in
der Form des Einlagers (,Leistung'), obstagium, als
gerichtlichen Zwangsmittels, wornach der Schuldner,
so lange er nicht zahlte, sich (bisweilen mit dem Gläu-
biger und den Mitgülten) in ein öft'entliches Wirtshaus
einlagern, hier in Personalhaft bleiben und sämmtliche
Wirtszeche für sich und die Andern bestreiten musste.
,Swa ein burger eim andern burger g. brichet, der git
der stat buoss und soll sich aber antwurten in die g.'
1304, Z Richtebr. ,Die bürgen sont [sollen] an offen
Wirten recht g. leisten iro ieglicher besunder ie 2 mal
an dem tag und wel''''e mit syn selbes lybes lybe nit
leisten will ald mag, der soll einen gysel mit einem
pferit dahin ze gysel legen.' 1359, Constanz. ,Wir
band ze recht gesetzt, was geldschuld unser burger
oder burgerin schuldig sint, darumb einer oder eine
g. utf sich gedinget hant, dass man da den schaden
und g. wol wenden mag mit farenden pfänden.' 1384,
AaB. Stadtb. ,So söllent wir alle nach der manunge
in den nächsten 8 tagen ze Basel ein rechte offen
gewonlich g. leisten in offener würfe hüser ze feilem
koufe und ze rechten malen täglich bi den eiden, so
wir alle harunib gesworn hant und weP''er under uns
mit syn selbes lybe dise g. nit leisten wollte oder
möchte, der ieglich soll und mag einen erbern knecht
mit eim müessigen pferde an syn stat legen ze leistende,
der ze rechten malen als türe komme und als vil zere
als er selber tete. Und soll uns alle enhein ander g.
hie irren noch schirmen.' 1390, S. ,Welichs jars wir
suniig wurdent, söllent und mögent der käufcr einen
erbaren kniächt in ein offen wirtslius inschickcn und
den so lang uf mich [und] myn erben gewonliche g.
lassen halten nach zinses recht, unz der zins und
costen bezalt wird.' 1554, BLaup. (Kaulbr.). ,Sy söllent
leisten rechte offne G., bis sölicher Zechend bezalt
wirf 1606, AABremg. ,Sölliche Personen, welche sich
nach angestellter G. zu disem Dienst [als Schuldboten]
gebruchen lassend.' 1614, B Missiv. ,Die G-en und
Fresseryen.' B Ref.-Satz. 1628.
gisle": 1. durch ,Glselschaft' Schulden eintreiben.
,Si sulln sich danne gyseln nach gewonheit Züricher
giselschefte.' 1252, Z. ,So soll ich und niyn gysel
darnöch über ein manot unsich gyseln und umbe feil
guot essen.' 1275, Z Beitr. ,Gyslens halber auf die
Unsern. Umb Einbringung der Schulden.' L Stadtr.
1706/65. — 2. schmarotzen, betteln, i. S. v. guenen 1
BÜ.; LE.; UwE. ,Adulando consequi.' Id. B; Syn.
mueten. — 8. hastig arbeiten, eilen GrD., Pr.
Aus Bed. 1 entwickelte sich leicht 2; ebso 3, da das
Eintreiben von Schulden mit Drängen und Ungeduld ver-
bunden war; vgl. yresten.
„ab-, er-: abbetteln, durch zudringliches Bitten
abnötigen."
Gisler 1 m. : 1. „Schuldeneintreiber B; LE.;-
Syn. ßisel-, GlsU-Fresser ; vgl. Zinsli-Bicker. ,Uie G.
und Geldeinzieher werden vor Rat gestellt und abgc-
wüsclit [scharf getadelt] wegen ihrer Kostenmacherei.'
1578, L Ratsb. ,Der G. und Schuldboten halb ist eine
Ordnung gemacht.' 1653, L. ,Die sog. G. oder Scliubl-
boten.' XScHNYD. 1781. Vgl. Seg. RG. 4, 150 ff. —
2. „Schmarotzer B; L;" Syn. Glsel-Fretsser. — 3. wer
Etw. abbettelt oder erschleicht BSigr. — 4. Geschlii.
B; Z; in U das zahlreichste aller Geschlechter. Da-
von der Flurn. Gisleren f. BSeed. und ZPfäff.; vgl.
Isleren von hier. - Mhd. <fudir i. 8. v, 1.
gislig: eilfertig GrD., Pr.
Gisel II Gl, Gisler II GA. — m.: 1. der beim
Käsekochen aus der rückständigen Molke sich sam-
melnde und verhärtete Zieger od. die Käserückstände,
die unter bes. Zubereitung nachher noch von den
Älplern genossen oder auch den Schweinen vorge-
schüttet werden Gl; GA. — 2. (Gisel) die dünne,
leicht zerfallende erste Eiskruste beim Gefrieren des
Wassers GlK.
Viell. zu mhd. yi«,M-iz). s. Gr. WB. unter ,Geislitz' und
vgl. Gugg(er)-Geim. 2 scheint bildl. Anwendung von 1 ; vgl.
nidlen.
(liseli, Gisemli S, Gismeli, Gesmeli ii.: gleicli-
bed. mit dem folg. Comp, und aus demselben verk.
Gänse-, Geisse-, Gnu se-Giseli, -Gismeli, -Gis-
seli, -Giiseli, -Gisserli s. Gise-Gämeli Sp. 373.
Giess Güss m.: Giesser Z (Übern.). .Hans Müller,
der Güss genannt' 1653, AAWett. Klosterarch.
Vgl. den Ap Geschln. ,Schiess' (gespr. -«-) von ,schiesscn',
sodann Beck, Deck = , Bäcker' usw.
,Rot-: aerarius, kupferschmid.' Fris.
giesse", bezw. güsse' : 1. wie nhd. Chiiijle",
Glogge", Cherze" g. En g'gossne Bode", aus Lehm
gestampft, e" g'gosses Tenn, mit einem Lehm- oder
Mörtelguss als Boden Th; Z. ,A. 1755 hat man durch
die ganze Kirchen ein gegossenes Gewelb formieren
lassen.' Z. In der Sennerei: „die Käsemilch zu Ziger
gerinnen machen, indem man saure Molken (od. Essig)
4t;o
Ga.s, ges, gis, gos, gus
470
ilazu giesst BO." In bildl. Anwendung: wie einen
Erzguss oder gleich in Einem Gusse Tollkommen her-
stellen. Das ist wie g' gösse", trefflieh gemacht Gl; Z.
Mn" cha" 's dem nüd gad g., ihm nicht gleich recht
machen Gl. Mä' chönnt s' [die betr. Freunde] nüd
hesser g., sie passen vollkommen zusammen. Henkel.
18.S(I. Ja nu [tröstet sich der Unvollkommene], es
ist jo Niemed grad tcie g'gosse". Stiitz. Bes. auch von
neuen Kleidern, die gut passen, sitzen: De"- Rock
<-lii(itnt-d.r [steht dir] ivie (a"-) g'gosse" G; Z. Bei
Sil TZ auch einmal vom Träger des Kleides : De' Frach
chunnt der guet, hist ,j(> bim Strähl wie g'gosse. —
2. auf dem Eise, der i;lit.rlil.;ilin zum Vergnügen
glitschen AABb. (l't.-. ,/-,/»v>r/i; ZW. (Ptc. g'gosse").
Svn. leisen, risen, srhlifi:ii, schlissen, zihen. — Ahd.
(fr (jti
:it),
über-: 1. überflicssen [vor Lust, Leid]. ,So du
das sehen, wirst du ü., dich verwunderen und wirt
dir weit zum herzen.' 1531, Jesaj. — 2. überschütten.
.Soll keiner den anderen schelten oder mit bösen
Worten übergeussen.' 1693, Z Hausordn. — in-: ein-
giessen, beibringen, bes. von Kenntnissen. Es meined
ril Eitere", me sott 's [das zu Lernende] de" Chinde"
chimne" l. G; Z. Auch: Einem Etw. beibringen, .be-
lieben' GG. ,I'''gosse Mites, ärmliches Essen, das von
einem Buchbinderbrei in Nichts unterschieden, als
dass man in dem Auskochen etliche Eier darein zu
schlagen und vorher den Hafen mit Butter anzu-
schmieren pfleget.' Spreng. — er-: 1. = giessen 1 in
bildl. S. Mä" chann-em's nüd er-g., recht machen,
treffen Gl. — 2. verdünnen, z. B. den Kaffee durch
Zugiesscn von Wasser BSa. — 3. er-gossen, aufge-
dunsen, z. B. eine wassersüchtige Person, an Blähung
leidendes Vieh BSa. — 4. durch Zugiesscn füllen.
,So aber die Salzpfannen halb abgesotten was, so hat
man sie wider ergossen und erfüllt' 1.504. Absch. —
"i. (refl.) von Leichen: secernieren durch Nase, Mund
und übrige Ausgänge Z. — üs-: 1. ausstreuen, ver-
Ijreiten (bes. Verleumdungen, falsche Nachrichten).
.Die Personen, so solich untougenlichen wort usgossen,
benamsen.' 1.531. Strickl. ,So er die personen, die
solches ausgössen, erfahren könne.' 1557, Absch. ,Er
sollt vorhin g'fraget haben, ehe er die bösen wort
hette u.sgossen.' LLav. 1584. ,Schrämli hat in unser
grafschaft an etlichen orten hin und wider ausgössen,
als ob . . .' ZWthur. Stadtb. ,Über iemanden schant-
liche Reden, so Lyb, Er und Gut antreffend, u.' L An-
sehenb. ,N. N. hätte inen [den Sigrisweilern] hinder-
rucks g'redt und usgossen, er welle . . .' 1587, Hagenb.
SiGR. .Wegen gewüssen usgossnen Worten wider das
Kilchenbauw.' 1678, ebd. — 2. mit pers. Obj.: ver-
lästern, verleumden. ,Die so uns anders versagen, u.
und verunglimpfen.' 15'24, Strickl. ,Der fromm N. N.
ward gebuobet und geschelmet; item ain luser und
böswieht usgossen.' Vad. ,Denen, die in syner eren
halb schnödlich usgossen und hinderredt haftend.'
ebd. ,Es habend mich etliche falsche Franzosen wollen
u.' 1.589, L (Seg., Pfyft".). — ver-: 1. durch Eingiessen
von Blei, Gips udgl. befestigen Z. ,Der murer soll die
büny vergibsen und in dem stüblin die klimsen [Spalten]
machen und V.' 1488, Bs Jahrb. -- 2. ^ giessen. .Mit
vergossnen erin stein [gegossenen Stückkugeln].' GWyl
(Copiebuch). — 3. durch Giessen aufbrauchen, ver-
nichten, re.sp. umgiessen. ,Vil der eidgnossen raein-
tond, man hette büchsen [aus den Glocken] gössen.
aber sy vernamend demnach wol, ob sy vergossen
warend oder nüt, da man fröud lüt [nach der Nieder-
lage von StJakob].' Edlib.
be-: \. = giessen 1. ,Soll ein keller neman [als
Hauptfall], was begosses geschier ist.' Oftn. TiiEnn.
— 2. .Begossen brot', offa.' UwE. (Vocab.).
Zu '2 Tgl. bei Schm.-Fr. : .Gossen brot, p.inis iierfiisiis',
,oin wol begossen weck des morgens frue.'
Giesse" m. Bs; BO.; GEh., Sa.; Gl; GrD.; L; Schw;
Th; UwE. (mit de>- Entstellung ö»--) ; Z, f. BHk.; Gr
Chur, ObS.;W; ZZell: sich ergiessende Wassermasse.
1. Wasserfall, Bachstrudel, Sturzbach, Stromschnelle.
Wie ist das doch e langwiligs Holz [Wald] ! 's hat jo
kein G. drin. Stutz. G. ruschet i" der Kluft, ebd.
,Im Sternenberg habe es einen fürchterlichen G.; das
Wasser stürzt 4 Kirchtürme hoch über einen Felsen
herab.' ebd. ,Nass wie getunkt stellt ich den Fuss
keck auf im Getriebe des strudelnden G-s.' RWvss
1822. ,Si rüsten an den g. [Stromschnellen des Rheins].'
1443, Volksl. In zahlreichen Ortsnn. ist das W. im
Übergang vom Appellativum zum Eigennamen be-
griffen; vgl. z. B. Manengiess im Rhein oberhalb
GRThus.; den Han [d. i. die hohen] -G., früherer Name
eines jetzt Höhschutz heissenden Wasserfalls ZErl.;
,Wiesen im ff.' ZPfäff.; .Reben im Giessental' ZElgg.
Vgl. die Syn. Giessbaeh, Laufen, Schutz, Tschur,
Tschoder. Als Überleitung zu Bed. 2 mögen die Angabe
aus GrD.: ,Geschwelltes, angeschwollenes Wasser',
sowie die ä. Belege dienen: .Der bach, der über den g.
rünnet' 1456, SchwE. Klosterarch. ,Die bäch, giessen
und flüss des honigs und ankens.' 1531/48, Job; dafür:
, Ströme.' 1667. .Torrens, ein g. oder waldwasser,
giessbaeh oder sunst ein ungestüem wasser, das von
grossem ungewitter oder wulchenbrüchen gächlingen
vom gebirg herab scheusst und angät.- Fris.; Mal.
- 2. Seitenarm, Nebenrinnsal eines Flusses, das bei
hohem Stande desselben Wasser hat; Stelle mit stehen-
dem oder nur schwach fliessendem Wasser, gerne zum
Baden und Fischen benutzt B; L; Gl; Gr; GSa.; Tu;
W; „Z"; gegrabener Kanal Gl; langsam fliessender
Bach GW.; auch nur: nach einer Überschwemmung
zurückgebliebene Lache Gl; Tümpel in einem Moor
FMu.; Tümpel z. B. zum Hanfrösten Gr ObS.; Syn.
Butzi. ,In einer G. des Rheins ertrunken.- Gr (Zei-
tung). Auch in Bed. 2 fängt das W. als Appellativ
vielerorts an abzusterben, während es als Eigenn. sich
hält od. eher auf der Grenze zwischen beiden schwebt.
Vgl. den G. als Zufluss der Linth unterhalb GlEuh.;
.der alte G.', Bett eines nun abgeleiteten Thurarmes
Th Weint; Name eines Baches GSev.; ,die Wehri der
Muota vom G. und Schupf hinter der Landsg'raeind
hinab' Schw. ,Was einer erwatten mag, da mag ieder-
mann fischen, es si in der rüss oder in bächen oder
in g.' L Fischerordn. 1422. ,Wenn der müUer die g.
underm kloster [Fahr] uftuon sollt, neme das wasser
synen fluss, als zuo ersorgen, gar dadurchhin.' 1510,
AAWett Klosterarch. .Darzuo betten die Frowen von
Far underm Closter etlich G. verschlagen, damit das
Wasser euch nit die rechten Rychstrass möchte gon
und alls uf Schlierer Güeter getriben wurde.' 1510,
ebd. , Einige seien in den g. und owen, so der Ehyn
[in Gr] übergange, ertrunken.' 1551, Absch. .Welches
den vollen g., sinus Pelasgicus genannt,
lauft.' Tier«. 1563. ,Die schifflüt
wegen
471
Gas
gis, gos, grts
in
grosse 's Wassers dem müUer zuo Far in g. [Mühle-
kanal] gcfaren, da si bestanden [auffuhren].' 1576, Z.
.Die Stadt Säckingen mit einem g. des Rheins gleich
einer insel umbfangen.' Wurstisen 1580. ,Dass der
Rhein zu Basel sich in keine g. zerteilet.' ebd. ,Als
wir nun gen Ilzach kommen, haben wir durch 2 g.
waten miesen bis an girtl. Die nebenflüss und g.,
so uss der rechten 111 über alles leid laufen, durch-
watten.' ARypf 1592. ,Es soll in der Rüss noch in
allen andern 6. und Gunten im Land niemand fachen
by Verlierung des Fischerzügs, doch vorbehalten, ob
einer G. in synem Eigen bette, die er inhaget' 1607, U.
,Niemand soll under dem Seedorfer Steg in der Rüss
noch in dem rässen G. fischen.' ebd. ,Von dem schwar-
zen G. bis gen Flüelen.' ebd. S. iiber-fachen Bd I 64'2.
,N. N. bei Werdt in der Aaren in einer G. ertrunken.-
XVII., B Wappenb. ,üass das Fischfach in des Griens
G. eintweders gar hinaus oder so in selbiges von wegen
der Fischen dahin getan, weiters hinab zunechst bei
dem Auslauf des Giesses gesetzt, wie auch der Kopf
oder Iniauf desselbigen iederzeit ofl'en gelassen werde.'
1658, AAWctt. Klosterarch. ,Wann der G. [ein Teil
des Rheinbettes bei Coblenz] Wasser hat, mögend die
Fischer darin fahren und fischen.' 1660, Aa Urk. ,In
der Rüss gefangen, sonderlich in den 6. und tiefen
Wögen.' Cys. 1661. ,Vom Weinnionat bis eingehende
Fasten soll niemand weder in G., Bächen noch Brunnen
fischen.' Gl LB. 1835.
Ahd. 31020 m., fretnm, rivuliis, imsn--rjiez (Notkoii; nihil.
ijKHHe ni., fliessendes Wasser, Flussarin.
Ab-Giesse°: Abzweigung eines Flusses. ,Die a.,
so vom Rotten fliessent, erkennen sy [die Schieds-
richter], dass sölich g. nit wyter dann zum dritten
teil überfachet werden.' 1528, Strickl. — Mülli-:
Mühlekanal. 1667, AiWett. Klosterarch.
Giesser m.: wie nhd. Z, wo der Stanimvoc. das
W. als aus der Schriftspr. entlehnt kennzeichnet.
Hafe"-: Giesser von ehernem Kochgeschirr. 1453,
Bs; 1577, L; 1547, Z. ,Die gross gloggen ward gössen
durch U. Bircher und J. Henserlin, beid H. zu Lucern.'
Cys. c. 1600. — Chante"-ß«Jsser.' Kannengiesser G.
,Kantengiesser, antwerklüt, die zinin kanten machent.'
1376, ScH Stadtb. ,5 pfd dem k. von dem gloggenhus
uf dem tor ze machen.' 1468, Z. Wechselnd mit dem
Syn. ,Zinn-G.': ,Zuo der schmidzunft [in G] g'hörend
kessler, kanten- oder zinngiesser.' Vad. ,R. Schinz,
Kantengiesser; G. Thumeisen, Zinngiesser.' Z Ge-
schlechterb. 1660. .Falschmünzer, K., Metallfälscher',
in den alten Schweiz. Gerichtsordnungen z.sge.stellt.
— ,Bild-, statuarius.' Mal. — ,Rot-, kupferschrnid,
aerarius.' Mal. u. Denzl. 1677; 1716. Massregeln gegen
die ,R.' und herumschweifenden , Kessler.' 1571, Absoh.
— Zapfe"-: unter den Handwerkern aufgeführt.
1453, Bs.
Giessi, Güssi f.: Glitschbahn AABb.; ZW.; Syn.
Schlifi. — Von giesHeH S.
liani- Giessi Sch; Th; Z, -Giessli Av, -Giess ü'£.;
ZSth. n.: = Giess-Fass Bd I 1050. Abbildung s. bei
KMeier, Tischzucht 1645 u. in Elsener's Zg Kai. 1858;
s. noch Guss und Büffet. ,1 hangissy.' 1469, Z Inv.
,Trulleum, Handbecke, Handgiess.' Denzl. 1677; 1716.
Synn. s. bei Giess-Fass, ausserdem Hand-Bössli; vgl.
das x^pvifiov der Griechen.
In-gös 3. in-gan Sp. 21.
goss! : gewiss BHa.
Eine der abschwächenden Ersatzfornicn für i/'h'hm, dessen
Gebrauch für sündlich galt; vidi, hat die Zssctzimg Ootti-
g'mües den Vuc. gegeben.
Immis-Gos, nur PI. -Gös: = Imbiss-Gaueh Sp. 105.
Moater, tvas hom-mer z' Meatig? Antw.: I. ond
Schneaggohörner, deage Bockfiiess ond EbberschnitUhi,
WunnnrUsuppa ond Frögli dri" GBern.
Gösse- (PI.): Tücke, Einfälle, Dummheiten W. —
Frz. yausse, Schnurre, Aufschneiderei.
ge-, be-, er-gossen s. giesseii.
Gösset B 11., Gossete°Bs;S f.: Zwickel, Rauten-
stück am Herade unter der Achsel. — Frz. t<: gousset.
„göse", gösse" (-Ö-): auf niederträchtige Art
schmarotzen, betteln LG." „Abi. Gosser, Gösserei."
— Wohl das frz. (jueuser, durch Vermittlung der Söldner.
güs! resp. güss! B; L; S, gus! resp. guss! Aa;
BSi.; L, gusi! B, guschi! GRh., meist 2, auch 3 Mal
wiederholt: 1. Lockruf an Schweine. Syn. hosch!
hmch! hotz! häsi! sugg! — 2. guseli! Lockruf für die
Hühner aScHW; Syn. bi-bi!
Zu 2 Tgl. mnd. interj. ,7;««.' pullos movet' (a. Gloss.) uud
übh. Gr. WB. V 867 s. v. ,kit5i'.
Gusi I BO., Stdt, Gusi B oHa., „Güschi W",
Güssi S, Gusel I FJ. — n., Dim. Guseli: Schwein-
chen, als Kosew. und in der Kdspr. GusU tu! (Lock-
ruf) 1790, B Hink. Bot. Syn. Gützli. Auch leichte
Schelte für eine unreinliche Person B; Syn. Süli.
Eig. nur die substantivisch und in dim. Form gesetzte
obige Interjektion, welche, mit näselnder Aussprache ver-
bunden, in Etw. das Grunzen der kleinen Schweine nachahmt.
Vgl. BiU, Huhn, Büd, Katze (von hü«!), BmU, Kalb (vom
Ruf?!««.'), Bo-ham», Hund, Haiti, Schaf, Mü, Kuh, Ifvdi und
Wudli, Ente, von hud! und loud!
Gusi n n. : Versehen, Fehler, Missgriff, ohne
eigenes Verschulden, Missgeschick, z. B. im Karten-
spiel, wenn unrichtig verteilt oder ,gewiesen' wird,
so dass das Spiel ungültig ist UwE. Da' ist iez es G.
— Wahrsch. aus it. acusi, entschuldigen Sie.
Gnss — PI. Güss — ra.: 1. wie nhd. En Mensch
wie en G., schön wie eine Bildsäule Sch. Ba stä'
wie en G., regungslos wie ein Erzbild Z. „De"' G.
hät-em g'felt, sein Plan ist ihm misslungen Vw; Zg;
Z." — 2. die mit einem Zinnguss überzogene Wand-
oder Buffetnische, in welcher das ,Giessfass' angebracht
ist, etwa auch spec. das zu dem Letztern gehörende
Waschgefäss Ap; G; Z. Lt GLHartm. 1817 gehörte ein
, Büffet mit einem zinnernen Gusse, lave-main, blank
wie Silber', im XVllI. zur .Ausstattung einer Wohnung.
— 3. reichlicher Trunk. Mid d' Güss, se lönd-di'''
d' Flüss. SuLGER. Starchi Güss bringe* bösi Flim,
Überraass im Trinken erzeugt Krankheiten L (In-
eichen). ,Güsse machen Flüsse.' Mey. Hort. 1692 u.
SuLGER. Wäre griech. yivi\i.<x.xa. noisT ^suiiaxa. — 4. (nur
PI.) Herzensergiessungen, Ansichten, Einfälle GRPr.
Dt« um da Tisch um gignjend esinmol bi d'rno''^ Güss,
wo-n-er [der vom Wein Angeheiterte] zum Besta git.
SCHWZD.
Über-: Überflutung, Schwall; Überfluss. ,Dass ir
nit mit inen laufend in denselbigen Übergüssen des
unordenlichen Wesens.' 1531/48, I. Petr. ; dafür jetzt:
47ä
ges,
gos, gus
474
,Aussch\veil'ung'. ,^'uperiluitas, überÜuss, übergüss'.
Fris.; Mal. Verlust des Fischers durch den wegen
ßestauration der .Rechen' herbeigeführten ,Ü.' der
Wasser. 1717, Absch. ,Die Stadt wurde mit einem
gählingen und unversehenen daher stürmenden Ü. des
Wassers überfallen.- JJScheuchz. 1746.
In-: Bettbarchent (Einlass), worein die Federn
gefüllt werden und worüber dann erst der , Anzug'
(die , Ziechen') als zweite Umhüllung kommt BsStdt;
Syn. Ge-fäss; Federete; Eeiti. ,Wenn nuwe federiten
oder ingüsse zuo betten, phulwen udgl. dingen ge-
macht worden sint . . . wie dick joch ziechen darüber
verslissen würdent.' 14'27, Es Kq. ,Und heisst der
husrat verändert, so man den betten und küssen nüwe
ingüss macht.' 152(1, ebd. - Vgl. bair. Ingusn = Gussform.
Leckerli-: 1. auf den Leckerli [kleinen Leb-
kuchen] angebrachter Zuckerguss. allg. — 2. das Eis,
wie es zur Zeit des Auftauens unter dem schmutzigen
Schnee hervorbUckt Es. — Bluet-: Blutsturz Z. —
Wasser-: Überschwemmung Vürte. ,W., ein ge-
wässer, schwal oder Überlauf des wassers, diluvium,
eluvies, eluvio, alluvies.' Mal. ,A. 1571 entstuend uf
die grossen wassergüss by uns ein ernstliche dürre.'
1571, Es Chron. ,Durch schlipf, wassergüss, Sturm-
wind.' 1769, ScHwKusn. LB. Syn. Wasser-Güsi, -Güssi.
Wuet-: plötzliche Überschwemmung, Wolken-
bruch. ,Swar das wasser gat ze mitten meien an wuot-
gosse [spätere Var.: ,wuotgussen, wotgusse. wytgus,
witgusse, wegus, wägis'], da soll man nüt schaffen
(soll nieman buwen].' XJÜ./XV., L Urk. ,An wuotgüss
und mosgraben.' ebd. (älteste Fassung). In einem
Urteile betreö'end Wasserrechte einer Mühle heisst
es, aus ihrem Kunse dürfen Nachbarn nur in den Mo-
naten März und April Wasser ableiten; zu andern
Zeiten des Jahres bloss dann, ,wenne als vil übriges
Wassers käme als ein wuotgüss.' 1353, Z Staatsarch.
Vgl. den Seh Flussnamen Wwet-ach. Die Entstellungen
des Wortes zeigen, dass dasselbe nach und nach nicht mehr
verstanden wurde. Die L Formen und die Schreibung mit s«
deuten indess auf mhd. güene n., Überschwemmung. Vgl. auch
'j'ii»; und Wii»«;.
(Jusel II m.: 1. Aufregung; Hast, (blinder) Eifer;
Verwirrung, Wirrwarr Aa; B; L. VgL Gang Sp. 338.
Im G. si', a) von einem Handwerker, en vogue sein,
grossen Zulauf haben und deswegen in freudiger Stim-
mung sein L. — b) sich für Etw. lebhaft interessieren,
aufgeregt sein B. Im G. hä", im Sinn haben, für
Eppü, für Etwas bestimmt haben BO. ,Der Herr
Amtsschreiber kam in G.' Gotth. Auch freudige Er-
regung, Lustbarkeit. Die grössti Freud het de Pfarrer
g'ha", wenn er d' Bure het chi'mne zur Hohfuer [dem
Schmause nach derselben sc] iJndc. /.m- dnii G. [Ka-
pitalvergnügen] si denn all Huri' ii/lmlr icnrdc". BWvss
1863. Kitzel, Mutwille: .Da,-, im la^ni ,i;eilen und
ungestümen Esel] diser g. vergange, soll }nan in ein
weil ein.si)annen und das mülinrad ziehen lassen, das-
selbig machet in etwas zämer.' Tierb. 1563. ,Boum-
gartner nimmt syn Ax und rybt den muotwilligen
Edelmann [Wolfenschiess] dermassen darmit uss, dass
er tod in dem Bad verbliben und im der G. wol ver-
gangen.' JJRüEGER. Syn. Gamel. — 2. (conor.) ein
Durcheinander, Gewirr, Gemisch; Abfälle, a) Moos,
Reisignadeln und Erde zsgemengt (zu Streue und
iUinger) Schw; vgl. Finder, Gesehmeiss. - b) abge-
fallene Getreidehülsen G; Syn. Güsel. — c) a) geringe
Waare, bes. kurzer, schlechter Hanf oder Getreide-
halm ZRafz, W.; Syn. Gudel, Gehüder, Gemüder. —
ß) nur halb gebrannter Branntwein. Fusel ZB. ; Syji.
Gungel; vgl. Güdel. — d) von Menschen (verächtlich),
gleichgültiger, nachlä«<i2:.M- ([.'-i'Ue. Lump Z; Syn.
Fötzel, Gudel, Hudtl S,nl,l. Srhlnji. Es ist alh'- G.
[der Auswurf der Gc.M'IUrliiilt j /.//< enoMd g'si'. Dim.
Guseli, winziger Men.ich oder Uing übh. L.
Zum Übergang vom Abstr. zum Concr. vgl. frz. hiauUlard
von brouilUr. S. die.Anm. zu üünd und vgl. das in seiner
Bed. vielfach anstreifende Tmeh — Für Bed. -2 c a gibt St.
aus ZNeft. das Fem. Gusle".
Er- n.: Ergötzung, Freude. Er hiit mit x'au Schatz
d's E. GRh. - Vom vb. er-,ju.h".
gusi! gusi! ruft eine Person, indem sie ein Kind
mit den Fingern stechend kitzelt ER. G. mache",
leicht stechend kitzeln EHa. (Kdspr.). S. guslen.
gusle": 1. neutr. a) in Etw. herumstöbern, -sto-
chern Aa; B; L; S. ,G., fodicare.' Id. B. Man guslet
in einem Ding (herum), z. B. in den Zähnen ; oder in
ein D. (hinein), z. B. in das Versteck einer Schlange.
,Die Meitschi täubeleten [geberdeten sich zornig] wie
Hornüssen, wenn man in 's Nest geguselt.' Gotth.
,Nun erhob sich ein Gebrüll gegen ihn, wie wenn er
in eine Wespern [Wespennest] geguselt, und akkurat
so fuhren die Menschen von ihm weg.' ebd. Daher
bildl.: in die Wespen g., den Zorn der Leute erregen,
ebd. ,Als ihr Mann mit einem Stecken unter dem
Ofen giiselte. s:n schniinzte sie ihn an: Was suechst,
du Stdji/i':' F.. Gull l-iil'.' antwortete das Mannli, di"s
Mul haii-i" ,i\,ia-hl: A,y\. Mit Stange" im Kebel
ummc" (/., /.iellos Jrciu f.ihren B. Spec: mit den Hän-
den in unreiner Flüssigkeit, in Kot wühlen, rühren,
wie es etwa Kinder tun B; Gr; L (tw. gü-) ; Sunw (gü-J;
S; Z; Syn. gudlen, kötlen. noderen. siiiiclen, sudlen.
,Im Bodensatz g. und uunühron.- tioiTu. Aiirli; ver-
schiedene Flüssigkeitrii. z. l;. W.is.cr uml Wem dureli-
einander mischen „LE.;- Z; unordentlich wasclicii S;
„Z'-; Syn. güderen, gausen. Im Heu, im Tabak g.,
unordentlich darin herumwühlen, davon zerstreuen,
vergeuden SchwMuo. Im Geld g., verschwenderisch
damit umgehen, ebd. Nur so drin umme g., zunächst
eig. und materiell, dann von einem Redner : ungeordnet
sprechen, das Thema oberflächlich und sprungweise
behandeln L. — b) zappeln, sich aufgeregt geberden
B; S. Syn. jasten. [Die Quaste im Winde] zapiM
und guslet. BWyss. — c) lustig sein Schw, schäkern
B; umme-g., sich lustig herumtreiben Schw. Vgl. en
Gusel-Abed, Lustbarkeit am Abend Scuw. — d) un-
pers., vom Wetter: durcheinander regnen, schneien
und .stürmen Schw; Ndw; Z; Syn. hudlen; sudlen. -
e) a) im Walde Moos, Laub und Tannnadeln ver-
mittelst eines eigenen Scharrwerkzeuges (GuslerJ sam-
meln ScHwMuo. — ß) den kurzen, unbrauchbaren
Hanf (bezw. Getreidehalme) mit saramt dem Unkraut
ausziehen und auf Haufen werfen ZSth., W. — 2. tr.
a) verbunden mit lok. Advv., aufstöbern, in Bewegung
setzen. En Atere' mit-eme Stecke' füre' g., Obs ahe'
(abe') q., es durch Rütteln und Stossen mit Stangen
an den" Zw.'igen zum Fallen bringen BS.; SG. Syn.
abc-stiijifni, -rigliii: yr]. Scliidh-Ktili. B'rüf ist er uf
d' 3liir iif," ,i\-.-t,ni,l," ,!•'■' h,l iCr Ihict mit-''em Stecke'
abe-<i'iiiisl,l UM. i ScIih /,!. i. fV/»/ ,1," Storche' z' Nacht
47S
Gas
ges
gos, gas
's Nest abeg'guselet. Hofst. ,So ein Bürschchen, das
seine entlehnte Pfeife gerade ausstreckt, wie wenn er
den Mond hinunter g. wollte.' Gottii. Viell. anders
zu deuten : Staub, Heublueme'' [als ,Güsel'] ab der Tilli
abe g. Bildl.: z'weg g., durch Intriguen zu Stande brin-
gen B (GoTTH.). — b) mit den Fingerspitzen od. einem
Stäbchen schnell nach einander Jmdn leicht stechen,
kitzeln B; L; S; Syn. ßusi machen. Er hät-e' mit dem
Messer guslet [eig. gekitzelt, iron. für: gestochen] S.
.Einen mit Spiessen g.' [vom prickelnden Brennen des
Fiebers]. Gotth. ,Der Major guselte [spornte] und
zäumte das Ross, bis es ihn zwischen die Räder warf.'
N. B Kai. 1844. — c) (übertr. u. fig.) Jmdn anspornen,
z.B. zur Arbeit; antreiben, plagen, z.B. einen saum-
seligen Schuldner, ihm keine Ruhe lassen, bis er be-
zahlt hat B; L; S; reizen, sticheln, necken BO. ,I)as
guselte [stach, wurmte] Uli, dass man ihn für einen
Geistlichen ansehen sollte, und es juckte ihn, recht
wüst zu tun, damit man ja nicht glaube, er sei besser
als ein Anderer.' Gotth. ,Wie weit mau mit dem Auf-
weisen [in politischen Dingen] und Zwegguseln kömmt,
das erfahren vielleicht die Jetzigen. Was sie erzwängt
und erkünstelt, blüht eine Weile, darnach verdorrt
es.' ebd. — d) schlagen, prügeln Aa; BsL. ; B; S;
geissein Ndw; Syn. fuslen. — S. auch guaihkn.
üf-: 1. aufrühren, z.B. eine trübe Flüssigkeit Z.
— '2. aufrütteln, -stören, -stacheln, -hetzen B. .Jetzt
war Alles wie eine aufgeguselte Wesper', jetzt herrschte
allgemeine Aufregung, Verwirrung. Gotth. ,Von denen
das eine ihn aufguselte wie man mit einem Stock am
Ende auch das trägste Tier auf die Beine bringt.' ebd.
,üie Männer aufgeguselt von den Weibern.' ebd. ,Was
kömmt beim A. und Zwegstüpfen heraus? Macht man
die Sache besser?' ebd. ~ er-: 1. tüchtig schütteln,
z. B. die Äste eines Obstbaumes mit einer Stange, um
die Früchte herunterzubringen B; S. — 2. durch-
prügeln Aä; Z. — 3. Jmdn unfein behandeln, hart
mitnehmen, ihm arg mitspielen, z. B. im Spiele aus-
beuten Aa; B; L; Z. ~ 4. durch Drängen und Treiben
erlangen B. - ver-: durch Regen und Schneegestöber
verderben Schw; 7. A dem Seehsilütetag, ico sid
Menschegidenl-e immer vergtislet, verregnet ist v'nrden
Z (Schwzd.).
Gusle" I f.: 1. weibl. Schwein BBe. — '2. un-
reinliche Weibsperson BGerz.; Z Zoll. — 3. Rute,
Peitsche S.
Für B kommt Gud, Schwein, in Betrticht, für Z ist es
nur Feni.-Form zu Oxiad S il ; Beii. 3 zu (juab-n, peitschen.
Gusler m. : Werkzeug zum guslen 1 e a, etwa 4"
breiter eiserner Haken zum Scharren, an einem höl-
zernen Stiel ScHwMuo.
Guslete" f.: 1. unreine Vermischung von Flüssig-
keiten LE.; Z;" Syn. Güderete". — 2. Sudelwetter,
mit Schnee vermischter Regen Z. — 3. Haufen Ge-
treideabfälle GF., G.; Syn. Güsleten. — 4. Streit, ge-
genseitige Verspottung S. ,Digladiatio [Wortgefecht].'
Id. B; Syn. Gefeck; -fetz.
Gusli m.: Aufstöberer, -störer B. ,Die Landvögte
seien verschieden. Einer sei ein Schlufi, der Andere
ein G., der Eine lasse Alles schütten, der Andere
stöbere Alles auf.' Gotth.
guslig: 1. „trüb, z.B. vom Wein Z;" Syn. tusel.
— 2. stürmisch, vom Wetter Z. Im gusUge' Lebe".
CORRODI.
Gusi III II. L; Ndw, f. ScHwMa.: 1. Regen- und
Schneesturm; kurzer, starker Schauer L; Ndw, Ge-
witter (etw. scherzh.) Schw; Syn. Bläst. — 2. Sturm
in der Haushaltung, heftiger Streit Nuw. — 3. Un-
gemach Ndw. — S. Anm. zu Güael. Das Feoi. scheint eig.
vom Nentr. getrennt und zu l?ii»t gestellt werden zu müssen.
Wasser-: daher stürzendes Wasser mit Schlamm
ScHwMa. — Wetter-: durch ein Gewitter verursachte,
Schutt und Geröll mit sich reissende Überschwemmung
ScHwMa. Syn. Rüri.
gusine" gusene: stürmen, wettern. Uf de. Berge
gusenet 's der Winter esie brär Ndw. Nächtig hed 's
grad fri schihi g'gusenet Schw. Syn. guslen.
Gusene" f. BSa., Gusi n. BO., meist dini. öitsefi;
= Gausi. — Rugg-: im Gegs. zu Hand-G. am Rücken
getragenes, grösseres Milchgeschirr BO.; Syn. Brente.
Güss, güssen (-ii-J s. Güns; Giess.
Gilsel, in BO.; „S" Güschel — m. AAtw.; BsL.
(auch G'hüsel); BBrisL, 0.; L; „S;" Sch; Obw ; Zg;
Z tw., sonst n.: 1. das Durcheinander Aa (It H.). —
2. allerlei leichte Abfälle, bes. von Getreide beim
Reinigen, wie Grannen, Hülsen etc., Rückstände von
Stroh, Heu auf der Bühne (Heublueme'J, vom Hanf
und Flachs beim Brechen, allg. ; der beim Sieben der
Heublueme" entfallende Staub AAEhr. Wenn 's a«
Pfeiste" [Pfingsten] regnet, so macht 's G. i' 's CIwrn
ZW. /" 's (de") G. gö", in eine Lagerstätte von Heu
(-Blueme«) gehen AAWohl. ,Das G. g'hört i" d' Wanne",
die Tür verlangt ein Schloss, die Kellen will ein
Pfannen usw.' Stutz. Se bald mer zweu Drasch händ,
so rechid mer ab und cherid 's und rechid aw* 's G.
nö''' drab. Häfl. 1813. G. fStrauJ im Ghopf ha',
schwer begreifen, unklar denken ZW. , Obermüller
soll 30 p um g.' 1489, Z luv. ,Ich wird der weit ein
schouspil werden, veracht't wie 's g. uf der erden.'
Aal 1549. .Wenn man in dem Tenn tröschet, nemmen
die Wind die guten Samenkörnli nit hinweg, sonder
das Spreur und G.' JJBreit. 1629. ,Wann man den
G. vom Korn hinweg tut, so wird oft auch ein Körn-
lein mit hinfallen.' Mise. Tig. ,So man in einem Dorf
Heu, Strau, auch G. verkauft, sollen die Einheimschc
der Gemeind Zug[-recht] hierzu haben.' 1II53, AAWett.
Klosterarch. ,Den G. von dem Korn, die Spreuer von
dem Waizen hinwegtun.' JJUlr. 1727. ,Der alles
Andere für G. haltet und Gedanken und Absichten
nach dem, was droben ist, richtet' ebd. ,Das Spreuer,
den G. verbrenn er.' JBOtt 1736. ,Die Körner nicht,
sondern nur der Staub und G.' Z Nachr., Mars. 1771.
Syn. Ge-hüliK — 3. Kehricht Aa; L; Sch; Schw; Uw;
Syn. Bächt; Wüscheteit. .Kein unsuber wüest ding
noch g. in kein kilchweg noch ander offen landstrassen
schütten.' 1.519/44, Schw LB. ,Gar kein g. nienert in
die BÜSS schütten, auch gar kein rümeten, was nit
den nächsten [sofort] das wasser verflötzen mag.' L
Ansehenb. ,Wuost und g.' ebd. ,Jetz bekleidend die
schaben meinen leib, auch g. und staub.' 1560, Bis.
,Peripsema, quisquilise, nauci, pulvis, abfylet&n. und
das, so man ab eim ding schneidet, auskereten, aus-
wüscheten, g., gestüpp, staub, g'räsp, alles das man
ring hinwirft.' Fris.; Mal. ,Die form des toufs one
beschweren, salz, g. oder .stoub, crützgen und crisem.'
HBüLL. 1570. — 4. Sclmtt. ,MitG. beschütten, ruderare.
Rudus, alte, zerfallene Maurstuck. Kalchscherben,
Gas, ^'es. Ris, jjo.s, gas
478
Stciii-G. (,'alcar[i]iB, Güsel und Gestand, damit man in
(Ion Belägerungen die Gräben ausfüllet.' Üenzl. Ici77;
17U!. — 5. Keisig und dessen Abfälle ZB.; Gestrüpp,
wertlose Sträucher, wie Dornen usw. ,|Dass] die
Lehenleute, wo Stechpalmen und andrer G. vorhanden,
angehalten werden, solche Ort zu putzen und Heize-
wellcn daraus zu machen.' 1753, Z Staatsarch.; Syn.
Gusel. — 6. auch von Flüssigkeiten: „Spülwasser,
Mistjauche Gl." — 7. Ausschuss, Auswurf übh., das
Schlechteste einer Gattung oder Sache; auch von
Tieren und Menschen: geringe Stücke, Gesindel, allg.
Syn. Gusel; Gusel- u. Güsel- War; Ge-schlüder; z.B.
schlechter Schnupftabak üw; Z, Ausschusswaare bei
Krämern, ebd. ; junges, schlechtes Schwein BSi. Hs
tiiness afe-n'Öppis von-üsem junge Güschel [Schnial-
vieh] fürt. Schild 1885.
Die Vergleichung von Ousel und Güael lehrt, dass beide
W\V. im Grund identisch sind, ganz wie G'rumjxl, Gepolter,
lind G'rümjiel, polternde Waare. Eine ähnliche Differenzierung
durch den Umlaut findet sich ausserdem \n Fluchr : FVüder ;
(lutld: Güdel: Sudel :Südel; Strudel : Strudel u.a. Wie nun
Sndel von nieden abgeleitet wird, so setzt auch Gusel ein
starkes Vb. gienen voraus, das erhalten ist in an. tjiom, efflare,
wovon jei»« (hievon der isl. Sprudel Geisir) brausend hervor-
brechen, stieben, wozu auch Gusi III und Güni. Ähnlich
wie Strudel vereinigt also Guad (bezw. Güsel) die abstr. Bed. :
schäumende Aufregung, Verwirrung, mit der sinnlichen : Wirr-
war, Gewirr, dann Abschaum, vom Winde gewirbelte Spreu,
unordentlich gekleideter Mensch usw. Vgl. noch frz. houillon,
Sprudel; (ig. Aufwallung, Brausen; dann: Fleischbrühe;
Mistjauche.
Fench-: Hülsen. Spreuer, von Hirse, Fennich.
,Auf die Vogelherd wird Feichg. getan.' 1780, ZWipk.
- Frucht-: Spreuer und Hülsen von allerlei Ge-
treidesorten. ,'200 Wannen Fr.' BsL. (Zeitung). —
Gerste"-: die Abfälle, bes. Grannen der Gerste nach
dem Dreschen, als Bindemittel unter den Lehm ge-
mischt, allg. ,G. wird gekauft in der Ziegelhütte zu
Liestal.' (Zeitung). .Trocken, wie G. und Haberspreu.'
Stutz. — Haber-: die Hülsen der Haferkörner, als
Füllsel der Bettkissen verwendet Th; Z. ,In Pfulmen
und Kissen hat es aber keine Federn, sondern nur
leichtes H.' Stctz. — Hanf-: die Hülsen des Hanf-
samens.' .Habe H. auf die Vogelherd gestreut.' 1780,
ZWipk. — Chorn-: Spreuer von Korn, d. i. Dinkel Z.
,0b ich von K. für mich verwendt und genutzet habeV'
JLWeissenbaoh 1772. — Ratsch-: Abfälle vom Hanf-
brechen (Ratschen) L.
Stein-: 1. Stein-, Mauerschutt. Denzl. LJ77. —
•J. l'üanzenn.: alura. ebd. u. 1710. — '2 irrtümlii-li st.
,St.-günseI, consolida potriea' (Tabernäniont.).
Turpe"-: kleine Abfälle von Torf Z.
,güs(e)lig: Auskehricht enthaltend VOktk; Z."
güsle": 1. a) auch gusle', fein zerbröckeln, zer-
fallen Ni)W; Syn. brosmen. — b) schnupfen, eig. Güsel
(schlechten Schnupftabak) nehmen UwE. (scherzh.).
— 2. tr. a) mit Güsel (blossen Abfällen) ernähren.
Kn (fstücklete Mä, e g'sprilrets Boss, e g'ijmlcls Chind,
sind alli drü glich g' schwind. S. epflen Bd I .38-1. —
b) (auch guslen) leichte Abfälle (Güsel) machen, fallen
lassen Ndw. — 3. = guslen 1 u, d.
Geisse°-Güseli s. -Gänseli Sp. 373.
Giisi f.: daher brausender Wasserstrom, -Flut,
Überschwemmung, Wolkenbruch Gr; Schw. Das ist
die gross G. g'si"; va" dere' d' Historene' erzelle' tuend.
MKuoNi. Und alles jäset durenand [an der stürmi-
schen Landsgemeinde], « G., rasig, ani Bort. Brohin.
,So wird in die gase der grossen wassern nit berüeren.'
1531/48, Psalm.; dafür 1530: ,wasserflüss'; 1607: ,die
Güsse.' ,Der sprützwall soll sich zu zelten mit seinem
grind über das wasser heraus strecken und ein grosse
güse Wassers, so er in sich gefasst, herabkotzen.'
FiscHB. 1563.
In der ä. Lit. ist unser W. von dem Syn. Gümi schon
aus Gründen der Orthographie (s, ss, ß) nicht immer zu
unterscheiden. — Da in den Alpen sog. liüven, Geröllhaldeu,
meistens durch eine Güsi veranlasst werden, so gehört viell.
auch hieher: ,de bono Güse.' XIV., L. S. Gun und die Aum.
zu Oilsel und vgl. ahd. gusu (PI.), plötzlich hervorbrechend«
Wasserströme; mhd. giue, neben gunn, gütse. S. Giusi.
Milch-Güseli: Kuh von äusserst reichlichem
Milchertrag, die eine Güsi, einen Schwall Milch gibt
Gk. Gfreuter ist ds Stärri [Kuhname] g'sl, (fheiss-i
hed ma 's ds Müchgüstdi GnSchiers (Schwzd.).
Wasser-Güsi: Überschwemmung GrD. ,Wo erd-
prüstinen [Erdschlipfe] oder wassergüsinen die weg
zergangint.' 1472, GBurgau (Otfn.). ,Schwer wetter
mit regen und hagel und wassergüsinen.' HStoikar
1520/29. .Cataclysmus, ein wassergüssc (,-güse.' Mal.)
oder sündfluss.' Fris. ,Langwirige regen, wasser-
güsinen, verhergung der güeteren.' SHocuh. 1591/1693.
,Auch ungestüm gross Wassergüsen warend ungwonter
Zeit eing'risen.' JDenzl. 1031. .Allerlei Wassergüse-
nen.' JHHott. 1666.
Güssi (-Ü-) s. Giessi.
Güssi f.: Wasserguss. ,Ein sölich regen, dass man
nacht lüt uf die blaiche schickt, die liuwat ufzehcben,
damit sie vor der gufsi errett wurde' Vau. — Win-:
Überfluss an Wein. Mey., Wint. Chr.
Wasser-: Überschwemmung, -Flutung. .Gross
wassergüßi im Niderland.' Kessl. ,Ein solche wasser-
güssi, dass die Eulach ist übergangen.' 1544, Mev..
Wint. Chr. ,Die Wassergüsseneu haben Alles verhert.'
1602, Z Urk. ,Mit Donner- und Stralstreichen, mit
schädlichen Wassergüssenen.' Z Mand. 1664. ,Gott
hat sie zur Buss vermahnet durch Wassergüssenen.'
JJMüLL. 1665. ,Bei der grossen Wassergüßi in den
eidgenöss. Landen war die Thur so gross, dass . . .'
Mem. Tig. 1742.
Die Schreibung Kesslers und Anderer führt auf Wu»«i
(diex^ii. •!<. tlass. wenn wir noch Güsi in Betracht ziehen,
3 Fhhihii ('.'"-/. '.^(««1, Güssi) zu unterscheiden sind; das
letzte' 1^1 iiih-l. 1/ , ahd. gussi, gut. ' giit-thi, Überschwem-
niuun. /n .,/"'■■". -irssen; vgl. gr. jföais.
„gilssig: 1. tliessend L; Z." ,Li(iuidus, das rünnt
wie wasser, g. Lii^uor, saft, füchte, g. ding.' Fris.;
Mal. .Nit Salb, das sich streichen lasst, sondern das
g. und flüssig ist.' FWyss 1650. — 2. vom Regen an-
geschwollen, überflutend. ,Der Tiber war so merklich
gross und güßig, dass er vil hüser underfrass und
umfallt.' Vad. — Mhd. güssig in Bed. •-'.
bluet-: blutrünstig. Wer mit bewaffneter Hand
auf einen eindringt oder schlägt, ohne ihn ,blutgüssig'
zu machen oder .herdfällig'. 1551, Zg.
(iusle"IIf., Schnegge'-: Schneckengehäuse, -Schale;
auch von andern Schaltiercn, z. B. Muscheln Gl. -~
It. gusriu, conmsk. gusu, doch wäre Einwirkung von Guiil ■:
nicht undenkbar.
(Jascli. gesell, giscli, goscli, gnsrh
480
Gasch gusch. Vfl. aiu-li diu GniiniL' tluisrh usw.
„Gasclie° Gasch, f., Dim. Gaschili: Schweiu W."
Oäschi I n.: unordentliche Weibsperson Gl; Syn.
Hanschi, Täschi.
gäschenen, Gäschi II s. ha-g.
a"-gaschiere°: anwerben GG.; Ndw; Z (i^J.
Frz. emjmjer, mit volksetymologisclier Wic-Ourgalie des
frz. Ol- durch die Präp. an.
Gäscherne s. K-.
Gaschi I, in GRKübl. Gätschi — n.i 1. kleiner
schlechter Eauni in einem Hause GnPr. — 2. Hütt-
chen (z. ß. Huniiestall GRKübl.), kleines schlechtes
Haus Gr; W (i').
Der W Form liegt rom. mm zu Grunde (vgl. noch Kä-
schtrne) ; fraglich ist, oh die Gr-schen nicht ein anderes W. seien.
Gäscili n, in der RA.: Jnidn i" ds G. iibercho",
fangen, übervorteilen, betrügen BHk. — Vgl. frz. nuhe,
Versteck, oder enge, Käfig.
(iäschi III (nur als PI.): Zwiebel GkI».. S\<\.
gase hie" s. gästJen.
gattSChele" (i'J: gaukeln, schäkern BU.
Würde sich, wenn nicht lautliche Schwierigkeiten be-
ständen, leicht zu ijuuuMen II fügen; vgl. ijuschelen.
Gescher s. Geschner.
er-gänschle": stark schütteln, wie z.B. der Sturm-
wind die Waldbäurae üwE.; Syn. er-guslen, -gasten;
vgl. auch gautschen, gäutschlen (nur von Flüssigkeiten).
Gesehner tu') Gl, Göschner, bezw. Ge- BO.; Gr;
GA., 0.; „ScH;" ScHw; Uw (-i--j; U; Z«, Götschner
ScHwMuo., Göstner G oT., Gerschner Gl; SchwMuo.,
GcschmerBü., Gi'sCsJmer GG., Rh., Göschler GG.,
ü.; Uw r-i'-J, Gastier ZWäd., Gescher r-«'-; Bü. (in
BSchw. e) — m., Göschle» {-i-'-J f. GT. : kurzer
Besen. 1. zum Schwingen von Kahm Gl; GO., W.;
Uw; U. — 2. Scheuerwisch aus harten Wurzelfasern,
Heidekraut oder geschälten Tannzweigen zum Reinigen
der Kuchen- und Sennereigefässe. aaOO. ; Syn. Brüsch-
Besem, Bibel. — 3. ,übertr. a) dürres Tännchen BO.
— b) von Raupen zerfressener Weisskohlkopf, ebd."
ge schere": mit dem ,G.' Geschirre reinigen BSi.
— geschmere": grünes Gewächs zernagen, dass
nur noch die Blattrippen übrig bleiben BO.
„gii(t ) ^' li Ir" : üahm quirlen oder mit einem
Schwinyli.-i'ii miiiuliien Obw." — er-gös chn ere":
tüchtig sclihigcii. ^eisseln ÜwE.; Syn. iis-fitzen.
Gensch m.: eine Art Kuchen GkV. Syn. Tmchtcr-
Kuechen, Strühli.
Giesch m. : 1. grosses, weites Maul BO. ; „LG.";
verächtlich für Mund übh. ebd. — 2. dim. Giescheli,
schmächtiges, zimpferliches Mädchen S. — 3. grosses,
unförmliches Ding übh. LG. — 4. unbeholfener, un-
geschlachter, roher Mensch, Maulaffe LG. ; SciiwMuo. ;
Ndw (auch Giest). — Giesche" f.: Schwätzerin,
Schreierin B.
Steht mit dem zu 1 syn. Gmclien im Abl.-Verhältuiss und
geht mit diesem zurück auf ein ans ahd. gmeön zu erschliessen-
des gcHcun; vgl. Giel : gellen und s. Anm. zu Ovl. — Betr.
Bed. 2 Tgl. ti/iaMi ans Gmchen.
giesche": 1. mit lauter Stimme sprechen; Lärm
machen; brüllen B. — 2. „krumm, quer hangen oder
gehen Scuw." — 3. sich ungeschlacht, unartig be-
nehmen Ndw. — 4. auf dem Stuhl hin und her rücken
BE., ü.; Syn. fieggen, gagen. — umrae"-: als schlech-
ter, unartiger Mensch herumziehen Ndw. — „gie-
sch ig: 1. gross, unförmlich BO.; LG. — 2. quer,
krumm Schw."
Gösch I m. : grosse Menge, z. B. e ganze G. Epf'el-
mios [-Brei] Obw.
Gösch n GRh. (meist PI. -e») , Gorsch Av,
„Gortsch GRh." — m.: Kind, doch meist in gering-
schätzigem S. — Viell. eine der vielen Spielformeu von (iof.
,, görschele": sich kindisch, läppisch betragen
Ar; GRh."
Gosch ScH, sonst meist G-e' f-i'^-J, in L tw. Gor-
sche" f., Goschen m. BR. (neben Goseha f.): 1. Maul
des Rindviehs ScnSchl.; Schnauze, z. B. des Schweines
AaF.; BsL.; G; UwE.; ZS. ,Natur gab, lieber Pom-
mer! mir zum Singen diesen Schnabel hier, die Gosche
dir zum Bellen [spricht die Wachtel].' RepubL Kal.
183(5. ,0 unerhörter Schmerz der Tatzen sanmit der
G. [des eingeklemmten Bären in der Fabel]! 0 grobes
Volk, das noch sein ganzes Fell zerdroschen!' Z Neuj.
Const. 1745. ,Inhians tria cerberus ora, der seine drei
göuschen oder Schlund auftat.' Fris. — 2. grob, vom
menschlichen Mund (für welchen Mul der gewöhnliche
Ausdruck ist), verächtlicher als Gefrh" Aa; Bs; B;
VOrte; Gr; G; Sc»; S; Tu; W; Z, verstärkt Söti-,
Schand-G., in milderndem S. Gusche ZO. Syn. Götsch,
Läff, Wafflene s. u. Gefräss. Halt 's Mul, oder i'''
gib-d'r Ei-s i' (uf) d' G.! Er hed es Mul, es gab
7 G-e», ist ein prahlerischer Schwätzer L. I"'' g'hör-
di'''; heb doch aw'' emal d' G. zue! Stutz. ,G., rictus,
OS. , Hättisch d' G. üfta", cur id reticuisti. Ich mein,
er cha"' Gosche' [sie] brüche', eben quam non In-
exercitata est lingual Ei'"m d' G. g'schweige", cohi-
bere linguam alicui.' Id. B. ,Guck auch, was er für
ein Maul macht, fast wie eine G., könnte ja eine ganze
Pastete hineinstossen.' Z Kai. 1803. Göschfeßi, Mäul-
chen. Gim-m'r dt' 's G., reich es mir zum Kusse;
vgl. Gefrässli. ,Du geini [Gähner], tue d' g. zue!'
BBuLL. 1.549. ,Rictum distendere, den Schlund auf-
tuen, die g. zerzeren.' Fris. ,Wer syn G. nit g'mei-
stern mag, derselb es nachwärts Niemand klag.' 1641,
JDtTJz. ,Das Maul, Mund, Gösch. Geläff, der Peil,
OS, bucca.' Red. 1662. — 3. (pers.) frecher, lästiger
Schwätzer. aaOO. „Göscheli, Person, bes. weibliche,
die in Alles unberufen hineinplappert L;" in günstigem
S. als Schmeichelw. für ein Kind Bs; B. Lieb Göschli
du! an den Mond Bs (Hindern!.). — 4. Maulschelle.
,Y, dass ich dir [einer unüberlegt schwatzenden Frau]
nit gib ein G-en!' ChMurer 1596.
In Bed. 1 und 2 auch bair. und hcuuib. S. Aaui. zu
Uiiwli; anders Gr. WB. u. „Gause".
Fre ss-Gorsch: im L Kdl. vom Haushalt (s. Tohl.
VL. I 153) Name des Pferdes.
gosche" 1 Scu; Z, goschne" LV.: laut sprechen
LV.; verächtlich für sprechen übh. Scu; Z. — ,gö-
schele": das Mäulchen stets offen halten, in Alles
unberufen hineinplappern L;" aufbegehren B.
gosclie" II: refl., sich beschädigen, bes. sich einen
Leibesschaden zuziehen ApL, H. ,G., verwunden.' kv
Id. bei T.; Syn. schänden.
481
l1i — ^iisch. (Jas|i Kusii
■182
gosche" 111: I. sich spielend lierniuzerren, schä-
kern t)BW; .Syn. (latschen, gäutschen, güschen; vgl.
giisch. — 2. hin und her markten, ebd.
goschen IV s. güschen.
gOSCh (-i'J: dumm, einfältig BE. — Giisch m.:
Einfaltspinsel, Tölpel, auch Spassmacher L; Uw; Geck
L (St."). Syn. Gdl, Gäutsch.
Göschfe") Ap; Gl; Gr tw.; G, Güsch(e°) -m*-"
GRtw.; GO., Eh., „Gusch Z" — f.: 1. Hündin Ap;
Gr; GMarb.; (Göschli) Hündchen Ar; Gl. — 2. lieder-
liche Dirne Ap; Gr; GKh.; „Z"; Schelte für ein un-
ordentliches, schelmisches Weib GW.; wildes, unge-
zogenes Mädchen GRSch.
Die Bedd. 1 u. 2 vereinigen auch die Syun. Fäutsch
|Bd I 1141), Gäuturh uud Läutnch. Vgl. fräuk. Ku-rh.l,
t'euiinal, bei Schm.-Fr.; viell. ist aber für die Z Fonn frz.
ijouge, Dirne, zu erwägen.
göschig s. güstig.
gnsch I tkui'): Zuruf an die Hunde, sich zu legen,
zu ducken oder wegzugehen Aa; B; Gl; Gr; Sch; Z.
■ Wie man einem bösen Hund, wenn Jemand naht, G.
sagen muss.' Gotth. .Setzt sich auf 's hohe Iloss,
wenn er kusch machen sollte unter den ersten besten
Ofen.' ebd. Auch als Zuruf, etwas Gestohlenes ab-
zulegen B. — Aus frz. cviu-he-(tui)!
guschele": schlafen (Kdspr.). Zu Guschi.
gusche": refl.. in dem Zuruf: gusch-di''', leg dich!
Gl; Gr; Z. Übertr. auf Fers.: Er mues si"* g., sich
unterwerfen, klein beigeben Gl; Gr. Abi. guschten.
Guschi n.: Bett, bes. in der EA. i" 's G. gä', im
G. si", Aa; Bs (auch -e); G; Scuw (i'-); Z (tw. i').
Hand halt früeh müesse' us-em G. hüt. Stutz. - Aus
der frz. RA. aller »c couchei:
gusch n s. giist.
Gnschel (-«-- Z) m.: 1. wer schnell uml unver-
ständlich spricht, Plaudertasche AAWohl. — 2. un-
achtsamer, linkischer Mensch Z.
gusch (e)le" I »- u. »' Aa, »' L — dira. gilschele"
AaS.: 1. lallen, undeutlich, leise, aber lebhaft spre-
chen, flüstern, wie z. B. Kinder, Vorliebte, Betrunkene
Aa; L; S; Schw; Zg; Z. Wenn 's Meitschi numme"
nit so übel g'hörti! Do chönnte'Jo d' Dienste' [Dienst-
boten] e'sämme' g. und 's f^r Narre» ha' [sagt der
Freier] S (Joach. 1883). ,N. N., der etwas Küchen-
französisch herbrachte, lehrte unsern Eudolf, so gut es
gehen wollte, ein wenig g.' — 2. zwitschern, wie die
Vögel z.B. in der Morgenfrühe Schw; Zg. 's Schtcälmli
giischlet Ei"m xu Itiiik und nett und briglet dur''' en-
(imler. Henu. Und mit Fresse' got's und G., just wie
iif'me Vogelherd. V. d. trocknen Brüdern z' L. — 3. von
geräuschvollem Fressen, wie z.B. der Schweine L;
C)bw. — Lautnialeud. doch vgl. auch das syn. IcümUdai.
Guschle" f.: redselige Frauensperson AaF.
guschle": suchend in Etw. herumwühlen, -stöbern,
zuweilen mit dem Nbegrifl': durch einander werfen,
in Unordnung bringen LHorw ; Zg ; Z. Im W'i' g.,
ihn durch Mischung verfälschen Z. Daher übh.: im
Handel sich Unredlichkeiten erlauben Z.
Vgl. das syu. ijuahn, zu dem es viell. bloss lautliche Nbf.
ist, wie Giwchel zu Gund. Doch vgl. auch ijiuKhdtn.
Gusche" f.: Oiirfeige GMarb.; Syn. Goschen 4;
Huschen; vgl. auch er-gutschen.
Schweiz. Idiotikon II.
gnsclie" II WLeuk, güi'e GO., feilsche Gr, goschelV
()bw : stürmen, bes. bei Schneegestöber. Syn. gusenen,
gnslen, guxen, bustren, buxen.
Gi'ischuiig: 1. n., liederliche Dirne Sciiw. — 2. m.
a) Wüstling ScHwE. — b) Schuldenbote. ebd. (ver-
ächtlich). - Frz. cochon.
GUsche" C-'^-J f.: kleines Fuder Heu GRSch. —
Wenu wie das syn. Jückerli Ausdruck der Geringschätzung,
viell. zu der folg. Gruppe.
„güsehe": kindisches Spielwcrk treiben ß." Syn.
goschen III, gäutschen.
,G Uschi n. : Sache von geringem Wert, in phys.
und moral. S. B." — Vgl. «br. .luch tin,chi-(hui, -War,
Giischer m.: unartiger, ungeberdiger, nachlässiger,
kleiner Knabe B; Syn. Näscher.
güschig s. güstig.
Gaspel m. : 1. Unruhe. Aufregung, unruhiges Trei-
ben AAEued. D'r [ihr] glaubet nid, ivie mi''' Deis
[Jenes] wider in e" G. i-e bracht het! Gysi. — 2. flüch-
tiger, oberflächlicher Mensch AaF. — gasple": un-
ruhig hin und her fahren; flüchtig, flatterhaft sein
ZW. — gasplig: unruhig, hastig AaF.; ZW. - Im
Abi. zum Folg. mit Auklaug an das syu. , Haspel'.
Gispel m.: 1. unruhiger Mensch mit fast fieberhaft
lebhaften Bewegungen, bes. von Kindern, Springins-
feld, flatterhafter, leichtsinniger Mensch Aa; Ap; Bs;
B; Gl; Gr; L; G; Sch; S; Th; Zg; Z; Üyn. Fläugel,
Gahli, Güspi, Haspli, Strudler, Wispel, Zwirbli.
Gispeli, kleine, butzige Person Ap. ,[Der geistes-
gestörte Priester] trage die Paramente in die Kirche
wie ein geladener Esel und als ein G., nit wie ein
Priester mit Dezenz.' 1640, Esterm., Neud. Im Z Kai.
1724 wird ein in misslicher Lage sich Befindender als
,der arme G.' bemitleidet [wohl eig. Einer, der in Un-
ruhe nach Hülfe hin und her läuft]. — 2. „sehr un-
wirscher Mensch Ap; Gl; GKh." (St.'').
„gisple": 1. flattern, sich leicht hin und her
bewegen L. — 2. ein jugendlich lobhaftes Wesen
äussern L." Syn. gisplen, xvispen.
Gisperli: = Gispel 1 S.
(umme"-) gisple": 1. hasten, eilfertig herum-
fahren, z. B. bei einer Arbeit. aaOO. (s. Gispel).
B' Müggli tanzed und gispled und huspled durenand
Z (Schwzd.). Etw. ,ä«e g., mit flüchtiger Eile tun."
— 2. hastig sprechen S, leichtsinnig und übereilt
handeln. — „er-: mit Hasten Etwas gewinnen." -
„ver-: 1. seinen jugendlichen Leichtsinn abstreifen. "
— 2. (tr.) Etw. zerstören, verderben, aus Übereilung
verlieren oder verlegen.
gisp(e)lig: flatterhaft, unruhig, zappelig, bes. von
Kindern. Wo-n-e g. Wasser dur'-abspringt [über den
Abhang]. APletscber 1880; Syn. g'fi.siicrig.
„Gisper n.: Kehricht |cig. leicht beweglicher
Stoft']; auch von kleinen Spänm (coli.) Uw;" Syn.
Güster.
Gasp-^gusp. Gast— gust
Gnspe" ni., It St. auch f.: 1. Stachel, eiserne Spitze,
hes. an einem Stock Gl; GrD.; GW.; Pfeilspitze GG.,
auch der ganze Pfeil GSa. — 2. vierseitig zugespitzter,
stark vorstehender Nagel in den Absätzen der Berg-
schuhe Gr; GW.; Syn. Ruch-Nagel; Gegs. Pali-Nagel.
S. noch G.-Schueh. — 3. mit solchen Spitzen ver-
sehenes Fusseisen GSev. — 4. Quendel. Thymian,
thymus serpyllum GG.
Aus lat. CK«;)!», Spitze, Stachel. — Die Pflanze so be-
nannt, weil ihre BlUtenstengel wie Spitzen hervorragen.
ver-guspe": mit Gewalt brechen GWe. — Eig.
mit den ,Giispen' zerstören.
gnsper(ig): munter, heiter, lebhaft, aufgeweckt
Gr; GaL., W.; Sch. ,Sie ist mir zu g., sie lacht und
scherzt so gern.' Sch Pilger. — Guspi m. Gl, Güspi
n. ScHwMuü.: flinke, zapplige, gewandte Person. Syn.
Büspi. — Eine durch die Familie ,Gispel' beeinflusste Nbf.
von buHjjer.
Gast— gust.
(iast 1 — PI. Ge'»« ni.: 1. wie nhd., doch im ordi-
nären S. wenig gebräuchlich, dafür Dörfer, Bfejsuech,
Wimte und coli. Gasting. a) ohne Nebenbegr. oder
mit günstigem S. Z' G. gä", si" Z, -cho" Bs, auf Be-
such. ,Im Schloss z' G. essen.' Schimpfr. 1651. En
guete Gast chunnt u'g'lade: Sclger. Ben ung'ladne'
Geste' ist nit 'tischet [gedeckt] Z. Aber auch: Nw
inne! 's ist Alles G., Jedermann ist ointreladen. Zuruf
an Anpochende Z. Er lad't gern (hi^l n, ,iii,lrer Lüte
Hüser. SuLGER. D'r Tod isch < .-li;i,,ir ,ih,:r au e
g'rechte Gast gegen Alli S (Häiig.i,aj. Gc<!tU, Kind,
das bei Freunden zu Mittag isst Sch. Wottst [willst
du] tiesers G. sl"? Z. ,Ze gaste geben bezw. nemen'.
in Schuldvcrhaft. .Kummet [der Schuldner] nüt für
[auf das ,Fürgebot'], so git der richter dem kleger
den mann, an den er klaget, ob der kleger will, ze
gaste.' 1297, ZWthur. Stadtr.; vgl. Gisel. ,Die würt
[Wirte] sollen d'heinem heimschen gast über 10 ß
ufschlachen noch borgen.' 1564, Hagenb. Sigr. ,-\.tzig
in dem Berg und Weid für ein s. v. Chuo 1 fl., der
Stier aber soll G. sein.' 1670, Schw. Bildl. Gästli
nannte der Bs Zofingor-Verein in den Dreissiger-Jahren
sein Vereinsblatt. Von Wettererscheinungen : D'r
Sehne i' (uf) den Estflenje' rüeft andere' Gestflenje',
vom späten Schnee im Frühling BBe., R.; vgl. früeh
Bd 1 1293. — b) unwillkommenes, überlästiges Wesen,
das über Einen kommt, Einkehr hält, a) von frem-
dem Kriegsvolk. allg. ,Dise Stadt ist von den Fran-
zosen erschröcklich ingeäschert worden. Linker Hand
hatten dise Gast [die Feinde] nicht zukunimen können.'
GKöNiG 1695. — ß) von Insekten, z. li. Motte. Schabe
in Kleidern, tinea sarcisella L. Gest ha". .!. i. Läuse Z.
— y) ein Schmerz, ein Übel Z. - S) „Lichtschnuppe",
Kolben, verkohlter Docht an einer Kerze oder Lampe
„BHk."; L; man sagt von einem solchen Lichte auch.
es habe .Visite'. — c) mit völliger Abschwächung des
eig. Begriffes, mehr nur Füllw.. als subst. Träger des
in einem Adj. oder einem genetivisch verbundenen
andern Subst. {Hiieren, Ketzers, Krüppels, Tüsigs ndgl.)
enthaltenen Begriffes des Lästigen. Widrigen, Ekel-
haften; doch nicht immer im strengsten S. Wüeste''
G. Aa; Ap; Vürte; ScH; S; Z; Syn. iBüeste Geist.
W^"-m'r chäme'd wie so loüest, w. Gest, s« war 's-d'r
aw'' nüd recht. Die icüeste' Gest [Kinder eines Nach-
bars] loelle'd-mh- d' Bone' ne'. De"" ful G.! wie si
au''' d'rvo' hötschet. Stütz. Pack-di"'; du leide'' G.!
zu einem zudringlichen Tiere Gl. En müedc G.,
ermüdend, lästig G; Th. ,Du unverschämter G., dass
du mit solchem Wüeten mich überfallen hast! ' ECMey.
16.^0. Auch mit Verschweigung des Adj.: Du bist (er
ist) en G. G; Sch; Z. G. du! Wüstling, boshafter
Mensch BHk. S. noch Garst (lig). — 2. Fremdling,
ungefähr, was jetzt , Aufenthalter', „dem auf Wohl-
verhalten erlaubt ist, in der Stadt zu wohnen und
derselben Bequemlichkeiten zu geniessen, was noch
weniger als Bei- oder Hintersäss bezeichnet L." ,Auch
soll man wissen, dass diese Einung [über Körperver-
letzungen] kein Bürger verschulden mag an einigem
G., an seinem eigenen Hausgesinde, an Buben, Spiel-
leuten, noch an bösen Weibern, sie mögen aber wohl
die Einung verschulden.' Mitte XIV., Bs (Ochs). ,Er
sye landmann oder g.' 1424/1544, Schw LB. [Die
Richter] sollen schwören: ,Dass sy wollen richten dem
armen als [wie] dem rychen, dem g. als dem inge-
sessnen.' 1449, AAKling. Offn. ,Er sye burger oder g.'
1469, Gfrd. Die GBurgauer Offn. 1472 unterscheidet
,vogtlüt und gest.' ,Ein amptmann soll einem g. rich-
ten alle tag, wenn er kumpt.' ebd. ,Wa ein g. mit
eim hofgenossen rechtot.' ebd. ,Erschlüeg ein g. ein[en]
hofmann.' 1484, ScHwWoll. ,Gott missfallt der weit
nüw fünd und arge list, als iez ein guet fründ ein
gast ist.' NScHRÄDiN c. 1499. ,Wann ein frömder be-
gert, dass man im richte in gastswys, so soll man im
richten ein tag und all tag.' 1530, Aa. , Beide, hei-
mesche und geste.' 1551, Gfrd. ,Ein Ziger, so die
Gast ausführen, zahlt 2 hlr.' 1779, Z Zolltar. ,Die
Einwohner des Landes bestehen aus Landleuten. Bei-
sassen, Hintersassen und den Gästen, die nur Lehen-
leute oder sonst geduldet sind.' XSchnyd. 1781.
lu Bed. 1 b (und auch z. T. noch iu '2) blickt noch deut-
lich die alte Grundbed. = dem lautlich genau entsprechenden
lat. hmtis durch. Die Bed. des Dochtknibens hat auch engl.
guest; sonst kommt auch der Glaube vor, dass er bevor-
stehenden Besuch verkünde. — In Flurnn. : ,Im Gast-Acher.'
ZDiet. ; , Gastlosen.' BAbl. Abi. gcslen, gestlen.
Ab-: abscheulicher Gast, von einem Räuberhaupt-
mann. W Sagen S. 267. — Fuer-: Schiffreisender
TnSteckb. — Bader-: Badegast. ,Fremde Badergest.'
HPantal. 1578. Syn. Bader.
Schilter-: Soldat der Stadtgarnison in Bs im
XVIl./XVUI. Syn. Stänzler.
Von achihern, Schildwache stehen, Gast hier wühl in der
spec, sonst erstorbenen Bed.: Kriegsmann, s. Gr. WB.
Spinnstuben-: in der B Correctiousanstalt (s.
, Spinnstube') untergebrachter Gefangener. ,Eine etwas
höhere Classe von Spinnstubengästen und keineswegs
eigentliche Staatsgefangene.' Messm. 1831. Vgl. ebd.
,Zucht(haus)-Gast', Zuchthaussträfling. — Kilchwih-
Kilbi-: wer die Kirchweih eines andern Dorfes be-
sucht Sch Pilger 1885; Z.
Gastbarkeit: Gastfreundlichkeit. .[Bruder Claus
ermahnt] g'mein Eidgnossen. dass sie irer altvorderen
gottsforcht, g. usw. behieltint.' Ansh.
■gasten: als Gast aufnehmen und pflegen. .[Sic]
wollten den bilger erlichen g. mit essen und trinken.'
Zielt 1521. .Gebot im. dass er die Juden siben tag
gastetc.' 1531/48. IU. Macc.
4sr)
(last, gpst, sist, gost, gast
4sß
be-: sich als Gast niederlassen. .Wo einmal [der
Eigennutz] sich begast, er ohn Sorgen Niemand lasst.'
.ICWelssenb. 1678.
(iasteri f.: Gastgesellschaft, Gastmal. Über nW
!("■' unter drei gend kei gueti Gasterei. Sh.oer.
über-gastet: mit Geschäften [wnli! eig. wegen
Gasten] überhäuft Obw.
gastiere": 1. Gäste haben. Mcr vil gastiert,
Jini ImhJ iiiiiltiert L (Ineichen). — 2. bedienen, be-
wirten Us. '.s liiit e Meinig g'ha" [es war eine schwere
Aufgabe |, si alli z'siime" z' g. Breitenst. Bei der Hul-
digung des Landvogts im Tn wird den Ehrengesandten
empfohlen, ,ihn eid- und bundsgnössisch zu empfachen,
salutieren, gratulieren, g. und ihme die Herrschaft
|Hürglen] zum Besten recommandieren.' 1633, G Ver-
lichtbuch. ,So Einer in gesessnen Räten [die Holz-
ausfuhr] ze bewilligen anzüge, der solle den Rat zue
g. erkennet sein.' 167.'). Schw LB. — 3. Bini g., ein
Mädchen zu Wein und Tanz führen SB.
Brüt-Gastieri°g f.: Festmahl, welches dieser
und jenfer nahe Verwandte einer Braut dem Brautpaar
zu Ehren veranstaltet BsStdt.
Gasti(n)g f.: 1. Beherbergung. VcrpHouunir. Be-
wirtung. Bedienung von Gästen. Das i^t-u^ r ,■ -.rlKnn
(f.! wenn man Gäste in einem Wirtsli,Hi- .mi .la Ue-
stellte lange warten lässt GrD. ,I)as> ^1,t UMMi-rh ze
einer solichen gestunge oder ruow kommen mag." G
Hdschr. Der Abt von Wettingen erbietet sich, den
Armen .chri.stliche gastung zu halten.' 1.530, Absou.
,Es i.st wenig G. gesyn [es kamen nur wenige Pest-
mahlzeiten, Bewirtungen vor].' 1.596, Kechn. d.Z Böcke.
.Jeder [Fuchs und Storch] dem andern G. halt' Em-
BLEMATA 16'2'2. — 2. Gastmahl s. Gefress 3 Bd I 1320.
.Sobald zue Rom gaben und g-en ufgiengen. da gieng
ihre herrlichkeit ab.' Ansh. ,Ein banket oder g.,
epulatio, conccenatio, convivium.' Mal. .Ehrenmäler,
Feste und G-en.' Cysat. ,Eine G. halten.' 1707,
III.Macc. = ,ein Mahl h.' 1860. — 3. die vorgesetzten
Speisen GRChnr. — 4. Besuch von Gästen, bes. in
einem Wirtshaus, und concr. = Gäste Aa; Ap; „B;
L;- S; Uw; Z. De Bössliwirt het vil G., das macht
sin giiete Wl" Bs. Mei- chömmed G. über Z. 's cliömm
iif der Imhis e G. Usteri. Er hat vil G., empfängt
viel Besuche Gl. ,In ein paar Minuten war das Tor
wieder geschlossen und das Zeughaus [wo Insurgenten
sich Eingang verschafft hatten] ohne bedenkliche G.'
Gem. Aa 1844. ,Wenn eim vogt im jar etwan ga.stung
zufiele, und [er] deshalb in dem bach fischen und
krepsen wellte.' XV., Offn. Usterb. Köchin: ,Hei,
nniess ich aber g. han ; bin üch ist nüt dann Süden,
braten.' JMi'rer 1565. ,Etwann vor 100 jaren was
es ein gross wesen und g. zue dem [Gasthof zum]
Schlüssel.' HPantal. 1578. — 5. für ,Gestung', Schmuck,
s. gesten. ,So ist si [die Heide im Frühling] gastunge
(Gen. Sg.] riebe [wenn man Frauen auf ihr lustwan-
deln .sieht].' Hadl. ,Wib sint der weit ein g.- ebd.
— Mhd. ijuntunye in Bcd. 1, '2 u. 5.
Vor-: Vorfeier einer Hochzeit. XVU., Z Mand.
,Es soll nicht mehr am Montag Hochzeit gehalten
werden, wyl an den Sonntagen zuvor die V-en ver-
richtet worden.' Z Mand. 1650.
un-gastig: 1. ekelhaft GrV. — 2. unartig, un-
geschickt Ndw. — 3. unhandlich, womit nicht gut
umzugehen ist, z. B. en u-i Bräute [Michgefäss] Nnw.
— .Sjn. un-gnatlu-h ; in Bed. 2 ii. 3 iin-ijaitiij.
gast-lich (-lig): 1. freundlich GRÄnt.; auch bei
Maler. — 2. „zierlich, wohlgeforrat L." ,Das Brot
[aus Kühweizen] war zwaren sehr angenehm zu essen,
aber nicht g. [appetitlich anzusehen].' JEEscher 1692.
— un-: 1. ekelhaft Gr ObS. — 2. unartig, unhöflich,
ungezogen, grob ß; Gr; L; Schw; W; Zg. — 3. un-
geschlacht, unförmlich L; Schw; W; Zg. ,U-e Bilder' in
einer LKapelle. 1608, Liebenau. — ,ver- (It St.- auch
ver-un-) gastliche": entstellen, verunstalten L."
Gast II: Personenn., verkürzt aus Arbogast Bs
(Spreng), Vgl. Bd I 427.
Gast m, gasten s. Jast.
Gastere" f.: enger, mit Balken eingefasster Ver-
schlag auf dem Heuboden, unter dem Dach, über dem
Melkgang einer Alpensennhütte, wo die Hirten ihr
Nachtlager haben BO. ; in BHa. nur mit veräehtlichein
Nbegriff. Dasselbe besteht aus einer Unterlage von
Heu mit darüber gebreiteten Decken und wird auf
einer Leiter erstiegen. Der Raum dient auch zur .\uf-
bewahrung von Kleidern und Geräten und i-ift bald dem
Rauch, bald dem Luftzug ausgesetzt. Nbf. Dastere.
Astere; Syn. Nistere, Triel, Beichte. Das im untern
Raum, neben der Käsküche, befindliche , Karbett', ein
trogartiges Bettgestell, wird Gästen eingeräumt.
Scheint wie das Syn. Nisten eine Abi. mit der beliebten
End. -eren zu sein: ob i. S. v. Herberge (von ,Gast'|, bleibe
daliin gestellt. ,Gasterental', ein Seitental des Kandertiles
BO., urkundlich Ganirmi.
Gast s. Jäst.
gest s. gester.
gesten: 1. schmücken. .Nu ist sumer so wol
[g]'gestet, des er ere hat.' Haol. — 2. Aufwand ma-
chen. ,Soll [dem Herrn] ein keller einen imbiss gi-ben
und soll sich darüf nit g.' TuErm., dafür 1518 , ver-
gasten'. — Mhd. ijesten, kleiden, schmücken, Aufwand ma-
chen, eig.: Jmdn oder sich selbst als Gast kleiden.
e°t-: entstellen, verunstalten B; Gl; Gr; Sch;
Th; Uw; Z. D' Chranket het-ne« etgestfetj. Der Bart,
Huet [udgl.] el-estet in. Der SmtaV e-t d's Hns. Die
Jumpfer het-si'^'' (ist) schüli"' e-t, hat stark gealtert Z.
Syn. den Gasthitet abziehen. Auch von verändertem
Gesiehtsausdruck in Folge von heftigen Gemütsbewe-
gungen, Überraschung usw.; „betrüben, unfreundlich
machen ü;" ein wenig aus der Fassung bringen, er-
schrecken UwE.; Einen in Verwunderung setzen, ab-
stossen GRpr. .Deformare, extinguere formam, formam
alicui aufcrre. entgesten, ungestaltig oder ungeschaffen
machen, entgstalten, die hübsche vertreiben, einen
entschöpfen, die gstalt verkeren.' Fris. ; Mal. .Der
Geiz ontgestet den Menschen zum .allerhöchsten vor
Gott und der Welt' JJBreit. VU. .Bettler e. eine
Polizei [Staatswesen].' JJBreit. .Gleichwol entgestet
Trunkenheit den Einen mehr als den Anderen.' FWvss
1650. ,Dise Dorn haben des Herren Haupt wiiest ent-
gastet' ebd. .Durch Krankheiten wii^l .la- \iiu''-i'lit
entgastet' JJMüll. 1666. ,Gottes h. Nain.Mi .ni-v,!.!
man mit dem Meineid.' ebd. .Viele stinkend.' I'.Iudi.'Ii
haben den Garten der Kirche entgastet' JJUlr. 1T27.
.Der Blick senkt sich in das scliöne Tal, welches die
I Rhone benetzt und oft auch entgastet.' Bkiuel 1798.
487
Gast, gest. gist. fcoat, gust
488
,Ein altes, hölzernes, feuergefahrliches und entgästen-
des Gebäude.' Z Merkw. des XVUI. — 2. Einem Etw.
verleiden GROhur. Vgl. rer-g. — 3. (refl.) sieh eines
Besitzes entäussern. ,[Wir] engesten uns des guetes
und setzen in lyplich gewer [den Käufer].' 1304, B
Urk. — Mhd. en(t)ge«tm, entkleideu. Bed. 3 im lehensrecht-
lichen Sinn von deveHire im Gegs. zu inveatire, belehnen.
ver-gesten: wesentlich = ent-g. Aa; B; L; Z,
z.B. die Volkstracht, sie nicht rein, echt tragen B.
Wil das Hüttli im sl' 's schmi Hüs v-t. JHofst. Auch :
abnutzen. De' Rock ist sclw recht vergest ZWl.; ver-
derben, mit Gestank erfüllen, unbewohnbar machen B.
Einem Etw. v., den Geschmack daran verleiden Aa; B.
Die Zibelechust [Zwiebelgeschmack] v-t m'r die gansi
Suppe B. — Ygl. das syn. «;•- = ,ent-stellen'.
„be-: zieren, schmucken, wohl anstehen. Es bi-
gestet-is, es Gastmal anzerichtin W" (üial. 344.). —
Mhd. begesten, schmücken.
a''-gestig: 1. vom Wetter, ungesund, die Gesund-
heit angreifend Zg. — 2. „von Vieh und Menschen,
die leicht von Krankheiten angesteckt werden Zg."
Da die St. 'sehe Angabe in Abrede gestellt wird, so dürfen
wir wohl Zss. mit dem Präf. an (Bd I 261 f) annehmen.
gestle": gern und oft Gastereien lialten. Spreng;
SuLGER. ,Wer vil gästlet, hat bald ausg'essen.' Sprww.
1824. ,Da etwann die Herren Nachburen eins sind
nur gar z' wol, zu vil gästlen und höflen, beisammen
sitzend bis gegen Tag.' 1(337, JJBreit. , Alles Wyn-
gan, auch G. und Zechen gänzlich ynstellen.' Z Mand.
1650. ,Viel g. ist schädlich.' Hospin. 1083. ,Man niuss
nicht zu viel g., ssepius vocare ad convivium exhaurit
substantiam.' Mev., Hort. 1692. ,Ach dass der Geist-
liche nicht alle Köstlichkeit und Weltpracht in seiner
Haushaltung hätte, nicht so viel gästelte, rösselte
[usw.].' JJUlr. 1727. — 2. (auch gästlen, gdschlf
ScHw) um Speise und Trank spielen und zuletzt unter
den Verlierenden die Zeche auf wenigere oder einen
einzigen hinausspielen, so dass die übrigen ,gastfrei'
ausgehen Schw; „Zg.'- ,In dem Spilen, Gäschlen und
das, so von Etlichen verspilt, zuosammen spilen, es
komme gleich auf Einen oder mehr, soll sowol der
Gwünnende als der Verlierende strafwürdig syn.' 1667,
Schw LB. .Wann etwelche zuesammen sitzen, mit
einanderen spilent und gäschlent, solle diss zuo keiner
Gefahr gerechnet werden. Wann aber je 2, 3 oder
mehr spilen wurden, und dann Andere, so nit spil
darbei und selbige von dem verspilten Wein trinken
täten, solle es denen, so gespilt, für Gefahr gehalten
werden.' HiiJS, ebd. ,Des Spilens wegen ist heiter
cilüt.-r,t. 'htss man wol spilen möge umb ein ehrliche
i'rti'. ir.ln.li dass wann Einer über sein Ürte und an-
gL-gestlft uiii halben Taler auf sich gespilt, weiters
nit mehr spilen oder auf sich gestlen möge am selben
Tag bei aufgesetzter Buess; das G. und Spilen aber
von dem Ascherniitwochen bis die Landsgemeind vorbei
solle abgeschlagen sein.' 1700, ebd. — Bed. 2 viell. ein
anderes W., doch auch auf 6'««« zurückführbar.
er-: hart mitnehmen. Der Hueste häd mi''' schoili'''
e-t UwE. Syn. er-girgelen, -guntlen, -geuschlen.
Die Bed. Hesse sich wohl einfacher aus Gmchncr ent-
wickeln (vgl. uußlzen), doch stimmen die Cons. nicht dazu.
US- (-gäschle'): wesentlich = dem einfachen Vb.,
eine Spielpartie in der dort angegebenen Weise zur
Entscheidung bringen Schw. Mer wand 's ü. Wenn
2 gleich viel Stiche haben, so sind sie stech, dann
tuend s' ü.
Gästling m.: als Gehülfe beim Kirchendienst in
ScHwE. angenommener Einwohner; lat. irdituus. Zu
Gast 3. ,Dass da ein Abt zu E. hinnenhin soll haben
in dem Gasthaus 12 G., ob er die gehaben mag. Und
soll ein Abt derselben Gästlingen jeglichem geben all
Wochen 10 Brod.' 1419, SchwE. Klosterarch. Die
Waldleute [von Einsiedeln] dürfen keine neuen Ein-
wohner (.Gästlinge') mehr annehmen ohne des Abtes
Zustimmung. 1451, Blumer, EG. 1, 305. , Testament
H.Schäfers, welchen das Gottshaus als ein G. geerbt.'
1551, SchwE. Klosterarch. ,Die Waldleut vermeinen
auch, dass sie mögen mit und neben dem Gottshaus
die G. annemmen. Und zwar arme, pre.sthafte Gotts-
hausleut, welche zue dem Läuten und anderen Dien-
sten ohnvermöglich.' 1560, ebd. , Sollen beid Teil den
Gästlingsberg vorleihen und dann der halbe Teil des
Zinses dem Gottshaus gefolgen zu Erhaltung der Gäst-
lingen in dem Kloster mit Speis, Trank, Kleidung.' ebd.
Vgl. G.-Vogt Bd I 706, wo zu berichtigen ist, dass der
Name den Verwalter des in dem ,(}.-Berg' (bei Biberbrngg)
bestehenden od. dorther gewonnenen Klostergutes bezeichnet,
aus welchem die ,Gästlinge' unterhalten wurden.
gester e' h; Z, e» GA., gestert Bs; Z, gest G; Sch;
Th; ZWl.: gestern.
Mhd. getiter; -t ist zugesetzt wie in eiatert, Upperl, endert
und findet sich z.B. auch: 1557, L MIssiv; JMurer 1565;
1588, Absch.; AKlingl. 1688; doch überwiegt in der ä. Ut.
die mhd. Form.
vor-vor-: am Tage vor vorgestern GF.; Z.
gcst(e)rig: wie nhd. Adverbial in Gen.-Form:
.Gesterigs frytags.' 1531, Strickl. u. ö. im XVI.
Geist — PI. Geist und -er — m. : 1. ab.str. a) die
Kraft des Lebens und Bewusstseins im Menschen.
Schier de" G. ufge", vor Anstrengung, Schmerz usw.
fast umkommen Z. ,In dise Werkstatt und inneren
Geschirr wird Speis und Trank empfangen und so
oft verwandlet, bis es Bluet und Geistlein [Lebens-
geist] gibt, die das Licht des zeitlichen Lebens
nehren und erhalten.' JKHofmstr 1645. ,Das Herz
ist die Werkstatt der lebendigen Gcistlenen oder
löblichen Geisteren, weliche durch die Pulsaderen
an alle Ort ausgeteilt werden.' ebd. ,Die Alpen-
bewohner, deren Augen an stark empfindliche Be-
rührung der Sonnenstrahlen gewehnct sind, dass von
denselben die einfliessende sinnliche Geister nicht
gleich in Flucht gejagt werden [gleichsam eine Per-
sonifikation der Sinne].' JJScheüchz. 1708. Das Princip
des sittlichen und religiösen Lebens, im Gegs. zu
Fleisch, nach biblischem Sprachgebrauch. Wäre sie
[eine ausgeschlossene Nonne] länger ausserhalb des
Klosters, so ,möchte ihr mehr fleisches als geists
wachsen.' 1541, Absch. — b) „Lebhaftigkeit, munteres
Wesen, auch von Tieren, z. B. ein Pferd hat G., wenn
es nicht ruhig sein kann." — c) Sinn für, Lust zu
Etw. BHk., ,den G. für Etw. haben oder bekommen*,
z. B. für eine Unternehmung, einen Beruf B. 's ist-mer
i)» G. s' wider, ich kann es nicht leiden THWagenh.
Eifer zur Arbeit [auch Arh^s-G.) S; Z. [Die Arbeiter]
händ en G., me' chönnt Schnaps drüs mache". ZMünch.
- d) Hochmut Ap; VOrte; Gl; 6; Z. Der hat e(n)
G., vil G. im Chopf! En G. ha' tcie de"- gross Hund
z' Paris SchwE. Ke'n G. und ken Charakter ha".
IS1<»
(iast, gdst, gist, gost, gust
40(1
nicht stolz sein Ar. Griisame' [ausserordentlich viel]
G. /lä" Gl; SchwE.; Ndw. Er liäd en höche" G., häd 's
hoch im G. Z; vgl. hochgegeistet, hin-htnificimh. —
2. concr. a) pers. a) AbgeschieJem/r. |i.i|i|>fl;;;iiii,'or.
Gespenst, allg. Er het müesse' gö" iliir'' yarhl uiid
Nebel go* wandle" wie ne G. Breitenst. Man liat
,eiiien G. (eine Seele, einen Schneider aus dem Feg-
t'euer) erlö.st', wenn Zwei das Stillschweigen brechen,
indem sie den gleichen Gedanken 7nit gleichen Worten
sagen; vgl. KSteiger 1841 II 97. ,Aut ipse fuisti, aut
simillimus, eintweder bist du es gewesen oder dein G.'
hm/,L. 1716, und so noch heute Sch; Z. ,Man sagt,
wenn man eins Menschen G., wie man's nennet, sehe
und er nit bald darüf sterbe, so seie es ein Anzeigung,
dass er gar alt werde.' LLav. 1670. Alli guete" G-er
hihe'd Gott den Herre'! Spruch gegen Gespenster.
- ß) von lebenden Menschen: lebhafter, unruhiger
Mensch. E'' völlige'' bare' G., ein Mensch voll Leben
W. Du wüeste'' G.! Schelte Ap. De'' verßuecht G.l
\\oLP, Bauerngespr. Syn. Gespenst; vgl. auch Gast 1 c.
Hans Gast, neckische Antwort auf die Frage: Was
säst [sagt du]? Ap. — y) Dämon, meist böser. ,Gab
inen macht über die unsaubern geist.' 1530, Matth.
, Durch die unreinen geist gestraft.' LLav. 1569, =
,Geister.' 1670. ,Von erschynungen der geisten.' ebd.
1569, = ,Geisteren.' 1670. De*" giiet G. ist vo'-mer
g'wiche" Bs; Z. — 8) heilige'' G., wie nhd. Er tuet
wie de'' (en) h.(e'') G., scheinfromm Z; Syn. irie-n-es
Betbüechli. En h. G. (Heiligenschein auf Bildern),
Kreis um die Flamme des Lichtes Z (Dan.). , Seine
geschickte Hand verfertigte aus farbigem Papier für
jede Bauernstube einen h-en G., welcher mittelst drei
Haaren von einer reinen Jungfrau an die Decke ge-
hängt wurde.' BWyss 1865; so auch in U; s. '^ogel 4
Bd I 692. Übertr. auf eine heilkräftige Pflanze. ,He-
ligen G. oder Angelica.' 1710, ZZoU. Arzneib. S. noch
Heiliggeist- Würz. — b) sächl. a) Alkohol. Öjipis
Geistes, gebranntes Wasser S. De"" Wi" het (ke") G.
Me'' G. weder Gütterli, Wortspiel mit der Bed. 1 d zur
Charakterisierung eines hochmütigen Menschen Schw.
- g) Dunst von Flüssigkeiten. ,Die Geister oder
Dunst des Vitriols.' JJNüscheler 1608. ,Den ehrinen
Helm [bei der Branntweindestillation] umgibt ein
Gschirr mit kaltem Wasser, damit die hitzigen Geister
und aufsteigenden Dämpf des Weins Külung und Er-
ijuickung cmpfahen.' JKLandenb. 1608. — f) durch
Destillation ausgeschiedener, ätheriscluT. sich viTlliuli-
tigender Stoff, Essenz. .Ich habe amli ilaiiKils in il:is
Wasser geschüttet allerliand Geister und Saite, wonnit
man die sauren oder alcalischcn Salze zu erfnisclii'M
pflegt.' JJScHEiiCHZ. 17()S. In ZStli. sper. Branntwein.
— 3. Eigenn. ,Im G.' Hausnarae in ZWint. ; aucii
Geschln. Vgl. ,Hans Spiritus.' 1532, B. — Örtli; Kan-
iönli-, Gemeindli-: engherziger Sinn, der nicht über
die engern Grenzen seiner Heimat hinausgeht; Kirch-
turmspolitik. — Liecht-: Augenwasser, d. h. ein
Spiritus zur Stärkung des , Augenlichtes' Z NA. —
Nacht-: 1. Nachtgespenst, s. N.-Frau. — 2. Jmd,
der bei Nacht arbeitet oder unruhig im Haus herum-
fährt G: Z. — Bu"-: Bausucht, Bautrieb Z. —
Dürr-Bire°-: Mensch von geisterhaft hagerem oder
bleichem .\ussehen. Usg'seh wie-n-en D. Zu. — Plag-:
ein unausstehlicher, immer beschwerlich fallender
Mensch S; Z. - Rumpel-: Poltergeist. .Piunipel-
und boldergeister werden keine mer gehiirt.' Kkssl.
— Salz-: I.Salzsäure Z. — 2. .salzhaltige, sich ver-
flüchtigende Substanz. ,Es kann auch wol ge.schehen,
dass ein scharpfer Salzgeist [mit dem Glied wasser]
laufet und mit seiner Scbärpfe die Nerven abetzet
und abfrisset' FWiiRz 1634. - Sü"-. ,Die Musik,
welcher gottselige und gelehrte Männer die näch.ste
Stell nach der Theologie gegeben, ist von allerhand
melancholischen Sauwgeistern angefochten worden.'
1629, MüsiKKOLL. Wthur.
Schutz-: unbedachtsame, eilfertige Person Bs;
Syn. Schutzgatter. •— .SWmtz, Schiiss i. S. v. hastige Bo-
wegung.
Schwindel- s. fantästig Bd I 875. — Sch Wir-
bel-: Taumelgeist. .Sich von einem in einen Engel
des Lichts verg'staltenden Schw. beherrschen lassen.
Selbsgefällige Verruckungen eines unordenlichen
Schw-s.' JJÜLR. 1727. — Schwirmer-: von religiöser
Schwärmerei erfüllter Mensch, von den Reformatoren
auch ,Schwarm-G.' genannt. ,Nun findt es sich aber,
dass solche Lüt [die sich vom h. G. erleuchtet glauben
und darum vom katholischen Glauben abgefallen sind]
nur Schw-er sind, sittemal sy iren Glauben mehr dann
ein Mal veränderet, hüt Eins, morgen ein Anderes
lerend.' 1586, Absch. — Widerspruchs-: wie nhd.,
aber auch pers. — Dängeli-: 1. Klopfgeist, der die
Sense hämmert und Wanderer irre führt; s. Hebel.
— 2. der Mann im Monde AAFri. — Wetter-. J>a
höret man von Türsto's wilder Jagd, vom W., der in
den Lüften klagt.' Nvdegger 1885.
geiste": 1. spuken (vorzugsw. unjjers.) Ar; Rs;
Gl; Gr; G; Th; Z; oft von geringfügigen Vorgängen,
z. B. wenn im Frühling das Holz einer Wand mit (ie-
räusch sieh ausdehnt, wenn Etw. ohne sichtbare l'i--
sache zu Boden fällt oder zersprini,'-t. wenn eine Tiiro
unversehens aufgeht. Syn. sn-h l.iiiulni. i/i'si,ni^ini.
Es geistet, an Orten, wo ein (Seilisl-i .Mni.l -.taUge-
funden hat. ,Das gewöhnliche G., wie man es immer
hörte in dem Augenblicke, da Jemand gestorben im
Orte.' Stutz, B. Bildl.: ,gegeistet kommen', zu un-
erwarteter Zeit und an unerwartetem Orte erscheinen.
Alpenrosen 1869, S. 706. — 2. sich aufführen wie ein
Gespenst, mit Getöse hin und her fahren, „toben,
wüten", lärnion. poltern, unrultig. geräuschvoll herum-
fahren \iikii ; Ci,; I.; S, lies. v,hi Kindern Uw, heruni-
klettern Sh.nn., sieh lehliall äussern in Worten und
Werken, lehhall iinil viel re.h'ii I,; Zii. sinnlos plau-
dern .\A\Vehl. ;;. heim Kiltuan- die Stimme ver-
an.lrrn. mit xeran.lerter Stninne sprrrhen L. Syn.
d' Uni rn-l.-n-n,. I. ,len lieist aufgehen It; L; ge-
wiWinlielier ((/-;/. .llltlai.' animani, g., den geist auf-
gehen, sterhen.' l'iiis.; Mal. — 5. den h. Gehst im
Munde lülireii. sieh auf ihn berufen; s. vattcren Bd I
1130 und vgl. Geistler.
Mhd. = mit (heil.) Geist erfüllen; geistig wirken. —
:5 meint viell. geisterhafte Stimme, ist aber wohl mir uiu-
geiieutet aus fjcitschen.
üf-: 1. den Geist aufgeben Bs; B; GRPr.; L;
ScHW; S; Uw. ,Weiber, wo die grösste Freude daran
hätten, z'gruchse, wie wenn sie u. wette".' Gottu.
,Das Weib hatte im Bein eine Wunde, an der man
sie aufg. Hess.' Li)T., Sagen. ,Jeremia hat gesehen,
dass die jüdische Kirch den lotsten Atem geholet, dass
sie in allem Aufg. begriffen.' AKlincl. 16SS. .Hat sicli
in den Leib geschossen, darauf er bald mit Aussehüt-
tung seines Gedärms aufgegeistet.' Z Nachr. 1754. —
491
Gast, gest, gist. gost. gast
492
2. (refl.) sich ermuntern, ermannen. ,Bäbi geistete
sich auf.' GoTTH. — umme°-: 1. als Geist, Gespenst
umgehen L. — 2. wie ein Geist leise oder spät herum-
schleichen Z; poltern, unruhig hin und her fahren
oder gehen B; „VOrte; Gl.- Umme-Geisti, Polterer
UwE. ; ZG. — in-: geistig eingeben, inspirare. Sulglr.
Eim Öppis i. Z. ,Divini animi hominum. von Gott
eingeistet und erleuchtet. Das göttlich cin-g., ein-
geben, einbläsen.' Fris. ; Mal. l)ass der hebräische
Grundtext des a. T. von Gott selbsten .ingegeistet' [sei].
1675, Abscu. , Zweck, den der Geist Gottes in Ein-
geistung diser Schriftstellen gehabt.' JCHofmstr 1744.
— ent-: den Geist, die Kraft ausströmen oder ver-
lieren, von Alkohol, auch von Jauche GRPr. — üs-:
1. den Geist aufgeben ßSi. ,Wann ihr sterbet, aus-
geistet.' JÜLR. 1727. ,Die Schwindsucht überkommen
und nach und nach aus-g.' ebd. Auch von Tieren:
verenden. Heng. Von geistigen Dingen: ein Ende
nehmen, vergehen. ,Hört, was uf d' Hochzeit folget:
die Liebe geistet aus, all Tag ist Zank und Strauss.'
Balz 1781. — 2. ruhig werden UwE. ; Gegs. zu geisten 3.
— ver-: 1. den Geist aufgeben oder wenigstens den
Verstand verlieren. Er ist fast v-t ob der rile" Arbet B.
— 2. Duft und Kraft verlieren, ,von abgezogenen
Wassern und Geistern, wenn sie verriechen.' Spreng.
— vor-: vorbedeutend spuken Ar. — „bös-: mit
Dat. P., zum Nachteil eines Dritten reden L", nach
Art eines schädlich wirkenden und schadenfrohen bösen
Geistes.
Heilig-Geister: Bitter des h. Gei.stes, Johan-
niter. ,Die HeilgengeLster. die man Spitalherreu
g'nennt hat' Vab.
geistere": spuken S (Schild). Me" het schier
niene' chenne' stö; wo nii es Ung'hlr iimme" g'sei'
oder es nit g'geistert hed e' chlei. Lux., Sagen (Uw). —
unime"-: als Geist umgehen. Wer Marchsteine ver-
setzt, tnuess na''' si"'m Dod a's e brönnlige'' Ma"' u.
Schild. — ent-: entzücken, ausser sich bringen. ,Ihr
würdet gleich wie entgeistert stehen [vor Verwun-
derung].' Aufmunterung 1781. — er-: aufregen, er-
schrecken, verscheuchen, z.B. Vögel B; aufrütteln,
aufwecken BSa. — be-, im Ptc. : geistreich GrL.
(wohl i. S. V. Geist 1 b); belebt, beseelt. ,Wo lang
mein Herz auf dieser Erden begeistert, hat bei mir
dein Drohen keine Kraft' FRjHerni. 1755.
Geisterer: Zauberer, Geisterbeschwörer „Gl;
Tu; Z;" SOH.
g'geistet: lebhaft, im Besitz voller Lebenskraft,
von Menschen und Tieren BHk. — un-: abgestumpft
durch Alter, phlegmatisch, ebd. — hö(ch)-: hoch-
mütig GrD. — Nicht Ptc, sondern Adj., von ,Geist'.
Geisti ni.: 1. unruhiger Mensch UwE., „der leb-
haft und viel redet LG." — 2. „Witzling, Spötter LG."
geistig: 1. „lebhaft, voll Munterkeit, allg." —
2. stark, alkoholhaltig B; Z. — 3. geistreich, hoch-
begabt BSi. — 4. .stolz, hochmütig „VOrte;" Gl; GG.;
Ndw; hoffärtig, putzsüchtig UwE. — „un-: ohne Leb-
haftigkeit, abgestumpft durch Alter, phlegmatisch.
allg." Vgl. ungegeistet.
geistige": hutt'ärtig werden Nnw.
Gcistler: Zun. der Wiedertäufer; -^gX. geisten 5.
,Die g'lüpten, die die g. erdacht' Bossh.-Goldschm.
,Dannenhar Th. Münzer und die .synen genannt wurdend
himraelische propheten und spiritöuser, das ist g.'
HBüll. 1561; vgl.: ,Man huob sy an töufer und wider-
töufer nennen, die etliche zuovor geneunt hattend
spiritöuser.' ebd.
geistli(ch): 1. „fromm, andächtig, nach Art eines
Geistlichen Schw; Zg." Slt-er g.? grüsste man Einen,
der am Sonntag vor dem Hause in einem Buche las
Bs; B. Es g-s Buech, Erbauungsbuch Bs; g. werd«',
den Beruf eines (Geistlichen ergreifen L; S. Er het
studiert, a's wenn er g. werde" weit. HXfl. ,Was zieht
dich doch, sag, lieber myn, dass d' eben grad meinst
[beabsichtigst] g. z' syn; ich riet, du nemest dir ein
wyb.' Com. Beati. — 2. schwärmerisch, überspannt,
kopfhängerisch BHk., frömmelnd Bs; B. — 3. in spc-
cLfisch kirchlichem Sinn, a) g-i Lit, bei der Primiz
vom Primizianten angestellte Ehrenleute, nämlich:
der g-i Vater, (s. Bd I 1127), neben dem weltliche?' V.,
die g-i Mueter und die g-i Bruid oder Sehivester [diese
ledig] Ndw. Es war zur Eeformationszeit ein Vorwurf
gegen die Wiedertäufer, dass sie g-e Ehen eingiengen,
was zu Unzucht führe. — b) Gegs. zu , weltlich, staat-
lich'. .Welcher gelt üfnimmt, derselbig mag sich in
das geischlich und weltlich gericht verschryben.' 1509.
Absch. — Die Form ,geischl.' niclit selten im XV./XVI.
schwarz-. En Schwarzgeistlene' : Weltgei.stlicher
im Gegs. zu Mönch, bes. Kapuciner Gr. — drci-
viertels-. En Dr-e'': Volksschullehrer (scherzh.) Z.
Geistlichkeit: 1. Frömmigkeit. ,Dass du [d.i.
die römische Kirche] nit durch dyne g., sunder durch
der menschen bosheit hast die weit überwunden.'
.\^NSH. — 2. Klosterleben. ,Vernömend ir g. [hörten
von ihrem klösterlichen Leben].' Anf. XV., G Hdschr.
Gistele" f.: einfältige Frauensperson SBib.
Giest s. Giesch. Gost, Göst s. Gott.
er-goste°: aufgetrieben, gedunsen in Folge einer
Krankheit, z.B. beim Entstehen einer Geschwulst BSa.
(iiistel m. : Personenn. Augu.stin F.
Gö stier, -ner s. Geschner.
Goust, Güst s. Gunst.
Gast I, in Ar; S<:hw G-e", PI. Giiste* — ni.: 1. Ge-
schmack Ap; Gr; L; Ndw; W; Zg; Z. Syn. Gü, Kust,
Mang. No"'' Lust und G., ganz nach Belieben GrPt.
.[Der Wein um Zürich] b'halt doch [im Alter] sein
G. und Härbe.' BCys. .Eines guten Geruchs, Ge-
schmackts, Ton[s] und Gusts.' JRLandknb. 1608. ,Dass
nicht diese Speisen zusammen ganz einen unguten
Geruch u. G. von sich geben.' SHott. 1702. ,Wir
Sachen mit grösstem G. die Farben eines Regenbogens.'
GKöNiG 1715/7. Spec: guter Geschmack Gl; Schw.
's Esse' mues 'züget [geschmalzen] st"; raus [roh],
wie 's d' Kue isst, hed's-mer der G-e" nid. Wohl-
gefallen: , Würde man die Ausgeschlossen hassen, so
möchten die Obern annehmen, dass man wenig G. zu
ihnen trage.' 1534, Absch. Ungehöriger, unangenehmer
Beigeschmack Gr; Syn. Hie, Ziele. — 2. Geruchsinn
Gr; vgl. sc7t)BecAen = riechen. — 3. objectiv: anspre-
chendes Aussehen. Das Rind häd G. im Chopf, einen
schön geformten Kopf ScawE. — Aus lat ./"»'"«. «i«
das syn. (zunächst frz.) (Ja.
Ab-: Beigeschmack Gl; Gr; W. Syn. Ab-Kust,
Bitz. — (H)erd- = Erd-Gü Sp. 52. — Vor-: Vor-
geschmack, -gefühl; Ahnung. ,Dass wir unser heil
üast— ^iist. (iat— gut
mit einem v. des liiiiimlisclieii Wesens betrachten.'
1530, Absch. — Ratte"-; Gesehmack der Trauben-
kämrae (Ratten), oder des Weines nach ihnen Gr. —
Trübe"-: Geschmack des Weines nach den frischen
Trauben oder nach den Kämmen GRHe.
guste" I, ä. ,gü-': kosten, schmecken Gr; Schw; U.
Um, liest hält lieher es Glesli Trester; vo" der Predigt
hast wenig g'gtistet Schw. Sogar d' Engel we^'nä 's
Iliirote' g. Heng. ,Güste oder versuche das Öl.' JJNü-
slheler 1608. Unpers. wohl schmecken, munden W.
glistle": ein wenig versuchen, kosten, prüfen Gl;
Zii. Syn. mängelen. D' Summervögel Itockid uf de"
Blueme' und güstled und versuechid dra". Hafl.
(h)erd-: 1. Erdgeschmack haben, vom Wein.
SiiLGER. — 2. unpers., von der Erde, nach einem Re-
gen Duft ausströmen ZSth.
gustiere": kosten Ndw.
gustig, güstig, in G auch gösHg und i- ;
1. schmackhaft, von Speise und Trank Aä; Gl; Schw;
Niiw;W. Appetitlich, einladend Z. E g-i Chue, von
.schöner Farbe uiiilT.;in Simiw. üyn. hüstig. — '2. an-
genehm, anspierlieii.l, ihit. niedUch G. Syn. g'mögig,
knosig, nuggisdi, murnj, sclinuggig. — ab-: was schlech-
ten Geschmack, Beigeschmack hat W. — u"-: ge-
schmacklos, ohne Salz W,
gustö's: geschmackvoll (gekleidet) Z.
glist, in B It Zyro auch güst, in Aa auch gusch:
= galt 1 s. Sp. '236. 1. vom Vieh Aa; Bs; BE., G.; L;
S ; U. ,G. gä", de vaccis, quando gravidis lacte non
spoliantur.' Id. B. ,Die Kuh gehe g.' Gotth. Auch
i. 8. V. trächtig Aa. Vgl. G.-Vech Bd I 648. ,Die
küe habend ein zeit lang ee dann sy kalberend, bei
10 tagen kein milch, zuo welcher zeit man sy nennet
ze gust gon.' Tierb, 1563. ,Gust, eine zytkuo, die nit
tregt.' Frts. — 2. übertr. a) ,Güste Hühner, welche
bei Erötfnung der Jagd keine Jungen haben B (Zyro).'
Syn. Galt-Hüener. — b) ,von Brunnen, versiegt F;
LE." — c) unfruchtbar. ,Güst pflügen, nur zur Brache,
nicht zur Saat' B (Zyro). — Volksrätsel : De'' Ma"«
trcit, d' Frau göt g., vom Hanf. Rochh.; vgl. Fimmel
Bd I 826.
Sonst nur ndrd., z. B. westph. rßUt, ndrrh. (jönt, hol!.
ijiut (auch von einer Mahlzeit ohne Fleisch). Vgl. schwed.
tjkt, trocken. Auch ins Spaü. übergehängten: agostar, aus-
trockneu.
guste" II: 1. = galten 1. Eusi Chue gustet scho"
I Wuclie" Aa. — 2. nicht trächtig werden, von einer
Ziege, die als zweijährig noch keine Milch gibt Bßr.
- er-: \. ^ er-galten 1. ,2 Monate vor der Geburt
muss man sie vollends e. oder gust gehen lassen, d. i.
zu melken aufhören.' XScunyd. 1782. Bildl. (wie man
vom Euter der Staatskuh spricht): ,So iren vil übel
verdrossen, dass dero Pensionkue ergustet.' 1637, S
Wochenbl. — 2. „= ergalten 3 h F; L." — ver-;
keine Milch mehr geben Aa; Bs, durch zu langes
Gusten unrentabel werden AaF.
„güste", güstene" I: tr., machen, dass eine Kuh
keine Milch gibt LE.;" auch ^er-güstene"" .
ü s - : durch allerlei Versuche sich ökonomisch
ruinieren. .Der werde mit seiner Wirtschaft bald aus-
gegüstet haben [wegen seiner ungewöhnlichen Lieb-
haberei für Baumzueht].' JSenn.
Unser Vb liossc sich au ;/u»(tji / auknilpl'eii, wenn man
aus dessen Grundbed. diejenige von ,pröbeln' erschlicssen
dürfte; vgl. verttuechen, bezw. vtn-Hiiechien.
„güstene" II: immer Etw., doch keine schwere
Arbeit tun W."
Viel], Übertragung von einer unergiebigen Kuh auf einen
Menschen, dessen Tun unerspriesslich ist; die Form erweitert
aus dem PI. Gustmi von Gusti. Doch s. auch die Anm. zum
vorigen Wort.
Gusti I (auch Gustell Aa; Bs; G) n.: 1. Kalb,
junges Rind Aa; Bs; B; L; S. Saugkalb LVizn., ab-
gesäugtes Kuhkalb B; LE.; S; Z. Jährling weibl. Ge-
schlechtes AaF.; zweijähriges weibl. Rind F, zur Be-
fruchtung noch zu jung Bs, zum ersten Mal trächtig
B; Gl; Schw; Ndw; Zg. Syn. Galti. S. noch Gügger 4
Sp. 190. Sx>ringe' icie nes G., von einem mutwilligen
Kind B; vgl. G.-Wär, auch von einer Kinderschaar.
Von einer Sache so viel, d. i. wenig verstehen, ,als
ein G. vom Geigen.' Gotth. ,Wenn eine Kuh 18 Mo-
nate alt ist, kann sie schon mit dem Stiere laufen
und wird dann ein Rind genannt, vorher aber ein G.'
XSchnyd. ,Dass die Unsern im Land Entlibuch gar
kein Vech (weder G-e noch andere) ins Land nennnen
sollen.' E. XVI., Merz 1887. - 2. jährige Ziege BHk.
— 3. ,meretricula.' Id. B. — 4. scherzh., Benennung
eines Kindes FJ. ; G. Schelte für ein schmutziges
Kind oder einen groben Burschen FS., auch für einen
dunnnen (jungen) Menschen h'Sl.-. S; Syn. Kalh. —
Subst.- und Dim.-Bildung aus dem .\dj. ,,,isi wie (uilli
aus (jalt.
Gust II Bs; Z, Gaste Obw, Gusti II Aa; Bs; B; L;
ÜBW; Z, Gustel Aa; Bs; B; G; Z, Dim. Güsteli Bs; Z,
-ili ÜBW, Giistli Ap, GUsti Aa; B; G: 1. August;
Augustin L; Z. — 2. Gustav Aa; Bs; Z.
Guste f., Gusti, Güsti Aa; B, Gusteli n. (Dim.)
B: Auguste.
(ilistafel: = Üonstofcl, Vor.steher der CnnstaHer
Tut; auch Christöffler.
guste" III: jagen, treiben, mit (»rtsadv. iiihi"-,
ushi"-, heim-g. BR. — Eig. .gusehteu', v..n dei Interj.
f/unchl Sp. 481.
Gnstere" f.: Bettstatt, -stelle BBc. Syn. Under-
stosser, Gütschi; vgl. Gasteren.
(iüster (Ic-J n.: Kehricht; Menge kleinen Geldes,
Holzes, auch von Haferkernon BHk., R. Syn. GiXscl;
vgl. Gisper.
(jat, get, >^\i, '^(A. ^-iil, lic/.w. ^-att usw.
Gätteblä'me": erweichendes Breipflaster BM.; Syn.
Vharte'-Blän, -Blase". — Frz. vatuiilmmi-.
„gatte": ordnen, bes. gut ordnen L; S;" Syn.
gattigen. Refl.: sich (nach einem Vorbild) richten.
,Dass ein Christ nit hinder sich in die Propheten ze
wysen sy, nf der Propheten Schlag sich ze g. und ze
arten,' B Syn. 1532. — „a"-: anordnen L; S.'- -
er-: erreichen, einholen. ,So vil als man ir |der
Feinde] mocht e. und ergrasen, mit denselben der tod
495
(iat, get, git, gut. gut
496
für und für facht.' NSchradin 1199. — ver-: ver-
binden. .Ein zuesaminenvergattung [Synojjsis] der
4 evangelisten.' Kessl.
Mhd. ijateti, zskommen, vereinigen. Die Grunilbed. ist
zsfiigeu; daher wohl auch Gatter, Gefüge, junctura; von einem
vorauszusetzenden starken Vb. yetan, got. yidan, von dem das
schw. gutta kommt. Zu er-g. vgl. Notkers: ,Des der argo
furhtet, daz pegatöt in, veniet snper enm', und die gleiche
Bedeutungseutwicklung vom \At. pmgere zum ftz. Joindre, ein-
holen ; s. ferner ergatteren.
Gatter n. in AAZein.; Bs (mit der Fem.-Form -ere");
B tw.; FJ. tw.; Gr überw.; S tw., sonst ni. — PI. -ä-:
Gitter als Tor oder Zaun. 1. Gittertüre aus Latten
an Stellen, wo der Feldzaun durch eine Strasse oder
Weg unterbrochen ist, immer von aussen nach innen
sich öffnend und von selber zufallend, um das Weide-
vieh nicht heraus zu lassen. Im Gegs. zum Türli
grösser und gröber gearbeitet, während Legi eine
Zaunöffnung vermittelst verschiebbarer Stangen ist.
Vgl. den Flurn. Gatterwiesen ZLangw. Jetzt noch in
den Alpen, früher, vor der Stallfütterung, überall und
eine gewisse Rolle spielend, wie die RA.\. zeigen.
Auch in Grenzzäunen zwischen 2 verschiedenen Alpen
(Alp-G.) Gr; vgl. Schlussgatter. Syn. Gatter; Etter 3;
Esch-, Fallen-Tw; Hurd. De' G. üftue'. Vorschub
leisten. Tür und Tor öffnen Ar; L. De" G. zuetue",
den Weg vorsperren, die hulfreiche Hand zurückziehen,
ebd. Df G. hät-en 'tröffe; er hat sieh ungeschickt
benommen, sich eine Schlappe geholt [denn der Ge-
schickte geht so rasch durch, dass die Zauntüre ihn nicht
mehr trifft]. Die Bei' sim-mer g'gangen a's wie e G.,
bebten vor Furcht GRPr. De' G. lä" chlepfe' (schletze'
ScHw), sich nicht zu verbergen brauchen, weil man ein
gutes Gewissen hat (mit dür(f)en) ; sodann sich bemerk-
lich machen, gross tun, z. B. durch Aufwand in Essen
und Trinken Ap; Gr; L; G oT., We. Was? Ich war' so
en Schill fi? So? I dar de' G. ehlepfe' lo" 's Land ue
und abe GEbnat (Feurer). In Ap ausserdem auch =
sich nicht mehr um Etw. bekümmern, der Sache den
Gang lassen. Am G. stä', Almosen (eig. ein Trink-
geld für's Öffnen des G-s) fordern Th; s. Sp. 212 s. v.
gile'; in den Z Ges. noch 1757 verboten. ,Die fatten
nichts destminder guot machen, desglychen mit gettern
zuohenken.' 1474, Offn. GTa. ,Dass N. N. den weg
offen lassen und gattern henken und wegen und stegen
solle.' 1528, Schw LB. ,Die efaden der zeigen sollend
beschlossen syn, es gange dann ein landstrass dar-
durch, so muoss der, desse das guot ist, ein türli oder
g. in eren halten.' Mal. ,Umb 3 nüw gätter und
Ö eichin stüd, einen in die moswisen und der dritt in
die wisen under dem schloss.' 1567, ZGrün. ,Insonders
[soll] Hans g'walt haben, in syner znnung klein ald
gross hürd und g. anzehenken.' 1580, ZNiederwen.
,Zu den Zeiten, so man den Brüel einschlagen soll,
soll [der Weibel] Türlin oder Gätter allenthalben
henken und anmachen.' 1615, SchwE. Klosterarch.
.Der gätter, falder, clathrus, cancelli.' Red. 1662. ,Das
Marchenbereinigen, Gätterhängen, Ehepfadbeschauen
liege den Hubenvorstehern unentgeltlich ob.' 1809,
ZKüml. Ein bewegliches, einsetzbares Teilstück des
Zaunes muss der ,Runeburger G.' gewesen sein: All-
weg [an beiden Enden] z' churz wie der R. G. AAFri.
{Volkswitz). — 2. Gittertüre an Gärten. Häusern, Hö-
fen usw. aus Holz oder Eisen, allg. Dem Ggätterli
de' Hof mache* für in d's Gärtli z' khon, der Mutter
schmeicheln, um die Tochter zu gewinnen Gr. De'
G. vor der Türe si', eine untergeordnete Stellung ein-
nehmen B. De Vatter b'schlüsst [dem Freier] Türen
und G., hält ihn gänzlich vom Hause fern. Usteri.
Z' Venedig am G., s. Bd I 833. .Horchte wie ein
Schwein am G.' UBrägg.; vgl. dazu: .Sy grinnen in
dem schiff, wie die schwyn, die an einem g. stond,
lydende pyn, als man sy spysen oder atzen soll, so
sy gewesen sind hungers voll.' NSchradin 1499; viell.
die kleine Gittertüre, durch welche das Eindringen
des Viehs in die Alphütte verhindert wird, sonst
müsste man annehmen, dass der Schweinestall mit
einem Gitter verschliessbar war. ,[Es] was ein grosse
Welt für das Rathaus kommen, doch was der G. be-
schlossen, dass man Niemanden yn- noch usliesse.'
1532, Z (Mise. Tig.). .Der tischmacher hat ein nüwen
g. für den keller gemachet.' 1553. ZGrün. (Amtsrechn.).
.Besichtigung der Gattern [Fallgatter]. Bruggen und
Taren [Tore].' HHLav. 1659. — 3. (Eisen-) Gitter,
Flechtwerk übh. FJ. (n., m. dagegen in Bed. 1); GrL.,
ObS.. V.; Zg; Syn. Gätter. , Grates, ein hurd oder g.,
es seie von holz oder eisen.' Fris. ; Mal. ,Das ander
Bad ist mit Gattern von dem ersten underscheiden.
Die Bäder werden durch ein Gattern underscheiden.'
1578, Pantal. (Hess, Badenf.). ,Die liederlichen Ful-
belzen habend sie in Pfützen g'worfen und mit hul-
zinen Getteren [Übers, von crates] verdeckt.' JJRijeg.
1606. ,Der Chor der Kirchen ist mit einem hohen
G. eingemacht.' 1643, Absch. , Crates, Hurd, Baren,
G. von Holz oder Eisen.' Denzl. 1677; 1716. Im Bes.
a) Verschlag für Hühner, Hühnerkäfig Aa; ZO. ; Syn.
Hüener-Gätteri ; Kräze. ,Den Tauben und Hühnern
zusehen, Vögel fangen, Käfi und Gätterli machen.'
Stutz. — b) Sehranke vorn und hinten an einem
Leiterwagen, damit das Gras nicht herausfalle Z; auf
Wagen für junge Schweine B; S. Nimm 's Rittcägeli
füre und tue 's Gätterli drüf binde für jung Sau dri'
z' tue'. JoACH. 1883. — c) als Schutz der Fenster. ,Als
ich befragte, warum alle Häuser vor den Fensteren so
starke G. betten, sagte man mir, dass die Naehtdieben
sich kecken, die Gätter auszuwägen, einen Raub zu er-
halten.' GKöNiG 1715. — d) Drahtgeflecht zum Schutz
öffentlicher Anschläge, auch der ganze hiezu dienende
Kasten. Sit a's d' Civileh ist, müesnn 'seh -sehn [sie
sich] z'erst in d's G. tue" lä' GrV. — e) Gätterli, in
der Z Fraumünsterkirche eine Abteilung von Sitz-
plätzen, welche durch hölzernes Gitterwerk vor den
Blicken der Menge geschützt sind; vgl. , Kanzel' von
cancelli. — 4. übertr. a) = Sandgatter, allg. De"" ist
scho" dur''' de' G. g'jagt worde', hat viel Widerwärtig-
keiten, Prüfungen erfolgreich durchgemacht Z. ,Das
Erdrich durch eine Hurd oder G. werfen.' JCSulzer
1772. — b) in Sägmühlen der Rahmen aus Balken,
in dem das Sägeblatt auf und nieder geht. allg. —
c) in den Mühlen, eine in den Rumpf mündende höl-
zerne Rinne mit Drahtsieb zur Reinigung des Kornes,
welches auf den Stein fallen soll Ap. — d) die Reihe
der Zähne (scherzh.) S; Syn. Ba/Ie'; vgl. das Ho-
merische ipjto; öSdvxmv. — e) Vorrichtung, die aus
einander zu fallen droht, in Unordnung stehende Gegen-
stände BE.; vgl. gattere' ; dünn und schleclit gewobenes
Zeug Ap; Syn. RUere'. — f) auf Münzen. .Schlechte
Münzsorten, nämlich Rössler, zwei Batzen wert, mit
dem G.' 1521, Absch. — g) übereilter, überstürzter,
unbesonnener Mensch (Pup.); Syn. Schutz-G. G., böse
Gat. get. Kit, gut. gut
498
Frau Gr; Syii. Räf. — h) Gätterli schlüfe" Av, Schlaufe"
Tu, ein Kinderspiel, s. TTobl. S. 97; Syn. Törli, Brugg,
Chettene" schl. — S. die Anni. zu galten.
0 f e"-: hölzerne Umrahmung des Ofens, an welcher
man Wäsche trocknet Sch. -- Vogel-: Vogel-, meist
Hühnerkätig, der von den Händlern am Rücken ge-
tragen wird BO.; Syn. Chrdze'. — Fen.ster-: Fenster-
gitter. .F.-Gätterli an der Wetterseiten von Eisen-
draht.- 1770. ZEüti (Kirehenbau). — Garte"-: meist
Dini. -Gätterli: kleine Gittertüre im Gartenzaun. allg.
— Henne"- GRHe., Hüener- Aa; Bs; B; Gl; L;
GA.; Z: Hühnerstall mit Stabgitter. Syn. Hiiener-
Gäiiter. Chmmmc. .Meine Hemder sehen aus wie ein
Hühnerg.' Gotth. Us-em H. use" cho", scherzh., wenn
man zum 1. Mal zu Gevatter stehen niuss GA. ,Auf
der Pfrund Blangenhausen [wo man Hangen, harren
muss] hat Einer jährlich an Kernen 0, an Wein 0,
Haber so vil. als zu einem leren H. nötig.' 171'2, Z
Pfrundb. (scherzh.). — Hose"-: Hosenlatz BS. —
Chlepf- (n.): eine von selbst mit Geräusch (ChlepfenJ
zutallende Zauntüre BsLiest. (Fluni.); Syn. Schlets-G.
— ümlegg-: Rahmen, der die Weberspulen hält, von
welclien das Garn in den Zettel , umgelegt' wird Ar;
Syu. SpüelihaUcr. ,Ich vertauschte gerne den feuchten
Webkeller und den U. mit der offnem Werkstätte und
dem Hobel.' ArHer. Av. 1810. — Miil-: gittertnrmige
Vorrichtung, welche einem Tiere zur Vornahme vim
Operationen ins Maul geschoben wird. — Note"-:
die 5 Linien des Notensystems. En Nötegatter vor-
Uniere. Ar Kai. — Bett-. Bettste (d.i. Bettstatt)-:
Gitterwerk, bestehend aus hölzernem, mit dünnen
Stricken netzförmig bespanntem Rahmen, auf dem der
Laubsack ruht und der folglich das ganze Bett zu
tragen hat Aa; Z. .SV ^j?c/,vr/)^ tm-liliii i"'s Bett, ilass
(W B. chracliet. Usteri. Du inrsi i,i«l :tr' 11. ab
falle", Beschwichtigung Jiiids. dcT siih üln-r s|iailiclies
Abendbrot beschwert, ebd.; vgl. noch Fön Bd 1 844
u. Laub-Sack. — Brugg-: Gittertüre einer Brücke
Ar. — Reit-: 1. gitterartiges Werkzeug der ,An-
winder', hölzerner Kamm zum Aufwinden des Zettels
Ai>; G; Syn. Beit-Chambe"; vgl. reiten. De" B. hebe"
[halten], bei der Niederkunft Hülfe leisten (scherzh.
vom Ehemann gesagt) G oT. — 2. übertr., hagerer
Mensch Ap. — Sage"-: = Gatter 4b L; Z. — Sand-
ln. Z, -Gatter n. Bs: ein Rahmen von der Grösse
einer Türe, mit hölzernen oder eisernen Stäben oder
Drahtgeflecht versehen, gegen welche zur Ausschei-
dung des Mauersandes Kies geworfen wird ; s. Gatter 4 a
u. räden. — Schassi- (auch -Gatter): Jalousieladen S.
Schutz-: 1. Brett zum Aufziehen und Herab-
lassen an den Schleusen der Wässerungsgraben BsL.
— 'i.^Fallgatter eines Stadttors. .Ein Frow, von Ge-
schlecht ein Zieglerin, Hess [1443, Z] den Schossgatter
fallen.' Äg.Tschudi. ,Das Sch. beim SMich. Törli' in
Zb bis in die Gegenwart. Gegen die L Grossstadt-
seite wurde im J. 1478 beim .Wyghus ein Sch.' an-
gebracht, da man einen Überfall von Seite der Wald-
stätte glaubte befürchten zu müssen. Liebenau 1881.
S für-fällen Bd I 761. ,Die Spanger sind also mechtig
uf die Costenzer trungen, dass sie band müessen hin-
der sich zum tar yn wychen, und wo sy den sch. nit
hettind lassen abhin fallen, so hettind die Spangii
inen die statt abgelofFen und all burger, die ussit ilein
gatter pliben sind, band müessen den tod erlydeii.'
Schweiz. Idiotikon 11.
1548, Mey., Wint. I'hr. .(.'ataracta, ein seil, an einer
porten oder an einem tor einer statt' Fris.; Mal.
.Schussg., Heck, Cataracta, hercius, clathrus.' Red.
1662. .Schutzg. an einer Pforten.' Denzl. 1677; 1716.
.Dependentibus cataractis, mit abhängenden Schntz-
gättern.' Vestib. 1692. — 3. übertr. eine Person, die
hastig und in blindem Eifer einherrennt oder arbeitet
und dadurch leicht Schaden stiftet; auch übh. ein
rasch aber unbesonnen handelnder Mensch Aa; Ai>;
Bs (mit der Fem.-Form -ere"); B; P (-i m.); L; G;
Sch; S; Th; Z .(Pfäif. Sdiü-); Syn. Schutz -Geiss,
Schutz (U), Schiess-in-Hag , Wind-Haspel, Geschütz.
Da Meidli ist en fürchtige Sch., 's ist e Wunder,
wenn 's nit no''' eniol 's Hirni Vrennt Sch. ,Er schoss,
das Versäumte einzuholen, wie ein Sch. davon.' Gotth.
E Jungs Sch. Bs. Einen Schritt weiter geht die Bed.:
einfältiges Frauenzimmer, Halbnarr SBib. — Schutz =
Schuss; schiessen i. S. v. stürzen.
Schütze"-: in der Ringmauer von Zug. wodurch
der Mühlebach fliesst. 1763, Zg KaL 1875. - Mältzc" f.,
offenes Kinnsal.
Schluss-: = Gatter 1, am Ein- und am Ausgang
einer Strasse durch eine .\lp. ,Die Schl.-Gätter, als
den obersten und die understen Gatter, soll die Ober-
keit machen, den mittleren G. aber, welche allein zu
Underscheid der Güeteren dienstlich, sollen die Be-
sitzer der Güeteren, liadurch die Strass geht, erhalten.'
1692, ScHW LB.
Schütte"-: ein langer, altmodischer Schlitten.
in welchem 4 Personen auf Stroh sitzen und. unter
einer Decke die Füsse gegen einander, bequem fahren
können SchwNuoI. — Das Gestell iles Schlittens scheint
aus Gitterwerk bestanden zu haben.
Schletz-: \.= Chlepf-G. Zg. — '2. bildl. a) wohl
mit Beziehung auf die RA. : De" G. la" schletze", heisst
es in ZDüb.: Das Hus heisst bald zum Schi., mit der
Herrlichkeit in diesem Hause wird es (durch Konkurs
usw.) bald ein Ende nehmen. - b) Person, welche
die üble Gewohnheit hat, die Türen heftig zuzuwerfen
ZO. — Schrätteli- (n.): symbolisches Zeichen in
Form eines zimmermännischen Balkengitters, angemalt
oder eingerissen an dem Oberteile der Türen von Haus
und Scheune zur Abwehr von Zauber und Gespenstern
(Schrätteli) \x {Eoahh.). — Turpe"-: I.Gitter, vorn
und hinten zwischen die Leitern eines Wagens ge-
steckt, um das Herausfallen des Torfes zu hindern Z.
— 2. kleines Hüttchen auf dem Torfmoos, in welchem
der Torf getrocknet wird AAEhr. — Weid- = <?(iWfr.3.
[Der Aberglaube meinte] ,bei jedem W. spuke ein Ge-
spenst' Stutz 1851. Vgl. den Flurn. Gätterli- Weid
ZGutenschw. — Strasse"-W-: beim frühem Weid-
gang Gittertüre über die Strasse in der Umzäunung
der Viehweide S. — Zehende"-. ,2 Tändli zu Re-
paration der beiden Zehendengätteren.' 1739, Hotz, Urk.
~ Zettel- (in.) Aa; BHa.; Z, -Gatter n. GRSchams:
das der .Zettelrahm' gegenüber stehende, gitterartige,
Ge.stell, mit den Spulen besteckt, von denen die
Fäden auf die , Zettelrahm' gezogen werden, um so
den Zettel zu bereiten; Syn. Zettel- Wand.
gattere": 1. mit einem Gatter versehen. .Ein
fg'lgattiMter Weg durch Ammann N.'s Lücken.' 16S:!,
.'^i inv 1.1!. G(e)gatteret, von Zeugen, carriert GrV.;
Syn. i/rhiiset. — 2. fusenander-) aus einander klaffen,
iii.lit iiH'hr zshalten, aus einander gehen, zerfallen,
:i'2
499
Gat, get, git, gi)t, gut
500
von alten Gebäuden, schlechtem Nähwerk usw. BsL.;
B; L; ,SuHw"; Syn. klotteren, lotteren. — 3. pfuschen
(von Wehern) Ap ; vgl. Gatter 4 e. — 4. das Aufzu-
ziehende durch den Eeit-Gatter laufen lassen Ap.
Bed. 2, weil der Gatter meist ein loses Gefiige ist und
als Zauntor nicht fest anschliesst.
abe^-gattere": bes. als Ptc. ahe-g-t, herunter-
gebracht, ruiniert, z. B. durch Katzenjaniiuer Z.
er-: 1. (durch List) erhaschen, erjagen, erwischen,
erlangen Aa; B; Th; Z. Was hast jez er-r/aUeret?
was hast du jetzt davon? Z; aufspüren B. .Der find
ist hit also zue ergattren, dis ylen tuet fürwor nit
guet.' VBoLTz 1.554. , Ander schreibend ein anderen
list, mit welchen der drache den helfanten ergattert.'
TiERB. 1563. ,[Die Trabanten], die uns woUtend erg-t
han.' RScHMiD 1579. ,Auf mehr als eine Einnahme
habe er hier doch nicht gezählt; könne er mehrere
e., so sei es desto besser.' DHess 1816. — 2. hart
mitnehmen, plündern. D' Naelithuehe" händ de' Chries-
haimi nacht recht ergatteret. Dc Herdöpflet [Kartoffel-
saat] hat eiisere' Mist recht erg-t, den Miststock be-
deutend kleiner gemacht Z; Syn. er-garteren, -jätte)i.
— 3. rütteln, Personen und Sachen Zu. — 4. durch-
prügeln, abstrafen Th; Z (-ä-Lunn.). — 5. erschrecken,
in Furcht setzen LG.; ergatteret, erschrocken, verblütft
Z; Syn. ertatteret. — 6. sondern, sortieren, z. B. faules
und frisches Obst ZMänn.
Bed. 1 (auch mhd.) wohl Abi. von cr-yaiten, mit An-
lehnung an Gatter, 2 u. 4 folgen insofern leicht aus 1, als
dieses meist ein Ertappen in feindlicher Absicht, als Resultat
des Kachstcllens, bedeutet. Bei 3 schimmert Gutler wieder
stärker durch, vgl. ijalUrcn S und , durch den Gatter jagen'.
5 (auch schon mhd.) natürliche Folge des Überraschens.
6 dürfte von Oattiny aus angelehnt sein.
ÜS-: 1. ausfindig machen Gl. — 2. durchprügeln
ZO. — 3. = nsenaiid-g. s. gattere' 2 „L".
ver-: 1. mit einem Gitter einschliessen, vergittern.
,Der laien kirch mit einem gwelb, das war oberthalb
ringunib vergattert.' Kessl. ,Der wyt verrüemt winkel
und altar Mari», so man nennet Unser Frow im gatter,
dann diser bogen von wegen besunderer vererung ganz
vergattert war.' ebd. ,Vil Bein, die in der Kirchen
in einem Gehöl in der Muren vergatteret ligend.'
ECts. — 2. a) aus einander fallen, zerfallen, bes.
von Gebäuden Aa; B. Syn. verlotteren. — b) aus
einander fallen machen, zerstreuen, in Unordnung
bringen, verderben. Du bist e Schöni, e" vergatterete
Zünstecke" bist, e' dbg'nagte Säutrog! Gotth. .Besen-
stiele flogen um's Haus nnd vergatterte Gabeln hinten-
drein.' ebd. Vergatteret, aus der Ordnung gekommen,
verderbt, entstellt Ap; GT.; W. — 3. verwirrt, ge-
lähmt, versteinert werden Ap; TnTäg. — 4. refl.. sich
überstürzen, hastig, übereilt handeln ZStdt.
„Gatte rete° f.: Gatterwerk. -
Gatteri m.: = Gatter 4 g (Pip.).
Goldi-Gattiker s. G.-Epfel Bd I 369.
Gatti(ii)g, in ApK. Gatti f.: Gestalt, Aussehen,
von Personen und Sachen; Art und Weise, Manier
des Benehmens, allg.. oft verbunden mit dem syn. Art.
1. scheinbar indiiferent gegen den Unterschied von
gut und schlecht, doch mit prägnantem Nbbegriff in
jener Richtung. Es hat Alles e G. [sein Mass], R.\.
zur Missbilligung einer Übertreibung GTa. G. hed
G; aber das hed keim GsPr. — 2. prägnant, a) pos..
in gutem S. E G. ha', maclie", gut aussehen Aa;
Bs; B; Z. Die g'wichste" Stifel madied g'wüss e G.,
wenn i''' so bim Taufstei' vorne stö. Stutz. Das hett
e G., wenn en Herr ose im e Chaste z' rite chäm. ebd.
Was er macht und baut und am Lib treit, het Alles
e G. Bs (Spreng). Einer Sache eine G. geben, ge-
hörige, gefällige Form Ap; B; Z. Er cha" akir
[keiner] Sach e G. ger F. Auch : eine Sache plausibel
machen, darstellen Z. — b) neg., in schlechtem S.
Kei' G. ha", ohne Form, gegen den Anstand sein,
über das Mass hinaus gehen B; Gl; Gr; L; G; Z.
Ir Kleid kost vil und ist doch kei G. drin Bs. Das
ist doch one G. [schmälend] B. Das [ohne Halstuch
gehen] hat am Wlbervolch kei G. Stutz. Rede', dass
es kei G. hat, unmanierlich, allg. Verst. : kei Art und
kei G. ha' Aa; Ap (auch: ke G. ond ke Lei); Bs; B;
Gl; Z. Das sei doch weder Bruch noch G. Gotth.
En<;r^' Sach gar ke G. wüsse" z' ge', sie nicht zu ge-
brauchen wissen BBurgd. De" isch 'nrs steinigs Hisi
mit Tirnlene' [Häuschen mit Türmchen]; i>'' cha"'-mu
newe ekein G. ge' [es nicht recht beschreiben] BGr.
Ich weiss mi' Treu der Sach ke G. z' ge' [sagt der
unkundige Schätzer bei der Inventarisation]. Gotth.
Kei' G. ha' zuweilen nur von einem hohen Grad,
auch in günstigerem S. Er redet unverschant schon,
das' es kei G. hat [über Erwarten schön]. JJScuweizer
1830. — c) mit ausdrücklichen qualitativen Bestim-
mungsww. verbunden, in beiden Richtungen. E gueti,
bösi G. ha", mache". Er macht e gueti G., hat ge-
fälliges Aussehen, schöne Haltung, allg. ,Er hat e
g. G; formosus est.' Id. B; aber auch: er hat guten
Anstand BSi. Auch : e Halungge'-, Schelme"-, Herre'-G.
usw. Gwüss het der Eint oder der Ander öpjicn e
B'kleidig, dic-n-er etmangle cha", aber geng tw e gueti
G. miech B (Bari). Das macht e städtischi G. Usteri.
Gar ne ordligi, lieimcliiji G. macht das Dorf S (Hofst.).
's Wetter macltt hüt kei schöni G. allg. Allem e gueti
G. ge'. Alles mit Geschick verrichten BSi. Auch von
Xaturanlage und Gewohnheit: I''' weiss nid, wo das
Buzzi [kleines Kind] die G. her hed GrPt. Er hed
eso die G., das ist so seine Art GrD. Er hed i' dr
G., g Sach eso z' mache' Gr. Aber auch von blossem
Anschein. Es ist (häd) die letz G., die Aussichten
sind schlimm Z. Es hed kei G., dass 's besseri Zite
geb UwE. Es macht d' G., es well regne' B; Z. ,Es
hat nicht die G.. wie wenn er in den Tag hinein
schwatze.' HPest. 1785. Hieher gehört viell. auch der
eigentümliche Gebrauch des W. in: JV'o [nach] d'r G.,
dem Vernehmen nach Ap. - ,An der frömde sehend sy
[wandernde Handwerksgesellen] allerlei gattungen und
was uf dem handwerk i.st.' HBull. 1540. ,Uf die g.',
auf die Art, in der Weise, ebd. 1572. ,Es sind aber
noch wol andere g-en. dardureh das ei mag zurichte
werden.' Vogelb. 1557. , Andere Kirchendiener habend
eigen g-en zue reden, und die lehr zu erklären.' Helv.
Conf. 1566/1718. ,Non est mentiri meum, es ist nit
mein brauch, mein g. oder art ze liegen, ich hab des
liegens nit gewont.' Fris. .Ein brief uf die tütsch
g., doch vil langlechter zusammengelegt. 1582, Lt-r.
1859. .Sy wusst syn g.'. kannte seine Art. LLav.
1584. ,Ein jeder macht es nach seiner G. und Ver-
stand.' RCys. ,Eln Brennoten auf dise G.' JRLandesb.
1008. ,Es hat darmit eine gleiche G. [Bewandtniss].'
Kriegsbüchl. 1644. ,Das Tragen aller frömden G-en
Hosen.' Z Mand. 1680. , Kleidungen, frömden Moden,
6at, get, git, S'>t. gut
r,o2
üp^iigen G-eii.' AKlingl. 1G88. ,Gewarnet vor aller
lloll'art und Pracht, auch vor allen ussländischen G-en
und Nuwerungen.' Z Mand. XVII. Users Behli sott
manne", es kam der Gattig nö [dem Anschein nach]
:/)hM wol hei"'. JCWkissenb. 1702. ,Ist das die alt
cidgnössisch G. [wie du gekleidet kommst].' 1733,
L Spiel. — Im Gen., aber tw. jetzt adj. verstanden und
adj. flektiert, verbunden mit adj. Fron., Num. u. sogar
jiron. Advv. User G. Lüt, Leute unsersgleichen. Un-
serfsj G-s Bs. Users G-s. Hebel. Ihrer G. Lüt. Gotth.
Vo' vege', wenn User G. [Leute] Oppis seit, .lu isch
d's Wiherrnlch d'nrirhr. <■]<,]. Der <i. l.fit sind all
i'.sö Z (Si,rw.). .Nichts (In t;.- Cmiii, Unr.i.illnn.u.
Dh;j„liniinii Aiilt. ,/-,M Mihh. ,/-/., ir„.ss,T, ,l-:ii
Kpfd Xuw; Z. Jlhuct-iiif'- Gull foi- dcrgaHujcr Re-
ligion Ö (Schild). Öpx^is der Gattigs. BWyss. Desch-
[Aes.]-gattig GrL., ObS., desg-s, dergleichen U. E so-n-e
gattigfe) [solch ein] Chäs Ndw. NM Ase-g-s, Nichts
dergleichen Z ; vgl. söttig. Wele- und welergattig,
fiekt. und unflekt.. was für Ndw; z. B. welegattig(e)
ühiis, w-fij Nulle, tv-Cs) Wasser. De"" g'seht scho",
uas G-s [um was es sich handelt]. Schild. I"'' weiss
scho, ivas G-s do am Berg äne" [was für Leute dort
wohnen], ebd. Me' g'seht 's dene Zwene-n-a", was
G-.s. ebd.; Syn. was Lands. Beder G., von beiden
Arten. Aller G. (für) Lüt, allerg-s Lüt. Aller G-s
nitd Süesses, keinerlei Süssigkeit BBurgd. St zelle mit
heitere' Sinne' allergattig, mie's chunnt Bs (Breitenst.).
Und ha so denkt an Allerhand und A. überleit Bs
(Probst). Guets ond Schö's hed 's Allergattis Ap
(Lutz). AUatargattig [aller der-] G'schicht'<n Gr. ,Es
waren sich da zweier G. Leute gegenüber.' Gotth.
Keiner G., keinerlei; dagegen adv. = in keiner Weise
Bs. Er hat d's Wibli kei'r G. g'tvurschet [verletzt]
g'häben BSa. ,Der gauklerzeug, allerlei g. mit leibs-
üebungen und lüftsprüngen.' Mal. ,Sy und ir ewirt
warend nienen einer g.' CLav. 1584. .Schindlen aller
G.' Würz 1634. ,Weil der G. [Eichen zu ,Stüden']
vorhanden wären.' 1638, Hotz, Urk. ,Alle Tag sahen
sie der G. Zeichen.' FWyss 1655. , Zinnin und ander
G. Geschirr.' 1659, SchwE. Klosterarch. ,Derlei, der
G., dergleichen, hujus modi, similiter.' Eed. 1662.
.Für allerhandgattigen üngenampten oder Wurm der
Itossen.' ZZoU. Arzneib. 1710. .Allerhand G. Holz.'
1T:!9, Hotz, Urk. -gattig mit vorgesetztem Subst. od.
.^dj. i. S. V. ,-artig', z. B. chnopf-g., knirpsartig, zwcrg-
haft GrD.; zwilchen-g., nach Art von Zwilch; swille-g.
(/'?(■()&«" L; Üyn. zwillewls. Mittel-g., mittelmässig Ap;
Bs; U; Z.
Fehlt mhd. Grundbed. : Yerbindung; das Verbindende,
Zsbaltende, Gemeinsame (in der äussern Gestalt), dann diese
selbst, woraus sich alle weitere Bcd. leicht entwickelt. Eigen-
tümlich und z. T. schwierig ist nur die in der Verbindung
mit Fron, waltende Construction, resp. der teilweise Über-
gang aus einem syntaktischen Verhältniss in eine Zssetzung,
welche dann auch der Flexion föhig wird und sogar den
Schein eines Mask. oder Ntrs annimmt: Den-, wan-, umer«
(IrutigK. Durch den Gleichlaut der End. -ig (aus -ung) mit
dem adj. -ig entstand der Schein eines Adj. -gattig, von dessen
Xtr. dann die End. » auf das Subst. übertragen wurde. Es
ist aber klar, dass jenes -gattig von dem unten folgenden,
vom Vb. gatten abgeleiteten, gleichlautenden Adj. ebenso ver-
schieden ist, wie das in Zss. vorkommende -artig von dem
selbständigen artig Bd I 476. S. übh. noch Art.
U(n)-: schlechte Figur Ap. Übermass. E.i hrd
en U., übersteigt das gewöhnliche Mass (iKl>.. l'r.
Mittel-: mittlere Art, Mittelschlag L; Z.
Scham-. ,lch dacht: das ist gwttss tüfels ge-
spengst, die schamgattig du nit kennst. Nun ist es
jedoch nit ein tronm.' Salat. — Scham viel), verschrieben
für Schein, Larve, das allerdings sonst nicht Schweiz, ist.
gatthaft: von gutem Ansehen. z.B. von einem
Rind ZWäd.
gatt-ig, -lieh, -lig, -li Aa; B; L; „VOrte;" nur
-lieh GWa.; SBech. : 1. wohlgestaltet, schön geformt,
gefällig, artig, hübsch Bs; B; ZF. Es gattfljigs Meitli
fMritxrhi) Aa; B. Gattigi Ärmli. Hebel. ,Gattlich,
('\iiiii:i (niiiia, ingenua facie praiditus.' Id. B. Sei gattli
sicnih MixNicH. Das gattUge, sufer g'mölte Wägeli.
SiiuLD. - 2. artig im Benehmen, anständig B; L;
„sittsam, gefällig, angenehm B; VOrte; Z"; verträg-
lich L. Von Kühen: gutartig GrLuz. (gadli). Von
Sachen: schicklich, passend Bs; ZF.
Das Adj. ist der ä. Spr. fremd und nhd. erscheint nur
mit Umlaut .gätlich', ,getlich', auch in der Bed. ,bequenr,
welche für unser W. nur Stalder angibt. Vgl. ge-ichlachi :
Geschlecht.
a(n)-: gewandt, geschickt GWa. Syn. anstellig,
angeschirrig, ankerig, handlich, gleitig, alert. — Zum
Vb. ,angattigen'.
u(n)- unkattig (d. h. ungeg.) ZDättl., F., u'gattig-
lich F : 1. Gegs. zu gattig 1, missgestaltet, unförmlich,
unschön, von Menschen, Tieren, Kleidern, Geräten.
Häusern Aa; B; F; G; Z; eine schlechte Figur ma-
chend Ap. En u-e Bock, der schlecht steht AAZein.;
Bs. U-e Hand, z. B. geschwollene B. — 2. Gegs. zu
gattig 2. a) von Menschen und deren Benehmen:
unartig, unhöflich, ungesittet, unanständig, roh, grob
Aa; Bs; B; Gl; L; GF.; Z. Das Meitli war nüd u.
(i. S. V. 1), aber es tued u. Ap; GEh. Auch: unge-
horsam Bs; widerspenstig Z. Störrisch, unlenksani,
von Menschen und Vieh Bs; Z. — b) vom Boden:
schwer zu bearbeiten, von Steinen: schwer zu fügen
ßs; Z. — c) vom Wetter: unfreundlich, garstig Bs.
— d) von Sachen: unbequem BSi. — 3. ungeschickt,
,unanstellig' Aa; G; Z. Syn. ungeschlacht.
gattige", in B gattliche': 1. tr. in Ordnung, ins
Reine bringen, reihen, ordnen. Form, guten Anstrich
geben B tw.; VOrte ; Z. ,In pulchrum ordinem redi-
gerc Id. B. Er cha" 's nüd g., er kann sich nicht
massigen in Äusserung von Freude und Leid Ap.
„Wohl aussinnen, ausrichten B; VOrte; Gr; Z." Zur
Ordnung weisen, zähmen, züchtigen BSi.; „VOrte;
Gr; Z.- .Si-iiimlarius concinnat setacea, der Bürsten-
binder irattiyct (machet zusammen) Bürsten.' Vestih.
16H2. .('■■iiriiniaie. zusammenfügen, gattigen.' Denzl.
1677; 1716. — 2. intr. a) Gestalt (resp. gute, bessere)
bekommen, schöner werden, von Personen und Sachen.
B; VOrte. Refl. : Es wird si''' seho' no''' g. AaF., Fri.
Auch: „gute Sitten, Manieren annehmen B; VOrte.'-
, Alios mores et formam induere.' Id. B. Ein Mass haben.
Es g-t gar nüd, ist unter aller Kritik GTa.; Syn. kei
Gattig ha". Do isch es gange", 's hei nüd g'gattigcl
[es gieng schrecklich zu]! Merz. — b) sich füsren.
schicken AAZein. Mit Eim g., sich verständigen.
Gotth. Das verfüert mir die Angere, das.1 fascli nit
me'' mit-ne z' g. [auszukommen] isch. MWaldkn 1S8I.
ab-: 1. ein Geschäft abtun; bes. Bienstleuten den
Lohn ausrichten: mit ihnen abrechnen .'\ a : l!Hk.;
503
Gat, get, g'it, got, gut
504
Syn. abschaffen. — 2. „derb ausschiinpfeii. abprügeln.'-
Syn. äs-g.; vgl. gattiijen 1.
a''-gattige": gcscliirkt aiifassi'ii . an die Hand
nehmen, anordnen, aiist.dlcn. .iiili-iti'ii. einrichten, ein
Geschäft, Werk Aa: Ai'; Ks; Ul; Ou ObS.; L;S;Uw;
U; Z. Er weiss NM wz'g. 8yii. an-reisen, ange-
schirren; zeweg-g.
ÜS-: l. = an-g.l „B; VOrte; Gr;" Z. — 2. mit
Jmd Abrechnung halten, sich vergleichen BO. —
3. „= ab-g. 3;' auch: ausfoppen W. — 4. ausforschen,
-kundschaften Gr. — Bed. 4 erinnert an Gattiti i. S. v.
Gerede, Gerücht, Anschein; doch vgl. auch au-ij. 1.
ver-: eine Sache ins Reine bringen BHk. Vgl.
gattigen 1, ab-g. 1.
zeweg-: anordnen, -schicken, -reihen; wohl aus-
sinnen, -richten „B; VOrte; Gr;" Z.
g'gattiget: von schöner Form und Ge.stalt, ge-
fällig Z. — un-: formlos, unschön Z.
higattme": zsratfen, -scharren, an .sich ziehen,
aufsuchen W.
Scheint eine Entstellung von mhd. beijuten, erreichen,
verschaffen, mit der in dem Stamm ijai urspr. liegenden Bed.
,vereinigen, sammeln' und einem viell. aus gadmen od. einem
ähnlichen W. eingeflossenen m.
Gattung f., Dim. Gattungi, -üngi; Tüngi, Tüngeli;
Gatti n.: Katharina, Käthchen B; Th; Z. — Frz. Caton.
gättele": Form haben, in Ordnung sein. Es
gättelet notnme" = es häd e ken Ard und ke Gattig Ap.
— Dim. zu rjatt(itj)en.
guten: rülpsen [?]. ,[Nach dem Genuss der Gift-
pflanze Doryknion] tuet der mensch nicht dann günen
und gäthen, darnach höschen, speuwt bluot und wider-
gibt die speis.' Tierb. 1563. iMfiir in d.T Frankf.
Ausg. von 1669: ,nichts dann giincii und lülzcn, dar-
nach rauzen oder husten.' Die lat, \orlage des Scri-
bonius bietet: ,Dorycnii potus singultus crcbros facit
et vomitus frequenter concitat'.
gättene": springen, rollen (von kleinen Tieren und
Gegenständen) BLenk; vgl. gätteren.
Gatter n. : eisernes od. hölzernes Gitter, meist vor
einem Fenster oder einer andern Öffnung, auch als
Verschluss oder Käfig Aa; Bs; B; Gl; Gr; L; Sch;
ScHW; S; Uw; W; Zg. Eisernes Gitter im Unter-
schied vom hölzernen Gatter „B; L;" Sch; „Ze."
Hieher viell. auch Gatter 3 e. Hinder Mur und G.
[im Gefängniss] Schw. D' Frau Meise d'rin im G.
jetzt nimvie pfife mag Bs. ,üie pfäl schlachen und
die g. [den Rost] legen, daruff die wasserkilchen stät'
Edlib. ,Er sieht durch die fenster und g. ,Syn
muoter sach dureh's g.' 1531, Bis. ,Kefl mit roren
underscheiden [abgeteilt] wie ein g. gemacht.' Vogelb.
1557. .Circumdati cancelli hoinini improbo, er ligt
in einem g. verspert. Clathris claudere, cancellare,
vergatteren, versperren, mit g-(en) umbgeben, bewaren
oder beschliessen. Transenna, g., so man für [vor]
etwas machet, begätteret (ge-g.) fenster.' Fris. ; Mal.
, Zucht mit einem Höggle durch das Yseng.' Cvs. ,A11-
gemach wird der Herr hinder der Wand sich herfür
lassen, durchs G. sehen.' FWvss 1650. — S. die Anm.
zu Gitter.
Hüener-: = H.-Gatter AAFri.; Bs.
hölzernes Gitterwerk vor den Galle
Pfaffe»-:
1 in kath.
Kirchen ; an Fenstern. Lauben, Gartenkabinetten B.
— Mösch-Drät-: Messingdrahtgitter. ,l)ie Chor-
fenster mit M-n gut zu versorgen.' 1781. SchwWoH.
(Kirchenbau).
gättere" 1: 1. in den RA. g. lä", der Sache den
Lauf lassen Z (Spillni.); Syn. letteren; de* Gatter
schletze" lä: — 2. Ptc. g'gätteret, gegittert, bes. vom
Dessin von Zeugen: carriert Uw; W; Syn. g'hüset,
g'spieglet. Gigättrnti Wolche", gitterartig durchbrochene
Wolkenbildung W; Syn. gelocheret ; g'schäflet. ,Reti-
culatus, gestaltet wie ein netz, gegätteret.' Fris.; Mal.
ver-: vergittern, mit einem Gitter abschliessen,
verwahren Bs. ,Henni und Hans Benz band alle irü
rücht in unser frowen Cappel, als ferr du selb da
vornan vergättret ist, ufgeben, also dass sy in dem-
selben vergättreten teil nüt rechtes mit keiner begrebt
haben sond.' 1400, TnDiess. Stadtr. ,Etlich fenster
im büchsenhus ze v. mit möschinen träten.' 1527, B.
.Die beien in den kernenkammeren nüw ze v.- 1555,
ZGrün. Amtsr. ,Mit steinen oder holz vergatteret
[soll das Taubenhaus sein].' Vogelb. 1557. ,Begättert
fenster.' Mal. ,Das vergättret frauenbad.' 1578, Pantal.
,Um das öberist vergatteret g'halt uf das g'wandgän-
terli 5 fl.' 1611, L. Vgl. vergatteren.
Gatte ri f.: im allg. = Gatter u. Gatter. 1. Gitter,
Vergitterung aus Draht od. Flechtwerk Aa; L; ZKn.,
auch Käfig Aa. ,Modica> fenestollae, kleine fen.sterle
oder gättere.' Fris. ,Die gättere, reticuli e nervi.s.'
Mal. ,Dem tischmacher umb einen tisch sampt 6 fen-
ster gäteri zu machen.' 1591, Schnecken Z. ,Er ligt
begraben im Crüzgang neben der Gätteren, so an die
Trotten im Schenkhof stosst' c. 1620, Z. ,Die Gätteri
ob dem Sigsternen beim Wasserstein.' 1705, Z Gerwer.
— 2. = Gatter 1. ,Neben der ackerlüten hüs enncnd
der g.' 1499, AAZof. (Jahrzeitb.). , Durch eine andere
Weide, die G., nach dem Kaülbett' 1798, G. — 3. Das
Eisengitter, das in kath. Kirchen den Chor vom Schilfe
trennt L. ,Die püntischen giengend [in der StLaurenz-
kircho zu StGallen] ufhin zuo dem altar und hieltend
inderhalb der g. einen rat.' Vad. — 4. vergittertes
Gefängniss, z. B. Käfig wilder Tiere. ,Leo e cavea
missus, aus der hüle oder gättere gelassen.' Fris. Bes.
eine in die Erde angebrachte, mit einem eisernen
Gitter (Gütleri) verschlossene Vertiefung als Gefäng-
niss auf kürzere Zeit. ,Kurz vor der Glaubensver-
besserung war das Schwören und Gotteslästern unter
der Jugend so im Schwange, dass der Rat befahl, die
G. zu StPeter solle wieder zugerüstet werden. Nach
Einführung der Reformation wurde gegen Schwörende,
falls sie den Erdkuss verweigerten, die G. durch den
Grossweibel angewandt.' Z Gem. .Ähnliches wird aus
AaL. um 1600 berichtet. ,Dass die schueler von
schmachreden abstandind, oder man werde die über-
tretenden unter die G. legen.' 1580, Z Ratserk. ,Die
jungen Knaben, ob sy sich g'lusten lassen wurdend
zu spilen, werdend mit der Zuchtstuben, G. oder um
Gelt gebüsst werden.' Z Mand. 1650. ,Halsstarrigc
Buben und Meitli sind entweder unter die Gattern zu
stellen oder durch den Schulmeister in dem G'meind-
haus mit Ruten schwingen zu lassen.' 169'2, Z Ar-
inenber. In ZStdt war die G. bei der Kirche von
StPeter, in den Landgemeinden (so in Wetzikon 1683/91,
in Bäretsweil bis c. 1819) ebenfalls bei der Kirche;
vgl.; ,ln die unter dem eisernen Gegitter unter dem
505
Gat, get, git, got, gut
Eingang in den Kirchhof befindliche HöMung sperrte
man beim Kirchengehen Sonntags Diejenigen ein, welche
siih auf den Äckern ihrer Nachbarn an dem Eigentum
derselben vergritlen hatten.' 1780, ZGossau.
Ise"-. .Eine neue I. bi StJoders Altar, die Dieben
abzuwenden.' I(!4r0, LNeud. Vgl. Gätteri 2.
Hüener-: = H.-Gatter AaZ.; L. Es ist e frümde
Giiggel i" d' H. cho". L Volksl. Zug wie-ne H., weit
und dünn gewoben L. Wenn man es beim Kaiserspiel
nicht auf 10 bringt, i.st man / der Hüenergätteri L;
Syn. ivi Sack.
gätterig: gitterig. locker; g. lisme', mit weiten
Maschen stricken Bs.
gätterle": in Gitterform bringen, carriercn, meist
als Ptc. g'gätterlet, carriert, vom Dessin von Zeugen
Aa; Gr; L; G; Sch; Z; Syn. g'güterkt.
ver-: vereiteln GWe. — Vgl. ver-gatii-ren.
düre"-: durchhecheln. A. Was tcitt du aWi prale",
wott [da du doch] no''' gar niene hiclw" bist. B. Du
brachst mi''' gär nüd düre-z'g., bin i"'' nüd 27 Woche
z' Biel iiin,, g'si'? Gr Kai. 185Ö.
gätterli'^'' tue': toben, schelten GlK. — Vgl.
4inttrrU-Iäu/hj, ausser sich, und ergatteren.
güttere" H: 1. herunterfallen, -rieseln, von einer
Menge kleiner Gegenstände, z. B. Früchte von den
Bäumen, Steinchen an einem Bergabhang BE.; Syn.
tatteren; vgl. giittenen.
„Gautel m. : Ausgussröhre einer Kanne BSa."
Syn. Gonggen, Zauggen. — Viell. aus Gnuygel II.
gäntere": sieh müssig herumtreiben, fröhlich
herumschwärmen, zunächst von Kindern; in tadelndem
S. von Erwachsenen: herumfahren, nie zu Hause sein
BE. Abi. „Gäuteri m. u. f.-
gett s. gelt.
GsHe" (Ge'tli, Dim.) AaF., Fri.; LG.; G; SG.; Schw;
Uw; U, Ge'tere" B, GC-'rte» II BChasseral; GRh.
— f.: Überstrumjif, Kamasche. Oh dj [du] <iin Papali
II if chöimist d' Getere iHiie". Gotth. Syn. Stifel, andere
s. bei Fink Bd I SH9. — Vr?.. guetrv f.
Get er s. Gerter.
Hell-. Herr-, Cher(n)-G(}te'' s. Kern-Gerte^.
geitele": schwanken, schaukeln, z.B. ein schmaler,
langer Steg geitelet, wenn man darüber schreitet W.
— Dim. zum folg. W.
gelte", geitle" (geitju): auf und nieder schau-
keln, wiegen, auch: sich wippen W; Syn. geigen
S]i. 147, (gi-)geize", reitclen, g'wäggen: andere s. bei
gUiampfen Sp. 319.
„Gelte" f.: Schaukel. Wippe W."
Gciter s. Gerter.
Glt, in Bs; BSi.; FM.; GSa., T.; Zu., Wl. Git, in
Ai'K. Girt — m.: 1. Geiz, Habsucht, allg. De'- G.
frisst-en no''' Av; Z. Wenn Türen knarren, so .sagt
man scherzweise: si hei-ech [halten euch] d'r G. für
FMu. Sprww.: De"^ G. hat kein Bode". Sülg. Alli
Laster neme'd mit der ZU ah, nw de"- ß. und 's Lüge"
nid. ebd. ,Timotheus spricht, in diser zyt kein böser
Wurzel sy dann g.' Gengenb. Die Leutpriester und
Seelsorger sollen sich nicht ,uf den gyt logen', sondern
die Sakramente unentgeltlich siienden. V)2t>. Ahscm.
.Der wird kein christ syn, der dem gyt dienen wird:
welcher gytz kostliche rych umbracht hat.' Zwingli
152(). ,Gyt' heisst einer der ft Teufel im L Heiligen-
spiel von 1549, ein anderer ,nyd'. ,Ae.stuat in aurum.
er brünnt vom gyt.' Fris.; Mal. ,Die Furgesetzten
[haben] auf ihren G. und zeitliche Ehr gesehen.'
1585/18'28, ApI. LB. — 2. Eifersucht, Wetteifer, Neid.
Missgunst. (Andern) z' G. arbeiten, laufen usw. GkI)..
ObS. Ebda: z' G. (in Aa; BHk.; VOrte; Gl; Z »//
de' G., in Z tw. uf G. hi«, in S über "e' G. ine, in
GnChur; ZSth. i" de' G. ine») (frjesse", d. i. mehr als
man zur Stillung des wirklichen Bedürfnisses bedarf,
den Andern vorweg. — 3. Emsigkeit W.
Mhii. git. Die (aus dem Vb. gizen, d. 1. gU(c)m\, er.st
später entstandene) Form ffjz bei uns wohl erst aus der
Büeherspr. tw. neben Uu eingedrungen. Eiuschiebung von i-
nach langem Voc. in Ap nicht selten.
Er-: wie nhd. ,E. und Flöh springen gern in die
Höh.' Ineichen. .Eigner nutz, eergyt.' ThFrickart
1470. ,Eergeit.' Z Bib. 1531 ; JJBreit. 1629. ,Ehren-
geit.' VTscHüDi 1533. , Eergyt.' HsvEüte 1546. ,Ehr-
geit, Geltgeit.' JJMüll. 1665. - In diesem nicht volks-
tümlichen Comp, ist die Form mit z vorwiegend.
Ver-: Missgunst, Neid, Eifersucht GrD. — Nach
dem syn. Veryunut, Missguust.
„Gu et-: Habsucht L." ,Die Regenten sollen nicht
durch Hotfart, Ehr- und Gutgeiz das Glück in Unglück
verkehren.' Lindinner 1733.
gite" (gir- kvK., ge'ide' i^Dw) : geizig sein, knau-
sern, allg. G. und spare' ist zweierlei. Stutz. S. n.icli
hochfarten Bd I 1033. Davon Giti m. - Mhd. gur,,.
Giter m.: Geizhals, Knauser Ap; Gl. De' G.
mues en Güder ha-Z; vgl. Sp. 125. Syn. Glt-fGjnäpper,
-Hund, -Hödli, -Kragen, -Sack, -Tschöpen, -Wurm,
-Wuest; Gltli'g. — Giteri f.: Knauserei Ar. — Gi-
terich, -ig m.: Wucherer, Geizhals GTa.; ZBauma.
gitig (jrtij B oAa.) : 1. geizig, habsüchtig, begehr-
lich. MHe [je] älter wie [desto] g-er. L (Ineichen).
Er ist g., er nimmt bis a' d' Hell [Hölle] zueche UwE.
.Künig Albrecht was g. nach guot.' Z Chr. 13;'.6/H4(i.
.G., eigennützig missbrüch.' 1546, Z Beitr. ,Ein g-e,
untrüwe rottung.' Ansh. ,[Er war] g. über guet.-
BossH.-Goldschm. ,Die geitigen alten leut, die sich
selbs nit mögen essen sehen.' Tierii. 1503. .Restrictus.
avidus, häbig, karg, kündig, härb, gj'tig oder geizig.-
Fris.; Mal. ,Geitige Priester.' FWyss 1650. Auch
ohne Übeln Nbegrift': haushälterisch, sparsam LG. —
2. gierig, in Essen und Trinken AAZein.; Bs; GrL.,
Pr.; LHorw. Schutt' [den Kattee] nit so g. inne!
S. Git 2. Auch vom Rauchen: Druf so längt er in
Sack und steckt mit g-e Züge' si Cigarre a". Bkei iknst.
[Die Kinder], wo s* d' Pümper [Taschen | g. g' füllt he»d
(fhd". — 3. emsig, fleissig, arbeitsam AaF.; L. /;■ sind
g.! oder sind er g.? Gruss an Arbeitende AAW(dil.
K» fiVf Set-er, e' g-e I'stiie-er. ti.'im Pflanzen von
BäunO'U I, |Illr;,li,Ml"). 'Mv ,1' M.n<l,rn- rrrlil //«>■/(//.
g-i L„l ^111,1. ,,,,■„ ,lrhr,wv l>l,hi,l „>„l ..l,.ii[„l I.Hcr.ini.
Auch: rasch, s,linell, tlink im Arbeiten. Laufen LScmp.
Syn. gleitig. — Mhd. gtiec iu Bed. 1. ,üBitig.- Bib. 1.">:J1;
,gytzig.' Man.; Vad.
er-: ehrgeizig. ,Hochfertig und eergytig.' LkoJiui.
.Aman, das beispiel eines e-en tyrannen.' Z Bib. 1560.
,Ambitione laborare, ergeitig sein.' Fris.; Mal. .Eer-
gytig.- KUkükR 1000. — Mhd. er(eu)-gUt<:
507
Gat. get, git, got. ^iit
ver-gitig: niissgünstig, neidisch GrD. : ZU.;
s. Ver<ßt. — 1er-. ,Lergeitig, der sicii mit lesen nit
crsettigen mag, heluo librorum.' Mal.
gitige": geizig werden BKirchb.
Gitigi f.: geiziges Wesen Ap; GrI>. ; Z.
Gltigkeit. ,G. die recht verkert.' Gengenh. Das
W. auch bei Jdstinger. u. Ansh. — Mhd. tfitrl-eh.
Er-: Ehrgeiz. Kessl.
gitle": ein wenig geizen Ap. — Gitler. ,Ein g..
wuocherer, spiler' usw. 1525, Egli, Act.
Gitli°g Glrtli m.: Geizhals Ap.
gitli"ge": Adv. Z' tfitlige' esse', gierig. Andern
Nichts gönnend GRMal. - Im S. v. Gii ;> gebildet mit
helieliter Adverbialend.
Gitter n.: wie nhd. allg. ,Ochosias ist von dem ge-
gitter [Fenstergitter] elendiglich gefallen.' LLav. 1587.
,Ich sehe dieses nur als durch ein Ge-g.- JJUlr. 1731.
(Ge)-cjUta- verhält sich zu dätitr wie .Gebirg' (ahd. -fii-
heragi) : ,Berg' ; das i erklärt sich durch Einfliiss der neutr.
End. eines nrspr. Gi-gütari; das ursjir. i" ist ia der Form
Gatter uumittelbar erhalten.
S c h i j e 1 i - : Gitter verschlag aus Zaunstäben (Scheieli)
B. So hei-mer de"' üppe" en ä''hissne Öpfel dür''- d's
Scheiehgitter uf eiii Hurd i' eiie Cheller iibere' g'schmisse.
Bari 188;!.
.Gitterete" f.: Gitterwerk. "
Gitteri f.: Gitter. Ap Kai. 1817.
gietig: von Wunden, entzündet, brandig, vergiftet,
geschwollen, in Folge von Vernachlässigung. Erkäl-
tung, Zutritt von Luft und vom ,bösen Blick'. Auch
von dem Orte, welcher durch seine Ausdünstung die
Verschlimmerung bewirkt, so von Ställen, in welchen
Schafe, Ziegen, Schweine sich anflialtfu. Dazu das
abstr. Fem. G-i. B' G. ist mi, |ihiii| dn" cito" [in
die Wunde, das Auge usw.]; Syn. Gi.ccltt(iJ, Zueschlag,
Winde W.
Vgl. das syn. rjiecUiij, aus welchem es durch Verflüch-
tigung des eil entstanden seiu könnte; doch wird Letzteres
sonst gerade durch folgendes ( festgehalten. Eher und ohne
alle lautliche Schwierigkeit lässt sich 3. als die W Aussjir.
von (jiietüj (s. d.) erklären, welches hier in euphem. S. an-
gewendet wäre.
Gott. A. concr. das lebendig und pers. gedachte
hiich.stc Wesen, meistens der eine, wahre G. des Chri-
stentums, z. T. in ausdrücklichem Gegs. zu Göttern
des Heidentums oder göttlich verehrten Menschen.
,Der irdischen gött sind vil in der hell.' NMan. ,Du
söllist nit frömd gött haben.- Zwingli. .G. ist kunig
über alle gött.' 1560, Psalm. ,Ich bin den Götten nit
nachgangon.' 1587, Jerem. Der PI. ,Gött' einmal be-
merkenswert unterschieden von ,Götter' : ,Die Heiden
an Iren Göttern, die doch nit Gött sind.' 1587, Jerem.
Da heh(e)t [daran hindert] mi''' ken G. Z. In kathol.
Sinn auch = Christus und Bild desselben. Er het
d' Mueter G-es uf'm lln.t „ml ihr Tifel im Herz.
Sprww. B' M. G-es clinrrhhi. wenn nach Regen oder
Gewitter Nebel aus einem Wulde aufsteigen, womit
wohl gesagt werden soll, das schlimme Wetter sei zu
Ende und es komme nun besseres L; vgl. küechlen,
Bettler. M.-G. werfen s. hämvielen. MuetergöttesU.
1) kleines Bild der M. G., insbes. die kleinen Marien-
bilder aus vergoldetem Ton, wie sie von Einsiedeln
kommen und die die Kinder den Einsiedler Pilgern
abbettelten Z. Auch geraalte Bildchen GStdt. ,Daselbst
leuchten sie [die Fraurothacher] wie M.' PSoheitlin
1837. .Bäbeli war appetitlich anzuluegen wie ein M.
us-em Truckli use.' Zg Kai. 1872. Wege dem het s^
si au''' $0 pützelet und isch d'rher cho ine 'nes Muetter-
gottesU S (Joach.). — 2) frommtuendes Mädchen. I'''
ha' dem M. nie recht 'traut L (Brandst.). — 3) Mueter-
gottesje, gentiana verna W (Kdspr.); Syn. Himmels-
Blüemli, -Schlüssen. — Boss G-s, Esel [der h. Familie]
G; Z. ,G-s Fleisch' s. Bd I 1221. Lt HsStockar
ward 1529 ,der gross G. im Münster [ein im Chor-
bogen des ScH M-s einst aufgehangenes, c. 20' hohes
Crucifix] dannen tuen'. ,So [wahr] mir der grosse
G. von Seh. [helfe].' Rieger 1606. ,Göttli', Götze,
kleines Crucifix od. Heiligenbild. Kessl. ,Gott' 1. mit
stehenden Adjj. oder sonstigen attr. Bestimmungen:
Ber alt G. lebt no"''! Z. Bu (ebege-'J allmächtige'' G.'.
Ausruf der Verwunderung oder des Schreckens Gl; Z.
Der .lieb Gott', oft fast wie eine Zusammensetzung
und wechselnd mit Herrgott im Volksmunde einzig
üblich für das einfache ,6ott'. De" l. G. lä' scheide",
eine Ehe nur durch den Tod trennen lassen Z. Er
löd der 1. G. e guete Ma" si», lebt leichtsinnig fort
L (Ineichen). X. Gotilis spilen, im Kleinen den 1. G.
vorstellen, nachahmen B: ,Das ist eben die grosse
Nächstensünde, dass fast alle Menschen 1. G. sp. und
nicht nur das Sichtbare beurteilen, sondern die Seele
richten wollen.' Gotth. Bc l. G. ist bin-is ig'kert,
Formel der Ergebung bei einem Todesfall. KSteiger
1839. Löschid Für und Liecht, dass uns der l-e G.
behüet [Wächterruf] ! ebd. F'' han <im [dem] Liebgott
Ursach all Tag z' danke. Gotth. U"' fragt di''' opp
a Jeger na''' der ZU, su gib: Bern l-e G. grad recht!
zum B'scheid BG. (Schwzd.). Ber Liebgott machts
gäng no'''' besser ah d' Manische. Sprw. Scherzh. mit
einer Ortsangabe, die sich viell. auf ein einst dort
verehrtes Christusbild bezieht: Bu lieber G. vo' Prat-
tele" (Bs), schenk miner Frau de' Tod, so cha'" si
ni'imme raggere" usw. ; doch s. auch ,Prattelen'. Leben
wie G. in Frankreich s. Bd I 1310. Und bi-n-eme
Pfifli Tubak hei m'r g'lebt, wie G. i" F. Joach. 1881 ;
s. auch Herr-G, — 2. G. im Gen. a) abhängig von
pers. Substst. Meist in scherzh. freundlicher Anrede
an Personen: ühind G-es! Z. Schatz G-s! Schild.
G'sehöpf G.! L. Mann G-s! nur ironisch, auch Spitzn.
von Familien und dann auch mit verdoppeltem Gen.:
's Mann- Gottes -se. ebd. Abhängig von Tiernamen:
Boss G-s s. oben. ,Nicolaus, genannt gottsvogel.' 1413,
Urk. SBlas. — b) abhängig von abstr. Sachbegriften :
G-s G'walt [als letzte und höchste] voiVhaUe' [Formel].
Bas ist (der) Gottsgtvalt, höhere Macht, z. B. von ver-
heerenden Naturereignissen, gegen die der Mensch
Nichts vermag und vor der es auch kein menschliches
Recht gibt, so dass z. B., wenn durch eine Über-
schwemmung Erde in eines Nachbars Gut geschwemmt
worden ist, dieser keine Entschädigung verlangen darf.
,Vorbehalten g-sgw. und herrengwalt.' c. 1500, U.
,G-s Gw. [der Schlagfluss] hat ihn [g"]troffen.' Isithurn,
Mein. (Sch Hdschr.). ,Ihr Schwester, welche kranklich
und schon 2 Mal den Schlag oder Gew. G-es gehabt'
GKönig 1715. ,G-s Namen', mit vorgesetztem, oft aber
auch weggelassenem ,in' (ej, in beiden Fällen über-
gehend in abstr. Anwendung, i. S. v. unangenehmer,
aber unvermeidlicher Notwendigkeit, auch als abge-
brochener Ausruf. 1) ernsthaft, mit Bewusstsein der
509
Gat. frei, irit, gut, j,'»'
Beil. lies W., z. 1!. in (iebcton und dann immer mit
der Präp. E G-s N. ag'fange' sagen Hausmutter
oder Hausvater, wenn ein grösserer Kreis eine Arbeit
beginnt. Hü, e G-it N.! Zuruf ans Zugvieh beim
Pflügen. JC G-s N. üfg' stände (i' 's Bett g' gange')!
beim Aufstehen und Niedergehen Z. E G-s N. Amen!
Schluss bei jedem Gebete. KSteiger 1839. Gang e
G-s N.! Abschiedsfonnel. allg. E G-s N. ist nid
g'schwore". Ineichen. Es geit cl'r niid in G-s N., Dro-
hung, die erteilten Befehlen beigefügt wird, um diesen
Nachdruck zu geben, z. B. : Bis sit giiot u"'' folg. sust
geits d'r nüd in G-s N. [d. h. schlecht] BK, —
•>) formelhaft, z. T. missbräuchlich, ohne bewusste
Bed., abgeschwächt, bes. als Ausdruck der Resignation :
G-s N.! m^r sind i' G-s Hände". Stutz. G-s N.! i'''
wirde 's müese ge". ebd. E G-s N., i'* cha"' nüd
änderst! Der Schutz [Schuss] isch i" G-s N. [ohne
dass man es hindern konnte] hinden use B. ,Mag er
[der Debitor] dann dem gelten sein ansprach lösen,
ist im n. g-es [wohl und gut].' 1559, B; dafür: ,ist
mit Heil.' ebd. 1659; vgl. ebd.: mag er vernüegt wer-
den um sein Ansprach, ist es gut.' Verst. durch Zu-
sätze, ernsthaft und formelhaft: I" G-s filesj Herre"
N.! Z. !"• stä" e G-s-Herrgotte-N. üf [Segensspruch
am Morgen]. Stutz. Umgestellt aus: ,in des lieben
G-es N.': I" G-s liebe" N., wenn es G-es Wille ist Z.
I G-s (liebe) heilige Name! 'der muest di''' iez dri'
schicke L ; Z. I"s tusig G-s JV. L ; Z. G-s Wille' miiess
g'scheh; üb 's regni oder schnei' L. Meist zu einem
Comp, verwachsen: Wenn 's aW' Gottswill ist, so
muess-m'r kei"s nie veHrinke'. KdMey. 1844. So lang 's
G-siv. ist, G. gefällt Z ; vgl. ,diewyl ich leb u. g-s w.
ist.' Ruef 1550. Wer weiss, wo G-sw. iimme" hudelet,
was noch geschehen kann, (iiittlioli^' Fncniiir: /»n.s
ist en scliöne'' G-sw. g'sl', dass dir ,ili /,v./(7 ,i\f,,rlini
('st AALeugg. !''• troite, er inni null," m"'iii Wiilrr
nohschlök"; es war doch ««•'' cii. gaetf G-sa\ Bs
(Hausfr.). Almosen, Gabe (vgl. die Formel der Bet-
telnden: gem'm'r der G-sw. Oppis!). spec. vormals eine
Gabe von '/a — 1 Batzen an Diejenigen, welche in das
Trauerhaus kamen, um für das Seelenheil der Ver-
storbenen zu beten UwE. Verbunden mit den Präpp.
.um, durch (d'r, de/, sogar gehäuft: um d'r Bs, under
ZTurb. (vgl. under G.). G-es W., G-sw. oder, wenig-
stens scheinbar, mit dem best. Art.: um-e G-sic. S.
t. ernsthaft, t. formelhaft, t. in ruhiger Aussage, t. aber
als Ausruf der Bitte, des Erstaunens, des Entsetzens,
allg. P'' Utt i dp- G-s W. [um ein Almosen]. D^/r)
G-s W. a'halte', flehentlich bitten. Er hed-em's d,-
G. W. g'ge', aus grosser Gnade Ap; Z; s. noch Güeyi
Sp. löl. Dem N. N. wird eine Pfründe verliehen
.durch G-esw., U. L. Frowen w., durch mess hau, sin-
gens und lesens w.' 1531, Zu. .'s Gelt durch G-s W.
gehen', als Spende für die Armen. Schimpfr. 1651.
Der (um) G-s W., umsonst, gratis Aa; Bs; B; G; S; Z.
Er git nid Vil um G-s W., ist geizig. Er stilt 's
Leder und git d' Schueh um G-s W. Sulger. Bei -An-
wendung gewisser Heilmittel war es nach dem Volks-
glauben eine Hauptbedingung, dass man dasselbe um
,G-s W.' und ohne nach den Kosten nur zu fragen,
zu erwerben suchte. S. noch Frau. G-s W. au'''!
Um tusig G-s W.! Um 's Himmels Gs W.! Stvt/..
In der Beteurung e G-s W. (S) könnte e aus einer
der oben genannten Präpp. verstümmelt oder aus der
Formel e G-s Namen herübergenommen sein. Mit
schonender Ersetzung des Namens Gottes: Um Göbe'
W. GStdt (viell. aber urspr. scherzh. umged. aus ,uni
G-s W.' mit Bezug auf ,geben'). G-s Trost, Wunder
s. u. B 1 a. (Aller) G-s Dinge s. ß 2 a t- — c) ab-
hängig von concr. Substst. Niemert stigt in G-es Rat-
stuhe. Sulger. — 3. abhängig von Präpp. ,Darch G.'
= , durch G-s Willen'. , Welchem man d. G. git, was
guets dasselb mensch an synem tod lat, soii^nd die
landlüt erben.' 1470, Gl. ,[Die Kinder sollen erzogen
werden] unz dass sy brot d. G. mügen heischen.' 1508,
Z Staatsarch. ,Für. G.' F. G. und Welt Nüt nütze;
auf der 1. Welt zu Niclits nütze, von gar keinem
Nutzen sein GrHc. ,Mit G.', mit G-es Hülfe, Willen,
Zustimmung. Arm, aber mit G. und Ere' dur"'' d'Welt
G; Z. M. G. i' d' Hand speuze' [speien], sich zum Be-
ginn einer Arbeit aufraffen L. S. noch üsga' 1 h (Sp.25) ;
Geiss (Sp. 456). Under G., ums Himmels Willen! z. T.
übergehend in abstr. verstärkende Bed. (s. B 4). Was
u. G.! was auf der 1. Welt! GrPt. (S. Bd I 324; doch
wahrscheinlicher aus obigem um G-s Willen zu er-
klären). .Si sye als ein recht bös wip, als u. G. ie ge-
born wurde.' XIV., L Ratsprot. Nach G. schreie', um
Erbarmen, Gnade (aus der Spr. der Bibel). De' mues'
na [noch] na G. sehr., er wird sein Verhalten später
einmal büssen und bereuen Z. ,Vor G.', vor G-s An-
gesicht, Urteil. Es ist v. G. nüd recht Z. I''' chaun 's
r. G. bitäre'. ebd. Ein eines Mordes verdächtiger
Walliser. der sich für einen Deutschen ausgab, verriet
sich durch die Beteuerung: ,Es ist v. G. nicht wahr!'
JSs nimmt mv'' vor (von) G. Wunder BBe. ,Bei G.'
s. B 1. — 4. in Verbindung mit Vben. a) in freier,
z. T. bildlicher Anwendung. ,G. redet', Formel der
Ankündigung biblischer Stellen (des A. T.), wo G.
selbstredend eingeführt wird. D' ühind müend z'erst
's Utiseroater und dann 's G. redet [die h. 10 Gebote]
lerne' ScnLohn. ,G. balget', bildl. Ausdruck für: es
donnert, nach der weitverbreiteten Vorstellung, dass
der Donner die Stimme einer zürnenden Gottheit sei ;
Syn. G. tuet Gepsen trölen. ,Die Wyn, wie sy Gott
und die Reb den Menschen gunnen, blyben lassen.'
Z Mand. 1649. .Ein Bauer, der aus seinem Weinberg
nimmt, was G. und die R. gibt.' HPest. 1787; und so
noch heute. Die alte RA. sogar auf den Menschen
übertragen: ,Da ein Mensch in allem seinem Tun
ofl'enherzig, rund, ohne Falsch ist, und wie G. und die
R. ihn gegeben.' FWyss 1650; s. noch Beb. ,Des sy
g. und dem rechten trüweten, dass er sy des wegs nit
entsetzen sollte [Berufung auf menschliches und gött-
liches Recht in Prozesssachen].' 1510. .\kch. Jenatz.
Sprichw. RAA.: Das nützt G. uir'-d' Will mul GnOhur:
gleichbedeutend mit: uf der G-rs \V,li „ml s. B 2 a ß.
G. hat mer 's g'ge und de' Ttifi-I snil un r 's nid iie.
Sulger. G. gits, G. iitniints. li. ,ii,l .In- Arhn-. ahrr
nid de Pflueg, das W<issi r. :ilirr unl ihr ( linir.i. (!. ijhI
die Chue, aber nid du SinrI. dn-nr. <i. hilfl d,-
Riche', die Arme' chönne' go bettle". G. hed kes Er-
barme" mit dene", wo lönd dur 's Dach regne'. G.
nimmt de" M''ille' für 's Werk. G. regiert im Himmel
und 's Geld uf Erde. Ineichen. G. git d' Schultere
no''' [je nach] der Burdi. Me' miiess G. nid us der
Arbet [auch: i«,s' em Jär, us der Schuel] laufe'. Wer
G. dicnrl, hnt rv fjurfr Mrisfrr. Sii.ckk. V'rm (r. V'ol
will. <
brucht
[ihn] (
S,lin.
vhaljc
./ S.
II',
e/iKVl.
511
t.iat, get, git, got, gut
512
Land will strafe", so nimmt er de" Herre' de Verstand
{so gid er-etn Bliebe^ zu Urgente Z). Wenn G. es Land
will ßge, so wird er wol Bese" finde'. Wer G. fürchtet,
brucht sust Niemer z' fürchte. Ineichen. — b) in stehen-
den RAA., Formeln, in welchen 6. z. T. abgeschwächte
Bed. hat (wie bei ,G-s Namen, Willen'). 1) in der
Aussageform. Weiss G., parenthetisch und adverbial,
a) mit Ergänzung von vorausgehendem .das', beteuernd
i. S. V. wahrhaftig B; Z; vgl. getviss G. (B 1 b). !"•
cha^'s w. G. nüd säge. Früher 1 Mal im Conj. Nabat,
klagend: ,'s wiss G., mir [wir] arbeitselig sind.' GGotth.
1619. — ß) mit folgendem Fragepron., umgestellt aus
,Gott weiss' i. S. v. üngewissheit oder unbestimmbar
hohem Grad. W. G. wie lang, wie vil, sehr lang usw.
Bs; Z. W. G., wo de"- iez ist! Gr; Z. — 2) in der
Frage- oder Wunschform, a) G. im Nom. aa) das Vb.
im Ind. in Frageform mit cond. Bed. Will 's G.,
1) gewiss, wahrlich Ap; G; S; Th; Z. Ja, w. G.isch
[ist es] war (auch: %cills der Liebe). I''' dar [wage]
w. G. nüd gö! EPeürek. Was liest aw^ g'macht?
W. G. sid)er Nüf. ganz und gar Nichts, ebd. I''' 6»'*
w. G. iiiul Srhiihl r/m". W. G., i"- cha" 's nüd tue!
Gönd ir:. -ii.st irnnl u\ G. Alls verspätet Th (Schwzd.).
W. G. hiiil ,r '.-• Bir 'brache'! 7,0. Er stösst e Süfzger
US und seit : W. G.. 's ist halt e Straf [ein Jammer].
Schild. ,Du klagest, will es G., voreilig.' Schadsp.
1775. Auch adverbial gebildet: willsgöllig Ap; GTa.
und willsgochlig GG. (s. Sp. 108). — 2) hoffentlich Z.
Z).; wirst w. G. g'naeg ha^. W. der lieb G. BBe. —
8) in der urspr. eig. Bed. W. G., so taget 's. Sulger.
,W. G., so will ich wider zu euch keren.' 1530, Apostelg.
.Nun, wo wir 's heut han bleiben lan [das Spiel],
wöUn wir will 's G. morn wider dran.' GGotth. 1599.
,So wir etwas anfahen wollten, will 's G. wir allweg
sagen sollten.' GGotth. 1619. ,W. G.. dass solchs ge-
schehe.' Myricäus 1630. Vgl. d. Folg. — • ßß) das Vb.
im Optativ. ,Gott wett, ich wäre längest tod!' Rdef
1550. ,G. wett, dass ich 's vergelten kennt.' GGotth.
1619. G. gebe, bes. in Begrüssungs- und Abschieds-
forraehi. Gueten Tag, Abed, guet Nacht geb-i [euch]
G. Ap; B; Gl; Gr; G; W; Z. Christe', der am Mor-
gen de" Guet>:taggebigott über d' Hütti-tür i'rüeft GrPt.
(Schwzd.). Mit Verkürzung od. Weglassung von .gut'.
Gottag gebt G. GlK., Tag gebi G. Ap; GT.; Z. Hesf
au,''' scho möge uf? Hä frili jo! Taggebigott! 'KxMwi.
1844. Se schlaf ed wol! Nacht gebi G. Stutz. ,G. geh
dir ein gueten tag [Morgengruss].' ThPlatt. 157'2.
Auch mit andern Objekten: Zentumme [rings umher]
Fride' — Gott-nis geh! Schw (Bruhin). Geb-is G.
Glück! Formel nach geschlossenem Viehhandel BHa.
,G. gebe dir gut Sinn und Denken-, soll nach Al.v.Orelli
1797 mit Händedruck zu Stadt und Land als Gruss
[an der Stelle des: Gelobt sei Jesus Christ] gegolten
haben. Vgl. noch Gott-geb Sp. 69 f. G. grüess di'>'
(ivol, au'''J, G. grüez-i [euch] Ap und mit betontem
auch als Erwiderung Bs; B; Gr; GT.; Z. in Ztw.
entstellt gueggrüessi ; griiess-G. Ap; BE.; G; als Antw. :
(G.J grüezi wol ZO. .Es gilt [einem Welschen] glj'ch.
so einer sprach : G. schänd dich oder G. grüess dich,
bidermann.' UEckst. 152.5. ,Gnad herr, gnad herr. nun
grüess üch G.' JMuker 1559. ,G. grüss dich, lieber Bru-
der myn.' GGotth. 1619. ,Griez mich G., ihr Herren',
.sagt der Bauer spöttisch in der Com. SBeati. -\uch
grüess (grüez)-i, mit Unterdrückung von ,Gott' (wie von
.gut' bei ,G. geh'), so dass der Schein der ersten Person
entsteht Aa; G; Th; Z. Auch ist das -i [euch] in
dieser (in GlK.; GT. auch in der folgenden) Formel
so verblasst, dass sie auch beim Duzen gebraucht
wird. Als Subst. : Ei's Gottgrüem ist besser a's zeche
helf der G. ! U. D* Chappen i' der Hand und 's Gott-
grüezi parat git offeni Oren und guete' Rat Z (Schwzd.).
G. dank-di^- (G. d-ij, Dankformel, u. A. auch als ste-
hende Antw. auf obigen Gruss Ap; Z. D-i G., auch
zu einer sonst mit du angeredeten Person Z. Dank-i
G. säge", danken Gl; Z. ,Est gratia, ich sag dir dank,
G. dank dir.' Fris.; Mal. Als Subst. m. = Dank.
Ke'n Dankigott der für übercho". Zum Dank-d'r-G.
no''< alli Schand g'höre". G. lon-i (der), ebenf. Er-
wiederung von ,G. grüsse' GrL., sonst auch : loni G. !
B. ,G. vergelte!' Dank für eine Wohltat, eine Gabe.
Vergelt 's G. (tüsigmal) G; Z. Er giH Ei"m nid
emol en G.-vergelts. Sülger. Hol-mi''' G.! Beteurungs-
formcl = meiner Treu! scherzh. oder gedankenlos ge-
bildet nach dem Gegs. : ,hol der Teufel!' Wie 's
Wetter, h. G., Schlot -me' drl". Ineichen 1859. Es
wird-der, nemm-mi Gost, drab grüse'. Eliata 1762.
G. helf-der f-ij! oder h.-d'r G.! 1) wirkliche Bitte um
Gottes Hülfe ; in GkVt. etwa mit der Antw. : Das tue
er! Helf-is G., so ist eus g'hulfe". Ineichen. H.-is
G., 's hat 'blitzt! Sch; Z. H.-is G. i's ebig Lebe"!
Spruch bei der Betzeitglocke Z. ,H. üch G. ! ' Schluss-
forrael des Todesurteils. 1646, Z. H. (d^) G. oder
G. helf-ech (U), auch beim Niesen Aa; Bs; B; Gl;
Gr; Uw; U; Z. if. d'r d'r lieb G. in d's Himmeli uf!
GRPr. (Schwzd.; zu einem Kinde). ,Noch heute sagt
man zu einem Niesenden: H. dir G.' JMüller 1673;
scherzh. gewendet: H. d'^r G. in Himmel ufe", so
cliuiinst vier ab den Auge' {so chunnst «ijr «»• der
Stuben use' BO.; Z; in ZWthur noch mit dem Zusatz:
H. der G. i 's Grab, so chumm i"'' dlner ab) ; oder :
h. drr G. i 's eicig Lebe', fZ. maest (denn) weder spinne'
na''' webe'. Als Formel zur Abweisung von Bettlern,
denen man Nichts geben kann noch will Aa; Ap; Bs;
L; G; Uw; Z; in Ap soll ein Bettler darauf geant-
wortet haben: Du hest dem Herrgatt Mint z' befeie';
scherzh.: H. der G., du brückst denn kes Seckli [um
die Gabe fortzutragen] L; daher: H. der G. bricht
Kei"m de' ,Sack. Sulger; der Arm ist z' H.-d.-G.
diheim. Sprww. 1869; vgl. den Personenn. ,Gotthelf'.
Beim Fallen einer Sternschnuppe soll durch den Aus-
ruf: H.-d'r-G. ! eine Seele gerettet werden können Z.
— 2) Beteurung; H. m^r G., so wahr mir G. helfe
Aa; B; Z; G. helf-mer Z. Syn. chemm-mer G. z' Hülf!
GnChur. Er isch, h. m'r G., e so ne wiieste! B (Zyro).
D's Elisi isch, h. m'r G., Nüt. Gotth. — 3) Begrüssung.
G. helf-i (aw')! Ap; Z. H. G. bi-n-enand(er) Gl;
Sch. H. G. dem Herre'! Stütz. He, h. G-, Frau!
ebd. H.-is G. Alle'! darauf: I'* danke GSa. G'segn-is
G. (auch umgestellt), kürzestes Tischgebet oder Er-
satz desselben, allg. ,Der wahre Gott in Israel uns
Spys und Trank jetzt g'segnen wöll.' GGotth. 1619.
Auch Segensspruch z. B. nach wohl eingebrachter
Ernte Z. G. g'segen-is 's Esse', Spruch nach be-
endigter Mahlzeit Ap. G. (g')segni d^r 's (in GsPr.
g'sege-der 's). G. g'segn-ech 's, bezw. -i 's (welches wie
G. geb-i auch für den Sg. gebraucht werden kann. s. o.).
G. g'segene [euchV] Ap, oder umgestellt und dann meist
abgek. g'seg- (Stutz), g'se- (Aa: Ap; Bs; B: Gl; L
(auch se); Sch; Z), g'sey- (TnSteckb.; ü; ZSth.) G.:
Segensspruch beim Essen und Trinken (auch beim
513
l.t, -Ht
•)l-l
Kiiinchiiieu einer Arznei), bes. als Gruss an die bei
der Mahlzeit Sitzenden, oder wenn man sich zu ihnen
setzt, um mitzuhalten. G. grüez-i, G. g's-i! Stutz.
.Sclierzw. zu Einem, den man tapfer einbrocken sieht:
G'se G. um 's Halb, ich wünsche euch G-es Segen,
wenn ihr mir die Hälfte [von der Mahlzeit] gebet Z,
oder g'se G. nw 's Halb, 's Ganz cTiäin-mr denk nümm
aber Bs. Vil Durst (o. tvannj und wenig Gse-G. [zu
trinken] Z. .Den christlichen Schlaftrunk, den die
andern Klassen aus grossen Bechern und Krügen G'se-
Gütt-Weis [in vollen Zügen] nehmen, vertreten hier
kleine Spitzgläslein.- ADensler 1817. Spec. beim Zu-
trinken Bs; Z. TiiriKl II :n, .1/// nrdlv'' B' scheid; g'se
G: ir Herre' Bs (G"ttH il< li.i. (_y^iij G.! Sti:tz. , Essen
und Trinken g'segeii üdi (J.l- Wikri 155(3. ,A. Es
gilt euch eins! B. G'segue dir's G., ich schlag ab
keius!' Mykicäds 1630. ,Sy setzen sich zu Tisch,
bringt der jung Tobias "s Voressen und spricht: Gsegne
euch 's G., ihr lieben Frund, all die ihr z' Tisch hie
g'sessen sind.' GGotth. 1619. ,Nun iss die Suppen, G.
dir sy treulich g'segnen wölk' ebd. Auch beim Niesen
U; ZSth. Mit Weglassung von ,Gott': {ÄJ g'segen-
isch! formelhaft, als Interj. des Erstaunens, der Ab-
wehr, etwa = ,os ist niclit zu sagen, wie . . .' GrV.
Ä. g's.-isch, ici.iti [wok-h] ijrossi Biinll Ihn mmi dir
trag,,: Schihcigant-, [ihn] ii'frniil. iir,-\< m^, |ihm]
gang,; st. Antw. Ä, g's.-isili : luli may uirlit -ugen,
wie schlecht!] — Siiis G., trost G., erhalt G. alh arme'
Chind, die uf Erde' sind. Arne" [Tischgebet] ; daher
scherzh.: Sjns G. pßfe', Nichts zu essen bekommen
ZWl. ~ ,G. behüete!' 1) Bitte um göttliche Abwen-
dung von Leid. Bcsegiiungsforuiel, mit ,vor' oder Obj.
im Aci-., häutig alier nur formelhaft als Ausdruck des
Erstaunens. Entsetzen-^ und dauii auch unter Weg-
lassung vüu .G..tf; \-l. ::l l:'liii.i-,s,h C. Ulis iiiiil
Hei"', Llt iniil Vih iiirnUiiiii r,„ili,:h: W. iriimi-rs
G. und 's hdig Chni: (lur dem Wasser und dein Fnrj!
Stossgebet bei Donnerschlag GA.; SchwMuo.; h'h.-is
G. vor Leid und U"faV! ebenso nach einem Blitz Z.
Mit b'hüet's G. ist auch der Alpsegen gebildet (Tobl.
VL. I lit7). B'hüet G. is vor tmg'rechtem Guet und
alle" böse" Wege'! Kdhn. B'h.-mi"'' G. vor so Öppis! Z.
Ä b'h.-is, b'rat-is! behüte und berate uns! auch wort-
spielend {Bratis = Braten) Z. £ b'h.-mi! Ausruf des
Staunens Gr. Grad meine"d s', b'h.-is G. dervor, es
sei der Tafel Stctz; daher als Subst. der B'hüet-is-G.
deror, eu]ihem. drr Teufel Il>; Ü. iriiiui-is (r. und
Vater: Blniel-i.^ C, . und i/sojii i li^cim-i^ (i. iilrrrorj:
Ap; Z. K iSvlilaglliiss. G. Iiliml - is ifrnir: (iuiTH.
Ähnliches in anderen Kantonen. Wie vil Stuck [Stück]
Vc'' hest? Föf, G. b'hüet s' Ap. In ApSchwellb. wird
der Beantwortung der Frage, wie viel Kinder man
habe, beigefügt: l>'h.-is G. vor-em Henne'vogel! Häufig
verstärkt durch trüli"' : h'h.-isch G. tr. für ,,m,i" sotti
[einem solchen] XTi«')-.' (iitPr, ; und parodierend: B'h.-is
tr., GhatzemüU: Z. Jlli.-Ir. nnil dv Hirr m" Biili inid
d' Frau vo" Böhvit:"' /,. .lirlmri, -iirtij-,.i- (;.. wie
vil matronen hat i\\~,: oi imduiij;' 'i-rln.Tkt : ■ I.J.av.
1578. ,Behüt G., wa> lur J.imuier, AllK^l und Not
werden wir erleben müssen!' JMiLL. 1665. ,War
(a. 1529) ein sur wyn, dass man in G.-b'hüet-uns
nennt' WSteiner. Chron.: vgl. HBn.i.. K.Tl': ,1.5'29
wuechs ein wyn, der u- drr iiias^fii ,in- und im^r^und
was und ward g'iiiriiilirh uvnriiiiiii i inti-nlilnudis.'
B'hüet di'-'' G., aurli (iliickwuiisrli brim Nir-cn Bs.
S. nocli Misl-Gable" u. g'segn-is G. — 2) Whüet-evhC-i),
bezw. -di''' G. (auch pfüet-di''' Gl), auch etwa noch
mit zugesetztem (u.) lebfedj wol! als Abschiedsgruss.
allg. B'hüet G. mit enandere" und danke vil Mol!
Stitz; worauf als Antw.: b'häet-i G. wol ZO. B'hüt(-i)
G. (tridi''', au"-) gilt in Ar von Morgen bis Nach-
mittag 1 Uhr, dann: 1,'h^i G.. iiml XnrhH J-riiiuir (;.
und heit-sch-isch [un.s| A'/W fur iiininrl \\ . -..n-t fiiimol-
haft: B'hüet-i G. und :„rned nml (Ichnl ,n,l und ijund
nüd z' u'U.'J B; Z. B'hüet-di"'' G., i''' icill di'''' nimmc",
Nichts mehr von , dir wissen Bs. B'hüet-i G. säge'
(ne"j, Lebewohl sagen, bes. bei längerm Abschied;
der Will li'hiiii-i G. s., ihr entsagen, sterben. Vögel
pfifiil i'iiiiiiil C-hliiict-i zue, ruft man einem Grobian
zu, drr das (Jriissi'U vergisst. Niiiii i''' 's B'hüetigott
vom Dorf. Lenügenh. I^.'.h. Si i In unied ho feli''' [kaum]
me d'r B'hüetigott furliiinimn" tii;i'r. (Schwzd.). ,Sa-
luto te, ich gnad dir. irli sa^- dir G. b'hüet dich!'
Fris. .Nun b'hüet euch G.. aide, ich gan.' GGottu.
1599. ,Ich [bin] nach dem Mittagessen wider auf das
Paradeis 'gangen, den behüt G. gemacht, gegen 3 Uhr
in das Schiff gestigen.' GKönig 1715. Abi. (Gott)
b(e)hüeten (s. d.). — 3) Verwahrung, Ablehnung, Be-
schwichtigung, allg. Selten mit dem Sg., meist mit
dem PI. des Fron.: (ä) b'hüet-is G., wobei der Name
G. häufig fehlt, häufig mit zugesetztem nei", zur wei-
tern Verstärkung der Verneinung, j. S. v. keineswegs,
ganz und gar nicht, während dagegen ein zugesetztes
ja mit oder ohne den Namen G-es eine energische
Bejahung ausdrückt: recht gern, allerdings, mit tau-
send Freuden. Nrl" h'hifct-i>', da u-ill i"* ned si" Th.
Ä hli,irl-is nei". ir iinel," l.nl. Ir rated letz! Z. Ja,
b'hiiel-is iiil ^w 1/. ll'lini i-is lO.i, zuweilen ironisch =
du uiu^si nicht uieiuen, br.iuchst nicht zu sorgen Bs; Z.
ll'</(/( d' nw no''' me g'seit hettst : Antw. !'''/(« no'''
nl ij'seil. h'h.-is G.! Stütz. I''' hä di'''' icol g'hört, b'h.-is
j„, ,le |dii] hast es Brummlc" und es Balge" g'ha". ebd.
B'hnel-is (1.. ihr Himmel fnlll nn''' nid t" [es hat noch
keiuL' .\.ii|. Sii.ai;. K h'hiiii-is. inuest kei Ühumber
ha"! Sri i/ n. alinli. li (lomi. ,(i. beware'! 1) Syn. zu
,G. behüte !■, nur weniger volkstümlich. — 2) = ,G.
behüte 3)'. Xä [ur'ui]. hiwar-is nei"! Bercar G. in
GrD. auch zustimmend. — ,G. gnade', sei gnädig. In
.^1" wirft der Landammann, nachdem ein Todesurteil
gefällt, die Stücke des gebrochenen Stabes unter das
Volk, mit dem Ruf: ,Wenn denn keine Gnade statt-
findet, so gnade ihm [dem armen Sünder] G. ! ' Sonst
nur als Drohung, Warnung, meist mit D. P. Bs; B;
Gl; G; Z. ,AVird unser Land in feindliche Hände
fallen, so gnad.> nns all.ii G.!' G Prokl. 1798. Gnad
(dir) G., wenn il' em Cliinil Öpjns tuest! Gnad der G.,
trenn i''' emnl InnJer ,lr ' her g'ratc! So g'wüss d' Frau
nenlif oder .\nl h, r hn i,,;! , di'i nii i/nod-ve G., si muess
ne r l'riniil Im. Sil I.. ..Man batte gegen sie gefehlt,
man wii--ic nullt wir. und dann .gnade G. Einem.'
Gonii. ,Gnad (.i. dem, so die Lehr vergass.' HSuLz.
1830. ~ G. straf-mi"'', Beteurung. allg.; in Bs auch
entstellt: G. strö-mi''' oder G. Strussburg! [Wer mit
schlechten Leuten umgehen muss] brucht nid z'säge:
G. strof m'i'': Sulger. — G. verzt" mer '(s). auch um-
gestellt (GfiPr.). 1) zur Entschuldigung eines ge-
brauchten harten Ausdruckes ]'■ \\ ■ 7. (auch G.
verzx-mer mi
ha"! ~ 2) sn
•iih.
515
(tat, get, git, got.
SIC
.lies- und das) walt G., Segeiisspruch. allg. Liieyed,
toie de"- Weize' stöt! v: G.! GT. (Schwzti.). H'. G.
igt alhrei/ hes-^rr als f Fhiecli L (Ineichen). Bes. vom
LandvoRc li' im Krjiiin und Ende jeder wichtigern
Arbeit aii-^« ^ iil-i. -" bei Aussaat und Ernte, beim
Schlafengehen. Mit w. G. verlässt der Bauer Abends
den Stall; tc. G. (im Stal) ist aber auch der Segen,
mit dem man einen fremden Stall betritt GT.; Z;
moderner: Glück i'n Stall! Vgl. noch den Segens-
spruch in Sprww. 1824, S. 131 und den Alpsegen bei
T., VL. II 198/9. ,Die Mutter betete mit dem Seppeli
das W.-G.' XHerz. 1862. ,l)a die Meisten, wenn sie
ihre Bäume gesetzt, noch den Hut abzogen und das
W.-G. sagten.' HPest. 1785. ,Das w., o treuer G..
dass meiner Jaren Zal nun zu dem Ende lauft.' R. u.
CMey. 1650. ,üas wolte [!] G., hoc deus bene for-
tunet.' Red. 1662. — ß) G. im Dat. aa) das Vb. im Ind.
und Frageform. .Soll in künftige Rechnung, geliebt 's
G., gestellt werden.' 1671, Ratg., Urk. — ßß) das (zu
ergänzende) Vb. (,sei') im Opt. : G. (sei) Lob (und
Dank)! Händ-er [ihr] z' Mittag g'ha"? Jo, G. Lob!
Git 's %col üs? Ja, G. L. u. D..' od. scherzw. : schlecht
g'nueg, G. L.! Z. G. L., der Schueh ist fertig! L
(Ineichen), 's ist frili gottlob z' säge" för üs, dass-
m^r 's so hend. Merz. Lob si G., als Gruss beim Ein-
tritt. Balz 1781. , Seine Schwieger selig, G. L. [die
G. L. die Seligkeit erlaugt hat].' Gotth. ,Jo, 's ist
[so], G. Lob und Dank sei gseit.' GGotth. 1619. Da-
neben: ,G. hab L. [als Parenthese].' Bs Ohron. 1779.
— Y) G. im Acc. G. erbarm '(s). ,Sind leider G. e-'s
All verloren.' Stutz. De'' Galge ist tvol, lieber leider
G. erbarms, furtg' schafft, ebd. D' Mueter ist cfstorbe",
dass G. e. Ndw. Häufig ins Subst. übergehend : Leider
G.-E.Ce")! Gl; Pest. 1790. Es ist es (G.) E-e' Gl; Z.
Er lied dnrbi g'fluechet, es ist cfsl es G.-Erbar"'a GnPr.
Bes. aber als Name eines fingierten Ortes: Er chunnt
nid vo" G-e', ist geizig (Sprw.). Auf die Frage nach
seiner Heimat antwortet der Arme: Z' Gotterbarm im
elende Hilseli (es stinM gar grüseli). (Tusig Stund)
hinder G-fsJ E-m(e"J diheivi si", an einem sehr abge-
legenen Orte L; GT.; Z [wohl eig. da, wo das Er-
barmen Gottes ein Ende hat, also ,am Ende der Welt'].
Du bist do [als ich das erlebte] no''' (lang, tusig Stund)
hinder G-m g'si", wärest noch ungeboren Ap; Z. Auch
in dem Kettenreim: Chmnm, mer wend i 's G-m, i 's
G-m isch au''' gar icit, chumm, mer wend i 's Himmel-
rlch. — 3) die Form des Vbs nicht mehr deutlich zu
erkennen und der BegriflF des Subst. ganz abgeblasst:
G.-ioelJ Aa; L; Uw; Zg, G.-icill ü; W, goftel AaHoW. ;
BLauf., M.; LG.; S, gottli A.\/,riii.; B; S, goppel Aa;
Ap; Gl; Gk; L; G (aucli a<'i'r'>^- ^<>i; Th; Uw; U;
oft mit verstärkenden Zu-atzrii: li vorn: <;- Aa; Ap;
Gl; G; Uwi Z. ,1,-. (},.- (JT.; Z, ja d>- oTh, so-, Sj-
B; Z (^Jiiillin.i. ni>i„- B. 2) hinten: au"' bezw. o Aa;
Gl; G (auch ,/„;'/«/ an''' jo); U; Z, gottlau LW., ja
BLauf.; oTh; Zliättl.. gojipel hei ja TuTäg. 3) vorn
und hinten: ^goppelau Aa; Ap; L; Sch; Th; Z, di;-
goppelö G; oTh, r,-g. ja BLauf.. e-g. tvol G, he g. au
AaK., L: Part, am Anfang oder in der Mitte eines
Satzes, auch als Antw. allein stehend. 1. Ausdruck
starker Versicherung, gewiss, freilich, wahrlich, aller-
dings, eben, a) lebhafte Bejahung, Zustimmung Aa;
BLauf.; Gl; G; S; üTh; Uw'; U; Z. Sind si m, Sturw
g'laufe"? ,Egoppel üppe dick [oft genu;;|.- >" ('■"''
er Nüd uf disem (lirieg ha'-' .Efioj/jnl ! lliill-imii
im g'folget, der Chrieg war nie a"g'gange'.' Bantli
1656/1712. Gel' tvie hat 's gest für e G'schicht g'ge'"'!
,Goppel!' GaL. Auf die Bemerkung: Du hesch-es
goppel au verstände", kann die lebhafte Bejahung lau-
ten: Jad^g.! oTh; ZDättl. E-g. han-i's g'höi-t Ar; Z.
Lueg, dir cha"" 's nit schlecht gä". ,E-g. au!' gewiss,
hoffentlich [nicht] Aa. — b) selbständiger Ausdruck
einer Ansicht, a) Gewissheit. Es freut mi''-, dass
ihr selber chümmed; 's isch m'r gottel vor g'si* [ich
hatte es doch geahnt]. Schild, 's cha" gottwell eus
nüd chränke, wenn mir a" Sempach denke! Ineichen
1859. „Bei Empfang eines lange erwarteten Besuches:
Es ist e-g. ZU!" 's isch gottli guet, Herr Pfarrer,
^ass dir do sld. BWtss 1863. Das isch öppe gottli
bös g'nue'. ebd. Syn. Gott weiss wie, oder weiss G.
wie. — ß) wahrscheinliche Vermutung (wohl) oder
zuversichtliche Erwartung (hoffentlich, ja doch, doch
wohl) Aa; Ap; B; Gl; Gr; L; G; Sch; Th; UwE.;
W; Z. ilfj m e-g. Öpperem i 's Grab [das Geläut
muss wohl einer Leiche gelten]. Stütz. Er ist e-g.
niid g'schid! er muss wohl nicht ganz bei Tröste sein,
wenn er das sagt oder tut Ap; Z. D<- bist e-g. uf de
Zehe cho'! du musst ganz leise gekommen sein. Stütz.
De wirst e-g.-aw'' spasse*! das wird doch nicht dein
Ernst sein. ebd. Es wird g. aw'' wider einist tage"!
Du wirst das n-g. au''' könne"! Gr. Bei Empfang einer
schlimmen Botschaft: Es ist g. nüd war! oder: es
wird g. (de-g.-au) nüd si'! G. wird hüt's Wetter
guet si". Er ivird Gott-will-aW'' wul Geld ha". ,Frug
numme nit, was mit-em isch: das g'sehsch-em gottel a'!'
Schild. A-goppel häd üch ja niemads g'jagt, dass ir
asa [so] scMcitzind! Göldi 1712. ,Du weist ä goppel
afig wol, wie ich's meini.' JCWeissenb. 1712. — 2. Aus-
ruf der Verwunderung, in fragendem Tone: e-gottwell!
Aa; BHk., e-goppel! Z, ist's möglich!
Die Form , Gottwell' konnte durch häufigen Gebrauch imil
schnelle Aussprache, viell. auch mit halbbewussteui Stieben
nach Verdeckung des h. Namens (wie bei Bigopp, Biyont statt
Bigott) zsgezogen werden und dann mit vor- und rückwärts
greifender Assimilation gottel und goppel ergeben (ganz wie
,etwa' : ette und eppe Bd I 592). Sie wird als Optativ zu ver-
stehen sein (,Gott wolle!'), wie die unter 2) a ßß aufgezählten
ruiiiii'Iü: dir (;illei-dine;s nur selten vorkommende) Form Gott
H. /, ilii A--iiiiiIatinii ./../ij,!! und viell. auch gottli aus gottil
1 i; j. i. i: 1 11, ■: -Ml. ,<üili], deuten aber (wenn i nicht erst
1 , j !: !ii -rill soll) auf den Ind., vor dem ein
ivuaiu.'iiLil'j: .-■/ i;ili;;rsfli\vächt sj) zu ergänzen ist, wo es
nicht, wie iu »u gottd, ausdrücklich besteht, während in dem
syn. will's Gott die conditionale Bed. durch die Frageform
vertreten ist. Zu bemerken ist jedenfalls, dass die Formen
auf -el in vielen Angaben erklärt werden: ,so G. will'; und
ihr c könnte ja ebenso gut aus i entstanden sein wie unigek.
Für diese Erklärung spricht auch die Formel mit oh in den
Stellen: ,Die dritte stund am tag, zu welcher Zeit, ob Gutt
will, trunken funden werde noch Niemand.' FWyss 1650.
,Uarf der Landammann sein Wyb schlahen, so darf ich dich,
ob G. will, auch schlahen.' Schimpfr. 1652. ,Er vermöge
das uicht, und es sei, ob G. wolle, genug, dass er die schöne
Sache, die er gehabt, beinahe bis auf den letzten Heller
durchgebracht.' HPest. 1783. In der Formol ,an G. will':
,Ich bin gehorsam gesyn und [hab] mym gebot an selbem
ort, an g. will, g'nuog ton.' 1525, Egli, Act. ,Es ist aber
[abermals] ein reif abg'sprungen und an g. will bald me.'
1529, Strickl., ist ,an' wahrsch. aus volkstumlichem a = .•
ungeschickt verhochdeutscht. In einer noch altern Stelle
liegt ,gottel' schon deutlich vor, aber in einer sonst nicht
nachweislichen Bed. (irgendwie viel), welche am nächsten an
die unbestimmt verallgemeinernde Bed. von gottgeh (Sp. 70)
Gat, get-, git, got. gut
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I.K.
gnluzt: .Dass die feiler dehein vocheDzis brot 20, 30, 40
rpiier 10 Toiii viertel oder gottel nit bachea sölleut.' 14G3,
Z Urk. Das vorgesetzte e ist schon Bd I 12 aus Ana-
logie der Formel e [in] Gott« Name' erklärt worden; de kann
aus de = der [durch] in: de Gotts Wille' erklärt werden
oder aus Herüberziehung des auslautenden d einer voraus-
srehenden Verbalform, ^u'* hat die Bed.: doch (s. Bd 171, i).
— Nadidi'm durch die Lautentstellung der urspr. Begr. der
Kcjruicl sclion früh verdunkelt war, musstc sich die adv.
Bed. derselben immer abstrakter gestalten, wobei verstär-
kende Bed. des Ausdrucks insofern eintrat, als die Gewissheit
des Sprechenden bei seiner Aussage nicht mehr vom Willen
Gottes abhängig gedacht wurde. Exakte Übersetzung, Um-
schreibung oder |i. liiiitii.ii allir Nuancen der Anwendung ist
unmöglich. Hci i:, lniiin h J lasst sich aus dem Gedanken:
,Wenn Gott will, sn i,t am h Wunderbares möglich', oder
aus Fällen wie: .» »i.ii t ;/. niid «" (Ausruf des Erstaunens),
erklären. Der Bed. 1 unsers W. kommt am nächsten yottdenk,
allerdings (Schm.-Fr. I 960). Noch abstraktere Bed. hat
sich entwickelt in den folgenden, weit verbreiteten Formeln.
Gott-mer-sprich gnpp-mp-- BO.; Gi.; L; Sch; Th;
Xinv; U; Z, Gommer- Th; ZElgg, Gottmi- Th, Gott-
merspricht Bs (Spreng); B; GsChur, D., Pr.; ZStall.,
Gotti-ersprich AaF.; ApK.. M.; Gl; LG.; GF., Sa., Ta.;
SiMiwE.; Th; üw; Ü; Zg, -versprecli ApM., Gottwol-
.■<prich L (Ineichen, neben gotttner-) ; Gattme rchld Aa ;
GO.; W, -chU Bs (Spreng); Sni ; Tu. -rliiM BBrisl.,
-litt SRech., Gommer- Th, Chnitniivr- S did. G.-mer-
It.. -,/(/,, S; -chl, auch
AvKii.. -<lnh TiiAtr.;
Fh: Gnllnvln.l ArH.,
-, •/,,// (;T., aolInrhUj
Giipfcrrluil, -kid LE.,
atzen vorn: eis- BO.;
,/rw-GRD., so-Bs; S:
in (lif Üfde eingesclialtt-tf Fornjel 1. zur Erklärung
und Hervorhebung eines vorher gehenden, selten zur
Entschuldigung eines folgenden Ausdruckes, i. S. v.:
so zu sagen, als ob man sagte, wenn ich so sagen
darf, so viel als, gleichsam, allg.; zuweilen mit ironi-
schem Beigeschmack, i. S. v.: ich merke wohl, oder:
du wirst mich wohl verstehen; zuweilen auch mit
vorangehender oder nachfolgender Conj., i. S. v.: so
wie. als wenn. G. eusi Chats häd aw'' e Müs, es
kommt Beides aufs Gleiche ZStall. .Nachbar, du hast
doch hier oin.'i, -.rhuu.-u Haum \m1I Kir^.-l,,.,, ■ Auf«.
Ja, Goftlll'rrhni,!. in IUI n/ -■< im nlli iilinrli.iiir >.
\Vo-n-r>' Hur ifsrhiitW /,.(,, 1x1 'n Iliuisr lliirl, im, Irr
ein Jlaiiiii ifshiiiili: und häd die Bire ij'rüemt; Gott-
menhil. i"' rlioiml-ciii aW'' e Sack voll (ß AAEhr. Es
sagte EiiiiT villi einer Weibsperson, die Männer seien
ilir iiielit zuwider: gottercheid si Ini srhn iiiit-ene z' tue
l;i(. unerlaubten Umgang gelialit Ar. '> iliiiikt mi, so
Hdjimerkind, er kämti, wenn... lis ( Mreitenst.). Er
het-mer Schmutz [Butter] und Brod ufg'stellt [auf-
gewartet], es Gott - vier -chid, a's wenn er rieh wir
[wäre] BSi. Er hed d'rgllchen tan, es Gott-m'r-chid,
er ti-imi Nüd d'rvon BR. Er het mich b'suecht, es
Gott-mirr-chid, er mtnis guet mit mer, als ob er mein
Freund wäre B oSi. Er seit, es tüeged Alli b'schisse,
gopmersprich [womit er sagen will], er sig ellei' erli'''
Gl. Gottv^rsprich, es chänns sust Niemer a's er, so
duet er. ebd. Karjosi [cnnos] ist d' Lufttüschig g'si':
Wr hetti , a'ü-G.-vier-^iirirlif. mäfir meinem, die Gred
[Gräte] niw Hnrluninii <hi, mlnnl Eim hert vor der
Nase Gal'r. iSeli« zd.). Ki ihniiutl .iie-m^r und seit —
GoUrerchid: , '■ tnll ifr liclj," I.E. Er ist z' adle
Tu All.
g'gange, g., er sig fromm Ndw. ,Damit er recht jam-
mere, gottversprich, als wäre er gebannt.' Obw (Lüt.
Sag.). Si het mi'''' Alls für si lö zale, s„ (.'..„rr-rh;,,,/ :
du cliasch wol S. Du g'heist 's Gehl iimnii ,r II '/y
use, gottmerching mir chonnte 's am lUnli uflisr".
Schild. Wenn 'nun Biirh „pf,i< Xnis „i--,,ii .M.idi
Sie''t, so SChujilt'il-'llir'' a/hiiinl. ,i,,lhii,i;l,,l. nli sali
im 's chaufe" S.u. Du <,ii ,/,•■ iTr/linihi Kuh. ' ^ sri
1'' liri
illirr ifll,
Wie iciiiii I
über r/r //,(
i"' hei und y'uaaj a iiiim W d, Tu, .Kia llen habe
gesagt: Wir Herrschaften müssen uns mit der Feder
beschäftigen, Gottmerchit, die Feder ist nicht für euch
Bauern' W. G.-m..-ch. a's wenn 's eso tväri W. I'''
han seilen a's G.-m.-ch. chdse" W (Syn. als vil als
s. Bd I 776). I ha, gottmerchül, hit [^heute] d's Al-
muose gege. I bi dem Chind, a's Gottmerchid. Götti
wordu W. De Vettn- h,„l srlmUI, in. ,/„. vr/,,r/- .</
niid füröüs: dei asr (jniUiluh. rs sn :' ninniii' Sii v/..
, Meinten diese Herren, der \ i'iein sei dazu da. billig
zu verkaufen? Gottmersprich, als hätte die alte Ver-
waltung teurer als sie verkauft.' Z Freit.-Zeit. ISiiiJ.
Wo-n-ere traut ha mit dem Ufchünde, hat si nw so
d' Achsle zuckt, gottmersprich, si chönn na g'nueg derig
Platz ha! ZStdt. — 2. Ausruf des Erstaunens, i. S. v. :
ist es möglich! LE.; as G.-m.-ch., das wäre! W. Syn.
as Gotts!
Klar scheint zunächst, dass es sich niiht nur um syn.
(daher sogar auf engem Gebiet wie Ap neben einnniler vor-
kommende), sondern auch parallel gebildete Formeln handelt,
welche beide an ihrer Spitze den Namen ,Gott', am Schluss
eine in ihrer Form und syntaktischen Function nicht mehr
deutlich erkennbare Verbalform enthalten. IHr- lit/tori- fainliu
wir ähnlich, nur in geringerem Grade viiIiiinI! i i '.."
well. Besondere Schwierigkeit machen al" r li. i i.. , i in n-
liegenden Bestandteile, welche bald ein l'iiii\ i . , ".-/.
bald ein Pron. pers. {mer, mir) zu enthalten si-beiuci] ; ein
drittes Element, das Adv. nW, findet sich bei uns nur
schwach bezeugt, viel stärker in andern MAA. Wenn es
unsicher bleibt, ob ein urspr. Präf. in ein Pron. verwandelt
worden sei oder uragek., so waltet im Übrigen wenigstens
der eine günstige Umstand, dass die beiden Vba in der
lied. ,s]ircchen' zstreften (ahil. ipi.-.l.,,i. .■h(ii-ir.l,u,. :'.. V. Sg.
in Betracht. Die Haiiptli i;:r liliil.i, «-Irin
bindung des Namens .(lutt' mit ihn \rtli:
haben mochte, seien mm ili. m> aN Iml . h
Kpreeh] aufzufassen. IIimm" i|. i at/i-m .
Formel mag dieselbe ur~|a .1. n ^nm -. liaM
Sprechende, um einen Be^i imli. il -> uh j Unlr h, i v.ir/.ulielien.
bestätigend, erklärend, lj.4l iileii;li,-.am aU lieivalusniann ein-
führte, i. S. V. Gott verbürgt oder gestattet [mir] diese Aus-
sage. Die Anwendung mochte also urspr. auf ernsthafte,
bedeutsame Fälle beschränkt sein, für welche die Anrufung
des Heiligen gerechtfertigt schien. Allmählich wurde die
Formel, wie alle Beteurungen, missbraucht, ausgedehnt und
abgeschwächt, bes. aber aus dem Sinn einer Bekräftigung in
den einer Erklärung herübergezogen, i. S. v. lat. »tiViiii,
welches auch oft ironische Färbung annimmt. Die Knt-
wicklung wäre ähnlich wie bei gottwell. Fromm. (Ztschr. III
394 ff.) hat versucht, mit Hervorhebung der Fo
,will'| zu erklarmi Mli.aiii i in m.rli nahm' I
bringen, so das^ -j.n.li uml l.ii iim Zuvai.T i
gelänflgen Fmmii uaien; ,ibei .lie.v KilJ.uu
ass de
■lii;,l-
Gat. get, git, got. ,a'"t
520
schon an der Tatsache, dass yottu-uUjrrich bei uns nur ein
Mal bezeugt ist und dass bei den weit überwiegenden andern
Formen nirgends das -el von gottel, rioj>pel erscheint. — Be-
merkenswert ist eine Ton Lexer I 1052 angeführte Stelle;
jgleich als got Djtricht.' Dass got-mer aus guot-man entstanden
sein könnte, wäre nicht unmöglich, wenn sich für Letzteres
die Bed. ,der gemeine Mann' (als Träger der üblichen Sprache)
nachweisen liesse; Tgl.: .[Sie] dröwtlud, dass wir's wol hören
wurden, als got man spricht, waran wir's geessen hetten [wo-
mit wir es verschuldet hätten].' 1529, Strickl. ~ Zu gopjjer-
Tgl. bigopji; s. Gott 11 1 h. Die vorgesetzten Wörtchen ««,
j«, «o erklären sich aus ,als' (Bd I 197); das ist vielleicht
nur aus a« entstellt, mit herübergezogenem d eines voran-
gehenden Auslautes; es kann abei- auch als Demonstr. oder
Conj. erklärt werden.
B. abstr. 1. alleinstehend, meist in Ausrufen,
a) des Schreckens. Jeses- (Z), entstellt: Jcre- (U),
JegeriCs)- (Aä; S), Jegerli- (Z) (?. .' In ünsem Garto
sind d' Henna, Her Jegerli G. aw'' ! GnSehiers (Schwzd.).
Ach min G.! Z. Min Gotteli! BGu. Ach min Götteli
doch ö [auch]! ß. — b) des Schmerzes. Bedauerns.
G-es Trost! BBurgd. Vgl. auch , erbarmen' A 1 b) '2)
— c) des Erstaunens. As Gofts! das wäre! W; Syn.
as gottmerchid. Wunder G..' Gr (Kuoni). Es nimmt-
mi"'' aW- G. Wunder B. {Wunder Gott viell. ent-
standen aus linder G., s. o. — d) der Beteurung. Ja 's
der G..' B (Kuhn 1819). Bas ist en böse, ja 's der
Gott! B (Schwzd.). Verneinend, ablehnend: Ne's G.!
BGu., Schw.; s. Bott. Wärli''- G.! Av (Merz); auch
schon 1639. G'tciss {g'wüss Z) <?..' Th. Mi' G. Sei!
B, Tgl. ml guet Sei. Bi G.! Bs; Gr; L; S; W; Z,
hi Gatt ZAnd., hi Gotts Aa; Ap; Bs; ScHwE.; S; UwE.,
U gost Aa; ApI.; BsLd; Gl; Gr; ScnSt; S; Ndw;
U; Z, &i gast Ap (auch z' gast und göst allein), hi gopp
Aa; Ap; Bs; B; L; Ndw; W; Zg; Z (,bei Gop.'
UBRiGG.), hi göpp ÄAWohl., anderswo auch bigops,
-geps, -göpsch; bi goch AAZein.; Ap; G oT., bi gold Ap,
bi gög AAZein., bi hopp, -hott AAWohl., bihopps Schw,
-hotts (Erzähler 1855). Erweitert durch angehängte
Silben: 6) gopper Z, -gapper GWa., bi gnpperement
AaF., hi goffert Sch (auch: bim Go/fert ScnSt.), -lig,
-lieh: bi gopplig Aa; Ap; Bs; L; S; Ndw; W; Zg; Z, bi
gottlich BBe., Si., bi gottlig B; Z, bi goppligc S;Ndw,
-liger AAFri., bi güpschliche Bs, hi gochUger AAZein.;
Ap, bigotdigCe'J AaF.; Af; Bs, bigopslig ZO., bi gostlig
Ap; BLenk; Z. Assimiliert: bi gollig (Sp. '217) AAFri.,
-öl- U; bi gotzig Aa, hi gönig Aa; LG. Do schläft er
bigotts zum Felsen i' Ap (Schwzd.). Hä higoppUg
denn aW'', bist du do? [Verwunderung]. Es isch bi-
gopplig Alle'' recht. Jo g'wüss bigopplig! ,Wir [be-]
zahlen behotz für die Alpen genug.' LKInderbitzi
1831, wo auch ,byhots'. Nä, gast en Lärmen om e
so e paar Chriesi! Merz. Die chönnd bi Gostlig aW''
im G'siad [Staat, Putz]! Stütz. ,Bei Gott!' Mvricaüs
lö30. Götz (s. auch Bntz) mit folg. oder zu ergänzen-
dem Subst.: ,Von den lestere[r]n Gottes. Die so us
muotwillen by Gottes allmächtigkeit, barinherzigkeit,
krankheit, touf, saerament, marter, lyden, wunden, kraft
und dero glychen schwerend, will ich an lyb und leben
strafen.' 1530, Absch. ,By G., by Getz himmel!' HBull.
1531. ,Wer da schwüeri by G-es wunden, marter
oder ander schwüer, so feren darin G., getz oder hetz
oder ander derglychen wort, soll das ertrych küssen.'
1542, Gl. Gwardiknecht: ,Dass dich getz Unfall sehend!'
Aal 1549. ,Götz Lutz!' GGotth. 1599. ,Ja G.! Nein
G.! Gottschänd! Gnttstauf. -Luiden, und was dgl. ab-
scheuliche Fluch und Schwur mehr sind.' KGwerb
1646. S. noch Fleisch, Grind, Liden, sammer. Wunder.
— e) dringende Aufforderung: ,Packend üeh, als lieb
üch sei G.' HBüll. 1533. — 2. in stehender Verbin-
dung, z. T. Construction mit andern WW., meist in
verstärkendem S. a) in der Form des Gen. a) vor
Adjj. G-s erhärmli''' {-verbärmtli Bs. It Allem. 1843,
-bärnkli'''' ZO.), ,zuni Gotterbarmen' schrecklich. Dert
wird 's denn allweg gottserbärnkli si. Stutz. Als Adv.
= im höchsten Grade Ap; Bs; G; Uw; Ü; Z. Das
Chind het g.-e. g'schraue' [geweint]. G-s jämmerli''',
jammervoll, ,dass es G. jammert' Ap; Bs; Gr; Z. Es
hät-en g. j. g'ge", er hat sich schrecklich verletzt.
G-s sträfli''', eig. , vor G. strafbar'; ungemein Ap; Bs;
G; S; Z. Er filert e g. str-s Lebe', tuet g. str. wüest.
G-s lästerli''', gar sehr Bs; Z. G-s allmächtig, ge-
waltig ßs; Z. G-s vergessen s. Sp. 454. G-s z'fride",
ganz z. B. Mueter G-s ellei", ganz allein Th (Pup.) ;
vgl. Bd I 275 und gotzig. Llb und G-s bar, üf und
G-s nider, ganz ähnlich im Äussern, leibhaftig U; vgl.
Bd I 259. ,All-g-s-samen', alle zs. Euef 1550; GGotth.
1619. — ß) vor Substantiven. Uf der G-es [ganzen]
Welt Ntld Ap; B; U; Z; Vgl. kei gottigs [einziges]
Bitseli. Das G-s liebi ZU! Ausruf des Mitleids. W
Sag. 268. ,G-s lange zyt.- HsStock. 1519. Verbunden
mit ,all': AllerfiJ G-s (-lih.i) Dinge, beinahe GfiPr.;
GO. I" der Vernöti [Not] hätten sch' aller G-s Dinge
die giftigen Börde" iguorget Gr mPr. Syn. aller G-s
gär Sp. 396. En aller G-s Mal, nur ein einziges GRHe.
Hieher scheint auch das eigentümliche (aus ,Gotts'
vergröberte?) gottst (mit weggelassener Negation) =gar
kein, kein einzig, zu gehören W. Gottst en Brosme
hei-wer noch; Syn. kein gotzige. Gottst e Strappo,
e Bitz, nicht das Geringste. Ich gibu gottst e Chrizer
me W; und mit vorgesetztem di: Di Gotsch q Gattig,
bei Gott keine ,Art'. Etcers Meidji hat hit di G. a
Gattig, ihr Töchterlein ist heute ganz unartig. —
b) in der (scheinbaren) Form des Dat. Gotfefrö, herz-
lich froh B; Z. G-e g'nueg {got tel-pmueg ZWyl), auch
herrg-e'-g., ganz genug, reichlich Ap; Bs; Gr; Th; Z.
Heid-ar eutcn Schualmeister gern? Antw. Ja, aber
g-e'-gnueg [ja, bis zum Sattwerden] GrD. Eine hei-
ratslustige Person, die in GrD. nicht zeitig genug
,an den Mann kam', soll gesagt haben : Schi welli gan
Amerika und dort grad G-g. hürata (ß.). S. übr. auch
noch gottig; vgl. das viell. auf die richtige Erklärung
führende Sprw.: Gott und g'nueg sind bi-n-enand Aa
und schon bei Kessl.: ,Ir werdend des alles G. und
g'nuegsamen underricht finden.' Verstärkt durch vor-
gesetztes , übrig' und mit der Entstellung gotze- (deren
z aus den gen. Formen (vgl. gotts-g'nueg ZB.) herüber-
genommen scheint): übriggotze-g'nueg GrPt., Sch. Vgl.
noch Bd I 12. — (HerrJ Gottewol z' fride (Z) neben
Gofts-z'fride (B).
Zu A. Der PI. ,Gött' neben , Götter' erscheint auch bei
JMurer u. Hsv.Rüte. — Die volle Endung des Gen. bei 2 a
ist t. aus der Schrift- (bezw. Bibel- oder Kanzel-) Spr. her-
ubergenommen, t. einem rhythm. Bedürfnisse zuzuschreiben.
— Zu 4 b 2 ß gehört auch die Formel G.-wilche, welche u.
wlUkumm folgt. — Zu B. Das in einigen Formeln bei 1 c, d
vorkommende <•«, i« ist Bd I 198 aus ,als' erklärt. In mi"
(J. Sei! kann C, wenn es nicht mechanisch verstärkeud zu-
gesetzt ist, aus verkürzter Dat.-Constr. erklärt werden (meine
G. gehörende':'). Die Entstellung (bi)Goet ist wohl eine un-
mittelbare, nicht etwa auf Umstellung von (-» in ,Gott(e)s'
mit hinzugedachtem Subst. beruhnnrto. Gfonurmeni ist nach
Uat, get. sit, i;(»t. i;'ii
Analogie von Sa!.i-nnrnt zu erklären. Abweichend vom iibrigcMi
Sprachgebranch ist: ,Ja G.!' i. S. v. ,G. Lob!' Rlicger IfiO«
(318, 14). — Bei ,Mneter G. allein' ist ,M. G.' nicht in
der dem kathol, Sprachgebrauch geläufigen Zsfassung zu
nehmen, sondern beide WW. getrennt, da nach Bd I 27,5
auch .Mueter' für sich 'sHinn zur Vcrstärknn? vm .allein'
gebraucht wird; vgl. dir jlinli.'li v.ruiiiilct.ii Ailjj. ■/""!;/.
gntzifj \xriA (jöHlu-h. Wii.* :ilir i .-//. / <; -^ i -I /■ Im i /'nni' .Im ilrilie"
bedeuten kann, ist nii-lit nsi.litli.h {ll,li,i kann :lll^ hrhuu.
Leichnam, verkürzt sein, das in Verbindung mit .(iott', und
dann auch allein, früher verstärkend gebraucht wurde, z. B.
Ilr-ham vil, sehr viel; vgl. die im Text angeführten altern
Betcurungsformeln). In: di GolUch ist seh die gewöhnliche
Vergröberung von auslautendem « und di euphem. statt hi.
~ In tjottegnueg usw. ist -<• entw. nach Bd I 1'2 zu erklären
oder es ist ein unorganisch nachgeahmter CiimpMsitionsvoc.
.ider Stellvertretrr rinrr ^rlnvarlini lirkl.-F.inii vnn (/.,((/-,";,
welche bes. in r.iiiii'p. mit //- > , -(•'■■ii iirlim -s si;i[k lin \ ni i riii,
mationszeit tlor (fiiU.lir) (•. .Irr i;rl'..rini(
l'..rinierteii. ,Maii
(■litii;:'ii| der cal-
'tvll. - Abgöt-
Ha man üch [Re-
,586. Absoh. Ebso
terer: Verehrer eines Abgott
formierte] kijtzer, abgöttever nei
bei Spreng, der e.s auch durch gleichbedeutendes , Ab-
götter' erklärt. — Abgüttler: dass. ."Die beiden,
die a.- LLav. 1587.
Gnade"-: Gott der Gnade, gnädiger G. 0 du
G.l ZS.
Herr-, Herij.-t AAHold.; Ap; BsLd; B; Gl; L; Sch;
S; Th; Ztw., Hn-gnt Wtw., Ha-(i.J UwE., He'get A?l.,
Hiri-G. (Aiiraii- r\\u-~. ulicn (iclictrs) = Gott, und zwar
auch i. S. V. riin,iii, in hl ll"-li.', ;il- 'in V"''J.\-. gedacht,
nicht das cinr W. aN Apim.. ,.nw aihlnn, da das ein-
fache W. .Gott' in eoncr. Bed. übh. vom Volke nicht
gebraucht, sondern entw. de'^ lieb G. oder dann eben
de'- H.-G. gesagt wird; auch: de' lieb H. Z. der lieber
II. Bs. S<i vil >!'■< drr /,, Shi,/,,' vhorhf r... Sui^ar
im Dat.: Verein:,,!,,,, , »- In h.rh.mri ^ ,.lnarl,,i. /.•„.■<e
H. rerlod /,r" .sr/,,r, :.r. ir^,,^ ,l,rSrh,r. ,„ ,n,l r„rlirr
rerlfi" hnl Inkmun. /„ ,sn„ IL ,/.-". .t-Tlirii Nnw.
Bi^ s/ ;7Ws/ ,/,,- l\.rlr .rinJl [an- .|h.„ ].rl„.|, ;,1,-,--
rufenl Inil {,Sa. A'-or //. ,nnl ,1," inni," 1 I Im« r, .„ ii-
Wnl
gesi.r. r\n' II. irrll , 's Ini.li r..\ ,, rnrltr- ! Vs,' II.
ivird S srin." 1,1. irh,-' l\r II. ,rr//-,x | uns | /,7,»Wr"/
Um-Ueir,j.,tl^ch Tullc-Tmllt, ein Kmlaltiyer W [nach
dem alten Glauben, dass die Einfältigen unter be-
sonderer Obhut G-es stehen]. ,Brot durch unsern
Herren Gott [um Gottes willen]!' Bs XIV. ,Dass er
mich zuo den ostern in die kirehe fuorte und hiess
mir unsern herren gott [die Hostie] geben.' Nicol.
V. Bs: s. noch 6»'ö(m. ,Er fart dem Herrgott [Hostie]
übern rucken und radbrechet in zue dry stucken.'
UEcKST. ,N. N. reus 7 ß gegen unserm herren gotte.'
1403, L (Seg.), nach dem Statute von 1252: ,Swer
gegen unsern herren g-e dcln'in srlieltwort gctar
gesprechen, soll [es] bessern.' .Iii^'M" und .lieb" vci-
bunden: User (THTäg.). ischc {W ] lieh,- 11. M\i best.
Art.: De H. hat 's f/tiet iiiif-ls ;i'mei,if Z. Das i.tl e
Siipjje [so dünn], me" »/".wc/i |man siihe] dr 11. der-
dnr^'' dmsele' [leise hindurcligehen]! Oim. TsY/sr »■;>
f/C H. am Chrüz, abgezehrt, elend SchwTiil:j /.'s
hein-en [haben ihn] all (j'ert, trie wenn er grad ;<.'-' m
H. Cham S. De Sämi [Samuel] ist e» H. [-utiinMml
g'sl", er lull d' Lid gu hi |gehen lassen] Gi..M"ll. Du
lerst [wirst lernen] g'irüss im'''' 's lleri-G. [jenes alte
Gebet] beten! Warnung. Wo der H. en Arm use"-
streclU, wo ein Wirtshaus zur Einkehr ladet L; Z.
De'' H. wöll-i au''' de" Lö im Himmel de für ge, Dank-
formel. Der H. tuet nüd, er iceiss [ohne zu wissen]
worum. Ineichen. Wenn Hin de" H. gäng uf der
Zunge hat, so treit-er de" Düfel im Bieter [Tasche].
Übertr. auf (bildliche) Darstellungen von Gott (resp.
Christus). ,Ein herrgott an der wand.' UEckst. Klag.
,Der vermuhmt Herget', der Schauspieler, welcher die
Rolle des Chri.stus hatte. Scuimi'fr. 1G51. Crucifix
GbD. Audi: //.?„■ H. Th. .Der kleine H.' XV., L.
Dim. llrrmHi. -'i-i:li, -gitli (Uw), Herrgöttesli, kleines
Christu-liiM. s^lrlie sehiine Hergötzli, wie zwei da
autyrni.ilrl ..;:■„.■ {Imni. .I'rtart-H.'. am Himmolfahrt.s-
ta-r in der Kiivl,,. ant-.v,._;vne, Clni.lu.bild (vgl.
lld I liKüi). I l'.'T. /. All/. ,l>a^ i^l rill iiihT, dass man
zue heiz sa-t: li.Tr-nii, iin arhl mau ye US gott
ein sp.iii.- I iiek-i. S|MiMi-.li liliertr. auf Menschen:
Jb})! llnL.lir IL. ,\r,- linllt \|rl \rriliag. SüLGER. HerV-
göttli, Einer, der -eh -m,. <|iiiiki S. Von verzogenen
Kindern: Du .Mn.hr wm.l. n;. CILnul .n es H. Z.
Hie channsf du nnl 's //. uunlh iru hm (iii's.<eltere" B.
,Je übersüniger [lieehunitigl einer tut. desto ein grös-
seres Herrgötzli machen die Leute aus ihm.' Gotth.
Auch: kleinstes Glas Bier ['/i Liter] Bs. Übergehend
oder übergegangen in abstr. Bed. (vgl. Gott B), wobei
als Gen. (':') nelien Uiii-ijutts- auch Herrgotte"- vor-
kommt, a) verstaik.'ud. ai vor Subst. D' E-e'-Sunn,
die liebe Sonne, aneh: dir lul> H-e"-S. Stutz, 's H-e"-
Liechtli, der M.iud ( l<ils|.r.). Uf dr ganze", liebe",
H-e" Welt Z. Dir srhmi ll-e- W. Stutz. 0 wie-n-en
H-e" Tag! ebd. !■'' inm.irh-dr [wünsche dir] 's H-e"
Glück! Z. Am H-e" Werchtig [Werktag] spaziere"!
Stutz; vgl. hiezu: Dem H.-G. de" Tag abstele", ein
Müssiggänger sein, 's H-e" Brot, das 1. Brot, das Br.
als Gottesgabe. De'- ganz H-e" Tag G; Z. Syn. ge-
schlagen T. All H-e" Auge"hlid; Streich [j\Ial] ZO.
's ganz H-e" Jür. E H-s Bitzeli, ein ganz kleines
Ilissehen SeiiTTa. Vur rohen Sehimpfwört.-rn : llcrr-
,l.,lls-IL„irL-('linh. -Lin,iirr.^.\liHlri,\u-.nnr -eheivli. I.
hri
nh h,
[Bot,-
.;„,»///, -^rhlrrlil. -siliuii ■/,. Ilrn.lullisl-
;, 11.. .Das «u.sseiid wir Uerrgett-wol
'.uiN.ii.i. ,Üass er uns h.-gern bereden
i',1 iiianglet's herget-wol', bedarf es gar
sehr.- lüT'J. ITuul. — b) in Ausrufen des Erstaunens,
Beteurungen udgl. Potz H.! Z. Bim H! Gl; z' H.
au"'! Z. H. und Elfi! W. H. vo" Ninive! Bs; L.
H. vo" Strassburg! Bs. H. v. Mannheim! Bs; LM.
H. V: Prattele"! H. Schwed ahenand! Aa. — c) in
der RA. Eini (nüt) 's H-s s'i", sieh hüten. ,Bis mer
d's Hergets! vide, quid agas!' Id. B. ,Aber gell, du
kiiinnist diese NaclitV bis mir d's Hergctts und komm
iiielit!' (iiirrii. .Der Hauer sagte mir, ich solle nicht
d's H-s sein | wagen |. ihm mehr über's Dachtrauf zu
kommen.' ebd. Bis mer 's Hergrjs und tue mer daJS,
verbietende Drohforra ZZoll.f, oGlatt.
Auf Erklärung der den Ausruf H. ! be^'U-iteudon Orts-
iiiuiien müssen wir verziriiini ; iir^|n . njnii . iihlt Mrll.i.iit-
Naiiieii von Orten, wo se-h l.rk.mnii riMi-.tii-leia I i.i-ll
[\-^]. .Gott'). ,Ninive' licvi.lil -eh \Mn'elll .ml .m \ I'.
Gat. get. git. got. .sut
524
über jene Stadt; .Sehwed' auf die Furcht vor den Schweden
im 30jährigen Kriege, wovon noch viele Erinnerungen haften;
Elß auf die herannahende Mitternacht und Geisterstunde als
Ende der (Tages-) Zeit. Ebenso schwer zu erklären ist die
nnter e angeführte KA., bei der noch der seltene Fall vor-
liegt, dass B eine solche Einzelheit mit Z gemein hat, während
sie aus dem Zwischengebiet nicht bezeugt ist. Der Gen. aber
wird wohl zu verstehen sein wie in den am Schhiss von n a
angeführten Zssen, welche eine Verwünschung enthalten.
Dass Hengottsstüd aus Hergert entstellt sei, s. Sp. 442 o.
In einigen Ortsnn. ist laut Gfr. 20, 276 .Herrgotts-' aus
.Hergis-' (, Hergers-') umgedeutet. Bemerkenswert ist die
■Verbindung des best. Art. mit dem Fron. poss. .unser' und
mit der starken form des Adj. (lieber), ein Zeichen, dass
die letztern mit dem Subst. fast untrennbar verwachsen
waren. Heri ist Überrest des alten lierre. Über -c" im Gen.
neben » s. Anm. zu Gott.
verherrgotte": zerstören, beschädigen Aa; Bs;
B; L; S. ,Sein Geld v.', verschleudern B.
Von der verheerenden Gewalt der von Gott beherrschten
Naturelemente oder euphem. für vertüßen; viell. hat auch
,verhergen [verheeren]' mitgewirkt.
Brot-Gott: Hostie. ,Die Anhiittung des Brots-
gott (sie!).' ClSchob. 1695; vgl. .brötin'.
Wand-: Barometer Ap (scherzh.). — So genannt,
weil er (gleichs.) Orakel erteilt.
(bi)gotte": (häufig) bei G. schwören AaZ. 1815; L.
— ver-: (tr.) Etw. bei G. beschwören LE.
ver-gottet, -gö-: .heilig, canonisiert, in die zal
der Götter eingeschriben, zuo einem Gott worden,
divus. Vergöttung, da man einen under die Götter
zeit, apotheosis.' Mal. Die Täufer, welche durch ek-
.statische Worte und Verzückungen grossen Eindruck
machten, galten als , vergottet' oder in Gott vertieft.
EfiLi 1887.
gottig: 1. Adj. einzig. Nur in Verbindung mit
der Neg. : Icei' g-s Bitzeli, Briismeli Z. Syn. gotzig.
— 2. Adv., begriifsteigernd vor ,genueg'. KSteiger
1839. - Zu 1 vgl. ,auf Gottes Welt Nichts'.
gottli'"'' G, sonst gä-: 1. in Gottes Namen. I'''
danh-if'' g., Dankformel der Bettler Bs. — 2. a) in
göttlichem Eechte begründet. ,Dass wir das ändern
mugend, wie uns bedunkt das g. und billich .sye.' 1467,
ZRatsver. — b) herrlich, sehr schön, eig. = wie es aus
Gottes Hand hervorgeht. Göttli Wetter, en göttliche
Tag Z, en g-e Wi". 's iscli gottli guet G.
gottshaftig: leibhaftig, identisch. Das ist-ne
[ihnj ;/. Auch amplificiert: Hb- und bor- und g. ZO.,
Wthur. — Eig. ,wie Gott Einen geschaffen hat'.
lieber-göttig, -göttisch: 1. holdselig, freund-
lich (eig. wie der 1. Gott) ; i. S. v. frömmelnder, süss-
licher Sehnsucht; schmachtend, geziert. E l-s G' sieht
mache"; en l-e Ma" Z. — 2. jämmerlich. ,Zu einem
arbeitseÜ!.''/!!. ranilii.'c)i Gesellen sagt Einer: du siehst
so 1. uml al>~.li:if/,i^ aus, dass ich darfür halte, der
Tod sei dfiii Si:li\\a;;rr und der Lazarus dein Bruder
gewesen.' Schimpfr. 16.51. — 2 von dem Ausrufe des Er-
staunens: ,lieber Gott!' abgeleitet.
Stei"hauer-Gotelette" f.: Kä.se und Brod BStdt.
Gotte- f.: 1. Taufpatin, allg. ,Die Gott, die das
kind usser teuf gehebt.' um 1400, TuDiess. Ist sie
eine Verwandte, so wird sie Bas-, B(isi- (Tante-) Gotte
betitelt: auch Gotte'-Bäsi. Gröst't [gerüstet, stattlich
gekleidet] icie-ne G. Ap. ,In seine Haare hatte Lise-
bethli ein Kränzlein, dem Brautkranz ähnlich, und
an seinen Busen ein Maielein gesteckt zum Zeichen,
dass es eine freie, ledige G. sei. Freundlich stach
sein heiteres Angesicht gegen die ernste schwarze
Kleidung ab. die es trug; man sah aber wohl, dass
es in seinem weissen Körbchen einen nagelneuen Rock
von heiterer Farbe trug, um ihn gleich nach der Kirche
gegen den schwarzen zu vertauschen.- Breitenst. 1860.
,In der einen Hand die schwarzen Schnüre eines grossen
blumenreichen Wa(r)tsäckleins, in welchem in ein fein
weisses Handtuch gewickelt eine grosse Zupfe stak, ein
Geschenk für die Kindbetterin. In der andern Hand
trug sie ein zweites Säcklein und in demselben war
eine Kleidung für das Kind [s. G.-Hemd, -Kittel, -Bock,
-Gewand], nebst etwelchen Stücken zu eigenem Ge-
brauch, namentlich .schöne weisse Strümpfe, und unter
dem einen Arme hatte sie noch eine Drucke mit dem
Kränzchen und der Spitzenkappe mit den prächtigen
schwarzseidenen Haarschnüren.' Gotth. .Himmelangst
ward es mir, was die Leute so zu einem alten Narr
von Frau sagen würden, welche [als Patin] ihr Gross-
kind mit einem Kränzchen auf dem Kopfe zur Kirche
trage.' ebd. ,Wie es manche Gotte machen möchte,
die, einmal gebeten, nicht warten mag, bis sie das
Kränzchen aufsetzen, das hoffärtige Büschelemüli ma-
chen, hinter den Tisch sitzen und die Füsse ob Wein,
Voressen, Bratis und Tateren [Torte] erwarmen lassen
kann.' ebd. D' Bäsi hätt solle' G. sl' und hat na
[noch] gäng ken Maie [Blumenstrauss] B (Volkslied).
In der Ostschweiz („Ap; GRh.;'- L; Soh; Z) schmückte
die G., doch nur die ledige, ihr Haupt mit dem (auch
bei anderen Prunkanlässen hervorgeholten) ,Schappel,
Schäppeli' (s. d. W.), oder mit einem Kranz künstlicher
Blumen, während eine verheiratete Patin sich mit
einem blossen Strausse begnügte. ,Bis dahin [schreibt
Herrlib. 1749] trug die ledige Gevatterin eine von
Gold- und Silberfaden gemachte und mit Perlen und
Granaten besetzte, auch mit einem Kränzlein gezierte
Krone, Haarband genannt, nebst einem dicken Kragen
und goldenen Ketten um den Hals und auf der Brust,
was vornehme Leute waren. Nun ist in der Stadt
dieser Zierat abgelegt und sind die Töchter gegen-
wärtig in Nichts als dem entweder am Arm oder vor
der Brust festgemachten Kränzlein von den Frauen
zu unterscheiden.' Die Abbildung einer so aufgeputzten
G. bei Herrlib. 1749 Nr. 29; so z. T. noch bis in die
neuere Zeit. Die .Discurse 1722' (S. '200) nehmen
Ärgerniss an diesem bunten Schmucke. Vgl. die Aus-
drücke hoffärtig Bd I 10.33; hübsch; majestäten, welche
in sinnvwdter Bed. alle von dem Prunke der Paten
ausgehen. In manchen Gegenden des Kant. Z erwartet
man von der G., dass sie die Leiche des gestorbenen
Täuflings, wenn er nicht mehr als 12 Monate alt ist,
selber zu Grabe trage (vgl. Ei Bd I 15); doch das
ungetaufte Kind wird von der Hebamme auf dem Kopfe
getragen. Von den 2 Frauen, welche bei der i. J.
1637 in Z vollzogenen Taufe eines Knaben, dem die
ev. Stände Patenstelle vertraten, als G-n fungierten,
erhielt jede 1 Dickpfennig zum Geschenk. ,Dass die zu
G-n erbetenen Personen weder vor dem h. Tauf das Kind
bei der Kindbetterin abholen, noch nach demselben
solches nacher Haus tragen sollen.' 1728, B; s. noch
Erenfrait Bd 1 1245. Einer zur Patin erbetenen Person
wünschen die Leute Glück i's Eierchörbli Aa. EAA. :
Es G'sicht mache' wie der G. Chats, d. i. ein saures.
Si'LG. Acht G. ge'"ml 4 I'nr Wiher, «-etiri kei" Hagebuts
Gilt, s'-t, Sit. got, j;"t
iVrumkr ixt /Wein. Chlüiif [reich die Hand] der G.
fiitid säg, si sell-d'r heiser) [das Patengeschenk ver-
abreichen], sagt man spöttisch zu Einem, der Hiebe
(eig. oder bildl.) bekommen hat Z. Abergl.: Wenn
die G. den krank gewordenen Säugling besucht, so
wird er gesund AAEhr. Die G. soll den Täufling,
sobald sie ihn emporhebt, um ihn zur Kirche zu tragen,
küssen, damit er Grübchen im Kinne bekomme Z. —
2. = Firm-. Clirisinii-d. katli. Siiiwv. :1. das weibl.
Patenkind, .■iit.|Mv, 1„.,h1 dm W.-M. 1 ii. L'. allg. Auch
GottfcjH Z. Gniil, S,iL In AaWoIiI. „nmiit die sog.
Göttigesellschaft (s. (r,:lli l\ airjrniuvn Madrlim ilires
Dorfes, welche das :ln. Allnsialii' maM.ht lialim, ohne
sich zu verheiraten. al> .(/.ottm- unt.'i- ihr.' \alrrliclie
Obhut, indem sie die Einzelnen dem mei.stbieteiiden
Mitgliede zuteilt, bis zu ihrer allfälligen Verheiratung.
,Wir band begert die künigin und der eidgnossen g-n
mit namen Claudia, die ungefar 7 jar alt ist, zue
sehen; hat die künigin antwurt geben, das gottli sye
nüt anheimsch.' 1557, Pariser Eeise. — 4. abgeblasst
beinahe zum blossen Träger eines adj. Begriffs. E grussi
G., ungewöhnlich grosses Mädchen Z. Schäm -dv''
au''', du gr. G., na z' bäbele [noch mit der Puppe zu
spielen]! — 5. Gottfeßi (dim.), Betschwester VÜrte.
Auch von Mannspersonen. Daher gottfeßen, die Bet-
schwester machen üw. S. noch Gotti-Her. — 6. Bäsi-G.
Ar, B.-GottU G, die Kute zur Züchtigung. Syn. Bäsi-
3Iarei.
Büi NMan. S. 108 scheint ,göttu' mir willkürlich Jem
Ki'inie auf ,sötte' zu lieb gebildet zu sein, iloch noniit auch
(Ui- König von Frankreich a. 1477 Maria von Burgund
.unser uilchste gesipptc und gottin (götti)'. — S. noch Oe-
i;til,-r Bd I 1128; Inhind-Oeld Bd II 258; und bos. Götti.
Ei nsidle"-(i litte": Teilnelnin^rin an einer Pilger-
tahrt nach Einsiedrlii. unter deren besondere Obhut
sich der (weiblielii') Neiilinir begibt, und von welcher
er in Einsiedcln ein Patengeschenk erhält, nachdem
er zum Zeichen seines Gehorsams unterwegs z. B. vom
Fussc bis zur Höhe des letzten Passes vor dem Orte
einen Stein getragen, der auf einen gemeinsamen
Haufen geworfen wird.
Firm-: Patin zur Firmung Gr ObS. — Kätmuin.
iiH(drttschfi de creinmu.
Vizi-: Stellvertreterin einer Patin am Tauftage Z.
Press-: wegwerfende Benennung für eine Stell-
vertreterin der Patin ZWthur.
S" benannt, weil sir am Festiiialik' Teil niianit, die üb-
chei
stnii
e L.
VOri
Hübseb-: Titel ,1er Patin am
Statthalter- [Slnil- Aa): ebenso .'
GRPr. Syn. Schhttcr-G.
Chrisam- Chrisme- S. Chrise- UwE., Chriesi- Zo:
= Firm-G. — Mit Umdeutuug auf VhrinHi [Kirschü], Vgl.
I'hrimm-Giitti.
Ler-: 1. Lehrerin und zwar schon früh beschränkt
auf den Unterricht der Mädchen Aa; B; Z f. .!>' E.
wird eine Sehulhalterin von ihren .Tüngerinnen ge-
nannt.- Si'REM,. .Ich hatte einmal gelesen, dass Stilling
sieli (der ungetauft gestorbenen Kinder] angenommen
hätte, indem er die Jungfrau Maria unter diese Kinder
als L. versetzte, um sie auf den Hinmiel vorzubereiten.'
GoTTH. Das Bewerbungsschreiben einer L. ,uin das
Lehramt der Bürger.stöcbtern- v. .T. I-Mii ,s. bei Tiini.i,,
Wtbur 11 25. .Pneceptrix. leerfrauw, leergott, leer-
ineisterin.- Fris. ; Mal.; Dknzl. ,Unzhar haben allein
eerbare frouwen, 1-n [genannt, die meitleschuol ge-
regiert.' JosMal. Der Selbe erzählt: ,L J. 1593 habe
ich mit verwilligen Hrn Bluemen und syner 1. hüs-
frouen iro tochter unser Annali zum tüechliweben
verdinget; hat üsgelernet; ich gab syner 1-n 6 gldn
lerlon [usw.].' 1618 wird in AALenzb. eine L. er-
wähnt, zu der die Eltern bei 3 Pfd Busse ihre Kinder
schicken sollen. Müll. ,Es ist unser ernstliches Ver-
manen an alle Eiteren, Meister'und Prauwen, wie nit
weniger an die L-n.' XVH., Z Mand. ,Der Schul-
meister soll keine Töchter in sein Schul annehmen
und also auch die L-n keine Knaben. Jedoch kann
der Schulmeister wohl die Knaben in einer Stuben,
sein Hausfrau aber die Töchtern in einer andern
Stuben lehren, über welche nichtsdestoweniger der
Schulmeister sein Sorg tragen, damit sie sowohl als
die Knaben fleissig unterrichtet werden.' lÜßO. LBerom.
,ln den Schulen gegen eueren Herren Schulmeisteren
und L-n.' JMüll. 1673. , Lehrmeister, L-n.- AKlingl.
170'2. , Eltern, Schulmeister, L-n.' JJUlr. 1727. In
neuer Zeit noch haftend an dem Beruf der Arbeits-
lehrerin und der Schneiderin, insofern sie Lehrtöchter
hat Z. Syn. Ler-Frau, Schml- (Jung-) Frau, Schuel-
Bäsi, Ler- Schwester. — 2. Lehrtochter bei einer Schnei-
derin Z f.
Die Benennuag rührt daher, dass nach alter kirchlicher
Ordnung die Paten angehalten waren, die Täuflinge die Haupt-
stücke des Glaubens usw. zu lehren; s. darüber die ahd.
Ni-l (t)-; Üegleiterin und Gehülfin der Patin
bei der Tan f.- iIk; l'w. Mi N. hei-rrr ,„ichti,i |liab.-
der W iiehnenn letzte Nacht] ga wach<i" mKcfs,.".
MKuoNr. - Na'i'-: = Nebv-G. Sie holt das Kind
aus dem Pfarrhaus und stellt sich neben die Patin
am Taufstein ZW. — Näj-: Arbeitslehrerin ZMöncb.
— Bet-ffo««i n.: Betschwester L. — Sau-GoHc;
unordentliche und unreinliche Person, auch etwa aufs
männliche Geschlecht übertragen Bs.
Schlotter-: 1. Patin AaW. - '2. = Nebe'-G.
AASt.; L; Th; ZLimm., W. Die Schi, muss das Kind
in die Kirche tragen und hat die Anwartschaft ilaraiif.
des nächsten Kindes Patin zu werden; gewolnilieli
wird ein junges Mädchen dazu ausgewählt Z(ahitltal.
_ 3. = Vi:i-G. .\a; BHutw.; S; ZEgl, — 1, unordent-
lich gekleidete l'rison (iSt.lt.
geset
Begle
lies Subst. ist)
ijiehen (vgl. 7V
ilei- meist seh
all. ScMamjicr,
erin. - In 4
;,.hl (V
it Bez
Sau-G. u. IL. blosses Füllw. = Person iibli.
Schmutz- = Sau-G. B.s. — Stuf- Z, Stand-
AAZof.; Ap; G; Th; ZWthur: = Vizi-G. - Tauf-:
1. Patin. 1647, Z« Neujahrsbl. - 2. Patenkind. .-Vssii.
I 143.
Trampel-: = Visi-G. B öO.
Von trämptlen, welches in einigermassen s[iüttisclu-r Weise
das (hinterher) Gehen bezeichnen kann.
(iotlensebaft: = Gevatterschaft. 1. concr.. die
Paten nrl.st den Taufgästen Bs. — 2. abstr. ,Gevattcr-
schatt nuil i lottesehaft mögent in der Ehe kein Hinder-
nuss linngen.- Iii22, GuAv. LB.
Gal. got, git, got. gut
528
Götterti B, Göttelti GitV.; W, Götteti BG.;
GkPeist, Pr.. S., Göttertrni BE., E. : (PI.) die sämmt-
licheii Paten einer Person nnd zwar i, S. v. Tauf-
zeugen und Taufkindern. J-'sir Jini .sjulrr^ (liinä fetif
G. g'han Gr. D' Cliiiid >i>: iim II, „is hm,,! ijiröndli'''
di gleiche" G. ebd. Mr" ccnji^st d' LumpvtiKjg [Narren-
possen], tve"'-mi^ jso 40, 50 G. hed. ebd.
Götterti wie G'vätterti (Bd I 1129) nach Analogie von
G'schwisterti. Götteti die riclitigere Bildung, wenn nicht
bloss durch Unterdrückung des r entstanden. Die Spielform
mit / Tiell. durch das gleichlautende Dim. von Götii veranlasst.
Gotti Bs; Z, Götti L: Koseform für Gottfried
BsStdt; L, Traugott Bs, Gottlieb Z.
Ob der Gesehlechtsn. ,Götti', welcher in Seh (i. J. 1299),
in GRh. u. T. (im XV. u. XVI.) vorkommt, aus obigem Taufu.
oder aus dem Äppellat. Götti hervorgegaugen, lässt sich nicht
entscheiden.
Gottilnng: Frauenrock FO. — Aus frz. vutiihn.
gottli s. Gott (well) Sp. 515.
Gotto: scharlachroter Frauenrock PGr. — Aus it
iuiiit, langes Oberkleid; vgl. frz. rotte, Uuterrock.
Güttfriil: = Gottfried. 13:54, Z; 1413. B Stadt-
satz, u. ö.
Uml. beniurkenswert ; vgl. die Kosufnrni Giilz: immerhiu
begreiflicher als in dem im XV. u. XVI. wiederhnit in Z
vorkommenden , Götthart'.
Götti, in PAger Gotto, in W Gotta — PI. Gotti
und Göitene-, in BBe., Si. Göttenfdji, BK. Götteg.;
— Dim. GöttiUi W: 1. männlicher Taufzeuge, Pate,
allg. Z' G. stä" Aa; BSchw. ,Es wurdent syn götti
der künig Peppin; syn gotta die künigin Bertha.'
ZiELY 1521. ,Arbiter initiationis, compater; gefatter,
glitte, der ein kind aus tauf hat.' Fris. ; Mal. , Dem-
nach die Kind von ihren Göttinen und Gotten in die
Kilchen zuo dem h. Tauf gebracht [worden].' Z Lit.
1644. ,Dod, Dödel, Gödel, Götte, Pat, propater, lustricus
pater, susceptor, profllius.' Red. 1062. Ein Weihnacht-
lied, in welchem ,dem Christkindelein ein Gotten und
G. auserkiesen wird.' 1743, L Spiel. Häufig ist die
Verbindung Vetter G. (vgl. oben Bäsi Gotfe). Eine
anmutige Schilderung der Rolle und Stellung des im
Haushalte des verheirateten (jüngsten) Bruders leben-
den Ledigen, der mei.st den sämmtlichen Kindern Pate
ist, s. XHerzog 1862; oAa; L; S. Aus diesem Ver-
hältnisse erklärt sich, dass ein in AAWohl. i. J. 1827
gegründeter Verein von Junggesellen sich den Titel
,G8ttigesellschaft' beigelegt und die alljährlich am
Hirsmontag im Hotel ,Giritz' veran.staltete Lustbarkeit
,G.-Ball' ihre Mitglieder vom 30. — 4(J. Altersjahre
,Götti', von da bis zum 50. ,Alt-G.' betitelt, und sieh
von Abtrünnigen zur Strafe ,G.-Win' bezahlen lässt
(s. noch Gotte 1 u. Mäue). G'vatter G. mit Bez. auf
die Eltern des Täuflings Ndw. Herr hübsche'' G. als
Anrede Zg. ,An Kindstaufeten aber mag der hübsche
G. und Gotten den Ehrenständeren bezahlen für eine
Ducaten.' 1700, Schw LB. In GRRh. heisst der Pfarrer
der Herr G. Die Taufpaten wurden vormals fast aus-
schliesslich aus dem Kreise der nächsten Vwdtschaft
genommen, in Z seit der Reformation nur je 1 G.
und 1 Gotte, während im ehemaligen Bernbiet ein
Knabe der .Götti', ein Mädchen der ,Gotten' je- 2 be-
kommt, was auch z.B. bei FPlatter 1612 der Fall
war. Auch in Scu haben alle Kinder einer Haus-
haltung die Taufzeugen genioinsani. .Man war auch
darüber einig, dass Grossvater und Vater Göttene,
Grossmutter Gotte sein sollten.' Gotth. ,Die Mutter
wollte ihn [einen Vwdten] nicht mehr, obwohl er als
der G. des Gestorbenen nach alter [auch in andern
Gegenden gültiger] Regel wieder hätte [als Pate eines
Neugebornen] kommen müssen.- XHerzog 1862. Die
Z Mandate des XVH. verbieten, ,dass Niemand keine
Knaben ald Töchterlin. die noch under den Jahren
sind und das h. Nachtmal noch nit empfangen habend,
desglychen auch keine ganze Gesellschaften und Ge-
meinden zu Gevätteren nemmend.' Zur Taufhandlung
erscheint der G., wenn ledig, mit kleinem Kranz auf
dem Cylinderhut, wenn verheiratet, mit Strauss am
Rocke ZSth. ; etwas anders im Ktn B: ,Der jüngere
G. trug in einem stattlichen Maien auf dem Hute das
Zeichen der Ledigkeit.' Gotth. Nach der Taufhand-
lung stecken die Taufzeugen dem Täufling ein in
Papier gewickeltes und von einem Spruche (s. Götti-
Zedel) begleitetes Geldstück unter die Binde und wird
die Wöchnerin etwa mit Backwerk beschenkt (s. Kind-
betti, schlirjien). Am Wallensee geschieht Letztere?
(gleichzeitig mit der Beschenkung des Täuflings) mit
Wein und Brod 14 Tage nach der Taufe, worauf der
Vater des Täuflings eine Mahlzeit zum Besten gibt.
Die Kinder werden bis zu ihrem 12. Jahre oder bis
zur Confirniation jeweilen um die Neujahrszeit weiter
beschenkt (s. helsen). ,Die Paten steuern das Kind
mit einem Denkzeddel, worin gewöhnlich ein Neutaler
verschlossen ist, und mit einem Kleidchen aus. Nach
drei Jahren schenken sie ihm nochmals eine ganze
Kleidung und bei jedem Jahreswechsel ein Fünf- oder
Zehnbätznerstück. Letzteres dauert bis zur Verhei-
ratung des Kindes fort, da dann dieses seine Paten
mit Tuch zu einem Rocke beschenkt und von jenen
dafür mit einer Deckbettziehe ausgesteuert wird.'
JJScHWEizER 1830. S. aber auch Umme-Gab. In GWe.
besteht das Neujahrsgeschenk in einem Weissbrod.
Die Guefijär han i jets noch in hölie Ere und es ist
mer, a's oh i der G. jetz noch g'höri rüefe: Was wHt
zum gueti Jar, en alte Besme oder an nöüwe Strel
[Kamm]? GRPeist. Am Wallensee (Terzen) holen die
Täuflinge ihr Neujahrsgeschenk bei den Paten, so
lange sie unverheiratet sind. Erwachsene begeben
sich freilich nur Abends in der Dämmerung in das
Haus. Dort belustigen sie sich mit einer Nidle und
mit Tanz, erhalten zudem ein Geldgeschenk. ,Denne
soll ein G. oder Gotten dem Kind nit mehr inbinden,
dann ein Silber- oder Goldkronen oder ein Ducaten
ufs Höchst, aber wol minder. Item zum guoten Jahr
nit Wyters noch Anders usrichten dann ein halbe oder
ganze Silberkronen oder ein Ducaten uf das Aller-
vilst' B Mand. 1628. ,Desglychen sollend alle Yn-
bindseckelin gänzlich verholten syn, und also die
Ynbindpfenning in einfaltem Papyr ohne Betrug über-
antwortet, und zuvor allwijgen einem Predicanten ge-
zeiget werden. Was dannenthin die Guetjahr betriift,
soll Einer oder Eine synem G. ald Gotten mehr nit
als ufs Höchst 1 Cronen aM dessen Wert und nützid
Wyters darzu, weder Schühli, Strümpfli. noch Anders
derglychen zum ersten Guotjahr schicken. Die folgen-
den Jahr aber da soll Nieniands synen Göttinen ald
Gotten Wyters noch Mehrers dann etwan ein Lewen
[Münz wert von 10 Schill.] oder zum Höchsten ein
Dickpfenning, für disere nachgehnderen Gutjahr, ver-
eliren; hieby aher die Beithemeli, Gotteukittcl. Röekli
r,29
Gat, got. git, gol.
und andere köstliche Bekleidungen, so etwan an Statt
der Gottenkittlen gegeben worden; wie nit weniger
alle silberne Löifel, Becherli, Schälcli, Gürteli und
iilles Anders, hiemit verbotten syn.' Z Mand. 1627/1785.
Mehr s. n. In-binden; Guet-Jär. .Jedoch ist hierby
vorbehalten, wann G. und Gotten ihren armen Ge-
tatteren Brot, Wyn und Fleisch schicken wollten,
dass Solliches wol beschehen möge.' Z Mand. 1650.
,0b ein Mann selb G. und Gotten gewunne und das
Kind one Eid näm, so soll im [wohl nur im Falle
des Ablebens des Kindes] werden, ob er will, alles
was dem Kinde eingebunden wird;. ob einer aber [sich
gegenteilig verhält], so soll der Ynbund dann der
Frowen blyben.' Schw LB. Auch verschiedene Fest-
tage im Laufe des Jahres werden von den Paten zu
Beweisen ihrer Freigebigkeit benutzt. .Mein Casperli
lasst den Herr G. höflich salutiren; danket nebst
seinen Eiteren für die letst überschickten schönen
Ostereier.' Mcseüm 1793; .s. unrl, l'nlm-Srhming. ,Die
Kinder hatten auch von Gcvattn Iniirn. die z' Lych
gekommen, manchen schönen Katz.n urkiirLjt. und ob
dem G'schauen derselben und dem Klimiinn damit
alles Andere vergessen.' Gotth. Ilriihrhim Im \ii>:n
im SacJ;, heiderlum wie vü? Heidcrlnw dm Hodii.
Heiderlum wer het der 's (fge? Heidcrhon de G.!
Das Grab für ein Kind wird in UwE. von dessen
Taufpaten gegraben und an einigen Orten ist es auch
der G., welcher die kleine Leiche zu Grabe trägt.
.Wo die zu begrabende Person noch die Taufzeugen
hat, steht der männl. Grad nach dem Vater, die Gothe
aber sitzt und geht neben der Mutfcr.' PHkuki.ib.
1750. Wie 's seflig lang in letzten /iiij'ii ifsm si und
der Gottu und du Gutta und d' NiuhliuirK um |ihm]
hei icellu" uisbeitim [auf sein Ende warten). \\ Sagen
270. ,Nach vollendeter Taufe reicht der G. der Gotte
für ihre Person eine Ehrengabe, die man den Steif-
pfenning heisst.' DHerrlib. 1750. .Der Prediger soll
nach verrichteter Taufe den Täufling dem G. oder der
Gotten zum Segensprechen auf die Armen legen.'
lo3'2/1728, B Synode. Wo sich wie in GWsst; Uw der
Zug nach der Taufe ins Wirtshaus begibt, ist es der
G., welcher ihn mit Wein bewirtet; s. Sehlotterete.
Kindsvertrinkete, Göttiwln. ,Des schweren kostens der
habenden kinden halb ist beratschlaget worden, das
ein jetlicher g. und gotten die frouwen, so bi der
gepurt gewesen, zuo gast haben sollend. Ob aber ein
g. oder gotten ein andern erenraan oder frouw mit
nemmen wellt, mag einer wol tuen und für den oder
die zalen.' 1572, Schw Rq. ,Das» ein ieder, welcher
zu einem kind gewuunen und götti wirt, nit ver-
bunden ist, gest ze laden dann nach sinem willen,
welche er nötiget und ladt, das» er dieselbigen ze gast
halte sampt dem priester. der das kind tauft, dem
sigristen und hebammen ; dieselbigen sind sy [?] ver-
bunden, die hupschen kostfry zu halten.' üwE. Talbuch.
Anders im Ktn B, wo It JJSchweizer 1830, 99 die den
Taufzeugen im Wirtshaus dargebotene Erfrischung od.
Mahlzeit vom Vater und nur, falls dieser sehr arm ist,
von den Taufzeugen bezahlt wird; s. noch Eoffart-Win.
.Als an der Kindtaufe die Hauptmahlzeit vorüber war,
machte sich der Götti auf, um nach altem Eecht und
Brauch seine beiden hübschen Gotten ins Wirtshaus
zu führen. Gravitätisch schritt der Friedli, einen
grossen Maien mit bunten wallenden Bändern auf dem
Hut und einen eben so grossen auf der Brust, mit
Schweiz. Idiotikon. 11.
seinen beiden Gotten in das Wirtshaus, wo er eine
Flasche vom Besseren und Wecklein und Käse bringen
Hess.' Breitenst. 1860. Der 6. hat die Verpflichtung,
an irgend einem Sonn- oder Festtage die Gotte ins
Wirtshaus zu führen. Er trägt dann den Hut mit
einem flatternden Bande Und Kunstmaien geschmückt.
Die Bewirtung besteht aus Butter, Honig, Zucker und
dem besten Weine; nachher folgen noch Struben-
küechli GA. Wenn G. und Gotte ledige Leute sind,
so ist selbstverständlich, dass der Erstere bei der
Letztern ,kiltere'; • vgl. Gotth. 1 125. Die Verlegen-
heiten eines G. kommen zum Ausdruck im S Wochen-
blatt 1811: ,Wer ist die Patin? Woher bekomm
ich den Strauss? Will .sie in der Kutsche fahren V
Wo ist in der ganzen Stadt ein unbeschnittener
Louisd'or zu finden? Ist mein Festrock auch aus-
geflickt?' Auf das Bestreben, an dem Taufetag zu
prunken, bezieht sich der scherzhafte Brauch, den .0.
zu büvstrii'. snl.ald s.-iiir Wahl Kinnii zur Kci.utuiss
komuif. füi- welcli.'u |ll,■^^l mau .•in Tiiiik^vM er-
wartet L(i. In d.T Kinlir sind l.rsnn.lrr,- Sitzplätze
für die Gevatterleute bestimmt BsLd; Z; s. G.-Kntf-,
-Stiiel. Die Auswahl der Taufzeugen gilt für sehr
wichtig, da die Patenkinder ihnen nacharten. Rotenb.
Auch in L glaubt man, dass die Kinder bei der Taufe
Etwas vom Wesen und Charakter der Taufpaten an-
nehmen. Die Paten müssen dem Kinde das erste
Lötfelchen kaufen, sonst wird es geifern. Rotem;.
Wenn ein krankes Kind weder genesen noch sterben
kann, muss man die Taufpaten herbei rufen, indem
ihre Anwesenheit das Sterben befördert L; S. Wie
hinwieder das gestorbene Kind seinem Paten zur Er-
lösung dient, s. W Sagen 270. Im J. 1837 ereignete
es sich im Maderanertal, dass man, da ein verloren
gegangenes Kind zu suchen war, endlich seinen Tauf-
paten zu Hülfe rief und mit Erfolg; s. Vw Kai. 1884.
— RAA.: Do sfö« tcie-n-en G., stattlich, fest da .'stehen
Ar. Er tued, wie tcenn er 's grosse Ilmnls 0. inir L.
Er meint, er sei 's gr. H-s [d. i. des Sultans ,lci- Tür-
ken; in '/, auch: 's gr. Hans] G. (^' Sl Urlnui. L|, er
sei \va- i.'.'.litrs. von einem Anmassenden. Er hat
en Jldcliiiiiiei inr 's gr. H-s G. und ist nid emal 's
Napoluiiis Liimind Z. ,Wie er, ohne seiner Ehre Ab-
bruch zu tun, jedem Schweine G. sagen kann.' Gotth.
B's G-s d'r nahgäiider sin, zu spät kommen und des-
wegen Etwas versäumen BR. [eig. wohl der hinten-
drein kommende , Schlotter-, Trärapel-G('tti|. Gili-mer
das, ich süg-der denn G. Aä. Wenn Eine nl sdni-df/er
hed, so chann er no"'' G. werde" Aa: L. Ir inaotd
denn au''' pnal de' G. si, ihr werdet auch einmal zu
Ehren gezogen; aber auch: in Anspruch genommen
bei der Sache Z. G. oder Gotte z' si' isch e churzi Er,
aber e' länge'' Choste'. Schilu ; ähnlich Gotth. Doch
heisst es auch wieder: We'" d's Chind 'taufts ist, so
gab 's der Güttene g'nueg BBe., so will e Jede G. si
BSi.; L. ,Es ist gut G. zu sein, wenn das Kind ge-
tauft ist, und Alles hat Freude an der Wäsche, wenn
sie trocken vom Seil kommt.' Addrich 1877. Der
Schalk aber verbirgt sich hinter dem Sprw. : Wer 's
Glück hed, cha'" no''' G. werde". Ineichen. G. si
mi'cesse', schuld sein müssen bei bösen Streichen.
Schild; sonst heisst es auch: herhalten. Schuld sein
müssen bei dummen Streichen, die zum Schaden aus-
fallen. / viuess doch aber aw'' bi-n-alle" G'schichte'
G. Si", seit de'' Grossäggli, wo si Chats het solle" Milch
Gat, get, git, got, gnt
532
(j'stole" ha'. Suierm. I ivott da" nit ya" G. si", will
meinen Namen nicht hergeben, keinen Anteil an der
Verantwortlichkeit haben B; Z. Mit der Sach welle"
si Nüt z' tue" 7i((", si tcelle" nit ga' G. sV. Gotth.
,Man weiss nicht, wer G. und Gotte ist', wer der Ur-
heber eines gewissen Wortes oder Geredes ist AABb.
Wenn-me' de" Popst zum G. het, sj het-mf guet Kar-
dinal werde". Sülger. Auf den (übermässigen) Trunk
nach der Taufe bezieht sich die EA.: G. st" SchwE.,
und daher dann auch: eti G. hä' BLf., einen Rausch
haben. Bildl.: ,Der bär, der touft si nach syner art.
mänger Schwyzer da ir g. ward [als viele Feinde in
einem tiefen Graben ertranken].' Lied a. d. Schwabcnkr.
— 2. Firmpate. kath. Schwz. Auch die Glocken, als
Verkündiger aller wichtigen Ereignisse im mensch-
lichen Leben, erhalten Paten. ,N. N. sammt seinen
Brüdern und Jungfrau N. N. als Götti und Gotten der
neuen Glocke, welche 1749 geweiht wurde.' AKüchler
1887. — 3. (GftiaiNnw, fföHeZi W) Täufling, allg.
,Vora G. wird schön gratuliert, das Spruchlein wird
bei Haus gelehrt.' HSclzer 18'28. .Wenn einer kumpt
in das todbett, so mag einer nit mer verschaffen und
vermachen denn ein zimlich seelgrät und einem gOtti
oder einer gotten ouch ein zimliche gab geben.' 1495,
Aa Weist. — 4. penis Z; vgl. Syn. Brüederli. —
5. blosses Füllw. i. S. v. ,Kerl, Gesell, Kumpan'. Du
bist mer en subere G. . Das ist en alte Vetter G., de''
Händsche Z. Vgl. Gotte 4.
G. u. Gotte die echt german. (auch in Bai., Ost., Wettcrau
usw. erhaltenen) WW. für die aus lat. ,rater' ml. .patrinus
(spiritualis)' verdeutschten ,Pate, P(f)etter'; ahd. cotin, co-
ting; gota, nihd. götc; gotc; vgl. engl, gosmp, Gevatterschaft;
zunächst auf dem Masc. (got. guilja, altn. godhi) beruhend.
Von der ältesten Bed. (Priester) kann Übertragung auf den
Taufzeugen mit Bez. auf dessen halb priesterliche Stellung
Statt gefanden habeu, wie das W. auch im Ahd., Dan. und
Isl. eine mehr oder weniger verweltlichte Bed. annahm. Vgl.
Zeitschr. f. d. d. Alt. XXII 100 f. Das Fem. lässt sich als
eine Motion zu dem Masc. auf -i(n) erklären, die Masc.-Form
Gotio usw. hinwieder als Motion aus dem Fem. Gotta. Yiell.
aber ist neueres ,Götti' nicht durch den Begriff ,Priester'
hindurchgegangen, sondern Götti u. Gotte enthalten nur übh.
die Bez. auf ,Gott' als die , Altern in Gott', wie in einer Gl
Urk. V. 13+5 der Bischof ,in Gott Vater' heisst; vgl. engl.
god/ather und Oslog, wie von den Griechen solche Personen
genannt wurden, tiei welchen ein respectus parentelae ob-
waltet, vi.n ili.n Italifuern spcc. der Onkel, ,zio'. Die Paten
nehmen Pflicht uud .\usehen der Altern vermöge des Sakra-
mentes an sich. Vgl. ,Die nun zue Göttlichem Leben syue
Mitvätteren und -müeteren syn wollend.' Z Christ. Ordn. 1603.
— Das Dim. auf -<-t-ti wie VogeJti, Meitdti usw.
Die Bedd. der folg. Zssen ergeben sich z. T. aus den
analogen bei ,Gotte'.
Einsidle°-Götti, schon lt>u2 aus Zug erwähnt.
Der u. ,E.-Gotte' beschriebene Gebrauch gilt auch
zwischen den Mannspersonen. — Firm- = Götti 3.
,Was ein priester, zue dem fuert man mich; er sollt
myn f. werden . . . [Ich] tat, da.s" ich in die kilchen
litf, das» man mich firmte und mier der göttin ein
kart gäbe, wie der brüch ist den kinderen etswas z'
ggn.' ThPlatt. 1572. — Vizi- Z. — Hübsch- L. —
Statthalter- (Städ- Schw; Z) = Vlzi-G. .VÜrte";
ScHW; Z. - Chrisam- Chrisme- S, Chrismer- S,
Chrise- UwE.; 1600, Zg, Chrisi-1. — Nebe°t- ZStall.
Vgl Eren-Gesell. — Schlotter-: 1. AaW. - 2.AaoF.,
Zof.; L; Ndw; ZLimm., W. Diener des Taufpaten Uw.
Ehrenpate zum Unterschiede vom eig. Taufpaten Aa oF.
Auch nur: Gast bei der Taufmahlzeit L. — 3. Aa;
BBe., Hutw., Schw., Si.; Z. — Stuf- Z. — Stand-
Ap; G; Th; ZWthur. — Tauf-: 1. Pate. 1647, Zg
Neujahrsbl. .Susceptor, Taufzeug, Taufgötte.' Denzl.
1716. — 2. Patenkind. 1677, Absch. VI 1, 1061, d;
Mem. 174-2, 75; WuRSTiSES 1765. — Trampel- B öO.
,Tr., Patenstellvertreter bei der Taufe.' Zschokke 1796.
Göttighofer s. -Epfel Bd I 369.
Göttler: m. Taufn. (verächtlich), Gottlieb Ap.
Viell. gehört hieher auch der im Z Stiftsurb. 1340 vur-
kommende Geschln. ,Göttli', wenn er nicht wie Götz Kose-
form von , Gottfried' ^st.
Go'telm.BSi., GuHi (Dim.) a. Bs; BSi.: schlechtes,
gewöhnlich etwas grosses Messer B; geringes Messer
für Kinder Bs. Vgl. Hegel.
Frz. couteau, ä. coutel; s. auch Gudd (GudeU 4, das viell.
doch mit obigem W. zu vereinigen ist (vgl. Budeli aus frz.
boutcille).
guttele" s. gudle".
6ntte°: Dachrinne Gl. — GuHti n.: heller Tropfen
BSi. — Beide zu lat. und churw. gutta, frz. guutte, Tropfen.
Gfl't(e)re", auch dim. Güterli BM., 0., Guttere»
Aa (l-J — f.: Wulst am bäurischen Weiberrock, be-
stehend in einem eingesetzten Strohgürtel, der heu-
tigen Tournüre entsprechend, mit dem Zwecke, die
Falten des Kleides besser zur Geltung zu bringen;
Syn. Roger. ,Es war [den hungrigen Frauen] gar
leer unter der Gutteren.' B Kai. 1841. ,Es soll Bur-
gers Wyberen und T echteren zugelassen syn, die Gut-
teren, wie man sie nemmt, under den Röcken, jedoch
in aller Bscheidenheit und Ehrbarkeit ze gebruchen.'
B Maiid. 1688.
Nichts Anderes als Gutta- Sp. 285, nach der afrz. Form
cou(l)tn. Schon mhd. küter, bei Boner guter. Vgl. auch:
,An der Wand stand ein Spanbett mit seineu Pfalwen und
Kissen, bedeckt mit einem Kuter oder Gutteren [Decke].'
Bs im XIV. — Die Form mit kurzem -ii- durch Anlehnung
ans folg. W.
Gntter B; GRÜbS.. Göter F — m.. Guttere" f.
allg.: 1. Glasflasche, meist bauchig und mit mehr
oder weniger engem Hals zu jedem beliebigen Ge-
brauch, vom kleinen Medizinglas bis zur Trinkflasche
und der mächtigen Flasche zur Aufbewahrung des
Branntweins fSchaub-Guttere'J. allg. Compp. mit
Substst. des Masses: Schoppe"-, Halbi-, Mciss-, Liter-G.
und nach der Bestimmung: Essech-, Must-, Wl"-, Brenz-,
Wasser -G. usw.; Dim. in BO. Gütti. De Dokter
hät-em e sclwrfi G. g'g'e', si hät-en nid-si"'' und ob-si'''
g'no" [purgiert]. RAA. : Da stä", wie we""-me" icett
in-e G. hofiere", wie ein Hosenscheisser Z; vgl. uf-es
Spänli schisse". D'r Jung schüsst umme un'' ane
wie-n-es Wes2)i iin-tie G. inne. MWald. 1884. Gütferli
schisse", schlottern vor Frost AAFri.; Syn. cer-gütterlen.
Wie-n-e G. werde", sich in die Brust werfen, anmassend
werden ZO. [eig. = aufschwellen wie der Bauch einer
Flasche]. Wenn 's Wörtli ,wenn' nöd war, gieng en
Esß inn G. GBern. Schier zum CJirüegli werde" und
zum Gütterli üsluege", vor Verwunderung (Sprichw.).
Tufeli im Gütterli, kartesianischer Taucher; Syn.
Holländern, Planeten-, Wasser- Männli. 's Männli im
G-li, ein Pfiffikus. Sdlger. Der Tüfel in-em G-li,
fliehst-e" nit, so nimmt er di''' BBe. (Volksreim). Eim
de" Tüfel im G-li füre" lä" (zeige"), Einem Angst ma-
chen, Schrecken einjagen Bs; B; Gi,; S; Z. ,Der
Gat, get. git, got, gnt
534
Teufel, Jeu Auui iliui im G. gezeigt, hatte Michel
Angst gemacht.- Gotth. Die beiden letzten EAA. von
Figuren, Schreckmännehen in Fläschchen, die früher
auf Jahrmärkten oder von herumziehenden Gauklern
vorgewiesen und als zu Zauberei dienstbare Geister
von mehr oder weniger böser Art aufgefasst wurden.
Daher dann : De" Jesuit im G. zeige', Angst vor den
J-en einflössen wollen. ,Zu Gutteren gehen', zu Grunde
g. AaZ. 1815; nach Anal, von zu Schiter und , Fiasko'
[Flasche] machen. .Vitrellus, gütterli.' Ebinger 1438.
.Der behielt dis trank in einer gutteren.' Ansh. .Ist
ein gemeiner beschiss bei den landstreicliomi. welche
solche [Fi.sche] in glesene gutteren b,'srl,Iir.„.i„l nn,!
an statt der nateren erzeigend.' Fiscin;. l-.i;i. .Am
pulla, ein g. Guttus, ein ölkrueg, ein g. und g'.-scliirr
mit einem zouggen. Lepista, ein gattung einer Häschen
oder g., ein wassergeschirr. Urna iraaginis mortui,
ein hafen oder guttcr, darein man die äschen der
todten eingehielt.' Fris. ; Mal. ,Die gutteren- und
trinkglastrager.' 1568, Z (Staatsarch.). ,Ein gläsine
Phiolen, Guttern oder Angster.' JLLandenb. 1608. ,Gib
mir flux die kleine Guter aus dem schwarzen Leder-
futer, reich mir her ein Aquaveit.' R. u. CMev. 165.0.
.Die Guter, Gulkglas, Angster, guttus, ampulla.' Ked.
16ti'2. ,Essiggutteren.' Denzl. 1677; 1716. ,Eine mit
Saurwasser angefüllte Gutter.' Hott. 1702. S. auch
Fach 1 d Bi 1 638 und vgl. Angster III Bd I 340,
sowie Flasche' II Bd I 1219. — Übertr. a) von Men-
schen: Säufer, Säuferin Aa; LG.; oder mit Beziehung
auf Corpulenz als Spottn. Bs (Spreng); vgl. Stande.
Du Dunners (?..' Zg Kai. 1872; Machari 1884. E selzes
Götterli, ein Murrkopf Ap. — ß) (Dim.) Stachelbeere
ScH; Syn. Guttere'-JBeri; vgl. Chrusle. — 2. Kropf,
dicker Hals Bs (KuterJ; G; „Schw; Zg." — 3. Blase.
G. mache", von kleinen Kindern, die geifernd vor dem
Munde Blasen bilden ; von Regentropfen, die auf stehen-
des Wasser fallend Blasen werfen. .Bulla, ein gutteren
oder wasserbläter. Bullula, ein bläterle oder gütterle.'
Fris.; Mal. Dim. Giitti, Gütti, Pustel, Hitzbläschen
BBe., Si. Ällz rolls Eitergütteni. -■■ 4. Eidotter F.
— 5. Flurname. Das Güetchen, genannt das Gütterli'.
1460, Scn Urk.
Zu 2 vgl. ahd. gulter (abgeschwächt aus lat. rjullur),
Struma. Der Begriff des Kugeligen, Kropfförniigen scheint
lihli. der ursprüngliche zu sein nnd Bed. 1 eig. erst abgel.;
.ins der des Kugeligen auch 4. Die älteste Form der Glas-
flasche (der Kürbisfiasche sich anschliessend) war sehr bau-
chig, beinahe kugelfürrnig, und im Churw. bedeutet (jtiottrr,
ijiittcr ni. Beides, sowohl Flasche als Kropf, gvttrus, kropfig
(schon lat. ijutturoma), unzweifelhaft von lat. guttut- (,g. tumi-
dum.' Juven.), woher auch frz. goitn, Kropf; bergam. it.
f/niuru, Flasche. Eine Weiterbildung ist das mhd. riuttrrolf
mit der gleichsam personifizierenden Silbe -olf aus -Wnlf.
Zu 5. Viele Grundstücke haben Namen von Hausgeräten.
Im(b)e''-Gütterli: 1. Taubnessel, Bienensaug,
lamium SchKI. — 2. Stachelbeere, ribes gross. Sch.
— 3. Hagenbutte TnMamm. — 1 nach der Gestalt der
Blüte, 2 und 3 mit Bezug auf die Form der Früchte.
Under- und entstellt Wunder-: Stachelbeere
ZUhw. — Wohl übertr. von dem Unterstellfläschchcn beim
Branntweinbrennen; s. Ihiderstell-G.
Essech-Guttere": 1. die mit Stroh umflochtene
Essigflasche, allg. ,Ich mache ein Gesicht, als ob
ich eine Essigguttere verschluckt hätte.' Gotth. —
•2. übertr. a) mürrische Person ; e rechii E., ein Sauer-
topf Z. - b) eine bes. schön gebundene Garbe, indem
das näher am Schnittende angebrachte Garbenband
die Garbe halsförmig auslaufen lässt Z (scherzh.).
„Hüs-Gütterli: Rotschwänzchen, motacilla phceni-
curus Aa." Syn. Hüs-Rdteli, Rot-Hüserli. - Viell. Ver-
derbniss aus (Jlot-)Gügger Sp. 196 f.
Muster-: kleine, scheibenförmig plattgeformte
Flasche, in welcher die Weinbauern den Abnehmern
die Weinmuster bringen; im Winter gewöhnlich auch
für Branntwein zum,,Z'Nüni' im Walde gebraucht Z.
Sjn.Baggeli. — Mittel-Guttere: Flasche für Arznei-
. Mittel' r.; Syn. Dokter-G.
lliiili' 1 l(i)e"-: Flasche aus grünem oder braunem
(Uas. ;;ewrjlinlich Flaschenwein enthaltend und '/s Mass
fassend Z. - Frz. houteiU,:.
Brunne^-Gütterli: Stachelbeere ZGlattf. Syn.
Brunne'-, Tmine'-Fürzli. — Schaub-Guttere s.
Strau-G. — Schimpf-: zänkisches Weib TuSteckb.
— Schmöck-Gütterli: Riechfläschchen B; Z. —
Schmutz-Guttere": unsaubere Person TiiSteckb. —
Schnaps-: 1. Branntweinflasche Bs; Z. — 2. übertr.
Branntweintrinker(-in) Bs. — Sch wi"-Gutter m.: un-
reinlicher Mensch GRÜbS. - Understell-Gütterli:
gläsernes Fläschchen. das beim Branntweinbrennen
unter die AusrtusM-r.hrc des .Brenngeschirres' gestellt
wird Z. — Stei"-(luttcr m.: Steinkrug Gr ObS. --
Stink -Guttere" (auch Dim.) = St.-Gueg 4 B. ---
Strau-, auch Schaub-: Strohflasche, d. i. grosse,
bis c. 25 Liter fassende, mit Strohgeflecht umhüllte
Flasche, gew. zur Aufbewahrung des Branntweins,
auch des Essigs dienend Ap; Gl; U; Z. — Dokter-:
Arzneiflasche Aa; Bs; Z. — Tinte»- f. Ap; Z.
-Gutter m. Gotth.: Tintenflasche. — Tätsch-Güt-
terli: Fläschchen von plattgedrückter Form, wie das
Muster-G. Nes Schlückli Bätziwasser [Branntwein]
us-em T. Joach. 1883. — Tri(b)-, auch We-Gut-
tere": Flasche mit Arznei zur Beförderung (Treiben)
der Geburtswehen Ap. — T r i n s (Trc.s.s;- : Person, die
immer über Schmerzen, Übelbefinden klagt (,trinset') G.
- Wi"-: I.Weinflasche, allg. WigötterJi, auch: das
Fläschchen naschhafter Weiber Ap. — 2. übertr.,
Säuferin Ap. — Wunder- s. Under-G.
Warze"-: Flasche mit aufgedrücktem Stempel,
durch welchen die Provenienz des Inhaltes bezeugt
werden soll Z.
Davon benannt, dass die Marko auf dem glatten Glase
aufsitzt und sich rauh anfühlt, wie die Warze am Finger,
ver-guttere" (mit , sein' und dem Zusatz schier):
fast vergehen, beben vor Kälte ScnSt.; vor Unter-
drückung des Lachens ZWetz.
gütterle": fleissigen Gebrauch von der Flasche
machen. 1. gern (geistige Getränke) trinken, sich mit
Trinken bes. im Wirtshaus gütlich tun Bs; Gr; L;
Uw; Z; Syn. schöpple', süggele'. — 2. die Arznei-
flasche viel gebrauchen, oft Arznei nehmen Bs; auch:
solche bereiten, ebd. — üs-: aufhören zu giitterh»
L; Z (scherzh.). — ver-: 1. tr. a) vertrinken, durch
Trinken verschwenden B; L; Schw; Uw; Syn. rcr-
güggelen. — b) eine Flüssigkeit unvorsichtig aus-
giessen ZWald; Syn. rergilderen. — c) durch Unge-
schick, Dummheit verderben, verlieren, versäumen,
verscherzen, vereiteln (Gewinn, Vorteil, Freude) L:
Schw; Uw; Zg; Z; Syn. ver-guggeren, -unschicken; ver-
törlen. Vgl. .Fiasko" machen-. — 2. intr. (gew. mit
535
get. git. got, gut. gnef
schier, fast) beben, ausser sieh kommen, fast vergehen
(Tor Prost, Hunger, Lachen, Ärger. Neugierde, Un-
geduld, Erwartung, Freude) Aa; Av. Bs; B; L; G;
ScHW; S; Z; Syn. ver-gablen, -gihln,. -.mit, m,. -gitslen,
-hijen, -jeberen, -bepperen, -sprit:iii. -:i,i,rni. -lipperen,
-^ipfleii. Lo.iet. vie wüHet <Je'funJitciii(j Wind. Mir
l'iri-h. mir iiiiiir. r.(jiiti:. llnfsT. 18Ü5. 's Wlbervolch
III ihr Cliiuhi. im 's /.Vsi " Iiiii müessen an d' Wärmi
sirlliii, ist scliirr i-i'rijiittrrh:l . wie 's-se [sie] nit b'langt
hat. Breitexst.
Zu 1 c Tgl. (las SyD. verkiichelen, verderbeUj eig. irdenes
Geschivr zerbrechen. Zu 2 vgl. iuc-nemc Chrütgll werden,
doch s. auch vergAygerkn Sp. 198.
Gütterler m.: 1. Arzt, der viel Mixturen gibt,
Quacksalber, Wasserdoktor B; Schw; Syn. Gütterli-
Mann. Der G. det, der Wasserma"', häd air* bäumig
Lüg abg'lä". Schw Fasn. 1883. .Zu einem G. habe es
kein Zutrauen mehr.' Gotth. .Dann schickt man sein
Wasser einem G.' ebd. — 2. ein kränklicher, körper-
lich empfindlicher, dann auch -weichlicher, zimpfer-
licher Mensch, eig. Einer, der viel medizinicrt. immer
die Arzneiflasche brauchen muss BM.
gütterlig: zitternd vor Frost Aa. — Zn rn-,iiiiierei,,
-r/ütterlen S.
Gutti, Gütti s. Gutter 1 und .V.
gntignt: es koste was es wolle BsStdt. — Frz.
cottte que coüte.
eutle"GRObS.,Eh.; W, Guttle- GSa. - f.: 1. flüs-
siger Kot, Strassenkot ^Strässe'-G.J, Pfütze Gr; G.
— 2. Diarrhoe (nur vom Vieh) WZerm. — Syn. Guätm
Sp. 124, aus dem unser W. viell. verhärtet ist.
guttl.
1 (Sp. 122) GSa.
gütlig: kotig GnEh.
gnet, in „VO.;" PP.; Sch giieter und giletist für
besser und best, sonst nur scherzh. und in der Kinderspr.
A. mit pers. Subj. 1. sittlich gut. Besser g. als schön.
Bi de' G-e' uird me" g., bi de" Böse' bös L (Ineichen).
Nüd z' g. sl' (z.B. zu einem schlimmen Streich). Der
Aberellen ist rnhl :' ir. it schneit dem Acherma" uf
sm Huet. Bauekm>ai,. 1^-:;. Das sind die G-en! sar-
kastisch = die Ari;.ii, \ IM krliiten Z. Eine" wider g.
mache", Einem ilie verlotztf Klire wioiler herstellen Z;
ant. Eine" sclileiht nmchi:". .Kiii L.nint mensch bringt
guots herlür.' l-'i '.n, Mattu. — 2. gütig, gewogen, ge-
liillit;-, Ir.MiiKllirh. hulfluT, 'it. freigebig, allg. E gueti,
Irriii ilii'liii Sil. Kein iiaili Mensch ha", der es gut
meint Gl,; /. .Kein Mt'ii.sch, der Mitleiden mit ihr
hat; sie hat keinen g-en Menschen.' HPest. 1787. En
g-e Meister, nicht strenge. So g. si", die Gefälligkeit
haben. Wenn-er w'end Se g. si', s'il vous plait. allg.
Verk. : g. si", Bittformel der Kinder B. Gueti Wiber,
Hebammen WLötschen; vgl. sage-femme. — 3. be-
freundet, vertraut, lieb. Guet Friind; guete Kamerad.
,Guet Gesellen' s. üs-fund Bd I 851. Mi g. Sei! 3Iin
Guete' .' [an Bed. 4 streifend]. Er will überall g. Ma""
Sl", oder: er macht g. M., will überall gut Freund
sein, ist ein Schmeichler (Sprw.). ,Sy wöUind mit
der weit guet mann syn [es nicht mit ihr verderben].'
EGuALTH. 1585. .G. Mann sin-, im Fernern dann:
guten Mutes, guter Dinge sein. .Bis du g. männli
mit dem geld, du magst wol mit leben.' NMan. 1525.
,So trink das us und bis g. mann.- HBüll. 1533. .Ei
ja. g. g'sell. bis nun g. m.!' HEMan. 1548. .Zechend.
sind fröhlich und g. m.' JMurer 1567. ,Ein Engel
erschein dem Josuan, stärkt ihn wol, er soll syn g. m.
[unverzagt].' ESchmid 1579. ,Niram hin, mein söhn,
und bis g. m., ich will dich nimmer ohn gelt lan.-
Schertw. 1579. .Dass ich allzyt by ihnen mög gueten
dingen syn. ja lubeli lebeli machen und g. buebli
syn!' Wagner 1581. ,Kumm, wir wend iezund ziechen
hin in's Würzhus und guot MänJli syn; die Hochzeit
wend wir grad verdingen.' Com. SBeati. — 4. gut-
mütig, arglos, sich viel gefallen lassend; bemitleidens-
wert, arm. En g-e'' Tschöli, ein Mensch von fast ein-
fältiger Gelassenheit und Gutmütigkeit Z; frz. bon-
homme. ,Möchten ir etwa ein guoten schlechten
g'sellen nemmen, an dem nützit gelegen wäre.' 1531,
Strickl. ,Der g. mann ist kummen um all syn hah
und guet [als Ausdruck des Mitleids].' UMey. 1540/73.
Die ,g-en Lüt- a) die Aussätzigen, c. 1400, Bs. —
b) die Leibeigenen. ,Ja, täglich mir seind für der
Tür die guten Leut und bringen für, wie sie es nit
mehr mögen erzügen, so tüind sie die Herren biigen.'
Myricäi-s 1630. Die g-e" Sek", die Seelen im Feg-
feuer AaF. Vgl. arm Bd 1 455 u. s. unter B 13. —
5. ruhig, nicht zornig, still, friedlich. Eine' tcida-
g. mache', einen Zornigen besänftigen. Dei-ig Kerli
[solche reizbaren Subjekte] hat nie' lieber g. als bös Z.
Von Säuglingen : nicht weinend, nicht aufgeregt; Syn.
fri. — 6. brauchbar, tüchtig. En g-e'' Chnecht, Müder
[Mäher], Schnider. Vorusse' slg 's [das Mädchen] es
gilets mit Werche', aber im Hüs inne' chennd 's NU U.
I' kein Schueh inne' me'' g., von einem total unbrauch-
baren, verdorbenen Menschen. Er ist g. am Seil,
weiss mit dem Heuseil gut umzugehen Gl. Nw g.
z' Tisch und z' Bett, von einer untüchtigen Hausfrau.
Eim g. g'nueg si' zu, für Öppis, Einem als tauglich
zu einem Dienst, Mittel zu einem Zweck, gerade recht
sein; vgl. de Guetgnueg. 'Wenn-der g. zum Rät bi',
wenn ich dir zu raten habe, wenn du meinen Bat
nicht verschmähst. Der Alt ist. g., der bisherige In-
haber eines .\mtes soll bestätigt werden. .So soll ich
minen eren entsetzt und niemen weder schad noch g.
syn', d. i. Formel für bürgerliche Ehr- und Eecht-
losigkeit. 1540, Zellw., Urk. (Urfehde eines Fried-
brechors). — 7. gutstehend, bürgend für; zahlungs-
fähig, z.-pflichtig. De'' ist-mer g. gnueg (lang g.J für
de' Schade', bietet mir hinlängliche Garantie für Ent-
schädigung Z. !<■* bi'- Cstä'-J dej- g. derfür, ich ga-
rantiere dir dafür, versichere dich ; oft einer Drohung
beigefügt, allg. Dem ivill i"'' dünn aber au"'' g. defür
st', tco-mer seit 's Zapflis Uanseli [welcher mich bei
dem Namen Z. H. ruft]. Stutz. 'Wer ist-mer g. für
de" Schade"'? ,Wills b'schulden. wo ich bin so g. [ver-
gelten, wenn ich die Kraft, Gelegenheit dazu habe].'
Aal 1549. ,Für welche ich g. bin worden.' Dasyp.
1578. ,Wann einer für eines Frömden Ansprach g.
ist und desnahen zuo Verlust kommt.' 1676, Ztschr.
f schwz. E. — 8. wohlhabend, von gutem Stande und
Vermögen Gr; Schw; S. I''' bi" Gottlob es guets Bürli,
ha schö"s 'Vehli tmd ha mis Zlsli zalt Schw. Vo" g-e"
Lüte' sl", wo Chümmi hei S (Schild). ,So haben wir
vil g-er herren und lüten gefangen. Der herzog hat
ob 400 mann verloren, darunder vil g-er lüte [Vor-
nehme. Edelleute].' 1476, Bs Chr. — 9. stark, robust
Ap, wohlgenährt, fett Z. Die Frau schlnt g. am Lib,
Bei' macht si ja wie Tanne". HNag. 1842. G. am
IM, bes. auch von Mastvieh Z; e Sau g. mache".
537
Gat, get, git, got, gut, guet
538
mästen Bs; Z. — 10. Pers.- und Geschln. Z. Wort-
spielend: Er isch e (?., er ist freigebig (scherzh.)
BFreudenb. ,H. dictus der Guot.' 1236, ScnSt. ,H. und
K. Guot.' 1532, ZMaschw. Schon ahd. Guoto; vgl.
Boso. Auch als Frauenn. : ,Guota\ Nonne e. lOÜO, Z.
.Heinrico et Gute [dat.] liberis villici.' 1286, Bs. ,Das
Guotli, Elsi Kürzi und derglychen liederlich frowen.'
1508, Z Ratsman. S. auch die Anm. zu Gertrud Sp. 405.
— B. mit Sach-Subj. 1. sittlich gut. En g-e Cha-
rakter, Name". Heb g-i Gidanke' iinderwegs .' ruft die
Mutter dem von Hause weggehenden Kinde nach. Me"
cha" bi der A'rbet g-i G. ha', es bedarf nicht des
Gebetbuches, um religiöse Gedanken zu bewegen Z.
Wortspielend mit Bed. 8: Mi Frau häd allewll g-i G.,
scherzt der Mann, wenn ihm ein .gutes' Gericht vor-
gesetzt wird Z. Ähnlich sagen zu Tisch Geladene:
Mir [wir] sind scho' zum G-e" s' g'uenne'. ebd. —
2. freundlich, wohlwollend, wohlmeineml. Ei"'m kei"
g-s Äug ge', kei' g-s Wort mmir" ifiiHiim". unwirsch
sein im Umgang Z. Um Gehl mnl ii-i W'nri {ist Alles
feil udgl.). allg. Ei^m e g-.^ Worl :unhe" tue' B,
= für Eine" e g-s W. iHegge' Z, Jnidem zu Gunsten
reden, ihn empfehlen. S. noch geb Sp. 67. Es war
e g-e' Gottswille, wäre sehr zu wünschen Bs. Von
der Beschaffenheit auf eine Wirkung übertr. : G-e"
Wi' trinke", durch's Trinken nicht in gereizte, son-
dern in fröhliche Stimmung kommen. ,Guoter Ding
syn mit Einem', auf gutem Fusse stehen. 1529, Bs Chr.
— 3. fröhlich, behaglich, lustig. Si hei" luter g.
Lebe" B. G. Sach ha", behaglich leben B. (Hingegen :
d' Sach g. ha", wohlhabend sein Z.) Wie chummlig
[bequem] es Schesli slg, u"' wie-me" g. S. ha" chönn
derbi u"^ sittig rite' drin. Gotth. Mi" ehunnt nit
für si''' la" z' regiere', sondere" für g. Händel z' ha".
ebd. ,lch hatt darby ein g. Sach, dann man schankt uns
vil.' Platt. 1572. S. noch u. Ham; Geschirr. G. Vö-
geU la' sorge" s. Vogel Bd I 690. ,Es haben die land-
leut ein"" g-en muot daselbsten [in den Bädern].'
HPantal. 1578. G-e'- Mäntig, blauer Montag BsStdt.
,Dcr lur ouch nit wol werken mag, und b'sunders am
g-en mentag.' 1548, HEMan. ,Die jungen g'sellen
für unser Herren kummen, sy angemuotet, man solle
sy lassen dis fasinacht all wuchen 1 tag, als am g-en
montag danzen.' 1540/73, UMey. Chr. ,G-e Mendig.'
1711, L Schreinerordn. S. noch G-en-, Guetmann-Tag.
— 4. der Bestimmung, dem Wunsch entsprechend,
vorzüglich, von guter Qualität, zweckmässig, zutreffend,
nützlich; z. B. von Arbeit, Werkzeug, Schuhen; Nutz-
vieh [milchreich]. Mauskatze; Reben, Wiesen [frucht-
bar]; Wetter usw. Händ-e^r g. Rat? Gruss an Per-
sonen, die im Gespräch begriffen; darauf die Antw.
Es macht-si''' Aa; Th; Z. Es ist g. g'nueg vergebe,
= einem geschenkten Gaul soll man nicht ins Maul
schauen. So g. wie neu. 's Holz g. haue", kantig,
zu Bauholz L. Die g-e Jar, a) fruchtbare Z. b) die
Jahre der Kraft [vom Lebensalter] Gl. En g-e'' Lö',
ein hoher Lohn Gl. Im Bes.: gehaltvoll, gediegen,
echt: g. Bolle', Fruchtknospen, im Gegs. zu Laub-B.
Z; g-e"- Herd, Humus Z; g-s Wasser, Seifenwasser Z;
isse als auch ganzi, im Gegs. zur
g-s Kaffi, ohne Surrogat B, mit
g-i Milch, sowohl
halben Ap; Z; e
Rahm Ar; g-e" Essech, scharfer; g-i Nägeli, Gewürz
nelken; g-i Leckerli, von feinerem Mehl als die rüche"
L. Ap; Z; Syn. ßni; g-s Tuech, ganz wollen, Dick-
tufh Bs; Z. Die Erwählung des Amraanns weder
,bös noch g.' heissen, weder tadeln noch billigen.
1046, Absch. ,Zu g-en Herbsten mag dem Weibel
werden 1 Eimer Wyn.' 1671, Hotz, Urk. ,1790 wurde
verfügt, dass für das Pfund rohe Fische nur 2 Kr.,
für das Pf. g-e Fische aber, als Hecht, Forellen, Aal,
Treischen und Esch, 12 Kr. bezahlt werde.' JVetter
1864. G-i Banknöt, echte Z ; g-e Schuldbrief Z, Zedel
Ap, gesicherte Hypothek; g-i Gült s. Sp. 286. ,Als
die schuldforderer bis an des [Falliten] schuldrodel
kamen, die schulden [Forderungen] g. und bös us
einander zogen und sonderlich die gueten mit ein-
andren teilen wollen.' 1548, Z. Von Münzen: voll-
wertig. In ä. Spr. bes. in der Verbindung ,g. und
gäng (geb).' ,100 fl., alles gueter und ganger florener
mit voller gewicht.' 1349, Z Urk. .Drizechen pfund
pfenn. guoter und genger Züricher münz.' 1369. ZZoIl.
,15 guot batzen oder 40 ß für ein guoten fl. gerechnet'
1633. Z Mand. ,1 Givldeu haltet 16 Btzn, 15 g-e Btzn,
1 Btzn haltet 2 ß 6 Hlr, 1 g-er Btzn haltet 2 ß 8 Hlr.-
JBEscHER 1685. Das Ausleihen von Geld in schlechten
Münzsorten zum Vollwerte (,uf g. Gelt') als Wucher
verboten: ,Mit üslychen gelts um nierzins uf g. g
Nachdem ctlich frömde kouflüt etlicher zyt krönen
und münz allhar in unser statt gefüert und den bür-
geren uf 3 monat um g. g. gelihen, da dann der
Schuldner uf das zll yede krönen eins batzens näher,
und so sy inen münz gelihen, sy mit krönen in ob-
bemeldtem wert zalen und yedes mals yede krönen
1 batzens, dann sy gemeinlich gulten. [näher] wider-
geben müessen und also, under dem schyn der g-en
münz oder g-en g-s ein grossen unbill getriben. Ob
einer dem anderen gelt uf ein zalmonat oder jar
lihe, dass allweg der gebürlich zins nach marchzal
abgerechnet und nit mer uf g. g. gemacht werden und
der nslyher von synera Schuldner das gelt in dem
werd, wie er ime das ««geben, krönen für kr., münz
für m., nach unserer Statt wärschaft und nit wolfeiler
bezalen solle. Diewyl aber von wegen unser schwa-
chen münzen, die im Rych nach der selben wärschaft
und halt nit gäng und gab, unsere kouf- und werbende
lüt, so im Rych waren koufen und mit g-er rychsmünz
zalen müessend, so solle von diser ursach wegen un-
sern kouflüten zuegelassen syn, dass sy gegen ein-
andern uf g. g. handien.' Z Mand. 1568. Der ,g. Guldi'
in L spez. Taxe des Creditors für das Gantrecht auf
liegende Unterpfande: ,Wann um die 3 verfallene
Zinsen die Recht getriben und mit der Erlegung des
guten Guldins, um den Schuldner ab den Underpfanden
zu führen, fort geübt wären worden, ehe der vierte
verfallen usw.' L Stadtr. 1765. Die Taxe für den
Gantbrief auf das liegende Unterpfand eines rechtlich
Betriebenen betrug 1 g-en Gulden (1 fl. dem Schreiber,
20 ß für das Siegel), daher dieses Stadium der Be-
treibung gewöhnlich die , Erlegung des guten Guldens'
genannt wurde. XVU./XVUL, Seg., RG. Dem .Hei-
ligen' der Gerwerbruderschaft musste von einem Lehr-
ling nach 4 Wochen 1 g-er fl. gegeben werden. Der
g. fl. war eine Diseretionsmünze; für den weniger
Bemittelten eine Verdeutung, dass er nicht weniger
als 1 fl. schulde; für den Bemittelten ein Wink, dass
Etwas mehr anständig wäre. Für die Häuserbesitzer
in der Stadt, die zu ihren Häusern eigene Brunnen
hatten, bestand bis in die neuere Zeit die Verpflich-
tung, dem Stadtbrunnenmeister zum neuen Jahr einen
g-en fl. zu entrichten; dieser artete in '/ä Tlr und
539
Gat. get, git. got, gut, gnet
540
mehr aus LStdt. — 5. glücklich, günstig, gesegnet, heil-
bringend. Bei Grüssen und Glückwünschen: Guetfe")
Abend, Morgen. Nacht, Tag, Jar; s. Guet-Jär. .Zweien
wächteren jedem 15 ß, dass si von SMichels tag bis
uf osteren den g-en tag den bürgeren und heren sin-
gent.' 1595. I,AVillis. Stiftung. ,Wünsch ewer Gnad
vil guter Naciit.'- liiliniH. 1019. G-i Besseri''g ! zu
Kranken; ironisrb aiuli Im^Iih Fortgehen zu Gesunden
mit Beziehung auf das moralische Verhalten. Hand
(na"'') g-e Sunntig! Abschiedsgruss am Sonntag. G-i
Losi"g'. zu Krämern oder Leuten, die als Verkäufer
auf den Markt gehen Z. ,T)er g-e Donnerstag', der
hohe oder grüne D., ,der g-e Freitag'. Charfreitag.
tMoos 1775. Formel für bürgerliche Ehr- und Eechts-
losigkeit: ,Des band soll nieman kein guot noch schad
gyn', = ,syn stimm niemer nie nüt und unnütz syn.'
1432, Zg. Urteil über einen Täufer: ,dass syn zung
syn leben lang niemand weder schad noch g. syn soll.'
1526, GStdt Ratsb. ,Das emd und den haber mit g-em
lieb hereinbracht [nach Wunsch, mit Erfolg].' Bossh.-
GoLDSCHM. — 6. heilsam, wohltätig (bes. von Arznei-
mitteln). Nüt ist g. für d' Auge', aber nüd für de"
Buch Gl; Z. Was ist g. für 's Zä"'weh? Antw.
's Hm-e" [Aufhören] Z. — 7. gesund, ganz, unversehrt.
De g. Arm, im Gegs. zum kranken (bösen) Z. De'
g. Schueh, wenn der andere Löcher hat. Die g. Mür,
der noch nicht baufällige Teil einer Mauer Z. Die
g-e' Öpfel, die noch nicht angesteckten (beim Sor-
tieren). Er tuet, a's tcenn 's nümme g. war, iron. von
einem starken Esser S. Aufs Moralische übertragen :
Kein g-e Fetze' (Fade') an Eim la", eine vernichtende
Kritik an ihm üben. — 8. den Sinnen angenehm, bes.
wohlschmeckend, von Speisen, Getränken, Gerüchen.
Wenig und g. ist besser, ah vil und schlecht. G. und
g'nueg, nach Qualität und Quantum befriedigend. Denn
meined d' Herre' eisig nn"'', mer heied g. und g'nueg,
klagt der Bauer bei Stütz. D' Bäbe' [weisse Rüben]
sind na''' g., trenn s" g'Mire'd de' Passion singe" Z rS.
Gern g-i Mümpfeli hä", ein Feinschmecker sein Z.
Nw zuvi-e g-e Mül, nicht für den Hunger, nur um
einen angenehmen Geschmack zu machen Z. S. noch
bei geben Sp. 75. ,Ein Zuger hat etwa am Freitag ein
schwynin hammen us dem buosen zogen, darab g'essen
und g'sprochen: Das ist mir g. harz!' 1.554, Zg. —
9. leicht, nicht schwierig. G-i [leicht zu verarbei-
tende] Side. E g-s Wujrp, Gewebe, Webearbeit, die
leicht von Statten geht. Von Rätseln, Rechnungen:
leicht zu lösen Z. G. Sach adv.: Die Buobu" heind
jets g. S. s' wxbu' W (vgl. o. 3). Der ist nid g-e''
z' b'schlssw, nicht leicht zu betrügen W und ähnlich
allg. Es ist g. säge' hindenahe', hinterher ist leicht
tadeln (vgl. npaxS-sv 51 xe vYjntog lyvio. Homer). Dh
hüM g. säge' (roh: schlssc), dir ist es leicht, wohl-
feilen Rat zu geben, da du nicht in Verlegenheit bist
(wie ich) Z. Es ist g. i' d' Witi lüge', allg. Das
ist g. (z') mache" Z. — 10. bei Quantitätsbestimmungen:
völlig, reichlich; beträchtlich, stark. En g-C Zentner,
g. gewogener; en g-e'' Schueh, stark gemessener Fuss;
e g-i Stund, starke St.; e g-s Wlli Gl; Z. En g-e"
Schluck, e g-i Mögi ha', im Trinken und Essen Be-
deutendes leisten Z. En g-C Bung, Weile, Zeit Z,
Bück B. G-i Witi ha', Spielraum haben, im Frieden
gelassen werden GrPt.; vgl.: ,Die Anemonen wollen
gute Weite haben.' JCSulzer 1772. E g-e Teil B.
,G-er Tagen, Jaren' in ä. Spr. = wohlbetagt: .Wiewol
ich g-er t. bin.' Ruef 15:iS. ,Annis maturus, alt, wol
betaget, g-er t. G-er jaren, fast alt, annis plenus.'
Fris.; Mal. ,Er ist g" sammlet zu synen vätern, als er
g-er tagen g'syn.' LLäv. 1590; dafür: ,Des Lebens satt
worden.' ebd. 1670. — 11. fertig, abgetan. Das Ding
ist (war) g., Formel, welche in einer Erzählung ein-
geschaltet jedesmal einen Abschnitt abschliesst und
etwas Neues ankündigt. Da Ding war g., fart de
Hächel fürt. Am-ene Obed usw. Sch (Schwzd.). Auch
ellipt. und wie eine Interj.: G., mer wend's jso b'stellt
st' lä" (bi dem bllbe" lä') Z. ,Den krieg g. machen',
beilegen. Edlib. ,Dise schrift ist vor Räten und Bur-
gern gehört und erkennt, dass es jetzemal soll ein g.
sach syn und in ruow stan und blyben.' 1526, Absch.
,Man habe es ein g. sach lassen sin.' 1529, ebd. Mp-
wend 's g. si lä, wir wollen die Sache auf sich be-
ruhen lassen, nicht weiter davon reden Z. — 12. ernst,
„derb", in der RA.: g-er Ding („gueting") Eim Öppis
säge', Einem ernste, nachdrückliche Vorstellungen
machen B; ,V0.; Z"; vgl. frz. tout de bon. bonnemsnt
und s. Schm.-Fr. I 964. — 13. euph. per antiphrasin
für: ,bös'. ,Furunculus, ein spitzig und hitzig ge-
wächs am leib, wie ein g-e blater, ein kleiner eiss.'
Fris.; Mal. Vgl. Guet-Bläterli, Hitzbläschen; Guet-
Schlag, Schlagfluss. — C. grammatische Besonder-
heiten des Gebrauches. 1. guet präd. mit gewissen
Vben. Mit ,sein'. Wie gät 's? Antw. Es mness g.
sl', bis 's besser chunnd Z. Alles ivär g., wenn 's nW
besser war. Anders GGotth. 1599: ,Es wäre g., es
stüende bass', Antwort auf die Frage: ,Wie steht
d' Sach'?' Machid numme', es iM-m^r g., es ist mir
schon recht, was ihr macht. Gotth. 's isch (jetz) g.,
genug jetzt! B; Z. Oft mit Ellipse des Verbs: Guet!
es genügt. G., lang g.! genug, mehr als genug! ,G.
i"-der Höchi! recte! optime! ironice.' Id. B; Z (der
Ausdruck in scherzh. Weise von den Bauleuten her-
genommen). ,A. : Ich weiss kein Wort. B. : Grad so
g.!' UBrägg. 1788. Sets« [sagst du] -w [uns] d'War''et,
(so isch) wol und g. Wenn-d'-mer folgist, wol u. g.,
sust '.[sonst] .. . allg. ,Nemmen sy einen darunder
[unter den Vorgeschlagenen], wol und g.' 1469, GBurg.
OiFn. ,Die Buoss abfordern. Gibt ers ihme. woll g..
wo nit, so soll er ihm für G'richt büten lassen.' 16'2!',
Obw. G. st lä'. sich zufrieden geben, es bewenden
lassen; vgl, B 11. Gelt, du witt 's iez g. la" si'? Gr
(Schwzd.). ,Man wurd widerum mess han und das alt
g. lassen sin.' Vau. Mit .haben': Si' Sach g. ha",
wohlhabend sein; vgl. A 8. Händ-er g.? Frage an
streng Arbeitende, bes. mit dem Spaten Grabende Z ;
vgl. B 9. (Öppis) g. mache" {„tue" B; L; Zg'), wieder
herstellen, vergüten, bezahlen, boniflcieren. allg.; vgl.
A 1. ,Man soll ihnen für einen Tag 25 ß g, machen.'
1654, Absch. Zur Erhaltung des Zauns sollen dem
Weibel 3 fl. ,g. gemacht' werden. 1742, ebd. , Schade
aus Privatfeindschaft wurde aus des Urhebers Ver-
mögen g. getan.' JvMüll. G. (ver)spreche' für Ein''",
Bürge sein Bs; Z; g. schribe", schriftlich zusichern;
vgl. A 7. ,G. geben' i, S. v. gutheissen, anerkennen;
bewilligen; vgl. B 4. Karl der Gr. hat eine Abtwahl
,g. geben mit urkund'. Eine Abtwahl .g. geben und
bestäten'. Die Mönche ,mochten nit lyden, dass man
den [Abt] g. gebe, der wider ir wal aufgetriben wäre.'
Vad. Vgl. ebd.: ,Die klöster seien um der büecher
und lehre willen von den bischöfen zugelassen und
für g. geben worden.- ,Das für g-e werk halten, so
.11
f?it, S"t. S"*^ i?»«'
M2
die Hömiseh kiruli für g. gelieii [für g. erklärt] hat.
1,Lav. 15:^7. — 2. g. elliptisch mit Ausfall eines zu
ergänzenden Subst. En Schoppe" (vom) G-e' [d. h.
Win], allg.; vgl. B 8. Me' muess bim G-e' [ Wetter J
heuwe' B (Zyro); vgl. B 4. iV hat Mit G-e" [d. h.
Mäniag], blauen Montag Bs; vgl. B o. F'' wünsch-
der e G-e' [Appetit.]! Bs; S; vgl. B Ü; 7. ... es Guet 's
[Neujahr] Bs; vgl. B 5. Guete' [Tag]! Gruss in
ZWthur; Th tw.; vgl. aus GBh.: Grüess-i giieten Abig
irol! Antw.: Dank-i; au en g-e'! während anderswo
nur: Tag! gesagt wird. Das isch e G-i- [Geschichte,
Krzählung], ein köstlicher, ergötzlichi'v. trefflicher
Witz B; vgl. B 3; 4. De' G. LSeniii.; S; /o.. s.. (S-r
GKPr.; GA.. F., Ta.; Sch; Schw; /. tu. //,»"/ /,.-". i„
guter Laune, gut gestimmt sein; auch: anj;rtriiiiken
sein L. In GrD., Pr. daneben die G. [Stund]; vgl.
A 2; 3; B 2. Hast nüd de" G-e'^ Frage an Einen, der
finster drein schaut. KSteiger 1839. Syn. nüd g. im
Strumpf sl'; vgl. ,den nächsten' [sc. Weg]. — 3. das
Neutr. des Adj. subst. gebraucht. Gnets bring G-s,
hei albe" die Alte" g'seit BBe. ; vgl. B 1 ; 5. D' Lät
flönne' Kim ehnder 's Bös geh 's G. S (Schild). Liebs
iiiid G-s. allg. ,Den Herren von Bern wurde alles L-s
und G-s erzeiget.' Mem. Tig. 1742. G-s in 's Mül gen
[geben], schmeicheln GRVal.; Syn. güetle'; vgl. B 8.
Für 's G. sl", religiös gesinnt sein Z. G-s tue', beten,
fromm sein ZRuss., sonst: wohltätig sein, Almosen
geben Z. Der alte Graf von Toggenburg und Frau
vergaben Wyl ans Kloster StGallen, damit für ihren
vom Bruder ermordeten Sohn Friedrich ,guots ton
würde', d. h. gebetet werde. Vad. ; vgl. ebd.: .Damit
im für und für guetes nach [nachher] tuon wurd
lewige Seelmesse gehalten würde].' Das ist Öppis nit
G-s! Ausruf beim Anblick eines Gespenstes. DGemi'.
1884. ,Iratum habere alqm, nichts guots an eim ha-
ben, wenn einer wider uns erzürnt ist.' Fris. ; Mal.
Hieher im Grunde auch: Das G., euph. für ,Schlag-
Huss'; vgl. B 13. Kei' G. tue', nichts taugen. Das
(Ding) tuet kei" G. me'' mit dem Hans (dene' Zweine"),
Hans macht sein längeres Verbleiben unmöglich (das
eheliche Zsleben ist in Frage gestellt) GSa.; Z. Auch
mit pers. Subj. L; jte G. tue', sich ungeberdig stellen
Aa. ,Was lychtlich abzuonemen, wohin es in die harr
reichen und was us dem spil werden wurd, nämlich
dass alle landschaft beladen und zuo langen tagen
kein g. syn wurd.' Vad. Was lebst G-s? Grussfrage;
vgl. B4; 5. Was (büted-er oder ivend-er oder giH's)
G-s? Frage an einen Besuchenden, allg. Der händ-
mi'''' lo' zue-n-ech b'schicke', do wär-i"'' ies, und iez,
was G-s? h. ,Was tuost du daV Was machest guots?
[Grussformel Kains an seinen arbeitenden Bruder].'
Ruef 1550. ,Was er Guts beut? [Frage an den eben
zu der Gesellschaft Kommenden].' Schimppr. 1651.
S. auch us-gän Sp. 26. E(s) G-s, als unbestimmte
Massangabe, ein Beträchtliches; vgl. B 10. E G-s
zu 100 Schueh hoch, beträchtlich höher als 100' Gr; Z ;
um es G-s bessei- Ndw. ,Diser atf ist etwas guets
grösser dann ein hund.' Tierb. 1563. ,Bene ante lu-
cem, ein g-s oder lang vor tag.' Fris.; Mai..; Denzl.
1677; 1716. ,Servus sapientior non paulo, ein g-s
witziger dann sein meister.' Fris. ,Uinb ein G-s
höcher.' 1600. Cys. .Nimm Samen, stosse sie um ein
G-s grob, allein .la-,s kein Kn ulin ganz bleibe.' JJNüsch.
1608. .Nä.-liaeii, die [aiilieraumte] Zyt ein G-s für
über war.' Z 'l'auleiber. Ui;;9. E G-s hesser als....
ScHiMPFR. 1651. — 4. das Neutr. mit einer Präp. formel-
haft verbunden. ,In G-em', in gutem Sinne; vgl. B 2.
,Sy wurdind syn vermanung in g-em von im ver.ston.'
HBuLL. 1575 (Mise. Tig.). .Dies tier habe im dattel-
kernen bracht zuo einer anzeigung, dass es in g-em
zuo gegen wäre.' LLav. 1578 = ,dass es friedlich ver-
banden seie.' 1670. ,Ich bitten, ir wöllind mine mei-
nung in g-em von mir verston.' LLav. 1584. ,Freund-
lich hat man ihm [dem Paris] Tür aufton und g'meint,
er sei in G-em kon [in guter Absicht].' GGotth.
1599. Us g-em, aus Güte, gutwillig, freiwillig Bs; Z,
z. B. Eim Öpipis ge'. Si hei g'wüsst, ''ass er us
G-em Niem Nüt abg'sl" isch. Breitenst. ,Aus G-eur.
im Gegs. zu : von Rechtswegen. 1557, Absch. —
für g. Aa; B; Gr; GA.; Scu, v,;r- {gued BB.); W,
firgüetig BO.: 1) (für) sicherlich, bestimmt, gewiss,
durchaus. Fäh [fange] der Alpstei' a" z' brülle', su
cheri [ändere sich] 's Wetter f. GkFt. F'' iceiss nit,
ob Alls war ist, aber ammäl hei' wer 's v. g'hert W.
Machsch-m^r das no einisch, su hesch's de"' f. «'.r-
chächelet [verderbt] mit-nirr B. Syn. für g'wilss. —
2) für immer, zu festem Besitz (nicht leihweise) SchKI.;
Syn. für überall; vgl. auch schon das letzte Beispiel
von Bed. 1. -- 3) adv. verst., ernstlich, tüchtig, nach-
drücklich Aa; B; Gr; GA.; W. Die Doktren tient
dun armun Bür v. tuen z' blechu', les inedecins fönt
rudement payer le pauvre [jaysan W. Es feistret
[dunkelt] „adisrh ,ch," f. Kihn 1S19. .Hie Geissen
waren Iimieeii^' nn.l wenn die Km.l.T ilinen den Knpl
anrührten, stie,..,eu sie maiwlinial f. -. mit den llm-
nern.' HPest. 1785. F. rosse", derb abprügeln UU.
Syn. guet-ding s. guet B 12. — 4) in ä. Spr.: f. ha",
üfmme", zu gute halten, sich zufrieden geben, be-
gnügen, vorlieb nehmen ; übel r. hau, übel nehmen,
unzufrieden sein. ,Si haut es dick nicht wol v.' Bonek.
,Ist etswan gefeit, so land uns [das] bessren und von
einandren v. han.' 1521, Strickl. ,V. nemen' s. Bd I
1060. , Wellend an sölichera ein benüegen und v. han.'
1526, Absch. ,Habe einer von dem anderen v. und
vergebe je einer dem andern.' 1531, Coloss. ; = .Duldet
einanderen.' 1667. ,Ir sind ein wyser man, wie kün-
dend ir etwas tuon, das nit wol ton wäre, ir band
wol von üch selbs v.' Gyrbnr. 1523. , Jeder tue
dem andern, das er von im wollte in glychem fall
V. und zu dank annemmen.' B Syn. 1532/1775. ,Nun
hab an diser -spys f.' SBirk 1535. Die Gemeinde hat
solche Reden ,übel v.' 1539, Absch. ,Sy wellen vor g.
haben, wo inen nit geschechen nach irem willen.'
Kessl. ,Heb allwegen von kinden v.; mach si mit
rüche nit verdrossen.' HBixl. 1540. ,[Der Überwun-
dene] hat syn knechtschaft übel v.' Vogelb. 1557.
,[Der Pfarrer] hatte mit einer ringen besoldung v.,
beggrt keiner besserung.' 1561, ZZoll. .Parvo uti, mit
wenig V. haben, an kleinem vernüegt sein. Accepta
esse mea dona lietus sura, dass sy meine schenke für
g. und dank aufgenommen hat. Aequus alicui, mit
eim zefriden sein, von eim v. haben. Aegre ferre,
ungern leiden und übel v. haben, zürnen. Adversis
aniuiis accipere, übel v. aufnemmen. Patior non nio-
leste eam vitam, ich hab das leben nit übel v.' Fris.;
Mal. ,Bitt ich üch, dass ir wol wellind mit einanderen
eins syn und von einanderen für g. haben, cinanderen
lieben.' HBull. 1575. ,Er hat die straf nit übel v..
sagt nit: ich weiss selbs, was recht oder unrecht ist.-
LLav. 1584. Zu Gästen: ,Han euch all ding zurüsten
.V43
dat. get, git, g()t, g-nt, giiet
544
lim, doch am fürg. hau wird vil ligen.' GGotth. 1599.
.An keim Lohn hand ihr mehr für g., an Speis sich
keiner g'niegen tuot.' Com. Beati. ,Wo ein Kilcher
sich allhie unsers G'richts und Rechts nit wellte lassen
settigen old benüegen und v. han.' 1605, Schw Eq.
Bettler: ,Was d' mir mitteilst, nimm ich fürg.' GGotth.
1619. ,Oder, so mir glych yferig und ernsthaft sind,
so tuend wir etwan der Sachen nur gar zu vil, habend
von den lieben Einden nit, wie es syn sollte, für
gut; gebend ihnen etwan ungebürliche Namen.' 1626.
JJBreit. .Bedanken uns eurer guten Gesellschaft,
mit derselben wir gar wol v. genommen.' Werbungsb.
1670. .Der Schöpfer Himmels und der Erden hat
müessen vorg. haben mit einem Stall.' AKlingl. 1688.
, Mancher hat niemals verg. ; hat er das Eine, so will
er auch haben das Andere.' ebd. .Lutherus hatt das
übel verg., Erasnuis noch vil wirs.' Mise. Tig. 1724.
— Über die Alischwächnng des für zu ver s. Bd I 912,
Anm. Lenz, Schwabenkr. hat ein Vb ,vergueten' i. S. v.
.vergiiet ban', gestatten: ,Die toten v. in d'statt ze tragen.'
— ,dur'=''-g.', zu einem guten Zwecke; vgl.B4. ,Die
hüser, du dur g. werdent nitlergebrochen, so für üs-
kummt, soll man gelten.' 1304, Z Richtebr. Ze
Guetfem). 2? G-em ha* a) wie nhd. zu fordern haben
(als Schuld); vgl. B 4. — b) Ei"m Öppis, es nicht
übel nehmen; .sequi bonique consulere.' Id. B; vgl. B 2.
Z' G-em cho", zu gute kommen. Z' G-em, in Liebe,
mit Freundlichkeit BSchw.; ,iu commodura.' Id. B; aus
Gefälligkeit (nicht in Folge eines Rechtsgrundes) Z.
,Z' G-em tue'', beneficium conferre in alqm.' Id. B;
sich z' G-em tue", sich gütlich tun BHk., Eim z' G-em
tue", ihn köstlich bewirten, ebd. ; vgl. B 5 ; 8. ,Ei'"m
z' G-em welle", propitia voluntate esse erga alqm.'
Id. B. Eim Öppis z' G-em säge", ihn in Liebe ver-
mahnen B = zum G-e" säge", zu Jmds Wohl Z ; vgl.
B 2. Het 's Bäbi au''' zwei Pfündli Fleisch g'kauft
z' G-em, und 's isch au grad Fasnecht g'si. Joach.
1881. ,Das sei nicht recht, dass Vreneli jetzt Alles
ausessen solle. Es hätte ihnen z' G-em wollen und
jetzt wolle er es schlecht machen.' Gotth. .Man kann
einander oft z' G-em sein, wenn man ein Herz zu
einander hat und sich kann verstehen.' ebd. ,Zu g-em
niemer mer vergessen.' 1516, DHess. ,Dem menschen
mögen zu g-em kommen.' ebd. ,Dem zu g. [zu diesem
Zwecke] so ist gesetzt, dass man in jedem viertel im
land zwen mann dargeben soll.' 1519/44, Schw LB. ;
vgl. B 4. ,Das wellen wir gen üch zuo g-em nit ver-
gessen', wir wollen dessen zu euern Gunsten gedenken.
1521, Absob. ,Mit bitt. ir wellind unser handlung zue
g-em von uns vermerken', günstig auslegen, in bonam
partem accipere. 1522, ebd. ,Die hotten sollen das
best handien und versuochen, ob sy die sach zuo
g-em bringen [gütlich schlichten] mögen.' 1529, ebd.
,Die vorbotten dienend zuo g-em der gläubigen und
zuo straf der ungläubigen.' LLav. 1569. ,Gott lasst
die geist synen userwälten zu g-em und den verwor-
fenen zur straf erschynen.' ebd. ,An mir sollt ir kein
zweifei han, euch z' g-en warnen, wo ich kann.'
GGotth. 1599. ,Gott wöll z' g-em unser eindenk sein.'
ebd. ,Der Handel kam für die von Bern, die spra-
chend dem Gottshus zu guet und lagen die Buren
under.' Cysat. ,Mit Begehren, wir derselben [der
untern Pfalz] unser christenlich Mitlyden noch fürbas
zu G-em wollen erschiessen lassen.' 1626, JJBreit.
,Ich will's euch z' G-em nit vergessen.' Schimpfr. 1651.
,Den Weidleuten dienet z' G-em', dass . . . = wird kund
gegeben. 1710, Z Fischerordn. — 5. g. als Adv. 1) gün-
stig, vorteilhaft; gehörig, nach Wunsch; vgl. B4; 5.
G. schrlbe", günstige Nachrieht von sich geben B; Z;
Eim helfe" mit dem g. Rede", sein Fürwort einlegen
für.,
schaffe
viel ausrichten
.; g. cho".
anstä", passen, von Kleidern. Er meint 's g., wenn-
er 's nw hätt, macht schöne Pläne, die er nicht ver-
wirklichen kann Z. Es g. im Sinn ha", den ernst-
lichen Willen haben Z; vgl. B 12. Es g. ha", gut
situiert sein, ein behagliches Leben haben, wohl auf-
gehoben sein. allg. Er hat 's lang g., er ist aufs
Beste versorgt Z (eig. ist auf lange hinaus gesichert).
Ja, selb mein-i''', d' Herre'lüt händ's g. (VolksL).
Du bisch aber en a"schickligs Bürstli, woruf i mi verlo
darf und bi dem der alt Joggt cha g. ha. Schild 1866.
Es g. übereho", in eine glückliche Lage kommen. Vgl.
,Nu g'winnt's kein narr nümraerme'' g.' Gehgenb. 's ist-
»ijr nid g. (nid grad am Beste"), ich bin unwohl Gr;
Z; vgl. B 7. Si häd 's nüd g. 'tröffe", sich nicht
günstig verheiratet, 's nüd g. treffe', auch: mit einem
Besuch, einem Unternehmen Misserfolg haben, zur
Unzeit kommen. Z' g. mache", den Zweck überschrei-
ten; übertreiben (im Essen, Arbeiten, Vergnügen,
Strafen) B; vgl. B 4. Mach 's nid z' g.! grüssender
Zuruf. Du hest-mu 's z' g. g'macht, hast ihn zu derb
geprügelt BHk. G. tue", a) „guten Räten folgen, weis-
lich handeln." — b) gehorchen, sich fügen; sich gut
betragen, allg.; vgl. A 2; B 2. Tuest echt g.? oder:
Wottst nüd g. tue"? drohender Zuruf an unruhiges
Vieh oder störrige Kinder Z. Auch unpers. (vgl. B 5) :
.Von dem an wollte es nicht mehr g. tun im Hause
des Vetters.' Breitenst. .Wenn man Gott erzürnen
tuot, in d' lenge warlich tuets nit g.' Rcef 1550. ,Das
tuet nit g. zu keiner frist.' UEckst. Rychst. ,G. tue"
zämme", harmonieren; ,congruere, quadrare.' Id. B. —
c) Nutzen bringen (Kühe). — d) gedeihen (Vieh)
B oSi. — 2) milde. ,G., ernst und pynlich examinieren',
von den 3 Stufen der Folter. 1646. Z. — 3) verst.
(bei Adjj. u. Verben), völlig, ganz, sehr; vgl. B 10.
Er glicht sim Vatter g. B. Bist du au''' no''' ledig?
Seb wurH meine!" und no''' g.! GT. (Feurer). ,Es ist
g. frisch diesen Morgen.' Gotth. Du bist g. sichei;
emph. kannst dich für ganz versichert halten, darauf
zählen Z. Schon bei Wolf, Dreierwahl; Syn. lang
sicher, l. starch. — 4) bei Massangaben: voll, reich-
lich, zum Wenigsten; vgL B 10. G. e mol me'; völlig
das Doppelte Z ; ,g. tusig, ad minimum mille.' Id. B.
Es ist g. Achti [8 Uhr] verbi. Schild. In B auch g-ig:
g. zwo Huttete", wohl 2 Tragkörbe voll. ,G. 30 Per-
sonen seien da gewesen.' Gotth. ,ünz schier zue
obrist [auf der Höhe] und doch nit g. zuo obrist'
1518, Gprd. .Ich habe g. 25 Riesen Papiers ver-
schrieben.' JUlr. 1733.
Zu B IS vgl. it. benedetto, bair. «elit/. Hieher könnte
viell. auch aus A i g. Lüt, Aussätzige (daneben allerdings
auch = die .gutmütigen' Zwerge) ; g. Sele" = Seelen im Feg-
feuer, gezogen werden; vgl. selig iii( = Wuotans Heer und
frz. bonshomme«, Name der albigensischen Ketzer.
Alls-, „Alls-g-s n. indecl. LG.", AUs-guetni oAa,
Älls-g-nig LV. (PI.): eine Art von pisum arvense =
Allsguet-Erbsen Bd I 430; Syn. Alls-esse"d (frz. pat.
pois mange-tout); fSüess-J Käfe". In LV. diejenige
Bohnenart. von denen nicht bloss die Kerne, sondern
auch die Hülsen essbar sind.
Gat, get. (fit- frot. f,'ut. {;iip(
u(ii)- (uH-güetei; -güetwt Ap; Gr): nicht gut.
1. böse, schlimm. .Von u-en stücken abstehen.'
ZwiNGLi. ,Wo der ötfentliche Bettel geduldet wird,
da hanget an demselben viel U-s.' XVII., JJBreit.
.Von synes u-en Lebens wegen abgmanet werden.'
ebd. .Auch zuoglych sölliche u-e Lüt allhar geführt
werdind.' Z Mand. 1638. ,Wie dann die Zyt har von
u-en Lüten allerhand Tröuwort usgespreitet werde.'
1646. Z Staatsarch. .Was von unverständigen Leuten
in währendem disem nfrührischen Wesen für u-e Wort
wider UHH. g'redt worden.' ebd. ,Gründ der Eids-
dispensation des u-en Puren-Bunds.' 1653, BsTasehenb.
.Ein u-es Geschrei', böses Gerücht. 1657. Absch., und
ebenso 1662. AiWett. Klosterarch. .ü-e. ärgerliche,
ja auch unkatholische Reden.' ebd. .Wiewol die. so
Gott fürchten, mit ihrem Verdruss bei und nebent
u-en Leuten wohnen müssen.' .TMüller 1665. .ü-e
Leut.' JJHoTT. 1666. .Das u-e. lasterhafte Leben.'
ebd. (ÖppisJ XJnguets, Etwas Böses, Unheimliches,
Gefährliches. Was-isuh U-s? was ist nicht recht?
BoSi. Es chennti liecht an-e-me-n Ort e Mislinyge
oder üppis U-s ge. DGemp. 1884. Wer öppen Öppis
U-s mit-is g'hn' liäd, mit dem häm-mer 's co' Hnnd
usg'macht. 1860, Schw Fasnachtsp. ,Halt doch still,
das ist was n-s, hör doch, wie der Bub brüllet.' Gotth.
.Es war lange etwas U-es zwischen uns.' ebd. ,Uli
merkte am Tone an, in welchem der Meister das sagte,
dass etwas ü-es da sei.' B Bauernkai. 1883. ,Ein fin-
steres Zimmer. Da es schwer zu erwärmen und über-
lianpt etwas unbehaglich war. weil, wie Stüdi be-
hauptete, öppis U-s d'rinn sia-, so wurde .-s wenig
benutzt.' BM. A: h» h,st j.i r„II S,-Ii,i;'i<-.. hnsl „ppis
U-s? B: ./,( w,)l, hr n'»'>-nit. r' injj'-,!," „it „„■ him
Lebe: BBauerukal. :\Iit rrap. fur ».. für ul.rl. Bes.
in der RA. für ii. iie'. hu", übel nehmen, allg. Nüd
f. n. ! Formel der Entschuldigung, bes. beim Abschied,
womit man sich die Nachsicht der Andern für frei
Gesprochenes oder auch Getanes erbittet, allg. S. u.
geben Sp. 75. .Anne Bäbi g'schirrete mit Allen aus
nicht für ungut [ohne Rücksicht].' Gotth. .Der Hin-
kende Bot wird ernsthaft und predigt den Bauern,
nicht für u.- Kal. 181'2. .Mit undertäniger Bitt, wollen
Solches in u. mir nicht aufrechnen, sondern mich in
euer Gunst lassen empfohlen sein.' Mtricaus 1630.
Vgl. ver-guet. Ze u-g. Wenn es W\b z' unguten ge-
ratet, missrät. Gotth. — 2. un-freigebig. Des Heiris
gebed Niemedem Nüt. st seied so zum Wunder u.
Stütz. — 3. unfreundlich, mürrisch, unwirsch, unver-
träglich Ap; B; Gr; G; Schw. En u-s G' sieht B; en
u-s Pur Auge' Ap. Defn) U-e ha', übler Laune sein
Ap; G. .Atticus advena. ein u-er Nachbaur.' Denzl.
1677; 1716. — 4. schlau Ap. ,Ein u-er Boss, schlauer
Bursche Ap." t^-i J^a^e", Schelmenaugen, ebd. ,Agnos
objicere canibus. einfältige Leut übergeben u-en und
verschlagenen.' Denzl. 1677; 1716. , Alldieweilen durch
etwelche ungeschickte, u-e Schurter [Schuldenboten]
ehrliche Leut wider die Gebühr molestiert werden.'
1691, Schw LB. — 5. schlecht, vom Wetter, G'liger
[Lager] Bs. ,U-e Arbeit.' B Wochenbl. 1847. — 6. un-
schmackhaft, widrig: von Speisen, Getränken usw, L;
ScH; Z; „allg.- Eim en u-i Suppen a'richte', in einen
sauren Apfel beissen lassen Ap (bildl.). En u-s Mül,
übler Geschmack im Munde Sch; Z. .U-er Gestank."
.THott. 1666. .Gallfieber melden sich durch u-en Mund,
insonderheit des Morgens nüchter.' 1772, Z Ges. Vom
Schweiz. Idiotüon II.
Neutr. abgel. Nbf.: un-giietsig Z. .Die Mixtur macht
eim so-n-en u. Mül' Sch (Sulger); Z. — 7. adv. Öjipis
II. ufne", übel aufnehmen Bs; u. luege", bestürzt drein
schauen; Nebesu.a'luege", Etw. anstaunen; ii. ufliiege",
aufwärts starren; u. ge', derb aufnähen, durchfenstern
Ap (T.). ,Wie Zeberg den Stadler u. habe geplagt.'
Erzähler 1856. .Des St-s Blut u. [ungerecht] sei ver-
gossen.' ebd. ,Dass dem St. u. sei geschehen.' ebd.
In u. schribe', fleissig und viel schreiben (.\p), ist
MW- nicht negierend, sondern verstärkend; s. >m- 'i c
B I 298 und unig. ebd.
halb- geben, halb vergüten. .Wer an den andern
buwen will, der ein hülzin wanthow [Zwischenwand]
hat, soll enem, der den wanthow gemachet hat. h.
geben das der wanthow kostet hat.' XIV.. TnDiess.
Stadtr.
haupt-: sehr gut. Er isl h. iif der Federe', ein
Meister im Schreiben Z; h. [hauptendischg. Z) fü''
d' Auge', vortreifliches Augenheilmittel ScnSt. (Sulg.);
vgl. autentisch Bd I 589.
nüt-. -giiets, -guetsig: 1. nichtsnutzig, mutwillig,
ausgelassen Bs; S; Z. En nüfgiietsne Purst [Burscht:]
Z, und subst. en Nltguets(ig) Bs. Taugenichts. Die
Nütgiiets [ungehorsamen Schüler] verclilage', wo si'''
nit a-lirrluj „/■f,in;-"' S (Schild). J>» X,ihi„,-r^ hn\
sehr zu M nt« ill.'ii aufgelegt sein Z. S_\ii. iml rr: lii.^i u/i.
Dazu: .\,il,,inisn,)i f.. Übermut. Mutwill.' /.; Syii. X,it-
rechtsi. - 2. un sch mackhaft, ungeniessbar Sohw; Z.
Za der Entstehung des Adj. aus nüt Guetg, nichts Gutes,
vgl.: i/äb 's echt üjjjn» Nütijuets »iij mit der Toclitn; ob es
etwas Schlimmes sei mit . . . Gotth. — Vgl. wji-y.
bode"-: überaus gut S; ZO. Vgl. bode' -bös: ähn-
lich, aber gi'öber: himds-g. B; Z.
Guet I n.. PI. Giieter: wie nhd. 1. Vermögen. Be-
sitztum. Wertgegenstände, 's G. häd zweierlei Herre" :
eine', wo 's sammlet und eine', wo 's vertuet L. Giieter
brtiche"'' Hüeter. ebd. 's G. suecht G. L ; Sch. Gross
G., gross Muet L; d's Güetli macht d's Miletli Gr:
vgl.: .Faciunt animos diviti®, g. macht muet.' Fris.;
friimd G. s. Bd I 1298. Mänge'' Mensch weiss st"s
G-s kei End. SvLGEK. G. und Bluet L; Vv; Z. Geld
und G. allg. .Vil gelts und guots.' XV.. L (Gfrd.);
s. auch über-geben Sp. 78 u. nach-gän Sp. 31. ,[Jmdn]
mit lib und g. befelchen.' 1423, L Leibrentenvertr.
Die ä. Rechtsspr. unterscheidet zwischen .ligendem
und farendem g.', Immobilien und MobiUen, zwischen
,erbg. und gewonnenem g. [Errungenschaft].- S. noch
üs-geben Sp. 84. .Us-gend G.' s. its-gän Sp. 24. .Auch
soll man niemandem einiges G. geben, Rat und Mei-
ster, die heissen es dann.' M. XIV.. Bs. Üchs sagt
hiezu : ,Dieser Art. ist dunkel wegen der Unbestimmt-
heit des Ausdrucks .Gut gijben-. Das W. Gut kann
sich auf Geld. Panzer. Bücher. Werkzeuge des Bau-
amts beziehen.' .Der büt und eroberten g-s halb [aus
der Murtenschlacht].' 1476, Bs Chr. .Um ein ringe
summa guots.' Vad. .Der Nächste bim Blut soll der
Nächste bim Gut .sein.' 1646/1741, SchwE. Hofr.
[Rechtssprw. betr. Erbfolge]. .Ich muoss selbst mein
Güetli schaffen, ich überkomm es nit nüt Schlafen-,
spricht ein Geiziger. 1662, L Spiel, Vgl, ,ein Streuw-
das-Gütlein [Versehwender] werden.' GHeid. 173'2. —
•2. bes. als PL = Kaufmannswaaren. Frachtgüter .B:
L;" Z. — 3. Grundbesitz, -stück, allg. (bes. als PL).
Im Bes. a) Wie.senland im Gegs. zu Allmend. Bergen
547
Gat. get, git, got.
snet
548
und Alpen Gl; so lieissen Auenijiieter die fettesten
Wiesen oberhalb GlL.; ein ungedüngter Heubezirk
auf Mittel- und obersten Höhen W ; Matten- od. Acker-
land im Privatbesitz im Gegs. zu Gemeinde- oder Cor-
porationsland BHk. ; Grund und Boden ohne Haus im
Gegs. zu Heimet Ap ; in einigen Gegenden von B, z. B.
BE., ist sämratliches im Gemeindebezirk gelegene
Grundeigentum zum Behufe der Besteurung in ideelle
Teile geteilt, Ton denen jeder .ein G.' heisst. Bildl.
)(/ die liggede Güeter gä", zu Bette gehen Z; Syn.
uf Bettwise'. In ä. Eechtsspr. .ein fry G.'. allodium;
.gemein G.', Corporationsgut, .Allmend'. ,Das G. ver-
bieten', vom Grundbesitz (bes. wegen .verse.ssener
Zinsen') vertreiben, bei Strafe den Wiederantritt des-
selben untersagen, res in bannum mittere; s. us-gän
Sp. 25; rei--(jiii( i^y. 'Jx. .Da Ringlikomer und [Albis-]-
rieder tru.it |<iriiH'iii.lebann] zuesaramen .stossent.' ca
1490, ZWiea. tJllii. .Die besten güeter an acker,
matten und wynreben.' JMdrer 1559. ,Stosst an das
Henker-G. [Grundstück des Henkers].- 1653, AxWett.
Klosterarch. ; s. Galgen-G. — b) Landgut (eines Stadt-
herrn) Bs; Uw; Z. Noch als 2. Bestandteil im Namen
von alten Höfen, z.B. ,Otteng.' 1443. ZBül.; .Grafen-g.'
1448, ebd.; Albisgiietli Z; Ötere-G. ÄAEhr., wo es viele
Nattern gab. — 4. Getreide. .10 malter beider guots'.
,beider korns [sowohl Dinkel als Hafer].' 1406 u. 1471,
L TJrk. ,3 mütt beder guots, körn und haber.' 1486,
LWill. Jahrzeitb. .2 malter guotjärlich [Korn].' 1498,
L Urk.; s. fassen Bd I 1059. ,7 malter g.', Hafer.
1525, L. ,Iin selben jar hett man euch ein halben
mütt kernen des nüewen guots des selben jars um
12 batzen •^.-Wn.- VMkt. 1540/73. ,6 malter g-s.- 1577,
Absch. .liiint- („Irr Getreidzins: 2 mütt beiderlei G-s
järlichs zin^es Hofmes [Dinkel und Eoggen].' 1606,
L Urb. Auch : Mehl. ,Das besser G. mit dem schlech-
tem G. vermischen und verbachen.' 1671, L Bäcker-
ordn. — 5. Vieh; Syn. Hüb: War. ,Mit ir ve und un-
gebundnem [freigehendem] g. sullen s' si unbekümbert
lan und suUend mit ir ve und ungebundenem g. ussend
uf faren.' 1437, Gfrd. .Mächtige Haufen kleinen Guts
[Schweine] werden auf dem Lande erzogen, woraus
die grossen Teurungen [im Korn] entstanden.' 1530,
Absch. ,Itera hand wir ein weg mit gewetnem g. [Zug-
vieh].' 1536, ScHw Eq. Das .klein g.' [Schmalvieh]
zu verbotener Zeit in Reben und Äcker fahren lassen.
1553, Absch. .Welcher finnig g. kauft.' 157'2. Aa. .Es
solle die Weidfahrt im Bowald allein für das grosse
Vieh bestimmt und alles das kleine G., darunter für-
nehmlich die Schweine verstanden w^erden. hiervon
ausgeschlossen sein.' 1679, BBoggw. — 6. angeblich
= Dungwasser L (Ineichen). — 7. ,Güter' als Übers.
des griech. äya^ä i. S. v.: .Gute Bissen' hat die Z Bib.
1530/1707; 1882 dafür: .Gute Gerichte'.
E-Guet: ein Stück Land, das zur Weide offen
bleiben muss; Syn. ,E-, An- (ge-) wachs'. Streit, ob
ein gewisses Gut sei ,ein inbeschlossen g. oder ein e.-
1478, ZDürnt. Urk. - Eigen-: Eigentum. Streit zwi-
schen B und S über den Begriff der Benennung ,E.'
bei Entrichtung der Zölle. B: ,E. ist, was einem
Bürger von S auf seinen Gütern wächst, oder was er
für seinen Hausbrauch erkauft, wenn es in der Stadt
S Kingmauern verbleibt.' S will es noch weiter aus-
gedehnt wissen.' 1633 u. 1637. Absch. (V 2, 1013 m);
ebso 1742 (VH 1, 648). — Allmeind-: Fond, welcher
durch den Verkauf einer Gemeindeliegenscliaft ge-
bildet wurde Ap. — I1-: Eilgut. ,Wenn auch ein
Kaufmann Y. hat, so soll der, welcher dis Y. hinweg
fertiget . . .' Z Mand. 1640. ,So die Säumer Stuck
führen, die Eilgüter wären. Die Condotta- und Eil-
güter voraus [zuerst] expedieren.' 1696, U. Uneig.
scherzh.: Gesindel, das man per Schub schnell von
einer Behörde oder Gemeinde zur andern befördert
SchSt. (Sulger). — Almose"-: = Armen-G. L (Seg.,
R6. II 813). — Amts-: Fond des Amtes ZGrün.,
wahrsch. gebildet aus Bussen udgl. ,Um 1799 wurde
das A. an die Gemeinden verteilt. Hinweil erhielt
über 1000 fl., welche 1819 gesondert als sog. A. ver-
waltet, dann aber mit dem Kirchengut vereinigt wur-
den.' Naf, Hinw. S. 172; Mey.. Wetz. S. 34.
Er-. ,Des stifts ergüeter und dinghöfe.' 1566. L
Bd
:391
hre geschenktes Gut oder
Erb-: ererbtes Gut. im Gegs. zur Errungenschaft.
s. Guel I n. Erb Bd I 427. E. göt de" glich Weg, wo's
chü" ist L; vgl. Hinder-Fall Bd I 740. — Arme"-:
der Armenfond einer Gemeinde, woraus arme Gemeinds-
bürger unterstützt werden, allg. ; oft im Unterschied
zum Spend-G. Vom A. hä", almosengenössig sein Z.
A's A. (ane'J cho", der öffentlichen Unterstützung
anheim fallen Z. — Isc"-: unveränderliche Zinslast,
ewige Abgabe, Fideicommiss. Pup.; vgl. , Eisengült' bei
Schm.-Fr. I 163 und Halb-Vich Bd I 649. — Vogt-:
das vom , Stillstand' verwaltete Vermögen der armen
Vogtkinder. 1780/1864, ZHinw. ,Das V. wird vom
Seckliguet getrennt' 1780, NXr, Hinw., ,1864 dem
Armengut einverleibt.' ebd. — Fall-: ein mit dem
,Fall' (s. Bd I 735 d) behafteter Hof. 1525 fordern
die Bauern : ,dass die, so die fallgüeter besitzen, hinfür
des falls ledig syen und sölicher fall nit mer begert
werde.' Stkickl. — Fraue°- = Wtber-G. — Güschi-:
geringe Waare, Plunder; gemeines Volk. Gesindel B;
Syn. Güsel; s. Güschi. .Mit Besenbinderstöchtern und
verlumpeten Schreibern, kurz mit allem G. zu Stadt
und Land tanzen.' Gotth. ,Wer nicht zu dem G. ge-
zählt werden will, reist mit dem Sehnellzug.' Postheiri
1873. — Heu-: Wiesen, welche Heuertrag liefern GW.
,Zu disem Schloss gehören Heugüeter. Rieder usw..
daraus ein Landvogt eine Anzahl Viech underhalten
kann.' 1741, CTomann. — Hab-: Vieh, Güter, welche
nicht mit Umgehung der obrigkeitlichen ,Haben' (Hä-
fen) oder ,Susten' transportiert werden durften [V]. Im
J. 1539 haben die von Schw und Gi. die gekauften
und bezahlten ,Habgüter' und Korn derer von Bünden
zu Wesen niedergelegt und nicht weiter aufwärts
führen lassen.' 1544. Absch. — Hof-: hofhöriges Gut.
.Alle Hofgüeter leihet ein Ammann von des Gottshaus
wegen und nimmt von einem Lehen 1 ß Pfenn.' 1506,
ThKcssw. Ott'n. ,Die Hofgüter, hiessen sie nun Schup-
posen oder Menntage. waren die alten mansi serviles,
welche an Unfreie ausgegeben waren.' LABürkh. 1860.
— Heimet-: gut gedüngte Wiesen in der Nähe der
, Heimat' [Wohnstätte] im Gegs. zu .Berg' und .Alp'
Gl; s. Alp Bd I 194, u. Gem. Gl S. 377 f. ; vgl. Guet 3 a.
— Haupt-: Kapital, im Gegs. zum Zinse. .Dass ir
ieclicher dem andren um recht gelte und houptguote
recht tuon soll.' 1237. Urk. .Weder h. noch gewinn
[Zins].' KvAmmenh. ,Und soll man im [dem Schuldner]
schetzen [pfänden] für drittel und für hubt g.. wenn
wo
Uat, get, git. got, gut, guet
einer iiit bezalt.' 1427, ScHwMa. LB. .|l'tami-Jschetzer.
die umb geltschuld schetzen, band nit macht umb
lioutg. ze schetzen.' 1469. UwE. Urk. ,Die schetzer
söllent pfand schetzen für diitteil und houtg.' ebd. ,Um
zin.s und houptg.. wie man die zalen soll.' 151'2/44,
Sciiw LB. .Wenn einer ablösen will das h., so soll
er auch all verfallen zins damit geben.- ir)'21/44, ebd.
.|Bei einem Güterkaufe] vertrösten [bürgen], wyn-
kauf und h. zue geben.' 1536. ScHwReichenb. ,Wir
verköufer und unser erben wollen ouch iren disen kouf
li.ilitg. und zins, wenn der zu schulden kummt, recht-
fertigen.' 1537, GRJen. Arch. ,H., gglt oder anders,
einem diener darmit ze werben vertrauwet, peculium,
sors. Reich an dem h. oder an ligenden güeteren,
Wülhabig, peculiosus.' Mal. ,Es soll Keiner Gewalt
haben, H. us[ze]richten [abzulösen].' 1611, AKüchler
1886. ,ri. 150 ewiges H. dem Spitalamt.' 1843, ZAdlik.
Schuldbr. ~ Hüs-: für den Hausbedarf gemahlenes
Getreide; vgl. Becken-Brot. ,H-s halb sollen, wie
bisher. 10 Brode 16 Pfd 4 Lot wägen.' 1573, L. —
.luden-. .Bona Porsen». Raub-, J.' Denzl. 1677;
1716. — Hofjünger-: der an Zins gelegte Über-
schnss von der Sammlung, welche die Hofjünger des
urspr. Meierhofes GWattw. zur Zeit veranstalteten,
als sie sich von hofrechtlichen Verpflichtungen loszu-
kaufen suchten; s. Hofjünger-GeU Sp. 251. — Kam-
mer-: (meist kleiner) vom , Kammerer' verwalteter
Fond, dergleichen die .Classen (capitel)- der Z Geist-
lichkeit aus den Jahresbeiträgen der alten und den
Kinstandsgeldern der neuen Capitularen zur Bestrei-
tung der V^ereinsangelegenheiten, auch etwa zu so-
cialen Zwecken anlegen bezw. anlegten. — Küchen-:
1. Fond einer Gemeinde für kirchliche Zwecke (beson-
ders für Erhaltung des Kirchengebäudes, Besoldung
des Sigristen usw.), welcher vom ,Kilchenpfleger' oder
.Kilchmeier- (jetzt ,lvirchengutsverwalter') verwaltet
wurde Gl; Z. RA.: Das Kapital, (U- Schuldbrief ist
SV tticher, wie Vhilleguet [das nicht veräussert werden
durfte] Z. Iron. wird etwa in Gl Einer Chilche'-G.
genannt, den man behalten muss, nicht los werden
kann. Das K. bestand urspr. aus frommen Stiftungen
(Jahrzeiten, Seelgeräten, Widem usw.), daher ItPriori-
tätsordn. 1588, L in Konkursfällen ,K., Bodenzins und
Zehnt' allem Andern vorgeht. — 2. einer Kirche oder
einem Gotteshause zinspflichtiges Lehen. ,Es gab im
Amt BSchw. drei Arten Lehengüter: ,Zins-, Kirchen-
und Berggüter.- 1644. Absch. — %. = Armen-G. 1779,
Z (Z Ges. 4, 18). — Kriegs-: Alp in GW., wo nach
der Tradition in alten Zeiten ein Tretfen geliefert wor-
den sein soU. — Land-: 1. wie nhd. — 2. = Heim-G.
GaPr. .— 3. Eigentum des Staates, Staatsvermögen,
Landeskasse. ,Syn guet, es syg lantgut oder sunder-
gut.' G Hdschr. Das ,L.' hatte bei der Wolfs- und
Bärenjagd die Ausgaben für Pulver und Büchsen zu
tragen. XVI., Hagenb., Sigr. ,Pie Kirchen-, Spend-,
Reis- und L.-Rechnungen.- ebd. ,Die Hinterlag und
was noch von Zeit zu Zeit in den gemeinen Kasten
gelegt werde, solle des L-s Namen haben.' 1664, Scnw.
,Die Zinsen des sog. Siechen- oder L-s der Abt G-ischen
Lande sollen hinfort zur Armenunterstützung ver-
wendet werden, während früher der Rest der Zinsen
nach Verpflegung der Siechen und Armen vom Landes-
herrn nach Gutdünken verbraucht wurde.' 1715, Absch.
— Armen -Lüten- begreift die .Sondersiechen-',
Spend- und Spitalgüter und war wnhl verwaltet vmn
.Armenlütenpfleger-. 1734, TuFr. (Absch.). — Mül-:
= Uül-Vich Bd I 649. ,Alles Mulg., gen. Mulvech,
wo joch das gefunden wird, ist eines Schultheissen.'
BThun Handv. ,Der fryweibel habe ein jung ross
oder fülle genommen, so mulve sollte sein. Da man
zuevor erfaren sollen, ob es m. und demnach der
herrschaft verfallen wäre.- TuFrikart 1470. .Das
Maulgut gehört der Gemeinde, in welcher es gefunden
wird; soll aber in den Hauptkirchen verkündet und
erst nach 3 Wochen als Gemeindgut betrachtet werden. -
1826, BSa. — Mülli-: 1. das zum Mahlen bestimmte
und aus verschiedenen Fruchtarten gemischte Getreide
für den Hausgebrauch, im Gegs. zu demjenigen, wel-
ches verkauft wird; dann auch das daraus gewonnene
Mehl Aa; L; Z. ,Er malt nur kurz und guet, Simmel,
Weissmel, M.' 1856, Z (Gedicht). ,1 Mütt halb Kernen,
halb M.' ZWthur Stadtb. ,Nach Beschaffenheit des
sog. M-s [soll der Müller den Preis machen].' 1693/1757,
Z Ges. ,M., Kernen, Roggen, Bonen, Haber.' 17'24.
AASchloss Rued. — 2. Müllerlohn vom Getreide, wel-
ches der Müller für Andere mahlt, gewöhnlich be-
stehend in einer zurückbehaltenen Quote des Korns
oder Mehls Aa; Z f. — Kaufmanns-: gekauftes
Vieh. ,Die metzger sollend frisch und guet koufmannsg.
geben.' 1535, ZElgg Herrschaftsr. — Ge-mein(d)-:
1. der Gemeinschaft oder Gemeinde angehörendes Land
GrHc. ,1 Jucherten Acker, stosst an das gemein Guet.'
1653. AAWett. Klo.sterarch. Oft syn. mit Altmeinil.
z.B.: , Diejenige Tauwner, so das G. geniessen, sollen
den Meyern umb gepürenden Lohn arbeiten, weil der
Gmeind Güeter Rechts wegen von den Dinghöfen her-
reichen; [derjjenige aber, der nach dreimaligem An-
suchen den Meyern aus Schalkheit nit arbeiten wollte,
soll mit Zutun eines Gerichtsherrn der Gmeindgüter
entsetzt werden.- 1657, AAWett. Klostcrarch. Syn.
Gemein- March. — 2. Gemeindefond, -Kasse, allg.
's Giiii:iiiiii(etli irirupfe, sein Geld für unnütze Dinge
au-s^'.'!..'!! S iS^hiMi. — Mues-: öffentlicher Fond für
Speisiiii- I .M II.-- 1 .l.-r Armen. XIV., LMalt.; jetzt Mues-
hof. .I'.i- -^"llti /.■.li,.iid.'n i,'rbiii in dasm'.' 1438, L.
— .\li-.l,rl-; -niii-cht.- ilrtivi,!.' odcr Mchl; Syn.
Misvhlri',,: M„ll,-(:. X)u\ ...11 ,„aii inen [als Bäcker-
lohuj geben vuii .^ imnii kernis 10 den., von 9 imnii
m. ouch 10 pfenn.' 1406, B Stadtsatz. — Mueter-:
1. das mütterliche Vermögen, allg. , Etwas Hausrat
hatte es noch als Müeterli-G.' Breitenst. ; s. auch nach-
gä' Sp. 30. — 2. (scherzh.) der Busen Aa. — Neu-:
Teil der AUmend, welcher einer einzelnen Haushaltung
zu lebenslänglicher Benützung angewiesen [,einge-
schlagen'] ist, aber immer doch Gemeingut bleibt
G oRh. (Steinmüll.). ,Neugüter - zugfähig nennt man
die Neuverheirateten, an die jährlich im März die
Neugüter ausgeteilt werden.' ebd. Auch als Eigcnn.
von Höfen L; Z (10 Mal), wo es dann ein neu an-
gelegtes Bauerngut bedeutet. — Boden-Güeter:
Wiesen im Tal Gl; s. Guet 3 a. — Berg-Guet:
Bergwiese. Heueinschlag auf der Mittelhöhe Obw;
vgl. Heu-G. ,Berggüeter sond vor dem vech verbannet
syn von Sant Victors tag im meien unz Sant Gallen
tag.' 1540, Gr Bq. ,Die berggüeteren sollen über das
ganze Jar gefreit sein und soll kein Viech darein
geschlagen werden.' 1660, ebd. — Burg-: die Ein-
künfte eines Obervogtes, auch des 1. Bürgermeisters,
an Naturalien. Z Pfrundenb. — Pfaffen-: Hof, der
urspr. einer Kirche oder geistlichen Stift gehörte. .Die
551
Gat, get, git. got, gut. gnet
552
3 übrigen schuepossen werden geiieiiipt das wideinguet
oder das pf.- ca 1500, LButtish. — Pfruend-Guet:
das zu einer Pfarrstelle gehörige Grundstück Gl. Es
ist e Pfarrer (fsi, de bisher d's Pfruendguet liet im
Ziiis usg'lichhe; da wott si* Frou si''' nit me schicke"
dri'. Dass d's G'stürm üfhör, wird also du beschlösse',
si welle' selber büre' BE. (Schwzd.). — Brunnen-:
Fond einer Brunnencorporation [.Brunnenwacht'] zur
Unterhaltung ihres Brunnens, vom ,Brunnenmeister'
verwaltet ZZoll. — Raub-: geraubtes Gut, Beute.
,Das r., so zuo Losen und Jenf lit, haben wir uf-
zeichnen und in haft und verbot beruowen lassen.-
1530, Absch. ; s. auch Juden-G.
Red-: Kaufmannswaaren, die »von einer Nieder-
lage zur andern der Reihe nach weiter befördert
werden (Sulg.). - ,Red-' statt ,GredS Lagerhaus.
Reis-: Kriegskasse (einer Gemeinde). ,üas R.
bestritt die Auslagen für Reimratur der Büchsen, für
die Scheiben, die Besoldung des 'früUmeisters und
den Sold für die Aufgebotenen.' 1570/17'21, BSigrisw.
(Reisgutrechnung). ~ Hürat-: dasjenige Gut, das
die Braut ausser dem ,Brautwagen' [Aussteuer] oder
das der Bräutigam von den Eltern empfängt Ap. —
Siechen-: Fond zu Gunsten der Kranken, die in
einem Spital [,Siechenhüs'] verpflegt wurden; s. Ar-
menlüten-G. 1811, NowLandratsverordn. — Säckli-:
durch freiwillige Kirchensteuern mittels des ,Kirchen-
säckleins' für die Armen gesammeltes Gut, im Gegs.
zum ,Armen-G.' mehr für vorübergehende Unter-
stützung Z; vgl. Säckli-Fond Bd I 85U. ,Man fieng
an, das Säckligeld, welches in Zürich seit 1558, auf
der Landschaft seit 1667 vorkommt, zur Armenunter-
stützung und Äufnung der ,Seckli- oder Annengüter'
zu verwenden.' Naf, Hinw. ,lö89 kam der Befehl,
jeden Sonntag durch den Klingelbeutel oder das Säck-
lein die .Almosen einzuziehen. Aus diesen Steuern
entstand das S.. niilir für Handsteuern bestimmt. Zum
ersten ilal urscheiiit in dem Rechnungsabschied von
1712 der Titel S.. 180-1 Seckli- od. Armengut.' Stlder,
Bär. ,Eine dritte Quelle zur Erhaltung der Armen
war das S., jetzt Armen-G. genannt.' Diener, Obergl.
,üass wenigstens monatlich einmal und dann noch an
den Fest- und Bettagen das Kirchenalmosen einge-
sammelt werden solle. Aus diesen Steuern wurden
allmählig in allen Gemeinden besondere Säckligütcr
gesammelt.- ITiiT, Z Almosenordn. S. auch Z Ges. 1779
Bd4, S. -Jii. SiMüiiier-: Sommergetreide. , Liessend
ir AUnieud ufarcn und mit S. besorgen.' RCys. —
Sennen-: grösseres Gut, dessen Nutzniessung wäh-
rend einer kürzeren Zeit ein Senn mit seiner Herde
übernimmt Ap.
Sunder-. ,Dass syn gottshus ein stür hab von
den güetern. die man nemmet s.' 1419, Zellw. Urk.
Noch jetzt Name eines Weilers b. ApWolfh. — Snmki-
in Ap BezeichnuDg für südliche, sonnige Lage.
Sess-: Bauerngut mit Wohnhaus, Stammsitz B
(vMül.). — Schaf-: AViese mit Schafpferch GbBetschw.
— Schür-: Gruiid^türk mit Scheune. .Ein sonder-
barer Hof oder Seli.- ICH'. Ai;.>. ii,(B-F). ~~ Schützen-:
bis c. 1870 der vom .Schutzenmeister- verwaltete Fond
der Schützengesellschaft einer Gemeinde ZS. Bei
jeder Hochzeit gab der Bräutigam eine Gabe in das-
.selbe ZZoll.
„Schleik-: eingeschmuggelte Waare, Contre-
bande L." — Schkiken, schleppen.
Schliss-: Vermögen, welches einer Wittwe aus
der Verlassensehaft ihres Mannes zur Nutzniessung
für den täglichen Gebrauch [SchlissJ und Leibesnot-
durft überlassen wird. , Welches under inen [den Ehe-
gatten] vor dem andern abgat, das soll ein schlysser
syn alles guets. so das abgestorbne zu im bracht hat,
und Wirt ouch mit naraen schl. genempt und soll ouch
das lebend das guet schlyssen in sölUcher mass als
für syn guet.' 1459. B. Vgl. ,Wann das letzte kind
on leiberben abgangen und die mutter das ligend guet
zu einem schlyss ir lebenlang geerbt' 1595, BSimm.
,l)ie Schlyss- und Libdinggüeter, so Vater oder Mutter
nach getroffener Teilung mit den Kindern besitzen.'
lt)'20, B. .Weil die Wittib neben ihrem Erbs-Gelt
auch noch den Sitz im Haus und etwas Schleuss-Guter,
so lang sie nicht wieder heuratet, ohne Entgelt zu
gemessen hat' 1757, Bs Landesordn. ,Pfandrecht für
Schieissgüter.' 1823, S. - SMisnen, zorreissen, abnntzeu,
verbrauchen.
Schweig-: Viehhof; ^yo. Senn-, Schweighof. ,Ze
Stans von dem sweigguote 10 sol.' XIV., L Propsteirod.
— Seh w in-: Bauerngut, auf dem auch Schweine ge-
halten werden. ,Item ein jeglich schw. [es gab deren 11]
git järlich einem meiger [der den Zuchteber hält] ein
b-uen zu StMartistag und darzu 5 eier und 5 h.' ca
1600, LPfätf. (MEsterm.). - Spend- (Gl Spenn-):
Kasse, aus welcher die Armen Almosenspenden er-
halten, durch freiwillige Beiträge gestiftet Gl; Z. In
ZZoll. besteht das Sp. neben dem ,Armenguet'; es
wird von der Kirchenpflege verwaltet und spendet
seine Gaben (gewöhnlich an den 4 hohen Festen) nur
an solche Anne der Gemeinde, welche nicht almosen-
genössig sind. In ä.Zeiten sonst identisch mit Armen-G.
Vgl. auch Diener, Obergl. S. 198 f. u. Seg. RG. II 813.
— Spar-: derjenige, verhältnissmässig geringe Teil
ihres Vermögens, den eine Ehefrau der Verfügung des
Mannes entzieht und selber verwaltet Z (s. Bluntschli,
RG. '2, 140). — Stuben-: das Vermögen der ein-
zelnen Zünfte [Zunftstuben] in BStdt, in BsLiest das
Stadtgut, verwaltet vom ,Stubenraeister'. Früecher het
d' Burgerschaft z' Bern eigetlich numtne Laste' treit
und 110''' kei' Feldgeld. Burgerhoh und St. i'gsaekef.
Bäki 1886. — Stecken-: Privatgut, das besonders
eingezäunt war. Die ,St-güeter' in LMeggen hatten
It Ratscrk. von 1794/97 für das Auftriebsrecht 10 ß
zu bezahlen. — Stuck-: Kaufmannsgut als Ballen
verpackt. Colli, Bailot , Keine Waar oder Stuckgüter
an dem Ort da dieselben sind, nit behalten.' Z Zoll-
ordn. 1640. Ygl. Teil-G. — Täufer-: das confiscierte
Vermögen der Wiedertäufer, vom , Täufervogt' ver-
waltet XVI./XVm.. Z. Die Zinsen dieses reichen
Fonds wurden c. 1770 zum Bau des Z Waisenhauses
verwendet. ,4000 fl. aus dem T. an den Kirchenbau
ZEglis. 1716 unverzinslich auf 6 Jahre.' Wild. —
Teil-: Kaufmannsgüter, welche im sog. Teil, d. i.
in der festgesetzten Ordnung, geführt werden. ,Weil
die von Uri nicht verbunden sind, dieses T. im Markt-
nauen zu führen, dagegen die im Pfisterschiff [d. i.
die Luzerner] hiezu verpflichtet sind.' 1544, Absch. —
G«meind-Teil-: Vermögen. Fond einer Gemeinde,
das sie bei ihrer Ablösung von einem grössern Ver-
band als Anteil bekam Ap. So löste sich 1658 Kurzen-
berg in die 3 Gemeinden Lutzenberg, Wolfhalden und
Gat, jjet. git, got, u:ut, -rnet
ÖÖ4
Heiden auf, deren jede einen Gemeindeteil erhielt, der
urspr. in Parzellen an die Bürger verteiltes Gemeinde-
land war, nachher kapitalisiert wurde. — Dorf-; das
Bürgergut in ZMeil., an dem nur c. 30 der sogen,
alten Geschlechter Teil haben, bestehend aus c. 100
.luch. Land und 1000 fl. Kapital. — Tratt-: Güter,
auf die das Vieh der Gemeinde zur Weide getrieben
werden darf. ,Uf undergängen. so ire tratgüeter he-
trotten hat.- 1520, Strkkl. ,Ir offne tratgüeter.' ebd.
l)ie Hofleute beklagen sich, dass die von Widnau mit
ihrer Herde das Isenriet .übertreiben und übersetzen',
wahrend sie doch auf die , Trattguter' zu Lustnau
.schlagen und treiben' konnten. 1609, Hof Kriess. —
Schuepiss-: Güter, die zu einer Schueposse gehören.
,Dise tschuppisgüeter sind nit glych zinsig, ouch nit
mit glychen erschätzen beladen.- 1530, Absch. —
Wiber-: Vermögen der Ehefrau, das sie dem Manne
zubringt Z. 's W. darf weder wachse" nW'' schwme'.
Kechtsspriciiw. Nicht schw., d. h. der Mann muss es,
wenn die Ehe aufgelöst wird, seinem ganzen Inhalte
nach zurückgeben und das Fehlende ersetzen; nicht
wachsen, d. h. der M. muss nur das von der Frau
Zugebrachte, nicht aber die Früchte dieses Zuge-
brachten, die Zinse der Capitalien, noch ihren Gewinn
durch Arbeit und Industrie, zurückgeben; er ist der
berechtigte Nutzniesser ihres Vermögens. Scherzh.
auch: membr. vir. BSi. — Widern-: ein der Kirche
geschenktes und hiemit von jeder Abgabe freies Grund-
stück oder Hof auch eine der Ortskirche zinsbare
Liegenschaft; Syn. Widern. ,A11 predikanten vom
Turgöw sollend us den zechenden und w-n erhalten
werden.' 1530, Absch. — Welt-, in RAA., wie: I'''
ha hilf nu''' keis Weltgüet g'ha, ich habe heute noch
gar Nichts zu essen gehabt, bin noch ganz nüchtern.
Er hed keis WelUfilet rersüecht, gar Nichts gegessen,
d. h. auf der (lieben) Welt Nichts UwE. — Winter-:
Wiese auf den Mittelhöhen der Alpen, vornehmlich
zur Heuproduktion, nur im Frühling und Spätherbst
zur Viehweide benutzt BSi.; W; ..Wiese mit Haus
und Scheune, wo Menschen und Vieh den Winter über
sich aufhalten." — Zue-: Nebenhof .Der jüngere
Bruder arbeitete zumeist den Hof als sog. Z. von
M'ineni Stanmigut aus.' Gotth. — Jarzit-: in ä. Zeit
ihis auf den Einkünften der ,.Tar-ziten- beruhende Gut
der Kirche. Vom , Seigerät' darin unterschieden, dass
ein Capital entweder sogleich ausgerichtet oder grund-
jitändlich der Kirche vorsichert wurde, damit nach
.Ablauf eines .lahres alljährlich auf ewige Zeiten der
Todestag des Betreffenden gottesdienstlich begangen
werde; vgl. Sk«. RG. II 7.59; Sl'2.
Guet II n.: 1. Schlagfluss BBr., B. D's G. het
Eine" erschlage", g'rüert; Syn. Guetschlag. ,L. von
Fulach war der oberst rechner, aber nit lang, wann
in das g. traf.' 15'20/29, Stockar. Ein alter kranker
.Mann, den ,das g. geschlagen, so dass er kindisch
worden'. 1531, Absch. .Starb an dem schlag oder g.
(wie man es nennet).' Kessl. 1539. ,Den bettrisen
hatt das g. (Gott bhüet uns alle) gschlagen, des er
ist lam an allen vieren.- Aal 1549. ,Sidere percussa
est tibi lingua, das g. hat dich auf der zungen ge-
schlagen. Das g., so einen der tropf schlacht, apo-
plexia, paralysis. Apoplexia, der schlag, tropf oder
das g.- Prls.; Mai. ,Su es sich durch Gottes Ordnung
begäbe, dass ich vom G. getroffen, dass ich nit raer
reden könnte.' HBull. 1575. ,Es beschicht vil, dass
ouch glöubige lüt vom g. g'schlagen, etliche tag an
einanderen ligend wie ein bloch, kein zeichen überall
könnend geben.' LLav. 158t. .Der murer ist an syner
arbeit g'storbeu; das g. hett in troffen.- UMev., Chr.
.Einem, so das G. oder die Hand Gottes berürt hat,
hab ich gesehen einen Tropfen Balsam an die Stirnen
streichen und er ist von Stund an gesund worden.-
JJNüscH. 1608. — 2. brennendes Geschwür, Karfunkel;
Syn. Guet-Blätere". ,Wie man mit den zweien äusser-
lichen Zufällen dieser Krankheit, als nämlich mit dem
G-en oder Carbunkel und dem pestilenzischen Ge-
schwär handien solle.- DKönig 1721.
1 euphemistische Umdeutschung von lat. 311««, .Tropfen-,
während Nntker noch ifulle bietet. Vgl. auch noch guet H l:i.
Gueteli Ap; VOrte; Gl; Gr; GF., Sa.; Sch;
Th; Z. Guetsi Bs; BSi.; Z, Guetseli AAKais.;
BsL.; Z, Guetsli Th, Güetsi AASt; BsStdt; B;
LBerom.; S, Guetseli Bs, Crüeiesii ScuSt., Güet(j)i
W — n.: 1. im Allg. Zuckerbackwerk, Confect, Nasch-
werk. Süssigkeit, süsser Kram, Bonbon (bes. für Kin-
der) Ap; Bs; VOrte; Gl; Gr; GF.; Sch; Z. Bes. auf
Weihnacht und Neujahr gebacken und auch an den
, Klausbaum' gehängt. E bar Anisbretli und Schenggeli
oder sunst eso Guetsi Bs (Schwzd.). Es isch m z' früe
für d' Mütsch und für d' Gueteli GRMai. (Schwzd.).
D' Chinde luege" de" frönd Herr a', wo Guetseli tuet
usteile' BsL. (Schwzd.). Du machsch-mer sider d' Fä-
den an d' Giitsi. ebd. Güetisli, etwas Leckeres, auch
nur ein Zucker ScuSt. Der Teil xcit iiuer^rhrnd-r
gli''' : das war für dt''' e Gitzi [Gihi^i/ a'^i. iriim i
mi Büebli tröffe hätt' ! Hinderm. Itm <l,i,h/i. ni-
weders LezeltU oder Chrepfli vii plälteytm Ztiijgtrl.
GSa. (Prophet 1855). ,Kinder, die Brot, Obst und
Gutelein heischen.' JJUlr. 17-27. Syn. ChräfiiijU.
Bildl. von Menschen, gleichsam ein honigsüsser Cha-
rakter: De'' ist aw'' keis Gueteli, von Einem, mit dem
schwer umzugehen Sch; Z; Syn. Fineli; ähnlich iron.:
Er ist e (rechts) Gueteli, ein nichtsnutziger Mensch
Gl, en G., missvergnügt. Sprichw. 18G9 (hier mit Ge-
schlechtswechsel). Das sind 3 G. g'sl", 2 unverträg-
liche Eheleute Z. Das ist -wer es lebigs Güeti! ein
beweglicher Mensch, lobend oder tadelnd B (Zyro).
— 2. im Bes. a) Gueteli Sch; Th; Z, Güetsi B ein
specielles Backwerk aus weissem Zuckerteig, viereckig
oder rund (die runden oft von den grössern zu den
kleinern herauf zu einem , Aufsatz' geschichtet), wenn
mit Anis untermengt auch Änisgueteli (Z) genannt und
mit aufgeprägten Figuren; vgl. Tirggel. E ganzi Pira-
mide vo Güezi uf-ere Blatte B (Bari). Vgl.: ,Auch
waren ihre blechernen Büchsen, die auf dem Ofen
standen, den kli-ineni Kindern unerreichbar, mit dem
von Alters licr i;rlir;in,lili. lu-n Weihnachts- und Neii-
jahrsgebäck K'''""t- die rin.- mit Leckerli, die andere
mit den Gueteli, weisser, viereckiger oder runder
Täfelchen aus Zuckerteig, welche allerlei Scenen und
Figuren aus der biblischen Geschichte, aus der Natur
und aus dem täglichen Leben auf ihrer oberen Seite
im Teig tief abgedrückt erkennen Hessen. Die Formen
dazu stammten aus dem 17. Jh. oder nocli älterer
Zeit; auf den ältesten kam häufig die Geburt Christi
oder das Gotteslamm oder die Weisen aus Morgenland
oder die Flucht nach Egypten vor; so musste auch
das Backwerk dazu dienen, die Kinder an die freudcn-
Gat. get. git, got, gut," goet
bringende Weihnachtsbotschaft zu erinnern. Neuere
Formen stellten Tiere und Vögel oder allerlei Berut's-
arten. den Apotheker, den Kaminfeger, den Bäcker,
oder Trachten der adeligen Frauen, der Ratsherrn usw.
dar. Alle diese Vorräte hatte die Frau Zunftraeistcrin
mit Hülfe ihrer Tiichter selbst fabriziert.- Zehender
(Sch). ,Der sog. Letzi lag ehemals ein grosses, ver-
goldetes Gueteli bei, für Knaben eine Braut, d. i. eine
altertümlich gekleidete weibliche Figur, für Mädchen
einen Hochzeiter mit dem Degen darstellend.' ScnSt.;
ZWthur. ,1 Pfd Guteli 16 ß.- Z Haushaltb. 1764 Apr.
— b) übertr. a) Giietji, die weibliche Brust W. —
ß) „Cfüeti, Kern der Nuss und alles Steinob.stes. ebd."
— Y) Gi'esi, Liebesgenuss Bs. — d) Bergmännchen,
dienstfertiger Gnom oder Zwerg. Vgl. ,gute Leutchen'
= Zwerge. ,Die Werkleut nennens Guteli, werden
sonst auch genannt Trulli.' HsRRebm. lt!20.
.ihnl. Bair. und Schwab. ; vgl. frz. honhon. — '2 b a wohl
von dem 'Wohlgeschmack der Muttermilch.
„guetele": 1. Gueteli, d.i. süsses Backwerk ma-
chen VOrte; Sch; Z. — '2. f-üe-) solches Backwerk
lieben LG.-
guete": gut, besser werden, allg. 1. von Krank-
heiten, Wunden (mit Dat. P.), vom Wetter, von Feld-
früchten. ,Des Joggeiis Bein will gar nicht g.' Brei-
TENST. 'n häd »länge Sehade g'guetet über Nacht. Hebel.
D* Trübe' hfind irncler g'guetet [sind im W^achstum,
in der II. •if.' f.irtursihritten] die Wiiche' Z. .Do be-
gond der licTbstr und der wyn guoten und zj'ten.'
Fründ 1 i4(i. — 2. im moral. S. = ,gut tun', gehor-
chen. Der Bueb will nit g. Bs. Bes. unpers. : Es
guetet, es wird besser, eine Unruhe, Bewegung lässt
nach. allg. Mer wend 's g. lä", wollen es gut sein
lassen Bs. Es guetet nüd, bis {'>• mit der Rtiete chumme!
Drohung an Kinder Bs; Schw; Z. I«'' will's iez de""
iiiaehe" z' g..' ich werde Ordnung und Ruhe schallen B.
,Z' g. mache, finem facere, obicem pcnere.' Id. B. —
„ent-: entstellen Z." — er-: vergüten Ndw. —
ver- I s. Anm. zu rer-guet. — ver- II: vergüten,
ersetzen, allg. — ver-un-: 1. übel nehmen B. ,Ihr
werdet es ihr nicht v.' Gotth. — 2. anschwärzen,
verunglimpfen B; vgl. im-guet. — und er-: Jraden
meistern BAdelb. — be-: vergüten, bezahlen. .Der
Geschreite muss alle verfallene Zinsen bezahlen und
auch den laufenden Zins b.' 1855. U. (S. fliehen). ,Der
Lehe'mann soll dem Verleche°mann den völligen Lehen-
zins begüeten.- 1756, Schw Rq. ,Als solle Verkäufer
dem Käufer 10 fl. zum Er.satz des Schadens zu be-
güeten schuldig sein.' ebd.
Guetel: Männern. ,Hindcr disem palazz [der
Pfalz zu StGallen] ward darnach S. Gutlen i. e. Toti-
lonis kapeil aufgericht't.' 872/83, Vad. ,S. Guetlen
hatt S. Katrinen kapeil g'heissen.' ebd. — Ahd. GuotUo;
vim f/uot abgel.
Guet
ilcr
G.-Epfel Bd 1 369.
guetig: 1. ,\dj. voll, stark (gemessen) = gMt B 4.
E g-i Stund, e g-s Mass BO. — 2. Adv. verstärktes
guet = recht gut. Habs g., sust etgeits-der; lern es g.
BHk. Fir g., tüchtig z. B. abprügeln BR. , vgl. ffilr)
guet C 4. Es g. volls Mass, ein vollgerütteltes Mass
BSi. Derwilen leid der Grosatt z' dielten [gerinnen],
sterd d' Milch recht guetig z' ringetiim BBr. (Schwzd.).
nut-: zu Nichts gut, nichtsnutzig BsStdt.
Guetlen s. Giietlen.
Guetmeni: Güte. Säg-mer aber bitti weder in Bösi,
noch in Guatmeni meh Ettns vo Saeho GaPr. (Schwzd.).
Es ist ,Guet-Meini°g', in erster Linie als Zss. aufgefasst,
das zweite W. dann aber durch Entziehung des Tones zur
Ableitungsendung herabgedrückt.
ver-güete": 1. tr. (eine Wunde) verschlimmern,
zu Brand und Eiterung bringen, bes. durch üblen
Geruch (in Ställen, Aborten), dem man sich aussetzt
„Ap;" Gr; GRh. J'* han ,i Schinna [Splitter] im
Tuma" [Daumen] ; Materi [Eiter] hed 's afa' g'machet,
und i"'' osa [fürchte], i''' chönnti 's r.; daschi [dass
sie] aber nit varböieri [sich verschlimmere], trü-i'''
notta [glaube ich jedoch] Gr (MKuoni). Einer, der
eine Wunde hat, trägt Meisterwurz (Gßh.) oder Krüzli-
chrüt, paris quadrifolia (Gr), in der Tasche, damit er
die Wunde nicht rergüete. Auch: einen Finger, ein
Bein v., zum Schwären bringen. Vom Volke tw. jetzt
noch sympathischen Einflüssen oder Hexen zugeschrie-
ben. 1616 wurde zu Maienfeld eine Hexe gerichtet,
welche ,bös Wetter gemacht und eine Kuh vergüet'
hatte. Jecklin; Syn. ent-bürzen, cerböseren, er-hellen;
rermücken. — 2. refl. Lueg^ dass di''' nüd cergüetat,
sieh zu, dass deine Wunde nicht schlimmer wird oder
dass du keinen Bückfall erleidest. Er war hübseh
z' weg g'sin [gewesen] vom Sitestich, dun [da] hed-
er-schi dur''' en ehalte" Trunk wider cergüet't Gr. -
3. intr. verschwären, eiterig werden (von Wunden)
Gr (Kilias). — 4. Ptc. vergüet('t), (auch adj. ver-güetig
GrD.). a) noch nicht heil, brandig (eine Wunde);
Syn. str; küen; vgl. auch gi(e)chtig Sp. 114 u. guetig.
— b) giftig, schädlich (bes. für Wunden), z. B. der
Aufenthalt in einem Schaf- oder Schweinestall ist ver-
güet GW. „ Vergüetet, schädlich, giftig (von Speisen)
BO.- Davon: Ver-güeti'g f., Verschlimmerung einer
Wunde GrD.
Könnte mit Annahme der pe.)oratiTen Bed. von wr- direkt
von gvcten gebildet sein, also eig. : eine eingetretene Besse-
rung wieder verderben. Da indessen die Beziehung auf eine
eiternde Wunde oder eine Entzündung die ursprüngliche und
durchgehende zu sein scheint, so liegt direkte Anlehnung an
Guet II 2 nahe, oder allgemeiner ausgedrückt, ragiieten konnte
per euphemismum geradezu statt ,verb()sern' gesagt werden.
güeterc": in einen bessern Stand setzen; vgl.
böseren. ,[Die Wasserrunsen] bessern, g.. besorgen
und machen.' 1452/1544, Schw LB.
Güeti f.: 1. = nhd. Güte nach den verschiedenen
Bedd. von guet. Eim alli G. [alles Gute] verspreche'
Z; schon bei HPest. 1783. Bas Tuech hed ekei G.,
Solidität Ndw. Werdi [Begehrtheit] ist über G., im
Falle der Not nimmt man auch mit weniger Gutem
vorlieb SchSI; ZWl. Well-e G. ist der Most! GSa.
D' G. [Gutmütigkeit, Freigebigkeit] wird z'letzt zur
UHuged Gl; s. FrlgebCnJi Sp. 64. ,Dass er von der
Güte [Gefälligkeit] sei und sich zu seinem Oheim ver-
fügen möchte.' VMev. 1762. Wege" der G. fressed
frätzedj-e" d' Mus nüd (Wortspiel mit G.) Z, von
einem Unwirschen. In Ausrufen des Erstaunens oder
des Mitleids: Du oder Herr (du) mini G.! Aa; Bs; Z;
Syn. du liebi ZU! Ttisig G.! KMev. 1844. ,Ach Gott
und alle Güte!' Gotth. ,Ach, du rayn Heiland und
myn Gietü' Com. Beati. — 2. andauernd schönes
Wetter BHk. — Un-: übler Geschmack: üble Laune;
gni-l. (■»(Süll gntsdi
Ö6X
Schlauheit Ar; vgl. un-guet. .Die Feigen sinil ungut,
dass sie vor U. Niemand essen mocht.' JMüli,. 16ü5.
— Gotts-Güete! Schwur. 1531, Z Ref.-Archiv. -
Morge°-Güeti: nur in der Wetterregel: Abedröti :
Morget-G., Abendröte bringt schön Wetter GrD.; vgl.
Abcndhmii, MorgenscMni.
güetig: 1. freundlich, sanftmütig; zufrieden. Der
Alt ist umhi alle'' güetige'; gibt wieder freundlichen
Boscheid BO.; vgl. frtgeb Sp. 64. ,Der e.sel ist ein
ziiiii g. tier.- TiEKB. 1563. .Den span durch g-o mittel
luulegen.' HBull. 1572. Im Ausruf: 0 du g-i ZW.
MWalden. — 2. gutartig, nicht entzündlich (von Wun-
den) BO.; Gegs. gichtig Sp. 114; gietig Sp. 507. —
3. Adv. z. B. g. g'se", recht gut sehen BHa. — u ( n ) - :
1. Adj., das Gegenteil von güetig: „bitter". — 2. Adv.,
derb, unsanft. „Eine ii. zum Hüs ris jage". Es häd-
mi''' u. undenuse g'nö", ich bin unsanft ausgegliseht
B; L." — grund-: in ä. religiöser Literatur häutiges
Epitheton Gottes, z.B.: ,Der gr-e Herrscher Himmels
und der Erden.- 1685, Roner, Heiden.
güetige": schlichten. ,Die sach zu g. und zu
früntlicheni betrag ze bringen.' 1489. Gfo. .Sölich
beschwerd ze g., abzestellen und hin ze tuend.' 1513,
Absch. — be-: wie nhd., zufrieden stellen. ,Dann
ich bin begüetiget dos Unglücks halb, so ich euch
geton hab.' 1531, Jerem. = ,Mich rüwet des Unglücks.'
1.548.
Güetigkeit f.: 1. Güte, Gefälli.irkril. Ilnnl „„'>•
die G. und gend-m-;r usw. Ndw. K) Jur ,«■ IDjnrli/i)
G. sind e Grechtiglceit (ist e hiindeiijiinijs HnlU),
U) Jahre lang geübte Connivcnz gibt dem usurpieren-
den Teile ein juridisches Recht Z. — 2. gütlicher
Vergleich, friedeiisrichterliche Scheidung; auch Zu-
sammenkunft zum Zweck eines Vergleichs Gl; früher
in Gl auch Name einer Commission des Rates, welche
einen Rechtsstreit vermitteln sollte, um den Process
zu verhüten (Gem. Gl 563). ,Dass wir irem mess-
pfaffen in der g. ein erlich uskommen geschöpft.' 1532,
8TRICKL. ,Sich zuo keiner g., sonder uf rechtsatz
begeben.' Vau. , Sollte man die g. durch die 7 mann
zu band nemen.' 1580, Wurstisen. .Die g. handien
[am Frieden arbeiten].' ebd. ,Zura eilften soll man
auch hinfüro in gerichtlichen Sachen nicht so vil G-en
und überflüssige Zusammenweisungen erkennen.' 1643,
Bs Rq. .Mit G. in allen Sachen hab ich wellen mit
dir abmachen.' 1656, Vilm. Schlacht. ,Der Amtleuten
Taxordnung, einer G. beizuwohnen 5 ß.' 1722, Bs.
güetlich, güetiglich güH.l-xlirh AALeugg.; Ar;
Z: 1. wie nhd. Adj. und Adv. Gürh'klirh ,tl,m,ivhe',
'.s g. mache', sich in Miniir \ niilrirlim .\\l.rimv.; Z.
Güetlige G'imld, Vulhnu. In /.u ,-.itlir!,.r \ .iliinidlung
,üass ich
He
^bU
giie
tlich
mit einanderen bericht syen umb alle die stösse. die
wir gegen enanderen hattin.' 1343, L Urk. ,G. oder
rechtlich entscheiden.' HBull. 1572. ,G-e Sprüche'
(häutig in den Absch.), Civilurtheile, die in der Mei-
nung gefordert und erteilt werden, dass der Richter
liiebei nicht an strenges Recht gebunden sei, sondern
Hücksichten der Billigkeit und auch wohl der Klug-
heit dürfe walten lassen. Die Parteien müssen hier-
über zum Voraus einverstanden sein, ,die Sache zu
einem gütlichen Spnuli ülierHoben', dann können
solche Sprüche sowohl Seliieds^'i-richte, als auch die
ordentlichen Gerichte erteilen. 2. ziemlich. Es
geit g. hesser BO. — un-: unglimpflich, unbillig, Adj.
u. Adv. .Daran tuen sie den Unseren u.' 1437, Laükf.
Beitr. Rellstab soll widerrufen: ,Hab er denselben
von Kilchberg u. geton und sie angelogen.' 1508, Z
Ratsman. ,Es wirt uns zuegemessen, als ob wir den
biderwen lüten getröuwt, daran uns aber u. beschicht
und zue unser Verunglimpfung nützig gespart wird.'
1531, Absch. ,Es b'schähe im unguotlich.' LLav. 1584.
.Fassend von solchen u-en Antasten» wegen einigen
Verdruss oder Unwillen nit.' Z Täuferber. 1639. .U.
umgehen mit Jmd.' JMüll. 1661.
Güetlichkeit f.: gütliches, friedliches Verfahren.
.Mir der minne und g. mit sannnt dem rechten, als
minem vatter sei. ouch ze getruwende.' 1449, Gfu.
.Was dieselben zwüschent uns fürnemmen, es sy zuo
recht oder in g., daby wolle ich mich güetlichen finden
lossen.' 1460, Bs Rq. ,Do leitend sich gmein Eid-
gnossen darin und wisend die von Bern in der g. ab.'
Sicher 1531. ,Dass si in der g. wellen fürfaren; wo
aber die g. nit verfache . . .' 1532, Strickl.
güetle". guetle' BBa,.: gute Worte geben, schmei-
cheln; mit Eim welle" g., sich mit ihm durch freund-
liches Reden versöhnen wollen.
Wf-Güetle" GSa.. W. -Ouetle" GnPr.. f.:
Birnensorte, die sog. frühe Weinbirne.
Gern-Güetlor m.: Schmeichler Ai'; Syn. Gtict-
brütler.
Herbst- f. A\: Ar (m.V); GRh. (Steinm. 1804);
Tu: eine Birnsortc. Hii.il.r von 'jtut wie die Biruiiameu
Sücaslei; Sürlii: Liwijlrr von Jen betr. Ad.j.i.
Hirats-: Einer, der ans dem Heiratsgut leben
sollte ScH (Kirchh.).
Alls-Guetni s. Alls-guct.
Gnetikhuser: Apfelsorte; s. G.-Epfel Bd I 369.
Guetsi s. Gueteli.
Galsch — putsch.
S. auch die Reiheu Gasch usw., tfa»(
gatschen s. ga-.
gi-gätsche": mit dem Stuhle schaukeln B; Syn.
fji-gägen, -gampfen, -garsen, -garschen.
Gätschu (mit wechselndem Accent) m.: Kautschuk.
Gummi elasticum Aa; Bs; B; Syn. Gnrtschu Sp. 447.
— Klopf-: gekauter Kautschuk, mit welchem die
Kinder Blasen bilden, um dieselben zu knallendem
Platzen zu bringen Bs.
Gätsch I, Getsch m.: 1. Kot. Unrat, bes. auf der
Strasse, wenn der Regen den Schnee aufgeweicht hat
W. — 2. etwas Nichtiges ZStdt; s. Güd; auch Gut
um G. Z (Spillm.). - S. Gr. WB. ,Kätseh' und ,(iätz'.
S. auch nuser iilaeh Bd I 608, Gäg,j Sp. 169.
gätsche" I, neben gatsche": 1. plätschern W.
D' Dachtraufe' tient grad asn g. Syn. gautscheii.
götschen; vgl. flotschen. — 2. mit Kot spielen, darin
kneten, wie kleine Kinder tun W; Syn. kötlcii: vgl.
gätsclien II. — 3. (auch ga-) mit klatschendem
S59
(Jalsch. getsch. gitscli. gots
{jutsch
schmatzendem Tone essen, von Menschen und Tieren,
bes. Schweinen W; Syn. kätschen, sclunatzeren : vgl.
Gaschen, gnatschen.
Gätsche-.Gctsche" f.: Maul W: iiyn. Goschen;
vgl. Göfsch.
Gatscher, bezw. Gä- m.: Fresser W.
gätsch, bezw. ,gebsch, kätsch' (Spreng): 1. er-
picht auf — , lüstern nach — Bs (Spreng). ,Kätsch nach
Etw. sein, begierig nach Etw. schnappen.' ebd. ilfiV
isch ehe nit getsch derno''', lüstet nicht darnach, ebd.
Syn. watz. — 2. „leichtfertig, geil, wollüstig, bes. vom
weiblichen Geschlechte Ap; Gl." ,Gätsch und muet-
willig. petulans. lascivus.' Mal. — 3. vorlaut, nase-
weis, voreilig, schnippisch, vorwitzig Bs; „B; Gl; L;"
G (a. 1799). ,Bu bist nu s' g., kannst das Maul nicht
halten.' Spreng. Vgl. Gätsch-Nase und Gekätsch. —
4. Adv., schnell, plötzlich Ap. Vgl.: ,Do fielend s'
[die Insassen eines Hauses bei einem Erdbeben] also
gatz uf d' siten.' Lenz c. 1500; Syn. patsch, patsch;
rätseh. — Vgl. .gStsch' bei Gr. WB.
*Gätsch II Ge'iseh m. : Narr. Geck, als Schimpfn.
Ndw. D'r G. ha'', den Narren treiben, z, B. wie junge
Hunde SchwE.; Syn. golen; vgl. Gäutsch.
gätschele": schnippisch, vorlaut sein B.
„gätsche"" II. getsche' : spielen, tändeln, zu-
nächst von Tieren, bes. jungen Hunden und Katzen
Gl; GA., G.. „Sa-x"; ScHwE.; aber auch von Menschen
Gl; GA. Las mi''' g., lass mich machen, störe mich
nicht in meinem Treiben. Mir Glarner händ-is a'
dem Tag dun Chrieg Nüt me' Wg'tiit' und die Andere"
[Franzosen und Kaiserliche] g. In" [es mit einander
ausmachen lassen]. Gl Volksgespr. Syn. gautschen
(bezw. gäu-), andere s. bei göpen.
,Gätschi I n. : 1. schnippisches, vorlautes Mäd-
chen, Schwätzerin B; L; Syn. Gex-Nase, Schwätz-
Bäsi, Schnarr-Gäx. — 2. , leichtsinniges, eitles, leicht-
fertiges Mädchen BO."
Schnäder-: vorlauter, zudringlicher, unbedachter
Schwätzer, bes. von zungenfertigen Kindern und nase-
weisen Frauenspersonen; Plappermaul, Plaudertasche
,B; L." Syn. Schnäder(i)-Gdgg (Sp. 168). -Gäx, -Gätzi.
gätschig, getschig: blöde im Magen; nur in
der EA. : es wird-m^r g. Gl.
Eine aualuge BegriffsentwickluDg s. bei Oäggd II u. III
(Sp. 168) und bei gahtj (Sp. 216); vgl. .luch .dumm'.
Gätsch HI m., (Ge-)Gätsch n.: steiler Abhang,
mit vorragenden Felsköpfen, an denen mau sich halten
kann U. — Vgl. das von ebd. bezeugte Syn. Giitnh (s. d.):
doch I(önute auch Zshang mit gätuch 3 \i.4 angenummen werden.
Bett-Gätsch(li) s. Bett-Statt.
Gätsch IV: Personenn.. Gabriel Gl. - Vergröberte
Koseform wie Gottach, Gottfried; ßuetsch, Kudolf.
Gätschi n n.: 1. verkümmerte, unentwickelte Ka-
stanie GSa. — 2. schwächliche Frauensperson, ebd.
Beide Bedd. auch bei Grunrjgeli, yoggd ,- vgl. auch Gäggi,
Kot; Kerngehäuse am Obst, schwächliche Person.
Gätschi HI s. Gäschi.
Gautsch I, „Gautschel- (St.^) m.: 1. wellen-
förmige Bewegung einer Flüssigkeit in einem Ge-
schirre BGrindelw.; ,L;" Syn. Gaudel. - 2. {Gäutsch
It St.') Flüssigkeit, die öfter aus einem Fasse in ein
anderes hinüberge.schüttet wird L. — Vgl. (Uitz.
G"- Gäutsch n. = Gautsch 3. ,Wer wett das
Göütsdi möge', quis non nausearet istas reliqnias
vini.' Id. B. Syn. Ge-giider; GegÖtsch.
gautsche" I Bs: B (in Schw. iVj; Gr; L,
gäutsche" I Bs; B; Sch: W, gauze» W: 1. hin
und her wiegen, z. B. einen alten Tisch, eine Bank
usw. ScH; Synn. s. bei gägelen, ferner gi-gatschen. —
2. , spielen, von Kindern Gr." — 3. sehwanken, Wellen-
bewegungen machen, bes. wenn dabei ein klatschen-
der, plätschernder Ton entsteht Aa; Bs; B; W; Syn.
gunschlen. Hoch geiitschid d' Welle' über d' Fore.
Wild getitscht der Bach. Es schätterei iif-em Chilche-
dach und vor-em Hüs, wie gäutscht's im Bach. Hebel
(das Gewitter). Plätschern, wie bei einem Platzregen,
stark regnen Bs. Von dem Geräusch, das entsteht,
wenn ein Stück Brod in eine Tasse Milch fällt Bs.
— .3. (act.) in Flüssigkeiten rühren, sie in schwan-
kende, plätschernde Bewegung bringen, z. B. beim
Tragen eines Gefässes. beim Herumrühren in einer
solchen, so dass sie gussweise herausschlägt; von
einem kleinen Kind im Bade Bs; B; L; S; TnTäg.
Di' Muetter het-di''' mängisch im Brunntrog 'badet;
do hesch [du] albe' g'chräit und 'getitscht. BWtss 1885.
Und tränkisch luters Wasser nur, me gäutscht der dri,
das isch Zensur. Minnich. [Der in"s Wasser Gefallene]
gaitschet und pfluderet drin um wie-n-en Ente Bs. ,Die
hämmerten und geutsehten in ihren Kellern herum,
als ob sie auf einmal alle Küfer geworden wären.'
Breitenst. Flüssigkeit wiederholt aus einem Gefäss
in ein anderes schütten, wobei ein guter Teil nebenaus
fällt AaZ.; Bs; B; ,LE." Syn. flätscheti, gäudlen,
gausen, guslen, götschen. Wl" und Wasser dur'''
enander g. .Göutsche, liquorem in vase agitarc.' Id. B.
— .5. „aufwallen, überlaufen wollen L"; Syn. gäudlen.
— 6. unruhig im Hause herumlaufen und dabei die
Türen auf- und zuschlagen AaF.
Auch eis., bair. u. schwäb. : z. T. den klatschcudeu Laut
malend; vgl. Aam. zu gigägm Sp. 1:17; zu 2 vgl. gautuchen II.
ver-: 1. (neutr.) beim Schwanken ausfliessen Bs.
— 2. Flüssigkeit durch Umgiessen, Sorglosigkeit beim
Tragen vergeuden oder ungeniessbar machen Aa: Bs;
B; Syn, rergüderen.
Gautschete°. bezw. Gäutschete f.: 1. Ver-
schüttung von Flüssigkeit, daraus entstandene Un-
ordnung TnTäg.; Regenguss Bs; Syn. Pletschete,
Schwetti. — 2. unreinliche, z.B. aus verschiedenen
Gefässen zs. oder hin und her geschüttete Flüssigkeit;
schales, unschmackhaftes Getränk Bs; B; LE. ,Göüt-
schete, mixtura potus nauseam pariens.' Id. B. Dim.
Gäutschelete B; Syn. Güdereten. — 3. (scherzhaft)
schlechter Kaifee Bs.
Gäutschi f.: 1. starker Kegen Bs. — 2. hin und
her gegossene, zsgeschüttete Flüssigkeit, z. B. Ab-
waschwasser in der Küche B.\arb.
gautschle" „Gr; LW.;" Schw; ZWäd.. gäu- Aa;
BM., Si, (-V?-); Ndw (-äi-): 1. „schaukeln, wiegen,
wie Kinder 6r; LW." — 2. wesentlich = (jfaM*sc/ienJiJ.
Flüssigkeit auf- oder umrühren, schütteln, schaukelnd
bewegen, darin platschen aaO.; Üju. götschen, schwap2i-
leii. Br [du] muesst d' Bokterrustig [Mixtur] g., ob
d' inist [bevor du (sie) einnimmst] SchwMuo. Auch
Flüssigkeit aus einem Gefäss in ein anderes schütten
BSL; L. — ver- (gäutschle"')= i-e)--5rot«tsc7iewBE.,
Si. Es ist-mer-sr [sein, dessen] nüt nie'' der Wert
(iatscli, getscli, gitscli. gotscli. gutscl
502
z' diese* [aus so wenig MilchJ, mit [man] vercjütschlel
d' Milch, numme' [dabei] BSi. Er het si* Wi* nüd
'tniiike", er het-ne" numme" verg-t. Übertr. : So 'ne
Lockspis am Aristohratenangel, u-omü-mr si [des Volkes]
Siireränitet v. will. Dietschi 1844.
Gautschll ScHwE., Geutsch bezw. -eH- SchwMuo.;
Ndw; U — m.: Narr, drolliger Spassmacher, bes. in der
KA. de O. ha", ablä', närriscb lustig sein, den Hans-
wurst machen ScHwE., Muo.; USchäch. — 2. schlech-
ter, unartiger Mensch Ndw; Syn. ßiesch, Gätsch.
Betr. die Auflassung des Narren als des .schwankenden,
g.iukelnden' vgl. Gaudel I und //, sowie die Gruppe gaugg-,
SU dass also unser W. eng mit Gautuch I und dessen Gruppe
zsliängt. S. Doch Skauzen und vgl. gätsch.
gautsche" II, gäutsche" 11: den Narren spie-
len, von Tieren und Menschen ^Gr;" Schw. Der
Hund gäiifschet nir anirn^ wegg'rüerte" Helsigstumpe'.
— umme"-: sich als Spassmacher herumtreiben, sich
herumbalgen.
Gäntsch 1 BHk., Gäuz GRHe.; Ndw, Gauz ß; Gk;
„L; ScH;" UwE. — m. : 1. heller, schriller, kurz abge-
stossener Schrei; Aufschrei vor Furcht od. Schrecken.
Gäuz ablä', aufschreien. aaO. [Der gesunde Säug-
ling] lad Gäuzleni ab und weiss nid wie tue' vor luter
A"gä'' GRPr. (Schwzd.). Auch von Tieren, bes. vom
einzelnen Anschlag eines Jagdhundes. — 2. „(Gätitsch,
GeitschJ Hund, der viel bellt ß; L; Sch; Z."
gautsche» Hl B; Uve, gäutsche" HI, bzw.
gei(-, Btw.; VOrte; FJ.; Sch; W {gäivtschu, Nbf.
gewschge' WGams), geitsche' Aa (It H. ei); BsBirs.;
Btw. ('-äi-J; Ltw.; S, ganze" Aa tw.; B; VOrte; Sch;
Z oTö., ganze', bzw. geu- AAtw. ; „VOrte;" Gr; W
(gäwzii), gauxe" AABb.; ScnSchl., geiixe' AAtw.; Bs
C-ei-J, gauzge' AAEhr.: 1. kurze, schrille Schreie aus-
stossen, aufschreien, vor Angst, im Zorn oder absicht-
lich; mit kreischender Stimme sprechen, keifen, wie
Zankende. Schmälende .Aa; Bs; B; VOrte; Gr; Soh; S.
Oas .Gausser-Weiblein'. ein Geist, hat seinen Namen
von der wehklagenden Stimme, mit welcher es Ver-
änderungen des Wetters ankündigt Aa (Fiochh.). Na-
mentlich von den widerlich gellenden, spöttischen,
herausfordernden Lauten, welche Nachts junge Bursche
bei der Begegnung mit andern oder vor den Häusern
iler Mädchen mit verstellter (Fistel-) Stimme ausstossen
LE., H.; „Vw". Als Unberufener in das Gespräch
dritter Personen Zwischenbemerkungen hineinwerfen
Aa; .LE.;" S; Z oTö.; Syn. hauzen. .Was hast immer
z' ganzen auf der Strasse?' fährt der Vogt seine Frau
an. HPest. 1783. Widersprechen AaL.; Z (auch
iintiiie"-g.). Schwatzen Zg (verächtlich). — 2. (von
zornigen Tieren) schreien W. — .3. hell, durchdringend
bellen, kläffen, belfern wie kleine Hunde Aa; B;
\'Orte; Gr; Sch; S; Z. „Gautschfljen , grob und
dumpf bellen, von grossen Hunden B; Uw." ,[Der
Hund] beisst oder auf das Wenigste gauzet er.' Spleiss
1667. .Glaucitare, ganzen wie die jungen Hund.'
Denzl. 1716.
Von einer Form 'i/nuwezen ausgehend, hat das W. als
l.autmaleudes im Voc. und im Schlusscons. der Stammsilbe
nuxnigfaehe Abweichungen angenommen und sieh mit gautschcn
(bzw. gäu-) 1 gemengt. Vgl. gausen Sp. 453. St. unter-
scheidet gautti-hen mit seinem gröbern Laut von ganzen,
i/äuzen, doch lässt sich die Trennung örtlich nicht durch-
führen. Über die weitere Verbreitung des W. vgl. Gr. WB.
Schweiz. Idiotikon II.
S. auch noch günaen (göissen, geutilueii) Sp. 375 f.. vgl. Geipg
(GUupa) und geipachen und das mehrfach syn. kuutschen.
Gäutscher, Ganzer, Gauxer, Gäuzer, Ganz-
ger: 1. Schreier, Keifer, Zänker „B; L; Sch; Uw.-
,Lauro ardente clamosior, ein Gauzer, Schreier, Zahn-
brecher.' Mey., Hort. 1692. .Ganzer, clamosus.' Denzl.
1716. - 2. (meist dim.) kleiner, kläffender Köter Aa ;
„B;" FJ.; L; ScH. Schosshund FJ. üyn. Bauzer. —
3. (Gauzer) trockener Husten AaZ.; Syn. Becki. —
gauzerle°: kläffen, von kleinen Hunden AaZ.
Gautschi, Gäutschi, Geitschi, Gauzi ni.,
Dim. Gäutschli: 1. Schreier Aa; „B;" L; „Sch." Er
ist e rechte G., er hed immer 's Mül off. Gedanken-
loser Schwätzer Bs. — 2. = Gäutscher 2 L. — Den
Geschlechtsn. Gautschi s. u. Gawertschi.
Gäatsch H, bzw. Geutsch f.: brünstige Hündin
Sch; Th; Syn. Läutsch, Fäutsch, Gusch. — 2. Gassen-
dirne Sch.
Getsch. getschen s. Gätsch II usw.
gitsch!: Drohw., Scheuchruf gegenüber Ziegen
GrL., ObS. - Vgl. gltz: und ,kitz- bei Gi-. WB.
Hü s- Gitsch m.: (in coli. S.) Hausarbeit, Geschäfte
in Zimmer und Küche W.
gitsche°: 1. hin und her wiegen Bs. — 2. sich
mit Hausarbeiten abmühen W.
Viell. nur auf proviucieller Ausspr. bcnihundc Nbf. zu
gütnch(en); s. auch gütschleii.
Gotsch I s. Gott.
Gotsch H: Koseform für Gottfried. XV., Zc; (It
Stadiin). — Hieher auch der schou im XVI. liozeugte Z Ka-
milienn. .Götschi'.
Göt.scli (tw. /,) m. (n. Chur), Gosche" f. GRLandq.:
kurze Ausgussiiffnung am Milchkruge GnSern. Synn.
s. bei Gamjgen. Sp. 170; Gäuggel Sp. 173; Golgge
Sp. 233; Schnabel. — 2. Kinn GrD., L., Pr.; unterer
Teil des Gesichts, Mund und Kinn GRLandq. Für
Mund (Gesicht) in der R.\. du machst •; rechtn G., ver-
ziehst den Mund (vor Unmut), und für Kopf GrD.
It B.; Syn. Latsch.
Inteusivbildung aus ,giessen' wie Uutach; oder Auswei-
chung von einer aus den oberwähnten Synn. zu erschliessen-
deu Grundform Goggach. Göachen begreift sich als Erweichung
durch Anlehnung an Goschen, Mund. — Das sächl. Geschlecht
erklärt sich durch Einflnss von Mal. — Vgl. noch Gäiavtun.
„gotsch e": Gesichter schneiden Gr." Si Kein mer
g'götschet.
götsclie": 1. yi esentMch = gautschen 1 4 Sch; Th;
Z; Syn. köslen, kötschen. ,Nimm regenwasser, essich
usw., als denn gotsch und mischle es under einander.'
TiERB. 1563. — 2. in Schlamm und Wasser oder in
nassen Schuhen herumlaufen, wobei ein klatschender
Ton entsteht W (-e-J.
ver-: = rer-gäutschen.
Götschete f.: = Gäutschetc 1 n. 2 aaO.
Branz-Gotschi n.: Branntweinsäuferin UUrs.;
vgl. Syn. Lotschi.
götschle"('-Ö-J: 1. plätschern, schwach anschlagen,
wie aufgerührte Flüssigkeit in einem Geschirr, kleine
Wellen am Ufer. „Die Wogen göschein oder götschlen
VOrte." ,Stringor, das bloss und ring anschlahen und
götschlen des wassers. Murmur, das lieblich und an-
genäm wassergötschlen. Götschlen wie ein bächle,
563
Gatsch, getscli, gitscli, gotsch, glitsch
564
susurrare.' Fris.; Mal. ,Götscheleu, gosselen, destil-
lare, fundere.' Eed. 16ö2. — 2. (act.) mit Wasser
spielen, darin plätschern, es schütteln VOrte; Z. „Du
inusst das Wasser nicht g." — 3. „langsam, sachte
gehen oder arbeiten BO." ,An seinen Schulden g.',
dieselben in kleinen Posten ganz allmählig abzahlen
BHk. — 4. = ,göschlen (Sp. 479) übw'.
3, wenn auch aus der Bed. ,spielen' leicht abzuleiten,
dürfte, da die Quantität des Voc. nicht mehr festzustellen
ist, ein anderes W. sein; s. (jAucUen.
ver-götschle° (in Ap -gäzle') == rergäiitschen.
üötschler ra.: hölzerner Napf, den man in die
Tanse legt, damit die Flüssigkeit beim Tragen nicht
hinausschlage oder -spritze Zg.
„Wiss-Gütsch: sehr dickes Sohlleder von weiss-
licher Farbe BO."
Gntsch I m.: kleiner Gehilfe des Kühers GRMai.
— Nbf. von Gngiich Sp. 164.
Gutsch n, Gutschli, gutschen. gütschen
s. Gutz nsw.
Gntsch in Gl; Gntw.; ScHwtw.; \J (nehe\iGiitsch-i,
-e"J; Zg, Gutsch 1 Aa; Ar; B (dim. GütscheU); Gitw.;
GRtw.; L; G; Scuw; Uw; ZWäd. — m.: 1. kleiner,
rundlicher Hügel, meist als Lokaln. fixiert Aa (,Nack-G.'
Leerau); Ap; B; Gr; L (Hügel bei LStdt, Fasnacht-G.
bei Willis.; vgl. Fasnacht- Flue>-); G; Schw; Uw; U;
Zg; ZWäd. Syn. Gupf I. Ufcle' G. (oder ga" Buttis-
holz) geschickt werden, im Spiele keinen Stich ma-
chen L, wo der G. schon 1293 (,diu schuoposse ab
dem gütze'), dann im L Propsteirod. (XIY.) als ,gütsch'
erwähnt wird. Das [die Mühe] ist higop}) ke Narretl,
weit lieber uf e G. L (Ineichen 1859). .Gleich vor die-
sem Berglin über, uf einem anderen solchen Gutsch
oder Büchel.' ECvs. Auch: Gipfel, Fels-, Hügelkopf,
Bergvorsprung. aaO. ,Furggen-G.', höchste Spitze des
Hohgant B; ,Schiben-G.', Gipfel des Schratten LE.;
,Tabak-G.- am Eigi; .Einmattgütz.' 1590, Uw (Gfrd).
,6ütsch, ein Eine, so hanget' JKGrimm 1786. —
2. scherzw. für ,Kopf', bezw. , Hinterer', in der BA. :
[Einen] uf e G. chlopfe". Häfl. 1813; vgl. Eim uf de'
Näggel, 's Dach ge'.
Yiell. eine z-, bezw. «c/i-Abl, vuu <ju<jyeii, ausschauen:
doch vgl. auch Gutz, Sprung, u. s. die Anm. zu Gujif I.
Gütsche f., in BR. -i. in AAWohl. auch Gügsche,
Gütschi n. B; GnPr., Seh. (-ou-J; W. Gtirtsche GO.:
1. Ruhbett in der Stube, in einer Wandnische (Al-
koven) angebracht Gl; TnTäg., od. an der Wand be-
festigt GrD.; Sch; TnTäg.; Ndw; Z(t), im Allg. ohne
Leinzeug und Federdeckc; Polsterbank, bes. vor oder
um den Ofen, Polstersitz Ap; B; GrD.,L., Pr.; L(t);
GO., Rh., T.; ScHW; Z ; Syn. Fidenzer, Britsche, Lotter-
Bett. Ungewöhnlich grosses, altes Canapec GT. Anna
Babali Gumpishira, mach di''' hender-em Ofn filrn,
hender-em Ofa ist kan Blatz, i' der G. ist din Schatz
Ap. ,Wenn der Jakob sein Mittagsschläfchen tut,
hinterm Vorhang auf der G. schnarcht' Stutz. ,Wer
gern tut auf der Kutschen hocken, ist hintern Ohren
noch nicht trocken.' B Hink. Bott 1855; vgl.: , daheim
uf der Kutschen hocken.' Helv. Bibl. ,üas gebet
sprich an dem Sonnentag, ja, ir müessend aber nit
schlafen uf der guschen.' Längast 15üÜ. .Ein ge-
wölbtes gutschenbettli,' 1525, Egli, Act. ,Do gesach
er Artum ligen uf der kleinen g-n.' Ziely 1521. .Ein
gütschin' mit Zubehörde. 1521/4, Z (Inv. eines Mönchs).
,Die kinder Israels, die in Samaria wonend, in den
betten und g-n Damasci.' 1531, Amos; dafür 1548:
.spanbetten.- ,Ein wuUini g'würkt guttsten-decki' er-
wähnt der Chronist UMey. unter dem zugebrachten
Hausrat seiner Frau; wie denn auch ein ,ufgerüste
Kutschen' von der Frau als Eherecht angesprochen
werden darf (1558, Z Katserk.). .Die blow g-n in der
underen stuben.' 1565, ZZoll. Taufb. ,Cubile, ein bett,
g. (Fris., dafür bei Mal.: ,gulterbett'). Decumbere.
auf der g-n ze tisch sitzen (ze essen) nach altem
brauch. Discubitorius lectus, tischg-n, darauf die
sassend, wenn sy essen woltend. [Ähnlich Denzl. 1677 ;
1716.] Admordere aliquem, an eim g'nagen, einem für
und für auf der g-n ligen, einem überlegen sein. Gra-
batus, ein gutschenbett, ein faulbett oder lotterbett.
Lectulus, ein bettle oder geutschle. Octophorum, ein
baar oder sanfte, g., von achten getragen.' Fris.; Mal.
,Er hett ketzerigen triben ze nacht uf der g. mit eim
frömbden wandelgsellen.' UMey. 1540/7.3. ,Ein g. mit
2 küssinen.' 1571, Z Inv.; ,ein g-nbett' ebd. ,Ein
gutschendecki, ein g. sammt dem loubsack.' 1588, G
inv. ,Wir leitend [die Sterbende] uf die g-n.' 1592,
Mise. Tig. ,Als er krank uf syner g-n in der stuben
gelegen.' JosMal. 1593. ,G-n, Lotterbett zum Tag-
schlaf.' ECys. 1600. ,Wie er hinder den Tisch auf die
G. gesessen.' FPlatt. 1612''. ,Da ligt sy uf der G.; kam
erst aus dem Bad.' ebd. ,Ja, führ mich zu der G-n fein,
eb ich ein wenig ruhen könnt' GGotth. 1619. Eine
gewisse Weinsorte wird scherzw. ,Gautschenlegger'
genannt [der Einen auf's Ruhbett wirft]. Schimpfr.
1651. ,Die Kutsche, G., Lotterbett' Red. 1662. ,Ihr
ligen auf helfenbeinernen Bettlenen und rüsten zier-
lich anfeuere G.' JJMüll. 1665 (nach Amos 6). ,Pul-
vinar, eine Götzeng-n, so man vor Zeiten in den
Götzentempeln aufgerichtet den Götteren zu Ehren.
Pulvinaria deorum, G-n oder Tempel der Götteren.
Anaclinterium, G. darauf man des Tags ligt. Accu-
bitum, G., Bettstatt Grabatus, G.. Faulbett' Denzl.
1677; 1716. ,Dir ist wohl: so ruhig auf deiner Kutsche
ein Pfeifgen [zu] schmauchen.' UBragg. 1777. Spec.
ein Ausziehbett, bes. auf Alpen und Berggütern, das
den Tag über unter ein grösseres (das Haupthett BSi.)
geschoben wird und oft bes. für Mutter und Kinder
bestimmt ist B; PP.; Syn. Understösser. Vgl.: ,Ein
G. lassen rüsten, dass man sie kann usziehen; und
die Bschlächti darzue, damit man das Nebetbrett könn
aben lassen.' 1611, L Eechn. Einschläfige Bettstatt
Aa (H.); auch Bett, Bettstatt übh. Ap (schon 1748,
ApUrk.); BR. ,Kutschli, Kutschi', Bett, sogar Hoeh-
zeitsbett. B Hist. Kai. 1791. Bedecktes, fahrbares Bett
zum Krankentransport AAWohl. Schaukelbett L (In-
eicheu). Hölzerner, offener, mit gutem Bergheu ge-
füllter Bettkasten in der Sennhütte, als Schlafstatt für
2 — 3 Personen Ap (Steinm.); U. Als Dim. Gutschli,
Gutschli, Gutschetli (G aL.) , Kinderbettchen (nicht
Wiege) Aa; Bs; B; VOrte ; F; G; Z. Die hed-mi"''
g'schweigget, hed-mi''' 'träid und g'schmützlet [geküsst]
und z' Obig warm i' 's Gutschli g'leid L (Schwzd.).
,Ein Kinds (Kinder)-Gutschli,' 1883, Schw. ,1 Kinds-
gütschli in der kammer ob der stuben.' 1530. ZInv. ;
vgl. ,1 gross kisten an [ohne] beinen, da man kind
yn leit' 1380, Z RRB. (Staatsarch.) — 2. Wiege Gl.
— 3. Kinderwägelchen L. — 4. [Gutsche f.) Kutsche.
iatsch— gntsch. Uatsclig— gufsclig. (Jaw— guw
allg. S\n. Her-, Giitsch- Wagen, ülmmm, mer wei go
H-andere', vo' einer Stadt zur andere'. Bi-ra-rutsch,
mir fahre- mit der Gntsch S (Spielvers). Uf Schue''-
machers G. rite', zu Fuss gehen L (Ineichen). In Ge-
danke' fahre'd d' Bettellüt G. [d. h. es bleibt ihnen
v(in aller Herrlichkeit nur die EinbiMung] 6Rh. Wie
der Herr, so die Kutsch Z (Sprw.). ,Alipes currus,
der .schnell daher fart als flug er, als da sind yetzund
die gottsehen. Bijugum certameii, wenn zwen diechsel-
wiigen oder gottschen nebend einanderen laufend, die
abenteur ze gwünnen.' Fris. 1573 kauft N. N. ,3 pferd
und ein goutschen.' Bs (Geering). ,Ein Ordensritter
mit etlichen edellüten zu uns mit zwo gottschen ab-
gevertiget.' 1587, Zellw. Urk. ,Ein g. voll nunnen.'
15tH), Bs Jahrb. ,Das Fahren in Gütschienen oder
Chaisen bei 50 Pfd Busse verboten.' 1730, Z Mand.
.Mit etlichen Gautschen.' Bs Chron. 1779.
Mhd. r/utsehe, erhöhte Ofenbank; vgl. it. cuccia. Faul-,
Lotterbett; rätorom. cuotscha, cotecha, Ruhbank; frz. couche;
röche. S. auch Guachi (Sp. 481), mit dem sich unser W.
tw. berührt. Die Stelle bei LLav. 1582, 231 b: ,Elihu redt
von wnlchen, als ob Gott darinnen als auf einem wagen oder
g. dahar fare', scheint die Bed. 4 zu meinen. 4 urspr. wohl
ein anderes W., s. die Wörterbücher, unsere MAA. trennen
es .jedoch nicht von dem andern.
Here"-: Staatswagen, bes. ira alten Regime (bis
1798) beim Aufritte der Landvögte, bei Abholung der
Standespersonen in die Ratssitzungen usw. verwendet;
in Bs trotz der daran befindlichen 4 .Baselstäbe' [Bs
Wappen] 1798 um en Äpfelbutze vergantet. S. u. March-
Stall. — Lehn-: Mietkutsche. Gem. Uw. — Land-:
Postwagen f. S beschwert sich, dass die seit Kurzem
eingeführten L. Handelsgüter spedieren und dadurch
am Zoll Schaden bringen. 171ö[38, Absch. ,Alte L.'.
Hausname. 1859, Z. — Bademer-: bis 1847 täglich
fahrende Kutsche, welche je die Badegäste nach AaB.
aufnahm Zf; auch Betour-G., weil sie am gleichen
Tage wieder zurückkam. — Geschwind-: Schnell-
post. ,Die Strassburger G.' 1754, Z Nachr.
gütsche" ('-u'-J: lässig, faul auf dem Rücken lie-
gen ; z'sämme'-g., müssig zssitzen Ndw. Zu Gütschen 1.
gut schiere": kutschieren; bildlich auch i. S. v.
.fahren- '2 c. So gli''' als müglig ellei' z' g., wünscht
der aufstrebende Angestellte Bs. Er g-t ganz guet
eso, fährt gut dabei, es geht ihm wohl.
gütschne": den Beruf eines Kutschers betreiben,
Kutschen ausleihen Bs (Spreng); BBe. S. noch gütschlen.
Gütschner m. : 1. Kutscher. ,Die Gutschncr,
Fuhrleut und Reuter, es seien Privat- oder Lehen-
Gutschen, sollen in denen Strassen der Statt, sonder-
lich auf denen Plätzen, Kehren und Creuz-Gassen,
niemahlen rennen, sondern nur im Schritt oder höch-
stens den kleinen Trab, Nachts aber niemahlen an-
ders als im Schritt fahren.' B Polizeiregl. 1748, 5. —
'2. Glas Bier (ohne den üblichen Schaum) Bs (studcnt.
Spr.). — Le(n)-: Lohnkutscher Z.
Gutschi s. Kuetschi.
Zwi-Gntschler: Bimsorte Gi. (Schindler). - Vidi.
,dic am Zweige Schaukelnde'.
Gntschli: orchis morio AaVüI. — Wainsch. Knt-
stellung aus Chu(e)lschl.i, s. d.
GütscllII: weisse Traubenart. HnAi;oR. lO.'iO; Syn.
Hüntschen.
.Giitsclie": Gründling, cyprinus gobio.' Hartm. 1827;
= gobio fluviatilis. Siebold. — Aus dem frz. goujon, dass.
Gütschi I Gl, Güzi f-ü-J BHa. n.: Gehäuse des
Kernobstes. — Vgl. die Synn. dUfgi und Biitachgi; s. aber
auch (!. II. Vgl. frz. hmiton.
„Gütschi II n.: kleine Pustel Gl."
Viell. statt Gxiggschi zu Gügiji Sp. 197; oder zu Giiinch;
vgl. Syn, IlAinid, doch s. auch Güden Sp. 124.
gutschle" : Kutschen fahren , mit verächtlicher
Nebenbed. allg. Wenn si uf-em letzte Löchli pßfe'd,
fanget -s' a" g. und rvirte'. Ordeli'^' wol het's-nier
'tä', uf der alte, verachtete Landstrass z' g. (Schwzd.)
gtttscllle": spielend, nur zum Zeitvertreib arbeiten.
Eppis itmha g. BR.
Wahrsch. aus dem vorigen W., mit Verkürzung des Voc,
wie sie schon im Stanimw. Gütmhe local vorkommt; doch
vgl. auch ifittrhrn und r/Stuchleu 4.
giitschge" I = guschen, gu.ren
gutschge" II s. gutzen.
Gaw, gew, giw, gow, guw.
Gawertsehi m. : Geldwechsler, Bankier, Wucherer;
heute nur noch erhalten in dem AABein. Familienn.
Gautschi (noch 1680: .Joggli Gauwertschi'), im Mittel-
alter, da die kanonischen Gesetze den Einheimischen
Geldgeschäfte verboten , an grössern und kleinern
Orten neben Juden und .Lombarden' privilegiert; s.
Jahrb. f. Schweizergesch. Bd 1 u. 2. ,Man soll ouch
besorgen, dass die Cauwerschin rychen und armen
tuen süllent als in andern stetten mit dem gesueche
und ouch dass si geltes genueg habent ze lichenne.-
1383, L RatsbeschL ,N. N. gab koufmannschaft uf
brief und Sicherheit ze zilen und so die zil verlüffend,
so nam er das guet am Cavertschyn.' 1388, L. ,Ga-
werscher. wuecherer, danista, fcenerator.' Mal. ,[Es]
bekümbert den unbarmherzigen gowerscher wenig, wie
es [den von Haus und Hof getriebenen Schuldnern]
gehe.' SHocHH. 1591;= 1C93: .Gauerscher'. .Ein Hus
von den Bankieren oder Wechsleren, so das Hus von
der Statt [L] zu Lechen hattend und Gawertschieren
heissend.' RCys. [schon im XIV.: .der Ca(u)wer(t)schin
Hus'].
Eig. Geldwechsler aus Cahors (Cadurcum) in Südfrank-
reich [nach Andern von Caorsa in Piemont]; die vielen Nbff.
des W. s. bes. Jahrb. f. Schweizergesch. 1, 188; vgl. auch
Ducange-Henschel u. caorcini, cahoiirsini u. cawarsini, sowie
.Kawetscher' bei Gr. WB! Der Z Brunnenturm hiess 1357
der ,Gauwerschen Hus', 1369/1425 der ,Gawerschen Tum-.
gauwstre": kläffen ßSa.; Syji. gäustren, ganzen,
andere s. bei galsteren Sp. 234.
Giwi n.. in der RA. uf-eni G. [auf der Lauer. Hut.
Wacht] si' Bs; Z. — Frz. .,vi vir.- (spr. h-i.ci). wer da':'
Giwitz s. Gifitz Sp. 13(i.
guwe": rauh bellen W; Syn. tvauen, wu(iv)en.
GÜVV m.: Gipfel Gr. — Wohl ■/.» giiwm, wie das Syu.
Kiijij zu kapfen.
567
Gaw — gnw. (iax— ffux
(jüwel (I;) in.: frecher Schmarotzer BSi. — Zum
folg. VI).: vgl. Gmid Sp. :3S.
giiwe" BSi. (als Dini. güwle"). gile' GlH., sonst
gälte" AaF.; LE.; S tw. (It andern Aufzeichnungen öi);
hezw. göüe' ÄAZein., Leerau (H.), geiije' Bs : mit Sehn-
sucht, Ungeduld warten Aa; S; Id. B; Syn. hlangen.
F'' ha" scho" lang müesse' g. und passe", üliömmed
denn und löt [lasst] mi''' nit lang g. S (Schild). Du
chasch lang g., de"" chunnt nit B. Auch mit iif und
Angahe eines S.- od. P.-Obj. B. !"• cha"' 's bibott nit
chäue' [verdauen], dnss mir seu [wir sollen] d' Nare"
sl", de' Meitschene" so z' gäiie", bis si wei Wiber si".
GJKüHN 1806. — 2. nach Unerlaubtem lüstern blicken,
mit Blicken betteln Aa; Bs; BSi., U.; GlH.; SBib.;
Syn. gnenen. ,Gegeuet, verlangt, begehrt.' Zschokke
1797. In Aa auch dim. geide'. — 3. bettelnd herum-
streichen, -lungern Bs. — 4. gähnen [?]. ,Da göwet
(göuwet) oder niesset der knab 7 mal.' 1531 (IMS),
II. KöN. 4, 35 (von 1596 ab bloss ,niessete').
Mhd. gcwen, ijimen, mit dou daraus entwiekelteii Nbff.
ijluwcH, (jöttwen: das Maul aufreissen, gähnen, gierig, lüstern
nach Etwas blicken. Der Diphthong ist in unsern MAA.
schwankend, t. n«, bzw. öi« aus aw i+J), t. St ans tu ; vgl.
fliüie", kanen, mhd. kiuwen. Bed. 3, wenn übli. hieher ge-
hörig, hat sich an Oau angelehnt. S. noch die Anm. zu
den Synn. giiaen Sp. 3'2S und gmncn Sp. 335.
„güwje": schreien W;" Syn. günsen Sp. 375. —
üs- -giwjon: vor Schmerz schreien, heulen wie ein
Hund W; auch verächtlich von Menschen W Sag.
trax, gex, gix, gox, gux.
gix-gäx: Ausruf der Verachtung, um Etwas als
nichtig zu bezeichnen; ei, g.'. Ndw. — Vgl. <jig<jii' gaggw
Sp. 166/7.
Schnarr-Gäx f., PI. -e": naseweises, vorlautes,
einfältiges Mädchen SchwNuo. Syn. Schnäder-Gätschi,
-Gäx, -Gätzi. — Vgl. mhd. man-en, schmettern, schmatzen.
gäxe": 1. widerlich, heiser schreien wie Krähen.
Papageien LG.; aus vollem Halse krähen Ndw; auch:
schlecht singen (von Menschen) „L"; knarren von
Wagenrädern B; „L." ,Der Wagen, neu gesalbet, lief
wieder ohne zu gixen und g.' Gotth. Dazu das abstr.
Ntr. G(i)gä.v, Gegacker, Gekreische Bs; Z. — 2. auf
einem Stuhle balancieren L. — Vgl. die Anm. zu 3»-
•jägen Sp. 137 und gäggen Sp. 164.
„Gax I m. = Gauch 3 SL.;" auch ,Chriesi-G."
Gäx II m. : 1. glucksender, abgestossener, schriller
Ton eines Stotterers, einer gackernden Henne Aa; Bs;
wie das ebf. lautmalende, oft mit ihm verbundene Gix :
ein unarticulierter Laut, aus dem sicli Nichts machen
lässt. JEr seit bald Gix, bald Gax, bald Das, bald
Dieses GF., G. Gix u-ie G., gleichgültig wie. so oder
so Ap. Die tirggisch Mitsigg heisst nur Gax [im Ver-
gleich mit der unsrigen]. Ineichen 1859. ,Mit seinem
G'stürm [übereilten Tun], von dem man nicht wisse,
was Gix oder G. sei.' Gottb. Weder Gix {Gux BsL. ;
BR.) no"' G., verstärkte Verneinung Aa; Bs; B; Gl;
L; S; W; Z. Syn. iveder Giggis noiili Gaggis. Vo"
alle' dene' G' schichte" weder Gux -noch G. chönne'
rerstö". Breitenst. Vgl. ,weder gigg noch gaggen kön-
nen' .s. V. frisch. Weder Gix no"- G. mache", keinen
Laut von sich geben Aa. ,Er starb also, dass er weder
gucks noch gacks sprach.' 1522/32, BsCart. ,Er wolle
euch einen Schrecken einjagen, dass ihr weder gix
noch g. mehr sagen dörfen.' Chlostergüggu 1687. —
2. Stotterer Aa (auch Gaxi); lästiges Plaudennaul Ap.
- Vgl. Gr. WB. bei .Kicks' und ,Kickskacks-.
Gi-: wer gluckst wie ein Huhn Aa; dahin viell.
auch der Pamilienn. ,Gigax' B; S.
Girli-, in dem Scherzreim: Girligix und GirUgax
und en Fink ist kein Spatz und en Spatz ist kein
Fink usw.
Gix-: Gans, in dem Sprw.: ,Gixgax über's Meer,
G. wieder her.' Schweiz 1858.
gaxe": abgebrochene Töne stossweise von sich
geben. 1. von Hühnern: gackern Aa; Bs; B; Gr; L;
W ; Z. Wer Eier will, muess d' HUener lo" g. Ineichen.
,lr könnend weder gagsen noch eier legen.' NMan.
.Singultus, de gallinis, das g. G. oder gluggeren wie
ein huen, glocidare, glocire.' Fris.; Mal. ,Gagzen wie
eine Henne.' Denzl. 1677; 1716. — 2. von Menschen:
stammeln, mit Mühe und Not Etwas herausbringen,
aus Unwissenheit oder aus Angst und Verlegenheit
Aa; Ap; Bs; Z, während gaggen mehr einen Natur-
fehler voraussetzt. Wenn i"'' 's cha"" g., fügt man
entschuldigend dem mühsam gefundenen Ausdrucke
bei Z. ,Dass ein yetlicher die tütschen büechly buech-
stabe und darinn unwüssend gagse.' HBüll. 1531. ,Un-
ruew machen mit irem buochstaben und gagsen.' ebd.
.Heisst ihn der Lehrer meist laut aufsagen, so wieder-
holet er Alles und gaxet zu einem jeden Wort.' DTho-
MANN 1708. Auch: viel und sinnlos schwatzen Aa;
ScH. Du bruchsch-es iveder z' gixe' na z' g., noch aus-
zuplaudern Z. ,Was die voran [die Frühern] gegaxet
von Kometen, das seien eitel leere NuUetäten.' Adr.
Grob 1832. Viel lachen GRPani. Abi. Gaxer, Gaxi,
schlechter Redner, Stotterer; dahin wohl auch der
Geschlechtsn. Gaxer Th. — Mhd. gagzen, gackern, Itera-
tivum zu gäggen Sp. 167; s. noch gatzgen.
abe°-, üf-: auswendig herstarameln, herunter-
leiern. Er hett si Kompliment abe'ga.it Bs (Spreng).
— use"-: eine Rede schülerhaft herausstottern Bs
(Spreng). — gi-, gü-: 1. gackern L (auch ä). —
•2. heiser, rauh reden, wie Einer, der z. B. in der Mu-
tation der Stimme begriffen ist Zg. — 3. (gmgSxe") vom
Tone der Messklapper L. — 4. kirren, wie neue
Schuhe BBe.
Schnäder-Gäx f. = Schnäder-Gätschi AASt;
ScHw CSchnädri-J.
gäxe° C-ä-J: vorlaut schwatzen L; vgl. Gätschi I.
gäxe": kreischende Töne hervorbringen, z.B. wie
der Nusshäher; mit falscher oder erzwungener Stimme
singen oder predigen Bs (Spreng); heiser schreien Bs;
Ndw: „kreischen, wie alte Weiber BE." Das Gegdx,
Geschrei Bs. ,Das G.', von einem langweiligen Toa.st
Bs. — Itensivbildung zu gäggen I Sp. 168.
gäxle": spielend, ungeschickt Axt oder Messer
handhaben, mit Mühe Etw. abhauen AaZ.; ScHNnk.;
ZRafz. !"• ha lang müesse" g., bis i"" de' Baum um
g'ha" ha" AaZ. — ver-: mühsam klein schneiden oder
schlagen. Er hat 's Holz ganz vergäxlet AaZ. — Vgl.
Syn. gtiggelm JI Sp. 169.
gauxen. geixen s. die Gruppe gautsch- usw.
IX. sex. g\\. jjox. ffii
Gex m.: Gei-k L; Zii. - V-l. di^- Syim. r;ar«W-, luts.l,.
<;,',,„ (Sp. 168).
gix! lt. f/i.c, t. r/i'.f, oft individuell schwankend, je
nach der bealjsichtigten Lautmalerei, gl:r bes. in der
Verbinduncf mit (/i'ir): Schallw. für einen schrillen,
scharfen Ton, so in dem Scherzreim bei Schild III 2.3:
Giri, giri g\x, (V Mueter chochet Schnitz. Vgl. Giri
Ginggel Sp. 365. Ein Beimspiel. das mit Taufnamen,
welche den Voc. i enthalten, getrieben wird, lautet:
Giri giri g., wXdi wir und käst ix, widewanische Fritz
[udgl.]. ,Gix sagen, mutirc.' Demzl. 1677; 1716. ,Er
darf nicht g. sagen, canis mutus.' Mey., Hort. 1692.
,Sy händ Einen frei gar mustod g'schlagen, dass er
nümmen gygs g'macht häd.' Gespr. 1712; dafür in
einer andern Ausgabe: ,Dass er kein Ader mehr ge-
rührt hat.' Meist als Interj., oft übersetzbar durch:
.sieh!' ,da!' bei verschiedenen Anlässen gebraucht.
1. um Jmds Neugierde zu reizen und ihn so zu necken
und zu ärgern Gl; G; Th; U. G., was hänn-i''' ! ruft
man. indem man Etwas nur halb zeigt, oder im Nu
wieder verschwinden lässt. G., g., Osterei, ruft das
Kind, indem es sein Ei hoch hält; g., i'* han-en Ma"',
ruft die Tochter in ihrem Liebesglück der Mutter zu.
G. ist auch der Ruf der Kinder aus ihrem Verstecke
ScHSt.; InTäg. ; mach g't.r, ruft der Suchende dem
Versteckten zu. Syn. gips, gfi.r, gü.i: — 2. die Ge-
berde des Stechens begleitend, wenn man z. B. den
Finger nach einem Kinde ausstreckt oder es kitzelt
Aa; Bs; B; L. Syn. giisi Sp. 474. Wart, i"' will di-j
G. mache"! Dafür auch Gäbeli-g. AäF. (anders Sp. 58)
und giri-g. L. G. mache" aber auch scherzw. = er-
stechen Bs; B. ,0 Hans, bezähm den Rachedurst!
Man kann nicht nur so: g. Leberwurst! zu seinem
Vergnügen machen [drauf los stechen].' Gabelschuss
1840. Syn. gigg, bi.r. — 3. wenn man Jmd erwischt
G Cgi.r). — 4. um schadenfrohen Spott auszudrücken,
oft mit entsprechender Geberde (,Rübchenschaben',
.lange Nase') begleitet Ap; Bs; VOrte; Gl; G. G., g.,
iisg'lacht, geli Riebe" schabe"! Bs. fEi"'m mit -ein
Finger) g. mache", (Einen) ausspotten. G., du hast
rerspilt! indem man mit dem Finger auf den Betr.
deutet L. G., du häst-mi''' nüd übercho" [erwischt].
Auch verstärkt: ärä gix! Gl (vgl. Bd I 388); u da
da hä g.! GT.; gix gägägä! GRh.; Syn. gi Sp. 51.
Vgl. Fromm., Ztschr. 6, 132, ,Froschgicker, -Kike' bei
Gl. WB., unser (jiggen Sp. 176.
Gix, bzw. ff«, m.: 1. schriller, heller Ton, Schrei
Bs; B; Th; Uw; ü. Die Orgele lat numme" es paar
Gixe". Lö-n-e ff. iis! Bs, los e ff. ab Th; Z, ruft der
Suchende beim Versteckensspielen. ,Das Pferd hatte
sie in den Hag. in ein Gräbli gedrückt, dass sie einen
G. nach dem andern ausgelassen.' Gotth. ; Syn. Güx;
Gips. Auch vom Ton beim Reiben harter Gegenstände
Uw; U. — 2. (in Aa; F auch i) Gnaden-, Todesstoss,
doch meist scherzh. Aa; B; F; S; Z. Si het-m'r nit
recht 'trauet und het 'zwiflet, i'^'' bring ire" einisch es
Gütterli, •'ass ire" chönnt der ff. ge. BWyss 1863. Das
hat em d'r ff. g'ge", auch bildl. = den Rest; vgl. de-
fang Bd I 858. — 3. (auch Gix) Abprallen des Queue
beim Billardspid, Fehlstoss, Fehler übh. Z. Scho"
u-ider e" ff..' Au''' er sig grad über •'e ff. cho", habe
nämlich den Fehler an einem zu verkaufenden Pferde
entdeckt. Joach. 1883. — 4. (Gxxli) kleine Wurst Aa.
Tgl. Gr. WB. bei .Kicks'. Zu 4 vgl. gixcn S ; also cig. :
.was man auf ein Mal an die Gabel nimmt' fV].
: Taglichtnelke, lychnis diurna CnPr.
stdim. -Gixli: kleine Leberwurst Aa;
Hanen-
Lijber-,
vgl. Gix 4.
Schüeler-ffic, in dem Scherzreini: Seh., gönd-i"
d' Schnei und lered nix! ZHinw.
gixe» (in BSi.; FMu. -l-): 1. = gipsen 1 n. 2 Bs;
B; Ji." Mit heiserer Stimme singen B; auch das
Gixe", Gixi ha". Wo 's bi Prattele [eine Eisenbahn-
station] 'pfiffe" het, fangt weiss Gott 's Drinettli a z' g.,
mg" het g'meint, 's steck am^ne" Messer BsStdt. Wer
(ji.i-t oder lacht, muss in dem Spiele Chrüseli, Bom-
büseli, wobei die Kinder gekitzelt werden, Pfand geben.
Der Ei"'m etsches Korjouses hergixet GSa. (G Kai.
1886). ,Unversehens sieht der Meister ihnen [den
[>ienstleuten] über die Achsel, dass sie g. müssen und
erschrecken.' Gotth. ,Das Bauerntöchterchen gixt:
Herr Jeses, pfi Tusig!' ebd. ,Wenn man zu Einem
das Zutrauen hat, so mag der gixgen oder rauen, so
meint man. wenn er .sagt, das sei klarinetet, es sei
klarinetet, und zwar schön.' ebd. ,Die Maus gixt.-
JCWeissexb. 1678. ,In dem Feuer hat sie nicht ge-
schrauen, aber wie die Mäuse gegeixt.' 1680, Bs. Syn.
'jlggen. — 2. = (ß2)sen 3 Bs; B; VOrte; FMu.; S;
bes. auch von dem Ton, der beim Sägenfeilen, beim
Reiben metallener Gegenstände an einander entsteht.
Ja es tw. im Gegs. zu dem sonst üblichen giren ab-
gebrochene, schrille, pfeifende Töne bezeichnet. F>'
ha" der läng g'schlage Tag 'zablet, was i"' chönne" und
möge" ha", ''ass mer mängisch a'me-n-e Obe mini Glider
'gixet hei" icie-n-en ung'salbete Wage". Schild. Wie pfift
und gixet derbi der Kratte" [voll Geschirr]. Das sig
ja es Sufe" [eines sauern Weines], es mach Ei"'m fri
d' Schnell z' gig.re". Gotth. .Weiber, die sich schnüren,
dass die Rippen g.' ebd. [Der Januar] muess mache",
dass es gixet und kracht und glitzeret i" schönster Pracht.
HiNDERM. — 3. zeigen, i. S. v. gix 1 GSa. Er häd-
mer 's nu g'gixet. — 4. dahinsiechen, bes. von Pflanzen
AAZein. — 5. verspotten, mit der Geberde des Rüb-
chenschabens Gl. auch üs-g. Gl; „Vw." Zu gix 4.
— 6. stechen, z.B. leicht mit einem Messer ZLunn.;
auch tot stechen, schlachten, z. B. von Schweinen,
aber auch von andern Tieren und von Menschen Aa;
B; ScuNnk. (Kdspr.). ,Pungere, fodere cultro.' Id. B.
Syn. gix machen, bixen.
Vgl. .kicken, kickezen' bei Gr. WB. — 4 viell. eig. vom
fyaute sterbender Tiere? vgl. ,aus dem letzten Loche pfeifen.'
In diesem Falle zu Gijc 1 oder 2.
Gixer(li): 1. Schrei BsStdt. — 2. = Gipser II
Sp. 395 „B; L;" Meisner u. Schinz; Oken.
Frosch e"-Gixer: 1. Galanteriedegen, wie ihn
früher die Batsherren trugen Bs. — 2. bei den Basler
Kadetten 1862/64 die kurzen Bajonette älterer Ge-
wehre. — 3. Übername der Baselstädter; vgl. Krotten-
Stecher.
gixle": 1. = ,,gt.ren f Heimlich lachen Gr ObS..
V.; Syn. gigelen, giggeren. — 2. = .glxen (!.' S. noch
gitzlen. — us-: auslachen GW.
Gix n.: (scherzh.) Gebranntes, Schnaps L. Ef
(Gläsli) ff. ne". — Yiell. von dem scharfen, stechenden Ge-
schmack; also zu gixm2? Viell. aber blosse Nbf. zu Gü.r (s. d.).
göxe°: aufstossen, rülpsen BsL. — Entstellt aus dem
Syn. .jm-pmu
571
Gax— gnx. (iaz -.Sfuz
gnx: Ruf beim Versteckensspiel Ar, als Subst. m.
= Schrei, dumpfer Laut; Mucks B; VOrte; ,,Sch.'
We'" d' iez no''' e G. iisläst, s^i acht [sieh zu] denn,
Ute 's d'r geid BR. Er liet einist d' Scheiche' [die
Schenkel] 'broche"; wo si im-se i'grichtet hei', het er
lie" G. usg'la' BM. .Auf mit dem Genoralgalgen und
dran mit Jedem, der einen G. auslässt oder eine un-
zufriedene Miene macht.' Gotth. .Jakobli musste fri
einen G. auslassen vor Freuden.' ebd. ,Er brauche
nur einen G. auszulassen, so kämen seine Freunde
alle daher geflogen.' ebd. Es rüert si''' drin, wie
we"" 's Lebigs war", i''' ha bim Spiess e G. usg'lä", si
hei 's im ganze Hus umme g'hiirt. ebd.
Vili-Gus s. Fisigäuggis Bd I 1078.
Schili- m. : hämische Benennung eines Schielen-
den ScHW; Syn. Schili-Gugg Sp. 179, SchHi-Bingg(el).
Trotz der abweichenden Quantität des Voc. mag an gttgge»
(s. guxl) gedacht worden sein, also: Einer, .der schielend
guckt': Tgl. Bd I 1079.
güxe° I: 1. Schmerzensschreie ausstossen aaOÜ.;
dim. gü.vJen, „zunächst von Hunden". Auch vom
dumpfen l.ant biiin verhaltenen, halb unterdrückten
Lachen S<ii; aiith ///n/en; ygl. gügen, güggen, giixlen.
— 2. aus i\rm \ersteckc, um den Suchenden aufmerk-
sam zu machen, den Laut güx! hören lassen Ap; Syn.
püpen.
gux! Interj., ungefähr = schau! G., i"'' ha di''',
spricht die Mutter im Spiele zu ihrem Kinde Ap; vgl.
güx, gugg-üs,
guxe" AAKais. ; Ap; Bü., sonst dim. gil.de': spä-
hen, verstohlen blicken AxKais., F.; ApH., 1., M.; BO.;
VOrte; G; Sch; Th; Z. Bes. auch von hervorspriessen-
den Pflanzen oder von aufbrechenden Blüten. Mängs
Gräsli güxlet do zum Boden-us. KdMet. -- Intensiv
zn guggen Sp. 182.
fi-'ster-güxle": Blindekuh spielen ZRafz; Syn.
finster-bützlen, chutzenmüsen u. A.
fisi- : = guxen. I"'' luog e chli"; chom [kaum] fang
4"'* 's Fisrigüxle' a", sitzt zue-mer zue en alte^ Ma".
Lesggenh.' 1830. S. Bd I 1079.
Bare°-Güxlcr: ,wer durch die Futterleiter sieht'.
mager i.st AaFtL ; als Spitzname AALeugg., Lengn.
Gqx m. PGr.; Ndw (-disj; U (tw.), Guxi n. Schw;
Ndw. Güxe- GRObS.; W f-chsj, Güggse GrAv., !>.,
L., Guxete" „Aa;" B; VOrte; Gl; „S; W; Z" - f.:
1. Windstoss, scharf-kalter, plötzlich hereinbrechender,
heftiger, oft ganz lokaler, rasch verlaufender, höchst
gefährlicher Schneesturm, bes. im Alpenlande aaOO..
auch Winter-G. W. ,Dazu brauste von Zeit zu Zeit
ein lieblicher Gux die Schneefelder herauf.' WSenn
1870. ,Es fiel .starke Guchse ein und scheint die
Gebirge zu einem grossen Unglücke vorbereitet zu
haben.' Rcppen 1851. — 2. Schneelage, Masse ge-
fallenen oder zsgewehten Schnee's Gr ObS. Es het
rtn Hell-G; viel Schnee; vgl. Gux-Sehild.
Das W. ist in der Form cm««, chuss auch in den MAA.
des Liviner-Tales zu treffen. Die Quantität des Voc. ist wie
bei guechen verschieden, doch überwiegt die Länge, womit
das Pfeifen und Heulen des Sturmes lautmalend (s. güxen I)
bezeichnet werden soll. Die Ausspr. des Schlusscons. ist
t. chi, t. ggs, t. gguch.
guxe° ,Aa;" B; VOrte; Gl; Gr; S; W; „Z".
guggie" GrAv., D., L., guggze" UUrs.: 1. toben, vom
Schneesturme aaOO.; Syn. faxen, guppen, guschen,
gutschgen, horneren, huxen. Nächtig [letzte Nacht]
häd 's doch aw'' b'sesse' g'guchset SchwMuo. Wenn 's
djisse" gitixet, dusse' chracht, dass 's Lit und Veh der
Schlotter macht Uw (Schwzd.). Wetterregel : TFenn 's
6»» ersten Schnewji guxet, so guxet 's alle Schnewjeni.
Amherd 1879. 's tuet inne'-g., jagt Schnee durch Ritzen
und Spalten ins Haus; zämme'-, zusammen-, zueehe'-g.,
herzuwehen SchwMuo. — 2. in grossen Flocken
schneien Gr ObS.
guxig: stürmisch; g-s Wetter UwE.
Güxli n.: Molch SchwMuo.; Syn. Giigen-MöH s.
giigen Sp. 157.
Gttx m.: = Glx BHk.; G; Sch; S; Z; als Interj.
bes. beim Versteckensspiel; vgl. güggen Sp. 196. Mach
güx oder %''• suech-di''' nüd ! Z. Frau Sunne, mach g.,
wottst Fähis mache" dert obe'? KdMey. 1844. 's Chmrnli
güxlet gll gli denn usse. G., g., g'sehnd-er iez dert,
es ist bim Bluest scho divorne. ebd. Drohend, viell.
mit entsprechender Handbewegung: Aber gyix! t"*
will dtr scho dnrfir tue. Balz 1781. Hieher auch,
trotz des abweichenden Cons.: ,Dass ihr [die Zuschauer
im Schauspiel] dann fleissig wollend losen und fein
stillschweigen wie ein Mus, dass keins nit lass ein
Gützlein us.' Mtricaus 1630.
Ofe--: l. = Ofengugg (Sp. 179) Ap. — 2. neu-
gebornes Kind Ap; nach Bochh. .das letztgeborne'.
S. Ofen Bd I 110/111.
güxe°: schreien S; Syn. gl.ren.
Güx, inB Güz n.: Gebranntes, Schnaps, Liqueur
L; SfüJ; Syn. Güggis, Güggsch (Sp. 198), Gi.v.
Viell. zu gügcUn (Sp. 159), gügglm S {Sp. 197), trinken,
vgl. Zürich-Güggler Sp. 198.
gnxle" : laut lachen ScH; vgl. (/u.rfDen / u. {jiigeten
Sp. 1.59.
Güexi n.: Kerngehäuse am Obst AALeugg.; Syn.
Giiegi Sp. 101; Gntschi I.
Gaz, gez, giz, goz, gnz, bzw. gatz usw.
Gaz(i): Gemse, in der Sprache der Wildleute.
VONBCN. - Vgl. Gitz(i).
Gaze s. Geize.
Gatze" f. Aa; Bs; B oAa., E., oHa.; VOrte; Gl;
GrD., ObS. r4-;,V.; GA.. G.; S; ZIS., Gätzi Aa; Bs;
BG.. M.,Ri.. S., Si., Id. B; F (in FJ. -e-); Gl; GRChur,
He..L., Fr., Tschapp.; GRh., Sa.; ScHNnk.; S; ThFt.;
W;Z, Chätzi Ap; GStdtTa.; THBisch.,M. - n., Dim.
GatziönD., Gätzli AAZein.: metallene (meist kupferne)
Wasserschapfe, Schöpfkelle, mit Stiel, bes. für den Ge-
brauch in der Küche und als notwendiger Be.standteil
zur Kupfer- (Sp. 283) oder Wasser - Gelte' gehörig,
allg. ; daher auch Wasser-G. Auch als Schöpflöffel
bei Tisch verwendet BSi.; Gr. Syn. Gön (s. d.), Kelle,
SchapffenJ, Schöpfer, 's G. in der Gelte" sig als
g' Nacht vo" selber ufen und abe' 'gange" Bs. Ein G.
bildet eine der üblichen Helsete [Geschenke], welche das
Patenkind von der Patin erhält Z. ,5 kupferne Gatzen.'
1851, Z Inv. ,Zwo küpferin bellen, genannt getzen.'
1469/70, Bs. .Der Wiedertäufer Blaurock hätte ein
Gätzi mit Wasser genommen und ihn getaufet.' 1525, Z.
,N. N. hat syn schwiger mit einem getzi bluetruns
g'schlagen.' 1542, ZGrün. ,1 Wasser-Gatzen.' 1550,
8cHwE. Klosterarch. ,1 kupferi Gätzi.' 1557, Z Inv.
.Kin Gätzi' gehört auch zum , Eherecht' der Frau.
1558, Z. ,Urceus, ein wasserg' schirr, als ein krueg
oder gatzen.' Fris. ,1 Wassergätzi sammt 1 kupfernen
Wasserkessel.' c. 1600, Z Staatsarch. ,2 böse, alte
Kiizin.' 1627, TuBürgl. Inv. ,1 Kupferkiize.' 1675, G.
.Gätzin.' 1698, Z Inv. ,Gätze, Wassergeschirr, situla.-
Denzl. 1716. ,Wer Brunnenwasser liabcn will, ilcr
soll dasselbige ab den Röhren in saubere Geschirre
enjpfahen oder mit dem Gätzi aus den Trögen schöpfen.'
B Brunnenordn. 1740.
It. Mzax, afrz. fu8«e. churw. cuzz, Pfanne mit einem Stiel,
it. cazzuola, churw. caza, Maurer-, Schöpfkelle, im Waadtlaud
dietzo, gueilzo, gueUet, guetzo, Milch-, Rahm-Gefäss, .GueUetta,
vase de bois ä anse'; in Wiener Glossen: ,Gazza, chella';
nilat. : ,Caza, vasis genus, vel potius cochleare eximendit
spum»'. Auch tir. in der BeJ. : eiserner (Schöpf-) Löffel. In
Aa; Bs; Gl; S wird die Form Gätzi noch als Dim. des aaOO.
ebf. vorkommenden Fem. Galzen empfunden, doch kommt
.Kätzi' schon in einer alem. Glosse des XIV. (= ,haustoriam'),
ferner 1431, Seh, sowie in einer alten G Hdschr. vor und sie
entspricht der mlat. Nbf. oizia, nmg sicli aber an Schüefi, Kesid
angelehnt haben; vgl. amh i:u„„i. !,.<„, bei Gön. Schwanken
des Gutturals begegnet in \ h l.n niili. iiiiisoben und Frcmdww. ;
vgl. z.B. Gufjclum (Sji. l.'tii; i'/in/.!, r!i : Vhluc/cere; Grü»t:h :
Chruach uff. S. noch Gr. WB. bd ,l_latzen, Gätzi'.
Üfen-Gätzi: Schöpfgeschirr zu einem Brenn- od.
Waschofen'? 1571, Z Inv. ,16 ß umb ein o. in ofen-
hafen in der grossen stuben.- 1574, ZGrün. S. Bd 1 112.
— Hofferts-: Putz-, Modenarr B; Syn. U.-KeUen,
-Schivanz. — Hafe"-: grosser, metallener Anricht-
lölfel, um die Speisen aus dem Kochhafen herauszu-
schöpfen GrAv.; Syn. Hafen-Gön, -Kellen.
Loch- GrD., Löcher- GrD., oPr.,Kh\v., Lugger-
liiiD.; Löffel, der durch Löcher siebartig durchbrochen
ist. um beim Kochen abzuschäumen oder um ,Ziger'
und Käse aus dem Käsekessel zu schöpfen; Schaum-
löffel; Syn. Kessi-, Schütn-, Ziger-Kelle.
Lugger muss wohl eine Nbf. für das sonst übliche Comp.
I.uggmilch, geronnene Milch, sein.
Sehnäder- = Schn.-ßätschi AxAarb.; B tw. —
schn.-gätze°: plaudern „BO."; Syn. schnäderen.
Vgl. das Syn. Pluuder-KeUe' , welchem ebf. die Vorstellung
eines wie mit einem Schöpfgefäss einen ,Schwall' von Worten
ausschüttenden Mundstucks zu Grunde liegt; übh. sind von
Geräten entnommene Scheltworte häufig.
Schwabe"-: Schelte für einen unbesonnenen
Mensehen Z. - Eig. Neckruf auf die als einfiiltig ver-
rufenen Schwaben.
Zige
Loch-Gätzl F.
Gatzi, Gätz, 'Dim.Gätzeli: Personenn., Pankratius
GlS.; zunächst verk. aus der verderbten Form Bur-
cjatz (Biirgätzi, woneben auch Bargetzi).
Gätzeli = Gätzi-Öpfel (Bd I 382) GRHe. S. auch
Bagätzeli.
Gauz, ganzen I, Ganzer I s. Gautsch usw.
(üs-)gauze° II: mit Ruten streichen, strafen, prü-
geln; auch übertr., hart mitnehmen BBurgd.; S. De'
hei" si üsgauzt (von einem Vergeltstagten) S. Syn.
fauzen.
Gauzete": Schlägerei S.
ganzen III s. guzen.
„gauzle"", „Gauzier
galzen, Galzer (Sp. 296)
LE.
Getz, Götz
Gottfesj.
ent-ge'tzen: entschädigen, schadlos halten, eig.
.vergessen machen'. ,Doch dieses struss [Streites]
vird mich der Herr e.' 156-3/81, Lind. Wthur. Chron.
er-: \. = ent-g. (Öpperem) 's Leid e., condolieren,
■:ein Beileid ausdrücken Ap; Gl; G; Sch; Th; Z; spec.
bei Leichenbegängnissen, indem die Teilnehmer den
vor oder in dem Hause versammelten nächsten An-
gehörigen des Verstorbenen der Reihe nach (vgl.
Sp. 351) die Hand drücken und dabei sprechen: Trüst-i
[euch] Gott Sch; oder: G. tröst-i, G. helf-i! Th; oder:
G. ergetz-i 's Leid, de' Herrgott u-ell-i vor fernerem
Leid gnädig biware" Z; oder: G. ergetz-i 's Leid für
eueri verstorbne (Mueter) selig und verleihe ir eine frohi
Uferstehig am jüngste" Tag ZF. ,Wir haben iro das
Leid ergetzt' Schimpfr. 1652. In der ä. Spr. steht in
diesen Condolationsformeln noch der richtige Gen. des
Übj.: ,Gott welle üch leides e. und für.T vcrliüctcn.-
ZwiNGLi nach der Schlacht v. Novara :iu dir S.lnwz./r.
■ Der Herr welle uns unsers leids gnadi^klichi]! c.-.
vünscht Kessler beim Tode Ökolampads. ,Ergetz üch
Gott trulich üwer frommen, herzlieben Mueter.' XVI.,
Bs. ,Gott der Allmächtige wolle Euch und alle die
Seinigen dises seines zeitlichen Hinscheids trostlich
0.' lOUi, ,T,1Bkeit. ,Gntt der Herr ergetze nochmalen
die Trauernden ihres Leids.' JMüll. 1665. S. noch
klagen und Lieh und vgl.: ,lch will alle die, so von
mynetwegen in truren sind g'syn, alles ires trurens
und leids ergötzen.' Ziely 1521. ,[Gott] hat sy wider
z' ruewen g'stellt [nach langer Bedrängniss] und sy
all ires leids ergetzt.' JMcrer 1559. ,Ich mechte in
in wenig Jaren wider e., so ich in die E kommen
sollt und ime ein andre Dochter anstatt der abge-
•itorbenen in's Haus brächte, in in seinem Leid wider
zu e.' FPlatt. 1612. ,Ich wird reichlich jetzt ergetzt
les Leids, darein mich band gesetzt die Zwinggrafen
wegen meiner Knaben, welche sie mir mördlich hin-
gricht haben.' Myrioäus 1630. ,Einem Weib stirbt
ihr Mann; als nun ihro das Leid ergetzt oder geklagt
worden, antwortet sie: Ich hab gedacht, wann's mir
wol gang, es werd den Leuten leid syn.' Schimpfr.
1652. - Mit anderm Obj.: ,Dagegen git man inen an
dem wienachtsabend von jegklicher hueb 3 gretmann,
damit sy des siramelkernens zu geben ergetzt werden.'
XV., Rathgeb, Urk. ,Domit er syns verlust an land
und lüten wider ergetzt werden mocht.' 1476, Bs Chr.
.[Die Totengräber] werdend irer arbeit nit nach billig-
keit ergetzt.' 1530, Egli, Act. ,Fructum diligenti«
referre alicui, einen seines fleisses e. oder lassen ge-
messen.' Fris.; Mal. ,Sy hattend mich um das myii
'bracht, des band mich die von Bern ergötzt und mir
wider ufg'hulfen.' ÄgTschcdi. ,Dass er seines ange-
wendten Kostens ergetzt werd.' AHerport 1669. —
Obj. aus dem Vorhergehenden zu entnehmen: ,Das
habend MHH. aberkannt und sich dafür erboten, [das
benachteiligte] Zürich [hiefür] in ander weg zue e.'
1523, Strickl. — 2. beschwichtigen, lindern, stillen.
,Wir lobtend Gott, dass wir unser leid sottend e.,
wann wir voll kuramer warend.' HsStocxAR 1519.
,Sublevare laborem alicuius, einsi arbeit ringeren,
leichteren und e.' Fris. ,Wasser, dass sy iren durst
575
Gaz. gez, giz.
guz
e. könnend.' Vogels. 1557. — 3. wett machen, er-
setzen, wieder erstatten. ,N. N. begabt das Kloster,
damit er den diesem zugefügten Schaden ergassti [!]
und widertäte.' 135'2, Th Urk. ,Um myn vergangen
tag, unnutzbar lieh verschlissen, etlich mass zue e. und
wider zue bringen, so han ich [eine Jahrzeit gestiftet].'
1495, TeArb. .Wellicher den andern verletzt oder
verwondt, der muoss in nit allein heilen und arznen.
besonder ouch ime den schaden e. und abtragen.' Aa
Weist. ,Was einer um tiotts willen hingebe, das wurde
im Gott hundertfeltig c.' Vad. ,Der höchste Gott wol
diss e., Ihr[er] Maystät Alles ersetzen.' JCWeissenb.
1701. — 4. stärken, erfrischen, laben. ,Du muesst
uns mit der supp e.' Badenfart 1526. .Den ältisten
männern gab man wein zuo trinken, dieselbigen um
ir Schwachheit willen etwas zuo e.' Vad. ,Den küelen
luft zue dem herzen füeren, dasselbig zu e. und er-
küelen und die hitz hinweg ze wysen.' Eüef 1554. ,Ich
find nit einen finger z' netzen, damit syn zung und
herz e.' Haberer 1562. ,Levare corpora, e., erfrischen,
erquicken.' Fris. .In der Nacht sollen wir unsere ab-
gematteten Kräften e. und ersetzen.' JMey. 1694. —
5. übersättigen, von Menschen und Tieren GfiEhw..
S., Scuolms. Auch refl. mit Gen. S. Der», Arbeit han
ich „lich ergetzt, ich bin sie müde, habe sie satt W.
— 6. refl., sich erfreuen (wie nhd.). ,Myns betts mich
ergetz [erfreue mich mit der Erfüllung meiner Bitte].'
ÜECKST.
Mhii. ergetzm, Fact. ZU ergizaen (wofür jetzt .vergessen'),
entschädigen, vergüten, erfreuen. Zu 1. Der Acc. S. mit
Dat. P. wie bei .verehren, versichern'. Die Umdrehung der
Construction erklärt sich aus der Auffassung des nicht mehr
verstandenen .ergetzen' i. S. v. ,wett machen, ersetzen'. Betr.
das Verhalten der Bedd. 5 u. 6 vgl. mhd. sich nkten (mit
Gen.), sich befieissen, erfreuen, sättigen, aber auch (wie unser
(jmieten) : überdrüssig werden. Unsere MAjl. haben an t'
(dem echten Uml.) festgehalten; noch Fröhlich reimt cnjetzen
(i. S. V. nhd. .ergötzen'): schätzen (e').
Ergetzung f.: Entschädigung, Ersatz. ,E.' an
Brandschaden. 1500, Absch. Die Regierung will aus
dem confiscierten Gut der Wucherer ,den Geträugten
E. tuen.' Z Mand. 1650. ,Zue E. des empfangenen
Schadens.' 1700, Schw.
ergetzlich: angenehm. JCSclz. 1772 stellt den
.nützlichen' [= Nutz-] die ,ergötzlichen' [= Zier-Pflan-
zen] gegenüber.
Ergetzlichkeit: 1. = Ergetzung; Ehrengabe.
Geschenk, Erkenntlichkeit. ,Als N. N. anbracht hat
vil kosten und arbeit, die er gehept hatt, im darum
etwas e. ze tuend, soll [man] rat slagen, dass im doch
etwas werd.' 1485, Absch. ,[In der] Seligkeit, da uns
e. alles krüzes und aller trüebsalen bereitet ist.-
RGüALTH. 1555. ,Uf synen ersten Pfarren ist im vil
widerwärtigs begegnet, folgends aber zu gebührender
e. ist er von UGnHH. uf die pfarr N. erwählt worden.'
JosMal. 1593. .Der Schulmeister erhält 2 Mütt Kernen
zu einer E.' 1626, Soh Beitr. .Denen, so fehlbare Per-
sonen angeben wurden, [soll] von den gefallenden
Buessen ein gebürende E. widerfahren.' Z Mand. 1649.
.Dieser Balbierer hat, neben anderen E-en und Ein-
künften, sonderlich von wegen des Schräpfen keinen
geringen Nutzen zu erwarten.' SHott. 1702. ,Die Ein-
zinser sollen dem Trager nach der Grösse des Zinses
und der Weite des Weges mit einem solchen Zuemess
und E,, dass er darbei bestehen möge, zu begegnen
schuldig sein.' Z Stadtger. 1715. — 2. Vergnügen, Er-
holung, Freude. .Wenn Gott nit wider in [Job] wäre,
so hätte er im einen seiner sünen zuo e. lassen über-
bleiben.- LLav. 1582. Die E. der Waisen bestand
darin, ,am Sonntag nach der Abendpredigt auf dem
Schützenplatz sich ein wenig zu erlustigen und wann
es warm ist und Eines Lust hätte, in der Sihl sich zu
erkuelen oder zu waschen.' 1656, Z Waisenhausordn.
,Die Fremden beklagen sich über den Mangel aller
glänzenden E-cn in Baden.' DHess 1818. — Mhd. enjetz-
lichkeit, Vergütung, Belohnung.
Geize" [Gaze Bs It Spreng; in ZWäd. Geizge) f.:
1. Pflugsterz, Handhabe zur Führung des Pfluges;
Krummholz Aa; Bs; „B;- L; S; Z. Im Herbst st"''
d' Bure uf de' Ackeren usse' trüebselig i" d' G. g'hocket.
BWyss 1863. Als ein Bauer beim Pflügen seiner Frau,
welche das Vieh antrieb, zornig zurief: !''• wett, du
fierist dem Tüfel zue! antwortete sie: ,Hannesli, heb'
[halte] -di'''' a" der G.!' I' d' G. Ugge', eig. in schwierig
zu pflügendem Erdreich sich bei der Führung des
Pfluges vornüber beugen; übertr. : schwere Arbeit
übh. verrichten AAWohl. .Ein pfluoghopt und ein
geizen' in den Gemeindewaldungen zu hauen, ist aus-
nahmsweise erlaubt. ZSchlier. Olfn. ,Es solle der pur
in der g. von dem Evangelio reden.- Gyrenr. 1523.
,Bura, stiva. pfluegsterz oder handhabe des pfluegs,
die g.' Fris.; Mal.; Red. 1662; Denzl. 1677; 1716.
Syn. Geiss 3 e Sp. 460. — 2. Handhabe an der Wagen-
wende Bs; Z; s. u. We2)fe. — 3. Traggestell für ein
aus Draht geflochtenes Sieb zum Durchlassen des Weins
oder des über Asche gegossenen Wassers in den Wasch-
bottich AAZein.
In Bed. 1 schon ahd. : (jaiza, keim, wohl mittelst -Jo
abgel. von Üeias, also eig. eine mit den Hörnern der Ziege
verglichene zweizinkige Handhabe. Spreng's Angabe, die aller-
dings lautlich sonst für Bs nicht zutrifft, erklärt sich wohl
wie sein Gani für Oeini. Auch Denzl. 1677; 1716 hat au
einer Stelle: .die gatzen' neben .Geize'. St.'s Angabe: „Geizt:
Blattlaus Th" gehört nicht zu obigem W., sondern zu tfize.
das er nach seiner Gewohnheit verhochdeutschte. G nach
tz und fach findet sich häufig; vgl. Gilz (Sp. 297). gauzijen
(s. gautechen III), Gietsehger, mischglen, Muttchg (Mutz),
Mützger, «chmatzgen, etatzgen u. A.
geize"!, red. gi-: schaukeln GA.; davon Geizi f..
Schaukel. — Vgl. bes. die Synn. geigen (Sp. 147), geilen
(Sp. .505) und gi-reizen; s. auch gautechen I und geiseen.
er-: aufschlagen. ,Der ander schütz [Schuss] habe
vor der Ordnung in herd geschürpft, darnach wider in
der Ordnung ergeizet, dem hauptmann das erdrych
neben dem Schenkel usgesprützt.' 1583, Gfrd. (Uw).
Viell. .platzend, klatschend aufschlagen'; vgl. gauischen I
oder von geizen i. S. v. aufspringen.
Giz I s. Git.
Gizerech GUz^rrcli m. ■.=Giterech GStdt(scherzh.).
Gitz ra.: Führer. .[Den Soldaten verordnet man
bei Eeeognoscierungen] einen G. oder F.' Kriegsb.
1644. — Vgl. frz. guide, dass.
Ror-Gitz m.: Eohrammer, Schilfschwätzer, em-
beriza schceniclus. .Der rorspar, so auch rorspätzle.
-Sperling, -gytz und wydenspatz genennt wirt.' Vogelb.
1557.
Nach den stammelnden Tönen, die der Vogel hervorpresst,
benannt; vgl. .Gizerle' = turdus iliacus. sowie Gipser, ffixei-
= anthus aquat. und Giriz, Giwiz. Vgl. auch die ndrd. Dar-
stellung seines Rufes: .karra-karra-kik-kik.'
578
Gitz 1 (in ZW. It SpHlm. auch Gitzge) m.: Wipfel
eines Baumes ÄABb.; ZW. Chriesi im Gitzeli cha'"
nüd Jede' günne". Vgl. das Syn. Güz Sp. 297 und
Gutzer; doch s. auch Gtzen und vgl. geizen, schaukeln.
(illz n m.: 1. Ziege Ap (Kdspr.). — 2. einer der
Tiernn. im Spiel ,StMartins Esel- (s. Bd 1 520) W. —
Aus dem Neutr. Gitzi, mit Wegwerfung der (alten) I>im.-End. i.
gitz! in W gitzi!: Lockruf an die Ziegen, meist
mehrfach wiederholt, allg. Auch: hotz g., g..' Ap, od.
g., g. Salz, Salz! GA. Synn. s, Sp. 459. Gitzi gä, gä
(s. Sp. 38) : bei entsprechender Fingerhaltung zunächst
an die Ziegen, um sie zum Stossen zu reizen, dann
aber auch, verbunden mit der Geberde des Bübchen-
schabens, an Menschen gerichteter Neckruf oder Aus-
druck der Schadenfreude GsHe.
giri-: 1. Red. des Lock- oder Neckrufes Z. —
2. Wortspiel, um einen Stotterer zu verspotten: Wenn
giri-giri-gitz [= git's, gibt es] guet Wetter? Antw.:
Am Mä-ä-ä-ändig ZHorabr. — 3. als Subst. = Moor-
Heidelbeere, Rauschbeere, vacc. ulig. Gr (scherzh.).
,giri-gitzele" = giri-ginggelen (Sp. 365) Uw."
Wohl von yiiiijitz 1, ohne dass eine Umbildung aus dem
Kuf iju; yüx! Statt gefunden hätte. Über die Form der
Ked. s. Anm. zu ijiri-ijinggehn.
Gitzi I Aa; Bs; VOrte; Gl; Gr; GSa.; Scn; S; Z,
Chitzi Ap; G (z. T. an beiden Orten neben dem seit-
nern Gitzi) — n., Dim. Gitzfeßi: 1. Zicklein beiderlei
Geschlechts; Syn. Gibeli Sp. 97/8; s. Negeli, Gitzi-
Böckli. Es heisst e jmigi Geiss Gitzli, bis si selber
g'gitzlet lied , und wenn 's bi Gott 2 Jär a'stiend.
Wölk, rel. Gespr. Tonn [dünn] icie e Ch., sehr schlank
Ar. Du tuest tvic-nes Gh., bist mutwillig GA. ; vgl. 2.
E Lunge hed er g'ha" tvi-n ex 7?(ixs- idkI ?.-,-^ g'laufe"
wi'-n es Gitzi L (Sehwzd.). 17/ ./(///// Mn,l-U mache"
feiss, und e G. gif mit der Zii < (i'is-.. Si^uw. ,[Es
wird geklagt] wie man Büchur fiufulircu wolle, wo
von einer Geiss und G. die Rede sei und nicht von
Christus.' Gotth. Drü rüdigi Gitzeli, e g'fotzleti Geiss,
das git-m^r iiii' Ätti, tcenn i''' e Frau weiss L; vgl.
Seil. 138. Min Vater ist en Appizeller, hed iveder
Wl' no''' Most im Cheller. Mi 3Iueter ist e Schwizeri,
hed de- Stal' roll Gitzeli. Adi, ado, adü! Rätsel von
den KoliloM und dem Ofenwischer: «s sind a Seh uppa
|Tru|iii| Git..ilti im a Stall und ns leids [hässliches]
Mannli ui und jugt-scha [sie] füra [hervor] GrD.
Ebso von den Zähnen: as sind a Schuppn Gitznlti im-n
Stall und die heind, wemma scho streut, nottn (albig)
nass. I''' cha'" ne Geiss mache", aber es G. nid, Wort-
spiel mit: ,es giH sie nicht' [sie kommt nicht zu
Stande] UwE.; vgl. giri-gitz. ,I)em armen Schuster
Inderbitzi zum Gruss ein Geisslein und ein G.' Vw
Volkskal. 1884. Er hat es Mul, wie wenn er G. g' fresse"
hett, sieht schlecht, krank aus. Sprww. 1869; vgl.:
,G. dennen. Lammer her- = wir wollen es uns wohl
sein lassen. B Hink. Bot 1765. ,Myn herr hat das
recht, dass man im alles smalvich melchen soll; welchi
frow da ir lamm oder kitzi lasst sugen, die soll es
besseren mit 3 ß.' 1464. ZRhein. Offn. ,Winterti einer
die geiss[en] daheimen, so mag er die gitzli [auf der
Gemeinalp] sömmeren, die er von inen zieht.' e. 1530,
UUrs. ,[Er] hatt dem volk geschenkt der lemberen,
der schalen, der gitzlinen und gcissen 30000.' 1531,
lU. EsRA. ,Als wolltest du deine gitzli zue weid trei-
ben bei den hirtenhüttlinen.' 1531/60, Hohk Lied.
Schweiz. Idiotikon. II.
,So die gitze geboren, werdend sy gleich don lämbern
auferzogen und verhüetet, allein dass die g. mer sorg
erhöuschend.' Tierb. 1563. ,Pascentes hcedos, die wei-
denden gitzlen. Hoedulus, böckle oder gitzle.' Fris.
.[Hanna hat ein] Gützli vor dem Hus; der alt Tobias
g'hört's blären.' GGotth. 1619. , Weilen Einer in dem
Hemminger Holz ein Reh oder jungen Giezen gefangen
hat, als soll selbiger gepüesst werden.' 1637, See Rats-
prot. ,Die Geisse, Zige, Gize, Kize, capra, mater hoe-
dorum.' Red. 1662. ,Die Metzgerknaben sollen den-
jenigen, so Gitzi zum Verkauf in die Stadt tragen
wollen, nicht auf die Strass, noch zu den Schiffen
entgegen gehen.' 1770, Z Ordn. ,Wenn ein Kitzi ein
Jahr alt ist, soll es für eine Geiss gerechnet werden.'
Ap Alpbüechli. G. werden auch oft als zum Jung-
zehenden gehörig genannt: ,Mengs gitze gab ich von
myner geiss, das ich sollt selber zogen han.' UEck'st.
Conc. — 2. Neckw. für ein junges, unruhiges, hüpfendes
Mädchen Aa; Gr; in Gr ObS. auch für einen sinnlich
begehrlichen, üppigen Menschen übh. Bure"-Gitzeli,
kleines Bauernmädchen Bs (Spreng). — 3. Schlitten;
s. Geiss 3 a Sp. 460. — 4. aus den Beinkleidern kleiner
Knaben (sog. , Schlitz-Hosen') heraushängender Hemd-
zipfel GrD., He., Pr. (auch Hemp[Eemä]-G.); Syn.
Schwanz. S. noch Gitzi-Hosen. — 5. penis kleiner
Knaben GRPr. --6. Fehler im Strohflechten, der ent-
steht, wenn ein Halm ungehörig hervorsteht oder bricht
AAWohl. Syn. Nest. — 7. {Chitzi, nur als PI.) nach
der Käsebereitung im Kessel zurückbleibende Käse-
teilchen, auch Chäs-Ch. Sohw; Zg. S. noch Kitzi-
Käs. — 8. = Gitze (s. d.).
Mhd. Au-, kitze, ahd. chizzi, Zicklein (auch von Kehen,
Gemsen). Bed. 4 bezieht sich auf das in der Geburt be-
gritfene Tier. lu Würtemberg heisst es von einem Knaben,
dessen Hemd aus den Hosen hervorguckt, er habe ,eine Geiss
gestohlen'. Betr. Bed. 6 vgl. yäzlen in der Bed.: missraten,
fehlen. Zu Bed. 7 vgl. Anm. zu Oa,i» Sp. 373; für Zg wird
spec. li.v, uj:t, •]a>s ^^■ll ,lir Fniiinn fiir Zicklein (G-J und
KäSfi-iirk-taipl i''l,'i ihtt.riri/iiit iLil.rii: aus dem Überwiegen
von ./.- Ini r.id 7 ^rhriiit In r\ - nviii: r li, ii . dass hier der ältere
Lautstaud uilialtuii t'i-'jli'-'j'-'U '^t. wahruud sich in der ge-
läufigem Bed. , Zicklein' das W. alliterierend an .Geiss' an-
lehnte. — Schon die ä. Lit. zeigt Schwanken hinsichtlich der
Form: ,Gitzi.' Voc. S. Galli; Voc. opt.; ä. L Ratsb. ; 1522,
Absch. ; 1600, UUrs., ,Gitzli.' Zwingli; Z Bibel 1530, ,Kytze.'
1529, GKh. (Strickl.), ,Kitzlin.' RCys. 1661.
Herme"-: von einer Ziege gesäugtes Lamm GSev. ;
vgl. Hermen-Geiss Sp. 462.
gitze- Gl (ScliindL), gitzene" BGu.; Gr ObS.,
Spl.; ScHW; W, „gitzine", gitzle" Aa; Ap; B;GrD.;
GRh., Sa.; S; Uw; U; Z, chitzle" GStdt, T., gixle"
ZBül.: 1. Zicklein werfen, allg. Wenn mir Eine emol
gitzlet, so ist er mir e Geiss. Sprww. 1869 ; vgl. : ,Qui
semel malus, semper prsesumitur malus, der einmal
geizelt, ist ein Geiss.' Denzl. 1716. Das iseh iez glich,
geb d' Geiss gitzlet oder verreckt, RA. bei gewagten
Unternehmungen S. Übertr. in der an einen Unge-
duldigen, Drängenden, stürmisch Eilenden zur Be-
ruhigung gerichteten RA. : Du wirst iez ämmel (no''')
nüd (g'rad) g., wirst wohl noch warten können Aa;
L; Uw; Z. Ähnlich: Witt g.? drängt es so sehr?
Uw. Gitzle" doch nit, er wird di''' tvol b'zale" F.
Vor Zornige chitzle", vor Zorn, bes. beim Anhören
missfälliger Reden, fast bersten Ap. Ma macht ch.
und böckle", sich fast zu Tode argern Ap; vgl. Syn.
fidlenfen) Bd 1 790. .Gitzlen, parere.' Denzl. 1716.
baz, gez, giz. goz, guz
580
— 2. aufbrecheil, aus einander fallen, wie eine schwere,
mit einem Seil gebundene Heubürde, die dem Tragen-
den alsdann in Haufen vom Kopfe fällt Gr; vgl. kal-
beren, ferlen Bd I 921. Auch pers.: De'' Christian
hat gitzlet, seine Bürde auf diese Weise verloren. —
3. fehlschlagen, zu Grunde gehen AaF. (vgl. bei 1
Beleg aus S). — -t. „viel eintragen, Vorteile von Jnid
ziehen [V. gewähren];" vgl. kalberen.
über-gitzle": refl., durch das Werfen zu zahl-
reicher Zicklein Schaden nehmen Ap; Z; vgl. über-
kalberen. — i"-: das Zicklein im Leibe zu Grunde
gehen lassen Ndw.
ver-gitzene", -gitzle": 1. aufhören zu werfen.
D' Geiss (im Stall) händ vergitzlet, alle haben ge-
worfen, allg. — 2. abortieren, tote Junge oder an
ungehörigem Orte unbemerkt werfen, allg. Übertr.,
„unglücklich gebären U (pöbelhaft). "■ — 3. = gitzlen 2
GrD. — 4. „zu Grunde gehen, von Ziegen, allg." —
5. vor Aufregung, Ungeduld, Lachen, Ärger, Zorn,
Frost fast bersten, vergehen, aus der Haut fahren Aa;
Ap; Bs; B; Gr; G; U; Z. P'' ha g'meint, ("* müess v.
Du wirst no''' nit v., wirst wohl noch warten können.
Und 's Büebli grint imd seit: I''' frier! zur Mueter,
und vergitzlet schier Bs (Probst). Zur Kellnerin : .Ge-
schwind, mach doch, es ist Einer da ! Antw. -. Meinet-
halb Zehne, die werden nicht v., ehe ich komme.'
GoTTH. Syn. ver-giblen, -gigeren, -strupfen, -zipperen,
-zipflen.
Der Anblick der mit dem Tode kämpfenden Ziege hat
ihrer ohnehin steifen Glieder wegen etwas besonders Kläg-
liches an sich. Die Bed. ,ausser sich geraten' ergibt sich
aus der Anschauung krampfhafter, zuckender Bewegungen,
wie sie bei Affekten eintreten. Vgl. noch Anm. zu ver-r/iblcn
Sp. 98.
ver-gitzere°: verbunden mit .fast- i. S. v. cer-
gitzlen 5 (vor Ärger) Z.
gitzi°: von dem Zicklein herrührend. Subst.:
Gitzis, Zickleinfleisch, allg. Chitzis in Eiere" 'backe',
früher eine heliebte Speise zur Osterzeit Ap ; G ; daher
das Wortspiel: Chitzis, Chätzis in Eiere" 'backe' ond
[das Wörtlein] das stot i" der Bible' GStdt; vgl.: ,So
teilet ein probst ze Östren 14 gitzi [aus].' XIV., L
Propsteirod.
Gitzlet m.: Zeit, wann die Ziegen werfen. Vor-
frühling.
vergitzt: eigensinnig, halsstarrig; verblendetV
.Do warend si so v. und eigenrichtig [bei einer Wahl],
dass sie den von G. nit wolltend für einen abt han.'
Vad. 1, 344. — Viell. eig. : halsstarrig, störrisch wie ein
(iitz(i), weniger wahrsch. ist Zshang mit Git (Giz).
Glze° I: (PI.) Seiten- od. Winkelsprossen an Reben,
Hopfen, am Tabak FMu.; Th (Pup.). — gize- H:
solche Schosse ausbrechen, ebd.; auch üs-g.
Wahrsch. erst, mit unächter A'ereinfachung des Diph-
thongs, aus dem Nhd. ; vgl. ,Geiz 5' bei Gr. WB.
Gize» U (in ZRafz -(-) f.: 1. Wasserassel, asellus
aquat. Sch; ZStdt. — '2. Blattlaus ScuSt.; ZWl. —
3. Wasserschlänglein, viell. gordius aquat. oder die
gezüngclte nais Sch.
Viell. im Ablautsverh. zu Geize (vgl. dort bes. 4); wie
die Asseln am hintern Ende des Leibes '2 hornartige Fort-
sätze zeigen, so besitzen die Blattläuse eben dort 2 Röhren,
aus denen sie Honig fliessen lassen. S. noch Gijise (Sp. 395),
.Geize' bei Schm.-Fr. und giggen (Gigger) Sp. 176.
Gitze°f. GA.. Gitzi II n.'GKuVatz: Kuderwanze.
hydrometra.
Man muss, wie auch das Syn. Schnidir-GeiHs (Sp. 464)
zeigt, in dem langbeinigen, rasch und unruhig sich bewegen-
den Tier einige Ähnlichkeit mit der Ziege entdeckt haben.
Gitzinitzi: Bleisalhe, ung. saturninum Bs; FWürz
empfiehlt 1634 ,Gitzinätzi-Sälblin' gegen ,Fratte' der
Kinder. — Scheint wie ,(weisses) Niohts- eine Entstellung
ans einem l,^t. Vf. zu sein.
bi-gotz s. (biJGott.
gotzig, in ScHwMuo. gii-: 1. adj. Ausdruck zur
Verstärkung bei Zahl- und Quantitätsbezeichnungen,
a) in Verbindung mit ,all. manch, jedes'. Mängs g-s
Mal Obw; Z ; Syn. ewig. Jedes g-s (alli g-i) Mal UwE.
— b) nach ,kein- und dann auch ,ein' und andern
Zahlww. die Bed. .einzig' annehmend. Kei" g-(s) Mal
SoH; Uw; kei's (einzigs) g-s Bing (Dingeli) Aa; BO. ;
VOrte, kei" g-e Brosme' BD.; S, g-s Brösmeli Z, kn
g. Bitzeli Sch: nicht das Geringste, rein Nichts. Ke
g-s Wort rede' Z. Si hei e keinigergotzigerlei me"
[von keiner einzigen Art mehr, übh. gar Nichts mehr]
,'' esse' BHa., Hk. E g-s Chind, drei g-i Manne" Z.
I"'' han [im Spiel] e g-s Trümpfli g'ka", en g-e" Ckegel
g'icorfe" [beim Kegelschieben] Sch; Z. Auch als Sup. :
gotzigst Sch. Durch vorgesetztes .aller- (Bd I 170)
noch weiter verstärkt GrHo. — 2. Adv., in Verbindung
mit dem correlativen so — als i. S. v. : manchmal, oft.
So g. a's der Götti ckunnd, bringt-er m<;r e Helsete UwE.
Auch Schwab, und bair. Wie das Syn. gottig beweist,
direkt mit der beliebten Adj.-End. -ig von dem abstr. ver-
stärkenden, bes. vor Quantitätsbegriffen — zu denen auch
,all, kein' usw. gehören — Gotts (s. Gott B) abgeleitet. Vgl.
auch gotzen-gnueg neben gotten-g., sowie das steigernde hmizig.
bi- s. Gott Sp. 519.
Götz Im.: 1. Götze; in der Eefonnationsperiode
bei den Reformierten = Heiligenbild. Wer si''' a"
d' Chircke" lanet [lehnt], dem fallt Heckt en G. uf de*
Ckopf. SüLGER. Ba stä' wie en G., steif, unbeholfen Z.
,Da fand man gar vil aufrechte Stein, so wie G-en ge-
standen.' Mise. Tig. 17'24. .Ein schöner G., schön und
ungeschickt; in eburnea vagina plumbeus gladius.-
Met., Hort. 1692. ,Nun band wir doch all wand,
götzen [Bild] -stock, kilchen voll g-en.' Zwingli. .1534
sind die burger von Aarau rätig worden, die g-en in
etlichen hüsren ze suechen und die ahweg ze tuen.' Öl-
hafen. ,Die g-en oder bilder.' ßs Carth. .[Es] ist dem
vogt nachgelassen, die g-en abzeryben, das gold darab ze
nemmen.' 1528, Esterm. NMan. schrieb eine satirische
, Klagred der armen g-en'. 1660 werden die reformier-
ten Glarnor durch das Herumtragen zweier G-en an
der Näfelser-Fahrt geärgert (Absch.). .Die Haager
betend, dass man das Weibervolk, dem der G. noch
im Herzen steckte [das noch am kath. Glauben hängt ;
vgl. ,Ö1-G.'], dismalen Nichts zusuchen wolle.' 1741,
CTomann. ,Götzli', Puppe, geschnitztes Bild Z; vgl.
EerrgöttU. ,Oscilla, kleine bildle oder g-le. Crepun-
dia, allerlei ding, damit die kind kurzweilend, als
tocken, schellen, krüegle, bilder und g-le udgl.' Fris.
— 2. stumm da sitzender, regungsloser Aa, plumper
und dabei hoffärtiger Mensch Ndw; Syn. Stock. —
Mhd. götze in Bed. 1.
Ö1-: 1. Lichtstock, bestehend aus einem oft ge-
drechselten Stück Holz von pyramidaler Form Aa;
Zß., 0.; den Tag über stand er in der Ecke neben
r.8i
Gaz, ffcz, giz, goz, guz
Jem Handfass f- -D" stä» ^sitee", dri" /we^e»^ wie en
Ö., sprachlos, verstockt, regungslos da stehen, bezw.
glotzen, allg.; Syn. Klotz, Bloch, Stock. Wie en Ö.
muen-i''- stü", klagt der Bahnwärter. KMet. 18ö0. ,Er
sah die Frau mit offenem Munde mitten in der Strasse
stehen wie ein Ö.' Gotth. ,Diese Engel .stehen seit
Menschengedenken am gleichen Ort wie die Ö-en. Er
kann nicht vom Platz; wenn er nicht ein wirklicher
Ö. wird, so werden ihm doch Kopf und Beine schwer.'
ehd. ,Er sitzet da wie ein Ö.' Mey.. Hort. 1692. .Gleich
einem Ö-en, eine Zeit lang ganz stumm.' DTomann
1708. — 2. kleines Ölgefäss AAFri. — 3. Heiligen-
hild. ,Lass in gotts namen die ö-en dennen tuen',
schreibt Zwingli, der sonst immer ,Götz' setzt. ,Wie
unbeständig ist auch der grösste Reichtum? Wie bald
brechen die Dieben ein und stehlen diesen Ö-en hin-
weg?' JÜLK. — 4. Schimpfw. für einen unbeholfenen,
trägen Menschen; Einfaltspinsel, Maulaffe, Tölpel, allg.
,Stipes, ein Ö., Stocknarr.' Denzl. 1677; 1716. ,Er ist
ein rechter Ö.' Mey., Hort. Iti9'2. — Ölgötze». ,üa
zu stehen wie ein Stock und z' ö.' Gotth.
Gr. WB. erklärt: ,eiD mit Öl gesalbtes oder mit Ölfarben
angestrichenes Götzenbild', wozu noch zu vergleichen wäre:
, Gleich wie in unseren Kirchen, Kapellen und Klösteren die
Ölfarben sich an etlichen Orten sehen lassen, dass man schein-
bar den und diesen Götzen kennen und nennen mag, also
ligt in vilen Herzen vom Papsttum noch mehr, weder ins-
gemein bedacht wird." 1617, J.JBreit. Ob die RAA. unter 1
auf einer Vergleiehung mit einem Lichtstock (.Klotz' ; vgl. :
.du stast da wie ein klotz, ö., tilmann, lüchter.' Seb.Frank,
Sprww.) oder mit einem (stummen) Heiligenbild beruhen,
lässt sich nicht entscheiden. Vgl. in letzterer Hinsicht die
Schwab. RAA.: ,Da stan wie ein hölzerner Herrgott, ein
[g'Jpappeter Jesus', sowie die bildl. Anwendung von ,Ölberger'
(eig. ,am Ölbcrg schlafender Jünger', was viell. auch die eig.
Bed. unseres Ölgötz ist) auf einen schläfrigen Menschen.
Viell. wurden als Lichtstöcke Heiligen- (Götzen-) Bilder ver-
wendet, wofür kämt. ,Paule' (wohl eig. = Paulus) sprechen
wurde; doch kann auch ein , Götze' als Typus der Unbeholfen-
heit iibh. betrachtet worden sein; vgl. Liccht-, Bhch-, Spuel-G.
Feld-: auf dem Felde verehrtes Götzenbild. Ein
Wiedertäufer schalt die Heiligenbilder .Feldgötzen'
oder Feldteufel (s. d. bei Gr. WB.). 1.52.^. Strickl.
' Herr-Götzli s. Herr-Gott.
Liecht-Götz = Ölgötz 1 ZO.
Läger-. ,L-en nenn ich, die so verrüemt sind,
dass man us feren landen zue inen lauft um nach-
lassung der sünd.' Zwingli. — Lager, Lager, Feldlager.
Bloch-. .Colossica onera, gross und schwer last
und burdinen wie ein bl.' Fris. — Bhdi, Holzblock.
,Sau-G-en: grun(d)ules lares.' Denzl. 1677; 1716.
— Sauf-. ,Er hat Durst und betet den alten S. an.
wie man sagt.' Gotth. — Schwäbe"-G-li: kleines,
vergoldetes Muttergottesbild aus gebranntem Ton, dgl.
die von Einsiedeln kommenden schwäbischen Pilger
mitbrachten und (selbst in protestantischen Gegenden)
die Kinder auf der Strasse ihnen abbettelten Z. —
Spuel-: mittelst einer Schraube befestigter Pfosten,
der den Spulrahmen trägt ZO. Vgl. Öl-G. 1.
umme"-götze°: wie ein plumper, hoffärtiger
Mensch herumziehen Ndw.
Götzer i f.: 1. Bilderdienst. .Abgöttery und G.'
HBoLL. 157-2. — 2. concr. u. collect., Heiligenbilder.
,Der g'mein mann fiel in die kilchen und rumt die
g. uf.' HBiLL. 1572.
, götzisch': götzendienerisch, nennt Grob 1599
den Wallfahrtsort Einsiedeln (mit dem wundertätigen
Marienbild).
Götz 11: a. Personenn., Koseform für verschiedene
Namen, deren erster Bestandteil das W. .Gott' ist,
bes. für .Gottfried'. 1363. ÄAWett. Klosterarch. ,Gott-
frid Zubler von Lenzburg, genemmt Götz Scherer,
half euch die g-en abtuen und zum für tragen. Und
wenn er ein g-en in das für warf, tribend sy iren
schimpf und sagtend : Da treit ein g. den andern und
wirft ein g. den anderen in das für.' HBdll. 1572.
Als Familienn. erhalten Bs (schon im XIV. /XVI.); vgl.
,Götzmann'. 1303, Bs Urk.; ,Götzenhans.' XIV., L
Propsteirod. Zum gleichen Stamm gehört auch: ,Gotz-
bert.' IX-., Z Urk.
Götz III s. Gott.
er-götzen s. ergetzen.
Güz s. Küz.
GntZ I Ap; BO.; Gl; Gr; L; Sch; Th; Uw; U; W;
ZDättl., Glattf. (neben Gutsch), Gutsch II AxWohl.
(neben Guggsch); BM.;GO.,S.;Scavi; Ztw., Gutsch II
GSev. — m. — PI. Gütz, bezw. Gutsch: 1. einmaliger
Ausguss. Schwall, Strahl überfliessender oder ausge-
schütteter Flüs^siuk.'it. iiaOO.; Syn. Flutz, Platsch.
Da lit e gii»:< Cr. ir.is-rc. Es ist rtier en G. use'
cho". Welle II" ^\'lUl rlnimif :' schie.'ise, sclw gad es
im [dein] Wiliti Ins 11, Ihr il' Ann. es iriU schrie, aber
e Gilt: 'irnil rlnninl '»/ /x Mini iiml rrslickt 'm SiS
Jamiiir," Ni.w (Srlnvz,l.i. .Cut/,. S.^lilurk.- 1799, G.
Von einer in ein ÜvhWX schlagenden Sturzwelle VwSee.
Auch vom Regen Th; ZW.: Z' GützCtvls regne' ; 's ist
nif en G., der Regen wird nicht anhalten. Syn. Schutz.
Do chimnd de'' Rege-Gutz, iez nmess er halt e chline
Rutz [Weile] im Scherme [unter Dach] st" L (Schwzd.).
Prägn. = Menge, zunächst von Flüssigkeiten BO.; „L;
W." „E- G. Wi", viel W." ,Diese Kuh gibt nur noch
ein Gutzli [ein wenig] Milch'. BH. Du cha"st-mp-
noch ,is Gutzli [Kaffee] ge' GrD. Auch von trocknen
Früchten, z.B. Äpfeln BR.; Syn. Schwall. — 2. ,in
einer Grube gesammeltes Regenwasser, von dem Men-
schen und Vieh trinken W." Pfütze Ap (T.).
Verhält sich z» Ci»» wie Flutz : FIuh«. Schutz : Sclnmn .-
doch so, dass mannigfach (« für tu eingetreten ist.
Gutze f.: Lache GLNäf.; Syn. Gttnfe. - Vgl. fiutze
und bair. .Geutschen', Lache.
gutze" ThM.; Uw, gütze" AAFri.; ScnSt.; UwE.,
gutsche" Z, gutschge- GG., gütsche" Aa; Schw; Tntw.;
Z: 1. überschiessen, stossweise uberfliessen, spritzen,
von einer schwankenden Flüssigkeit Aa; Z. — 2. vom
kollernden Ton in den Eingeweiden bei flüssigem
Darminhalt Z; Syn. gautschlen; guderen. — 3. beim
Umgiessen von Flüssigkeiten, beim Tragen derselben
usw., schwappein, stossweise grössere oder kleinere
Mengen davon verschütten „Aa;" GO.; S; Th; Uw;
„Z" ; Syn. götschen. Stossweise z. B. Milch auswerfen,
von kleinen Kindern beim Erbrechen ,Gr;'' ScnSt.
Brunnenröhren gutze", wenn sie in Folge Eindringens
von Luft das Wasser nur schwallweise aus.stossen
Ndw. [Der Rossberg beim Sturz] giitscht [spritzt]
an'n Himmel Schw (Schwzd.). — Gütschete f., Über-
sturz von Flüssigkeit UwE.
„Gutzle"", Gutzlere" f.: liederliche Hausfrau,
die aus dem Hause notwendige Gegenstände verkauft
oder verschleppt BO. Syn. Qimnte. GittzU-'iVib.
jaz. gez. gn. goz, gnz
giitzle" I Ap; BRi
(jrM-BLeuk; ZMünch.:
gii-
ApK.
■hlc" Zu.,
(lutschen 7 Ap; Z. Es
gutzlet no^'' im Fässli [beim Rütteln], also ist noch
Etwas darin. — 2. = gutschen 3 Ap; BLenk; Z. —
3. „heimlich Hausrat aus dem Hause schaffen, unter
dem Preise verkaufen, verschenken, bes. von Haus-
frauen Bü."
Zu 3. Die vermittelnde Bed. wird sein: zu Etw. keine
Sorge tragen und es somit stückweise verlieren; vgl. gudJen
US-, use"-: 1. stossweise ausfliessen, spritzen ß; Z.
— 2. Flüssigkeit durch Unachtsamkeit aus einem Ge-
fäss beim Tragen in Folge stossweiser Bewegung aus-
fliessen lassen Ap; B; Z. — ver-: 1. = «.s-f/. 3. —
2. = gutzlen 3 BO.
Gutschli M utsclili : Mischmasch, in der RA.:
G.-M. mache" ZBenk.
Gntz II m.: Emporschnellen hu Sprung. Nimm
e G., schnell dich empor! BSi.; Syn. Gump, Gupf,
CGe-J Hutz.
Viell. übertr. von der Bewegung des emporspritzenden
Wassers (s. Gutz I); vgl. aber auch das Syn. (Ge-)Hiitz:
s. noch die Ann), zu Guttch III.
gütze": emporschnellen UwE.
Gntzel m.: Bettel. ,Die armen pfarren habend
müessen den g. us armuet anheben.- Zwingli. ,Mit
dem bettel oder g.' Väd. , [Durch die Abschaffung der
Zehenden] sind die pfarrer zue mangel gericht, ja zue
g. getrungen.' HBn,L. 1572. S. noch Gil Sp. 212.
güze". „ganze"": nach Etw. eifrig werben Gl.
I''' g. nüd dernä''; es liegt mir an dessen Besitz oder
Genuss nicht viel. Bes. aber: Ämter erschleichen,
eifrig, mit unerlaubten Mitteln solche zu erwerben
suchen, indem die Stimmen der Bürger auf den Tag
der Landsgemeinde hin durch Weinspenden. Geld.
Versprechungen usw. gekauft werden; ein Missbrauch,
gegen den man schon seit dem XVI. ankämpfte, s.
Blumer, RG. 1, 2, 113 ff. Er tuet Ja um das Pösteli
[Ämtchen] g. ,Uas onverschamte practiciercn, g. und
trölen.' 1627, Gl. S. noch Güz-, Practizier-Eid (ßd I
03), Guz-Schuld; Land- Schlitten.
Entspräche einer ahd. Form 'ijuwezen (vgl. Gau, Güir).
mit offnem Munde nach Etw. blicken, verlangen; der Ausfall
des >€ hätte Ersatzdehnung bewirkt. Das W. war viell. St.
nur literarisch bekannt (daher -an-).
„ver-: [sein Vermögen] durch Amterkauf ver-
brauchen Gl."
Güz er m.: 1. Stellenjäger, Ämtererschleicher;
Syn. Ämtli-Fresser, -Jäger. - - 2. Bettler. Bei Ansh.
neben den .Landstrychern' unter anderm fahrenden
Gesindel aufgeführt.
gutzle" II: 1. dringend, unausgesetzt bitten, mit
Schmeicheleien Einem anliegen. Überredungskünste
anwenden, um seinen Wunsch bei ihm durchzusetzen
Aa; BBrisl., Lauf. ; S; Uw; Syn. guslen, gresten, müe-
den, nöten, an-hän, -halten. An Ei"'m g. „Unver-
schämt schmarotzen, betteln B; Uw; Z." ,Dass sy
also die wittwen mit g. betortend [betijrten].' Zwingli.
,Wer wollt g. für dienen hanV UEckst. Das .Gützlen'
des Nachrichters von Lauis wird abgeschlagen. 1545,
Aesch. .Competitores plures obeunt, so vil etwann ein
erenamt begerend, gond sy von eim zum anderen
darum ze g. oder ze warben. Lacessere alqm, mit
bitten und g. einen unrüewig machen und überlegen
sein.' Fris.; JIal. .Ich überkam vil gelt, dann ich
hatt das g. und bettlen wol gewont, dann darzue
hatten mich die Bacchanten angents brucht.' ThPlatt.
1572. .Den rechten armen mit unverschämtem g. das
iren ablaufen.' SHochh. .Wann ein gläubige Oberkeit,
ohne des Beruften ungebührlich Nachwerben, Practi-
ciercn, Anstellen. G., Geschenk und Gunst, diesen
Menschen erwehlt.' 1616, JJBreit. Abschaffung ,des
unverschämten Geläufs, G-s und Bettlens um Wein
und Gelt für die Häuser derjenigen, so zu Ehren-
ständen befürderet werden.' XVII./XVIIl., Z Ratserk.
u. Mand.; s. gllen (Sp. 212). ,Das Nachlaufen, G. und
Bettlen junger Lüten in's Brütigams oder der Brut
Hus.' Z Mand. 1650. ,[Es ist der] Frau auf ihr immer-
währendes G. und Klagen, sie könne ihre 2 jungen
Kinder nicht erhalten, zugeben worden, zu 4 Wuchen
um 20 ß.' 1676, ZZoll. Pfarrprot. ,ln culmo arare,
stets bei den Freunden g.' Denzl. 1677; 1716. ,Die
das Versprochene nicht liefern können und daher uns
mit G. und Anhalten um Nachlass höchst beschwerlich
fallen.' 1717, Z Ges. ,Das schändliche Nachlaufen,
Gützeln [,Gu-.' 1779] und Bettlen der Kinder bei den
Durchreisenden' verboten. 1778, ebd. .Beim Abschied
gutzelte [der Fuhrmann] um eine Vermehrung des
Trankgeldes.' JTobl. 1790.
Viell. Intensiv-Bildung zu t/üzen, wobei der Voc. kurz
geworden wäre; vgl. auch die Synn. jueiwen, guenzlen, gutzlen.
Doch Hesse sich auch an mhd. guckzen, gierig blicken (vgl.
gueiKn), denken.
ab-: (Etw. von Jmd) durch Bitten, Schmeicheleien.
Überredung zu erhalten suchen, abbetteln, ablisten;
ablocken Aa; Bs (Spreng); B; S; Uw; U; „Z". ,Dass
Christus durch [unter] hüser essen a. verstat.' Zwingli.
,A., elicere, expalpare.' Mal.; Denzl. , Durch häufige
Worte die Erhörung Gott a.' JJUlr. 1727. — über-:
durch Betteln beschwerlich fallen. ,Da hat man sorg,
dass man zimlich ze leben hab, one beschwgrd oder
ü. des nächsten.' Zwingli. — er-: „durch Betteln oder
Schmeicheln erlangen B; Uw; Z." ,Ich weiss gar wol.
was die andächtigen münchspredicanten ergützlet ha-
bend.' Zwingli. .Sölichs tatend sy [die Irrlehrer],
dass sy sich mit nüwer 1er kostlich machtind und
damit narung ergutzletind.' ebd. ,Die zeh enden, so an
die klöster ergützlet wärind, wäre man nit schuldig.'
1526, Egli, Act. ,Der Grossen Gunst und Gewogen-
heit e.' JJUlr. 1731. S. noch erguslen Sp. 475.
Gut zier m. : Schmeichler, Schmarotzer. aaOO.
,Ein ungestüemer G. (Heuscher) ist verhasst und er-
langet Nichts.' Spleiss 1667. .Aetolus, ein unver-
schämter G. oder Bettler.' Denzl. 1677; 1716. S. noch
Giler Sp. 213.
Gutzli" n. : Schmeichelkätzchen (von einem
Kinde) UwE.
Gützlin n.: Bettelbissen, kleines Stück Brot.
Gaunerspr., bei Edlib. u. Gengenb. (,Gitzlin').
Gatzer m.: Gipfel der Tanne FMu.
Viell. eine Abi. von 'yvtzcn (aus 'gvggezen): vgl. Guggi,
Gipfel, Anhöhe; doch s. auch Gitui:.
gützelen s. /,-.
Gütze" m.: aus Kautschuk gefertigte Ausgussröhre
an einem Saugfläschchen für Kinder B (It Schwz.
ßauernkal. 1883). - Vgl. Gutz nnd die Anm. zu dem Syn.
gnz. (Jazg— guzg. Gha-orhn. «ila -o;ln. Glab— gliilj
Gützer ni.: Wetterglas, Barometer Bs.
Güzi s. Gütschi I.
„Giizli n.: Sehwein Sch." -- Walirsch. Dim. zu •(;,<
vgl. guf! Sp. 472.
gnezle": sehmarotzen F; Abi. Gitezhr.
Viell. entstellt aus gutzhn, mit .4ulehniing an Gnetali (s.
tjueteli): vgl. gnethu ; oder dann verdorben ans fiutnzh'ii.
gatzge": 1. gackern, wie die Henne GRChur, He.,
uVatz; GO., Eh.. Sa., T. .('acalismus gallinarum, das
G. der Hennen.' Denzl. 1716. — 2. stammeln, stottern;
„eilig und unverständlich oder verworren, doch vor-
nehmlich (im Unterschied von gaggen] hell, laut, mit
besonderer Schnelligkeit, jedoch eigentümlich stotternd
schwatzen, zunächst von Weibern Ar^. ,Balbutire,
stammlen, g.' Denzl. 1677; 1716. , Was er nicht mehr
aus Forcht und Schrecken reden kann, das will er
doch hier noch herausgagzgen.' Goliath 1741.
Aus dem bei gaj:en genannten 'gay>/eze>t entwickelte sich
f/ulzgen durch ümstellang ähnl. wie blitigen aus blickezen; Tgl.
aber noch die Anni. zu Gehen.
.Gatzger, balbus, Stammler.- Denzl. 1677; 1716.
,Stüde°-: geschwätzige Grasmücke, sylvia (mota-
cilla) curruca (garrula) Gl; GRMaienf."; Syn. St.-
Brudler. — Vgl. das frz. /nuvette h„Ulh,rfh:
gauzgen s. gautschen III.
Geizgen s. Geizen.
Bum-geizgi s. Ameise Bd I 216.
gitzge" : ein Fangspiel machen, wobei die Kinder
kreuzweise laufen GWe. — Viell. nach der .jungen Ziege
(ij'it:ii mit ilu-en tollen Qnersprüngen benannt.
Gha — ^hii.
ghei s. dehein, kein.
glii khi: scharf abgestossene, oft mit einem eigen-
tümlichen Zungenlaute begleitete Bejahungspartikel,
i. S. v.: Ja! so ist's! recht so! W.
Entspricht den in BHa. üblichen Beteurungsformeln: (/.'
ti! od. toi! toi! auch dit, duit u. ä., welihe hinwieder waadtl.
/v;, /'/. Diu, GH, Ghiu = frz. Di'ii entsprechen.
Gl-.
S. .auch unter /-- (mit Prät. ./.-! und unter KI-.
Gla-glu.
Glei m.: Schrei GO., Rh. - Vom folg. Vb.
gleie", gleje': gellend schreien vor Schmerz,
Angst, Kitzel, Schreck GO., Rh. Syn. gellen, günsen.
Auch: laut weinen GSa. f; Syn. schrien, brieggen.
Vom Grunzen oder Schreien hungernder Schweine
GRh. — Mhd. glien, schreien.
Gleiele» Gte;/- GSa.\. We., Galei(e)li „GK'';GRh.,
Galajele, |- Gr — f., doch vorzugsw. in dim. Form:
Maiblümchen, -glöckchen, conv. maj. Syn. Maie-Hlsli.
- Gleie", bezw, Gleje f.: blaue Gartenlilie BHa.
Aus mhd. gleie, j/fo£e f., mfrz. u. n\V patois glm(e). frz.
ghiieul, lat. gladiolua, Schwertlilie und andere lilienähnliche
Pflanzen. Vgl. ,Geleien, die man sieht ze meien', mhd. ~
Vocaleinschub zw. g und l nicht selten.
gli s. glich.
Glab-glub.
(ilaube, resp. Globe, selten Glaub, PI. Glaube':
1. Glaube an Menschen, a) subj. = Glaube an Aus-
sagen .Anderer oder an selbstgefasste Vorstellungen.
Das sind (eso) alti Glaube", abergläubische Über-
lieferungen Z. Er het de' GL, glaubt daran Aa. Er
häd-em de' GL, Zutrauen zu einer Person od. Sache.
I''' han-em de" Gl. verlöre" Z. I'>- ha' h, [kein] Glöbeli
dra", nicht den gprin(r<itpn Gl. GTa. Dem hän-i ken Gl.
Z. RAA.: Drill Cl », -'',//(". (als Wahrsager) den leicht-
gläubigen Leiii.n iiarl.^.li,.,) Z. Dc GL macht selig,
angewandt auf I..;irlityl;iiibigkeit. Me» muess im de'
Gl-n i" d' Hand ge", er ist en ungläubige'' Thomas ScnSt.
(Wortspiel mit Bed. 2). Z' Glaub säge", (Einem Etwas)
glauben machen, weis machen wollen Ap; BHk., R.;
Ndw. Die G'lerten icein Eim z' Gloub sägen, d' Weld
[Erde] gangi z'ringetum BR. GL geben =G\. schenken,
s. Sp. 73. — b) obj. = Glaubwürdigkeit, Zuverlässig-
keit, Ehrlichkeit, Wahrhaftigkeit, Treue von Personen
im Verkehr mit andern, hz.bonnefoi, \a,t.fides, Kredit,
Ansehen. Ehre. Wo-me' de" GL glö (verlöre) het, do
muess-men-e wider sueche" L; Z. ,Uf solichs hab der
herzog mit synen listen understanden, solichs gelüpt
und gl. mit dispensieren des bobstes abzetuend.' 1476,
Bs Chron. .[Hülfeleistung gegen Frankreich] gepüre
im nit, angesehen synen gl., domit er dem küng von
Fr. in friden gewant sy.' ebd. ,Also haltent die Fran-
zosen den friden und iren eid ; inen ist ouch fast ge-
mein gl. brechen und dorzue lachen.' 1479, ßs Chron.
,Das einig laster nimmt in™ allen gl. vor den menschen.'
ZwiNGLi. ,Den gl., den wir dem nächsten haltend.'
ebd. ,Ein jeder aber, der nit gl. leistet, der hat nit
billichs vor im [nichts Gutes im Sinn].' Vad., als
Übers, von: Omnis i|ui mentitur, inique facit. ,Die
statt kora von (.nsdits yl-s und haltends wijgen [w.
Treubruch, Vi-nut..-rri | nni or und guet.' ebd. ,Aber
die [Geschichtsbücher] der Kriechen [sind] um muet-
williger dichtung willen niena den gemelten an glowen
und warheit zuc verglychen.' Ansu. ,Es ist nit lycht
gl. brechen, ob schon der bab.st, so das gebüt, den
folgenden schaden abtrüege.' ebd. ,Mit gebürlichem
lob, dass ein statt Bern ihre pünd und gl. von keines
glucks wegen nie verändert habe.' ebd. ,Wie sieh's
dann g'wonlich begibt, dass sich die alten, stenden
oder abgonden, geschlecht ires alten, gueten harkom-
mens und bekommner eren und glowens vertrösten.'
ebd. — 2. Gl. an Göttliches, religiöses Bekenntniss,
zuweilen dann übertr. i. S. v. 1. Im engern S. das
apostolische Glaubensbekenntniss B; Ndw; Z. 's Unser-
rater, de' Gl. und die h. 10 Gibot soll en iederi recht
Mueter iri Chind lere' Z. ,Hör zue, wie es im gl.
stand: Er ist uf gen himmel g'faren.' UEckst. ,Der
9. u. 10. Erdbidem wurden mit einem starken Putsch
und Zitteren gespürt; zwischen disen beiden möchte
man die 10 Gebot und den Gl. erzählen.' .T.lSciiErcHz.
1706. Wohl mit Beziehung auf das ausführliche.
587
Glab, glaub, gleb. glib. glob. glub
588
manche Wiederholungen enthaltende nicäanische Glau-
bensbekenntniss wird ein Gespräch, wobei man das
Gesagte immer wieder wörtlich wiederholt, der' lang
Gl. genannt L. Scherzh.; ,der hölzerne GL' = Zucht-
rute? ,Die saumseligen [Soldaten im Wachtdienst]
sollen mit dem hölzernen Gl. oder mit dem Eisen ge-
straft werden.' B Mand. 1708. De' bringt ke [keinen]
neue" Gl. üf. von Einem, der durch sein persönliches
Ansehen neuen Brauch einführen zu können meint
und versucht, aber es nicht vermag. Ineicuen. Wie
sollen Diejenigen [bei gegenseitiger Unverträglichkeit]
leben, wo ,siben glöuben in einer stadt sind?' 1531,
L Staatsarch. ,Wir wüssend das by gl. nit', so wahr
wir [an Gott] glauben, so lieb uns unser Gl. und
Seelenheil ist, wahrlich. SBirk 1535. ,Der Mensch
niuss nach dem Befelch Gottes des Glaubens under-
richt werden.' Gülden Bund 1585/1658. Wortspielend:
Wer nid glaube' will, muess (cha'") 's Vaterun.ser bete',
bis er zum Gl. chunnt ScaSt.
Die Form Glaub erklärt sich als Verk. des Nom. der
schwachen Masc, wie Äs/ neben Hü/e' [Haufe], während die
Form auf -e" die End. der Gas. obl. auch in den Nom. ver-
setzt zeigt. Sonst findet jene Verk. nur bei pers. Begriffen
Statt, z. B. Beck, Schenk, nhd. .Fürst, Graf, Herr. Mensch,
Narr' usw.
Aber-, VI. -Glaube' : im concr. S. = einzelne aber-
gläubische Vorstellungen Z. — Un-: 1. wie im heu-
tigen Nhd. — 2. Treulosigkeit, Wortbruch, mauraise
foi; s. Glaube 1 b. ,üiewyl aber in irer not wider
herzogen Carlin der kung von Frankrych sich zue
inen verbunden hat, könnten si nun mit keinen eren
ire brief länger anstellen und den küng mit undank
und u. uf sich laden.' Ansh.
Reiben- wird 15.53, G Stiftsarch. der Gl. der
Wiedertäufer genannt; vg\. Schelmen-Gl. — Krifi, Aas,
dann grobes Schinipfw.
Koler-: Köhlergl., d. h. unbedingter Gl. des ge-
meinen Mannes, z. B. eines Köhlers, an die Lehre der
Kirche; über die urspr. Bed. s. Gr. WB. V 1591. ,Ihr
Kolerglaub, welcher sich einfaltig auf das, was die
römisch Kirch annimmt, stützt.' JHHott. ,Ein baum-
starkes Kohler-Ghlublein- wird ironisch der jesuitische
Glauben genannt. Goliath 1741. — Miss-: irriger Gl.
(je nach dem Parteistandpunkt der katholische oder
der protestantische). ,Der missgloub der eltren mag
den kinderen nit schaden.' Zwingli. ,Dass du werdest
underricht im waren glauben; den wett er [der Teufel]
gern üch rauben ; d' sünd, missglaub üch stellen für.'
RuEF 1538. ,Von Berneren, deren M-en sye ange-
nommen.' RCys.
Schelmen-: vom reformierten. X. von Uw hat
zu N.i von B .g'redt, ob er euch aus dem sch-n
wäre.' 1531, AbSCH. — Mhd. iichclm(c). Seuche, Aas; vgl.
Ke!ben-Gl.
glaube": 1. für wahr halten, wie nhd. F'' glob 's
gern G. [Ich] glaub 's u-ol, natürlich, versteht sich Z.
Das glaub i'*.' ebd. Auch bei HPest. 1785, S. 230.
Ja. will 's globe ApK. Jo, wirst globe! du darfst mir
gl. G. Der tanzet, nie' wird 's gl., bis in alli [tiefe]
Nacht i-e [hinein]. Feurer. I"'' han d'r g'wilss wärli
nid weh tun welln, uiirstgl.! GpPr. (Schwzd.). Glaub
[ich] eingeschaltet: Er hat dir, glaub, vil z' tue' g'ge"
U; Z. JSttes gl. wie Zucker, leichtgläubig sein Gr; Z.
Mit der RA.: Jo, Jo, wer 's globt, moant [meint], ns
sei qso, wird eine zweifelhafte, ungeheuerliche Be-
hauptung abgefertigt GRh. Wer Hecht glaubt, wird
Hecht bitroge'. Aber auch: Wenn d's näd gern globst,
so lass si', ns kunnt nn Andara und globt's, und dann
hast Nünt GRh. De'' lügt, dass er 's selber glaubt
[masslos] ZO. Das Obj. mit ,in' statt ,an': ,Die da
gloubend in syn namen.' Aal 1549. Pers. Obj. im
.\cc., daher pass.: ,Damit er [Gott] 'gloubt werd, nit
veracht[et].' Ruef 1550. Z' gl. ge', glauben machen.
Aber dass er en Prophet sei, git mir Niemer z' globid
GSa. (Proph. 1855). Ihr wurd-na [würdet ihnen] z' gl.
ge, der See teure höcher a's das Münster z' Zürich.
GöLDi 1712. Eim Öppis z' gl. mache; weis machen
wollen Ap; Bs; Syn. z' Glaub säge' s. Glaube. Dra
gl. mache', überzeugen ü. Dra' gl. müesse', etwas
Schweres (z. B. ein Opfer) auf sich nehmen, über sich
ergehen lassen, sich in eine Notlage, ein hartes Schick-
sal ergeben, herhalten müssen B; UwE.; Z. ,Frau
N. hasste die Wahlpanduren, denn sie liebten das
Schmarotzen. Sie musste dann an ein Tischtuch gl.
[es opfern, sich dazu verstehen, es hervorzunehmen],
musste Dies oder Jenes ihrer Hausmannskost bei-
fügen.' GoTTH. Zuweilen als Drohung: De'' mues-tn^r
scho' no"'' dra" gl. Z. Auch geradezu: zu Grunde
gehen, sterben m. Bs; L; GA.; S; UwE.; U; Z.
Scherzh. auch von Tieren, die geschlachtet, von Sa-
chen, z. B. einer Schüssel. Flasche, die verbraucht
werden, von einem Spielzeug, das zu Grunde gerichtet
wird L; Z. Dra gl. mache", tüdten U. Viell. hieher
auch: Der Sehne glaubt's, er muss schwinden Ap. —
•2. bekennen, gestehen, einen Fehler B (selten). De''
Barsch het e Schibe ichegschlage; mit dem aber no'''
nit g'nue, glaubsch du, i"'' bring e Ton tis dem Lüs-
bueb use? . . . Da cheut d'r es Bispil ne, tcie 's geit,
we"° Wie" Schibe zerheit und de" ni'it glaube tvill BM.
's heig Benzes Ur g'stole, tceder über e Tüfel us nüt
welle gl., du heige si 's fürt g'jagt. MWalden 1879.
.Man muss Alles leugnen, bis Etwas gsetzmässig be-
wiesen ist. . . Es sei Einer ein dummer Hund, wenn
Einer glaube, was man ihm nicht beweisen könne;
es sei schon Mancher unglücklich geworden, weil er
so leicht geglaubt, was man ihm angemutet. Und
z' beweisen habe heutzutage eine Nase und wegem
blossen Glauben könne man Niemand mehr strafen. . .
Ich glaube Nichts, bis du es rechtmässig bewiesen
hast, dass ich die Briefe geschrieben, du kannst der
Lügner sein. . . Als Eisi hörte, wie P. geplaudert, ge-
glaubt, eingestanden. . . Ich glaube Nichts und beweise
man mir Etwas!.. Hättisch g'leugnet, warum hast's
geglaubt!' Gotth.
Mhd. getovhen mit der Nbf. gleuhen, aus urspr. galoubjan,
daher noch mit Uml.: .glauben.' Discurse 1721. Die KA.
,dran glauben m.' beruht auf der Wahrnehmung , dass der
Mensch vor drohender Widerwärtigkeit gerne die Augen ver-
schliesst, bis die Wucht der Tatsachen ihn nötigt, die Wirk-
lichkeit anzuerkennen. Betr. die Unbestimmtheit der Be-
ziehung des ,daran' s. ähnliche RAA. Bd I 258 ff. Bei dem
Ap: der Sehne glaubl's, kann man ergänzen: dass seine Zelt
vorüber ist. In der Stelle: ,[ Verschwender] sparen nichts
hinder sich; haben sy wenig, so sprechen sy: Was sollt
mich das nützen? und gl. irem guot nit.' SHochh. 1591;
dafür: ,und sind mit ihrem Gut nicht vernUgt.' 1693, ist
der Sinn wohl: sie wollen nicht daran gl., dass ihr geringes
Gut doch Wert habe'i' — Bed. 2 beruht auf der innorn Vwdt-
schaft zw. Überzeugung und Zeugniss geben, festem Glauben
580
Glab— glub. Glach — glueh
590
er-: .sich Etwas gauz vorstellen", glaubend er-
fassen. Meist in der neg. Verbindung: Öppis schier
nüd chönne' e. Aa; Z. Ir chönnd 's nüd e., ^vas i"*
üsg'stande' ha". I'* ha gwüss 'zitteret, du chast der 's
nüd e. Wolf, Bauerngespr. — Betr. die verstärkende
Bed. von «•- s. Bd I 402.
be-: = glauben i. S. v. eine Ansicht, Meinung
haben. Der Bote ,beglaubt', man sollte die Türme
abbrechen. 1541, Absch. .Wenn die Vögte von Eglisau
und Teufen b.. dass die Schitl'leute ihnen im Nasen-
laich die Fische stören, mögen sie ihnen entbieten,
14 Tage stillzustehen.- 1545, ebd. I"' bi" iin [dessen]
beghiubt, bin der Meinung. GrLuz. .[Es] gesehihet
zu dem Ende, weil [ich] beglaubt bin, Sie haben . . .'
JCNag. 17.38. - Beglaubigung. I" der B. sl" =
beglaubt si" Z.
glaub-bar: glaubwürdig. .Deren zytbiecher, kro-
nik oder historien uns uf disen tag die glowbaristen
sind in aller weit.' Ansh. — glaub-haftig: 1. gläubig.
Ein Stück Eebland wird an den Altar des Fraumün-
sters geschenkt: ,X. N. sei. sei, ir [der Schenkerin]
sei und allen gelobhaftigcn seien ze trost' 1387, Z
Staatsarch. — 2. glaubwürdig. ,Es ist einer kommen
von Cöln, ein glouphaftiger mann, seit also [usw.].'
1474, Bs Chron. — glaubli'^'', gläubli"": wahrsch.
ScHW; eil.: Gläupli! (ich finde es) glaublich, glaube
es G. Glaubwürdig: ,[Es] ist uns gelouplich und war-
lich geschrift zuekommen.- 147ö, Bs Chron. Es soll
der Gesandte sich bei N. erkundigen, ob ihm dies-
tallige Briefe bekannt seien, damit man bei einem
anfälligen Rechtsstreit .glouplichen schyn' darlegen
kann [überzeugende Beweismittel an der Hand hat].
1.547, Absch. Adv. glaubliche": auf glaubliche Weise
UwE. ,So langet an uns [kommt uns Kunde] gloub-
lichen, dass...- 15'29. Absch. — un-: 1. unglaublich.
Es ist u.! Ausruf des Erstaunens Z. 's ist ungläupli''' .
wie eil die Nacht g'sehade' hat Z. .Unglaubliche
Freud.' JJ Breit. 1039. — 2. ungläubig. Eees ist
b'sungerbar en u-che Mansch. MWalden 1884.
glaub-sam: glaubwürdig. ,Der soll sich ent-
slahen [rechtfertigen] an den Heiligen mit siben ge-
loubsamen mannen.' 1252, Gfrd. ,Mag er [der Be-
schimpfte] die wort und den urhab kuntlich machen
mit dryen glaubsamen mannen.' 1539, BThun Stadts.
,0b aber einer den eid geton hatte und jemand den-
selben des eids entsetzen wollte, das soll alsdann mit
siben gloubsamen mannen beschechen.' 1545, Absch.
,0b ein frömder käme, soll er gloubsamen schyn er-
zeigen [beweiskräftiges Zeugniss vorlegen], dass die
unsern under syner HH. oberkeit glycher g'stalt ge-
halten wurden.- 1560, Zg Stadt- u. Amtb. Als Adv.:
Mit der Verantwortung, welche N. N. vor allen 3 Orten
gehalten hat, will man sich begnügen ,und im das
gloubsam vergeben [in aller Form versichern], dass
man im wol vertruwe.' 1547, .^bsoh. — Glaubsanii f.:
Glaubwürdigkeit, Beglaubigung, Bestätigung. ,Zue
warer gloubsami und warheit [wird gesiegelt].- 1513.
Gfrd. ,Des zuo Glaubsamnii.' 1590, LE. ,Glaubsamy
zu Stans zu tuende', den gesetzlich auferlegten Ver-
sprechungseid leisten, c. 1545, Ndw aLB.
gläubig: 1. wie nhd. 's chömme' no ziceu so
Hudelibudi hindefiire" und luege" gl. de frömd Her
«", wo Guezeli tuet usteile" [mit der Zuversicht, dass
sie auch Etw. bekommen] Bs (Breitenst.). — 2. glaub-
würdig, zuverlässig. ,Da warent zegegen N. >'. und
ander gloubige lüte.' 1303, Z Staatsarch. ,Im ward
zue lob nachgeredt, dass er gastfrei und gl. an allen
den gewesen wäre, denen er gelt oder guet ze geben
zuegesagt hette.' Vad. — alt-: dem alten Glauben
zugetan, katholisch. .Gestern sind zwen messerzuckig
über einandern worden, wie man 's nennt, ein nüw-
und ein a-er.' 1530, Absch. (S). — un-: 1. wie nhd.
.Bacchus, die u-en [Heiden] nennend in einen Gott
des weins.' Fris. — 2. unglaublich. .Sie bekennen mit
u-em Eifer die Warheit.' AKungl. 1688. — licht-,
Hecht-: 1. leichtgläubig, allg. — 2. Subst. = Pietist.
Aa Schulm. 1887. — miss-: 1. abergläubisch. ,Von
wegen des m-en menschen.' Zwingli. — 2. irrgläubig.
,Also dass die von Uw die von B weder ketzer, nüw-
oder miss-gl. scheltend noch derglychen schmützworten
wider sy usgiessend.' 1529, Absch.; ebso 1531, Strickl.,
Act. — nü"-: 1. so werden von katholischer Seite
die Reformierten seit der Reformation z. T. bis heute
genannt; vgl. die Absch. und s. Sohwzd. 29, S. 86. —
2. irgend einen neuen Glauben aufbringend. ,Also gat
es euch den gsandten Gottes, man nennt sy nüwgl.,
ketzer, abgeschnittne glider, rebellen, kelchdieb.' LLav.
1584. — 3. Subst. Sektierer, Separatist, bes. Böhmist,
wie sie am Ende des XVIII. und Anfang des XIX. bes.
im ZO. blühten; s. Z Gem. U 375/8. — ,ring-: leicht-
gläubig."
Schuld-Gläubig(er) : Crcditor Ndw. .Damit
der Schuld-Gläubig nit verkürzt werd.- 1753. Ap LB.
Glach— gluch.
Gleich n. Aa: Bs; BE., M.; VOrte; Gl; GrD.; G;
S; Z, Gleuch BSi. (auch „Gläh"). GldchftJ Ap (in ApK.
Glächt) — PI. Gleich (in Ap Glächter I): 1. Glied,
Gelenk am tierischen und menschlichen Körper (bes.
an Fingern und Zehen). Dem N. ist es Gl. g'sprunge"
[gebrochen] Z. Er hat 's in Gl-e", leidet an Rlieu-
matismen Z. üfe"- Gl. tceder en Pflegel (ijs Gl. z' wenig
ZO.) hä", rüstig, beweglich, gewandt, regsam sein.
Ke" Gl. ha", langsam sein. Chüm es (ke'sj Gl. (nie'')
oerrode" {iveigge" Schw, mache' B, tue" Aa) chönne",
sich vor Schwäche, Müdigkeit, Benommenheit kaum
(nicht) rühren können. Kei" Gl. rüere', untätig sein
Bs. 's Gl. mache", ein Glied biegen BE. Do chunnt de
Herr au"'' wider Miiet und es Gl. über, zieht d' Pistole
füre" usw. BWtss 1863. ,Das Kind konnte kein Gl.
machen [kein Glied bewegen].' Gotth. .Er sei da so
wie ein Gstabi [steifer Mensch] und mache kein Gl.'
ebd. Sövli [so] schön Herre, sagte es. hätte es sir Lebtig
no nie g'seh", die giengen so graduf, d'r Tüfel chönnt
se nit chrümme'; es glaub, mi [man] chönnt-s^ äme-ne
Bei" grad use" ha, es miech [würde machen] kenne
kes Gl. ebd. Gl. ha", sich beeilen ; häb e [auch] Gl. .'
GT. Ei"'m Gl. mache", zur Eile anspornen Bs; Z.
Syn. Bein m. Bildl. RAA.: Scho" trider es GL g'lä!
sagt man, wenn man wieder um ein Jahr älter und
schwächer geworden ZWl. Die Sach hat ml [mehr]
a's ei" GL! ist schwer zu ordnen, bewältigen Gl.
's recht GL errate", den rechten Fleck trett'en. ebd.
Es Gl. hä", dienstfertig, verträglich, gefügig, will-
fährig, billig, nachsichtig sein, sich zu benehmen, vor-
und nachzugeben wissen L. Hand öppe-n-es Gl. [lasst
501
ilach. glech, gleich. g\\
;!ucl,. gh,
euch bewegen] I Häfl. !•'' will der au,''' Oppe" es Gl.
tue' (ha'), eine Nachsicht, Gefälligkeit erweisen. ,Ich
habe gesehen, dass Eins nachgeben, sich ändern muss,
und da ist die Reihe dazu an mich gekommen. Nit
dass Joggeli nicht auch ein 61. gemacht, er hat sich
auch in Manchem gebessert.- Gotth. Er het es Gl.
g'macht [nachgegeben]. BWtss 1863. So muess ig
ere-n-us Dank doch an''' es Gl. tue [dankbar sein,
mich erkenntlich zeigen]. Schild 1885. Spec: (Wein
ins Glas) einschenken. Se, häb emöl es Gl! Lue^,
der hat es Gl.! L. Kei' Gl. tue", unbeugsam sein,
sich zu keinem Vergleich herbeilassen Aa; BE. K. Gl.
rüere", undienstfertig sein B; ekeis Gl. hä', hart, un-
nachgiebig, unnachsichtig sein L; Ndw; U. ,Diu ge-
leiche des fingeris.' XL, G Hdschr. ,[Das Haupt] von
welchem der ganz lyb durch die gleich und zemmen-
knüpfen ernert oder zuegedienet und ufenthalten
wachst' ZwiNGLi. .Die gleich synes lybs hangend
styf an einander.' 1531/60, Z Bib.; dafür: .Gelenke.'
1667. ,Die zechen sind zu underst gar voll gleich-
linen.' Vogelb. 1557. ,Dass er [der Bär] wie der mensch
seine g'lenk und gleichwirbel hindersich lenket.' Tierb.
1563. ,Dises tier [das Elenn] habe kein gl. an den
beinen oder schenklen oder löufen.' ebd. ,Eeponere
OS, widerumb einrichten oder ins gl. ziehen, wenn es
verrenkt ist. Articulamentnm, gl. an glidercn der
menschen.' Fris.; Mal. ,Die Glider in den Gl-en ab-
geschnitten. Etliche Gl. von den Fiesseu.' RCvs.
,Wort, die dem Menschen durchtringend alle Gl.' 1615,
JJBreit. .Gelenk, Glenk, Gl., articulus.' Red. 1662.
.Vertebra, Wirtel eines G(e)leichs.' Dekzl. 1677; 1716.
In ä. Zeit wurden die Gl. der Finger auch als Masse
gebraucht : ,Ist, dass syn wund fridbrech wäre in der
tiifi, als an dem längsten flnger das vorderost geleich
lang ist' 1385, ScnSt. (Vetter). ,Ein wundat soll heissen
[ein] stich geleiches tiefe und tiefer.' 1449, BsRq. ,[Es]
soll der spitz nit lenger syn dann zweier gl. lang.'
1466, GGebh. Offn. ,Ein Messer, das usgat [aus der
Scheide vorragt] eines Fingers oder Gl-s lang.' 1607, U.
Daher noch jetzt i. S. v. ,Grad': Na [noch] um es Gl.
schöner ZWäd. — 2. Stengel-, Astglied an Pflanzen,
Knoten an Halmen u. Rohren Bs; „B; Gr; L; Zg;' Z,
Keimauge des Erdapfels LG. ,Ein krut mit gl-en wie
das körn.' KdGessn. 1542. .Articuli sarmentorum, knöpf
oder gl.' Fris. ,Dem Schoss, das man [zum Pfropfen]
nemmen will, muss man nicht mehr dann ein Gl.
lassen.' Rhagor. 1633. ,Man nehme die Schosse beim
Gl. oder Äuglein.' ebd. ,Geniculare, GL bekommen, in
Halm schiessen.' Denzl. 1716. — 3. Glied, Ring einer
Kette Aa; Ap; Bs; VOrte; Z; auch: Chette(nc'J-Gl.
,2 Geleiche an eine Pflugkette.' Bühl 1795. — 4. Ge-
lenkfuge, Scharnier. ,Dcm maier von geleichen und
fänlin ze malen (ferwen).' 1512/21, B Taschenb. [wahr-
scheinlich Scharniere an Waffenstücken]. ,Ein eiserner
Rigel, so in seinem GL gehet' Kriegsb. 1644. —
5. Fuge in einem Bruchstein Ap; ZO. ,Ein in seine
Gl-e abgeteilter Stein.' JJScheüchz. 1706; dafür: .Ge-
lenke.' 1746. S. das. die Abbildung.
Mhd. ydeich n., Gelenk, Glied, Fuge. Dass das Präf. schon
früh durch Ausstossiing seines Voc. mit dem Stamm ver-
wuchs, ergibt sich daraus, dass in unserer Form GInch das y
die selbe Aussprache (als reine media) hat, wie das von Glaube,
t/lich, Glid U.A., während das dem nhd. .Gelenk" entsprechende
G'gknk mit i- anlauten mUsst«. An Entstehung von GUsich
aus (dem allerdings gleichbcd.) ,fielenk- ist auch darum nicht
za denken, weil die dazu nötige Vocalisieiuug dus Xas. nur iu
einem kleinen Teil des Verbreitungsgebietes von Gleich vor-
kommt Nächst vwdt wird leich, Spiel, Tanz, sein (dessen
urspr. Bed. wohl ,freie, leichte Bewegung' war) und mit an-
derer Ablautstufe lieh, Leib, dessen bewegliche Teile ja eben
Gleich heissen. Vgl. noch widleieh. — eu (BSi.) aus ei, wie
anderswo nicht selten vor Spiranten: ä in Ap: BSi. regel-
mässige Vertretung von ei; -( angehängt wie in Facht, Geficht.
In Gläh BSi. scheint h ein fast verflüchtigtes ch zu bezeichnen.
,Under-Gleich: Kegelgelenk, d. L das an den
Hinterfüssen des Viehs (von oben an gezählt) nahe am
Euter liegende Gelenk Schw; Zg." — Uter-: „das
Backen oder Schenkelbeingelenk von Tieren." Hinter-
kniegelenk Gl; GRPr. — Finger-. ,Eins Fingers-
gleichs lang.' 1607, üürs. Talb. .Ungefährlich eines
halben F-s lang.' FWürz 1634. — Fisle»-. bzw.
Fisel-: ,Kötegelenk Aa; B; L; S; Z"; Fesselschien-
beingelenk. Arch. Vet. 1820; Fussgelenk GrD. —
Hand-: Handgelenk L. — Tüme°-: Gelenk des Dau-
mens. .Wäre ouch, dass diu wunde also tief ist, dass
si gät an das erste t-gelech, das ist der bluodslag.'
129U, AARheinf. Stadtr.
gleiche", in W -ne': 1. ein Gelenk hin und
her bewegen ,Schw; Zg"- ; „die Glieder rühren W."
D' Filess, de Arm gl.; Syn. roden. D' Hand ist-em
erstagged, dass er si nilmme' cha gl. UwE. Refl.:
a) sich rühren. I''' chönn mi''' nümme gl. und nid
ötne' [atmen]. Stütz. — b) angestrengt, fleissig ar-
beiten, rüstig sein Aa; es cha" si''' gl, ist rüstig,
gewandt. Er müend-i [ihr müsst euch] gl. Z. ,Sich
nicht gl. können', langsam, schwerfällig sein Z. G'sta-
bnt'j [steifer, störrischer] Tondar [Donner, als Schimpf-
wort], chast di"'' nid gl.! zu einem Zugtier beim Ein-
spannen GrD. — 2. übh. Etwas vermittelst eines
Gelenkes biegen Aa; Gl; Z. Gelenkig, nachgiebig
machen. I''' ivill di''' schon no''' gl.! GrD.
Mhd. ijeleichen, gelenkig biegen, welche Bed. auch lenk-en
hatte: vgl. sich leiehen, von den Beinen beim Schreiten.
Gleicher m.: Hode, von Tieren; Metzgerspr.
Syn. Gleichling. — Als Teil eines Gelenkes (.Gleiches')
betrachtet.
.,ge-gleichet: mit Gelenken versehen, allg."
Mhd. gilt iu jener Bed. geleiikei, was aber auch ,gebogeu,
gefaltet' bedeutet und als Ptc. von lenken, biegen, zu be-
trachten. — S. noch yegllchet.
gleichig. ,allg.", in FJ. gle'chig, in BSa., Si. gleh-,
glähig, gläuhig, in BSa. auch gläi: „gelenkig, allg.;"
geschwind, gewandt, flink, schnell BSa., Si.; FJ.;
Syn. gleitig; auch : frisch, munter BSi. Die Dionders
Mützera [Donners-Schelme] slge-mu [seien ihm] z'glähiy
gsin, es heigi keis i\tn denen Nasseren chönnen chrosnen
ol tschuppnen [erwischen, ertappen] BSa. As chlei"s,
ranns [schmächtiges], aher Instigs und gl-s Schunlnr-
bunbli GrD.
ä, e, äu aus ei wie beim Subst., s. Gleich. Ulüi, viell. glä-i,
durch fortschreitende Verflüchtigung des h und allerdings
beispielloser Abstossuug des auslautenden y. Vgl. mhd. ge-
lenklichc, mit Geschicklichkeit Betr. die Möglichkeit einer
Abi. aus .gelenkig' s. Anm. zu Gleich.
„un-i ungelenk, allg."-; was sich nicht leicht bie-
gen und wenden lässt ungeschickt, plump Bs (Spreng).
gleichle": bei den Gelenken beugen ScnSt
(Sulger); Syn. glidlen, knödlen.
„Gleichli-'g: Hode B; LE.; Z;- Syn. Gleicher.
A. 1297 sollen in Bs einem geistlichen Manne, der mit
einer jungen Frau heimlich gebuhlt hatte, die Nieren
Slfit'li. ^Uv\\. ?,'!
59)
oder Gl. ausgeschnitten und mitten iu der Stadt zur
iirt'entlicheu Schau aufgehenkt worden sein. t)cns. —
Vgl. nervm. Sehne, auch: männliches Glied.
gleichsam: gelenkig. .Die jungen füle habend
gl-e glider.' Tierb. 1563.
nn- (u'gleisem): ungelenkig, steif, wie z.B. die
Kinger hei Kälte AAWohl. .Wann Knödlein, Knie.
Füss. Finger hart und ungleichsam seind.' FWürz
1634. ,So einer hat ein hart und ganz u. Knie ge-
habt, dass es ihm ist bestanden, mit fast grosser Härte
und Schmerzen.' ebd. — Hier ist ch vor « verflüchtigt da-
gegen assimiliert in nhd. .Gleissuer' aus nihd. g(e)lichst'vaere.
glich, häufig -»--, in W tw. gll. I. Adj.: 1. von
übereinstimmender Beschaffenheit. Die sind denand
[einander] gl., nie' chönnt «* nid gllcher mache" ThHw.
Verst. Mr-gl., gleich bis auf ein Haar, auf das Kleinste
Tn; Z; und tupf-gh [aus: das ist uf de Tupf, Punkt,
gl.] Zb; s. noch 3. 3Ier [wir] sind gl. üf, Keiner
dem Andern Etwas schuldig, quitt Aa; Syn. tvett
(-üf). Sprww.: Gl. Briieder, gl. Chnppe". Sulger. Gl.
suecht enand, Gl. (ind't enand. ebd.; vgl.: Gl. Vögel
liocked uf gl. Äst L. Glichs und Glichs find't enand
Gl; Z, g'sellt si''' gere' UwE.; Syn. Sätihäfeli, Säu-
deckeli. ,Glychs gesellt sieh gern: der sich ze dien
bösen gesellt, dem beschicht och böslich.' 1386, Z
Batsb. ,Glychs und gl-s einanderen suecht.' Euef 1550.
.Glycher Wechsel', ein Tauschhandel, hei welchem in
Folge der Gleichschätzung der Tauschobjecte kein
Teil ein Aufgeld zu zahlen hat : N. N. gibt der Abtei
eine seiner Hörigen ,ze einem gl-en w.' um eine Hörige
der Abtei. 1413, Z Urk. ,[Sie] könden keins geliehen
mit im bekommen', sich nicht ausgleichen, einig wer-
den. 1449, Urk. Samen. ,Er folgt den jungen syns
gelich.' Salat. Dem Eel.-Pron. angehängt und dann
ziemlich bedeutungslos: ,Diewyl die vom üsschuss,
dcrglychen der merer teil des adels, allhie gewesen.'
1525, Absch. IV 1 a 787 u. Adv. a) alleinstehend, mit
starker Flexion, a) blosser Gen. : ,glichs', gerade aus,
in der gleichen Pachtung: .Es gat ein fuesspfad in den
werd über den acker und da über glychs an der
schmeli unz an den werd.' XV., Aa. ,Der weg soll gon
glychs über jeglichs ort der acher, die harusgond unz
an die eich.' ebd.; vgl. Ricliti, schnueriichtigs; G'redi.
— ß) mit der Präp. ,zu'. ,Z' glichem, promiscue, sequa-
liter, ffiquis partibus, passibus.' Id. B; z' Gl. teile", in
gleiche Teile zerlegen B. Wart uf en Eiche' [einen
reichen Freier], der dir ist z' Gl-e'. Tobl., VL. II 205.
Unflektiert: ,Mit den Füssen zugleich gestanden!'
lautet das Kommando zum Schliessen der Füsse. Ende
.VVII., Unuerricht f. Musquetten; vgl. zesammen-füess-
ligen Bd 1 1096. — b) mit vorgesetztem Pron. deraonstr.
1) .derglichen': mit Subst. oder allein = von solcher
Beschaffenheit; wie nhd., aber selten und nicht recht
volkstümlich, da dafür meist derig oder settig, sellig
gebraucht wird. — 2) d^rgli'che' (derglie AAFri.; Zo;
ZKn.. derglier, -gllr Schw; Zg, dergli Bs It Spreng),
des, dei gliche Gr, dem gl. ZW., ''em glie ZHed., am
gliche ZLunn., in Verbindung mit dem Vb. ,tuen' :
a) sich den Anschein geben, allg. Nu'' (numme) d.
tue' Aa; Z. B. tue" f'tä'J ist ('no''' lang) nit (nimig)
g'kallieret {g'kälblet GBern.) Gl (auch: g'küechlet) ; Z,
in S auch mit dem Zusätze: d' Stiere' gruxen [brüllen]
aic''. ,Die gelych tuend, wie si sich der lüten glückes
fröwend und in doch von herzen leid ist' XlV./XV..
Schweiz. Idiotlkou II.
Marc. v. Lindac. , Longe alius ingeuio quam simu-
lationem induerat, vil änderst geartet, weder er der
gleichen tat. Aeger alicui, der dem gleich tuet, als
ob er krank sei.' Fris. ; Mal. .Taten dem glychen,
als wollten sie es annemen.' RCts. ,Dergleichen ihr
dann auch tun sollen, als wann ihr heimwärts schiffen
wollen.' GGoTTH. 1599. ,Er tut dergleichen, als wenn
er solche weder gesehen noch gelesen hette.' Abfer-
tigung 1609. S. auch ,vergalsteren-. Mit Neg. : nicht
tun, als ob man Etw. bemerkt hätte, nicht umsehen,
ganz ruhig bleiben, bes. auch: den Unschuldigen
spielen, z. B. indem man eine geheime Absicht ver-
birgt Gr; Z. ,Ferre obscure aliquid, etwas verbergen
und nit dem gleichen tuon.' Fris.; Mal. Kei° Gl.
(Glicheli) tue', Nichts merken, verlauten lassen G.
.Auch mit unbestimmtem Dativ-Obj.: Er häd-em d.
'tä' Z; Vgl. ,üster heisst der winde; er wehet us Üster-
rych; er will uns zesaiuraen binden; er tuet im wol
gelich [hat ganz den Anschein].' 1443, Tobl. VL. In
üw mit vorgesetzter Präp. ,zc': zpn (Übw), z' (Ndw)
Gliche. Auch von einem Anschein, dem Wirklichkeit
zu Grund liegen oder folgen kann : D' Geiss tued zum
GL, si well gitzle' Ndw. — ß) vergelten. ,Reddere
gratiam, ein guottat widergelten, ei""ni der gleichen
dargegen tuon.' Fris. — 2. mit Art. zur Bezeichnung
der Identität, der Selbe, Nämliche, allg. Er ist eisster
der gl., von unverändertem Charakter Z. Es göt eisster
de" gll, s. Bd I 532/3. Es ist Alls über d's Gliche
usecho [über den gleichen Leisten geschlagen] B. ,Wer
in's gleiche Wetter kommt, wird ungefähr gleich nass,
selb ist seit langem der Bruch.' Gotth. S. noch u.
umme-rlten; Seil. Verst.: ,Haar den gleichen Tabak.'
XHerz. 1862; für: ,den haargleichen', ganz denselben.
Adv., wie bei 1. a) blosser Gen. desglichen, ebenso,
gleichfalls. Als Erwiderung einer Anrede, z.B.: A. Du
bist en Esel! B. Du d.! Gueten Appetit! .\ntw. D.!
Z (aber nicht recht volkstümlich), st. dessen: ebe'-,
glichfal's. Verstärkt durch zugesetztes ,selb': .Audi
Eaguel desselbengleich. sein Frau und Tochter lend
dich alle grüssen.' GGottb. 1619. Dann mit Weg-
lassung von ,des': ,Ihr Vatter Eaguel, Anna, ihr
Mueter, selbeuglych.' ebd. Aber ,der glich(en)' in
der Bedeutung von 1 b 2: ,So etwas sich wollt sehen
Ion, derglych, als wolltend [s'] mit uns schien [sich
schlagen].' JMurer 1559. — b) mit Präp. ,in': Es
göd (ist) mit-em im Gliche" [Zustand], der Kranke
befindet sich weder besser noch schlimmer Ap ; Z. Es
gäd im Gl. (zuej, dieses Geschäft lässt sich mit einem
andern verbinden, erfordert keine besondere Bemühung,
,eädem operä fit' Z; Syn. in Ei"'m. ,In Gl-em, im
Gl-en' : ebenso. ,Ein schiff mit gueten, englychen wol-
verrichten [gerüsteten] knechten.' Edlib. ,In gleichem.'
AKlingl. 1691. Der Pfarrer soll an den Sonntagen
die Predigen und Kinderlehren, ,in Gleichem in der
Wuchen die Predigen halten.' 1766. Rohner. Mit ,ze':
z' Glichen, zugleich. Ml' Chabis [Kohl], z' Gl. aw''
ml . . . [folgen andere Namen von Pflanzen] GRSch.
(Schwzd.). — 3. gleichgültig. Es ist-mer gl., gilt mir
gleich Ap; Bs; B; üw; Z; Syn. ei' Tue', ei" Ding
Bd I 270; egal, 's ist-mer Alles gl, bin^i''' arm oder
rieh Th. S. auch Gold. In diesem S. auch gesteigert :
lez isch(es)-mer glicher weder [als] früener Z. Das
ist-mff am allergllchste' Z. Es ist-mp- glich drum,
Ablehnungsformel L. Da '.'ich [das ist] gl., d' Frau
iscM rieh! ruft ein kuhner Spieler Rs; Z. Umgek. hat
•J!S
595
Glach, glei-h, glich, glucli.
Hiich
596
die RA. es ist-mer gl. zuweilen nicht den Sinn wirk-
licher Gleichgültigkeit, sondern bedeutet so viel als:
ich nehme einen Vorschlag nicht ungern an Z. So
gl. aß)s lang Aa ; Bs (entstellt aus : .so lang als breit').
Verstärkende Zss. : Gr'ad-gl. (zsgezogen u. assimiliert:
graggll), auch Subst. „gleichgültiger Mensch S." , Hell-
gleich.' GoTTH. Es ist vier härgllch, was cV Lüt säged,
sehr gleichgültig Z. Vgl. 1 u. 2. Dies noch einmal
verst.: Es isch-em hörchleigl. drum. Schild. ,Das gült
uns alles gl.' 1443. Lied. .Wenn's [letzte] stündle
usg'louft, mir gilt's gl., ich töd in. er sei arm ald rych
[sagt der Tod].' Ruef 1550. .[In Pestzeiten sprechen
Manche] frevenlich: Es muss [doch] gestorben sein,
darum gilt's mir gleich.' JJBreit. 1629. — 4. gerecht,
billig, unparteiisch; vgl. lat. ,ieiiuus'. ,Wie sy [die
Vorgesetzten] das glychest und best bedunkt syn.'
c. 1485, Z Katserk. ,I)ass wir nüts anders denn glychs
[was recht und billig" ist] begerend.' Edlib. .Diewyl
sich Dr. Eck erboten hat, wo er zu glychem blatz
[einem für beide Parteien gleich sichern, günstigen
Ort] kommen mög, wolle er den Zwingli überwysen.'
1524, Absch. .Die ir ärater verwaltind, das sy euch
darin glychs [gleiches Recht] haltind, also gwalt soll
glychem nachgon [unparteiisch sein].' UEckst. .Gl.
ujid gemein', unparteiisch. , Erber lüt und geschworn
schryber, die mengklichem by dem zil gelych und g.
syn und yedem syn gepürlich recht zuogeben.' G Ge-
sellenschiess. 1485. ,[Die Aufseher über die Benützung
der Allmenden] sollen schwören, menniglichem glych
und g. ze syn.' c. 1485, Z Ratserk. ,Die sach usze-
richten und darin gelych und g. ze sind.' 1493, Senn,
Urk. ,[Der Landvogt] soll ein gl-er, gemeiner richter
syn dem armen als dem rychen, niemand zu lieb noch
zu leid.' Z Eid. — II. Adv.. meist dem Adj. gleich-
lautend, nur in Bed. 4 vorherrschend gll. 1. ent-
sprechend I 1 : gll, «que L. Mer sind glich starch.
Er macht 's gl. tvie ich. allg. ,0b die 4 [Schieds-
richter] stössig [streitig] wurdent und sich gelych
teiltend.' Edlib. .Ich seufze gleich ein Pellikan in
der Wüste.' AKlingl. 1691 (für modernes ,gl. wie').
Mit vorgesetztem ,zu': ,D' Tochter muess schaffe eme
Meitli z' gl. L. .Da die Boten hier [in Baden] ohne
Gotteswort zuo glych dem Vieh wyslos umhergehen
müssen.' 1530, Absch. .Die band zuoglych dem Lu-
cifero sich selbs erhept in hoffart.' Salat. .Welcher
das nit [dankbar] erkennt, sollte under tyrannische
beherrschung syn gebunden und zueglych irer alt-
vordren gezwängt und gedrängt werden.' Ansh. .Zue
glych ist ouch grad dise sach [gerade so, gleicherweise
verhält sich's auch mit...].- JMürer 1559. ,Dass die
äffen zuo gleich dem menschen ufrecht ynher treten.'
TiERB. 1563. Gl.Cg'Jseh: 1) ähnlich sehen, im Äussern.
Er g'seht dem Vater (verst. : uf und änli''-) gl. Sch {gli) ;
Z. Si g'sehnd enand e' glich wie zwe Tropfe Wasser
Bs (Spreng). — 2) dem Charakter entsprechen Sch; Z.
Bas sieht (g'seht Z)-em gl, ist seine Art Th. Es
(fsäch-em nit z' gl. Bs. Von Sachen : Bas g'sehd Öp-
pisem gl, ist etwas Rechtes, gut gemacht Z. ,Ich
muess von Greg, melden, dass er vil schrybt, das der
sach gar nit -glych sieht [nicht zutrifft].' LLav. 1569;
dafür 1670: ,Sachen, die den altvätterischen Fabeln
mehr, als der Wahrheit ähnlich sind.' — 3) den An-
schein haben. Es g'seht-eiii eso gl, wie wenn 's wett
schneie' Z. ,G1. so', eben so. .Nimm ein wenig leben-
digen schwi-bel, abfeileten von einem hirzenhorn gleich
so vil.' VoGELB. 1557. ,G1. so torechtig ist es, wenn . . .'
LLav. 1569; dafür 1670: .nicht weniger'. Mit folgender
Vergleichungspart. : ,Ein lug ist gl. so guet zuo trucken
als ein warheit.' 1556, Brief. ,GL als', gleichsam, so
zu sagen. ,Der fluss, so durch den Losanner und
Jenfersee sich gl. als lutert und milde machet.' Jos.
Mal. 1593. ,Ohne underlass und gl. als täglich.' ebd.
,G1. . . oder (ald) . .', gleichviel ob . . oder . . ,[Der Tod
spricht:] wie bald ich eim, gl. morn ald hütt, die
stund [Stundenglas] mit myner band erschütt!' Rüep
1550. ,Da die fürnemste Beherrschung bei einem ein-
zigen Haubt, gleich geistlichem oder weltlichem, stat'
RCts. .Das junge Volch, sy gangind gl. in die Schuol
ald nit.' Z Mand. 1650. ,GL . . als' (oder . . . ,so'), so-
wohl ... als auch . . . ,Von den abgefallenen Christen
[den Reformierten] gh in als ussert dem Vatterland.'
RCts. ,Von den Brot-Wägeren soll gleich das Brot,
so auch die Gewicht visitiert werden.' Z Mand. 1700.
— 2. a) doch, dennoch, gleichwohl (gleichviel ob ein
Hinderniss stattfinde). !''• will-drr [ijes gl no"'' Öppis
g'e, wenn d' sclio so u'verschant g'si bist Th; Z. Geb 's
was 's well, nur gönd jetz glich. Stütz. Si händ gl
[trotz der Kälte] müessen i 'n Wald [gehen], ebd.
B' Famili chostet vil im Jör, gl. hett »'■* g'meint, es
müesst-is besser g'röte". Feurer. ,Diss kraut trägt
schwarze körnli und hat doch gleich ein goldgele
bluost.' TiERB. 1563. ,[Der Abt] soll ohne Silber und
Gold [ohne Entschädigung] und wann es die Nottur'ft
erforderet, glych zue 14 Tagen umb Gricht und Recht
halten.- 1610, G oUtzw. Otfn. Oft nur im schwächern
Sinn von ,doch', in Ausrufen des Unwillens oder der
Verwunderung. Syn. ämig aw-''. Nei', gl au'''! Z.
Bu bist gl. aic'' en [boshafter, nichtsnutziger] Kerli
du! Th; Z. Bu bist doch gl. en När! 's ist doch gl.
au''' e Sach (Meini'g, grossi Ströf) Z. So Öppis ist
denn gl. under -em Hund [zu arg] Z. Bie händ gl
aw'' schöni War! — b) zwar, obgleich. ,Wie glych
sich etwas zuoher treit, von wem es well, so gilt es gl.'
RüEF 15.50. ,Bist du hie untrüw und glych von Men-
schen nit gestraft wirst, so wird es Gott an dir rächen.'
HBull. 15.58. ,Dass die hueber die höuw [Holzschläge]
nit yngezünt, oder, was sy glych gezünt. nit dermassen
gezünt, dass es vor dem vech sicher blyben mögen.'
1564, Hotz, Urk. ,Es ist besser, es hab einer wenig mit
gueter gwüssne und behalt syn lob, ansehen und fryg-
heit, weder dass er gl. vil sollt überkommen, hernach
aber die tVvi^'heit verliere.' 1585, Absch. ,Drum soll
man nit uiteileii sl. | schnell, voreilig, s. 4], der Mensch
syg gl. ;inii oder rych.- Com. Beati. S. noch ge-viert
Bd I 925 u. — 3. nahe. .Her N. N. blab [blieb] da
oben gl. by der statt.' Sicher 1531. ,G1. an der Statt
bei dem nideren Tor.' 1578, HPantal. — 4. meist gli;
glich nur Bs (seltener ,ili): llBe., Si.; GrD.; W, Comp,
meist (mit euplinni-.h nn-rsrliobenem w) gll-n-er Aa;
Gl (auch (/?j-en : S,u«.M.io.; (_i; S; Tn(-i-J; Z, gli-er
Schw; UwE., glijer Nuw. Sup. glln^t (zum Comp.
gll-n-er), gll-ist Schw; Uw: a) bald, früh, allg.; Syn.
gli-lacht. Es ist gl g'scheh, das Geschäft ist in kurzer
Zeit abgetan Z. Churzes Här ist gl 'bürstet. Mrr
hei nid g'wiisst, ob d' gl chunnst oder später. Chumm
gl wider! Abschiedsgruss G; Z. Se [lasst sehen]!
weZ«''e cha" 's der gllst [am ehesten] Schw. Bie Nächste
sind am glinste deheim Z. Am Frltig •; Lieh, nn
ändert glich, stirbt Jmd am Freitag, so wird bald ein
neuer Todesfall eintreten GrD. Gli Winter, lang
TiOT
Glach, glecli. glich, glo
Winter. Schild. Gü d' Storche gli fürt, git's gl. Winter
II »d gl. Früelig, gö si spät fürt, git 's s^wt W. und
.<liül Fr. ebd. Brum, liehe Petrus, sind so giiet und
liiiit mi gli i Himmel irme, o bitti! tient ech iiil hiiii/
//'sijmc»/ U (Schwzd.). Am Morge" gl. S. Glich cm ist
li.Si.; S: 1) Iiald aiinuif. 2) .'ndlirli ..'innial. Heft [halte]
di--'' iili .n,/w siill' (MMiii. cimli. alsbald Ap; GA.;
U; /. S. in.rh ,iN-hui. .N. X. ward blind an eim
"Ujj und starb ifl.- .Salat. .Ich lian erlept, das.s man
den kernen hett geben um 6 pfd, glich darnach hett
man in gen um 12 batzen.' 1540/73, UMey. Chron.
.Da der Citrangulo, so er ein weil ligt, gleich gel
wirt.' TiERB. 156.3. ,Wie etliche [Äffinnen] .so lampecht
dutten bettend, dass s' inen gl. zuo schwer wärend.'
ebd. , Ihr syd mit der ersta Mass glich fertig g'si.' Göldi
1712. .Gleich kein', nicht leicht (bald) Einer. .Wo
einer erfroren wäre, also dass im mit gl. keiner arznei
nier ze lielfen.' Tieru. 1.563. .Welichs gstäud zuo
oberst aufscheusst. dass gl. kein mensch dazuo kom-
men mag.- ebd. — b) absbald, sogleich AAZein.; „B;"
UnPr.; „L;'- GSa. ; S; ,.Z." Wo der Vatter isch heim
cho, het 's mer gli nit g' falle [bedenklich geschienen].
Breitenst. .Auf solche Weis wir glich glich band
z" fressen und z' sufen, was mier wend.' Com. Beati.
.T)u musst darum nit gli mänen, üwer Glouben sei
nialfitzisch.' Kunkelst. 16.55. Schwankend zwischen
a und b: .Welicher dir arbeitet, dem gib sein Ion
gleich schnell.' 1530. Tob. , [Sobald wir Vögte reiche
Einnahmen gemacht haben] so füerend wir glych
grossen bracht [Aufwand].' Aal. ,Dass die glöubigen
durch kein werk gerecht gehalten werdend. Gl. bald
zeigt er klarlich an . . .' Z Bib. 1560. ,Dor Rat klagt,
die Schulmeister werden gl. [nach der Einsetzung]
hoffärtig.' 1593, Wild, Eglis. ,Ziehnt fry, mich tunkt,
er woll gl. ga.' Com. Beati. — c) sobald (als). ,G1.
aber [wieder] ein Jahr ummen ist, d' Geiss werdent
nit unfruchtbar syn.' Com. Beati; Syn. bald. Bald im
S. V. fa.st, beinahe B; Z. !"■ hett 's gl. la' falle" BBe.
— 5. (entsprechend I 4) billig, vom Kaufpreis. ,Ich
gebe die Waare so gl. als möglich' Schw.
Mhd. (jdich(e). in der gewöhnlichen Bod. mit Dat. oder
Gen. oder Instruni. verbunden, woraus sich die Gen. ,des-,
dergleichen', bes. auch in Verbindung mit ,tun', erklären,
obwohl im letztern Fall mhd. der Dat. ,dem' gilt, aus dem
auch unsere Nebff. em, am verkürzt sind. Aus der Bed.
,gerade, eben' des mhd. Wortes und aus unserm ,glichs',
geradeaus, erklärt sich die Bed. ,nahe' (weil auf einer ebenen,
glatten Fläche jede Bewegung schneller vor sich geht) und
aus difeser die entsprechende zeitliche ,bald'. Die mhd. Bed.
.hillig' erscheint in unserm I 4 u. II 5. — Die Form -glichr.n
ist adv. Casus des Adj. neben dem regelmässigen adv. rihch
aus ijdiclie, und da die erstere oft mit Präp. verbunden war,
so gieng diese Verbindung auch auf die letztere über, in
ziirihch, neben deni ja (in der Bed. nimitl) auch einmal zu-
r/lichen bezeugt ist. Die Form -<jli(<:h)er dürfte auf Assimi-
lation an den vorangegangenen Art. beruhen oder einen Comp,
anstreben; eine noch mit an den Stamm anschiessendem ( und
mit der beliebten Endung -ig weiter gebildete Form in adv.
Anwendung gibt HBulI. 1531: .Ihr sollend nit schweren weder
bym himmernoch byni erdrych, noch einigerlei derglychterig
schwüeren.' Am merkwürdigsten ist die formelle Differen-
zierung des Adv. in Bed. i gegenüber dem Adj. durch Ab-
stossung des ih; aber sie ist ja keine durchgehende, da die
Form gli auch in andern Bedd. des Adv.: der gh lue", gh
g'se", gh, aeque (auch 1. S. v. billig, wohlfeil) und sogar beim
Adj. einmal (eiiter de' gli) vorkommt, umgek. für die Bed.
.bald' auch die Form glfch (nicht nur in ä. Zeit); so dass
an der Identität und l'ontinuitat beider kein Zweifel sein
kann. Die conjunctionale und zwar concessive Bed. ist zu
erklären wie in dem nhd. ,ob-gleich', entweder durch syn-
faktis.l.f VcischifbunL' .l^^ .-l.irb' ans dem Hauptsatz (wo
.■■. ,.l>-ini.i,-li- li,.,l,.ntrt| ii, .1,.,, \r:„.„vitz, oder durch Auf-
riissiin- (l.'K .-Icidr I. S. V. Jnliis.lin,,. („bjwohl'; vgl. Sp,«;.
,iili.-b' = .snli.il.l als' iTkläit villi il:ir:iiis, dass in unserer
Vnlksspr. auch .bald' für ,sobald als' gesetzt wird, doch
wahrsch. nur durch nachlässige Aussprache, resp. Verflüch-
tigung des vorangehenden, unbetonten ,so' (ar).
ic-glich (inhch): Jeder GRPr.
an-: ähnlich, gleichgeartet. ,Die geschwü-stergete
sind einandern etwan angleich, dadurch sy Gott in
einikeit verbinden will.' LLav. 158'2. — Ahd. anmjnhrh.
Ein zweites Beispiel aus ÄgTschudi s. b. Gr. WB.
un-: 1. wie nhd. D' Impere [Himbeeren] ivei-de"
gar u. zltig Bs. .Die Waare sei gar ungleich ge-
schafft [gearbeitet].' Breitenst. De Glich und der U.
hand mit-enand en Laib Brod ufgesse" [vgl. der Ehe'
und der Unebe"]. Gl. und U'gl. fangt kein Chrieg a'.
U-i Zu, ii-i Lüt. U. Nature" händ u-e Lust. U. Schussle'
mache'd schelh Auge'. E Glichs und en U'gllchi ma-
clied e Grads. Sülger. ,Die Naturen sind ungleich,
diversis diversa placent. 's geht ungleich in der Welt,
der eine hat den Beutel, der andere das Geld.' ebd.
,U. auskommen mit den Dingen', Etw. nicht recht zu
Stande bringen. ,Es wird u. gekocht und u. gegessen.'
,Ire kunst rüemen und ir aber u. syn [in den Lei-
.stungen nicht entsprechen].' Zwingli. — 2. ungerecht,
unbillig, parteiisch; Gegs. zu glich 14. .Wer zue einem
kriege oder gestösse kunnt und u. scheidet, der soll
5 pfd besseren.' 1379, Absch. ,Die Orte möchten dar-
über keine u-e Missgedanken schöpfen.' 1640, Abscu.
.Trachtet, unsere gerechte Sach schwarz zu machen
und frörade Potenzen wider uns in ohngleiche Ge-
danken zu bringen.' Z Publ. 1712. ,In Betreif der
u-en Zulagen und Verläumdungen [wird die Ehre der
Betroffenen verwahrt].' 1715. Abscu. Adverbial: ,[Da
es] etwan zu unglychem by den Wirten mit [der] Ürtin
zugat, habent MHH. für gut erkennt, dass ein Tax im
Selbigen gemacht werde.' 1628, Gfrd. Substantivisch:
,die wag glych und r.. ht lialten. dass nieman dehein u-s
[Unrecht, Überv..rteiliniii| widerfar.' TiiDiess. Stadtr.
,Wenn ein herr und vngt by einander ze gericlit
sitzend, welcher teil dann den gottshuslüten unglychs
wollte tuen oder ze hert syn, so soll der ander die
lüt schirmen zue einem glychen.' 1473, ZWiesend.
Otfn. ,Mit dem swert zue demüetikeit zemmen, dass
er furbasser niemans tue u-s.' 1475. Bs Chron. ,[Die
Christen sollen glauben an den Papst und seine Kirche]
und was die tüegen, sye ytel heiligkeit Gotts, so doch
nüt unglychers und widerwärtigers [wäre], wie das
ire wort, werk und gepott anzeigend.' Ansh. — 3. „ Un-
<//i.rLW.«, iymiix „LG.;" ScHW;Uw; ZLunn., Umhli.r
ScHwMa., Unglet GA., Unig GG., in Verbindung mit
, machen, stiften, geben': Zwist, Uneinigkeit, Händel,
daher U-stifter, Händelstifter, „Wettermacher LW.;"-
GA.; ScHwMuo., Verdruss LG., „Umtriebe Obw", Hin-
dernisse, Unfälle UwE. Ei"m U. [Unannehmlich-
keiten] annemache'' aScHW, U. mache, lustig machen
ZLunn., Stdt f- -Von laiden [Verzeigen] der grossen
unglitt. . . . Von der ungehorsamkeit wegen, dass zue
zyten grosse unglitter werden und sunst anders über-
gangen wird und man das nit laidet und angi'^t' Ar
LB. 1409. ,In ungli(ch)t scheiden.' ebd. .Wann un-
glitter alder krieg werden.- ebd. .Von frid ruefen in
i\e,:h. glich, gloch. gluctl
ÜOO
grossen miglichtcr. Wann ein gross unglitt wird, es
war an unsern kilwinen, jarmärkten ald hochzyter[n].'
ebd. ,Etlich unglichmacher.' 1525. HsStock. Die-
jenigen, denen es mit .unglicht' wohl sei [d. i. Rauf-
bolde]. 1525, Absch. Eine Frau habe von dem nach
Salz ausreitenden Vogt von Krienz geredet: ,Ist das
Krienzerli, der sü-igel, uf wegen, so ist aber ungligks
gnuog vorhanden.' 1531. Schw Staatsarch. ,Abt Ber-
thold Hess selten ein unglitt [Streit] hinkommen, er
stackte [mischte] sich ouch daryn.' Vad. .Wenn zwü-
schet gsellen unglit wirt und under in entspringt ein
irdt [Irrung].' ebd. ,Und ist aber der N. [der einen
Todschlag begangen hatte] sunst ein grosser unglich-
macher g'syn.' 1561, ZWthur. Chron. ,Es ist ouch
besetzt und angenommen worden, dass alle die, so
sahen, dass unglider seind, dass man frevnen will,
sollen scheiden und frid machen.' 1519, Ap LB. .Grosse
unguter.' 1585, ebd.
In 3 stehen verschiedene Formen iind Bedd. neben ein-
ander, die sich nicht leicht vereinigen und alle ohne Weiteres
auf .unglichfesl' zurückführen lassen; doch ist das Letztere,
mit Aunalun.- iiirliita.h, r Entstellung und Umdeutung, die
wahrscluiiilhlii ili umlloini. — Was zunächst die Bed. be-
trifft, so k:uiii lii. \"i Im Tischende, , Uneinigkeit, Streit', ohne
Weiteres :uil 1 /.urückyuführt werden, viell. unter teilweiser
Mitwirkung von 2. Aus der Bed. ,Streit' lässt sich zunächst
die von ,Verdruss, Hinderniss' ohne Schwierigkeit ableiten;
aber auch die von .lustig (machen)', da dabei an ein lautes,
wildes Troilion g.-dai;ht wird, dessen Lärm dem des Streites
ähnlieh ist; vgl. .Inl'ug'. welches mit dem Begriff von , Un-
recht oft aiicli ilni liiiiT stürmischen Lustigkeit verbindet.
— Betreffend die Form ist die erste und grösste Schwierig-
keit, wie aus dem Präf. ,un-' das in der Volksspr. über-
wiegende, in der ä. Spr. dagegen nicht bezeugte ,um-' ent-
stehen konnte; es müssen dazu wohl sinnvwdte Wörter, wie
.Umstände, Umschweife, Umtriebe', Anlass gegeben haben,
und mit dieser Umdeutung wird auch die Ausstossung des g
verbunden gewesen sein. Übrigens vgl. noch ,Umgeld'(Ohm-G.)
ans ,Un-G.', ,Unholz' Geschlechtsn. gespr. Um-. - Übergang
von (g)licli in -lig findet sich bei den Adjj. auf ,-lich', welche
Bildungssilbe, wo sie nicht ihr ch abstSsst, dasselbe häufig,
wenigstens in den westlichen MAA., in g verwandelt. Eine
Mittelform zwischen g und c*. scheint das nur einmal bezeugte
.Ungligks', in welchem Anlehnung an .Unglück' und an nihd.
iingelim; Misslingen, Missgeschick, zsgewirkt haben mögen.
Ob Uiigluht aus Unglichet und dies aus Unglü-hheit verkürzt,
oder ob die subst. Ableitungssilbe -et oder rein lautlicher
Anschub von ( (gerade nach eh häufig, vgl. unser Facht,
devicht, nhd. ,-icht' der collectiven Neutra, sonst auch noch
,Habicht') anzunehmen sei, ist schwer zu entscheiden. Aus
-i<:ht entstand dann durch Assimilation -itt, wie in nit aus
.nicht-, ,Unschlitt' aus ,Unschlicht'. Anlehnung an mhd. glii,
Fall, von glUcn (vgl. nhd. , Unfall'), oder an llden (geUten)
i. S. V. ,nnleidig, unverträglich oder unerträglich' hat schwer-
lich mitgewirkt; eher weist die Form ,ünglid' auf Anlehnung
an ,Glied', membrnm. Vnuj (stiften), Uneinigkeit, Unheil
GO. (s. Bd I 299) mag seine Bed. durch Einwirkung von
Unligs usw. empfangen haben, kann aber der Form nach nicht
aus demselben entstanden sein. S. noch Anm. zu Verglich.
Ist-mir-glich m.: gleichgültiger Mensch (der
von Allem sagt: es ist-mer g].); s. gltch 3. Der I. wird
niemals rieh. Spkww. 1869.
Ver-glieh s. nach cer-gllehen.
Gilt-mir-, „auch Giltmers-, Gilfis-, Giltsi-gl
VÜRTE", Giltm^-gll Sch; Th; ZGlattf. = Ist-mw-gl
De G. wird selte" rieh. Suiger. ,Der Giltmirglich
denkt an Spital, statt dass er trachten wird, mit Ehren
sich, Weib und Kinder zu ernähren.' HSclz. Giltsi-
gllchet: sorglos, nachlässig SciiwMuo. Er ist. eso giltsi-
gUehete, dass-im um Alles ei* Tue ist.
Auffallend ist der anscheinende Eintritt der Pronn. ,uns'
und ,sich' au die Stelle von ,mir'. Si viell. nach Analogie
von ,Hans-acht-si-nit', wo aber si' aus ,sin'. Gen. von ,es',
aufzufassen ist. Doch Hesse sich unser «i auch auf bloss
lautlichem Wege als Umstellung von i» erklären und Letzteres
ist möglicherweise nur eine ungeschickte Analogiebildung
genetivischer Zss. Die Form auf -et aus einem Ptc. ,gllchend',
bzw. aus einem A'b ,giltsigllchen' ; vgl. werweieaen, nnschlüssig
sein, aus der Frageformel ,wer weiss?'
gliche": 1. intr. ähnlich sehen, im Äussern, vfie
nhd. Verst.: üf und änli'''' Z, libänli"' gl. BBurgd.
Auch: dem Charakter einer Person entsprechen. Bas
[diese Handlungsweise] gllcht-em ; Syn. glich g'seh'. —
2. tr. : vergleichen, gleichstellen. ,Wir mun [mögen]
uns zuo dien [diesen] wol gl.' Hadl. ,So händ ir
7 hüpscher kind; wend ir die dem adel gl.' NMan.
Kefl. von Pers.: ,Dass ir üch weiten gl. Holzach, wär-
lich, es duet's nit; H. het gar ein rychen vatter.' XVI., .
Bs. Von Sachen: gleich kommen, ähnlich sein: ,Um
.strassroub oder um missdat, die sich dem gelychet.'
1384, Arr. ,Das cnd Nabais glychet sich mit synem
leben.' LLav. 1584. Hieher das Ptc. .geglichet', einem
Dinge ähnlich, gleich kommend: , Die Christen tragen
[als Kopfbedeckung] Binden mit kleinen weissen und
blauen Strichen, gegleichot Küssenziechen [Kissen-
überzügen].' HBvEpTracEN 1460 (Gfo.). — 3. (abs.)
technischer Ausdruck der Schiffer: ausgleichen, leich-
tern. .Wenn sie [die Schilfmeister] aber [auf dem
Wege von Z nach Wallenstadt], es sei im Sommer
oder Winter, gl. müssen in 2 Schiffe, so ist ihr Lohn
20 Btzn [statt wie sonst 18].- 1541, Absch. IV 1 d.
S. 58 f.; vgl. S. 417.
In der Stelle bei Kessl. 8 : ,Nun aber glych ! ' mit wel-
chen Worten eine neue Vorstellung eingeleitet wird, lässt
sich gl. nicht als Adv. auffassen, weil keine der bekannten
Bedd. hier passt; es muss also wohl Imp. eines Vb. sein
mit der Bed. .Vergleichung anstellen'.
ver-: 1. tr. a) zwei Dinge zsstellen, um eines am
andern zu messen. Z' vergliche", gleichsam, so zu
sagen. Stutz 1847, 51. ,Er mir nach, nicht zu v., wie
ein Hund.' JSknn; Syn. nüd z'sämmen z' rechnen. ,Der
ein solicher erlöser ist, dass im kein Jupiter verglycht
mag werden.' Zwingli. .Damit er mir vergleicht soll
werden.' 1531, Jes. ,Es mag dis fleisch fast gitzen-
fleisch vergleicht werden an zarte und wolgeschmackte.'
Tierb. 1563. ,Wie will der Mensch, Gott verglycht
[im Vergleich mit G.], gerecht mögen synV' Evang.
Gegenber. 1588/1658. — b) ausgleichen. Streitiges ins
Reine bringen, schlichten, z. B. eine Rechnung, einen
Zwist GrD.; Syn. verebnen, recht machen. ,Wo unser
Eidgenossen von S Personen hinder [im Gebiete] der
Stift sässen, die unser Herr von Bs ze vertuschen
hette, soll der tusch von unsern Eidg. von S ange-
nommen werden; weliche man aber nit zu v. hette,
belyben wie von alter harkomnien ist.' 1522, Absch.
,Etlich matten inzuosehlaclien und zuo v. [abrunden].'
1524, ebd. ,Es sye nit ein nuwe püntnuss. sunder
by 100 jaren alt, jetz verglycht [bereinigt] und er-
nüwert' 1529, ebd. IV 1 b 357. Hieher wohl auch:
,Euer Leben ist gewichen, euer Alles mir [dem Tod]
verglichen [mit mir in Abrechnung gebracht?].' E. u.
CMey. 1650. — c) vergelten, bezahlen, erwidern, er-
setzen. , Klagten also somlichen schaden, der inen
nie nier verglichen noch ersetzt niög werden.' 1547.
MEsTERM.. Rick. ,Icli will oucli dir, wo ich kann,
allwggen willig syn bereit, zu v. diss mit dankbarkeit.'
.I.MiRER 1550. .Houptmann: Ich will üch disen stouf
iisbiingen. Antw.: Mit disem bschcid [im Trinken]
will ich 's V. [gleich tun].- ebd. 1559. .Das einghürn
gibt man so teur, da.ss man es mit gold abwigt und
vergleicht.' Tikbb. 1563. — d) bildlich darstellen.
.Zwei stuck [Bildwerke], deren das ein ein geiss-
niännlin vergleichet' Tierb. 1563. — 2. refl. a) gleich
werden. ,Früelingszeit, so tag und nacht sich ver-
gleichend.' Tierb. 1563. ,Den jungen schafen sind ire
zän ungleich, so sy am besten, so vergleichend sy
sich.' ebd. Gleich stehen, gelten. .Andre Pfand dar-
gen, die sich der Schuld verglyche[n].' 1605, SchwG.
LB. — b) zspassen. ,Das [dieses feindliche Verhalten
und Verfahren] wolle sich der bündnuss nicht v.' 1524,
Absch. ,Lueg man, wie sich das verglycht [zsreimt],
da weder Canon noch Altar was, wie S. Jacob ein
Mess las [wie J. Messe lesen konnte, da doch noch...]!'
UEcKST. — c) sich verständigen, einigen, anschliessen.
.So ist unser bitt, ir wollen üch denselbigen [Glaubens-
artikeln] V.' 1523, Absch. ,Diewyl nun die biderwen
lüt sich des gottsworts undernommen, sich im glouben
mit uns verglycht [unsern Gl. angenommen].' 1529,
ebd. ,Wessen sy sich under einanderen irer gemeinen
Sachen halber durch das Mehr verglychend.' 1622, Z
Ratsentscheid. ,I)ie aufruhrerischen Herrschaftsleute
der 3 Gemeinden der Herrschaft Wäd., im J. 1646 ver-
sammelt, haben sich in höchster Confusion verglichen,
by Brief und Sigel z' verblyben.' 1046, Z Staatsarch.
.Zwei Reisende könnend sich uf der Strass des Wegs
halben nit v.- 8ciiimpfr. 1651. — d) sich verwandeln;
vgl. 1 d. .Der tüfel, der da tusendlistig ist und sich
selbs in allerlei form und ge.stalt v. kann.' RGüalth.
1546. — 3. intr. : gleich kommen, ,Doch niocht der-
selben rüstung dero von Bern artellar}' nienan [in
keiner Beziehung] v.' Vad. — Uhi. vcrgelu-h,H{av.-.\b.).
ausgleichen; refl. sich vertragen, zspassen.
Verglich, bzw. i' — m.: 1. Vergleichung, Ähn-
lichkeit zw. 2 Dingen. Es ist kein V.! ein grosser
Unterschied, Abstand Z; vgl. Verglichniss. — 2. Bei-
legung eines Streites. ,Man habe ein geraume Zeit
eines christlichen V-s sich getröstet.' JHott. 1666.
In einer von Esterm., Neud. 268, aus XVI. mitgeteilten
Stelle, wo von der Bestrafung eines Wirtes ,von wegen dass
er nit angiin hatt die vrclich. so in sym Hus flirgan sind',
kann ,v.' zwar unser \V ^'iii uli-liiili die Verpflichtung,
auch verglichene Streitlall. /IM An/'iL-r zu bringen, seltener
helcgt ist; doch legt snli dir \riMnitung nahe, dass der
Schreiber ,vn-' beabsichtigte, in welchem Falle die Stelle zu
ii.n-r/lirh :i gehören würde.
Verglichi°g f.: Ausgleichung, Abrechnung; zu
rergliehen 1 h. Diese 4 Monate, nach ,Verglychung'
der bei der letzten Musterung erfolgten Bezahlung,
betragen 53774 Franken. 1548, Absch.
verglichlig, -en: Adv. 1. vergleichbar. Und
nimmt's uf de' Bmjgel, r. de Schnegge oAa (Schwzd.).
— 2. vergleichungsweiso, verhältnissmässig, entspre-
chend Bs. 's isch jede Stern r. e Dorf. Hebkl. Das
Gwülch hangt a's ivie ne trurige Burdi uf der Welt
und verglichlige tuet si drunter süfzge'. Breitenst.
V. loie, gleichwie, ebd.
Verglichniss f., n.: = Verglich 1. Das ist keis
V. oder kei Verglichnuss, lässt sich nicht vergleichen
KMu. .Dann wir wol wissen, dass zwischen Gott und
lins, zwischen unsern W.rkeii und dem ewigen Leben
kein V. gefunden wird.' (Jixiien Bunp 1585/1658.
Glich-heit f.: 1. ab.str. Freiheit und Gleichheil
sind d' Stegen ab g'heit, die Ideale der franz. Revolution
sind nicht realisiert worden. Suloer. Die selben Schlag-
wörter parodiert mit: Fr. und glich NiU. — 2. concr.
Da(s) ist ekei Gl. güge" wie-n-ich 's g'ha ha, nicht zu
vergleichen mit dem, was ich erfahren habe Z.
An-: Ähnlichkeit. ,Angleichheit des Namens. Von
.Ungleichheit wegen der Sprach und viler Sitten.'
ÄgTschudi, Gallia. - Vgl. Bd I 259 unten.
Glich i f.: 1. Gleichheit. ,Drei Creuz fast einer
Gleiche, probiert sie alle drei.' 1661, S. — 2. Bälde,
kurze Frist; zu glich II 4. I" der Glei-i g'schct 's
nid, nicht so bald UwE.
glichig: gleich beschaffen Z; vgl. glichlig.
glich-lecht(-ig) glüacht SchwE.; ZHütt., -locht
BBe., R., glüachtig ZHütt., Wäd., -lächtig Bs: bald
(s. glich II 4) BBe., R.; SchwE.; ZHütt; ziemlich
bald ZWäd.; etw. (zu) früh Bs.
glichli(g) {glllig Ap; GBern.): 1. Adj. und Adv.
= gleich, -artig, -massig Ap; Bs; BSi.; Gl; GrD.; L;
GSa., T.; Z. All [immer] gl. ist langwllig GBern.;
gl. teile' Bs; gl. stricke", nicht bald ,satt' bald ,lugg
[locker]' Bs; gl. webe' Ap; Z. 's Spinnli spinnt i'
siner Art die gliche Fäde gl. zart Bs. D'ere [solche]
Ult, wo Jör US, Jör i' ires gl. Brod essid L. Bist
hür ond fern so glilig dra". Lenggenh. Ma cha"" 's nöd
ande gl. ha', der Wechsehna" chlopft z' Ziten an. ebd.
,Im Fahren war er ein Meister und seine 4 Rosse
zogen satt und gleichlig an, wenn er die Geisel hob.'
Gotth. D' Arbezäpfe" [die Zapfen der Arven] sind
die meista' vorna' ün üssarsta" ^iiil'.lig lunl nid übarall
so gl. am Bomm zarströut GrD. K ijliluh Mir. gleich-
massig zerstreute Stimmen Ar. üjipi.< (ihihligers hast
na"- Nüt gseh' ZO. 's sind hed gl., ir.r l„it!rf ii,i,l
wer heuscht fiver ufhed und wer i"schi(iirh. iMhuis.
,Es sö"^nd auch alle ein-glych recht fryh.ir und -luid
haben und die gerichte gemeinlich und glyclilig haben.-
1403, Geschfo. Ges. ,So dann kindskind, brüder- und
Schwesterkind gl. mit einanderen erben söllind.' Ar
LB. 1409. ,Ouch soll er das almuosen armen lüten
glichlichnen usteilen.' GWyl Copialb. ,Von wegen des
Worts Gottes, dass wir das nit gl. verstau.' 1529,
Absch. ,Alle ding fast glychling^ erfunden.' 1530, Z
Ratsverordn. .Zween f;l- ?,''''m:iclit.' l."):!-2. Z(iriiii. .Was
guets aber [die] frau im zncl,iarl,(. soll ,i;-h-irhli.li in
zwen teil geteilt werden.- ir.ll, Aiiscn. .Es ist ab
allen orten glcichlich ferr dahin.' Vad. ,('oncordi
currere fr»no, wenn zwei ross gleichling laufend. In
commune vocare honores, gemeinklich und gl. under
reich und arm, edel und unedel au.steilen.' Fris.
,Den himmel mit einer trüebe überall gl. überzogen. -
Campell 1572. ,G1. lang.' ebd. ,Durch die ganz Sub-
stanz zerspreit und nicht gleichlich au.sgeteilt' JJNiscii.
1608. ,Gleichlich, gleich, eben als, similitcr, ut sicut.-
Reu. 1662. ,Dise durchscheinende Weite, welche
allenthalben um uns hergehet und gleichlich liget
zwischen dem Gewölb und Boden, wird genennet die
Luft.' Spleiss 1667. ,Die Strafen, so an denen beiden
Stattgeriehten fallen, werden ijleichlicht verteilt. -
17'2'2, Bs. — '2. gerecht, unpartciisrli |s ,//,r/i ) i. I'a--
die saeh [Processangelegenlicil | ijcli.lilirli /n.^i. ii-i,-
1495, Senn, Kirchenurk. .Die neue \Vacla..,,lnuu^ ,ci
Glach— gluch. Glachs -glnclis. Glad— GliiJ
604
)»teichlicher und gemeinen Zünften gemässer.' 1500,
Ochs. — 3. mit Art. = der Nämliche (s. glich 2) Aa;
Ap; Schw; Uw; Z. lese [jetzt] säge-si [die Leute]
für 's Gllchlige iipjris ganz Angers, brauchen für den
seihen Gegenstand ein anderes Wort als früher Aa.
Ist ei' [der Mann] nüd Chnecht, so häd nii si [die
Frau] das gl. Eecht. Heng. — 4. Adv. sogleich, gleich.
,Und .soUent das gottshus und die frow ouch gelten,
was er gelten sollt, gclychlich des tags, do er erstarb.'
XV., Gfrd. — 5. dennoch (s. glich II 2 a). 's chönnt
lofte [ein Wind gehen], dass es chitet [braust], so jöl
[jauchze] i''' gl. vor Fröud Ap. ,Er wolle es nicht
mehr sagen, aber gl. sei er froh, dass er es gesagt
habe' Ap. A dir ist eus Nüt g'lege, wer chönnte gl.
si. Alpenhorn 1838. — un-glichlig (öglilig Ap):
1. ungleich, -mäs.sig Ar; Bs; BSi.; Z. .Die aber nit
allein u. gehalten wird.' Z Mand. 1530. ,Vagi nominis
est, es wirt u. genennt.' Fris. ,Inietiualiter, ungleich-
lich.' Denzl. 1677; 1716. Auch bei ÄgTschudi. —
2. ausser der gewöhnlichen Stimmung, zornig B oSi.
— Glichligi f.: Gleichartigkeit Gl; Z. — Un-: Un-
gleichartigkeit Gl.
Gltchlig scheint eine Mittelform zwischen (lialli tauto-
logischem) glich-lich und (urspr. adv.) gluhling.
glichne": refl. entsprechen. ,Und darunibe thei-
nerlei ursach hat, das sich dem rechten gl. mög.'
1524, ScHwLB. - Mhd. gehchnf». dass.
ver-: vergleichen. ,Paulus vergl} chnet die g'meind
dem menschlichen lychnam.' HBull. 1531.
Gltchnuss n.: 1. Gleichniss Z. — 2. Ebenbild.
,Gott hab uss syner kraft und macht kein g'schöpften
noch kein gl. g'macht.' Rüef 15.50. — 3. gleicher Wert.
,Beschäche ouch, dass die münze gemeret oder ge-
niindret wurde, so söUent unser gülten uns gelten mit
g-e des ggltes, das sy uns schuldig warend.' 1397,
BBiel. Urk.
glichsam: Adj. und Adv. 1. gleich, -massig, ver-
gleichbar; adv. auch: ebenso, gleichfalls. ,G1. by inen,
wie ouch by unserni gegenteil.' 1528, Absch. ,Dem
Menschen — spricht Gott — will ich yngen sei und
geist, die muoss uns ewig gl. werden.' Rief 1550.
,Hat ein stadt Bern, in ansehen gl-s und gmeinsams
regiments, Satzung gemacht, dass all ihr iimter im
dritten jar sollten geändret werden.' Ansh. ,G1. den
unvernünftigen Tieren.' 1635, Sptri. ,Die Berner ha-
ben bei Vilm. ebenmässig wie zu H. und Dottiken nüt
Rauben und Stehlen gleichsam sich verhalten.' XVII.,
Arg. ,Es soll keine Streue [im Wald] gerechet wer-
den, damit der junge Wald und Samen gleichsam
gebaut werde.' Gl LB. 1807; dafür 1835: ,Damit der
j. W. u. S. desto besser gedeihe.' — 2. Adv. gleich-
wohl [?]. ,Der Marchung halber wird man gleichsam
einig, obwohl nichts Schriftliches darüber verfasst
wird.' 1715, Abscu. VIT 1, 1221.
G 1 i c h s c h a f t (Gliche-) : Ähnlichkeit. Er hed rkei
Gl. mid ine' Nnw.
gllch8e(ll): heucheln, verstellen. ,Si sont 's [sollen
es] gesagen und dur gl. verswigen ni(c)ht.' Schachzab.
,W6r hat Sekten ye one glychste [gegleichsete] de-
müetigkeit angehebt'?' Zwingli. ,[Habcl] hat verschafft
mit synem glyssen, das Gott myn gab mir hat ver-
wyssen.' Rüef 1550. Auch refl.: ,Sy slychsend sich
vor den mentschen als sygend sy glöubig.' Zwingli.
— Mhd. gellchesen; vgl. derglicken Uten, unter glich J.
glichsne" {gll^sne' B, gleisnen. Id. B): 1. heu-
cheln ; schmeicheln ; betrügerisch spielen BE. .Wie
wol er durch die finger luogt und vil glychsnet.' 1531,
ÄBSiH. .Prsevaricari, änderst gl. dann tuen. Krank-
heit gl., jBgrum simulare. Erdichte, falsche und glychs-
nete träheren. oder weinen, das nit von herzen kummt,
conftcta; lachryma». Preundtschaft und liebe gl., simu-
lare amicitiam.' Fris.; Mal. ,Ist Joben frau vorhin
rechtg'schaffen gewesen, oder hat sy gleichsnet':" LLav.
15S2. ,Die letst Eptissin glychsnet die Religion, trat
widerum zum Bapstum und starb darin.' JRüeo. 1G06.
,Dic sonst noch so viel Herzhaftigkeit glichsneten.'
UBrägg. Refl.: ,Die Schwätzer, die sich glychsnend
.sam sy uf ghein guot sehind und sehend aber allein
daruf.' Zwingli. , Engel gleichsnend sich menschliche
speis essen.' Bib. 1531. ,Gleissne dich nit vor den
menschen.' 1.531. Sir. Ptc. mit Präf. ,un-': U'glissnet,
unverhohlen, aufrichtig, offen BHk. , Warer, unge-
glychsneter glauben.' Z Katechismus 1525. ,Job redet
wie im um's herz ist und ungleichsnet.' 1.531/60, Z Bib.
— 2. mit Dat., sich einem Dinge gleich machen, eine
Rolle spielen. ,Der tüfel, der ouch einem engel des
lieehts kann gl.' Vad.
ver-glichsne°: verbergen. ,Der lugner hass v.
kann.' GVögeli 1534. ,Vergleichsnen, nit der gleichen
tuon, dass ein ding seie, das doch aber ist. dissimu-
lare.' Mal.
Glichsner: Heuchler. ,War ist es, dass üwer
Dienst und Gwalt by dem Evangelion nüt anders dann
Gl. macht, wo nit Christus selbs am Handel ist.' B
Syn. 1532/1775. ,Desshalben wir uns als künig und
priester ze halten schuldig sind, damit wir nit falsche
Gl. vor Gott erfunden werdind.' Gualth. 1555. S. noch
Ghss-Gtieg. — Glichsner i f.: Heuchelei. ,Das hast
du durch dyn büebery alls z'wegen 'bracht und gl.,
gern vatter hast mir unfrid g'macht' Rüef 1550.
.Muess es alles gleisserei, apostützlerei, menschcntand
und unnütz sein'?' Gulden Bund 158.5/16.58.
gluch sc n s. ght.ren.
G lacht s. Gleich.
glichtcrig s. Anm.
ichter U s. Ge-l.
Glad-glud.
Gladi: Personenn. = Claudius ('?). 1521, B; 1565, Z;
1580, B; 1581, L; Myricäüs 1630. ,Sant Gladen' ==
StClaude. 1476. Bs Chron. ,Gladiacker', Flurn. S NA.
Es darf nicht verhehlt werden, dass sonst statt lat. au
bei uns o eintritt, z. B. Claudia, Klotcn. Vgl. auch noch
Glodi. Auffallend ist, dass der Name mehrfach als bei Maurern
üblich bezeugt ist. Ob ,Glado.' XVI., B (Absch. IV 1 c, 176.
198/9) der selbe Name ist, mag zweifelhaft bleiben. In Gc-
ladi (vgl. Sp. 210) ist viell. nur. wie häufig in den Anl.
Gl-, Gr-, ein Hülfsvoc. eingeschoben. Dass anlautendes rom. r
in unserer Sprache durch g vertreten wird, ist Regel.
Kride»-: die wnter Else (Bd I '202, wo aber Else
in der Anm. nicht als Frau des am Sechseläuten vor-
kommenden Strohmanns hätte erklärt werden sollen!)
genannte Figur der alten Z Hirsmontagfeier. Es war
die Jugend der jetzigen Vorstadt Wiedikon. welche
(ilad. glpil. gliil, glud, sind
in bewattnetem Zuge die beiden Figuren an das See-
ufer der Stadt fülirte, wo sie verbrannt oder ins
Wasser gestürzt wurden.
Uass das Rad, auf welchem sie als Bilder des Winters
und Sommers gedreht wurden, urspr. die Sonne bedeutete,
ist kaum zu bezweifeln, aber der Zusatz ,Krideu-' scheint
unerklärlich, da die betr. (allerdings nur aus der Erinnerung
gezeichnete) Puppe auf der Abbildung von 1786 im Gegs.
zur .Else' gerade eine geschwärzte Maske (einen Tierkopf)
trägt. Dass .Kreide' entw. etwas Widriges bedeutete, wie
iu dem Reim von den 3 Jungfrauen (Tobl., VL. II 239. 247)
oder so viel als Streit (eig. .Kriegsgeschrei'), da es ein krie-
gerischer Aufzug war, lässt sich schwer behaupten. Dafür,
wie der Name .Claudius' zu der appellativen Bed. gekommen
sei, die er iu dem Comp, offenbar hatte und in ,Glodi' noch
hat, werden positive und spec. Gründe eben so wenig zu finden
sein, wie für appell. Bed. auderer Personenu.; s. Wackern.,
Sehr. 2, 128 ff.
„gled: schnell aufeinander folgend = gleitiy BÜ."
St., der das (sonst nirgends nachweisbare) Wort nur im
JIsc. zu seiner 2. Aufl. hat, scheint Zshang desselben mit
dem syu. gkiti'j angenommen zu haben, von dem es doch
lautlich absteht, obwohl l die in einem Teil des BO. (bes.
BSi.) übliche Ausspr. von ei (statt i') bezeichnen könnte.
Wenn das W. überhaupt richtig ist, so müsste es wohl zu
denen gehören, für die altburgundische Herkunft vermutet
werden darf.
Glid f. und II. : Dirne. Beihälteriu. Das W. tindet
sich nur in der Gaunerspr., von der PGengeub. in
seinem , Bettlerorden- (GiJdeke S. 343 ff.) reichliche
Proben t^ibt; z. B. V. (Jl: ,Darzue band si [die Gauner]
ir schönen gliden'; V. 105: ,[Er] hat es [sein Ver-
mögen] verton mit einem glid-; V. 444: .Wenn si mit
der gliden frölich springen zu Basel uf dem Colenberg.'
Gengcub. gibt in seinem Verzeichniss von Gauner-
wörtern auch: ,Gleyd, huer-, und Edlib. in dem sei-
nigen: ,Glid, dirn.- (Ave-Lallemant, Gaunertum IV 59).
Ua die üaunerspr. viele hebräische Wörter enthält, so
kann auch für ,Glid- jener Ursprung vermutet werden, viell.
von hebr. ij^Ud, Haut, Fell, nach Analogie von lat. ncortum,
fiz. ixau, und uuscrm , Leder' i. S. v. schlechtes Weib.
Klöster-: Scheltw. für unzüchtige Nonnen V .Von
pfaffen, münchen und klosterglyden.' UEckst.
Glid n.: Glied. 1. des Leibe.s. Spec. = Bein BO.
G'riidi und fj'simdi Gl-er hä; kein Krüppel sein. Von
Kindern Dim.: 's hat doch au''' alli grade Glidli [Worte
der Zufriedenheit, mit denen ein Neiigebornes begrüsst
wird] Z. .Weller [in einem Kaufbrief] me setzt, als
der liauf inne habe und er's von der band usgeben
liabe, derselbig ist ein gl. [als Strafe für Urkunden-
fälschung] und 50 pfd verfallen.- 11-J7, Fofka. .Wer
umb ein [Einen] utzit dienet, er sy |];intwrr.;hiiiaun.
sy werchmann oder burmann, dienet mit sineii u'lidinen,
das ist als lidlon.- 1460, L. ,G1., fleisch des leibs,
das die bein bedeckt, membrum. Glider, als bein,
fleisch, ädern usw., artus.' Mal. ,Dass gsunder Leib
hab gsunde Glid.' FWyss 1650. Gelenk: ,Luxata, ver-
renkt, aus dem gl. 'gangen.' Fris.; Mal. Gelenk des
Fingers als Längenmass: , Eines Gl-s lang abschneiden.'
JCScLz. 1772. Vgl. Gleich. — '2. der Familie, bildl.
als Grad der Vwdtschaft oder: Generation. .Hat er nit
ein vater, so erbt das lechen syn nächster fründ unz
an das ander gelid, hat er aber nit erben zue dem
ersten oder andern gelid, so ist das erblijchen synem
Herren verfallen.' c. 1459, ZFlunt. Otfn. ,Wer an-
spricht von sii.pschaft, der soll öffnen, wie er dem
abgestorbenen seie zuo den glidren.' 1490, LKotenb.
Amtsr. ,Von der Babyl. gefenknuss bis auf Christum
sind 14 glid.' 1530, Matth. Da N. N. den Todschlag
vor dem Tod seiner Mutter begangen hat und daher
zum Erbe derselben nicht mehr fähig gewesen ist,
sondern für ein ,abgeschnittnes Gl.' geachtet wird.
1555, Absch. Gl. einer grössern Gemeinschaft (Staat,
Kirche, Heer). ,Die keiserlich majestat habe Karl zue
bestärkung syns rychs als gelider und zuegelider geben
Holland, Braband usw.' 1473, Bs Chron. ,Regiments-
büchlein, darin der Stadt Zof. Regimentsgliedere, sanimt
allen ihren Kammern, Ämtern und Diensten verzeichnet
stehen.' 1784. Daher: in Beih und Gl. sta", eig. als
Glied in der Eeihe da stehen. Buch im GL! (eig.
militärisches Commando) Mahnung zur Ruhe Z. ,Auf
den Wink des Flügels sehn. Schritt und Glieder
halten.' Neuj. Z Mus. 1786. — 3. Bestandteil eines
Gerätes. Kürzeres Balkenstuck, dergleichen bei der
alten Kelter zwischen den Kelterbaum und die das
Kelterbett bedeckenden Bretter eingeschoben werden,
um den Druck zu vermitteln Z. Syn. (Berg), Su". —
Mhd. ijelit (auch m.).
,Aug(en)-, palpebra', gen*.' Denzl. 1677; 1699;
1716 (neben .Augenlid').
Un- s. unglich.
Geburt-: Gebärmutter. ,Die geburtglider oder
bärmueter.' Roef 1554 (ö.).
„Trucke"-: Schacliteldeckel Aa.~ - um für Lid
wie bei Augcii-Gl.
Zue-: weiteres, zugewandtes Mitglied; s. Glid 2.
in-be-glide(n): einverleiben. Im J. 1485 wird
das Gotteshaus R. der Propstei in B .inbeglidet.-
Geschfo. Ges. — zue-be-: angliedern, als Glied an-
schliessen. Ptc. = zugehörig. .So ist [der Herzog]
zu [von] nüwem in willen sich uf unser erplich land.
die mit uns dem heiligen Rych zubeglidet sind, zuo
füegen.' 1476. Ochsenbein.
zer-glidere": 1. zerteilen. .Der Zinsrodel erfinde
sich wegen zergliderten Gülten [auf zerstückelten
Unterpfanden] ganz verwirret.' 1780, L. — '2. einen
Satz in einzelne Gedanken zerlegen und auslegen; bes.
mit Bez. auf biblische Texte üblich Z. - 3. durch-
hecheln. ,Nun erst begann man davon zu reden; man
zergliederte die Leute.' Gottu.
3 mag sich aus 2 entwickelt haben, doch hat viell. ,er-
lideren', hernehmeu, züchtigen, mitgespielt.
glidle": 1. ein Glied, Gelenk bewegen; Syn.
gleichlen, knüdlen. — 2. Ptc. rein g'glidlet, fein ge-
gliedert Z.
glidlig, -nig: gelehrig GkL., Pr.; geistig (bes.
mit Gedächtnisskraft) begabt B. D'r glidnngist Schiieler
GRSchiers (Schwzd.).
Eig. wohl .gelenkig' ; dann übertr. auf geistige Gewandt-
heit. Adj. Bildungen auf -ni(/ gehen sonst meistens auf starke
Participien zurück, denen noch -ly angehäugt wird; nach
Analogie solcher scheint ylidnig gebildet.
Rcni-Glode: reine Claude, Königspflaume Bs; Z.
Glödir^>'m.: Tölpel, unbeholfener Bursche; doch
auch in besserra S. = närrischer, possierlicher Mensch
BSi.; Syn. Glör, Glüscher; Klöti. •- Appellativer Ge-
brauch des Namens Claudius, frz. Claude' S. (llmli.
(Jlaf. glcf, glif. -1
Shil-
(JOS
Glaf-gluf, bzw. autff -.jhqi.
ver-glaffarse°: durch Beschauen irgeud eine» Ge-
genstandes, ohne viel dabei zu denken, sich zu lange
verweilen B oHa.
Vgl. verglaß'en, erstaunen, sich vergaffen, bei Schm.-Fr.
1, 971; spät mhd. i-eiyla/ert, vergafft (Lexer 3, 118), zu altn.
glajm, durch Unbesonnenheit verderben; vgl. auch das Fjlg. ;
-arsen nach Analogie der Bd I 467 angeführten Bildungen,
zunächst glgarsen.
umh er -gläffe" umhrujUiffu : müs.sig umher-
schlendern W.
Big. wohl: umher ,gatfeu' {was ja auch mit Gehen ver-
banden sein kann) ; denn gläß'en steht ohne Zweifel dem im
vorhergehenden W. enthaltenen ylaffm ganz nahe. Vgl. noch
das Folg.
Gläffi I f.: ganz helle Luft, heiterer Himmel. Ufa
Schütti [Regenguss] git 's gern iin Gl. W ; Syn. Heitert.
Vwdtschaft mit .klaffen' i. S. v. ,sich öffnen, hervor-
brechen' wäre dem Laute nach wohl möglich, doch liegt für
die angegebene Definition näher, das Subst. an das vorher-
gehende, im gleichen Gebiet einheimische Vb. zu knüpfen,
indem die Helle des Himmels mit einem weit aufgetanen Auge
verglichen werden kann.
Gläffi II n. : Fratze, verzogenes Gesicht; «e Gl.
mache' AAZein.
Dieses W. könnte zur Not noch zu den zwei vorher-
gehenden gezogen werden, wenn au einen widerlich glotzenden
Blick zu denken wäre; vgl. Augmgteß', Augenlied (?). Schm.-
Fr. 1, 971. Aber da Fratzen hauptsächlich durch Verzerrung
des Mundes entstehen und das Geschlecht n. ist, so wird
eher ein Comp. Geläff von dem einfachen Läff n.. Maul, an-
zunehmen sein, wobei nur das angehängte -i einige Schwierig-
keit macht, dem hier jedenf. nicht dim. Bed. zukommen kann.
Glef(e) m. f.?: 1. Spitze. ,Spiess on glevi.' 1504/3'2,
G ESatz. — 2. Lanze, Spiess. .Die mit den langen gle-
f(i)en, die fluchent allesam(t).' 1368, Tobl., VL.; Just.
50 mit ,Gleven' zu Hülfe schicken. 1386, Geschfo. Ges.
.Verschmidend euere rebmesser, sichlen und sägeisen
ZUG glefen.' 1581/48, Joel; dafür 1667: ,Spiessen.' —
3. diese Waffe führender Kriegsmann, spec. eine tak-
tische Einheit, bestehend aus 3—4 Mann, mit einem
.Kürisser' (s. d.) an der Spitze. ,400 gießen mit ir
stähelin hüben.' Just. ,Quidam capitanus lige umb
Metz mit 600 glevcn.' 1475, Bs Chron. ,Wann ir
warent nit mer dann 4000 und by 30 gleven. die der
herzog hatt.' Sicher 1531. S. auch Glene.
Mhd. glavin, ghrin, glevU, ghve f., Lanze und lauzeu-
tragender Reiter, aus frz. glaive von lat. gladimi.
Glifer m. in der Formel: CEr ist) glatt(e) wie Gl. W.
Von mhd. ghfen, schräg, abschüssig sein; vgl. nd. glippen,
gleiten. Das W. scheint gebildet wie nhd. ,Schiefer', mhd.
«<7«it»)-, und .glattes Gestein' oder ,glatte Hanf zu bezeichnen.
Glufe" bzw. -jiS -o- Ap; Bs; Gr; G tw. (Gloffe.
1799); Th; zw. (neben Gxtf), Gluf GF., S., Gulfe
AAZein.; S (Schild), Gufe Aa; Bs; B (J- Si.); F (auch
kofa); VOrte; Gl; GRÜbS.; GA.; ScH; S; ThHw., Guf
Aa; GG.; ScHwE.; Z — f.: 1. Stecknadel, allg. Eine
grosse Gl. als Bestandteil der vornehmen weiblichen
Landestracht. Gotth.; sonst hildl. Bezeichnung des
Kleinen: Nüd Guf es gross. Es feit kei GL, nicht das
Geringste Gl. S. noch GJ.-Knopf. So auch in andern
bildl. RAA.: Öppis sueche" wie-n-e GL, angestrengt,
mühsam B; S. j& Gl. in-eme HeustocU sueche", ver-
lorne Mühe anwenden. Schild. D' Gl. us-em H. finde",
seltenes Glück oder grosse Geschicklichkeit haben B.
,E GL in eme Flieder Heu finde, spem omnium viii-
cere.' Id. B. Bin-ere Guf fangt men a* (stele'J Z.
,Man kann bei einer G. stehlen lernen.' Sprww. 1824.
Die Eigenschaft des Stechens als Bild kleiner Quä-
lereien. Do sticht 's mi"'- wie mit hunderttusig Gufe'.
Keltere. Mer sind wie uf Glufe gsesse, in der grössten
Verlegenheit, Ungeduld Z. 's isch-ere g'si", si sitz uf
Glufe' und Nadle". Usteri. Auch Bild des sinnlich
Unangenehmen: Wie schmeckt 's? Besser a's e Häm-
pfeli Gufe. Breitenst. 's ist nter lieber a's es Hämpfeli
Gufe (im MülJ, sagt, wer sich Etw. wohl schmecken
lässt AABb.; Z. ,Ich sollte zum ofen sitzen, spinnen
und gufen spitzen.' UEckst. .Künden sy als vil pfaffen
erstechen mit den gufen als mit den messem, so
wclltend sy es nit sparen.' 1534, Absuh. ,Kadlen und
guffen.' 1536, ZBletz. ,An ein gekrümmte glufen.'
VoGELB. 1557. .Jungfrau, band ir kein kleines güfelin,
dass ir mir uflieftind myn kränzelin V ■ 1558, Lied, ,wie
man um ein kränzlin singt'; s. T., VL. I, CXXXVm.
,Fast US mit ir, was darfs vil leben, ich wollt dir nit
ein gufen geben.' JMurer 1560. Der Teufel lehrt
eine ihm ergebene Hexe, neugeborne Kinder mit der
Gufen, die sie ihnen oben ins Häuptlein sticht, aus
der Welt schaffen. 1570, Gfrd. .Acicula. ein gufen.'
Fris.; Mal. Ebso Denzl. 1716: .Stecknadel.' ,Hölzle
spitzen, gufen sp., in kleinen sachen vergebens ar-
beiten.' Mal.; vgL: ,Nun ein gufenspitz', nur das Ge-
ringste. RuEF. ,Das Gufenstädtle Nantua, da nur Gufen
usw. gemacht werden.' JosMal. 1593. .Glufen, Gufe,
Spelle, Spenne, spina, capitata acus, acicula.' Red. 1662.
,[Wenn] dises [das Kind im Liegen] ein Spänlein,
Hölzlein, Gufen oder Nadlen sticht.- FWürz 1634.
Hexen waren im Stande, Leuten Allerlei in den Leib
zu zaubern: .Endlich aber fienge sie [die Verhexte]
an speien und speietc aus lange und krumme eiserne
Nägel, grosse, gelbe Glufen oder Stecknadlen usw.'
.\nhorn 1674; vgl. die Geschichte des letzten Hexen-
processes [der A. Goldli 1782 in Gl]. .Ein Guf oder
Nadel entlehnen, einen Spreissen darmit aus dem Finger
zu tun.' Wasterking. Proc. 1701. ,Ein Nadler machet
einen Tag in den andern gerechnet 9000 Gufen.' Dis-
coiTRSE 172'2. — 2. (PI.) Samenknöpfe des Hanfes,
welche mit Hecheln aus dem ,Werch' herausgeschafft
werden W. — 3. (PI.) das aus scirpus pal. und uni-
glumis bestehende Bergheu BSi.
Spät mhd. glu/e, gufe. -Die Form mit l ist die ältere,
aber die andere überwiegt bei uns schon seit dem XV. (,Gnfen-
macherin.'_U.51, Bs). Bemerkenswert ist die Umstellung Gulfe.
Bed. 2 u. 3 von der .\hnlichkeit der Gestalt. — Aargauische
Sagen (Rochh. I 111. 389) berichten von einer römischen
Niederlassung, genannt ,Gufenstädtli', wo aber der Name wohl
nicht den Sinn haben kann, wie bei Malers Angabe betr.
Nantua. ,Gufen' steht dort viell. für Gufel Sp. 132 und
bezieht sich auf die Lage des Ortes auf einer Höhe.
Lüeder-: beim Aufschütten des Pulvers auf die
Zündpfanne der Vorderlader verwendete Nadel Z;
Syn. Liieder-, Ber-Nadle. Auch beim Sprengen von
Steinen; Syn. Spreng-G. — Sicherheits-, Schlüss-,
Bschluss-: Stecknadel, die nicht aufgehen kann Z.
— Spreng- Z s. Lüeder-G. - Steck-: Stecknadel
A AWohl.; auch: Busennadel als weibl. Schmuck Bs;
Ndw; Z; Syn. Brustnadle. — Welle"-: lange Nadel
mit grossem Kopf, beim Spitzenklöppeln THSteckb.
gluf(n)e": mit einer Stecknadel befestigen Ap; G.
— an- Ap (auch -gUifne'). -gufe' Tu; Z = dem vor.
-flliif. (JlaCl
ver- = ilcin vur.. z.B. auti;oli;iii.<,'to Wäsche gegen
acii wiiKi z.
g(l)ufere": mit einer Gl. oder einem andern
liingliehen Instrument stochern Aa.
guf(e)le°: 1. = (an)glufen B; Z. ,Heftet und
güflet auf allen Seiten.' Stütz. — 2. (glüfle") ein Kinder-
s|iiel mit Glufen GSa.
an-güfele": mit Reden oder Geberden angreifen,
zur Rede stellen (gleichsam .anstechen'); auch im
Schachspiel : einen kleinen Angritt' machen Z (Spilhn.).
— ver-: = eenjfljiifen. ,V., aciculis undique com-
pingere.' Id. B. '
lilaft: Wassermücke. Jonstonus de Insect. ita
iwiiunciat: Musca aiiuatilis sstiva major frequens
■irca Tigurum conspicitur mense Majo (vulgo tes [y]
llafft vocant).- .TJ Wagner 1680.
Glagg glugg.
„(ilagge": Überschuhe B.' — Krz. piit. Wn.,«..
Glogg, -e", in GrD.. Pr. Chluie — f.: Glocke.
1. Kirchenglockc. .Wann [denn] vor waren die gl-en
also, dass ein knecht einig, an helfe, mocht gelüten
die meisten, nu muess man dicke drye han, swenn
man lüten will kreftlich zue den hoclizyten. und i: gen
dem Wetter.- lolL'. GFKn. .An den liolion sainstag
|vor Ostern |. da man die gl-en liitet.- I:;i'.i. Z Katserk.
,Als wyt die heidenschaft gat. ist kein gl. noch schellen,
denn [ausser, sondern] dass man allezyt mit hölzenen
!;l-en lüt[et], wie hie in der hochwuchen [Karwoche].'
HsScHÜRPF 1497; vgl. Fabilla Bd I 635. ,Die städt
band aus gl-en büchsen g'maeht und wollten uns er-
sehiessen.- 1499, T., VL. .Vom wyn mich nüt ab-
scheidet; wenn ich des nüt me mag ynnemmen, so lüte
man mir mit gloeken z'sämmen, dann bin ich tod, old
joch fast krank.- Aal 1.549. .Rat und burger mit der
gl-en versammt.' 1549, Absch. .Die Kirche zu TArtore
hat zwar eine Gl., die aber an hölzernen Pfählen
ausserhalb der Kirche hängt.- 1634. ebd. Verglei-
chungen und RAA. : Es Fass wie-n-e GL, so ganz und
gesund ZS.; vgl. glogge"gam. En Ma"" vie-n-e GL,
grundbrav Ar. En Himmel (SchwE.), c Stimm (Ap; Z)
irie-n-es Glöggli, rein, wolkenlos, hell, metallrein.
ITärt g'höre' rvie-n-e Gl-e", harthörig sein FS. Lose",
wie (!' GL tönt, was d' GL schlät, horchen, was die
Leute sagen Z. Am End merkt mf, tvas d' Gl-e'
g'schlage' het ScuSt. Wer nummen ei"' Gl-e' hört,
hört nummen ci'" Ton PMu. Wenn-vi'^ will u-üsse",
icie 's G'lüt ist, mtiess-mc' nit nummen ei" Gl-e' köre',
audiatur et altera pars S (Schild). Ha" neime g'hört
/•s Glöggli lüte', es ist ein gewisses Gerücht zu mir
gedrungen ZO. .Bei welcher Gl-en sie haben läuten
iiören.' ZRhein. Beantw. 1747. Man sehe wohl, dass
.die glogken all zuesammen schlachen [alle Anstren-
gungen gemacht werden oder dass alle feindlichen
Pläne in einander greifen].' 1530, Assch, ,Do schluo-
gen die gloggen z'sämmen, dass er niena in der Eid-
gnoschaft dorft wandlen.' Sicher 1531. A" die gross
GL henke' Gi.; Z, srhlfi' BHk., ausposaunen. A' der
Schweiz. Wiotlkoii II.
iirossc Gl-e' zühe", sich an die oberste Behörde wenden.
Solger. Uri habe ,die grosse Glocke angeschlagen'
und seine Sache bei Zürich anhängig gemacht. 1658,
Absch. Zum Pfarrherrn, der dem Sprecher das Ver-
dammliche seines Wandels vorgestellt: ,Das ist stark
mit der grossen Glocke geläutet, wenn es schon Nie-
mand höret als ich.' Nachtl. 1790. ,Vermög welches
[Gebets] Gott solche gehörlose Buben tschupet [war-
nend am Haare zerrt], die grössere Glocke läutet, bis
sie hören, die Kin li.- «jeder finden.' LKInderbitzi
18'26. A. Hl'. Ins. /'' filini;, die gross Gl-ii z' Paris
lüta. B. May sV, und r'' gsehn tif-em Spitzberg d'
Miiggn geina GW. [Probe von Aufschneiderei]. Die
gross Gl. [Todtenglocke] zalt Alles, macht Alles ver-
gessen AABb.; GrHo.; L; vgl.: ,Diewyl des menschen
leben kurz und die weit Ion mit den gloeken git und
denn des armen menschen ganz vergessen wirt.' 1494.
UwE. Jahrzeitb. , Andere meiner Debitoren starben
und Hessen mich die Glocken zahlen.' UBkXgg. .Die
Gl. ist gegossen-, der Plan. Anschlag ist fertig und
gesichert. .Alsdann war ir gloeken g'gossen und sie
sicher.' c. 1510, Siml., Urk. .Die gl. ist g'gossen, wir
werdent sy bald lüten, dass der ton wyt erschallen
soll [Ki-iegsdrohung].' 15'29, Absch. ,A1s ob ir gl. si
g'gossen'. als ob ihr Sieg vollständig sei. 1.531, Lied.
.Als König Heinrich den anschlag merkt, dass die gl.
über in g'gossen was.' Vad. ,Was will ich wider
Alle? ich sihe ja ein einhellige Prattik, ich .sihe, wie
die Glock gegossen und was sie geschlagen.' AKlingl.
1088. .Die Gl-en stellen', sich schlagfertig machen,
wohl eig. zum Voraus die Sturmglocke schief .stellen,
so dass sie sofort beim Anziehen anschlägt [V]. .Als ob
wir uns mit kriegischen anschlegen wider sy gerüst
und die glogk über sy gestellt.' 1529. Absch. IV 1 b 144.
Son.st wurde das Geläute allerdings auch etwa auf-
gespart zu einem Allarmzeichen: ,Si habind all gl-en
still gestellt und einen stürm angesechen [beschlossen].'
1529. Absch.; und so ist viell. auch zu verstehen,
wenn berichtet wird, dass vormals in Obw, wenn Krieg
drohte, die Kriegsrödel ausgefüllt, Musterung gehalten,
die grosse Glocke eingestellt und Feuerzeichen aufge-
richtet wurden. — Auch = Glockenschlag. .Auf Glogg
acht betete der Schulmeister.- AKtbdrz 1753. Vgl.
Gloggen- Stund. — Die Phantasie des Volkes legt dem
Geläute der Glocken, abgesehen von dem allgemeinen,
lautmalenden Inm, bäm! böläm! Sprache unter. Beim
Begräbniss eines Kindes ruft die kleine Glocke in
wehmütigem Tone: Bring 's au'''! Bring 's an'''! ZS.
Ähnlich bei einer Beerdigung übh. in BsKilchb. :
Cliumm bald! "der: ',v »immt Alls en End! 's n. A.
e.E.! Stutz; in ZKil.hli.: Gott bald! (Dan.). Einem
Geizigen: Mnest (i)iiicii lur, m. g. h.! Die 3 Hoch-
zeitsglocken: 1. die kleinste: les gät 's Elend a", i. g.
E. a'! 2. die mittlere: Wie lang? ic. L? w. L? 3. die
grosse (tief): Dl's Lebe" lang! d. L. L! ZS. Oder:
1. Ach min Gott, a. m. G.! 2. ühr&z und Not, Ch.
u. N.! 3. Und das «ü Lebe lang! Th; Z. Ähnlieli.
nur kürzer, das Geläute von StJakob, der üblichen
Hochzeitskirche bei Basel: 1" 's Elend! i'.t E.! Beim
Zusammenläuten: Ging, gäng! g., g.! dass dC l'faff
i' d' Chille' chämm! Vgl.: Stille! d' Pfaffe gönd i"
d' Chille! Weit verbreitet (Aa; G; Z) und wohl all
ist auch der Volkswitz: 1. Sind die Schelmen (Lumpen)
all da? 2. Bin Eim! b. E. (bis im Eine')! 3. [nach-
dem der Pfarrer gekommen | All du! n. d. (aw'' da)!
611
Glagg, glegg, gligg, glugg. glugg
In SoHÖt. fragt die kleine Kathausglocke wie 1. die
grössere antwortet mit 2. Bochh. hat folgende Wen-
dung: 1. (Pfarrer): Sind mini Schöhne alli do? alli
do? 2. (Gemeinde): Alli bis tif Eine (bist aw'' eine!
h.a.e.)! 3. (nachschlagender Glockenschwengel): Er
chunnt! e. eh.! Eine Wetterglocke: Susanne, S.! alli
Wetter diir'Kinne! AAFri. Auf Neckerei der Nachbar-
gemeinden beruhen Deutungen wie: 1. B'Sihlg'meindler
2. sind Schelme'^ 3. bis an Einen! Var.: Bim, bäm,
bäm! B. b. b., d' SihlbriXggler, d' S., sind Schelme", s.
Seh.! Z, oder: Gänsenente"! Entegänse'! läuten die
Aussersihler Glocken Z; arm und elend! a. u. e.! die
von ZSteinm.; Bachchiinijd ! B! ZDachsl.; rüered
d' Becki z'sämme'! r. d' B. ;..' ZObi'rhasli [Anspielung
auf das sog. Scherbete" der Glocken]; vgl.: d' Sener
lüte d' Becki z'sämme : Chüemilch! Geissmilch! AaScou.
Asperchelle! hat sibzehe welle'! AAÄsp. Wenig Brod
und Sure Wl', ach Gott! Wer mächt aw'' z' Chlinglau
sl"! AAKlingn. 1. Bring Geld, 2. wenn d' hast! Aa
Laufenb. Euseri Cherze" und Palme sind besser a's euer
Psalme! rühmt LMaihaus.; ihm antworten die Glocken
von reform. ÄAMenz.: Euer Palmen and Cherze sind
toie der Sehne im Merze'! Endlich in SAltreu: Schäm
di"''! seh. d.! Vgl. über Glockunsprache übh. Kochh.
AK., S. 57 ff. ; Stöber, Alsatia 1853, S. 169; WWackern.,
kl. Sehr. III 94 ff. — 2. Hausglocke. An alle Glogge"
zieh, all Gl. erschütte", an allen Türen anklopfen
ScH; Z. ,Durch Schnieichlen, Rennen, Stüi-niung der
Häuseren und Erschüttlung aller Gl-en sich einflicken
[einmischen].' DToMAKN 1708. — S.Begenbogenschüssel-
chen. Er suecht 's silberi Glöggli under ''em Rege-
boge", Bezeichnung kindlicher Einfalt. Sprww. 1869.
— 4. Herdenglocke, Kuhschelle aus Glockenmetall;
iniGegs. zu Klopfe". ScMlle", Trinkle" Bü.; Z. Stäst
wider da wie-n-e Chue öni e Gl.':' Z. — 5. Glöggli,
Hauttroddel am Halse vieler Ziegen; augeblich Zeichen
von Milchreichtum Zu.; Syn. Züttel(i). — 6. glocken-
förmige Anhängsel oder Teile der Kleidung. Glögg-
leni, die am untern Saume des Bückeus einer Frauen-
jacke (,Schluti') zur Verzierung angebrachten Bauschen
BHa. .Es sollen keine lÜH-k oder Camisol mit Glocken
bei Bauern oder (iemeiiiiMi mehr geduldet werden.' G
Kleiderordn. 1727. — 7. Glogge", 2 Seile zu beiden
Seiten der Segelrute, um das Segel zu richten und an
den Schiffswänden zu befestigen Bodensee; vgl. Zoj)/'.
— 8. Name von Pflanzen mit glockenförmigen Blüten
oder Blumen: a) verschiedene Arten von Campamila.
Glogge" = c. urticif. Aa, c. trach. GW.; Glöggli, e. pus.
GWe., c. pat. G uBh., (ehlmi) c. rap. Aa, c. rotundif.
Aa; GW., e. lanceol. AaZ.; Syn. Gloggebluem. —
— b) Glöggli, Akelei, aquilegia vulg. Aa; B; Sch; Th,
Glogge', a. atr. GS., We.; Syn. Geiss-, Wald-Gl. —
c) (wlss) Glogge', Zaunwinde, convolv. sep. AaF.. Z.;
Syn. Begen-, Zun-Gl. — d) Glöggli, Enzian, gent.
venia ScnwSew.; gent. acaulis GSa.; Syn. Stein-Gl.
— e) tvissi Glöggli, Milchstern, ornithogalum umbel-
latum AAKobl. — f) Glöggli, Hyacinthe SG.; Syn.
Gläsli. — g) Glöggli, Fuchsia B. — 9. zu Eigenn.
verwendet. Glogg, Geschlechtsn. ZMeil. ,Das hus.
dem man sprichet zer Gloggen.- 1319, Bs Urk, In
Flurnn.: Gloggen-Aeker ZWyt., -TaJ BSteffisb., -Wetd
BLiesb., -Wisen ZWiesend.; Glöggli-Mos LEain.
Mehrere dieser Namen mögen auf Bed. 8 a od. b be-
ruhen. Zu Bed. 1, aber in höhnischem Sinne, gehört:
Hölzerne Gl-en als Spitzn. der Bewohner von AAKlingn.
und irdene Gl-en von AAjonen (s. liochh.. Wanderleg.
1887, S. 33).
Zu Bed. 1. Die Glocke, zu alleu Zeiten dem Vulku ehr-
würdig und fast heilig, hat zu allerlei Glauben und Sagen
Anlass gegeben. Es kommen hiebei in Betracht die Namen
und auch die Inschriften derselben; vgl. ANüsch., Glocken-
inschr,, im Gfd 30, 123, und in ,die Gotteshäuser der
Schweiz'. Frühe schon kam der aus der Weihung entstan-
dene Missbrauch auf, dieselben zu .taufen'; hierüber s. Gfd
2, 110 und Kochh. AK. S. 58. ,ünd heisst die gl. Susannen.'
1549, Schwingenb. ; s. auch unter Götti. Auch Reliquien
wurden denselben beim Gnsse einverleibt: ,3. Julii 1397 wart
die gross gl. gegossen und ist do inne der h. 3 künigen
goldes von der stift ze Zof. und S. Joders heiltuom, das gap
uns der bischof von Wallis.' L (Gfd 2-2, 158). Uralte, kleine
Glocken (wie die im Prediger Z, im Siechenhaus BBurgd..
in GlBilt.; ZZoll. u. anderswo) von reinem Klange bestehen
nach dem Volksglauben ganz oder tw. aus Silber und ent-
stammen z. T. alter Kriegsbeute. Die silberne Glocke im Bs
Münster liegt seit dem Erdbeben im Rhein und lässt Nachts
liebliches Klingeln hören. Andere sind in Kriegszeiten auf
wunderbare Weise gerettet worden, so ein Glücklein in ZStäfa
von der Ortsheiligen Verena, in ZErl. von der h. Agnes. Bei
der Erobernng einer Stadt mussten die Glocken losgekauft
werden, weil sie sonst nach Kriegsbrauch der Artillerie des
Feindes gehörten; so 1712 in AaBaden, worauf sich bezieht
Tobl. Volksl. II, 139. Zur Geschichte der Glocken vgl. noch
Th Beitr.,XXII 30 f.; Sonntagsbl. des ,Bund' lS83,Nr.38 ff.:
Neuj. Z Musikges. 1858. Etymologisch gehört Gl. viell. zu
Mocken (s. d.), anschlagen, wie die Form VMotjtje lehrt; vgl.
noch Klopfe, Schelle.
Fir-Abend-Glogg s. Vesper-Gl. — Abrellen-:
gelbe Narcisse, narc. poet. B.
Elfi-: die (gew. grösste) Gl., welche um 11 Uhr,
der frühern Mittagessenszeit, geläutet wird.
Vgl. Hnlif (Bd I 283) und Bi-t-GL Auch dieses Geläute
hat wohl eig. kirchliche Bed. und steht im Zusammenhang
mit dem i. J. 1455 von Papst Cali.\t III. eingeführten Mittags-
gebet wider die Türken, weshalb diese Glocke anch ,Türken-
gloeke' heisst.
A\i> e" - Glöggli : Alpendrattclbhnne . soldan. alp.
BO. — Angst-Glogge: Glockenzeichen am Donners-
tag Abends zur Erinnerung an die Angst Christi in
Gethsemane TnBisch. — Todes-A.-: Gl., mit welcher
das , Endzeichen' (s. Eml Bd I 315) geläutet wird.
,Die StTheodulskirche in WSitt. blieb früher Tag und
Nacht offen, weil da das T.-glöcklein geläutet wird,
wenn Jemand stirbt.' W Sagen. — Ur- = Zlt-Gl.
1292/1371, ZEatsb. — Oster- = Abrelh'-Gl. Schw;
U; vgl. das nhd. syn. ,Osterlilie-. — Feld-: sarka-
stische Bezeichnung eines Gehängten. ,Galgenschwenk-
ling, -zemderling, ein feldglocken, galgens- oder hen-
kenswert, furcifer, cruciarius.' Mal. — Fünfi-:
Abendglocke, um 5 Uhr geläutet. Vermummled mit
der Stange lauft der Gaslaternema"" ; und d' Finfi-
glogge tent derzue Bs (Schwzd.). — Für-: Feuerglocke,
d. i. die Glocke, deren Läuten Abends das Zeichen
gibt, das Feuer auf dem Herde zu löschen. .Von der
f-en. Der Rat und die Burger sind gemeinlich über-
einkommen, dass man von sant Michels tult unz zen
Ostern lüten soll iemer ewiklich zer probsteie ze füre.'
Z Richtebr. 1304. Nach G Eatssatzungen des XIV. u.
XV. durften weder Pfister noch Privaten nach Vesper
zum Backen Feuer anzünden ,und die sniit nit länger
won unz ze f-en.' Ebenfalls von GStdt sagt Simmler,
Reg. 1722: ,Von Altera her ist bräuchig, dass man
alle Nacht ein Glocke, die Feur-Gl, genannt, V* Stund
läutet, damit Jedermann in seinem Haus sich verwahre.
(US
Glagg. ?lei,'g. srlijfK. glogg. glugg
614
dass durch Feur kein Schaden geschehe.' ,ln wirts-
hüsern ist verboten, oft'enlich ze spilen bv 1 pfd für
f-en hin.- 1417, L Katsb. ,Den 18. Wintermon. gegen
der Nacht, ah man schon in der Statt Bischofzeil die
F-en gelütet hat' JosMal. 1593. .Eine Glocke zu
StLeonhard. die im Winter täglich um 8 Uhr und im
Sommer um 9 Uhr geläutet wurde, und Jedermann
ermahnte, das Feuer zu löschen, hiess Feuerglocke.'
Bs (Ochs). — Furz-: I.Person, welche die Gewohn-
heit des Farzens hat G; Z; verächtliche Bezeichnung
eines unbedeutenden Menschen übh. L. — 2. Weiber-
junte, -Unterrock Bs. Vgl. gloggen. — Vesper-:
Abendglocke, gewöhnlich die zweitgrösste, im Sommer
um 4, im Winter um .3 Uhr geläutet Son; Z. .Bei
Feursbrunsten soll die grösste Gloggen, wann der Bär
im Land ohn ein die grösste, nämlich die Feiraben-
gloggen, zum Wolf die Vcspergloggen und die kleinste
geläutet werden.' 1668, BFrutig.
.G ans -Glöggli nennt man ein Glöcklein zu Riehen,
eine Stunde weit von Basel, welches des Abends zu
der Zeit geläutet wird, da ein Fussgänger noch eben
recht in die Stadt kommen kann.' Bs (Spreng).
Viell. urspr. ein Gl., welches das Zeichen zum Heimtreiben
(ici- Gänse gnb.
Geiss -Glogge", -Glöggli: 1. Ziegenschelle GT. —
2. Pflanzenn. a) Windröschen, anemone nem. Ap;
GSa., T. Syn. Märzen-Gl. — b) Akelei, aquil. atrata,
zu Absud für Ziegen benutzt ScHwMa. — c) Schnee-
glöckchen, galanthus niv. und leucoiuni vern., welche
das Volk nicht unterscheidet GoEh., Sa.; SchwE.; Syn.
Märzen-, Sehne-Gh — d) grüeni G., grüne Niesswurz,
helleborus vir. GSa. — Heide"- nennt das Volk in den
VOrten mittelalterliche Glocken, die entw. ganz glatt
sind od. deren Inschrift wegen der got. Buchstaben nicht
gelesen werden kann. Gfd 30, 124. ,Der Kirchturm
zu ScHwTuggen stammt nach der Sage aus der Heiden-
zeit und eine der 4 Glocken heisst noch die H.' Nüscu.
Gottesh. UI .504. - Hunds-, in der RA.: B' H.
zieh", sitzend die hangenden Beine hin und her schwen-
ken, von Kindern Gl (Schuler). Vgl. Esel Bd I .516.
-- Hung [Honig]-ff%(7//; Taubnessel, Bienensaug,
lamium ScHwKüsn. — Joiers-Glogge": StTheoduls
Glocken, bes. kräftig gegen Gewitter Ndw; vgl. die
Anni. zu Glogg. ~ Chue-ö?.; 1. grössere Gl. aus Erz,
welche dem Weidevieh angehängt wird STierst. —
2. Küchenschelle, anemone puls. Gr. — Ka.ii-GKgyli
= Hiilhi-drii-Glöggli, s.d.; scherzh. so genannt, weil
es von mancher Hausfrau als Einladung zur vorzei-
tigen Bereitung des Abendkatfees verstanden wird Z.
— Chinds-: Begräbnis.sglocke für Kinder ApA.
Köngeli-. ,Am Pfingstmontag wird in Schaffh.
nach gehaltner Frühpredig unter Läutung eines sog.
Köngelein-Glöggleins der Amtsburgermeister abge-
wechslet und der andere Burgermeister erwählet.'
SiMML. Reg. 1722.
Das i. J. 1449 aus der Burg Balm erbeutete und auf
den Fronwaagturm verpflanzte Glöcklein hatte viell. eine Bez.
auf die h. Kunigunde.
Kap iz in er-: Bachnelkenwurz, Sunipfbenedikte,
geum rivale LE. ; GRh.; Schw; Zg; Üyn. Kajnizinerli.
Durch die Farbe der Kelchblätter an diejenige der Ka-
puzinerkntte erinnernd.
Kerne"-: eine Glocke im Fraumünsterturm Z,
welche seit 1757 jeden Freitag Nachm. geläutet wurde
zur Eröffnung des Kornmarktes. — Kirsi ('C'Anesi^-;
die Glocke, mit welcher in SonSchl. das Zeichen zum
gemeinsamen Kirschenpflücken an den Bäumen des
Gemeindewaldes gegeben wurde. So wurde an andern
Orten (z. B. ZZoll.) mit der grossen Glocke zum ge-
meinsamen Laubrechen unter den Bäumen der Allmend
(zum , Ausgeben' des Holzes und zur Oha-Gant jetzt
noch) geläutet. — Kas-Glogg. Die sog. K. in L hatte
ihren Namen daher, dass sie beim Gusse kein Öhr
zum Aufhängen bekam, sondern dass der Zug oben
zusammen rann und eine Masse bildete, gleich einem
Käse. 1485, L (Hofkirche). — Chat- Glöggli: Glocke,
deren Geläut schlechtes Wetter (Regen und Kot) ver-
kündet. Eine Benennung, welche die Landleute den
Glocken eines Borfes beilegen, das für sie in der
Richtung des gewohnten Regenwindes liegt Z. —
Chli'-Glogg hiess eine Behörde von 36 Mitgliedern
in AABr., welche neben Schultheiss, Bat und Zwölfern
(letztere aus den 36 erwählt) das Gemeinwesen regierte,
so benannt, weil man mit einer kleinen Glocke zu ihrer
Versammlung läutete. Die Mitglieder hiessen Uhlt'-
glöggner {.\a Gem. n SO). - Chlenk-: Glöcklein, mit
dem ,geklenkt' (s. d.) wird BsL. In Ap gibt die Kl.
das 1. Zeichen zum Morgengottesdienst; Syn. Wlsi-Gl.
— Klopf-: geschmiedete Schelle. ,Das Hutz-gür
(s. Sp. 411) trug eine .\nzahl sog. Kl-en um den Leib.'
HBus. 1865; vgl. Klopfe. — Lumpe"-: Glocke, die
um S'/s läutet, weil die ehrbaren Bürger schon um
8 Uhr das Wirtshaus verlassen TnOiess.; in GRÜhur
die Glocke, mit welcher Nachts 11 Uhr das Zeichen
zum Schliessen der Wirtschaften gegeben wird; vgl.:
'.s göt us-em Wirtshi(s Ma" für Ma", denn d' Litmjye-
glocke rüeft scho a". Walchner. Syn. Stübi-Gl; vgl.
Lninpensammler.
Lire"-: 1. Birne im Volksrätsel: Hoch oben e (es
ist e grossij Liregl., es chitnnt en Wind und wehet si ;
es chunnt en Schnegg und fähet (hähet) si, denn chiinnf
en Wigere- (Wiggeri-) Wl (Bihelihi, Giggerihi) itiid
(risset de' Schnegg und si ZO. — 2. LiregUiggli wird
gescholten, wer langsam ist, nicht fertig werden
kann Ap.
Liren, drehen, und: leiern, i. S. T. Langsam arbeiten:
bei 1 scheint es in den Begriff des Baumelns übergegangen
zu sein.
Lovite- Glöggli: kleine Glöcklein, die in Loreto
gefertigt und gesegnet werden und mit welchen bei
Sterbenden um das Bett geläutet wird, um den Zutritt
des bösen Feindes abzuwehren, kath. Schweiz; vgl.
Rövier-Gl. — Maie"- Glogge": 1. narc. pseudon. U;
Syn. Miirze"-Glogg. — 2. M.-Glöggli, Maiglöckchen,
convallaria maj. Bs. — Manne"-: die grösste Glocke,
mit welcher erwachsenen Mannspersonen zu Grabe
geläutet wird Ap. — Unre"-GlöggU: kleine (gern
an Mauern wachsende) Glockenblume, camp, pusilla
ScHwMa.;U; Syn. StoM-eZ. — Märze"-G%(7e" (PL):
1. gelbe Narcisse. narc. pseudon. GT.; Ndw; U. —
2. Schneeglöckchen, leuc. vern. Schw. — M.-Glöggli:
1. leuc. vern. und galanthus niv. Aa; Bs; B; Gl; L:
G; Schw; S; U; ZÜ. — 2. Maiglöckchen, conv. maj.
ZBass. — 3. Windröschen, anemone nem. GSa., Ta.
— Uess-Glöggli: Glöckchen auf dem StLeonhards-
tunu zu Bs, welches am 27. Oct. die Jahresmesse ein-
läutet. — Mues- Glogg: eine der Glocken im Bs
Münster (die sog. Kaiser-Heinrichs-Gl.), welche um
10 Uhr Morgens den Hausarmen durch Läuten das
Ü15
GUgg. gleg
■^Mgg. glogg. glngg
Zeichen gab. ihren Brei im Almosenhaus abzuholen.
(Ochs). — I^üch-Glogge'. ,Dass man zer abteie iemer
cwechlich ein nagloggen lüten soll, so man vom wyne
gan soll.' 1304, Z Richtebr.; s. noch Stäuh-Gl. ,Swem
nf die wachte geboten wirt, der soll ze der nahgl-en
kommen uf das rathus und selb wachen.' 1.336, Z
Ratserk. ,Swer nachtes nach der naehgloggen gat ane
liecht.- 1343, ebd. — Nüni-: Glocke, die Abends 0 Uhr
geläutet wird, z. B. das N.-Glöggli in ScHStdt auf dem
Unot; s. Sage darüber im Sch Volkskai. 1863. .14 ß
dem sigristen zum Frowenmünster die nünegloggen ze
lüten.' 1533, Eeu. — Bi-: Beiglocke i. S. v. Glogg 7,
Hülfsscil am Segel TuBodensee. — ,B\iehc"-GlöggH:
Glöckchen, das im Sommer Abends 10 Uhr, im Winter
um 9 Uhr geläutet wird, zum Zeichen, dass .sich alles
Gesinde aus den Schenkhäusern heimbegeben und
Niemand ohne Lanterne über die Strasse gehn, viel
weniger einigen Mutwillen darauf treiben solle.' Bs
(Spreng). — B a. ch - Glöggl i : Bach-Geum. g. rivale Sch.
— B 0 m s c h - (rto(7(/("' = dem folg. W.; ..entweder ent-
stellt aus Papst-Gl. od. wegen ihres dumpfen Klanges."
(Anon. ad Stald.) — Papst-: grösste Glocke im Bs
Münster, 1441 von Papst Feli.\ V. gestiftet: sie wurde
bei Wassersnot geläutet. — Burger-: die Glocke,
welche die Bürger zur Versammlung rief. ,Zu mittem
tag lüt man [in ZStdt während der Belagerung 1444]
die b-en, denn so kamend ander uf die wacht.' Edlib.
Bet- (in ZO., S. auch nur B.-logge'): Glocke.
welche Morgens früh und Abends spät, beide Male
in der Dämmerung, zum Gebete einladet; vgl. ,Hüet
abziehen bei dem Glockenklang' ist den Evangelischen
der gemeinen Herrschaften freigegeben. 1657, Absch.
Diese Entblössung des Hauptes z. T. jetzt noch Z.
Dieses Läuten bezeichnet den Anfang und Srhluss des
bürgerlichen Tages (an Werktagen auch der Arbeit);
daher dann übh. als Zeitbestimmung {Biif-il, i. S. v.
Betglockenzeit), allg. 's hlt't Bef-loggc". d' Bin-hoi
und Chind müendi'''s Bett hoppe' Z; den Sililu>s ilcs
juridischen Tages bezeichnend im Gl LI!. 1 I |s/ls:;."i:
,Ein Landmann soll dem andern vor Rat vorkünden
lassen Abends vorher vor der B., vor Gericht 2 Tage
vorher vor B.'; vgl.: ,Der Tag für den Fähr fangt
an, wann die Morgenglocke geläutet; er hört auf,
wann mit der Glocke des Kirchturms das Abendzeichen
gegeben ist.' Fährordn. 1810. Der Stundenschlag
während des Betglockenläutens gilt als Vorzeichen
eines nahen Todesfalles in der Gemeinde Ap; Gl; Z.
Ein sjjarsamer Bauer ersuchte den Küster, im Sommer
recht früh die B. zu läuten, damit seine Knechte
früher an die Arbeit gehen, aber nicht zu lange, damit
die Glocke sich nicht abnutze ZS. Vgl. BetfenJ-lüten;
JIofamaie"-Mten und unter glückhaft. , Gemeine frowen
sollen fride [Schutz] han inlialb der statt ringmure,
bis so man ze g'bete lütet die b. und nüt für bas.'
1390, TaDiess. Stadtr. .Nach der b. soll nieman mit
pfyfen, trommen noch andern spilen um die statt noch
uf der gassen züchen, euch weder schryen noch juch-
zen.' c. 1400, ebd. ,Um bettgloggen [.\bends] kam ein
früscher wind.' HsSchürpf 1497. ,Das ewig liecht soll
brinnen all samstag die ganzen nacht von einer b. bis
zu der andern.' 1504, Gfrd. ,N. N. [Damnifikaten]
sollen ein ganz jar nach der b-en kein wyn usserthalb
iren hüsern trinken.' 1531, Strickl., Act. ,Alle abend
nach der salve- oder b-en.' HBull. 1572. ,Soll die
jugent mit ernst ermant werden, so man mittag lütet.
euch morgens und abends die b-en, niderzeknüwen und
die gebet, im Catechismo darzu verordnet, andächtig
sprechen.' 1582, S Wochenbl. ,Zue Unzeiten, als nach
der Betglookhen.' 1627, Bs Rq. Das B Mand. von 1628
gebietet allen Knaben und Mägdlein, dass sie sich
nach Hause begeben, wenn man die Betglocke läute.
,wie einst allwege gebräuchlich war.' ,Von der B-en
zu henken 100 Pfd.' Hafxer I661I. .Bettglock, cam-
pana precatoria, campanse pulsus vespertinus, matu-
tinus.' Denzl. 1716. ,Die Töchtern aber werden nach
Bettglocken nicht mehr auf den Gassen gesehen.'
GSiML. 1703. ,Unter dem Liecht von der B-en an bis
zu dem Nachtessen oder bis zu Läutung der Tor-
Gloggen.' Z Mand. 1727. .Wann dem Taglöhner die
Sechsen- oder Betglocke läutet.' JJUlr. 1727. .Kinder
sollen des Abends nach dem Bettglockenläuten sich
nach Hause begeben.' Gl Sittenmand. 1803.
Das Abendläuten wurde von Papst Johann XXII. (13 16/34).
viell. aber noch früher, förmlich anbefohlen, mit der Auf-
forderung an .jedcu Christgläubigen, dabei 3 Ave Maria zu
bi'tcn. S. auch Mitlaij-Ol. In ref. Gegenden ist dafür eiu
kurzer Abendsegen (s. unter Gott) mit Entblössung des Hauptes
geblieben. Mit dorn Morgenläuten (seit ältester Zeit Ruf zur
Frühmesse in deu Klöstern) verband man im X. das An-
deulcen an Christi Auferstehung. Als Betglocke kommt es
wahrsch. schon im XII. vor, allgemein üblich wurde es aber
erst im XV. Vgl. eine Glockeninschrift des Z Grossmünsters
von 1498: ,Quandocumque ciet sonitum campana sub ortum
Iuris et occasum spem requiomque ciet.'
Bluet-: Armensünderglocke. ,Sind ihr nicht gleich
einem armen Übeltäter, welcher ihm einbilden wollte,
man werde ihn auf das dritte Zeichen der Bl. nicht
zum Gricht hinführen und hinrichten, weil man ihm
auf die zwei ersten Zeichen nicht viel getan ?' JMüll.
1665. ,Wann bei uns etwan Nachmittag in dem Mün-
ster die Bl. gezogen und getreten wird, dass der Kahl
[Schwengel] an beiden Seiten anschlägt, wollte dann
der arme Sünder in der Gefangenschaft nicht er-
schrecken'?' ebd. 1666. ,Die Bl-en über einen an-
ziehen [ihn hinrichten] lassen.' ebd. — Prim-: Glocke,
welche zur ersten der kanonischen Hören läutete, wo-
bei ein vorgeschriebenes Stück aus dem Brevier ,ver-
lesen' wurde. ,Morndes vor verlegner pr-en.' ZBub.
Offn. 1483.
Richs-: grösste Glocke des Z Grossmunsters.
Diese Benennung steht wahrsch. in Zshang mit dem
Blutgerichtc: vgl. ,Eichsvogt'.
Rege"-: Zaunwinde, conv. sepium. GG., S.; Vw;
Syn. Begen-Blueni. — Die Blume der Winde bleibt bei
Regenwetter offen.
Römer - Glüggli : in Rom geweihtes Glöcklein.
welches früher im Hause eines Sterbenden zur Ab-
wehr des bösen Feindes geläutet wurde S; von den
päpstlichen Gardisten ehemals häufig in die Schweiz
gebracht. — Büst- Glngge: wahrsch. das erste Läuten
zum Gottesdienst, welches auffordert, sich zur Kirche
zu rüsten, kirchlich ad invocandura genannt. ,lst ver-
ordnet, so man ein r-en gelütet, dass der diacon einen
oder zwen psalmen vorlese. So dann die psalnien
gelesen, soll dann noch ein mal gelüt[et] und die
predig angefangen werden.' Kessl. — Rats-: Gl., die
zur Ratsversammlung läutet. Vgl.: ,Zuo dem rate
kommen, die wyl man die gloggen lütet, by 3 ß [Busse].'
.\iif. XIV., L. ,Die Ratsglogg wird an den Ratstagen
latcfr, ffle^K. '^^'^tm. slOiSjg. ,i,'lii(,'g
618
1,'eläutet. Das Rät- uiul Burffei-|,'löyf?li wird geläutet,
wenn sich der Kleine und Grosse Rat versammelt.-
lTt<0, Z (Meni. Tig.)-
Sau-: 1. in der RA. d' S. zieh" oder n" der S. z.,
schmutzige Reden führen, Zoten reissen Ap; S. .Wenn
du gast hättist, die die süwglock anhebind lüten, sollt
ilu sy stöuben und inen ynreden.' HBdll. 1-540. ,T>rum
hab ich 's besser als mein Herr [spricht der Narr],
wann ich nur gwaltig 's Maul aufzer [-reisse] und lass
die Seuglock gwaltig hören, das heisst Kurzweil und
Freuden mehren.' GGotth. 1.599. ,Hett lieber g'hört
fluchen und schweren, jo d' Lüt usriclitcn uml v.i-
spotten. Ich blyben nit langan eim Ort, wann .IS.».
glock Niemand darf anziehen.' ebd. li)l',i. ,S|.iir. i,li.n>,
os impudens, ein unflätig Maul, Säuglock.- 1>enzl. 1o77;
1716. .Camarine loqui, die S. anziehen, unflätig reden.'
ebd. 1710. ,In dem 7. Gebott wird verbotten Leicht-
fertigkeit in Worten, da man Unflätereien, Hurenliedcr,
unzüchtige Possen daher schmidet, die S. dapfer an-
schellet und schandbare Wort ausschüttet.' AKlingl.
1688. .Gottlose Eltern, die voll und toll saufen, zie-
hen und stürmen die S-en dapfer an.' ebd. 170'2. -
2. säuischer Mensch, bes. einer, der unzüchtig redet
Sou; Z; auch: unreinlicher oder Mensch mit ekel-
haften Gewohnheiten Z.
Die RA. u. 1 scheint ihren Urspr. in einem alten Brauche
zu haben und die ,S.' ein wirkliches Gerät gewesen zu sein,
wie, mutatis mutandis, folgende Stelle ans Jos. Malers Biogr.
1593 beweist: .In dem Städtle Diest [bei Löwen in Brabant|
trafend wir (a. 1551] an in der Herberg ein wolbesetzten
Tisch. Darunder dann hangt ein gedrayte hülzino Gloggen
mit einem hölzinen Kai [Klöppel]; könnt von einem Jeden
..b Tisoh mit dem Knüw erlangt und bewegt werden; gab
i-iu wuuderl>areu schueffinen Ton. Als man nun im Essen
etwas gespräch und frölich ward, hat sich underwylen dis
hölzine Gloggen hören lassen. Und als ich fraget, was Söm-
liches bediit, ward mir geantwortet, es sye also by inen im
Hus ein schimpflicher Bruch, so einer ob Tisch etwas rede,
d.as aber argwönig und der Warheit nit glych, so werde ihm
anstatt des, dass man ihn mit Antworten der Lügen strafen
dürft, dise Gloggen zur Warnung gelüt[et].' Erwähnenswert
ist auch die Auffassung von Seb. Brant: .Der Narr die sn
bin nren hat, schütt[ot] sie, dass ir die suglock kling und
sie den moringer im sing. Wer wol die s. lüten kann, der
mucss jetz syn da vornan dran.' Aus Tyrol wird berichtet,
dass dort in manchen Wirtshausstuben ein Glöcklein ange-
liracht sei, von welchem ein hölzernes Messer, von diesem
ein Pferdehaar herabhange, und dass, wenn eine besondere
Geschichte erzählt werde, irgend ein Gast daran ziehe. Doch
auch Sehn
il5. Vi
ÜXM-GlöggU: Sauerklee, oxalis acet. (zunächst die
Blüten) ZW. — Schlag- Glogg: Glocke, welche die
Stunde schlägt. ,Die Schi, im StPeter Z hat keinen
Schwengel, kann also nicht geläutet werden.' Mem.
Tig. 1780. — Schne-Glöggli-: 1. = Märzc-Glöggli 1
Aa; B; L; G; S; Z. — 2. = Märze"-GlöggU 3 GS. -
;!. Frühlingssaffran. crocus vern. AAEhr. — 4. (blaui)
= Alpenglöggli BO. — Skaletta-(r?o(/(/.- Todtenglocke
GEChur. — Sk-aleitn = Kirchhof, Leicheubcgängniss. —
Stäub(i)-, Stüb(i)-: Betzeitglocke am Abend Gr
(-il-J; vormals auch in TuDiess. Eig. die Glocke,
welche die Leute von der Gasse und aus dem Wirts-
hause scheucht [.stäubt']. ,In der Stadt Zürich erscholl
jeden Abend nach der .Fürglogg' auf dem StPeters-
turme die Stüb- und zwanzig Minuten später auf dem
Turme der Abtei die Nachglocke; jene als Mahnung
zum Aufbruche aus den Zunftstuben, welche beim
Krtdnen der letztern geleert sein mussten.' Z Gem.
,Von der stübegloggen. [Sie läutctj ze sant peter zc
stübi.- 1304, Z Richtebr. ,[Mit Strafe wird bedroht]
swer nach der Stüb-Gloggen ane Liecht in der Stat
gat' 1336, Z Ratserk. (Lautfer); ebenso 1.533, S Mand.
(,Stäubi-'). — Stei"- Glogge': 1. Glockenblume, camp,
rotundifolia SchwG. (an Felsen wachsend). — 2. gross-
blumiger Enzian, gent. acaulis ScHwlberg (von 1 über-
tragen). — St.-Glöggli: 1. Zwergglockenblume, caiup.
pusilla LW. ; ScHwG., Iberg; Ndw. — 2. Frühlings-
enzian, gent. verna Scnwlbei-g. — Stier e''-Glogg:
ziemlich grosse (ilocko (.Schelle') aus Eisenblech;
-r..s„.rals.li,. Tn„U,>, STi.rst. - Mittag-: wahrsch.
- FJi'i-dl. .l.'.ll wnnl.' .|i,. Zeit- oder Mittagglocke
j;-.'gnss.:.n.- 1, (Gfrdi. — T.ir-: Glocke (in Z die zweite
im StPetersturm), welche, gegen 10 Uhr Nachts ge-
läutet, das Zeichen zum Schliessen der Stadttore gab.
,Dass alle Schenk- und Trinkhäuser nach der Tor-
glogg beschlossen sein sollen.' Z Mand. 1744. In ScnSt.
die Glocke, welche am Morgen das Zeichen gab, das
Tor zu öffnen. — Tasse"- GW^j/K; Obertasse kv. —
Drü-: um 3 Uhr Nachmittags in Bs zu StMartin ge-
läutet, bes. wenn der Rat zskam. — Halbi-Drü-:
kleine Glocke im Dachreiter des Grossniün.sters zu
Zürich, ehemals die Chorherren zur Vesper rufend,
nach der Volksüberlieferung aber zur Erinnerung
an die Sterbestunde unseres Heilandes gedeutet. —
Wiber-OTo^(jfe».- Sterbeglocke bei Beerdigung von
Frauen und erwachsenen Mädchen Ap. — Weid-:
Herdenglocke S. — Wald-: Akelei, aquil. atr. L (auch
-Glöggli LW.); Uw. — Wnld-GWggU: 1. Windröschen,
anemonc nem. BO. — 2. Fingerhut, ,digitalis maj.
lutea seu latifoL' JJWarn. 1680. - Wandel-: bei
der .Wandlung' tr."Iäiit.^t.^ Glocke. Gfrd. ~ Wise"-
Glogge", -Ghiii^jh \\ i. -. n (ilockenblnmc, c. patula
GoRh., neuT. W i m (r/.»/^.- gibt V» Stunde vor
Beginn das erste Zeiclu-ii zum Gottesdienst, wodurch
die Leute zur Kirche ,gewiesen' werden LBerom.;
UBürgl. ,Frau von Rudens, die 1369 die alte Weiso-
gloggen [zu UAltarf] verg:iliot, damit mau zu Plüelen
möge hören zur Kir.-li.-n lauten.' Gprd. — Wetter-:
Glocke, welch.' /ui Al.w. lir des Gewitters geläutet
wird; s.u. Wiilir-(jnrli nml (iKun. 3(). 16.5. Vgl. aucli
die Gl.Mk.-ni.i-.-lnilt.ii: Mnrm /„■,,«-/<■'■, (dli Wetter
weiss- 1\ hih-l-iiii iiiirli .11 rirhhr Zil, ■•<() mach -i''\
''a«.s- (/.(s Wrltcr /hihl (ISa. (AI]..!!].. II -Jn-_'). .Fulgura
frango.- 1372. Zo. Vgl. .la. .M..n.. /n S.hill.ns .Glocke-,
welches auch auf einer (ilmk.. zu All.i Inilinen in Scn
steht. .Hilf Maria und .lyii li.-h.s km.l. .lass ich ver-
tryb mit myncm schal die seluidliclien wetter, regen,
wind uf bergen und im tal.- 1447, ZStall. ,An dem
tüfel will ich mich rechen und alle bösen wetter zer-
brechen.' 149.3, üwSarn. .Tonitrua frango.' 1.556. L
Rickenb. — Zijchni-: GL, die Nachts 10 Uhr (zur
Polizeistunde) geläutet wurde Bs. — Zügel-: grosse,
nur zum Aufziehen (züglen) auf die Alp gebrauchte
Kuhglocke BBe. — Zügen-: Sterbeglocke, geläutet,
wenn Jmd in den letzten .Zügen' liegt. .Ich hab bei
Gott jetzt das Zügenglöck[j]e gehört-, sagte eine Frau,
für welche die Sinnestäuschung den nahen Tod be-
deutet. Rhat. Volkskal. ISisiS. _ Zun-: Zaunweide,
conv. sep. , S.Peters kraut, tag und nacht winden, zaun-
gloggen: helxine, vulgo parietaria.' KoGessn. 1.5 |-_'.
,Conv., weiss gloggenbluomen. zaungloggen od. winden. -
Fiiis.; Mal. - Zit-: Stundengloeke, d. h, diejenige Gl.
Glagg, glegg. gligg. glogg. glllgg
iin Turme, an welcher der Hammer des Uhrwerkes
die Stunden [die Zeit] schlägt, im weitern S. auch
Turmuhr übh. Ap; Bs; B. Daher die ,Zitgloggentürn'
in den Städten Aarau, Basel, Bern, Solothurn, Thun
u. anderswo; vgl. auch Orll Bd I 452. ,l)ie zytglogken
ze richten 1 pfd.' 1430, Bs. .Horalogium, zytglogg vel
oroloy.' Ebinger 1438. ,Das andächtig zytglögglin des
Lebens und Lydens Christi, nach den 24 Stunden us-
geteilt', eine 1492 in Bs erschienene deutsche Be-
arbeitung des Horologium devotionis. ,1521 dem maier
um etlich silberblatt, kamen an die z-en.' B Taschenb.
1878. 182. ,Alle kilchtürnli und helmhüsli, darin kein
z-en hiengend, schlissen.' 1528, Ediib. ,6 ß umb seil
an z-en [am Schlosstunne].' 1535, ZGrün. ,Die von
Schwyz nomend ein z-en und fuortend die gen Bronnen.'
Vad. ,Die z-en, die uf dem tormental g'standen was.'
ebd. ,Ein yeder uf zytglocken acht; alsbald sy morn
die nüne Schlacht, wirt dises spil ghept wider an.'
Aai 1549. .Der gassenwächter in der statt singt den
tag: Lost, lost, ir herren, was ich sagen, die zytglogg
hat yetz viere g'schlagen.' JMdrer 1559. ,Dise Gloggen
ist gmeiner Stadt Z-en, dann die Houptur mit 4 Zei-
geren in disem Turn ist.' JJRüeg. 1606. Nach dem
B Spectateur 1734 soll auch eine Frühlingsblume so
heissen, wahrsch. eine von Glogg 8. ,Zitgloggner' m.:
Name eines Beamten; erwähnt 1430, B Stadtrechn. —
Zwing-ffZ.; grosse Glasglocke, unter welcher Garten-
sämereien schneller zum Keimen und Treiben gebracht
werden. 1781, ZWipk.; vgl. Zwing-Bett, -Garten.
glogge": (eig. wie eine Glocke sich auftun) aus
einander gehen, locker sein, nicht knapp passen, bes.
von Kleidern S; Z; Syn. floderen, göftlen; (kßotteren;
vgl. gloggig und .langer rock, der wyter ist denn kein
glock.' UEcKST. 1525. — ver-: aus dem Schosse der
Kirche (durch Geläute) verbannen, gleichsam wie
einem Verstorbenen zu Grabe läuten. ,Am grossen
donstag was der keiser [Friedr. IL] zu Born ver-
schossen [verworfen] und verglogget und dem teufel
gar erlopt [erlaubt, überlassen].' Vad.; Syn. rerlüten.
Gloggere" f.: Schneeglöckchen, leucoium vern.
GWe. Auch Name einer Alp Ap.
g(e)gloggig: gleichsam Glocken werfend, bau-
schig, locker. — Zu ijHll'"-
gloggne", in der üA.: Si gl. [harmonieren] nie
guet z' sämme" B oAa.
Gloggner: Glöckner, bisweilen vom Messner
unterschieden. ,Das hus, da der gloggener inne ist.'
1303, ScH Urk. .Nun sollend der sigerist sampt dem
gl. in tempel i,'"ii mni >"ll der gl. anheben zue lüten
und der sigeri-t /imt lii kerzcn an und rüst den
altar zue.' JMukkk 1.">."i|i. .Der gloggner [beim Gross-
münster Z].' TuPlatt. 1572. Geschlechtsn. in L.
g 1 0 gg n i in der Verbindung : e gl. Stund = Gloggen-
stund, volle Stunde ZO. (Stutz). - Kine .idj. Bildung
nach Analogie von gscldägni.
glöggle'^: 1. Glöeklein erklingen lassen. Am
Chrü.:hi,M t?. rv Pm- Geisse'. BWyss 1863. — 2. (bes.
verbunii.ii mit kihIihi-, iimenand-) schlendern, zwecklos
und niü-Mi;- iiiiili.'i Mliwiirmen; auf läppische Weise die
Zeit hinbringen, vertändeln Aa; B; L; Syn. umme-
schellen. — 3. tr., Manschetten, Hauben usw. in glocken-
förmige Krausen oder Falten plätten, gofferieren Ap;
B; L; SciiW: Svii. hi'thlen: riirlen.
Bed. '2 viell. rem Weidevieh oder von dem schellen-
bchaugeneu StNiklaus oder Fastnachtnarren hergenommen.
iis-: scherzh. = ausläuten GSa. (Proph. 1855). —
ver-: auf leichtsinnige Art (eig. durch glögghn 2)
verscherzen, verlieren L; Syn. vergütterlev .
Glöggler m.: eine Birnsorte Th; vgl. Gloqge'-
Bir. Auch Flurn.: ,Eeben im Gl.' ZElgg.
Sü- = Säuglogg 2 U.
Glöggleri" f.: Plätterin i. S. v. glöggle' .3.
Glöggli m.: Müssiggänger . Herumschlenderer,
Laffe, Tölpel AaF.; B; etwas weniger stark als das
Syn. Glöggli-Göl, nach HZschokke 1797 stärker als
Göl. Der Pfarrer isch geng no''' g'scMder als ig, wenn
scho vil Lüt iw'' wei [wollen] säge', er slg e Gl. B
Gwunderchratte 1864. — Abi. von glugglen ?.
glugge": 1. glucken, von der Stimme der Brut-
henne Aa; Gr; Schw; S; Ndw; W; Z; Syn. gluxeii.
,Pipare, schreien oder gl. wie die hennen.' Fris.; Mal.;
Denzl. 1677; 1716 (,glucken'). ,Das Huen glucket und
papert.' JCWeissenb. 1678. — 2. uneig. von Menschen:
andeutend sprechen, ohne die Meinung recht heraus
zu sagen Ap. Vo' 1800 Guldi gl., zu verstehen geben.
dass man Etw. für diese Summe verkaufen würde.
Glugge" f.: Gluckhenne BO.; W. ,üie jungen
Hünlein laufen der Glucken nach.' JMey. 1694.
gluggere"!: l.—gluggenVviK. .Glocidare, gaxen
oder gluggeren wie ein huen.' Fris.; Mal. .Cucurire,
chutteren wie ein han, so ein huon decken will, oder
gluggeren.' Fris. — 2. kollern im Magen GStdt; Syn.
gnderen: auch von dem ähnlichen Ton beim Aus-
fliessen von Flüssigkeiten aus Gelassen: 's hat no'''
g'gluckeret, wo-n-i''' derzue 'ko' bi", 's halb Fnssli isf-
mer halt furtgloffe" Bs.
Gluggere" I Aa; Bs; Gl; Gr; L; S; UwE.; Z.
Gluggeri» Aa; Ap; GrD.; LV.; G; Sch; Schw; Zg; Z
— f.: 1. Gluck-, Bruthenne, allg. E Gluggere, won uf
den Eiere hockt und Halbhatze stunet. ACorr. Und ist
's Hiienli no''' so chlV, über 's Jör icott 's Gl. si' L ; ZO.
Wenn e Gl. zum Giiggel chunnd, so vergisst si d' Hüenli
L. Was brachst du [Sonne] über d' Berge ufe z' chrotte
[kriechen], du alti Gl. L (Rßrandst.). Si''' vertue"
wie-n-e Gl., es sich bequem machen Bs; Z. Gl. und
Hüenli Bs, ein auch unter den Namen Güggelifangen,
Hüenli -hüeten, -mueter, -brüe, -schwänzen bekanntes
und schon 1657 von CMeyer in Bild und Reim be-
schriebenes Kinderspiel, wobei ein die Gluckhenne
vorstellendes starkes und mutiges Kind die an seinen
Rücken sich hängenden Kinder (Hüenli) gegen die
Angriffe des Hüenerdiebes verteidigt. ,QuiE vero glo-
cientes strepitu suo molestae sunt et agmen pullorum
ducunt, veterane sunt (Kluockhennen, Gluggeren usw.).'
CGessn. ,Kluckhennen, gluggeren oder bruothennen.'
Vogelb. 1557. .Eier, die lang gebruetet und under
der gluckeren gelegen sind.' Fris. ,A1s ich in die
schuel kam, was ich 18 jor schon alt, satzt mich under
die kleinen kind, was eben wie ein gluggerin under
den hüenlinen.' ThPlatt. 1572. .Glociens gallina,
Gluckere, Gluckhenn.' Denzl. 1677; 1716; Syn. 6rZi»t-
scherin. — 2. das Sternbild der Pleijaden. ,üer Herr
machet die gluckerin und den Orion.' 1531/48, Amos;
dafür 1667 : .Gluckhenne.' .Die gluckerin, sibengestirn,
pleiades.' Mal. .Durch Kinia verstät man gemeinlich
ilaSff-glugK- <>la,i äIbJ.
ik jtliick
()22
l'loiatles, wir neiiiieiiJ's die gluckeiiii mit ireii liiieii-
linen oder das sibeii gestirn.' LLav. 1582. ^yn.tSiben-
Ilock. — 3. übertr. auf Frauenspersonen : a) eine
Mutter mit vielen Kindern L; Z; Person, die immei
ffern Kinder um sich hat, welcher die Kinder gern
nachlaufen Aa; Z. — b) grosses Weib Schw. —
c) unordentlich gekleidete Weibsperson AAZein.; sonsl
unangenehmes Weibsbild Bs. — d) sinnliche Frau
AAWohl.; Freudenmädchen Ap (Chlockeri); GSax
(Chloggeri)- - ^- als Eigenn. ,ln der Gluggcren'.
Weiler LButtish.
gluggerig AaF.; Uw, g'glugyiy Ü: Nuw; Z: von
Hennen, im Stadium der Bruthitze befindlich, zum
Brüten geneigt; Syn. ghixig, bruetig.
Gluggi n.: Gluckhenne W. ,Auf dem Brunuen-
truge des Dorfes wurde oft ein, angeblich aus einem
ilreibeinigen, gespenstischen Rosse verwandeltes, ge-
reiztes Gl. gesehen, das viel Sehaden anrichtete.' W
Sagen 243. — Dini. zu GUuji/in.
Gluggisni. : Schluchzer GSev. Syn. GluxL Hösch,
llifsger.
Beruht auf dem gleichen Naturlaut wie yluyym und dii
t'auzo vorangehende Gruppe. — Die Masc.-Endg -in- bildet
oiue Menge pathologischer Ausdriicke, vgl. Tiimpis, Kausch :
l'ßjji,, Pips.
Gluggere" II, gluggeren II s. Khick-.
Gülle"-Glüggerli = ffüHe"-(?%ife/- Sp. 197 Z.
Viell. aus Letzterem entstellt, etwa mit Aulchiumg au
'j'"'J'J"'- yluyr''"'-
glüggle": gerne und oft ein wenig trinken AaZ.
1S15; „F"; Syn. glütterlen, gügglen Sp. 197; süggekn.
— Wahrsch. zu yliiyijen i. S. v. gluijijcmi i' ; vgl. Gr. WB.
Liuter ,kluckeu'.
„a"-: mit den Gläsern anstossen Scu." ~ Nach yt.
Schallw. ; vgl. frz. diiiuetia (des vems).
ig s. gleichig.
Glaj gluj.
Uläjele", Gleje" s. Gleien.
Gliji s. Gllclii.
gliieje" Ndw, glüene" Schw; Zg; Z: glülien, glim-
men. — ÜS-: (tr.) ausglühen Z, im Feuer verderben,
z. B. ein Beil, durch zu langes Erhitzen.
glüejig Ndw; Ztw. (und so bei Fris.; Mal.).
glüeuig Bs; ScHwE.; Z, glüendig ScnwBrunn.; U:
glühend. E Gliendege us der Hell, ein Verdammter U ;
vgl. f lirige'- 3Ia"" = Irrwisch (Bd I 951). - Sch..n mhd.
'jiütiiJic, abgel. vom Ptc. ijhiendc.
Gla(c)k-glu(c)k.
Glück (in Ap tw. Glückt, PI. -ler) n.: 1. Schicksal,
Geschick. ,Beiderlei gl.-, d. i. Gl. und Unglück. 1521,
Absch. ,Den fall des gl-s usschlachen.' 1555, ebd.
,lch lass das gl. walten, walt sy" das gl., fors viderit.
Hern gl. übergeben, in wind geschlagen, exposititius.'
Mal. ,Diser Keiser hat das widerwertige Gl. oft und
dick erfaren.' Küeg. ItiOO. ,Uas blinde Gl. macht blinde
Tück, jetz steigt's, dann siukt's zur Erden.' Lied 1656.
— 2. wie nhd. : günstiges Schicksal. RAA.: Mf Gl.
weder Verstand, 's Gl. ist rund, es chunnt und gut
in einer Stund. Bi grossem Gl. ist grossi G'fär. Es
ist kei Gl. so gmss. rs Isf Öp/ns ,lrrh, ;' rl,h,,i>'". llVr
weiss, wo Gl. ininiulinlil I., ./, //(/,;■ ,-., hlmnifn-)
d' Lüt (de'- Maisrln ,..{■; j, ,/,„..,,■ ,/.■ Sr]„l,„. jr
besser 's Gl. llV/t« 'x (,l. ,r', hini,/, i. .„// „„'„-,,„ nf-
tue". Mi [man] mitess „Ihris-mn^rl, ,1, ,„ Ol. ,-. I nrli
uftue, dem Glücke dio llana lintni. .■nt-cL"-ii komiii.-ii.
Mä" chunnt ror'in Gl. mnl /'■ i/' S,/(/(<x/(. \scuii so
viele Schüsseln auf ilriii 'lisclir ^tl•llr||. .lass man der
gewünschten nicht briknniiiicii kann Ui, (Schuler).
De'- hat 's GL: wenn er -am .L'riclitc duiiiut, se-n-ist
de'- Napf ander obsi''' (ironisch). Sulg. 's Gl. ist iis-
gheit, sagt man, wenn Etwas ungeschickterweise ver-
schüttet wird Z; vgl. rerschütten. I''' muess ,doch
alliinl innirr-in". nenn 's Gl. regnet Z. Gott geb dir
Gl, ijiiri W.ifrr Im.,!! Gang uf de' Weg, [ich] ironsch
Gl. 1111,1 hrnt, Srhiieh: ZWthur. S. nocli gäch S].. Ino.
Götti Sp. .",27; kalberen: s. auch Gott Sp. .".l.'i ...; hirzn :
.Der Vetter unterliess nicht, bei seinem i'^iiitritt iii .l.n
Stall Gl. in den Stall zu wünschen, ./in altuljlicli
Zeichen, oder gleichsam eine Verwahrung, dass man
in gutem Sinne ihn betrete, ihn nicht zu verhe.xen
begehre.' Gotth. ,Glückt in's löchli!' Glückwun,sch
zu einem bedenklichen Kaufliandel (ein Bild, wahr-
scheinlich vom Löchlispiel entnommen). Sicher 1.531.
,Dii bene vertäut, gl. zuo!' Fris. ,Botz glick, wie wir
iss fillen wend [uns füllen wollen].' Com. Beati. ,G1.
hat Nyd', Inschrift auf einer alten Glasscheibe. .Wann
aber ein Sohn oder Tochter ein Gl. an Händen betten,
oder ein ehrlichen G'wirb anzuofangen gewillet [wären].'
1713, Schw LB. S. noch Gefäll, Bd I 745. Verstär-
kungen von Gl. sind: Herr-Gatte'- (Sp. 522), Huere-
Aa; Z. „Boss-'', Sau- Z, Störe'- GBern., Welt-Gl.
BO. ; Z. — 3. beim Scheibenschiessen die letzte Ab-
teilung der Gewinnstreihen, in welche so viele ge-
kaufte Schüsse getan werden, als dem Schützen be-
liebt; en Schatz [Schuss] i" 's GL; i" 's Gl. ge" [geben]
Ap; Syn. Cher(schiben) ; Gegs. Stich. — 4. so viel wie
Glücks-chirsi, 2 an einander gewachsene Kirschen G;
vgl. Gl-s-Epfel, -Garb, -Halm, -Korn, -Nuss, -Bon,
-Beri, -Bös, -Zwetschg u. geglücket. — 5. Fünffinger-
kraut, potentilla reptans OewLung.
Mhd. ijelück-e. Zu GBcit vgl. Ap Gl&cht für Gleich Sp. 590.
— 5 wohl, wie der 4blättrige Klee, als Glück bringend be-
trachtet.
U(n)-, PI. -er Bs; Z tw., -ter 6; Scu — n.
Eis U. trampet dem andere uf d' Ferse" (büt" dem
andere d' Hand). U. chunnd nie ellei". Si"'m U. cha"
Xieiner e'trünne" L. Em U. cha- nie nid verthiufe"
ScH. Jle muess dem U. nid rüefe; es chunnt ro' selber.
U. und Här wachsed über Nacht L. U. und Holz
wachst all Tag Sch. Wenn 's U. will, so g'heit e Chats
com. Stuel oben-abe z' tod. Sulg. Wenn's U. dem
Biche" bis a' d' Chnü gät, so gät 's dem Arme" bis
a'n Hals. Häd Eine es ü., so hed der Andrr rt (llnck.
Es ist kes U. so gross, es ist wider es (ih(,l; <Uhi.
Wer 's U. nid versuecht hat, ist 's Glarks mJ :rert.
Me" muess dem U. hüse', wie dem Glml:. m.iii niu>s
beim Sparen auch an künftiges Mis.^,-,, im k .Imkcn '/..
Dazu: ver-un-glücken: ilmrli \li.,jv-, hick \rr
lieren. M^as si ver-et und ccrspilt Iminl. luii.ni 171'_',
r.i>3
ilark-gliirk. lila
(ilaiiip
T üse 11 d- Glück: ausserordeutliclier Glücksfall.
,l)er alte Baumann hat diesen Morgen Tausendglück
bekommen, d.h. einen jungen Immen.' KSteiger 1839.
Welt-: 1. weltliches Gl. im Gegs. zum über-
irdischen ßO.; Z; Syn. Welt-Gefäll. — 2. Verstärkung
von Olück übh.
glücke": 1. wie nhd. gelingen. Es gl-et mer, ich
habe Glück ß; Z. .Als in den anfangen der stiyt
gelückt ist.' 1476, Bs Chr. Bes. refl. Es glückt sich,
es glückt, ist von gutem Erfolg begleitet BE.; L. Es
glücket «'"'' nüd (z. B. de'' Wuecher, d' Siinntigarbet),
bringt keinen Segen Z. .G'sehnd, wie sich unser sach
will schicken, es tuet sich wol zum usgang gl.' JMurer
1559. ,A. Wann ich iez kam von Ehren myn, die
Sach wurd sieh mir gar nit schicken. B. Ach Herr,
's würd sich wohl änderst glicken [fügen].' Com. Beati.
,Soll sich unsere Busscur gl., so...' JMüll. 1673;
s. iiftch u. ah-gän Sp. 10. .Da hat sich Alles müssen
schicken und gl.' AKlingl. 1688. ,Es glückete sich
wol, was er täte.' 1707, I. Makk. — 2. tr., gelingen
lassen, mit Erfolg krönen. Glück verleihen. ,Die Gott
mit sölichen fürgängen [Erfolgen] well gl.' 1476. Bs
Chron. ,Die unsern züchent harheim, gott wöll es
gl.' 1530, AnscH. ,Der Herr hätte dei» reich glücket
über Israel für und für.' 1531/48, I. Sam. S. auch
unter ferggen 7 (Bd I 1005). ,So du Gott angerüeft
hast, dass er dein jagen glücke.' Vogelb. 1557. ,Ich
[der Herr] will gl. all syne sachcn.' Haberer 1562.
.Disen glücket Gott ir fürnemen.' Wurstisen. ,Oft
zwen glichlicli arbeitend, aber einem glückt 's Gott,
dem andern nit.' LLav. 1584. ,üass Gott iren Weg
glückete.' 1707, Judith. Auch mit Weglassung des
unbestimmten Obj. ,es': .Ein bapst ist erweit, dem
(Jott glücke.' 1545/50. HKeller. ,Mer volk ist uf das
fest nie mcr da g'syn, als lang Gott fe'glücket hat.- ebd.
er-: glücklich erlangen Bs (Ochs).
Erinnert au er-licken, das auch in der Form crklicken
vorkommt. Man beachte dazu, dass der Basler i für ii spricht
und daher geneigt ist. ii für i zu schreiben.
be- = glücken 3. ,Gott beglückt dein Gewinn
und Gewerb.' AKlingl. 1691.
z'sänime"-: zswachsen, sich vereinigen. .En par-
courant nos bois avec notre valet je lui lis remarquer
3 jeuues sapins, qui se touchaient, et je lui dis: Wann
diese 3 grösser werden, so werden sie zusammen-
wachsen. II nie repondit: Oui, sie werden zämmengL'
1740, Ap (Zellw.). - Vgl. Glück 4.
g"gluckt Ai", g'glügget G: zsge wachsen, doppelt;
von Kirschen, Nüssen, Zwetschgen. .Nous appelons
ici glückt (juand 2 fruits, plantes etc. sejoignent, par
ex. ein glücktes Kriesi. glückte Biren usw.. Zwei in
Eins zusammengewachsen.' 1740, Ar (Zcllw.); vgl.
Glück 4 und gUtcMich.
glück-haft(ig): von Glück gesegnet; glückbrin-
gend; nur noch in Wunsch- und Gebetsformeln: Geb-is
[uns] de lieb Gott en gtiete, glückhaftige Tag! Morgen-
gebet Z. Helf-is Gott i' 's ebig Lebe', sum-e giwte",
glückhaftige" Tmi f:n-n-cre guete gl-ige Nacht) ! bei
der Betglocke am ;\Imi^:i'ii 'm1..t .\bend Z. !''• tcöitseh-i
[euch] au'''' c'' (juris, iiliirUiiij'tiig)s(kv; Gr; Z), g'sunds,
g'scgiiefs. friil- (Z| itiid frcadcrichs neiis Jar, sammt
Allem, inis-i iiul chmind a" Sei und Lib! vollständiger
Niiijahrswunsch; vgl. ein Ap Mand. vom 3. Dez. 1610,
welches schliesst: .(tott verlych uns allen ein guets.
g'sunds. glückhaftigs, fridsams n. J.'. und schon Äg.
Tschudi wünscht dem JSimmler: ,ein guet glückhaftig
nüw jar mit wolfart und gesundheit ze verschlyssen.'
,Der bischotf [hinter] Hess einen son, von welches
glückhaftigen Unglück [Glück im Unglück], noch uf
100 jar gebracht, nit ein klein buech zue schryben
war.' Ansh. ,Der Herr hat in beraten und glückhaft
gemacht allenthalben.' 1531/48, 1. Mos. = .allenthalben
gesegnet.' 1667. , Guete und glückhaftige aspect oder
anschouwungen der gueten planeten [Constellation].'
Rüef 1554. ,0 Jupiter, Mars und Saturne, wie lond
ir üch so glückhaft g'seh!' ESchmid 1579. ,Glückhaft,
fortunse filius; cui fortuna favet.' Hospin. 1683. ,Glück-
haft von Gott.' 1707, Tob.; dafür 1882: ,gesegnet v. G.'
— un-: vom Unglück verfolgt, gleichsam damit be-
haftet; auch Unglück bringend. En it-ige Tropf, ein
Unglückskind, Pechvogel; auch Einer, der nur Unheil
anrichtet Z. ,Ungelückehaft minnäre, die müessent
leit nü hän.' Hadl. ,Die gottlosen scheuhend und
flühend das Hecht wie die fledermaus, heuwel und
ander u-e vögel.' LLav. 1582. ,Bös, unglickhaft bue-
benvolk.' GWyl Copialb. .Unrüehige. unglüekhaftige
leut.' LLav. 1587. Zu Frauenfeld, das ohnehin für
die Evangelischen ein ,uiiglückhaftig' Ort sei. 1634,
Absch. ,Er ist unglückhaft, omnia cum mala con-
sectantur; sinistro genio natus est.' Hospin. 1683.
glückli"'': 1. wie nhd. Adv. ,Gott, der üch in
allem üwerni fürnemmen gl-eii beleiten well.' 1475, Bs.
— 2. Glück verheissend. E glücklechi Haselnuss,
Doppelliaselnuss ZHörnli. \'g\. Glück 4. — un-: wie
nhd. Sich u. mache", sich das Leben nehmen, allg.
In der ä. Lit. bes. Epitheton eines Maleflkanteu vor
und bes. nach der Hinrichtung, z. B. : ,I)er u-e Waser',
der enthauptete Pfarrer Waser. Verst. : .stein-u-.'
GOTTII.
Glücksal 11.: Glück. Heil. ,Mit allem gl. und
eren.' 1521, Absch.
glückselig: wie nhd. Gl-e Tag, wuelerwürdige
Herr Pfarrer! [Gruss] Gl Volksgespr. ,Gl-e Wunde,
gl-e Stunde, gl-er Tag, da Jesus geboren ward', Spruch,
das Blut zu stillen ZO. , Kirche der glückseligen Jung-
frau zu Scherziingen.' Hagenb. 1882.
glücksam: glücklich. .Philipp [der Kühne], der
im durch syn glucksain fechten ein ruein [erwarb] in
Frankenrych.' 1477. Bs Chron. — un-: unglücklich.
, [Ludwig der Fromme] ein güetiger mann und nit
onglücksam, wo allein die kind mit im in besserer
einikeit gestanden wärind.' Vau.
Glam(mj -glumdn).
gllllie". Nur in dem Roimspruch: 1)' Siinne" sch'int,
t Vögeli glilltt ZZoll. — Ausweichuug für das sousl üli-
clic yint; vgl. auch yrimmen.
glimme" glümme" = nhd. glimmen ZSth.
Glcmplcr s. A7-.
Gliiinpcii s. Giim/icn >i\<. 31."
UuüiA. kK-iii|'I- Rlimitf.
(iliinpf m.: 1. a) Angemessenheit, Billigkeit; Schu-
miiig, Nachsicht, Kücksicht, Gnade, Gunst, Gewogcn-
lioit, Unterstützung. Mit Gl, in guter Art, friedlich,
sachte; Gags. , streng rechtlich', 's ist na [noch] mit
Gl. g'gange; die Sache (Strafe udgl.) ist gnädig ab-
gelaufen. M. Gl. dervo" cho", ohne grossen Schaden,
Nachteil. Öppis m. Gl. säge", mit höflichen, freund-
lichen Worten. Er häd-en <'S0 iit. Gl. g'lneget us-
:'frögle" Zg. Me' säiti ilra [an der Landsgenieinde]
eu,i>id 1,1. Gl. Olli Spott u,„l Scluniil. Hafl. IM:'., 175.
Der RM" .fdilwlit w. Gl. der Acirc :ue. ebd. 140.
.1/. Gl.! (halb scherzh.) Abschiedsformel ScuwMuo.;
vgl. mit Gunst, m. Verlaub! Ettes nw m. Gl. tue",
ohne dass man sich dazu verpflichtet fühlt, aus he-
sondern Rücksichten, sich nur schwer dazu verstehen
(inl». Er häd zue di"'m Gl. [deinen Gunsten] g'redt
^\■. Gl. ha" bi Ei"'m. ,!''• ha" nit Gl. bi-n-im, ya-
rum mihi iiidulget.' Id. B. Das China häd (d'r) Gl.
deheimet, wird für seine Fehler in Schutz genommen.
/■■'' han d'r Loit für rf.i" GL, wa 'seh [wo, d. i. welchen
es, das Kind] in d'r Jüngi [Jugend] albig cn mir über-
diu" häd; hett-i"'' doch au''' d' Fitzn" iceniger g' spurt!
GRPr. (Schwzd.). Ei"'m Gl. ge", seine Fehler (bes.
Dritten gegenüber) entschuldigen, beschönigen, Nach-
sicht üben, ihm Recht geben, Vorschub leisten, sich
seiner gütig annehmen. Ich weren im ab und du gist
im Gl. [bestärkst ilm indirekt]. Wie soll i"' mit dem
Blieb chönne" gaftige", we"" du-n-im gäng Gl. gisch,
klagt ein Vater die zu nachsichtige Mutter an B;
Syn. Stars (gen). ,ünr='' gelimpfes willen, do nament
sy ein hrot und ein mässe wyns [ausserhalb der feind-
lichen Stadt], dass sy nüt in die statt käment [und
Anlass zu Streitigkeiten gäben].- 1387, Geschfo. Ges.
,l>o gestuenden die Appenzeller [in dem Verhöre der
Streitpunkte] wol bi gelimpf und wart die sach ge-
richt[et].' Just. ,Wir geschwygen, dass sy dem priester
so vil gunsts und gl-s zuosetzen, damit wir [ihm gegen-
über] wenig rechts erlangen möchten.' 1523, Absch.
.Das band wir verwilliget, dass wir nit ursach gebend,
dass der tag [die Verhandlung] zerschlagen und nüt
geschaö'et wurde, sunder wir den gl., gunst und willen
behuebend [behalten].' 15'29. ebd. ,Wir gend uns selbs
kein gl. [sind gegen uns selbst streng]', sprechen die
verurteilten Götzen. NMan. .Die Schwaben, welche
besonder Frow N. vil ßystands tatind und Gl-s zuo-
massend.' JJRüeger 1606. ,Im Herzen geben wir uns
immerzu vil Gestands und Gl-s.' JJBreit. 1616. ,Den
Berneren ze Gl. und Gunst' Grasser 1625. ,Sich
etwan unterreden, wie die Wahlen nach ihrem Gl.
|,Fug', Gefallen , zu ihren Gunsten] anzustellen.'
JJMüLL. 1673. ,Mit Gl., glimpflich, honeste, modeste.'
Denzl. 1677; 1716. ,Obstehende Entschuldigung mag nit
mehr zu synem Gl. dienen.' Z Staatsarch. — b) Recht,
Befugniss, Rechtsmittel, -Titel, -Anspruch; Verteidi-
gung, Rechtfertigung. Mit Gl. (in GrD. mit Gl. und
Flieg), mit Fug und Recht (Rechtsformel). ,Darzue
wir getruwent, gelimpfes und rechtes ze haben.' 1385,
Geschfo. Ges. .Dass wir truwen, bi gelimpfe ze stände
[im Recht zu sein].' 1386, ebd. , Darum, dass si dester
nie gl-es zuo der püntnuss [mit den Eidgenossen]
hättind, behuobend die von Zug dem herzogen alle
syne recht vor.' XIV., Z Chr.; vgl. dazu Vad. I 450.
.Sy düechti ir recht und gl. als [so] guet, dass sy des
sollten geniessen [d. h. obsiegen].' 1435, Gfrd. ,So wir
glych gl. darzue möchtend finden | einem Andern Etw.
Schweiz. Idiotikon. H.
wegzunehmen].' TuFkukakt 1170. ,Sy g'truweten mit
biderben lüten durcli ir kuntschaft und audern gl.,
so sy hätten, darzetuend, dass die von R. sy sölicher
ansprach erliessen.' 1482, Gfrd. ,[In ihrem Schreiben |
erzaltend sy [führten sie an] iren gl. nach dem besten
dem marschalk.' Edlib. ,Der bessert [bezahlt als
Busse] einen helbling, ob er's wol verschuldet hat,
hat er aber gl. [Milderungsgrunde], das soll im in der
besserung ze statten kommen.' 1506/34. Bs Rq. Man
befehle dem Vogt, sich gründlich zu erkundigen, damit
man ,G1. und Unfueg' jedes [streitenden] Teils zu
würdigen wisse. 1523, Absch. ,Damit mä;ichlich MHH.
gl. und harwiderum Fabers freven liegen [Lügen]
sehen möge.' Zwingli. ,Wir haben des gewalt, macht,
gl., recht und fueg.' 1527, Absch. ,Die ferdinandische
püntnuss durchächt[et] uns under dem trognen gl. des
alten gloubens [trügerischen Befugniss, den alten
Glauben zu schützen].' 1529. ebd. ,Beid partyen söll-
tend gen Basel kommen und lassen hören und sechen,
wer gl. oder ungl. bette; dann beid teil vermeintend
recht Ursachen ires fürnemens zuo haben.' Vad. ,Span
zwischen Zürich und dem Herzogen um Ursachen, die
inen den gl. und dem fürsten den ungl. brächtend
[ihn ins Unrecht setzten].' ebd. ,Mit besserem fuog
oder gl., eo meliere conditione.' Mal. = ,meliore jure.'
Denzl. 1677; 1716. ,Also mag einer sein gl. und Un-
schuld dartuen.' LLav. 1582. ,Gottlose Leut haben
das Sprichwort zu ihrem Gl. [Beschönigung] . . . .'
LiNDiNNKR 173:!. .Einen Gl. schöpfen', ein (günstiges)
Rechtsmittel an die Hand geben, Vorschub leisten,
fördern; vgl. , Recht, Urteil schöpfen'. Würde dieser
gütliche Vertrag nicht angenommen, so wollen die
Zugesetzten damit keiner Partei ,G1. geschöpft' [prä-
judicierlich zu Gunsten der einen Partei entschieden]
haben. 1531, Absch. ,Habe fleissig Achtung auf das,
wormit man der römischen Kirchen einen Gl. am aller-
meisten schöpfet.' JJHoTT. 1666. ,Der Sach einen Gl.
schöpfen, causam alicui rei honestam praetexere, cau-
sari honestam conditionem.' Denzl. 1677; 1716. —
Erlaubniss. ,Sie war mit im hinweg zogen, wo er ir
het gl. "'«geben.' Ziely 1521. Kein Ort darf den Sei-
nigen ,G1. geben-, dass sie etwa heimliche Dienste
suchen. 1636. Absch. — c) Scherz, Spiel. ,[Es] gab
nur ein Gl., Schimpf und Gelächter [statt eines ernsten
Waff'engangs].' RCys. c. 1600 (vgl. ,es verlief gnädig').
Eine in den Jahren 1651/2 (wahrsch. von einem Zür-
cher) zusammengeschriebene Sammlung von lustigen
und komischen Aussprüchen betitelt sich ,Schimpf-
und Glimpfreden'. — 2. guter Leumund. Ehre (mit
welchem W. es in Quellen oft accumulierend ver-
bunden erscheint). , Glauben , Aug und Gl. leiden
keinen Schimpf.' Sprww. 1824. ,Er wollte [die beiden
Städte] also fryen, dass sy wol enander mit gl. und
eren byständig wären.' Jusx. ,Er hat N. N. geschul-
diget syns gl-s mit solichen werten, er sye nit fromm.'
1474, Bs Chr. ,Welicher den andern syner eren oder
syns gl-s schuldigote.' 1481, G oBüren Hofr. ,Sie
werden immer verunglimpft; sie hoffen indess, dass
ihr Gl. mit der Zeit auch offenbar werde.' 1525, Absch.
,G1.. Ehr, existimatio, autoritas.- Denzl. 1677; 1716.
— 3. (concr.) a) Durchzieh-, Schnür-, Stopfnadel,
allg. ,6 silberne gl-e' hinterlässt ein L Patrizier im
XVI. (Liebenau). -- b) Schuster-, Sattlerahle AAZein.
— c) Metallbeschläg am Ende eines Seiles. Id. B;
eines Nostels Bs; Z. .Die Nestel mit Stcfton (Glimpfen)
627
Glamiif. gleiniil, gliiiii»!'. jflnniiit. gluilipf
628
beschlageil.' Spleiss 1667. .Der Gl. am Nestel.- Denzl.
1677; 1716.
Mhd. gdimpf in Bed. 1 n. '2 zum \'b. limpfen, sich ge-
ziemen, schicken; durchgehen, zunächst in sinnlicher Bed.,
woraus sich dann Gl. 3 erklärt. Gl. bedeutet zwar zunächst
Milde, Gnade im Gegs. zum ,strengen Recht', aber die Gnade
(s. d.) wurde im a. deutschen Kecht selbst wieder zu einem
Kechtsbegr. und förmlich in Satzungen anerkannt; vgl. das
Rechtssprw.: ,GI. geht für (ist besser denn) Recht'
Uu-Glinipf: Gegs. zu Gl. 1. ,Den wölleut wir
straflich und mit synem u. wider heim schicken.- 1499,
S Missiv. — Nestel- = GL 3 c (bzw. n). .Du kannst
so wenig mit einem Meissel darein [in die Wunde]
kommen, als mit einem N. durch das Tuch.- FWürz
1634. ,N., Stift, Stefzen, capitellum ligul«.' Bed. 1662.
Als Beteuerung verwendet: ,Botz n. !' schwört ein
Teufel bei Kuef 1550.
un-glimpf: (Adj.) ungnädig, unfreundlich. ,Wie
mir die Nacht [mit Lager auf kaltem Estrich] u. war,
so war auch der Morgen roh [rauh].' XVIII., Tu Beitr.
Auch subst. = wer nicht nachsichtig ist GlK. — Zu
der subst. Anwendung Ygl. der U'söd.
glimpfe°: 1. (Etwas) biegsam machen. Bildl.:
(Jmden) zum Nachgehen nötigen GrV. — 2. (mit
Dat. P.) grosse Nachsicht üben. allg. Es i^t Niid
[taugt Nichts], wenn ds Eint., [das Eine der Eltern]
(jUmpfnt und ds Ander'; clilb-;t [zankt] GrD. Als ein
Entlibucher. nachdem ihm der Hagel seine Ernte-
hoffnung zerstört, im Zorn heftig schalt und der Nach-
bar ihm dieses verwies, weil der 1. Gott, der Alles gut
mache, es getan, erwiederte er ihm : Ja, glimpf-evi iez
du no"'! ,Er gl-et inen, gab inen recht.- ThFrickärt
1470. ,Die das [entwendete Gut] von inen koufent
oder sust abnemment oder inen darzue gl-ent und das
behaltent' 1480, L. ,Darin unser Eidgnossen den
puren gl-end und gestand gebend.' 15'29, Absch. ,Wenn
N. an alte Kriege erinnere, um damit seiner Sache zu
gl.' 1537. ebd. Wer den Friedbruch verursacht oder
dazu ,gelimpfet' hat. 1547, ebd. .So sündlich ir kind
wölltend schimpfen [Scherze treiben], sönd [sollen] sy
in«" keinswogs darin gl., nit lachen und nit schmollen
dran.' Aal 1549. ,Dass wir uns selber mit dem her-
lichen titel des christenliehen namens liebkosend und
gl-d.' EGuALTH. 1555. .Autoritatem defugere, nit wollen
eim gl., eim abschlahen etwarbei ze schirmen.' Fris. ;
Mal. ,Da der ein dem anderen gl-et und recht gibt,
wenn man ein jeden lasst machen, was in g'lust".'
EGuALTH. 1585. ,Dise püntnuss, so ir mit Jenf ge-
macht, damit zu gl. und vertädingen.' 1586, Absch. —
Gestatten, zulassen, zustimmen. ,irmb hilf dem kung
sollen unser hotten gl. vor den eitgnossen.' 1417,
Absch. [Instruktion der Tagsatzungsboten durch die
Regierung]. ,We"«nd ander eitgenossen ir hotten uf
Ostern ze C. han, das sont wir gl.' ebd. .Von der
münz wegen soller [der Gesandte] gl.; wöllent ander
einhelliklich gebieten den iren, iedermann den andern
ze leiden, so wellen wir's ouch tuen.' 1428. Seg., RG.
— ver-: beschönigen, verantworten, verheimlichen.
.Früntlich verglimpfung und ableinung über die predig
MLuthers wider die Schwärmer' [Titel einer Zwingli'-
schen Schrift]. Es würde den beiden Städten zu
.grosser, mächtiger Verglimpfung' gegen den gemeinen
Mann dienen, wenn sie fest bcharrten. 1529, Absch.
.Wer ein stinkenden atem hat, der niesse ein wenig
bisems, er v-t im den gstank.- Tierb. 1563. [Helena,
sich beim Abschied sträubend:] ,"s muess mir doch
nicht von herzen gon; allein z' v. den argwon [ihm
entgegen zu treten].' GGottu. 1599. ,Wir flattieren
und liebkosen einandern, helfen unsern Fehler, wo nit
gar verschweigen, doch v.' FWyss 1653. ,Eine Sach
V.. verhelen, verlaugnen.' AKlingl. 1702.
be-: entschuldigen, beschönigen. .Etlich personen
wölltend gern ii-e gefärden mit unwüssenheit der ge-
satzen b.- Z Mand. 1539. Die Improcedur der IV Orte
wird in dem Antwortschreiben ,beglimpft'. 1634, Absch.
V 2, 818; vgl. auch ebd. 806. 830.
Für die Stelle: .Mit me werten, so unser Sachen nit
beglimpft.' 1510, Absch. III 2, 538, welche eine zur Unter-
brechung von Weitschweifigkeiten dienende Formel zu ent-
halten scheint, liegt nahe, die Bed. ,{berücksichtigen,) be-
treffen' anzusetzen.
glinipfig (in ApI., H., M. limpfig): 1. weich, zart,
fein, glatt beim Anfühlen, wie z. B. Haut, Tuch, Seife,
Leder, fettige Stoffe ; biegsam, geschmeidig, leicht an-
zuziehen (wie Z.B.Gummischuhe), dehnbar, z.B. von
Strümpfen, Tuch, Handschuhen usw. allg. G'starri,
g'stahrti, rüchi Glider werdi'd wider gl. Slde ist gl.
[lässt sich leicht falten], Ztcilche ist ungl. BSi. Gl-i
Öff'ni'g. leichter Stuhlgang Bs; Z. ,Der starret hals
mit disem [Gänseschmalz] beriben, wirt den erweiken
und gl. machen.' Vogelb. 1557. .Ein wunden gl. ma-
chen, etwas feuchts oder gl-s darein tröufen, agere
huniorem in vulnus. Aura tenera, der heiter, zart und
limpfig luft. Limpfig, zügig, das sich lasst handslen,
teuer.' Fris.; Mal. .Das fürnemste Zeichen ist, wann
kein Schmerzen mehr verbanden und die Wunden lind
und gl. wird.' FWürz 1634. .Ein jede Wunden er-
fordert, dass die Binden, welche um sie geschlagen
wird, gl. seie und aus einandern gehe, damit sie sich
desto besser, näher und satt anlege.' ebd. ,Miesch
[Moos] oder Lumpen und gl-e Bänder von Weiden.'
Khagor. 1638. ,Ö1, wohin es kommt, macht gl., sänf-
tiget, milteret.' FWvss 1650. ,G1. zum Saugen.' JMuralt
1697. — 2. vom menschlichen Charakter: zahm, ruhig;
nachgibig, billig, nachsichtig. ,Der wilde Bursche ist
ganz gl. worden' Bs (Spreng). Gl. mit Eim verfare"
L (sonst in dieser Bed. glimpflich). , Deshalb er sich
ein Zeit lang still und gl. hielt, bis da er ein starke
Bündnuss mit den Eidgnossen ufgericht.- RCvs.
glimpfli(ch): sachte, vorsichtig, sorgfältig. Gl.
umga' mit Etw., ■/.. B. mit Eiern BSi., sonst auch =
rücksichtsvoll, nachsichtig, gnädig, milde verfahren
mit Personen. ,Do der herzog sach, dass si aller
glimpflicher dingen usgiengen [eine billige, friedliche
Abmachung auswichen], do verdross in ze kriegen.'
JüST. 257. .So wollt er den Fürsten alle Sach ufs
Glimpflichest dartuen.' JRüeger 1606. ,Gab im gar
süess und gl. ein, wie 'r füeren sollt ein falschen
Schein.' GGottu. 1619. ,Aus welchem zu sehen, dass
er an dem glücklichen Fortgang seines listigen Vor-
nehmens nicht gezweifelt, und selbiges gl. zu ver-
bergen gewusst' Informatio 1713.
TJ°-Glninpf m. : Vielesser, Nimmersatt Gl.
Im Ablaut zu VmjUmpf, welches auch in pers. Bud. vur-
kommt; also eig. : ein unanständiger Mensch, mit spec. Buz.
auf das Essen. Vgl. un-ijlv.mpfiy.
glumpfig: weich, biegsam, elastisch, z.B. von
einer Rute Gr; GO., Rh., Sa. B'r N., der das Kunter-
bändle' trlht, s' erwüsclte; ist me" na nie darzue chw,
(Tlamps— glnmps. (iliinis— glums. filaii— srlnii
CM
iri] er gar (jl-i Bei" und rcchli Girenauge" glm" hat
Gr (Schwzd.). Auch von Menschen, .mürbe-, z. B.
nach erlittener Strafe GnChur, Pr. — u"-: unge-
schlacht, ungeberdis: Gl; Syn. iinmär.
glampse": (tichallw.) einen klatschenden Ton er-
zeugen, wie z. B. ein schwerer Körper, der ins Wasser
fällt A.K; Syn. ghmggen, ghintschen. — Vgl. nhd.
.lilumpsen'.
glinise": Intens, zn glimmen. ..sehr glimmen" Gl;
„LG." — Schon mhd.
glumse" I Bs; B, glü'sc W, glässe' VOrte, glouse"
Z, glöis(s)e' Aa tw. («' Fri.); Z (.s' 0.), glöse" Ap; G tw.,
glusme?' ScHStdt — Dim. glösele" Ap, glüsle' Th tw.,
glöisek' AxFri. ; Z tw. : 1. schwach brennen, unter der
Asche glimmen, glühen. D's Liecht tuot nummu no'^>
gl., ist am Erlöschen W; Syn. Icolen. ,Glumsende
Lichtputzen.' Hebel. .Glussende wie [ein] abgebrann-
ter Stock in einer Eüti.' RCys. Bildl.: ,Es glumst
noch etwas Gutes in ihm.- Spreng. Es gluset-mii no
na''', er hat es noch nicht vergessen; Zorn, Bache
haben sich noch nicht gelegt W. — 2. „wie Feuer
glänzen, erhitzt aussehen, eine rötliche (blühende)
Gesichtsfarbe haben Ap; VOrte ; Z;" Syn. gloschen,
glasten. — 3. „glösele", nach feurigen Kohlen riechen
G." — ab-, ver-: glimmend, langsam auslöschen Bs.
,Verglumst und verkohlt.' Hebel. Niemes löscht, es
glumst wol selber ab. ebd. Auch vom langsamen Er-
löschen des Lebens : Er isch v-t tvie e LiechtU. Spreng.
Ahd. 'glummisön, Freq. -Bildung von tjUnimen; davon inhd.
gVilmen (vgl. ,glunsen' in einer a. G Hdschr.). Betr. das Laut-
liche s. Fromm., Ztschr. 7, 336, wobei zu bemerken, dass
die auch bair.-östr. Form glosen schon mhd. ist; s. Gluvuen.
Die Seh Form glusmen ist viell. nach dem Subst. gebildet.
Vgl. auch die Anm. zu flUmeu Bd I 121'2.
Glumse» Bs; „B", Glunse" (ä. Lit.), Glüsfsje"
GoT.; Sch; ScHwtw.; Tutw.; ZWl., Ghisse' LStdt;
ScuwE.; Uw; U; Zg, Glous ZO. (PI. Glöis(e'J und
Glouse"), Glousfsje"' Aa;W; Z, Glöiss AaL. (PI. unver.),
Glöisfsje' AaFuI. ; LG. ; ZFehr., Glos(sJe Ap (PI. unver.);
Gl; GBh.; ScnSt.; TnEisch., Glusme" Sch [Glüseme
Schi.); ZSth. (neben Glüse»), Glüesse" L tw. — Dim.
Glüsseli, Glmsli, Glöseli — f. Ap, sonst ni.: 1. Feuer-
funke, sprühendes Glutteilchen, glimmende Asche,
allg. B' Glöise sind zum Chämmi us g'fare". 's häd
da und dort e Glöisse /.- göissej uf 's Hüsli äne träid.
Hapl. 181.3. Glöise jage', trlhe', Funken sprühen.
Es Für fohd eisder mit-eme" Glüsli «" L (Schwzd.).
Us-eme Glouse gid 's e Broust Z. Bes. als Bild der
Kleinheit: No''' es Glöusli vo" Hoffni"g. Usteri; und
daher zur Verstärkung der Neg. : ekei" Gl., ekeis (nüd
es) Glüsseli, gar Nichts BHk. ; VOrte. Ekei Gl. Brod
nie'' im Hus, (ejkei Gl. Verstand. Er ist ekei Glusse'
wert ScHwMuo. ; Synn. s. bei Flauche Bd 1 1160.
,Glouss.' 1534, Abscb. ,Wo nun ein kleiner glunsen ist
des gloubens.' HBull. 1561. .Ein geneist, funkle, gluns
(glünssle), scintilla.- Fris. ; Mal. .[Das Irrlicht, der
feurige Mann] hebt an mit einem klein Glüssen, glych
wie ein blawes Liechtlein, dann so fart es gachling
uf und gibt ein Puwr.' RCvs. (der an einer andern
Stelle .Glusseii- hat). .Ihre eignen Keden verratend
sy. dass die Fa.ssnachtfeur und Facklen von ilinen
für ein Heidenfeur erkennt werdind. Dann sy ye oft
sagen, wenn sy die Gleusen an den Kessenen, Häfen,
Pfamnen sehen, es werd ein Wind anstahn, dann es
sind Heidenfeur an der Pfannen. Und tuend das dar-
umb, dass die selben Gleussen aller Dingen zahlend
und scheinend, als wenn einer von Fernuss die Knaben
mit vilen Facklen an der heidnischen Fassnacht sieht
umbziehen.' Pred. 1601. .Legt er [die Büchse] von
im g'schwind, ein Glünslein klein sich drin befindt;
ehe er recht luegen mocht, lag d' Buchs hindcr im
wol 7 Schueh.' HHGrob 1603. ,Glinster, Glinse, Glunse,
Gneist, scintilla, favilla.' Red. 1662. , Funken, Glun-
sen [1716 an andrer Stelle: ,Glünsen'], Gneist' Denzl.
1677; 1716. — 2. GlöissU s. Glissen 2.
Mhd. glunae f. (gloae). Die Sch Form Glutmcn könnte sich
nach Bronnen (das ebenf. die Neg. verstärkt) gestaltet haben.
— Olüessen hat sich an glüejeu. angelehnt.
Glumsete Glüssi;te usw.: Schwärm von Feuer-
funken ScHW; Z. — glunisig, in Sch glusmig (nach
St.' glüsmig): glimmend; Syn. irnrrig. Gl-e Zundel.
Breitenst.
„glumse" II: kollern, hohl tönen aus dem Magen.
Nur unpers. Es gl-t mir Schw."
Freq.-Bildung 7.a mhi. glumev. dass.; vgl. noch j/kot;)»™,
ghmggen, ijinnmsvhm, grummn. Das W. ist auch kämt.
Glan(n)— glun(n).
(ilane" f.: dünnes Glasröhrchen, längliche Glas-
koralle, dergleichen als Verzierung reihenweise auf-
genäht werden L; Ndw. Bas Brusttuech, Sammet und
Side, roll Glane" und Spitzli. L Unterhaltungsbl. —
S. das syn. (Hart:
Glanet s. Glarinett.
Glen „LG." (auch „Gleni"); U - „f. LG.", n. ü:
1. „Speerstange, lange Ritterlanze LG."; grosso, lange
Stange U; scherzw. übertr.: rechti Glini ha", lange
Beine U. ,[Da] hielt der herzog mit grosser Ordnung
syn Volk, die bogener uf einer syten, die mit den
glenen uf der andren syten.' 1473, Bs Chr. ,Mitglenen.
US for [Föhrenholz] gemacht.' HsSchürpf 1497. .Die
ritter, als .sy an glen»" fuerten fuchsschwänz.' NSuhra-
DiN 1499. ,Nam im das glen ab.' Zielt 1521. ,[Eeuter],
die hattend guldine kleider an und glänen.' 1531/48,
U. Macc; dafür: ,lange Spiesse.' 1667. ,Von den fe-
deren seiner [des Greifen] flüglen macht man starke
bogen, pfeil und glänen,' Vogelb. 1557. .Nun hattend
die Herren [in der Sempacher Schlacht] vil grosser
glenen, die warend innen hol. Do was einer von Uri,
hiess Antoni zer Port; diser rueft denen, so halen-
barten hattend, dass si uf die glen schluegend, als
si euch tatend; damit begundend die glen brechen.'
AgTschudi. , Fisch mit so grosser menge, dass ein
spiess oder glän, zwüschend sy gesteckt, aufrecht
beharret.' Fischb. 1563. ,Sarissa, ein gattung eines
spiesses oder gläns. Das glän, spiess, lancea, hasta.
framea.' Fris.; Mal. , [Die Sonne] je lenger je dünner
worden, bis es einer kerzen glych g'sehcn hat oder
gleen, welche doch gegen ufgang etwas spitziger.'
Campell 1572. ,Sanct Jörg, wie er den tracken mit
dem gleen bestritten.' 1.580, Z Anz. .Lanze, Lanse,
Glän.' SpcM-. lancea. hasta.- I!ki>. 166-2. - •2. = Glef>-:t.
631
gluii. Glaiid-
-glniig. ttlangg-glmi^g
(i32
.'24 Keitfr, wobei Glene mit 4 Hengsten.' 1421, Müll.
Schw.-G. ,Uns 500 glenen oder kürisser zue schicken.'
1514, Absch. ,Ein houptmannschaft uf 100 glenen.'
Ansh. ,Mit 1500 reisiger Glenen.' J.TRüeger 1606.
S. noch hnr-f/n". — Contrahicrt aus nihd. i/lnrrhi. t/lerm,
s. Ghfi.
Gigner iii.; Lanzenreiter. .Hornooli konmient die
gläner, ir ieglicher nit nier denn mit 1 kiiaben und
1 knecht und synen ganzen hämisch |an] iinrl der
merteil ir heliiilin nff.' 14":'.. Bs Chr.
gl in er s. (/lieh.
glune": scheel sehen, schielen. .Schylen. über-
sichtig, gl.- 1523. Bs Bib.-Glossar, für .scheel' bei
Luther.
Wenn nicht verschrieben oder verlesen für basl. ijlüieii,
könnte es zu mhd. glUmen in heglnmm, hint«rs Licht führen,
r/lumeiide, tückisch, gehören.
g 1 ü e n e n s . r/Im je» .
Glande f.: Geländer Z (Spillm.).
Sonst nicht bestätigt; wahrsch. zu laiuii, Deichsel, iiilul.
hinrler, Stangenzaun. Zaunstange, nhd. .Geländer'.
.,61andei' m.: Gier, Heisshunger. ungeregelte Ess-
lust LE.; Syn. Glanrlrigi.'
glandrig I: lüstern, bes. nach Speise u. Trank LE.
glandre": schmeichelnd schwänzeln, schmeicheln,
von Hunden, verächtlich auch von Menschen W.
Gehört viel], zu Olander, da Hunde bes. schnieichclu.
wenn sie hungern.
glandrig 11: 1. schmeichelnd, sich schmiegend,
geschmeidig „BGu.;" W. — 2. ..geputzt BGu." —
•2 viell. zu mhd. rfUnidcr, Glanz.
glandei'iere": Xbf. zu galamUrieren (Sji. 201) B.
gliiig-glang: Schallw., welches den Klang von
Glocken, bes. der Kuhglocken, malt Ar (auch glung-
glang); Bs; VOrte; Seii; Z. Vgl. gliiig gUng und s.
noch u. Gloria.
Eine durch AUitter. und Abi. erzeugte Verbindung, welche
treifend das doppelseitige, mit höherem und tieferem Tone
wechselnde Anschlagen des Klöppels wiedergibt. Vgl. 1mm
Ihiuvi, hiin bam.
Gling-glang m.: 1. das Zsschlagen, der Klang
8cH. — 2. Gepränge TuTäg.
Glingcli-glängeli n. : Tand Ndw; vgl. Gingeli-
Gmig, Gungängeli Sp. 368 und nhd. .Klingklang',
leeres Getön.
glängle": klingen, von kleinen Glocken, nur in
dem Verse: /"' ga" nüd hei'" bis DunMnacht, bis nlli
Glöggli gl-'d ZRuss.
Dim. Abi. von dem Schallw. fjlanr/, um eine Alliteration
auf Glöijgli zu erhalten; vgl. auch gängehu Sp. 36:3.
gling gling: Schallw., die Töne kleiner Schellen
nachahmend Z; s. Glingg und nhd. ,klingling'.
glingele° UwE.; U (neben -17^-): klingeln, schel-
len, läuten; Syn. glüngelen, glinggelen.
Glingeli: Glöckchen U. ,1 Glingelin.' XVIL, L
Kodel zur Frülimesse. -- Vgl. (ih,,iei: i(r,mi,,.i 1 ,li Sp. :i(.:,.
glung: Schallw., den Ruf des Raben nachahmend,
der, wenn es schlechtes Wetter gibt, gl. statt räb
lauten soll ZO.
Glungelc s. A7-. Glungi s. Ghmggel.
„gluilgle" I (auch: umtue", dero" gl.): wackelnd
schlendern Schw; Zg." — „Glungle f.: herumschlen-
dernde Weibsperson, ebd.;" Syn. Glungge I. — Vgl.
die Synn. tjunglen (s. guruiglen Sp. .308) und glvnggeii I.
glunglen II s. glunggen II.
Nacht-GIiing(g): der kleine Triton, Salamander,
sofern er des Abends ungesehen einen glasglockenähn-
lichen Ton (glüng(g) vernehmen lässt; vom Volk für
eines mit dem g'fleckete Möl gehalten ZO. Syn. Guge-
Möli; s. auch Gügger, Gügger -1, Boden-Glünggerli
und Glünggli.
Glüngel s. Glünggel; glüngen s. glunggen I.
glnilg(e)le°: 1. i-gy-) mit der kleinen Kirchenglocke
läuten; Syn. klenken. a) als Vorläuten vor Beerdi-
gungen. — b) als zweites Glockenzeichen (ad congre-
gandum) vor dem Zs.- oder Einläuten ZVolk.; vgl.
glinglen, glüngglen. — 2. s. glünggle».
Glangg (k-J m.: Gang, Einklang, Ordnung, in der
RA.: Dass d' Sach nmal recht in de' Gl. chemmi.
MKuONi 1886/7. — VVohl eig. zunächst: gleichmässige Be-
wegung. Vgl. frz. meUrc en hranle.
Glangge f.: was in baumelnder, schwankender
Bewegung ist; spec. 1. Schaukel GrD. — 2. (häufig
als Dim. Glänggeli) Ohrgehänge GLtw.; GrD.; G;
S; ZA.; Syn. Ore'-Glangger, -Gliingger, -Plamper,
-Schlängge, BeMnk(li). — 3. nachlässiges, an Körper
und Geist gebrechliches Weib BR. — Vgl. in Bed. 3
bair. ,Glanken'.
glangge": 1. schaukeln GrD., V.; Syn. gampfen.
— 2. lose hängend hin und her schwanken, schwin-
gen, baumeln, z. B. vom Perpendikel der Uhr, von
Glocken, Füssen, Ohrgehängen B; Gl; Gr; G; S; W;
Z; Syn. plampen. D' Gloggn gl-t nw nw'', schwingt
aus, lässt nur noch einzelne Töne hören GrD.; Syn.
tsclianggen. Welis Gilmsol [Gesindel! da :'f:emmu' am
Galgu" giglanggot hat! [nach der Hiiiriclitung]. W Sag.
— 3. läuten GSa. It Alpenp. 1S72: Bald [sobald] d'
Betteglogge gl-t. Bes. aber vom Sturmgeläute, wobei
man den Klöppel der Glocke nur auf der einen Seite
der Glocke anschlagen lässt. — 4. (auch mnhn-gl.)
langsam schwankend, unsicher gehen, wie z. B. Be-
trunkene, Träge, Geistesschwache, Kranke, schlendern;
langsam, lässig arbeiten B; Gr; ScnSt. ; .,W.'' Chumm
doch g'schtvind; du glanggist unime'. Syn. galanggen
Sp. 202; jtlampen, schlampen, schlänggen. „Geduckt
gehen W." — üs-: allmählig aufhören Pendelschwin-
gungen zu machen, namentlich von den Bewegungen
einer austönenden Glocke, ausschwingenden Schaukel
GrD.; Z. Syn. üs-plampen.
Mhd. glankm. Vgl. für Bed. ä u. 4 bair.-östr. Idanhtn,
Henken und s. auch Gr. WB. 5. 951 f. Glaiujgen verhält sich
mit seiner Gruppe zu gnnggleu usw. wie glunggen : gungglen ;
beide zeigen starke Übereinstimmung der Bedd. In 3 haben
wir wie in so vielen Fällen eine Übertragung der Bezeich-
nung der Bewegung auf den begleitenden Ton (vgl. Sp. 137,
Anm. zu gigagen) oder es liegt nichts Anderes als eine Nbf.
dos Syu. l-fml-eii, bzw. gUiiiggni. vor.
Glauffff, ijlen^g. gliugg, ^Unu^ti. slniigg
Glangger m.: 1. (oft ZU-Gl.) Perpendikel an
einer Schwarzwälder Wanduhr Gl; PPo.; GO.; ZHaus.;
Syn. Zit-Plampei; -Schwenkel — 2. Pendelvorriehtung
am Visier der Stutzer alter Ordonnanz, um das Drehen
des Laufes, hzw. des Kornes, verhüten zu können Z.
3. (Ore'-JGI (in Gtw.; Ztw. -Glangger, in Ztw.
Glanggere f.), häutig als Dim. = Glangge 2. — 4. (Ore"-
Glängger) Hagebutte GT., weil von Kindern an Schnüre
jjesteckt und über die Ohren gehängt.
Da das W. fast ausschliesslich als PI. gebraucht wird,
so könnte die Form Glangger aus dem PI. in den Sg. ein-
gedrungen sein. Gerätenameu auf -fre sind nicht selten:
Tgl. Outtor, Halfint, SMimjgere (Schleuder).
Glangger i° f.: Faulenzerin ScnSt.
Glanggi m. : hoch gewachsener, langsamer,
schwankend gehender, gebrechliiher Mensch, Fau-
lenzer, Tölpel BO.; Gl; GkD.; (i\\\.; ScnSt. Syn.
Glunggi, Galanggi; andere s. bei GitlU II. — Glanggi
f.: Schaukel GrD. — Glanggi n.: 1. aufgehängter,
baumelnder Gegenstand, als Spielzeug der Kinder BSi.
~ 2. Senkel zum Festhalten des Sensestiels beim
Dängeln BO. — Glänggel I ni. : schwankend, un-
sicher gehender (Ndw). müssig herumschlendernder
Mensch (L). Syn. GKnggel, Glunggi.
glängge° I: baumelnd hin und her bewegen GW.
D' Chinn'' gl. gern d' Füess under'm Tisch. — Wenn
nicht das.s. was glätiggen II, ist das W. Fact. zu ghinggiii.
Glänggel U s. K1-.
glänggen 11 s. llenken. beglänggen i. langen.
Glingg ('i-^ m. : Klang, .Anschlag der Glocke GRPr.
Bim eista Gl. vnm TagnlMii. Schwzd. — Vgl. glinti
dllnng), nhd. ,kring (klink)' und mhd. Mine, Klang.
glinggele" I = glingelen BoSi.; Ndw; U tw.
Glingge" I f.: schlechte Schelle GrL. —
glingge": schlecht, schwach tönen GrL.; die Haus-
glocke ziehen GMels. — Glinggi n., Dim. Glinggeli:
Gliicklein, Schelle B (Zyro). — Entw. Abi. von y/«;/ .xler
landschaftliche Ausspr. für l-leuhn.
glingg, in der RA. gl. uf gän, ohne Rest, genau
zu Ende gehen, von Vorräten, Baarschaft BO. I'''
chanti no''' grad zahn und detm geid d's Geld gl. uf
BR. Syn. wett-, quitt-üf.
Viell. = ,mit dem Schlag auf. d. h. grnau: v^-'l. «v/«,*
en'i'g, Sritlungg n» ! vf ein TiitHvh u. A.
Glinggel m. : wer schwankend, unsicher geht Ndw;
Syn. Glänggel, Glünggel; Ginggel 3. — glinggele"U:
1. baumeln, von hängenden Gegenständen B oSi. —
2. langsam, schwankend gehen, schlendern. Mauljffen
feil halten, ebd. Syn. glünggelen.
Die Bedd. sind die von glänggen, nur mit Dim.-Abschwä-
cbung. Identität mit (jUnggelen I wäre wohl möglich: vgl.
(las Syn. niilggle,, : dricli Vfrl. auch ,ii,«igelen Sp. 36.5.
Glinggeliging: Schallw., in einem B Licde den
Anfang jeder Zeile bildend: GL, tuas hast im Sack?
Gl., es Weggli usw. — Vgl. nhd. .klinglingling', wie dieses
oig. den Ton klingender Münzen nachahmend.
Ore°-(Tlingger = O.-Glangge(r), -GUingger GRMal.
Glingge II f.: Rotte. Sippschaft BStdt. - Entstellt
;iiis frz. ■■n.iu,:.
Glnngg, als Spottn. nur in der Verbindung Ruedi
GL: gutmütiger, gemächlicher, eine gewisse Volks-
gunst suchender und geniessender Mann BsStdt. — Zn
yluna,/,,,. ItueiU. selbst Syn.. hier verst.irkeud in appcll. Ib'd.
Hemd (Hemmfeßi- Bs, Hömmli- S, Uemp- Sch;
Th; Z)-Glungg AAFri.; S, -er Bs; Sch; Th; Z, -iBs;
ScH: Th; Z, -Glü7iggi AaZ. — in., -Glunggeri f.: 1. wer
im blossen Hemde steht; bes. als Scherzn. gegenüber
Kindern, welche man in BsStdt neckt: H.-Gl-er, Stude'-
junker, (N)Essle'brenner, Stube"renner. Syn. H.-Sigerst,
-Stunggel. - 2. (H.-GlitnggiJ Busch-, Windröschen,
anem. nem. AaMcII. — h.-glunggig, -glünggig:
im blossen Hemde. Syn. h.-g(e)stungglig.
7,n -,/"„./7. ;, . V-].: i'?n Hemp umme" gl. oder: '« //. gl-t
an-e,ii ..,,..«r", ,.li\ifinkt lose an seinem Leibe; vgl. noch
Honrii-f.hiii.pii : ',h,,i.i,/-Hemd. Zu 2. Nach der weissen Farbe
der Blüte und dem schwanken BlUtenstiel; vgl. blutli Jum-
p/en; Herbstzeitlose (Bd I 1248), sowie .Jungfrau im Hemd',
galanthus niv.
Glunggel Lf. Glunggi Aä; Bs; Gl; GRh.; Sch :
ScHw (in E. Gluggi, neben Glihjgi); S; ZGlattf., Lunn..
Glüngg I Aa, Glünggel XkY. {-g- ItHürbin); Bs; B;
L. Glunggi I Aa; Bs; Gl; GrLuz.. V.; L; G; Schw;
ScHNnk.; S; Th; üwE.; .Zg;" Z — m.: grosser,
aber körperlich und geistig vernachlässigter , arm-
seliger Mensch, der trag, willenlos, in schlaffer Haltung
einhergeht, Tidpel, .Alüssiggänger, Tagdieb, Nichts-
nutz; Synu. ^. bei (riilli, ferner Glanggi. Liederlicher
Geselle, Lumiil Strokli; Syn. Schlängg, Sehlunggi,
Lotter, Hudli, Halungg u. A. Mi'''' kujoniere" lo" to
me so ne Glunggi! Bs Volksfrd. So nen Glunggi, de
hinne und vorne NM hat. Sch (ABilling 1885). Grad
rüeme" will-mi"'' nid, weder [aber] zu jedem GL lo" seile"
liess-mi''' de" glich eiHue" nid L (JBEgli 1871). Wo
kei" rerschupfte Gl. gäunet (s. Sp. 327) Schw (Bruhin).
E GL [grossen, plumpen Kerl] nennt Hansruedi den
Mond, dessen ,Gesicht' er auf seiner Reise in den
Himmel in der Nähe betrachten kann GSa. (Prophet
1855). Glunggel hiess der ivüest Gäuggel in L s. Sp. 174.
— Betr. die Form fMugg! (GlAngel) vgl. ghingh-H, ghhigelen.
Hose°-Glunggi: wer die Beinkleider herunter-
hangen lässt BsStdt.
Chil<'''e"-Glünggi: Spottn. des Messmers AAFri.
Glungge" I f.: nachlässige Weibsperson AaF. ;
ZGlattf.
glungge" I, in Aa tw.; Bs tw.; „L; Zo;' Z
glüngge", in Scuw'E. gliinge" : 1. schaukeln, schwan-
ken, baumeln, lose, si blaff li.rabhängen. wie z. B.
Kleideram Leibe, ein ll;.ni;rl.aii. h BsL.; ,L;'- Sch. —
2. nachlässig, bes. in -rlilnttiiu- .mi Leibe hängenden
Kleidern und mit schlailen Gliedern müssig, zwecklos,
träge, schwankend umher gehen, schlendern; liederlidi
sich herum treiben, .bummeln' Aa; Bs; B; Gl; Sch;
Schw; Z. Von Bruhin (Schwzd. 35. 75) einmal verächt-
lich von dem Tanz um die errichteten Freiheitsbäumc.
Bes. umme", umenandfer) gl., herxxmscUendeTn. - 3. an-
schlagen an eine Glocke, die Gl. ziehen. .Wenn man
mit der Ratsgloggen stürmt, das bedeutet Feindsnot.
So man aber in Kilchspelen mit anderen Gloggen
stürmt und glungget, das bedeut Feursnot.' 154!i. Bs
Sturniordn. (It Spreng).
Synn. in Bed. 1 und 2 glänggen, gungglea , jJumj,! II,
scHünggen. Tgl. mhd. ghndern und bei fir. WB. .kluiikcn,
klungeln 2, klunkern' und betr. Bed. 3 (wo .glunggen' aller-
dings verlesen oder verschrieben sein könnte, da für diese
Bed. sonst ,klenken' bezeugt ist) kämt. Glunggel, grosso
Schelle. S. auch Anm. zu glunggen und glunglcn I.
ÜS-: Jmd im Spiel ausbeuten BsStdt.
Wohl eig. : Einen bis auf's Hemd ausziehen: vgl. Ihmil-
Glinujg: vgl. aber auch glvnggm II.
(ilangg— glnilgg. Olan.s— gluns. Glansch glniiscll
Glungger m.: Quaste, Troddel AaF.; Syn. Glang-
ger. — Vgl. nlid. .Klunker'.
Glüngg n GLNäf.; GrV.; ,L; Zor Z, Glünggi II
UwE. — n.: 1. coli., etwas schlaif und baumelnd Her-
unterhängendes, wie z. B. schlecht angepasste, zerfetzte
oder mit unnützen Zieraten behangene Kleider, ein
Hängebauch, Kropf, Hodensack Sch; SchwE.; UwE.;
Z ; Syn. Geschlängg, Geschlaiiq). Die hat es Gl. [Fetzen]
an-ere Sch. — 2. Ausbesserung, Ausflickung an alten
Kleidern „L;" Zg (wohl eig.: die Gesammtheit der
aufgesetzten Lappen, Flickwerk). — 3. unordentlicher,
liederlicher Mensch, Lump Gl; Syn. Glunggel {Glünggi
m.). — 4. faules, träges Tun, Benehmen GrV.
Collectiv-Bildung zum Vb. glunggen, mit tw. Anlehnung
(für SchwE.) an Gdüngg, Eingeweide (zu ,Lunge'); zn 2 vgl.
,klunkericht', zerhimpt bei Gr. WB. : in 3 wie in (füU, Ucder-
H(ch)s) Geschirr, Sib-Uen u. A. mit Personifikation. Zn 4
vgl. Gcfäg, Ge/räg a. v. A.
glünggele° = glinggelen II 1 BLyss.
glüngge": 1. = glunggen I lu. 2. — 2. .schlecht
ausbessern, flicken, bes. Kleidungsstücke L." — 2 ist
Abi. von Glüngg IJ S.
glnngg: Schallwort für einen hohl gurgelnden,
schluckenden Ton. 's FässU macht gl., wenn es nahezu
leer ist und die Flüssigkeit wegen des Luftdrucks nur
noch stossweise ausläuft Z.
Vgl. mhd. ghink, glunkender Ton, u. bei Seb. Brant: ,So
wilnt der hcrr, dass er noch liat in sym fösslin ein gueten
trunk; so macht der zapf dann glunk, gl., gl.; das ist ein
zeichen darzue, dass gar wenig ist me in dem fass.' S. auch
Gr. WB. unter ,KlnHk'.
Glungge II B; S; „L; Zg", Gungge Gl; ZEafz
(PI. Güngge) — f.: 1. = Gumpe 1 u. 2. ,G1., Ver-
tiefung im Wasser, Untiefen.' Zschokke 1797. E grossi
Gl. slg ror der Hustüre u"' nit emal e Lade drüber
g'leit g'si. BXri 1883. ,Er wusste [in seiner Ver-
zweiflung] nicht, was besser Feierabend mache, eine
schöne Gl. oder ein batziger Hälsig [Strick].- Goxin.
.Die feurigen Männer hätten Leute in tiefe Löcher
und Gl. gelockt und dort sie ersäuft elendiglich.- ebd.
,G1.' tauft Gotth. bedeutsam einen wegen seiner Un-
ordnung berüchtigten Bauernhof. ,Durch wucst, kat,
irrig, grundlos glunken (: tunken).' NMan. — 2. Grube
übh. (auch ohne Wasser) SBib. ; vgl, glüngglen.
Die beiden Formen verhalten sicli wie GumjK : Ghim/n;
GuHtc : Glunie. , Kunkel, gunkel, gunggel' schon in a. Glossen
hei Dieffenb. = gurges, vertibula; vgl. auch Gr. VfB. bei
, Kunkel'. Die Form mit gl- schliesst sich an die Gruppe
glüngg an und bezeichnet eig. eine Stelle, wo das Wasser
.glunggt'. So kann .Klang' eine seichte Stelle im Wasser
bezeichnen (zu mhd. Manc, das Plätschern des Wassers),
.Klinge' bezeichnet einen .klingenden', rauschenden Gebirgs-
bach. Das W. auch erhalten in ,Hexen-Gl.', einer Untiefe
an der Einmündung der Schüs in den Bielersee, wo man
früher nach dem Volksgl. die Hexen ertränkt hat; da jedoch
diese Todesart (statt des Verbrennens) für Hexen sonst selten
bezeugt ist, so dürfte der Name damit zshängen, dass an
jener Stelle römische Altertümer gefunden worden sind : vgl.
^.-Kessel' n. die vielen Flurnu. mit Hex. S. noch Glun(t)sche.
Bad-: vertiefte, zum Baden geeignete Stelle in
einem Flussbette BBüren.
glungge" II, glungle" II AAFri.; Ltw.: 1. schal-
len, vom klatschenden, schluckenden, hohlen, dumpfen
Ton, der entsteht, wenn schwere Körper ins Wasser
plumpsen, in einem fast vollen, geschlossenen, be-
wegten Gefässe (Fas.s. Flasche) Luft und Flüssigkeit
sich streiten, der Magen fast leer ist oder dessen
(oder der Darm-) Inhalt kollernd bewegt wird AiFri. ;
Bs; L; „Sch;" S; W. ,Fluctuatio storaachi, wenn die
speis in dem magen embor schwebt und glungget
oder schwümmt.' Fris. Syn. gtmggleii, gliin(tjschen.
— 2. „ins Wasser plumpsen; er ist hineingeglungget
L; Sch."
a°-glünggere°: mit den Bechern beim Zutrinken
anstossen ScnSt. (Sulger); Syn. fan-J glü(n)gglen.
Bode°-Glünggerli: Salamander .Kv. Syn. Nacht-
Glüng.
glünggle": 1. rufen, wie ein Salamander Ar.
Wenn d' Molle' gl., so giH 's guet Wetter. ,Der Sal-
mander glönggelte schöne Frühlingsnächte durch.-
UBrägg. 1787. — 2. (auch a'-gl.) = an-glünggeren Sch.
— 3. kollern im Magen L ; Syn. glunggen II. — 4. mit
Schnellkugeln spielen, wobei es darauf ankommt, beim
Wurfe eine solche geschickt in eines der in der Erde
ausgehöhlten Grübchen (s. Glunggen 2) zu befördern.
Wenn dies gelingt, so laufen alle Mitspielenden mit
Ausnahme des Eigentümers jener Grube davon, welcher
einen Ball ergreift und die Andern damit zu werfen
sucht. Triift er, so wird in die Grube des Erreichten
ein Stein gelegt; wer eine gewisse Anzahl Steine in
seine Grube hat aufnehmen müssen, wird vom Spiele
ausgeschlossen S. Vgl. Grueb 7; grüehlen und Ballen-
Grüebli's. — Zu -2. St. schreibt d.is eine Mal -ngg-, andere
Male -«(/-.
Glünggli x\. = Nacht-Glüng Aa. So lang si''' 's
Gl. ror Jnrge'-Tag g'höre" löd, .<o lang schv'iget 's
naher wider AABb.
Glüngg UI s. Gelüngg.
Glans— gluns.
s. Glisseli. Gl uns
glunsen II s. folg. Grup
ölunscli Ghniisrh in. (.liiu. aiiit>t.scheU)'BO., „GlunCtJ-
sche" f. L'-: das Ki-rlmi-- >|. - .(ilun.schens', sei es der
betr. Schall od. .li.' ;iii^i;v,ihüttete Flüssigkeit, auch:
Lache, Pfütze übh. HO.: J> (auch: vertiefte Stelle
in einem Gewässer)." Syn. Gaudel (Sp. 121), Gülle
(Sp. 222). PClJatsch. — glun(t)sch(l)e» B; S,
gluflse" W: schallen, wie wenn ein Körper ins
Wasser fällt, die Mühleräder in dasselbe schlagen
udgl., plätschern; einen gluckenden Ton von sich ge-
ben, wie wenn Flüssigkeit mit I^uft sich mengt, z. B.
beim Schaukeln in geschlossenem Gefäss; kollern in
den Gedärmen. Mi" Ma" isch mir i" d' Em nie g' falle",
i"' hdn-e" g'höre" gl. und hätt v'<-ne" nid bim Bart
erwütscht und hätt i^'-ne" nit bös ahe [hinunter] 'truckt,
SU war er nit erfrunke" B.
Verhält sich zu dem syn. gun(t)sehlen wie die ebf. sinn-
vwdten Gumpen, giingglen, Gunten zu Gl-. Es ist eine laut-
malende Sippe; vgl. noch Glutten. Die hier behandelte Fa-
milie ist mit « bzw. « weitergebildet entw. aus GlDtwU: oder
aus ü(l)unggc, s. noch die Anm. zu gungglm (Sp. :3fiSl. Hie
Form mit -»- sdiwach bezeugt.
Sliliit. (ilail/. ''hin/.
Gl mite" s. I. ßiinlen II {Üy. 3SI). 2. Kliint.
Gluntsch s. Glunsch.
Glanz— glunz.
(ilaiiz 111.: 1. im gfw. iilul. S., doch nicht häufig
iuijfewondet. am Häuüg.sten vnii Geweben, allg. —
'2. Glanz eines ganz wölken- und dunstfreien Nacht-
himniels. allg.; doch ist fraglich, ob die echte Volks-
sprache ein Subst. dieser Bed. anerkenne; s. das Adj.
.Also verzeigen sie [die Berginännchen] stets, was
zutrifft morgen und künftig, jetzt ein Gewitter, jetzt
freudigen Gl. auch.' JRWtss 1815. .Wyl kein Wind
und aller Gl. und still, schön Wetter.' 1601, Gfd 3, 112.
— 3. strahlende, gerötete Gesichtsfarbe des gesunden
Menschen. ,Da [als Belsazar die schreibende Hand
sah] veränderte sich der Gl. des Königs und seine
Gedanken erschreckten ihn.' 1707, Dan. = ,verlor der
k. sein färb.' 1530. — 4. kleines Feuer im Ofen GRPr.
i' Gl. in de' Ofe" mache', ein wenig einheizen. Es
schiedi nüd [könnte nicht schaden], irenn-d' <;s Glenzli
i'füretist. MKroNi. — 5. „Glänzeli, die gevf. Arten des
Hahnenfusses, ranunc. Gr." — C. übertr. a) Es hed
der GL, eig. hat den letzten Anstrich (Firniss) er-
halten, die Sache ist damit abgetan (JRPr. NU in
Gl. si', sich in Verlegenheit, im Elend befinden B.
— b) kleiner Bausch, .angeheiterter' Zustand Gl.
Zu 5 vgl. die Syuu. OlitxrU und bes. Glinzeli, für welches
OS viell. uur eiue (vou der dortigen Ausspr. begüiistigte) oty-
inulogisiereude Schreibung ist.
Uli-: 1. in der Verbindung ivi U. si', in Ungnade
getalleii. nicht mehr geachtet, verkannt sein B. Die
Sarte' [der alte und der junge Wein] lebe' (jämj im
Strit im Clieller iinde"; der Chiiefer liet-Si- längeri Zit
im grössten U. s'ftmde". JCOtt. — 2. Unfall, Schade
F umMu. In U.cho"""". — Bliiemli-: Geschlechtsn.
XIV., ScH. — .Wider-: rcflexio.' Denzl. 1716.
glänz: glänzend. Z' gl-em brenne', d. i. mit leben-
digem Feuer, nicht mit blosser Glut FSs. Bürs Holz,
das gl. gid im'' nüd nummen mutted [nur glimmt] BR.
(Vgl. heiter geben.) ,Dyne engel in eim so hellen, gl-en
sehyn.' JMtm. 1559. ,Dem Machabeo ist ein reisiger
erschinen in einem gl-en kleid.' LLav. 1569 = .hell-
glänzendem.' 1670. ,Mit reinem oder gl-em leinwat
bekleidet' ebd. 1587. E glonze-- Gallereell. Balz 1781.
.Die Stiefel ausgerieben, bis sie wieder völlig gl. sind.'
Feuerspritze Z 1790. Spec. vom Gestirn und Firma-
ment: licht, unbewölkt, namentlich von sternhellem
Nachthimmel, allg. Syn. hsll. heiter; Anton. Heckte
Himmel. Es ist (macht, wird, bllbtj gl. Wenn 's nw
nit muess gl. iverde" hinecht jjheute Nacht], sust git 's
en 'Riffe'. Sprw. : Mugge'tanz ~- mure [morgen] gl,
Obermore heiter Uw. ,Das Unwetter hielt nicht über
5 Min. an, darnach war's wieder gl.- Stütz 1855.
Auch, doch seltener, attrib. und dann flektiert: Mer
liänd [wir haben] gl-ne' Himmel Z. ,Das schönest
Wetter, gl. und nah wünsch dur üs.' Salat. ,Ze nacht
gieng uf ein gl-er mon und ward so grimnienklich
kalt.' Kessl. ,Der hiramel was gl.' ebd. ,[Die Sonne
hat angefangen wieder] gl. schynen.- UMey. 1540/7:!.
■ Die morgensonn ist mermal gl. und hebt sich dann
der muggentanz.' Vad. ,So der hinimel gl., sollend
^y [gewisse Fische] sich herablassen, so er gewulket,
lassend sy sich herauf.- Fischb. 1563. .Ich IHiob]
bitten, dass dise nacht [meiner Geburt] nit gl. seie;
dass man dise ganze nacht weder den mon noch die
Sternen sehe.' LLav. 1582. ,Sichst auf dem höchsten
Spitz 9 See bei gl-en Sommertagen.' JLCys. 1661.
.Darnach gar veränderlich und wenig gl-e Tag.' Schumi.
, Denkt an den Schnee im Maien : Nur eine gl-e Nacht
hätt euch um Alls gebracht.' .ITomann 1802. - Mhd.
ebenso.
Spiegel-: Verstärkung des vor. Ap; Scuw; Z. ,An
einem Sommermorgen, als der Hiramel sp.' JCWeissenb.
1678. Noch weiter verst. heiter-sp. Schw, und (scherzh.)
sjnegelglanzhellhäter Ap. — stern-: sternhell B.
glänze": 1. ,glanz' sein oder werden Bs (Spreng);
Uw ; Z ; ,glänzen'. Wenn 's hinecht glänzet, so g'frürt 's.
,Der Biswind zieht, es glänzet überall.' Stütz 1852.
,Sein angsicht glänzet wie die sonn.' 1530, Matth.
,In disem g'schir glänzet der wyn.' JMür. 1559. ,Irra-
diare, glänz geben oder gl., ein heitere geben. Ful-
gere, gl., scheinen oder gleissen. Die sonn glänzet.
Vestis eandet, scheint, gl-t. [Watten] die glitzerend
und glänzend wie feur.' Fris. ; Mal. ,l)ie äugen brün-
nend oder glänzend im, ardent oculi.' Mal. ,Diser
[Fisch] glänzet mit vil guldinen streimen.' Fischb.
1563. ,Diug, die allein zuo nacht schynend und glän-
zend, als etliche edelgestein.' LLav. 1569 = , haben
allein zu Nacht einen Schein.' 1670. ,Dass die Strei-
men der Sonnen durch die krystallin Kuglen grad auf
das Gefäss gl.- .TKLandenu. 16iis. .l>er Sternen Heer,
die man sieht gl. in der Nacht.- HsKKebm. 16'20. ,Stel-
latus, voll Sternen, gestirnt, glänzend.- Denzl. 1677;
1716. ,Ganz glasen ist das schnöde Glück: lieut
glänzet 's schön, morii bricht's in Stück.' Limunner
1733. — '2. in hellen Flammen brennen BK. Ds Fiir
hed ganz zum Ofen usa g'glanzed.
Auch luhd., doch selten, neben ijhiizui. Die Z Mandd.
enthalten wiederholt ,den hellglänzenden Leuchter' und gehen
erst 1789 zu -ä- über.
üf-: auflodern BBe. — ,er-: recht scheinen, gla-
sten, relucere.' Fris.; Mal. ,Die purperfarb fröut sich
des glanzes der sonnen, dann an solcher erglänzet sy
über alle mass.' Fischb. 1563. — , durch-: durch-
gleissen, translucere.- Mai.. - wider-: zurückstrahlen.
,Es tat die Suiiii an .Icu Harnischen widerglanzen wie
ein stächliner | ^tahlnn.M | Iferg.' Grasser 16'25.
Glanzerli n.: scharter Hahnenfuss, ranunc. acris
ÄABergöschingen. Syn. Glänzeli.
glänzet: glänzend. ,Ein flamm oder smi.st ein
glanzete matcri.' Fischb. 1563. ,Ein glänzet Angesicht.'
JRLanüenb. 1608.
l)a der MA. das Ptc. Inip., wenn es uicht zu der adj.
Furni auf -i<j übergesprungen ist. sich mit di'i- F(irui dos
Ptc. Prüt. (der sehwachen Conj.) diM-tt. ^.. l/is^l idjigos Adj.
zweifache Ueutung zu.
glänzele": flackern, schwacli Haimneii BSi.
glänze": 1. (intr.) wie nhd., doch der echten
Volksspr. wenig geläufig und mit engerem Begrift'.
Die Sonne ,glänzt', wenn sie durch Gewölk wie durch
einen Schleier blickt, ohne mit voller Kraft zu strahlen
(ist mehr, als wenn man bloss den .Sunnestenr sieht)
Zu. Hiezu das Ptc. glä,r.en,l. na.-kt. jäli abralb-nd, i..n
Felsen BO. „Der Wvfi iinl iih,r ,illi ,il-i ri::,!, ,., ■,
Vgl. geliig. — 2. (tr.) ^v»i^>.■ St..ilr. » i. 1., mv ■ .i.
Indionne, Persienne. mit (ilan/ v.T>rlirii, .iiiin .in i.n
(ilaiiz - gliin/.. (ilap ylnp. (ilaiil — jrl
(ilai-glui
13; Z. l'aher .Gläiizcr und Aiirüstei", Bezeichnung
des betr. Bernfes.
ent-glänze°: seines Glanzes berauben (bildl.).
, Dieses [erbärmliche] Gewässer, welches das rote Meer
e. will.' GHeid. 1732.
glänzig: glänzend Bs: Gl; Z.
Glänzni f-e'-J f.: Glanz, helles Wetter Gl. Bas
ist e Gl. y'si"! (prägn.). - Von de». .\dj. uU.-^-m-- wie
Krenkni VOÜ kraiik-ne''.
Glenz. -ling s. Lenz usw.
«linzele- GW., Glinze- Gk; GS.. T. — f., doch
vorwiegend dini. [Glinzji GrD., Glinzli GrHc., sonst
Glinzeli GG.. 0.. We. usw.): 1. Hahnenfuss, ranunc,
bes. die mit Metallglanz leuchtenden Arten. aaOO.
8yii. Ghssnn). (rhss-Bluem, GUtzerli. — 2. Fünf-
fingerkraiit. |iMtriitilla aurea, p. verna GrD.. He., Pr.
— 1 11. 'J lialii.M vi..l fiiisserliche Ähnlichkeit mit einander.
glinzele": Himmern Ar; G aL. — glinzelig:
fliumiernd. ebd. — glinz{l)e'': glänzen Gr. — glin-
zeren = glinzen. ,Auf ihrer Brust glinzerte das
Urim.- JJUlr. 1733. — Glinzere- f.: 1. (meist dim.)
= Glinzelen 1 AAKobl.; GT.; ZTu. — 2. Kuhname
Ap. — Von mhd. 'jlin-^n, dem Stanimw. zu ,(ilanz, glänzen".
S. uucU (jlitzcreu.
gloiizen: glimmen. .Mittler weil glmizet noch
immerdar die strenge Keligionszwcitraclit in Basel.'
WlRSTISKN.
Glunze" f.: Funke S.
Die beiden letzteren WW. stimmen zu dem I'tc. des
starken Vb. •ßimm; doch walirscheinlichcr sind es vergrö-
bernde N'btf. zu yhimscn usw.
Glapp— glupp.
Gläppler : sehr grosse Art von Birnen Tu.
(ileppe" Galeppe: viereckige Viehschelle GrD.,
Ub.S.. UVatz.
Ob verwälschtes Klepji- mit furtivem n und aus dem
Cburw. ins Deutsche zurückgenommen V Vgl. auch KlapjK.
gleppern : klappern. ,Die Griechen läuten mit lan-
gen Stangen, die gl. an einandern und machen ein
gross Geschnetter mit einandern.' 14ö(i, Bs (Gfo. 7, 396).
Spielform zu dem schriftd. W. \*er Unil. kommt schon
im Mhd. vor und ist bei einem Schallw. nicht verwunderlich.
(Jleipf n.: Abschrägnng
Feilster und Türen L. — Vc
on Wandöö'nuugen
iimhd. (ßetf, schräg.
für
Glar— glur.
glar (-H-J: klar, lauter; glatt; nur in der Ver-
bindung 's gJ. Is TnFr. — Eine durch .\uflosung von GlaHn
(Bd I 534 f.) gewonnene, an .klar' angelehnte adj. Form.
glarre", bzw.-«-: 1. glänzen Ar; B. ,Das glitzert
und glaret in alle Gässlein hinein, dass man von Wei-
tem meint, was es sei.' Gotth. So bes. von Fett: der
(jlareH Spegg GSa.; _von Brühe, welche mit Butter
udgl. übersättigt ist LG." Es glaret ro' Schmutz [ün-
reinlichkeit] Tu. Am-li von der Haut gesrhwollenor
Körperteile GT.; ScuwMa. Syn. glirren. — 2. starren
Blickes drein schauen, grosse Augen machen, gaffen,
glotzen AAZein.; Bs; BU.; GRPr.; G; Schw. Syn.
Maren. Was hasch z' gl. ? Au''' glaret [iftm] d' Dümmi
[Dummheit] zum Tschädel [Schädel, Kopf] ms Schw
(Schwzd.). — 3. , frieren, dass es glänzt, leicht über-
frieren Sch.- Vgl. Glar-Is. — Mhd. ,jla,n-n in Bed. 1;
engl, lo tjlure in Bed. 1 u. '2.
umme(r)-: umher gaffen Gr. — an-: anstieren Aa;
Bs (Spreng); B; G; S. Syn. an-hollen. .Der esel sich ab
keinem [Kameel] entsitzt, sonder glaret es an.' Tiere.
1563. — dri°-; blöde dreinsehen, z.B. von schwach-
sinnigen Kindern GrHc. — üs-: in die Ferne hinaus
starren GRPr. — ver-: (refl.) sich vergatfeu. ebd.
Glare": 1. (PI.) glotzende, stierende Augen, gröb-
lich für Augen übh. AAFri.; BU. Es würd mängi
Frau d' Gl. üftue". we"' si misst, tras der Ma"'
schuldig isch u"' für was. Gotth. ,Wenn sie noch
einmal zu Michel kämen, dem wollten sie die Gl. auf-
tun, dass er sich verwundere." ebd. — 2. farbiges
Glasröhrchen, dgl. die Kügelchen einer Glasperlen-
schnur in gewissen Zwischenräumen unterbrachen Lf.
Syn. Glatte.
Glari m.: unachtsamer Mensch GO.
Glüri- heisst im Volksrätsel die auf den Schinken
(Limpi-Lämpi) lauernde Katze. — Vgl. ylnnn, lauern,
glarrig GT., Rh., glärig A.v; B; Gl It Schuler;
Gr (kl-); L; G; Seil; ScHW; S. glärig GlH.; ThHw.:
1. .stier, starren Blicks Gr." — "2. glänzend ['s glärig
Is = Glar-Is GRh., T.. W.); hellfarbig, bnnt, grell
(Syn. gaggelarig). aaOO. .Der gl-e Herenvogel [Häher].-
Gotth. ,GI. g'färbt [bunt bemalt].' Schwzd. 35, '2-1.
, Kinder in der Jungfrau geboren; ihr Sinn geht aufs
Glarige und ihr Trachten auf Putz." B Kai. 1870. Bes.
von der durch Schmelzen von Schnee oder Keif ent-
standenen Eiskruste. Daher .3. glatteisig, überfroren
B; „ScH.^ — 4. lauter, rein, un vermischt Gl. Gl-e''
Spegg, durchsichtiger Speck, aber auch: lauter Sp.
ohne Fleisch. Gl-e" Ängge" [Butter ohne Brot] esse".
Gl-e' Gletscher, reines, glattes Eis.
Glär m.: Gesicht, Antlitz BBe. Acht tiit d'r Gl.
im Spiegel!
„glärelig: grell, von Farben B; Sch.-
Glari, Gldr(el)i: Hilarius. Nur in genet. Verbin-
dung. Glaris Zeig, Flurn. TnTäg. .StGlaris Tag".
13. Jan.. ehemals einer der 3 Gerichtstage in ZAnd.
(Bluntschli EG. P 212). Gläristag ZSth. u. schon 1336
Ötenb. Urk. ; als Zinstermin, XIV. LAdl. ,StGleristag.'
1407, Urk. d. Animann Wirz v. ZErl. Gläris-, häufiger
Glärelis-Tag ZUhw., Langw., Feu.. Flurl.. für diese Ge-
' meinden die hauptsächlichste oder einzige öffentliche
1 Lustbarkeit des Jahres und die Neujahrs-, Berchtelistag-
und Fastnacht-Gebräuche anderer Gegenden zsfassend.
! Das Fest beginnt jeweilen am 3. Donnerstag im neuen
Jahr damit, dass die Mädchen sich im benachbarten
Schaffhausen mit Kaffee, Zucker und Kerzen versehen.
\ Kuchen backen und Abends den Kiltbesuch ihrer
I Bursche empfangen, während die verheirateten Bürger
auf der Gemeindestube, wo sie zuvor getagt haben.
' sich bei einem Gemeindetrunke gütlich tun. Am Frei-
tag Morgen rückt die Musik im Gemeindehause ein,
wo sie von der (hemdärmeligen) Burschenschaft em-
i Iifangen wird, welche dann die Mädchen zum Tanze
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holt. Diese .sind mit weissen Halstüclieni, Schürzen
luul Strümpfen geschmückt und eutblössen zum Tanze
ebenfalls ihre sorgfältig gefältelten Hemdärmel. Zum
.Alittagessen, das besonders reichlich bereitet ist. und
zum Nachtessen begleitet man sein Mädchen nach
Hause ; sonst wird ohne Unterbruch getanzt bis Mor-
gens früh; vom Tanzboden geht es in die ,Maitlistube',
eine grosse, von den Mädchen gemietete und geheizte
Bauernstube, wo von den Letzteren Kaffee mit Kuchen
;iusgeschenkt und Spiele gemacht werden bis zu Tages-
anbruch. Um 9 Uhr beginnt aufs Neue der Tanz, zu
welchem die Mädchen namentlich sorgfältig gezöpfelt
zu erscheinen bemüht sind, und dauert bis Mitter-
nacht. An diesem Tage laufen Butzen in den Dörfern
licruni. Wieder verfügen sich die Tänzer, nachdem
sie noch mit der Musik an der Spitze einen Zug durch
da.s Dorf angestellt, in die Maitlistube, wo man bis
gegen Morgen bleibt. Sonntags findet in einem Wirts-
liause ein gemeinsames Nachtessen Statt, zu welchem
die Bürger das Fleisch, die Mädchen das Gemüse bei-
steuern. Auch die Verheirateten nehmen jetzt Teil,
Alles in grösstem Putze. Am Montag wird ein Leichen-
zug vorgestellt und der Glärili, eine Strohpuppe, nach-
ileiM er oft über die Häuser geschleudert worden, be-
graben. Am nächstfolgenden Donnerstag halten die
Mädchen auf der Maitlistube ihre Abrechnung und
arbeiten bis Abends, wo dann die Bursche nochmals
erscheinen und die Überreste der Vorräte vollends
aufgezehrt werden. Auch noch in den folgenden Wo-
chen versammeln sich die Mädchen der Reihe nach
in einer Stube zu geselliger Arbeit und werden dort
von den Buischen besucht; ähnlich versammeln sich
die verheirateten Frauen und Ehemänner. Auch die
unerwachsene Jugend ahmt das Beispiel der Erwach-
senen nach: die Knaben haben ebenfalls ihre Stube,
wo sie ihren Wein vertrinken ; am Donnerstag ist es
Genieindewein, der ihnen gespendet wird; am Freitag
ziehen sie maskiert mit einem schönen, im Gemeinde-
keller aufbewahrten und für diesen Anlass von den
kleinen Mädchen bekränzten Fässchen vor die Häuser,
um Wein zu erbetteln, der ihnen namentlich da. wo
in diesem Jahre ein Knabe geboren wurde, zu Teil
wird, und den sie mit einem erlernten Spruche ver-
danken. Die Mädchen tun sich ebenfalls in verschie-
denen Stuben zusammen bei Kaffee und Kuchen; sie
werden dort von den Knaben besucht, welche für die
Bewirtung je 1--2 Fr. unter die Tassen legen; es
wird etwa nach der Musik einer Mundharmonika ge-
tanzt. Das .Gläreli-Vergraben' üben sie am Samstag;
damit schliesst für sie das Fest, das sie am Donners-
tag mit dem Geschrei: Gläristag juhe! und no'''-n-einal
juhi:'. und no-n-emal dm gleiche juhe ! einweihten. Am
Orte selber wird diese Feier auf die Schenkung des
Waldes Kohlfirst durch einen Herrn Hilari oder durch
(in Fräulein .Clara' auf dem Schloss Laufen oder auf
die Schenkung einer gewissen Gräfin am Hilariustage
für ihr geleistete bewatfnete Hilfe bezogen. Auch
ZSth. hatte bis vor Kurzem seinen Gläristag, an
welchem die Bürger auf Gemeindekosten gemeinsam
schmausten, wofür die Gemeinderechnungen des XVI.
u. XVn. Ausgabepo-sten unter dem Datum .Hilarii Tag'
enthalten; in unserer Zeit war es nur noch ein Ge-
sellschaftstag für «Be Schuljugend. Auch hier wird die
Feier auf die Schenkung eines ,Mooses' [Moores] durch
eine vornehme Dame zurückgeführt. In TnSchlatt
schiebt sich zwischen die Neujahrsfeier und Fastnaclit
ein .Glüritag' mit ähnlichen Festgebäcken wie an jener.
Ein ,Gläri.smal' wird erwähnt 14'20 in einer AaBremg.
Urk. (Arg. 8, 113). — glärele": „das Fest des h. Hi-
larius als Kirchenpatrons mit Schmauserei und anderen
Lustbarkeiten begehen Gl" (wo das W. seither aus-
gestorben). Den Glärelistag in der geschilderten Weise
feiert man in und um ZUhw., Sth. Vgl. otmärkn
Bd 1 ()06; berchtelen.
Au der Tatsache des lautlichen Übergangs liisst sich
nicht zweifeln, doch ist er einzig in seiner Art und schwer
zu verfolgeu; viell. hat sich das .anlautende // wie häufig
verflüchtigt und dann i bzw. / /n ., i,i.-i;Iiiii I. , ila-
Letztere widerfuhr dem Ii, na. Ii'i.ui \ /-i '. '.-•■-
sehwunden war. — In Gliiri, da- 1 1. i! h-il' _- ■ i . \, \.i-
l)alform ist, ist die Erinnerung an diu I r.|iMiii,j vllriid-
abhanden gelvomnien, indem es au einen neuun Stamm an-
gelehnt ist (vgl. etwa Glürc-Wajye", ein Festgebäck).
(ilarlnet (modern), Glarnet Aa; Sch; Th, GlanH Z
— n.: Klarinette.
Der anlautende Guttural wie gewöhnlich bei Lehnww.
erweicht. /• schwindet leicht vor n, vgl. Bmietcr, Barometer,
HanUch.
Gllr m.: Siebenschläfer, glis myo.xus BwÜ.; W.
Sj'n. Grill. ,Glir, gürmaus, hasehnaus, glis.' IIkh. liitj'2.
— Aus dem Lat.
.(iure L: weibliche Katze BSi.- Ali-. 1S21, Ion.
Die Benennung viell. von einzelnen Individuen mit Hascl-
uiausfarbe oder wegen Vorherrschen derselben auf die Ge-
sammtheit ausgedehnt.
glirre" GTa.; ThM., -l- Tu tw. = glarren 1.
glore": langsam arbeiten AaB. — ^f\oU. = yliinn.
Gloi'i 1 f.: 1. Prunk Uw. — 2. grosse Freude.
Lustbarkeit Uw. — Glori in.: Einer, der sich recht
freudig geberdet Uw.
Aus lat. yUji-kt, Ruhm, in 'i mit Bez. auf deu mit diesem
W. beginnenden Jnbelgesang im katholischen Gottesdienste.
— Der Motion des Geschlechtes und der persönlichen Weu-
duug leistete die Endung -i Vorschub.
Gliug- Glang- (i loriii; Aiirut des Engels im
Kinderspiel Z. S. (lUiKi-fihmii.
Gloriabus UwE., GloriliKu Z, in der Verbindung
,in Gl. sein': in Saus und Braus leben. — Zwitter-
bildung aus ,gloria' und .Floribus'.
Gling-glang-gloribus: 1. n. kirchliches Ge-
pränge namentlich mit Geläute und Klingeln. Ineicbun
1859. — 2. m. Einer, der in Saus und Braus lebt.
,N., der Gl., der, wenn er 2 Batzen hat, 3 vortut!'
UBrägg. 1780. — 1 wohl mit Bez. auf das ,gloria', den
Eingaug der Doxologie, im katholischen Gottesdienste.
gloriere": prunken UwE.
Glori n „F; Zg;" W, ,Glorie' AaZ, 1815, Glorja
GrVt. — f., Ghrjata, „Glorjat, Gloriat m." Gr: „Ter-
pentin Zg." .Lerchenharz, das auch Glorien genennt
wirf KdGkssn. 1542. .Lerchen, darüss die glori flüsst.'
Platt. 1572. Der Zürcher Jss.Siml. sagt 1033. wo er
von dem häufigen Vorkommen der Lärche im W redet:
.Ex qua prsestantissima resina colligitur. qua there-
binthime loco nostrates chirurgi utuntur. hanc Val-
lesiani lertschinen vocant. nostri glorien.' .Pvesina
Laricea, Larigna, vulgo Terebinthina et Terpentina.
nostris Glorien dicitur.' JJWagn. 108n. Harz von
Kirschbäumen Gr. Dtm er aiih; fan einem] Bnichli
(343
-f,'hir. (ilai
(ilas-Klii-^
644
Glorja sügi, wa [welche] er comn Chriesbomm nher-
g'hegljt [heruiitergeschnitten] liei. MKuoni. „Gummi
Gr." .Nhnb ein Honigpflaster oder ein wenig Glori
und Unsehlitt.- FWürz 1634. Nach HCLav. 1644 ge-
hören .Glorien und Terpentin' zum Proviant einer
Festung. ,Nimm um 1 Btz. Galitzenstein, 1 Vierling
Gloryen, um 1 Sechser Schwebel, 4 Eierklar. Erstlich
raustu nijimnen die Gloryen und mit Brunnenwasser
Wäschen, bis dass die Glor3'en hübsch wyss werde.'
Arzneib. ZZoll. 1710. Recept für .Licki zu einem
Bett: V< Vieri. Simmelmel, '/s Pfd Glori, '/* Tragant.
Den [so] Gl. im Kunsthafen im hcissen Wasser auf-
lösen.' Z 18'20. Auch Strickl. (Horg.) weiss von sol-
chem Bestreichen ,mit Harz, Leim oder Glori'. Um
der Ohrenwürmer habhaft zu werden, ,bestreiche man
ein Tuch mit der sog. Gl. oder sonst einer klebrigen
Materie.' Schweizer!!. 182.'i. Auch der mit geschmol-
zener Gl. und anderen Ingredienzien gespeiste Brei
selber, mit welchem die Innenseite des Federbettzeuges
bestrichen wird, sonst Licki genannt AaZ. ; „F."
Vg). ,das Klar', Baumharz (Gr. WB. 5, 097). Ua das
W., wie die latinisierenden Endungen zeigen, nicht im Volke
gewachsen ist, so kann es zu uns (denen das W. ,klar' ganz
fremd ist) aus einer Gegend, wo a zu 6 geworden, importiert
sein; wiihrsch. mit Anlehnung an glarcn, (jlomi.
Glür U- BSi., -i SciiwE.; UwE.; Zg — m.: Ein-
faltspinsel; in BSi. auch: zerstreuter, nichtsnutziger
Junge. Syn. Glor-Hans. — Wohl aus Gal-Luri sync, oder
VOU .Jlorcn.
(ihl
t S.
Glai-ni-r s. Enluiifd l'.d l :'.sit,
Glarinit.
Glärnist ui.: der Berg (ilarnisch; rtwa siiriclr
erwähnt: Da bist so sicher a's iif-ciii Gl. iibc" Gl (iron
Glürner s. iure» I.
Glorps. glorpsen s. Gorps.
Glas— glus.
Glas, PI. GU'ser — n.: 1. Gl. als (harter, durch-
sichtiger) Stoif. Hart tcie GL, z. B. Schölle', noch
mehr als steinhart Z. I''' hätt möge' Gl. cheue' [zer-
beissen] «or Täubi [Ärger] B. Die Benennung Glas-
Epfel Bd I 369 von der durchsichtigen Hautfarbe. —
2. Glasgefäss, ganz bo>. Trinkglas. Bei BAnhorn 1674
wird ,ein gross. iKnirlMi, -lii^rni Gschirr voll Wasser-
weiter unten einl.M h ,.Li^ lil/ <;vnannt. (Gern) j" '.y
Gl. (GlesliJ liieije". -nli mit 'I linken gütlich tun, gerne
und auch zu viel liiiikiii. illg. Lieber gross Guttere
und chlini GlcMr. uls luiiiflirl : Abergl.: Wei- us-eme
g'spaltne Gl. inuhl. iniil 'hroche' [bekommt einen
Leibbruilij Ar: /,. Wrini das vom Meistergesellen
nach drni /,iiiniicrs|ii iidi vuiii aufgerichteten Neubau
heruntcrgewi.it'eiie Glas bricht, so bedeutet das Un-
heil, zumei.st künftigen Brand des Gebäudes. Ähnlich
wenn bei einer Hochzeit ein Glas springt Z. ,Es be-
deutet Unglück, wenn Einer über Tisch ein Gl. mit
Wein umschüttet.' BAnhorn 1674 ; vgl. die alte Dar-
stellung des Judas im h. Abendmahl. ,Uf dem ersten
stein des pfumets [des Fundamentes der neu gebauten
Kirche] stat [eingemauert] ein gl. mit gueteui wyn.'
Kirche ScnwGalg. 1477. Sogar ,ein silbrin Gl.' 1488,
Z Inv. .Den Tüfel b'schweert man in ein gl.' UEckst.
1525. Das Werfen mit dem Trinkglas in Streit und
Fehde scheint vormals häufig vorgekommen zu sein.
Nach Absch. von 1726 ist solch ,ein Glaswurf raale-
fizisch und lässt man es puncto Bestrafung bei der
Öffnung von 1544 verbleiben. Doch sollen künftig
die Glaswürfe ab effectu beurteilt werden.' ,7 gleser
und 1 hülziner köpf.' 1571, Z Inv. — 3. Glasscheibe,
-fenster Gr. Zum Gl. us luege'; 's Gl. offen tue', das
Fenster öffnen Gr ObS., V. D' Gleser tväsche'. ebd.
Privathäuser, zumal auf dem Lande, mit Glasfenstern
waren in alter Zeit etwas Besonderes; vgl.: ,Was fast
das hübschest hus zu Visp mit hübschen schyben-
fenster[n].' ThPlatt. 1572. Am frühsten hatten sie
wohl Kirchen und Klöster: ,Was ein priester an den
glasfenstern bricht, das soll er in synen kosten wider
machen.' XIV., Kirchenordn. UwSeelisb. Die erste
bekannte Glashütte Deutschlands (zuerst nur für ge-
färbtes Glas) befand sich im IX. zu Konstanz; eine
Rheinordn. von ScuSt. vom J. 1401 erwähnt als Fuhr-
taxe: ,Von einer glastruchen 10 d., von einer burdi
spiessstangen 6 d.' ,Von glastruchen Ionen die Lu-
cerner, wie die Schatfhuser.' ebd., wo ungemalte, runde
Glasscheiben gemeint sein mögen. — 4. Wetterglas,
Barometer Ap; Gr; ZSth., Wald. B' Gleser sind abc",
gesunken. — b. „Brille, Fernrohr" ; vgl. Augen-Gl.
— 6. (Glesli) kleine Glasringe auf dem Zettelrahmen,
durch welche die Seidenfäden laufen Ar; Z; ähnlich
die Glasröhrchen am Weberschiffchen Z. — 7. (Glas)
die Hornhaut im Auge des Pferdes. Rom. u. Schinz.
1808. — 8. (Dim.) Name von Pflanzen mit kclchför-
migen Blüten, a) Hyacinthe, hyac. orient. Aa; B; G;
Sch; Tu; Z; Syn. Glöggli (Glogg S g). Kinderspiel
mit dieser Blume (unter Farbenangeben mit geschlos-
senen Augen): ß/esH orfer ir»".^ Glesli! Zupfet All am
Näsli! Wi"! Schlönd Alli zämme drl' ! Aa (Rochh.).
G'füllti Glesli, hyac. or. flore pleno. Daher das Wort-
spiel mit Bed. 2 : (^von alle' Blueme'J die g' füllte" Gl. am
Liebste' ha' Z ; vgl. , Muttergottesgläschen' Gr., Myth.
1146. — b) Maiglöckchen, convaü. maj. ScH; Z. —
c) (wildi, Wald-J Glesli: Meerzwiebel, scilla bifolia
Gr; Z. — Merkwürdig: Ologg und Glas, Name eines Ge-
maches im Stadhof AaB. SHott. 1702.
Auge^-G/eser; Brille Ap (selten). — Vgl. engl, »-ye-
(/(««», Lorgnette, und Gu(ßj-dur'''s-GIuii Sp. 179.
Vexier-Gr^os: schönes, mit eingeschliffenen Bil-
dern geziertes Trinkglas, das in gewisser Höhe ein
verstecktes Löchlein hat, durch welches der Wein
herausfliesst, wenn man das Glas an den Mund setzt B.
In Z ein ähnliches Glas mit Doppelwänden, zwischen
denen der Wein sich befindet.
riöh-(Gugg)-: Vergrösserungsglas. .Die Flöh-
gläser, mit welchen sie die kleinen Sachen besichtigen.'
Spleiss 1667. .Ein Flöhglas machet auch gleichsam ein
Kameel aus einer Mugg.' FXsi 1696. .Microscopium.
kleiner Spiegel, der ein Ding mächtig vergrösseret,
Flöhguckglas.' Denzl. 1677; 1716.
Bekanntlich war das Objekt der mikroskopischen Be-
ti-.ichtung, bes. auf Jahrmärkten, gewöhnlich ein Floh.
,Gülch-, baucalium, Geschirr mit einem engen
Hals.' Denzl. 1716; s. auch Angster III Bd I 340.
Da das ßauxaX.tov nach ausdrücklicher Angabe der Alten
beim Füllen einen gluchsendeu Ton gab, so scheint (laich-
«las. sles. glis, glos. gl«
G4ß
ilioscn Schall zu bczeirhnen uad zu bair. (jolku-n, kollern, zu
?eh8ren ; Tgl. die wörtl. Übersetzung von gustatorium durch
.Kostgläslein'; von spccul.«e durch .Gesichtglas.' ebd.
Hang-: Harnglas ..F"; Sch. ^yn. Brunz-Gl. Vgl.
.Gli'iserine Gefäss, wie ein Harn-Gl. gefovmiert.' JJNü-
sciiEL. 1608. — Entstellt, weil ,Harn' niolit volkstiimlich:
vgl. ,Harm-Gl.' bei Gr. WB.
Höre"-: Trinkglas ,1es Pfarrers llUrj. Ihr Her
Pfdi-cr hiiil eil rjira s,-]irii>: Glas mid Bhieiiie iimheme
7W( |Griti'|. ///- ^.nl-nn •!'•< I lere-Gla.i : ihis hnlcht me
im hl II,ich:di 1,1,. I .ui l.uifmfiler GuO. — (.'Inu-hi-:
kleines Trinkglas JWl'aiuk.l. Cli unkle"-: kleines,
ans Spinnrad (oder die Knnk.'li i^'^bundenes Glas, in
dem die Spinnerin dii' l'in^rrsiiitzeii netzt S. — Lör-,
Rür-: besonders dicke.-., nach anderer Angabc: ge-
wölbtes Fensterglas Z. — I"-mach-: Glas zum Con-
servieren [l'-mache'] von Früchten, Confitürenglas
Bs; Z. — Nacht-: Glas, durch welches man angeb-
lich die Gespenster beobachten kann. B Hist. Kai. 1861.
— Bach-Gte/j; dreiblättrige Zottenblume, Biberklee,
nienyanthes trifoliata Z. Srn. Mos-Zinggen.
Bund-Crtes; Fensterglas. , Alle Arten Glaswaaren,
B. und Hohlglas. Aller Gattung Bund- oder Fenster-
glas.' S Wochenbl. 1807/'24.
Wohl eig. Glas, das in Gebinden iBundJ in den Handel
kciniint und auch Tafelglas genannt wird, im Gegs. zum .Hohl-
glas', Gefassen.
Bure°-: ungewöhnlich grosses Glas für geistige
Getränke Schw. .Ein Baurengläschen Kirschen wasser.'
— Butze"-: kleine, runde, gegossene Glasscheibe.
wie sie früher zu Fenstern gebraucht wurden B ; Syn.
Bütschgi-Schiben. — V fing ste" - Glesli: spanischer
Flieder, svringa vulg. ZZoll.
Brunne"-G/o.s; Uringlas Ar. — Zu Hiumu" i. S. v.
Brunz- = dem Vorigen B (Got.th.). .Ein Br. mit
oini Futter' unter den Requisiten eines Schiffspassa-
iriors. Stockar 1519. - Auch bei H.Iunius.
Bor- a. Lor-Gl — Fürsetz-. .Setz inider jeden
Schnabel oder Zolggen [des DrstiUicrli.'lnis) ein Re-
ceptakel oder F.' JRLAKnEM!. liins; yol. Understell-
GütterU. — Sch in-: gefärbtes Stück Glas, durch
welches man Gegenstände ansieht Sch; Z. .Kinder,
die ein Stücklein Scheinglas, eine Puppen aus dem
Gfätterleinzeug grossen Schätzen vorziehen.' JJÜlr.
1727. -- Schutz-Gte?j: kleine Lupe, mit der die
Seidenweberin die Schütz" ihres Gewebes zählt Z;
Syn. Fadenzäler. — Schräpf-: Schröpfkopf Ndw.
— Spiegel-G/ns; 1. Brille; Syn. S]iiegel. ,Lucifer
b'sicht den brief: vor alter ich nit lesen kann, ich
han by mir kein sp.' JMurer 1559. — 2. Spiegel.
,Hie werdend ir mögen beschouwen glych als in einem
Spiegelglas heiter, schyubarlich alles das, darab Gott
ein wolgfallen hat.' Ruef 1540.
Spiess-: 1. farbige Glasröhrchen, die zu Glas-
perlen gebrochen werden Z ; Syn. Glane, Glare. —
2. = Spiessglanz. JJNüschel. 1608; JJSchelohz. 1707.
— '2 nach den ,spiessigen' Kristallen.
Ab stech-: wohl = Sc/i"J«-G/. ,Und nimmt der
Mann [der Fabrikant] die Brill' auf d' Nas, vielleicht
noch gar das A., ich Pfiffiger ihm stets vorhalte die
allerdickst gewöhne Falte.' HSulz. 18.30 f. - AUtedie'',
j^ouaii abnicsson.
Stein-: wohl Gefäss von Steingut in Form und
Grösse eines Trinkglases; vgl. o. silberin Glas. .Ein
St. voll Hijpfenbranntenwyn.' c. 1750, Arzneib. ZZoll.
— Stund(en)-: Sanduhr. .Wann Einer das St. und
Futter [Gestell] verbricht und das Sand verschütt"'.'
ScniMi-i-K. Mri2. Solche befanden sich früher bes. auf
den Kall/. In : \ii\. eines mit dem Motto: ,lch erwarts!'
von IM", .(«aliiit Z Anz. 1885. Eine vierfache Sand-
uhr bcliiii.l oicli in einem Schulzimmer der Chorherren
in Zürich bis zur Schleifung des Gebäudes 1841. —
Stengel-: Kelchglas Aa. — Toppel-: kleines Per-
spektiv, das auf den hintern Teil des Schaftes der
Büchse geschraubt werden konnte, It Mandat den
Schützen verboten Ap; Syn. Perspektiv- Absehen.
Wald-: 1. grünliches Glas aus dem Schwarzwald.
. ;il. Tiink:,'.>|;iss,'. J'ii,l für [statt]
llM-ii-tri| , '- „.,,„ \\;,l,J,ilesi.'i /,•«>.•;
'n,,s,r Si'liil,,;, „,„1 ,r„r 's atf:>' mich
■i\. l>-'>2). .Fenster von w. in die
Irs krliili.ifcs [zu ZSchwam.] machen
z. l'rk. .Wider den fallenden siech-
bibergeilin zwei quintlin mit essich-
ildgläslin.' TiERB. 1563. ,Ein wagen
.Dem glaser allerlei schybe
bauchiges Glasgefäss mit Wasser, wcl-
in dünnes Röhrchen sickert, sobald es
SOWOllI I- eilst. 1
die niiiil, l'l i^
und liclt 's inu
so rei"s Gl (.i
Stuben und km
lassen.- l-"i.")l. 1
tagen ,i,nl.t man
niet ans .'in. 'in
w.' i.-.i;7. /, /.
haften und stängli.' 1573. ZGrun. .\mtsrechn. ,2 wald-
glasfenster mit sammt dem ramen.' 1587, Z Schnecken.
.Das gemein Waldglas, welches finstergrün an seiner
Färb ist.' JRLandenb. 1608. ,Burgundisch-Glas, Wald-
Glas.' Z Zolltar. 1711/57. ,Ein Waldgläslin voll nemen.'
1779, Bs Chr. — 2. im Bes. WnM-Glesli a) = Glas S c Z.
— b) Orchideen SchKI.
Der Pflanzenn. wahrsch. von ,Wald-Gl.', dem Gefäss, da
die Blume nicht bloss im Walde (welches W. nicht volks-
tümlich), sondern bes. auch in Wiesen vorkommt.
Wetter-
ches durch
Regenwetter gibt Z. Es git gwüss ander Wetter! Es
tropfet us-em M''.! CMey. 1844. Das W. übertr. auf
das moderne Barometer Ap; BÜ.; „LE.;" ScnHa.; U.
's W. gut ufe", (ihe", das B. steigt, fällt.
glase": 1. Glaserarbeit machen, Fensterscheiben
einsetzen, allg. ,Dem tischmacher zue gl. umb ein
grossen kästen, sammt einem harnischkäspli, auch an-
derm, so er glaset und gebessert hat.' 1542, ZGrün.
,Dass burger und landlüt wol stören [den Kunden
nachgehen] und gl. mögen, aber sonst d'hein hinder-
säss in der statt für sich selbs andern gl.' 1569, Z
Staatsarch. Die, wo am beste schibe und glase, sött-i"''
säge, schribe und lese könned. Gespräch 1712. ,Für
etlichs zu gl. und dem Schlosser 5 Btz.' 1739, Aa
Schloss Rued. — 2. ironisch-scherzhaft: Glasgeschirr
und bes. Fensterscheiben zerbrechen, allg. — 3. Glas
machen in der Fabrik Ndw.
ver-: 1. mit Fenstern oder Glasscheiben versehen,
z.B. die Fensterrahmen Aa; Z. .Das pfarrhus ze v.
41 pfd.' 1535, B. S. auch rer-glasiiren. — 2. Einen in
seinem Tun hemmen SchwE. ,Wer under den uochsen
mäckelet, der salbe sich am selben ort fleissig; er ver-
glaset den g'stank darmit.' Tierb. 1563.
Bed. 1 schon mhd; auch Bed. "2: ,mund und nascu v.':
vgl. auch bair. ..sich v.' von Deckelschnecken.
Glaser m.: 1. wie nhd. D' Gl. händ nif am
Unglück Freud. De Gl. betet aW'' um 's tägli'''
Brod, sagt. man. sieh tröstend, wenn man eine Scheibe
<i47
(ilas. ^jles. glis. glos.
zerbrochen. Giiet Nacht, Gl., 's Gelt ht iif-em Simse',
Formel der Abweisung GRh. — 2. Bläser in der Glas-
hütte S. — 3. Geschln., z. B. 1674. Bs. Davon : .Glaser-
acher' ZOpfik. — Hö-: Glaser, der in dni Gassender
Stadt herumgeht und Ho Gla,'<e" .' ruft / (Siiillni.).
glasere": das Glaserhandwerk treiben Ap; Z.
g'glasct: glasartig, von Kartoffeln, Gegs. zu
mehlig GSa. Verschnättere [platzen, zerfallen] tuen
s'-mrr nit; sin tuen si hellisch g'gl. Syn. geivesen.
glasne": die Glasmasse mit dem eisernen Blas-
rohr (Pßfe'J anfassen S.
glasüre" (glassüre" Ndw, ylisürc" und glesüne"
ZO.): 1. mit einer Glasur überziehen. .Glcsürter
Hafen.' XVU., BArzneib. — 2. mit einer dünnen Eis-
rinde überziehen. Der Tlmhii ist ii'^lnssird Nnw. —
3. unpers.. es bilden sich (ilatiri, ant'ib'in lludrn, Eis-
krystalle in der Luft '/JK: Smi. iinsiiri(iiiiiii:ii. — Has
«« wie ia r.iHnimn, PUmUr, „ns^cmhd. 'Jum." |l»oso|.
ver-glasüre": mit einer Glasur überziehen; auch
bildl.: verstellen, zum Scheine färben. ,Mit färben
und verkluogungen v. und trug an des rechten stat
setzen.' Vad. , Satanas transfiguratus in angelum lucis,
der sich in einen engel des Hechts verglaseuren kann.'
ebd. ,Ein verglaseurt oder gläsin Geschirr.' .l.JNfscH.
1608, daneben: , verglaset, vergläsert'
Glasüri BSi., Gle'süri B f.: Glasur.
gläs(e)le": „dem Gläschen gerne zusprechen",
trinken U; vgl. gütterlen.
glase" (e'J: glotzen, starr blicken ÄAPri.; Bs. Syn.
glaren. — a°-: anglotzen, -stieren AiFri.; Bs. Und
d gläsed in a" rm- Angst und weiss -si''' nit z' helfe
und Nüt z' säge» BsL. Wenn er Hin" so g'stif dnr'''
d' Brüllen agläst. Breitenst. — ver-: wässerig (eig.
gläsern) werden, von Äpfeln. Kartoffeln usw. Ver-
gleset, ganz wässerig geworden AAZein.
ver-gläsert: glasiert. ,Ein irdin verg(e)lesertes
Beckin.' Arzneib. ZZoll. 1710. S. noch u. cer-glasiiren.
gläserig: glotzend, stier. ,Der bär grimmig, mit
gl-en feurigen äugen.' Tierb. 1563.
g\&&\g (-i'-J, gle'si' Cgiäse" Nnwtw.^: gläsern,
a) eig. En glesene'' Holzschlegel Z (scherzh.). Niid
glesi' si', ein derbes Berühren oder Anfassen er-
tragen, ebd.; s. Gutter Sp. 53.3. — b) glasähnlich,
durchsichtig oder glänzend wie Glas, z. B. eine Eis-
fläche, Schlittbahn, ins Wasser getauchter, halbge-
frorner Sehneeball Gl; „von den eigentümlich schim-
mernden Augen des Betrunkenen." — c) wässerig,
halb durchsichtig, von Früchten (bes. Äpfeln), die ent-
weder überreif oder einmal gefroren waren Aa; L;
GG.; S; Z. Syn. mond-, tvasser-süchtig ; g'wesen. —
d) spröde, z.B. von altbackenem Brot Bs; Z; übertr.
von Menschen: empfindlich L.
Gläsiker Glessiker: Äpfeln. Bd I 369.
Das 8« wohl wie bei tjlasüi-en zu erklären, so dass die
urspr. Form Ohs-ncher, A. i. Giasaiifel, wäre; vgl. den Äpfeln.
Transparent.
Glasi, Gläis, Glaus s. Klaus. Glase, Gläsli
s. Angläse Bd I .3.30. Glausen. Gloussen s.
Glumsen.
Gl es s. Ge-läss.
Glis: Milch (Gaunerspr.).
gllsse", 7tc. g'gUs.?e': 1. glänzen; glitzern L; Scnw;
Nuw: U; ZKn! '.v Ist nid Alles (iohi . vas gll<:.ft.
E 'putzti [gestriegelte] Chue gltsset wie en Schär
[Maulwurf] ZObfeld. Hast Äugli, si glisse't; kei'
Sterne" sg schön SchwE. (MOchsner). 's Gesslers Burg
hat lui''' uf zwe vo' de schönstem Sene" [Seen] g'glisse".
ScHwzD. Do und dert glist es Glüetli. Hapl. Wenn
nöched [sich nähert] der Sehne, wenn glisid [glatt,
schlüpfrig werden] scho' d' Stei' [vor Kälte] Uw
(Schwzd.). ,Zwen fladen, die warent ytel wyss von
Zucker und niandel gemacht, die glissend grad als
marmelstein.' Edlib. c. 1500. ,l>ie sonnen wie klar
und heiter sy glysst.' UEckst. 1525. ,So ir üch dann
flyssend z' trinken, dass die ougen glyssend.' ebd.
,Üwre ougen glyssend wie eim wolf.' ebd. ,Geschirr
von ehr, die glissend wie das gold.' 1531/48, Esra.
,Sie [die Feinde in ihren Rüstungen] glissend wie ein
Spiegelglas.- 1544, Volksl. ,G1. wie die gelen biren.'
KuEP 1554. ,Wilt du, dass sy glysse, so tue 1 lot
guinnu darunder.' Arzneib. 1556. .Die flügel glissend
obenfür himmelblauw.' Vogelb. 1557. .Die glychsnery
hat ein zytli g'glissen und geschinen.' HBull. 1561.
, Hildebrand was ein wundergschwinder münch und ein
wunderlistiger glyssendcrglychsner.' ebd. ,Bein, daran
der mist veraltet war, dass ir die bein glissind von
kat.' Haberer 1562. ,Der wolf hat scharpfe, gleissende,
feurende äugen.' Tierb. 1503. ,Collucere, gleissen oder
glitzen, glänzen. Gleissen, sauber sein, glatt und schön
sein.' Fris. ; Mal. .Die gelen glissenden Blüemli.'
XVII., B Arzneib. ,Gleissen, nitere, splendere.' Denzl.
1677; 1710. Syn. glinzen, glitzCerJen. — 2. scharf
blicken; hinschielen auf, heimlich auf Etwas sehen
GA.; ScHwE., M.; ..Zr,.'- Syn. .^chechen. Gliss emol
üse'! schau einmal |zuiii l''i-nster] heraus Schw. Er
hat allbott a' d's Zit |.li.' llir| ufe' g'glisse' SchwW.
Hiezu im Ablautswcchsel wie Klingklang gebildet:
,Glissglass', Name eines Teufels. 1583, L Ostersp.
In Bed. 1 schon anihd. Zu Bed. 2 vgl. engl, to glancc
und unser glaren sowie ,hlicken'. Über Termischung mit
ghchsliOen s. d. S. noch sMimen ^= gleiten.
er-. ,Ergleissen, enitere, ein hellen glänz geben.'
Mal.
Gliss(e'>) f.: 1. Pflanzenn., scharfer Hahnenfuss,
ranunc. acris SchwE.; Syn. Glinzen; Gllss-Bluem. —
2. {Glöissli ZErl.) eine Fischart, wohl von weisslicher,
hellschimraernder Farbe; „kleine, frischgeborne Fische
Z;" ganz junge Brachsmen. abranüs blicca ZErl. ,Dass
auf dem VwSee die kleinen Fischlein, Glyssen genannt,
gefangen und so das Gebrüt gemindert werde.' 1650,
Absch. ,Wo die Gleissen sich haufenweis stellen, da
sollen die Garner, wann der Leich vorhanden ist, gar
nicht ziehen dürfen.' 171(1/1800, Z Ges.
Die .\usspr. mit -...- duirli Anlehnung an das Vb. gleissen,
glimmen, s. ./lumsa,. Vgl. .Blick', ,albnrn«s, Weissfisch',
Güster, das sich zu .blicken' verhalten würde wie Olisse zrt
i/lrnen. Syn. Ghsslhvj. Vgl. auch Wus-Fisch Bd I 110.'..
Glisseli Gl; G; Schw; Z, Glissli Schw, GUssi
BR., Gllseli Schw, Gllsli Gr; Schw; U — n.: (Dim.
zum vor. W.) 1. verschiedene Hahnenfussarten, bzw.
deren Blüten, bes. ran. acris und prat. BR. ; Gl; Gr;
Schw; U; Z. — 2. Scharbockskraut, Feigwarzenkraut,
ticaria ran. Schw; UUrs. Syn. Glisser(li); Glitzer(li) ;
GUnzeli, Glinzeren, Glinseli; Galiseli; GlUshluem;
Schlisserli. — -»- aus «« erweicht. Die Benennung vom
Glänze der goldgelb schimmernden Blüten.
Glisere" SchwM.; ZO. f., Glisserli Aa; Bs;
Scnw; IVE.; U; Z, Gli'serli Aa; Bs; Schw; S: Nuw;
lUfi
Glas-gliis. Glasich kIuscIi. (ilast-Glust
ZW., Glissgerli U n.: 1. Hahnenfussarten, ran. Aa;
SiHW; S. — 2. Feigwarzenkraut, ficaria Aä; Schw;
Xnw; U; Z. — 3. gemeine Gleis.se, fethusa cynap.[?] Bs.
— 1. Milchstern, ornithogal. umb. Aa. — S. die Anm.
zum vor. W. und betr. Jas y diejenige zu Glitzerli.
glissere": glänzen AaL. — Iterativbildung von
l/llssen, wie glitzeren von gliUeit.
Glissi f.: Schimmer, Glanz Ndw. ,Iteni Latwer-
gen ein Glyssi, si sanftet die Kelen.' XVII., B Arzneib.
Hier viell. der glänzende Syrup. Gallerte; vgl. Schlichti.
— Mhd. glizt; Glanz.
glissig: schimmernd, glänzend, z.B. der Schnee,
wenn die Sonne darauf scheint UwE. ,Gleissig, sauber,
schön, wohl ausgebutzt, nitidus.' Mal.
Glissling m. : 1. ,Glysling, ein Fisch, daruss
Seewhasel werden.' RCts. Wohl = Gllss 2, s. d. —
2. eine Käferart. ,Cantharis vel pygolampis, wasser-
käferli, gl.' Fischb. 1563. Auch bei JJScheuchz. 1699.
Syn. Gliss-Gueg.
glislen s. klüsleii, ge-lüsslen. glissnen s.
f/Hchsnen. Glosen s. Glunisen.
(iloss f.: Glosse, (willkürliche) Interpretation.
,r)urch kein sach, stuck, gl., fund noch anders, so
menschlicher sinn möcht erdenken [vom Burgrecht ab-
weichen].' 1480, Absch. Die Bibelausgabe möge recht
sein: ,es sygen keini glössli darby.' 1529, L Staatsarch.
, Dieselben [Artikel] ufhebent ohn Gloss noch Zusatz.'
1613, W Monatsschr. — glossiere": mit (Rand-)
Bemerkungen, Zusätzen versehen. Der Eidgeno.ssen
Boten sollen mit denen von Ndw reden, dass sie dem
Bund ,ane glosieren [sans phrase]' nachleben. 1472,
,\BScn. Der h. Franziskus hat Ordensregeln aufgestellt
.und nit wellen, dass im der bapst dieselb bestäte,
noili yemands die glossiere.' BossH.-Goldschm.
Glusmen, Glüssen, Glusseten, glüsmig s.
Ghiiiisen usw.
Glasch glusch.
Gl es eh s. Gletsch.
Glisch n.: Halbeis; verborgenes, verwässertos Eis
BSi. — Wahrsch. für illitueh oder aus frz. ;jlinser.
Glosche" {.: 1. Glasglocke Bs. E Lamiie mit-ere
fine GL Breitbnsi. Käsgl., Käsglocke. Posthkiri 1867.
— 2. Casserolle, Bratpfanne B. [In der Wohnung sehr
beschränkte Leute müssen messen] ob der Herr im
BratöfeK Platz heig zum Schlafe' und d' Frau i" der
Gl. GoTTH. — 3. (kurzer) weibl. Unterrock, Jupon B;
Filu. Hose', fin wie Slde', und Mäntel, Rock und
GL, icüs wie Chride', tcie schöni Froue" z' Bere'
hei'" BM. (Schwzd.). Ex het-mi^'' 'diinkt, es urll-mi'''
versprenge', bis r'' dr Ghischlihiindel Im" chij)iiie" iif-
tue' BStdt. ,Eisi noch in Xacbtliaubc und Oloschli.-
GoTTH. ,Eine Bauerntochter, die kein Mänteli trägt,
sondern ein reines flächsiges Herade, keine Händschli,
wohl aber ein schön geblümtes Gloschli mit einer
handbreiten, roten Blegi [Beleg, Besatz].' ebd. ,Somraer-
und Wintergloschen.' HZschokke 1797. — 4. glocken-
artige Verzierung am Weiberrock. — Frz. vlodir. Zu 1
vgl. cloche a J'rottiaf/e.
„glosclie°: 1. glänzen wie Feuer, bes. von einem
erhitzten Gesicht. — 2. glimmen wie eine Kohle LE."
— S. <ilumwii u. iilijHlni. Vgl. etwa tjeim-lilkh neben giiiilii'li.
(ilüscliei* Iclüi'i/r m. : Einfaltspinsel; doch meist
scherzh. und fast schmeichelnd von Knaben: loses
Bürschchen, pos.sierlicher Kerl BSi.; Syn. Ghdi ; Glör:
Narchtlig.
Glüschi (-i--): Hahnenfnss. nmuiic. (acrisi (ii,.
Vgl. (IVmM!).
Glast— glust.
(ilast ni, : 1. blendender Glanz, bes. der Sonne oder
das Sonnenlicht zurückwerfender Flächen, wie Schnee-
und Eisfelder Ar; Bs. Sini Äuge' chönnid de" Gl. nüd
ha', ertragen Ar. U?id im Gl. vn' de' heitere' Strale'
glitzeret freudiger d' Welt. Breitenst. Der Engel im
Sterneglast. Hebel. ,Wir mochtend die ampelen seilen
brinnen, die ein grossen gl. gaben.' HsStockar I.jlii.
,Der gl., so die stein gaben.' Ziely 1521. .Des Schwertes
gl.' Bib. 1560. ,Die kraft und der klar gl. der warheit
hat sy [die Gegner] als blind uf den herd [Boden] ge-
schlagen.' 1527, Absch. ,0 herr, durch dynes liechtcs
glast zue dem glouben versammlet hast das volk.' SBirk
1535. ,Ao 1560 den 28. dec. ist am morgen ein gl. am
himmel gesehen worden.' Bs Chr. ,Der gl. der frommkeit
hat uns nit geleuchtet.' LLav. 1582. ,I>er Mensch ist
ein]Gl., ein Fünklein oder Schein, von Gott entzündt =
c'est un rayon de la Divinite [im frz. Text].' AStettler
1642. ,Das reine Pfing.stenfewer mit seinem Gl. jagt
die wüsten Ungehewer von der edlen Seelen weg.' CMey.
1657. ,Flagrantia oculorum, Glanz, Gl. der Augen.-
Denzl. 1677 ; 1716. ,Ein langer, schiessender Strom, der
ein Gl. gäbe, als wann der Mond leuchtet' JJScheuch/.
1707 = ,Glanz.' 1746. — 2. schimmernde Eisdecke,
Eisüberzug im Winter (an Häusern, Pflanzen usw.)
AAWohl.; Syn. Gletzi. — 3. „(f.) Glasur an irdenem
Geschirr"; vgl.: ,Die Sakristei mit Glastblatten [gla-
sierten Ziegelstücken] besetzen.' 1502, ZGrossra.Eechn.
und: ,Die Glaste, Topfglast, Glette, lithargyrum, gle-
stum.' Red. 1662; Syn. Glästi. — Spiegel-. ,Die
Weisheit ist ein unverma-sgeter [unbefleckter | sp. dm-
göttlichen klarheit.' 1531, Weish. ; daliir It'.ilT nur:
(Spiegel'. — Wider-: zurückgeworfener (Ihinz, licHcx.
,Die Streimen der Sonnen, so in den Spiegel gehen,
sollen auf das [Destillier-] Glas ein heftigen W. geben.'
1608, JJNÜSCHEL.
glaste": strahlen, glänzen Bs. Wie ' s g' flimmeret,
'glastet und 'glänzt het und g' funklet und 'glitzeret,
wn d' Sunnen isch chö. Breitenst. ,'s Engels angsicht
glastet schön.' Funkelin 1553. ,[Die Krähe] hat einen
ganz schwarzen leib also, dass er von schwärze glastet.'
VoGELB. 1557. ,Und solche kerzen [ein Meteor] ist
glych g'syn eben als wenn sy 'glastet und von ir
gsprützet' HCampell 1572. ,Candescere, feuren, glüe-
jen, brünnen, gl., gneisten. Ardere flagitio, avaritia,
von bosheit, büeberei, von geit brünnen und gl.- Fris. ;
Mal. ,Candescere, scintillare, brennen, gl., glänzen.'
Denzl. 1677; 1716. — er-: erglänzen. , Seinen sun, in
dem die göttliche Weisheit so vil mer erglastet, so vil
er die vorigen propheten übertrifft.' Bib. 1531. ,Dass
das bild der göttlichen und ewigen warheit im herzen
als in einem stillen luteren wasser oder klaren spiogd-
651
Jlast— glust. «latt— .srhitt
glas ergl. möge.' ebd. ,D0 saclieiul wir herglasten die
allerheiligst statt.' Fabri 1557. — wider-glaste":
zurückstrahlen. .Refervere, fast heiss sein, sünkeln,
w.' Fris.; Mal. .Zwüschend Tag und Nacht ist nit
ein Eöti, als etwan durch Widerglastung der Sonnen
beschicht, sunder ein lutre, bluotige Gstalt und füriger
Glast gewesen, inniässen, dass die Bergen gegen Uf-
gang der Sonnen ein lutren Widerglanz empfangen
haben.' 1601, Ardüser.
gla.stig: 1. glänzend, strahlend Aa; Bs. .Vil
grosser, gl-er himmelstrynien und plixg.' Vad. — 2. mit
Eis überzogen, eisig kalt GSev.; vgl. glüstig.
Glasting f.: Glanz. ,Nachdem die sunnen ver-
birgt iren schyn und die sternen uslassend ire glastung
und die nacht ynbricht.' c. 1500, Bs (Dingrodel).
Ge-Gläst e^f's« n.: Glasur Bs; GG.; ScHwMuo.
Auch: glasiertes Geschirr Bs (Spreng); Syn. Olästi.
glaste» ('-e'-^: 1. = glasten, glänzen, „z.B. von
glühender Gesichtsfarbe L". 0 lueg wie 's glastet
[der Keif] und nie 's blitzt, a's brönn alls liechterlöh.
Minnich. [Die Blumen] gl. all im Farbeschi. ebd.
D' Auge glaste freudevoll, ebd. , Fasan, ein vogel mit
gelben und glestenden federn.' Stumpf. ,Frühe, wann
die Himmelsstrassen gl.' JCWeissenb. 1678. — 2. glän-
zend machen, glasieren, mit Glasur, Email überziehen
Aa (le'ste'); GrL. ; Ndw. ,Der hafner trachtet, wie
er sein werk lieblich mache und gleste.' 1531, Sir.
= ,gläste.' 1667, ebd. .Lorica te.stacea, ein glestung
über einen irdinen hafen.' Fris.; Mal. ,Crustare,
übertünchen, glasten.' Denzl. 1677; 1716. ,Glästen,
incrustare.' Vestib. 1692. Ftc. glestfetj, glasiert „Gl;"
L;„ScHw;Z." ,Ein gelesten Degel.' c. 1370, Bs. ,Ein
glester ofen.' 1491, Jahrzeitb. UwEmmeten. ,Mit
glesten ziegeln.' Kappmann 1491. ,Dem glesten kupfer
glych.' KüEF 1538. .Aconitum, irdine g'schir. die nit
glast sind.' Fris. ,Wann der Boden mit wyss und blauw
gelesteten Platten besetzt werde.' 1632, Z (Bürger-
bibl.). Dazu der Gegs. un-g'glest Bs; „Gl;" L; „Schw;
Z." ,Unglest geschirr, aconitura.' Mal.
Die Formen Jenten und gelesten sind beide dadurch eat-
standen, dass jr- in gl irrtümlich als das Präf. (j(e)- gefasst
wurde. Vgl. auch Lcsii statt Glesii n. s. noch glatt.
er-: erglänzen, Widerscheinen. .Dyn hämisch wyt
erglestet' 1460, Lied. ,Dass es in dem bacli erglast.'
JLenz c. 1500. — ÜS-: ausglasieren. , Elender Krueg,
der nieraal gnueg mag ausgeglestet werden.' JCWeis-
senb. 1678. — ver-: glasieren AAZein.; „Gl;" L;
„ScHW;" Z. ,Ein irdis verglest gschirr.' Tierb. 1563.
.Einen irdinen verglesten oder ganz gläsinen Deckel.'
JRLandenb. 1608. ,Die Silberglätte [Silberschaum] für
die verglastung der irdenen geschirren.' Spleiss 1667.
.Die Hafner brauchen die fuchsrote Erde, Hubert, zu
Verglestung der Geschirren.' JEEscher 1692.
Glaste- C-e'-J m.: 1. Glanz GrD. — 2. Glasur;
Zahnschmelz GrD.; GW.
,Glester: crustarius, ein vertäfeler. gletter. dün-
kcr.' Fris.; Mal.
Glästi C-e'-J f.: 1- „Glanz L." - 2. Glatteis L.
's ist Alls ei Gl., der ganze Boden ist ein klares Eis;
Syn. Gletzi. — 3. Glasur, Email (an Töpferwaaren
u."ä.) AAZein. (in St. Le'sti); Ap; Gl; Gr; L; G; Sch;
Th; Ni)w; Zg; Z (im Tö. n.). Wend-er na"'' d' Gl.
fresse'! Zuruf an Heisshungrige, die mit dem Löffel
fast die Scluissel schaben, um auch die letzten Reste
zu bekommen ZS. S. Glast 3. ,Lithargyron, Silber-
glätte, Glasur, Glaste.' Denzl. 1716; ,Gleste.' 1677.
.Die Hafner bedienen sich des Bleierzes zu ihrer
Glaste.' JJScheijchz. 1706/8. — 4. (übertr.) Schmutz
auf der Haut Aa. Btb emol di" Gl. abevi G'sicht ;
Syn. Büme".
Silber-: Silberglasur. .Der Hafner crlä.stct die
Häfen mit S.-Gläste.' Spleiss 1667.
glästig (-e^-): 1. glänzend, scheinend AAWohl.
,Wird 4 Tag an die glästig Sonnen gestellet zu di-
stillieren.' JRLandenb. 1608. — 2. glasig, glatt, hart,
vom Eis U.A. Gl; ZO. ; schlüpfrig. Ebel. Vom Holz:
ohne Äste Bs; .fissilis.' Id. B. Vgl. glästig.
glästin: glasiert. .Glestis fässlin, phiala.' XV..
VocAB. ,ln einer glästnen Ampelen.' JRLandenb. 1608.
Glester n.: widerlicher, greller Gesang GA. —
Vgl. mhd. gleater in., ßlanz, Strahl, zn glaslfn. S. glmtrmi .
Gleist(e°), gleisten s. Gn-.
glistere" : mit schriller Stimme sprechen, kreischen ;
auch: falsch, zu hoch singen Gl.
Mhd. glinftem, glitzern, strahlen ; aeintiliarc, mhrare. Von
der Lichtempfindung auf die des Tones übertragen, wie bei
ziritzeren, zwitschern, s. auch Glester.
glisterig: blank. Ebel.
glisterle": spähen B oHa.
Zu gli(ii)stera. Betr. den Überg-ing vom Glänzen zum
Sehen vgl. die Anm. zu gliHsen. Für BHa. könnte auch
lüMterlen, lauern (eig. lauschen), in Frage kommen.
gloste": glänzen, glühen, glimmen; feurig, erhitzt
aussehen, bes. von der Gesichtsfarbe nach dem Essen
oder Weingenuss; sehr heiss sein, wie Fieberkranke
Ap; G; Sch; ZKn. Das ist es G'schuss [hastiges Ren-
nen] und Alles glastet und beistet [keucht]. MUsteri.
,Wirt, bes6nd uns wurste, dass in" die stirne glostend
werden, als [ob] sy in«» syn angezunt.' Hadl. ,Nu
soll ein wirt synen gesten geben des besten, dass s'
müessen gl.' ebd. ,Scintillas agere, glosten.' Denzl.
1677; 1716. Syn. gloschen. — Mhd. ebenso: engl, glmii,
Glanz (vgl. hiSS, Verlust).
glostig: glühend, rot GnEh.
. gl ö Stele": Dini. zu glosten, bes. von rötlichen
Wangen nacli dem Mittagessen."
Glatt gluit.
glatt: I. Adj. 1. (wie nhd.) gleichmässig. z. B. von
dem Teile des Strumpfes, der aus lauter rechten, nicht
durch linke (letze) unterbrochenen Maschen besteht Z.
Von Geweben: einfach, ohne Bild, auf beiden Seiten
gleich aussehend; .glatter Zettel' = einfarbiger Z. Z.
,Gl-e Kräglein' im Gegs. zu den .dicken Kragen' und
zum ,Krös' als Kirchentracht der Männer und bei den
bürgerlichen Versammlungen und für alle Gerichts-
höfe vorgeschrieben in den Z Mandd. 1650—1772; z.B.
, Allen Mannspersonen befehlen wir, dass solche in alle
Kirchen, Bötter und für die Tribunalien schwarze
Mäntel und gl-e Kragen, diejenigen aber, so des Gr.
Rats sind, bei hohen Anlässen und solennen Tagen
die dicken Kragen tragen.' Das ,gl. Viertel', das Ge-
treidemass (für Weizen. Roggen, Bohnen usw.), wel-
ches abgestrichen wird, im Gegs. zum .rnchen V.' (für
(UaK, frletf, srlitt, glo
rlutt,
Haler, ,K;iseii-. Obst usw.). «clclies gehäuft wird
ÖciiSt. ; Tu. Es ist gl. die Wollceii bilden eine glatte
Fläche Z ; s. glatten. ,Es ist das vülk feisst und dick
und gl. worden.' LLav. 1582. Gl. um 's Mül, bartlos,
s. Sp. 219. Von geistigen, moralischen Verhältnissen:
de' gl-e Weg, ohne Schwierigkeiten Aa; Z. 's ist niid
Alles gl, in Ordnung Bs. .Nicht dass wir meinen, in
der Stadt sei alles sauber und gl., es herrsche da
nicht auch des Lebens Plage und Not.' Breitenst.
Vor-umme" glatt mache", vor den Leuten höflich tun,
glatte Worte brauchen BBe. Du bist-mer en Gl-e'',
vor dir luuss man sich in Acht nehmen Bs. ,Wir
gabend im die sach für gar glatt [wussten es ihm bei-
zubringen mit geschickten Worten],' Küep 1540. ,Söll-
tend ir die sachen nüt gletter ussstrichen, dann sy
sind?' 1555, Zellw. ürk, — 2. die .glatten' heissen in
Bs Ratsmandd. diejenigen Gauner, welche sich fälsch-
lich eine Tonsur gemacht haben: ,Es sint ouch etlich
ein wenig gelert und doch nit gewychet und sprechent,
si syent priester und tuen inen ein blatten scheren
als ein priester und wandelent unibe und unibe in den
landen und nement ein buech in die band, als ob si
iro zyt betent. und wer inen das almuesen gibt, so
spreclient sy, [sy] wollent inen StJohanns Evangelium
sprechen und betriegent die lüte damite und das hcisset
die gl-en.' c. 14-10; ähnlich 1475. — 3, in Ortsnn.:
Glatten Wühl GLHätz.; Glatt- Alp SchwMuo.; Glatt-
.4cÄerLMalt,; Glatten-Flueh,'S&mo einer Fel^eiiplatte
S; Glatten-Wasen, Hof BRüdersw. Di.' Kln>-.iiii. (i/„ti
{gl. = ehen ttiessend) f. in G u. Z hies>.'U in ;i. Zeit:
GlaUa [d. i. Gl.-Ä, -Ach, s. Bd I G3]; daher das weibl.
Geschl. — II. Adv. wie lat, plane, plattertüngs, ge-
radezu, durcbaus, ganz und gar Bs; B; Gl; Gr; L;
Siiiw; Zg: .,Er ist gl. en Narr wurde'." V Hübschi
ist gl. derco'. Kchn. „Gl: iceg, ohne Umschweife. Er
tuet 's gl.-weg niid." Gl. übel wieri 's [wäre es] doch
nit. JJRoMANG 1870, Gl. abscJila", rund abschlagen
Bs; Z ; ,gl. laagnen, plane negare.' Id. B. Bes. mit
Neg.: gl. nit, Nüt, 'Jcei', nie. Oft mit syn. verstär-
kenden Zusätzen : süber und gl. allg. ; glattsüber Nid,
rein Nichts Ndw. Murz und gl., ganz und gar Gl.
Glatt eben voll, ganz voll Obw; Syn. platt-roll. Gl.
eben recht, ganz recht U. Churz und gl., i'* lide 's
nid! GfiPr. (Schwzd.). Z' scheniere' händ-er ei [euch]
churz und gl. niid GrSccw. (ebd.). .Gelatt nit näch-
län.' 1529, Stkickl. ,Nit so ganz geladt', nicht so
ganz leicht. 1529, Abscu. ,Sy wellend das gl. nit ge-
stattnen.' 1530, ebd. ,Si vermeinen auch gl. dannen
[rundweg], dass...' 1.533, ebd. ,G1. nüt.' 1538, Egli.
Act. ,GL ganz und gar zue gvund gericht"'.' SBirk
15.35. ,Die huorer sind gl. des tüfels marterer.' HBull.
1-540. .Die alten heiligen diener der kilchen habend
gl. abgeschlagen, in die Concilia ze kummen.' ebd.
154t). ,Den rymen kann ich gl. und styf.' Aal 1540.
.Das gescbrei der wittwen stygt gl. uf für den Herren.'
ebd. .Das rymt sich gl, in keinen weg hieher.' Ruef
1554. .Von dir will ich gl. g'hebt han, der spätzlin
[Trotzreden] wollest müessig gan.' Haberer 15U2. ,Da
wend sye gl. eben nit wyter fort.' RCys. ,Wenn die
Liestaler die Basler Soldaten so gern haben, mögen
sie die behalten, sie aber wollen sie gl. nicht leiden.'
Iti53, AHeiisl. 1854. ,G1, vergessen.' Mise. Tig. 17'20.
.Gl. Nichts.' Skbast. 1730. ,.\lle traditiones gl. ver-
werfen.' Sererh. 1742. — Ü1ier die Form rjdati s. die
.\nm. zu ijliMm.
is-: eisglatt. E Sfraufläiiche mit ischglattem Hah.
BWyss 18ti3. — krüs-. U"' händ z'erst as» ei' schöns
kr-s Härli und asi; ei frije rundn gsclutrnri Blatta ob»
uffem Grind g'ha: Goldi 1712. — schär-müse"-:
glatt wie ein Maulwurf, glänzend fett. Mir hirtül
d' Chüe seh. Häfl. ISOl. — süber-: ganz gesäubert,
rein. E s-e Tisch Ndw. Vgl. glatt IL
glatte": „glatt werden". Es glättet, die Wolken
gleichen sieh zur Bildung eines völlig überzogenen
(Regen-) Himmels aus; es wird bald regnen Z.
„Glatti f.: derjenige Teil, welcher ungefähr in
der Mitte zwischen dem After und dem Hodensacke
bei männlichen und zwischen den Geschlechtsteilen
und dem Euter bei weiblichen Tieren liegt kf; Gl; Z."
glattiere": schmeicheln. Syn. glättlen. ,Ha, ha,
Nymrot, du willt gl. [den ,Glatten' spielen], förchst,
du werdest syn huld verlieren.' HvROte 1546. — Vgl.
frz. Jtatter aus ßut, platt, glatt.
Glatt: Glasur; Syn. Glätti; Glästi. Bleiglätte:
,Lithargyrium , silberschum, den man in arzneien
braucht, glett.' Fris.; Mal. .Blywyss 8 lod, silber-
schum oder glet 7 lod.' 1588, Zg Arzneib. ,Silberglett.'
JJNüscHEL. 1608. ,Nimm Glas und Goldglett, zu einem
reinen Pulver gestossen.' ebd.
glätte" C-e'-): 1. wie nhd., glatt maclien, allg.
.Aequata pumice, mit tugsteinen [g']glettet, poliert.'
Fris. — 2. spec. Wäsche plätten, allg. Vgl. Glätt-Ise'
Bdl 539. — Glätter m.: 1. wer glättet. S. Glästcr.
— 2. „Glatt- oder Schlichthobel im Gegs. des Schür-
pfers oder Scharfhobels LE." — Glättere", -i" f.:
Plätterin, allg. Wenn de"' die Glettere alli cho si, so
ist das e so neu halbs Fiteli [Fest] gsi', wege potz
Clirütz, tvas liätt das abg'setzt, wenn me dene jewile
nit Weggli u Züpfli, Anke, Gonfitüre, Schabziger u
Zucker zum Gaffe 'ge' hätt. Dr. Bari 1885. — Glät-
tete" f.: Plätterei, Geschäft des Plättens. allg. Die
Mittagessen si' nimme so dick, dass-si eis just uf d' Gl.
b'reiche' sott BStdt (Schwzd.).
„Glättetschi n.: falsches Liebkosen oder An-
schmiegen, oft mit Küssen begleitet. Er hat mir ein
61. gemacht W." — Ygl. glattkren und 'jläahii und das
ähnliche Dim. Stneherli, Ali Bd I 3.
Glätti f.: Glätte. 1. wie nhd. allg. — 2. glatte
Ebene; Dim. Glettili, ebenes Plätzchen (an Abhängen)
Ndw. In dw Gl., Hof LV. - 3. Glatteis W. —
4. Glasur B; S; Syn. GUsti, Glatt. D' Meisterne isrh
vergebe im lere Ghnuchel [Schüssel] umme' (j'fnre und
het d' Gl. abkratzet. BWyss 1863. ^ 5. Bleiglätto.
,Setzwcid. Kr.ti, Weidesch und Gletti.' 1567. Z Zollb.
,1 Centiur(il. Itic.i. Absch. .Nimm Anken und Sclimer,
jedes 1 Viril, (^uriksilber 1 Lod. Silbergletti 2 Lot.-
ZZoll. Arzueib. 1710.
glättle": liebkosend streicheln GW. ,Es sind uns
die menschen, die vil federlesens und gl-s könnend,
argwönig.' LLav. 1578; dafür 1670: .Wann uns die
Menschen schmeicheln und flattieren, so merken sie
bei uns einen bösen Argwohn.' Syn. glattieren. Vgl.
den Z Geschln. Glättli und (vom Namen des Besitzers)
vielL: ,im Glättler.' 1653, AAWett. Klosterarch.
Glättling m.: Schmeichler. .Palpator, blandi-
loquus, liebkoser, federloser, ein gl., hälstreicher, flat-
ticrer.' Fris.; Mal. .Dann solche Prediger werdend
gmeinlich vom gemeinen Volk gehalten für Gl. iiinl
Heuchler,' 164'2, JJBreit,
lat slllf-
rlul
Gliitsclig
(jlett f. : Versiiminluiig, Gemeinschaft. N. N. macht
ilem Kloster ZRüti 1439 eine Sclienkung zum Wohle
der Seelen seiner Vorfahren unil: ,och darum, dass sy
uns haben und schryben send in ir bruoderscliaft und
ir gl.' — Aus lat. tulkctu (,de collectis vel coiifratriis. quas
consortia vociint.' Diioauge), wie Lt:itiicr aus Icctionarium.
gleiten, ver-, be-gleiten, glcitig a. ge-hiten,
-kitifi.
Un- glitt s. un-(jUch.
Glutte" m.: Tümpel BBrienz; GrL.; W. Syn.
Giinqieti (s. die Anni. dazu).
glntterc": hörbar trinken nder anhaltend aber
wenig trinken Bs.
gliitterle" (-i-J: sich das Glä.schen schmecken
lassen, sich beim Weine gütlich tun Bs. Syn. ylügglen,
säggelen. Vgl. auch klütterfljen, gilttcrlen, löten und
gügfejlen.
(ilaet f., in AAEntf. ni.. in üTo. das GHiet : wie
nhd. Im PI. Gluete" Bs; Sch; sonst GUiet, glühende
Kohlen. Blöst 's Glüet no''' i" der Fürgriieh a". J.IRütl.
1821. Glüet uf d' Fiiess zieh« (Sprw.). Glur 1835.
.Manchmal rostete sie ihr Weizenbrod auf den Gluten.'
Bs (verg. Tage). Vgl. Gadem Sp. 116. ,So man aber
[diese Dinge] setzt ufgluet [Feuerprobe!], so werden
sy wie stoub verfüert und erlydend nit die schweisse,
denn die ess wird inen z' heisse.' UEckst. 1525.
,T),w GKuf wird wohl besser als abgol. Ntr. mit coli.
Bed. aufgefasst.
Zander-: Feuerglut. I)'s Aiig lohet uf wie Z.
BSa. — Zaiidei; glühende Kohle, Keuerfuuke.
„gluete": glühen L.'' — gluetig: wie eine feu-
rige Kohle, glühend, feurig. Der Dacht ist fürig, gl.,
's git Sehne GW.
Glüeti f.: glühende Kohlen GrHc.
Glatseh- glulsch.
Glatseh, Glatschert s. Gletsch-.
ßlätsch m. : einfältiger, liederlicher Mensch BR.
— Viell. zu Lätichi, latschen, frz. lächer.
Gle'tschGG., Sa., W.; Uw; U, Glatseh Gr - m.:
Eis (Glatteis Gr). Vgl.: ,Das Tal, im Gletsch ge-
heissen, am Fusse des Rhonegletschers.' JRWtss 1817.
,.\n der dem Berge zugekehrten Seite der Milchhütt-
chen [in UwSeel.] ist ein grosses Stück Eis (Gletsch)
angelagert; dieser Gl. entsteht im Lanzig [Frühling].'
Z Neuj. N. 1839. — Ohurw. flutsch m., it. <jhiacclu m. dass.,
ans lat. tjlacic»; vgl. Latsch aus it. laccio.
gl et sehe» s. glitschen.
Gletscher m.: 1. Eis übh. Gl; GuPr.; GA., Sev.
Ks ist Gl. uf-em Trasse)- Gl. De"' Brunne' hat GL,
ist zugefroren GA. ,Der brunnen Styx hat die art,
dass kein cristall, kein gl., kein marmel noch einicherlei
stein, auch kein irdiu gschirr sein wasser behalten
mag; es zerspringt alles.' Tierb. 1563. — 2. Glatteis.
Eisfläche U; W. Gang nid uf-e Gl, auf die beeiste
Strasse. „Jede im Sommer nicht schmelzende Eis-
masse, bes. in tiefen Gräben oder auf hohen Gräten
BÜ.; zu Eis gewordener Schnee Aa; B; L." ,Und wie
man in Kratzerentobel kam, do lag ein gletscher
[Kruste von Glattei.s] über die strass inhar, dass er
[der Reiter] ze tuess gon muesst' Vau. — 3. (in BKand.;
GrD., Pr.; UwE. Gletschner) wie nhd. S. üf-gä" Sp 14.
.Die Eisberge nennt man allgemein Gletscher, ausge-
nommen im Glarnerland, wo man sie Firnen heisst,
und in Graubünden, wo sie Wadrer oder auch Wadrez
genamset werden.' JRWyss 1816. .Und als man uf
dem gl. lag, do regnet, schnj'gt und haglet es.' Etterlin,
140. ,1m hochgebirg nennt man den alten verlegnen
schnee, der niemer abgat, firn. Dieser schnee ist ge-
froren wie das wintereis, wirt z'letst an vilen orten
so gar hert. dass er die natur und eigenschaft des
g'meinen schnees und firns verlasst und ein verhertet
eis wirt; die landleut nennend disen schnee gl. Man
braucht disen gl. zur arznei in etlichen hitzigen krank-
keiten und küelt den wein darmit.' LLav. 1582. —
4. die Augen, in der Gaunerspr. (Lüt).
Abi. von Gtctach, chnrw. ißatachha f.. frz. ghuiei- m.\
vgl.: .Dieser Berg, den die Walliser Glatschert, die Saassen
Rosa nennen.' JJScheuchz. Zn Bed. 4 vgl. frz. ijlacc iu der
Bed. ,Siiieger.
Is-: Glatteis. Die Gesandten wollen die Spital-
mühle in GUtzn. in Augenschein nehmen, werden aber
durch die ,Eisgl.' daran verhindert. Jan. 1747, Abscii.
Jakobs-: Name, welcher dem erst im Anfang
unsers Jhdts mit perennierendem Schnee bedeckten
Gipfel des Berges ,Schwalmeren' in BO. gegeben wurde,
weil diese vereisende Schneemasse eben den Jakobstag
(25. Juli) überdauerte. JRWvss 1816.
„gletscherig: in Eis verwandelt, z.B. gl-cr
Schnee."
„(ilitSCll m.: Erdhiuwc 1-." - Zu ./la^rl,,,, suv S.hli,,/
zu «chlij,jh,.
„glitsch: abgemattet BO." — Eig. = hiufiilligV
glitsche" BSi. (bes. üs-gl); Ndw; S: gleiten,
ausgleiten. Er stöt vf 's Glattis, glitscht üs und fallt.
Schild 1853.
glitsch(er)ig: schlüpferig Bs; BO.; UwE.
glntselie": glucken Gr. — churw. dut«chur, -;,-, lat.
i/locire; doch wäre auch Abi. aus .glucken' möglich.
Glutsche», -eri" f.: Gluckhenne Gr. - Chuiw.
clut,chu.
Gletschger: Glitschbahn auf dem Eise SchwMuo.
Syn. Güssi, Schllfi. — Ans (lictuduir mit dem hinter /», ti
leicht aufsteigenden 1/: vgl. GleUchur mit eingeschobenem n.
Glütsten s. Gliict-Stein.
Gläwi s. A7,»,.s-.
Glax glux.
Glux: Gluckhenne STierst.
gluxe": 1. a) glucken (wie eine Brutlienne). in
der Bruthitze sein Aa; Bs; L; „allg." Syn. ghiggen.
.Gl., glucken.' Denzl. 1716'. ,Der mitleidige Jesus
gluchset uns noch nach, wie eine Henne ihre Küch-
lein versammelt.' JJUlr. 1733. .Glnchset wie eine
Gla
-gliix. Oliiz iü
658
Gliicklieiine.- ebd. ,Das Gluchsen der Auerhenne.'
HLLehm. ITltU. — b) den Pips haben L. — 2. der
Stimme der Gluckhenne ähnliche, klagende od. bittende
Töne hervorbringen Aa; Bs. Syn. grüggen, gnichsen.
Öppis gl, Etwas undeutlich sagen Aa. — 3. kränkeln,
(eig. über L'belbeHndeu jammern) Aa; Bs. Syn. wie
bei 2. — 4. den Schlucken haben, auch: , rülpsen"
Aa; „Ap;- Bs; B; ,Gl; L; GRh."; S; Syn. hitzgen.
.Vertreibt den Heschen oder Gluchsen.' JJNi'scH. 1G08.
.[Das zu reichliche Essen] bricht über sich aus durch
das Kluxen (Hizgen) oder durch Görpsen.' Spleiss 1ö67.
— 5. „unpers., in der Ferne und dumpf donnern, wenn
ein Gewitter im Anzug ist Schw\''
Intensivbildung von tjlugijtn. Bed. 5 liildliclir iiud wohl
Ulli- scherzhafte Anwendung von 4.
ab-: Jmdni Etwas durch unermüdliches Bitten ab-
betteln, ablocken AAZein. - Entstellt aus ah-luxcn.
Gluxer AAZein.; „Ap;" Bs, Gluxi in. AAFri.;
BsLd; S, n. B: Schlucken, Schluchzer. Syn. Hitzgi,
Häscher. Wenn-me" der Gluxi tviU fertrihe', seJl-me"
7 Mol Ter schlucke' (a" 4 Schimmel denke") S (Schild).
gluxig = gluggerig AAFri.; Bs; L; ZKn.
eier-: von einer Henne, die immer auf Eiern sitzt,
ohne sie eigentlich brüten zu wollen LG.
Glaz gluz,
Glaiz-^illu,..
(ilatz ni.: 1. Glatze, kahle Stelle am Kopf. .Ein
gl. wird dir für dyn krushaar.' UEckst. 1525. ,Und
wirt der Herr zur selben zeit zuo weinen, trauren,
zum gl. und anlegen des sacks bringen.' 1531, Jes. =
,zur Kalheit.' 1667. ,Diser vogel [fulica] wird pfaff
genennt von wegen des weissen gl-es, so er auf seinem
köpf hat.' YoGELB. 1557. ,Calvere, einen gl. haben.'
Fris.; Mal.; Denzl. 1677; 1716. Als Personenn. :
.Michel Gl.' e. 1450, ScHwTugg. ,Des Gl-en güeter.-
1551, ZRiesb. ,Jos GL' 1578, ZGrün. Vgl. ,Eugiza
uxor Cozperti calvi.' 928, Z (Stiftsurk.), und die röm.
Namen: Calvus, Calvinus. — 2. Platz Ap. Vgl. den
Hofn. Glatz LLuth. — Zu '2. Doch wohl offener, freier
oder flacher, leerer Platz, wahrsch. wo früher Wald war.
glatz: kahl. .Bluet von einer schärmaus ange-
strichen macht haar wachsen an denen orten, so gl.
worden sind.' Tierb. 1563. ,Der gl-e Schädel.' SchwE.
Chron. 1752. - Vgl. ghnz.
glatz-echt, -end, -ig, (ge-) glatzet : kahl,
kahlköpfig. ,Petrus mit dem glatzeten grind.' NMan.
.Ein gl. houpt, graw här.' 1545/83, L Bühnenr. ,Käl
oder gl. werden, glabrescere.' Fris.; Mal. ,Carolus
Calvus, zuegenanit der glatzet, dann er hat ein gros-
sen glatz.' HBüLL. 1572. ,In seinem messgewand und
glatzechten haupt.' Wurstisen. ,Glatzecht.' LLav. 1587.
.Dies Wasser ist gut für die glatzende Flecken auf dem
Haupt' JJNi'SCH. 1608. .Calvus, kal, glatzig, der einen
Kaikopf hat.' Denzl. 1677; 1716.
(ilatzet auch nihd. Vad. wechselt zwischen ,glatzet' und
.gliitzacht'. ,Glatzead' beruht nur auf unrichtiger Deutung
der Endung ,et'.
gle'tze°: glänzen BSi. Es gletzet fin eso, es glänzt
geradezu. Bes. im Ptc. gletze'd: gletzeds Isch, spiegel-
blankes Eis. Spec. von Entzündungen, Geschwulsten,
Wunden, welche die Haut glatt und glänzend machen:
Er hat dür''''g'lecie" [wund gelegen], er ist gletzende''.
Schweiz. Idiutlkou II.
— Gle'tzi f.: schimmernde Fläche, Glatteis; Syn.
Glästi. Es ist i^ [eine] GL, alles eine einzige Eis-
kruste BSi. — Von Glatz (eig. := schimmernde Stelle).
Gletzi : Glatz = Glenti : Glast.
Glitz m.: Glanz, z.B. plötzlich hervorbrechender
Sonnenblick W. .Jungfrau Fürwitz will all Tag haben
einen neuen Gl.' Sprww. 1824. .Gespenst in ungwon-
licher grosse, euch füriger gl-en zu den ougen, mund
und nasen üss.' RCys. Vgl. bei Fels. 1803: Und uf-em
grosse' Säl bim Tanz hesch g'seh de helle' Gl. und
Glanz? — Mhd. ebso. Vom PI. Prat. des Vb. glmmi.
glitzele": glänzen Ap; GWe. — Entw. Dim. zum
folg. Vb. oder Entstellung von ijlitzeren oder ylitzmen.
glitze": blank sein, glänzen, strahlen Ap; BSi.;
ScH; W, z. B. vom Blitz. B' Wand händ g'glitzet vom
Duft [Reif]. .Da er die wäfen säch, die allenthalb
glitztend.' Bib. 1531. ,[Gott], der uf dem stuel im
himniel sitzt, der also lüchtet, schynt und glitzt'
HvRüte 155'2. ,Dieweil die färb an im als sammet
glitzet.' Vogelb. 1557. , Federen ganz goldgel glitzend,
nit anders gleissend dann die lebern selbs.' ebd. ,Pol-
lucere, fast scheinen und glänzen, gl. Aer caudet, er
ist glitzend von hitz.' Fris. ; Mal. ,Marchstaller : [die
Pferde] sind gebutzet, dass es glitzt.' JMdrer 1575. —
Intens, zu ißissen.
glitz(e)ne'>, glitzinen BO.; GRÜbS.; W: glänzen,
leuchten; wetterleuchten, blitzen. — Ahd. ijUtzmon.
glitzerachtig: glänzend, schimmernd. ,Das haar
wird glatt, gl., klar.' JRLandenb. 1608.
glitzere", in GrV.; SohwE. glitzg-: 1. wie nhd.
Bs; Gr; Sohw; Z. Wenn d' Sterne' so starch glitzercd,
so gits glV'' ander Wetter Z. 's ist nüd alles Gold, was
glitzeret Z. Gl. wie-n-en Karfunkel vor-em Ofeloch (oft
iron.) Z ; vgl. Kar-Funkel Bd 1 870. D'Schneberg glitzred
wie Guld und Silber. Stütz. .Eine gelbe, seidene Scheube
[Schürze], die glitzeret, dass man es eine halbe Stunde
weit merkt.' Gotth. ,G1., ardere, micare. Brünnende
und scheuzliche oder glitzerende äugen, oculi e«sii.
Perpolitum tritu aurum, auspoliert und glitzeret.'
Fris. ; Mal. ,Der Engel hat ein g'flammets, glitzerts
Schwert' GGotth. 1619. — 2. .wetterleuchten Uürs."
Mhd. in Bed. 1 ; engl, to glitier. Iterativ zu rjlitzen. ij in
ijlitzijeren nur eingeschoben; vgl. svhmalzyen, mifzycii.
Glitzerli Aa; Bs; GRPr.; GSa., To.; Sch; Tu; Z,
Glitzg- LW.; ScHW — n.: 1. Hahnenfuss (bluten),
ranunculus acr., rep., flamm, u. a., sowie bes. flcaria
ranuneuloides. Si hai" vo' Chettenebhiemc" BariiggU,
Chränz vo' de" Glitzerle und vo" den Ankebhieme" am
Bach g'macht. Breitenst. Syn. Gllsserli (s. d.). —
2. eitles Mädchen, das sich herausputzt, Kleiderstaat
treibt, um zu scheinen AAWohl.; Sch.
glitzerig: schimmernd, funkelnd, allg. Glitzerigi
Auge». Gl-i Pfändli = Glitzerli 1 ZRafz. E jung gl.
Bingli, geputztes, geziertes Mädchen Bs (Spreng). Die
gl-e' Ching [Kinder] mache' der Vollmon bling! BWyss
1885. .Ein solcher V^erächter nun dieses schnöden,
glitzerigen Kots [des Goldes] wäre wie Calvinus. so
Bullingerus.' Mise. Tig. 1722.
„glitzerle"": flimmern. Da und dort händ
Sterne' fürher g'glitzerlet GRSchiers (Schwzd.).
„glitzig": blank, glänzend, schimmernd Ap. Gl.
mache', scheuern, putzen, polieren, bis es glänzend
wird Ap. Die Ötere' hei' e gl. guldi Chründli uf-em
Chöpiti trat [getragen] ScuBarg. (Schwzd.).
«ilaz — trluz. Gnad— Kiniil
glitzle": schimmeln, glänzen,
glitzme": funkeln, leuchten LE.; (unpor-s.) blitzen
BO. Glitzmi-schwand, Flurn. LEscholzm. — Vgl. ahd.
ijUzemo, fulgor.
glitzmere": wetterleuchten, blitzen U; Abi.
„glitzmerig ." — Iterat. vom vorigen Vb., wie ylUzemi von
.Glötzlin: Hahnenfüsse.' Gr Samml. 1784.
Möglicherweise von ,glotzen', falls Diesem die Bed. .glän-
zen' eignet, oder falls ,ö' mundartliches t ersetzt, von ghtzen;
viell. aber ist ,ö' Druckfehler für i; vgl. GHtzerH.
Gn-.
S. auch die Reihen iV- (mit Präf. ;/>-) und Kji-.
Gnad- gnud.
Gnad f.: 1. wie nhd. a) von Gott. ,Bitt Gott von
herzen, das" er deine mängel mit seinen genaden wolle
ersetzen.' LLav. 1582, 165 b. ,1536 bin ich durch
Gottes gnodt und giete ein lebendiger mensch in dise
weit geboren.' FPlatt. 1(112. Z' Gn-e" a'cho", zu
Gnaden angenommen werden, aus Gnaden selig wer-
den Z. ,G. G. G.' [Gott geh Gnad], Eingangsmotto auf
alten Schriftstücken, Haushaltungs- und Tagbüchern.
Vergebung der Sünden, Ablass. Jedermann soll zu
Hause verkünden, dass ,die gn. zuo B an StMichaels
abend ingät und 8 tag wäret.' 1476, Absch. Er ist us
d'r Gn. Gottes [ausgeschlossen oder aus der Gn. G.
gefallen], er kann nicht recht tun L. Aus der reK-
giösen Vorstellung, dass alle menschlichen Geistes-
kräfte aus der Gn. G. fliessen. erklärt sich auch die
EA.: nüd d' Gn. ha", nicht das Vermögen, die Gabe
haben, es nicht über sich bringen [Etwas zu leisten
oder zu dulden] ; Syn. Eifnejm nüd g'ge si". De" Bueh
hat d' Gn. nüd, recht z' tue, sagt man von einem wilden
Kinde ScHSt.; Z. I''' hätt d' Gn. nüd zu-nerr so e
langmlige Arbrt Z. ,Martha: Zur hushab soll [taugt]
.sy nit ein ding; [z'] hus han und z' pflegen bin ich
bring [gewandt] ; an flyss und müy mir nichts gat ab ;
zum andren ich kein gnad nit hah.' PcNKELrs 1552.
.Palsestra, die gn. und wesenlich berd, etwas ze tuon.
Homo apaliBstros, der nienerzue kein gn. hat, tölpisch.'
Fris. ,Er [ein Pfarrer] hatte nicht Gn. zu predigen.'
c. 1560, Mise. Tig. ,So haben solche Leut die Gn.
nicht, Solches zu erkennen.' Zauberei 1704. Auch
abs. : Er het hei' Gn., bis er use' cha"". Du hest kei'
Gn., bis d' g'straft wirst, abe' fällst usw., als Warnung
Gl. In allg. S.: angenehmes Wesen, liebenswürdige
Eigenschaft. ,Antiquitas tristis et impexa, die sprach
der alten grob, unlieblich, hat kein gn. nit. Frigide,
ungsalzen, ungschmack, ganz law, das kein gn. oder
liebligkeit nit hat. Inconcinnus, ungereimt, unorden-
lich, ungericht, misshellich, das kein gn. nit hat.'
Fris.; Mal. — b) von Menschen, a) ,An Jmdes Gn.
kommen', auf dieselbe augewiesen sein oder an sie
sich wenden, von ihr abhangen. A' di* Gnöd chu"
ScHwE. Z' Gnade' (a'-) clw, begnadigt werden , in
Gunst kommen, erhört werden L; Z. .Manches Mal
haben weltliche Fürsten an ihre [der Päpste] Gnad
kommen müssen.' ClSchob. 1695. .Eines Gn. haben':
auf ihn Rücksicht nehmen. .Saul wollt des heil. Pro-
pheten Samuelen, der es guet mit im meint, kein Gn.
haben, im nit glauben, sonder hasset in und alle, die
im Guets gunntend.' LLav. 1569. ,Wo gleich die sön
wol eins [sind], wellend sy doch etwann der schwö-
steren kein gn. haben, fragend inen nichts nach, ver-
achtend sy.' LLav. 158'2. ,Ein Vorgängere mit einem
abgestimmleten Finger; deren wollt ich kein Gnod
haben, und wann sy mir Pappen mit gemeldtem Finger
ynstreich, fieng ich an zu weinen.' FPlatt.'' 1612.
— ß) in der Anrede an Herren, bes. geistliche, dann
auch an weibliche Personen dieses Standes, i. S. des
Adj. ,gnädig'. Hergnade, gnädige' Her (z. B. der Klo-
sterabt) Ndw. ,Gnad Bäpste, so gond hin zuo den
sundersiechen [Aussätzigen].' Zwingli. ,Söllt unser
einer für sy [Klosterleute] gon, dass er nit sprach:
Gnad herr, gnad frow — sprach man: was touben
menschen, schow ! ' UEckst. ,Du bist ouch ein mann,
der falscher pratik hangest an, zun scbelmen sagest
ouch: Gnad Herr!' SBirk 1532. ,So dank euch Gott,
Gnad lieber Herr.' Com. Beati. Auch von einer Frau
weltlichen Standes, aber in umgekehrter Stellung:
,Frow gnad [yuvt] EÜxäptoxos] bewart die er.' 1531,
Prov. ; dafür 1-548: ,Ein holdselig weih stellt nach er.'
Von weltlichen Herrn , Magistratspersonen : ,Euere
Gnaden' oder .Gnädiger Herr' ist der Titel, der eig.
einem hohen Standeshaupte gebührt. Die sich ledig-
lich des Titels .weiser Herr' bedienen, verraten ihre
Unwissenheit oder Grobheit. Spreng. — y) in Jurist.
S., Gegs. von ,Recht'; Nachlass von Strafe oder Ge-
bühr; freiwillige Schenkung. ,Es gät enhein gn. dar-
nach [das Vergehen wird unnachsichtlich bestraft].'
c. 1400, TuDiess. ,Ein richter soll nit mer nemen
wann 4 mäss wyns uf gn. [d. h. er mag sie erlassen,
wenn er will].' 1432. Zg Stadtb.; Gegs. ,än gn.' = un-
nachlässlich. , Welcher gottshüsguot kaufti, derselb
sollt eins gottshus ammann von jeklichem pfund 1 ß
zuo erschatz geben, einer möcht denn besser gn. an
im [dem Ammann] finden.' 1449, Schw Eq. ,Wer ein
vogtbar guet kouft, der soll einem Herren der vogtye
bis an syn gn. von jedem pfd pfenn. 1 ß pfenn. geben.'
XV., Th Beitr. ,Die Herren bestätigten all unser Fry-
heit und Gn-en ab dem alten uf das jünger Hus.'
RCys. — 2. ,zu Gnaden gän', von der Sonne: unter-
gehn PAger; S; W. ,Wie sich d' sunn zuo gnaden
neigt [bei Sonnenuntergang].' 1576, Z Ant. Mitth. .Und
wann die Sonn zu Gnaden geht, so tuet's auch wider
tagen.' JCWeissenb. 1678. .Eh d' Sunn aufsteht, zu
Gnaden geht.' ebd. 1701/2. Syn. zu Gold Sp. 224 u.
Früher auch von Menschen: sterben B (Zyro). Dag.
z' Gn-e' clio", zu sich kommen, sich erholen BsEeig.
(zu 1 a). — 3. roti Gnade', stinkender Storchschnabel,
ger. robert. LW. ; Schw; vgl. Gott(e)s-Gn. — 4. in
ürtsnn.: ,Gnadental', Kloster Aa, Einsiedelei F.
Wxi. ytnäde, Ruhe, Glück; Gnade, Dank; in Anrede vor
hen-e, rrovwe bittend oder dankend. Aus diesem Gebrauch
wird wohl die Anrede-Formel 1 b ß zu erklären sein. Zu Gn.
gan von der Sonne kann noch unmittelbar ans dem etymol.
Grundbegriff .Neigung nach unten' [nieden] erklärt werden.
In ,zu Gn. gehn'. sterben, kann Gn. auch die himmlische
Seligkeit bedeuten, wie in mhd, «in sele i«t, kam ze ynäden.
Un-: 1. wie nhd. ,N. N. wollte im nicht zu U-en
aufnemen . . .' 1578, HPastal. .Wegen Diebstählen
und anderen Malefizfehlern in oberkeitliche Ungnad
gefallen.' 1738, Schw LB. — 2. Unfall, Unglück. ,Mir
(iiiad, gneä. giiid, giiod, gm
ist glückhaftig und wol gangen nach [vorhergegan-
genen] u-en.' 1522, HsStockar; vgl. it. disgrazia. —
?>. „Einem U. tuen, Schmerzen verursachen, Bedauern
erregen. Der Tod meines Vaters tut mir U. W.;"
vgl. and Bd I 300. — 4. (auch ii-t) adj., ungewohnt
BO., in BHa. auch ungna. — un-gnäde(n): in Un-
gnade bringen, unbeliebt machen. ,Wo mich jeman
vermeinte ze verlümden und u., will ich das unver-
antwurt[et] nit hinlassen.' 1526, Zwingli.
Mhd. unrjennde, Ungunst; Unheil; Unruhe. In der RA.
U. luen konnte U. leicht adv. aufgefasst werden i. S. v. ,weh',
welches .ja ebenfalls eig. Suhst. Ist, wie And. Die Angabe
.ungewohnt' beruht wohl auf entsprechender adj. Auffassung
des Subst. und auf Fällen, wo Etwas schmerzlich oder um
so schmerzlicher empfunden wird, weil es oben ungewohnt
ist. Da die Grundbed. nicht mehr bewusst ivar. Inmito das
auslautende rf abfallen; viell. hat auch il.i- :iliiili>li Imliiide
ungtca", ungewohnt, mitgewirkt. Das IM I 'H' iii::< liilirtc
unäilig, unangenehm, unfreundlich, hätte vi. II. an- .iiii^r.na.lig'
erklärt werden sollen und würde dann zur Erklärung des vor-
liegenden Wortes beitragen.
Ends-: Gnade im Tod. ,Gott ist die heilige letzte
Endsgnade Niemanden schuldig.' LKInderbitzi 1826.
Gott(e)s-: Name mehrerer Pflanzen. 1. stinkender
Storchschnabel, ger. robert. Aa; BO.; VOrte; FMu.;
GWe.; Z. Auch: ruti G.-Qn. SDorn.; ZoWalchw.
Syn. roti Gnade", Storchenschnahel, nerryotten-Blüemli,
(Kopf-)We-Blüemli . So genannt wegen der heilkräf-
tigen Eigenschaften und Anwendungen, z. B. gegen
Geschwulst. In BBe. werden die Pflänzchen gedörrt
und den Ziegen im Winter statt Salzes gegeben.
.Gottsgnaden, mit den roten blüemlinen : sideritis
tertia, foliis coriandri, in vineis et maceriis nascens,
multis hodie Gratia dei.- KdGessn. 1542. ,Nimm 1 Hand
voll Gottesgnaden, siede es.' Arzneib. 1556. ,Juden-
krüt, sideritis, ein wundkraut, dreierlei arten . . ., die
dritte haltend etlich für Gottesgnad mit roten blüem-
linen.' Fris.; Mal. ,Es wachsen auch sogar in dem
Balm (Rigi) darinnen schöne, vollkommene Kreuter,
als Gottesgnad...- JLCvs. 1661. ,Geranium, Storken-
schnabel, Gottsgnad.' Denzl. .Gegen das Brandblut
der Schweine. Zu dem Trank nimm: Täschlikraut,
Gottsgnaden- usw. 1760, Z Ges. — 2. Gottesgnaden-
kraut, gratiola off. Durh. — 3. Lerchensporn, corydalis
Cava, in Standort und Geruch 1 ähnlich ScHwKüsn.
— 4. scabiosa longifol. AAEohrd., zum Laxieren ge-
braucht. — 5. , Ciaret zu niaclioii auf drei sonder
Weis und Weg, under welchen die z\V" ersten werden
genannt Gottsgnad und die dntt die Hand Gottes.'
JRLandenb. 1608.
Mueter-Gottes- = GoUes-Gn. 1 L; USil. In S
am Feste Maria Himmelfahrt zu den Weihekräutern
vorwendet.
Wart-: Amt, Stelle, die aus Gnade verliehen und
deren Verleihung abgewartet werden muss oder er-
wartet werden darf. Anwartschaft auf vom Papst
verliehene Pfründen. ,Solche Wartgnaden noch Er-
nennungen nimmermehr ausgeben.- Wurstisen. Vgl.
,Wart-Spil-.
gnade"; 1. intr., mit Dat. P. a) von Gott: gnädig
sein. Gnad dir Gott! Warnung Gl; Z. Gnud-d'r-
Gott, dass [usw.], es ist ein Glück für dich, dass . . .
(stärker als: es ist dir Dürft. Gnad Gott, wenn in
Eine stört! d. h. der Störende hat nichts Gutes zu
erwarten Z. ,Und gnade Gott uns, wenn auf eigne
Faust wir nicht dem übermutigen Feind gewehrt.'
Mey.-Mer. S. noch Gott Sp. 514. — b) von Men-
schen: Lebewohl sagen, Abschied nehmen, Segen
wünschen U. ,Und sy gnadetend Rebeka.' 1531, I. Mos.
= ,Sy g'segnetend oder gnatend.' 1548/60. Als der
Tag der Jahrrechnung vollendet war und die Boten
unter einander ,gnadet' usw. 1547, Absch. ,Wenn es
an dem ist, dass wir der weit gn. und von hinnen
scheiden söllind.' EGualth. 1548. Isaac zu Abraham:
,Muoss ich dann angends an die pyn [den Opfertod],
so gnad mir doch my°''m müeterlin!' Haberer 1562.
,Sy hand einanderen gnadet, als ob sy iren tod wuss-
tend.' BossH.-Goldschm. ,Es gnadet dir das müeterlin
[lässt dich grüssen].' HBüll. 1554 [Brief an seinen
Sohn]. ,Wir habend dem Bapsttum ganz und gar
gnadet' ebd. 1557. ,Der Herr hat synen jungem ge-
benedyet oder gegnadet und ist von inen abgescheiden.-
ebd. 1571. , Zwingli ward gen Zürich berüeft. dorum
gnadet er zuo den Einsidlen.' ebd. 1572. ,Hiemit
gnaden ich üch [der Obrigkeit] insonders, und danken
üch alles guten.' ebd. 1575. ,lch hab in 'gruesst
und im darnach genadet, hominem salutavi, postea
valere jussi.' Fris.; Mal. .Es [das kranke Mädchen]
gnodet vater und mueter, befal seinem lieben brie-
derlin ze gnoden, mit den werten: gnadet mier myn
[mym?] herzlichen brüederlin!' ThPlatt. 1572, 133.
,Gab inen allen die hand und gnadet inen.' LLav.
1576. ,Du siehst, dass Gott dich tod haben will und
du lobest in darumb. Bist nit ein grosser tor oder
gnad Gott dem herren. Das hebräisch wort heisst auch
fluochen, dann ist es die meinung: fluoch Gott, dem
herren, so todt er dich und konmist der marter ab.
Oder es möchte der verstand sein : fluoch Gott und
stirb; es ist gleich lang, du lobest in oder fluochest.-
ebd. 1582. ,Als wir mornderigs ihnen allen, sonderlich
aber unseren lieben mitburgeren von Zürich ab'danket
und gnadet, sind wir bis gen Roll verrukt.' JosMal.
1593. .Der Freud in dieser Welt ich gnod.' GGotth.
1599. Der gefangene Teil sagt: ,Ich gnadet mein[-emV]
Gesinde, dass ich sie muss verlan.' XVI., Lied. ,Do
gnodet mein Vater dem Land Wallis.' FPlatt. 1612.
,Wie soll ich euch aber gnaden?' sagt StGabriel 1627
in seiner Abschiedspredigt. Ein Hochzeitgedicht von
JWSiMML. 1646 schliesst mit dem Wunsch an das
Paar: ,Dass ihr, wenn ihr genadet dieser Erden, mit
Christo dort vermählet könnet werden.' ,Valedicere :
gn., ab-gn., abletzen, sagen Gott behüte dich. Figere
arma, die Waffen aufhenken, dem Krieg gn.' Denzl.
1677; 1716. Abs. Ptc. prset.: ,ungenadet', ohne Ab-
schied genommen zu haben. Der Abt habe sich bei
Nacht und Nebel ,ongnadet' hinweg getan. 1529.
Strickl. ,Wie er aber in das kloster kam, sach er
ein solch unordenlich wesen, dass er ungnadet wider
heim kart' LLav. 1576. — c) von Geistern; zunächst
(auch ab-gn.) von Sterbenden, die ihren Freunden
geisterhaft erscheinen od. durch Zeichen, z. B. Klopfen
an der Wand, plötzliches Aufgehen der Türe, sich kund
geben. Auch (meist unpers.) von geisterhaften Er-
scheinungen übh., Ahnungen eines Unglücks Sch; ,Z.-
Syn. sich künden, melden; geisten. Drimöl hat 's a"
d'r Türe 'popperet und ist doch Niemerd dusse' g'si';
da' hat im allweg gnodet See. ,Ich hab ein pfarrer
'kennt, der in einer pestilenz allweg vorhin gewüsst,
wenn einer syner kirchgnossen hat sterben wollen.
663
Gnad — guud. Gnaf— gnuf. Gnag — gnug. Gliagg — gnugg
ilaiin er etwas nachts ob syner kammer ghört, als
wenn man ein sack niderstallte, und hat allweg g'sagt:
Jetz gnadet mir aber eins.' LLav. 1569. — 2. (tr.)
begnadigen. .Von Gott nun wider gnadet [zu Gnaden
angenommen] sind.' GGotth. 1599 (viell. für ,be-gn.').
— 3. (refl.) in Ehrfurcht vor Jmd (bes. Geistlichen)
die Kniee beugen Ap. — Mhd. genaden, gnädig sein;
danken (eig. sich herablassen; sich verneigen; vgl. .nieder').
ab-gnade" = gnaden Ib, abs. oder mit Dat. (Acc.)
P. oder S. ScHwMa. k\i<-h = gnaden 1 c ZStdtf, W.
.Das hab ich augenscheinlich gesehen und erfahren,
so etwan einer nicht genug a. konnte, oder das Koss
mit Lieb nicht von Haus wollte, dass er darnaeli iiirlit
wider kam.' c. 1530, JvMüll. .Wir [der .\btj haben
unsern convent Gott und den 1. Heiligen anbefohlen
und ihnen abgenadet.' 1588, SchwE. Klosterarch. ,Der
alte Ambassador wird früntlich abgnadet und abge-
danket.' 1611, Absch. ,Dass keiner nie mehr zu E.
gesehen worden, sonder sich ylends ohne einiches Ab-
gnaden verloren habend.' Z Täuferber. 1639. , Christus
bei der Himmelfahrt segnet sie oder, wie wir reden,
er gnadete ihnen ab.' FWyss 1650. .Wann etwan
die leibliclie Gestalt auch frommer Leuten anderen in
ihren ausserlichen oder innerlichen Sinnen fürkommen,
das wir abgnaden, eines andern Geist sehen, nennen.'
JMüLL. 1666. ,Welcher der Welt abgnädet synes Alters
im 83sten Jahr.' 1643, JJBreit. , Christus, als einer,
der dahin zu kommen nit mehr Willens war, gnadete
damit dem Tempel ab.' FWyss 1655. ,Als vergangenen
Sommer meine letste Valet- oder Abscheidspredigen,
mit welchen ich der christenlichen Gemeinde zum
grossen Monster, allhier, abgegnadet, zum Truck be-
gehrt worden.' JMüll. 1673. ,Dem Studieren a., stu-
diis repudiare, renunciare. nuncium remittere Musis.'
Denzl. 1677; 1716.
be-: 1. (tr.) a) = nhd. begnadigen. .So niüesse
inen aller kost und schad abgetra;^rn |. r-rtztl ini.l |sii'
müssen] widerumb begnadet wri,l''ii.' 1.'.:'.1. Shh.ki,.
Gnädig ansehen, begünstigen: .W ir mimI löblich. 'm ge-
fryet und begnadet.' 1478, Bs. .W f A-a- Siilt Zürich
die Predigermunch nienen weder t.'llrn |i|iil,li'n] noch
b. wollte.' HBuLL. 1572. — b) -nadi-- iiia.heii. .stim-
men. .Christus, der uns den vatter wider zufriden
stellet und begnadet' Zwingli. Ptc. = gnädig; ,Also
ist der Herr begnadet worden.' 1531, Amos; dafür
1548: ,Also begnadet der Herr'; 1667/1860: ,Da reuete
dises den Herren.' — 2. (refl.) sich in Gnaden herab-
lassen, gnädig beschliessen. ,Gott hat sich begnadet,
üch das Evangelium ze offnen.' Zwingli. — 3. (intr.)
a) gnädig sein. .Gott durch syn gnad begnade [sei
gnädig] der sei [des Verstorbenen] und unser aller.'
Seg. Pfyff. — b) Lebewohl sagen; Syn. (abjgnaden.
jAlso begnadet ich inen und reit davon. — Und be-
gnadeten den loblichen hclgen stetten und fucrent
gan Jafta.' Stclz 1519.
gnädele": sich gnädig zeigen, mit Nebenbegr.
,Gn., wo Kriecherei ihnen entgegenkam', im Gegs. zu
,barsch auftreten'. Gotth.
gnädig: 1. subj. = nhd. De' gn. Herr, der Abt.
DHess 1818. Die Gh., die Äbtissin Obw. Von Hei-
ligen als Schutzpatronen von Kirchen, in denen sie
Wunder tun. Wel^'-e"- Heilige ist i" dir Chil''-e gn.?
Ndw. .Hier ist StWendel gn.' Srnw. .Gott seie mir
[Hieb] nit genedig, wenn ich mein hoffnung auf zeit-
lich guot gesetzt hab.' LLav. 1582. Oft mit verrin-
gertem Begriff und halb scherzhaft = gelind, ohne
schwere Folgen, 's Wetter [Gewitter] ist gnädig ab-
g'loffe". SuLGER. Es ist (dir) gn. g'gange", du bist
ziemlich gut, ungestraft durchgekommen Z. Massig:
Mach 's gn.! halte Mass! Bs; Z. Geringschätzig; Si
hät-mi''' nW so gn. g'grüezt Z. — 2. obj. a) in Gunst
stehend. Er ist nümme [nicht mehr] gjt. GF., G. ;
Ndw; ZLunn. — b) Mitleid erweckend, erbarmungs-
würdig, kläglich, schmerzlich, traurig, ,subtristis.'
Id. B; gn. drl' biege B. Eine" gn. a"g'seh, von einem
Sterbenden BHk. — un-: grausam, schrecklich, heftig,
von einem Körperschnierz, z.B. Kopfweh; von einem
Gewitter GlH. Abstr. verstärkend = überaus, unge-
mein, sehr; ((. rieh. Dul. 228. — gotts-: adv. ver-
stärkend, z. B. g. cerchlüpft [erschrocken] Ap; vgL
Sp. 5-20. — gnädiglich (Adv.). .Der allmächtig Gott
wolle euch genedigklichen erhalten.' LLav. 158'2. —
Gnädigung: (Gnädigmachung) Versöhnung. ,Der
[Christus] ist die gn. für unser sünd.' Zwingli. —
begnädigen: gnädig stimmen, versöhnen. ,Er hat
auch die Sünd begnadiget, den Tod beraubet und ent-
wehrt.' II. Helv. CoNF. 1566/1644. .Christus seie die
einige Gnugtüyung, Begnadigung und Bezahlung aller
Sünden.' ebd. .Christus hat uns mit Gott versühnt
und begnadiget.' JMixi,. 1673.
Gnaf(f)-gnuf(f).
glliffe": reiben. ,[Dcr harpunierte Wallfisch] aus
schmerzen begürt sich am grund zu gn.. in solchem
gn. treibt er die spitz der haggen ye lenger ye mer
herein.' Fische. 1563. ,Der schuoch gniffet oder truckt
mich, urit pedem calceus.' Fris. ; Mal. Anhaltend auf
ilem Ki']if kratzen, wie Kinder, welche Läuse haben
AvKii.: Srii (Sulger). — Vgl. niß'en, stossen, aber auch
■irli\v;ili,-l.:iir. l.-iii'ß'en, kratzen, reiben, zerren.
Gnof s. Gnf.
Gnag gnug.
Gnäger m. ; etwas Kleines und Unförmliches. z.B.
kleiner Mensch, kleiner Apfel Z (Jucker).
Vgl. Gnigis, Gmi.r ; lautlich allerdings milier vwdt mit
tjMujcn [nagen].
Gnägerli = Gneigerli s. unter neigen.
gnfige": seufzen, kleinlich klagen, bei Unwohlsein
ZGlattf. — Wohl dass. mit gniiyijcn.
„Gnegi m.: missgünstiger Mensch Z." — Wahrscb.
= GiHigyi, s. d.
Gnigis Dnigis m.: kleiner, schmächtiger Mensch
ZRafz ; vgl. Gnäger. — Viell. zu ,knicken' ; vgl. alts. luttü,
klein (mhd. lülzcl), zu altn. lata, sich bücken, dncken.
Gnagg— gnugg.
gnagge": herumschleichen Z. — Anfialh
klang an svlmaggen, kriechen; vgl. d.as folg.
(Jliagg— giiugg. Gnal-
,'iuim. (iiiaii -sriHi
Gnaii— .srmi]!
a"-gnagge": antasten GrL. ; Syn. an-graggen.
Es ist möglich» dass das Comp, zu dem vorhergehenden
Simplex gehört, da das dem gräg<i<n durch ni'-ht soltiiipri
Wechsel vou ;/,7 mit;; nahe kommende ;/<(iy.. .i ^Munhl ti-liir
als .kriechen' bedeutet. Betr. jenen Wicli^rl \_'l. .,."(;;. ;i,
r/i-üpen, kränkeln, Anmerkung zu giinuten, ilmi.j.i.t n. i,' „^i/,/:. i-,
Geizhals.
Sjjitz-Gnagger: engherziger, an Kleinlichkoitt'n
hangender Mensch Z.
Gnäggel s. u. näggen.
gnägge" Z, gne- Aa: 1. weinerlicii bitten, klagen,
bes. von Kindern Z; ob Kleinigkeiten ängstlich sein,
jammern Aa. Vgl. gnoggen. — 2. gne- (klägliche)
Töne (als Lebenszeichen) von sich geben Z. Syn.
grüggen, triiisen.
Wie in der unter n- beizubringenden Familie gnär/r/e(le)n,
klimmt auch hier Anl. ohne j/ vor, welches abgefallen sein
kann, da in der ganzen Gruppe der Anl. yn- vorherrscht,
und das y wahrsch. lautsymbolisch zur Bed. des Mühsamen
US«, beiträgt. Vgl. aber auch yäyycn usw. Sp. 108. — Zu
dem Wechsel des Voc. vgl. gägyen : yegyen; däggekn : degg-.
Gnägge" Gnegg(e) f.: einfältige, zaghafte Person
ScnSt.; Th. Auch: ängstlich umständliche Person Aa;
Z. Syn. Geggen Sp. 175. Grägg, Kumber-Kellen. —
Vgl. (Iniiygi 1.
Gnäggi m.: 1. weinerlich Bittender. Du bist doch
eil ihige'' Gii..' Z. Auch: ein Tadelsüchtiger, vitu-
perator ZWein. — 2. Knauser L. — Zu 2. Der Geiz-
hals klagt immer (dass er nicht genug bekomme).
(Jnägger m.: Geizhals S. — Vgl. .Knicker', aber aucli
unser (j'iiäpjiir und s. die Familie miggen.
gnäggle": einzelne Beeren von einer Traube ab-
rupfen BS. Syn. rupften. — Auch dieser Begrift' Hesse
siih mit der Familie gnäygeti vereinigen.
gnauggen s. nauggen u. gnauten.
gnigge": 1. hinken Ndw. — 2. kargen Gr.
Betr. die Vereinbarkeit der Bedd. s. die Anm. zu gcnUyym ;
mir tritt hier in Bed. 2 die Vorstellung des Abschncidens
iu der hildl. Anwendung auf Sparen (sich selbst und Andern
allbrechen), wie in nhd. .knicken', ausdrücklich hervor. Von
der gleichbed. Nbf. ohne y gilt das oben bei ynagycn Gesagte,
mit der Beifügung, dass ,nicken', ,neigen' usw. urspr. mit li
anlauteten, das hier in g übergegangen sein kann.
Gnigge r Gr, -ch- UwE. m.: Knicker, Geizhals.
Die Uw Form scheint eine Zwitterbildung mit schwz.
■Vnl. und dem aus dem Bücherdeutsch hergenommenen Inl.
.;,■ zu sein.
gniggig: knauserig GW. = gnickerig UwE.
Gniggi n.: Anlage oder Neigung, die wahre Natur,
bes. böse. D' Bet ist im Tannebodehof chiim erwärmet
g'si", so löd si 's Gn. füre. EBrandst. 1884. — Vgl.
das syn. Nlyyen.
Gniegger = Gnigger Gr.
gnogge": 1. jammern, weinerlich sein BM.; s.
gnaggen. — 2. langsam und faul arbeiten Sch. —
Gniiggi m. : grämlicher, immer auf gleiche Klagen
zurückkommender Mensch BM.; Zärtling Sch; leichte
Schelte für kleine Kinder ZStdt.
Bed. 2 ist leicht mit 1 zu vereinigen durch den Mittel-
bcgriff verdrossenen Wesens; vgl. tritiwn.
gnolgge": schwerfällig gehen GO. ; Sch St. —
Gnolggi m. : plumper, roher, einfältiger Mensch,
Tölpel Aa; GO.; ScnSt.; Th (auch Gnolgg); Z (auch
Gnölgg). — Bure"-: bäurisch roher Mensch. Grobian.
Sprww. 1869.
Gehört wahrsch. mit noly(y)en, stümpern usw. zs. ; es
fragt sich aber, welcher Anl. älter sei, und es kommen auch
XoUen (urspr. mit Im-) und Knollen in Betracht: vgl. auch
das mit dem Subst. syn. Knnlpis und gwo/jen.
„Gnlera m. : Beiwohnung. .Gn. und Gesellschaft.'
1583, B Kanzleispr."
ie in BSi. zuweilen = ü, dann viell. zu genäm; oder ie
verschrieben für i* = ei, dann viell. zu ahd. neiman, loqui.
Gnöni m., Dim. GnÖinli: kleiner Mensch, der durch
drollige, witzige Einfälle Erstaunen erregt AAWohl.
Das Fremdw. Gnom, Erdgeist, Zwerg, aus der Bücherspr.
eingedrungen.
Gnungelen s. Khmgclen.
gnanggig: teigartig, wcicli, von Brod, Kuchen
LReiden; ZO. Syn. tängg. Vgl. Nänggeli.
Gnienggi: unbeholfener Mensch GuChur. ■ Zu
Gnapp gnupp.
gnapi): Adv. = knapp. 1. i. S. v. eng anschliessend,
genau passend L; Z; Syn. be^chnotten. — 2. i. S. v.
kaum, mit Not Aa; B; GRKübl.; GW.; ScH; SKech.; Z.
Mit gnapper Not Aa. Es het 's numme gn. möge"
g'ge", es hat nur notdürftig ausgereicht oder ist nur
mit Mühe zu Stande gekommen. AlsAdj.: ,Ein niiss-
liches und gnappes .Tahr.' .ICHofm. 1744. — Der Anl. g
in diesem W., wii- in ■/niif, n. V. rtrcter von schrittdeutsch i-(J->.
gnipp-gnapp: AMautforrael zur lautmalenden
Bezeichnung einer in kurzen Zwischenriiiniicn hi'irbar
wiederkehrenden Bewegung, so in ili'iii lläN^l iilier
die 1 »achtraufe: Wenn 's regnet, so ijni 's um 's lins
limine und macht gn., gn. Aa. 's ii'dss/i iiniclit gn.
RocHH. 1857. — Der Stamm des folg. Vbs in der Bed. ,ab-
wechsclnd fallen', mit vorgesetztem Stamm d. Vbs gntppen. s. d.
gnappelen s. gnäppelen.
gnappe", in Z tw. kn-, /»- Gr ObS., dn-, tn-
GWe.; ThHw.; ZRafz: 1. intr. a) wanken, wackeln,
schwanken, sich hin und her bewegen, locker sein, nicht
fest sitzen oder stehen, beinahe umkippen, allg. ; Syn.
lodelen, lotteren, lotzen, gampen. Zunächst von todten
Körpern, z. B. Tischen und Stühlen, von einer Wage,
einem Nagel, Zahn, von einem Baum im Winde oder
der angesägt ist und durch Ziehen an Seilen zum Fall
gebracht werden soll. Hiehor auch das Spiel, das
Kinder mit einander oder mit Erwachsenen machen,
wobei ein Jedes eine seiner Fäuste abwechselnd auf
die eines Andern setzt und dann , mit den Worten:
(iliap, gnep. gniii, gnoii. gnup
Der Baum gnappet! von unten wegzieht, so dass die
aufgerichtete Säule ins Wanken gerät und stückweise
zsbricht Z ; Syn. händlen. Beim Läuten gnappet der
Helm auf dem Turm ÄAWohl. Bildl. : Er het-em uf
d' Stade' (/'schlage', bis de'' Stock g'gnappet het, ihm
deutlich zu verstehen gegeben S. Beim Erdbeben wird
gebetet: Vater iiser, 's gnappid alli Hüser, Vater betid
au'^', süst gnappet üsers au'''! — Meti ist am Liebste",
wo Eim d' Wiege g'gnappet häd Aa; Z. Ein Appen-
zeller wies einen Flucher zurecht: Du fluechest enest
au'^'', dass d' Hell gnappet ! .Hat der Pilatus einen
Hut, steht dem Land das Wetter gut ; hat er aber eine
Kappen, so wird das Wetter gn.' UwGem. Zu Ablaut-
formel verbunden mit gnippen, in Volksrätseln: Es
gnippet und gnappet in-ere hölzige Ghappe en iserne
Drol, ^ass en Niemer verrot! (Schwarzwälderuhr).
RocHH. 1857. Es gnippet, es gnappet en ereni (iseni)
Chappe, es gnippet, es gnappet en isene Drat usw.
(Glocke) ZS. Auch von lebenden Wesen und beweg-
lichen Körperteilen: Wlss und schwarz und gnappet
mit dem Hindere (Elster). Es ritet e cholschwarzes,
schivarzbruns Jüdli uf-eme cholschwarze, schwarzbrune
Fülli; das Fülli häd trappet, das Jüdli häd gnappet Z.
Vor Müedi gnapped-mer mini Beinli Schw (Schwzd.).
Lache", dass-em d' Bagge gnapped Z. Er lügt, wenn
im 's Mut gnappet, so oft er spricht. Sclger. Druf se
gnapped si Mul in eim fürt, wil er im Stille schimpft
Bs (Breitenst.). S' Mul gnappet-em d'r ganz Tag —
wie inere M'^asserstelz [einer Bachstelze] d'r Stil L.
Essen (Z). schwatzen (Sprww. 1869), klagen (Stütz),
beten (Senn), arbeiten (Gl), bis (dass) Eim d' Ore
gnapped. Wenn eine frürt, dass-em möchtid d' Ore
gn. Gespräch 1712. Von den katholischen Geistlichen
wird gesagt, man solle keinen anrühren, denn wenn
Einer gnappe, so gn. alle, bis nach Rom hinein L.
Es gnappet-em, er ist dem Bankrott nahe Gl. Zum
Gn. [Umsinken] müed GRPr. Ptc. Prses. gnappet (für
gnappend), wackelig, hinkend, lahm Gl. ,Glissnen,
hucken und gnappen [sich verneigen].' NMan. .Go-
liath: Ich will in [den Juden] geben dapfer kappen,
dass in der köpf und arss muess gn.' VBolz 1554.
,Es hatt sich erzeigt im gn.. sy [eine Tanne] wurd
fallen.' Mey., Wthur. Chr. .Giengen die Grundwellen
2 Tage, dass das Schiff hinten und vornen gnappet.'
UMev., Pilgerr. ,Mensse clivum tollere, den tisch
underlegen, wenn er gnappet oder haldet. Vacillare,
schwanken, hin und her gn. mit den füssen.' Fris.;
Mal.; Denzl. 1677 (dafür: ,kn-.' 1716). ,Mit dem
haupt gn.' ScHERTW. 1579. , Einem vierten bracht das
Gn. [beim Schiessen] Schaden.' HHGrob 1602. .Wann
du empfindest, dass er sich reget oder gnappet (wenn
man einen Beinbruch untersucht], wie ein Spalt tut
an einem Stecken, so ist es gewiss ein Bruch.' Würz
1634. .Hinken, schnapen, gnapen, claudicare, vacil-
lare. Gampen, gn.. jaetare pedes.' Red. 1662. ,üer
Kopf gnappet ihm [sein Leben ist bedroht].' Mey.
Hort. 1692. — b) (umme)gn., langsam, wankend gehen,
mühsam fortkommen, bes. von alten Leuten Ap; Bs;
VOrte; Gl; Gr; GRh.; Th; W; Z. Er magno''' mit
Not nö'''gnappe" GSa. Mit dem Fuss über treten,
schlechten Gang haben Bs. ,Gnabb umen nummen
fry, du bist recht dra', sagt der Bauer zu seinem
Weib, da sie ihm vormalt, wie sie haushalten wollen
und reich werden. Com. Beati. .[Alter Weiberjäger] leg
ab dein Narrenkappen und tu nicht hin und wider so
tolpisch herumb gnapen.' Wahrsager 1675. — c) träge,
nachlässig arbeiten TaTäg. — d) nicken. Jö und Net'
gn. GSa.; Syn. niggelen. ,Der Esel gigaget, gnapet.'
JCWeissenb. 1678. — 2. in wankende Bewegung brin-
gen, a) mit Präp. : .Weil du auch ein Finger heilest,
so gn. nit vil daran, bis du schier vermeinst, dass er
zimlieh wol haftet.' Würz 1634. — b) mit Acc. Ndw.
Alli Mümpfeli gnappe de Bart L (Ineichen), wohl
bildl. = kleine Ursachen üben doch eine Wirkung.
.Mir [wir] sollend inen die est gnappen, dass die biren
abi fallend.' 1581, Zellw. Urk.
Mhd. gnaben, gnappen, wackeln, hinken. — Die Ausspr.
kn- scheint auf Zssetzung mit dem Präfix gc- zu deuten, aber
ein nappen findet sich nirgends und ebenso gut könnte die
Ausspr. yji- auf urspr. k. gedeutet werden. .Knappen' findet
sieh allerdings erst nhd. (s. Gr. WB. 5, 1:344 ff.), aber in
Bedd., die ganz denen nnsers W. entsprechen. Der urspr.
Anl. war wahrsch. hn, woraus ebenso gut kn wie gn werden
konnte. Bair. kommen für die Bedd. .hinken' und .nicken'
die Formen .knaupen'. .gnaupen' und .naupeu' neben einander
vor. sowie auch für das mit gnapj>en nahe vwdte und fast
gleichbed. gnepfen bair. .nepfen' besteht. Vgl. noch gni/jpen,
gnip/en und auch gniggpu, gnäggen, da Wechsel zwischen p
und k im Inl. (resp. Ausl.) häufig yorkommt (s. Anm. zu
an-gnäggen). Etwas Ähnliches ist im Anl. unsers W. der
Übergang von gn in dn, so wie statt gt in gewissen MA.\.
dl gesprochen wird. — Der Stamm des Vb. gna}>pen erscheint
auch in Gnappiiein, dem Namen der Felsplatte auf dem Pi-
latus, welche ,gnappet', wenn man mit dem Fuss auf sie
tritt; s. Wyss, Idyllen 1822; Arg. III 60/1. — Hieher viell.
Gnappe" "f.: Höfe in BLützelfl. n. Trachselw.
ab-gnappe°: 1. weg gehen, i. S. v. gnappen 1 h.
Er ist endli"'' emäl abg' gnappet! Z. — 2. abklemmen
= nhd. abknappen B (Zyro). — er-: 1. „wackeln,
schwanken, allg." (eig. wohl: zu wackeln anfangen, in
Schwanken geraten). — 2. „von der Stelle bewegen,
in schwankende Bewegung versetzen Ap; Gl" (St.*").
Gnapper m.: der langsam geht od. arbeitet GEh.
Erz-: Erzgräber Ndw.
Vgl. Beig-Gn. Offenbar angelehnt an nhd. ,(Berg)knappe',
wobei Onnpper viell. i. S. V. mühsamer Arbeit gedacht wurde.
Knü"-: der Zustand, wo die Kniee vor Müdigkeit
zittern, beben, nicht still gehalten werden können,
nach langem Absteigen von Bergen ZStdtf; vgl. den
Flurn. KmV-breeh. — Berg-: Arbeiter in Bergwerken
GfiObS. — Spitz-: mildes Scheltw. ZStalL; s. Spits-
Gnagger.
Gnappi m., (Gnapperi") f.: 1. der schwankend
geht AAWohl.; UwE. — 2. lässiger Arbeiter, der
Nichts ausrichtet AaWoU. — 3. Rausch Aa.
-gnappig: was nicht festhält.- — gnappocht:
lahm, hinkend B oHa.
gnäppele", bzw. umme- : 1. wackeln; wackelnd,
langsam, auf den Fussspitzen gehen Gl; Ndw; U. —
2. leichte Arbeit verrichten, zur Kurzweile sich mit
Etwas beschäftigen Ndw; langsam arbeiten Obw. —
3. eoire GLLintt. — 4. unpers., knapp zugehen SchwE.
— „er-: anfangen zu wanken, wackeln, allg."
Gnäppeler: 1. wer, z.B. vor Altersschwäche,
langsam und wankend geht BM.; Gl. — 2. wer lang-
sam arbeitet Obw.
(Git-, Giz-)Gnäpper: Geizhals Bs; B; S. Dann
tue es dem Gn. sauft [wohl] , Öj)2)is für d' Gmänd
z' tue'. N. B KaL 1840. ,So ein reicher Gytgn., der
ihr Nichts gönnt und ihr alle Tag vorhält, wie reich
(;t.:.|i Kmi|..
er sei.' Gütth. Syii. GU-Kragen, -Näpper, -Raffel.
V'gl. auch Gnägyer, Gnigger. — Zu iihd. .kuappcn', (ab)-
brecheu, abzwacken; schnappen.
gnäppere": 1. geizen B (Zyro). — 2. = näppercu,
näggelen.
gnäpperig: knauserig Aä; BHk.
gnäpperle": 1. = gnäppelen, wanken Scii. —
■-'. = näpperlen.
(inäppert ni.: Quaste an einer Schnur, die an der
Zimmerdecke oder einem Betthimmel befestigt ist,
damit ein Kranker sich an ihr aufrichten kann SRech.
Wenn die Angabe richtig ist, so muss Jas W. w ibl zu
nüpperen gehören, mit angeschobenem ( wie in Srli„i,i„ri.
Schürze.
„Gneipe° f. : 1. = Gnipe i B. — 2. = Gnepfl, Neige,
Schwebe, üf dr Gn. stä" L" (St.").
e< viell. nach St. 's Gewohnheit blosse Verhochdeiitschung
liii- i. Bed. 2 Ton tjnijmi 1. von der auf und ab wiegenden
Bewegung des Hackmessers.
„gneipe": hadern, zanken. — Gneiper m..
Gneipe f.: Zänker, -in W."
Entweder geradezu = uhd. .kneipen' (kneifen), zupfen,
zwicken, oder verhochdeutscht für gnipcn in der selben Bed.
oder in Bed. 1 (bildl.).
(inip, -er. Gnieper m. Z, Gnipe" Aa; ,Bs;" B;
„VÜrte;" Gl Cl-J; Gr {'rJ; GStdt; ScH; S; Tu (tw.
Dn-); Zofk-J;i, Knipe rC7m-J UwE., GniepaArH..
Gnippe A°p; BsL.; ß (in Bed. 1); G; Sch (in Bed. 1,
neben -1-); Tutw. — f., iu Aa; GStdt; Sch; Z m.,
GnimperApK. m.: 1. grosses halbmondfiirm. Messer
mit 2 Griffen, wiegend auf und ab bewegt, zum flacken
von Fleisch und Gemüse Aa; B (auch Fleisch-Gn.,
G'mües-GnipH); ZDättl.; Syn. Gmp-, Wieg-Messer;
/.um Abschneiden von Brotschnitten GStdt; Sch. ,1 Rost
■Mi ß, '2 Spiss 8 ß, 1 Gnipen 16 ß.' 17(33, Z Haushaltgsb.
— 2. (in Z Gntp, -e, -er) Schusterkneif, allg. De''
Schiiester mit dem ühnlpespitz. Lied, 's Mül haut
aswie ne Gnippe. EFeürer. .Die predige vom gnypen.
haramer, hobel oder ti;chsel nemmen [wie die Wieder-
täufer tun].' HBuLL. 1531. .Kneipe, Gneipe, Kneif,
culter, sutorium scalprum.' Red. 1662. ,Scalper, Schuh-
macherkneipen. Sutoria falcula. Gneipe.' Denzl. 1677;
1716. — 3. eine Art Kneipzange. ,Sie fabricierten
eigene Knippen, mit denen sie ein Härlein [des Bartes]
nach dem andern aus der Wurzel heraus rissen.' Dis-
couRSK 1722. Vi;-1. nhd. .Knuppe, Knüppe'. — 4. Hebel,
zwei- nd.T eiiKiiiiiiijer. mit welchem der vStössel beim
Buttern auf und nieder bewegt wird ApH. — 5. „Gipfel
eines Berges Schw." Hieher viell. auch die Grenz-
bezeichnung zwischen 2 Grundstücken: ,Die egge üf in
die gnippcn.' 1524, Schw LB. — 6. (f.) geizige Frau Aa.
Mhi. gnipjx f., kiap ra., Messer, Dolch ; engl, /ciii/c For-
men mit rjn- neben kn- s. auch noch Gr. WB. 5, U03. —
4 ist mit 1 Twdt durch die hebelartige Bewegung jenes Ge-
rätes, welches an vielen Orten ebenf. cineu am einen Ende
befestigten Hebel bildet; so wie hinwiederum die Benennung
, Anker' für den Hebel am Brunnen von dem Buttern her-
geholt ist. — 5 wohl von spitzer Gestalt. — 3 deutet eher
auf , Kneipen' als aufschneiden oder Stechen; ein ähnliches
Gerät heisst bei den Seidenwebern ,Klüpperli' (von ,kluppen',
klauben). -- Die Bed. der Schreibung mit /iji ist unsicher
und wird kaum allenthalben Kürze des Voc. bedeuten.
gnipe", gnippe" I: 1. (-1-J mit der Gitijie zer-
liacken Aa; B (Si. -ipp-): Ndw; ZDättl. ,Gegnipten
Petcrli [Petersilie].' Z Kochb. 1820. — 2. hinken
ÄAZein. (-ipp-); UwE. (-1-); Syn. ijmippen, gnepfen.
— 3. C-i-J einnicken, entschlummern ZF.; Syn. ent-
nucken. — 4. C-i-) reiben, kneipen LE.; Ndw. — „ab-:
abkneifen, allg."
Auch neben nhd. ,kneipen' besteht ,knippen' mit abwei-
chender Bed. (mhd. gnippen nur in formelhafter Verbindung
mit tjmippai). Die Bedd. ,abschneiden' und ,hinken' vorbindet
auch ijeuaygeii ; doch s. für 2 auch u. (jmppen. Bed. 3 ist
mit 2 zu vereinigen durch die Vorstellung einseitiger mo-
mentaner Bewegung eines Körperteils. Übrigens vgl. nhd.
,nippen', nicken, ags. hnipian, inclinare.
,Gnipete°. Man hackt vom zartesten Fleisch, tut
ein Ei darunter und bildet eiförmige Kügelein davon,
silineidet dünne Speckschnitten, macht in jedes zwei
Schlitze, bedeckt die Kügelein damit und preglet sie
im Anken.' ZZoll. Kochb. 1820; Syn. Katzen-Geschrei.
gnipig: knauserig ZStdt. — Von ympen 4 i. S. v.
abbrechen.
gnippele": mit den Fingern tändeln LG.; vgl.
niggelen; g'niggerlen, g'näggelen 3, gnäpperien 2.
gnippe re": ungeschickt .angreifen Bs; Syn. nop-
peren, norgen, nörglen.
gnippen II s. gnappen.
„gnope"", gnoppe": beschwerlich gehen, hinken
BM., Thun; ,F; LG.;" umme-, unbeholfen herum-
tasten BTrueb.
Scheint trotz der entgegenstehenden Quantitätsaugabe bei
St. entw. mit gnappen oder mit noppeti, ungeschickt nähen,
nopjiercn, flicken, hinken, vwdt zu sein. Vgl. auch Gimlgge".
gnoppere": rütteln GlK.
„gnöperle" C-ö-j: in kleinen Schritten beschwer-
lich gehen, ein wenig hinken. — Gnöperli n.: Kind,
das nicht rocht gehen kann F; LG."
„gnopis, gnobis: kaum, mit Mühe GKh. ;" G 179!'
f-b-J. Das uürd gnobis gnueg ge, daran werden wir
kaum genug haben GStdt.
Die Heimat dieses W. ist zwar von der des Vbs guopcn
nach uusern Angaben verschieden; aber viell. ist das Adv.
doch Nichts als der Gen. des Inf. jenes Vbs (vgl. Fähi», Fangens)
oder, wenn dies syntaktisch nicht wohl möglich scheint, der
Gen. eines dem Vb. entsprechenden Adj. gnop, nach Analogie
von twäris aus mhd. twerhen. Die Schreibung mit h Hesse
zur Not auch an genouwes denken, da mhd. genouwe auch
,kaum' bedeutet; vgl. (ebenf. auf G Gebiet) grob aus grauw.
gnnppe": wackeln ZO.
Ablautform zu gnijipen, gnappen, gnupptn. Vgl. nupprnn,
au Etwas herum arbeiten, nuppeixri, stochern, rütteln, nhd.
.knuppern', an Etwas nagen.
Gnapf— gnupf.
Gnepf m. : 1. de" Gn. ha", überchii", scliläfrig sein
oder werden ZB.. 0. — 2. Geschlechtsn. Z Dielst. ^
Zu gnepfen 4.
Gnepfe I f., Gnepfi I f.. „auch n.- (e' Bs; BüÜ..
U.; „VOrte;" Sch; Th; Z, e Aa; BSi.; S): 1. schwan-
kende Lage, Schwebe, Neige, Kippe eines Körpers oder
eines Menschen; der Moment, wo ein unfest stehender
oder aufliegender Körper, z. B. ein Brett, Stuhl. Tisch,
bei schwachem Stoss zu fallen droht, von Mensclien
auch : schwankender Zustand der Gesundheit und Öko-
nomie Aa; Bs; B; „VOrtk;'- Sch; S; „Z"; Syn. Giiipf)
Itiiaiil'. s'K'l'f- gni]>\'. giM'iif. Kiiui'
672
Gnepfli, Gampel I, Gampf, Gäiiipfi. Uf der Gn. sV,
auf einem nicht eben stehenden Stuhle sitzen od. übh.
im Begritf stehn zu fallen. Er ist uf dr Gn. usse', auf
dem äussersten Rand, neigt sieh zum Falle. Es ist uf
dr Gn. mit im. Er stöt uf dr Gn. „Es stöt uf d'r (uf
emj Gn., es ist auf das Äusserste gekommen B; VOrte;
Z." Es ist uf dr. Gn. [auf der Wage] gsin, dass er
nüd hätt use mögen, aus der Wahl hervorgehen, ge-
wählt werden Bß. Uf d' Gn. cho", auf die Hefe,
Neige SWies. ,Die Schreiber hätten auch nicht viel
zu tun, wenn die Menschen nicht ökonomisch oder
physisch auf die Gn. kämen oder ök. und phys. von
der Gn. herab zu Tode fielen.' Gotth. ,Wo es umb
einen gefärlich stuond (wir sagend, wenn einer auf
der gnepfe stuond).' LLav. 158'2. .Zur Zyt der Re-
formation stund das ganze Bapsttum uf der Gnepfe.'
1G16, JJBreit. .Indem unser Wein auf die Hepfen.
unser Wesen auf die Gnepfe kommen.' FWyss 1(550.
.Gleich wie es mit einem Hause auf der Neige und
Gn. stehet.' AKlingl. 1688. Verfallener Zustand: ,üer
Ofen sei solcher Massen im Abgang und in der Gnepfi,
dass... den völligen Einfall zu versehen.' 1717, Z.
— 2. Gnepfe f. Th, m. ,B;'' Th tw., -/ f, L (auch
Gnipfi), eingerahmtes, l'/2— 2 Quadratmeter grosses,
,in B ein kreisrundes" Netz, welches vermittelst einer
Stange, an der es befestigt ist, eingetaucht oder, mit
Steinen beschwert, an einem Seile ins Wasser ge-
worfen wird, um die Fische, welche darüber weg
schwimmen, .herauszugnepfen' Th. Kleines Zugnetz
zum Fang von Luenzli-Fischen L. Syn. Gnepfi-Garn;
Winger. — 3. (-e f.) Vorrichtung zum Spannen der Arm-
brust ZElgg. Syn. Küle', Kräpfel, Spanner, Briickel.
— 4. Vorrichtung zum Wasserschöpfen. Brunnen-
schwengel. SuLGER. ,Tollenon, ein gnäpfen, das ist
ein lang holz, auf welchem dahinden ein schwarstein
ist, damit man wasser aufzücht, als an Schöpfbrunnen.'
Fris.; Mal. S. Wasser-Gn. — h. aus einem Balken
mit ,Geize' bestehende Vorrichtung zur Lenkung eines
Wagens, dessen Vorder- und Hinterachse nicht mit
einander verlmndi'n sind, z.B. beim Führen von Lang-
holz I.. S}iL llV/./f». — 6. untergeschobene Vorrich-
tung zum Stut/rii und Heben einer Last Z; s. gnepfen 1.
— 7. ((/■ (/'(■ Gii-i: fingierter Ortsn. Gotth., Geldst.
(Wohnort von ökonomisch Bedrängten) und wirklicher
Hofn. BLangn.
Sämmtliche Bedd. erklären sich aus der Grundbed. des
Ybs gnepfen: hin und her, auf und ab schwanken, bewegen.
Wasscr-Gnepfe: 1. durch Wasserkraft getrie-
bene Maschine. ,Von der Stampft und W.-gnepfi sollen
jährlich 2 ß Bodenzins entrichtet werden.' 1649, Absch.
— 2. ,Telo, Brunnenschwengel, W.-gnepfo in einem
Sodbrunneu, damit man schöpft.' Üenzl. 1677; 1716.
gnepfe» (/.- Bs It Spreng; BR.; Z tw.): 1. wanken,
wackeln, schwanken, umzuschlagen drohen, aus dem
Gleichgewicht kommen, kippen Aä; B; L; ScuSt. ; S;
Vw; Z, z.B. von einem Tisch, der nicht auf allen
Beinen aufsteht, von einer Bank, auf deren Ende man
sich setzt. Was haldet, das gnepft BSi. ,Ich wogt
es auch mit mym ross [einzusteigen], do fieng der
weidling an gnepfen, also dass das ross schier am
andern port heraus sprang ins wasser.' FPlatt. ltil'2.
,Wenn die Bauern (von G.) schon nicht in einem
Bienenkorb schliefen, um zu erwachen, sobald er
gnepfe, wie man es den R. nachredet, so vor.schliefcn
sie doch nie die Stunde.- Gotth. Von Personen: sich
auf dem Rand eines schwankenden Körpers bewegen,
schaukeln, z.B. auf einem Stuhl Aa; BR.; Z. Syn.
nepfen, gägen. gampen, gämpfen (Sp. 320), (gi)gampfen,
gnappen. Vf ei'mal gnepft er mit dem Stuel und aber-
zieht und fallt abe Z. An einem schwankenden Gegen-
stand rücken, rütteln, z. B. an einem Tisch B; eine
Wiege leise bewegen SRech. Vgl. Gnepf-benne, Stoss-
karren zum Umkippen. Einen Gegenstand sachte oder
stossweise von der Stelle rücken, z.B. mit einem Hebel
Z; vgl. Gnepfe 6. Bildl.: Es gnepft mit- im, seine
Sachen (ökonomischen Verhältnisse) stehen schlecht
BM.; L; ScHW; Zg; Z; vgL Gnepfe 1. — 2. wankend,
schwerfällig, mit gespreizten Beinen gehen ; ein wenig
hinken; affektiert gehen (vor Alter, Krankheit oder
Gewohnheit; auch von Berauschten) Aa; Bs; B; L;
ScHW; üw; Zg; Z. ^yu. gritten, grippen; hillpen, gni-
pen, napfen. Einhüftig sein, auf eine Seite schnappen
Bs (Spreng). ,Er blieb hinkend und schleppte sich
mühsam an der Krücke fort. Er entfernte sich nie
mehr weit vom Hause, sondern gnepfte nur um das-
selbe herum.' Nydegger 188.5. ,Ein mensch, der eins
hinkenden spottet mit gnepfen, hoppen und zappeln.'
TiERB. 1563. ,Claudicare. hinken, gn. Schwankende,
der hin und her gnepft, nutans, titubans.' Fris. ; Mal.
und danach Denzl. 1677 (,kn-.' 1716). ,Gn., hinken,
halden, schnapcn, claudicare, declinare.' Red. 1662.
— 3. ausgleiten, straucheln, fallen, bes. in Folge von
schiefem Auftreten „B;" L; Z. Wie er eso dervu
g'gangen ist, ist er uf « Mol g'gnepft und hat de:*
Fuess bbroche' Sch. — 4. den Kopf auf und ab be-
wegen. ,Dubia cervice labare, den köpf nit mögen
tragen, mit dem k. plampen oder hin und her gn.'
Fris. ,Ein Pferd, welchem nit aufgebunden der Zügel;
daher es stets darauf triftet, mit dem Kopf gnepft.'
JJBreit. 1628. Schlaftrunken nicken, mit dem Schlafe
kämpfen GSa. ; Z ; Syn. napfen, nipfen, gnipfen. Der
Amma" hat under [während] der Bredig g'gnäpft GA.
— 5. das Gnepfnetz einsenken und aufziehen Th; s.
Gnepfe 3. Gn. ist verboten. 1643, AAWett. — 6. den
Hinterwagen lenken (ein mühsames und oft gefähr-
liches Geschäft) L; s. Gnepfe ö; Syn. uepfen. —
7. murren, als Zeichen der Unzufriedenheit ZLunn.
VgL gigampfen.
Mhd. gnepfen, sich neigen, hinken. Am Nächsten vwdt
mit gnappen, obwohl das Verhältniss von ]>/ : jrp in diesem
Fall wie in ähnlichen (z. B. hojipen : hupfen) unklar ist. Dass
In mehrern Bedd. Formen ohne g und dass als Anl. auch k
vorkommt, darf nicht auf die Ansicht führen, es stecke in
jenem g das Präf. ; wohl aber wird die Vermutung, es stecke
darin (wie bei andern WW. dieser Gruppe) ein urspr. Anl. A,
bestätigt durch ahd. hnaffezan, ags. hnappUin, dormitare (vgl.
ags. Imipian, inclinare, das deutsche ,nipfen', bei uns auch
gnipfen, s. d.). — Bed. 7 gehört viell. zu i und meint cig. :
durch Kopfschütteln Unzufriedenheit bezeigen.
ab-: vom Rand herunterfallen AaF. — über-:
1. das Übergewicht bekommen, umschlagen G; Z, z. B.
von einem schwankenden Brett; Syn. über-gämpfen.
.Ich forcht [fürchtete], wenn ich hinder sich Sprunge,
ich wurde ü. und fallen.' ThPlati. — 2. mit dem Fuss
schief treten Z; vgl. gnepfen 3; Syn. de' Fuess über-
kegle". — um-: umfallen. Sulger. -- i"-: einnicken
ZAuss.; zu gnepfen 4.
Gnepfe» II f.: hinkende Frau B. — Gnepfi II
ni.: Hinkender L; Zc.
ti-3
(iiiaps. (iiiiirr. (i
i'KR. (iiiiirz.
(iitast
if 11 c \< f 1 1- " : UiiiiTsam gehen ßSigr. ; Syn. lametschlen.
Gniiif in.: uf-etn Chiipf, auf dem äussersten
['linkte B oSi. — gnipfe": 1. nicken, sitzend halb
schlafen BSi.; G oT., We.; Tu. - 2. (i-J hinken,
meist sehcrzh., mit den Zss. iimme-, dervo'-, zueche'-cjn.
ScHwMiio. - Gnipfi l- m. ; humpelnder Mensch
S.HwMu".
gnäps«" , auch k- : Schlatbedürfniss emptinden,
sitzend ein wenig schlafen GaChur, He., Pr.; in Grü.
ohne g. — Inteusivum zu ijuappo»-
Gnar(r) — gnurir).
gnnrre": brummen. ,Das Gn. dos Vielis.- Leh.m.
1797. Knurren, von Hunden GnPr.
Nach Gr. WB. 5. 1521 ist der Anl. w in aiesum W,
sonst nd. (vgl. auch engl, gnur) ; ebd
E des W. auch von anderen Tieren
■ Vgl. ijnurzen.
■d der Gebrauch
Huude bezeugt.
gnii'be": 1. .</«. L"; UwE., nirbc" B; UwE.,
iiirpe" !^, knau.sern. Hyn. raggeren, ra.rferjen. 's het-
/«(•'• 'dtwit, tcie meh Ching a's füre" schlüfe", Je ärger
hei die Frau afö nirpe". BWyss 1863. — 2. nirhe
.\AFri.; S, nirpe ÄÄHallw.; S, über kleinliehe Pinge
zanken, gehässig sein, nergeln, mit Wid.Ts|acclieii und
Einreden nicht zu Ende kommen ; klaffen. Syn. ,iriiiii^i-ii.
hircii, Utzen, nifj'len, niggelen. Woin-r'' iml-riii Aiiiii
(jnirpet ha", es sig so lang co" Hks. Joacii. 18isl.
Ilan-v'' licsncr g'fneteref, so het me wegem Heustock
mit-iiicr (juirbet. Schild. — 3. gnirpe Aa, nirhe BM.,
S., nirpe .\AAarb.; B, langsam, faul arbeiten, Zeit und
Arbeit mit Wertlosem verlieren ; langsam reden. .Bist
du auch einmal an der Sonne? es ist recht, me nutess
si u fürela' u nit geng iime am Schatte" hocke" u Öpjtis
nirpe.' Gotth. — 4. gnirpe, von der Tätigkeit des Holz-
käfers Aa.
Zu dun Begriffsübergängen vgl. iß'näyyeii, G'näyyei; (/iiftf/y«i,
(jiiäijyi. Dafür, dass g stanimhaft, nicht Präf. sei, spricht
bes. die Begriffsvwdtsch. von gnirhm mit .Knirps', VhnUrOiK,
Zwerg, Krüppel, wie wir schon im Anfang dieser Gruppe
WW. finden, die den Begriff des Kleinen, Kleinlichen oder
.Mangelhaften mit dem von übermässiger Sparsamkeit ver-
binden; s. Gnigin, gniggen, gnürzen. Vgl. auch htirjifien,
hni/mti. A'irheit ist wahrsch. durch irrtümliche Auffassung
der Bcd. des g- entstanden.
Gnirbe" Nirbe SB., Gnirberi" UwE. — f.: zän-
kische, filzige Weibsperson. — „Gnirber L", Nirber
BöO., Gnirlii rwlv. Xirbi LWyn., Nirpi AAHallw.
— m.: 1. Knall- r H '■*K. ..!>;" Uw. — 2. Knabe, wel-
cher kleine iM^'listahlc begeht, z.B. dem Vater Tabak,
aus der Tasche der Mutter Geld (Geldnirbi) in kleinen
Portionen entwendet LWyn. — 3. Einer, der an einer
Sache lange herumdisputiert AAHallw. — gnirbig:
knauserig „L;" Uw. Dazu das abstr. Subst. (Ue
Gnirbigi.
(inierggi m. : Mensch, dem Nichts recht ist, der
an Allem Etwas auszusetzen findet GRh.
iV wohl uur Bezeichnung von r, vgl. nirggtn, unzufrieden
suiu. Aber nhd. ,knergeln', ,knirgelu', neben ,uergclu', klein-
lich tadeln (s. Gr. WB. ,), 1412; 7, 609) deutet darauf, dass
auch hier iVu: Foriii mit ;/ (resp. 1-) die ursprüngliche sei.
gnürze", „auch gnirzc"": 1. knausern B; Syn-
gnirberi, knorsen. — 2. ohne rechten Grund vcrdriess-
lich sein S.
Die ZsgehSrigkeit mit dem in Bed. 1 syn. /.iioiwn, nhd.
,Knorz', Knoten, Krüppel, liegt auf der Hand. Vgl. die .\nm.
zu gnirheii. Für die Vwdtschaft von Bed. 2 mit 1 vgl. (liiagiji.
yursen, kleinlich zanken, stimmt zu Bed. 2. Betr. den Aiil.
gilt das in der Anm. zu gnirhen Gesagte.
„Gnürzor'',*Gnürzi, auch Gnörzi m.: Knauser
B (GoTTH.). — ., gnürzig: knauserig B."
Gnas(s) — gnusisi.
Gm.' SS s. Or-llöxs.
Gnejsle. K/h. Gnässle, bei St.'' Gnäsle f: Geisel
GRh. l:ii ass Ir". gnäsle": mit der G. schlagen, ebd.
Wahrseh. nur Lautverstärkung von Otiilr. B"ür die Kiu-
schiebung von n vgl. Gnüsel, (Ina/.
gnieslen s. gnexlen.
Gnnsel n. It St.', m. It St.^: „Abgang von Fleisch,
Kohl usw., übli. Alles, was man nicht essen kann
Seil." Syn. l'fnisd. .Und räden (reiferen) es durch die
Eeiter (Sil) von .lein ( in üsd (Abgang).' Spleiss lGti7.
Wallis, h. == i;„s,l S|.. iTi;. mit eingeschobenem n wie
bei fin'i\l. , !m-1 r. ih's syn. l'fiu'srl vgl. ji/minh-n neben gnuintcn.
(•nisjii
dem Dniiiir,
Wölk, rcl.
nagen, und ,u
Gnast s. Ge-nist.
gnaste"i-; knistern, von brennendem Tannenholz
GT. — Einfache Grundform des uhd. .knastcln', ,knastern',
strepere, crepitare. etwas stärker als .knistern'.
Gneist(e'') (ii, (kn-J: Gr (an einigen Orten hn-, chn-);
„LE.;" G; ScHW;'Uw; U; .Zg; Z", „Gleist(e°) L;
Zg;" GSa. — PI. Gneist, -e" — ra.i 1. Funke; Syn.
Ghimse". Kei" Gleistli Für GSa. .Doch verlatzt in
[den zum Feuertod Verurteilten] nie kein gneist.'
Badenp. 1526. ,Wie uss einem gneist etwaiin ein gross
für [entsteht].' Vad. ,Scintillas agere, gneisten, gneist
auswerfen. Erlöschner gneist, äschen, favilla.' Fris. ;
Mal. .Wir rill zuiidel ein gneist von stund an cm-
pfaclit, aK" »rnlmd guote sitten durch bös reden
verdcriit.- 1.1, a\. 1-")S'J. , Davon der ruess im kamin
angezündt und die gneist uf das schindeltach herus-
geworfen.' 1585, Gfrd. .Die Gneissen von heissen
Feurflammen.' JCWeissenb. 1678. ,Favilla. glüende
Äschen, Gneist, Funk. Strictura, Gn.. so vom glühen-
den Eisen auf den Aniboss .springen, Feulen.' Denzl.
1677; 1710. Oft bildl. von Geist und bes. vom h. Geist:
,Dis ist des heiligen geistes glunssendes gneistlin
schürebrand.- G Hdschr. .Der wysheit gneist.' Lenz
1499. ,So ferr du ein diener Gottes wärest und ein
gn. des göttlichen geistes.- Zwingli. ,Drum schick
mir dynen heiigen geist, gloub und liebe ins flainniens
gn.' Gletting 1557. .Igniculus, anreizung und geiieist
oder frib der natur.- Fris. .Der machet duroli sein
.st~giiust. (iuat-
(iiiatscli. (ilinx— SllUX. (illilZ.
Wort und Geist den Himmel, d' Erd und Liechtes Gn.'
HsRRebm. 1620. ,Vom Feuergneist.' eM. ,Alle Geister,
helle Gneister, werden Zungen, dass besungen werd
sein Lob.' JCWeissenb. 1678. .Deines Lichtes Gnaden-
Gn. send uns von dem Himmel rab!" JJUlr. 1731.
-- 2. Schelte für ein vovwitzi-.- Ar:Mrl,.i, fiA.
khi. gKtneheiata, gmixt't. -" 7"//'. .1 '- . <j)ici'nti-,
ijncisl, ganeinler, gneitia-, Pin iiltiil i i i ' n Ags. und
Altn. vorkommendes, viell. ursiir. z^t..;L^..l',"• \\^\. j'-ui, Funke.
Schm.-Fr. I 916). aber in seiner Etjmolugie verdunkeltes W..
wohl nur zufallig anklingend an nlid. ,knistern', vgl. (jnmten;
den westlichen MAA. unbekannt. — Die Form Gl- beruht
auf Anlehnung an die Familie Glmt oder an Oluns oder auch
bloss auf Erleichterung der Ausspr.
gneistc", „auch Av. 7.- ScnwMuo.. (ß- „L;-
ScHwE.; „Z<r-: 1. Funkell sprühen Gl; „LE.;" GO. ;
„ScHwr I w; ../i.; /■ ; Smi. iihin^in. neisten, leisten,
pfneictcii: iiln.sliii. Ks ijinistrl iis-mi Ofen iise ScHw
Muc. dur'' ds Chümi" iif GlH. 's Für gneistet i" der
Schmitte. Stutz. Wenn 's Für a" der Pfanne gneistet,
git 's ander Wetter ZO. Auch von den brennenden
Scheiben, die an der Fastnacht in die Luft geschleudert
werden und Vorbedeutung haben Gl; Gr. Vom Wetter-
leuchten ScHW. Und hossä^sä! wie gneistets nit, a's
Hess der Himmel tusig Bonnerwetter los! Schild (vom
wilden Jäger). Von subjectiver Lichtempfindung: F''
ha" de" Chopf a'gschlage', dass 's-vier i" den Auge"
gneisfed hed UwE. .Eine Ohrfeige, dass es schier
Funken gneistete.' Stütz. Vgl. Für 4 b (Bd I 942).
„Kneisten, knistern L." ,Die frommen werdend schei-
nen und glänzen, als so feurfunken im ror gneistend.'
1.531/1707. Weisu. ,Die Constanzer schössen so heftig,
dass stückin darvon geneistet sind.- 1548, Mey., Wthur.
Chr. .Flagrare araentia. vor unsinnigkeit geneisten.
Flagrant convivia flagitiis, sind so voll büeberei, dass
es gneistet oder feuret, gneist gond darvon. Ignescere,
glüejen, brünnen, glasten, gn.' Fris.; Mal. ,Man siht
biswyleu zwen oder dry fürige Mannen gegen ein-
andren in ufbrünnendem Für laufen und anpütschen,
also dass es ein gross Für und Geristen [1. Gneisten]
gibt.' RCys. .Ihr Kämmen auf dem Kopf fast rot,
[gleich als] ob er vom Feur gneist. ohne Spott.-
HsERebm. 1620. ,Tgnescens, flammend, gneistend.'
Denzl. 1677; 171i!. — 2. mit Feuer unvorsichtig um-
gehen l'. :'.. aullirausen Ndw. -- 4. sich aufgeregt
geberden, siili bei der Arbeit heftig bewegen SchwMuo.;
Ndw. Mlel ," - ; ' ■•/." in Bcd. 1.
uiniiii '-: !ii I _ ' I. 111 laliren, -rennen, -springen,
sich lienuuir-il- 11 '.i . i.Wr.; UwE.; U. Si gneistet
im Hiis liiinm- ,r„ »e (rc,.5/ GA., 0.
Gneisti m.: ruheloser Mensch SchwMuo.; eil-
fertiger Geschäftemacher UwE.
gnlste": 1. kleinlich sparsam, engherzig im Haus-
halt sein; ängstlich sorgen und klagen Z. — 2. kleine
Geschäfte verrichten, l''' ha" no''' allerhand z' gn. BG.
Wahrsch. vwdt mit ahd. (jinitm, reiben, ags. altn. AjitJn.
stosseu, zuniiclist aus einem Subst. rjnirt (aus ' iiiM-t).
Gnisti m.: Filz, Geizhals; auch: lästiger Pedant Z;
Syn. Kümmi-Spalter. — Gnisteri" f.: Knorzerin Z.
— gnlst(er)ig: karg, filzig; ängstlich sorgend, kla-
gend; auch: neidisch Z. ,Vilis amicoruni est annona
bonis, ubi quid dcest, freund sollend gggen frommen
leuten nit kündig noch gnisterig sein.- Fris. .(inei-
sterig und karg.' LLav. 1.582.
Gnat-gnut.
gliautc": nicken, einschlafen, bei der Arbeit liS.;
vgl. gnepfen 4.
Viell. mit ( statt y< = .knaupen', nicken, s. Sclim.-Fr.
I 351. Doch syn. auch rinulen neben naugijm, so dass das
W. durch alle drei Organe hindurch geht.
„Gnitt m.: Plötze, ciprinus erythroplithahnus, im
zweiten Jahre. Bodensee- ; Syn. Schwal.
gnatsche" GSev., gnätsche" BsStdt, gnatschle"
GfiMai. : hijrbar kauen, schmatzen; Syn. hiiitschen,
knätschen, nätschen. -
Gnax — gnux.
gnexle" LG., -ie- LE., ,gniesle° LE.": 1. sich
begehrlich geberden, ängstlich, zudringlich Anteil an
Etw. zu erlangen suchen, lästig bitten LE. — 2. , un-
schlüssig sein, zaudern LE." Syn. trinsen.
Die Form mit blossem s wahrsch. aus der mit x ver-
einfacht. GnixUn Intens, und üim. von yimggen, weinerlich
bitten. Der i-Laut viell. nur, um die hohen, (luiekenden
Töne des Bittens oder unschlüssigen Jammerus noch deut-
licher nachzuahmen. Vgl. Xe.c, lästige Dräugeriu.
„er-: 1. durch Gn. Jmd ermüden. — 2. durch
wiederholtes unverschämtes Bitten Etw. erlangen LE."
„Gniexler, Gniesli m. : 1. lästig Bittender. —
2. unschlüssiger Mensch LE." — „gniexlig: 1. lästig,
zudringlich. — 2. unschlüssig LE."
abe"-giiöxe'': hinunterstossen oder -würgen, z.B.
's Esse" ehalt a., wenn man es aus Unlust zu lange
hat stehen lassen B. — Vwdt mit kuotzen, eindrücken.
Gnilx m. : kleines Kind Gl; Syn. Göf.
Gnaz — gnuz.
..giiatze": wackeln, schwanken Scu.-
Jlit Assimilation des Labials an den fulg. Dental aus
Gnäzi: Ignazius Ap; S; auch Nazi.
Gr-
Gra— gru.
S, auch die Reihen Gr-n und Gr-fr.
(ira-: als erster Teil von Orts- und Personenn.
1. verk. aus Grab. In der Grä-matt, Flurn. ZMettra.;
vgl. Lammatt aus Lang-matt. — 2. = frz. grand-,
,Grawyler' = Grand -Villars. Geschfo. Ges. 14, 123.
Grameter = Grand-maitre.
gl'ile": klagen, murren GnSchud. - Bair. ./ran, sich
bekümmern.
grä, gre s. gräch. grau, grauen, gräuelcii
s. gräw usw. Grauiker s. Grau- Acher f-Epfel).
Gri, Grie s. Grien, gri s. grinn. Grüi s. Griiej.
Grab grub.
Ural) 11. - PI. Gre'bei; Dim. Gre'bli: wie nhd.
>('■ Htt [iKuli] i»i Gl: umchere" (dräje"), würde ein
Verstorbener (vor Unwillen), wenn er gewis.se Dinge,
die jetzt vorgehen, erführe, allg. Wer im Gr. llt, dein
ist wol 'bettet. Sulger. Im ist tcol, öüs ist besser, händ
d' Hase' (/seit, tco-s' de" Jäger s' Gr. treit [getragen]
händ ZHinw. E Tuecli i 's Gr., dermit schabab [auf
dem Brauche beruhend, die Leichen nur in ein Lein-
tuch zu hüllen]. Sulger. 's heilig Gr. hüete', Etwas
um Gottes Willen tun, ohne Nutzen daraus zu ziehen
(Niemert will 's h. Gr. rergebe" hüete'), oder auch :
nicht wissen, was man an einem Orte zu tun hat;
.sich langweilen, ebd. Über 's Gr. gä", vom Priester:
nach dem Gottesdienst am Grabe eines Verstorbenen
beten, als Eitualhandlung L. ,Dem früehmesser 4 ß,
also dass er nach der mess allewegen mit dem wych-
wasser über ir gr. gan und das de profundis da sprech.-
1477. LWillis. Jahrzeitb. ,An aller seien 1524 ward
den seien nüt über ir greber gangen [d. h. dieser
Brauch in Z abgeschafft].' Edlib. ,Wann die Priester
über die Greber gelient, sollen die Neugläubigen Jung
oder Alt unverspott[ct] und ruewig lassen und aussert-
halb der Kirchhof bleiben.' 1638, GRh. (Absch.). ,Das
Gr. zeichnen', am Jahrestag das Grab [für den Priester
und die Angehörigen] bemerlsbar machen: .6 den. dem
sigristen, dass er ir gr. zeichni.' 1477, LWillis. Jahr-
zeitb. ; ein Gr. bildlich herstellen : Am Gedenktag der
Murtner-Schlacht soll ein Sigrist ,am abend im Chor
ein gr. mit eimtuech, krüz und zweien kerzen zeich-
nen.' L (Gfrd.); vgL Fasten-Gr. — Abergh: Wenn
am Sonntag ein Gr. offen ist, stirbt innert 4 Wochen
Jmd aus der Gemeinde Schw. Ein Gr. (muldenartige
Vertiefung) im Schulterblatt eines geschlachteten
Schweines bedeutet den Tod eines Familiengliedes
GkD.; ähnl. in Z. Von den Warzen wird Jmd befreit,
wenn er eine Schnur mit ebenso vielen Knoten in ein
leeres Gr. wirft Z, oder man spricht während des
Grabgeläutes: ,Es läutet Jenem zum Gr., jetzt wasch
ich meine Warzen ab- GrD. ; Z. Es schlät in 's Gr.,
wenn der Stundenschlag der Uhr ins Beerdigungs-
geläute fällt, Vorzeichen eines baldigen neuen Todes-
falles GrD.; s. noch Sp. 352. Aus dem Grabe eines
Jünglings, der aus Kummer über eine ungerechte An-
schuldigunggestorben war, sprosste im nächsten Früh-
ling eine weisse Lilie empor ZErL; vgl. Unot S. 130.
Faste"-: Gr., welches in der Fasten für den Fron-
leichnam in der Kirche erstellt wird. .Ein F. vor dem
Crüzaltar zu machen.' 1645, L Stiftsprot, wofür von
späterer Hand am Rande : .Fastentuech für das Creuz-
altar.'
Chil'i'e"-, meist Dim. -6r)'f'Wi', häufiger -Gr.ehli:
Bezeichnung des Grabes (als bei der Kirche liegend)
gegenüber Kindern Z. Mach nüd, dass d' i" 's Ch.
chiinnst, z. B. wenn ein Kind unreifes Obst isst oder
die Arznei nicht nehmen will. Die Welt stujt us em
Chillegrab [im Frühling] im schönste Hwhsigg'rnst.
CMey. 1860. Syn. K.-Griiebli.
Zu bemerken die Inconsequenz der Spr. iu der Bildung
dus Diin. -yräbli, welches suust Dim. zu Inahen ist.
Mann(s)- n.: ein Bebenmass = Vi» Juch. Th, auch
rtwa von Ackerland, so viel ein fleissiger Jlanii in
einem Tag umgraben kann TnUntersee. ,Pfruond:
1'2 mannsgraben rebcn für stuck 8; 10 mannsgraben
ist ein juchert, 2 sind ein fünften teih' 1530, Strickl.
,Ein Weingarten ist 4 mann.sgrab reben.' 1539, Tn
Mannenb. Urk. .Meinem Gott hat es gnädigst belieben
wollen, mir, dem Geringsten unter den Taglöhnern,
ein Manngrab oder Stückli Reben von seinem grossen
Weinberg anzuvertrauen.' JKHofmstr 1744. ,9 Juch..
3V2 Manngrab Reben, 36 Mannwerk Wiesen.' 1799, G.
Vgl. Goldast, Rer. AI. I 136: ,Alamannis in pratis
mannsmad, in vineis manngrab, in agris mannwerch,
in alpibus mannstofel [1. -stafel].'
Grabe" 1 m. — PI. Graebe", Dim. Gr^bli: im
Allg. wie nhd.: langgestreckte, natürliche oder künst-
liche Vertiefung des Bodens. Im Bes. 1. in Berg-
gegenden: tiefe, wilde Runse, mit oder ohne reissen-
des Wasser, Bergschlucht, Fortsetzung eines Krachen,
länger und weniger tief als ein Tobet; oft von ännern
Leuten bewohntes Seitentälchen BsLd; BE., 0.; P;
Uw; W. Bei BSumisw. liegt Wasen, eine Gemeinde,
die mit den dazu gehörigen Gräben über '2000 Seelen
zählt. ,Es geschieht oft, dass von einem Menschen
ein Ruf [Renommee] ilaher kömmt aus einem Gr. oder
einem Städtchen.' Gotth. ,Im ruessigen Gr. am süd-
liehen Abhang hieng ein kleines Häuschen.' ebd. ,In
das Haupttal öffnen sich nur unbedeutende Neben-
täler, die meistens eher Schluchten genannt werden
können, und in Wirklichkeit trägt keines den Namen
Tal, sondern Graben.' HBus. 1865. ,Ein ander mal
was ich in eim gar stotzenden graben, suecht kleine
christallen.' ThPlatt. 1572. ,Unsere höllische Gräben'
= die Hölle, resp. deren Klüfte. Com. Beati; vgl.
Hell-Gr. — 2. natürlicher od. (häufiger) von Menschen-
hand erstellter Graben im Flachland, sei es Rinnsal
eines Baches oder Mühle-, Abzugskanal oder Wässe-
rungs-, Strassengraben usw., von ,Bach' zunächst durch
das geringe Gefälle und die geradere Richtung unter-
schieden. Auch Graben mit Pfütze: wie d' Sau im-ene
Gr. L. In bildl. Anwendung: ,Gott erniedrigt ihn und
schlägt ihn in den Gr.' Gotth. Als Annäherungs-
hinderniss für den Soldaten beim Sturme auf eine
Stellung oder Festung oder als Hemmniss für den
Fussgänger auf freiem Feld übh. erscheint Gr. bildl.
in den folg. RAA. : über all Grabe" springe', sich über
alle Hindernisse und Gefahren wegsetzen S; W. Er
ist no"'' nit ahn- ulli Giillm ii'^jirangu WVisp. Hei
derno an alli iinnj: Hm-ir, in, aber all Grabe vei
springe, ne Xiif.-iiJiiirh ,i'li,i. IIW ^>s 1863. ,Nestor vor
Troja, warnend: Scluei keiner luii. es sei ihm g'lun-
gen, er sei dann über d' Gräben g'sprungen.' GGotth.
1599. Über alli Grabe' iis sl' GrD. Bes. allg. aber:
No''' nid über de" Gr. sl". Me' muess nid juchzen,
c m.ji über de" Gr. ist. Sprw. (Sulger). ,Künig zue
Ai schryt huy, [gleich als] ob er über den gr. kam
[nach seinem Siege].' RSchmid 1579. ,Ich mein, ich
syg iez uberen Grab, darf keiner Hilf mer hie auf
Erden.' Com. Beati. .Wann die Strafen Gottes ver-
zeuhen, soll uns das nicht sorglos machen, sam [als
ob] wir über den Gr. [seien].' JMtjll. 1666. ,Noch
nicht über den Gr., nondum extra teli jactum.' Mkv.
Hort. 169'2. .Bis ein solcher Knab die ersten Anfang
gelernet hat. Und da soll ein Kinderlehrer nicht mei-
nen, er seie über den Gr. und habe die Schlacht ge-
wunnen: sonder dises ist erst das Vorspil.' DTomann
ral). .trrob. -,•
1708. Vgl.: Was i'n Gr. fallt, g'liört de' Soldate",
ist verloren. Sprw. (Sulger); y gl. Lehmann. Von den
Festung.sgraben der Stallte (wie z. B. in Z der sog.
Schanzen-, der Fnisihcn-. .In- Hirschen-Gr.) ist dann
öfter der Naiiio (h. mrli di-n Spaziergängen geblieben,
die durch naclilierigLo AuHüllen oder Zudecken der
Graben entstanden, so in .\arau; B; Z; vgl. die frz.
houlevards aus ,Bollwerk'. ,Ir haben uns ein Spiegel
für die ougen gestellt; er gehört uf den graben und
nit in die Carthus.' 1529, Bs Chr.; vgl. ,die bösen
hüt, die uf dem gr. gent.- Brud. Berthold. Übh. ist
das W. durch die ganze Schweiz zur Bildung einer
grossen Menge von Orts- und Flurnamen verwendet
worden, in Bed. 1 oder 2. Mit dem Uml. e' noch
erhalten in Z Se-grehen (eig. Dat. PI.), benannt von
den Vertiefungen des Bodens, die der Pfäffikcrsee
verursachte. Das einfache Gr. dient als Ortsbezeich-
nung bes. in B Chn, am, Mm, uf-em Gr.), aber auch
in F; L; GT.; Z. ausserdem das Dim. Grähli B; L.
.Das hus, darin ich erboren, heisset an den graben.'
ThPlätt. 1572. ,In der Wildi am Pilatus, an einem
Ort genannt im Graben.' RCts. c. 1600. In zahlreichen
Zssen bildet GrabfenJ den ersten Bestandteil, in ebenso
vielen den zweiten, von welchen als Beispiele folgende
dienen mögen: Eier-Gr. ZSchwerz., viell. entstellt aus
Eie'-Gr. (s. Ei Bd I 18); Ill-Gr., durch Bergwasser
ausgehöhlte Bachrunse im Einfischtal W; Üwel-Gr.
1653, AAWett. (Klosterarch.) ; ,unz an den fulen graben',
wohl = iSunipfgraben. XVI., Ofpn. Jestett; Gidlen-Gr.,
Gr. mit stagnierendem Wasser BRoggw. ; GerberfenJ-
Gr. BStdt = Gr. der Gerber; Gross-Gr., grosse Aus-
schwenimung hinter StNiklaus W ; , Reben auf Hoh-Gr.'
ZAltik. (hier der Abhang eines Gr-s gemeint) ; Hasen-Gr.
LHergisw.; Katzen-Gr. BRuchw.; LWolh.; SGänsbr.;
ZEglis., und Chotzen-Gr. ScnSchl. (wohl das selbe),
einstiger Aufenthalt wilder Katzen; Kriemhilden-Gr.
am Türlersee Z, ,unz in kriemhilten gr.' 1412, Ofpn.
Bors. Die sich daran knüpfende Sage von der Hexe
Kriemhild s. bei Mey., Z Ortsn., Nr. 182; ,dem neuen
Lybet-Gr. nach.' 1600, AAWett. (Klosterarch.), etwa
Gr. bei ein,T I,.-iinvaMdbh-ii-lie; Lemu-Gr. BBuchliolt.
wnA l.cim-dr. l'.H.'iiiiisw.. wohl -^ 7,,nH-On(W- (s.d.);
Möris-Gi. «nlil v„i,i Gest-lilrchtsii. Mori od. Ör, LGro.:s-
wang.; .Mottcl-(ir.' = Mittel-, Scheide-Gr. AAMumpf
(1535, Oft'u.), ebd. ein Voglers-Gr., vom Goschlechtsn.
,Voglcr'; Mürren-Gr., wilder Zufluss der Emme am
Tannhorn L; Balmhach-Gr., Name eines Berges S,
wo der Berg den Namen vom Graben erhielt, vgl.
Bachfei aus Bachtal: Büti-Gr. W; Sack-Gr., eine
Tiefe bei BFnitt. (Fäsi 1768); Sand-Gr. BTrub =
Sand-Gi luh : s,-},,q-Gr., Bergnanie S (von der Sehaf-
weidei: Srlmnl, r-i , r., Gr. als Schindanger dienend
SciiSchl. ; Schluck-Ur. (,Schluck' = Schlucht, Hohlweg).
1515/1653, AAWett. (Klosterarch.); Schreied-Gr.. Bach
mit einem Wassersprudel, -fall (Schreien) WLeuk;
Syn. SchreifH-ünch: Spille'-Gr. ZP. ; Tschaggenei-Gr.
(fingiert. r nif,n.i. Aas Erdbeeri-Mareili wohnte an
einem «n^irn nnr im Tsch. z' hinterst, wo Füchse
und Has'Mi onunol.'r gut Nacht sagen.' Gotth. (Tschag-
genei übr. Faniilienn. in B u. F. vom \vrK,li,.H ihtsn.
Chaconag); ,das Bossloch oder Wildis-(i i: lih'.i-^w.:
vgl. ,Wiitis-Gass', ebenf nach einem (irsrhlivlitsn,;
Wolf-Gi: LWiUis,: Slian.hr.; Zl,aiii;n.; Svii. Wolf-
Grueb. - :'.. verk. tiir Im,.- .,.]•;■ Si nrh-Gr' im Stalle
(s. d.) Cit; /.. I. r, ,„/,/, ai IJ.iuo Wass.Triliiie.
kleiner Wässergraben BsLd; Gl; S; Z. - b) kleine
Runse in Alpenweiden BSi. — c) an einem Strumpfe,
= Gass 4 c (Sp. 450) Z.
Ahd. ijiaho, Dihd. gralM. Dass dies und nicht Graben eig.
die richtige Form sei, davon zeugen ausser dem Dim. GriUili
und häufigen Zssetzungcn wie Giiihmntt auch noch Belege
unserer ä. Literatur, s. oben unter 2 (Com. Boati) und vgl.
,der grab, so am wog anfacht.' 1421, AaSpreitenb. (Oifn.).
Bei der RA. no'''' nid ülier de* Gr. «" denke man an die
vielen Fälle der Erstürmung von Festungsgräben bei ver-
schanzten Lagern oder Städten seit dem Burgunder- und
Schwabenkriege und bc:s. in den italienischen und spätem
Söldnerfeldzügen.
E-Grabe° (auch etwa entstellt Ne- Z, Er-, Be- L):
eig. rechtsgültiger (Grenz-) graben ; dann die Kloake,
der durch das Gesetz [die E] bestimmte Abzugs-
graben zwischen 2 Häuserreihen einer Stadt, in wel-
chen sich die Aborte entleeren AaZ. f; Bf; Lf; Scn
Stdt u. St.t und bes. ZStdtf. RA.: Stinke* wie-n-en
(wie iis-eme) E. Z. Syn. Schütt-Gr.; E-Furt; E-Grueb ;
E-Bims; vgl. ewige Cisterne Bd I 610. Nach Hdnz.
auch ein 2 Grundstücke oder 2 Hausareale gesetzlich
scheidender Graben (Aa); nach Ausfüllung der Egraben
in neuerer Zeit auch das enge Gässlein zwischen 2
Häusern, Brand-, Feuergasse ScuSt. .Enhein egraben
rumen tages.' L Stadtb. 1300/15. ,Die egraben, die
vor verbotten wurden, soll nieman wider machen.'
Z RBr. 1304. ,Swer in der stat bach an der vordren
gassen oder in dem egraben kein [irgend-welches] stro
oder keinen kumber [Schutt] wirft, davon er verswellct
Wirt, der git 3 ß.' 1331, TnFr. (Stadtr.). ,Der egrab
soll allweg offen stan.' TnOberh. Oifn. ,Die egraben
sollent so wyt .sin, dass sich ein järig schwyn darin
mög umbkeren.' XV., ZKyb. Oifn. , Egraben, söllche
graben, die mit recht und verkommnus gegraben und
zuo graben geordnet und gewidmet sind.' HBüll. 1540.
,Latnna, cloaea, ein egraben oder schüttgraben, tolen,
dardurch der unflat und wuest einer statt hinwgg
lauft.' Fris.; Mal.; (Denzl. 1677; 1716). ,Frösch, die
in ehgräben sind.' LLav. 1.587. ,Wie die Ehegräben
besichtiget und in Ehren gehalten werden sollend.'
B Gerichtssatz. 1615; vgl.: .Bachmeister soll allwfigen
in 14 Tagen oder dryen Wuchen einest durch der
Statt heimlieh Gräben gan.- ebd. ,Ein Jucherten in
dem Grab-Achcr, stosst an Egraben.' 1653, AAWett.
Klosterarch. ,Wer könnte allen Unrat, der aus diesem
wüsten Ehegraben [der Bestechlichkeit] hervorstinket,
erzählen?' JJÜlr. 1733. ,Particularen, die auf offenen
Gassen, Durchgängen oder Gässlenen s. h. Baugruben,
Eingang in die Ehegräben oder auch in die Keller
und andere Löcher haben.' B Polizeiregl. 1748. ,Die
Wegschaffung des s. v. Mists und der Güllen aus den
Ehgräben und s. v. Sekreten soll in den Brach-, Heu-
und Augstmonaten gar nicht, in den übrigen Monaten
aber so geschehen, dass auf den öffentlichen Plätzen
Niclits liegen bleibe.' 1779, Z Ges. ,Les cloaques de
la ville sont appeles Ergraben et Ehgräben dans les
lois ediles.' KCenlin 1832. - Vgl. f-F.,d Bd 1 671. /•<../-
Grahcn; Ur-Gamj.
Ab-: Scheidegraben auf den Alpen, dgl. entstehen,
wo aus Mangel an Steinen Rasenstücke auf einander
gelegt werden, um die sog. Schaltmürli zu ersetzen
ScHW. Vgl. Fäll-Gr. — In-. .Eingreben oder tollen,
darin das wasser lauft oder rünnt, agoga.' Mal. —
Er- s. E-Gr. — Ort-: Strasscngraben (am Rande der
irali.
srol),
nil,
Strasse), Gosse Z. ,Ein Seitcngrabeii, in welchen das
Kogenwasser ab der Strasse abgeleitet, gegen die
Wohnung des Appellaten und dort mittelst der Tolle
unter der Strasse hindurch in den jenseitigen O. ge-
führt wird.- Z Reclitspfl.
Kttike"-Gräbli: kleine Grube in der Kapelle
auf der Insel Werd bei ScHSt.. in welche die Mütter
ihre kranken Kinder legen, um sie vom sog. Ettilce'
(lid I SgO) heilen zu lassen. Svlger.
Vech-Grabe» = Küe-Gr. ZB.
Fad-, in ZS. Pfad-: Grenzgraben zwischen zwei
Grundstücken. ,Die Pf. sollen geötfnet werden unter
Androhung von Busse.' ZZoll. (Amtsbl. 1873). ,A11
weg und fattgraben beseehen, darum dass die bann
und das dorf in eren gehalten werd.' Otfn. TnGütt.
— S. Fad Bd I 671. Pfad ist Umdeutung.
Fäll- (-e'-): Graben mit etwa 2' hohem senk-
rechten Bord dem steilen Abhänge einer Alp entlang
zur Abhaltung des Weideviehs, wo zu Mauern und
Zäunen das Material nicht vorhanden UwE.; vgl.
Ab-Gr. - Von fällen {s. Bd I 759 c). Sachlich und ety-
mologisch vergleicht sich VorfäUi ebd. 761.
Furre»-: die Ackerfurche als Vertiefung Ap.
K-Furt- = Fad -Gr. ,Die Bäche und Ehfurt-
graben im Gemeindsbanue ZEickenb. sind von den
botretlenden Anstössern bis den '20. Herbstm. nach
vorschriftsraässiger Breite zu öffnen.' Z Amtsbl. 1875.
— S. E-Furt Bd I 1044.
Flicss-: unterirdischer Graben, welcher mit Feld-
steinen ausgefüllt wird Gr ObS. Syn. Schutt -Tnlle".
^ Aus FrU„-(:,. mit AuU'hiiimg an flietmu
Flotsch-: 1. Jauchegrube unmittelbar vor dem
Stalle, in welche die Exkremente des Viehes sammt
der zu ,Mist' gewordenen Streue durch den Strich-Gr.
hinau.sge.schafft und aus welcher der ,Mist- unter
Schwenken in der Jauche Ciisc-flotschen) mit <ler Mist-
gabel auf den dabei liegenden Düngerhaufen geworfen
wird ZS. Vgl. Ilotschen 3 (Bd I 1237). Bei der altern
Stallcinriohtung war diese Jauchegrube (aber von ge-
ringerer Dimension) im Innern des Stalles selbst und
hiess Chüe-Gr., welcher Name bisweilen auch dem
/'■/. gegeben wird. — 2. die Jauche des Fl-s; Syn.
Küe-Gr.; FJotsi:h-Troy. — Frid-: Einfriedigungs-,
Grenzgraben „B; S.- ,Klag, dass die hueber [in
ZSchwam.] alle alte ü-, houpt- und fiidgräben nit uf-
tüegind, sonder gar insitzen und verwachsen lassind.'
152(3, Hotz, Urk.
Fries-: offener Abzugsgraben, dgl. in nassen
Wiesen und Alpen zur Austrocknung angelegt werden
BR. - Frie» s. Bd I 1329. Vgl. FIkm-Cr.
Gitzi-: rauhe, abgelegene Bergschlucht (i. S. v.
Gr. 1), wo nur noch Ziegen hingelangen können B;
,!,'•; Syn. Gitsi-Nest.
Grännis-: spöttischer Ausdruck für ein Kind, das
immer weint (sein Gesicht gleichsam durch tiefe Fur-
chen verzieht) BO. -- (Jräniun, den Mimd verziehen, weinen.
Grund -Gräbli s. Gr.-Rih. — Hell-Grabe":
Bezeichnung wilder Schluchten, z. B. bei BSum., Hk.
Bei WLeuk der Höllen-Gr., ein Ort, wo die Sehatz-
gräber ihre Zskünfte halten (Schweizerbote 1817).
S. Hell. — Hol-: gedeckter Abzugsgraben Gl. Syn.
Akten; Gollisen; Tollen. — Hirsche"-: Stadtgraben
in .\arau; ZStdt, in dem Hirsche gehalten wurden; vgl.
den Bären-Gr. in B. ,In dem Stattgraben der grössern
Statt wird eine grosse Anzahl Hirschen von der über-
keit erhalten.- EEscueb 1G!'2. — Chüe-: 1. Graben
im Kuhstall hinter dem Standort der Kühe, dazu be-
stimmt, den Unrat aufzunehmen Z. Syn. Vcch-, Schorr-,
Strich-Gr.; vgl. Flotsch-Gr. ,Das von dem Diel Ab-
fliessende führt in den Kuhgr. oder Käncl, der in
Leimen eingegraben durch die Länge des Stalles geht.'
Th (Schweizerbote 1805). ,Für das Vieh, wann es
geblaget wird von bösen Leuten, 9 Schössli Santen-
Hanskrut hinder die Stalltür gehenkt und Hustür,
4 Lod Tüfelsdreck in ein Pfannen voll Glüet getan,
bis er nicht iiier kn.'llt. niid dann in den K. geschütt.'
ZZoll. Arzneib. 17:.o. S. In.s. Gr Samml. 1804, S. 18 f.
— 2. die aus 1 g.'w.iiiiiiMn- Jauche selber, im Gegs.
zu Hüsli-Gülh" Z; Syn. Chüe-Güllen; Flotsch-Gr. 3.
— Chegel-: Kegelbahn Sch. — Chüngeli-: Stadt-
graben, worin Kaninchen gehalten werden, wie im
.Hirschengr.- Hirsche SStdt. — Ländi-: (mit Mauer-
und Pfahlwerk in den See hinaus verlängerter) Graben
für das Anlegen der Schiffe ZS.; vgl. Hab.
Lösch-: Graben, dgl. in sumpfigen Ebenen aus-
gestochen werden, um das Wasser abzuziehen W. —
LfJschen, ausschütten, leeren.
Le'tz(i)-: Schutzgraben an der Grenze [LetziJ.
,Wir laiten uns an den letzgr. uf dem Zürichberg bi
dem warthiuslin.- 1336/1446, Z Chr. ,Von dem mavk-
stein an den Pilgerweg und in den letzgr. und den 1.
uf unz uf die höchi.' AANeuenh. Offn. ,Man tat aber
[1443] in der grossen Stadt, welche man aus den
Letzegräben defendirte. nienialen kein Tor zu.- Mem.
Tig. 1742.
MüUi-: Mühlekanal, wofür häufiger: MülU-Bacli.
In Ürtsnn. z. B. BMüns. ,Der vom Schimberge her-
unterstürzende M.' JXSchnyd. 1782. — Mos-: Sunipf-
graben. .Die [Zürcher bei Cappel 1531] funden s' [die
Feinde] in irem vorteil stan mit geschütz, niossgr.
und aller dingen.- Salat. - Mist- = Küe-Gr. 1
ScHwPfäff., Rotent.; Obw; Syn. Strich-Gr.
Nienerlis-: fingierter Ort der Sage, wo der
Kinderräuber Xienerli die unfolg.samcn Kinder hin-
trägt L. .Im N., da muess ich g'nagen-, schreien dort
die geraubten Kinder. Li'i. S.ag. S. :i!». - y. cig. ein
Nirgeiulheim. .Mh.l. „ir,,,,-. uir^cwU.
Bu-: VDüngergrube; viell. = F-Gr. .In den buwgr.
zeNümarkte.' f29-2/1371, ZRatsb. — Pfad- x. Fad-Gr.
— Ee- s. F-G-r. — Sod-: Graben, in den aus dem
Erdreich quellendes Wasser zsfliesst Aa.
Sar-: Suiniifu-nilirn y .Stosst unden an des keln-
hofes wriilwis ^,--.11 <l.i i;iatt und an saargr.' XVI.,
Hotz. l'rk. S,,r, Schutt, lii-schiebe: Sumpfland.
Schorr(e")-, Schurr-: Rinne, Abzugskanal im
Stalle, worein der Dünger fliesst und durch welclien
der Mist hinausgekehrt, .geschorrt' wird Aa; B; L:
GuT.; S; W. Synn. s. bei Chüe-Gr. - Schiss-:
Kloake. ,Nun secht, wie im [dem alten Gauch] die
backen hangen, er soll nüt me [taugt zu Nichts mehr]
dann in sch.' Genuenb. GM. 1516. — Schutt- s. F-Gr.
Schlitz-: (oft Dim.) kleiner Wassergraben auf
Wiesen zur Bewässerung derselben; meist Veräste-
lungen eines grössern Grabens; die letzten Ausläufe
der Wassergräben „B; L;" S. — Das Tcrrani wird dur.:li
diese Orilben tjencMilsl, d. i. zm-schnitteu.
L'b. grib. grub.
n.h
„Stich-Gräbli: kleine Abzweigungen der Schlitz-
Ch: [gleichs. ein , Stich- in die letztern], welche dazu
dienen, auch die kleinsten Teile einer Wiese zu be-
wässern. Sie überwachsen bald wieder mit Rasen,
daher sie oft erneuert [mit dem Spaten .aufgestochen'],
auch verändert werden B; L." — Strich-Grabe" =
Schmr-Gi: G uT. tw. ; ZO., S tw., Wl. Syn. Strich-
Baum. ,Die Kuh wirft den Melkenden in den Streichgr.
über den Haufen und verschüttet die Milch bis auf
den letzten Tropfen.' Stutz 1854. — Toll-: bedeckter
Graben zum Abzug des Wassers Ap; G; Ndw. Syn.
Tollen. ,FosssB, die tollgräben im feld.' Fris. —
,Tonn-: bedeckter Abzugsgraben zur Entwässerung
nassen Landes B.'- Syn. Tonnen; Tollen. — Tier-:
Graben, in welchem Rehe und Hirsche gehalten wurden.
Ein solcher zu LWillis. ,Ab der matten vor dem t.'
c. XIV., Gprd. Vgl. Hirschen-Gr. und Tier-Garten. —
,Wuer- = iScÄK<Ä-6ri-. BNidau." ,Die wuorgräben wer-
dend kleinern und erdorren.' 1531, Jesa.t., als Übers.
von Siuipuxes- — Us-zug-: Entwässerungsgraben, mit
der Verpflichtung für den Besitzer des anstossenden,
tiefer gelegenen Grundstückes, demselben Us-eug zu
geben, d. h. auf seinem Boden den Graben fortzusetzen.
,Item wir band auch dry uszüggreben; da hat je der
oberist den nidersten zuo nöten und sond einander
erlich uszüg gen.' 1536, ScHwReichenb. ,Stosst an den
Uszuggraben.' 1756, LReiden. ,Wo denn die eigent-
lichen Auszuggräben sind und sein sollen, da soll
jeder, der daran stosst, mit seinen Wiesen halben
Stich und Auszug geben.' Gl LB. 1835. Vgl. Blumer,
RG. II, 2, 72-73.
Grabe" II f.: Grabscheit, -schaufei ScHSt; Tu.
,1 graben' [zwischen: ,3 achsen und 2 ysinen gablen'].
1380, Z Staatsarch.; ebso [zwischen: ,spat u. schuflen']
1469, ebd. ,Den tofstein understanden mit einer nüwen
gr. umzegraben.' Sicher 1531. - Mhd. </ra6-- f.
grabe(n), -(i- bzw. -ä- (grahti; g'grabe", in LE.
g'grabf): 1. wie nhd. Matte" gr. s. Sp. 685. Im
Bes. Eelien gr., den Weinberg umgraben Son; vgl.
Grabet. — '2. einen Kiltgänger im Hause der Geliebten
belagern und ausheben. Dies tun die Dorfbursche
bes. einem Burschen aus einem andern Orte, wobei der
.Gegrabene' sich gewöhnlich durch Geld- oder Trank-
spende loskaufen muss GfiPr. D's Zedi und Jogg sind
ulängst nn-ire Samstignacht va" de" Ledege' g'grabe"
icorde". Schwzd. ,Ein anderes Pärchen muss herhalten,
wird (nach ihrem Ausdruck) gegraben.' ICRutish. 1880.
— 3. eingraben, gravieren, schnitzen. , Allerlei ge-
grabne und flache bildnusscn.' Kessl. 1539. — 4. bildl.
von Gewissensbissen: es grabt -mer noch allzit im
G'tvissH (Herz) umha W; Syn. krahlen. — 5. (intr.)
vom Holze, das beim Spalten an der Spaltfläche Fur-
chen wirft, Vertiefungen bekommt ,LE.;'' Ndw; Syn.
grueben 2.
Die schwache Form auch schon bei Khagor. 1639: .ge-
grabt', ,uBansgegrabt lassen', ,nacbgrabt werden'. Bed. i
entlehnt vom , Graben' (ausgraben) der Murmeltiere udgl. in
ihrem Baue. — Abi. Grcheh
ab-: 1. durch (tiefer) Graben entziehen. Eim 's
Wasser, e Quell, en Brunne a. Dann auch bildl.:
Ei'"m d's Wasser a., Jmds Ansehen, Stellung unter-
graben, zu eigenem Vorteile schädigen B; Z. Auch
absol. : Eim a., Einem entgegenwirken Z. Öppisem
(I., einer Sache vorbeugen durch Gegenmassregeln Z.
,.K\s. die Pharisäer die Bestrafung des Herrn nicht
konnten ertragen, da haben sie vermeint, solchen ab-
zugraben [in Verlegenheit zu bringen], wann sie ihn
seines Berufs halben [verfänglich] fragten.' ClSchob.
1695, wobei zwar auch an das ,Graben' [Fangen] der
Dachse gedacht werden kann. ,Ich muss den .Ab-
schweifungen [vom Hauptgegenstande] a.' VMey. 1762.
,Zwistigkeiten den Weg abzugr.' L Stadtr. 1765. Von
sich ablehnen Sch. — 2. bi Eim a., Jnidn durch gute
Worte zu besänftigen suchen „Schw; Zg"; ,abwiegeln-
Gl. — 3. durch Begraben vertreiben. Abergl. : ,Eine
Krankheit wird abgegr.. indem man ein Büschel Haare
des Kranken in die Erde gräbt.' Thell. 1867. — 4. ab-
gravieren : s. graben 3. .N. N. von Sch habe das Siegel
des Hauptmann K. a. lassen und falsche Briefe ge-
schrieben.' 1534, Absch.
•2 scheint auf der Anschauung eines aufgestauten Wassers
zu beruhen, welches abgeleitet werden soll, damit es nicht
übersch wemme.
über-: 1. über die Ackergrenze hinaus, auf das
Gebiet des Nachbars graben. , Märchen ü., übereren,
uberschnyden, überhauen soll bestraft werden.' 1509,
Absch. , Welcher den andern im zwing überzünt, über-
grabt, im holzhaw überhowt, soll gestraft werden.'
1562, LRickenb. (Esterm.). — 2. durch Graben (von
Gräbern) aus- oder überfüllen. ,Dann die Kirchhof
sonst üborgraben, also dass wenig Platz.' RCys. —
üf-: 1. wie nhd. Bie Feier von Andre" ga u., auf-
decken W ; Syn. ent-gr. —_ 2. aus(ge)graben (aus dem
Grabe). Vsg'seh ivie en Ufg'grahne, aussehen wie der
Tod Gr. — um(hin)-: \. umme-, das Land mit dem
Grabscheit umgraben. En guete" Ummegraber sott in
längste Tage en Viei'lig ['/* Juchart] mögen u. ZS.
— 2. durch Graben zu Falle bringen. Sicher 1531.
— in-: 1. wie nhd. allg. ,Die fynd habend sich yn-
gegraben und verschanzet.' 1531, Absch. — 2. mit
Gräben einfassen. ,Wer seine Wiesen eingraben und
sondern will, dem soll der Anstösser den dritten Stich
geben helfen.' Gl LB. 1835. — ent- = fifgraben. B's
Schlechta vom Nebumenschu e., aufdecken W.
er-: 1. mit dem Grabstichel stechen, gravieren,
ciselieren. .Ein silbrin fass mit ergrabunge gezieret.'
G Hdschr. ,Das kistli ergraben (insculptum).' XIV., B.
,Ein ergrabne latern, ein ergraben ledli, ergraben
gänterli.' c. 1410, L Vogtkinderrechn. — 2. durch-
bohren. ,Dynes ergrabnen gebeins, dyner ergrabnen
bänden.' 1476, G Hdschr. — Uugewiss ist der .Sinn des W.
in: ,Die ergrabung der Strassen.' 1.547, Absch. IV 1 d S90.
vis-: 1. wie nhd. Die Wurzeln bloss legen, von
der Erde befreien S. — 2. aufschneiden, ausweiden.
,Die getödtete schlang was fast gross und am 3. tag
grueben wir si us und hat vil eiger.' 1520/29, HsStock.
ver- (Ptc. in BE., 0. -grabt): 1. wie nhd. ein-
graben; durch Eingraben verbergen. Die Chilche" sig
da vergrabti BO. (Rotenb.). — 2. begraben, beerdigen,
allg. Wan er ist vergrabtc g'sin u"'' d's Gedächtnuss
g'häbes [abgehalten], su yit [geht] der Junge zum
Pfarrei- «"* fragt-ne, eb er narist just wuhi [hinauf]
sJgi i Hummel? FS. (Schwzd.). ,Do sy [Maria] von
den jungren mit er v. ist.' Fabri, Pilgerb. ,Wir fun-
den die unsern zerschossen. Also hand wir sy all v.-
1524, Absch. .Bestatten, in die erden legen, v.' Mal.
Übertr. d' Lässi r., den glücklich überstandenen Ader-
lass durch ein Gelage feiern Ap; 's Neujär r., an Drei-
Königen (6. .lan.) eine kloine Nachfeier halten, wobei
r.85
Grab, grc
ilio letzten , Zupfen', Kinge und andere Gebäcke, die
aut Neujahr gebacken waren, aufgetischt werden S.
D' Fasnacht i: s. u. F. — 3. durch einen Graben
schützen, einfriedigen. ,Hat jemand an das riet ze
stossend, der gern frid haben wollt, der soll das ver-
zünen oder v., dann geschähe im schad, wäre im der
hirt nichts darum schuldig.' 147'2, Z ObWthur. Offn.
— 4. durch Graben zerstören, beseitigen; s. vei'-acheren
Bd I 09. — 5. refl., durch gewagte Unternehmungen
sich ökonomisch ruinieren Z. — Das Ptc. .vergrabt' auch
bei GGotth. n!19.
matte»-: 1. die Wässerungsgraben öffnen S. —
2. ein Spiel der .Hüterbuben [Hirtenknaben]'. ,Wir
machten Spiele, Steckenwerfen oder M.' Gotth. —
schätz-: nach Schätzen graben. Öppen in Zicänzger-
[18'20er]järe hät-men ammig der alt N. N. under Liecht
g'seli mit-eme schwarze Geissbock i' 's Höh ufe ftire'
ge' seh. ZZoll. .Der Scharfrichter wegen Seh.. Al-
runensuechen und andrer Verbrechen in Haft gesetzt.'
1740, Absch. — würze"-: heilkräftige Wurzeln und
Pflanzen für die Apotheken und Arzte ausgraben, ein
Erwerbszweig armer Leute Gl. S. be-gän Sp. 32 und
vgl. Wiirien-Grabi'r.
Graber: 1. Einer, der gräbt; s. Fries Bd 1 13'29
und Stein-Galle" Sp. 205. En giietc Gr., en löse Setzer,
nicht jeiler üebniann, der das Graben versteht, kann
darum auch Bäume setzen. Sclger; doch wohl eher:
nicht Jeder, der beim Grueben der Reben den Graben
aufwerfen kann, versteht auch das Setzen [abe'-legge"]
der Keben. Wenn 's Aug a" der Bebe de Gr. offen
ahieget, se chient 's liecht erblinde', es ist zu weit vor-
gerückt und kann noch erfrieren, ebd. Auch spottend:
Benennung eines Mähers, der zu tief mäht; durch das
zu tiefe Einhauen der Sense entstehen wirklich eine Art
Gräbchen GRÖbS.; Syn. Griipler. Als Geschlechtsn.:
,MicheI Graber, Statthalter zu BSigr.' 1535. — 2. Hacke
zum Ausgraben der Kartoffeln GrV.
Herdöpfel- = Gr. 2 GrV. — Erz-: Bergmann
STierst. — Ise"-: Künstler, der das Eisen zu cise-
lieren versteht. ,Man hatte [im XV.] zu Bs einen
Ysengraber. Fremde Städte schickten ir Ysen hieher,
um solches durch denselben graben zu lassen.' Ochs.
X gl. graben 3 und er-grabcn. lüM-: li.tor [Bild-
schnitzer].' Mal. — SalpetiM-, .Im.- S. Milien Bür-
gen stellen, was sie mit Für ."Iim ,M,ll^t \ rrwarlosen.
wider gut ze machen.' 16.5o. Aiis( ii. .liie S. kr.niieii
als arme Leute nicht zu Stellaiiir v<iii BiugMhafteii
angehalten, dagegen zur Herstellung der durihsuclitfii
Orte genötigt werden.' ebd. ,2 alte fule und dürre
Eichen, die man den S.-graberen zu irer Arbeit ge-
geben.' 167Ö, ZSchwam.
Ticht-: Teichgräber. ,Die ussländischen pfaffen
beschicktend die äbt allenthalb, wie man iez knappen
und t. und kriegsknecht bestellt.' Vad. — Ti>ht mit
angeschossenem (, wie hei Lich(i) n. a., aus nihd. ndi, Teich.
Würze"-: 1. Wurzelgräber, arme Leute, die für
die Fabrikanten von Enzianbranntwein in den Alpen
die Wurzeln der gentiana lutea ausgraben Gr. .Ein
Würzligraber, der die Schichten durchstöbert bis
z'nächst ungerüs.' Gotth. .Hans Feier, W.' 1C92,
AAWett. Klosterareh. Auch Spitzn. der (Landbau trei-
benden) Klein-Basler. — 2. kleiner Mann, Knirps Gr.
'2 bezieht sich viell. auf Zwerge, äenen auch Kenntiiiss
viin Heihnittohi zugeschrieben wurde.
Grabet m. : die Zeit, in der man die Weinberge
umgräbt Sch; Syn. Hacket.
(Herdepfel-) Gräh er f-i'-J m.: Werkzeug zum Gra-
ben (der Kartoffeln usw.) GRÜbS.; Syn. Graber, Grebel.
— gräbere" C-e'-J : zwecklos oder unzweckmässig
graben GlK.
gräb(e)le" I: kleine Graben oder Furchen ziehen.
,Die Kartofi'eln gr. oder häufeln.' Obw Volksfr. 1880.
Gräbler m.: Gräber, Leichengräber W (Alpenp.
n 51). — Mischung aus Grihel und O'räbir. S. die Anm. zu
Toten-Greliel.
gräbne": Gräben auftun, ziehen „VOkte;'- Z.
.Die Grabenötfnung im Horgner Wachtgut. das sog.
Gr.' 1858, Hotz, Horgn.-Egg.
Gräbnuss f-e'-J, auch Grepnuss f. und Grepniss n.:
Begräbniss Bs; Nnw. Syn. Gräbt. ,Grebnuss begon.'
Mal. ,Syn gr. [Grab] ist nit wyt von hinnen.' Fun-
KELIN 1552. — Schon nihd. rjrebnui.
Y ot-grebnisch(tJ f.: ebenso GnPr., S.
,Grabaten oder Halstücher.' Kriegsr. 1704. — Frz.
(er-, v er-) graben s. graicen.
grablen s. kr- und gräpfeßen. grablig s. /.■)■-.
Gräbel(i) s. Kr- und Ge-räbel.
gräb(el)en II s. grawen.
Gränbe» AAF.(tw.-iJ-); BK.; GRD.,Pr.,ObS.; Lr-W;
W — f., GräubiÄASt; B; L: ScHW; S; Nnw; UwE.;
U - n., Grieb(e°) AaEtL; B^T.d: SB.. Grüb(e")
f-Ü-) XAWohl.{-p-J; Xv; Bs;Gi.; (liiClini; C; Scn; Tu;
Zg; Z - f. = nhd. Griebe. 1. ,lu^-.■.^l,„lMzt.■r Fett-
würfel, beim Aussieden von (Solnvciiic-I l'ett zurück-
bleibende Schlacke, den Landleuten ein Leckerbissen,
allg.; daher auch: Schmalz- (Z), Schwi"- (Gh) Grübe".
Dürr wie-n-es Greubi BR, ,Wirt, gib klobwürst, dar-
zuo guote grieben.' Hadl. ,Schnyd wyss brot, würflot
als speck, und rö.st sy in schmalz oder in öl, unz es
braun werd und ströw es uf die müeser als die grü-
ben.' XV., BiRL. Kochb. ,[Die ausgepresste Trester
wurde] wie ein düerre grieb den schwinen dargewor-
fen.' NMan. ,Die Greube, Graupe: reliquiae, feces
liquata- pinguedinis.' Red. 16ö2. ,Etwelches Fleisch
brijglet [schmort] der Koch in einem erinen Kessln;
wann aber zu vil, so gibts Angebrennts (oder Greuben).'
SeLEiss liitlT. .1 'reiiii\nii. i iiiMibcii, Kresclie.' Denzl.
ItjTT; ITlü. Au.li: <h-. ii-. Ii iiiht zerlassene Fett
(Netz usw.), woraus ilaiiii ilir dr. kMinmen Ap. ,Die Geiss
häd 50 Pfd Grüben [unausgeschniolzenes Unschlitt]
g'ha°.' Wolf, rel. Gespr. Bildl. : Da' sind alti Gr.,
alte Geschichten; auch: alte Schulden Sch. De'' il/n""
hat Grübe", ist reich ffeissj GRh., T. Nach Tobler in
Ap auch = hat Schulden. — 2. in naheliegender Über-
tragung sodann: in Butter oder Schweineschmalz ge-
schmorte Brotwürfel L; der Rückstand, die Schlacken
beim Ausschmelzen von Harz (Harz-Gr.) B; Gr; Ndw;
Z; Eisen- und Bleischlacke Ap; Z; schlackenartige
Steine, welche beim Sieben von Strassenkies oder Sand
zurückbleiben Aa; vgl. Kalk-Gr.; trockener Nasen-
schleim Z (scherzh.); Synn. s. bei Golgge" Sp. 238:
Überreste, Kruste eines Ausschlages, bes. um den
Mund, im Gesicht Z: Syn. Bif, Bitf. Hast du Grübe"
rerschiitt ? neckische Frage an Einen mit einem sog.
Rife-mnl ZW.; in moral. S.: Makel (im Charakter) Ap.
(irah. i;i't'li. rrili. "iniii.
Mehr öder weniger syn. Fäulen, G(eßüren, Grünse,
Gesig, Truesmen, Trünsing. — 3. magerer, schmäch-
tiger Mensch, bes. Kind Schw; Uw; Z; vgl. üsg'seh
ivie-ne Grub, bleich, mager aussehen ZLunn.; Syn.
Griipf. Auch als Gesehlechtsn. : ,Lienhart Grieb, des
Rats.' 1488, Bs. - 4. {GräuU n.) Batzen am Obst
B (Zyro); Syn. Gräubschi. — 5. ein in der Mitte der
Pfanne eines Triebwerkes eingesetztes Stück, in wel-
chem der Zapfen läuft Ap; L; vgl. Grübschi, Bütschgi.
Mhd. griebe m.: Tgl. chunv. fjmßas. Das Masc. ist noch
bezeugt aus ZO., uA. Der Unterschied in den Vocslen ie
(bzw. «) und äu beruht auf Ablautsverhältniss eines Vb. 'grie-
hen; vgl. auch Flkg mit der Nbf. Fläug und tief, tuf, teuf.
S. auch , Graupe' und grUuh-iUtg Bd I 501. Die G reiben f.
Sg. : auch Name von fettem Gartenland bei SStdt; ei nach
illteror S Ausspr. für äii.
Chalch-Gräube": Schlacken, unbenutzbare Reste
des Kalkes Gr; Z. — Unschlicht-: im Gegs. zu
Schlei"; Schmah-Gr. die Rückstände von ausgeschmol-
zenem Rinderfett (Unschlicht), nur von armem Leuten
gegessen. Ouschtl ig -Grübe" von Kuhfett werden als
Hundefutter verwendet Z.
Gräubelor: neckisches Scheltw. auf einen un-
artigen Knaben SchwMuo. Vgl. das Syn. Schniider-
Bueb.
gräub(e")lächt(ig); schmutzig (fett), unsauber,
zweideutig B; S. Ein S Bauer nennt die Stadt B ein
gräubelächt Nest (Schild). .Ein Witz, so gräubenlecht,
dass ihn der Bote seinen Leserinnen nicht berichten
mag.' B Hink. Bote 1881. ,Sind genug gräubenleehte
Pfosten in der Staatsrechnung; aber die Zufriednen
merken sie nicht.' Postheiri 1867.
g'gräubet -ü-: gekörnt, körnicht, uiiebcii Ar.
Gräubete", Gräutveti f.: Metzelsujjpe, wobei na-
mentlich auch Grieben geschmaust werden GrI).
(ire'bel m. : 1. körperlich oder moralisch hässlicher,
ekelhafter Mensch, bes. in der Verbindung: wüeste'
Gr.; auch gutmütige Schelte an Kinder Aa; L; Uw;
Zg; ZAuss., Dättl., 0. Syn. Un-fiat; Grüwel, Grüsel.
Auch auf Tiere und Sachen übertr., die Widerwillen
erregen L; Z. Si hei de" Gr. [eine Kröte] zu sim
Nest US g'heit S (BWyss 1863). — 2. magerer Mensch
Zg; Syn. Gräiibe 3, Krugel.
1 würde wohl begrifflich zu Grüwel stimmen, mit welchem
CS sich aber lautlich kaum vereinigen lässt; vgl. dagegen
///■(KP, dessen w mohrfach in b übergeht, eine auch in ebig,
rueUn, webcren a. a. begegnende A'ergröberung.
gre'bele" 1: abscheulich, hässlich sich betragen,
■/.. B. von Kindern, die schreien und stampfen. Übertr.
auch vom Ungewitter L; vgl. täübelen.
greib(e)lig, -ich: 1. hässlich, garstig (phys. u.
moral.) L; Uw; Syn. grfiselich: schüUch. E gr-i [un-
saubere] G'schicht UwE. Gr. tue", sich wüst, un-
anständigbenehmen LSemp.; laut schreien, mutwillen
ScH. E gr-s G'fräss mache", das Gesicht verziehen (z. B.
zum Weinen): es alts, wunderligs, gr-s Räf [Weib];
de'' icüestist, gr-ist Tüfel; gr-s Wetter, schlechtes;
greblichr [rauher] Wind L. Das iM ja grilseli, wemi-nir
grcbeli' ilr"" ,lriilL iron. R.\., Etwas als schrecklich
bargc>t('llt,s ali/UM-liwächen ZGlattf. — 2. adv. ver-
stärkeiiil wiv iini<,/i,li. srhiVich L: ScH. Was er öppe"
ifhti" Jiii. h,i ,r rn-htl„fin-t "'-.'»/ i^tuäiere"; er soll
neiif"'(ii:h,li,i\\;ir.,ir"lirli,i\ hridiii h((". (totth.; vgl.:
Die Snl,l„lr ha,i,l 's, snilis l)i,„i „füllt vie-n-e hinii
Katz und händ grüseli grebelis Ding gjohlet und allbutt
an ihre Fürbetigel gsehmöckt. Gespräch 1712. .Grebelis
Ding erschrecke.' ebd.
In BM. bedeutet gr^belig sowohl gräulich als gröblich,
es scheint also grebelig und gröblich in ein Wort zsgeflosscn
zu sein.
Grebel m.: 1. karstartige Hacke, z.B. zum Aus-
graben der Kristalle U ; Syn. Grübel ; Zweispitz.
Scherzh. für Flinte; Syn. Karst. En Regerut mit sim
Gr. BGr. (Alpenr. 1872). — 2. (Todten-) Gräber. 1292
bis 1371, Z Eatsb. ,Man schrybet allen reten um die
beschatzunge, so der grebel an armen lüten hat ge-
tan, das wir mit des lütpriesters rate han gesetzet,
das ein jeglich grebel ze der Aptei, zer Propstei, ze
StPeter den Ion soll nemen greber ze machenne als
hienach geschriben ist.' 1314, Z (Laufif., Beitr.). ,Das
grebelanit ze der lütkilchen Z. Swem man mit der
grossen gloggen lütet, dass der dem gr. geben soll in
dem summer 1 ß und in dem winter. so es gefroren
ist, 2 ß.' 1364, Z (Laulf., Beitr.). Auch Gesehlechtsn.
ZStdt. schon 1416; ein ,Grebel- Acker' in ZBub. - In
Bod. 1 amhd. grebil.
Üre"- s. O.-Grübel.
Töte"- = Grebel 3 Z f. .Des sigristen- und t.-ampts
wegen.' 1523, Egli, Act. .StAntonis piruond was ver-
ordnet den totengreblen.' HBcLt. 1572. ,Den toten-
grcblen und Wächtern zum grossen Münster.' ebd. ,In
der pestelenz mit dem totengribol vergraben gar vil
kostet' ThPlatt. 1572.
Vgl. Siein-brüihel, Steinbrecher. Zu dem -i- des ThPlatt.
stimmt die Angabe (Iribjer, d. i. G.ebler, aus W, i. S. v. Toten-
bograber (Alpenp. II, 51). S. die Aum. zu Grübler.
grebelen II s. gräwelen.
Grebe" f.: ein Wasservogel, „Haubentaucher, cu-
lymbus cristatus B." ,Grebe, Kappentaucher, Uüchel,
Rheindüchel, Ruech (Bodensee), Deuchel: dergehäubte
Steissfuss, podiceps cristatus.' Mkisner Ar Schinz 1815.
,Gr., mergus.' BrÜCKN., Merkw. — Frz. gribe m. (bei
JJRouss. f.); span. greba.
Halb-: „colymbus B." ,H., der rotkehlige See-
taucher, der gesprenkelte Seetaucher, kleinere Halb-
ente, colymbus rufogularis.' Meisner <t Schinz 1815.
Syn. am Neuenburgersee: ,lorgne grebe marin'.
Grebler: Name einer Birnart. Streit ,de arbore
piro quiB Gr. dicitur.' 1330, ZRüti (Staatsarch.). —
Entw. zum Gesehlechtsn. Grebel oder zu Graben.
Gribel m.: träger Mensch FMu.; vgl. Chribel.
Grieb (en) s. Gräubeii.
grob s. yrüic.
grob {grob GiiSpl.): im Allg. wie nlid. 1. im ma-
teriellen S.. Gegs. rein; ßn; von Holz, Scheitern,
Heizi [Reisig mit Bengeln]; Gespinnst, Heu. allg.;
Letzteres in W das um die Ställe herum gewachsene,
fette Futter. Gr. wie Böne-strau (-Stengel) L; wie
Haberstrau Z. ,Ungeschickte kathol. prediger, welche
viel ungereimte ding predigten und so grob spän ab-
hiewen, dass auch die Bäpstischen ein verdruss darob
bekamen.' Wurstisen. ,Die Milken zu groben Mocken
geschnitten.' ZZoll. Kochb. 1820. S. auch guet Sp.
541 u. Grobi Glider, knochige, starke. Lue" doch,
ml" Finger isch gschwulle", er isch fasdh d's Balbe"
gröber es [als] d'r miger B. Vgl. ärmli^-gr., so dick
Grab, frreb. icr
'roh. Kl'
(190
wie ein kleiner Arm BBe. Vuni ganzen Jlcnschen :
robust, korpulent, starkknochig (auch v. Tieren), allg.
Groh-ff(jlideret, stark-gegliedert. .Ein Mann, der gr.
und stark wäre.' Z Monatl. Nachr. 1754. Auch: hoch-
schwanger L; Syn. gross, diele. Von Ähren: schwer,
körnerreich AAßb. Vom Buchdruck: in Z werden
rcini und grohi Bettagshüchlein herausgegeben. ,Grobe
Fragen', die einfältigsten, mit gröberer Schrift unter-
sihiedenen Fragen und Antworten in den gedruckten
(ilaubenslehren für Kinder. Scherzh. auch: gewisse
|ilunipe und ungestüme Fragen, die Mancher nicht
beantworten könnte Bs (Spreng). Grohs (Geld), grosse
(Silber-) Stücke im Gegs. zur Müm, zu Chllnem. allg.
.Grobe Silbersorten' = Taler. Aa Gem. .Gr. Gold- oder
Silbersorten.- B Mand. 1613 u. 16'28. .Hat weder Grobs
noch Münz.' XVII., JDünz. Das Tiiech ist gr., hat
gute Qualität, ist solid G; ZHombr. Grobi Arbet, z.B.
Gespinnst, Geflecht, Tischler-, Schmiedearbeit, allg.;
auch solide, starke Arbeit. EAA.: Grobi Arbet, grobs
Gehl S. Ähnlich: Was gr. ist, ist starch! sagt die
Spinnerin entschuldigend, wenn man ihr ihr grobes
Gespinnst vorhält B; L; Z; vgl.: Was gr. ist, hebt
lang! Beschönigung der Grobheit Z. Grube'' Bengel,
mach 's grob! Sulger. Ei in die gröbsten [Läuse] abe-
ttie', Einem die ärgsten Fehler vorhalten. Einen tüchtig
ausschelten ScnSt. Am gröberen Ort [dickeren Ende]
abg'sagete" si", ein Grobian sein BO. De' gr. Teil iise-
chere', grob anfahren. Sulger. Grobs und Beins mit
Eim diiremache', durch Dick und Dünn mit ihm
gehen Z; vgl.: Eüehs und Bein.<. 's Gröbst (Gröber),
z.B. 's Gröbst überstandr' ha". Der Vorübergehende
fragt: Sind-er am Jiiir":' Aniunit: Niimen oii"'' 's
Gröbst! Aa. A: Bisch li,,l,l /'irii<i'r' B: Jo, wenn 's
Wetter giiet blibt, iucih-i '.< (i rohere hilt na''' inne'
::' bringe'. Joach. 1881. Nu' guet! So säg 's! Doch
d's Grellst [nur das Wichtigste]! i''' los-drr nit e Eilig-
keit U (Schwzd.). .Ein Fenster so lang aufsp«ren, bis
der gröbste Rauch hinweg.' JJBreit. 1629. — '2. von
der Stimme: tief, rauh Ap; G; Z. E grobi Liite',
eine tiefe, laute Stimme Z; gr. [Bass oder Alt] singen
GA. .Eine grobe, zerbrochne stimm.' Vogelb. 15.57.
.Ein engel [erschien ihm] mit einer dapferen, gär groben
stimm, hat ime ernstlich zuogsprochen.' 1.597, Ardüser.
- 3. vom Charakter, Geist, Benehmen: wie nhd. allg.
Vgl. rüch. Es machet gr., es geht ungestüm, scho-
nungslos zu GRPr. Gr. wie Galgchoh Bs; Z. ,Gr., un-
geschickt; pürisch, wild, düppel. Gr. und ungeschickts
geniüet, rudis animus. Das gr., unverstendig volk.
vulgus rüde. Gr.. unflätig, obsca?nus. Von frömbden
groben leuten herkommen, oder sunst der selbigen,
barbaricus. Grober verstand, intelligentia adumbrata.
liigeschickt und gr. sein, crassa Minerva alqd facere.
Gr., rauch, unverständig, absurde, agreste.' Mal.
.Gott hat sein heilig Wort olfenbart dem einfaltigen
groben leien.' BossH.-Goldschm. — 4. von Mass. Gr.
f'iirc', nicht sparsam wirtschaften, viel verbrauchen W ;
vgl. gr.-hrächig. .Jetliches stuck holz, so man flözen
will, soll nit lenger syn dann 7 schueh; es möcht aber
einer so gr. f., dass myne Herren denselben zue strafen
gewalt haben.' 1524. Schw LB. .Herr Hans v. Toggen-
burg, ein Wundarzt, der Kaisern und Küngen gr. ge-
dient.' 1477, Eeceptsammlung (111. Schweiz 1871). ,Das
zue gr. und hoch wetten soll bestraft werden.' 1595,
BsRatserk. ,"s hat mir gr. g'felt, bin g' waltig g'strucht',
sagt der .Gelttüfel-, der den Tobias nicht hat verfuhren
Schweiz. Idiotikon II.
können. GGorni. 1619. ,Gr-en übernutz [Wucher]
üben.' B Mand. 1628. ,Wönd den Bau diser Statt zer-
stören, ihnen aber gar gr. fehlt die Sach.' Mtricäcs
1630; s. noch Sp. 377 u. Guiist (Fris.). .Hättest du
dich nicht so gr. aufg'lon [gebrüstet].' 1656, Lied. .Es
tuet ihnen vilmal misslingen, dass sie gr. anlaufen.'
Zauberei 1704. Abgeblasst zu blossem Steigerungs-
adv. = .stark, sehr Aa; Ap; G; W; z. B. gr. lugg, selir
schwach Ap. I"* ha' di"'' gr. lieb Aa; gr. lang G 1790;
vgl.: Mänge Bigel häd nümme gr. g'halte' AaB. Sich
gr. zerhijen, arg verletzen W. — 5. obcrflächlicli, un-
gefähr: En grobe' Überschlag mache' S; Z; gr. une',
geradehin, nicht genau genommen ßs. ,Sie waren sicli
so gr. ane treu.' N. B Kai. 1845. — 6. gemeinverständ-
lich; derb, deutsch heraus. E grobi Bredig, nach Stil
und Ausspr. populär ZEmbr.; gr. bredige'. ebd. .Mit
denen von Z gr. reden.' 15'24, Absch. Zu Elgg liabe
Einer ,ganz gr.' lutherisch gepredigt, ebd. — 7. .Alle
Taler, so für gr. Taler geschlagen sind, sollen hin-
füro nit türer gegeben noch genommen werden, dann
ein jeder für 18 Cost. Batzen.' Lind., Wthur.. Chr.
hunds- Z, „bund-", söu- S; Z: Verstärkungen
von gr. 3.
grob an ig BG., Schw., -an ig FMu., -änisch B,
-iänisch, -(i)jänisch BHk.. B.; Ndw: 1. grob, roh.
derb, ungeschliifen, z. B. von Menschen, Arbeit, Fabri-
katen BO.; Ndw. P'' cha" 's [das Nähen] ehe' gar
grobiänisch u"' mue.9s froh sl', ice"-mer n/iiir- iluirrhie"
irer Zivil chhose' z' plHze" ge"'. MWai.iii \ l^^l ihm-
bianisch.' Mal.; s. u. gröblich. — '_'. l>,iiiri-.li. ,ilt-
väterisch B. .Gml.niiixii .-rzogen.' Gottii.
Die UntüiilriK kiniL' 'l^ , kann auf Anlehmiujf .in Aiii,
Altvater, od. an (ix V' i liiiilini-- ■imh une lierulieu. Das Siibst.
driihiän hat uusin- äiu. mit duui Nlid. gemein. lu ä. Spr.
bed. es einen ungebildeten Menschen: ,Der künig der Scythier.
der lieber wollt huren ein pferd wicblen dann das g'sang und
seitenspiel, wirt als ein grobian verlachet.' LLav. 1582.
grobe": grob werden. 1. starkgliedrig. bes. auch
korpulent, fett werden Aa; Schw; Z. Bauer zum
Pfarrer: Ir band aW'' g'grotiet. Pfarrer: I"'' ha' wol
diii- ZU n'hn-. sit.hiii Ir inniniir" |iii,-ht mehr] z' Chile'
cho" siiiil Aa\ iliii. I l-lHi. ll„ /,„/,,/ s' [die Kühe auf
den Alprn| //'(imlßil. ifsrhuirii, V//(-c(.' Schw (Schwzd.).
— 2. bäurische Sitten annehmen; „unverständiger
werden L; Zg" ; vgl. gröberen.
er-: ungeschlacht werden. , Die Tuscier sind durch
die rahen [rauhe] gelegenheit des Landes fast erwildct
und ergrobet' Tschudi 1538.
Grobheit: wie nhd. Nimm ml Gr. für cn Er
{für Höflikeit Z) üf! Formel der Überhöflichen BsL.
groblacht(ig) AaF.; Z, -lacht AaF.; Bs: L;
UwE., -lochtig BE.; LHabsb.: grob, dick, stark, un-
geschlacht. .Michel kam groblecht an ein Tischbein,
dass [die Suppe fast verschüttet wurde].' Gotth.
gröblich gröb(e)lig: yrub; gröblich. .Brüder,
welche gröbelige Gninlr |:il.s.li,'uliche Menschen |
seien.' Gotth. Gr. [srln | nl Grhl l;Thun. Vgl gre-
belig. .Keinem merklich naili ur.i'lich zu schädigen.-
Ap LB. 1409. .Gröblich, nit lieblich, grobianisch, du-
riter. crasse, aspere, inscite [usw.]. Etwas gr. und
ungeschicktlich tuon. Mer gr. dann weislich, acrius
quam consideratius.' Mal.
Gröbi f.: grobe Beschaffenheit (nach den ver-
schiedenen Bedd. von grob), allg. .Einsclilag von der
091
[■ab, greb, grili, grob, sriib
selben Farbe und Grobe.' Breitenst. ,So gar gross
underschcid von dissyt des bodeusees gemachter lyii-
wat, es seie an schmele, gr. oder dünne halb.' 1542,
Zellw. Urk. ,Gr., atechnia, unsauber werk. Gr., Un-
zucht, unkünschheit, obsctcnitas.' Mal. ,Die stimm
der falken ist gröber, langsamer und heller in der gr.
dann dos habichs.' Vouelb. 1557.
Griibli"g: Grobian Ap.
gr üblen s. gräpfeßen.
G rubel, grüben, Grub er s. Grüjid usw.
„vesucht- grubig: blatternarbig BÖa."
Wahrsch. zu lesen -gruehuj, was auf die Vurtieluiifc'cu der
Narben gehen würde. Vemcht = Pocken.
Grub s. Gräuben.
Grnbel m.: 1. Hacke, Picke kx; Gr; Z; Syn. Rüt-
Hauen: Karst BO.; Syn. Grehel. .Das alt Grübelin
liat '-riiblrt. bis im loon kmn.Mi wnr.lcii sind', sa-t
Kiner -iiuttiM/li v.,ii dem Pension,,! ,lak. (iirbrl in Z.
I.VA;, E.;li. Art. Ülieitr.: Goizbals lU'.rienz. - -'. G,;i-
heli, eig. so viel mau heraus grübeln kann, bes. was
die Kinder auf dem Heimweg vom Bäcker am Büdeli
des Brotes abklauben Gl; vgl. krüblen.
Ore"- Aa; B; Gl; L; Schw; S; Ndw; U (auch
-Grehel), -Grübler „Aa;" Bs: ,B;" Gl; „VObte; S;
Z": 1. Ohrwurm, lorficula auricularia. Wenn vil 0.
umme' sind, so wird d's Brod nolfeil GlH. .Den
Wurm, so man 0. nennet.' Khagor. 1039. Syn. Üre'-
Müggeler. — 2. Ohrlöffel. ,Die Türken püegend o.,
zängr. und messerhefte [aus Schafhorn] zuo bereiten.'
TiERB. 1563. ,Auriscalpimn, ein o.- Fris.; Mal.; Denzl.
1677; 1716 (,0., Orenlöffel'); Ked. 169'2. ,Der Ohr-
finger (Kleinfinger) dienet für einen 0. (Ohrlöffel).'
Spleiss 1667. -- Unsicher ist, oh der im Inventar eines B
Geistlichen XIV. aufgeführte ,ör-gr.' zu obigem W. ('2) zn
ziehen sei.
Grueb-. ,Der Grub-6r. dienet beim Gruben der
Weinreben; das Ohr ist in dessen Mitte, die eine Seite
[Hälfte] hat die Form einer schmalen, leichten Haue,
die andere aber ist platt zugespitzt.' Anl. für den Pflug
177'2. So Sch; Z.
Zan(d)- B; „L", „-Gribel h' : Zahnstocher. ,Die
unseren fassend den [hintern klauwen des Rorreigels]
in Silber ein und brauchend in zue zangrüblen.' Vogelb.
1557. .Leiitisrns, rin bäum, mastirli i;pii;nnit, daraus
macht man aiirli z. /,.. ziinscliab'i Ir, /an-rlmiiT. denti-
scalpiuni.' Fms. ; Mal. .l'er doktor zodi ,lir schnuer
ab dem hals; daran waren 2 oder 3 ring und ein über-
gilt [vergoldeter] z. und anders, wie man das yn- und
zanimen fasset.' ThPlatt. 1572.
grüble", in AABreni. -«-; in Bs -«- und -«'-: wie
nhd. eig. und bildl. allg. Je nie'' a's me" grüblet, um
so grösser wird 's Loch S (Spricbw.). 7'.'v griihlet-mer,
es wühlt mir im Magen \^^^r HunL;.'! | Tu; Jrli spüre
Brechreiz B; L". Es grühlil-nKi- i mus lhi\>. i.b habe
Scrupel G; Syn. boren; mich-^aolicu; tndkii. Häufig
sind die Verbindungen: «se" [heraus]-, /"mcc" [hervor]-.
nahe' [nach]-(/r., Letzteres bes. übertr. = nachdenken.
Es hätte des ,Grüble"s' und Protestierens nicht be-
durft. 1542, Absch. In Betracht der seltsamen Läufe
solle man an dem Burgrecht nicht Vieles ,gr. old
artikuliren.' 1.548, ebd. ,Warzu nutzet solches Gr. und
Graben in den WundenV- WOkz 1634. — Mhd. auch
i. S. V. .jucken'.
er-: durch Xacbdenkcn lierausMnden. erforschen.
,E. wolltr icli. was für ein tiescliick mir werden würde.'
GOTTH. ,lili cr-rübbt mrinen ,i,'eist.' 1531/48. Psalm;
dafür 1667: ,Meiii Geist forscbete.' - zcr-: durch-
wühlen. ,Gnagcn und das herz z., auimum alicui fodi-
care.' Mal.
Grüble" 1 f.: harte, kleine Nuss GuHe.; Syn.
Grübel-Nuss. - Der Kern steckt so zähe darin, dass er
herausgegTühelt werden muss.
Grübler m.: 1. wie nhd. Übertr.: ein um Kleinig-
keiten sich Abmühender, Knicker AAWohl. Auch Ge-
schlechtsn. AARAuf. — 2. = Grühelnnss GA.; Syn.
Grüblen I.
Oren- s. O.-Grübel. Batze»-: Geizhals. Stütz.
grüblig: 1. „Es ist-mer gr., ich fühle Brechreiz
H; L"; vgl. grüblen; Syn. g'h'üselig; g'kötselig. —
•J. MjripiiHg V) von Nüssen, deren Kern man nur durch
(irübeln herausbringt Gr; GW.; Ndw; U, grubligi
( Nu ss-J Schalen, schwer zu öffnende (der Grübelnüsse)
AAZein. Übertr. auf Menschen, mit denen schwer um-
zugehen ist U.
Grübling: Trüffel. ,Gr. oder Trieffen [Trüffel]. ■
1734, Bs (Ochs).
Wohl SU benannt, weil sie ausgegraben (gegrübelt) wurden
muss. Nach Schm.-Fr. I 984 früher auch in Deutschland
,GrUbeln, Grieheln' genannt und davon diu Kartoffeln ,Grii-
bolnbauni', nach Brucku. iu Bs um 1748 ,Grieblingsbaum'.
Bekanntlich heisst tartu/ulu im lt. sowohl Trüffel als Kar-
toffel und letzteres W. ist aus dem it. luriufolo entstaudcu.
Grübi m.: Knauser, Knicker Zf; Syn. Klübi. —
Viell. zu ijräuhat.
Grüble" II (PL) BO.; GkD. (nach andrer Angabe
Gn/ie),.(G)ripp(e)li (Dim.) Scbw; U, „Grüpli":
Preisseibeeren, vacc. vitis Idsea.
Vgl. Grifle und .Griffel-, Griffer-', im XI. ,riffel-', ,Bickel-,
Stein-Beere'. Zu erwägen ist auch das syn. Budkr, BudertHchi,
welches wie (Irüpf eig. etwas Kleines, Kugeliges bed. Vgl.
noch (iriihliii'j.
Grueb f.: im Allg. wie nhd. Grube. ,Das grüeble
oder gräble, fossula, lacusculus, scrobiculus.' Mal.
1. bes. in der Nähe des Hauses gegraben zur Auf-
bewahrung von Feldfrüchten über den Winter; vgl.
Räb-Gr. Auch = Fallgrube: ,Winterszeit machend
die bösen lotteren im eis gruoben, dass die leut darein
fallind.' LLav. 1582. — 2. „Hausjauche. Kloake" GaL.;
vgl. E-Grueb. ,Do berueft Gott Abraham us der ab-
götter gr. [Pfuhl].' Kessl. — 3. Grab. Wenn die
Stnige enand bis a' d' Gr. zue füered, so füered s*
enand doch nid le ZWl. (Sprw.). In der ä. Spr. bes.
in der RA.: ,uf der Gr. gän', den einen Fuss im Grabe
haben. Er sei ein alter Mann, ,der uf der gr. hin-
gange.' 1555, Absch. ,Funeri propior, dem tod nach,
fast alt, gat uf der gruoben.' Fris. ; Mal. und ebenso
Hospin. 1683. .Wir sagend gemeinlich: Ich gon yetz
auf der gruoben.' LLav. 1582. , Alles, was da geredet
und gehandlet würde, bis in tod und grueben zu ver-
schweigen.' XVU., Gr. — 4. Graben BGr. (Gruebe'J;
„Tropfsteinhöhle Gr." — 5. = Für-Gr. Uw; vgl.
grüeblen. — 6. Terrainbezeichnung, a) zurückwei-
chende Stellen (Buchten) am See L. — h) Bodenver-
tiefung, bes. in vielen Ortsbezeichnungen und Flurnn.,
(10:!
Grab, grch. grih. grob, grub
rtU
z.U.: ,in (auf) der Grueb(en)', bes. in B, aber auch
in Ai-; T,; G; Th; Z, ,im Gruebi, Grüebli' B; vgl.
Griu'licufdl Zllln. ; .die Grucb', churw. la Foppa (lat.
f.ivoa). kesselfioinige Talcrweiteruiig bei Gullanz.
.\u(li in Zusammensetzungen, z.B. Sdnvers-Gi: ZBül.,
liii.lensenkuuir in schwarzem (Moor-)Grunde. Melch-Gr.
\v, cig. eine MuMe. in welche das Alpvieh zum Melken
getrieben wiril. Vgl. noch Grabe' u. Loch. Von diesen
( Irtsnn. die Geschlechtsnn. Gruehenmann und Grueber,
siiwie Gvmbler. — 7. ,Grueben hauen', Spiel zweier
Knaben. Jeder gab eine gerade Anzahl Spielkugeln.
Der Spielende nahm sie sämmtlich unter seine flache
Hand und gab ihnen schiebend einen Stoss gegen eine
kleine, im Boden gemachte Grube; fiel eine gerade
Zahl Kugeln in diese, so hatte er gewonnen, im um-
gekehrten Falle der Gegner ZStdtf; s. auch grüeblen
lind glünggkn. — 8. Richtstätte Zg (Stadiin); Syn.
Hnitpt-Gr. — 9. Dim., Grübchen in Wange oder Kinn.
GriieUi im Chinn, häd ScMllli im Sinn L; ähnlich Z.
- 10. an Pflanzen: .Grüeble, an stenglen, aus wölchem
die nebend-zweile [Zweiglein] schliefend, alae.' Mal.
E-: Kloake; Syn. E- Graben. ,2 pfd von den
egrueben in beiden turnen ze süberen.' 1571, ZGrün.
Selbiges s. v. Sekret vermittelst eines Rohres in die
Ehegr. leiten.' 1728, Z (Vergleich). Bildlich: ,Ein un-
reiner Sammler und stinkende Ehe-Gr. alles Bösen.'
.I.FUlr. 1727.
1"-Gruebe° (PL): Name eines tief gelegenen
(irundstückes bei Glarus, ehemalige Richtstätte.
Nur sclieinliares Comi).. entstanden dnrcli YcrknüclKTunfr
der i.rüiins. Veilnndun-, wie z.B. Zeniiatt, .Andeiiieitt, und
«ie diese neuerdinu'^ mit Vvä\.. si,h l.iiid.iid : ,Iii den In;;,.
Äsche"-6ciVWi; ein auf oder neben dem Feuer-
herd befindliches ausgemauertes Loch oder Vertiefung
zur Aufbewahrung der heissen Asche und glühenden
Kohlen Uw. — Fuchs-Gmeh: Fuchsbau. 1579, Zellw.
Urk.; Syn. Fuchs-Loch. — Fund-: Erzgrube. ,Die
berglüt bezügend, dass man in etlichen fundgruoben
g.s])änst sehe.' LLav. 1578; = ,Metallgruben.- U>7ü.
,ln denen fundgruoben, in denen vil erz sye.' ebd.
-- Für-: auf blosser Erde befindliche, im Halbkreis
ummauerte Feuerstelle in den Sennhütten, über welche
der Käsekessel gehängt wird Bü.; FJ.; Gl; Gr; LE.;
GoT.: Scuw; Uw; U; W. Mier uein-is [wir wollen
uns] UM d'Fürgruoben setzen, d'ncilen dass du chäscUsI
BBr. (Schwzd.). D'r ]kr,iwri,t,y „■"' ,1' Chiirrhlc sin
allbireits uf de« Melrh.iurlat i,;, ,r F„nin„l„H „,„1,,,
f/yessen ßSa. (Schwzd. |. S\n. Wi'H - Onuh: Fm-
Äscheren. Vgl. auch gmebien. — Fiscli-: kleiner
Fischteich. ,F-en und ghalter abgraben, fisch darus
genommen.' 1489/90, Zellw. Urk. Der Spital AABremg.
erhält 1525 die Erlaubniss, .in der gruebmatte eine
fischgr.' anzulegen. ,Von zwo f. under dem schloss
ze graben und zue süberen.' 1566, ZGrün. — Gold-:
wie nhd. im flg. S.: Das Lädeli [Kramladen] ist e G. Z.
— Grie(n)-: Kiesgrube Z. — Gries-: = dem vor.
Z(iAg. — Höll-: der Hades. 1530/17U7, Habäk. —
Hunger-: Vertiefung unter dem Rückgrate des Rind-
viehs zwischen den letzten Bippen und der grös.sten
Dicke der Hinterschenkel Gr; Schw; Z; Syn. Hunger-
Tollen; Weid-Liicken. 's Veh muess fresse" (weide"),
bis d' H-en usg'fülU sind. — Haupt-: Rieht-, Schädel-
stätte B ; Z f. Von Einem, der barhaupt geht : Fr gad
wie Eine-, ivo-men nf d' H. fiiert ZZoU. Ie:i stöt 's
hoch uf der JI. scho' und seit zum Henker: Ach, wart
fiu'>' no"'-! Stdtz (Volksl.). .Die H. in Z war eine
amphitheatralische Vertiefung, welche 1700 ausgeebnet
und durch einen sog. Raben.stein ersetzt ward. Die
alte Benennung dauerte fort.' Z Gem. .4 pfd den
karreren von einem armen mentselicn in die li. zuo
.schleipfen.' 1533, Egli, Act. Den llinL'ei iehteten .ab
der h. in das grab ze ferggen.- ir>.'i'_'. Ziiiini. (KitIih.i.
.Carnificina, ein ort, da man die Übeltäter abtuot. Wal-
statt, h., richtstatt.' Fris.; Mal. — Cheibe"-: Schind-
anger S; Syn. Schelmen-Gr. ,Keibsgrubenkopf', ge-
fährliche Stelle bei der Rheinbrücke AARheinf. —
Chol-: Grube zum Kohlenbrennen. ,Forica, kolgruob
vel bütz.' Ebinger 14.38. Bes. noch erhalten in Flurnn.
B; LAltish.; SonBegg.; ZHirz., Langn., Rykon. —
Kilchen fChükJ-Grüebli : Grab (Kdspr.) AAZein. —
Chessi-ffr»e6; Kesselgrube (in der Sennhütte) B;
Syn. Für-Gr. — Kessel-: Fallgrube gegen den Feind
oder gegen Wölfe; vgl. Wolf-Gr. (Wild, Eglis.) —
Leu(en)- s. Leim-Gr. — Laich-: Vertiefung, wo
die Fische , laichen'. ,In der Rüss werden die Salmen
mit Schürpfanglen geschürpft auf den L-en.' JLCvs.
1661.
Lci(m)-: Lehmgrube, allg. Syn. Leimeren; Leim-
Bütz. ,Die herren vom stift hant die leim- und herd-
grueben dem ziegler verliehen.' XVI., ZSchwam. (Hotz).
Häufig als Orts- u. Flurn. in Aa; B; L; G; S; Th; Z.
,In der Laygrueb.- Hi-M, A.vWett. Klosterarch.; im Lei-
Grüebler, .^ckeiield Z Wiesend.
Die Aiiss|,r. /,..;.- n-l. /,■,.,»,, ndgl.) in ZMänn. n. Zum.
lulirtn .„irli x.iiniii.l-i luMi-.Ihr rir.iMüiseNi/. ans dem Bliche
Haniri ,'n >I.M l'"ihi /.."." r, ,1, , l..,«r,i-iiil.e. Binsse
l"-|M.|tr:l-iMli.' an. .1^ I l;.l.-l i~t ,, «m1,I. u.a ,i XVI. das
Veilicas tili- die in Lntur»iicliiiiiL- lielindli.dirii lle.xcn im L
StJakubs-Siiital ,Luweugrneb' genamit wurde; älinlieli nin'ii
.ietzt ein Wirtshausname in LStdt.
Lüs- (auch Dim.): Vertiefung unterhalb des Hinter-
kopfes Gr; Ndw. Syn. Luseri; Lüs-ToUen; Genick-
Grueb. - Ln\ve"-\. Lr,m-Gr. — Milch-ffnieW/;
Grübchen auf dem Rückgrat der Kühe, wie die .Milch-
adern' eines der , Milchzeichen' Z. — Mörder-G)»rfi.-
frühere Beerdigungsstelle von Selbstmördern am Rande
des Waldes ZZoll.; vgl. den Flurn. Mörder-Gdrtli
ScnBegg. — >li-t'ii-: -Mistgrube Aa; Ndw; Z. Syn.
Mist-Hof, -J.nrh. - Will-/'. Vgl Huerei frisst de" Mist
(■" der Grueli iinatrn. i. \iTzehrt das Besitztum eines
Bauern bis auf den Mist in der Grube ZS. — G'nick-
GriichU = Liis-Gr. Z (Dan.). — „Niet-: Mergelgrube
Aa; LG."
Bare"-: maskierte Grube zum Fange von Bären.
Solche noch 1627 in BBe.; vgl. Wolfsgrueh u. Bären-
Garn.
Bärlisiji-ueb, Name der c. 300' langen Vertiefnng des
Amphitheaters zu AaWind., enthält wohl einen alt-alaai. Per-
sonn, wie Berilo, Berilhuj.
Rabe"-, auch Räb-: eine gewöhnlich in der Nähi'
des Hauses angelegte Grube zur Aufbewahrung von
weissen Rüben über den Winter, Rüebli-Gr.. eine
solche für gelbe Rüben Z. Vgl. ,Rapistrum, ruob-
gruob.' Ebinger 1438. — Rad-: Vertiefung in der
Wagnerwerkstätte, in welche das Rad mit seiner un-
tern Hälfte aufrecht zu schweben kam, wann die
Felgen auf die Speiehen gesetzt werden sollten Z f-
0"-rädel-: Kiesgrube S. — Von wv/eii, sieben.
fiflS
rab, srii'b. giib. groli, grub
Eätseh-Grueb: Grube, bei der Hanf und Flachs
gebrochen (gerätsehet) und in welcher nachher die
Abfälle (Agnen) verbrannt werden Z. Auch in Flurn.:
, Acker bei der Rätschgr.' ZHott. — Sand-: Kiesgrube,
in welcher vermittelst des Sand-Gatters Sand gewonnen
wird Z. Häufiger Flurn. in B; L; Z. Syn. S.-Loch.
Schelmen-: Schindanger; Syn. Keiben-Gr. ,Ein
strick an hals, du öder bueb, fast mit dir us in d" seh.'
JMuREK 1560. .Sie sollen die schädel der eslen aus
den sch-en nemmen.' Tierb. 1563. — Srhdm, Aas.
Schind- = dem Vor. , Erden aus der Sch-en.'
JCSuLZ. 1772. — Schorr- (-Ö- S): Grube ausserhalb
des Stalles, in welche der Mist aus dem Stalle ge-
kehrt wird S. Der Inhalt einer solchen [V] : , Keine Bau-
häufe noch Schorrgruben in die Strass legen.' B Mand.
1744. Syn. Schorr-Mist. — Schiss-: Kloake; Syn.
Sch.-Graben. .Die pfuolfisch habend gern wuost und
kat, also dass sy auch den wuost der scheissgruoben
verzerend.' Fischb. 1563. Vgl. den rohen Neckreira:
Bueb! schiss i" d' Gnieb! Z.
Schmalz-: bildl. Bezeichnung eines fruchtbaren,
ergibigen Ortes; vgl. Guld-Gr. ,Arauw ein schm-en.'
AEypf 1597. .Die Statt (Eapperschweil) ist eine rechte
Schm., dann daselbsten ein grosser Überfluss von
allerlei Lebensmittlen ist' EEsoher 1692. So noch
Ortsn. in LMalt. ; ScuMerish.; Scnwlb. u. Wollr.;
ZHombr., Küsn., Stdt.
.\hnliche Flurnii. sind: II rul- Kübel, -Korb; Srlimitlz;
Unnmel-lilch; Pumdi: Ant. /funga-Bml, -Bmj; flibi^iml:
AivjHt und yiit.
Schwin-: Saulache, Aufenthaltsort (wilder)
Schweine. ,De bono in swyngruoben.' XIV., L (Propstei-
rod.). .Scliwingrueb od. Tegernioos.' XV., ZZoll. (Urk.),
der jetzige grosse Weiher zwischen Küsn. u. Itschnach.
.In der Schw-en.- Dorfteil BReutig.; LMalt. — Stei°-:
Steinbruch B; S. ,Die steingruebe, da sy steine inne
band gebrochen.' 1277, JJRieger. ,Ein ufzug, damit
man die stein us der steingruebcn gezogen hat.' 1489/90,
Zellw. Urk. — Tüchel-: kleiner Teich, in welchem
die Brunnenteuchel aufbewahrt werden; Syn. T.-Ros.
.Umb eichin schwiren [Pfähle] zur ros- und t-en.'
1566. ZGrün. ,Da jetz die T. ist.' Rüeg. 1606. —
Duft-: Tuffsteingrube, -bruch S. — We'U-: Ver-
tiefung, über welcher der Kessel zum Sieden [erireHlen]
des Wassers hängt, z. B. um eine Wäsche vorzunehmen,
oder auch der Käsekessel in Sennhütten Gl; Schw; U;
Syn. Für-Gr. — Wolf(s)-: Fallgrube für M^ölfe; vgl.
Bäre>i-Gr. Mit dem Schwinden der Wölfe gieng dann
das W. allmählich aus seiner eig. Bed. in die einer
blossen Ortsbezeichnung über. ,[Holz] ze den wolf-
gruoben gelegen.' 1348, Aa (Arg.). .De bono dicto w.'
XIV., L Propsteirod. ,Das guet unter der w.' 1450,
ScHwTugg. (Gfrd.). ,Ein grossi kilchöri soll zwo wolf-
gruoben machen und ein kleine ein gruoben.' 1480,
Obw. ,Nun wolan, ir bueben, wir wend in füeren
uf d' wolfsgrueben [ihm eine Falle legen, um ihn aus-
zubeuten].' Salat 1537. Als blosser Flurn. mehrfach
noch in B; L; ScH; UwKern.*; ZBirm., Wildensb. Vgl.
Wolf-Galgen, -Garn, -Graben, -Zangen u. Kessel-Grueh.
— Winkel-. ,Gott hat dich [den Belsazar] g'schletzt
in d' winkelgrueben, dyns vaters grab, da nüt ist dann
jamer und klag.' JMirer 1559. — Wösch-: Grube
für den Waschkessel auf freiem Platz vor dem Hause
I.E.: Nnw. Vgl. Well-Gr.
gruebe": eine Grube machen. 1. übh.. z.B. im
Herbst, um Gemüse einzuwintern BS.; vgl. Griieb 1.
.Wir wend morn d' hütten grueben [zu derselben das
Fundament graben].' Rief 1550. .Diser fisch gruobet
in das sand und verbirgt sich darin.' Fischb. 1563.
Bildl., m. Dat. P., Einem eine Grube graben, „allg."
— 2. im Bes. im Weinberge durch unterhalb der
Rebenzeilen aufgeworfene Gräben, in welche die alten
Rebstöcke versenkt [s. aben-leggen] werden, so dass
nur noch ein Schoss hervorragt, die Weinstöcke er-
neuern. Die Reben heissen in den ersten 3 Jahren
Gruebreben im Ggs. zu den Setz- oder tnschlagreben,
welche nicht von alten Wurzelstöcken, sondern ver-
mittelst einzelner Schosse oder auch einzelner Reb-
stöcke gesetzt (eingeschlagen) werden. In den ersten
2 Jahren ist der Ertrag fast Null (s. rer-grueben) Aa;
Bs; Gr; G; Sch; Th; Z; vgl. krüeglen, Grueber-Mäl,
Graben- Win. lez hä-mer de' ganz Tag 'griiebet und
sind doch müed! sagen die Abends vom Rebengruben
heimkehrenden Weinbauern im Wortspiel mit rueben,
ruhen ZS. Grueben ist für d' Bueben, aber nid z' lang,
duss-ne 's Schaffe- nid vergang SouSt. S. noch Steism.
1804, S. 474 f. ,Er [der Lehenmann] soll die reben
gr.' 1315, ZZoll. (Urk.). Der ,Grueber', Arbeiter im
Weinberg. 1364, Stadtr. Überl. ,Ein jeklicher lehen-
mann soll 3 tagwen gr. in einer jucbart reben und was
er darüber mehr gruebet, da soll das gottshus schaden
han mit dem lehenmann.' c. 1500, ZFahr (Offn.). ,[Zu
gewissen Reben] soll das gottshus halben kosten gen
zuo gr.' 1515, Gfrd. ,Du hast sy [die Weinrebe]
g'gruobet und dir bereitet.' 1531, Psalm. ,Für mist
und gr. der reben.' 1541, ZGrün. ,Propagare vineas,
Reben einlegen, gr., frz. provigner.' Rhagor. 1639,
,Wyl alle Jahr das Rebgewäcbs durch Underhinlegen
und Gr. der alten erhalten und fortgesetzt werden
muss.' Z Mand. 1663. ,Reben underhingruben.' ebd.
,Die Reben gr., supplantare vites.' Hospin. 1683. Vom
Verwalter des Spitals zu GUzn. wird verlangt, dass
er die Reben mehr als bisher gr. lassen soll. 1738,
Absch. .Unsre Landsangehörigen, so Rebgüter haben,
sollen anstatt des schlechten Rebgewächses gute Gat-
tungen mittelst des Grubens nachpflanzen.' 1752, Z
Ges. ,Gleich nach der Weinlese gruben. .4m be.sten
im Herbst. Gute Rebleute gruben jede Rebe, nach
ordentlicher Einteilung, alle 20 Jahre.' Churcr Beitr.
1792. — 3. „von Holz, mit einem Muschclbruche
spalten LE.;" Syn. graben 4.
In dem AaWett. Rebeuweistum von 1457 kann </)■. nicht
die Bcd. 2 haben, sondern muss (wie viell. .nnili in einigen
andern der o. angeführten Stellen) etwa ^ ßihji-n sein: .Die
rebliite soUent die rijben uf S. Jorgentag oue gcßrde ge-
schnitten und gehacket han und dieselben uf S. Johannstag
gegruebet und gerüeret haben.'
ab-: von alten Reben durch Einsenken junge
erzielen, z.B. 1 ZUe" Beben a. Z. — um-: (durch
Grueben) erneuern, umschaffen. ,Die Nation ist zwar
jetzt frei. Doch hört, was ich hier prophezei: In dieser
Generation gibt 's ganz gewiss noch kein Solon; man
muss umgruben die argen Buben.' HSulz. 1830 b. —
i°-: durch Grueben einsenken Bs; Z. ,Die reben ein-
gruoben, dass neuwe rebstöck daraus werdind. Vites
stratffi, wider eingelegt und eingegruobet.' Pris.; Mal.
— ver-: 1. = grueben 2; e Zile Bebe' r. Z. ,Ein
Traubentrüter. das vollkommen zwei Stockwerke hoch
nnd bis heutiges Tages nie vergrübet worden.' Gr
iWT
Grali griili. (iralis
nibs
(irabsc
srrnliscli. «irabst -Grubst, (iralit
Sammler 1782. — 2. durch Gruchen verlieren, ein-
büssen. In einem guten Weinjalir wird viel, bei einem
schlechten wenig Wein m-i/nirJni. Dalier von Ym--
iibergehenden an Onii-hcmU' .bi ,. hciiiliar |iai;i.bixe
Wunsch: I''' wöische. ila^-ir nrlil nl U'i" rinjniilmll
Zö. ,Nur platzweise zu gruben, bie und da in alten
Reben, um keinen Wein zu vergruben.' Churer Beitr.
1792. — 3. die Beben durch ungeschicktes Gruehen
schädigen Z.
Güsel-Grüeber: Äpfelname s. Bd I 369.
Abgel. von einem Orts- oder Fluni. (i'unl-O'nieh, höchst
wahrsch. = llatuch-Giueb.
grüeble": 1. ein Spiel der Kinder (bes. Knaben),
wobei sie aus gemessener Entfernung Nüsse (auch
etwa Bohnen) nach einem in den Boden gemachten
Grübchen rollen. Wer demselben am Nächsten ge-
kommen, sucht die Nüsse der andern in das Loch zu
schieben. Gelingt ihm dies, so sind die Nüsse sein
Gl; „Uw; U; Z"; Syn. löchlen ; schürggehn. Vgl.
Grueh 7. — 2. um den Herd der Sennhütte (Fiir-
Grueh, s. auch Griieb 5) herum gemütlich plaudern
Uw. Am Obed griehlet [d' Senne'] mit enond, duibokit
d' Hüte fosl i' Brond und suifid i<s-em Nopf Uw
(Schwzd.).
Balle»-Grüeblis SB., Steckli- Aa: Knaben-
spiel, welches darin besteht, dass Jeder der Spielenden
den Ball in ein Grübchen der Andern zu schieben
oder treiben sucht. Derjenige, in dessen Grube der
Ball fällt, muss ihn einem der eilig entspringenden
Mitspieler nachzuwerfen suchen. Fehlt er, so bekommt
er zur Busse ein Steinehen (l'raii) in seine Grube.
Wer zuletzt am meisten solcher Steinchen hat, muss
sämmtliche Gruben zum Sjuitt unter den Streichen der
Andern ausput/.n. d. li. db' Steine schnell herauslesen.
In /. heisst dl S|a,.| Fnutelis. \g\. Frau 4, Bd I
12-1) und (iliimiii/iii. sowi..' Stiidim.
(irabser in.: ein grosser, beinahe keilförmiger Knrb
t zwei Ihmdbaben G oT. - Von ilem Orte (.■,;!...
Gräubscbi s. Grühsrh.
Gribsch s. Ge-ribsch.
(ii-iibsch I m. BRi., (iräubschi BM., 0.; GRb.,
T.. Grübschi BO.; PMu., Gürbsi Aa; B; L; S.
Gürbschi Aa; B, Görbsi Schw, Ürbsi AAFri.; Bs
(ÜrbseU); „LG.;" S, Gübsi, Gühschi, Gübsfi AAWohl.
— n.: i. Kerngehäuse des Obstes, Griebs, allg. Syn.
Giger tschi, Gäggi; Crretschi; Bätzfgji; Bütschgi. Es
häthür fkeis Gr. Obs ge", gar krin, liein Siii.k. iilli,'.;
vgl. (pars pro toto) kein Shl: lii< ]!fi": Syn. I.i-in
Bütschgi. 1)' Bäum hei kes l'rl.^i mr imi. i;\\vss
1863. «S't schnitzen Öpfel und schinde" d' iirbseli safer
drüs. Breitenst. 1864. Lassen Kinder beim übstessen
grosse Ürbsi übrig, so droht man ihnen, der Ürbsi-
Bisser werde kommen und die Kinder fressen Bs. In
(G)ürbsi- Wasser, -Bränz steht das W. im weit. S. für
Ob.st-Trester, -Abfälle übh. ,Kirschen- und Ürbsi-
wasser ist schon lange bei uns bekannt.' RGlir 183.5.
.Die putzen und grübesten daraus [aus den Äpfeln]
geschnitten.' Wurstisen. — 2. die sog. .Fliege-, der
Butzen, die Blütennarbe an Äpf.dn und Birnen BsStdt;
B; FMu.; ScHwMuo.; S; Synn. s. u. Flieg Bd I 1178.
— 3. (übertr. von 1) Adamsapfel, der Kehlkopf, wie er
am Hals als Erhöhung hervortritt Schw; Syn. Grips. —
4. Schelte für ein vorwitziges, naseweises Mädchen S.
— 5. CIrbsiJ Rülps BsLd; vgl. u. Gorps Sp. 428.
Mhd. (jrobii», grühi/', Kerngehäuse und Kehlkopf, Zur
Umstellung des r vgl. den Art. Goi-]». Über die Voralvei-
hältnisse (äu und ü) vgl. Gräuhm, nur dass in unsiiin Vi.
der einfache Voc. bcstäudig kurz ist. Die Formeu mit tin;ili>iii
i sind als eig. Iliiii. ^ii v.rst.'hen. Vrhsi durch Aphiirosis
des g, welches ini;.' als Vi.isillii; (je- gefasst wurde; weniger
wahrsch. aus uImI. urpi... WvA. ,"> durch Vermischung mit
Giirha, Rülps. Was die Etymologie anbelangt, so ist merk-
würdig, dass neben formellen Berührungspunkten die beiden
WW. Gräiihrn und Gräulachi die Bed. ,tjberb]eibsel' gemein-
sam haben; vgl. vollends Bed. 3 unter Griiuhen.
Büch-Gräubschi: Näbelchen des Kindes BM.
Vgl. Bütiichrji-Schih, wo das mit Gr. syn. Ji. ebontalls den
hervorstehenden Mittelpunkt bezeichnet.
Grübsch H n. : Haidekraut, calluna vulg. Aa.
Syn. Ilrmch, auch G(e)-Brüsch, aus dem Unser W. irgend-
wie entstellt zu sein scheint, viell. mit Anlehnung an ilriilisrh I.
ibste" s. Greib-Sfeg.
(JrüM (-e'-J, It St.'' in L; Z Grepp — f.: 1. Be-
gräbniss, sowohl Bestattung und kirchliche Feier als
Leichenmahl „Aa;" B; VOhte; G; S; W; „Z"; Syn.
Kilch; Lich-Gang. Firn g' Gr. gä", ,Tmdn zu Grabe
geleiten B; S. Wenn Beide stiirbe", so ciMnn Kei"s
mit-em andere" z' Gr. BWvss 1863. In den kath. Ge-
genden ist die Gr. das erste der 4 feierlichen Gedächt-
nisse {Gr., Sibet, Brlssgist oder erstes, zweites und
drittes Opfer, dann Järzit, d. b. Begräbnissfeier sellist.
7., 30. und .lahiestao- ,l,.r iMMTdi-uui;), wuv.ni die :;
ersten aber ol'l in ,!!.• i^'lriili.' Wnchc z.-vzuir,.n wrrden
und wobei der l'riester ITir ib'ii AbsesInrlMih'ii li.'l.'t.
daher dann Gr. im weitern S. „der ganze 'Iraniiuhniat
L; Zu." Wo-n-er nie nie'' hat vellr -.'rmiij ihn", hiil
d' Mitetcr iK/strengt. m. seit für si idnisrlinliii Sri (h\
und Drissiiisl hn'. BWvss Isc:^,. „S,, mit N. N. an sein
gr. mit im /.» kil.lh-u i;aii-.'n sind.- 1496, Gkrd. ,Die
gr. [wur.lel erlieli b.-gaii-.-n.- /iki.v 1521. ,Die ]ifaft'en
schundent die armen lüt nacii irem tod mit iren
g'grepten, seelmesseu, sibenden, dryssigisten, jarzyten.-
HBuLL. 1572. ,Den Abgestorbnen halten sie bei den
Brüderen Barfüsser Ordens solemniter Gr., Sibent uiul
Drcissigst.' LCys. 1661. Die Gr. als Leichenschmaus
ist oder war bes. in B ; S u. W üblich. Die ausführ-
liche Beschreibung einer solchen Gr. s. bei Schilo
1866, 40 tf. u. bei Gotth. XVUI 1 tf., VI 278 ff. .Gräbten
werden wenig mehr gehalten; zuweilen aber und wenns
abtreit, geht es da noch bunt und mit Geräusch zu.-
RGlur 1835. — 2. Ort des Begräbnisses, Grab Gl;
Schw. !''• gö', wie 's Brück, uf üsri Gr. ; am Grabstei"
Vis i"'' do verstuntli'^', dass uf der Welt mi'"'' Niil me''
hebt Schw (Schwzd.). .Kr erwält syn gr. |zn Kiii-
siedeln].' 1405, Ap Reinu-br. .Mb.l. ii.rhjrrhtri.i, (.. ,l:ib,-.-
der harte Anl. ./j/- bei Bull.
Ver- = dem Vor. W.
Fleisch-: ein vornehmeres Leiehenmabl, wo rei.b-
li.-b Fleisch aufgetragen wird B, s. das Folg.
lüW
(iralit- grubt, (iracli— fTiucli.
Käs-Gräbt. ,Die Gr. war im Wirtshaus und zwar
nicht bloss eine K., d. h. eine, wo bloss Wein, Brot und
Käse aufgestellt wird, sondern eine Fleischgräbt und
zwar von den besseren, denn da war Yoressen, Eind-
nnd Schweinefleisch, Sauerkraut und dürre Bohnen,
dann Braten, Hamme, Salat und Tateren [Torten].'
GoTTH. ,Mit der Gräbt niachs wohlfeil, allweg bloss
eine Käsgräbt im Hause, keine Fl. im Wirtshaus.' ebd.
Be-grebt f.: Begräbniss. ,Ze stund nach des
mannes b.' c. 1450, B. ,Denen zu Basserstorf sollen
daselbs [zu Kloten] ire b., sibenden, dryssigisten, jarzyt
und andere selgeret begangen werden.' 1509, AAWett.
Klosterarch. ,Kerzen zue den begrebten.' Z Mand.
l.'')2S. ,Do man syn b. begieng, danztend die lüt vor
fröden.' Vad. ,I)ie toten ab der walstatt zur b. fer-
tigen.' HBuLL. 1572. ,Zu Spyr in der kiinigklichen
b. begraben.' ebd. ,Patroclus begert von Achilli, dass
er im b. halte, sunst möge er nit zum tor der hellen
yngon.' LLav. 1569 = ,dass er ihn ehrlich zur Erden
bestatte.' 1670. ,So Jemands auf dem [Schnee-] Berg
abstirbt, im Herd er kein B. erwirbt.' HsRRebm. 1620.
Selen-: volksetym. für SelfenJ-Gerät (s. d.).
gräbte": eine Leichenmahlzeit halten BSi.
(Be)-Gräbtnuss f.: Begräbniss, Grab. .Als die
begreptniss sant Felix und Regien abgeschlissen wur-
dent.' Edlib. ,Ein roggengewäxt mit 134 äheren wuox
zuo Chur in der abgestorbnen begräbdnuss, Schca-
letten genannt.' 1572, Ardüser. .M''enn ein ältrig
mensch stirpt, das des alters ist, dass man im das h.
sacrament git und geben möcht. so gehört einem
pfarrer 5 ß d. opfer und denn ist er davon schuldig
dem ze begän grepnuss, sibend und den drissigosten
und syn das zyt am sunnentag ze gedenken.' XVI.,
GrD. Pfarrordn. .Keinen Kilchhof noch Begräbtnuss
machen.' c. löOO, Cys. ,Es befindend sich in der Kü-
chen wenig Grebtnussen.' RiiE«. 1606. ,Hegrebtnuss.'
GGOTTH. 1610.
Grach gruch.
Grachi
griieh (ce bzw. e-J, in Nnw g'r., in GO., Rh., W.; Scn;
Tu; ZA., Benken (?/'re;, Glattf. ohne -ch: Adj., aber nur
präd. und in der lebenden Spr. fast nur von Personen:
1. fertig, meist mit einer Arbeit, doch auch mit dem Ver-
brauch von Stolfen. allg., meist verbunden mit ,sein,
werden, machen'. /'''' 6t" gr. mit der Mixtur, habe die
Arznei aufgebraucht Z. Wo-n-i'''' mit dem Liedli gr.
gaV U*, als ich es zu Ende gesungen hatte. Stutz. Bist
nüd bald gr. mit Schrlhe'? Ap. D' Wlher sind nie gr.
Bs (Spreng). ,Wer am Morgen das Bett nit macht, der
wird den ganzen Tag nie grä.' Sprww. 18'24. Mer send
bald gre, 's ist ärger, a's hetta-me'sch [hätten wir es]
gär GRh. (mit scherzh. Zweideutigkeit des Ausdruckes
,arg'). Mer sind bald gre, wie des&b, wo het müese'
■3 Bossnägil esse": er het eine" im Mut g'ha", eine' i'
der Hand und de dritte iif-em Tisch, ebd. Händ-er
gr. gmacht mit Hacke"? Sch. Mir hein mit der Ustag-
arbeit gr. gmacht W. , Unser fünfzehen hundert mit
in [den Feinden] warend bald grech.' Lied aus dem
Schwabenkrieg. ,Stüend ich nüt mit dir in frid, ich
wett wol mit dir grech werden.' 1517, Z Staatsarch.
,Ich bin nun grech, ich han myn teil, kein ablass trag
ich niemer feil.' NMax. ,Darzuo ist es guot, wenn
einer da hinnen [hinten im Buche] anfacht, so ist er
dester e grech.' Gvrenr. 1523. ,Am SantMartis dag
ward ich greg mit drucken [Keltern].' 1527, HsStocKAR.
,Wir werdent uf mentag abends gr.' 1529, Abscii. ,Herr
Kämmerling, das essen ist grech.' Z Laz. .Hettend ir
semlichs langerist tan, wettend wir langist gr. syn.'
1549, UMey., Chr. ,Ir wolltend gern einsmals syn gr.
[bereit zum Sterben].' Pdnkelin 1552. ,Wenn sy gr.
sind und ufzöumt händ.' JMvrer 1575. ,Ich bin mit
der unglückhaftigen weit nit gr. nocli ferig.' EGcalth.
1585. Ajax spöttisch zu Ulysses nach langer Rede
desselben: ,Bist g'r.':' Ich muoss dir noch mehr .sagen.'
GGotth. 1599. ,Wann der Mensch gr. ist, so facht
Gott erst an.' 1617, JJBreit. ,Die Hebammen sollen
kein Frau nötigen zu der Arbeit, es seie dann die
rechte Zeit und Kindswehe, und an kein Ort eilen,
damit sie daselbst geräch werden.' JMuralt 1697.
Auch von Sachen, W'erken: ,Wenne euch das körn
grech wirt, so soll es der keller antwurten zue dem
hemscher.' LEmmen Hofr. ,Die faden sond all gerech
syn ze herbst ze S.Gallen tult.' XV., Z. ,Und sollt
[der Werkmeister] das werch grech han in 4 jaren.'
Vad. Den Zimmerleuten soll zustehen, zu verfertigen:
,Die gerächen böden, Stegen.' ZWthur. Stdtb. Übertr. :
gr. si", sein Vermögen aufgebraucht haben ; in äus.ser-
ster Not, verarmt sein ; tot sein B. P* bi" gr., es ist
aus mit mir, ich gehe zu Grunde AaF.; GSa. Am
gr. machen sin, mit dem Vermögen fast zu Ende sein,
dem Tod entgegen gehen BR. Gr. mache", ausatmen,
sterben L; ZO. „Die Kuh hat gr. gemacht = ist ver-
reckt." Ein'n gr. mache", in äusserste Not, Verlegen-
heit bringen B. ,Wo man nit mag mit bannbriefen
schaffen [in Wege bringen], dass sy nit tüegind wider
uns pfaffen, so helf uns Gott, so sind wir gräch [ist
es aus mit uns].' NMan. — "2. bereit, zu einer Leistung
(fertig mit der Vorbereitung) Aa; Gl; Ndw. /''* bin
iez denn gr. mit dir z' cho" ZWang. ,üenn was ihr
went, es sy Pfeffigen oder anders, so sind sy [die
Knechte] gräch darum [willig zum Angreifen].' 1499.
F an S. ,Der forster soll grech syn zue allen den
dingen, so das gottshus bedarf.' TnEsch. Oifn. .Bedörft
er denn der unsren, dass wir ouch grech wärint.' 1521,
Strickl. .Demnach hat er den synen after dem land
lassen gebieten, dass jeklicher gerüst sye, wenn man
sy beruofen, dass sy gerech syen.' 1532, ebd. ,Grech
und fertig werden.' 1564, Gl. ,Geräch, gerüst, ex-
peditus, paratus.' Mal. Auch von Sachen: ,Swer synen
harnesch, den er haben soll und der im geboten ist,
als bereiten und als grächen, des tages, so man in
schouwet, nit hat, der git 5 ß.' 1331, TuFr. Stdtr.
.Schwebel und bech ist g'rist und grech.' GGotth. 1617.
- 3. ^ gerecht i. S. v. gesund auf der Brust, Lnnge
BE.; LE. — 4. Adv., völlig oder = gerecht i. S. v.
eben recht. Syn. kant; sanft. ,Ein gwelbli in der
mur, dass gräch zwen mann dryn möchten.' 1523,
PFüssLi, Pilgerreise.
Mhd. gerech, wohl geordnet, in gutem Staude ; gelegen :
geschickt; bereit. Das Bewusstsein der Zss. mit dem Prüf.
ye- scheint meist erloschen, denn das bloss aus B 50. hc-
zengte rechen scheint aus dem Ptc. yrethei von grechen un-
richtig abstrahiert zu sein. Der Vnc. ist nrspr. kurz und
ist es auch jetzt noch da und dort, bes. da Kürze sogar in
der apokopierten Form nocIi vorkommt. Der Abfall des i-h
ist lienierkenswert. bes. wo er nicht durch Ersatzdehnung
(iracli— giiicli.
laclis— giuchs
702
ck's Voc. ausgogliclien wird wio in Ve (iiubeu Vcch), Vioh.
hl .gr. inaclieu' ist das Ailj. viell. uicbt auf uiu Sach-Obj.
zu beziehen, sondern die Verbindung zu erklären: machen,
ilass mau gr. wird. Bed. 1 geht leicht in 2 über, nach der
zum Letztem beigefügten Auffassung; es kann aber auch '2
die ursyr. Bed. sein, da ja auch .fertig' urspr. bedeutet;
zur Fahrt bereit. In Bed. S, Tiel). auch in 4, ist das W.
luüglicherweise erst aus dem nahe vTvdten und auch in Bed.
1 u. 2 S)n. ga-ccht abgek. Weitere Beispiele der Vermengung
beider WW. s. u. ge-mht.
Grech n.: Alphütte mit .Stall und !<tulie WLötsch.,
früher Chäiere [Käseren].
Kig. Vorrichtung übh.; vgl, Grävhi, (irüchmy; mhd. ye-
ri/eh n., gehörige Beschaffenheit, guter Zustand, und dazu
nlid. .Gemach", sowohl Wohnraum als Bequemlichkeit. Sollte
das Subst. vom folg. Vb. abgel. sein, so müsste es eig. Ggredi,
d. h. Giyrldt, lauten. Zu obigem Appellativ gehören wohl
auch die B Ortsn. ,Grächi, Grächwll'. W ,Grächen' aber,
welches urkundlich ,Granchon' hiess, legt die Frage nahe,
ob unser W. saninit den genannten Ortsnn. nicht wie der
B; F; S Ortsn. ,Grenchen' eher von ralat. .granica' (frz.
.grange') abzuleiten sei.
greche" (in ScuwMuo. i/V.) -/--; 1. fertig werden,
eine Arbeit zu Ende bringen Gl; „Gk; GEh.;" ,ad
tineni perducere.' Id. B. — 2. zubereiten, rüsten, a) mit
Sachobj., z.B. Speisen BO.; Obw; W. Wend Ma"
Kiid Cluiecht am [dem] Most zuespreche', tuet d' Bäsi
fich was Bessers gr. : si sitzt daJieim Mm Kajfechriieg.
•SniwzD. Holz für den Winter SchwMuo.; Werkzeug
DO.; VÜRTE. Kleidung: Gräch-mer e sufers Hemli
[frisches Hemd] BEi. Geld für einen Kauf oder Ent-
richtung von Zins auf den Termin BEi.; W. Gräch
d's Für (juet, dass nid Eppis a'chunnd [in Brand gerät]
Xiiw. is Eppem g'grächet han, eine Strafpredigt für
Jmd bereit halten BEi.; Syn. 's Bad icher 'fä'. Insbes.
1) die Zitzen des Euters der Kühe streichen, als Vor-
bereitung zum Melken BSi.; „Schw." Syn. handien,
rüsten; strupften. 2) dem Vieh das Futter in die
Krippe geben W ; Syn. inege'. — ,Ir büchsen teten si
grechen.' 1499, T., VI,. ,Mit geschütz und lüten ir
land gr.', in Verteidigungszustand setzen. Lenz 1499.
.Wenn man stürmte und einer milch ob dem feur hette
oder heuw gerechet inzetragen, mag er demselben wol
rat tuon.' c. 1520, Obw. Vgl. handen. — b) mit pers.
Obj., also refl. Gräch dich SchwMuo.; W. Häst-di'''
grächet zum Gä"? Ndw. Ghein Älper hed si gräched
g'häben uf so en gäija Überfall BBr. (Schwzd.). Auch
von Innern Zuständen: sich gefasst machen auf, z.B.
auf eine Strafe BEi. ,Dass wir uns gr., dass wir mit
üch ziehen.' 141ti, Z Urk. ,Ihr wellent üch rüsten
und gr.' 1444, B. , Jedermann tet sich gr. zu ver-
tryben die eidgnossschaft.' Lenz 1499. ,Ward sich gr.
[begann sich zu rüsten] zu hilf sym Vater.' ebd. ,Sy
teten sich darzu gr. [einen .Ausfall zu machen].' ebd.
,Oder dass sich einer gerechet hette und us dem tal
wette von seiner gschäften wggen'; spätere Eedaktion:
,grächet' und noch später: ,gerüstet'. c. 1520, Obw.
"- 3. Etw. wohin schaffen; Syn. ferggen Bd I 1002;
vgl. reisten, zuehin- grechen. A' d' Männi g' räche,
Etwas an die Fahrstrasse schaffen ScawMuo. ; z.B.:
Me muess bim Sehne d's Holz a d' Männi g'räche.
— 4. Ptc. g'grächet BD.; L (öfter als gräch), adj. =
gräch, hereit. ,Bist gr.? esne paratusV' Id. B. Da-
ist jetzt gräched fir z' erzellen BBr. (Schwzd.). Auch
in übertragener Bed. Du bist numme vil z' grächete,
du bist nur allzu voreilig, hastig BHk. — Mhd. f/erfehen,
bereiten, rüsten; direkt vom Adj. ijii-rh abgeleitet.
a"-: zurüsten BHa.; SchwE. — i"-: 1. = gre-
chen ä a 2). I'" muess nu [noch] Heitv schrote, dass-ne
[den Kühen] cha" i. U. — 2. Vorräte in einen Be-
hälter tun SchwE.; Syn. in-gereisen.
ver-: krepieren BLeuk. — Vgl. ,jm-li, fertig = tot.
zesamme"-: zusammenraffen. Gräch di Bettel
z'sämme' und mach e&j Hochzig. Balz 1781. — Bes.
Anwendung von grechen S.
zuehi"- (zueche-): herbeischaffen. Eefl. herbei-
kommen. Wenn es Freudeli umme [iu der Nähe] ist,
so grechet si"'' der au''' zue [um Anteil daran zu be-
kommen] SchwMuo.
„Grechete f.: Endschaft Gr StAnt." Gräheti:
der Eest, der noch fertig zu machen ist. z. B. beim
Mähen GRPani, Schud.
Beide Formen Abstr.-Bildung vom Vb. grethn iu Bed. 1,
die zweite hat concr. Bed. angenommen. Vgl. das Folg.
Grächi f.; 1. Vorbereitung zum Melken, Anzielien
der Zitzen BLenk. Von grächen 3 a. — 2. Ort der
Feuerbereitung auf dem Herde. Spä;n uf d' Grächchi
tue', auf den Platz des gelöschten Feuers Ndw. Vgl.
grächen 3, vom Feuer. — Auch hier hat sich aus der abstr.
Bed. (1) eine coucr. ('2) entwickelt; doch vgl. auch trcclKii.
„grächig: arbeitsam, emsig BO." — Vou yrmlun j,
.wer fertig zu werden sucht'.
Grau eher s. Grau-Epfel Bd 1 S(iO.
(iriicllle" (i*!-): feiner Hagel BsL. -- Vgl. A'™./,/-;..
Groelis AaF., Z.; Gl; GW.; ScH; Tu; Z tw., Gruchs
Aa; BsL.; BoAa., E.; L; ScHW; S; Uw; U; Z tw. —
PI. Gröclis, Grilchs — m.: Klage-, Schmorzenslaut,
Stossseufzer. En Gr. ablü" [ausstossen] , ächzen,
stöhnen. Mängs Gröchsli blib erspart. Naueli 1842.
,Du liessest manchen Grochs und Schrei.' Lied 1712.
.Manchen Grochs erweckt.' Eidgs. Toggenb. — Vom
folg. Vb.
grochse°, gruchse", in Gl; GW. grochsgc", in
Gr; ScHSt. grochze, in BBrisl., E. gruchze, in Bs;
SThierst. gruchzge, in BS., U.; S; Obw; U; W
gruxe, in Ndw chruchse: ächzen, jammern, klagen,
seufzen, stöhnen, schwer atmen, Schmerzenslaute aus-
stossen, bes. in Folge von Unwohlsein, Kränkeln, Alter;
doch auch von An.strengung, z. B. beim Tragen von
Lasten AaZ.; UwE.; U; Z; auch von einem Geizhals
Aa; Syn. harzen, plsten, grüggen, greussen, pfnächsen,
tauen, süfzgen. Wenn men älter tvird, hct me' gäng
Öppis z' gr. BoAa. De'', wo aUiiril iirurh^'l. stirhi und
und de'-, wo all Tag Suppe" issi. irini ,ili /.W'rtt^rliw.
,Mit Seufzen im Leben und im r.'.lli.tt mit liin.h-.-n
macht man solche Sachen nicht mehr gut.' iMitniui/.r
1831. Ha' afo' gruxe", afo" bärze", es isch nit Gspiiss.
wenn d' Zän düe" ive. JHofst. Hut und mvni und
ühermorn isch e länge Woche; wenn iV Mrilsrhi l.rini
Buebe händ, fönd si afo gruchse" L. /'« r ./<»/-/ um
Kessi het aw'' hinderet g'litzt [die Hi'iihl;irni. 1 /uiurk-
geschlagen], näfirt. jnsfrf. qrwjf^et und sihinl:!: es (fit
doch au'x e lhUr-M,„h v' iSrmi.nkill.i i, lle^e" de'
Gofe" muess r" <//< :,ii)i Dnl.hr ,/,,■': ,< ,f^rhehd-ene
Nüd, wenn s' scha" •^sic cmist uinmcgntcJisid. Trvnkk
1840. ,Doch soll man das nicht für ein Ungedult
rechnen, wenn einer von grossem Weh groehset und
sich übel ghebt und aber mithinzu mit Gott zufrieden
703
(Jrad-gru.l
ist.' J.TBreit. 1(32!'. .Grotliseii, grochzen, winseln,
ijuiritari, conqueri.' Ked. Iü(i2. ,Der Mensch ist zum
Urochsen und Sorgen geboren.' JJUlr. 1727. ,Groch-
sen und grissgrammen.' ebd. Von Tieren: Der(ßiche"
tu" [getan] ist nid g'kalberet: d' Stiere' grii.ven o«""*.
Schild. Vom Schreien des Esels, yahen Ouw. ,Das
Tier grochset, je länger die Krankheit dauert, desto
stärker.' Z Anl. 1814. Von Schreien der Eule, die
Tod vorbedeuten (während ihr John keine üble Bed.
luit) Z. ,Ein gespenstischer Vogel gruchst wie ein
kranker Mensch.' Lux. Sag. S. 555. Auch von der
heiseren, verstellten Stimme eines Gespenstes (der
Sträggele). HXfl. 1813. Von einem Geräusche der Uhr.
das als Vorbedeutung eines Todesfalles gilt ZHorg., 0.
,Wenn man das Viehe [bei der Lungenseuche] an der
Listen ein wenig stosst, so lasst es sich stark ein und
grochset.' 1732/76, Z Mand.
Mhd. grogezm, wehklagen; vgl. kmhzeii, krächzen, rohen,
brüllen, grunzen: i-okezen^ rülpsen, qnakeu; ntvlcezen, ruchsen,
girren: sämmtlich lautnachahmencle WW., bes. wenn auch
die mit r anlautenden früher noch einen Guttural vor dem-
selben hatten. Die Formen mit da sind lautliche und be-
griffliche Verstärkung; dem z wird auch in andern WW.
(s. hei Geize Sp. 570 und <jutzijea Sp. 585) gern ein </ nach-
geschlagen, das sich in Fällen wie hUtzgen aus Metathesis
erklärt, hier aber wahrsch. den gutturalen Charakter des
ganzen W. verstärken soll. Vgl. noch tjruxlen, Reiz zum Er-
brechen haben, «/lucxeti, nuissig sitzen, langsam arbeiten.
Grochser, Gruchser, auch Gruchsi, Gruxi
ni., Grochseri" f.: anhaltend kränklicher und kla-
gender, empfindlicher Mensch Aa; Ba; Sciiw; UwE.; Z.
Hn ebige Grochsi Z. F'' glaub nit, das" es so g'ßrlich
ist, er ist halt sunst e so n-en G-rodiser Scii. I)' Welt
ist CO' Gruchjsere voll. Heng. 183(>. ,Augsthafte, klein-
gläubige Grochser.' JJUlr.
Grochsete Gru- f.: schweres Stöhnen UwE.
grochsig: zum Klagen geneigt. .Ein Vater mit
seinen kleinen grochsigen Kindern, wann sie jez sor-
gen, was sie z' Imbis oder z' .\bend zu essen haben.'
JJUlr. 1727.
gröchsle". grüchslo". Diui. von gruclisc" : von
kleinen Kindern, z. B. bei unruhigem Schlafe. Syn.
grümslen.
Grad- grud.
«rad n.: Grad B; Z; Syn. Gran.
gratle": Kleinigkeiten stehlen; kleinen Schaden
tun W. Syn. geschänden. — gradig: zu solchem
Tun geneigt, ebd.
gradiere": einen Grad (socialen Bang) erteilen,
zu einer (geistlichen) Würde erheben. Der päpstliche
Legat in der Eidgenossenschaft hat die Gewalt. ,ad
(iuoscunque gradus ze gr.' 1517, Absch. — Für ;//■«-
dnicren, direkt vom deutschen Lehnw. abgeleitet.
Grädel I: 1. Mädchen BM. — 2. Grädeli, Schwäch-
ling (Mensch oder Tier) BM. — Vgl. Grädll und Gmdel.
grädele": 1. „bezeichnet das sanfte Singen der
Hühner, bes. im ersten Frühling, wenn sie bald Eier zu
legen anfangen BO.;" Syn. gageren, gägerlen (Sp. 140).
— 2. von kleinen Kindern, die mit den Händchen
spielen, die Händchen bewegen und nach Vater und
Mutter liebkosend ausstrecken oder sonst still für sich
spielen BM. Vgl. grädlen.
2 lässt sich mit 1 vermitteln, wenn man auuehnien darl',
dass eig. das sog. Plaudern der Wiegenkiuder gemeint sei,
und dass sich der Ausdruck dann spec. an das begleitende
Spiel mit den Händchen geheftet habe; noch einfacher ist,
1 und 2 durch den Oberbegriff des Vibrierens zu vereinigen
(s. Aura, zu gigagen Sp. 137 und zu gtlsteren Sp. G52). Vgl.
den seihen Begriffsübergang bei griigelen. — Unser obiges W.
kann eine blosse Spielform zu grägden (s. d.) sein.
Grädeler: Spottn. für einen kindlichen, mit
Kleinigkeiten sich befassenden Mann BM.
grädle": krabbeln, wimmeln BsL. 's wimmlet nf
de Strasse, 's grädlet dort uf-im Feld [von Volk].
Breitenst. E G'surr het 's g'ge und grädlet nie im-
menen Imbhus, wenn sechs Imbe stosse, so lict 's du
gsurret und grädlet. ebd.
Das W. könnte übrigens auch mit den Synu. giudlm und
g'raglen zsgehören und das d viell. erst aus g eutstandeu sein.
Vgl. auch noch g riglet i-vM) .
Grädel n s. Grättel.
idli. Hüener-
-Gredli.
..Grandi: Scherzn. eines Greises Aa."
Von grau; vgl. , Greis' (mhd. yn«) uebeu dem diivmi :ib-
geleiteten frz. gris, mit Anlehnung an den VersoueHuanuii
Gaudi.' Vgl. Grantum.
Gred I f.: 1. breite Stufe längs (der Vorderseite)
eines Gebäudes. Silger. ,Dass wir ein fenster durch
ir mur an den greteu machen süllent.' 1368, Z. —
2. Grat (PI.) der vor dem Chor in der Kirche liegende
Platz mit den zum Schilf herunterführenden Stufen
ScHW; U. ,Der Pfarrer kam [aus der Sakristei] mit
einem grossen Buch auf die Grat [anstatt auf die
Kanzel] und las daraus.' FDKyd, Tageb. ,Über die
Gräte zum Opfer gehen.' JoaSchindler, alte Bräuche.
,So man denne in anlegen [den Novizen einkleiden]
soll, so stellet man in für die grete in dem ciiorc.'
1314/21, Gfr. (Lazariterregel). ,A. 1756 hat man den
steinernen Canzel von den Grädten hinwegnehmen
lassen und hat einen Canzel auf die Seiten gesetzt.'
Z Anz. 1884. — 3. stufenförmig angelegte Lagerstätte
für Waaren am Landungsplatz von Schiffen; auch das
demselben Zwecke dienende Lagerhaus (Syn. Gred-
Hus; Sust). ,Die gred zuo Stainach.' Vad. .Allerlei
Zwietracht und Rechtfertigungen zu verhüten, ver-
meinend die Kornfürer, dass die Schifflüt nit meer
Seck den Gredmeistern angeben, dann sy in die Schiff
geladen und in die Greden gefürt haben.' 1566, Aitscii.
S. Gred-Gelt. -Karren, -Knecht, -Meister. ~ Grcdi I
„Gretti f.: Lagerhaus ScuSt." — Gredner m.: Auf-
seher des Lagerhauses TnUnterseef.
Mhd. </mfc f., Stufe, Treppe an oder in einem Gebfiiide
(z. B. auch vor einem 'frone), stufenartiges üatcrlager Tiir
Waaren. Eig. wohl PI. von grad, lat. gradn«.
Gred U s. Gret.
Äsche" -Gredel, -Gredi n.: Ascbcnbriidel Bs.
Syn. Ä.-Griidel, ,-Gretel, -Grittel'. — Hüener-Crrc-
dfejli, -Gredi: I.Mädchen, das jede Arbeit verrichtet:
auch ein gutmütiger Mann, ,der seiner Frau den Lohn
einer Magd spart.' Spreng. — 2. wunderliche, ängst-
liche Person, bes. furchtsame Weibsperson Bs. Syn.
FürchCtJ-Grct.
Das syn. Ä.-Grüdd deutet auf Vwdtschaft mit grüdln,,
wühlen; dagegen liegt in -Gndvl ciue der zahlreichen apiiell.
.\nwendungen des Eigenn. Grei (in Bs Gred gespr.) vor.
grede" s. u. ge-rad.
id, grt'd, grill, gi'iiil. gnid
706
(jireding, Gredling, Gredinich iii.: eine Art
Brot, das in Klöstern gebacken und als Lohn oder Ge-
schenk Dienstleuten gegeben wurde. In den Expense
fruraentarie Monasterii Abbat. Tur. a. d. 1328 conipa-
rieren: ,350 et 319 maltera tritici in pane tjui dicitur
Gredmich, Gredemich.' .Summa [iiuse] in pane Gre-
dennch pistatur, est 319 med.' 1829, ebd. ,Ein phannen-
zelten in der breiti als ein gredmich.' XV.. ebd. ,Wenn
einer ein wigt zinsholz myner frowen [der Äbtissin
zu Z] gnad gewert hat, so soll im myn gnädig frow
ein gredinen geben und sind 16 burdinen ein wigt
und welicher nit ein wigt hat, dem git man kein gr.'
HiRiNGS Urbar. .Welchem ye zum jähr das schultessen-
ampt befolhen wirt, uf den tag nach synem annemmen,
so die von Eynow im die schenki haltent nach altem
harkommen, so gibt ein herr und abte dem seh. 12 pfd
Heisch, 14 gredling und 4 wissbrot, als man die im
gottshus ye bacht.' Opfn. Rheinau. ,Uf das hochzyt-
lich fest wynechten git ouch ein herr von Eynow
oinoni knecht des undern tors 7 gredling, 2 wyssbrot
und 2 pfd fleisch, 1 vassnachthuon und 1 mass wyn.'
ebd. Nach der Ordnung des Pfrundeinkommens an
der Abtei Z von 14.58 erhält der Plebanus ,ca 6 Mtt
Kernen für Greding und 2 Mtt Kernen für Hofsinnnlen.'
.Denen selben Spinnerinnen soll ein Camniererin geben
einen Käs von Uri und einen Greding.' ebd. ,Dass
hinfür ussem kloster Allerhalgen niemands kein gred-
ling nier ze koufen geben werden soll.' 1535, Sch
Katsprot.
Zwisineii den Formen Greding und Gredling besteht kein
wesentlicher Unterschied. Dass Gredin(en) aus Grediuff vcrk.
sei, ist kaum zu bezweifeln. ,Gredmich' findet sich in einer
Seh Ulk. von 1278 als Personenn., ist aber als Name eines
Klostergebäckes auch in Deutschland nachgewiesen (s. Pfeiff.,
Oermauia XV 80) und zwar als Umdeutung von lat. crcde
mihi (gesprochen niichi), welches in mich verk. wurde. Wie
jene tat. Versicherungsformel Name eines Gebäckes werden
konnte, wird aaO. durch das Beispiel der deutschen ,Herr
Gott bchüetes' als Name von Klössen erklärt, ebenso der
nilat. Name des Gebäckes, crcdemiea, als nahe gelegene Um-
deutung des zweiten Teiles von credemivh auf lat. mica, Bro-
same, von dem auch das Gr MicU, Senimelbrötchen, stammt.
Es bleibt nun bloss noch die Frage, ob Gnd(l)ing selbst
auch eine blosse Entstellung des unverstandenen Gredmich
sei, oder ein anderes, nur zufällig lautähnliches und sinn-
vwdtes W. mit eigener Etymologie, etwa von Gred mit Bez.
auf stufenartige Einschnitte des Brodes, oder von yrad, mit
Bez. auf gerade, flache Gestalt desselben. Die in der Ztschr.
f. schw. KQ. gegebene Erklärung: Brod mit Gräten, d. h.
hervurstehenden Spitzen der Ähren, erweckt schon lautlich
Bedenken, weil das W. immer mit c und d geschrieben wird.
gr eider s. greiters.
gndig: 1. mit Reif bedeckt GRUVatz. — 2. gierig;
f/r. esse' ZStdt; Syn. schwUig. S. noch Grit.
Der Zshang der beiden Bedd. ist schwer nachzuweisen;
wir können bloss verweisen auf die Parallele von Hdiij,
a) stockdunkel; mit Höhenrauch erfüllt; b) gierig. Viell.
gehört unser W. auch etymol. mit dem genannten zusammen,
da dieses auch eine Nbf. mit eingeschobenem r besitzt.
(Jl'Odel — PI. Grodle AiPri. — m. : 1. wimmelnde
Menge von Menschen, z. B. kleinen Kindern Bs (Spreng.
der aber Gegrodel schreibt), oder Tieren, z. B. SrlialV'ii
und Ziegen, Gewimmel, il/e" chimnt schier )iiid ,lnis.
wie ne Gr. durenander isch AAZein. — '_'. Made.
haarichte Raupe eines kleinen, schwarzen Käferchens,
die sich in Käse und dürres Fleisch einfrisst B üO.
8yii. Käs-Gode.
Schweiz. Idiotikon II.
Da die Made immer massenhaft vorkommt, so ist 1 mit 2
leicht zu vereinigen ; beide von ijrudh-n, wimmeln; doch könnte
•2 aus Gode erweitert sein, zumal da o bezeugt ist.
er-grode": vermodern, verkümmern BSigr.
Vgl. erbroden (mit dem es aber nicht lautlich zshangt);
es wird den Zustand eines Stoffes bezeichnen, der dem Wurra-
frass anheim gefallen ist. Vgl. Gude. Gruden, das Stammw.
des folg.
grodle": dicht voll sein, wimmeln AaZcIu.; Bs;
SRech., z. B. von einer aus dem Stall herausspringen-
den Herde von Schafen oder Ziegen AAZein. En
Bachis [grindiger Kopf], der von Lüsen grodlet Bs
(Spreng). Es grodlet uf ein Märt vo" Lüte". Lueg-men
au"'' do, wie 's grodlet underenander, Mannen- und
Wibervolch Bs (Breitenst.). Uf dem Estrig het 's do
der ganz Tag g'wimslet und grodlet und g'chrüschlet
[von Ameisen] i' dem Fruehthufe umme. BWvss 1803.
Der Wald grodli vo' Hase" und doch chönn-mi^' keine*
schiesse', ebd. Zappeln Bs; „wallen, bouillonner F."
Z'weg gr., sich mühsam aufraffen BR.
Die Bed. ,wallen' erinnert an nlid. ,brodeln, prudeln',
aber die vorwiegende von .wimmeln', für welche auch tjruijlen
vorkommt, weist auf grüdlen, grädlen, wühlen, welche Vor-
stellung mit der von .wimmeln' vwdt ist. Vgl. frz. grundier,
wimmeln, wie Irrouiller von hrodlen.
Grodlete f.: Durcheinander von vielen Personen
AAZein.; ßsStdt.
grodlig: von einem Käse, der voll VV^urnier ist
Bs (Spreng); auch Verstärkungsadv. zu ,voll' Bs.
Grödel, „Gcrödel n.: Überbleibsel eines ver-
moderten Leichnams GRJenatz."
gröde": ruhig sein. Da magst 's aw'' nicnc gr.
GnSpl. — Aus einem ruman. W.V
Grndel m. : Ekel, Widerwillen; Unwillen, Groll W.
— Aus mhd. grul wjin, grauen, grausen V
Griidel m. : kleines Kind S. Grüdeli n. : körperlich
und geistig verkümmertes, verwahrlostes Gescliöpf B.
Syn. Grieggel, Groggel, Grügerli, Krügel. ,Es möchte
Zeit sein mit dem kleinen Gr. nach Hause.' Addk.
1877. — Wohl verk. aus dem folg.
Äsche"-: Aschenbrödel B. , Es wolle seine alten
Kleider anziehen. Das wäre mir lustig, sagte Röseli.
so wie ne Äschegrüdel uf d'r Strass z' si am Hochzit-
tag.' GoTTH. Ä-i: Beiname kleiner, mit Mehl und
Asche bestaubter Personen Sch. Auch verächtliche
Bezeichnung eines unansehnlichen Knaben : .Was
zichstu dich, du helger mann, dass du ein äschengrüdel
[David, den letzten unter Isais Söhnen, zum König]
Witt han?' VBolz 1554. Dim.: kleines, zwergartiges
Kind S. — Zu grüdlen, wühlen. Spät mhd. (bei Keisers-
berg) eschengrüdel. S. noch Ä.-Gredel.
grüdele": leise rollen, rieseln, sickern. Aus dem
Kornkasten grüdelet das Korn durch ein Mäuseloch
hinaus S. — Vgl. grodkn, winuneln, und rädclen, leise
rinnen; zittern.
Äschen-Grüdeler: der Holzasche aufkauft und
damit handelt S.
grüdle": graben, wühlen; bildl.: sich einmischen?
Ks wollt niemand [von den Eidgenossen] den küng
Uiiidlen Ion.' Vad. — Spät mhd. iii der eaeJun griidden
I Kiiscrsberg). Vgl. grädden und Auui. zu grodlen.
„grüdle": schreien wie ein Birkhahn, von dessen
i^chrei: gni! B; L."
Graf, gref, giif, giof,
ruf
708
Grafifl gruflf), l)z\v. ümr usw.
Graf 111. : 1. wie iilid., aber oft nur in allg. S. =
vornehmer, reicher Herr, der standesgemässen Auf-
wand machen kann. Er chiinnt dether ivie-n-e Gr. Gl.
P'> ha"* 's [ich lebe] wie 'nen Grof! JKMey. 1844.
,Tue die künig hinweg, ein yetlichen von seinem ort,
und stell grafen an ire stett' 1531, I. Kön.; dafür:
.Landvögte.' 1667. ,David ist tugent halben wol ein
grof [ausgezeichnet].' VBclz 15-54. , Hinter dem Trunk
pflege der Pfarrer den Gr. von Eom [das herrliche
alte Volkslied von dem gefangenen Grafen, der durch
seine als Spielmann verkleidete Frau befreit wird.
Uhland Nr. 299] oft zu singen.' 1646, Z Synodalact.
Auch Geschlechtsn., noch heute in Z. ,Cuoni Graf
von Bärentswyl', ein Freier. 1433, Z. — 2. Name einer
(wohl durch stattliches Aussehen hervorragenden) Kuh
BHk. — 3. Dim. Größi, Frühlingsenzian, gentiana
verna G oKh.
, Grafenhag', Flurn. ZStadel; ,-Ort', Dorf in Ndw; ,-Eied'
B; ,-Stall' ZLind.; ,-Mos' BAarb. ; ,-Büel' BKonolf. ; ,Grafen-
steiner', eine Art Äpfel, wahrsch. von einem Ortsn. ; ,Grafen-
öpfel', die sauren Paradiesäpfel Th; Z. — Bed. 3 tod bes.
schmuckem Aussehen? Vgl. noch Grafen.
Viz-: Stellvertreter eines Grafen. ,Die Vitzgrafen
oder Viscunten zno Meiland, die nachmals Herzogen
sind worden.' LLav. 1569. — Land-: Übervogt im
ZFreiamt, als Leiter des Blutgerichts. ,Er wird von
ören wegen der herrschaft am land- [Gerichts-] tag
ein 1. genemmt.' c. XV., Landtagsordn. S. Bluntschli,
EG. 1, 204 «f. — Mar(k)-. .Margrof.' Bs Chr. ,3Iar-
grafenbad' hiess It HPantäl. 1578 ein vornehmes Bad
in AaB. zu Ehren eines Markgrafen zu Brandenburg.
Dazu Margräfler, Angehöriger der Markgrafschaft
Baden. Hinäe nahe cho, we der M. mit-em Bahne
[am Palmsonntag] ÄAZein. Auch der Name des be-
kannten guten Weines. — Pfalz-: Richter an der
bischöflichen Pfalz in Bs. S. Hedsler VG. 80. — Ein-.
So hiessen die Aufseher über die Fischerei am Bhein.
Vetter 1864, S. '28.
Schmalz-: Spottn. armer Edelleute. UBrägg. —
Viel]. Verkehrung von ,Pfalz-Gr.'
Spil-: der Prologsprecher in den mittelalterlichen
Schauspielen, auch ,der alt Schwyzer' genannt LLand
= ,dem Proclamator' der städtischen Aufführungen.
S. EBrandst. 1886, 20 und Zeitschr. f. d. Phil. 18, 461/2.
Grafschaft. ,I)ie Kilchry Münster wird ferner
in 4 Viertel eingeteilt, wovon das 4. die Gr. bildet.'
AmHerd 1879, 153.
Land-. ,Es soll Keiner aus der Land [graf] schaff
Tn zu einem fremden Fürsten oder Herrn zu Eeis
[in Kriegsdienst] ziehen, bei Verlust der L. [des Burg-
od. Landrechtes in derselben].' 1529, Absch.
Grafschafter: Angehöriger einer Grafschaft,
z.B. der Gr. GT. 1530, Abscu. IV 1, b, 828, 3. ,Einen
ehrbarn schiedlichen Mann, der ein eiugesessner Land-
mann nnd Grafschafter seie.' 1532, Ikformatio 1713.
gräfe": zum Graf machen, in den Grafenstand
erheben. ,Die Fryherren sind hernach gegräft worden
und die von Zimmern auch ze Grafen gemacht' 1541,
Gfo. ,Daruf dise Fryherren gegräft [wurden und]
sich Grafen zu Tengen nauisetend.' Eüeger 1606.
Gräfin. .Die holfärtigste Gröfi.' Allemannia 1843.
Wie ne Gr., von weiblichen Personen, welche mit
Prätension auftreten, sich putzen, breit da sitzen,
stattlich aussehen Z. Und Zug und Chleider hat si
wie e Künigsfratc, churz, wie-n-e Gröfeni. Stütz. ,Der
gräfnen von Flandern.' 1477, Bs Chr.
Gravdiiiina (PI.): Ausflüchte, Ziererei, Scherz GW.
Gravammele mache od. gravammele", in possenhaften
Körper- und Muskelbewegungen sich ergehen TnTäg.
Das Subst. = lat. grammimi, erschwerende Umstände, die
zur Entschuldigung einer Weigerung usw. angeführt werden,
wie in der RA.: ,Umatänd machen' ^ sich wehren, zieren.
Syo. Fortune (Bd I 1043), Füimatenle (Bd I 1080), an/nue.
Pflanz. Gravammele, scherzh. Umdeutschung des Frcmdw.
mit Anlehnung an Präamvid,
Grave f.: Bergabhang, wo Eutschungen von Erde
und Steinen stattfinden GfiPr.; Syn. Rüfi. Sandbank
GrD. Syn. Grien 2, Klinge. — Aus Churw. gram, Sand,
Geschiebe; vgl. it. f/rava, frz. yreve.
Graffei ra., Graffle f.: 1. Zacken, Zinke; z.B.
am Käsequirl (Gräffeli, auch Gröffeli, Grüffeli, bzw.
Griff'eliJ B. a) „gebrochener oder halb abgefaulter
Zahn BO." — b) (Graffle) hervorstehende Spitze eines
, Morgensterns' od. eines Felsenhorns BE. — c) dürres
Tannengerippe; Baumstamm (oder Ast) voll Zacken
von abgebrochenen Zweigen B öO. Syn. Stü(r)chel. —
2. alter, kleiner, abgezehrter, krüppelhafter Mensch;
als Spottw. Auch dim.: D» bist numvien es Graffelü
BoHa.
Bed. 2 eig. nur bildl. Anwendung von 1, bes. c. Iias
W. findet sich sonst nirgends, scheint aber mit ahd. craj,
'jreffel, Griffel (frz. ijrcffer, pfropfen, eig. ritzen) vwdt zu sein
und urspr. Spitze, spitziges Gerät oder Ding zu bezeichnen;
doch Tgl. auch ,Krapf, Krapfe' (Gr. WB. 5, 2062. 2063),
verkrüppeltes Ding, Zacke, und Bruß'cl.
graffelocht: 1. zackig BHk. — 2. krüppelliaft
BoHa. — „grafflig: zackig BÜ."
Grafen (PL): die Beeren von vaccin. ulig., etwas
grösser als Heidelbeeren und heller blau, die von
Knaben gegessen werden und etwas berauschend wir-
ken, daher auch ,Kauschbeeren' genannt BSi.; Syn.
Mimiberi, (Buder-J Griflen, Giri-Gitz (Sp. 577).
Vgl. Grciflai, Oriflen, Welche aber lautlich mit Grafen nicht
zu vereinigen sind. S. die Anm. zu Grüble.
Grafion Aa, Grafjung B (Zyro), GriffjungCi) S:
cerasus duracina, grosse, braune oder rote Kirsche;
Syn. Krachionen, Klopfer. - Im Patois des Kts Waadt
graffi&n, yreflon.
Gravitet f.: Grosstuerei Nnw. — gravitetisch:
grosstuend. ebd. — Lat. ijruviuts.
,Graffoy; gemsenwurz, doronicum Eomanum.' Kd
Gessn. 1542. .Doronicura Helveticum huniile, crassis
foliis. C. B. incanum. C. B. seu Doronicum Scorpioides
Gesn., Gemswurz, Gr.' Wagner 1680.
greiffen: ein Huhn betasten, um sich zu über-
zeugen, ob es ein Ei trage Aa oF. Syn. d' Henne
grife'. — Mhd. greifen, tasten. Intens, zu (jnfen.
Greiffle" (auch -äu-) f.: Maske, maskierte Person,
die sich an den unter .greiflcn' beschriebenen Possen-
spielen beteiligt Scaw (bes. Muo.).
greiffle», auch mit „äu: verkleidet und maskiert
Possenspiele aufführen, ein Charivari bringen" ; auch
tr. : maskiert Etwas oder eine Person zum Spott dar-
stellen, '/.. B. : Was wottst-du Mir gr. ? Wenn du eisder
eso ei'fältig tuest, so tuend s'-di''' g'wüss no"" gr. In
aScnw, bes. Muo., ziehen am Dreikönigstage oder am
Tage nachher Knaben am Nachmittag, Erwachsene
Graf, gref, grif, giof, gruf
710
Abends mit Fackeln oder Laternen unter lautem Lärm,
den sie mit Ketten, Kesseln, Kuhglocken, Pferdege-
schell, Hörnern (in Küsn. mit Peitschen) hervorbringen,
im Dorfe, aber auch um die Obst (bes. Kirsch-) bäume
lieruni. In wohlhabenden Bauernhäusern kehren sie
ein und lassen sich bewirten. Daneben werden aber
Vorfälle und Personen, die im Laufe des Jahres Gegen-
stand des Lachens oder Tadels geworden sind, mit
Handlungen oder Reden witzig nachgeahmt und dem
Spotte preisgegeben. Das Spiel endigt leicht mit
Schlägereien zwischen den Angehörigen verschiedener
Teile des Dorfes. Im Jahr 1638 wurde vom Landrate
das Neujahrsingen und das ,Greiflen' bei 10 Pfd Busse
verboten. — Dazu das Abstr. Gräuflefe f.
Lüt., Sagen S. 37 f. berichtet, in der Umgegend von
SchwBnmn. habe ehedem ein nächtlicber Umzug von der be-
schriebenen Art am Dreikönigsabend zwei Waldfrauen. ,Stru-
deli und Strätteli', gegolten und die christlichen Glaubens-
boteu haben den Unfug nicht abzustellen vermocht. Jetzt
werde er nur noch von Knaben getrieben; es herrsche aber
der Glaube, wenn man nicht recht lärme, gebe es wenig
Obst. L. vermutet mit Grund, jene Sitte hange mit dem
.Greiften' zusammen; denn die Namen der Waldfrauen deuten
auf Hexen, diese aber auf altheidnischen Glauben und Brauch,
wie das Gr., bes. der Umzug um die Obstbäume, der den
Segen derselben herbeiführen, viell. mit dem Lärm den Ein-
fluss böser Geister verscheuchen soll. Die Sitte ist ohne
Zweifel eine der vielen, die von der Zeit der Wintersonnen-
wende an bis in den .\nfang des neuen Jahres herein in
allen deutschen Gauen vorkommen und sich auf den Umzug
der heidnischen Gottheiten beziehen, den man sich um jene
Zeit stattfindend dachte und den man mit lautem Lärm zu
begleiten, später mit allerlei (zum Teil dem Christentum ent-
nommenen) Verkleidungen nachzuahmen pflegte. Dass sich
.an den Cultus der Götter die Ausübung von Scherz und
Spott an Menschen knüpfte, findet sich auch bei ähnlichen
Festen des klassischen Altertums. Am Nächsten kommt der
schwyzerischen Sitte das Perchtenlaufen in Ostreich (Schm.
1^ 272), zum Teil auch, so weit es sich um Verspottung
oder Rüge menschlichen Tuns handelt, das bairische Haber-
feldtreiben. Andern Ursprung und allgemeinere Tendenz hat
die ebenfalls in SchwMuo., aber in der Fastnachtzeit übliche
,Mos-Fart' (s. d.). Eine lebendige Schilderung , bes. des
höllischen Lärms, der ein Hauptbestandteil des ,Greiflens' ist
und ähnlich bei der .Posterlijagd' in LE. in der vorletzten
Woche vor Weihnacht stattfindet, bietet Schwzd. 35, 81—83.
Der Name ist schwer zu erklären und bezieht sich wohl
urspr. nur auf eine einzelne von den gesammten zu der Lust-
barkeit gehörenden Tätigkeiten. Da ei ohne Zweifel der
urspr. Laut ist, der vor / oft in äu übergeht, könnte gr.
als dim. Form des obigen greiffen sich auf das neckische oder
spöttische Antasten und Mitnehmen von Personen beziehen (V).
„Grlf m.: Wachholderdrossel W;" Syn. RecMdcr-
VOgel. - Frz. grive.
firiff, -e" m.: Greif, fabelhafter, adlerähnlicher
Vogel. Adam: ,Darurab dass d" bist so stark und styf,
sollt heissen gryf." Ruef 1.5.50. .\ls Wappen und Name
eines Hauses in ZStdt. In Bs ist der Grlf das wappen-
haltendc (einen Weberbaum als Sinnbild der Hand-
werker tragende) Tier der einen von den drei Ehren-
gesellschaften der Kleinen Stadt, welche jährlich im
Januar einen Maskenumzug mit Festmahlzeit (Grifen-
mäli s. d.) halten. Das alte Lokal jener Gesellschaft
hiess: ,der Grifen', ,zum Grifen'. Als Personenn. er-
scheint er im 1. Teil der Ortsnn. ,Gritfen-Bach' B,
,-Berg, -See' Z, ,-Tal' L. — Mhd. gri/ic), von lat.-gr. gri/pe.
Griff m.: 1. Akt od. Art des Greifens. „Er nimmt 's
im Gr., fährt unbesonnen zu, temerc agit. allg." Vgl.
Fiir-Gr. ,Die unholden lämend etwan lüt und vych,
wenn sy dieselben nun [nur] anrüerend, streiehlend
oder inen griff gebend.' LLav. 1569. In.sbes. a) beim
Nationalspiel des .Schwingens'. ,Im Gr. sein', den
Gegner an den aufgerollten Wülsten der Schwing-
hosen gefasst halten. Die Griffe (beiderseits) ein-
hängen, einander so packen. ,Kaum in den Griffen',
nachdem die Schwinger einander kaum angefasst haben.
.Aus den Gr.' sind die Kämpfer, wenn sie die Anfangs-
stellung verloren haben B (RSchärer 1864). — b) beim
Kegelspiel. ,Den Griff legge'^: beim Werfen die Kugel
so drehen, dass sie den Kckkegel entweder rechts oder
links streift, s.i (l;i-~ ci- <ritwärts fallen muss L. —
c) beim Spiel auf .l-i iloige, bildl., s. Sp. 148. —
d) von geschitktiMii Aiiynifen irgend einer Arbeit und
erworbener Fertigkeit darin. iV hat 's im Chr., ist
gewandt, geübt, erfahren, versteht es gründlich Bs;
L; Z, zuweilen noch mit dem scherzh. derben Zusatz:
wie de Bettler d' Lüs. Ineichen; Sülger. Übertr. auf
geistige Leistungen: , We'" me' nit mit Flattiere d' Sach
g'winnc" cliönn, so sei sie verloren; gesetzlichen Gr.
[Angriffspunkt] hätte man keinen.' Gotth. ,Die scherpfe
oder das fürnemst an einer red, der recht gr., wie man
spricht, acies orationis.' Fris.; Mal. Kunstgriff' im
schlechteren Sinn, Kniff; vgl. Fund, Hilperts-, Ju-
risten-Gr. ,Nun wirst du aber sprechen: Das sind
Grift'lin. Es ist war, aber du kannst's nit ergryfen;
belis dich bas, so wirst erlernen.' Zwingli. , Solich
geschwind gr. abzeslahen.' 1.531, Absch. [die von S
hatten einen Vogt nach Münster gesetzt, was vorher
eine ,pratik' genannt wird]. ,Der Brief, in welchem
verräterische Gr. und Worte geschrieben waren.' 162P,
.\bsoh. .Meid allen falschen Sinn und stiller Leuten
Gr.: drmis-;n t;icitns aninm vitare memento.' Cato 1048.
,Ist ein ili. ']<•- Iri.lii^vii Satans, dardurch er die Men-
schen vn lieiv.l.n iin.l. r.trhet.' JMüLL. 1665. ,Brauchte
seltsame IJank und GrilVlin, die regierende Ort auf
sein Meinung zue bringen.' 1091, AAWett. Klosterarch.
.Die Verkleinerung solcher chymischer Mitteln seien
lose Practiken, schädliche Partiten und verbottene
Grifflein der hochtragenen und unwissenden Leuton.'
JMüRALT 1694. .Meinst du, wir merken den Gr. nicht'?'
HPest. 1781; dafür 1790: .den Pfiff.' — 2. Greifbar-
keit, Festigkeit. Halt, a) ein Kleidungsstoff ,hat (ir.".
wenn er, indem man ihn durch die Hand gleiten lässt.
innere Festigkeit bekundet, ohne gerade steif zu sein.
Er ist dann griffig (s. d,). Man kann ihm durch die
Fabrikation Gr. geben /. i^yu. Jinh. — li) vom Mehle.
.Kein Müller soll das :\[el ziieh und sdilynierig machen,
sonders uf den Gr. (wie maus nennt) malen.' Z Mand.
1593. — 3. a) (meist PI.) die Stellen am Körper des
Rindviehs, an denen man durch Greifen den Grad der
Fettigkeit eines Tieres ermessen kann; vorzugsweise
der Strich der Haut vom Bauche bis zwischen die
Hinterbeine ,Ap; B; Gr; L;" Z. Der wulstige Brust-
teil zwischen den Vorderbeinen und die Stelle neben
der Wurzel des Schwanzes Ap; U; Z fSchwmizgr.J.
Das Stück Fett zw. den Hinterkeulen Aa. „Der Triel
(Rachen) oder die Kehle Ap; Z." ,Der Gr. (Schlaucli)
soll bei der eig. Stammrasse des Ap Rindviehes am
Kinn anheben und bis zu den Knieen niederhangen.-
Steinm. 1804. S. noch die Compp.; griffig, fgjgri/fel,
Griffe und Griffle. ,Ein feisses [Kalb], guet am gr.,
schwer an der g'wicht' JBinder 1535. — b) die leere
Stolle im Ei GMels. — 4. Gerät od. Teil eines (i.'rätos
711
öraf, gref, grif, grof, gruf
rl2
zum Greifen, a) „Kamm S." — b) (PI.) die Pusseisen
mit 3 langen Zinken, welche auf die Absätze von Berg-
schuhen (Griff'schueh) aufgenagelt werden SchwMuo.;
vgl. Oriff-Isen. — e) der vordere Teil des Hufeisens L.
Vgl. Stollen. — d) (PI.) die dicken eisernen , Schalen',
zwischen welche in den Steinbrüchen die eisernen Keile
eingetrieben werden S. — 5. ungefähres Mass einer
Waare. , Einem vogt zuo Zürich süUen werden die
buossen, so vor im erteilt werden, die gr. salz und der
boden wyn und nicht mer.' 1465, Z. ,Von jedem Fass
Fisch bezahlte man 1 Gr.' 1474, Bs Geleitsr. ,Dem
Gr. von den Fischen zu Brugg soll alle Gefährd ver-
mitten werden.' 1665, Absch. ,Die Bruggknechte sollen,
wenn Solothurni.sche Bürger dort Nachts mit Fischen
ankommen, sie ohne all Beschwerd und griffsfrei durch-
fahren lassen.' ebd.; s. Fiseh-Gr.
A''-Griff: 1. abstr. a) Anfang F; W. ,I)er den
ersten a. zum bildstürmen getan.' RCys. — b) Geschick,
Gewandtheit, eine Arbeit anzugreifen. £n guete' A.
ha" W. — 2. concr. a) der mit sog. ,Hebe' [Sauer-
teig] in einem hohen Kübel angemachte wenige Teig,
welcher nachher in die Backtröge verteilt wird. ,üen
A. machen', den Sauerteig kneten ; auch trop. u. obsc.
Ar. Syn. Hebel. -- b) = Gäch Sp. 09 B; Gl; L.
2 b dem , Angrifft böser Geister oder geradezu des Teufels
angeschrieben (viell. weil das Fleisch der gefulleneii Tiere
schwarz erscheint).
I"-: Geltendmachung eines Eechtes. ,Man möcht
sy euch mit unzimlichen köufen beschweren, sy wellten
iren y. haben, des man möcht beschwert syn, dann wo
ein kouf bescheehen, da soll er ouch erkennt werden.'
1.544, Absch. ,Dass uns dann billich gezimen und
behalten syn soll, y. darin zu tuen.' ebd. ,Wann ein
Erb fallt und der daran I. tuon und sich bezalt ma-
chen würd, darnach aber die Gelten nit bezalt möchten
werden, der solchen 1. tuot, soll schuldig syn, alle
Gelten umb ir Ansprach uszuorichten und zuo be-
zalen.' 1616/26, Schw LB. Vgl. griffen 5, ingriffen.
Ver-: 1. a) zsfassende, übersichtliehe Darstellung;
Inhalt. ,Als wir sölichen nottel und v. der obgedachten
frygheit und rechtunge eigentlich verlieret.' 1501.
ZRegensb. üffn. ,Das redt er mit mer Worten. Doch
so ist das die ganz summ und ein gueter v. syner red."
ZwiNGLi. ,Ein ratschlag und v., wölicher g'stalt uf
nächstkünftigen tag gehandlet werden möcht.' 1528,
Absch. ,Aber ein v., was an die Eidgenossen langen
soll.' ebd. (Titel von Schriftstücken). ,Üwer schryben
haben wir alles v-s [nach seinem ganzen Inhalt] ver-
standen.' 1531, Strickl. ,Ein kurzer v. oder register.'
EGuALTH. 1546. ,So habend wir also die allereltsten
symbola und v. unsers christenlichen gloubens.' ebd.
1553. ,Epitome oder kurzen v.' Kessl. ,Ein verkürzter
durchgang und v. einer Stadt Bern kronik.' Ansu.
,Ein gesatz in ein kurzen v. bringen , coangustare
legem.' Mal. — b) Inbegriff im engern S. von Mit-
einschliessung nicht unmittelbar zur Sache gehörender
Bestimmungen. ,Von wegen der einung, die zu er-
haltung unsers christliehen glaubens ufgricht und
niendert mit solchem v. und in der gstalt gemacht
ist, als von uns usgeben wird.' 1529, Absch. Güter
verkauft, wie sie damals besessen worden waren, ohne
,V.' derer, die vor alten Zeiten dazu gehört hatten.
1562, ebd. — c) Umfang eines Gebietes. ,[Das Klo.ster]
in synem bezirk und v.' Kkssl. — 2. Fehlgriff, Irrtum.
, Falls es aber zweifelhaftig und disputierlich, so mögen
die Richter umb weniger Vergriffs wüllen die Kund-
schaft zuelossen.' 1627, Bs Rq. — 3. s. Fürgriff. —
Mhd. vfi-giif, Entwurf, Vertrag, Umfang. Von verynfen (s. d.).
Für-. „Etw. Vergriffs kaufen, verkaufen, tauschen
= nach der Hand, nach mutmasslicher Schätzuqg des
Masses oder Gewichtes B; L. Syn. überhutz;" bi der
Büechi. Niemand soll Wein kaufen als bei Mütt und
Mass ,und nit fürgritt's oder by ganzen fassen'. 1516,
Absch. Dass kein Angehöriger der 3 Städte anders
Wein kaufen solle, als bei dem Saum, und nicht ,uf
fürgriff'. 1521, ebd. Damit der Wein beim Saum und
nicht ,also fürgriffs' gekauft würde, da hicbei viel
Betrug gebraucht wird. 1530, ebd.
Geht wie mhd. vurgrif, Arbeitsvertrag, Accord, auf den
Verbalbegr. .vorgreifen, zum Voraus bestimmen' [s. ßirgnfen)
zurück. Betr. den Wechsel von /«.- und ver- s. Bd I 912.
Fisch-: eine Art Zoll von Fischtransporten, s.
Gi'iff 5. Die ,Brüggknechte' sollen Schiffe der Solo-
thurner, die mit Fischen nach Nydau kommen, ,ohne
alle Beschwerd und Fischgritt's frei' durchfahren lassen.
1742, Absch.
Hilperts-: Kunstgriff, Kniff. Vgl. Griff 1 d.
, Sollte Mancher Rechnung tun müssen, woher er sein
Gut gebracht, ö, wie vil seltsame Zöllner- und Hilpers-
griff wurd er erzellen müssen!' AKlingl. 1688. —
S. Gr. WB. 4, 2, 1322.
Hand-: 1. wie nhd. — 2. adj.: .h. werden mit
Einem', handgemein BLeiss.
Juriste"-: Kniff. ,Wenn er nach der spitzfindigen
.■Vrt der Juristen geltend machen wollte, er sei [usw.],
oder sich mit andern fuch.slistigen J-on behclfen wollte.'
1520, Absch. — Lanke»-, Liste"- = Griff 3 a, mit
bes. Beziehung auf die Lanke, Liste, Lende, Weiche .4p.
Be-: 1. Umfang, Zubehör eines Gebietes = Ver-
griff 1 c. ,In synes ganzen landes b. und umkreis.'
15'26, Absch. ,Er hat das meer und sein b. gemessen.'
1531/48, Esra; = 1860: ,und was darin ist.' ,Der b.
aber der vorstetten, die sy den leviten gebend, soll
tausent eilen aussen vor der statt mauren umher
haben.' 1531/48, IV. Mos. ,Des sigristen hüslin mit
synem b. [mit dem, was dazu gehört].' BossH.-Goldschm.
,Das Land Abbenzell in seinem B. mit Leuten, Gerich-
ten, Zwingen, Bannen, hohen und nidren Oberkeiten,
allen Eheliaften, Eigenschaften und Gewaltsamen,
Zins, Zehenden, geist- und weltlichen Lehen, Ehr-
schätzen, Fällen, Gelassen [usw.].' 156G, Ablösüngsbr.
,[Ein Grundstück wird] verkauft mit sach, gemach,
b., nuet, nagel [usw.].' 1600, ZSchwam. ,In solchem
Zirk und B. gelegen.' RCys. ,Der Raurakcr B. [Mär-
chen, Gebiet] samnit seinen anwenden.' Wurstisen.
,Auf der Höhe des Gotthards innert dem B. einer
Stund sein zu sehen 7 lautere See.' JJScheuciiz. 1708.
— 2. = Vergriff 1 b. ,Ein Pferd zahlt mit B. [mit-
gerechnet] des Zeichens 8 Kr.' B Kaufhausordn. 1754.
— 3. = Vergriff 1 a, schriftliche Zsfassung, Bericht.
Die Boten von Bern verlangen eine bezügliche Notiz
(,Begriff') für den .\bschied. 1532, Absch. .Kurzer b.
und underrichtung, kurze anzeigung eines dings, Sy-
nopsis. Kurzer b. einer historia, commentarius. Mit
einem kurzen b., in summa conscriptiE.' Mal. —
4. geistiges Fassungsvermögen. ,Er war von einem
unglaublichen B. des Herzens, auch die schwersten
?13
Graf, gref. grif, grof. gruf
uiiil verworrnesten Sachen zu verstehen.' JZ
Haug 1731. ~ Mild, in Bod. I. Vun hiynfm.
Bluet-: die Stelle zwischen Hals und Schulter-
blatt eines Stücke.s Rindvieh ArK. Vgl. Griff 3 n
und Lanken-, Listen-, Sehivanz-Gr. — „Schwanz-:
die Sitzbeingegend beim Rindvieh Ap; GRh.;" Z.
S. Griff 3 a.
Zue-: Angriff. ,Voii der grossen z. wegen, so sie
zu dem gottshus tatent.' 1394/1420, Foffa. ,Jetweder
teil gebe dem andern guet fridbrief für all z.' 1419,
Absch. — Mhd. ebenso.
griffe": 1. tasten, betasten; mit Händen greifen
und dadurch inne werden. ,üie Hennen gr.', um zu er-
forschen, ob sie legen werden Gr; Z; s. greifen, griflen,
Hüenergrlfer. Der Metzger grlft das Rindvieh, bevor
er es kauft SB. Wo 's G'seh« üfMrt, fohd 's Gr. a«.
Ineichen. De [diesen Lug, d. i. Lüge] chann-me" gr. Z.
,Es sei schier zu gr. [ziemlich oftenbar] , dass . . . .'
1529, Absch. ,Ich [Hiob] bitten, dass dise nacht [sc.
meiner Geburt] so gar tunkel seie, dass im einer selbs
(wie wir sprechend) in ein oug greifen möchte.' LLav.
1582. ,Es war domolen ein wiester bruch ze Basel
mit dem büeblin [Brüste] gr.; das was also gemein,
auch in firnemen hüseren, dass selten ein niagt aus
dem haus kam, deren nit der husherr dise er angetan
hett.- FPlatt. 11312. S. EuppK-Grlfer. — 2. angreifen.
Zu rnand gr., beim Schwingen B; s. zesamme'-gr. Z'gr.
clw, am rechten Orte anzupacken wissen, z. B. beim
Schwingen, aber auch bildl.: seinen Vorteil ersehen
BR. Gueti Arbeiter gr. und fiili pfife". Ineichen. —
3. ergreifen, mit ,zue'. ,Wo man des [eines Landes-
verräters] innen wirt und man in betreten mocht, zuo
dem soll man gr. und richten zuo sym leben.' 1522,
Absch. ,Frauw, gryfend zue dem rebhuo"!' RScumid
1579. ,Sy habind besorgt, man möchte zu inen gr.'
Z Täuferber. 1639. Mit ,in' : ,Welcher zorniger Wys
nach dorn Friden in syn Wehr gryft, soll über Friden
gangen syn.' 1623, Ndw LB. — 4. bildl., nach Etw.
streben, Etw. unternehmen. Wer nach Vilem grlft,
ri'ird wenig b'lialte". Ineichen. Wit grlft, d' Hand
b'schisst, es ist gefährlich, sein Weib aus weiter Ferne
zu holen, ebd. Wlt g'griffe', eister b'schisse'. Sulger.
.Welcher ein dochter hinder im lat, ist denn .sach,
dass die zu dem hantwerch mit der e griffet, so soll
si halben schilt erben.' 1409, Gpd. Eheleute, ,die in
die Ehe greifen', sollen öftentlich eingesegnet werden.
15'29, Ochs. ,Zue der Ee gr.' Zwingli; HBull.; Bossh.-
Goldschm. u. a. ,Wie wir zu der Handlung zu greifen
[handelnd einzuschreiten] gnugsamen Anlass hätten.'
B Rechtstit. 1691. — 5. rechtlichen oder widerrecht-
lichen Anspruch auf Etwas machen, in die Rechte
eines Andern eingreifen. ,Wäre, dass yeman zu dem
guet griffe, der soll das den erben widerkeren [er-
statten].' 1451/1544, ScHW LB. ,0b Jemand in ein
Erb griff.' 1616/26, ebd. ~ 6. Einen bei Etwas be-
haften. ,N. bittet, da sein Gegner den Beweis nicht
vollständig leisten konnte, man möchte ihn bei dem
geschehenen Urteil nicht gr., sondern ihn bei seinem
ererbten Gut bleiben lassen.' 1641, Absch.
über-: 1. tr., in die Rechte eines Andern eingreifen,
ihn übervorteilen, benachteiligen, schädigen; Syn. ver-
rorteilen. Eine gewisse Hausbesitzerin soll das Fen-
ster, ,damit sy in [den Nachbar] übergriffen hat nach
synen brieten', wieder beseitigen. 1319, ZStadtb. .Wie
dass die snyder mit irem Ion arm und rych grösslich
übergriffen und beschätzet habend.' 1404, Sch Stdtb.
,Der geistlichen oberkeit missbruch, damit wir laien
beschwert und übergriffen sind.' 1527. Absch. — 2. refl.
a) sich nüd ü., nicht gar viel als Geschenk geben Z;
Syn. sich überlupfen. — b) sein Recht überschreiten,
zu viel ansprechen. .Dannoch übergreif sich der von
Lüternow und hielt den Spruch nit.' RCys. .Dann
wülicher sich übergrifen [durch Überforderung], den
wurd man hertigklich darumb strafen.' 1617. Z. —
3. intr. (Ptc. Präs.) in juridischem Sinn. .Wenn Einer
den Bodenzins von seiner wenigen Alp innert Jahr
und Tag nicht bezahlte, würde sich nach dem aufzu-
stellenden Grundsatz, dass der Bodenzins übergreifend
sein solle, das Kloster berechtigt finden, auch die
anderen Alpgenossen als übergreifende Gült dafür an-
zugreifen, oder wohl gar die unverzinsete Alp zu
Händen zu ziehen.' UwE. Arch. — 4. Ptc. Perf. adj.,
zu selir in Anspruch genommen, erschöpft. ,Ein Wald,
wo vieh' Stämme jung, die meisten mittelwüchsig und
keine oder nur wenige alt sind, und woraus man fort-
während Holzbedürfnisse befriedigen muss. ist schon
übergriffen und sein Capital auf der Neige.' Gr Anl.
1838. - Mhd. in Bed. ] und 2 b.
üf-: (den- Hefeteig) vom Boden des Backtroges
lösen und zerreiben S.
um-: umzingeln. .Die unsren haben das schloss
frytag zuo nacht berennt, umbgriifen und samstag
früeh mit stürm wollen nöten.' 1476, B. — Mhd. um-
fassen, umgeben.
a"-: 1. anfassen, berühren, .tactu cognoscere.' Id. ß.
Me' mues d' Sach a., wo me" si cha'" hebe' [festhalten].
Sdlger. Einen Vorrat anbrauchen, z. B. ein Capital
Gr; Z. — 2. unternehmen, anfangen. Z' ril under-
einisch a. B (Zyro). Grift'ed a"! Aufruf zur Arbeit Z.
Auch : zugreifen bei Tische. ,Nun grüfl'ent an. ihr
lieben Fründ; in Gott all frölich, hurtig sind [seid].-
GGotth. 1619. -- 3. feindlich angreifen, mit der Hand
oder mit Waffen, im Kriege ; .litem intentare.' Id. B.
Tapfer a'g'griffe' ist halb g(w)imne' L; Z. Bildl. von
Krankheit: Es hät-mi''' a' der Wiehn^icht (mit -eine
Frost) a'g'griffe' 7j. Mit .uf': .Habend die Dwielischen
[von Hohentwiel] uf sy an[g]griffen.' 15'2'2, Absch.
,Der Bischof von Chur greif uf alle die an [machte
Angriff auf].' Vad. ,Greif bischof Fr. von Chur mit
vil pferden uf die von Werdenberg oflenlich an.' ebd.
— 4. rechtlich ansprechen und in Besitz nehmen.
.So möchten er oder syn amptlüt die güeter. so im
zinshaftig wärind. da fürhin a.' 1464. L Stiftsarch.
.So soll man Zinsen dem Gottshaus kernen uf StGallen
tag und naher uf StMartins tag und ein Probst mag
sy [die Zinspflichtigen] auch wohl vorhin [früher]
darumb a.' AAPahr Offn. .Mag der Köufer die Under-
pfänder a.. verganten und verkoufen.' B Wuchermand.
1613/28. .Dass Niemands ihn [einen Kranken] in
synem Hus von Geldschulden wegen überfallen, noch
ihm uf syn Guot fallen, noch dasselbig a.. verheften
noch bekümmeren soll.' B Gerichts-S. 1615. Übertr.
auf religiöses Gebiet: .Was wurden ihr gewünnen.
wann ihr Gott seinen Tag angreiften, damit ihr die
Wochen ganz anderen eweren Geschäften behalten
könnten?' JMüll. 1665. — 5. die no|;male Beschaffen-
heit altericren, schädlich beeinflussen. De Chupfer-
hafe' ixt a'g'griffe' [oxydiert] B (Zyro). 's Lese'
715
Graf, gref. grif. grof. gruf
grtft-mer d' Augen a" Z. .Welcher Käs fault am ehe-
sten und wird angegriffen? ' Obw Pred. 1875. — 6. intr.,
wirken, z. B. von einem medizinischen Mittel, zunächst
schmerzhaft; von Werkzeugen (Feile, Pflug. Schleif-
stein udgl.) B; Z; Syn. ziehen. — 7. refl., sich an-
strengen. ,Es gab Eine, die Kaffee kaufte, das Pfund
für 10 Gr., während vornehme Weiber meinen, wie
[sehr] sie sich a., wenn sie für das Pfund 4V2 Gr.
geben.' Gotth. ,Sie seien wohl Narren, dass sie sich
so a. mögen [die Müssigen bekommen den gleichen
Lohn wie sie].' HPest. 1785. ,Wenn sich die Pfarrer
recht angreifen und recht darauf drücken, so könne
die Stunde so gut sein, dass der Täter auf dem Stuhl
schwitzen müsse und nicht zur Kirche hinaus könne,
ohne dass man es ihm ansähe, dann könne man ihn
greifen.' ebd. 1787. .Greifet euch zur Arbeit mehr
an!' ebd. 1790.
l»-griffe°: Eingriffe in das Recht eines Andern
machen. ,Und aber der pfarer vermeint, der apt sy im
etwas zue tuen scholdig, ist abgeredt, dass der pfarer
gegen den hern von sant Gallen nüt wyter handien und
y. soll.' 1534, Zellw. Urk. Mit Dat. (Acc?) P. od. S.
.[Die Fischer sollen] ihre Mark nit öbertretten und
den Schachen y.' XVII., L Ansehenb. .Ich aber hafte
mich uf dem, so erzelt [halte mich an dem Erzählten]
und will doch Niemanden yngegriffen haben.' ECys.
.Einem y., interponere se alicui, prseripere alicui alqd.'
HospiN. 1C83.
under-: von unten angreifen, packen; vgl. under-
laufen. .Der rhinoceros lasst den köpf zuo boden,
undergreift den helfanten, reisst im den bauch auf.'
TiERB. 1503.
er-: 1. packen, fe.sthalten. Was Nuet und Nagel
ergrift, was im Gebäude fest hält Ndw. — 2. voll-
.ständig greifen, z. B. eine Pfeife so handhaben, dass
man alle Löcher mit den Fingern trifft Bs. In dem
bekannten Kinderlied: Susanneli, stand uf und mach
es Liecht! lauten die letzten Zeilen in Bs nach .Dieb'
folgendermassen: Ne nei, Mamma, ne nei, Mamma,
's ist nur der Beppeli Meria* mit siner lange" Pfife",
het 100,000 Löehli draf, er cha" si nit e. — 3. ab-
nehmen (Einem Etw.). Ergrif eis [einmal] das China,
nimm mir es ab und auf deine Arme BH. — 4. er-
wischen, treffen, finden, einholen. .Was uf den güetern
[eines Verstorbenen, dem sie als Leibding gehörten]
ergriffen wirt des bluemen [Grasertrag], so daruf ge-
wachsen.' 1431/1544, Scnw LB. ,Die nachstüre, so in
ergriffen [betroffen] hat, ze geben.' 1474, Bs Chr.
,Und liessent wir denn den zwyfalten zins so lang
anston, bis ein zins den andren ergriffe und bczuge
[einliolte].' 1490, NSenn. Tam. .Dann wann ein Zins-
mann so vil sümig und hinlässig, dass ein Zins den
anderen unbezalt ergritte.' XVII., L Ansehenb. .Dem
Versender, welcher die Land auf und ab fahrenden
Salzfuhren zu benutzen wünscht, gelingt nicht alle-
mal, dieselbe zu e.' Unpcrs.: ,Es wäre im ein grosse
fröid, dass es den weg ergriffen hette [d. i. dass durch
das Eeligionsgespräch die Überflüssigkeit der Messe
dargetan worden sei].' Zwingli. — 5. Einen (z' Nid
und) z' Hass e., Hass auf ihn werfen B; FMu. ,Ks
sei ihm nützlicher, der Mei.ster brumme ein wenig,
als wenn die g^nze Dorfschaft ihn z' Hass ergreifen
würde.' Gotth. — 0. erlernen; vgL .fassen' und frz.
.apprendre'. ,Er hat die franzö.sische Sprach in Paris
ergriffen.' ßCvs. — 7. begreifen Sch (Kirchh.). —
8. refl., nach Etw. greifen, sich an Etw. festhalten.
Stif [rechte] Lüt g'halten en Ding [tun es an seinen
Ort], dass si denn wilssen, wa si si''' umhi [wieder]
e. chönnen, wa si Eppis nötig hein ßß. Wann oppa
e Chrache [Kluft] chemi oder e Bösehe [Busch] für
sich drand [daran] z' e. DGemp. 188.4.
US- (mit Acc. P.): 1. Jmd durchsuchen, insbes.
alle seine Taschen, um Etw. darin zu finden ScnSt.; Z.
— 2. eine Weibsperson unzüchtig betasten Z.
ver-: 1. cinbegreifen, einschliessen, aufnehmen;
enthalten. ,So hab ich inen discn hofrodel in ein
bermenten libell vergriffen.' 1475, ZGreifenb. Hofrod.
,Wie im mandat vergriffen ist.' Zwijjgli. ,Kein teil
solle mit synen fyenden friden machen ungewarnet
[ohne Rücksicht] des andern teils, sunders den ouch
in sölichem friden als sich selbs v. und beschliessen.'
1521, Absch. ,Mit lüten, bannen, gerichten, wunn,
weid, holz und feld, wasserruns und aller zuogehörd,
wie die in irem kreis und gezirk vergriffen sind.' 1522,
ebd. .Si band nit wellen, dass man sy in die antwurt
nieudert vergryf.' 1524, ebd. .Alles dasjenig. so die
Tordrigen biblien inhaltend, auch in diser vergriffen
ist.' BiB. 1548/00, Vorr. .Under dem taubengschlecht
werden die heimschen und wilden tauben vergriffen.'
VoGELB. 1557. ,Under dem nammen des hausgesinds
vergriffen syn, contineri nomine famili».' Mal. .Was
uns zue wüssen notwendig, ist gnuegsam in der h.
gschrift vergriffen.' LLäv. 1569. .Under denen ver-
gryfend sy alle andere.' ebd.; dafür 1670: .einge-
schlossen.' .Das wörtlin friden in hcbreischer sprach
vergreift alles guots zuo leib und sei.' ebd. 1582.
.Frawen und Töchteren sind die Überlitzlin an Ar-
men, 4 Finger breit, die Spitzli darin vergriffen, zu-
gelassen.' B Mand. 1628. — 2. schriftlich abfassen.
.Ich hab myn testament beschlossen, angegeben und
mit der feder v. lassen.' NMan. ,Eine quittung v.'
15'22, Absch. .Disen Handel hab ich kurz nach blosser
Warheit, niemand zu Lieb oder Leid vergriffen.' 1522,
BHaller. ..\ber wenn ir ein urteil über mich üs land
gän, so beger ich ein brief darum, mit ustruckter klag
und antwurt trungenlich [gedrängt] vergriffen.' 1523,
Strickl. ,Wärend aber die artikel nit vergritten [ab-
gefasst], sunder wellte man die erst jetzt stellen, soll
unser bot nit [mitwirken], sunder allein die artikel.
wann die beschriben und vergritten, in abscheid nemen.'
1525. Absch. .Sölich bürg- und landrecht, in vier
briefen vergriffen.' 1528, ebd. ,Dieser kouf mit allen
und jeden synen puncten, artiklen, vergryfungen, be-
dingen und vorbehaltungen, wie die obvergriften stand.'
1530, ebd. ,Da ward im begerter pund zuegesagt, zue
Luzern vergritten und von Bern schnell zuegesendt.'
Ansh. .Zudem sei das Lehen nur [auf] eine kurze
Zeit vergriffen und angestellt' 1545, Absch. ,Kurz
vergreifen, mit kurzen Worten sagen, colligere breviter
quK acta sunt.' Mal. .Kurzvergriffener Inhalt der
8 Bücher.' Würstisen 1765. — 3. (refl.) fehl greifen,
sich verfehlen; s. ver-giften Sp. 136. .Was ist das v.,
dass ir euch an dem Gott Israels vergreifend?' 1531/48,
Jos.; = ,Übertrettung.' 1067. — 4. anklagen, beschul-
digen. .Dass man inn nit lychtlich eines schnöden
lebens v. oder schelten möge.' Zwingli.. — Dazu das
Ptc. vergriffen: 1) verfallen, dahin gefallen. .Soll
er nit [als Bürger] angnommen syn, auch im obgemeldte
Uraf, grof, grif, grof, gi-uf
718
Cünditionen v. syn.' 1602, Ölii. — 2) adj., bedingt,
einen Vorbehalt in sich schliessend; verdächtig, zwei-
deutig. Von einem Geleitsbrief (1521, Absch. IV 1 a 136)
heisst es: ,Er war mit vergriffnen werten.' ,Und wir
je mit derglychen eingriffen und ansprachen dergestalt
furo solltend vexiert und belestiget und mit so ver-
griffnen und verdächtlichen umbständen von luterm
und hellem vermög unsers gemeinen landsfridens ge-
trungen werden.' 1532, Strickl. — unvergriffen:
1) als abs. Ptc: so dass den Kechten eines Andern
nicht vorgegriffen wird, unbeschadet; häufige Formel
am Schluss von Rechtsbestimmungen, Verträgen. ,Es
sye [dass] sy es mit mund und hande verheissen habe
oder nit, doch allen anderen der stette rechten u.,
on alle gevärde.' 1457, Bs Rq. ,Wol mögen die einig-
meister ein stangen haben und sich deren nach her-
kömmlicher üebung und je nach bedürfniss gebruchen,
den scheidlüten an irem ampt u.' 1486, Bs. ,Doch uns,
unsern nachkommenden ganz u. und ane schaden.' 1519.
Gfd. ,Doch unsern Eidgnossen an iren rechten in all-
weg u.' 1530, Absch. ,Wann solichs des Rhyns halb be-
schechen mag, hierin nachperlich und u. besichtigung
bescheche.' 1534, BsRij. — 2) adj., ungeschädigt. ,0n-
gfarlich, das ist, dass du darum onvergriffen syn mö-
gist.' Vad. — vergriff(on)lich: 1) in kurze Worte
gefasst, bündig. Vgl. vergrlfen 2. ,Vergrifflich reden
oder mit wenig Worten, comprehenso loqui.' Mal. ,Der
klein Catechismus ist wol kurz, aber in den Fragen
und Antworten v. und lehrhaft' Z Mand. 1596. ,Mit
syner kurzen, aber gar notwendigen und fast ver-
griffenlichen Vermahnung.' 1623, JJBreit. — 2) = ver-
griffen. Den ,eben v. und dunkel' lautenden Brief
1525, Absch. Man begehre zu vernehmen, wessen man
sich zu ihnen versehen sollte, da sie in ihren Dingen
gar ,spitz und vergrifflich seien'. 1530, ebd. , Solich
ufsatzig, arglistig und v. fürnemmen.' Vad. ,G'farlich
und V.' ebd. — u n - = unvergriffen 1. ,Das" uns dirre
brief u. und unschedlich syn soll um dchein ander
Ordnung, so wir hienach deheinest ze rate wurden ze
ordnen.' 1413, B Stadtsatz. ,Wellen wir doch, dass
solichs alles kraftlos und untüglich und denen von Bs
u. und unschädlich sein solle.' 1488, Bs. ,Die artikel
zuo ufrichtung der vereinung durch die verordneten
uf disen tag [die Gesandten] u. und uf ein hinder-
sichbringen jedes herrn und oberen [Eelatieren an die
Obrigkeit eines jeden] gesetzt' 1521, Absch. Es wird
ihm mit einem ,unvergriffenlichen' Schreiben ent-
sprochen [mit dem man sich und Andern Nichts ver-
gibt].' 1548, ebd.
Mhd. verfjrifen iu Bed. 1 und 3; unveryriß'cn iu Bed. 1.
Vanjri/en 1 und 3 grenzen zuweilen nahe an einander.
be-: 1. umfassen, a) von räumlichem Umfang.
•Da begreif man die statt mit niuren und graben.'
Just. ,Dass die hofstatt [zur Begründung Berns] ze
wyte yngefangen und begriffen was.' ebd. ,Unser
läger, so halben teil zwüschen der statt Meiland und
Binast begryft.' 1522, Strickl. ,Wo einer ein hag
muess machen und boum darob und darunder, die den
hag begryfent, stond.' Landr. Henneb.-Peterz. 1665.
Auch abs., ohne Obj., i. S. v. Umfang haben, sich er-
strecken, reichen, gelten. ,Welcher auch solich vogty
inhat, der oder syne amptlüt habend in sölicher vogty,
als wyt si mit den marken begrjffet, ze richten.' Th
Beitr. .Soll diser artikel b. allein, so wyt der zirk
der Eidgnoschaft gat' 1.532/44, Schw LB. Auch:
,begriffen han': ,Ein efaden gät unz in den graben und
herumb von dem graben, als ferro des Schachers hof-
stetten b. band.' 1433, ScHBuchb.-Rüdl. Ott'n. ,Granse
[Granson], dass do wyter b. hatt [weitern Umkreis],
denn Solotorn die statt' 1476, Bs Chr. S. noch Gürtel
Sp. 446. — b) vom Inhalt von Schriftstücken oder
gesetzlichen Bestimmungen: einbegreifen, enthalten;
betreffen ; vgl. vergrlfen 1. ,ln einem kleinen zedel,
üwerm brief yngeschlossen, haben wir gesechen be-
griffen [dass . . .].' 1476, Bs Chr. ,Was landsrecht be-
gryft und antrifft, dass es nicman me soll brüchen,
wann alls um bar gelt.' 1512/44, Sohw LB. ,Welichen
kosten die gueter, so in der weristür begriffen, ye
nach marchzal ertragen müessen.' 1523/44, ebd. ,Hin-
derrucks und on wissen anderer orten, [die] zu disem
handel sonderlich begriffen [sind davon betroffen,
daran beteiligt und interessiert] antwurt ze geben, will
uns nit gezimcn.' 1524, Absch. ,In der zal begriffen
werden, in numero accipi. Das gesatz begreift in nit,
er ist den gesatzten nit underworfen, leges cum non
tenent' Mal. ,Das buech Job begreife das luter
Gotteswort.' LLav. 1582. ,Den Bürgen keinswegs weit-
her verbinden noch begreiffen.' L Stadtr. 1706/65. —
2. schriftlich abfassen, zsfassen; berichten. Vgl. ver-
grlfen 2. ,Daruf von den obgenannten etliche artikel
nachbegriffner [in nachfolgender schriftlicher] g'stalt
geordnet' 1542, Absch. ,Kurz wirt er [der das Ar-
gumentum vortragende Knabe] b. spils verstand [Sinn].'
JMürer 1559. , Alles in ein buoch begreifen und setzen,
colligare uno libro omnia. Begreifen in kurzem, com-
plecti breviter.' Mal. , Wollend wir widerum unseren
ratschlag und antwort durch diso gschrift kurz b. und
fürtragen.' HBull. 1562. ,Debora hat solche guotat
mit einem lobgsang begriffen [berichtet].' RGualth.
1584. — .3. ergreifen. ,Der mülistein begreif in von
ungeschickt [und zermalmte ihm Hand und Arm].'
Sthättl. Chr. 1464. ,Der angel begreif den floss.'
Edlib. ,Der vatter, was er b. mocht der brunst ent-
flocht' Kessl. ,Die haut [der erkrankten Rinder] b.,
von den rippen ziehen.' Tierb. 1563. ,Der elephant
kann mit solcher nasen auch das allerkleinest ding,
gelt münz und ander ding, b. und seinem meister
bieten.' ebd. ,Was sy begreifend, haltend sy ganz
stark.' Fischb. 1563. ,Wo der verkäuffer sein ver-
kauftes guet [das ihm nicht bezahlt wird] b. mag, so
mag er"s von .stund an widerumb ngmen.' 1592, Foffa.
,Was Nut und Nagel begryft', alles fassbare Eigentum.
ZHöngg 1668. Vgl. ergrifen 1. Insbes.: gefangen
nehmen, von Tieren: fangen. ,Wundet der ieman,
wirt er begriffen, so soll man im die hant abeslahen.'
Z Richtebr. 1304. ,Sy hielten rat, wie sy Jesnm mit
list begriffind und todtind.' 1530. Matth. ,Das tier
ward begriffen und mit im der falsch prophct' 1531/48,
ÜFFENB. = , ergriffen.' 1667. ,Zu Zeiten bedecket es
[das Kaninchen] seine einschlüpf mit erden, damit es
nit gemerket noch begriffen werde.' Tierb. 1563. —
4. treffen , finden , einholen ; vgl. er-gr. 4. ,Zogten
[sie] den bilgrinen nach und begriffent si uf der fart.-
SoHACBz. ,So sy [fremde Ziegen] yenian uf dem synen
begryft.' 1520/44, Schw LB. ,Wo uns der bot begrife.'
1521, Absch. ,Wo mau üch in der Eidgnoschaft b.
könnt [üch] fänklichen anzuonemmen.' 15'23, Strickl.
,ln lästern verläumdct oder begriffen." 1529, Ochs 5,
711. ,Welche(r) über [gegen] soliche Verbott in
unserm Land begriffen wurdi, one Erlanbnuss der
719
Graf, gref. grif, grof. gruf
120
Kilchgenossen, so soll man zno im gryfen.' 1605, Schw
Eq. — 5. befallen, überfallen. ,N. N. ist mit sant
Veltis siechtage [Epilepsie] begriffen.' 1387, L Urk.
, Spann an und far hinab, dass dich der regen nit be-
greife.' 15.31/48, I.KöN.; = . ergreife.' 1667. .Mich hat
angst begriffen.' 1531/1667, II. Sah. ,Um den abent
begraff in gächs ein onmacht' Sicher 1531. ,üie nacht
mich begreif.' Salat. ,Von der kelte begriffen und
überfallen werden, excipi frigore. Darzwüschend mit
krankheit begriffen oder überfallen werden, intercipi
morbo.' Mal. — 6. feindlich angreifen. ,Ist der lut-
priester von Arow kommen, nit in guotem, sunder in
[einen Prediger] in synen werten zu b. [unterbrechen,
angreifen, bestreiten].' 15'23, Abscb. ,Dass niemand
die verkünder des Gottswort verachten, verspotten,
noch sy in Worten zu b. oder frefler, verächtlicher
wys on not in ir red und predig ze fallen und inen
zue widersprechen understan [solle].' Z Mand. 1530.
,Coarguere, carpere, b., strafen, bescheiten. Stylus,
Schrift, die einen stupft und begreift. Sich selbs b.
und seine wort widerrüefen, sein meinung wider än-
deren, se revocare.' Fris.; Mal. ,Dass er die chor-
richter nicht dafür halte [ihnen nicht zutraue], dass
sy einen b. wellind.' 1571, Absch. ,Es sy dann, dass
er in mit Recht nit mer b. [gerichtlich belangen]
möchti.' 1605, Schw Eq. - unbegriffen: unbe-
schränkt. Der Herr von Sax soll ,u. syn', Eichter zu
wählen usw. 1529, Absch. — bogriffenlich: kurz
gefasst [?]. S. begrlfen 2 und begrifflich 1. ,Zu der
wol und ganz hegriffentlich aufgesetzten Almosens-
Ordnung.' SHocHH. 1693. — unbegriffenlich: 1) un-
greifbar, übersinnlich. ,üie [verklärten] leichnam wer-
dend nit zum gcist, unsichtbar oder u., sy behaltend
ire wären eigenschaften, habend ire glider.' LLav. 1582.
— 2) unbegreiflich, übernatürlich. ,Der Sohn vom
Vatter unbegritfenlicher Wys geboren.' Z Täuferber.
1639. — Mild, hegi-i/ai, betasteil, umfassen; in Worten zu-
sammenfassen; erreichen, ergreifen.
zesamme"-grife": technischer Ausdruck beim
Schwingen, mit der linken Hand in die Schwinghose
am rechten Sehenkel des Gegners fassen, während die
Eechte von oben in den Hosengürtel hinter des Gegners
linker Hüfte greift Bü. — wider-: einen Angriff er-
widern. Selbsthülfe üben. ,Dass aller menglich eins
von dem andern umb alle übergriffe, die ynfallende
wurdent, vorhin mane ze tage, recht umb recht halte
und gebe an alles w.' 1387, Absch. — zue-: nach
Etwas greifen. ,Wenn es eim zu dem dritten mal
gebotten wurd, so sollt man denn z. [zu dem, der
nicht vom Streite lassen will].' XV., ScHwMa. LB.
— zer-: zudringlich betasten. Me' zergreift das
Büntele grausig [arg], um z' htege", was me" hei [habe]
GRPeist (Schwzd.).
griffe» Cir- Bs Spreng, auch IcriftenJ: 1. ein Pferd
an den Füssen, bes. gegen das Ausglitschen auf dem
Eis beschlagen lassen Bs; BM.; L; Syn. spitzen. ,Ein
altes Hufeisen neu gegrift 18 ß.' L Muster 1797. —
2. ein unerlaubter Kunstgriff der Schützen. Grob,
Chron. 45. — Bed. 1 zu erklären ans Griff 4 b, c Die
nähere Beschaffenheit von 2 ist kaum zu bestimmen.
Griffe» Gr, Griffi B; GRÜbS.; W — f.: Rind oder
Kuh (in GrLuz. auch Pferd) von dunkler Farbe mit
weisser Hautfalte am Kniegelenk (GrL.. Pr.) oder mit
weissem Streifen, Flecken an den Seiten des Bauches
B; Gr; W.
Der Name hängt wohl mit Clriff' 1 b zusammen, indem
die Steilen, wo solche Färbung erseheint, ungefähr dieselben
sind, an welchen auch die Fettigkeit des Rindviehs durch
Greifen erprobt wird. S. noch wua-gegriffet und Grifße.
Hüener-Griffer: Spottn. für den Furchtsamen,
Feigen L. — Vgl. tjnfen l, ein weibliches Geschäft, an
einem Manu also weibisch.
Möre°-: wer die ,More' betrügerisch verruckt Aa
(Eochh. 1857, 395 f.).
,Be-greifer: corrector. B. eines irrtumbs, der
ein ding verbesseret und wider ze recht bringt.' Mal.
— Zu ber/n/m e> Vgl. bes. »ic/i h., Begrl/ung ä ; beyriffliih 2.
ßüppli-: Wollüstling B. — Büppdli, weibl. Brust.
gegriffet. Eine ffgriffeli Kuh, deren Fettigkeit
sich greifen lässt BG., Si.; Gegs. schartocht. Syn.
griffig 1.
wiss-. Eine w-i Kuh, von der unter Griffe' be-
schriebenen Beschaffenheit GrV.
griffig: 1. von Mastvieh: „gute Griffe habend",
greifbar fett BsL.; BG.; STierst; Th; Z. Syn. ge-
griffet, gäbig. Zu Griffs a. — 2. fest, von Webstoffen,
z.B. Leinzeug Bs; Z; Gegs. lummerig. Zn Griff 3 a.
- 3. von einem Weibsbild, das sich gerne betasten
lässt Z (Dan.). — 4. von Getränken : angreifend, an-
regend, kräftig wirkend BSchw. ,Der alte Schnapser
wird sich nicht zum Most bekehren, der ist ihm zu
wenig gr.' Jenzer 1869. — Mhd. griffec, greifbar.
über-griffig: wer sich Übergriffe in die Rechte
Anderer oder Übertretung von Geboten der Nächsten-
liebe erlaubt, gewinnsüchtig. ,Es möchte Einer gegen
synen Nebenmenschen ü., eigennützig, wucherisch,
gfahrlich und unehrbar handien.' Z Mand. 1616/50.
a'-griffig, -griffig: 1. von Pers., bes. Hausfrauen
und Mägden: mit Lust und Geschick eine Arbeit an-
greifend ; arbeitsam, gewandt, rüstig .\p ; G ; UwE. ; Z.
Syn. an-kerig, -g'schirrig, -gattlich, -stellig, -schickig;
alert, icerchbar. ,Der pflster soll holz schyten oder
sunst etwas [tun] und angriffig syn.' G Küchenordn.
149.5. ,Dise frag erinneret junge Leut. dass sie fein
a. und tätig sein sollen.' FWyss 1650; vgl. ebd.: ,Die
Hand sind umb sich griffig, die Füss behend zum
Bösen.' — 2. von Sachen: was leicht oder angenehm
zu bearbeiten ist, z.B.: ohne Handschuhe in Winter-
kälte Holz laden ist ken agriffiga Zug Ap; Gegs. ö"-
ä"-gr., z. B. von Scheitholz.
Hier wie in anderen Abll. dieser Gruppe schwankt die
Quant, des Voc, und für die ä. Lit. lässt sie sich kaum mit
Bestimmtheit festsetzen.
■a'^- griffig: mager, von Rindvieh Bs; Gegs. von
griffig 1.
für-: (zum Vorgreifen geneigt) ziemlich = iiber-
griffig. ,F., die ander leuten das iren an sich ziehend,
alienis commodis inhiantes.' Mal. ,Die münch mach-
tend die sach so f., das" die regenten ein gesalzt mach-
tend, das» sy nüt me kaufen sölltend.' HBdll. 1572.
,Die Zoller warend eigennützig und f. wie röubige
tier.' EGüALTH. 1585. ,Begond ouch söliche leut ein
grosse sünd, wann sy in Verwaltung gmeiner güeteren
so f. sind, dass sy in einer kurzen zeit so gross guet
bekommen.' SHochh. 1.591, = ,vor-gr.' 1693. ,Dass
etliche fürgriffige Meister eigen Mel zu dem schilling-
wertigeiuBrot habind malen lassen, welches den alten
(irag-giug
722
C)idnungeii iiit geiiiess ist' lül7, Z Pflster. — Für-
giiffigi f.: Habsucht, Herrschsucht. .Gleiche für-
griffige hat könig Kodolph geüebt mit der stadt Lucern.'
HüiLL., Tig. , König Albrecht mit syner fürgriffige hat
ileui eidgnössiselien pund den ersten anlass 'geben.' ebd.
kalber-griffig: trächtig, von einer Kuh. in deren
Leib mau ein Kalb greifen kann BsL. ; Z IS.
nach-: (nach oder nahe greifend) begehrlich. ,Wir
haben in üwerm schryben eins nachgrifigen gesuochs
gemerkt und darab nit wenig bedurens empfangen.'
1527, AbSCH. - Vgl. nächsüerhiy.
„griffle", -ele' BE.: „oft und viel manipulieren,
mit prüfender Hand fühlen LB., bes. die Hühner be-
fühlen , ob sie Eier bei sich haben VOrte. Abi.
Grifler, -in.'
,Griffle° f.: Kuh mit weissen Griffen Gr;" Syn.
Gritfe'.
griff-, griff-, griffen-lich: greifbar, hand-
greiflich. Vgl. griffen 1. ,Diewyl des lybs eigenschaft
ist, fleisch und bein, grifflich und sichtbar syn.' HBull.
1.571. ,Ein grift(en)liche flnsternuss, wie in Egypten
was.' LLav. 1582. .Gritt'euMche irrtumb.' ebd. ,Ist
gnuegsam grundlich und grifflich erzeigt und an tag
gebracht worden.' Ev. Gegenber. 1588/1G58. ,Ott'enliche
und griff'enliche lugen soll man nüt verantworten.'
158^1, Zellw. Urk. ,Griffenliche lügen.' SHocbh. 1591,
= .handgriffenliche.' 1693.
iJie Form mit -tu scheint eine Erweiterung des Präs.-
Staninies, «alirscli. angelehnt an das Gerundium od. Ptc. Imp.
Vgl. die nhd. Bildungen auf ,-ent-lich', wie .hoffentlich' u. a.
a"-griff'lich: ergreifend. ,So ägriflich hatten wir
[der Schulmeister mit Blasen, die Kinder mit Singen]
es gemacht.' Gotth. — u"-: ungreifhar, übersinnlich.
,Gott, du bist ungryflich, lyblos [unkörperlich, ein
Geist].' HvEüte 15.5'2. — u°-ver-grifflich: 1. (-i-J
unbegreiflich, überaus, z. B. ,u. ungern' W. — 2. un-
angreifbar, unfehlbar. Von cergnfen 3 od. 4. ,Darumb
so muess ein bischof u. syn.' Zwingli. — hand-
grlffli(ch): wie nhd. Es ist handgrlfli, was er häd
ireUe" säge", es liegt auf der Hand Z. ,Wobei man
handgrifflich verspürt . . .' FWyss 1650.
begrifflich: 1. kurz gefasst, aber das Wesent-
liche enthaltend. Vgl. Begriff' 3. , Etwas in einer
summ und kurz b. durchlaufen, carptim breviterque
perstringere aliquid.' Mal. ,Melanchton hat darüber
folgenden kurzen, doch begrifflichen brief geschrieben.'
LLav. 1576. , [Saramt] begrifflichen Abteilungen der
Capitlen.' Titel der Bib. 1667. — 2. angreifbar, tadel-
haft. Zu begrlfen 6. Vgl. Begrlfer, Begrifung. ,Wie-
wol sy b. oder freflich gehandlet haben, solle man sy
dnch dulden.' Zwingli. — un-: 1. unangreifbar. ,Cer-
tissimus in dicendo, der sich mit roden nienen verhönt
oder verhauwt, in seinen Worten u.' Fris. — 2. un-
begrenzt. ,Und an so vil enden syn, mag gheinem
zimmen, dann dem, das u. ist; das ist allein die gott-
heit.' ZwisGLi. — 3. unbegreiflich. ,Wie gar unbe-
grifflich sind deine gericht!' 1530, Eöm. = ,unerforsch-
licli.' 1806.
Griffling ni.: Hand (Gaunerspr.). Gengenb., Bettl.
Begrifung: 1. Umfang, Inbegriff, Zubehör. ,Dis
nachbenemmten stuck und güeter mit allen und ir
jetlichs rechten, nützen, fruchten, fryhaiten, guoteu
gewonhaiten, begryfungen und zuogchörungen.' 1513,
Schweiz. Idiotikon. II.
Arch. Jenatz. .Kaufsgerechtigkeit mit aller begryfung
und zugehörd.' Z Kaufbr. 1551. ,Ein hof samt seiner
begreifung.' Stadtb. Wthur. — 2. , Begreifung, cora-
prehensio, correctio.' Mal.
Griffel m.: 1. wie nhd. — 2. = Graffel BHa.
Blili-: nach Art eines Bleistiftes in Holz gefasster
Griffel Gl.
gr i f f 1 e ° : aus dem weichen Schiefergestein ('ff n/?'e?-
LindiJ Griffel verfertigen, resp. jenes Material zu die-
sem Zweck verarbeiten Gl. — Griffler: Arbeiter,
der dies Geschäft betreibt, ebd. — Griffleri f.:
Werkstätte dafür, ebd.
Griff] ungi s. Grafion.
Grifle" BHa. rGr7fli): Gr (-f-, -f--J; W, Grefle
WLötsch.: 1. Pivi,s,II,o,.r,.. vaccin. vit. id. BHa.;
Gr (auch Bit,llrr-Gr.r. W . Syn. Grüble, Grippli. —
2. Kauschbecre, vaccin. ulig. GRRh. ; Syn. Muniberi.
— 3. Bärentraube, uva ursi BHa.; GrD., Pr.
Bei Hottou 1695 .Griffel-, Gripfel-Beer'; in Hessen
Ei-steres fiir vaccin. niyrt.
Grefe f. GWa., Dim. Grüfli Schw: Hautausschlag.
Keis Grüfeli, nicht das geringste Merkmal einer Krank-
heit ScHwE. — Kitz- Grüfeli: Hitzbläschen GWa.
Da das Schw Grii/Ii geradezu = Küßt erklärt wird und
da in G o = M sein kann, so liegt Zshang mit dem gleichbed.
Huf nahe, sei es, dass das y aus dem alten Anlaut h (ahd.
Iiruf) entstanden wäre (wie mehrere Gn- aus altera Im-),
oder dass das Präf. ge- mit dem Stamme verwuchs.
Grolle" m.: eine Krankheit? Vater zu seinem Sohn,
der sich in Bern niederlassen möchte: ,Ich hör, es
.steckt in dir der Grofflen, du trittst ungern die Acher-
Stofflen.' Mtricäüs 1630.
Viell. entstellt ans dem lat. serofula, Halsdrüsengeschwulst,
da der Anl. «i-r- der deutschen Sprache fremd geworden ist.
Weil serofulöse Constitution ühh. als Symptom schwächlicher
Leihesbeschaffenheit gilt, so konnte daraus Unlust zu Bauern-
arbeit erklärt werden. Mit dem vorhergehenden W. hängt
das vorliegende schwerlich zusammen.
Grnffeli', bezw. Griffeli = Gi-äffeli (s. Graffei) B.
Vgl. mhd. (jrüfd = griffet, welches übh. einen Stift, meist
zum Schreiben, resp. Einritzen in Wachs, bezeichnen konnte.
Mit solchen Stiften oder Spitzen mochten die Zacken eines
Quirls verglichen werden (?).
griffe» s. griffe
Gruft s. Kruft.
Grag -grug.
S. auch die Kiihc Uiinjij usw.
Gragi s. Ge-rägg.
GragÖl AaB.; Ar; G; S; Tu; UwE.; Zu; Z, -cl Bs
(in Birseck De-) ; BM., R. ; Sch; Ndw, -öl ZSth.. Griigöl
GRtw., ffre- Gl (Schuler), Gri- GRÜhur, kr- AaWoIiI.;
Bs; Z tw. — n.; m. in Ndw; ZÜ. (selten): 1. wilder
Lärm, buntes, lautes Durcheinander, in Freude oder
Streit, bes. von Kinderschaaren. allg. Auch: zudring-
liches Bitten einer einzelnen Person Sch. (Es) Gr.
mache", allg., auch i. S. v. viel Wesens, Aufhebens
von etw. an sich Unbedeutendem BR. Syn. Gramhöh
— 2. Unordnung, z. B. der Geräte in einem Zimmer
(irag, greg, grig, grog, griig
Gl (Schuler). — 3. „(Kr-) Eingeweide eines geschlach-
teten Schweines Bs." — 4. Gerüstwerk, z. B. zum Bau
einer Brücke BE. „Orgel AaB. (pöbelh.)" — 5. grosser,
bes. langer Körper von Menschen oder Tieren, z. B.
einer Kuh BR.; langer, ungestalteter Mensch Aa;
BM.; Syn. G'ragel. Schimpfn. eines plumpen, un-
ordentlichen Menschen ZO.
Nhd. ,Kraleel'. Über NbfF., Verbreitung und (mntmass-
lich fremde) Herkunft des W. s. Gr. WB. 5, 1976. Be-
rührung mit Giagel (Ge-r-) ist trotz der Verschiedenheit der
Betonung und Quantität der Endsilbe bei 5 unzweifelhaft und
auch der Begriff von ,Wirrwarr, Gewimmel' berührt sich mit
g'raglcn. Bei der Anwendung auf Orgel wird eher an das
viel Raum einnehmende Gerüst als an das Getön zu denken
sein. 3 wird sich auf die wirre Verschlingung des Netzes
und Gedärms beziehen.
gragöle°, -ele": wild lärmen, mit grossem Ge-
schrei zanken, einander zu überschreien suchen, sich
wild geberden Aa; Bs; B; LG.; G; ScHW; S; Th;
Uw; Z. — „ver-: durch Lärm (wildes Treiben) Etw.,
z.B. einen Gewinn, verlieren." — Vgl. das syn. grölen.
Gragöler, -eler, -Öli: Lärmmacher, bes. bei ge-
ringfügigem Anlass, aus blosser Lust an Skandal oder
aus Eigensinn. Gi'agÖli heissen in L auch die kleinen
Hunde der .Sträggelen' (wilden Jagd), von ihrem lauten
Gebell; daneben auch Gragöri; Lüt. Sag. 463. 465.
— Gragöleri": rechthaberische Person UwE. —
Gragölete f.: lautes, wildes Treiben; auch von
einer lärmenden Musik UwE.
,gragüre": sich wild lebhaft, mutwillig betragen,
z. B. von Mädchen, welche es den Knaben gleichtun.
— gragürig: wild, ausgelassen AAZof."
Zunächst wohl aus *yragoren =^ gragölen, -ölen, aber auch
mit Einfluss von 'gregoveii ^ gregörlen (s. u. Gregonua).
grägele": 1. „kirren, von Hühnern, die ihr Ver-
langen nach Speise durch Töne kund geben," oder die
bald Eier legen wollen Schw; Uw. „Gib den Hüend-
line', si gräglid scho' lang." Sj'n. grädelen, grügelen,
singen. ,Man sagt, dass die hauen kräyind, die hennen
grägelind.' Vogelb. 1557. — 2. zappeln, palpitare Bs
(Ochs).
Wahrsch. zu mhd. h-agden, scharfe Töne hervorbringen,
z. B. von Hühnern. .Kregeln, gracillare, sonus gallinarum.'
Voc. 1482. Noch Mal. schreibt: ,Die vögel kraglend, gar-
riunt.' S. auch hrägUt. Wohl von hagen i. S. v. Hals; auch
mhd. gregd, grechel, krichel scheinen Namen von Vögeln. Da
der doppelte Guttural der Bed. ,Töne von jener Art hervor-
bringen' angemessen ist, so wird grägekn wohl gegenüber
grädelen das Ursprüngliche sein.
Gregerne" s. Ge-räggernen.
gr^göre": fehlschlagen. Es het g'gregoret G; Z.
Syn. hgoren 5 (Bd I 415), aus dem es entstellt sein kann
durch (die häufige) Vertauschung von l mit r und Auffassung
des g im Ptc. von hgoren als stammhaft, viell. aber auch
noch unter Einfluss von grtujöhn, graguren und gregörUn (s. u.
Gregorius), welche sich in der Bed. mit legoren 3 berühren.
Gregorius Gregori Aa; G; Z, „Gorjes Gr, Goi G,
Gögel GrD.": Taufn. und Name des kathol. Heiligen,
der am 12. März gefeiert wird. Dieser Tag gehört
zu denen, deren Wetter vorbedeutend ist: Wenn a»
Gr. de'' Biswind gut, so gät-er 40 Tag lang nach
enand L ; S ; Z. In ScnSt. gilt der Spruch : D' Chorn-
jude h'halted ires Chorn, bis StGregor uf-eme wisse
Hengst derlier rift, wo das weisse Boss sich kaum auf
den mythischen Schimmelreiter, sondern darauf be-
ziehen wird, dass der Schülerbischof an jenem Tag
auf einem Schimmel ritt (Rochli. 1857, 502). Am
Gr.-Tag wurde nämlich der Schluss der Winterschule
gefeiert durch einen Umzug der Schüler, bei dem sie
verkleidet verschiedene Stände usw. darstellten und
allerlei Spiele im Freien machten. Eine Hauptlust-
barkeit bestand aber darin, dass sie aus ihrer Mitte
einen Bischof wählten, unter dessen Anführung sie
auch in die Kirche zogen, wo er eine Predigt hielt
und sie das Gregoriuslied sangen. Er trug bei dem
Umzug an einer Stange (die den Bischofsstab vor-
stellte) eine grosse Bretzel und es wurden Bretzeln
und Wecken unter die Jugend verteilt. — Die Er-
hebung des h. Gr. zum Patron der Schulen beruhte
wahrsch. auf dem durch ihn eingeführten Kirchen-
gesang, dessen Einübung ein Hauptgegenstand des
Schulunterrichtes war. Später wurde das Gregorius-
fest mit dem Schülerbischof überh. als Schulfest, auch
an andern Tagen und unter verschiedenen Gebräuchen
gefeiert, zu denen auch Mummereien gehörten. Vgl.
WWackern. 1873, 105/6. In GRapp. wurde an dem
Festtage von den Schulknaben eine Katze getötet (an-
geblich weil eine Katze einmal den Heiligen in seiner
Andacht gestört hatte, wahrsch. aber mit verdunkelter
Erinnerung an einen auch anderswo geübten heid-
nischen Brauch, s. Rochh. 1856, 2, '289), indem man sie
mit angebundenen Schweinsblasen von einem Turme
herabwarf und in der Luft schweben liess, bis sie sich
zu Tode ermüdete. — In AARheinf. gibt die Stadt-
schule dem Lehrer am Gr.-Tag Trinkgelder; in Klingn.
gehen die Schüler zum Opfer. Im Fri. bildet sich für
den Festtag eine Knabengesellschaft, deren Mitglieder
Esswaaren aus den Häusern zsbringen; der Vorrat
wird dann auf einer Wiese unter Spiel und Tanz ver-
zehrt und der Brauch heisst gregörlen.
Greigele Gl, Greigle AAFri. f.: 1. = Geigle 3 a
(Sp. 147, wo wir die Form mit r zu streichen bitten)
AAFri. — 2. = Geigle 3, auch von hoch aufgeschos-
senen, schwachen Pflanzen, dünnen Stengeln Gl. —
greigle": 1. = geiglen 4 AAFri. — 2. = geiglen 7
(welche Nummer hieher zu versetzen ist), ebd.
Greigli m.: schamloser Mensch, ebd. — greiglig
S. u. r-. — Form und Begriffe obiger Familie zeigen eine
Verquickung von Geiglen mit dem Stammw. Keigel; s. d.
Grig Öl s. Gragöl.
„Orogel m.: Groll, Unwillen. Einen Gr. auf Einen
haben LG."
Syn. Grudel, welches aber langes u zu haben scheint und
auch ,Ekel, Widerwillen' bedeutet. Da also die Zsgehörig-
keit dieser zwei WW. zweifelhaft ist, so verhält sich Grogd
viell. zu GrM wie rugcfc« zu , rollen' (frz. roulcr), Krügel a.\i&
,kroll', kraus, krumm.
grogen s. u. ragen. groglen s. ge-raglen.
Grogel m.: kleiner Bursche, Knirps. Die Buebc
si no'^ gar chlini Grögle, aber Lärme' mache" si für
zwölf. Bari 1885. — Wahrsch. = Gröggd; oder mit einge-
schobenem )■ = Gogd? Vgl. auch Grügerli u. GSrgel Sp. 417.
grügelen = grägelen. ,So die hennen die laus
suechend und stäts grügelend, als ob die regentropfen
hinabfallend, verkündend si einen regen.' Vogelb. 1557.
Da das selbe Vogelb. sich sonst der Form mit ä bedient,
30 liegt hier viell. ein Druckfehler vor; doch s. auch Grügel-
Han und ,krigeln, grugeln' bei Gr. WB. 5, 2303, auch bair.
grügelen, heiser reden, hohl husten.
(irag-
(Jragg— Ki'"fff.'
726
GrUgerli n. : kleines Ding AaZ. S. auch GrügyerU.
Syii. Gruddi, welches aber kurzes ü zu haben scheint.
Viell. eig. mit ffij vou fjvütjtji'u ^= (jrupcn, krieclieu.
Gragg (d. i. -i) — grugg.
S. aiifh die Reihen dnuj usw., Crah- usw.
Grägg I, kr- Gl; GrLuz., -e" Grvovvv.; „W",
Grägg I Gl, 'Kt-, Chr- GRMastr., Pr., uVatz — f.
,Gl"; GRObS., Rhw.; „W", sonst m.: 1. Krähe aaOO.
Ihr Geschrei verkündet schlechtes Wetter. More"
isch ['s] nid hübsch : los, wie d'Gr-e'leid tuend! (B.)
Sic verkündet auch für das Haus, auf welches sie
sich niederlässt, einen Todesfall Gl. S. noch Rochh.
1853, 2, 24 «. 1857 S. 82. \i!:\. an.-h Girdiw, Eapp.
Viell. ist der Zuname , Gragg.' LNeud. ItKiO unser W.
— 2. kleines Kind in wegwerfendem S. GRMastr.;
ZGlattf. E Mueter mit ire' Gr-e: Syn. Krä.
yg\. mhd. gräken, krähen, schreien. Wie das anklingende
lat. graiuIuK ein lautmalendes W.: vgl. auch räggen und bes.
Gägg Sp. 164. — '2. Die Kinder als die ,krähenden', schreien-
den aufgefasst.
Grägg II s. Ge-rag.
(iraggeli n.: Ungeziefer B.
grägge(n) B (0. ir-); Uw; W; Zg, „rägge BO.',
grägge ScBw: 1. kriechen, schleichen, zunächst von
anscheinend mühselig sich fortbewegenden Insekten,
Molchen udgl., dann auch von kleinen Kindern, die
auf dem Boden kriechen, und von i^rlur.iili.licn. rr-
schiipften, verwundeten mliT alten l,enten aaiiii. I"
d's Bett gr., mühselig hinein^teiuen. Jini min" uf-r"
Türen g'ragget. Alpenr. 1S7_' il'.iii.). Smi. </"//'/'".
mfichlen, räblen, schnäggen. liazu ilir G ra ii<ii . I\iii|iiie|
mit schwerfälligem Gang. -- 'J. üherh. Etw. mit Mtilie
verrichten B. Syn. sich ärhcten. -— 3. uiiimcr-, iln" iir..
(überall) eingreifen, sich herbeimachen, einini^lien.
im eig. und übertr. S. Gr. — 4. hervorragen l «. ■/.. 11.
wie die Zunge aus dem Mund, das Hemd bei kleinen
Buben aus den Hosen Uw. Grägg nid rso zum Pfeister
[Fenster] üs; dr chenntist Mse''g'hvje'. „Seitwärts
sitzen, ebd." — a"-: antasten GrL.
1 — 3 Syn. und viell. blosse Nbf. zu gräpcn. 4 scheint
eine Verquickung von g'mgen mit obigem W. zu sein.
Gräggel m.: Schwächling, magerer Mensch, bes.
von schmächtigen, schlecht entwickelten Kindern,
Knirps BU.
.graggen I: ausspöuzen, ausrüspen, kauwen, kö-
deren, excreare, despuere. — Graggon: geifer,
Speichel, oris excrementum. — Gragger, Oracker:
screator, sputator. — Graggeten f.: expuitio. —
grägglen: fast spöuzen, köderen, sputare; spiiuzlen,
consputare.' Fris.; Mal. — Vgl. frz. ,cracher' (aus deutsch
, krachen'). S. noch yroggcn.
graggen 11 s. griggen.
Gragge" f. = Grigge I 1 in bes.
Z (Spillm.). ~ Im Abi. gebildete Siiielfe
litli
Gräggli°g m. : nüssgestalteter Gegenstand, auch
n Menschen BRi.
Grägg 11 (-d-) s. Grägg, Ge-rägg.
Gl-äggele" f.: ein Name der Berchta als Schreck-
gestalt für die faulen Spinnerinnen in der Weihnaclits-
zeit, um LHochd. (Lüt. S. 4()5). — Vgl. das syn. SiiUij-
gden und die obigen Graggling, Grägg.
gräggle- s. ge-raglen.
Grauggi, seltener -äu- n.: 1. Unpässlichkeit, kör-
perliches Übel B öO. Syn. Grüpi. Er ist e chlin en
Übelg'sunde'' ; er chiinnd ö nie üs, wann [denn] er hed
eppan es Gr. an im BR. (PEgg.). Das chunnd nnch
van ml"'m alten Gr. — 2. gebrechlicher, zusanmicn-
geschrumpfter Mensch BHk. — „grauggig: unwohl,
kränklich BO." — Zu grügym.
Gl'iggel m.: 1. Krüppel BU. E Gr., wo [welcher]
sl"'r Lebtig niit G'rechts git. MWalden, von einem
elenden Mädchen. — 2. dim. Gr-i, verkümmerte Frucht
GWe. — ■ S. noch Grieggel.
Griggele" f.: Gabelung 1. die der Schenkel des
menschlichen Leibes B; Th. Ghumm-mt;r nid i" mi"
Gr., fahre mir nicht zwischen die Beine! TuFr. E Gr.
mache', krummbeinig gehen, wie kleine Kinder etwa
tun ScHW. — 2. Winkel zwischen den Fingern oder
den Knöcheln der Hand; doch nur noch in der aus
dieser Grundbed. abgel. Anwendung von schmerzhafter
Geschwulst und Eiterung in der hohlen Hand, aus-
gehend von Geschwüren zwischen den Fingern, welche
man in Folge derselben ges]ireizt halten muss ZWang. ;
auch in Monta\un , (i rir,i,il,i). S. noch Grippele. —
3. (oft auch .lini.i d.'i W inkel, die Achsel zweier Äste
oder Zweige; Stelle, hm, lei Stamm sieh in zwei teilt
halle
diegrigglen der l.aiimen eiheiikt.' \'o.,i lm. I:,:,;. .Zwii-
schend den griui^elen uii.l zahlen der weini ijjien.- l-'i;is.
,I)ie Griggel, nanmgal.el. enix, furoa arlioris.- Kkd.
1Ö02. — 4. gabelfi.rmiges Geräte U; spec. a) als Stütze
für Wäscheleinen, für schwer tragende Äste von Obst-
bäumen, für Netze, die zum Trocknen ausgespannt
werden Aa; Gl; Zg. — b) Gabel zum Tragen von
Latten in Zäunen; auch gabelförmige Verschränkung
von 2 Hölzern im Zaun aScnw. Vgl. Gr.-Hag. —
c) Grigele = Onhh' 4 ,1 (S,,. r,7) Ld. -- ,]) alin"liehe
Vorrichtung, alier an- le-icin H<il/e. /um Zn^an n-
halten gebrerhlielier .\-le ...\rv /u , itnliue,- Slannne
TnFr. — e) Lowen/.ahn. leunt. larax. /Dattl. (Gruj^lcJ.
— f) (dim.) Spielpfloek, der auf einem schief in die
Erde gesteckten Stabe aufliegt und vermittel.st einer
hölzernen Schaufel fortgeschleudert wird Z. Syn.
Siggeli. Vgl. .\i.h,I. //»,/,-/,/?>/ (Bd 1151). — 5. übertr.
a) Person mit ^ell\\ ei lallij-ni (gespreiztem) Gange AaF.
Vgl. 1. — bj lange, mageie Person Gl. Syn. Slagelen.
Vgl. 4 a und Greigclen. — c) verkrüppeltes Stämmchen
Zu. — d) verkümmerte Frucht, ebd.
Wie Grqq,de" (s. d.) blosse Siiielform zu Grituh'; das
Überwiegen der vorliegenden Form mag durch das siunvwdte
G(r)eigelen, etwa auch durch Niggd u. a. bewirkt worden sein
oder gar auf welschem cri./u«« beruhen, welches mit unscrm
iragg, gregg. grigg. grogg, gnigg
728
W. die Beil. 4 f und 5 a teilt. Diesen Vermutungen gegen-
über erhebt auch das von Frisch mitgeteilte ,grageln, aus
einander spreizen' Anspruch auf Vwdtschaft. — 4 e bezieht
sich auf eine Spielerei der Kiiidn-, ivpl.-hr die Stengel der
Pflanze, an jedem Ende t."^i> ^ ■ ^' -^'-r legen, worauf
die so entstandenen Schinl,. i i i !. i jrehen und sich
aufrollen. 4f lässt die \ . i-h i, liim- mit dem Reiter zu,
nur dass der eine Schenkel zu einem kleinen Ansätze (Köpf-
ehen) Terkümmert ist; freilieh drängt sich auch das engl.
Cricket-Spiel und zwar um so mehr auf, als St. ein W.
.Grigge' i. S. v. Heimchen, was das engl. W. ja eig. auch
bedeutet, anführt und Spiel und W. wenigstens in ZZoll. erst
in den Fünfzigerjahren aufkam. 5 c und im Anschlüsse daran
5 d und Origgel betonen wohl die Verästelung als eine sperrige,
die schöne Entwickelung hemmende ; vgl. vergriggdet ; doch Tgl.
zu den zwei Letzteren auch das syn. Grünggeli und Krügel.
griggele": 1. Dim. zn griggen Gl; GT. — 2. (auch
riggele) ein Spiel der Knaben, ganz ähnlieh dem ,cricket'
der Engländer, nur dass an die Stelle des Balles die
0. (4 f) beschriebene .Griggele' tritt Z. Syn. hurniglen
Bd I 151; gülen Sp. 222. — Griggeler m.: ver-
wachsener Mensch UwE. (Alter) Mann mit grätschen-
dem, schwerfälligem Gange aScnw (auch Griggeli).
griggelet: mit gespreizten Beinen U. G'rad gr.
appeeho', so z. B. von einem Baume herunterfallen,
dass man grätschend über einen Zaun zu sitzen kommt.
— Ter-: von Bäumen, verkrüppelt, mit verdrehten
Ästen Zu.
Grigge" I f.: 1. Weibsperson, welche grätschend
und schwerfällig einhergeht, „allg." Syn. Gragge. —
2. kleiner, einbeiniger Arbeitsstuhl für Schuster ZW.
grigge": 1. beim Gehen mit den Beinen mehr
seitwärts ausgreifen, steif, wackelig gehen L; Uw; Z;
mit abgeläuteter Nbf. verknüpft: du cha""st iez gr.
oder gragge, wie d' witt Z. Auch wegwerfende Be-
nennung des Gehens übh. Mnrn vill i'* wo«* i" d' Stadt
ie gr. JKMey. 1844. ,\urli: unrnliiir herum rutschen,
wie kleine Kinder tun Z»>.; Syn. niiiiiic" figgcn, -m'sten.
Auf Stühlen und Bänken lioruinklrttorn ZWl. Beim
Gehen die Hüften hin und her werfen: Dass de" Rocl-
ose brav tüeg schwänze", hat si halt cfgrigget links und
rechts. Stütz. — 2. (prägn. bes. mit umme-) kränkeln,
gebrechlich sein (eigentlich so umher gehen) GO. —
3. mühselig an Etw. arbeiten ZF. — 4. = griggelen 2
Z (Dkr). — über- in der Verbindung: Alles ü., allen
Platz für sich in Beschlag nehmen Z. — .er-: Etw.
mit grosser Anstrengung zu Stande bringen.' — ver-:
1. tr. (die Schenkel) aus einander spreizen Z. ,Zer-
griggen oder zergriglen, von einanderen speren. Ex-
plicatus cruruni. Das zergriggen [Df.nzl. ITlii: ,zer-
gricklen'] der schenklen, wenn einer die bein weit von
einanderen zertuet.' Fris.; Mal. — 2. ntr., anfangen
zu kränkeln GWe. (NSenn).
Griggi I m.: Mannsperson mit grätschendem,
wackelndem, hinkendem, mühseligem Gange; bes. weg-
werfende Bezeichnung eines alten, gebrechlichen Man-
nes Aa; L; Uw; U; Z. Auch von Vieh L; von einem
wackeligen Stuhl, Tisch ZAuss. Kränkelnder Mensch
GO. ,Den [alten] Generalen hiessen sie den Hofgriggi.'
HPest.
Griggi n n.: 1. der Zwischenraum zwischen den
Schenkeln L. — 2. grätschende Stellung AaF.; ZKn.
Der macht aw'' es Gr.; er hed g'wüss d' Glidersucht.
— 3. = Griggele 2 SchwE.
griggig: mit grätschenden Schenkeln Uw; Z. —
Griggis m.: Schwächling; verkümmertes Geschö]if
übh., z.B. Obst AaFtI. — Grüen-: kränkelnder
Mensch mit fahler Gesichtsfarbe, ebd.
griggli"ge°: grätschend, rittlings L; ZGlattf.
„Grigge" 11 f. F", Grigger m. BG., Griggi lU
n. F : Haus- und Feldgrille. — Aus dem angrenzenden
Frz. (cricri, criquet) entlehnt.
Grieggel m. : 1. schmächtiger, schwächlicher, ver-
wachsener Mensch B. Das Chind chunnt nit für
[gedeiht nicht recht], e sellige leide [solcher erbärm-
licher] Grieggel. Gotth. Dass e sellige" Gr. es selligs
Mansch wie ne Flueh überleben könne, ebd. Das mit
,Gr.' Geschmähte entgegnet: Dass i nit feisser bi",
chann i Nüt derfür. ebd. ,Die Pfarrerin hatte 4 gelb-
grüne Grieglen von Mädchen.' ebd. Auch von Vieh,
ebd. 21, 396. — 2. verkümmerte Pflanze, solches Obst,
ebd. , Schreibe man zu spät um Bäume, so müsse man
haben, was überbleibe, manchmal die elendesten Grie-
geln.' Gotth. — Ausweichung von Griggel.
Grieggi= Griggi I Zs. Spöttische Bezeichnung
eines Städters BU. Was wett au"- so ne Gr., so ne
Stadlmöft' vo' dem wüsse"; er chennt jo nit emol de'
Flachs und 's Chorti vor enangere".
Groggande : Knackmandel L. — Wohl vom frz.
[iimnmh] croquatUe von croqwt', knacken.
grogge": heftig, mit ekelhaftem Auswurfe husten
W. — Grogger m.: ein solcher Huster und Husten.
— „Groggi n.: Auswurf eines Hektikers, Lungen-
süchtigen, ebd." Syn. Köder.
Aus frz. ,croqner', unter den Zähnen krachen? Vgl. frz.
,cracher' aus deutschem ,krachon'. Oder Nbf zu gi-ngijmt
Vgl. Stngdc = Slagek; töggelen = tär/geten.
gröggle": durch einander machen ZHörnli. —
Grögglete f.: Durcheinander, ebd.
Die MA. der Gegend würde gestatten, das Stichw. mit a
anzusetzen; dann Hesse sich unser W. als Abi. von gräggen
verstehen.
Griiggel m.: Knirps, schwächlicher, elend aus-
sehender Mensch Bs; B. Syn. Granggel, Grieggel,
Gräggel, Goggel (Sp. 178). Wil d' Stange ordelig hoch
u"' mir chUni Gröggle' keini guete' Schütze' si" gsi".
Dr. Bari 1883. ,Sie fürchtete, das schwächliche Grög-
geli mochte ihr zur Last fallen.' MWald. 1884.
griigg: Naturlaut. 1. den Gesang der Unken nach-
ahmend, 's MÖndli isch in Brunne g' falle': Gr., gr.,
gr.! Z It Wackern. — 2. die Stimme der Wildtaube
TuSteckb. Vgl. Gügg II Sp. 191.
Hieher viell. der Ausdr. ,Grüklin' bei Mey. Hort. 1692:
,F,r hat nicht ein Gr. drauf gelassen. Er lasst nicht ein Gr.
Er darf nicht ein Gr. lassen, ne my quidem audet facere.'
Himmi (Hinni, Immi)-Grügg, -Grügg m.:
1. etw. Garstiges, Ekelhaftes. Zu dem wählerischen
Kinde, das z.B. die Zwiebelschnittchen in der Suppe
bei Seite schob, sagte man: iss-es nW; es ist keinlmmi-
grügg! ZStdt. — 2. wählerische, eigensinnige, ver-
schlossene, unangenehme Person; wunderlicher, son-
derbar aussehender Kauz Z f.
Vgl. ImhiHsgauch Sp. 105; Hamm. Die obigen Formen
meinen viell. eig. die Unke (Grügge") oder das Heimchen.
Grügge" f.: Unke ZWl. S. noch Gurügge Sp. 411.
grügge" I: 1. kollern als Stimme der Tauben.
„allg." Syn. rüggcn. ,Das turtelteuble gruget, gemit
729
Grago^— grngg. Giaj — griij.
rill
7^0
tuitur.' Mal. „Übertr. auf die kirrende Stimme Ver-
liebter." — 2. die Stimme der Unken, Frösche AABb. ;
ZAuss., W. D' Frösche" hiind sclio" (i'grügyet, Früh-
lingszeiehen. — 3. das Irisc klä.nliili.' Schreien, wel-
ches eine brütende H.'iiii.' li.ircn lii-st, wenn man sie
von den Eiern nehiiieii will ZZdll. — -I. Laut, wel-
cher beim Hacken im Frühjahr durch die aus dem
wassergetränkten Boden hervordringende Luft entsteht
ScuNnk. — 5. von Wiegonkindern, beim Erwachen
leise wimmern Tu. Dazu das Dim. grügg(e)Jen. —
6. ächzen, seufzen Sch. Sonig [solche] chreftig Lieder
liört-me" jetz kani meh'; grügget de Hächel. Schwzd.
/•"'' wäss nit, was mit miner Frau ist; si grügget de''
ganz Tag. — 7. sich unwohl fühlen und deshalb
weinerlich sein; umme' gr., wegen Unwohlsein matt,
seufzend umher gehen oder liegen AABb.; L; Sch; Z.
,Ist dem menschen woe in der hingen, dass im darvon
umb die rip eng ist, uud krucket, und die lung an-
fahet fülen.' Zg Arzneib. 1588. Syn. grüpen.
Beinahe iu allen Beild. und Schattierungen berührt sich
unser W. mit rütftjen, was uns dennoch nicht bewegt, eine
Zss. von letzterem mit Präf. gr- anzunehmen, da bei der Auf-
fassung der Natnrlaute Schwanken begreiflich ist. — S.vnn.
s. bei iiriimouggen; guderen,
Hüs-Grüggis in der Verbindung ,H. machen':
das Verbergenspiel im Hause herum Sch St. Syn.
Guggüs (Sp. 17!'). — Vgl. ['i] gi-üjxn. kauern; doch s. auch
grügg uud 'gi'ügg machen = grUggen.
grügguggere": kollern wie die Wildtaube TuSee.
Eine Reduplikationsbildung, der Sache angemessen. Vgl.
das frz. Syn. roucnuln:
grügg: leiser Kuf, mit welchem beim Verbergen-
spiel die Kinder sich bemerkbar machen. Syn. gihjg.
gü.r. Vgl. Anni. zn grüyg. — grügge": diesen Laut
hören lassen. Pupik.
„Grüggerli n.: etwas Kleines, ein Dingerchen
AaF." Syn. Grünggeli. — S. das folg., doch wäre auch
Vwdtsch. mit grüggeu II = grüjKn, kauern, denkbar.
G ü 1 1 e ° - (?rit(7(jrei' m. : Salamander, Wassermolch
ZW. Syn. G.-Ungge Bd I 345, -Gügger Sp. 197, -Glüg-
gerli Sp. 621, -Grünggeli, -Mügger, -Rügger.
grügge" II s. grüpen.
Grüje: Brachschnepfe TnBodens. , Etliche nen
den regenvogel bei dem ßodensee ein grüy.' Vo
1.557.
Graiii
grul(l).
gre'll: vom Betragen: wild, unartig „L; Sch;
ScHW;" Z, jähzornig GF.
Grill m. : Haselmaus GSa. ,Dem G'schwornen vor
die [Vertilgung der] Grillen 3 H. 5 Btzn.' 1711, GSev,
(Gemeindsrechn.); Syn. Hell, GJVr. Nach Art eines
Geschlechtsn. verwendet in der Verbindung Appcl
[Appollonia]-Gr. in dem beim Herumbieten des bren-
nenden Spans gesprochenen Spieltexte ZW.
Ahd. gritlo, glis; tirol. GnU; letzteres viell. erst nhd.
Diphthongisierung aus ' Gr'd, wie auch das von Fris. und
Mal. und vom Tierb. 1.^63 Oberlieferte ,greul' wahrsch. auf
eine alemann. Form 'GM zurückgeht.
drille" Grülle (PL): wie nhd., wunderliche Ge-
danken Z. — Vgl. BrüUr, Brille.
(irilli n : Fcld-rille W. - Ein Dim. - Bemerkens-
wert .lir Knriii .irnill- mii Vii.nleinschub bei Ruef 1550.
Griel I, ;iiii l;'Mb'iis,.r dnicl - m.: Triel, der grosse
Brachvogel, I i.i|i|"'ls.-|iiir|,|'.', iiuiiicnln -, ;ir.jii. (Mclsner
U.Schinz IXi:,,, .-.■,^,.y^^ ,,n|ii, ,i.l,ll, ^OS). Syn.
Gruser, .Loui.v. .\H-,:y wi-vl |rli.ii.i>l:ri | Wirt zu
teutsch ein triel oder gnel gcnciinl. Kr miII ein stimm
der pfeiffon änlich auslassen.' Vogelb. 15-57. ,Chara-
drius, avis maritima ingluviosa, ein Riel oder Gr.'
Denzl. 1677; 171(). - Vgl. frz. «ourhcu.
Viertels-: 1. Regenschnepfe, Wasserläufer, to-
tanus glottis L. — 2. Gambette, Dütchen, totanus
calidris; Syn. Röt-Beinli. Hartm. 180S, S. 112/5.
Griel II n. ,Mose zerheuw |zcrlii.'li| drn widder
in stuck und zündet an das hau|pt. die stu.'k und ilas
gr. (,den strumpf.' 1540).' 1531, lIL.Mos. = .die leisste.'
1667. VgL die Randglosse 151(l: An iiie strumpf stat,
lesend etlich das netze oder griel.- ,ivs sollen auch
die metzger das haupfleisch. die kmss und grül be-
sonder lind Oll das i,^^^! verkaiüi'n und so man von
inen kaufen w.dle. dass sy ilann niem=" zumueten,
ein haupt, ein kruss, ein gr. darzu [zu] nemmen, .sy
sollen auch die gr. und hinderen lid darzu nemmen,
vor allen unrat suber süberen, ehe sy das fleisch ns-
hauwen und hinffeben.' ZWthur Chr. Syn. Grien;
Ge-rirl: (h-^rhinm.
(lii.i -Irin IUI Aliliiiit vn luilt.iiiss ZU ,Groll' und jrra(; und
lässt sh h mit iIk Mii W \V. -h begrifflich verbinden, bes.
groll s. ymU.
Anke"-Groll(e"): L'ückstände der gesottenen But-
ter aScnw. Syn. Anke'-Rümc" u. s. u. Fäidc Bd I 767.
Grolle» m.: 1. Groll. En Gr. iif Fhie' lur. allg.
Er hat e scliarpfe [heftigen] Grollo W. ,Zue grollen.
Ungunst und Widerwillen anhetzen.' 1520, Absch. .Will
doch der alt grollen nun widerumb nfstossen.' HBixi,.
1540. ,Was für einen heimlichen Grollen und bös
Gemüt er getragen zu <_'hristo.' FWvss \t\:>:'.. .Lasse
einen entstandnen Gr. niclit viTaltm.- ."-^i'i.kiss lililT.
,Den ersten aufsteigenden Gr.- .I.Mji.k. 17-_!7. -J. i wun-
derliche) Laune. Schrulle. .Ich bin seltsamer -r. voll-
RlTEK 1538. - 2 llisst sich mit 1 vereiiii^-m .I.iitIi den
Mittelbegriff .heimlicher Gedanke'. Am-li udl. ./...// = I'hssp.
üf-grolle° (unpers.). Ex ijrdlJcl-wer »/', es kmiinit
mir eine Ungerechtigkeit zu Sinn |ilie niieli eiii|i.ii-t]
Bs (Spreng). Syn. üf-riecheii.
gröle" : mit gesteigerter oder verstellter Stimme
rufen, schreien, z. B. wie die ,Nachtbuben' Aa. ,Do
bin ig Meister! gröhlt der Käppelibauer.' JoAcn. 1883.
Vgl. bair. grnUrn, brüllen, brummen. Über die Dehnung
des Voc. und den Uml. s. die Anm. zu Gol Sp. 214, woselbst
aucli die Zugehörigkeit von grollen (grölen) zum starken mhd.
grt'llrii, grilUit, laut, vor Zoru schreien, Bestätigung erhält.
Grollen s. Grüllen.
grilll (tw. kr-) GKChur, D., Pr., Val., groll GnlVIai. :
körnig, mehlig, locker, spröde, z. B. Schnee, Erde,
Backwerk; Syn. brosmig. Rauh anzufühlen, z.B. grobe
Wollenzeuge GiiChur. Dass d's Schmalz [die Butter]
nümme grulls würd [beim Sieden] GrPr. (Schwzd.).
,üie geringste Bewegung vermag an aolchen gäch an-
haldigen Bergköpfen den ganz grullen, staubigen
731
Ural— grul. Gialz— Giulz. Gram— giuiii
732
Schnee in weitere Unruhe zu bringen.' Skreru. 1742.
,Die krulle, kleine und rundlichte Schneekügelin.' ebd.
Deutsch lind Churw. erheben Anspruch auf die Zugehörig-
keit des W., jenes mit ,kvoll', kraus (Gr. WB. 5, 2354),
dieses aus lautlichen und geographischen Gründen den stär-
kern mit gniU, gruogl, mürbe. Letzteres viell. aus lat. 'cru-
dulus, Dim. zu crudua, mit der gleichen Erweichung des Anl.
wie in it. grasHo, frz. gms aus crus«««; zum Inl, wäre zu vgl.
it. brogliare, frz. brouilUr, zu deutsch hi-udhn, ,brodelu'; frz.
gruuiUei; wimmeln, zu gruälen.
Grüllen I s. Grillen.
(ii-ülle" II GRli., We
sehen; Syn. Näggel.
Grolle' GRHe.: unreife Kir-
grolEe° : rülpsen. ,Gr. und Farzen ist ir [der Epi-
kuräer] Gesang.' CMev. 1U4G.
Auch bair.-kärnt. grollctn, vom Schalhv. ymlhn (griilm).
Schwab, givhen, schles. ijrclzcii. Vjl. gurjiscn Sp. 4'28.
Grani(in) — grum(m).
gram: (adj.) wie nhd. allg. Eim gr. si", Jmdn
hassen. D' Spatze" sind de" Chriesene [Kirschen] gr.,
aufsätzig; suchen sie zu vertilgen. Daher scherzh.
von Menschen: einer Speise gr. sein, sie gerne essen,
erpicht darauf sein „Sch;" Z; vgl. Öppis nüd im Hals
cMnne' tolle" [dulden], mit Lust geniessen; de" Chrie-
sene nüd we tue", sie nicht sehr lieben. ,Die Gras-
würm, die man gemeinlich Teufelskatzen nennet, die
dem Kabis sehr gram sind.' Z Gespr. 1743, 10. — ,Ich
hin im gramm.' 1530/1717, I. Kon. ,Gramra, grob, herb
in allweg, asper.' Mal. , Einem fynd und gramm sin.'
ScHiMPPK. 1651. ,Dem Schmarotzen bistu gwaltig
gramm und kannst auch des nicht müssig gan.' Wahr-
sager 1675.
In der MA. meist mit Wahrung der Kürze des Voe. Da-
neben kommt in ä. Spr. auch die Form gran vor; vgl. räm
und rmt: ,Swie"s mir ist gran [: an].' Hadl. ,Sind inen nit
z'gran und g'hass.' Ruef 1538.
grammaugge" ZNer., grammausse" (dim. -aus-
sele") ÄAWohl.; ZLunn., -ause" ZBül., Glatttal; „Schw",
-äuse" AaF.: weinerlich klagen, murren, sich be-
schweren (über Unwohlsein usw.), Unzufriedenheit auf
lästige Weise äussern. aaOO. Dann und wann kla-
gende Laute von sich geben (wie unruhig schlafende
kleine Kinder) AaF.; ZLunn. Syn. gramsen, grumsen,
giirmfsjen, trinsen. Abi. „Gramauser; gramausig,
mürrisch."
Hess. gravMMsen, in Henneberg gramaunzen. — Erwei-
terung von gramnen ; unter Anlehnung an die Verba mauggen,
schwach reden, und mausen, miauen, zum vorangehenden Adj,
gram. Vgl. adh. gramizOn, fremcrc, rugire.
gris-gramme": 1. knirschen (mit den Zähnen),
vor Unmut, Zorn. ,Sein zorn griessgrammct über
mich mit den zännen.' 1531/60, Bib. = ,kirret.' 1667.
,Also blybt [dem Unzüchtigen] das byssen, grissgr.
und kratzen syn letze, die er von sinen huoren bringt.-
HßuLL. 1540. ,Da [bei den Wiedertäufern] hört man
nüt dann grissgr. und verdammen aller anderer men-
schen.' ebd. 1561. ,Die helfanten entsitzend das weis-
sen oder grissgrammen des Schweins.' Tierb. 1563.
,Frendere, grissgrammen, von zorn mit den zänen
kirren. Fremerc, schnurren, murren, grissgrammen.
tosen. Brüelen wie ein hungerstottiger löuw.' Fris. ;
Mal. ; s. noch giren Sp. 406. .Herzwischen aber gries-
grammet WStauffacher.' Grasser 1625. ,Ein Ächzen
und Gris.sgrämmen.' JJUlr. 1783. — 2. (unpers.) es
grisgrammet , wenn bei klarer Luft Schnee -Atome
durch einander schweben ZSth. — gries-grämmig,
-grämmisch: mürrisch G; Z. — Gries-Grämm-
li-g m.: Murr-kopf Z.
Anihd. griagrammen, Zähneknirschen, brummen. Grammtn
ablautend zu grimmen, wüten, brüllen. Griea statt gria durch
Anlehnung an einen bekannten Stamm. — Zu 2. Dem Wetter
werden auch sonst menschliche Affekte beigelegt; vgl. ea
Kchneit ua Täubi, chlbig, wenn es wegen Kälte nur fein und
spärlich schneit, und vgl. glaaüren 3. Auch bair. der selbe
Ausdruck für grimmige Kälte.
grämme": 1. (tr.) gram machen, erzürnen. Wallis
solle alle Pässe besetzen, um die von Bern zu ,grem-
men', damit man ihrer diesseits einigermassen ent-
laden würde. 1531, Absch. — 2. (refl.) wie nhd., sich
grämen, allg.
er-, ver- 1, in AAEhr. -gränne": missmutig, scheu
machen (eig. erbittern, gram machen), abschrecken;
witzigen, durch Schaden klug machen, enttäuschen
Aa; Ap; B; Gl; Gr; L; G; Sch; Schw; Th; Uw; Z. Er
ist ergrämmt, die Lust ist ihm vergangen, allg. ,Die
ross warend müed und ergrempt, dass sy nit mer händ
wellen zämnienzüchen.' 1539, Wthür Chr. ,So warend
die von Ar und G dermassen an des abts handlungen
ergrempt, dass si im nützid vertrauwen wolltend.'
Vad. ,Tremefacta libertas, ergrämbt, erbidmet.' Fris.
,Darumb, dass man vor zyten die weit mit falschen
erdichten erschynungen, wunderen und zeichen der-
massen ergrempt, dass sy fürhin dises für erdicht
ding oder ein falschen won haltend.' LLav. 1569 =
.betrogen.' 1670. ,Die krankheit, durch welche ich
[Gott] in [den Menschen] ergrärapt, dass er mit im
hat lassen reden und rüw und leid über sein sünd
getragen.' ebd. 1582. — Mhd. ergremen, aus ahd. ar-gmmjan,
nur: erbittern; .crgrcmit werden, irritari.'
ver- II (refl.): sich rühren (meist nur in Verbin-
dung mit Verneinungspart.) SchwE.; ZO. — Verderbt
aus ver-bramen. Vgl. vergriacen (-grau-) f. aicli verbräuen.
gräme": kriechen, wimmeln (v. Läusen, Schnecken
usw.) W. Mii" seit, wil d' Zermatter wenig in-ne [in
den] Kapelle" schick tie' zeige", so tie" jez d' Straffte"
[Heuschrecken] dri" gramme" und da umha fleige".
— Vgl. ijräggen, grewen, gramaen, gräjien, krammen.
Gramme" I m.: Queckweizen, triticum rep. W. —
Vgl. waadtl. gramon, it. gramignn, von lat. gramen. Gras.
Gramme" II, Gromme" m.: (graues) Pferd. Als
Dim. erhalten in der EA.: .Willst, dass es dir gehe
wie dem Grömli?', Name eines alten Rosses, dem die
Last von 3 jungem aufgeladen wurde. Volksbotenkal.
1871, wo die Anekdote so beginnt: ,Ein Mann hatte
4 Bosse: ein Bräunlein, einen Schecken, einen Schim-
mel und ein Grömlein.' ,Uf minen byssenden Grora-
men.' 1504. Z Freischiessen. .Es habend vil heilgcr
lüt geboren gottlose kind, die inen nit nachg'schlagen
sind. Wiewol g'meinlich gryss nach gramen schlächt;
wa lursamen wirt g'sät, da wachst widerum lursaraen.'
UEcKST. 1525. ,Der bapst forcht, gritz wurd grommen
nachschlachen.' Vad. .Es habe der Herzog v. Alenyon
etwas Verstands mit dem könig, synem brueder und
syner mueter [Kath. von Medicis]. Ce que je ne puis
733
Gram,
fom, gm II
croire; toutesfois est-il tils de sa mere et frere de
ses f'reres. Ist wol zu gedenken, griss schlach gruni-
nien nach, diewyl der gurren eine ist.' c. 1560, Wtbuk
Chr. ,Von den färben har werdend inen [den Rossen]
bei den unseren etlich nammen gegeben als rajip,
Schimmel, blass, grommen, wölfle und dergleichen.'
TiERB. 1563.
Vgl. ,ein alter (iranian', alter Gaul. Seli.Frauk. — Bei
HSachs öfter in der Form ,grania', altes Pfrni. Entstehung
aus Orä-matm, grauer Mann, ist iii-lii un nilii - Ii. inli, h ;
dafür spricht t. der o-Voc, t. ^li i- * i n ; : :.i".
Gremli steht für Griimdi. Vgl. aic ': 1/ i n :.lu.
für Pferde und lat. (bzw. kelt.-g.rm. i — , ..." i. lul.
Granieter m. = frz. grandmaitre, Urossmeister. Der
frz. Bote möchte bei dem ,Grammeter' zu Mailand sich
verwenden. 1510, Absoh. ,Der Gr., der Bastart von
Savoy.' 1521, ebd. ,Der bostart und der gramäter.'
15'26, Egli. ,Man halt dafür, dass major domus der
syge, der sonst auch Graadis Magister, Grametcr, auch
Hofmeister heisst.' HBull. 1572. Syn. Grand- Meister.
Gramille" s. Kamillen.
Oramisli: Hemd, in der Gaunerspr. - Aus it. imnicia.
grammle": wohl = kitzeln, jucken, in der RA.:
Es chunnt-mer fri z' gr., es macht mir wirklich bang,
ist mir unbegreiflich BGu. Vgl. gramslen.
grimm: heftig; grimmig, wütend. ,Ein strengin,
gr-in keltin.' 1520/'29, Stockar. ,I)ie gr-e winterkelte.'
LLav. 1582. Als Adv. häufig zum Ausdruck eines
hohen Grades abgeblasst: gr. chrank, nass udgl., lieh
GSa. ; Syn. räss. ,Wem das g'fall, der zeig es an und
schryge grimm [von den Teufeln, als Zeichen der Zu-
stimmung].' RüEF 1550. ,Ach, hett ich g'lost des Daniel
stimm, so gieng's mir nit so ruch und grimm [Belsazar
in der Hölle].' JMurer 1559. ,Er ward gar gr. ge-
rochen.' Wthur Chr. ,Wio gr. Gott straft der Men-
sehen sünd.' HRRebm. 1020. ,Die Falkenouw gr. hoch
erhoben.' ebd. S. auch noch grinn.
grimme" (-»- W): 1. wüten, brummen, knirschen.
,Quarc fremuerunt gentes V Warumbe grimmetend die
lüteV XV., S Stiftsbibl. ,Das [darüber] grimpt und
zürnt also myn schmerz, den wir erlyden müend so
grusam.' Rcep 1550. — 2. (vor Hunger) pfeifen? Nur
in der ZFlurl. Version eines bekannten Liedchens:
's Vögeli grinnt [im Frühling, wo kein Futter mehr
gestreut wird]. Vgl. grlnen und gllmen und die Ausspr.
ninnt f. nimmt. — 3. (unpers.) Eim grimmen ab Etw.,
schaudern W.
Vgl. Doch krimmen. Nicht ganz klar ist: ,In syner macht
grymeude, niole siia mens.' Geschfo. Ges. XIII, 305.
ent-: ergrimmen. ,Der atf ist so gar verhetzt und
entgrimmt [ausser sich] auf das junge, so er lieb hat,
dass er es stetigs vor im her trägt küssende.' Tierb.
1503. — Vgl. yrum in seiner übertr. Bed.
durch-: durchschauern. Es tuot mich (mir March
und Bei") durchgrimu, i. B. von einem schrillen
Tone W.
Grimme", in BO.; W -i- m.: 1. Zähneknirschen;
Schauder in Folge von Entsetzen, Schmerz, selbst
Frost; bes. eine Empfindung von Schauer, die von
einem Teil des Körpers aus den entferntem sich mit-
teilt, wie z. B. beim Beissen in wollenes Tuch, beim
Kratzen auf Glas usw. BHa., R.; ,VÜrte;" W. Es
häd-mi''' g'grüsed, das' ei" ehalte'' Grimme' über en
andren dür''''-mi''' üs g' gangen ist BR. Di Grhne
gent-mer durch March und Bein W. ,Es gand mir
gryraen durch myn bluet.' 1555, B (Goliat). ,0 wie vil
grimmen, schrecken, grusen gond von angst, schrecken
zum herz usen.' RSohmid 1579. — 2. Wut, Grimm.
,Vor grossem Yfer und Grimmen on alle Ordnung an-
gegritt'eu.' c. IGOO, Cys. ,Nachdem er in einem Grim-
men der Römeren vil erschlahen lassen.' Rijeger 160G.
.Gott in seinem Grimmen.' JMijller 1665.
1 z,-Ji;t iiHvli deutlich die Grundbed. des Vbs, wie das
iiIhI. (./,.,>;.(; ;«......,!, zähiiekuirschen, spec. das unangenehme
Cliilil , ilas damit verbunden ist. Zur Bed.-Entwicklung
vgl. die Syuu. <,y;/,«, cr,j,jden Bd I 449/50. Zu der Länge
des i vgl. ahd. crimn, Larve, falls dieses zur gleichen Wurzel
gehört. — Vgl. Grimmi n., Name eines steinigen, wilden
Berges BSi., und ,Grimsel'.
grimmig: heftig, stark, gewaltig. E grimmigi
Chelti Z; en gr-e Mann, baumstarker W. D's Schuf
hed e grimmegi Gagl^te' [Entleerung] verfüert Gr.
En gr-e Bist [Seufzer] ahlä" GRl'r. En gr-e Fustli'g
[Faustschlag], ebd. Als Adv.: überaus, sehr; gr. ehalt,
beissend kalt Gr; Z. Dere' Faxe" han-i''' gr. uf-em
Strich GflPr. (Schwzd.). Gr. Obacht gii'. Das gr.
[mühsam] erarnet Taglönli. E Berg, vo dem nW gr.
wit üsg'siehd. Gr. recht wär's-mcr. D' Lüt sind gr.
/■«[freundlich] mit-mcr g'sl". i<y]\. gnisdiii : >i. grimm.
Griramkeit f.: Wut, I^eidciisiliuft. .Hen argen
willen des burgunschen herzugen, su or meint, mit
aller gr. zue vollbringen.' 1476, Gkd. ,Mit fyntlicher
grymkeit bestürmt.' ebd.
,Grommeil, pulpa [das Fleisch] in den Kürbscn.'
Denzl. 1677; 1716.
Zu waadtl. gromme, engl. Dial. crome, ndl. t/rom. Es wäre
übertr. von der Brot-, Krume'. Das mhd. WB. hat ein Fem.
fjrome, Hode, eig. Keru, wie das syn. it. granclU. Vgl. auch
it. yruJHoJo, (jrumolo, das Herz (im Kohl, Salat), von ijnimo,
Klümpchen, von lat. grumun, Häufchen.
Grömli s. Cframmen IL
Grnmmel m.: Holzblock BoSi. ~ Viell. eig. Brocken,
zu Grummden II; Syn. Gruiujgd,
Grnmmele" I f.: ein Wasserinsekt, Kuderwanze,
hydrometra GrD. Syn. Gitzen. — Das W. scheint die
Krabbelnde zu bezeichnen; vgl. ijrumnn-n I.
Grnmmele" II f. W, Dim. Grümmeli S, Chriimmeli
G. Grümschi BE.: kleiner Brocken Brot, dgl. z.B. als
Überbleibsel vom Tische entweder aufbewahrt oder
den Armen gegeben werden W; Brosamen G; Krume,
in Butter gebackene Brotkrume SLeb.; beim Kuchen-
backen abgefallene Krumen BE.; S; Reste von aus-
gesottenem Unschlitt (GriSben) , auch von andern
Stoöen S.
S. Gr. VfB. , Krume' und vgl. Orummlslen, sowie bair.
Gramd, Griebe. Diese Gruppe steht im Abl.-Verhältniss zu
grimmen = ,krimmen', kneipen, zwicken; vgl. ,BaHchgrummen'
bei Fischart.
grummele" grümmele" oAa; B; S: 1. Brotkrumen,
Brosamen zslesen; Brutkrumen abklauben; zu Bro-
samen zerbröckeln, zerreiben. Füre gr., hervorklauben,
-grübeln (z.B. Geldstücke aus der Tasche) S; vgl.
grummen I und engl, to erumble, dass. — 2. knaupeln,
knuppern (wie Kaninchen); in kleinen Bissen und be-
haglich essen; im Verborgenen etwas Gutes essen.
Chumvi, Beteli, i"'' ha' -der Ö/yns z' grümmele" Aa;
Syn. grumschlen; mümpfelen.
735
(jiaiii— ffrum. (iraiiili-
>raiii|i -giuuip
ver-grummele" AAPii.; Bs; BBrisl., -krummle"
Bs (Ochs), -krümele" Bs (Spreng) : zerbröckeln, zer-
reiben; Syn. ver-hrüsmelen.
gruramelig: brockig, z.B. Brot, das leicht in
Bro.siinien zerfällt; spröde Bs.
grunime" I: klauben, stöbern. Der Jaggi heigi
niimme z' vil in den alte Strüdelbüechren 'grumet u"'
g'niisteret BSa. (Fromm., Ztschr. VI 395). Unpers.,
wurmen. Fürst der Philister: ,Es tuet zwar auch
noch in mir gr., dass Goliath erschlagen worden.'
Holz WART 1571.
Grummlete" f.: 1. kleine Oberreste von Brot,
Käse W; Syn. Grummelen, Büe(ljeten. Krumen, allerlei
zerbröckeltes Zeug, Gekrümel Bs. — 2. „Bodensatz
von Flüssigkeiten Gr;" noch nicht abgeklärter, ,vom
Pulver noch durchschwommener' Kaffee B (Zyro);
,particulffi in fluido volitantes.- Id. B. Vgl.: ,Von den
Turben-Grümelten oder -Brosamen oder dem sog. Tur-
benstaub.' 1789, S Kai.; Syn. Turben-Güsel
grummlig: trübe, nicht hell „Gr": vom Kaffee
B (Zyro).
Zu grumli;/, tiirhidiis, und Grummlcte 3 im Verhältniss zu
grummen I vgl. turbare: frz. liouver, in Etw. herumstöbern,
und ,stöbern: Staub'. Doch lässt sich auch ndl. ijiummUg,
beschmutzt, erwägen.
„grnmine" II: (Schweine) schneiden, kastrieren B
Meir.;" Syn. kliippen. — „Lösi-Grummer: Schweine-
schneider, ebd."
Wohl im Abl.-Verh. zu ji-äiimcn, krimmen, kneipen; vgl.
noch Hodimklupjur; und also im Grunde identisch mit grum-
mni I. Tgl. ndl. grummen, einen Fisch ausnehmen.
Grummel s. Ge-rümpel.
(üruenict Gr, Grummet GREh., Grnmmed Bs
(Spreng) n.: = Amad Bd I 213. D's Gruomet ist noch
nid rif, d' Scherlighatzen [heracl. sphondyl.] sind noch
nid gerisen [verblüht] Gr. — Aus mhd. gruonmat.
gruemete" = mnden (Bd 1 213) Gr. Syn. ämet-
heiicn.
v er-grämble": verzagen. De'' n-ill ulHwtl v., wem
's -im no''' so giiet göt BsBirs.
Wahrsch. st. ver-chrämhkn zu Krümhd, verkümuiei-tes Ge
schöpf; vgl. vcn-hrüglen, verstrujtfin.
(iramp m. — PI. -e": 1. krummer, stumpfwinklig
gewachsener Ast, bes. von Föhren und Eichen, zu
Schiffsrippen von Schiffniaehern sehr gesudit AAZein.
Ygl. Kramb. — 2. (von der Ähnlichkeit mit 1| zwei-
armiger Pickel, Kreuzpickel, ebd. — :l. (GriiinpU)
kleiner Doppelhaken aus dünnem Drat, dgl. in eine
Holzunterlage eingeschlagen werden, damit Vorhänge.
Möbelüberzüge usw. vermittelst kleiner Haften daran
befestigt werden können Z. — 4. (übertr. und ver-
ächtlich) mageres, altes Stück Vieh AAZein. Syn.
Grangg; Händsch; Bämjiel. — 5. schmächtiges Kind.
Es ist gar es chli's Wimseli und Grämpeli 'blibe'.
BWyss 1885. Vgl. Schwab. Kramp, kleiner Mensch,
und das syn. Rämpeli.
Entspricht dem nd. Krami,,- (Gr. WB. 5, 2Ö06). Vgl. frz.
crawjxm, Haken, Klammer. (J wie in gnupp, Gniff. Vgl.
übrigens auch Gräpjjli.
granipe"!: 1. greifen, fest betasten; untersuchen
BSa., Si.; Uw; U; iimme"-gr., mit den Händen herum-
greifen. Gramp-em e chlt' a» der Tasche", eb-er Geld
heig Ndw. Der Tokter hed-mi''' recht ergramped, sagt
der Kranke, ebd. Syn. gräpen; pantschen; pargen;
vgl. frz. se cramper, sich anklammern. — 2. Erd-
äpfel ausrupfen, -grübeln UwE.; USil. — 3. (unpers.)
zwicken, grimmen im Bauche USil.; Syn. krimmen.
Vgl. krampfen. — Vgl. ,kram|)en' Gr. WB. V 2009.
Grampe", Gramp(l)eten f.: eine Handvoll, eig.,
so viel man mit 5 Fingern (auch mit beiden hohlen
Händen) fassen kann W; Syn. Gauflen.
grample» I: krabbeln, kriechen. Ist dasbugglig
Männli do, gramplet-mer vor -der Nase? Tobl., VL.
Syn. kriemplen.
Granipämpel m.: Lärm Ze.
Viell. Mischung des folg. Wortes mit Grampöl. Doch
kann es auch eine redupl. Bildung sein wie Schlampamp. Vgl.
Schwab. Kramhumhcl, Schnaps, eig. Durcheinander? Grampes
löstr.), Pultergeist. Vgl. Chrampelimampis, Durcheinander.
Grampämpeli Aa; Z, kr- Gr, Rampamjieli GrAv. :
das schriftd. Krambambuli, das bekannte Getränk aus
mit Zucker vermengtem Branntwein, welcher ange-
zündet wird. Im Aa werden auch dürre Birnenschnitze
darein gelegt und nachher gegessen.
grampe" II kr-, .gränipen' : Kleinhandel, heimlichen
Tauschhandel treiben GrAv., UV., Rhw., OHalbst. ,Ge-
wirb, es sye mit grämpen oder in ander weg.' 1449,
B (Gfo.). Auch 1260/1400, Bs (Ochs).
Vgl. grämplen sammt Anm. Hicher viell. der Flurn.
Grampe'i f. [Schacher?] ZZoll.
ver- gramijen: im Kleinen verkaufen Gr. Syn.
ver-grämplen. Die unhaushälterische Frau vergrampet
Alls iis-em Hüs.
Grämpel m.: 1. Kleinhandel, bes. mit Lebens-
mitteln Ap; Schw. ,Das Haus des N. N. sammt Wirt-
schaft und Gr. [Spezereiladen]' Scuw. , Kleinverkauf
oder Gr.' G Kornhausordn. 184'2. Handel mit alten
Waaren, „Trödel B; L; Sch;" Z; Grämpelen, kleine
laufende Schulden beim Spezereikrämer Sch. ,Das
papstum mit synem gr. zeruck tryben und bi dem
klaren wort Gottes blyben.' Sicher 1531. Die Bischöfe
predigen dem Volk nicht selber, , sunder es muess
durch einen gr. [kauf-, mietweise] einen [einem?]
doktor oder meister uszerichten übergeben werden.'
Kessl. ,Menschen- und grempelsatzungcn [kleinliche
S.].' Vad. ,Das fürthin dhein hindersäss einleben gr.
ald gewirb in unserm land mer tryben solle.' 1566,
Gl. ,Wann man aus dem Tempel macht einen Gr.,
aus dem Gottsdienst ein Kramerei.' FWyss 1653. N. N.
soll sich seiner Mühle ,nit zuo einem Gr. oder Gewerb
bedienen, sondern selbige allein zu seiner Haushaltung
bewerben.' 1666, SchwE. Klosterarch. ,Der päpstliche
Buss- oder Geldtax für die Sünden, die Engelweihe, das
Jubeljahr und dergleichen Simonischer Gr.' ClSchob.
1699. — 2. das Durcheinander Aa (n.), „abgenützte
Sache, altes Hausgerät" ; Syn. G'rümpel; vgl. ,Grempel-
zeug, scruta, frivola.' Red. 1662.
Die übliche Herleitung von einem it. cromjiare st. ,om-
prare, von dem übrigens die Wörterbücher Nichts wissen
wollen, hat ihre Bedenken. Schon der Stammvoc. stimmt
nicht, sodann kennt auch das Churw. keine entsprechende
Form. Gr. WB. V 2007 s. v. .Krampe' weist auf ein ver-
lorenes kramp m., Ausschuss, Gerumpel, vwdt nütahd.c/iram/)/
krumm, also urspr. etw. Verkrüppeltes; vgl. auch Pf ragen.
737
Grarnji, ^'i
gru
738
Obs-: Kleinverkauf von Obst. .Solle auch der am
Sonntag bishar in Predigszeit geübte Vogel- und Tau-
benmarkt, wie auch der 0. verbotten sein.' löll, G
Mand. — Garn-: wucherischer Handel mit Garn.
,Es sind 4 Artikel über den Werch- und Garngrem]iel
entworfen worden. Der Grempel mit Garn und Werch
ist gänzlich verboten und Niemand darf weder auf
Märkten noch auf den Strassen oder in Häusern Werch
oder Garn aufkaufen und dasselbe auf Gewinn widerum
verkaufen.' 1578, G (Absch.). — Kälbli-. ,Der K.
(d. h. das Aufkaufen der Kälber auf den Fürkauf hin)
ist verboten.' Steinm. 1804, S. 103 (Ap). — Mulche"-:
Handel mit Käse und Butter im Grossen Ap. — Mess-:
Messhandel. ,Die von Gonten sprachend, sy welltend
raess han; also fiengend sy iren ni. widerumb an.'
WKlärer 1565. — Werch- s. Garn-Gr.
Grämper „Krämper Bs" — m. : Kleinhändler,
Krämer, Trödler. ,H. Meier, der greniper.' 1328, Bs
(Urk.). ,Vil gr., die allerhand frucht feil haben.'
Eptingen 1460. ,Was Grämper eig. verkauften, muss
man aus den Ordnungen abnehmen, die ihnen zu Zeiten
gegeben wurden: es war Wildprett, zahme und wilde
Vögel, Käse, Butter, Eier, Haber, Eüben, Nüsse. Ka-
stanien. Senf, Mus udgl. Dinge, welche man mit dem
Sester misset, Öl, Salz, Heringe, Stockfische, Kerzen,
auch Gläser u. a. Glasarten.' Bs (Ochs, 2, 1, S. 153).
,Des krempers hus.' XV., Bs. Sie hielten an einem
besondern Orte feil. Bs XIV.; ,an der grempergassen.'
FPlatt. 1612. ,Am Wienacht Oben sach ich die ge-
färbten Kerzen, so allenthalben in der Gr. Laden
liiengen.' ebd.
Eine andere Form bietet (wenn richtig gelesen) das ApI.
I.B. I.58.5/1S28: .Die in ihren gewerben als grenipteu und
kiämeren aus einer gegni in die andere fahren.' Vgl. ,kauf-
leute und grempen.' Kaisersb.. und tirol. Gmmp f., Höckerin.
„Gramperi f.": Kleinhandel, Wucher.
grämple": Kleinhandel treiben, im Kleinen kaufen
und verkaufen, allg. ; Syn. yrütsen, händelen, märtselen;
iitümpJen. Zumeist mit Lebensmitteln und altem Haus-
rat; auch etwa von Untergebenen gesagt, welche un-
befugterweise Etwas aus dem Hause verkaufen. /'"'•
han de" Stecl'e' in d' Hand und d's Raff uf de" Eügg
g'niin und han noch emal ang' fange' z' gr. GrD.
(Schwzd.). ,Fürkoufen und gr.' Vad. ,Ini fürkouf, gr.
gar verruecht.' Aal 1549. .Die das lant vergiften mit
bösen exemplen und nichts können dann pfrüenden
gr.' XVI., Lied. ,Cauponari, wirten, etwar mit werben,
feil haben, gelt lösen, wein verkaufen, gr.' Fris.; Mal.
.Es soUent keine Grempler mer gr.' L Ansehenb. .Nun-
dinari, handeln, feil haben, gr., kramen.' Denzl. 1677
(1716 fehlt .gr.'). ,Viele geben sich mit dem sog.
(iräniplen ab, d. i.. sie säumen auf Eseln oder Bast-
pferden allerhand Sachen, oder tragen solche selbst
liin und wieder und handeln damit.' XSchnyd. 1782.
.Wer mit den Alpgräsern gr. würde, d. h. wer mit ge-
mieteten Alpkührechten handeln und sie teurer ver-
kaufen wollte, als er sie gekauft, soll schuldig sein
2 fl. Busse.' Steinm. 1804 (Ap). ,Wie das Heugremplen,
so soll auch der Grempel mit Weiden, Alpen verboten
sein.' 1776. ebd. S. auch anfechten Bd I 665.
ver-: (unvorteilhaft) verkaufen; vertrödeln, ver-
lieren, allg. Kinder .vergrempeln' Griffel und andere
Schulsaehen. indem sie Geringeres dagegen eintau-
schen Gl. .S'i"» ganz Vermöge' i\, durch ungeschickten
Schweiz. Idiotikon II.
Handel vergeuden Schw. .Wir hattend ob l'iOO fl.
vergremplet und verloren.' Vad. ,Myn herren ver-
grempletend um schmalz, unschlit und salz in 3 jaren
ob 1000 gülden.' ebd. Syn. ver-templen.
Grämpier m.: \. = Grämper Aa; Bs; B; VOrte;
Gl; Gr; S; Z. S. bei vergümplen Sp. 318 und vgl.
Pfragner. In altern Quellen mit dem Fürkäiifer bald
identiflciert. bald von ihm unterschieden. .Eid der
grempler und nierzeler.' 1425, L Stadtarch. ,Der Werd-
müller soll kein nussöl machen; könnent aber die gr.
nit US hanf, us lynsat, us mäge öl machen, so mag er
das machen, von inen unbekümbert.' 1431, Z. ,Grad
glych als ob Gott [beim Ablass] ein grempler war
und verkouft eim für ein krüzer schmer, dem andern
kümich und blauwen faden, schwgbelhölzli, fulen käs
voll maden, brysriemen, haselnuss und brennten wyn,
fenkel, suren senf euch im häfelin.' NMan. ,Es sollend
ouch die fürköufer und grämpler zu keinen zyten anken
an unser fronwage vor und ehe es nüne geschlagen,
koufen.' BThun Stadtsatz. 1539. .Das merteil körn
und vich wirt durch die grempler und fürköufer hinyn
[ins Welschland] getriben.' Kessl. ,1489 verbot [man]
Jen fürkouf ganz und den gr-n bi 2 pfd buess. vor-
mittag nüt uf markttag ze koufen.' Ansh. .Die gr.
band das unschlit gen um 5 krüzer.' Wthür Chr. ,Es
soUent die Gr., frömbd und heimsch, an einem Zinstag
gar niemanden nutzit ze kaufen geben.' L Ansehenb.
,Das kind einer armen wälhin [welschen] greraplerin.'
1545, Salat. ,Mangones, ausstreicher und erneu werer
alter dingen auf den kauf, grämpler, feiltrager.' Fris.;
Mal. ,Ein jeder Grempler gibt des Jahrs dreimal
Zoll.' BThun Handfeste. ,Die Grempler gehörten nicht
zu den zunftgeuössigen Handelsleuten in der Stadt,
daher scheinet es, sie haben den Zoll gepachtet.' ebd.
,Die [Brot-] Grämpler dörfen kein anders Brot als die
Foggiser und grosse Hausbrot feil haben, der kleineren
aber sich gänzlich entäusseren.' 1643, SchwE. Kloster-
arch. ,Der Grempelmarkt, allwo die Grempler den
Grümpel und nichtswertige Sachen verkaufen.' Spleiss
1667. ,Propola, Fürkäufer, Grämpler.' Denzl. 1677;
1716. ,Die Gr. [der Kämbeizunft angehörig] sollen
verschaffen, dass von allem Anken, Ziger, Käs udgl.
Waaren, so verhandelt werden, der Zoll getreulich
bezahlt werde.' 1757, Z Ges. S. noch um-gän Sp. 15.
— 2. s. G'rümpler.
Eier-Grämpleri°: Eierhändlcrin L. — Immen-
Gränipler: Bienenhandler. ,1., welche im Frühjahr
und Herbst 40--100 Bienenstiicke in Ai' aufkaufen
und im Tu und GPih. wieder verkaufen.' Steinm. 1804.
— Anken-: Butterhändler. L Ansehenb. ,Weil die
starke Zahl der A-n zu Schaden dos Ankenhandels ge-
reichen tut, so soll die Zahl derselben auf 12 Mann
gerichtet sein.' 1778, Z Ges. — Garn-: Garnhändler.
UBrägg. 1788. — „Heu-: Einer, der Heu nicht für
eigenen Gebrauch kauft, sondern um es wieder zu
verkaufen Ap." — Keller-: Leute, welche im Ktn
Zg aufgekauften Käse im Keller aufspeicherten, um ihn
nachher zu verkaufen. XVI., ZWäd. (Strickl.. Horg.
S. 248). Vgl.: .Wer im Käse gremplet. kauft ihn bei
den Hirten, salzt ihn zu Hause ein und bringt ihn
nach G oder andern Handelsplätzen.' Tobl. (Ap). --
Widli-Chorb-: herumziehender Weidenkorbhändler
B; gewöhnlich zugleich Bettler; vgl. Kratten-Mann.
— Korn-: Getreidehändler. Syn. K.-Pfragner. .Die
739
Oranip— giumi). (iranis— groms
K. melden, dass in Überlingen viel Adel zskommen
werde.' 1529, Absch. ,üie K., vorab die ausländischen,
soll man wohl beaufsichtigen.' 1534, ebd. ,Diser korn-
türe [ist] nit die kleinest ursach die menge der k.;
deshalben angesechen, dass ain k. nit mer dann zwen
pfennig an ein viertel sollte zu g'winn nemmen.' Kessl.
— Mulche"-: Butter- und Käsehändler ,G". ,Was
die m. unserer baursame auf molchen vorgeben hätten,
eh dass mulchen vorhanden wären, so soll umb solches
gelt kein recht gehen.' As LB. 1585. ,Die Ap M. holen
die betr. Produkte auf Saumrossen in den Alpen ab
und verkaufen sie t. im Lande, t. nach G, in das GRh.
und anderswohin.' Steinm. 1804. — Brot-: Brotver-
käufer. ,Die Br. sollen die Leut nit an sich ziehen,
zurufen oder das Brot zum Laden aus strecken.' 1643,
ScHwE. Klcsterarch. — Salz-: d(?r (unerlaubt) mit
Salz handelt. 1590, L (<'\s. i. .Wur.lr aber der eint
oder andere Säumer mit IVriihlnii Salz durchgehen,
so soll derselbe mit 20 Pluiul Uiu.. vuii jedem Centner,
als ein mutwilliger fremder S., abgestraft werden.' B
Säumerordn. 1739.
,Grämpleri', Grämplete" 6r — f.: Klein-
handel; wucherischer HandeL ,Die Uffäl zu vergau-
men, so haben wir angeschen, dass uf die unbedachten
verderblichen Kauf bessere Achtung gegeben werden
solle und dergljxhen Kauf und Gremplereien umb
Hüser und Güter uit mehr gut geheissen werden.'
1660, Z Mand.
Grampö'l Aa; Bs; B; GKKübL; Z tw., Krambö'l
Bs, Krampö'l GRMal., Grambo'l Z tw., Grampö' ZW.,
Bampo'l Btw. — m., in GRKübl.; Ztw. n.: Lärm,
lärmendes Durcheinander, Tumult. Ber Sundig wird
dür''' Tanz entwicht, dür"'' allerhand Grambol und
Völlerei. Schild 1860. De'- Wi" macht-mer Ch:, Auf-
regung im Kopf Z.
frz. caramhole, Billardkugel (und deren Anstossen), caram-
huUr, anstossen, mmmbolage, Kauferei. Die Form mit anl.
J{- beruht auf der irrtümlichen Auffassung des G- als Präf.;
ebenso das sächl. Geschlecht. Zum Ausfall des o vgl. ,Krone'
aus Corona, Kmlh aus , Koralle', Oninhun aus ,Gcranium'.
grampö'le": Lärm. Spektakel machen B; Z. —
grarapolierig: lärmend B.
grämpig: grossartig, übertrieben. Syn. grandig.
Wenn de'' Baschi aföhd lüge', so macht er 's au"'' gar
z' gr. ScHwMa. ,Du machst gr. üwern zug gen Morgen.'
HBüLL. contra Salat 1532. .Verbitteren, gross und
grempig machen, acerbare crimen. Ein schenke rüe-
nien und mit werten gr. machen und sagen treffenlich
guot sein, ornare munus verbis. Exaggerare rem,
gross und gr. machen, hoch loben. Flumina facere
e rivo, ein ding grösser und grämpiger machen, dann
es an im selbs ist, aus einer fliegen ein elephanten
machen.' Fris.; Mal. ,Ein Minister [Pfarrer] schwätzte
aus dem Synodo und machte den Handel noch grem-
pischer.' 169G, Z Synode.
A'gl. Schwab, grempig, trotzig, unbescheiden; hah. gräiiqjig,
wieder erstarkt (von Genesenden). Zu erwägen ist auch das
Gl sich rämpe; sich brüsten. Wenn ob. W. mit nhd. .Krampe'
vwdt ist, wie jram/>c7i mit ,krampfen' usw., also nrspr. ,auf-,
umgeschlagen' bed., so wäre zu vgl. unser litixn, krampen,
welches auch , Lärm machen, grosstun, schwelgen' bed.; vgl.
auch ncxrhwllllrt).
Grams — grums.
granise": 1. mit voller Hand, mit Klemmung be-
tasten Ndw. Syn. grampen I. — 2. krabbeln, jucken
B; S. ,Wenn seine Beine ihm unter dem Tisch zu
gr. und zu brennen anfangen [vor Angst und Unge-
duld].' GoTTH. Syn. gramslen. — 3. wurmen, nagen
(vom Hungergefühl im Magen) U. Syn. grumsen II,
glumsen. — 4. = grammauggen „LE.;" S fgrausse'J.
In Bed. 1—3 weitergebildet von 'gmmmca ^= l-raiiinuii;
vgl. auch grummen. i im Abi. zu grumte» I.
grams(e)le°, dim. grä»w(eße' : 1. wimmeln, krab-
beln, bes. von Insekten, wie Ameisen, Läusen u. ä. ;
dann die entsprechende Empfindung auf der Haut:
prickeln, jucken, z. B. von einem , entschlafenen' Gliede,
bei Schauder, Frost usw. B; S. Es hed-mi''' g'grüsed,
dass's-mer fin uberen Bügg uf hed 'grämsied BE. ,Was
graraselte, das frassen die Hühner.' Gotth. ,Ich horchte
auf; es fieng in mir Etwas an zu jucken und zu gr.'
ebd. ,Der Zorn sei ihm zu oberst; es gramsle ihm
in den Fingern.' ebd. ,üie ersten Gläser von einem
guten Roten machten mir ganz warm und gramselten
mir bis in die Fingerbeeren.' ebd. Auch etwa; in den
Haaren kratzen B; unpers. wurmen, ärgern. Syn.
grummen, griimslen, kramusen, krilielen, wimslen, am-
beisslen. — 2. zsraifen S; Uw. Syn. ramslen. Immer
glich flissig, glich sparsam bllU der Toni und 's Wibli
hilft-en sammle und gramsle. BWvss 1863. In üwE.
bes. Laub, Reisignadeln, Moos und Erde mit Rechen
im Walde zsscharren (gew. auf unerlaubte Weise).
Daher Gramsler, -eri": Leute, die das tun; Gramslete'
f., das so Zsgescharrte.
Auch hier wieder eine Nebf. mit Anl. kr- (s. d.), wie
überh. die ganze auf ,krimmen' zurückgehende Sippe durch
Einwirkung von .grimmen' und den sonstigen Wechsel zw.
gr- und kr- vielfach im Anl. g- bekommen hat. Bed. 2 lässt
sich mit 1 vereinigen durch den Begriff der Gruudbed. .klim-
men, kratzen, kribbeln'; s. krimmen und nd. grtmmeln, wim-
meln. Doch dürfte 2 durch blosse Anlehnung an 1 aus
rairulen entstanden sein.
grämsig: grämend ScawBr. — Zu grämten 4.
murren ZDättl.
griemse"
Vgl.
Syi
grnniseM Aa; BsStdt; L; Schw; S; Ndw; U; Zg,
grüsse" B, gronse" AAZein., grümse" gröisse, gröise
AAFri.; BsL.; S: l. = giirmsen (Sp. 419) Aa; Bs; B;
S; ÜwE.; Zg. Weitere Synn. grüggen; grämten 4;
trimen; äken. We"'-me e Stecke unger e Chuppele
Sau wirft, so grüsset die, wo 's trifft B. Los, China,
je ärger a's [du] grestisch und grousisch, so länger
muesch au warte AAZein. Ml's Wib hed eister g'grumsed
weg-em Zl's; es meind, i''' miess verhudle' [bankerott
werden] Obw. Und 's Häli grumset vor si"'' hi"; 's muess
aw'' mit Gott nit z' fride" si' ! AWalchner. Wer alliwil
grumset und alliwil brieggt. Felner. Grums und hül,
so lang 's-der g' fallt. Hebel. Si hei" 'bittet und 'greusst:
liebs Mamvieli! gell, du erlaubst 's-is? Breitenst. Nei,
Muster, jetz müesst-äer mer 's säge' [usw.], so cha"
das Vreneli greusse und der Miteter flattiere, ebd. ,Er
grumse für und für, dass ihm noch mehr nachge-
lassen werde.' 1553, Z Staatsarch. ,Die ihr gern bellet
und grumset wie die Hunde.' AKlingl. 170'2. Dim.
grümsCeße": schwach wimmern, matt wehklagen, wie
kleine Kinder, wenn sie im Schlafe ihr Unbehagen
Graiiis gruiiis. (iraii-
742
äussern Aa; L. Wege' settige' Chllnigkeite' tuet-me'
de'" nit gr. MKieser (Schwzd.). ,Das Kind nahm
schnell ab; es konnte nur noch grümselen, nicht mehr
mit seiner gewöhnlichen Stimme weinen' L. Syn. grü-
schehn, grüchslen. Über Unwohlsein klagen, ächzen;
umme gr., grämlich herumliegen Aa; Bs. Syn. umme-
grüggen, -grüpen. — 3. unverständlich reden Aa.
Auch Schwab. - Bei Schm.-Fr. i. S. v. .grunzen'. Es ist
Weiterbildung von einem änhd. syn. Yb. grummen, ndl. ,grora-
men', g}-ommeln, frz. ffroinmehr, engl, to gjnunhte, zurückzu-
führen auf mhd. yrimmen, (vor Zorn) brüllen; vgl. ,grunzen'
von .grinnen'. Über die Vocalisation des m, welches aber
vorher zu n werden musste, vgl. Glumeen.
grumsig I Uw, grümsig greitssig Bs: missver-
gnügt, mürrisch, weinerlich.
gl'umse" IT S.nw ; V. i/nimsle'' ür; SB., grumschle'.
Dim. grüiiisiJii /,' l; . 1. khmben. &'<e^'e» [welcher seine
Furcht vor diin li.wiit' r nicht gerne verraten wollte]
hat der Jiosec/iranz suem Sack us grumset und afoh
der englisch Griiess bete. Lienert. Bes. Stücklein oder
Brosamen vom Brote B; Schw, knuppern, im Verbor-
genen etw. Gutes essen; naschen B; Syn. fjriiwmclrn.
Me' schnauset cMl', me' grümschchl ,lil,\ ~.- ilin/r"
d' Schlingel jär rerhl. JCOtt. — '2. kuMirln, yukru:
Syn. grams(l)en. Der Ziger ist voll ^\'unn y'ii\ in lud
recht g'grumsjet GRValz. Es grumsjet Eim im-e Bei",
wenn es , entschlafen' ist, oder: es grumsjet-mi''', vor
Frost nach Erhitzung, ebd. Auch von rupfender,
klemmender Emijflndung im Magen Schw; U; Bauch-
grimmen U; es grums(l)et-mer im Herze; 's H. yrums-
(l)et-mer, von moralischen Bedenken, Skrupeln GrL. ;
Schw. — 3. herumtasten SB.; Syn. gramsen 1.
Weiterbildung von yrummen I; s. die Anm. zu diesem
und zu gramg(eHen. .^uch hier wieder daneben mit kr- (s. d.)
.anlautende Formen. - Während 1 näher zu Gnimmde gehört,
sthliessen sich 2 und :} mehr an r/raiiuen an.
Grumslete" f.: Kehricht BsStdt. — Wohl zu ^rum«-
Icn 1, wie das Syn. Orummhfrn zu gnimmien. Vgl. <jravi>ilt'te.
grumsig 11: voll Spalten, Kitzen, zerklüftet.
,SchmaIe, gruinbsige Gang [im Gebirge].' 1083, Gr
Samml. 1806. — Statt MumsUj (vgl. C'hrlmm aus Klimsc)
zu ,Klumse', Ritze; vgl. ,klumsicht, rimosus' bei Gr. WB.
Gran(n) — gpunln).
gran s. grnm.
GriJii I: 1. (11.) kleinstes Gewichtsteilchen ('/«o
Quentchen). Es feit ke's Gr. oder aro'nli (Dim.), es
ist exakt gewogen ZS. S. noch Ass Bd I 503. —
'2. (n. u. m.) Grad einer Skala (bes. Thermo- und Baro-
meter) Aa; Ap {-e'J; Bs; B; S; Uw; U; Z. D' Bleich-
sucht im höche Gran S (Joach.). — 3. Kügelchen am
Kosenkranz. ,Gran oder Einglcin am Rosenkranz
(öfter) auch Gebet-Einglein.' Seeast. 1730.
Es ist lat. granum, Korn, das im Mittellat. auch zur Be-
zeichnung des kleinsten Gewichtes diente; vgl. Gereten-hom;
so auch frz. grain. Bed. 2 durch Vermischung mit Grad,
wodurch tw. auch das m. Geschlecht hervorgerufen wurde.
:J auch bair. ; vgl. frz. grain de cliapikt.
Grob-: ein starker Seidenstoff. ,Dienstmägt sollen
nicht Schlutten tragen aus Gr., Schamlot oder noch
köstlichcrem Zeug.' 1611, G Mand. — Frz. gros-grain,
geköperter Seidenstoff aus Lyon.
Granäli f.: gekörntes Metall. Die Münzer mögen
gebrochenes Gold oder Silber kaufen, ebenso ,Granaly'.
1548, AbscH. — It. granaglUi, frz. grainniW', von lat. granum,
s. Gran.
granalieren: Metall körnen. Bei Strafe des
Feuers ist alles ,gr., kürnen, seigern- und andere der-
gleichen Fälschungen alter und neuer Münzen ver-
boten. 1560 U. 1565, AhSCH. — lt. granugliarc, frz. grai-
nailler.
grane» I: zum Taler, der 34V2 Batzen gewertet
war, noch '/a Batzen aufgeben. Wer das nicht wollte,
sagte : I'* zale-der 's u'-granet, d. i. du musst mir den
Taler voll, zu 35 Batzen annehmen B oHa. f (Zyro).
- Zu Grün 1 i. S. V. Ausgewicht, Aufgeld; vgl. Drüf-Gclt i'
S]i. '240.
Gran 11, Granen s. Kran.
G r a n ä ( c h e ) r s . Grauwacher.
Granat, in B; ZStdt Granet — m.: 1. a) Granat-
stein B; ZStdt. — b) Glasperlen Ap; GEh.; Z (Gra-
nüttij. De'- Wi" hät-e Färb wie Granöte" GW. —
'2. Schuhe aus ,Granat(stotf )'. ,Üas Tragen der Granät-
linen oder wyssen Schuhen in die Kirchen verboten.'
li;S(i/170:l. z'.Mand.
1 von lat. griiiiiiium, Granatapfel. — 2 zu frz. gnnnt,
damastartige Leinwand; grenadcf, feiner Seidenstoff, klein
getüpfelt; vgl. grenadinc; von der Stadt Granada.
Granat er s. Granater-Epfel Bd I 369.
gränen II s. grauwen.
Granne» GEapp.; ZWäd., Grane' ZErl., Zoll. — f.
(meist PI.): Wurzelfasern der Weinrebe; Syn. Schnauz.
Wenn d' Bebe' kei" Gr. händ, so sind s' nüd iväclisig,
oder so gend s' kei' Wi"; vgl. noch Gränni-Här.
Mhd. graue, ahd. grana f., Barth.iar an der Oberlippe.
Vgl.: ,[)ie leieu [unter den Lazaritern] sulleu han erber bärte
ncbent dem munde mit den gran.' 1314/21, Gfd.
granne" B tw.; Gr; TnWagenh., gräne" III BE.; U,
gräm mAa: Ks; ]'.-. .I.G.;- S; 0,:w; W: 1. den
MuiM u-il aiil-|MTi,.|, \Vl;ar.; klalV.'ii, /.!;. vn,, \al,t,.„
oAA; ((/(./( /((/■< .//■., hrl'V.il'yU./koll (Vn]l lialljv..T.4crk tcM
Gegenständen) Bs. Syn. füre zänne". — 2. das (iesicht
verzerren, Grimassen schneiden, grinsen, sei es vor
Schmerz, Zorn, Unlust oder zum Spott und Hohn Aa;
Bs; B; „LG.;" S; W. ,Dentibus stridere.' Id. B. Wil
i''' [beim Kosten des sauren Weins] gr. müesst S (Schild
1885). Der [ihr] g'seht, ivie d' Frau N. sich alli Mitch
git, die Rls-chrügeli abe z' worge" u derzue grännet.
Bari 1885. ,Und manch üppig Knechtlein grännete
über das Beste [Essen sc] und lästerte.' Gotth. ,Wenn
man so ein kybig Hägeli daheim habe, das über Alles
entweder gränne oder pflenne, so möchte der Tüfel
dabei sein.' ebd. ,In einem Herrenhaus, wo die Köchin
3 Wochen grännet [ein böses (iesicht macht], wenn
sie eiiiiiial Ulli :. Thr auf omks statt um ü.- rl.,!. M,,tschi
tue-nnr\ F.ishr i,f. s,, .Ihihi,-,,! ,,ir,/i: U. S. ]\-,nn
der.lainnr ,nl .imniirt, drr }Innn:r ,nl linnirl ninl's
Miidi hiiiijir '(III Oft' p/lÜHHet, so isch der Merz er-
züriHi S iSrliil.li. ,Grenen, grünen, greniken, sub-
riderc, riiii;err.- Hv.u. 1662. — 3. weinen und zwar mit
Verzerrung des Gesichtes Aa; B; Gr; S; Obw; un-
artig, hässlich weinen, weinerlich klagen (meist von
Kindern) B; Gr; TnWag. In BR. unterscheidet man
zwischen grännen, seinen Unwillen, Spott über das
Weinen eines Andern (durch Nachahmung seiner Gri-
massen) ausdrücken und gränen, aus Bosheit weinen,
7-13
Gran, gien, grin. groii. grün
744
unter Weinen Etwas fordern, letzteres auch U (um
Etwas gr.) ; Syn. gresten. E' Schnebalh' tuet nit we,
dass-me" drab müesst gr. StöcMi-Buebi seif men Eim,
wenn er hriegget; hlih daheim, n-e" de grad witt
pflänne' B (Schwzd.). ,Was ist die kindheit anders
dann ein stäts granen und grynen.' HBull. 1544.
Henkersbub zum Nachrichter: ,Was willt den lassen
greinen, gränen, far mit dem Schelmen ab der ströwe.'
Aal 1549. ,Obvagire, granen oder weinen und schreien
wie die jungen kind.' Fris. ; Mal. .Erst kommen in
die Ehe; da empfind ich Nichts dann ach und wehe;
greinen und gr. ist mir nit tür.' Zehen Alter, Bs 1G21.
— 4. weinerlich sprechen Gr. Soll 's mi''' töte' und
zersprengge", grannet er, wenn i''' weiss, wa m'r d'r
Grind steid! GnSchiers (Schwzd.). — 5. grunzen. ,Als
ein schwyn grenende (grunuiens).' 1460, G Hdschr.
Mhd. grannen, grennen, ahd. granjan, weinen, abgeleitet
vom st. Vb. grinnen (gran, grunnen), knirschen; dieses zu
grinen (grein, grinnen), greinen, grinsen. Vgl. auch die Syn.
zäunen, brieggen, ßtnnen, trinken.
a^-granne": angrinsen B; S; ,atroci vultu aspi-
cere.' Id. B. Es lueg gar ulldig drl und gränn Eim
numme so a', statt Eim aw'' es fründlichs Wort z' ge.
GoTTH. ,Ich will nicht sagen, dass es nicht auch eine
Zeit gegeben habe, wo 's m'r v'rflümeret i" Kopf che"
ist, wenn der Johannes eine Andere angesehen hat;
seibist [damals] het es mi''' duecht, er sollte alle
Andern a., nur mich nicht.' ebd. S. noch u. Bonner-
gueg Sp. 163. — er- s. er-grämiiien. — üs-: durch
Gesichterschneiden verhöhnen oAa; B; S. Syn. üs-
zännen; iis-wäuen. .Ein Töchterchen, das einem Haus-
halt vorstehen soll und kann Nichts als Pantöffeli
hrodiere, nierci sagen, d's Mul büschele und d' Lüt
u. hinterm Rücke.' Gotth. — ver-: (den Mund) ver-
ziehen. ,Wenn er [der Arzt] 10 Btzn forderte, so
vcrgrännte der [Geizhals] sein Maul bis an die Ohren.'
Gotth.
Gran n er ni. : weinerlicher, mürrischer, stets kla-
gender Mensch Gr. Spreng erklärt damit das Wort
,Griner'.
Grannete f.: das Weinen Gr.
Granni Gr, Gränni I Aa; B; S; ZGlattf -- PI.
Grännege" B — m. : 1. mürrischer, unzufriedener
Mensch, Sauertopf. De- alt Donner, de- Gr., de- wüest
Tüfel. Gotth. — 2. Grimassenschneider, z. B. an einem
G-rännet; auch sonst Spottn. wie , Fratzengesicht' B;
S; Tgl. Grannen. — 3. weinendes Kind Aa; B; S; vgl.
Grännisgraben. Da b'heb der Brei, gib de dim Gr.,
wo i' der Chuchi ummepfoslet. JCÜtt.
Die B PI. -Form durch Anlehnung an die Patronyniika auf
-!,<g. Vgl.: ,Heini Granni von Hasle.' U20, BO.
Ziberli-örnwMi; verächtliche Bezeichnung eines
Bauernburschen B. Die Msc.-Form zu Z. -Granne'.
S. unter Mos-Gueg Sp. 163. ,Ein solchen Z. finde ich
hinter jedem Zaunsteoken, und wenn ich Einen haben
muss, so will ich nicht einen solchen Fötzel. der nie
drei Kreuzer bei einander hat.' Gotth.
grannig Gr; Obw, grannig AABb.: 1. verdriess-
lich, weinerlich (von Kindern) Gr. — 2. knickerig,
geizig AABb.; Obw. Syn. grandig. — Zu 2. Auch der
Geizhals klagt immer; s. grannen •?.
nä'"" -grannig: 1. genau, jiünktlich BHa. —
2. geizig, ebd.
granochtig: verzerrt, fratzenhaft, kläglich? ,Ich
säg 's, man findt vil Frauw und Mann, hätten s' nit
schöne Kleider an, so wärent s' ein granochtigs Bild
und g'sechent aus gar marterwild.' Com. Beati. — Wohl
zu grannen S oder .9.
„grännele" (Dim. zu grannen): wimmern, aus
Schwachheit nicht laut weinen können (von Kindern)
Aa; Bs; B; LG.; S." Syn. grumsen I.
Granne" f.: 1. Fratze, Grimasse, verzerrtes, häss-
lich weinerliches Gesicht oAa; „Bs;" B; S; U; W;
Syn. Brieggen. E wüesti Gr., Fratzengesicht S. Er
häd e leidi Gr. mu g'macht, ihm eine hässliche Gri-
masse geschnitten W. Bast [Sebastian] luegt ume un''
g'seht-mi''' un'' macht -mer d' Füst un'' en Gr. BO.
(Alpenr. 1827). — 2. pers., eine weibliche Person, die
ein solches Gesicht schneidet; überh. Schelte für ein
hässliches, auch gern klagendes Weibsbild B; S. ,Was
will doch eine solche Gr. heiraten?' Gotth. .Damals
stand ein rotbäckig Mensch noch höher im Kurs als
eine bleiche Gr.' ebd. ,Mit einer alten Gr. vo° Gege-
schwigere.' ebd. ,Das ufründligiste King, wo sie noch
gesehen, eine ewige Gr. und dazu e leide Grieggel
[Schwächling, Serbling].' ebd.
Bure"-: Scheltn. für Bauerntöchter B (Gotth.).
Ziberli-: sauertöpfische Weibsperson, Spottn. für
Bauerndirnen B; L. ,Ich will tun, dass du mich alle
Tage lieb haben kannst, will keine Z. werden.' Gotth.
D' Not, die alt Z. L Nachr. 1865.
Xilierli, herbe Pflaume, welche Einen grannen macht; vgl.
Sür-Erbnele-, Sür-Hampflc-G ficht ; Easech-Guttere.
Grännet m., seltener Grannete" f.: das Gesichter-
schneiden; Wettkampf im Grimassenschneiden als
Volksbelu.stigung von spekulativen Wirten neuerer
Zeit ausgebeutet BU.; S. Vgl. Weggli-Esset, Sack-
Giimpet. Es Chudermannli, das als Zueschauer bim-
ene" Gr. g'sl' isch, het so andächtig dem Zug zuegluegt,
dass es oni 's z' müsse" alli Grimasse" vo" de' Spilere'
noche gmacht het. Hopst. Vgl. noch B Dorfkai. 1887
S. GO und Gotth. XIV 1, 69.
Käs-: Grimassenwettkampf, bei dem für den Sieger
als Preis ein Käse ausgesetzt ist B. Syn. K.-Zännet.
Gränni II n.: Grimasse Blnterl.; UU.
Granidier G, Grenitier ZS.: Grenadier.
Vgl. die volkstümliche Ausspr. Oranobel st. (Irenoble. Doch
ist die Form mit « überh. die ältere, da Gr. eig. = Werfer
von Handgranaten.
„ fiel i- grannig: von durchbrochener Gold- und
Silberarbeit. " — Von .Filigran' angelehnt an Vwti.
Grar
s. Grauuacher.
Gräninni (Granio GWe.) m. allg.. n. Bs: 1. Pflan-
zenn. a) Storchschnabel, geranium, spec. stinkender
St., g. Eobertianum Ap; wilde Gr., g. molle GWe.;
besonders aber die als Zierpflanzen in Töpfen ge-
zogenen G. -Arten, allg. — b) pelargonium, spec. p.
radula und p. zonale, mit zahlreichen, oft bes. be-
nannten Varietäten (z. B. Filr-Gr. GWe.). Neben dem
Rosmarin darf Gr. an Hochzeiten auf dem Hute des
Bräutigams nicht fehlen B. — c) Reiherschnabel, cro-
dium (Durh.). — 2. scherzw., mit Anlehnung an grau,
Graukopf ZZoll. - Über den Ausfall des .; s. die Anm.
zu Grampoi.
745
(iran, gron. grin. iri"n. ^nm
746
Öpfel-: Art Geraniuni, dessen Blätter einen Apfel-
geruch haben AAEhr. — Vgl. den Pflanzenn. cluwmmiUa,
villi den alten Griechen ebenf. vom Apfelgeiiich so benannt.
Glogge°-: 1. Varietät von pel. zonale mit glocken-
fiirniigen Blüten. — 2. (Glöggli-) fuchsia coccinea
GSa.; Syn. Giöggli- Stock.
(iranitzer, gew. Granitzier Aa; S; ZW., Gränitzler
S tw.: 1. mit Kleinwaaren, Nippsachen hausierender
Krämer. aaOO. — 2. Schmuggler S. — granitzle":
den Beruf eines Granitzlers treiben S. Im Wasseramt
mache' si d' Rundi, Spezereie" z' verchaiife' und allerlei
z' handelet i' Zucker und Hoseträger, Tuhak und Schueh-
mi.ri, Mandelcherne und Wetzstei'. E ZU lang hei'
sich die junge' Ehlütli mit dem schwerfällige' Hand-
charre" h'hulfe' für ires reised Spezereilädeli und fand
a', das Granitzle' im Grosse' z' trihe'. BWtss 1863.
Der Ausdruck erinnert Ton Torneherein an Benennungen
wie , Augstaler, Gawertschi (Sp. 566), Venediger, Kaianker.
Lauiparter, Grischeneier' — Benennungen für Hausierer Ton
deren Herkunft entnommen; es wäre dann an eines der ,Gra-
nitza', welche sich auf slavischem Boden finden, zu denken.
Poch fehlen uns für diese Herleitung tatsächliche Anhalts-
punkte. Es ist darum wahrscheinlicher, dass wir es viel-
mehr mit einer Abi. Ton der altern, dreisilbigen Form des
W. ,Grenze' zu tun haben, in welchem Falle der Gr. als der
über die Grenze kommende Fremde bezeichnet wäre; vgl.
bair. ,Gränizer', Grenznachbar.
Grän s. Ge-räm. gränelen. Gränil s. gräuw-.
Gl'äni n n.: Fruchtnarbe am Kernobst U; Synn.
s. fpei Flieg Bd I 1178. - Viell. mit unechter Länge Coli,
zu Grannen oder zu Gran I.
(Jraniie" s. Garaune Sp. 398. Syn. Grün(li).
Cburw. mrüna, lat. <-oro,i.t. Wegen Wegfall des Voc. s.
.\uln. zu Gramjioi.
Greniz s. Grenz.
greine": weinen machen, betrüben, bekümmern.
.Dass wir unsern Eidgnossen von Zürich, in was gstalt
sy greint oder bekümbert wurden, wider menklich
sollten beholfen syn.' 1531, Absch. ,[Die VOrte lassen
bald ab von der Verfolgung der fliehenden Zürcher]
dann sy iiiit dem zug nit vermeinen, wyb, kind, arm
lüt zue gr.' Salat 1531. , Witwen und weisen be-
kümberen und gr., ist ein schwere sünd.' LLav. 1."j82.
— Factitiv zu grinen. Auch mhd.; aber nur einmal bezeugt.
Isen-grin s. Isen-Grind.
grinn : zornig, unfreundlich, trotzig, stolz. JS gri's
G' sieht; e gris Lueder, ein gehässiges, zänkisches
Weib. Der Chinig ist über schi Techter bes wordu und
het gri' g'seit: plag die armu Llt nit so W Sag. En
(jrinne Ma". Auch vom Wetter : rauh, kalt. E grinne
Nebel W. — Es ist das adj. grimm; Übergang von m in n
nicht selten; vgl. gram, ram, heim. Vgl. auch ergrünen u. griin.
er-grinne° W. -grinen P (Schott): in jähen
Zorn geraten, ergrimmen; auch refl. Ptc. ergrunnet,
auch als Adj. W.
grinnetsche°: saures, zorniges Gesicht machen;
zürnen, zanken. Schi heint enandre gegrinotschet,
haben einander gezürnt. In diser Welt tient d' Llt
enand nur gr. W.
er-: sich erzürnen W.
grine", Ptc. g'grinne', tw. g'grlnt: 1. weinen und
zwar sanft, schmerzlich still, im Gegs. zum lauten,
hässlichen Weinen (flennen, grännen, zäunen, räggen,
Minen, hrüelen) Aa; Bs; B; FJ.; Gr; LB.; Sch; S; UwE.
(selten); U; W; Ztw.; „Zg". Syn. sc7men. Schi heint
[haben] scharpf [sehr] gigrinnu W. Laciie' wie die
Welsche' gr. Bs. 's hat 'grinnen und 'betet, 's hätt si
e Stet' müesse' verbarme'. Breitenst. Das Fraueli
hat V(yr Freude 'grinne'. Hofst. Und schnitt nüd
G'sichter öppedie, wie wenn er wetti gr. Naoeli 1842.
Grlnjetzniid und bis getrost. Stutz. Mädchen- Jammer:
Ach! d's Grine chunnt mi a'! 0 lat mi gr.! I hätt
so gern e Ma" u wüsst e frine. JEKuhn 1819. Auch
von klagenden, wimmernden Stimmen in der Luft,
welche von der Volkssage auf Seelen von Verunglück-
ten gedeutet werden, z. B. das Grinen im Engstiegrund
BO.; s. JCOtt 1864, 64. ,Da hat er g'lachet und
g'sagt, das billicher zue gr. wäre.' ThFrickart 1470.
.Als ir gen Murten sind kommen, band ir grinnen'.
Schmähung eines Unterwaldners gegen die Berner.
1525, Strickl. ,Die 5 ort sind ganz falsch gegen uns,
gott geh, wie sy sich gstaltind oder grynind.' 1530,
ZwiNGLi. ,Es ist Wäger, die jungen grynind dann die
alten.' HBüll. 1540. N. N.'habe nach der Schlacht
[bei Cerisole] ,grinet'. 1547, Absch. .Wie die kinder
nach irer art grynend und schryend.' Buef 1550.
S. noch flennen Bd 1 1200 u. gellen Sp. 208. ,0 Israel,
hui, wein und gryn!' BScumiu 1579. ,Traf in uf ein
Aug, dass er blutet und grien [1. grein].' FPlatt. 1612.
,Wenn wir gern gr., müessend [wir] lachen.' Myricäüs
1630. ,Nicht meinethalben greinet; Jerusalem, ir Töch-
teren, beweinet.' JJBodmer 1669. .Plorare, weinen,
greinen, fiennen. Vagire, schreien, greinen wie ein
Kind.' Denzl. 1677; 1716. Er häd 's klor Brunne-
icasser grinne. Gesprach 1712. S. noch frl Bd I 1258.
— 2. von den Reben im Frühjahr, wenn der neu er-
wachte Saft aus den beschnittenen Zweigen tropft ZIS.
Syn. tränen; u-einen. .Superlachrymare, weinen oder
grynen als die weinrcben.' Fris. — ■■>. lilaunid -iiiLren.
zwitschern von kleinen Vögeln, in ihm \. i l.irit. tcii
Kinderreim: D' Sunn ('s SünneliJ schiiil . '< \'n,j,h iimiL
(ejs hnrlrl /Iwrllrt) uf CM Lade (La.lll ■■drv uf ,ln-
Sta)t:i,"j u.«. (Ii;; L; S; Z; Vgl. de'' Gnisrl \,\ry \\'u,U-r\
löt d' .S((//;(i //(/ ■•.rliDie'; bald hei welle d' S'iiijili iiniu".
Schweizerb. 1^27; s. noch unter grimmin. — 4. von
der Stimme des Schweins, grunzen; vgl. icinsen und
grännen 5. ,Si grinnent als die schwyn.' 1405, Ap
Reimchron. S. auch unter Gatter Sp. 496. ,Myn sün
schluegen mit freuden dryn, die fynd grinnen wie die
schwyn.' Salat 1531. ,Grunnio, rüchlen, grynen wie
ein schwyn.' Feis. ,Das Schwein grunzet oder greinet
(rechlet).' Spleiss 1667.
Mhd. gnne, grein, gegrinen, den Mund knurrend, winselud,
lachend, weinend verziehen, von Menschen und Tieren; vgl.
grännen. Zu Bed. 1 auch il.is Wnrts|ii.l: .l;li\ iitaÜM In. -ryri-
talische Pfruenden' als \<f<. ^liilnht ^itin.'iir i;.i-il. I'irnn-
denbuch 1740. — Dazu .las Snli-t. .(iiin.lr. ^^■ ,n. i\u\w.
Gesicht: ,Tue heim rennen, o mucturkiud ! und ilujer luueter
zennen; mach mir ein kllneli |ein wenig] eins gr.' H.aberer
1562; zu mhd. gnn, clamor, rictus; Syn. Brieggcli.
ab -er-: durch Weinen und Klagen abbetteln.
,Das land hat grossen mangel; hätt üch gern kernen
abergrinnen.' Ruef 1540. — ver-: 1. aufhören zu
weinen, sich ausweinen. ,Po.st luctum cohibere lacri-
mas.' Id. B. — 2. Ptc. vergrinne', verweint Bs; Syn.
verhriegget. Er sieht ganz v. üs Ba. Mit rergrinnene'
Äuge'. Breitenst.
Griner m.: alter Geizhals, der immer über Mangel
klagt Bs (Spreng). ,Plorator, weiner, gryner, pflenner.'
747
Uran, gren, gnn, grou, gruii
748
Pris.; Mal. ,Du stolzer Weiberdiener, du alter Hosen-
greiner.' Wahrsager 1675.
grinerig: weinerlich, von der Stimme; zum Wei-
nen geneigt Bs. Es ist-vier gr.
Grie(ii) n., ,m.'': 1. Kies; Syn. Gries. a) Geröll von
kleinen Steinen mit Sand, Grand; bes. Strassenkies zur
Beschotterung, wie er t. aus den ,Griengruben' (s. d.),
t. aus Bach- oder Flussgeschieben mittelst des , Sand-
gatters' gewonnen wird Aa; Bs; B; P; VOrte; Gl;
Oew (Grmn); G; Sch; S; Tu; Z. Vgl. Aare'-, Emme"-
Gr. B. Syn. Ge-rüm. Wenn scho' 's Grien rar ist, so
sind [in S] doch schöni Strasse'. Hopst. 18G5. ,Bäche,
die sich, beladen mit Gr., ergiessen in unserm Dörf-
lein.' JRWyss 1815. ,Wil vom wasser so vil griens
in die statt gefüeret.' Wurstisen 1580. ,Alle Karren-
geleisen in Strassen sollen mit Gr. ald kleinen Stein-
linen verebnet werden.' Z Mand. 1646/1707. .Sollen
die Gemeinden alle Jahr in der ihnen bequemsten Zeit
Steinen und Grien zu der Strass führen.' B Strassen-
regl. 1744. ,Zu Sanderden und Gric nimmt man Küh-
mist, mit Lett vermenget.' JCSulz. 1772. S. noch
unter Gand Sp. 336. — b) Kiesgeschiebe, von Pluss-
oder Bachgeröll gebildete Sandbank, Insel oder Halb-
insel, Flussbank Aa; B; F; G; „Sch;" S; Ndw; U;
Zg; Z. Syn. Grind; vgl. auch Grien-Kopf, Schachen,
Sand. ,iy Emme' chimnt!' i'"* cha'" das Wort no'''
g'höre*, tvie 's d' Miieter rüeft, wo Peters Chlais un''
i«* üs uf em Grien mit Gröjiple wei' v'rtore" B oE.
(Schwzd.). ,Das alte Kander-Gr.' heisst das vormalige,
seit 1714 trocken gelegte und der Vegetation anheim
gegebene Bett der Kander. ,Auen und grien.' 1344,
Aa Urk. (Ölhafen). ,Der nachrichter soll synen lyb
hinuss uf das gr. by der Sil füeren und da verbrennen.'
XV., Z Blutgerichtsordn.; hiezu vgl. die gr'ere zu Paris.
Die Hofleute von Rorschach sehen sich genötigt, hinab
auf das ,Grien' am See zu bauen, da die Herren die
Guter bis zum Ettcr an sich gezogen. 1529, Absch.
,Die Juden wurden 1.349 am gr. dauss an der Sil ver-
brennt.' HBuLL. 1572. ,Uf die 100 schritt von dem
gestad uf einem trocknen gr., so sunsten iederzyt mit
wasser des Ehyns bedeckt, ward ein schiessen zu einer
gedächtnuss solches kleinen Ehyns gehalten.' Bs Chr.
c. 1580. ,Sind wir [bei der Schifffahrt] auf den gr.
kommen.' 1595, ThPlatt. (Bs Jahrb.). ,Der Nach-
richter soll sy [die Piädelsführer vom Wädenswyler
Aufstand] hinus uf die gewonliche Wallstatt des Griens
führen.' 1646, Z Staatsarch. ,Zuegleich sollen auch
die zwei nebent Glanzenberg neuw angesetzte Grien,
da bis dato nach kein Holz erwachsen, nit verfachet,
noch verschlagen, sonder die Schwiren oder Fächlin,
die in selbigem Giessen allbereit gesetzt, wider ufgetan
werden.' 1658, AAWett. Klostcrarch. .Demnach sich
etwas Span und Missverstand antrelFende die Pars-
Gerechtigkeitcn, item etwelche Auwen und zuegelegte
Grien erhebt haben.' ebd. ,Alluvionen, Grienen und
Ansätze in den Flüssen gehören den regierenden
Orten.' 1729, Absch. ,Das Kloster Fahr hat die Griene,
welche sich in der Limmat gebildet haben und rings
vom Wasser bespült sind, angesprochen.' 1770, ebd.
So erscheint denn das W. auch als Flurname: ,Uf
den Grienen.' 1653, AAWett. (Arch.). .Streueland auf
dem grossen Gr.' ZHöngg. — 2. Blasenstein (als
Krankheit). Syn. Ch'ies. ,Vil krankheiten als grien
udgl.' TiERB. 1563. .Calculi: ein krankheit, die man
nennt den stein oder das gr.' Fris.; Mal. ,Wir wend
ouch nemmen das Wasserglas, so sehend ir das grien
dest bass.' Z Laz. .Schräpf uf den Lenden, tut das
Gr. fast von dir wenden.' XVI., Z Kai. ,Dieses Öl ist
auch sehr nutz und gut denen, so schwarlich harnen,
dann es treibt heftig das Gr.' JRLandenb. 1608. —
3. {Gri' ScH; ZBenk.) die edeln Eingeweide des
Schlachtviehes: Lunge, Leber, Herz, Luftröhre; auch
Kalbsbröschen, Fettnetz? Sch; U; Z. In U wird auch
Kopf, Blut und Fett dazu gerechnet. Comp. Chalber-Gr.
Vgl. In-sigel. Synn. Griel; Gerick; Gelüngg; Geliher;
Gestell. Man kauft beim Kuttler es Grie' ZStdt und
isst es in Fleischbrühe mit Gewnrzzutaten gekocht
als Voressen oder Fischwis. ,Botz ochsengrien ! ' Rdep.
.Grien, eingeweid, exta.' Mal. ,Die kalbsköpf und
die grye sond sy nit zue dem kalbfleisch wägen.' Aa
Metzgerordn. (Boos 338). ,Gr., Eingew eid. Gerick,
viscus, exta.' Red. 1662. ,Es sollen die Metzger das
Kopffleisch, die Kröss, Grien (bei welch letzteren auch
das Herz sein soll) und Milzi besonder und ohne das
Fleisch verkaufen.' 1770, Z Metzgordn. — 4. (Dim.
Griendli) Flicklappen auf alten Kleidern Zg; Syn.
Glüngg. Vgl. üsg'seh ivie-n-e üfg'hauni Chue. von
einem vorn unordentlich Gekleideten.
Die Ausspr. mit «e, welche auch in dem U .Gruenl).ich'
auftritt, beruht auf falschem RUckuml. in Folge lautlicher
Anlehnung an gräen. — 3 hat viell. ein anderes Etymon,
was die Sch Form zu bestätigen scheint. Im L Ratsbüchl. 2 b
kommt eine der Bed. nach trefflich zu unserem W. stimmende
Form mit eingeschobenem furtivcn e und einfachem Voc. in
der Stammsilbe vor : ,Die fleischmetzger sullen enhein beckin
noch geissin houpt jeman versagen umb 1 den. und ein schefin
houpt und ein geria ietwüdcr umb 2 den.'
In- s. In-grüen.
Hasel-: mit kleinen Kieselsteinen gemischter
Ackerboden L. — Durch A'ergleichung der kleinen Kiesel
mit Haselniisseu. Vgl. U.-Grund.
Kis- = Grien 1. .Die Strassen mit vcrfüllung der
löcheren wegsam machen, und mit k., wedlen [Reisig]
und holzwerk befüeren.' 1569, BSigr.
Berg-: Bergkies, im Gegs. zum Wasser-: Kies
aus dem Aawasser Ndw.
griene" (gntene" Oew): 1. Steine aus Flussbetten
wegräumen Uw. — 2. Kies führen, schütten, auf
Strassen, Plätze B; Gl; G; Schw; Uw; Z. Mir hend
Mütsche' und Stei" bis g'nueg im Bisistal hinde"; aber
wie da d' Herre' z' Schwyz d' Strasse" b'setse" [pflastern]
und drüber griene", das täte"-mer fri niene'. Schw Fas-
nacht 1883. — über-: mit Geröll, Kies überschütten,
wie z. B. ein ausgetretener Bach Äcker und Wiesen ;
bes. aber die Strassen mit Kies beschottern B; Gl;
Sch; Uw; Z.
^Grienere" f.: Stelle, wo Grien vorhanden ist,"
Kiesgrube. — A'gl. Erlsere Bd I 431, J/erderen und andere
Bildungen mit diesem Suff.
grienig: 1. voll Geröll, kiesig Bs; Uw; Z. Gr-e^
Bode', Gegs. zum Lehmboden. — 2. am Blasenstein
leidend (vom Vieh) S. ,Dass die eselmilch den grie-
nechten, oder so das gries und reissenden stein haben,
nichts schadet.' Tierb. 1563. .Grienig, dem gr. und
stein underworfen, calculosus homo.' Mal.
Grieni"g f. = 6rne« .2 L. ,Für die Grienig. Nimm
Leiterlikrut und rot Krudwürzen, legs in wyssen Wyn,
749
Uran, gr
?50
Süd Erbskost darus und iss es unzüget und unge-
salzen.' ZZoll. Arzneib. 1710.
Grönaker, Groniker, GrOnOr s. Grcm-Epfel
8p. 369 und Grauwacher.
grönelen, Grüni s. yrauw-.
grunnen: grunzen. .Kaucus Stridor, das rüclilen,
Winsen oder gr. der Schweinen.' Fkis. ; Mal. - GruuJw.
iks iilid. .grunzen'.
ngrnnje": brummen, murren, Widerreden Gr." Syn.
runjen.
K.iiim Nbf. zu dem Vorhergehenden, sondern aus rätorom.
•jriiijniar, gruotjner, grunzen, mnrren (vgl. frz. <jioijiier, sich
beklagen).
grün: 1. finster, mürrisch, zornig, unfreundlich,
sauer, von den (iesichtszügen, der Miene BHk. ; Gr.
En (jr-i (!'!<irlil )iiifche'. (Ein'") gr. (nußuegC, sauer-
töpfisch ilreiii (all Ischauen. Syn. hässig, widrig. —
2. rauh, kalt, vom Wetter BHk.; Gr. Es ist Iri.J ii,„l
gr.; ,ein gr-er Luft', schneidend kalter Wiiul; '> i-<i
gr. am Luft, der Himmel sieht rauh aus, auch \"in
wolkenlosen Winterhimmel gebraucht .sofern er grosse
Kälte bringt BHk. — Vgl. das für beide Bedd. syn. gn™ ;
s. auch ./.»,«.
er-grüne" Gr, -grüne" W: 1. zornig, unwillig
werden, sich ereifern W; Syn. er-grinnen. E. über e
Sach. Aber wie der [verratene Käuber] ersprungu,
erschmiet [erschrocken] und ergriiinet slgi! W Sag. —
2. finster blicken GrS. Übertr. vom Wetter: unlieb-
lich, unfreundlich werden Gr. Vgl. grisgrammen.
Vgl. ahd. yriurm. Begierde, Heftigkeit, (Irans.inikrit ;
Zshang mit dem Syn. enjrinnen anzuneliiiiiii. vnliiilil .li.
Verschiedenheit des Voc. ; ebenso bereitet :ilhl. -;.",.. .Iiiniihi.
Elend, Unheil, schon nach Seiten des besriHli' b^ ii /.NbanL-h
Schwierigkeiten; hingegen vgl. noch tir. yrüiun, (jnnuil'u,
murren, unser tfi-unnen, tjrunjen, und s. eryntenen.
Grüni f.: 1. vor Schmerz, Kummer, Ärger, Wider-
willen verzogenes, finsteres Gesicht GrI>. - '-'. vor-
übergehendes oder als Charaktereigensrhaft blcili.-iiilr^,
mürrisches Wesen, düstere Stimmung, verschlissener
Eigendünkel, Misanthropie GrD. B'hüM-isch d-i/r Her,
ist das •! Gr.! welche Verstimmtheit verrät seine ein-
silbige, unfreundliche Antwort!
Grünli n.: kleines Gestell, wie es. oft nur aus
einem Brett bestehend, in Bauernstuben an der Wand
vorkommt GflSch.
Aus räto-rom. cruna, horizontal feststehendes Gestell iu
einem Kasten ; vgl. das Syn. Granne und Gwaune.
grnen Btw.; Ltw.; UwE. (neben grien), sonst
grüen, in Gl; GuPr.; G; ScnStdt; ZO. griie, in Ap
(tw.); GA. grü', in Seil (tw.) ; TaTäg. gro": 1. wie
nhd., von der Farbe, bes. (in B; L mit dem Voc. iie)
als charakteristische Farbe der treibenden Pflanzen,
allg. Es ist no''' nid starch griien, von den Wiesen
im Frühjahr; 's Griten, junge Triebe L. I" 's Griien
g'seh, Aussicht ins Freie haben ; fig. = noch etwas
Trost und Hotfnung haben B (Zyro). Griicdiis. in
L Griioi^: 1) grünes Gewürz. z.B. Lauch, auf die
Suppe, daher auch Siippe-Gr. Aa; Bs; B; L; Z; auch
= frisches Gemüse Aa; Sch; Z. ,Das Grüns (Binetsch,
Peterlein).' Bs Kochb. (Stup.). 2) Grunfutter. allg.
Gr-s fuetere". D' Cime trüet (git wider me Milch),
sobald si n's Gr. chunnt, wieder Grünfutter erhält Z;
j" 's Gr. cho' (falle'), mit dem Werfen in die Zeit des
Grünfutters (im Frühjahr) fallen B; Z. ,Wenn die
Kühe ins Grüne oder zum Grünen kalben.' Gottii.
■i) Vorteil, Gewinn. Nüd vil Griiens mache', z. B. mit
sim Handle' [Handelsgeschäften] BBe.; Id. B; vgl.
grüen 3. S. noch Brut. — E grüeblüemlets Häs [Kleid]
GRPr. Grüene(r) Sessel, grün ausgeschlagener Sitz
der höchsten Standespersoiieii, dann auch die Amts-
stelle selber, allg.; vgl, Scini.ii is?:',, iil. Grieni Schotte,
Nachmolke Gr ObS. Der Teufel erscheint etwa als
e grüens Mannli, als Jäger; s. Schwz. Erzähler 1856,
5. 12. Es wird-mer gr. und gel'' vor de' Auge", die
Sinne schwinden mir Z. ,Es war mir vom vielen
Lugen ganz gr. und blau vor den Augen.' Breitenst.
Grüener Esel s. Bd 1 515. ,Grüoner käfer, cantharis.'
Mal. Grüene Fade", aus aromatischen Substanzen be-
reiteter, grünlicher Linneur GStilt: es ((fl/isli) Griieiis,
Gebranntes B; L; Syn. nr„/„ /•'„./,„, Il,lln:. UnU-
wagensi/rup. ,Sein Gla-elien Ciun-..- (inim. (Iiun-
sul,,t. ,.„ Cr-,. .1,,' Gr-r'i. D," L.ih"- u""' ,/. " Iii-
dastn.JniJ.r l,rh,„r" ,li,' li,-," ,,\.nl ,,.■' „iijr" ,lan
SChwurl,". .ininn- l-„Al„niir,„ili. in, si I r,:,l li,i\ Ur
BXki l-^--.. So ainl, I) Soblat in yruner rnitonn,
,Beim Umzug der sogen. Fänderb'-satzig im Uberwallis
marschierte Militär auf: zuerst die Gr-en, dann die
Roten mit Röcken aus den französischen und neapoli-
tanischen Diensten und zuletzt die Blauen.' Nidw.
VoLKSBL. Spec: Scharfschütze U; Z, für welche
Waftengattung das Z Militärregl, ISlS Uniform von
dunkelgrihiem Tuche be.stiniintr , wie srlion 1805
IVir .lio i;,.'sainmten eidg. Stände eniplohli'ii worden.
.'1 roli/,eidiener Bs. 3) Uflieier des eidi;, Stabes,
allg. S. i>i,steli-Kal. 1845. 4) eiiio -.»i.sr K';irte
im Kaiserspiel, der Eichelkaiser \(ii:n, ■' i '.iiiii-
specht Bs. — 2. frisch; Gegs, (Ziin-, nli. .ilU- (hiuiii
Sliirlli. Äpfelselniitze; gr-i Bone". Grmiijs Fleisch,
ijr-i' Spci-k. !ir. U'iiisl . von frisch geschlachteten
l'ii'ren. im Ge,i;s, zum l.'ainherrteisch oder gesalzenen;
gr-t Sappe, solche von li isehoTii Flejseh. Bouillon B;
grüene Chäs Bs. Gm S,'liiii,il.. IVi-rho loiifoi S, nlla..
Kl. Ettan nsia linb.,1 Fim ./'s (.'///o,,,,, .,,,„i,,i,r.,ti,f''
„rlnid„t Fim's Tigii; |i n-iauelierle | ( Inl'r. (S.lnw.d, i.
Am Mai- und Maitiiiimarkt sehirktr man in Z/oll.
Kimler und l.eiehto-laubi-v mit der lei.olielien Ver-
siehernn- au die Laiidstrasse, es «erde eine -rune
Kuh [Wortspiel mit Bed, IJ nach Zilrieh gefuhrt. ,Üer
kuchimeister soll guete gemües ordnen, gr, und 'tigen.'
1495. G Küchenordn. .Nimmt man die 12iio fiseli vor
dem Li. tag. so soll man s' gr. gün, git man s' dar-
nach, tiirr gen,' löl'l, 4'iiGottL Offn. ,Gr. fisch' im
Gegs. zu ,ein 'tigen stüek lisch.' G Hdschr. ,Gr. fisch
habend wir ouch noch nie 'kocht, aber stockfiscli und
häring, die ich dann lieber iss.' ABlaarer. .Fleiseli
von Schweinen, gr. oder gesalzen.' ÄgTschüdi. Gall,
,llas usgeben des hohes soll us gruenem und türrem
lieselieN-heii.' 1562, Z Kechtsptl. ,liie würst helfen ver-
sueehen, diwyl sy noch grien sind.' lösl, FI'latt. —
Griicid Fhrlilc. nasse, im (iegs. zu .trocknen' Gr;
vgl.: ,Der einen diirren iMlei griienen fliessenden grind
hat.' 1548, Lkvii.; dafür liHiT: , eine dürre oder fleus-
sende Raud.' — Neu, in der Bezeichnung des Neu-
monds als grüene'' Manot W. Übertr.: lebensfrisch,
-kräftig, lebendig; Syn. im Saft; Gegs. abgestanden,
751
ran, gren, grin, gron, grnii
tot. Zeugungsfähig B; ledig, unverheiratet SonSt.
Ein Verheirateter ladet eine Unverheiratete ein, sich
neben ihn zu setzen, mit den Worten: Chömmed a'
ml'' (jr-i Site! Sulger; doch s. auch gr. i. S. v. ge-
wogen. Die selbe RA. in Z. ,Sitz an die gr-e syten
myn!' HsRMan. ,Ein gr-es [Gegs. ,graues'] Haupt
tragen', noch jung sein. AKlingl. 1691. ,Wurdind nit
mit dem wort alle verzwyfleten widrum gr. [zuver-
sichtlich] gemacht?' Zwingli. ,Es müesste sölliche
bottschaftschickung zue der zyt, [da die Angelegen-
heit] noch nüw und gr. [in lebendiger Erinnerung],
geschähen.' 1588, Absch.; vgl. in-grüen, griienen. Ei"'m
gr. [gewogen] si". allg., viell. vom Grün als der Farbe
des Heils. Hieher gehört viell. die Benennung , Grüner-
donnerstag' für Donnerstag vor Ostern. Wer an diesem
Tage heim Nachtessen zuerst in die Schüssel langt,
ist Judas LEottal. Der Tag gilt als günstig für
die Bestellung der Sommersaat Aa; Z. We" mii
d' Chinder am Grüendonslig d's erst Mal z' Predig
nimmt, su werde si b'sinnt<} [bekommen ein gutes Ge-
dächtniss] BBe. ,Man lüt[et] euch an disem gr-en
donnstag mit allen gloggen zum amt, darnach lut[et]
man nummen mer, bis an den h. abend zu osteren;
man vergrabt euch niemand diso 3 tag bis an h. abend,
so man zenimen hat g'lut zum amt. An disem gr-en
d. nachmittag um 2 uhr lüt man mit der hülzinen
gloggen zur predig. Uf disem gr-en d. daflet man [mit
der Holzklapper] um die sechse nachmittag zuo der
mettin wie voriger nacht am mittwoch, doch mit der
hülzinen gloggen. Die knaben klopfend vor und nach
dem benedictus mit iren ratschen. Man soll ouch an
disem tag, e man den passion anfacht zue predigen,
under tag die altär entdecken, da[ss] sy gar bloss
syen und die waschen mit wyn.' 1588, Schw Kirchen-
ordn. ,Am grüenen oder hochen Donnerstag gibt man
dem Weibel, welcher die 13 alte Männer zum Morgen-
essen, wie auch die 13 Knäbli zur Fuosswaschnng ein-
laden muss, ein Morgenessen.' 1731/49, UwE. (Gfr.).
,Der Donnerstag in der Karwoche heisst der gr. D.,
weil der Heiland an demselben Tage an den Ölberg
hinaus gegangen.' vMoos 1775. — 3. nicht zeitig, un-
reif, von Früchten, allg. ; verst. grasgrüen. No''' z' gr.,
noch zu jung (von Menschen) W; Syn. noch nit troche"
(noch nassj hinder den Ören. Gr. ist der Teig, der
noch nicht genug gegohren hat Bs (Spreng); Gegs.
rif. ,Es ward mir we, [denn ich] hatt so viel griener
nussen gössen, dann sy fielen umb die zyt ab.' ThPlatt.
1572. — Hieher viell. auch der Ausruf der Verwun-
derung: 0, du gr-i Barmherzigkeit ! falls damit urspr.
das Erstaunen über kindische Naivetät ausgedrückt
werden wollte Bs ; vgl. barmherzig i. S. v. erbarmungs-
würdig. — 4. blass, von der Gesichtsfarbe (eig. von
einer ins Grünliche spielenden Missfarbe) ; ohne Le-
bensfarbe, abgemagert AABb.; Ap; GG.; U; Z; verst.
gr.wndgelfb); ygl. Grüenling. — 5. „rauh, kalt, von
einem scharfen, schneidenden Winde BO." — 6. „mür-
risch, sauertöpfisch BO." En Grüene, ein strenger
Officier GRBhw. Viell. zu 1, 3).
Mhd. grüene, in Beil. 1 a. 2. Die umlautlose Furui, welche
im Allg. beschränkte Anwendung auf einzelne Bedd. zeigt und
nie bildlich vorkummt, mag ihren Lautstand z. T. der An-
lehnung an das Vb. gruenen verdanken, doch findet sich ijrnen
mehrfach in Mey., Wthur Chr. (15-10/73) und auch sonst in
altern Belegen (s. o.). Von Flurnn. gehören zunächst hieher
im (»Von, froh grünende Alpe LE. ; im Horsteifjrfin, abgelegene
Alpweide BSchw. Die Compp., deren erster Teil gr. ist (bes.
zahlreiche Flurnn.), werden t. nach der Kegel mit dem ein-
fachen Wortstamm Gruen-, vgl. z. B. Gruen-Acher (Bd I 65),
-Ifag, -Mäd, die Flurnn. Gruen-Boh, -Matt, -Wald u. A., t. vom
Adj. i;r«en gebildet, vgl. Grüen-Eyg, Grüenen-Berg, -Matt, -Wald
u. V. A. Betr. den Namen des Gründonnerstags vgl. Gr. WB.
unter .Donnerstag, Kohl 6', Kohlkräutlein' und Oberle, Über-
reste des germ. Heidentums, S. 96 £F. Zu 4 vgl. engl, green
»ickness, Bleichsucht. Den Bedd. 5 u. 6 mag eig. das Syn.
grün zu Grunde liegen (wenn nicht von St. oder seinen Ein-
sendern geradezu .grün' an ,grüen' vertauscht worden); eine
Unid. auf den Namen der Farbe lag um so näher, als ,grün'
auch symbolische Farbe des bösen Sinnes, des Neides (vgl.
der ,blasse' Neid) ist und auch dämonische Wesen grün sind ;
vgl. Mannhardt, Baumk., S. 64, und Wolf, Beitr. zur d. Myth.
II 332 f. und s. Grüen-Hüetler. Vgl. auch noch die RAA.
,grün und blau (bleich) werden vor Ärger, Zorn.' — Betr.
den Abfall des ii vgl. hÖ', eehö". küe".
öl-grüe": olivengrün Z. Äch, hätt-i''' au"' mls
ölgrüe Böckli [statt des modischen Kleides] o".' Stütz.
Immer-: 1. wie nhd., vinca minor, allg.; Syn.
In-, Winter-Griten. — 2. Epheu, hedora helix AaF.;
Syn. Ah-Ueu.
i(n)-: I. Adj. 1. ,Perviridis, fa.st grüen, i.' Fris.;
Mal. — 2. frisch, stets im Gedächtniss lebend, er-
innerlich Gl. Es sind-mer dieselbe Zite' wider igrüe
tcorde*. Gl Volksgespr. 1834. Die Gsdiicht ist -mer
no"'' igrüe. Sdlger. .Soll uns dann nit ohne Under-
läss yngrüen sein magni Bullingeri vox?' XVÜ.,
JJIrm., Synodalreden. ,Es ist noch eingrün, in recenti
est memoria.' Denzl. 1716. ,Die Sünde der Verläug-
nung des Herrn lag dem Petrus so tief inn und wäre
im so eingruen, dass er keinen Hahn schreien ge-
hört, dass er nicht bitterlich weinen müssen.' JJUlr.
1727. — II. Subst. I(n)grüenli, bezw. tgrüli, Igrilli:
1. = Immergrüen 1 Scu. .Streit, ingricn, clematis daph-
noides, vulgo vinca pervinca.' KdGessn. 154'2. ,Cha-
niaidaphne, Eingrün, Streit.' Denzl. 1677; 1716. —
2. = Immergrüen 3. ä. Lit. Vom Tierb. 1563 unter
den purgierenden Kräutern aufgeführt.
Mhd. ingrüen in Bed. I 1, wobei in- verstärkende Bed.
hat, wie Sinn- in ,Sinngrün'. Betr. den Bedeutungsübergang
von I 1 zu I 2 Tgl. den Beleg aus den Absch. unter gruen 2
und gntenm. Zu II vgl. Gr. WB. unter ,Ein-, Ingrün'. Die
bei Fris.; Mal.; Denzl.; ZZoll. Arzneib. 1710 (,Yngrüeni')
für die mlat. clema, clematis, vinca (-pervinca) vorkommenden
Namen ,Yn-, Ein-grüen' können, der Vieldeutigkeit jener lat.
Ausdrücke wegen, welche Schling- und Rankengewächse übh.
bezeichnen, auf II 1 u. 2 bezogen werden. Epheu war als
Abführmittel officinell.
grellig-: ganz grün, i. S. v. grücn 3; gr.-grües
Obs, ganz unreifes GlK.
grasliche- GTa.; UwE., -licheli- ScnSt.. -liched.-
ZNer.: verstärktes grüen in Bed. 1 und 2. ~ Vgl. die
Anm. zu yoldtivhe-gH"' Sp. 293.
chris-: verstärktes grüen, grün wie (Tann-)
Reisig B.
lauch- Ndw, kn ob laue h fc/jnofc^V- Z, Schnitt-
lauch {schnitthch GW., schnittlet GrHc., Pr.)-: 1. dun-
kelgrün Gr; G; Z. Die schn.-n, prächtagn Alpweida.
MKuoni (Schwzd.). — 2. grün i. S. v. 2, verstärkend,
z. B. von frisch gefälltem Holze GsHe.
Maie"- n. Z, -Grüeni f. L; Z: im Mai sprossen-
des Wiesengrün. Uf (i") der M-grüeni, Flurn. LNeuenk.,
Ballw., wahrsch. im Gegs. zu Märzen-Gr., einen spät
jrrünenden Platz bezeichnend.
Gran, greii, griu,
754
Märze°-Z, -Grueni"g ZFebr., -GrüeniAA;Z:
im März sprossendes Wiesengrün. M. chunnt nüd
(selte'J uf d' Heutüli Z ; es ist no"' kei M. uf de' Heu-
stall u-e cho AABb.; daher das Sprw.: d' 31. sett-m<i'
(mit HolzsclÜMjle") in'n Boden ine' schlo' L; Zg; Z.
M.-Gräeni f-GröniJ, Jumpfere' (Aprille')-Sclwni und
Pfuffe'-Ühermuet ist niene'ziie (tuet selte'J guet. Sülg. ;
Sj'rww. 1824. Vgl. noch März, Märzen-Bhtest.
miesch-: moosgrün, typische Bezeichnung, ähn-
licli wie gras-, schnittlauch-gr. L.
Nagel-: Entzündung der Nagelwurzel, infolge
welcher der Nagel abgestossen wird S.
Weun Dicht etwa blosse Entstelhiug aus dem Syn. jV.-ßciie,
aus der oft ins Grünliche spielenden Missfarbe des abgestos-
senen Nagels erklärbar.
Berg-: grün gefärbtes Mineral, bes. Kupfergrün
(Malachit) und Borax. ,B. , chrysocolla, santerna.'
Fris.; Mal.; JJNijscn. 1608; Denzl. ,Berggrünichte
Körnlein und Stäublein sind [dem Cristall] auswendig
angesprengt.' JJScheuchz. 1740.
saft-: 1. Farbenbezeichnung. XV., G Stiftsarch.
— 2. zu griien 2, von im Safte stehendem Holze, allg.
Schifer-. , Chrysocolla, quasi gl uten auri, Schitfer-
grün.' Wagner 1680. Auch bei JRLandenb. 1608. —
Vou der schiefrigcn, blättrigen Struktur des Gesteins, also
= ,Grün3i;hiefer'.
Schiller-. , Chrysocolla, berg- oder schilergrüen.'
Fris.; Mal.
Von der schillernden Farbe; vgl. das Nhd. .Schillerspath',
welches Mineral glimmerartige, grüne Blätter in sorpentin-
artigem Gestein zeigt.
abschlag-. ,Prasinus color, louchfarb, grüen-
färbig, a.' Fris.
Obschou auch sonst noch belegt (s. Schni.-Fr.), doch
wahrsch. nur umgedeutet aus ,aschlauch-gr.' (von allium as-
calonium).
Span- (Spä- B tw., Spann- B; FMu.) n., auch
Spann-Grüeni f. B; F: Grünspan B; F; Nnw. In der
a.Medicin sehr viel, bes. zu Salben, verwendet. ,Span-
grüen' neben ,spongrüeny.' Arzneib. 1556. ,Aerugo,
kupferrost, quod vocamus spangrüene.' Frls.; Mal.
Bei JJNüscH. 1608 selten, neben häufigerem ,Grüen-
span'. ,Das Kupfer wird überzogen mit Kupferrost
(mit Spongrün, Kupfergrün).' Spleiss 1667. , Span-
grüene', neben ,Spa-' und ,Spo-Grüeni.' ZZoU. Arzneib.
1710. Bei GoTTH. auch als Adj.: , Damit die Geldsorten
nicht sp. werden.' — Mhd. epangrüen. Bei JRLandenb. 1608
einmal, wohl beeinflusst durch , Grünspan", als Masc.
wi°-: 1. frischen Weingeschmack und -Geruch an
sich habend, bes. von schon gebrauchten Fässern,
die den Holzgeruch verloren haben, die man aber,
ohne dass sie eingebrannt oder gereinigt werden,
bald wieder verschlägt Bs; L; ScH; Th; Z. ,Fass
Nr. 11, den 13. März geleert, ist w.' ZZoll. Herbstrodel
17'2S. Ubertr. auf Menschen = frisch, wie lebendig:
Ml' liebe, fromme Bantli sei. ist mrr ose wider ganz
uügrüe fürcho". Bantli 1712. — 2. Subst., Bärlapp,
lyc. Clav. ,Es ist ein kraut, heisst bärendappen, bären-
bruech oder w.' Tierb. 1563; vgl. ebda: ,Wo man das
kraut in wein henkt, bringt es den wein wider und
erfrischet in.' Syn. Winter-Griien.
Im Elsass soll Bärlapp noch zur Verbesserung der Weine
dienen, wenn sie umschlagen wollen.
Winter-: Name verschiedener perennierender,
den Winter über grün oder frisch bleibender Pflanzen;
Schweiz. Idiotikon II.
spec. a) Immergrün, vinca minor GWe.; ScuSt. —
b) Bärlapp G uRh. — c) Mistel, viscum album GRVal.
— d) Perlen-Ruhrkraut, gnaph. marg. GWe.; Syn.
Strau-Bluem. — e) .Mercurialis, schysskraut, etlich
bingelkraut, w.' Fris.; Mal. ,Nimm Erenpryskrut
und W.-Grüene und süd sy bede in halben Wasser
und Wyn.' ZZoll. Arzneib. 1710. — f) ,W., pirola.'
Ende XV., Schw Arzneib. ,Limonium, W., Holzman-
gold, pirola.' Denzl. 1677; 1716. ,Neuroidcs, W., ein
Kraut.' ebd.
ziger-: grün wie , Schabzieger-, typische Bezeicli-
uuiig, wie miesch-gr. u. A. Z.
Zucker- (indeclin.) f.: grasgrüne Birnsortc von
zuckersüssem Geschmack Z rS.
Gruenacher, bezw. -ocher ScnSt.; THSteckb.,
Grueniker GTlh. (It Steinm. 1804); Th; Z, Gruenech Zg:
1. Apfelsorte, s. B I 369; weisser Calvill Z. Chli-Gr.
= Isen-Öpfel Th; Z. Edelgruenech, eine Reinettenart
Zg. ,Kurzstiler oder Gruenikeräpfel' als Präservativ
in Pestzeiten empfohlen. JHLav. 1668. — 2. grüner,
nnreifer Apfel ScnSt.; TnSteckb. — 3. übel (,grün-
lich') aussehender, ungesunder Mensch, ebd. Syn.
Grüenling.
Gruene" f.: Ziege mit einer ins Grünliche gehen-
den Missfarbe BBr. lez het d' Gr. g'gitzlet, RA. im
S. V.: endlich ist das Ersehnte (z.B. ein Bote) ein-
getroffen; vgl. Griieni n.
gruene^I, in ApK. gröne', in Sch -ö-- u. -ö--,
in Ndw neben gruene' griene', in GA. gnVe-: 1. grün
sein oder werden, bes. von den Wiesen im Frühjahr,
allg. Im Juni gruenet 's uf den Bergen BSi. 0 Tanne-
baum, du gruenest Summer und Winter Zu. (a.Lied).
,Und jetzt fängt das Frühjahr wider an und Alles
fängt zu gr. an.' L (a. Lied). We" mi- gruenet, so
ivachst-m^ [Anspielung auf die fahle Gesichtsfarbe einer
Schwangern; vgl. gruen 4]; vgl.: ,Von einem gel-
grünen, wüsten Menschen sagt Einer, als er seinen
ansichtig worden: der muss nit einen bösen Frühling
gehabt haben, in dem er so wohl gruenet.' Schimppr.
1651. ,Und Gott sprach: Es lasse die Erd herfür-
gruenen Gras und Kraut.' Z Bib. ,Zu grünen und zu
wachsen.' JCSulzer 1772. — 2. frisch sein. JD' Bude
gruone', fliessen, von den nassen, im Gegs. zu den
trocknen Flechten GrL. Man habe seinen , korper
[Leichnam, nach 8 Jahren] noch gruenend [unverwest,
frisch] und onverzert fonden.' Vad. — 3. fortleben,
bes. im Geiste , Gedächtnisse ; in Kraft bestehen,
lebendig fortdauern. ,Dass der alt [Streit-] handel in
etlichen lüten gruenet' 1494, Absch. ,Dise schwer
fart [nach Jerusalem] hett mich angefochten [stak mir
im Sinn] ye länger ye mer und in mier [g'] gruenet
tag und nacht' Stulz 1519. ,Nütiss minder gruenet
für und für der unwill des herzogen.' HBull. 1572.
,Nüt desto minder gruenet der nam Züriohgöw dar-
nebend.' JJRüeger 1606. ,In der Schrift aber findet man
schöne Spruch, welche immerdar gruenend.' JJBreit.
1642. — 4. gedeihen, wachsen, zunehmen; sich ver-
jüngen, sich körperlich und geistig, auch ökonomisch
erholen; florieren, blühen (in bildlichem S.) Ap; Gr;
G; Scu; W; Z; Syn. beklmen, sehimeren, zügen. Es
gruenet-mu, es fängt an, ihm gut zu ergehen W. Erbs
ond Bone fangt im Herze' a' (tiie-mer im H.J grone",
Eier ond Brud (aber Wl' und Wissbrot) ist min (mir)
bittere Tod, sagte heuchlerisch ein Knecht zu seinem
755
Gran— grün, {iraiid—giuiul
756
Meister (eine Frau zu ilirem Manne), worauf der ge-
tänsclite Meister die Kost nach dem wahren Wunsche
seiner Leute änderte Ar; G. ,Wo wäre niüglich g'syn,
dass [die Stadt Bern] also in kurzen jaren hette mögen
gr. und zuenemmenV TuFrickart 1470. ,Wo wir
dise aufechtung des gyts, glych so sy anfacht gruonen,
abhouwen und usrüten.' Zwingli 1526. .Damit die
Gottshuslüt irer beschwerden entladen werden und
fürer dest bas gr. und gedychen mögent.' 1530, Absch.
,Sein nam gruone Tor der sonnen.' 1548, Psalm; dafür
1531: ,jüngc sich.' .Florere, gr., blüyen.' Fris.; Mal.
,Under diesem bösen volk [der Idumeer] hat der fromm
Job 'gruonet, wie ein liebliche rosen under den törnen.'
LLäv. 158'2. ,[Wie] die Griechen widerura gegruenet
und in ir herrlich regiment und weseu kommen.' 1.586.
Absch. ,Diewyl N. seine wären so gar wohlfeil hin-
gab, besorgte ich, er mechte mich und andere ver-
derben, das wir neben ime nit gr. kennten, wie er
dann ime flrgenomen hatte.' AR\tp 1592. ,Lieb und
einigkeit by disen edlen brüedern und schwöstern. un-
angesehen der religion unglyche [Ungleichheit] allzyt
gar wol und nützlich [g']gruenet hat.' JosMaler 1593.
,Doch sollen [die Grafen von Kappersweil] schon zu
den Zeiten Kaisers Ottonis I. gegrunet und regieret
haben.' EEscuer 1692. — 5. griene", blass werden,
von Menschen Ndw.
Mhd. ijruoniM, grün oder frisch sein oder werden. In
Bed. 4 stimmt unser W. zusammen mit dem ahd. ijruoun,
wachsen, gedeihen.
er-gruene": 1. grün werden, neu aufgrünen Gr;
„L; üw." Di G'frörn hed d's Herdöpfdchrut rjrad
gahrünt g'han, (IJabar <is mag widur f.'/( (/>)• ll'iic.-..
iif ergr. [es schiesst wieder frisch grün von der Wurzel
nach] GrD. ,Die liebe Sonne erhöhet sicli. die Erd
ergruenet, die Bäum schlahen aus.' FWyss 1650. —
2. sich körperlich, geistig oder finanziell erholen,
wieder aufleben, munter werden, aufkommen Gr;
„L; Ndw." Z' e. cho" GrS. ,Dass ir dermalen wider
ergruenet sind, für mich ze sorgen.' 1560, Phil.; dafür
1667: ,wacker worden.' — 3. „ergi-äenen, die Miene
eines Zornigen annehmen BO."
Vgl. nihd. enjruejen, ergrüuen, emporwachsen: zn 3 vgl.
die Anni. zu dem Syn. ergrimm und zu i/riicn S u. ff.
be- = ergruenen 2. ,l)es Veitlins, Cleven halb,
wo diser tyrann wider b. [sich befestigen, frischen
Fuss fassen] sollte.' 1531, Strickl. — Vgl. mhd. ie-
ijruonen, grün werden.
Gruenet m.: Zeit, da die Wiesen grünen und
das Laub hervortritt ZO. — Analogiebildung nach Wtucf,
Emdet u. A.
Grueni I ZO., sonst Grücni f.: 1. grüne Farbe,
bes. das Wiesengrün. ,Leg mich uf die gruene.' Zielv
1521. ,Der Fink die Musas in die Grüne lad't.' Vogel-
gesang. — '2. grün bewachsene Stelle, grüner Weide-
platz GnVal. Als Lokaln. (i-, uf d'r Grüeni) fixiert
BTrachs.; GkD.; vgl. .Grüene"' (aus ,Grüen-au', wie
(Schönen' aus ,Schön-au'), ßerggut Gl. An ns pär
Ort han-i''' [am 19. Üct.] Grilene" erlickt [entdeckt],
din Hit«'* villn a' d' Langsi [Frühlings] - ZU liettend
ermanna chöiitie" GRPr. (Kuoni). ,ln allen grüenincn
und in allen winklen.' 1531, Jesa.i.; dafür ,Grünhägen.'
1667. — 3. Grueni = Gruenet ZO. — 4. „herber Ge-
schmack einer unreifen Frucht L." — Mhd. in Bed. 1 u. 2.
G r u e n i II n. : Ziege von weisser, an Kopf u. Hals
mit Schwarz leicht gemischter Farbe W. Vgl. Gruene.
grueniere": blühen. ,Gon Monpellier auf die
hohe Schuol, do die Arzny gruniert.' FPlatt. 1612.
— Gebildet nach Analogie von dem syn. .florieren',
gruenig: 1. grünend Aa; Bs; Z. — 2. „lebhaft,
munter, rüstig, von Menschen Gr; LE.; Uw." — Betr.
-ig für -eml vgl. die Anm. zu an/a}imd(s) Bd I 7 1 9, gelluj Sp. 2 1 0.
Grucni''g f.: das keimende Grün der Wiesen
ZB., 0.; Syn. Grueni.
grüenele": 1. grünlich aussehen, schillern, schim-
mern ; einen Anflug von Grün bekommen, allg. — 2. den
Geschmack oder Geruch von grünen, unreifen, schlecht
gekochten Kräutern oder Früchten an sich haben,
allg.; von der Milch = gräselen W (-ue-J; vgl. gruesden.
Katfee griienelet, wenn er einen herben, bittern Ge-
schmack hat, wie es beim Gebrauch schlecht gelagerter,
verdorbener Kaffeebohnen der Fall ist. allg.; Syn.
mäggelen, höckehn, gräwelen, mer-räuelen. — Vgl. das
in Bed. I und 2 syn. i/rüen(t)m:hden.
Maien-, Märzen-Grüeni s. grüen (Compp.).
Grüeni"g f., PI. Gr-n': grosse, grüne Eidechse
W; Syn. Wisling. P* hä-sus [es] wie d'r Egger mit
dum Gr.: Tuo du mier NU und ich dier NU. — Tir.
Grurnz, dass.
Grüeni(n)ger: Kirschensorte. 1780, ZWipk.
Baunirodel. — Nach dem Ortsn. ,Grüningen'.
Grüenitz m. : Kreuzschnabel. ,Loxias, Kreuz-
vogel, Grienitz.' Denzl. 1677; 1716.
Nach seiner grünlichen Farbe benannt. Vgl. GrucnVunj;
betr. die End. -itz vgl. Giritz Sp. 408.
grüen-lacht Z, -?ocÄt»(7 LSchwarzeub. : grünlich.
.Grüenlächt, zum teil grüen.' Mal.
grüenlich, -lig: blass, z. B. von jungen Mäd-
chen Ndw.
Grüenli(n)g. in Ai-H.. 1.. M.; G Grüelig, in ApK.
Grmi: 1. a) Grünfink Ar; ,B;" Gr; S. ,Gr., grüner
Kernbeisser, Grünfink, loxia chloris.' Meisner & Schinz
1815. ,üer gr. oder ein gilbling, Icterus, chloris, lu-
teolus.' Mal. ,Der specht und der gr. sind feind.'
VoGELB. 1557. ,Chloris, avis, Gr.' Denzl. 1677; 1716.
— b) grüner Girlitz, Kanarienzeisig, pyrrhula serinus.
.Rcgaliolus, ein vogel in Italia, ist grüenlächt, ein
grosser gr.' Fris.; Mal. — 2. ,Die Ringelnatter, eo-
luber natrix, Gr.' Alp. 1821. ,Apud Glaronenses ser-
pentos virides sunt, atris punctis notati et crassi, qui
ä colore Gr. nominantur.' Wagner 1680. — 3. Mensch,
bes. jüngerer, mit blasser, ungesunder Gesichtsfarbe,
von kränklichem, abgezehrtem Aussehen; Bleichgesicht
Ap; B; Gl; L; G; Zg; Z. Spottname auf blasse, im
Übrigen gesunde, unverheiratete Frauenspersonen Uw.
— 4. junger, unerfahrener Mensch, Neuling G. .Keinen
Neophytum, das ist gr. und ungebruchten, zum lerer
ordnen.' HBull. 1531.
gruenen II s.g rienen. gruenenllls. ge-ruewen.
Grand — grund.
grandig I: 1. zu scharf und böse, hoclimütig G
1790; übertrieben genau, auch eigensinnig Ar. —
2. sparsam, herbe, von Menschen AAZein.
Vgl. das in beiden Bedd. syn. grannig, sowie bair.-tir.
Grand, Unmut, Unwille, granlig, verdriesslich, mürrisch.
(iiand.
i'tul
ml, fTi-onJ, ffi-unil
grandig 11, Adj. u. Adv., (übertrieben) hohen Grad,
zu reichliches Mass bezeichnend: stark, heftig, scharf,
arg, aussergewöhnlieh, masslos, grossartig, prunkhaft,
teuer Aa; Bs; B; L; Sch; Schw; S; Z. Gr-i Hüser
baue", e gr-e Stolz Bs. Schicer Begetröpf sl" erster
gr-er diir'' das Laiih uhe' pletscht. BWvss 1863. Wo
(/' AlifiiU i/r-er chit" si', han i'* müesse' zum Dokter.
ebd. Gr-er n-arhse'. ebd. 1885. iV het im Jokeh der
LerUe g'lise. schier gar e Bitzeli z' gr. Breitenst. Es
Ei"m z' gr. mache', Eim z' gr. cho; es zu bunt mit
ihm treiben Bs; Z. Er macht's z'gr., übertreibt,
schneidet auf Üch; Z. Es got afe gr. (zue), von Luxus,
Lärm usw. L; Z. Dm giseh-es gr., machst grossen
Aufwand Z. Es gäd nüd eso gr., Mahnung zum Mass-
halten Z. Als Ady. auch = (zu) sehr, viel: Lo d^r
d' Trtir nit z' gr. z' Herze' go' S (Schild). Z' gr.
choste" Z. — Aus mhd. gmtit. ijrandr, gross, heftig, und
dies aus frz. grand, lat. yrand-is.
Grendel, Grindel ni.: 1. „Grindel, Riegel BO.",
sonst Grendel, äusserer Gatter an den Stadttoren Bsf;
in ZStdt lebt unter diesem Namen noch die Erinne-
rung an ein die Stadt gegen den Eintritt vom See her
sicherndes Palissadenwerk mit einer verschliessbaren
Lücke in der Mitte und bes. an das zwischen Palis-
saden und Ringmauer sich malerisch einfügende, im
J. 1454 aus Quadern erbaute und mit einer Wächter-
wohnung (die Hütte, Gr.-Hütte) gekrönte Wassertor,
welches bis 1836 bestand. Der Wächter hatte die
beiden Sperrbalken unter diesem Tore und in dem
Palis.sadenwerke zur bestimmten Zeit zu schliessen
und zu ött'nen. ,1573 gefror der Zürichsee bis zuo der
statt an den gr.' LLav. 1582. ,Der beste Spectateur
in Z ist der Wächter auf dem Gr., welcher die Ver-
nügung hat, zu sehen, wie man den gelben Butter und
die Glarner Geissen den See hinab bringet', höhnt ein
B Brief 1721 die Z Chron. der Mahleren. Eine Ab-
bildung dieses ZGr-s z.B. bei JMüll., Altert. 10, 15.
Im J. lüOl wurde ausserhalb dieses Palis.sadenwerkes
eine zweite Reihe errichtet und man unterschied fortan
,äusserer' und ,innerer Gr.' Auch in LStdt scheint
ein ähnliches Tor unter diesem Namen bestanden zu
liaben; denn nicht nur haftete derselbe neben , Se-
graben' an dem erst vor etlichen Jahrzehnden zuge-
schütteten Kanäle, welcher einen Teil des Seeabflusses
in den ,Lüwengraben' leitete, sondern die Erklärung
zum Martinischen Stadtplane sagt auch, dass an der
Stelle, wo der Kanal endete, ehedem ein , Schluss-
gatter' stand und wahrscheinlich bezieht sich die An-
gabe BCysats: ,Den Gr. by dem Wügkhfls Hess man
alle Abent nider und den Morgen zog man in wider
üf', auf die selbe Gegend; vgl. Liebenab 1881, 08. 179 f.
Und so war viell. auch der schon 1393 erwähnte Gr.
am Krienbach in der selben Stadt, wofür 1414 ,das
Krienbachtor' erscheint, ebenfalls ein Schlussgatter.
Die ursprünglichere Bed. war: Querriegel, bes. Schlag-
baum, Sperrbalken an Stadttoren oder zwischen den
Lücken von Palissadenreihen, so namentlich an den
Wassereingängen, wo er aus einem schweren, in Ketten
hängenden, beweglichen, an der Unter- und Oberseite
mit eisernen Spitzen bewehrten Balken bestand. ,Die
zu Tun sollen ihre Tore und Gr. zu rechter Zeit auf-
tun.' 1341, Urk. ,Dass ein frörades volk zue der Statt
Basel zugezogen und etlich der ircn an den grendeln
erstochen.' 1444, Absch. .[Unsere] bann fachent an uf
mittem Silbrüggli ze dem gr.' c. 1487, ZWied. ütfn.
,Wyter, so habend UHH. angesechen by disen sorgk-
lichen laufen, dass man der statt tor und dürli, der-
glych den gr. an den schwiren an dem abent soll
beschliessen, so es nüni sehläclit, und am morgen die
wider uftuen, so es vieri schlächt.' 1488, Z Mand.
.[Sie hatten] vorm Spalentor ein gr. zuegeschlossen
und sich hieby versteckt zur wart. Die rüter namend
durch die gassen gegen beschlossnem tor zue ir flucht,
sprengten ubern gr. hin. Als aber der graf von 0.
sprengt, fiel der hengst' Aus«. ,Wir Hessen euch die
gr. ablirei-hen. so die üweren und die unsern von
enandi-r -^iiinl- rt.n.- ,-]<,]. ,Es ward die not [auf der
FLu-ht :iii- anii iriihllirlhii Hallau] so gross, dass sy
den gr. im linrf zu 1.^,1.11 syton us dem herd truktend.'
ÄgTschuui. .Welches geschehen wäre, wann die rigel
und gr. aufgebrochen und das tor also gefallen oder
geöffnet worden wäre.' Const. Stdrm 1548. ,Eepagulum,
ein Sperrung oder rigel für die tür, ein gr.' Pris. ,Die
Gr. zugeschlagen.' Würstisen. ,Es komme ihnen son-
derbar vor, dass man es Zürich so hoch anrechne,
dass es bei der Brücke von ScnSt. einen Schlagbaum
oder einen Gr. angebracht habe, da derselbe doch da
stehe, wo es die niedere Herrlichkeit habe und zu der
Beschirmung der Seinigen diene.' 1634, Absch. ,Die
Brücke bei Rapperswyl bedarf sorgfältiger Verwahrung,
bes. bei den 2 mit Gr-n zu versorgenden Brüeken-
lüekeu.- h>",. eW. .Drr Gr.. Giiiid,-!. TJi-rl, ]M-.s,ilns.
lacu.s.- liKNzi,. Iil77; ITli;. .Ks ...ll,-,, aurh liis liarll
geendeter Abendpredigt die <ir. Ij.-i d.ni S.-li;inzli und
bei dem Schützenhaus, sammt ilrm Stail(-lli"l'-i' ^\'a>-|■^■
tor und dem Gr. auf Dorf Nirmaiul.ni ni.ln- -r^iilurt
werden.' XVIIL, Z Mand. ,Die Gr. au Kotlcn uul/.u-
ziehen und herunterzulassen.' XVllL, Z Merkw. Dann
mit Verschiebung der eig. Bed.: Pfahlwerk. ,So man
dem See nach ein Gr. von Palissädcn oder Pfähl nicht
allzunah bei einander machen täte, so wurde dadurch
das Gewell des Wassers zerschlagen und matt ge-
macht.' 1770, GBheineck. Ein Mal scheinen die festen
Flügel eines Tores gemeint zu sein : ,Sy namend die
flucht zue dem gr. [der Stadt Baden] us und schlue-
gend den selbs nach in"" [zu], um des willen, dass
sy de-^ti-r sidicvr V"r di-iii geschütz [aus der Stadt]
wäriud.- Kdi.im. — ■_'. G'/r/i-W Aa; Bs; B; Gr (neben -i-);
L; S, s.inst Gruiih'l in ThHw. Griindcl. Pflugbauni,
-Balken, Langholz am Pflutce, dali.-r aurl, l'/hmis-dr.
allg. S. auch AnL f. den Pfiu.y. /. 177_', S, |.,. lü, tWK
,N. begert von der .stift ein liu.-i-li u~ iirm linrlilnil/.,
darus sy pfluegsgrindel mai-ln-n niMrlii,-i,, ir,7!i, Hot/..
Urk. — 3. Pflugsterz Ch; ., I '. ; I-. I. Grengcl,
mehrere Fuss langes und ■,,■ hinir.. ,-. '200 Pfd
schweres Eisrnstiirk, .1. i uleiclien die Steinsprenger im
Steinbruche in .in.- S|.alt,- einsetzen, um daraus mit
dem Grengelliol.. einem langen Balken, welcher ver-
mittelst eines eisernen Ringes an den Gr. angeschoben
und befestigt ist, einen gewaltigen Hebel zu bilden.
Quer über die Enden der Grengelhülzer werden 2—3
andere Hölzer gelegt, so dass sie mit einander ein
Gitterwerk bilden, welches schwere Steine zu tragen
bekommt. Diese Last lässt man stille wirken, bis die
ganze Steinbank lose wird S.
Mhd. grindd, greiukl, grrntel, ahd. grintil, Elegel, Biilkoii.
Für Zsgehiirigkeit mit ags. grindun, zermalmou, spräche die
Anal, von lat. Imlw, Balkpii,' welrhes zu lit. tr,-)>li. stani|.f(in.
Grand, grend, grind, grrond. ?rund
preuss. tmj,-t, treten, gehören wird; ebenso die von lat,
pnnrjo, stampfe, stosse, und repagulum, Riegel. Betr. den
Balken als Verschluss Tgl. unser Balchc, Fällladen, FalltUre,
ferner an. hdlkr, Gehege, Scheidelinie, sowie Bloch (von bi-
lühhan, schliessen). — Das W. ist in zahlreichen Flurnn.
erhalten, welche sich aher nicht unter einer Bed. vereinigen
lassen. Im ffrendrf AaBirr, Zein. ; BsKieh., Rotenfl. ; ZBonst.
Grindel Aa (Lang- Gr., Gr.-Hdz, -Bach); B (Alp Grindel am
hintern Ende des Grindelwaldtals, an der grossen Scheidegg;
Hinter-Gr. daher eine der Genossenschaften des Grindelwald-
tals, wo sich auch ein Bergrücken Tann-Gr. findet. Der
schon 1240 erwähnte Grindelwald wäre also ,Wald am Gr.';
Baali-Gr. hinten im Reichenbachtal); L (auch ein Hof .Grindel-
wald' LE.); Seh; Zg; Z (z. B. Hed., Wein, in flacher Lage).
Bucch-Gr. ZRob. am Pfäffikersee im Sumpfland; LMalt. (später
,Bnchgriudlen', ,Buggeringeu'). Pratum <iuod dictum .Grindel-
matt'. 1408, Gfd. .Grindelkar', Karrenfeld W. ,Ze Grindlen.'
XIV., LPropsteirod. ,In der Gr.' BE.; ZHaus.; ,zur Zelg-
grindlen' ZV^ein.; ,Grindlenbach' BE. An manchen der ge-
nannten Orte passt die Terrainheschaffenheit trefflich zu der
Bed. ,Tal-RiegeI, -Sperre'; an anderen haben viell. einstige
Schlagbäume oder Torsperren ihre Spur in dem Namen hinter-
lassen. Sehr wohl zu Statten käme es der Erklärung nament-
lich mit Bez. auf das Flachland, wenn angenommen wurden
dürfte, dass einst die Verschlussstangen von Zaundurchlässeu
od. gar die Umzäunung selbst mit Gr. bezeichnet worden seien.
Soweit der Name übrigens sumpfiges, rauhes Terrain be-
zeichnet (ZHed., Roh. u. A.) könnte er sich zu Grind, kahle
Stelle, verhalten, wie Schwandet : Schwand; Grindlen wiederum
zu Grindel, wie Schwändltn : Schwandel; vgl. auch Bürgten :
Burg, Gründlen ; Grund. Zu Bwech-, Tann-Grindel vgl. die
ahd. Glosse: ,Nemoris, tanngrinteles.' ,Hans Grendelmeyer.'
1653,AaWett.Klosterarch., wohl urspr. ein am Gr. wohnender,
ihn besorgender Meyer ; vgl. den L Familienn. : ,Estermann'.
Struch-ffrewde?; leichter, beim Strüchen [leicht
pflügen] angewendeter Pflugbalken L.
ver-grendle": mit ,Grendeln' und starken Rie-
geln verwahren B.s (Spreng). — Vgl. Notker, Ps. 147:
,Fasto vergrindelöt habet dina porta.'
firind. in GW. Grinn — m., PI. Grinde" Aa; B; Gr;
U: 1. a) Ausschlag auf dem Kopfe, eine harte Kruste
bildend Aa; Bs; GRBhw.; GSa.; Sch; Z; in UwE.
auch höse Gr.; vgl. böse Kopf. Syn. Ruf(en). Gege*
Gr. selJ-me", wenn Öpper g'storbe' isch, bim Z'siimme-
lüte' an-e Bach gö' und unger de' drei höchste" Name'
mit der Hang drü Mol abwärts Wasser uf-e Chopf
schöpfen und nieders Mol säge': Buf, nimm ab, wie
der Tot im Grab! Schild. ,Bisweilen wird auch eine
Kuh vom Gr., einer Art Eaud, befallen, das ansteckend
ist.' Steinm. 1804. ,Area: ulceris genus est in capite,
plätzle auf dem haupt one haar, oder der gr., oder
böse raud des haupts, da das haar ausfallt, und blei-
bend arese, das ist lere plätzle.' Fris.; Mal. ,Diewyl
vilerlei gattig des grinds sind, so ist kein wunder,
dass die arznei darfür euch unglych sind.' Zg Arzneib.
1588. ,Per gr., lüs, abgrind [1. erb-] und derglychen
houptbresten uswand [auswendig] des haupts.' ebd.
,Mit diser .salb salb das haupt, nachdem es mit lougen
gewaschen und bescheren ist, alle zwen tag ein mal
zuo abent; so das haupt 3 oder 4 mal [mit einer
aufgelegten Haube] geschirmbat hast, so werdend die
Wurzel oder stümpen des grinds zittig.' ebd. .Der
Chirurgus hatte von jedem Gr. oder bösen Blattern
sein Bestimmtes, 5 Pfd.' Spyri 1871. ,üis Übel frisst
um sich, greift mit seiner Schärfe die Haut und das
Wesen der Teilen selbs an, wie zu sehen in Rufen-
gesichtern, bösen Köpfen, Grinden, Mager usw.' JMu-
RALT 1007. Vgl. ,du förchst die rud und find.st den
grint.' SebBrant. — b) knorrige, borkige Wucherung,
Missbildung an Bäumen, am alten Holz der Rebstöcke
B; Z; vgl. Kohl., Weinst., 20.5 f. Syn. Mage', Büd.
.\uch die Verhärtung in Kernfrüchten, bes. Birnen
BO.; Syn. Stein. — c) Flachsseide, cuscuta eur. Bs;
B (schon 1765 belegt); VOrte; Gl; S; Syn. Küe-Gift,
Ringel. .Die Kleeseide (Gr. im Klee).' S. ,Für die ist
dort kein Platz, so wenig als für Klee, wenn der Gr.
einreisst.' N. B Kai. 1842. — 2. Kopf, a) am tierischen
und menschlichen Körper. Schöni Boss händ.'i' g'ha';
Bei' und Gr., es ist e wäri Freud Schw Fasnachtsp.
1883. Sonst bes. in Anwendung auf Rinder und Zucht-
stiere, daher der drastische Vergleich: En Gr. ha'
(mache") wie-en Munni (Stier). Wenn der Vogel im
Chefi 's Grendli i"s Wasser steckt ond badet, so ged 's
ruch Wetter Ap. ,Eine Maus mit spitzigem Grinde fallt
oben herab in Anken.' LKInderbitzi 1826. ,Hauptwe
der pferden, so von fliessenden traben, lampenden
oren, nidergehenktem gr. bedeutet wirt.' Tierb. 1563.
.Er lobt an den Geissböcken einen kleinen gr. mit
geschmückten legeren.' ebd. ,Diser [Fisch] hat ein
grossen gr. oder köpf.' Fischb. 1563. ,Kopf, Haupt,
Gr.' Red. 1662. S. auch TJter, arentürig, Gueg, Ham-
mer. — Von Menschen, jetzt nur in derber Sprache
und, ausser in gewissen RAA., bes. im Affekt, sowie
zur Bezeichnung eines grossen, harten und missge-
stalteten Kopfes gebraucht, mit Ausnahme von B;
LE. ; S, wo das W. nicht eben als anstössig gilt. Der
Pursch hat e Gr., me chönnt e Stalltür i'schlu' mit-em
(es gab ztce drüs) G; Z. Er macht (hat) en Chopf
wie-n-en Gr. lezt hed er Zit, mit d'm Gr. tcider
z'rugg Ndw (Schwzd.). Der Sebi häd welle [meinte],
der gross Büchli [wohlbeleibter Mann, der am Fas-
nachtspiel einen alten Helvetier vorstellte] mit dene"
Höre' uf-em Gr. slg der stärchst iif der ganze Welt.
SoHw Fasnachtsp. 1883. Dem [Kind] wäif 's [das Haar]
wie g'spunnes Guld am Grindli B (Schwzd.). Als
einem alten Mann das Läuten nicht recht von Statten
gehen wollte, sagte Jrad zu ihm : Schlag gad din Grend
a', es tverd denn scho cheie" [tönen] Ap (Anspielung
auf seinen .hohlen Kopf'). E Kerli mit zwe Grinde
wird der doppelköpflge Janus genannt. Thyner 1840.
In einem Gassenhauer werden allerlei Schäden des
weiblichen Geschlechts aufgedeckt, u. A.: Die Nünti
hat e Gr. und die Ze'"ti es Chind Bs. ,Ein bezahlter
Hof [des Freiers] gefalle den Meitschenc besser als
der schönste Gring.' Gotth. Es chunnt es Tags gar
mänge Gring vor d' Tür, dass m^' nit gäng weiss, wem
er ist, schilt Anne-Bäbi mit einer neu angekommenen,
nicht gleich erkannten Besucherin. Gotth. Dem Berner
Bauer wird nachgeredet, seine Kühe hätten Häupter,
seine Kinder Gringe und der Berner sei der einzige
Mensch ohne Kopf, Hände und Füsse, er habe nämlich
nur Gring, Talpen und Scheichen; s. auch Gefräss
Bd I 1318. Ähnlich geneckt wird der Entlibucher mit
der Scherzfrage: J" wellem Land hei' d' Lüt ekei*
Chopf, keini Bei und ekei* Buch? Antw.: Im LE., det
seit-mer im Chopf Grind, de Beine Scheie und im Buch
Güdel. Wenn du 's Chopfweh wottst abcho', so gang
z' Wolhuse' [wo das Entlibuch beginnt] über d' Brugg,
da liest de" Grindweh LG. Bist oben uf Wolhuse"
clw", rerlürst du dert de Gr. Theiler. 's Mileti bind't
im Chälbeli cfschicind uf's Cliopfli e tolle Maie" uf,
doch het 's de" Sorg zum eigne Gr., es kriegti si'mst
CS Müntschi druf. Hildebrand. Des Königs Döchterli
7tU
üiand, greiul, grilld,
702
>»U-empi<; gruselt hübsche Schabbili [Bluraenkrone] uf-em
Gr. Bantle 1712. ,Es giltet gleich, oh im der gr.
blüet [blute].' 1521, Lied. ,Ein wunden im [am] gr.'
.Salat. .Das hiess eiserne Hörner auf den Gr. setzen,
wie der oberste Prophet zur Zeit Achabs tat.' DZwinger
1580 (nach 2. Chron. 18). ,So die Griudhaar nit alle
US der Schwarten [Kopfhaut] sind, leg uf den Gr — '
XVII., B Arzneib. KAA. Än'n Gr. schla', Ei"'m (Ei's)
um de' Gr. umme', an'n Gr. (anne"), zum Gr. ge"
(haue"), Ei"m de' Gr. verschlä', roll ge", ihn an, vor
den Kopf schlagen AaF.; B; Z. ,Sie messen mir un-
verschämte Worte zu, dass es mi düecht, ich niüess
ihnen Eine zum Gr. geben.' Gotth. ,Wir wend sy
schlan um d' grindc.' Halbsdter. ,Wir muosscnd s'
[die Feinde] einfart an d' gr. schlan.' Volksl. (T.).
.Hettind wir inen zuo Cappel die gr. zerschlachen.'
1531, Absch. ,üa kam Baumgarten und schlueg dem
Wolfen [-schiessen] auf den gr., dass im der köpf da
lag zerspalten.' ChMürer 1580. ,Und diser bueb hat
d' schuld daran, dass ich dem Schelmen den gr. zer-
schlan.' 1597, L Ostersp. ,Ich nien [meine], mir syge
'droscht [gedroschen] der Gring.' Myricäüs 1630. Eine"
bim Gr. ne", beim Kopfe fassen, bes. aber = den Kopf
zerzausen. Wenn in Gl Einem seine Frau wegläuft,
so singen die ,Nachtbuben' : Zwüsche' X und Wisse-
hnre' häd der N. N. sl'' Frau verlöre". Wer si find't,
de'' nein si bim Gr. und werf si i' d' Linth. ,0b aber
er den eid nit tuen wellt, so nimm in bim gr., lass
in in den turn werfen.' 1525, Absch. ,Ziend in [den
Narren] bim gr. zur türen us.' JMdrer 1559. ,Vix
rae contineo quin involem in capillum, dass ich im
nit ins haar falle und den gr. recht wol erzause.'
Fris. ; vgl.: ,Etlich kumnien zue spat, des was in=°
nach geputzt der gr.' NSchradin 1499. Mach, dass
d' zmn Loch us chunnst [aus dem Hause kommst], oder
r'' rupfen d'r d' Oren dri Schuoh us-em Gr. user GnPr.
(Schwzd.). Es wird-d<^ no"< um de' Gr. (Chopf) umme
cho", du wirst dafür bestraft werden Z. Aiminln:"
in d' Grindif chö', in die Haare geraten GkIi. IIi"
Gr. abhaue; enthaupten; vgl. grindlen. Haii-cm de
Gr. ab, so hed 's Födlrch Firobed, rohes Scherzw. Ap.
P'- irill-mer de' Gr. lö" abhaue", min Gr. dra" setze',
Beteuerung. ,Der lantvogt wolle in unser statt etlichen
die köpf für die füess legen, ouch etlichen die gr. ab-
howen und vor iren hüseren ufrichten.' 1474, Bs Chr.
und ähnlich ,Grind' und ,Kopf' im Wechsel bei Salat
(ed. Bächtold, S. 28). ,Wo [der Täufer] nit entwichen,
hett man zuo im [g'] griffen und [im] den gr. abgc-
houen.' 1525, G Ratssatz. ,Tuond sy das nit rösch
und geschwind, schlach ye dem zehnden ab syn gr.'
Wagner 1581. Chumm nu, i''' spalt-der gad de" Gr.,
rohes Drohw. GA. S. noch zwitzerlen. De' Gr. anne'
hfl" (für en Andere), (für ihn) herhalten B; Schw; Z.
B' G'mein'' wird nit ivelle' d'r Gring dar ha'. Gotth. ;
vgl.: ,Die Eidgenossen erhielten [von dem Verspro-
chenen] Nichts, mussten ihre Köpf allein herhalten.'
Grasser 1625. Uf de" Gr. (Chopf) stä" (möge"), vor
Erstaunen, Ärger B; GRPr.; Z. Mi" steit fri uf e
Gring. Gotth. ; vgl. utngän. D'r Gring i" Bare' uehe
hinge", eig. das Vieh am Futterbarren höher binden,
dann : Jmd knapper halten, die Zügel anziehen, den
Übermut vertreiben BM. Dem SchnürfU [Tropf] well
es de" d'r Gring i" Bare' uche" binge", dass er de"
iräss, dass er e' Meister heig. Gotth. D' Gr. z'siimiiie"
stosse', die Köpfe zsstecken. Stoss m'r aber nit oppe"
d'r Gr. mit dene' Schnürßene' z'sämme". Gotth. ,1m
Gr. scharren', sich im Haar kratzen. ,Sie wurde hin-
gerichtet, aber nach kurzer Zeit kam ihre Unschuld
an den Tag. Da sassen die Richter und scharrten im
Gr.' JRWaldkirch 1710. — In Beteuerungen, Schwü-
ren, Verwünschungen, nur in derä. Spr.: ,Sweren by
unsers herren Gottes gr., houpt, köpf.' XIV., Scu Stdtb.
,Swer dirre nachgeschriben eiden dekeinen sweret:
fünf wunden, verden wunden, sweiss, schedel, houpt,
köpf, Stirn, herz, lunge, leber, ader, hart, nase, bluet,
gr., fuess, der git 5 ß ze buesse.' 1346, Z Ratscrk.
,So helf mir gotts gr.' 1411, TnDiess. Stadtr. ,Dass
uns Gotts gr. gehyg!' XVI., J.\Hopmann. ,Der mensch
solle ouch by synem gr. oder houpt nit schweren.'
HBcll. 1561. , Sammer botz lus, sammer botz gr.!'
ScHERTW. 1579. ,Botz lusigen gr.!' ebd. Der Engel
schilt den Teufel Asraadoth: ,Kein Gwalt hast da, du
Tüfels Gr.!' GGotth. 1619. Den mit der gleichnamigen
Krankheit behafteten Kopf meint wohl: ,N. N. hatt
geredt zue N.', er wäre ein rechter gr.' XIV./XV., L
Ratsprot. ,Wer zue dem andren frevenlich spricht.
er sy ein schein
wort, der istbuess verfallen.- 1
— Kopf als Sitz der ineiisclili'
raungen, Lauiirii. CmIlhIvcii.
En härte {es hnrl< Gni,,l, Li;.
wie en Bock (An, ,n, ,„ M„
sinnig, hals.starrig sein. allg. ;
öralicho frevene
Zg Stadt- u. Anitsr.
Neigungen, Stini-
liten, des Willens.
II eigne Gr., en Gr.
(Stier) ha", eigen-
auch : schwer be-
greifen B. Gewisse Familien und Orte stehen im
Rufe, diese Eigenschaft als Erbstück zu besitzen, so
redet man von einem Brach-. Siriner-Gr. usw. F''
bi" C .Inrli l.niuhilliwr ifsi" „l„J llinrhl ',s ,nr'' „„•'' (■
JÖrli .V,"; -''' //,-" .l.hni, .,„''■ sil.r Chnnl ,u„l 's rhhinst
[jüngste! h.il de- hni-list Crnul \y ^W u-^-n\wA): v-1.
den Reimspruch: rf»/r miir.-rs |,lmvlm,.>..tzt werden]
mit-em Gring, clwst « U'ih uml Chni,/. .Iure isrh-es
mit-nii Gring. g'flwstet hiit <v 117/- inid Chittg B. Do
jii'il ilr l'/iv// ii'srit: Das tuet ml"'m härte" Gr. nid
inh. l'ar."l. S i ii.kntenlied. Er hat c Gr. und der ist
si'lniif = (■/■ liiif sclnn eigunu Gr. W. 's muess (i) sim
Griruli na, nach seinem Kopf gehen LE. E hii>:c Gr.
ha', eigensinnig, zornmütig sein B. Sis Miieli het-cm
Büebli eister d's Grindli [den eigensinnigen Willen]
g'lä" B. De" Gr. (Chopf) setze", sich eigensinnig stei-
fen, hartnäckig beharren, starrköpfig sein. allg. De"
(en) Gr. mache", de" Gr. ha", die Miene eines Trotzigen
annehmen (haben), trotzen, nidit nactmilirii. z.B. bei
Verweisen, allg. Dass [damit | dir d, r <,,,/,-/ rcrgang B.
Die Alt hed en Gr. g'macht inc-ii-c Mhhiii and hed 's
ag'ranzet [angefahren] Zg (Schwzd.). ,Jo wolle, so
wüest zu tun und so d'r Gring z' machen.' Gottu.
Wenn der Winter der Gring macht [nicht kommen
zu wollen], sn hd-er r Stil [Schwanz, d. i. er bleibt
nachher um s.. laiii^vi | s (Schild). Mach gad wider
ase en Grend! \ niuuil, Hroliung Ap. Ei"m d'r Gring
(Chopf) grosse" mache", mit Einbildungen, Erwar-
tungen, Stolz erfüllen. Anderen gegenüber schwierig
machen ß. /''' soll zu dene" ga", di m'r d'r Gr. grosse"
g'maihf licigc". Bescheid des Vaters an den hülfe-
suclhMhlrii s.iliii. (Iotth. Setz im der Gi-ing wider.
u-o-ti-ir In" ii'hiirl. setze ihm den verdrehten, eigen-
siniiii;..'n Kupf /.urocht. B Hink. Hot 1869. Auch pers.
= eigensinniger Mensrh. Stai i kn|if BSi.; Uw; Z. lez
weiss er doch einist, dir iniinh rlirh Gr., dass Mängs
air'' nit guct isch, grad iriis iii._ ir.ricingt U (Schwzd.).
763
Grand, grend, gl'ind, grond, gniiul
Es üntlibuecher Grindi, Neckw. auf die Bewohner
dieses Tales LG. En guete Gr., guter Kopf, der leicht
fasst, begreift, Gegs. härte Gr. (s. o.). Lüt regiere'
geit nit ring «n* es brucht e guete Gring. Klagen eines
Schweizers. Als ein Pfarrer an einer Schulprüfung
durch seine Fragen an die Examinanden einen Ge-
ineindevorgesetzten in Erstaunen setzte, bemerkte
dieser: Herr Pfarrer, der lieit nadisch [ihr habt doch]
en img'hürige [ungewöhnlichen] Gring. N. B Kai. 1837.
Im Gr. rechne", kopfrechnen BGr. Asa-n-überspölt
[überspannte] Sachen im Grend ha' ApI. (Schwzd.).
Er het mu 's z' erstem z' Herze' gilt [gelegt], doch
wüll 's mu nit i Gmnn F (Schwzd.). Nit e Gr. ha'
es-vfie 'nen Ändere, geschickter sein als Andere U.
,Es müess dem Meister nicht recht im Gring [er müsse
n. r. bei Sinnen] sein.' Gotth. .Sollt man den pfaffen
das alles nachlan, das sy erdenkend us iren stolzen,
eintönigen grinden.' NMan. ,Vil lerer yetz uf erden
sind, die band eins schuechs dick noch den gr. [haben
einen dicken Schädel, sind unbelehrbar].' UEckst.,
Conc. ,Verfluecht sind solche alte kind, die noch den
narren hend im gr.' Aal 1549. ,Nei, nei, es will mir
nit in Gr., dass ich us einem Pur so gschwind ein
Junker bin und Edelmann.' Com. Beati. ,Wir werden
unwirs, reissen ihm [dem Knecht] ein Ding aus den
Händen mit bitterem Verweisen: Ich sihe wol, dass
es dir aber nit im Gr. [daran gelegen] ist und lass
es mir nur bleiben.' JJBreit. 1628. ,Doch willt noch
[nach] deinem stolzen Gr. die Ursach auf sie legen
[schieben].' an Rüegg 1676. S. noch Erb- Gr. —
b) Schnuppe am brennenden Licht, daher auch rote
Grend Ap; Syn. Golggen, Kolben. Gilt als Zeichen
von eintretendem Schneefall. Vgl. das Rätsel vom
Kerzenstock: En ifkir |iMscrner] Vater, e schmutzigi
Mueter, es wkIUiis (liiml mif-cme filrige Gr. Aa. —
c) Felskopf, -liii|i|ir. -\ nr.s|iiung, isolierter, kleiner
Felsen, kegelföriiiiso IJodciicrhebung, hervorragende,
steile Bergspitze BO.; Gr; Syn. Kopf. „Jede grössere,
holperige Steinmasse, sie sei kahl oder bewachsen
BO." Nach anderen Angaben: abschüssige ßerghalde
GrD. ; Felsen mit zerrissenen, durchfurchten Wänden,
oder: durch Easenplätzchen unterbrochener, steiler
Felsen BO. In die Gr-e uf mäje", bis zu den kahlen
Felshöhen Gr. Dir [durch] den Gr. ahi" [hinunter]
ist er tröled; dir den Gr. uehi" miesse"-mer BGr. Er ist
im Gr. g'schlipft [ausgeglitten] GrI). Vgl. Der Sdme
iif de' Gr-e' war schw im Merze' dervu' g'schmolze'.
AlScbreiber. D' Nacht fäuzt-nen [den Winter] über
Gr. und Grat. Eomang ; s. übrigens auch Grund. Auch
in Flurnn.: „der dürre Gr." (.Dürrgr.'), grosse, wilde
Felsmasse bei BBrienz; , Grindstein', runder Fels auf
der Bigi; ,Twingheerengring', Hügel BWalkr. , auf
dem einst eine Ritterburg gestanden haben soll; da-
neben der Weiler ,Grindlachen'; ,Gr.' Name von Fels-
köpfen auch im Schwarzw. Endlich: Stellen auf dem
Lande, da Nichts wächst BS. — d) „Sandbank BO.",
Hügel von Geschiebe im Flussbett BE.; Syn. Kopf.
Mhd. in BcJ. 1 a, auch schon verächtlich für Kopf, eig.
wohl zunächst für den mit krustigem Ausschlag bedeckten;
vgl. Gr. als Schimiifii. Wenn die Wurzel in dem ags. Vb.
grindan, zermalmen, liegt, so stünde das W. im Ablautverh.
zu ,Grand', Sand, Kies; vgl. auch ndl. rjrint, grober Sand,
grindig, sandig. Zu 1 c. Die wuchernde Flachsseide macht
den Boden kahl, wie krankhafte Wucherung auf dem Kopf
den Haarwuchs zerst^lrt. Viell. beruht auch die im Text
an 2 c angeschlossene Bed. ,kahle Stelle' auf der nämlichen
Anschauung, möglicherweise auch diejenige des mit ver-
einzelten Grasbüscheln (wie der grindbehaftete Kopf mit ein-
zelnen Haarbüscheln) besetzten Felsabhanges. Zu 2 c vgl.
übrigens noch mhi. grinte, Bergrücken, und ahd. : ,Montem,
qui dicitur grind.' 2 d mischt sich mit dem Syn. Grien; vgl.
auch Vilmar, Id., S. 1:37. Zu welcher spec. Grundbed. die
Flurnn.: .grindbüel.' 1371/1460, LMalt. (zu la als der
kahle't'); ,das l)ächli, gen. grintbrunn.' 1346, Seg., RG., ge-
hören, lässt sich mit Sicherheit nicht bestimmen. Zum Na-
men des Wasserfalles .Grindwäschete' ZgWalchw., einer Über-
tragung aus dem menschlichen Kulturleben, vgl. das Analogen
Lüs-Strähte. ebd. — Viele der nun folgenden Compp. mit pers.
Bed. bezeichnen natürlich zunächst den Kopf; vgl. Grind 2 a;
nebenher gehen in den meisten Fällen entsprechende Zss.
mit Kuj,/.
All-Grind: Dickkopf Aa (Rochh.).
All- mit verstärkender Bed., ausgehend vou dem Begriff
,gauz' ; vgl. all-gross, -hübsch, -busper.
Er-: ehrgeiziger Mensch BS. — Erb-: = Grmdi
Bs; häufig in der ä. Lit; z. B. syn. mit ,bös haupt.'
1586, Z Spitalact. ,Ein pflaster, zücht us den kalten
fluss, darvon der e. erwachset.' Zg Arzneib. 1588.
,Favi, E., Ursprung. Cacoethes, böse Gewohnheit, der
Grind, E.' Denzl. 1677; 1716.
Ise"-: 1. gespenstiges Wesen, das in AaF.; ZHorg.
in der Isengrind-Nacht (Abend vor StNikolaus), in
ZHaus. nach der einen Angabe am zweitletzten Freitag
vor Neujahr, nach anderer (jüngerer) an der Durch-
spitm-Nacht (2. Nacht vor Neujahr), in ZHorg. nach
unbestimmter, nicht bestätigter Nachricht zwischen
Weihnacht und Neujahr umgehen und Kinder rauben
sollte, denen man daher Abends drohte : Gang i-e, der
I. nimmt di"''! In jener Zeit giengen vermummte,
russgeschwärzte, junge Bursche mit langen Stöcken
umher und suchten mit Schellen, Klappern usw. mög-
lichst wüsten Lärm zu machen, in die (vor ihnen ver-
schlossenen) Häuser zu dringen und die Leute zu
necken, schrecken oder gar zu schlagen und binden.
Unter den Vermummten gieng in ZHorg. der I., der
nach einer Angabe wie ein Hund mit feurigen Augen
(Lichter, die hinter die Augenöffnungen in der Maske
gesteckt wurden) aussah und auf dem Kopfe Hörncr
trug. In ZHaus. marschierten an der Spitze des Zuges
die Schreckgestalten der Schiutbelgeiss und des I., der
schwer mit Ketten behangen war, damit rasselte und
gegen die verschlossenen Haustüren schlug, bes. da,
wo die Durchspinn- Na cht gefeiert wurde. Nach dem
Umzüge begaben sich die Verkleideten zum Trünke
in ein Privathaus, wo sie bis gegen Morgen blieben,
aber den Unfuy die X;irlit über noch etwa wieder-
holten. Da dir IhinhsiiiiiiiHKcht heute weggefallen
ist, ziehen die Hiirsrh.' x.n- ,lie Häuser des Dorfes, in
welchen jiinnr .MipIrluMi w.ihni'U. Vgl. noch A7im(irm,
Kldjijii'ih,:,!. . Sinn/,/, Ir. I l,i:iiifii-Nase. — 2. ,Ysingrind',
ein Straliii^l i luneiit •[<■< .yni^sniächtigen Rates' in Zug,
der, Keclitsgebräiuhc j.arodierend (vgl. Narren-Fest),
über Sonn- und Festtagsentheiligungen und Unzuchts-
vergehen richtete, 1798 aber aufgelöst wurde. Übertr.
wurde der Name dann auch auf den dieses Instrument
führenden Beamten jenes Rates, der alljährlich am
.schmutzigen Donnerstag' eine neue Ämterbesetzung
vornahm ; vgl. Leiterli, Bogen, Hundsbihel, Hüener-
brett. — 3. am Aschermittwoch von der Zunft der
Z Metzger auf einer Stange herumgetragener Löwen-
kopf mit aufgesperrtem Rachen und aufgehobenen
705
;rin(l, groiiJ. iji-iiikI
Pranken. ,Der sog. Eisengrind oder halbe Leu, wel-
chen die Metzger an dem Umzug tragen, ist ein Zeichen
ihres streitbaren Leuenmutes, den sie 1350 hatten.'
Mem. Tig. 1742. Als 1728 der Umzug abgestellt wurde,
stellte man den 1. alljährlich am Aschermittwoch auf
der Stube der Metzger zum , Widder' am Fenster zur
Schau aus, bis 1798 auch dieser Brauch abgestellt
wurde. Seitdem erschien der 1. aber wieder am Sechse-
läutenumzug; vgl. Sechseläutenblatt 1822: ,Und in
diesen Tagen ehren wir jyich unsern Eisengrind, der
die Plane jener Herren schlug so grimmig in den
Wind. Darum soll der Widder leben, leben soll der
Eisengrind.- — 4. eigensinniger Mensch, Starrkopf
Gr; Schw; Zg; Z. Hieher wohl auch: ,Sag an, meister
eisengrind, was klag ist dasV' wie Faber (viell. zu-
gleich mit Anspielung auf das durch seinen Namen
bedeutete Handwerk) angeredet wird, als er eine Aus-
rede gebraucht. Gyrekrüpfen 1523. — 5. „Greif, Greif-
geier, Tultur gryps Z." — 6. Name eines Hügels bei
ZAif. b. Höngg. Vgl. Isen-Büel.
Zu 1—3 vgl. den ahd. Personenn. Irnnki-im, der viell.
in dem alten Bs Geschlechtsn. ,Isingrim' fortlebte (s. auch
Gr. WB. .Eisengreiu' und ,Isegrimm'), oig. : Der mit der
eisernen Maske oder mit dem Eiseuhelni; vgl. an. i/i-imu,
Maske, Larve. Der Xame galt zunächst wohl von Göttern
und Helden, welche den Menschen bes. mittelst des Helmes
mit Larve furchtbar, schreckenerregend werden wollten, frrt/n
stellt sich zu grtnan, das Gesicht verziehen, wie schim, Glanz,
zu nchtmn, scheinen. Indem die Erscheinung der alten Götter
und Helden in Umzügen dramatisch dargestellt wurde, wählten
die Darsteller solche schreckenerregende ,Köpfe', Helme oder
Masken; vgl. die ahd. Glosse: ,scenici, crlmun'. Auch den
Göttern geheiligt« Tiere wurden in jenen Umzügen durch
Masken dargestellt und so finden wir während der Zeit des
langen Kampfes des Christentums mit dem Heidentum be-
ständige Verbote, welche das Herumziehen in Tiergestalt
untersagen. Über Helme mit larvenartigem Visier und solche,
deren ganze Gestalt die Form eines Tierkopfs hatte (wes-
wegen eine Umdcutung auf Grind nahe liegen mochte) vgl.
Lindenschmit, Altertumskunde, S. 253 if. An Zshang unsers
W. mit ,Isengrim', dem Namen des Wolfes in der Tiersage,
ist nicht zu denken, da diese nicht der Volks-, sondern der
gelehrten Dichtung angehört. Zu 1. Der zweitletzte Freitag
(oder nach einer andern Angabe für die Striiggde richtiger
der Mittwoch) ist die Zeit der Fronfasten. — Zu 2. Der J.
kann eine Strafmaske bezeichnet haben. Möglicherweise war
es aber auch, wie das ,Joch', der ,Kolbe', der ,Jndenspiess',
die offenbar getragen werden mussten, verraten, ein schwerer
Kopf, mit dem sich der Delinquent wie etwa mit dem Klapper-
stein eine Strecke weit zu schleppen hatte. — Zu 3. Ein
ähnliches Strafinstrument ist viell. auch der I. der Z Metzger
gewesen, was bes. HBuU. Tig. mit der Angabe beweist: .Den
ysengrin muss einer [der Z Metzger] tragen, der desselben
jars im vechkauf den hosten [unvorteilhaftestenj kauf getan
nänniglich wänt, der trage us der ursach den ysen-
lii^ T.iistlmrkeit auf die Fast-
II li I Milien ; wie der an dem
:.ii Hill ilie in den Brunnen
111 /. i-.ii, war es ein Fest
1 I iiiiliii^'s; der Termin war
i-'iii I wi'il ihre Arbeit ohne-
I- i' ! L'nissen Fasten wegen
.S.igt. sie hätten den I. als
Ehrenzeichen ihrer Tapferkeit tragen dürfen, verdient insofern
Glauben, als viell. zu einer Zeit, da man die Fastnachtslust-
barkeitun einschränkte, nur den Metzgern, welche sieh auf
beSMTi.l. n- Vriiliiii^tr berufen konnten, die BeibehaltiiiiL' iliri>
Umzu-i - -i^taltit uiirdc. Seit 1556 wurden Uiii/n.'i am li
den iil.ri-i 11 /.iirilini gestattet. Die Z Metzger stan.l. n Illin-
gens mit ihrciii Vuiziig nicht allein; vgl. Lüt., Sagen, .S. 4:Ji,
gryn herumb.' Dass
nacht verlegt wurde, ilaj I
selben Umzüge herun)^''-!
geworfenen ,Braut uml 1
zur Feier des wiederk. h
für die Metzger auch Jai
hin mit jenem Tage d. -
eingestellt werden musst-
und das den Nürnberger Metzgern vom Jahre 1349 an aus
den selben Gründen gestattete ,Schembartlaufen'. Der Löwen-
kopf ist wahrsch. an die Stelle einer andern Tiermaske ge-
treten (viell. mit Anlehnung an das Wappentier von Z). Die
Angaben über das Material, aus welchem der I. gefertigt
war, schwanken; seiner ursprünglichen Bed. nach war er
jedenfalls sehr schwer, viell. wirklich eisern oder ehern oder
dann doch mit Metall beschlagen oder vergoldet. Noch die
Z Merkw. des XVIII. reden vom ,Ei3engrimm' oder ,ehernen
LöwenkopP. Später und bes. im XIX. war er aus Holz und
bemalt; der alte I. lieferte 1798 Holz für die Küche. Zu
St. 's Angabe, der von einem .eisernen, bisweilen auch nur
irdenen Löwenkopf' redet, stimmt wohl die Bemerkung bei
Schulze, Id.: , Dergleichen ans Lehm verfertigte FeldzeiLheu
werden an einem bestimmten Tage verteilt.' Es scheint dar-
unter ein Spielzeug verstanden werden zu müssen, eiu Abbild
des eigentlichen I., wie auch bei Herrlib., Z Ausrufbilder 1, ;-i'j
ein junger Bursche 4 kleine I. an Stäben feil bietet, wor-
unter der Reim steht: ,Oft ist die Mutter wie das Kind,
die Dienstmagd wie der Eisengrind', d. h. wohl hartköpfig,
unbelehrbar; vgl. /. 4. Ein Trinkgeschirr von der Form des
1. haben wir uns wohl in dem Rechnungsposten der Metzger-
zunft vom .Jahr lfi48 zu denken: ,Dem Goldschmid wegen
Ysen!.'rin.l'-''-.'hirr» I •? Ff.l in ß', da auch sonst von Zünften
.'Vhnlii !i ,-• 1 * \Viitiie Abbildungen des I. finden
sich Im i\l.i' I - ii.i. All, itümer 1782, Teil XI, S. 4/5,
Z Natimi iM.iii li iliil. I 17^:., Xcujahrsbl. der Z Feuerwerker
für 18'2J. Bed. 1 erklärt sich ohne Weiteres als ,Eisen-
kopP. 5 ist höchst verdächtig.
Gosche"-: Scheltw. für ein böses, zänkisches
Weib LE. — Grübe--: mit Schorf bedeckter Kopf
ScHwE.; Syn. Rufen-Gr.
Groppe°-, auch (patron.) Gr.-Grmdi"g: grobes
Scheltw., zunächst auf einen Menschen mit grossem
Kopf ScuwMuo. — Gropii, Kaulkopf, -Quappe, ,Dickkopf;
s. noch Ross-Gr.
Gross-: aufgeblasener, sich selbst überliebeuder
Mensch ; Grosssprecher, „allg." , Das arme Weberchen
müsse sich [von dem grossen Fabrikanten den Abzug
am Lohn] gefallen lassen, weil es halt mit solchen
Grossgrinde nicht procedieren könne.' Gotth. Viell.
will JCWeissenb. 1701 (iise Sil" Gorris, der Gruss(jrind)
das W. i. cig. S. = Mensch mit grossem Kopf (ältester?
Sohn) verstanden wissen. — „grossgrindig: prah-
lerisch, grosssprecherisch. "
Massholder-: Querkopf GRPr. (It B.).
Das Holz des Feldahorns (Mimhokler) ist maserig, zähe
und hart; vgl. kafftmbucrh i n.
Häuptig Hu-ti(/i\'>^'\.\-. r;'li;iiii|.|ti. iScnw; U)-:
eigensinniger, rechthalii ri-rli. r l\i.]il. M.htIi. les het
er 's (?'se/i [eingesehen], ilvr li'imulis-Cr. V. Syn. Sc-
hauptis. — Häujiti^ij, hartnäckiger Kupf; OJiaujiicii, recht-
haberisch sprechen. Über die Form auf -i» vgl. Anni. zu Fahenn.
Chabis-; schcrzw. für Kohlkopf. Das slge" jo
nulluni ('linh,.-('hi)iif, das sige Chabis-Grind; denn sie
sind ilii|'|i-li 'i uiiiss, als gewöhnliche Chdbis-Chöpf.
Zg Kai. 1^7>.
Chib-: Starr-, Murrkopf Ar. — Kihm, trotzen, zanken.
Chalbs-: Dummkopfe. — Chatze"-: 1. gro.sser
Böller, mit welchem bei festlichen Anlässen geschossen
wird L. — 2. eine Art späte, sehr grosse, runillichc
Birnen L. — Chrusel-: Krauskopf. [Die Römor-
holden] mit dem Chr. PHeng. 1836. — Lüs-, Lüs-:
i^riilies Scheltw., , Läusekopf' L; Z. Lilsegr. heissl mis
lliiiul L Kinderl., in welchem den Haustieren und
Faniiliengliedern allerlei drollige Namen beigelegt
Granil, grend, grind, gronJ, grund
werden; s. Bubeli-, Rufen-Or. — Mel-Grind. Bon-
ders Melgringe werden scheltend die Müller genannt.
GOTTU. XXI, 181.
Molli-Grind: Dickkopf, als gelindes Scheltw. Bs.
Was macht dl'' Mueter am Samstig? Si spinnt, si
singt, si wagled [schaukelt] 's Chind, si git-im Ei"'s
an'n M.
Jlfoiij- bezeichnet wie Gropjmi-Or. zunächst die Kaulquappe;
s. MoUen-Koj/f. Molli übrigens It Spreng = dickes Kind.
Milch-: Teigmanl, eine Art Ausschlag der Saug-
kälber. Walrafp. — Vgl. Gr. WB.
Möre"-: Mohrenkopf. Herr du mini Güeti! Wie
hein-ecJi die dri' g'seh: Möregringe [mit Heidelbeerbrei
überstrichene Gesichter] /lei" si g'ha" u'^ Finger, wie
mit Tinte g'färbt. BXri 1885.
Muschn- LG., Mutsch- Aa; B; Z, Mutz- Zg,
Most- G: Scheltw., Dick-, Hartkopf, sowohl körper-
lich als geistig.
Mus<:!n, MutKch, Mutz, Mutti, etwas kurz und dick Zu-
gestutztes, z. B. die ungehörnte Ziege. Möglicherweise stützt
sich obiges Comp, gerade auf diese, da sie für bes. eigen-
sinnig gehalten wird; vgl. Stieren-Gr. Most-Gr. ist viell.
blosse Entstellung, veranlasst durch die Zss. Moat-Bnch und
durch die Wahrnehmung, dass der reichliche Mostgenuss
sowohl aufgedunsen als blöde macht; vgl.: ,Ich mein, der
narr steckt dir im köpf; ich glaub, du syest vollen most.'
Aal 1549. Doch kann auch das aufgedunsene Gesicht, wie
es bei Gewohnheitstrinkern entsteht, oder dasjenige eines
Vielessers, der viel .hinein-mostet', gemeint sein.
Narre"-: Dummkopf Gr. ,Ä, wo willt hin, du
Narrengrind, du bist doch worden gar ein Kind.' Com.
Beati. ,Die [Herodias] häd dem Köng Herodes in
seinem Naragrind asa grüseli wol gfalla.' Bantle 1700
(T.). — Pücli-: 1. bei den Hirten Name einer un-
Icitsaiiicn, sti.i rign, Kuh Ar. — 2. Pocher, Dickkopf,
trotziger, iiiibnigsiiiiirr Mensch Ar.
Bül(l)i-: Scheltw. für unerwachsene Personen,
eigensinniger, trotziger Junge, Hart-, Trotzkopf GW.
BiSlOH. dass., aber auch: grosser Kopf; Narr, Dumm-
kopf. S. Anm. zu Gd, Gäl Sp. 214.
Plunni- BE., Plü- GBuchs, Wo.: Dickkopf B;
Mensch mit fettem, aufgedunsenem Gesicht G. Sj-n.
Plonni, Plunni. — Phin für plon und dies füry>?ö«; aus
•geblan, Ptc. von blaejeii.
Blätere-: Mensch mit blatternarbigem Gesicht.
,Der N., den man seit der Urschlacht [Pocken] nur
den Bloteregrend nannte' GStdt.
Blass-: Kahlkopf Ap. - Mhd. Um, kahl.
Blätz- = Grivd 1 (I. mit Schorf bedeckter Kopf
AaoF. - mu::. Fl.Tl,, Stml,. wir IIKU, .tw:, vn„ ,.i,„.„,
verblätzete G'airlil. fh.^i.J. <\. Ii. iiill Wiiuani luilrrklni. rnlrl.
Brätole- = l'hi,i,i,-Gi-. ^\V.n,:\^>. Wo.
|i,„il'i'ni','h^l. ';,■"''"■""■' /'■"■■ 'l^'^-l- 1': 'l"'!^'-" ^'^'■'^'■
i;ubel(i)-: Kniuskopf Z.;; /; s.h'.-Kopf. Mll-
beligr. heisst mls Chind L. S. oben Liis-Gr. - Jlvhrl,
krauses Haar, Krauskopf.
Rifc-- Z, Rufe"- Aa; Ap:G, i?«/e"- Aa (Rochh.):
1. mit S,li..rr lir,le,kter Kopf Ar; Z. — 2. Scheltw.,
zunäcliM .inl Kinl' r mit solcher Krankheit Ap; G; Z.
B.hei.-<.-l „IIS Cliiinl. UocuH., AK., S. 167; vg\. Bubeli-
Gr. — 3. Name eines Hügelkopfes AASuhr (s. Arg. 3, 72).
Mhd. ruf, rufe, Schorf, Aussatü, Kruste. — Zu 3. Da
ein Bergsturz in jener Gegend nicht erwiesen ist und das
"W. Huri in diesem S. sich nicht in der äussern Schweiz
nachweisen lässt, so vereinigen wir trotz dem ,Ruviberg' (bei
SchwGoldau) diesen Namen mit vorliegendem Art.; das in
neuerer Zeit aufgedeckte starke Pflaster, welches den Kopf
des Hügels bedeckt, mag in früherer Zeit den Aulass zu der
Benennung gegeben haben.
Eoss-: 1. Kaulquappe U; Syn. Boss-Kopf, -Nagel.
— 2. Name eines gefährlichen, schauerlich-wilden
Engpasses an der Habkernstrasse B; Syn. Boss-Haupt.
— Sau-: hässlicher Kopf, , Schweinskopf', dann rohes
Scheltw. Aa; Z.
•
Selb-: eingebildeter Mensch, Starrkopf BO.
Vgl. mhd. aelp-hart, Egoist, mlp-hem, der sein eigener
Herr sein will, als Adj. = eigenmächtig, u. a.
Surri-: mürrischer, übelgelaunter Mensch BBe.
Von surren, brummen; vgl. die Synn. Surri, Surrimutz
(,Brummbär').
Sibe°-Sester-: ungewöhnlich grosser Kopf Bs.
— Siben in allgemein verstärkender Bed. ; Sester, Scheffel.
Setz-: Trotz-, Starrkopf, hartnäckiger Mensch Gl;
6; Zg; Z. De" S. vertribe", den Trotz brechen. —
Vgl. ,den Grind setzen', auf Etw. beharren.
Schech-: Scheltw., scheel, zornig blickendes Ge-
sicht, z. B. eines trotzigen, eben getadelten Kindes Sch.
— Schichm, scheel blicken.
Schuder- C-ü-J: Kopf mit zerzaustem, ungekämm-
tem Haar G oT. ; Syn. Schüpen-, Tschüwel-Gr. — Vgl.
Schud«r-Üwd Bd I 617, sowie (Glschuder-Üär.
Schüp-: 1. bei den Hirten Name einer Ziege
mit üppigem, langem Haarwuchse am Kopfe Ap. —
2. = Schuder-Gr. Ap. — Svhupen, Haarschopf.
Schle'gel-: Kopf eines Schlägels, z. B. Holz-
schlägels Ndw.
Ste'ck-: Starrkopf, eigensinniger Mensch Ar; Gl;
Gr; G; Sou; Th; Z. -- s ( r,k -gl' i n iI ig: starrköpfig.
aaOO. Boss %"• z' Trut: ir'r strrl.-ijrindegi notta söo'l
Gwald über sehn [sie] ha" icenli Gk (Schwzd.).
Vgl. «ich ateckeu, stocken, versteckt, eigensinnig verschlossen ;
,den Kopf setzen'. Vgl. auch nhd. ,verstockt' u. s. Stelt-Gr.
Stein-: Schuttkegel BSi. - Zu Grind s c.
Stiere"-: Trotzkopf. En St. mache; eine eigen-
sinnig-trotzige Miene annehmen, zürnen Schw; Z.
Eigensinniger, höchst halsstarriger Mensch Aa; GA.;
W; Z.
Stent- Bs; Gr; Ztw. = Steck-Gr.
Wohl eine bloss willkürliehe, an sieitig, eigensinnig, sich
aulehnende Schreibung, da iu den angeführten MAA. ,Steck-'
und ,Stett-' in der Ausspr. Stchrind zsfallen.
Stize"-: Kopf mit zurücktretender Stirne, sodass
er iKL.li ul,eii länglich-spitz zuläuft, nach Art der
Irnher iiMlrhen Ölkannen (Stizen) ScHW; Zg; Z. —
Strau-: Stroh-, d. i. Dummkopf L.
Tubel-, Biibel-, nach St.' auch Düppels-:
1. böser, mürrischer, wirrer, sauertöpfischer, leicht
schmollender Mensch, Starrkopf Aa; Bs; B. ,Kinder
im Widder geboren bekommen Tubelgrinde und wer-
den störrisch.' B Hink. Bott. ^ 2. Dummkopf Bs.
Dübel, TuM, verschlossener, eigensinniger, mürrischer
Mensch, eig. , Dickkopf ; auch Stier. Vgl. ,Düppel' bei Gr. WB.
Tärr-, Darr-: Trotz-, Starrkopf BO. — Tärr.
dürr, trotzig, eigensinnig.
„Tschüwel-, Tschouel-, Tschuel-: Mensch
mit verwirrtem Kopfhaar Zg" (St.*»); Syn. Schuder-,
Schttp-Gr. — Tsrhüwel, verwirrtes Kopfhaar.
709
WtJtt-, G'wetti-: beim Blockbau über die Fü-
gung vorragender Balkenkopf aScHW. — Wmen, ver-
liiuJcu, zsfügen.
Zwäng (Btw., Gotth.; ,L;" W)-, Zwing (Aa;
HO., Si.; VÜRTE; Z)-: Kopf, Mensch, der Alles eigen-
willig, hartnäckig durchsetzen, erzwingen. Recht be-
halten will; Syn. Zuing-Herr, -Kopf, Meister-Katz,
liegent. ,Wo Jeder den Zw. macht für sich und Keiner
dem allgemeinen Besten nachfragt.' Gotth. ,Das sei
ein Zw., was ihm in Kopf schiesse, da durch müsse
OS.' ebd. — Zwängen, mit Gewalt durchsetzen.
Zwiris-: Querkopf, eigensinniger Mensch Sohw.
— Zwiri», einer (zwerch).
grindacht, -ocht: 1. mit dem Grind (als Krank-
heit) behaftet. ,Thehora, das ist als vil by uns als
g'sund, frisch, nicht grindecht, schäbecht' Zwingli.
- 2. halsstarrig, eigensinnig, rechthaberisch BO.;
„LE." — 3. steinig BO.; Syn. inlfelocht, schopfig. —
llhii. ijrinteht, ffrindeht in Bed. 1.
grinde": 1. beim Schopf fassen und schlagen BO.
— 2. trotzen G; Syn. en Gr. machen, köpfen.
er-, in BBe. ver-: 1. sich mit einer Schmutz- oder
Kotkruste überziehen, schorfig, krustig werden, von
Schmutz starren, von der Haut, Glas, Zimmern, Gefässen.
die lange nicht gewaschen und gescheuert werden BBe..
Si.; GnSch., V. „Das Glas ist ergrindet, der Schmutz
liat sich in dasselbe eingefressen, so dass er fast nicht
mehr weg zu bringen ist Gr." Übh. in Unordnung
geraten. Lan e. han-i''' niu Attas, sagt die geschäftige
Grossmutter beim Aufräumen in der Küche GrPt.
(Schwzd.). — 2. sich verschlimmern, von einer Wunde
GrS., Spl. — 3. verwildern, von Wiesen, Äckern, die
keinen Ertrag mehr geben OrPt., S., Seh., V.; Syn.
er-klben, -wilden. — 4. bei einer Arbeit nicht mehr
fortkommen, stecken bleiben, z.B. vor Müdigkeit, beim
Mähen der im Wege liegenden Steine wegen GrV. —
5. halsstarrig werden, von Menschen, seltener von
Tieren GrS., Schud. — G. = grindenl „BÜ. ;" GRGlar.
— 7. „Etwas hartnäckig durchsetzen BO."
Bed. 2 u. 3 erklären sich (wenn man sie nicht aus 1
tiitwickeln will) aus der Grundbed. ,zürnen', s. cn Grind
miichoi; auch lös und wild haben die Bedd. : unfruchtbar,
schadhaft, krank und zornig; Tgl. auch bösen, mager werden.
Bed. i kann von der Bed. ausgehen: stecken, stehen bleiben,
wie der Grind als unheilbare Krankheit; doch lässt sie sich
auch aus 1 ableiten. 5 — 7 von der Bed. ffrind ^ Kopf.
düre-: (Etwas) hartnäckig durchsetzen BSi.
grind-ig, -isch: 1. „mit dem Grind, als Krank-
heit, behaftet Bs." ,Das haar auf gr-en und glatzenden
köpfen.' TiERB. 1563. ,Iren gr-en hunden.' SHocmi.
15'Jl. ,Raud und Grindigkeit der Haut.' Wurstisen.
.Obenhin, wie man einem Gründigen laust.' Mey., Hort.
,Es gehöret da nach dem Sprw.: zu einem bösen, gr-eu
Kopf eine scharpfe Laugen.' JMey. hiOi. , Habens
barbam porriginis plenam, der einen gr-en Bart hat'
Denzl. 171(). , Patienten, so mit garstigen, anstecken-
den Hautkrankheiten und andern dergleichen chroni-
schen Übeln behaftet sind, als Piäudige, Aussätzige,
Grindige.' 17.57/69, Z Gschauordn. — 2. eigensinnig,
starrköijflg, unnachgil^ig Av fgrendischj; B; GrV.; L;
Syn. köjjfig. — 3. voll Felsköpfe, felsig, steinig BO.;
GrD.. V.
„grindige": eigensinnig handeln oder sein BS."
~ er-: erzwingen, durchsetzen BSi. — ver-: (tr.)
Schweiz. Idiotikon. II.
„Etwas durch seinen Starrkopf verderben, sich dabei
um einen Vorteil bringen BSi." Ein erzürntes Kind
oergrindiget die gereichte Nahrung.
Grindi^g m. : eigensinniger Mensch. Die ist
z' chure g'frösehet für so-rne' Gr. ga' z' chire" [auf
eine andere Bahn zu leiten]. DGemp. 1884.
grindle": 1. enthaupten G; Syn. köpfen. — 2. den
Kopf rasch und viel bewegen, z. B. im Unwillen schüt-
teln UwE. Bes. auch vom Spiel Verliebter, welche
die Köpfe zusammenhalten, an einander reiben Zg. —
3. schmeicheln BGr. — er-: Etw. eigensinnig durch-
setzen BM.
Chinds-Grindler: Art grosser Äpfel, so gross
wie ein Kindskopf Schw; Syn. Pfund-Epfel; vgl.
Katzen-Grind 2.
Grindli m. : 1. grosser, harter Kopf Gl. —
2. widerspänstiger Mensch Gl. — Von grindhn, wie das
Syn. Koiifli TOD hapflen.
Grindel s. Grendel.
Ornnd m.: 1. Grund-, Stützfläche, Grundlage, Fun-
dament, eig. u. bildl. De" Gr. grabe", das Fundament
legen Z. Wenn-men uf-em Gr. ist [mit seinen auf-
gehäuften Vorräten zu Ende], so ist spare" z' spät L
(Ineichen). Mi"s Herz hat Gr. tmd mi"s Mul hat
oich Gr., was ich fühle und rede, ist wahr W. Als
Dim. in der accumulierenden Reimformel: Ei^in 's
Gründen und 's Bündeli erzelle', haarklein, gründlich,
bis in alle Einzelheiten ZKl. In einem Vertrag betr.
Erbauung eines Weihers sagt der Unternehmer: ,Ich
soll den tentsch [Damm] uf dem gr. [des Weihers]
anfachen.' 1485, Z Urk. ,Dise Sachen wir üch [auf]
gr. der worheit schryben.' 1476, Bs Chr.; vgl.: ,Wir
wöllent üch des [hierüber] grunds der warheit be-
richten.' 1521, Strickl. ,Ich weiss im gr.', von Gr.
aus, sicher. NMan. ,Es ist im gr. [eine gründliche,
gänzliche, wahrhaftige] büebery.' ebd. ,[Der Komet]
ist uf 'gangen von nidergang der sonnen, als wenn die
sonn um Johannes im höchsten zue gr. gät.' ZWthur
Stdtb.; Syn. ,zu Gold, Gnaden gan'. ,Ad vivum, auf
das g'nöwist und beim gr. Ich will's ein wenig vom
gr. her nemmen, repetam paulo altius.' Fris.; Mal.
.Wenn ander, die der sach ein gr. [gründliches Wissen,
Kenntniss] habend, das \vi>lfrsiiil jii.'genteil] bezügend.
so muess es nichts syn.- \.\.\\. l'x'^K ,Troja wird in
gr. verbrennt.' GGottii. l"''.''.'- In ,vlj. «'onipp. iat grioid-
abstr. verstärkend, z.M. iinnulfnu. liiu-lisl IVi.'.llVi'tig
U; grundfalsch, od. noch iii.'ln ^'.'hiiiin : iir:ni.l-i r ir"/.
allg.; ,den grundgütigen Gott.- li .--lUriiiiiaiiil. 171G.
Darnach sogar: es ist gr.-so, waljrlicli so GuAiiU (Ij.j.
Häufig verst. durch das Syn. Boden. — Spec: der
Erdboden, als die Grundfeste, die Alles trägt. Gr.
ahe" (wahrsch. elliptisch für: in'n Gr.), marsch! rufen
die Knaben beim Spiele demjenigen zu, der auf einem
Stein-, Sand- oder Erdhaufen Stellung genommen hat
und den sie wieder zu sich herunterzuziehen suchen Z.
!''• ha (g'spüre'J na Gr., ruft der Badende, der noch
festen Boden unter sich spürt Gr; Z. ,Es suecht ouch
gr. mitten im meer, tuet drum nit ertrinken.' BGlettixg
1560; vgl. gründen. ,Ein Comenser, welcher zu Mitter-
nacht bei einem Waldwasser geschryen, weil er nicht
wusste, ob er Gr. haben und ohne Lebensgefahr hin-
über kommen könnte.' LLav. 1670. ,Ich hab nicht
Gr., vadum me deserit, non est quo pes nitatur.' Hosi'i.n.
1683. Der Erdboden als Frucht tragender: ,Wa eine
49
771
Grand, grend, grind, groud, griiiul
[Frau] ligents guot het, da wisen wärind, was denn
nach synem tod uf dem gr. an der würzen stüend, das
sollt der frowen mit dem gr. blyben.' XV., SoHwMa.
a. LB. — Grundeigentum. Vil Gr. ha", viel Acker-
und Wiesland W. Bes. accumulierend verbunden mit
Boden. D's Wasser hät-vm [ihm] Gr. und B. weg
rfnu', seine Güter weggeschwemmt W. Sie wollen das
Gotteswort halten, auch Leib und Gut dazu setzen,
,es mües e gr. und boden kosten.' 1529, Absch. (,Sy
habent geschworen, die püntnussen, wyl gr. und b.
stat, zuo halten.' 1588, ,\rdüser; vgl. ,Gr. und Grat'
unter 3.) Bes. in Kaufs- und Übergabsbriefen zur Um-
schreibung des gesammten Grundeigentums, in lat.
Urkunden entsprechend: ,terra et fundus'. So wird
eine Waldung abgetreten mit der Formel: ,Unser
frowen hölzli, holz und feld, gr. und b.' 1558, Gfd.
— Übertr., in allgemeinerm, oft nur abstr. verstärken-
dem Sinn. Si'* in Gr. u. B. inne' verderbe", verheie;
seine Gesundheit gründlich ruinieren GW.; Z. ,Iu Gr.
u. B. verdorben.' Erzähler 1856. Vgl.: ,Die wonung
deines nammens entweihend sy in gr. einhin [völlig].'
1548, Ps. ,Zuo gr. und boden gan.' BGleti. 1557.
,Dann oft der klein hüf einen grossen zue gr. und b.
hat gestossen durch kluegen sinn und gueten rat.'
Holzwart 1571. ,Man muss die Wunden von Gr. und
B. auf heilen und mit Nichten von aussen hinein.'
Würz 1634. — Kampfruf [Aufforderung zum Eingen,
zum ,Wurf an Gr. und B.''?] seheint ,gr. und boden'
im XV./XVI. gewesen zu sein. , [Einem Zuger] mutete
einer von Wädischwyl an, ein früntlichen rung mit
im ze tuend; die wurfent einander zu beiden teilen
glych nider, doch der Zuger den von W. erstmals,
da der jünger brueder ze schrygen anflenge: Hie Zug,
gr. und boden!' M. XVI., Z Gerichtsact. Im J. 1531
schrieen die Utznacher: ,Hie Schwyz, gr. und boden,
hie küedreck [Neckw. auf die Bauern der Innerschweiz]
bis an knoden [Knöchel]!' Vad. 1567 wird in ZGrün.
ein Schwyzer gebüsst, ,um dass er g'schruwen : Küe-
dreck! gr. und boden!' Z Staatsarch. — Meist aber
geht Gr. mit Buden eine unlösbare Verbindung ein:
Grund- Bs; B; Gr tw., Grimds-B. Th; Z. EPfölin
de Gr.-B. schlalie, einen Pfahl mit Wucht, tief in die
Erde schlagen Gr. ilfj" sett-en (ung'spitzt) in Gr.-B.
i-e schloh', derbe Verwünschung. Si''' in Gr.-B. inne
schämme", vor Scham in die Erde versinken mögen.
In Gr.-B. inne' verheie", verderbe', verweiische^, lüge",
ganz und gar, völlig, gründlich verderben usw. allg.
,1' Gr.-B., funditus.' Id. B. Schlecht si" in Gr.-B. ie
ZO. ,Hätte ich ihm [sagt der Arzt] für 10 Btzn
Tränke [als Purgiernüttel] gegeben, und hätte der
Bube die Seele aus dem Leib hofieren müssen, so hätte
[die Mutter] mir nicht genug danken können, auch
wenn ich ihm den Bub in Grund Boden hinein ver-
ketzert [durch die falsche Cur verdorben] hätte.'
GoTTU. — Auch als Verstärkung der Neg. : In Gr.-B.
nüd (Nüt), durchaus nicht(s) Z. ,Er ist in Gr.-B.
Ntlt nutz, summa; nequitis homo.' Id. B. .Ein so gru-
sam erdbidem, dass ettlich stett in grundboden yn-
g'fallen sind.' Vad. ,Das gottshus in gr.-b. ze schyter
richten.' ebd. ,Schloss Maschwanden. das sy ver-
brannten und verschleiztend in gr.-b.' HBüll. 1572;
vgl. ebd.: ,Das sy in grund schleiztend.' ,In profun-
dam altitudinem maris se immittere, sich an gr.-b.
oder in alle tiefe des meers werfen. Metagenes certe
periit, er hat nichts mer, er. ist in gr.-b. einhin ver-
dorben.' Fris.; Mal. ,Wend ir echt nit werden usgrüt,
ja in gr.-b. gar kert umb, so bessernd üch.' RSchmid
1579. .Dises Wasser nimmt aus dem Gr.-B. heraus
alle Würzen des Parlys oder Schlags [zerstört alle
Anlage zum Schlagfluss].' JRLandenb. 1608. — Statt
mit Buden auch accumulierend mit Erde: Er hät-em
Olli Gr.-E.-Laster g'seit, ihn grob beschimpft Bs; Z.
— 2. Erdreich, allg. Guete, magere, tüfe, LeV"-Gr.;
schwarze Gr., Humus. Gr. träge', Kulturerde (z. B.
sog. Composterde) als Düngemittel in die Keben,
Wiesen tragen Sch; Z. Schwarze Gr. gid gueti Frucht
L (Ineichen). ,Wo der Gr. ist, darf man die Beben
nicht misten.' Sprww. 1824; vgl. grundig. 's lauft es
Bächli dur'^ d' Matte", d^ weist nit, wird 's si''' ver-
liere' nödinö [nach und nach] im Gr. [d. h. darin ver-
siegen]. Breitenst. ,Er warf ihm Gr. an.' 1875, Z
Processact. Er gät gu Gr. träge', euphem., muss
sterben. Sprww. 1869. ,Der Husten muss Gr. tragen',
= bringt in's Grab. Sprww. 1824; vgl. de'' Wueste
iviü Herd. ,Cenovectriccs, i. e. tröglin, do man gr. mit
ustreit.' 1473, Bs Chr. ,Die eweiber muesstend ire
blossen haarlocken mit äschen und gr. bezettlen.' 1531,
UI. Macc; dafür: ,staub.' 1548. ,Ir bluet muess ver-
gossen werden wie gr. und ir fleisch wie kaat.' 1531/48,
Zeph.; dafür: , Staub.' 1667. ,Das pfulment graben,
den gr. hinter die mur schütten.' 1539, Härder. ,Im
bach etlich tannen g'leit, dass der gr. nüt hing'füert
werd.' 1547, Z Staatsarch. ,MHH. verbieten mängk-
liehen, in den Strassen und allmenten gr. zue graben.'
1553, Sch Eatsprot. ,Agger coctus, vom 'brennten gr.
oder zieglen. Die böum mit guetem gr. unden by der
würzen beschütten, damit die wurzel im summer von
der sonnenhitz nit verderbe, aggerare arbores.' Fris. ;
Mal. ,Wie ein gr. mer und besser korn^ gibt dann
der ander.' LLav. 1582. ,Schwebelgi-und', schwefel-
haltige Erde. ebd. ,Mit gr. oder erden bedeckt.' RCys.
c. 1600. ,Man verdackt [in der Pestzeit] die Lychten
[Leichen] allein mit wenig Gr.' PPlatt. 161'2. ,Ein
JBaum dort in der Mitte stuond des Paradys im besten
Gr.' Com. Beati. ,[Die Maurermeister sollen] den Gr.
[Fundament] legen an Enden, allwo die Baulüt Gr.
graben.' 1651, ApHeid. Monatsbl. ,Für 4 Tag Gr.
[in den Reben] aufzuwerfen.' 1696, Sch Bebbüecbli.
,5V2 Tag den geflözten Gr. zu tragen 1 fl.' 1709, ebd.
,Ist der Platz [für einen Garten] ein Morast, so füllet
man ihn mit Steinen und grober Erden aus und
schüttet guten Gr. darüber.' JCSülz. 1772. — 3. Tal-
grund, -sohle, Niederung, Ebene B; Gr; W. Syn.
Bodem. Wir bl'ibe" mit de" Chilene im Gr. bis Mitte
Maje, sagt der Älpler BSi. Was macht-mffi im Gr.,
wie geht's drunten im Tale, fragt er einen Besucher
BSi. ,Über 30 Jahre habe er als Pfarrer t. unter dem
Grundvolke, t. unter dem Bergvolke zugebracht', er-
zählt der W Pfarrer Tscheinen. Hagar in der Wüste:
,Ich will luegen, ob doch wir in gründen ein wenig
Wasser möclitind finden.' Haberer 1562. ,Am 28. eng-
sten hat es bis in gr. geschnyt.' 1592, Ardüser. Bes.
häufig in Flurnn. allg. Grund heisst ein überall von
Bergen eingeschlossenes, langes Tal, das früher ein
See gewesen BHa. ,Grund' od. , Gründen', Dörfchen W.
,Es erschinen zue Samen am Gr. [vor Gericht] . . .'
1428, Gfd. ,Ein Jucharten im Grund.' 1653, AAWett.
Klosterarch. Die Wacht ,im Gr.' 1669, ZMeil. Urk.
Under-Gr. (1445: .niderer Gr.') heisst eine Vorstadt
von Luzern an der Eeuss, z. T. aus Schwemmland
773
lind,
i'iind
774
bestelieiul, der ein ,Ober-Gr.- sich anreiht. In Compp.,
z. B. ,Gr.-Acker, -Bach. -Guet, -Halden, -Hof, -Matt,
-Sehachen, -Tal' U.A.; ferner: ,Bort-Gr.' UwAlpn. 1339,
,Schachen-Gr.' UAltd., ,Spiggen-Gr.' B, im Hintergrund
des Kicntales ; ,Anigrund, Imgr.', auch Familienn. Uw.
— Bes. oft ist Gr. in dieser Bed. alliterierend ver-
bunden mit seinem Gegenstück ,Grat' [Bergkamm] zu-
nächst zur zsfassenden Bezeichnung der festen Erd-
oberfläche übh., des gesammten Grundbesitzes zu Berg
und Tal; eig. ,was liegt und steht', in lat. Urkunden
wiedergegeben durch : ,in piano et in monte' L ; dann
aber auch als abstr. Bezeichnung des (Tcsamiiitlipsitzes
übh. ,Gr. und grat, lyb und -ii.-t. b'li.'ii.l ini,l f,»!.
ist des Gottshuses.' 1344, AiWittn. (Min. .|\Vir bal.en
verkauft] die alpe mit matten, mit holze, mit fehle
und mit gründe und gräten.' 1345, Gfd. ,Das hus mit
dem hofe und der hofestatt, mit gr. und grat, nut
nagel und mit nuet, mit gross, mit klein', wird als
, Ehesteuer' gegeben. 1421, Geschfo. Ges. ,Dass wir
sömliche sce bishar genossen band überall, nützit us-
genoramen noch vorbehept, gr. und grat, fundes und
unfundes.' 1479, LBer. ü. Vw.-See. ,Die geistlichen
gabent nüt allein das iren hinweg, sonder das darzue,
so nit iren was, das was gr. und grat, so doch si nun
[nur] darüber g'walt hattent, den nutz, rent und gült
ze nutzend und nit wyter.' FSicher 1.531. ,Liegende
Hab und Güetcr, es seie in Gr. oder Grat.' löüs.
BFrut. ,JIit den Gt-isscu -cs.hirlit sowohl in Gr. als
in Grad jederzeit vil Srlia.l.n, ■ 1(;75, ß. ,So lang
Gr. und Grat stch'Mr in Ilnihlni^^- und andern Ver-
trägen in pla.tisrlM'r Wri..- /„,■ llrzrirlmun- .Mvi.^vr
Dauer; so im Vnx l- v-m (ii. mit ilm, A1,| ^.,u lii-mli-,
1471 im Biimlni.. .!.■. Cnin.Mi Knn.lr,, l.VJI m, l'mn.lr,-
vertrag der 3 Bünde: .Wir Millrn^l .;-.triiw lioli punds-
gnossen syn und blyben, alMi.Hvl -i . nnd grat stat,
wäret und blypt' Aiiscn. Vgl. hi^vn ^Icn Bundesver-
trag zwischen den Städten Bern und Freiburg: ,Wir
sollen hin für ewenklich verbruedert und zuesammen
beslossen syn und belyben, so lang der gr. [Funda-
ment] und die muren unser stett iren stand haben.'
1480, Absch. und Schiller: ,So lang die Berge stehn
auf ihrem Grunde.' ,Nit nur etlich Jar, sondern für
und für wären, wylen Gr. und Grat stat.' GrD. LB.
Einen ähnlichen Gegs. bildet Gr. und Berg GrI*.
(Sammler 1806), indem die Güter im Gr. denen im
Berg gegenübergestellt werden. — 4. techn. Ausdruck
der Dachdecker und Bauleute: Tiefe der Dachfläche,
Knicrinne, die entsteht, wenn zwei Dachflächen sieh
im Winkel treffen; in der so entstehenden Rinne sam-
melt sich das Wasser beider Dnrlill.i. lim und sie rauss
daher stärker gearbeitet sein. I in' l'.irinrl : .Die Kirche
soll in Gründen und Gröten inii ScIniHleln gedeckt
werden.' 1805, LSchüpfh. (Bauvertrag), umschreibt
daher die sämratliche Bedachung, da ,Grat' die äussern
Kanten, bes. den Giebel bezeichnet und ist herüber
genommen von der unter 3 genannten Umschreibung
von ,Berg und Tal'. ,Von den gründen und umb-
gängcn [Einfassungen] uf der lütkilchen mit kupfer
zc beschlagen.' 1.559, B Staatsrechn. ,[Die Besitzer
zweier an einander stossender Häuser sollen] jeder
sein Tach in Ehren halten und mit Namen das vorder
Haus den Tachgrund gegen dem Hof, das hinder Haus
aber den usseren Grund gegen der Münz machen.'
KWO, ZStdt Kaufbr. ,Alle auf den Dächern sich be-
findliche Grund von Schindlen oder Holz sollen weg-
getan und anstatt derselben Grund entweders von
Zieglen oder Blech dorthin gesetzet werden.' B Feuer-
ordn. 1723. ,Ein Gr. am Dach kostet 7 fl.' Z Baurechn.
1837. — 5. Fläche, worauf oder wovor man (bes. in
einer Zeichnung) die Gegenstände erblickt, oder worauf
sie gestellt sind; bes. technischer Ausdruck der Maler
und Zeichner; vgl. nhd. , Hintergrund'. ,In Gr. leggen',
auf der horizontalen Zeichnungsfläche entwerfen. ,Er
bette anfangs üwer statt ein gueten teil uf die ringist
gattung, wie man an einer statt die fürnemensten
türm, hüser, muren und gibel ansieht [vgl. ,Vorder-.
Seiten-Ansicht'], abconterfact; [nachher aber hätte er
sich] fürgenommen, üwere statt hoch und in gr. zu
leggen [d. h. aus der Vogelperspective zu zeichnen],
dass man die hüser, euch allenthalben in die gassen,
gesechen möchte, wie dann die namhaften stett durch
treifenlich meister in gr. gelegt und abconterfact sind.'
1546, Z an S. ,JMurer redivivus, d. i. eigentliche
Grundlegung der Landgrafschaft Turgöuw' von 1641.
,Ein Ort zu erkiesen, wo ich den ganzen See auf
einmal zu Gesicht bringen und selbigen nach dem
Compas in Gr. zu legen; hab also daselbsten den
inneren Teil an das Äussere gesetzt und gestossen,
und damit den Gr. vervollkommnet.' JLC'vs. 1661.
.Güter au,-,zniiie,ssrn und in Gr. zu legen.' 1792, Z. —
i;. I'rs]n UHU', .h .sprarh | der Slaven und Wenden] hat
mit bfliomi.^rln r und ij.ilnischer sprach einen grond.'
Vad. — 7. (jiiiihl, ran~,i. allg. De" Gr. [einer rätsel-
haften Angelr-viilM ii I ii/hisc'', den Kern der Sache
finden Z; X'j:\. .!■'■ ilnn^rf, ,js Rätsel (afjlösen. Mit
GriDi.le vh.i- III, 1,1,1 ,s/m,7. siniltc", man soll nicht
ra,uiiirnai. -..iihlrni llaml anli'u'i'ii. Wo-me" heini
Uniii.l liiil. I,ni.lil-i„." ,1- Fiisi 1, (hieichen). (Us) Gr.
dc.ssr«, .l.v.hall.. in dio-rr .\l.,irlit Z.
JIIm], ,, ( 111 l'.r.l. I :;, c, II. T. Wrnii 14.35 in ThDiess.
Kiiici- «cij.ii il. I \^ 1 » iiii^. liiiii-: ,Sii liiilf im grunda!' um
30 riJ fc'i;biU.st «Uli, s" bchuiut Gr. in Jiuseni Falle die Hölle
(den iliBllegnmt', Abgrund, vgl. uihd. ,ia abysses gründe')
zu bedeuten, wobei -« entw. das verstärkende -« (s. Bd I 2)
oder dann = J<, fs. A.h Bd I G3 f.) w.äre. Letztere An-
nahme entsjira.lir '1. II! iiliiii Ir]- iilt. il luriii.iiifU au eine
Wasserhöllo aN : nli .lh l:\, /;,,i." :„ Cr.
und -Hoden u- r ' im |ii.h <li< \ u ' liaiimi?:; aucb
nnfb t,w. in i|. 1. Kmiiaii,: ,(.i. 1 i;..i|,,i' lnnum. Bcd. 4
h.Tiilirt -ii-h .■iiiri,.liiL' um ilriM ini \ 1 1 1 id uud Vitr. belegten
iat. :iii,„<l<i. Ii.h'li. s„i„i> „„,1,,, W.tirr-. Vordach, woraus it.
7/-.,/i./... ir/.. K, i;,;,i„l, . lim, Irin ^„h,/,;., ,,/,■, Diicbriune, -traiife.
Ei-Grund s. Ei II Bd I 18.
Einme''-: Kies, welchen die Enmie im Littauer-
Boden bei HiMdiwas.sor ihrem gewöhnlichen Bette ent-
lang abla.^-ert L.
Es ist lia-lirli. "li li^'. (las Gebiet dos Fliissgcschiebcs
gemeint sei, oder (wofür der Gegs. ,Emmo"-Bolle'" spricht)
das Geschiebe als Stoff. Im letztern Falle läge hier ein
ferneres Beispiel der Vermischung von .Grund' mit ,Gricü' vor.
In-: 1. der tiefste Grund, das Innerste. ,Us I. des
Herzens betten', aus Herzensgrund. Z Mand. 1050;
ebenso bei JMülL 1665; AKlingL 1691. ,Gleichwol
formen die Geberden sich gern nach dem I. des Her-
zens.' FWvss 1650. .Gott von Eingrund unserer Seelen
danken.' JJUlr. 1727. .Lasset uns Gott anrufen und
von inner.stem Eingrund unserer Seob'n riNo sprechen.'
Z Lit. 1732. 2. Andacht SmM i.-nl-vi i. .Die Bitt
mit gebürenilem Eiiigrnnd s|iii'r|i,a, .I.IUkket. 1()"28.
,La.ssot uns vil betten, mit Kiiiaiiiii.l li.llcii.' FWvss
775
Grand, grend. grinrl
id, o-rnnd
1655. Abi. mgrundlich, ingründ(ig). — Jlhd. ingruni,
in Bed. 1 ; über «i- Tgl. Anm. zu mji-iifn.
Un-Grund: 1. was kein Grund ist. oder keinen
Gr. hat BHk. Us-em U. si" (rede"), unbegründet, un-
zweckniässig, unschicklich BHk. Es isch nüd us-em
U., geht an, lässt sich hören, ebd. .Dann vergebenlieh
und ein luter u. [grundlose Behauptung] und muetwill
ist's, dass sy schryben.' 1531, Stkickl. Sie würden
immer nur sagen, sie hätten nur Musterung halten
wollen oder einen andern ,u.' [Vorwand] angeben.
1531, Absch. ,Weil bei Etwelchen der falsche Wahn
gewesen, dass..., welches aber der U. [nicht der Fall]
und kein Artikul im Landbuch dessen nieraal g'syn.'
1667. Ar LB. — 2. Unrecht. Im ü. sl', Etwas irrig
behaupten BHk. Man könne nicht erachten, dass die
Rheintaler ,so gar u.' haben. 1531, Strickl. , Einem
jeden Tröler, der in einer allhar gezogenen [appel-
lierten] Urteil von unserem Rat am U. und Unrechten
funden wird.' B Ordn. 1711. N. N., welcher dem N. N.'
ein Stücklein Land wegnehmen will, wird ,im U.' be-
funden und soll die Kosten bezahlen. 1713, Absch. —
3. gehaltlose, ungereimte Rede, Zote GeD. Abi. iin-
griind(ig). — Garte"-: Gartenerde Bs.
Hasel-: leichte, trockne, rötliche, mit kleinen
Kieselsteinen durchsetzte Tonerde, die auch etwas
schwarze Dammerde enthält und in welcher vor Allem
die Haselstaude, sowie dann bes. auch Getreide leicht
gedeiht „B;" L; Z; Syn. H.-Erde, -Boden. Abi.
h.-gründig.
Vgl. Gr. WB. ,Hasselboaen' ; It Weber, ök. Lex., besteht
die Haselerde ans verwittertem Mergel; die ,H.-Erde' dem
schweren Lehmhoden, sowie der schwarzen Erde (Hnmus)
entgegengesetzt in ZAul. 1776, S. 9. Ygl. auch Jf.-Orien.
„Rüfi-: Boden, der durch eine Eüfi [Erdrutschung]
steinig geworden Gr." ,Wenn eine bergan liegende
Wiese einen so steinichten Boden (Rüfl-Gr.) hätte,
dass man mit dem Pflug nicht beikommen könnte,
wäre es hinlänglich, solchen aufkarsten od. aufhacken
zu lassen.' Gr Sammler 1780.
Ris-: „Boden voll Geschiebe verschiedener Stein-
arten B;" U; Schwemmland in der Talsohle eines
Flusses, als solches der Obrigkeit zugehörig; vgl.
Schachen. Ungeachtet B u. P verordnet haben, dass
der ,Beiss-Gr.' der Sense entlang ihnen angehöre und
Niemand daselbst Holz fällen oder nehmen dürfe,
ausser die Besitzer von anstossenden Gütern, so haben
doch Einige dort Holz gefällt und geschwendet. 1559,
Absch. ,Wir wollend die Ouwen und Ryssgründ ge-
schirmt und befryet haben. Wer in unseren Bann-
hölzeren, Ouwen und R-en freflet (holzet).' B Gerichts-
satz. 1615. Bern klagt, seine Untertanen seien keines-
wegs schuldig, die wider Verträge und Abschiede
gemachten ,Rysgründe' und Einschläge erhalten zu
helfen. 1678, Absch. .Wann ein fliessendes Wasser
einem Gut unvermerkt etwas Grunds zulegt, gehört
diser Grund der Person zu, so das Gut besitzt; jedoch
ist hier zu unterscheiden: Wann durch Gewalt des
Wassers ein namhaftes Stuck auf einmalen abgerissen
und an ein anders Ort versetzt wurde, dass es in sol-
chem Fahl des vorigen Besitzers bliebe, wann er
dessen begehrt, wo nicht, so gehört solch Stuck als
Reis.s-Gr. der Lands-Oberkeit.' SMutäch 1709. N. N.
bittet um die Bewilligung, einen ,Bletz [Stück] Riss-
grund' von einer Juchart am Schwarzwasser gegen
einen billigen Bodenzins einschlagen zu dürfen. 1717,
.\EScn. ,Auf Feldern, Brachen, Allment- oder Ryss-
gründen.' B Mand. 1741. Etwa 5 Juch. .Ryssgrund'
unter der Hundsfluh waren durch den grössern Runs
der Sense vom Bernergebiet getrennt und auf die frei-
burgische Seite gekommen. Dieser R. war durch Kauf
an den Herrn v. D. gekommen, der davon [als Lehen-
zins] 11 Btzn nach Überstorf und 8 ß an die Sensen-
brücke bezahlte. 1744, Absch. ,Die Sonnenhitze wird
in trockenem Reissgrund im stärksten Grade verspürt.'
JJSCHWEIZER 18.30.
Zu riaen (Nbf. i-issen, welche Umdeutung auf rusen, reissen,
nahe legte), fallen, gleiten, vgl. nhd. .rieseln'. Eben dahin
gehören bair. Kuehi, Kies, unser Risi (mhd. i-we), Wasser-,
Holz- oder Steinrinne, bes. au einem Berge, auch Geröll-
halde, Schuttkegel.
Schache"-: Schwemmland in einer Flussniede-
rung, die mit Gebüsch bewachsen ist. ,Der Gasthof
zur neuen Brücke in Aarau ist auf Seh. erbaut.' Aa
Gera. 1844.
Schorr-: mit der Schaufel, bes. an Düngerstätten
usw. zsgescharrte, daher fette Erde ZO. ,Den 3. März
den Seh. aus dem Haus auf den Berg zu führen 2 fl.'
1713, ScH Rebbüchli. ,Dem [von Käfern] beschädigten
Bäumlein soll man mit gutem Seh. und altera Mist zu
Hülf kommen.' JCSuiz. 1772. — Mhd. „hom, mit der
Schaufel arbeiten, zsscharren, kehren.
Chatze°-Dreck-: Erde von dieser Farbe Bs. —
Wise"-: an Haufen (ähnlich den Composthaufen) ge-
legte Erde, die dann zum Düngen der Wiesen dient
ZDättl.
Grundach er s. Gr.-Epfel B.l I 369.
Grundel, Grundle f., meist Dini. Grundeli, in
Aa Grundeli: Name verschiedener am Grunde des
Wassers lebender Fische. .Turnilla, grundel (piscis).'
Ebinger 1438. ,Der grundlen, so ein ganz gemeiner
fisch, bekannt von mengklichen bei uns ist, sind man-
cherlei geschlecht. Dann etliche habend bärtle, von
solchen iren namen, andere anstatt derselbigen .spitz
oder dorn [Steinbeisser, Dorngrundel, cobitis tajnia].'
FiscHB. 1563 und darnach JLCvs. 1661. .Das grün-
dele, fundulus, ein kleins fischle.' Mal. ,Blennus, ein
Fischlein, einer Grundel gleich.' Denzl. 1677; 1716.
Spec. 1. Schmerle, Bartgrundel. cobitis barb. Aa; Ap;
ScH; S; Z. Joggili am Bach hat g' fischet, hat g'krebset,
hat Grundle" ha" [heim] [g'J bracht ScnSchl. ,Grun-
dclen' beim .Fischessen' in Aarau. 1551, Ölhafen;
s. noch Fisch 2 c Bil 1099. ,Man fangt vil Grundlen
um Lucern in den Bächen; die Pfarrherren der Enden
heissens profundulos, und ob sie gleichwohl ziralich
gemein bei ihnen, essen sie es doch lieber dann ein
Haberbrei.' JLCvs. 1661. .So gibt es allhie nit weniger
ein sehr gute Schnabelweid von allerlei Geflügel, auch
Höchten. Karpfen, Grundelen.' Hafner 1666. ,Uber-
dera finden sich in dera Thunersee noch Grundelen
oder Bartgrundeln.' JCWyttenb. 1777. — 2. Gründ-
ling, Gressling, gobio fluv. (cyprinus gobio) Bs; Th
(Bodensee). ,Gobius fluv., Grundel, Kress. Gobius,
Gropp [cottus gobio], Gr.' Denzl. 1677; 1716. - Mhd.
gründet, grundelinc, fundulus; ahd. irundula. c. 1000, Eckeh.,
Bened.
„Mör-: Schlararapeitzger, cobitis foss. Bs."
„Mos-= Grundeli." ,Der grundlen, so gebartet
.sind, sollend dreierlei sein, doch zwei bei uns wol
Grand, i,'reiul
fl, Errond, "riinil
778
bekannt: dann etlich woneiid in letteeliten, linden
grund oder boden am gestad der seen, werdend mos-
ijrnndlen genennt, andere in frischen, kalten bächen
oder Aussen steingrundlen oder einfaltig grundlen ge-
nennt.' FiscuB. 1563 und darnach JLCvs. 1661. So
noch bei GLHartm. 1827, S. 175.
grundele", in Bs auch gründele": 1. mit Sand
und Erde spielen AAStilli; Syn. sandelen; kätlen. —
2. unpers., Erdgeruch entwickeln, bes. vom Erdboden
nach einem warmen Sommerregen Bs. — 3. flache
Steine in Bogenlinien über dem Wasser hinspringen
lassen UwSachs. (Dan.); Syn. hrütlen; s. Vater ßd I
1120. — 4. auf den Grund des Wassers tauchen, den
ür. aufwühlen. .Überdies werden die bepflanzten Ufer-
stellen als Schutz- und Ruheorte für junge Fische
durch das beständige Gründein und Nahrungsuchen
der Schwäne illusorisch.' Z Amtsbl. 1887.
3 bezieht sich wohl eig. darauf, dass das Steinchen nach
den Luftsprüngen jeweilen wieder auf den Grund, d. i. die
verhältnissniässig feste Wasserfläche zurückkehrt.
gründe", gründe": 1. den Grund suchen, er-
reichen, finden, fassen, auf den Gr. gelangen, im Grunde
wühlen, bis auf den Gr. räumen, eig. und bildl. „Der
Strom gründet, wenn er Alles bis auf den eigentlichen
Gr. hin wegschwemmt VOrte." „Die Krankheit grün-
det, wenn sie mehrere Personen in einem Hause weg-
rartt; ein Schüler gründet, wenn er seinen Mitschülern
die meisten Preise entreisst VOrte." ,Er schwummet
uberhin [über den Jordan], dann man mag da nit
gründen [den Grund des Wassers stehenden Fusses
erreichen].' Stulz 1519. .Contari, das wasser mit
einem stachel gr., oder grund suochen. Applicare
remos vadis, zum land faren, mit dem rueder gr.' Fris.;
Mal. ,Der Prophet konnte nicht mehr gr., sonder hat
schwümmen müssen.' AKlingl. 1688. — 2. in die Tiefe
messen. ,Der Sack [des Netzes] gründet 600 Maschen
tief, die Wand 550 Maschen tief.' III. Käl. 1853. —
3. sich (auf einen Grund) stützen. ,Sy gründend daruf
allermeist.' NMan. ,So könnend wir nit daruf gr. oder
setzen.' LLav. 1578 = ,kann dieser Grund nicht für
gültig geachtet werden.' 1670. Eefl.: ,Sich auf einsi
meinung gr., opinione alicujus stare.' Mal. — 4. for-
schen, grübeln. ,Z' vil gr. uf Gott [Nachdenken über
das Wesen Gottes] bringt irrung vil.' Edef 1538.
S. noch füntelen Bd I 851. — 5. (-u- und -ü-) Erd-
reich auf Wiesen, in die Reben tragen Bs; Sch; Z;
s. Grund 3. ,Febr. 1719 für 180 Bennen mit Grund
die halb Juchart von oben ab zu gründen [mit Erde
überschütten].' Sch Rebbüchli. — 6. (-u-J den Grund
zum Vergolden usw. legen, grundieren Ndw.
über-: mit Erde bedecken, überschütten Bs; Sch;
Z. „Der Bach hat die Matte übergrundet L; Schw."
,Gegen den Fresser solle man die Reben Überherden
oder übergründen.' XVm., Z. ,Die Scharr- [Maul-
wurfs-] häufen vorrechen und als grastreibende Über-
gründung betrachten.' HBtjs. 1865. — er-: 1. auf den
Grund messen. , Willst du mich e., so werd ich dich
verschlingen [verschlinden?], soll einst eine Stimme
aus der Tiefe des Bodensees gerufen haben, als man
seine Tiefe messen wollte.' Sulger. — 2. „Etwas er-
forschen, erfinden, was ziivor unbekannt gewesen W."
— 3. den Boden umarbeiten, was z. B. für Rebberge
bis auf eine Tiefe von 3' geschieht G; Syn. rigolen;
vgl. Köhler, S. 137. Wildes, rauhes Erdreich durch
Reinigung von Steinen, Wurzeln urbar machen GSa.
— nach-, nachhin-: gründlich nachforschen, nach-
grübeln, -sinnen, der Sache auf den Grund zu kommen
suchen. Der Artikel 12 ist mit den Gerichten ,hin'
[gerichtlich entschieden], dem ist nicht weiter ,nach-
zugründen'. 1551, Absch. ,Explorare, deliberationem
accuratius evolvere, ein ding ze erfaren fleissig nahen-
(nahin-) gr., fleissigklich suechen.' Fris. ,Do habend
die bischof und pfarrer nit wyter nachin 'gründet, ob
es mit der h. geschrift möge erhalten [fe.st gehalten,
erhärtet] werden oder nit.' LLav. 1569 = .machten
nicht grosses Nachdenken.' 1670. , Etlich edelleut,
welche der rechten 1er flyssig nach'gründet.' ebd. 1576.
,Ich hab der Sach auch umb Etwas nachgründet und
geforschet.' RCvs. S. noch erfräglen Bd I 1292. —
durch-: gründlich prüfen. ,Der Herr ist ein durch-
gründer der herzen.' LLav. 1587. ,So wir all unsere
Gewarsamme [Rechtstitel] eigentlich durch'gründet.'
RCys.
gegründet: 1. in einer Kenntniss befestigt, ver-
tieft, gründlich unterrichtet. ,Ein yede kunst am an-
fang allerschwerist ist, eb [bevor] du darin recht
gegründet bist.' JBindeb 1535. ,Man soll die Kinder
des Examinierens im Katechismus nicht leichtlich ent-
lassen, bis sie genugsam gegründet sind.' Z Mand.
1711. ,An dem wöchentlichen Schulbettag sollen die
Kinder im h. Vatterunser gegründet werden.' Z Land-
schulord». 1719. S. noch usgän Sp. 24. — 2. wohl be-
gründet, gründlich, zuverlässig. ,Die alten [Kirchen-]
lerer haben vil loblicher, gegründter büechern hinder
inen verlassen und den rechten, waren verstand des
gottswortes grüntlich erklärt.' 1525, Gpd. — 3. be-
weglich, ernst, eindringlich; vgl. ingründig. ,Da redete
Hr Statthalter die Arbeiter ganz beweglich und ge-
gründt an.' Mise. Tig. 1722.
un-: unergründlich. ,Gottes ewige und ungegründte
fürsichtigkeit.' RGcalth. 1546.
unbegründet: 1. ,Mit unbogründter h. geschrift
erhalten', einfach durch die (nicht weiter ausgelegte)
h. Schrift, ohne weiteres Grübeln in derselben er-
härten. 1531, Abscu.; vgl. ,grüuden' 4. — 2. Adv., zur
Verstärkung; imbegründt g'schivuUe', unerhört ange-
schwollen (von einem Bein) BBe.; Syn. uncrluinnt.
grundhaft: 1. begründet, bewiesen GrL. ,Diss
ist also erkennt worden aus erheblichen, gr-en Ur-
sachen.' 1667, Ap LB. — 2. von Pcrs.. zuverlassii;-,
gründlich, von Charakter und Wissen, Syn. (iiiuiilig.
Gegs. en u:° grundhafte'' Ma'", der grundlusf Hcliauii-
tungen aufstellt, die er schlecht oder nicht beweisen
kann GrL., Pr.
grundieren: 1. wie nhd. — 2. basieren, beruhen.
Diese Instruction soll der Bote heimbringen, um wieder
eine entsprechende stellen zu lassen, so dass je eine
auf die andere ,grondieren' würde. 1530, Abscu.
grundig Bs, sonst gründig: viel und tief gute
Erde habend, tiefgründig, von Culturland Aa; Bs;
„LG.;" Z. Zu Grund 2.
in-, in Z auch in-: 1. tief, d. h. tiefen und daher
festen Grund habend, gründlich, tiefwurzelnd, bes. von
menschlichen Gefühlen, Gedanken, Empfindungen; aus
Herzensgrund, herzlich, innig, warm, eindringlich, an-
dächtig, ernst; scharfsinnig, grübelnd, nachdenklich
Ap; Gl; Sch; Z. I. zweZose» [zuhorchen] Gl. ,Mit be-
griflencn, aber gar yngründon und trostlichen Worten.'
779
Grand— grund. Graiig— grung. (irang
JosMal. 1593. ,Ein yngrüntler Liebhaber des Evan-
geliums.' ebd. ,Nit weniger bezügen die uralten Vätter,
wie so gar yngründig und flehentlich sy sieh der Hoch-
heit ihres Beruefs erinneret, beide in ihrem letzten
End, wie auch in wärendem ihrem Dienst.' 1615,
JJBreit. ,Was könnte einem yngründigen [tieffühlen-
den], mitlydigcn Herzen erfreulicher syn und ine zu
christenlicher Handreichung mehr bewegen?' 1635, Z
(Spyri). .Er niuss überweisen die Widersprechenden,
nit allein die, welche seine Lehr widersprechen öffent-
lich mit Worten, sonder auch die, welche wider seine
Lehr in ihrem Herzen haben allerhand eingründige Ge-
danken (cogitationes sinistras).' JMüll. 1661. ,Die,
welche über seine Lehr ihnen selbs zwar eingründige,
aber letze [verkehrte] Gedanken geschöpft haben.' ebd.
,Gottlesterliche Satz- und Meinungen, welche ein ein-
gründige» [tief religiöses] Christenherz verwunden.'
JHHoTT. 1666. ,Einbrünstiges Gebett. ein^ründiges
Weinen.' KdWirz 1680. , Andächtig, eiiii;i iindi- srin,
HospTN. 1683. .Meine eingründigen Anliiitci- ITnT.
Zephon. — Fest im Gottvertrauen, uiiei^rhiittn li. li,
stark im Glauben: ,Ein kranke, darby aber yngründe
person.' JosMal. 1593. .Ist syn Leben lang fromm,
gottsförchtig, yngründig g'syn.' c. 1600, Mise. Tig.
,Sie erstattete Alles dasjenige, so von einer eingrün-
digen und gottseligen Matron der Apostel erforderet.'
ebd. — 2. eingebildet, dünkelhaft Ap ; Gl. D' Gässer
[aus ApGais] sind en appelönisches Volk und i'i/r. —
Vgl. zu 2 Andacht i. S. t. Eigendünkel (Luther).
un-gründig (auch -jrründ): 1. unzuverlässig, von
Personen GRl'r. — 2. leichtfertig, gehaltlos, zoten-
haft, ebd. — Zu 2 vgl. aber auch ungenmt, ungereimt.
guet-. ,Ein gutgründiges Heimwesen.' Scuw 1883
(Bote der Urschw). Zu Crnn,! '3. — hasel- a. Hasel-
Grund. — tiof-, (/(/-. iiiif-: 1. vom Erdreich Gl,
s. gründig. — '1. ,li"i_hi;clelirt B; L."
grundli'''' (-nt-): 1. im Grunde, in Wahrheit,
sicher, zuverlässig, allg. Bas iveiss v'' (für) gr. BHa.
,I)ass man [die Stadt] keiner liöche [von k. Höhe aus]
kann übersehen, dass man sy nit so für gross ver-
meint, als sy aber gruntlich ist.' JMurer, Begleitschr.
zur Karte 1576. ,Er hat [es] gruntlich g'wüsst'
JJBreit. 1615. ,Eine Gefährd (dolus), die sich durch
vernünftige Mutmassungen gründlich [mit Sicherheit]
schliessen lasst' SMutach 1709. — 2. tief, aus Herzens-
grund. ,Wir enbietend dir unsern gruntlichen zorn.'
1479, Bs Chr. ,Fundere fletus, von herzen weinen
und gr.' Fris.
in-: andächtig. ,Er beschaut das h. Sacrament
ganz yngrundtlich.' KCys. 1600. — herz-: aus tief-
stem Herzen. .Innigklich und herzgrundtlich lieben.'
XVII., Irm.
grundsam: schwer zu ergründen, in die Tiefe
gehend. ,Die sach ist nit so gr. und schwer, als sy
etlich machend.' ThFrick. 1470.
Gründle", in Flurnn., z.B. ZUster; ,Bruch-Gr.'
ScHwTugg. (schon 1450: ,stosst an die bruchgrün-
delen'). — Über die Wortform vgl. Anm. zu Grendel.
Gründung: Vertiefung, Gründlichkeit. ,Die grün-
(lung, arbeit, müey, die einer nimmt, etwas ze tuen,
nisus.' Mal.
Grang grung.
Grangel m.: langbeiniger Mensch Bs.
Eine Mittelform zwischen den Synn. Gragel und Granggel;
zu Ersterm verhält es sieh wie Griru/el : Grigel, (jangg- : gngg-
(s. Anm. Sp. 166), zu Letzterm wie Gange} : Gimggel, Ghmgel :
Glunggel; vgl. auch Krangel.
granglen, Grangier s. kr-.
Gringel m.: „1. Gerippe, Skelett W. — 2. aus-
gehungertes Geschöpf W. — 3. Gringeli (Dim.), etwas
Kleines, Verwachsenes, Zsgeschrumpftes, wie z.B. ein
Apfel, eine Birne Sch; U."
Heute gilt für 1 u. 2 G(e)rigel, für 3 Griggel und Gräuggcli;
betr. die Formen vgl. die Anm. zum Vor.; doch ist fraglich,
ob der W Korrespondent St.'s nicht .Griegel' schrieb; und
für -2 u. 3 klimmt die Berührung mit .gering' in Betr.icht.
Grangg- grungg.
Grangg I m.: 1. schmächtiger, magerer Mensch BO.
— 2. unvollkommene, verkümmerte, geringe Frucht
(Äpfel, Birnen) BO. — Vgl. bair. rank, schmal, dünn,
schlank, und das folg. Granggel. Vgl. auch das Syn. Granqi.
Granggel. Granggel in. — PI. Gränggle U —
doch meist dim. Grängg(ejli: verkümmertes, gering-
fügiges, schwächliches, verwachsenes Ding, von Pflan-
zen, Menschen, Tieren Aa; B; L; U; Zg. Jedes StögetH
ist voll Bluest, jedes Gränggli [verkümmertes Schoss,
Gesträuch] BBr. Spec. 1. schmächtiger, magerer, unan-
sehnlicher, schlechtgenährter Mensch, junges, schwa-
ches Bürschchen, gebrechliches Kind. .Dort hat das
hcillosige Grenggeli inen [den Bernern] Chüechli
g'macht'. so wird verächtlich ein protestantisch ge-
sinntes Mädchen genannt. 1656, Vilm. Schlachtlied.
Auch vor Eigenn. gesetzt, wie in dem Reim: Der
Granggelhans häd g'wibet, häd's Granggelanni g'nö" L.
— 2. Memme, furchtsamer Mensch, der sich wie ein
Kind geberJet B; L; Zg. — 3. mageres Tier. bes.
schlechte Kuh BSi. — 4. elende, zwerghafte, geringe
Fruclit. von ViAwiahäAten ( „Gränggel-Obst''), Trauben,
bes. auch Kartotteln Aa; B; U. — 5. ungestaltes. .ma-
geres' Stück Fleisch („Granggel-Fleisch"); Knochen,
an dein nur wenig zu nagen ist B; vgl. Granggel-
Bein. — 6. geringes Stück, nichtsnutzige Waare übh.
(Gränggeli-Wär) BBiel; ZO.
Wenn auch zu unserm W. in allen Bedd. Synn. mit
blossem Aul. r nebenher gehen, somit g urspr. Präf. sein und
Granggel sich zu ranggen, sich dehnen, strecken, verhalten kann,
wie G(e)ragel : ragen, so hat Granggel doch sich selbständig
entwickelt und eine ebenso selbständige Gruppe gleichbedd.
WW. neben sich ; vgl. Gnnggel «nd s. die Anm. zu Grangel,
sowie die Synn. Gräggcl (GrSggel) und Grämpel in Bed. 1 u. 3.
Bed. 6 erinnert an das Syn. Grempel-, Gänggeli-(War).
Granggi BHk., Gränggi Obw; U — n. =
Granggel 1 u. 4. Daher Gränggi-Obs, -Epfel.
Gränggle. Gränggle f.: schlechte Birne Aa; BM.
gränggelet: verdorben, in der Verbindung: gr-i
War U.
grängglig: hager, schmächtig LG. ; S. So ne vor-
nemeSchnängler, nes gränggeligs Herresönli. Joach.1883.
Grangg II m. : steiler, unfruchtbarer Abhang BLenk.
— Vgl. Gr. WB. .Hang, Range, Rank', Bergabhang.
rsi
Onui^'g
IMlIlg^
(jlraiis-
782
ürengge" m.: Scheltw., z.B. f. einen alten Mann W.
Wiilirscli. zur Gruppe des W. Gmmjij gehürig, etwa so
viel als ,dürror Kaochon'; ähnlich wird auch Geripii gc-
liravioht; vgl. auch bair. Orengyen, hagere Person.
Gringgel m., meist Dim.: verkümmerter, verwacli-
senor Mensch, Baum, Frucht usw. Aa; BS. — S. die
S.vnn. Orawjijd, Grinyel, Gnengyel und vgl. dazu Uriijyi-l.
gringge°: kleinlich, mit lästiger Beharrlichkeit
sich über Etw. beklagen, Etw. wünschen, fordern (in.
Viull. aus dem Syn. yingynt mit nicht selteneui Eiiisilinli
des i; doch vgl. auch riiiyyrlen, öfters schelten, sowie rumjyrii,
(irienggel m. : mageres, schwaches Geschöpf, Mensch
Oller Tier „Aa;" B. — "Vgl. die Synn. Grieyle, Grieyyd.
Grienggi m. = Griggi, wer schief und gespreizt
gellt GlK. — Vgl. auch die Synu. Schieygi : Schienyyi.
ürongge ui.: 1. Strunk einer Tanne niitsammt den
Wurzeln GhV. — 2. magere, hässliche Kuh. ebd.;
Syn. Gramjgd.
Wie Gyonyyd, GrÜHyyc!, Grünyyi etwas Yerstüninieltes,
Veikiiniineites bezeichnend; in 1 viell. mit Anlehnung an
luiiyyiii, rnnygcn, reuten, also eig. ein Strunk, wie sie beim
Heuten, nachdem die Krone abgeschnitten, gewonnen werden;
vgl. noch Gritnyyd,
Grrtllggel I: Holzblock, -klotz, -nniiiif U.
Wahrsch. zum Vorigen, ausgehend von der leitenden .\ii-
sehauung des Verkürzten; an it. lioiito ist nicht zu denken;
vgl. auch Grunygd II ä. Syn. Eugd; Grummd.
Grnnggel II Gl, Grünirgel AaF.: SmwMuo. ; /,().,
Grünggi Z tw. - in., .lo,l, mri-t .lim. (1 rn,,././,'!, Ci,
sonst Gnoir/(/r/,-, in V.WaI/ C n,i,,i„. iL. im IIS.i. (Iruin,.,:
1. etwas Kleines, iiKiiigclhaa Kiitwickellcs /.iirink-
gebliebenes, Zworgliaftes, zunächst von Früchten, bes.
auch kleinen Kartott'eln, Säu-Herdöpfeli; scherzw. auch
von Personen Aa; Gl; Sch; Scnw; Z. Was wettist
dir'' du wüsse', du bist ja nii eso cn chline Grünggi,
wird etwa ein Kind abgefertigt Z. — 2. Grünggi,
Strunk einer Kohlstaude, eines Baumes, Stück knor-
riges Brennholz, z. B. vom Wurzelstock, oder das eine
Astwurzel enthält BSa. — 3. allerlei Abgang, geringe
Waare (Grünggel-Wür, -Zug) AaF.; Sch; Zu.
Vgl. die Anm. zu Granyyd. wni dazu das Syn. (zu 1)
Grüyyerli, sowie Rimgyerli, von kleinem, schlecht entwickeltem
Obst AaZein, :? kann aus G(e)riimpd entstellt sein.
M;M-iiMin-L:-li: Mas>li,.l,rlieH, Lellis per. /.
,W.lll, ; ;-. . ,1, K,;;.l. 1. •{,,- /.Hl.. 1, n 1 /-l le I l.'r I ', hl im lir ii
als el.wa« l.ennglusi-ie» bezeiclllleu.l ; v«!. M.,r.,ru„l..l, , .
grungge": sich strecken, drelien und wincleii, wii'
ein mürrisch UnzufrieJencr, bes. mit den Seliulteni
zucken, Unzufriedenheit äussern Ndw.
Könnte mit Vorsilbe ye- zu runygcn (vgl. spec. das Syn.
rniiijyin) gehören; doch vgl. auch die Synn. yr'mgym, yrunji.n
und yriiyyen.
Grungger m.: Knicker, Geizhals Ai'K.
Her Begriff des kleinlich Sparsamen wird oft mit dem
des Mangelhaften, Kleinlichen iibh. verbunden; vgl. Anm. zu
ynirlKii. Möglich wäre auch Zshang mit runyyen, murren, da
der Geizhals immer klagt; vgl. die Anm. zu grimniy und
gnayyeu, yjiitjgim Sp. Ö65.
Cl'nnggnnggle f.: Scheltwort für Weib.spersonen
GRl'hur; GW.; SpRww. 18t>9. S. Rungg-Gunggele Sp.
oü7 f. Syn. ührunggunggle.
Gülle"-GrÜnggeU n.: Fcuerkrüte ZW. - Vgl. die
Synn. Güllen-Grüyger, -liuyyer.
gl'üngge"; mit verhaltener Stimme, ,grunzend'
schreien, wie eilt Kind, das anfängt zu weinen GO.
— Vgl. yrunneit, grunjcn, runyyen.
Grans gruns.
Gi'aiis{e") -- Fl. Gränsfe"), Dim. Gränsli — Gii
tw.; Z, Gras (iia.s.) Gr tw., Gras, bezw. Gros SciiSt. ;
TuBodensee, (h;iiis/r"i. (h-a,(ssr" A.vHl.; I;; Z«. Gram
(Fl. Gränz) Gu in., in \.\\i\. ((innis,-) -. Gr? f.:
1. Schiffs-Schnabel, -Kiide. iiinl zwar zunaclist unter-
schiedslos vorderes und hinteres. ,Ein förenes Schiff
mit eichenen Gränsen.' ZStäfa. ,Wär euch, dass einer
gefecht [verfolgt] war, dass er gern bald über war, den
soll [der Fährmann] füeren, so er baldest mag, und soll
in in enem land [am jenseitigen Ufer] zno dem vordren
grausen hinus lassen. Und kummt jenian enem nach,
der ouch gern über war, den soll er ouch füeren, so
er baldest mag, doch soll er das schiff gen enem land
umbkeren [damit der Verfolgte noch einen grössern
Vorsprung erhalte], so er uslassen will und soll den
nachgenden zuo dem hindren gr-en us lan.' ScHwWang.
Hofr. ,Die Gottshuslüt von Altnau band die fryheit,
dass sy sond ein schiff stellen an das land an dem sew
an des küngs land.-itrasse, dass der hinder grans daran
stand, und mag einer daryii legen, was er hah, und
darnach srhrven dem ain'inaiin einest. an.ler.< dry-
,(,Uhl. iin.l kui I :\r^ ,,n,n,,inn nn,| ni;,-.l,i^ -vliWVniit
n l,ir-n.- 1 |.M, /ii.i,». I'rk.
■iili'l iini.htent an dem rank
nill.n und kam der hinter
.^rliw.'nken was so vil yson
/s das schiff' zerdruckt und
TscHDDi. ,Aus dem vordren
, ArosTELGEScn. = ,Vorder-
itten auf dem mer schliefest
r-eii auf den seilen.' 1531,
das Vorderteil (prora), der
,l)ie zwen hint.rn
by Müli das srhiiV
grausen für uml ii
und staeliel darin
zu bodeii sankt.- 1
gr-en des schitls,-
teil.' 1882. .Al.s we
oder auf dem x^r
Prov. ,Der vurde
hinder gr-en, das hinderteil (puppis) am schiff'.' Fris. ;
Mal. ,Man sach auch den fanen schon wol uf des
Schiffes gr-en ston.' 1576, Strassburgerfahrt. ,l)er
«iraiise, Himlerschitt', puppis, posterior |iar>i navi>^.'
i;i.:i.. lild'-'. - Spec., in eine Spitze au.-l.inl.niler \nr-
.lerlcil eiih's Fischerkahns mit verselilii s.^li.nrni l'isi-li-
hrJKilt.T 7.r.; Z. ill Tll 1 '.nd en See l,is ZU dem m .le|- Mitte
de.s Xaelieii.s betindlnlim 1 i mIiI,..!,;, Ite,- ^vivrhnet;
hnnlr
rhh
lialii
(ZGA-vn, T..|l .\r. KiMlirrkalin.. .\ i^anwm, nn li^rli-
g'halt.T, li-rl„.rui-,-n,- I'kis. .iMr iM.rl,,.,- Iinn-.m im
Gr-en dn^ Fi.rln- l..li.mdi- anl' d^n .M.irkt.' III:INmi.m
1092. ,i:s „olle kein Fi.,chcr dem aiulerii \.,r ,-ein, in
den Gr-en zu sehen und wann ein solcher beschlossen,
selbigen auf Begehren auftun.' 1710/76, Z Ges. .Die
Fisclierirränsen tieissig untersuchen.' ebd. — 3. (auch
Fisrhrr-r,i) Ki.-lh'ikahn mit Fischbehälter; auf dem
Ägeii^r. iibl .- noch lieute c. 20' lange Einbäunie,
eben.sM iMsirlimi .sie auf dem AAHl.-See aus einer
783
(irans— srraiis. Uranscli — crnnscli
ausgehöhlten Eiche und hahen vorn eine Spitze; auf
dem ZSee sind es Kähne von einfachster Construction
mit senkrechten Seitenwänden und Fischhehälter vorn
au der Spitze. Dert fart es Grausli, lang tmd schmal
Zg (Schwzd.). ,Ein Fischergransen saramt Segel,
Drucken [Kiste], Kästli usw.' ZMeil. 1867. ,Das
graussle, klein schiffle, navicella. Flossschiff oder
fischergransen, piscina loculata;.' Fris.; Mal. ,Wie der
schiffweg mit schiffen verschlagen [versperrt] werde,
inmässen die fischer ire schiff und gr-en kummerlich
[mit Mühe] obsich schalten mögind.' 1584, Z Zollb.
— 4. (auch SchliUe"-Gr.) Schlittenhorn, -handhabe,
aufwärts gebogenes Ende an den Kufen des Schlittens,
oder (laut B.) mit denselben durch Nägel verbunden,
namentlich an Heuschlitten, die darum auch Grans-
schlitten heissen Gr. — 5. Schweinsrüssel. .Hammon
und grens.' Bs XIV. ,Die mezzier sont die swynin
buggen [Kückgrat] von niderost unz obenahus gänz-
lich unz dur den granz hin dur die ougen an gevärde
[verkaufen] und soll der ober grans an dem buggen
belyben und dise selben buggen sont sy mit sweif ver-
koufen an wage.' 1390, TuDiess. Stadtr. ,üren, grens
und alls ingeschleeht [Eingeweide].' 1408, Sch Metzger-
ordn. ,Vil seltsmer ding hört ich sagen, von vögeln
und von gänsen, swyn mit zwen grensen.' Lenz 1499.
— 6. schnabelförmig vorspringende Berghöhe, nur als
Flurn. L. ,Hänsli am grans.' XIU./XV., LWillis. Jahr-
zeitb. ,Ein halb juchart, lyt am suwgraus.' 1486,
LNeud. Jahrzeitb.
Mhd. yrant, Schnabel, Rüssel; Maul des Menschen, Schiffs-
schnabel. Zu 3 vgl. ffatw Sp. 371. Ähnliche Bedeutungs-
eutwicklung hat Schnorz, das in Bed. 1, 4, 5 syn. ist. Betr. die
Verflüchtigung des n s. Fr. Ztschr. 7, 33. 333. S. noch Uum.
grause" grase' BLenk, gränsen greine" WVisp:
1. die Nase ungehörig in Etw. stecken BLenk. Was
het er da inhi' z' gr.? sich einzumischen. — 2. (mit
Jmdm) gr., zanken WVisp. S. auch Gränse' II.
i entsteht leicht aus «, wenn dieses mit einem spitzen
Voc. zsstösst (s. Anm. zu 7« Bd I 534), und nanieutlich ist
CS die W MA., welche diesen Wechsel fleissig übt.
umha-: in fremde Häuser laufen, um zu plau-
dern W. — ÜS-: ausspotten, ausfoppen W; Syn. us-
ve.rieren.
Gränsel, Greusel m.: 1. gem. Portulak, port.
oleracea. DuRH. ,Burzelen, burgel. grensel, port. herba.'
KdGessner 1542; Fris.; Mal. ,Gränzel oder Porzel-
krut' 1710, ZZoll. Arzneib. — '2. (,Grensel') Gänse-
fingerkraut, pot. anser. Ddru.
Grcnscl, t/remel für 1 auch bei Dieff., Gloss. : wahrsch.
nach den keilförmigen Blättern. Zn 2 vgl. die folgenden WW.
Gränse" L Gränsi"g, Gränserich m.: 1. ,Grei-
zen, grosser Greiserich oder Keiserich, Hühnerfennich,
panicum crus galli.' Durh. — 2. ,kleiner Eeiserich,
wilder Fennich, pan. viride.' ebd. — 3. wisse Greise,
Steinsame, lithospermum arv. ÄAEtzgen. — 4. chliiie
Greise, Hundszahngras, cynodon dactylon AAKlingn.
— 5. Greise AAEhr., in AAEohrd. Greisi'g, Fuchs-
schwanzgras, alopecurus agr. — 6. gele Greise, Acker-
hahnenfuss, ran. arv. ÄAEtzgen. — 7. ,Grensing, Gän-
serich, Gänsefingerkraut, potentilla ans.' Durb. ,Grens-
ring, argentaria.' XV., Schw Arzneib. ; Syn. Silber-Krüt.
Mhd. ijnnnnc, Pflanzenn. Zu 1. Die Ähren sind stachlig
begrannt, weswegen die Pflanze auch , Grannich, Grannen-,
Stachelhirse, Igelgras' heisst, auch tir. ,Grense'; vgl. Grassm.,
Pflanzenn., S. 239 f. Zu 3. Die l'Hanze ist stark behaart.
Zu 4. Die Ahrchen sind denen von panicum c. galli ähnlich,
aber scharfgezähnt und gefingert. 5 ist wieder mit 4 einiger-
massen vwdt. 6 hat höckrige, igelstachlige Früchtchen ; schon
bei Nemnich findet sich übrigens .Grensing' für ran. fiamula;
viell. haben auch die vielfach eingeschnittenen Blätter den
Namen veranlasst; vgl. das Syn. Fideritsch und Bed. 7.
Zu 7. Die Pflanze mag ihren Namen den fingerspaltigen
Blättern verdanken und die Form ,Gänserich' auf Cmdeutung
beruhen; doch ist, zumal da schon ahd. einzeln ijenniuc vor-
kommt, eine selbständige Bildung ganz wohl denkbar; es
würde dieselbe auf die Vorstellung von der Gans zurückgehen
und als Vermittelung beider Vorstellungen die frz. Benennung
bec d'oie sich darbieten ; oder der Name bezöge sich darauf,
dass die Pflanze auf Gänseweiden wächst. Dem Ebinger 1438
(,Mempheus, grensing') dürfte ,nimphea' vorgelegen haben.
Gränse" n Greie BBe., Si., Greiie W — f.: Maul
von Menschen und Vieh (grob). Einem d' Gr. a'heiche
oder darhän, Wortwechsel mit ihm haben, ihn aus-
foppen, ausschimpfen ; Einem in d' Gr. schlä", ihn
durch Gegenrede zum Schweigen bringen. En beschi
[böse], goUlosi, wüesti Gr. W. We"' der Winter e
längi Gr. het, so het er och e längi Gaue, wenn er
früh anfängt, währt er auch lange BSi. (Schwzd.);
vgl. Sp. 762 vom , Grind' und ,Stil' des Winters.
Betr. die Formen vgl. die Anni. zu Gram und yransm.
Da sich, allerdings nur ein Mal, schon bei Maler die Form
.grauschen' findet, so ist viell. auch in den MAA. von B u. W
<f noch im vollen Stamme und eben in Folge der Börührung
mit dem n eingetreten, wie auch Franst, Mänse, hlunsen uaa.
ihre Nbff. mit I haben. Das W. selber erklärt sich viell.
als eine durch die Analogie der Synn. Gotche, Schitörre uaa.
bewirkte Umbildung aus Graiis.
Gränsli°g m.: Fischerkahn, EinbaumZlS.; in
St.*' von Gränsli, kleines Schiff, unterschieden.
Gränse s. Grenze.
a°-grünse": anlangen, zurückkehren, z. B. von
einer Reise, einem Ausgange ZZoll. (mehr nur scherz-
haft). — Viell. eig. mit dem , Grausen' ans Land stossen,
anlanden, oder dann zu Grenze.
gränsle": jammern ZKn.
Lässt sich ans '.■,.-„. irHr.i.n. .]"> h li,-t näher, es aus
ijrannen 4, (klageml I il.i^ Im i. l,i i . i i h. i, mit -(ija- und Dim.-
Endung abzuleitm. S|i|.'l Ii. I jini-.ii' als Erklärung
von r/rumwn, klag.ri. 1'.. .l,,M-i in / A./.,,, knirschen, von
Schuhen. Auch als Dim. vou ijra„i,.ii I Hesse sich unser
W. ansehen.
Grnnse f.: Bodensatz, Niederschlag, der beim
Buttersieden entsteht GT.
Vgl. zunächst das Syn. TriinKn; andere s. bei Fäule.
Viell. zu gnimacn, Krümchen klauben; vgl. dazu Gnimmkte,
Bodensatz in Flüssigkeiten; s. auch Griimli.
(iränschi n.; etw. Dünnes, Hageres, von Menschen
und Tieren, z. B. es Gränschi-Chüeli Uw.
Mit dem Syn. Kiinnchi zu ran, viell. mit Anlehnung an
die mit ij anlautenden Synn. ßramp, Gramjget.
grnensch: missfärbig, schlecht aussehend, von
Menschen und Tieren, z. B. eine weiss-rötliche Ziege
Uw. Auch SUbst. — Abi. vun ijrncn (s. yriien 4); vgl.
Gruene, Grueni, Grüenlin</.
grüen(t)schele", auch „grüntschele"", in BHa.
grietische", in Aa auch grüCeJnzele" : 1. — grüenelen 1
Aa; Bs; B; LE.; S; z.B. von schwarzem Stoff, der sich
seil— iri''""<t'l'- (iraiit
ri-Kiil.
1— S'"'i'
i8Ü
ciitlürbt. „D' Matte" griienlschelv scho', im Frühling
1,E.- — 2.=grüenekn 2. eLJ. ,Nacli uiigckochtcni
Kohl schmecken' B (Zyro).
grüen(t)schelig, inY^Hn. grimtschclig: 1. grün-
licli Bs; B; S. E gr-s Vögeli B; gr-i Mure" Bs. —
•2. nach Grünem, Ungekochtem schmeckend oder rie-
chend Bs; B; S. Gi'-e Kaff'e, von schlechtem, herbem,
verdorbenem Beigeschmack FMu.
Grüenschi n.: Wiesengrün, das frisch gemähte
Gras BBe.; Syn. Crrüens. — Übertragene Koseform, ähnlich
Hie KalUchi, Hiimtackt, Küe(n}t«<:hi u. A.
Granl— grünt.
granten : betteln nach Art der ,Grantener', welche
allerlei Krankheiten simulieren. Gannerspr. hei Gen-
GENB., Bettl. - Vgl. BsChr. III, .5.5(5 und s. uuscr Gamnii
Si). 338.
u n - g r i n t s. ungerimt.
Grnnte f. : 1. Pfütze, Wassertümpel, der nicht bald
austrocknet (in welchem Falle er Lachen heisst) Gh.
— 2. Vertiefung, aus welcher eine Quelle hervorbricht
GrD. (B.). — 3. Brunnenstuhe, welche die Quelle
ffleich beim Hervorsprudeln aufnimmt (die folgenden
heissen niemals Gr.) GkD. — 4. Quelle (It Tsch.). Er
hiid-.'^fhich bime ehalten Grimtji nider g'lan und ge-
tnihen GaKlost. — Nbf. zu Ghmtc (s. Gunlm Sp. 384).
(irüntele (PI.): Kartoffeln Gr. - Wühl von Cund.
vgl. Syu. (Irvml-Bu-. Bi.:tr. ( ; d vgl. BunUl (zu bindLil).
Mar-lii'iintsfhi (PI. -Grüntschcni): 1. Masslieb.
Gänseblümchen, bell. per. BR. — 2. grosse Wucher-
blume, chrys. leuc. BBe.
Mit der UiDi.-End. -».Äi (vgl. Kalbsvlii, Umiitnlü) stiitt
M:ii-tjriing<j-siH (vgl. Mar-Grümjijcli).
Granz- grunz.
Granz s. Gnnis. irranzen s. ranzen.
a(n)-graiize". -grunze"; , anknurren B; LE.; S" ;
Jmdn mit harten, rauhen Worten und übler Laune
anfahren, Einem unfreundlich und mit scheelem Ge-
sicht Etwas verweisen B: I,K.; S. DinI i/nuicl ilvr
Vtirsli 's Babi a", ^ass si ncs Tnic.li inlh" Im». Srnii h.
Es ist fraglich, oh <j stamiiilialt uimI uns. i \V. ^(.iint /n
fi'ntna (vgl. (jrantcn 2) gehöre, oder oh 7 Prüf, und das AV.
dann zu ranzen, renzcn, knurren, zu stellen sei.
,Gränzer m.: Knurrtopf B; LE.; S."
a"- grenz: angrenzend Zu.; Syn. an-grenzisch.
Grenze", in Ztw. Greme' f.: wie nhd. ,Inder-
halb der gestellten frontieren, grännitzen.' Vad. ,Was
sich bei uns zue'tragen in unserm Grenz [Gegrenz V]
bei alten Tagen.' HsRRebm. 1620. S. noch Gegni.
Die uihd. Form <jrenlzle), aus poln. ;irunkii, aucli noch
i» den Abschieden (v. J. 15'21 u. 1520). S. noch llrwiUzer.
grenzen: zsstossen, von Grenzlinien. .Ein teil, so
mit dem Burgund grenzet.' Würstisen. ,.\lle Christen,
Schweiz. Idiotüuu H.
SO ihme [Karl dem Gr.] am nächsten g'sessen und mit
ihme grenzetend.' RC'vs. ,Die Leute, die mit dem
Fisco [Reichsboden] gränzeten.' Beitk. Lauft'. 1739.
grünzig: grenzenlos [?] GrHc.
hart-: harte Grenzen, d.h. Seitenwände, habend,
von Gängen im Gestein. ,Die Klift in den alten Ze-
chen, so h. und schmal.' Gr Sammler 1800.
a"-grSnzisch: angrenzend ZZell.
grunze": 1. murrend klagen, Unzufriedenheit äus-
sern BG., oSi. — 2. „sauer schauen W;" scheel sehen.
— 3. blinzeln, nicht weit in die Ferne schauen können,
nach Art eines Kurzsichtigen W.
In Bed. 1 Intens, zu yrunnen. Zu 2 vgl. auch ynimmn
uud seine Sippe. Bed. 3, wenn ühh. hieher gehörig, erklärt
sich aus 2; doch vgl. auch ijrumaig II; die Gruudbed. wäre
dann : durch die halbgeöffneten Augenlider blickeu.
a"-: anfahren B (St."). — Vgl. ,anschnarcheu'.
Grünzli n. : Körnchen. ,Man soll die Hepfen [den
Rückstand nach der Destillation] auf einem Brett an
die Sonnen stellen: sein dann Alaungrünzle darunder,
so werden dieselbigen von der Sonnen erleuchtet und
scheinbar gemacht.' JJNüscueler 1008. — Vgl. (.'-Hint
und die Synu. Grus», Grütz.
grüenzlen s. grüenschelen.
Grap(p) — grup(p).
(iraiip (■iiicli «!■-) m.: 1. Krähe Bs. Der Land rt/gt
schrill ii's inr-iir Gr. lliM>KRM. — 2. (scherzh.) kleines
Kind 11-, /'" ll'iii.iir dr-e" hat no"'' d' Magd in 's
KiiKltriiriinli irr{Hi,U. IIinderm. Syn. Grägg; Krä.
1 auch Schwab, und eis. S. Gr. WB. V, '2066. Vwdt mit
.Kabe', ahd. hrabnn; oder geradezu Nbf. zu Hai)// mit An-
lehnung an die Synn. Gräijg, Gwägg. — i viell. = nhd. Krabbe.
grappen: krähen. ,Crocire, schreien wie ein rapp,
gr. oder kraxen.' Fris.; Mal. ,Gott allein erhalte die
jungen rappen, die zuo ihm schreiend oder grappend
aus mangel der speis.' LLav. 1582.
Grappel m.: Baum mit wirren Verzweigungen BE.;
Syn. Grippelen. — Viell. zu gmpplen (s. grajicn) i. S. v.
krabbeln.
gräpe", bezw. gröpe', in G oT. graupe", Dim.
gräple', bczw. gröpile", gräpfejle", bezw. gröpfejle", in
BBuru'd. iira/ijile", in AAPri.; Bs; S gropple', in BBrisl.
grijhli" : 1. hriuiii tasten, tappen; bes. mit den Händen
im l'iiistiTii l.l.ii Weg) suchen; betasten, allg. Syn.
hijirii: qnniiii'ii. i/rdiii jHii : Imiilrii. Vom sog. Flocci-
Ir-iui,,:' ]\\i,i,-n. i'l,f,n,lin .,"f„ht eso a'derTecki
intni.r ,/,„,,/,", ,,"/ ■. imwm, huuj ntit-em ZDätth; Syn.
sKi'rh.H. \\',,-H->,i> II, ii siiic Händlene im Hör nmine
gra/iii A\I\;i-t,il iS,ln\/,l.). J«'' lösch mi Ampele und
)■•■'' .^rhii 11111/, rlr. ijr,,)','. tiijie. Kg i's Bett. Essl. 1858.
Herdupfd 'ji-apc", mit den Kingern aus der Erde grübeln
Gr uV. ,Grapen, antasten, umbhin-grappen, attrectarc.
Manns cautus praeferre, mit den bänden hüpsclilicli
voranhin tappen, oder grapen und greifen, wenn man
nüt sieht' Fris.; Mal. ,Wann ein Wunden blutet, so
solle man gar nicht an die Wunden greifen, noch darin
groppen.' Würz 1634, neben ,graiipen'. ,Tapen, tasten,
gröpen, palpare, attrectare, tentare.' Red. 1662. Im Bes.
gräpele", sachte, liebkosend betasten. En Erzgröpcicr,
ein Caressierer der Mädchen. ,N. N. [Pfarrer] gräplet
dO
787
tirai». grep, griji. grop. giuii
die meitli; das git ärgerniss.' 1530, Z Syn.-Act. Es
gröpelet-mer im Mage', es [das Hungergefühl] krabbelt
mir im M. Th. — 2. herum krabbeln, gebückt, auf
allen Vieren gehen (mit schweren Schuhen herum treten
BsPratt.), kriechen, klettern Bs; BBurgd. ; LScnip.;
S; Tu; UwE.; ZAnd. Syn. müclüen. D' Graswürm
[Raupen] yräpid uf-em ühabis [Kohl], d' Lots [Läuse]
graped-em uf fZe" Chleidcre itmme UwE. Der Land-
jeger wird der seho" sage", wo me' lere Im'", imder
d' Better gropple! Bs (Schwzd.). Mache" und gräpe"
lat er 's, tind so wird 's eben es Landchind, g'simd und
rüch Z (Schwzd.). Die Pär Tag, wo 's eppe noch uf
Erde kroppAe mag. MEYER-Mer. Do isch er kropplet
um der Tisch uf alle Viere, ebd. Doch gaukelet 's
ivlters und unters, groblet uf alle Vieren und stellt si'''
wider uf d' Beinli. Hebfx. Hieher auch Grappeli-Bei''
in dem Kinderlied: Chumm und mach es Gümpli uf
mini Chneu, Gr.-Bei', bald chunnt 's Bäppli, viei!
Schwzd. 25, 11.
Mhd. (jräjxn, bair., käruth. tjrajjpdn, tir. ymhbeln. Vgl.
bes. ,krabbeln, krappein, kröpeln' bei Gr. WB. Eig. zwei
versch. Stämme, der eine mit langem, der andere mit kurzem
Voc. : vgl. ti-f/rtippcH, erhaschen, bei Gr. WB. Grundbed. das
Krümmen der Finger zum Greifen, vgl. ijmmpcn. ,Der ganze
Stamm [vgl. engl, tu ijralble, tu t/rupi] von Alters her einer
der am reichsten entwickelten.' Grimm. Vgl. noch die Anm.
zu yrUjjeu.
über-gr<äpe°: 1. refl. I"'' ha' mi"'' übergräpet,
übergriffen (so dass ich ein Überbein bekommen) Aa.
— 2. übergehen (eig. darüber hinweg kriechen), sich
darüber wegsetzen? fluchtig berühren? .Damit nit
von unsern Nachpurn, welche einer Eidgnossschaft
Misshandlungen [ungehörige, Terfehlte H.] ganz klär-
lich usstrychend, wenn wir selbs in unsren Chroncken
sölehs übergrapend, alsdann den erenritterliehen Hand-
lungen auch dhein Glauben beigemessen werde.' ISlii.
Zg Neujahrsbl. 1885.
a.''-kröpe': unbefugter Weise Gegenstände betasten
GKMal.; Syn. an-täpen.
„Gräpe" (auch -ö-), Dim. Grnpli: grober Aus-
druck für Hand LE.;" Syn. Tdpen, Klapen. Vgl.
auch Glären.
g'graplet s. g'gr.-ioll Bd 1 7SI.
graplig Bs, gröpelig Ai»; Z: krabblig. Es wird-
mer gr., der Hunger nagt mir im Magen Z ; ich fühle
Brechreiz Ap; es schwindelt mir Bs. Syn. g'krüselig;
kröpelig; grüblig.
Grappe-f.: Traubenkanmi Aa; BM.; Syn. Trappe.
— Frz. (jraplK, engl, yra/n:, hüll, knijtpf-. it. rjrajijK/lo.
Grippis-Grappis n.: ein Durcheinander, wie: ein
unleserliches Geschreibsel; Syn. Kritzis-Krätsis; Feh-
ler in der Strickarbeit Bs. — Zu ijrippen.
Grapple" BM., Gräppe" (PI.) BSi., Dim. Gräppi
(PI. Gräppeni) BE.; W, ChräppU Gr: Fusseisen mit
Spitzen, um auf dem Eise zu gehen; Syn. Träppli.
S. Fuess-isen Bd I 539.
lt. ympjm, Haken, Kralle, frz. ynqipln, Klettcreiscu ;
churw. (mit Metath.) cuqmUu, Fusseisen. Vgl. Gr. WB.
,Krappe' und ,Krapfe' und unser Grami>.
graupe" s. gräpen. Graupen s. Gräuben.
„Gränpi n.: eine Ader ganz unfruchtbaren Erd-
reiches in einem sonst guten Boden B." Syn. Greussi.
Es ist Wühl Dim. zu Gi-Uujk", Grüube', also eig. dürre,
schlackenartige Stelle.
fcrrpcj. E grepis Hals-
GSev.
lulg. Vb. abs-
GreiJji s. Gräbt.
gre'pi": von Krepp
tuech Nuw.
Gripp ni.: Dieb, Sehe
trahiert.
grippe» Aa; ßs; ,VOrte; Gl;" G; Th; „W;"
Ztw., grlpje" ScBwE.; Ndw, „Dim. jrrijjjje/e"" ; an sich
raifen, stehlen, heimlich wegnehmen, mausen. Syn.
ficken; zwacken. D' Franzose' händ anno 09 de' Neu-
hofere' d' Hördöpfel fast all usg'grippet [lierausgegrü-
belt] ; wenn d' Bure" d' Ächer scho' g'strücht händ,
''as-iner-s' nild sett finde' AAEhr. ,Das Gr. oder Stehlen
[des Lehenmanns] gicng gewöhnlich in der Frühe oder
bei dunkler Nacht vor sich.' Z Kai. 1805.
Das -!- viell. durcn Einwirkung des vwdteu cjrifen. Sonst
seheint das W. das frz. yripjjer zu sein, indem mehrfach bezeugt
ist, dass dasselbe gerade vom Plündern der frz. Invasions-
truppen gebraucht wurde; so auch in Bayern (s. Schni.-Fr.).
Indessen macht das syn. Intens, gripsen, welches neben gripjmi
steht wie grapsen neben grajipen (s. die Anm. zu gräpen), diesen
frz. Ursprung wieder zweifelhaft, so dass man versucht ist,
grippal (im Ablautsverh.) zu grap(p)cn zu stellen; vgl. auch
noch Grippix-Grappi« und Gr. WB. 5, '2326 ,krippen' i.
grippig: diebisch Tu.
Grippele" (-«- Bstw.) f.: 1. = Griggelen 5 Aa; Bs;
B; LE.; S. ,Brachia furcata arboris.' Id. B. D' Vögel
liaiied iri Nester i' d' Gr. I" der Gr. bhbt si [die am
Baum naschende Ziege] hange' LE. — 2. (Grippeli
Dim. B) = Griggelen 2. aaOO. , Welches ein Jeder
bei sich selbst wol merken mag, wann er den Unge-
namuiten an einem Finger oder ein Grippelen an der
Hand erlitten, wie zart ihm die neue Haut sei.' FWükz
lG3-i.
grippele": (unpers.) schwanken, unentschieden
sein Aa. — A'gl. griggeu.
a"-: mit einem oben gabelförmigen Stück Holz
stützen, ansperren Bs.
ver-grippelet: verästet.
gri]ipelig: von Bäumen, mit einer Grippelen ver-
sehen S.
Grippi = 's gäch Bluct Sp. 90. Ali'ina 180t>, 150;
lUiM. u. Schinz 1809, 403. Vgl. Angriff, sowie Greis.
Grippi
Grippi
s. Gr.-Grappis und Anm. zu grippen.
s. Grüblern II (Sp. 692).
Gropp m., tw. auch f.: 1. ein kleiner, grossköpfiger
Fisch, Kaulkopf, cottus gobio. allg. Het nid eso ne
Leckersbueb fi'J dem ufbiUzletc ?i[iiisilii mif-ciiu' Gr. e
ganzi Hampflc Schlamm Über (/" <nri,lisi," Schueh
g'worfe". Dietscu 1844. ,Der .yi"!'!" ■ ;;i"|'|"'- cottus
cobio.' XIV., G Handschr.
em gmeinen
groppen. Cottus sive gobio fluv. cap., ein gr.' Fiscub.
1563; ähnlich JLCvs. 1661, 98. ,Iteiu ein grundlen-
watt brucht man zun gropiien euch.' 1566, ZFischenzbr.
.[Beim Durchzug durch den Jordan] müesstend wir die
gröpplin syn.- KScumid 1579. ,Gobius, Gr., Grundel.'
Denzl. 1677. ,Der Gr-en sind zweierlei .Art, deren
die einten See-, die anderen Lindniattgr-en gcnennct
werden. Die S-en sind kleiner und weisser, die andern
grösser, schwärzer und köstlicher. Man fanget sie
mit Reuschen und Behren; auch werden viel mit dem
Groppeisen gestochen.' EEscher 1692. Vgl. den Flurn.
Groppach BHöchst. — 2. a) Kaulquappe, Kaulfrosch Gl;
789
Grap, orreii, giii.. grnii, si'"!'
'AO. Syn. Boss-Kopf, -Nagel. Vgl. den Flurn. Groppen-
mös (auch Grorjgenmös BDürrenr.). — b) fGröp) Kröte
GStat (Wegelin). — 3. Scheltn. für ein kleines Kind
G 1790, Stdt (Wegelin); SciiSt.; ZGlattf., für einen
kleinen Menschen übh. Ar; Gk; GO. ; Syn. Krott. —
4. vorn hoch, hinten ganz niedrig geladenes kleines
Fuder Heu Bs.
Mhd. yroiii-n; ahd. gro2>2io in Bed. 1. Vgl. noch Hartm. 1808,
5. 1 + 3. — 2 1) gehört viel), zu ijräpcn, kriechen; vgl. Täach.
., Bach-: perca fluv. minor L", Barsch.
Sc-: Neckn. der Anwohner des Bodensees (Sulger).
M'eyin dt' Bodese g'frürt, so werfed d' S-e" en HändscJie'
nf 's Is, und wenn 's e treu, so gönd si nohe. ,Die
S-en sterben nicht, sie ertrinken.' Sprww. 1824.
groppc" I: Kaulköpfe (Groppen) fangen, allg.
Dies geschieht t. zum Zeitvertreib von den Knaben,
welche sie am Ufer des Sees oder der Flüsse und
Bäche mit den Händen unter den Steinen hervor-
greifen, t. mit Netzen von Fischern, welche sie als
Köder für grosse Fische gebrauchen. Umnie (um-
enandj-r/r., aufs Geratcwuhl hcrumfi-ii-heu. Sn.r.ER.
Der Hanxel am B,ul, hiil Uihr .jint S„rh. hiil ,f/;srh,t
und 'yrnppct, laid iV lln.^r" m// ifscliaiiiuf. clni. .Xacli
dem Ufer groptc ein Fischer im Graii-li.' \c)Lksk.vi..
1S51. ,I)ass gar nienias hinliir iiaclits mit liechtern,
schöuben [Strohfackeln] micli sunst iiit solle gr.'
1520, Egli.
Gropper: Name einer Entenart (anas nyraca) auf
dem Bodensee; Syn. Schellente. Hartm. 1808. - Be-
nenuung vom eifrigen Fange der Oropjien.
Gröppcl: kleiner, dicker Kerl. Sprww. 1SG9. —
Vsl. Grojtp .?, eig. wohl = lliclilvnpf.
irope" m.: Baumwipfel G oT.
Grfiper 2.
Syn. Grotzen; vgl.
groppc" II BO.; W. -(7-BMad.: kauern, zsgeduckt
sitzen, hocken. Er ixl 'hlihm fir.. sit/.-n geblieben
(bildl.), .statt sich zu rcovu . llaii.l anzulegen BO.
Umme-gr., umher kricclicii, krankclml umherschlei-
chen; Syn. grüpen; vgl. audi gräpen 2.
(iroppi B, in BR. -ö- n.: Zwergbohne, phas. nanus.
Syn. Griiper.
Griip m. : 1. kleines Kind, das noch nicht gehen
kann; schwächliches Kind, Knirps, Zwerg übh. Bs;
ScH. Syn. Boden-Hock, Krott. Was will der arm Kr.
mit-ere Frau tue"? Spreng. — 2. (nur dim. Gnlpli,
in BHa. -%-) = Groppi B.
Grüpel Grubel m. : krüppelhafter Baum BE.
grupe" Aa; Bs; B; P; VÜRTE; Gl; Gr; G; S;
Ztw., gruppe- Bs; GSa.. Sev.; W, grübe" GrD.,
Glaris, grüpe" Bstw.; BR. ; (!i,tw,: Xi.u (w.; GW.;
Scnw tw., griihe' GLtw. - ■ IHiii. ijm im >h' : 1 (auch
refl. Aa; BR.; Gl; GWe.; Scinv) kaucni. limkni. sich
niederbeugen, sich ducken, in die Kniee gesunken
sein; .sedere super pedes.' Id. B; auch geduckt stehen
oder gehen. Syn. grüggen II, hüren: sieh schmuchen;
'tngen sin. Er grüpet de" fiavr Taii im Garte", um
zu jäten, zu setzen. Grüprlr: lliit. Wiim iii:in die
Hühner fangen will L. !>' Ihtnirr iimprlr ifn-ii '/a:
Kal. 1887. ßlüselistill im-ni^" J-j/i/rl, miir« ,/,•»,»■".
HoFST. ist;,-,. Uf-em Ofehiwhli grupel •')/- stn.illr. Inh-
gräuc Ma"". ebd. Uf-rm dfc" gnliir" ,1' Chiini \'V\i-
schläfrigen Kinder], Kuhn 1S11\' il/, |iim.i| l.r \„l.
tve"" me geng am gliche Ort gr. well, meinte die un-
beständige Dienstmagd. MWalden 1879. ,Die Bauern-
töchter grupeten im Garten oder fiselten ums Haus
herum.' Gotth. ,In einem alten Haus hat das Mum-
meli [Wassernixe] lang auf dem Ofen seinen Platz
gehabt, ist da g'gröpet und duldete Nmdn neben sich.'
LüT., Sag. ,Die geistlichen Spitzbuben gruppe geng
uf-ere [setzen der Kranken zu], bis sie sie getötet
hätten.' Gotth. ,Üder wärest du mit deiner Kühe zu-
frieden, wann sie etwa 3 oder 4 Stund in der Wochen
im Gras grupete, wurde aber Nichts wiederkäuen und
gäbe folglich keine Milch.' SLütz 1732. — 2. einen
Knix machen BHk.; LE.; Syn. es Jümpferli machen
(welches übertr. auch von Hühnern gebraucht wird).
— 3. kriechen, wie kleine Kinder, die noch nicht
gehen können; mühsam gehen, wie alte oder leidende
Personen Bs; Gl; „Aa; B; VOrte; S; W." Syn.
schnäggen; gräpen; müchlen; vgl. bes. umme-grüpen.
— 4. Kälte leiden, vor Frost schauern; vor Frost sicli
zskauern, frösteln GrD., uVatz ; L. Syn. grüggen ; Mü-
deren: milderen. — 5. kränkeln, unwohl sein; bes.
iiisi.fcin ili.'- iliua ]i ^tillcs Herumsitzen, Niederge-
.rlil.iuvnlh II, iihir, Aii~..'licn, leises Klagen usw. sich
ausser! \\; r.^; 1,; iii>.; S; Onw. Öppis z' gr. ha",
unv
sühn ti.ai-ci, .,,1 scIia'lkM.'ii iiii.l -nihlirii mi.l iiihl.T-t.iii
von mir zu zuchen ihr muoterlicii guot.' c. l:')2ii. Gko.
Zu der Form c/ntjiqKn vgl. grojijieH II. Neben der Kr-
weichung rimhm Gr ist im Mundo von Hirten uocli die Form
mit )} liczfiifrt. Eine vereinzelte Angal)e aus LStadt Ijietct
für ;/,,./,.„ ii.i.li iVw lir.l. tasten, also = </m/«m. Vgl. die
Syiui. Hill. I.,iii>.„. frz. .■,<,:i/,lr. x'ac-cnmpir, engl, tn rrrep.
Auftallriid ist, wie li.-i .jriiprii u. ,ia., das Auslileibcn der
Vorsehiebuiig; doch vgl. auch G riipf nnd Kmpf, welche zur
gleichen Wz. gehören, die sich auch im it. ijnipjm, gmppn,
cig. etwas Zusammengeballtes, Klumpen, findet.
ab-, abe"-: uiederkaucrn Bs ; B; Scilw; Obw, z.B.
von der Heiiin': sieli nul ilie Kirr nie.lerlassen. —
umme"-, uiiienainl ( c r )- = iiiiiiiuii-ijniiiiien Kk; Bs;
Gl; Gr; Schw; S; Xdw; Z. Kr [der nicht rocht Ge-
sunde] grüpet de" gans Winter scho' eso umme". Dass
die Ziege krank i.st. erkennt man an der G'schwijllni
und am Vmmeriirüjir" GuPr, (Schwzd.). — i"-: sicli
ducken, in di.' K'nie.- -inlveii; auch bildl., klein bei-
geben, den Aliit Zinn Widerstand verlieren B; vgl. .«ic/i
tüpen. We"" d' Muäcr ro" Sterbe" gliört, so Zell druf,
die (irüpet i" W"^ lät-di''' mache", was d' witt. Gottu.
.Wenn man seiligen Leuten nur ein paar Mal An-
schicksmänner sende, so grupen sie gleich ein und es
sei Feiri;ilieiid mit ihrem Kuraschi.' ebd. E junge,
starlr r.iiis.h snif nit scho" i. am A'fang vo" .slr
[seinei| L.iiifhiiii BM. — nider- GSev., sich nider-
BHk.: = grupen 1. — z'sämmo"-: sich zu-
ducken Z.
f.: Vertiefung, Bodensenkung LSchüpfh.
grnpc"
•up
Gl
Grüper (bezw. Grüher; Grupper) m. : 1. Grüperli,
kauerndes Kind UwE. ; Grüherli, kleines, leicht frieren-
des Geschöpf GnPr. — 2. junges, struppiges Tännchen
mit vevwnrreuen Ästen Gr. Syn. BitscMc; Buder;
Grill :r: Tsihnnr: vgl. Grnpen. — 3. (bes. Dim., mit
lln,i.l-:rl,.: (innih'Fi^il : >.',,...././.,■ /< , ^J n'-h
rllh,
Zn
Graji-grap. Grapf— grupf. Graps -giups. Grapsch— grnpscli. (iras— grus
meist auch eine gröbere Spec. des Gewächses be-
zeichnet.
Ofe-'-Griiper: Ofenhocker U.
Stube"-: Stubenhocker Ndw.
Grüpcre" f. = Grüper 3 Scnw. Sj-n. Hockeren.
Grüpetc" f.: 1. ilas Kauern. — 2. Klumpen,
Knäuel B. z. B. von jungen Spinnen. Vgl. Hock,
Kiiüpen.
Grüpi ni.: ein Kauernder Uw, ein Kränkelnder
AAFri.
Grüpi AaF.; B; Okw, Grüpi AaF.; Vw - ii.:
1. das Niederkauern (der Kinder) L; Knix (Gntjidii
BBrisl.; L. Es Grüpeli mache". — 2. (GiTij,ii Kh.u-
niatismus im Hals, Nackenstarre AaF.; B. — •'.. (Gn'ijii)
vorübergehendes, zeitw. auch epidemisches Unwohlsein,
Unpässlichkeit (wie Husten, Schnupfen usw.) AaP. ;
Vw; Syn. Ducht. Der Dokter häd z'erst g'meint, es
slg e.so-nes Gr., keine eigentliche Krankheit L. — Alle
Bcdd. ergeben sich aus dem Vb. grüprii.
„grüpig: 1. kauernd. — 2. kriechend. — •'!. krän-
kelnd."
,gruplige", semisedens.' Id. B; „grüpUgen, mit
unterschlagenen Beinen B; LE."
Grüpli°g m.: kauernde Figur, kleines, hockendes
Wesen, Kind; „kleiner Frosch" B; Schwächling Bs
(Spreng). Gr. vf den Arme". JRWyss. Sjn. Grüpf.
— Ofe"-: Ofenhocker Th (Pap.).
Gruppe" W, Gruppe" Grü. — f.: Hinterteil,
Kreuz der Pferde, auch des Rindviehs; Sjn. Hupjyen.
,Eine Katze, die dem Vieh auf's Kreuz oder die Gruppe
springt.' W Sag. — Nhd. ,Krupi)e', frz. cmupc, it. t/iopjin.
Griippel ni. : kleiner Mann, Zwerg GnEh. — Wahr-
sclieinlii-h das nhd. Knippcl. Vgl. Onijjpd.
Grnpf Gl; Scnw. Grüpf Sch; Z, Grüpft Ar —
Dini. Grüpfi GA., sonst Grüpf ßßi: 1. (in.) Knirps,
klein gebliebenes, verwachsenes Personchen (verächt-
lich) Ap; Gl; Suuw; Z; bes. auch zu Kindern gesagt,
launig oder im Unmut. Von Mädchen gebraucht ist
dann auch das Fem. gebräuchlich Z. Schwig, dumme
Gi-'iijif: Srii (Schwzd.). Gerste, dii chline Gr.! sagt
.1.1- l.'nLi-vii. Benennung eines vorwitzigen Mädchens
GA.. . in, ,, l,M.^,.n Kindes Scii; Syn. Giriz. — 2. (ii.) un-
ansclinliches, im Wachstum zurückgebliebenes Obst Bs.
Vgl. Grnj, u. Gropj, und die Synn. Krvfl, Krüft; Krupßi,
Krujifii, sowie bair. krüpfen, sich kriinimen, ducken. Über
die etymolog. Zugehörigkeit zu .Kropf vgl. Or. WB. 5. 2:W8.
Über pf vgl. hupfen neben hopjwn , ijmpfni nelien ytKip/mi.
graps: nur in der beim .Bläppertlispiel' Bs, oder
beim Gripselen (Spiel mit Bohnen oder Knöpfen) B
gebrauchten ab 1. Formel: grlps yraps grawäps (auch:
grabaps ZW., grahelachs B) Bs; B; Z.
Vgl. das fast identische Ablautsspiel .rips raps machen',
stehlen, und henneb. t/ripa-graps, mit raschen Griffen.
grapse": mausen, entwenden Bs.
Syn. gripsen, wozu es abl. gebildet ist. Bair. •ji-n/ixihiii.
henneb. grapsen, hastig greifen.
grips(e)le": mit Bohnen spielen B; Z.
Dim. zu gripmi, wegnehmen. "Vgl. die beim Neunstein
gebräuchliche RA., mit der man dem Gegner einen Stein
r.iubt: Zu, : „ml l,;„-,hr ,„.«/ ,llr Vhw!
gripse" Bs; „VOrte;" Gr; UwE. (auch chripse")-
heimlich entwenden, stehlen. Synn. grippen, von dem
es Intensivbildung; ficken. .Schlöhncn nennt man das
Stehlen im Eheintal, mücklen im Toggenburg, mausen
in Graubünden, gripsen heisst man es anderwärts und
betrachtets als ein Werk der Gelenkigkeit.' KSteiger
1840.
G r i p s e r : Einer, der heimlich entwendet, Mauser Gr.
Grops. gropsen s. Gorps.
(Jripschli n.: Weideplatz, der durch Pclspartiee
unterbrochen, zerrissen ist ScinvE. — Vidi, rfitornr
Ursprungs; vgl. churw. ijrijtp, Fels; gri/ijm«, felsig.
Grüpschi n.: zwei oder mehrere an einander häi
gende Frösche ScnwE. Syn. Gmtschi, — Etwa Pii
von Grü]} zu grüpen, hocken, wie llr.rki: zu hnrl.-pii.
Gras(s) — grus(s).
Gras, in Ar; G; Tu tw. Gros — PI. Gre'ser — n.:
1. wie nhd., doch die grünen Kräuter der Wiesen übh.,
da die Gräser (Gramineen) spec. Schmalen heissen.
Im Gr. laufe", im Freien weiden ZS. im Gegs. zur
Stallfütterung. Feissts Gr., um die Sennhütten herum
gewachsonr-, fottes Futter GrD. ; Syn. Fatsch; vgl.
,gramen faliTiini. tri,4 Gr.' Denzl. 1677; 1710. Es
wott kei's irf.^/i Juri" chö", kein Gräschen (auch Ge-
treide) will sprie.sauii (bei unfruchtbarem Wetter oder
schlechtem Samen), allg. RAA., Bauernregeln: Früeh
Gr., früeh Heu L. Wenn 's im Maie vil Gr. hed,
sott-mcn e Cime vercliaufe" Ar. D's Chind tvaxt teie
Gr. BBe. Es ist ke Grehli .so clill', es ist e Nutze*
d.Jn L (Ineichen). Er ist-ere" i' 's Herz ine' g'waclise",
wie e Chucdreek i" 's Gr., ist ihr fest ans Herz ge-
wachsen Ap. Bis doch nit es Gre'sli und glaub im 's,
sei doch nicht so dumm, ihm das zu glauben BAarb.
Kei' Gras under de' Fiiesse lä" wachse", schnell gehen,
eilen, sich sputen, rastlos tätig sein. allg. ,D's Gr.
linder de Füesse la wachse", lentum esse.' Id. B. Lose',
wie d's Gr. wachst, auf dem Felde schlafen (scherzh.) ;
sich (im Gras) aufs Ohr legen Gr. — 2. Weide für das
Vieh Obw; Abteilung, einzelner ,Stafel' einer mehr-
teiligen, zsgehörigen Alp BHa. Die Alp N. häd dri
Gräser, ebd. ,Zu herpstzyten von des h. Cruz tag hin
in den gräseren soll jeder den anderen syn rechten,
alten tränkweg lassen faren und tränken.' c. 1540, Gl.
In Ap bisweilen (bes. von Hirten) auch eine bestimmte
Einzäunung Gras auf dem Felde zum Abweiden: jr'*
ha" zwe Greser z' etze". — 3. = Kue-Essen Bd I 526
Ar; GRh. .Einige Alpen sind in Stösse oder Gräser
abgeteilt.' Gem. Ar. ,Man verlehnt die Alpen nach
Gräsern, ein Stoss heisst hier ein Gras.' Steinm. 1804.
.Von derowegen, die sy in denen Alpen mit vech über-
trybent und mer daryn tätend, dann sy gras oder recht
da bettend.' 1504, Zellw., Urk. ,Es sollen auch die
Alpen folgendorgestalt besetzt werden: nämlich eine
Kuh wie von Alters her ein Gras, ein geschobenes
Rind ein Gr., zwei ungeschehene Rindlein ein Gr.,
drei Kälblein ein Gr.' 1669, Hof Kriess. ,N. N. hat
793
Gras, gres,
arros, grus
794
9 neue und alte Gräser an sich gezogen." 1772, GOber-
rieil (Absch.). — 4. Unkraut auf dem Acker, im Wein-
berg L ; GMarb. ; Z Wl. Vgl. den Ortsn. Grasreben ZHed.
Der Uml. in Gras zu TCrgleichen dem in Äschen, Flaschen,
Tiisihen, w/ischai durch Einfliiss der Spirans, viell. auch des r;
vgl. auch t/är. — Zu 1 : Oresli kann wohl bed. ein junger
Grashalm, der emporspriesst, als Bild naseweisen, unreifen
Jugendverstandes. Vgl. (/rasig, unreif, und ,grUn', unerfahren.
Adel-: 1. Alpenrispengras, poa alpina BO. —
2. Alpenwegerich, plantago alpina Bü. ,Das beste
Gra.s, das d's Chueli frass, ist Mutterne [lig. mutellina]
un'' A.' BSi. Syn. Nadelgras; Romeien.
Alche"-: Riedgras; spitze Schmalen BSi. — Statt
S,fl,hcn-Gr. s. Salchen.
Ämd-, Änd-: Grummetgras, zweites Heugras Aa;
Z. Vgl. Ämäd.
Ente"-: Flussrispengras, poa fluitans (üurh.).
In Wassergräben wachsend, wohin auch die Knten zu
gehen pflegen ; viell. aber auch so benannt, weil die Kinder
aus den Halmen dieser Rispe ein ,Ento' benanntes, schwim-
mendes Spielzeug flechten. S. das folg. W.
Eseli-: Sumpfbinse, carex ca'rulea GRPr.
Möglicherweise von dem unter Estl ? // (Bd I 5 IG) ge-
n.iunten Spielzeug Escii.
Ise"-: 1. steifes Borstengras, nardus stricta B; L;
Syn. Fachs. — 2. Quecke, triticum rcpcns Aa. — Bc-
npuniing beider Pflanzen von der Zähigkeit der Halme.
^V^, eil.. Weidegras für das Vieh auf den Alpen.
V. mieten, Weidgeld bezahlen müssen Gr."
reder(e")-: gemeiner Windhalm, agrostis (apera)
spica venti Aa.
Benennung von der busch- oder federartigen Rispe; vgl.
die Synn. ,Ackerstraussgras, Fnchs(schwanz)' ; it. pennacchino.
Füdle-: Alpen rispengras, poa alpina G oT. Syn.
Fatsch, Gemsgras. — Vgl. die Bezeichnung FadMieu für
das .'ihnliche Unkraut poa annua.
Vogel-: Vogelmiere, stellaria media. Hegetschw.
Syn. Hiiener-Gr.; frz. herhe ä l'oüeau. — Falche"-
= Falchen Bd I 798 ZB.. 0. — Vor-. .Item im Cha-
wi'n jFlurn.] han ich den giinzon sununer 4 hoiit ge-
Inm, darzuc das v." GSa. ir,:',l. Strickl. Vgl. lkrhst-(ir.
Land färb-: Bandgras, phalaris arundinacea picta
oder foliis variegatis G.
Die der Länge nach grün und weiss gestreiften Blätter
dieses in Gärten gezogenen Ziergrases entsprechen der Landes-
farbe von G. Vgl. die Synn. Um-, Brut-, ,Jud<-, Tiir/jyiscli-Gr.
Flecht-: Quecke, trit. rep. Gr.
Syn. Schniierligras. Die lange kriechende Wurzel einem
ficflfcht oder einer Schnur verglichen.
Flöh-G, Flöh- S: Perlgras, melica nutans oder
Iniza media. Syn. Wenteh-Gr.; Lüse-Seekli.
Das Charakteristisohe der Pflanze, die eirunden, nickenden
Ahrdiou, sind den betr. Tierchen verglichen.
Plueh-: Seslerie, sesleria ccer. LE. - Wächst an
Felsen (Flühenl.
Flätter- = Feder-Gr. Aa. — Von der losen, flattern-
den Rispe.
Jungfrauen-, Junipfere-: kahles Bruchkraut, her-
niaria glabra (Durh.). Syn. .Jungfrauentrost' (schles.).
— Gern seh-: wahrsch. = Adehjras, poa alp. Sciiw.
Vgl. auch Füdk-Gr.
Geisle"-: gem. Knaulgras, dact. glom. G oBh.
Syn. Pflegel-, Zottelhalme', Zötleligras. — Die Ährclien
dieses Grases sind Peitsi'henschmitzen (-Zotteln) verglichen.
Haber-: Wiesenhafer, avena prat. u. pub. GRh.;
Syn. tcilde Haber. — Gold-Haber-: gelblicher Hafer,
Goldhafer, avena flav. B. — Halme"- L, Halm- ü:
1. hoher Glatt- oder Wiesenhafer, franz. Raygras, av.
elat. s. arrhenatherum elat. L. — 2. = Adelgras, poa
alp. U; Syn. Heusehmalen.
Holz-: wildes Waldgras, das i'irmere Leute nach
dem Waldrechte mähen durften Tu. — //ofe = Wald.
Hüener- = Vogel-Gr. Hegetschw. Syn. Henni-
Danii. — Hunds-: 1. = Geislen-Gr. B; GnChur. —
2. Quecke, trit. rep. B. ,Hundgras: gras, das die hund
essend, sich ze purgieren damit; canaria; herba canis,
herbe au chien.' KdGessn. 1542. — Hung-: 1. wohl-
riechendes Ruchgras, anthox. oder. Hegetschw. —
2. = Geislen-Gr. Sch; Tu. - 3.iTofieldie, tof. calyc. GoT.
Her(r)e°-: 1. = Landfarbgr. G; Z. — 2. Herren-
gräser, solche Alpen, welche der Landesobrigkeit zu-
fielen Ar It Steinm. 1804. .Einige Alpen [in Ap] sind
Nationalgut und heissen H. Der Landammann kann
sie vorlehnen.' Kronpels 182G.
1 so benannt, weil urspr. nur in Gärten wohlhabender
Leute gesehen. Vgl. den ebenfalls stolzen Namcu Brut-gr.
Herbst-: das dritte Gras, das nach der Grummet-
ernte wäclist; nur in den allerbesten Jahren (wie z.B.
1834 und iNi;:,) auch noch abgeschnitten und gedörrt,
sonst als Viehweidi- benutzt, allg. &yn. Herhst-Weid.
,Gleiche bewantnuss hat es .mit den alpen, weiden,
gräser und herbstgräs, wann der eigentumsherr ein
alp, weid, gräser oder herbstatzung einem verlasste,
der fallit würde.' Ap LB. 1585. ,Das Herbstgräs, so
nach der Segis [Sense] wachst.' 1650, Ap Urk.
Herd-: gem. Kammgras, cynosurus crist. B. —
Dies Gras wächst in fetten (herditjcnj Wiesen.
Hase"-: Wiesenzittergras, Hasenbrod, briza nied.B.
Jude"- = Landfarbgr. G oRh.
Die Juden trugen im Mittelalter ein gelbes Abzeichen,
wovon viell. das weissgelb gestreifte Gras benannt sein mag.
Jät-: gejätetes Unkraut aus Äckern, welches ge-
waschen als Viehfutter dient Z. Pas Wasser des
Jonenbaches sei ,zum Waschen des Jätgrases' den Be-
wohnern von Loo unentbehrlich und sie auf dasselbe
beschränkt. Z Hi'ilitsi.ll. - Chüe- = Gros,? Ar.
.Alpen, weiden nii^l kii.'i^raser in denen küerijchten-
alpen [sollen nicht ausser Landes verkauft oder ver-
erbt werden].' Ai> LB. l-">85/1828. ,Jeder Alpmeister
soll 5 Kuegräser zu Jjohn haben.' Steinm. 1804.
Cholbe"-: Wiesenlieschgras, phleum prat. L. —
Von dir walzenförmigen Rispenähre.
Chi.rbli- = Hasengr. GG., Rh., We. Syn. Mül-
Kiirlili. Kriittli. — Die Ährchen lassen sich mit dem Fleoht-
werk eines Körbchens vergleichen.
Chatze°- = Geislengr. B. - - C li n o 1 1 e " - = (?cis-
lengr. GWe.
Chnopf- GWe., sonst Chnöpfli-: l. = Geislengr.
G; Z. — 2. avena elatior (spec. precatoria) oder trit.
repens, welche eine gewisse Ähnlichkeit haben B;
L; Z. — 3. Pipau, crepis (Sulger).
Zu 1 vgl. die Anni. zu Geislengr., ferner den schrift-
deutschen N. .Knaulgras' und das lat. ghmerata. Zu '2, wo
eig. das von den Bauern gehasste .\ckerunkraut av. jirec.
mit seinen zahlreichen, scheibenförmig auf einander liegenden
Wurzelknöllchen das Ursprüngliche nnd Richtige ist, vgl. die
Synn, llrifi-. Ilmli-, KrnVcn-Gms, -Würz, NiMcrli. Trit. vep.
795
firas, gres, gtis, gros, grus
790
hat ein schnüriges, sich weit verbreitendes Wnrzelwerk, aber
ohne Knollen: Syn. SchnüerUgran ; Flartech. 3 hat sonst gar
keine Ähnlichkeit mit 1 und 2 und ist somit unsicher.
Chralle"-, Chrälleli- Gras: 1.= CAnojj/V/r., Pater-
nostergras, av. elat. prec. Aa; Sch; Tu; Z. — 2. Quecke,
trit. rep., auch arrlieiiatherum bulb. Aä; Tn. — Vgl.
die Anm. zu Chnopf-Gr.
Krüseli-: jähriger Knaul, scler. ann.; auch: Mast-
kraut, sag. proc. (Durh.). — Der Stengel von scler. ann.
ist mit .krausen' Haaren besetzt.
Lülch-: Lolch, lol. perenne. Z Naturf. Ges. 17G4.
Leiter-: 1. Lolch, lol. perenne GWe. — 2. (Lei-
terligr.J, Becherblume, poteriura sanguisorba äa.
Beide Pflanzen zeigen, 1 in der Stellung der Spelze, 2 in
den gefiederten Blättern, Leiterform. Vgl. noch Leitcrli-Krut.
Laut sch-: Quecke, triticum rep. s. agropyrura
rep. Aa. — S. die Anm. zu Chnopf-Gr. Läutsch, Hündin:
s. das Syn. Hundn-Ilr.
Maucli-: Honiggräser GMarb. — M.,„.i:. Wollgras.
Me'ieli-: Ackerehrenpreis, ver. arv. AAEhr. —
McuJi, Maria.
Mer- = Landfarbgr. Nnw; Z.
Die Pflanze wird damit als eine auf dem Meerwoge im-
portierte dargestellt; vgl. TiU-i/gisch-Or.
Messerli-: Riedgras, Segge, carex. (Durh.). Syn.
Schnld-, Schnitt-Gr. — An den scharfen Blättern dieser
Pflanzen schneidet man sicll leicht.
Nadel-: Alpen wcgetritt, plant, alp. (Hcgetschw.).
Syn. Adelgr.
Es scheint eine durch die Form der Blätter begünstigte
Umdeutuug vorzuliegen, obwohl das n der beiden WW. ein
verschiedenes ist.
Nüne"-: gem. Schilfrohr, phragm. com. ZKüml., W.
Nüsterli- = Chnopfgras 3. kath. Aa. - Xiisi.rli,
Kugeln des Roscnkr.auzes.
Natur-: im Gegs. zu Pflanzgras, gcsäetem Gr.
,Er nahm lieber ein Klafter N.. dessen Same ihn nichts
kostete, als drei Klafter Pflanz(en)gras, zu dem er den
Samen hätte kaufen müssen.' Gotth. — Bände li- =
Lnndfarhgr. Aa; Gr; Scii; U; Z.
Bürstcli-: grüne Segge, carex glauca GWe. —
Die Ährehen haben ,Borsten'.
Bgseli-: Eepskohl, brassica napus. (Durh.). Syn.
Beseli-Reps.
Etwa weil die dürren Stengel besenartige Gestalt haben.
Vgl. Be«e", wegwerfende Benennung von ausgefressenem Kohl.
(Eied-)B6se"-: molinia cierulea U; Z.
Büseli-: Wollgras, eriophorum ZZoll. — BiiatH,
Flocke; Kätzchen.
Pöschli- = Hundsgv. ZBenk.
Büschli- (Durh.). Bütschli- Z: jähriges Rispen-
gras, poa annua. — Der ganze Pflanzenstock wächst büschel-
förmig.
Bett(l)i- (bisw. auch Bettiringli-) = Chnopfgr. 2
Aa; Ap; L. - nm(l)i, die Kugeln des Paternosters.
Pfife"- = Bexengr. Z. — Die starken, starren Halme
werden zum Reinigen der Pfeifen benutzt.
Pflanz (e")- s. Nntur-Gr. - Blätter-: kraut-
artige Gräser SThierst.
Brut- = Lamlfarh-Gr. Gr. - Churw. .,/.„ ,h ./.««...
S. auch Ucrrcn^U,:
Rai- B; Sch; Th; Z, Re- Aa; ScHwKüsn.: Ray-
gras, arrhenath. oder loliura perenne.
Die beiden Formen t. durch die Schreibung, t. durch
die Ausspr. des engl, rat/yratt» bestimmt,
R abinen-, Rabis-: Easenschraiele, ai'ra ccsp.
.Gramen ravisum und gramen Rabinum, zu teutsch
R. und E. genannt, die weil es von den Hirten vor das
Meister-Gras, d. i. das beste und edelste vor allen
andern Gräsern, gehalten wird.' Tabf.rn. 1664. —
Rüebli-: Mohrrübe, daucus car., und zwar die in
trocknen Wiesen wild wachsende AAStig.
Rech-: Hundswindhalm, agrostis can. B (Durh.).
In Eiuöden wachsend, vom Hausvieh nicht gisucht, ,darum
dem Reh (Keck) überlassen'?
Betti-Eingli- = Betti-Gr. kath. Aa.
Rusch-: Taumelloch, lolium temul. L. - Syn.
Trüwmel; vgl. frz. ivraie, kerhe d'ivrof/ne.
Riet-: I.Wollgras, eriophorum „VOrte; Gl.' —
2. Segge, carex U.
Sc-: 1. = Landfarb-Gr. G. — 2. steife Segge,
carex stricta ScHwMa.; carex brizoides Sch.
2 so benannt, weil es als Ersatz des eig. Seegrases (zu
Polsterfülluug usw.) dient.
Sü-, Söi-: Vogelknöterich, polyg. avic. Aa. —
Side"-: Wollgras, eriophorum TnMamm.
Sücke"- = dem Vor. Gr. — Wächst in Sumpflwden.
Sad-r", Pfütze.
Sür-: spitze Segge, carex acuta B. — S.aure firäser
sind im Allg. .alle Sumpfgräser.
Sät-: Quecke, trit. rep. B. - Im S. v. Saatunkraut.
Schaf-: Scharfgarbe, achillea mill. ,Nimm Gar-
ben oder Schafgrasbluemen.' ZZoll. Arzneib. 1710. —
Schaftele-: Schaftheu, equis. Ndw.
Schätzli-: Wiesenrispengras, poa prat. Aa. —
Sein Halm dient als Licbesorakel; s. Rochh.. .\K. l~?..
Schli(ch)-: 1. am Boden schleichendes, feines
Gras, welches in den Wiesen dem rechten Grase nur
hinderlich ist ZZoll. — 2. Quecke, trit. rep. ,1 Hand
voll Sehnürgraswurzeln (Schleichgras).' Arzneib. 1556.
,Schleichgras.' JJFrey 1825. — So geheissen, weil die
Wurzeln wie lange Schnüre da liegen.
Schluhi- = Fatsch 1 (Bd 1 1140) BBe. - Schluie«,
Knöterich, polygonum.
Schi ei k-: spitzige Segge, carex acuta. (Durh.). —
Wahrsch. von der kriechenden Wurzel. Schkilien = schleppen.
Schleipfe"-: auf dem Boden hinkriechende Gras-
art ScHSt. ; niederes, wucherndes Unkraut TnStcckb.
Vgl. Schllch-Gr.
Schlirp-: 1. übh. Gras, welches auf dem Boden
kriecht ScnSt.; Z. — 2. Windhalm, agrostis spica
venti Z; auch Quecke, trit. rep. ScnSt. — Sehlirjimr.
schleppend treten.
Schliss-: 1. das feinste Gras in den Wiesen Ap.
Vgl. Schlich-Gi: — 2. Knaulgras, dactylis glom. G uBh.
— 3. = Landfarb-Gr. G. — Schlmen = gleiten.
Schmale-: molinia coer. Aa. — Sch nid-: \. = Mes-
serli-Gr. Z. — 2. = Landfarb-Gr. G. — Schnner-,
Schnüer(li)-: Quecke, trit. rep. oder agropyrum Aa;
Sch; vgl. auch Knopf- und Schlich-Gr. — Schnitt-
= Schnld-Gr. (Durh.).
Spalt-, Siiält- (Durh.): allg. Name für Seggen,
Riedgräser, carex. Syn. Spalt. — Die Angabe poa prat.
für SchwMa. ist zu bezweifeln.
(iras, gres, gris, gros, gii
Siiiess-: Quecke, trit. rep. ScuwG. Vgl. Spitz-Gr.
— Spitz-: niedrige Gramineen übh., ganz tes. aber
jäliriges Rispengras, poa annua. allfr. S. auch imch
'Fnt.'ich I3d I 1140.
iSprattel-: eine Art Knötcricli, pulyijimiini Zlionk.
Sj,nutd bedeutet so viel als Fl„rz, vou «/,i(i((, Hach aus-
gebreitet; denn diese l'llauze ßarixt oder wuchert.
Sprätt-: ein wucherndes Unkraut Bs; poa annua
Aa. S. das Vor.
Stüber-: Knaulgras, dact. gloni. G oT. — Vom
auffiilligou ,Stieben' des Blütenstaubes zur Zeit der Blüte.
Stei"-: sesleria cojrul. Scuwlb., Ma.; U. — Wächst
au Kelsen.
Ustage-: Prühlingsgras Ndw.
Tenn-: Knöterich, polyg. avic. ,Wegdritt, weg-
gras, denngras: polygonum mas.' KdGessn. 1542.
In deutsehen Botanikbüehern finden sich die Schreibungen
,Tennengr.' und , Dehngras'. Tatsache ist, dass diese Pflanze
(Wäjirifte) auf hartgetretenem Boden, ja auf und bei Dresch-
tennen wächst; die Benennung könnte aber auch von dehnen,
nihd. dennen, hergeleitet werden, da der Knöterich sich aus-
breitet, wuchert; vgl. frz. jiolijijont traimtssi-.
Türggisch- = Lantlfarb-Gr. GuT.
Dass diese Zierpflanze exotisch ist, kann kaum bezweifelt
werden ; ob sie gerade ans der Türkei stamme, bleibt dahin
gestellt. Übrigens könnte auch hier wieder (vgl. JuJcn-Gr.)
an den (zweifarbigen) Turban der Türken gedacht werden.
Weg-: Knöterich, polygonum; Syn. Wcg-lrcten,
-tritt. ,Calligonon, herba quse et polygonoii dicitur:
W. oder wegtritt' Fris.; Mal. Ebenso JJNüscii. 1608
und Denzl. 1G77; 1716. ,Das W. (Wegtritt), so auf
der Erden fladeret' Spleiss 1667. — Wulle"-: breit-
blättriges Wollgras, erioph. lat. GWe.; Scn; ScuwG.;
Ndw; U. Syn. Büseli-, Side-Gr. — Wild-: Alpen-
rispengras, poa alpina LW. Vgl. Adel-, Gems-Gr.
Welsch- = Landfarh-Gr. G. - Vgl. die Aum. zu
Tur,j,jtKh-Ü r.
Wäntcle- = Fluh-Gi: L; GKli., T.
Wisswurze"-: (juecke, trit. rep. ZWäd. Syn.
Wins-Wurz. — Die weisse Wurzel dieser Pflanze war unter
dem Namen Glaswurzel (rad. graniinis) officincll.
Wis-: schlechtes Gras im Gegs. zum ,feissten-
Ai'K. — Fl» in ApK. sumpfiger Boden.
Wusch (i)- = Besen-Gr. GaChur. - Zu ».(«./»«,
mit dem Besen kehren.
Zehli- = Knopf-Gr. 2 (Durh.). — Die Wurzel-
knöllchen mit kleinen Zehen verglichen.
Zeigel-: gem. Schilf, plirai,nnites comm. AALeiign.
Aus diesem Schilf ina.lilni .li, AI- Schüler früher Ä-Zj/c/,
Stabchen zum Zeifeu li.iin I,, . nln-Mn.
Zötteli- = GcUkn-Gi: U.
Zweck- AAEhr., Zwick- Bs: Quecke, trit. rep.
Verhält sich zu Quenk, Qttirk wie zmri-h zu r/ucr, Zwtlaiht
zu t^uetHchc.
grase", in Ar; GEh., We.; Tu gräsi
Gras fressen, weiden GnObS. : Ndw;
GWe. 's lieb Vechli graset im Snmmr
— '2. Gras holen für den unmitt.llMir
mit der Sense, auch mit der Sich, |. iL-
Gegs. mäjen, zum Heuen mühen. Ui^t <
frage an einen Mähenden B; Z. Wer ii
nit S (Schild). ,Wann dann die Ein-.
soll darinnen zu grasen, zu mäyen miI
1. wie nhd.,
Boss graset
Mrnz'ls:!,;.
Sichel oder Sägessen darein zu gehen, gänzlichen ver-
botten sein.' B_Forstordn. 1725. Auch bildl. = raufen,
zupfen, zausen. ,Lasst ihm Einer in dem Bart gr.,
so tut man ihm bald gar auf das Maul.' Mey. Hort.
1677; 1692. - 3. Unkraut jäten ZWl.; vgl. Gras 4.
— 4. das Vieh weiden lassen L. S. noch u. Atzing 3
Bd 1 62.5.
ab-: 1. das Gras völlig abmähen Aa. — 2. ab-
sterben S. — 2 wohl bildl. von 1 in neutr. Anwendung :
Er hüd ah'fjraset.
Über-: ühermähen, d. h. zur Stallfütterung statt
zum Heuen eine Wiese nach und nach abmähen B; Z.
, Mancher Bauer musste den halben Hof ü.' Gütth.
,Er übergrasete nicht gern den ganzen Hof im Sommer.'
B Kai. 1842. — 1°-: zur Grün-, Stallfütterung ab-
mähen ß; F; li (Ine"-) ; Ndw. ,F(i}no horno jumenta
pascere ante tVcnisecium.' Id. B. ,Wenn ich Alles ein-
grase, so habe ich im Winter Nichts.' Gottu. ,Von
dem Eingrasen des Sommerfutters für das Vieh wusste
man [1671 in LNeud.] Nichts.' Esterm. 1875. .Ver-
mittelst des Eingrasens der Wiesen (Gegs. Abweiden).'
Gr Samml. 1780. ,In tiefern Ländern hat man ange-
fangen, das Vieh das ganze Jahr hindurch im Stalle
zu füttern, da man das Gras zu gelegener Zeit immer-
fort aliiuiihct iiinl dojn Viehe vorleget, oder nach all-
hiesigem \u^'llll^kc liiueingraset.' XSchnyder 178'2. —
er-: durcliprügclii Z uA. S. auch bei eri/oHcw Sp. 494.
Syn. erjätlen, erhaberen. — ver-: sich mit Unkraut
bedecken, 's Land ist vergraset und d' Bäum voll
U'zifer Aa (Schwzd.). Hyn. vmvuesten. — be-(reH.):
1. weiden. <Tras fressen, sich satt grasen. .Welche
kuo sich nit in dei «cid \k will, wenn es [das Weiden |
vor sich f,'eht, deren ~"11 man das ömbd verbieten',
Sprichw. 151!', 1! |illei, ,l>ie weidenden wider be-
grasend sich in den alpen.- 1531, Jes. — 2. (bildl.)
sich bereichern. .Iije u«ern, so im feld gsyn, habend
sich derrnass begraset, dass sy, ob glychwol inen kein
besoldung wurde, Schadens halb nit sind.' 1530, Auscu.
,N. N. hatte sich in der Lothringischen Guardi zu
Nanse begraset.' 1586, Lauf., Beitr.
grashaft: grasreich. ,Die Berg siml gr. und
weidreich.' JLCys. 1661.
grasig, „gräsig: 1. fruchtbar an Gras. En gräsige
Bode' LE." — '-'. unreit, noch grün (vom Obst) Gl;
Syn. grasgrüen. — „guet-: gutes Gras hervorbrin-
gend LE."
Grasi"g f.: Inbegriff' d. Graswuchses, Grasgewinns.
gräsele". gn-'xcle". in liuVv. grnsele" : 1. a) ..nach
frischem Grase rierlien,- 1,| einen ( Ira -u-isrliniack
haben (von der Milchi, «,i. Iie,. im l-'iiililiiej- l'cim
er.steuGras stattlimlet Ae; (inl'r. ; /.. Sui. -//»o/c/,/,.
Vgl.: ,11 faut une liuitaiue de jours pour changcr le
lait de foin en lait d'herbes fraiches, bis es gräselige
Milch gibt, comme nos vachers s'expriment.' Zellw.
1737. — 2. refl. = sich begrasen 2 [?]. ,Ouch ander
Ordcnslüt habend sich alhie ingflickt und sich alhic
gresslet zue irem Nutz, der armen Burgerschaft aber
ziie Xacliteil und Schaden.' Kueger 1606.
(irasane" f.: eine saftige, geschätzte Tafelbirne Z.
l'].'. .jr.iss.fic, eine Feigenart, von >/i<i«, fett; vgl. Jiniicr-,
Aiücul-Uir.
Grassele" f.: 1. Latte, um eiin_. beseiidere Art Zaun
(Grassele-Hag) auf den Aliien zu niaclicn Seinv. Hiezu
799
Gras, gres, gris, gr
GmsseK, Hof LV. ~ 2. (bildl.) langes, hageres Weibs-
bild Siiiw. Syii. Stagelen. — Abi. vou mhd. uud noch
bair. yrais u., Baumspiosso ; vgl. noch unser Grclzcn u. Orolzen.
Grasse" f.: 1. Aussehen, Miene, von Mensehen und
Dingen, i! tvüesti Gr. mache'. Auch prägn.: De''
wacht e Gr., der hat ein auffallendes Äussere. Das
Hüs macht e Gr., ist auffällig durch seine Missgestalt
Tu; Z. — 2. (PI.) Gr. mache', Grimassen schneiden
ZFlurl.
Vergleicht mau die frz. KAA. : i7 a honne gräce, es steht
ihm gut an (auch iron.), ü u mauvaiee gräce, es steht ihm
schlecht an, sowie faire des gräcet, sich zieren, so scheint
Herleitung unseres Wortes von gräce in dieser besondern
Anwendung nicht schwierig zu sein; Tgl. engL/atuttr in der
Bed. Aussehen, Antlitz; ill-favoured, hässlich.
grasse": weinerlich tun, um Etwas zu erzwingen
BSi. Syn. äken. — Mhd. grüßen, sich ungestüm geberdcu,
klagen; got. gritan, weinen.
grausen s. griimsen.
Gresatz: als Münzsorte in einem L Spiel. 1002, Gfd.
Grcssling 1 s. Kr-.
Gressling II m. ,Ein rogel, gr. genennt, mit einem
grüenen rugken, in der grosse eines linken.' Vogelb.
1557.
Zu diesem im Vogelb. unter ,GrUnling, Grünfink, chloris'
gestellten Vogel vgl. bei Schni.-Fr. I 1010: Greaael, Grad,
fringilla linaria; wonach das W. eig. wohl GräsUng (gespr.
Gri'aWg), von Gras abgeleitet wäre. S. noch Kreealing.
Greis Uw; U (auch -ss), Greisi Uw — n.: 1. akute
Krankheit des Rindviehes, die plötzlichen Tod herbei-
führt, Folge schnellen Überganges von magerer Füt-
terung zu fetter Weide, oder auch in Folge grosser
Hitze. Syn. Brand; An-griff; Plag. Vgl. noch Alpina
1800, S. 150. — 2. sagenhaftes, viehmordendes Un-
geheuer auf der Alp Surenen. Bekommt das A'ieh den
unter 1 beschriebenen apoplektischen Anfall, so sagen
die Hirten: 's Gr. häcl's g'schlage'.
Viell. das mhd. gereiße n., Aufregung, Aufruhr, Angriff,
liefecht; dann würde der Ausdruck sich an die synn. An-
griff, Grippi anlehnen. Oder Abi. von nsen, fallen, was auch
von Krankwerden gebraucht wird (frz. lomber malade); vgl.
das mhd. hettcrise, bettlägerig, und der ifeee"d Stein, ebenfalls
eiue gefürchlete Viehkrankheit; Grein würde danach den plötz-
lichen und masseuhaften (ge-) Hinfall des Viehs bezeichnen :
vgl. lat. labet. Oder es könnte sogar eine euphem. Benennung
statt Vn-Greis (St. 2, 269) sein, da bösartige Krankheiten
entweder gar nicht od. als das Gegenteil benannt werden; vgl.
.Eumeniden' statt ,Erinnyen' ; ,Gutschlag' ; vergueten (Sp. 556).
Über die Sage s. Gem.'u 117; Rochh. 18.56, 2, 15/7 und
bes. Lüt. Sagen S. 326 ff.
Greise", Greiserich, Greising s. Grens-.
greusse" s. gruinsen.
..Greussi = Greupi B."
Wenn wir der St."schen Schreibung als wirkliche Ausspr.
Grümi unterschieben dürfen, so liegt hier ein Üim. zu Grüns
(Grün II) und eine Nbf. zu ffiike vor. Vgl. noch ffiie»»
und bair. Greusn, terra sicca, cinerea.
gris, in GrV. griss, in GnPr. grisch': grau (Wolle.
Schafe u. Ä.); alt. D' Grische, die graue Kuh GRRh.
Syn. Grdtci. 's Graue [Kalb] schlöt der Grische no'''
[der alten Kuh].' SrRww. 1824. ,Ich will mich lassen
wysen die jungen und die grysen.' Gletting 1557.
,Verlän myn alte wyse, darin ich bin worden gryse.'
ebd. , Klein, gross, jung, gryss und alten sagend Gott
ewig lob.' XVI., Lied. ,Lier Wolf wird zwar grisser,
aber nicht besser.' Sylloge B 1070. .[Bäume], drun-
der etlich gris und alt' JCWeissenb. 1678.
Mhd. grii (frz. gria, it. tpinu und grigio). Zum Ausl. vgl.
Mies mit den Nbff. Miese und Mieneh, sowie die Auni. zu /«
Bd I 534. Wie nach und nach das W. dem Verstäudniss
entschwand, beweist z.B. der jetzt und schon 1796 Griem-
inann lautende Häusern, in Z, nach Urk. 1538 aber: ,das
haus zum Grysen Mann.'
rot-: rotgrau, von einem Pferde ZReg. (r.-gries).
,Die Luzerner Schweinrace ist gewöhnlich küllet, d. h.
weiss und schwarz gefleckt, sehen rotgriss (rot mit
vermischten weissen Borsten).' Alp. 1827.
Gris I, Griso BO. (Zyro) — m.: 1. (PI. Grise')
Greis BO.; FO.; „Mann mit grauen Haaren B; L."
,Wiewol ich bin ein alter gryss.' T. VL. ,Myn wyb
ist wyser weder ir, des künigs alte grysen [die Räte].'
Aal 1549. ,Gryss, senex.' Mal. ,Noch gönnt er im
selbs nit die speis, mit rüeben b'hilft sich der alt
greis.- TiERB. 15ö3. Hieher auch der patron. gebildete
Ürtsn. Grisi'gen L; vgl. ,Heini Grisinger.' 1483, Obw,
und den Geschlechtsn. Grisenmann c. 1330 ZAlbisr.
(Stiftsurk.). — 2. Griss, graulich gefärbtes Tier; Syn.
Grisel. a) Grauschimmel Aä; Bs; B; VOrte; Gl;Gr;
GW.; ZUst. ,Ein alter griss und schlyffersesel.' Ruef
1538. Hieher oder zu 1 : ,Diser alte Griss, diser alte
Leib der Sünden, wird in dem Sünder getödet, wie
Paulus sagt.' AKlingl. 1088. Vgl. noch Gramen. —
b) Kuh, weiss und schwarz gefleckt UwE.; vgL Grislen.
— c) (Grisch) graue Ziege BSi. — 3. Griss B; GrVs
Bs, Zeug, dessen Zettel von Hanf, ^er Einschlag von
blauer Baumwolle ist; als Sniimi.r«. i kt.(Lr>kleidung
bei den Landleuten beliebt, t-^wi. Gri.^il.
In Griss haben wir, verglichen mit der tiruudfurra gris,
Verkürzung des Voc. sowie Verschärfung des auslautenden s.
Hiefür und wegen Griseh vgl. die Anni. zum Adj. — 3 viell.
unmittelbar aus dem frz. Syn. gris (grisetle) entlehnt.
Grisel m.: 1. Grauschimmel Gr; ZKn. — '2. graues
Rind GRPr. — 3. graue Ziege BSi. — 4. = Gris 13 Bs.
Von gm wie Ratel von rot. Zur Kürzung scheint hier
wie bei den nächstfolgenden WW. Anlehnung an das tw.
syn. Riscl mitgewirkt zu haben.
grisel: von gemischter Farbe, weiss und schwarz
durch einander GRKübl. (Serardi).
grise", grisse': 1. (durch den grauen Nebel)
schneien. Syn. grislen, grischen II, gräwen, griicen.
Es hat durch die Geifetsch gegrisset; so es wilds Griw
gig'e; dun Bodii gigräut. W Monatsschr. 1863. — 2. mit
Grau untermischen, grau färben; nur im Ptc. Perf.
'griset Gl; Zg, 'grisset Gl; L; GA.; SchwMuo., grau-
lich, mit Grau vermischt (Haare, Zeuge) Gl; L; me-
liert, buntfarbig, gesprenkelt; gestreift Gl; GA. ; Schw;
Zg. E grissete Länder [Weste] SchwMuo. - Tir. gnset.
Grisle" f.: grauweissc Kuh; auch Kuh mit ver-
schiedenen kleinen Flecken GrD., Pr.
Grisler S, Grisli"g Aa — m.: Reben- od. Trauben-
sorte. Grisliger-Öpfel, Borsdorfer Bs.
Von der graulichen Farbe oder viell. zu ICisel, ge-rislet,
gesprenkelt; vgl. Musler, gefleckte Traubeusorte.
(g')grislet Aa; GrD., KübL; GW.; ZWyla,
(g')grisslet „B;" Gl; Gr; „L;" Uw; W (gigrisslot):
graulich, mit Grau durchsetzt Aa; „B; L"; von ge-
mischter Farbe, schwarz und weiss durch einander
(bes. von den Haaren) Gr; GW.; Ndw. Gesprenkelt,
yul üras, gros, gl
geflockt (bes. weiss und schwarz) Aa; Gk; UwE.;
ZWyla. JE grau mit schwarz grisslete Bock Gn. Weiss
oder grau getupft, gestreift, punktiert Gl; Ndw; W.
gri.s licht: weiss und grau oder weiss und schwarz
gemischt Gr.
Gris II s. Krls.
Gi'iseda, Grisedi: Eeseda, reseda oder. GT.
Uas vurgesclilaguue 0- vidi, durch Aulehnung an yris,
gnuilicli. Die BiUten sehen allerdings weiss und braun ge-
sprenkelt aus.
Grisimus s. Grill.
Gries n., in GRÜbS.; L m.: 1. grobkörniger Sand,
Kies Th; U (auch Griens); W. Syn. Grien 1. ,Wann
[denn] Gott den gerechten nie geliess, ob er das
schitt'lin sinken Hess etwan nach [nahezu] bis uf den
griess, berüert doch nie den grund.' 1444, Volkslied.
,.\n gestaden, buchen, im gr. und sand.' Vogelb. 1557.
, Arena, sabulum, sand, gr. Calculosus, yoU gr., stein-
ächtig. Glarea, gr., d. i. steinächtig sand am gstad
der wasseren, kiss.- Fris.; Mal.; Denzl. 1677; 1716.
.Durch die wulkenbrüch gond die wasser an, brechend
aus und verfüerend die felder mit gr., steinen, standen
und stücken.' LLav. 1582. — 2. Geschiebe, ange-
schwemmte Schuttmasse und in dieser Weise ange-
spültes Land Tu ; U ; W ; Syn. Grien 2. Vgl. : ,Dorsum,
ein kleiner bühel, von griess oder grossem sand ge-
sammlet, wenn's meer an oder ab lauft.' Fris. In
dieser Bed. noch in manchen Flurnn., z. B. Griess
ScuRüdl.; Tgl.: ,Uf das Undergriess nidsich ab in das
Fischergesslin, am Bhyn.' Eüeger 1606. Im Gries,
Quartier von Ai-Heris.; Acker ZEegenst. 's Gr., Bucht
einer Bachinündung TuDiess. Gr., hinterste Sennhütte
am Fussc des Gletschers [wo also Gletscherschutt]
lUjadmental. Gricslidch BSumisw.; ScuHemm., Gries-
ijralicH ZWeiach; Gricstal USchächciital. Auch Gries-
iiMHH Geschleclitsn. 1460 L. Abgel. der Name des auf
einer Anschwemmung des Rheins liegenden G Dorfes
.Kriesseren' (Chriessere), auch .Griesseren' geschrie-
ben, Doppelformen wie in Griess- und Kresgraben
BEüegsau. — 3. Blasenstein; Syn. Grien 3. .Arenosa
urina, harn voll griess oder steinlinen.' Fris. ,Das
Gries oder der Stein in Nieren.' JJNüsch. 1608. ,Gr.
und Stein der Blater.' ECvs. — 4. grobgeschrotetes
Mehl, in der Mitte zwischen Backmehl und Kleie Bs
(Spreng); Gr; Ndw; Z; Syn. Sü"-Mel. ,Gr. heisst man
im Glarnerland nicht, wie anderswo, eine Art feiner
Grütze, sondern die schlechteste Sorte Mehl (,Kauch-
niehl'), die nur noch dem Grusch (den Kleien) vorgeht,
und ordentlicher Weise nicht als Menschenspeise, son-
dern zum J'utter der Schweine und des Federviehs
dient.' Armenwes. Gl 1813. ,Item für das krusche
und das griese, so von myner Herren brot etwenn vor
zyten gefallen ist, soll myner Herren kaiumrer den
luisgenossen geben 11 pf.' XV., Z (Oti'n.). ,Darvon das
grob Griz (Gries)... Das zarte Griess.' Spleiss 1667.
— Mhd. ijricß m. und n. in allen Bedd.
Haber-: Hafergrütze L; Z.
Mer-, Türgge"-: gemeiner Steinsame, Perlkraut,
lithüspermum otf. (Durh.); Syn. Mer-Hirs.
Die Samennüsschen dieser Pflanze sind glatt und weiss-
glänzend wie Perlon; nihd. mergricß, Perle, inargarita; vgl.
diu frz. Namen 7iei-6e (semcnce) aux jicrle». Bemerkenswert
ist. dass diese NUsscheu früher häufig gegen Stoinscbmerzen
(O'ries 3) angewendet wurden.
Schweiz. Idiotikon IL
riese": Gries 4 machen, grob, körnig mahlen,
Müller, 's Chrüsch gr., Gries aus der Kleie ge-
Gr; S; Ndw. ,In Kucksicht auf die gegen-
wärtige Teurung ist für einmal das Gr. allen Müllern
verboten; demzufolg sie die Frucht nur einzügig aber
nicht roh durchmalen und die übrige Beutel ohne
Weiters abschaffen sollen.' Z Müllerordn. 1770. Bildl:
Jmden gr. lä", ihn machen, gewähren lassen, seinem
Tun keinen Wert beilegen Gl. User Vorväter sind
für si selber g'si" und händ die Hoche gr. lu". Gl
Volksgespr. Lass du d's Wib noch e chli gr. ; es
chunnt schu" wider züe-n-em selber, ebd. ,Unser batron
sprach [bei drohendem Schiffbruch]: ir heren und bil-
ger, erapfelend üch Gott! es ist nüt anders dann der
tod; darum bychtend und tüeg jeder, das er truw zu
griesend [was er sich gleichsam zu malen, d. i. übh.
vorzunehmen getraut].' Stockar 1519.
Mhd. (jriiOin, kleiu iiiulilen. Das (Jriesai bezeichnete
wühl urspr. da- Mihh li i ^i.^-ii drs Hafers zu üriitze,
eine inderli/' ' ,'1 m M : i! iiende, fast tägliche
.Arbeit; dalu i i •■ il \ :l.;_ uiii so leichter. Eine
ähnliche Begiill.-.ulitUHp'uiit; ..Ho'i .'..i,._,i.
Griese" f., Griesi (n.V): 1. tclssi Gr., Ackerrettig,
raphanus raphan. B. — 2. geh, Ackersenf, sinapis
arv. B. - Vgl. Mer-Griea.
Griesse" s. Giessen Sp. 47u.
Ell-Griesli n.: fabelhaftes Tirr, etwa wi.> ein
Wiesel oder litis gedacht Aa : ZI!., W. ]:\ h.V ilcr
Glatt »lä^* so ril Grabe; ico '^ l-:is,inr.l, ,' Mnnji iiit.
Freie Stimmen 1852. 's E. fang,", ,;n ncki..!,, s Spiel,
womit man, bes. nach der Arbeit des Dresclieiis, Un-
erfahrene zum Besten hält. Der Einfältige muss bei
bes. kalter Witterung im Freien einen olfeneii Sack
halten, während die An.lein sieli eiitreriieii. aii-eljli.li
um ihm die E. zuzuja-eii, in .ler Tat al>ei. m,, ihn
auf seinem Tosten im Xordwiiid stellen und Iriereii
zu lassen und nachher auszulachen. Oder man schickt
den Leichtgläubigen auch in mondheller Nacht vor
die Haustüre, zu warten, bis die E. heran kommen.
Vgl. die ilhnl. RAA.: Mu Eim d<-r (Hl.,- j.,.,." IM I Hol
und Schwab. ,den (T)elpentrötsch faugeir uiel um- v PiII-
daiqKn fühen, ferBer Elljen-, Il/xn-, Ulli«,,-. 11,,1,,,-r, „i~, h.
AusfiihrüHiH^ t.oi Yilm. Id. S. IIW. Cr Mitli \ ] -.1 tl. tülui,
den ( i--tiii Tril (I, - W. aiit 'li.' ,1'M- II ri''" 'uiiek. Nach
bedeuten, welche ebenfalls als elbiselie Wesen gedacht sein
könnten. Dass beim Fang der E. au jagdbare Tiere gedacht
wurde, ist unzweifelhaft. Nach Yilni. aaO. bedeuten ,lline-
tritschen' wilde Enten; für unser Wort dürfen wir, zumal
für den zweiten Bestandteil, herbeiziehen das ahd. rrimjricß,
auch mit der Var. eUijriu, eine Habicht- oder Sperberart.
Es mögen noch die manigfaltigen Formen für .Iltis' Bd I 17'J
und für .Eidechs.' ebd. 94, sowie bei Gr. WB. ,Ebendeis'
und , Eibkatze', beide in der Bed. Iltis, verglichen werden.
ell-griesle° Aa; Z, els-grie.'isle'' ZNer.: 1. das
unter Ell-Griesli beschriebene neckische Spiel treiben.
— 2. (unpers.) es ellgrieslet, der Schnee glitzert im
Mondschein ZHegn., Wang.
Gross m.: kleine Silbermünze, das nhd. Groschen;
„Halbbatzen. " ,Über 14 Gross oder 1 Fr. bis 1 Fr.
20 Ct.' W Monatsschr. 1864. ,Er [der Schuldner] mag
euch wereu [bezahlen] einen grossen für 18 pf. alter
[Münz].' 1351, Z (Lauf. Beitr.). ,Ein beheinisch gross
für 17 haller.- 1421, Absch. ,Den weiblen 4 grossen.'
803
Gras, grcs, gris, gros, grus
1505, B (ülo.). ,1 kröne = 50 gross; 1 liukaten = 51 gr.'
1521, Aiiscii. ,Die kröne zu 53 gross.' 1528, ebd. ,Dio
fyn mark siHicr tunf 205 gross.' 1531, ebd. ,30 gr.iss,
das i.st i:. -rli^yznl.atzen.' ThPlatt. 1572. .Z.lirn
Gross.' li l;.l.-Siit/.. lil-JS. S. noch u. Fform Bd I 12nT;
vgl. auch Dicken.
Mhd. ijroase, aus mlat. (denariun) grossus, ,Dicki)femiig'.
Auch it. ijrvmo, frz. jros in gleicher Beil. S. noch Groschen.
„Grössler ra.: Scheid- und Silbermünze, z.B. ein
Drei-ßr., Stück von 3 Halbbatzen, Fünf -Gr., von
5 Halbbatzen W."
gross, Sui>. gröit. allg., grauss (gräuit) GRPr. f;
GSa., grüss GRObS.; Ndw (= sehr gross); USil. : wie
nhd. 1. von Personen, a) äusscrlich von der Statur:
en grosse G-aläri Z. Gr. und ung'schickt sind gern hi-n-
enand Aa. 's Gr. [langgewachsene Leute] ist alhveg
en Ell fül ScH. S. unter Gül Sp. 219. ,In dyn hals
lügst, als gr. du bist!' SBikk 1532. Daher auch die
Unterscheidung von kleinen und grossen Personen der
selben Familie durch die betr. Epitheta : De'' gr., de'
chli^ Meier u. ä., oder Auszeichnung eines Einzelnen,
z. B. de'' gr. Dolder, ein durch seine Grösse und Stärke
bekannter Raufbold. XVlIl., ZMeil., und so ist auch
der Geschlechtsn. Gross zu erklären, z. B. ,Henmann
Gr.' 1387, Bs; vgl. frz. Legrand, sowie das syn. Gross-
mann. — b) vom Lebensalter: erwaclisen. E Grosses,
eine erwachsene Person. Öni Stöss [schwere Er-
fahrung] wird Niemer gr. L. Ir teerde nötno [nach
und nach] gröser und z'letst gros. Allem. 1843, 47.
Liebi Buebe", lönd die gr-e" Mensche" zangge", aber
ir miiend Fride ha'. GWolp. E Gr-es mache* und
sogar e Gr-es gä", stä", von kleinen Kindern, die man
stehen oder gehen lehren will = wie ein Erwachsener
sich anstellen; mach e Gr-es! sagt die Mutter zum
Kindlein; auch dini. und gelegentlich ohne Art., ge-
wissermassen adv. : r/rövsWi mache usw. L; Sch; „Zg;"
Z. Der Gross, ■]'■!■ all.-t.' s..hn, die Gr., die älteste
Tochter der Fatnili''. alb. .1//" Grösse, mein ältester
Sohn. Hebel. tJcu'^^ Kim. S. u. u.f/iüfirlrn Sp. 159.
Biese Benenniini^vn lilrilini anrh. wnn narlihcr der
Jüngste den Alt. •>trii an Knv^.rv\:,u-:- K^a W .ai.aii über-
ragt. Ganz be.s. taii.l bis auf .Ib' ii..'ue-tc /.rit diese
Differenzierung Anwendung bei der früher üblichen
Sitte, unter einer grössern Kinderschaar je zweien den
gleichen Taufnamen zu geben, daher dann Namen wie
Gross-, Chli-Jokeb, -Jogg, Gr.-, Chli-Änni und schon
in ä. Lit. : Gross-, Chlin-Hans, -Heini u. a. ; auch hievon
bildeten sich wieder Zunamen: 's Grosse", 's ChUne".
Eine ähnliche Stellung etwa unter der Burschenschaft
des Dorfes, wie der Älteste unter seinen Brüdern,
scheint in ZKn. im Auf unseres Jhdts der Sohn des
Gemeinilcainiiiaiins oiiiuaiiniiiiiien zu haben, wenn er
parcxi.'ll-ii.a' ,/, Cm. ,j, iiaiiiit wurde (Wolf, Dreierw.).
Die MaihM. ilr^ \\l. \riM]iliien, dass die ,grossen
Bettler' wcggeliilut wri.l.n. Man vgl. noch bei den
Eömern viaior, iiuixiiiiiis nuihii und den Eigennamen
Maximus. Bildl. : ( '' Ui" ,l,ss," itnl (jr., bin der Sache
nicht gewachsen, getraue mir nicht, darf es nicht
wagen BHa. — c) schwanger Ap; B; U; W. Syn.
dick. Wo-n-i [als ich] zum eltesten Buch bin grosses
g'sm BR.; grosse Libs Ap; U; W. \ gl. gross träge' d,
trächtig. ,Frowen, die gross kindes warent.' Etterlin
1507. ,Si gieug gr. mit mir.' c. 1520, B (Gfo.). ,Dass
etliche frowen schwanger kamend, die gr. mit den
kinden giengeud.' Edlib. , Helena, die gr. was mit
einem kind.' Ziely 1521. ,üo ist die brüt gr. und
tViss worden.' UMey. 1540/73. ,Ventrem perferre, mit
ili'iii kind gon, gr. zum kind oder schwanger sein.'
l'itis. \'gl. die Synn. frz. grosse, it. grossa, und bei
UMey. 1540/73: ,Er hat wol gesechcn, dass dem
meitlin der buch ufgieng und anfieng gross werden.'
— d) in geistigem S. : bedeutend, angesehen, mächtig,
reich; hoch, stolz. De" Gr., si''' gr. mache', sich
brüsten, gross tun. allg. Gr. dra' si', prahlhansig,
hochmütig sein G. Der Franz, der stat nit grosse da;
er zittret uf de' Beine', a's tät-me' uf-ne" scMä: Obw
Volksfr. 1880. S. u. geb Sp. 68. Chlein «"* gr. an
Eppem sin, durch Bitten und Vorstellungen in Jmden
dringen BR.; eig. wohl: es mit sanften und starken
Worten versuchen. .Ich bitt mengklichen, dass wir uns
nit durch unser gr. machen verfüerind.' ThFrickaut
1470. ,Du sollt [einen mit einem Beinbruch Behafteten]
nicht zu frühe widerum aufstellen und gross Mann
sein [lassen], eher dann er erstarket seie.' Würz 1634.
, Tuest schon gr. und vil dich machen, sind doch Nichts
all deine Sachen.' JCWeissesb. 1678. S. noch u. Hans.
Die Grosse', die durch Vermögen und sociale Stellung
Hervorragenden, allg. Die Gr-e' g'seht-me' gar wlt
laufe». Wie 's die Gr-e' mache', so mache' 's die Chllne
[im Moralischen] S. Die Gr-e' richte' d' Suppen a"
und die Chlme" müend si usesse'. Wenn die Gr-e*
z'sämme'händ, müend die Chline', was si wend L.
[An der Gräuflete] wird z'erst usgfötzelet der Gross
[coli.] und druf usgfänzelet d' sidig Schöss [Schürze]
ScHw (Schwzd.). Die Gr-e', die obere Ordnig [Ab-
teilung] in der Klasse Bs. Ellipt. nannte das Volk den
Gross weibel Herr Gross U; Z-)-. ,Comme ä Romont,
Montagny et Morat, la ville d'Estavayer devait fournir
un habit au grand-sautier, appole vulgairemcnt herr-
gross.' KuENLiN 1832. — 2. von Sachen, bzw. Dimen-
sion, Mass, Volumen. E gr-es Här, langes und dichtes
Haupthaar. De" Samichlaus häd de' grvst Cliopf Z
Kinderspruch, 's gr. Hüs, das Irrenhaus Gl. Weist,
tver meint? Die im gr-e H.; vgl. die sprw. RA.:
d' Ndre iiieine'd. Über de' gr. Bach, nach Amerika;
vgl GüUcn Sp. 222 u. Gumpen Sp. 316. ,Der grosse
Bach, das mediterranische Meer.' GKönig 1695. 's gr.
Holz, grossgewachsenes, altes Holz, hoher Waldbe-
stand; Gegs. Fasel ZZoU. In Ortsnn. zur Unterschei-
dung von Ortschaften des selben Namens, z. B. Gr.-,
Chll'-Basel, -AiiiJrl/iinini : zur Unterscheidung von
Quartieren (Wnclilrni innerhalb des selben Dorfes,
z.B. Gross-, Chlri'-Uorf '/.i c\.; bei Flurnn. zur Be-
zeichnung umfangreicher Coraplexe gegenüber klei-
nern: Gross- Acker B; L; Zg; Z; Gr,-Matt B; L; Scuw;
S; Gr.-Weid B; Z; Gr.-Biifi Bs; S; Gross(en)-Stein
(erratischer Block) Gl; Z; Gr.-Wis G; Z; Gr.-Wijer
B; Z. In den bes. in B u. L häuügen Hofnn. Gr.-Hüs
ist ein durch seine Grösse auffallendes Wohnbaus
gemeint; vgl. Ken-. S7 <■///-//"((«. Über Gr.-Holz P;
ZMettm. und Gr.-'/mnin, l; s. oben; vgl. auch lützel.
Zur genauem Uoziichnun^ .Ics Masses wird der Aus-
druck desselben öfter im Gen. vorgesetzt: Steine fast
.stubesgross BM. (Schwzd.). Nüd 's Nagels gr., sehr
wenig, gar Nichts Gr; Z. Ähnlich von der entspre-
chenden, zeigenden Geberde begleitet: Ich hä' vo"
Hammeschnitze' nüd eso gr. g'seh! Stutz. Vgl.: ,Zu
messen, wie gr. [viel] Ganzes er an seiner Kleidung
habe.' Gotth. Was hät's iez au"'' gr. Wüests dra'? Z.
Gras, gi'cs. gris, gros, gn
Elf [einer] Nuss, ürhs gr. allg. ; zur Bestimmunr;:
ineilieiiiischer Dosen (bei Salben) schon im XVII., L
(Arzneib.). ,Wäri sy [die Lunge] verfaulet bis einer
Haselnuss gross, wurdi sy doch wider frisch und ge-
sund.' ZZoU. Arzneib. 1750. Eigentlich elliptisch ist
der Gebrauch in: es grosses Most, ein Literglas voll,
Gegs. es chlls M., ein Schoppenglas voll L; ebenso
vom Bier: 5 bzw. 3 Deziliter, allg. Übertr. auf Zeit-
dauer, Menge, Gewicht, Wert, Bedeutung, Wichtigkeit.
,Das wäre mir ein gr-es.' Zwingli. .Das gr. [lange,
unverkürzte] Mandat.' Z, seit 1530. Über das ,gr-e
[48 Tage und Nächte dauernde] Gebet.' c. 1587/1077.
VÜrte; s. AKüchler 1887, S. 121/8; Gfd 2'2, 104. 111.
,Was gr-er spys wir niüessend han [für so Viele].'
RuEP 1540. ,An unsers fl.>(>kens kilchwyrhi kuiuiiit gr.
Volk.' ÄeTscHuni. .Ein -r-r W.Ot von allnlri l,rnt.-n.-
1625, Grasser. .Ein u'v. -vlf.- W'l,. /: ^-l. lai, w.unm
pecunia. ,Sy verkaufeiit rin gr-.> vilr \vyn> und losi'ut
gr. gelt.' c. 1600, RCvs. ,Ein stein ze stossen, 22 pfd
schwer des gr-en gwichts.' Vad. Bf gr. Taglö" [im
Gegs. zum chline'}, diejenige Löhnung der Arbeiter,
bei der sie, ausser z' Nüni und z' Abig, keine Ko.st,
aber dafür desto mehr Lohn bekommen ß; Z. ,Gr-e
Frevel' s. Ztschr. f. schwz. R. XVIII, 171. S. noch u.
Umgang Sp. 341; Leid; Bat; Zechend. ,Ein ding
grösser machen, dann es aber ist, attollere rem par-
vam. Ein ding mit reden gross machen und loben.'
Mal. De*" gr. Tag, Festlichkeit, Familienfest; auch
grössere, wöchentliche oder monatliche Arbeit Z; vgl.
Werch. .Die gross Wuehen', die Charwoche. 1649.
Z Staatsarch.; 1700, Sciiw LB. ,Der gr-e S.innla-.
d(M- Palms. .untai;-. 177:., Z ivMoos). .Der gr. d.inni a-
der grüne od. .Ii.>h.- lu.imer,stag. 1292/1371, /. I.'ai.li.;
1517/1019, Gpn. .Uurcli denselben weg, den der Herr
was gegangen nach dem nachtmal am grossen donns-
tag.' HsScHüRPF 1497. Be'gr. Fntig, derjenige Freitag
(Wochenmarkt), welcher jeweilen in die Zeit der beiden
.Tahresmessen fiel Z f. Grossi Zit, d.i. hohe Schw;
VA).; sogar gr-i, mächtigi ZU ZO.; und gr. adv. [?]:
Jetzt han-v'' gross ZU ga' z' welche' Sciiw. ,Es sye
gr. zyt.' JMdrek 1565. .Nun wend wir heim, wir band
gr. zeit.' GGoTTH. 1599. ,So wöUent wier uns iez uf-
machen und widerumb heimwerts trachten, dann gr.
Zeit band wi.'r z/i.-.-h.Mi hin.' Com. Beat:. ,Es ist nun
grosse Zeit, drn alt. n N. wieder einzuholen.' VMeyer
170'2. ,Es ist .l.i.h (ir..ssz._-it. diese Reise zu melden.'
UBrägg. 1788. ,Gütt well im ein gross Alter zun-
senden.' IGOO, ArdCser. .Ihr spielet gr. Spiel.' HPest.
1790. S. noch Sp. 397 u. giir. Laut: ,Si schwuereml
mit gr-er stimm.' Saiai. .('luislus schryt mit gr-er
stimm zun blinden.- Am. IM!'. .l>ie muotigen und
kttenen hauen haben. 1 .in.' u'i-'- stimm.' Vogelb. 1557.
Vgl. lat. magna ro.r , mhd. hoch. Gehoben, mutig,
.stolz; vgl. frz. de grand cceur. Hät-dir Neuer [Jmd]
der Gring gr. g'macht?' Gotth. ,Dass unser fyent
ein gr-es herz, und alle, die uns byständig sin sölltent,
merern schrecken darab empfachen.' 1531, Strickl.
,In welcher Rede ihm das Wasser in die Augen schoss
und das Herz fast gross [gerührt] ward.' Vad.; vgl.
frz. avoir le cceur gros. .Einem das Herz gr. machen,
in sollicitudinem adducere.' Hospin. 1683. ,Mach mir
izt den Kopf nicht so gr.', mache mir nicht bange.
HPest. 1783. — 3. adverbialer Gebrauch: stark, sehr.
I''' chdniit nit gr. rüeme" ! Antwort auf die Frage
nach dem Befinden Bs; Z. '.s tichfef sv'' mt gr. drfif.
BKErrENST. Das Wasser ist nüd gr. heiss Z. Die Chiie
treit gr., = ist gr. träge't, hoch trächtig Z. 's vmrd
chl'x" J.iil Iß-. Wunder ne'. Sulger. ,Die Rechnung
kann ni. hl u'i'. 1..'Zh .ifelt werden.' Z Processact. ,Wann
gr. triuk.n .in Kun.^t wurd genennt.' Wahrsager 1675.
,Da du iler Predigen nicht gr. geachtet.' .TMey. 1694.
,Du sollt dich desshalben nicht gr. bekümmeren.' ebd.
Was wir unter den Gesichtspunkt des adv. üol.rauclis
gehraclit. lip>;sp «i.-li wenigstens z. T. auch ans blossem Mangel
der .i.ij. Kl. \i"ii [wW. in Anlehnung au vil) auffassen. Letz-
teres W _'. «i.v .In ^i.;here Erklärung für die Formel ijrf,'«
Dank! lii.T.; >-l. .,.../ 7'.,,/.' - B.'a.-litensw.Tt ist .li.' z.T.
mit l\iir.'iin- A- - \. ■. s.'.i'mi.I. n.. F.uo.-l.iin. .1. ■ -..Mm
jedes gedelintu o ähnlich wie im Englischen in u auslilingen
zu Ussen. was bei diesem einzelneu W. das Überspringen in
den vollen Diphthong veranlasste.
u"-: ungeheuer gross GT. — Über das verstärkende
„n- s. Bd I 298.
Gern- m.: Einer, der gern gross wäre, sei es
körperlich oder ^i-istii;'. r'm .Streber'. ,.\ctius, am-
bitiosus, ein li.- 1il.\/i,. Iii77; 1716. ,Ein kleiner
Zwerg und G.- .IIUlk. 17_!7. Als Geschlechtsn.: ,Va-
lentin G.- 15:'.i'. 8< iiw (Strickl.).
chriesi-: v.m der Grösse einer Kirsche. D's
Mülti [Mün.lvlien] ehr. Träne ehr. U (Schwzd.).
sat-: in .1..T Z KanzL.-ispr. zur Mas.sl„.stiniii,nn,-
von A.'k.M-lan.l in .I.t W.-is... .las, .Lt fla.h.'nnihalt
dess.-]l..'n .Inia-h .las Ifililnia., .1.'., S.ini.Mi, |.l.a' Snt]
au,u-.Mlrn.kl «ir.l. w.-l.li.', niili- ist. um die betr.
I'la.li- /n li.-a.ai. ^^^^^.■ \\a\i\\ I. 0. 1 Viertel .saat-
ua.i,..- /.l;,.i4vn..l. I Anit.l.l. l-.M. ,('. 1 Kopf s. Hanf-
lan.i, s.-i .lal.. Wi.s.mi.- ZHonibr. (ebd.).
Il.i- Aas.lni.k i^t in der lebenden Spr. am Erlöschen und
wird ..It iii.lit In verstanden, daher auch Bezeichnungen
wie f.jlg.'uae: ,.:. 1 Are s. Hanfland,' Z Amtsbl. ISSfi. wo
das Hohlmass durch das Flfi.-b.Miiiiass .Ts.tzt i^f. /ai b. iii.a k.ai
ist, dass der Ausdru.:k mir b.i liaulian.l u. I.ian. iilnli i.n.i
die Massangabe niemals bis zu .Aliitl ...bi- Mali.r aiisl.iL't.
weil Niemand einen so grossen Complex v.ui .lics.T liualiliit
Land besass.
Grossacher m. : Apfelsorte Tu. — S. .1./.., /
Bd I G5.
Grösse" Gröse BHa., (?n«.«/r", (lio.rh- l; ,,lla.,
GrOssh' U; Ja". Grösse» SrnS.lil. - f.. (l,<»'i I
Aa; BHa., Griisi AaF. ; Z, Cm.sr], S.il; /. <;,:,<di
P.Hk.; Z, (in.^ili S.-ii.^.lil. II.; ( ir..- -laull. .■ i.lie
ni.:ht dini. F..n,Len .-h.T .l.-rl.i; . ;r,.,sni.,ll.T,l,M,i. in
der Kdspr. Guete Tn.j Omssh: |.Vnr..alc an .;inc alte
Wirtin]. Gespr. 1712. .1/." .//rwi/s (Irossli! ebd. .Dem
armen Groseli 10 ß.- l^ni, /,/.,, U. (Tagb.).
Entstanden aus ^'njsfs^uuud; Jaicli Weglassung dos zweiten
Bestandteils; vgl. Herr Grüns aus (irusHweihd.
grosse": 1. gross werden; (heran)wachsen. allg.
Grüisse' Ndw: sehr gross werden. .Das sprüchwort
ist ein alter sitten: wenn man >Vf km. n anla._-ht bitten,
so grosset in'n der k.'iil iinl ui in.l. NM\\. l-".:'.!». Ähn-
lich bei LLav. 1584, -Jo 1... .'<. in..li Z, r-Sack. .Her
schatten grosset, cadunt umbra.,- Mal. — '2. „in der
Schwangerschaft zunehmen B; L;" Syn. dicken.
GrOsill m.: Grossvater BHk.; „BO." Syn. Gro.i.t-
Ätt. — S. die Anm. zu Grossen.
gross-lacht Z, -lächtig LE., -lächt(ig) ßs; Z,
-/oc7a(V/BoSi., -Uchtiq^r. ziemlich gross. .Grandiculus,
807
Gras, gres. gris. gros, grns
maiusculus, ein wenig gross, grosslächt.' Fris.; Mal.
,Grossleclit6 weinbeer.' Wurstisen. ,5 tief und gross-
leclit Suppenblatten.' 1612, L Stiftsurb.
Grösse! m.: der älteste Sohn SchwE. (grob).
Ton der Groan, mit der bes. in Eigenuamou pejorativ
wirkenden Abi. -el.
grössele°: gross tun, den Gro.s.sen spielen Aa; B.
grosse": gross machen. .Dass der nam der h. dry-
faltilteit in den holden gegrösset wurde.' 1336/1446,
Z Chron.
grössere": grösser machen, vergrössern. ,Wir
wellent uns vorbhalten han, die straf ze gr., ze meren
und ze ordnen.' 1539, B. ,Exaggerare rem familiärem,
sein haushab meren und gr.' Fris. ,Gr., gross machen,
grandire. Das haus gr. oder weiteren. Die wunden
gr., ampliare piagas. Sein schmach gr.' Mal. Ähnlich
Denzl. 1677; 1716. ,Nachdem das Dorf Schaflfhusen
sich angefangen heftig meren und gr.' Rüeger 1606.
Grössi f.: 1. Grösse, allg. Es cliimnd nid uf
d' Gr. a", sust [sonst] möcht e Chueh £«15 Has nä'''
L (Ineichen). Vgl.: ,Es ist nicht an der Grösse ge-
legen, sonst möchte eine Kuh einen Hasen erlaufen.'
Mey., Hort. 1692. — 2. Schwangerschaft. ,Gr. der
schwangeren, graviditas.' Mal. Vgl. frz. grossesse.
Wasser-: Eegenguss, Überschwemmung, Hoch-
wasser. Do ist d' W. cJw u"'' het, d's ungere Stück
mit Grien u Schutt ti Steitien überführt. B Hink. Bote
1870. ,Wenn eine grosse w. kummt, so soll der sager
ein wannen uf syn haupt nemen und syn bestes tuen
und helfen.' c. 1470, LPfäff. (Esterm.).
grösslich: (.\dj. u. bes. Adv.) gross, grossartig;
sehr, höchlich. , Einer statt Bern er, die so grosslich
von dem mann angetastet wäre.' ThFrickart 1470.
,Us grösslicher merklicher not und armuot.' 1529,
Strickl. ,Des verwundert ich mich grosslich.' 1531,
IV. EsRA ; dafür : ,höchlich.' 1667. ,Du hast deine güete
grösslich an mir erwiesen.' 1531/1560, Psalm. .Als
sich die unsern grösslichen erklagt.' 1545, Absch. ,Wir
habend gr. wider dich gesundet.' RGüalt». 1559; ebso
Z Lit. 1644. ,Grösslich, fast vil. Wie dann du alweg
gar gr. begert hast. Grosslich, fast, heftig, ileissig-
klich.' Mal. ,Grosslich an er und guot gestraft.' 1573.
Ardüser. ,Darum sich gr. zu verwundern ist.' SHocnu.
1591; ,höchlich.' 1693.
gröse": das Innere aus einem Apfel oder Brote
herausklauben BSigr.
er-grüsle": hernehmen; durchprügeln SchwMuo.
Die Chranket hed-mi'''' frl artig ergröslet. Syn. er-
guslen. — Wahrscli. von Kroeeen, Grnnini, also eig. bei der
Kehle packen.
groussen s. grumscn.
Grns I, Gruse" m.: Graus, Grausen; Schauer,
Entsetzen; Abscheu, Ekel. Es ist en Gr-e" dör-
[durch]-«n'''' üs g'gange', ein Schauder durchdrang
mich Ap. ,In-e" Gr-e" cho", horrore percuti.' Id. B.
Es schneit doch aw'', es ist e Grus. Hebel. Es ist e"
Grus, wie de'' Gelt bracht Gl. De" Gr-e" an Öppis
esse" ZS. , Keinen gr-en oder fürsorg [Besorgniss]
haben.' 1521, Absch. ,Perfudit me horror, es ist mir
ein grausen durch den ganzen leib [ge] gangen.' Fris.;
Mal. .Mir ist ein solcher Grausen kon, dass ich vor
Schrecken kaum kann gon.' GGnrru. 1599. .Es wird
Himmel und Erden einen Gr-en ankommen.' JMüll.
1661. .Die Tage, die uns sonst Schauder und Grusen
machten.' UBrägg. 1787. — Mhd. grüe(e) m., dass.
Ab-: Abscheu S. !''• ha' ganz ne Abgr-e" derror.
Hopst. 1865. — , Abscheu' nachgebildet.
grusele" Gl, grusle" ZEafz, grusele" AAEhoinf.;
Bs : schaudern. Unpers. : 's griselet Eim, z. B. beim
.\^bschneiden der Haare von dem wohltuenden Schauer-
gefuhl der Haut AAEheinf. Es hät-mi"'' g'grüselet, es
hat mich ein Schauder angewandelt Gl. — Mhd. yrimeln.
Dim. zum folg. Yb.
grüse", in Schw griise", pers. u. unpers.: Grauen,
Abscheu, Ekel empfinden. 2"^'' grüse oder es grüset-mer
(seltener mi''') drab [davor], allg. In GTa. auch: i"*
grüs-mer. Dass 's ine" i" Hut u"'' Bär 'grüset hätti,
'ne [ihnen] numme zue z' gugge". Gempeler 1884. Lrieg,
wie ducke" si''' d' Blüemli dort im Garte" z' Bode";
's grmt-ene vor-der Chälti BsL. (Schwzd.). 's tvott en
ehalte'' Winter chö"; lass-der nüd drab gr. Z (ebd.).
Es häd-em fürchtig 'grüset ab dem Kerliburst Zg (ebd.).
Es liät-mi''' welle" gr. KMei. 1844. ,Unter das Brückli
zu schlüpfen grüsete mich.' Gotth. .Geschichten, vor
denen es einem übel grauset hätte.' ebd. S. noch
Bd I 1259 u. fri. Dass 's dem Tüfel drab grüseti,
entsetzlich, dann übh. zur Begriffssteigerung mit dem
Nebenbegriff der Übertreibung. Fluechet und schwerf,
dass d' Höll und de'' Tüfel bald drab gr. möcht. Stutz.
.Er fiel wieder in sein Eühmen, was er für Matten
hätte, dass es dem Tüfel drob gruseti.' Gotth. Man
empfinde einiges Befremden, Missfallen (,grüsen') dar-
über. 1530, Absch. Dass man , etwas gr. und sorgen'
hege. ebd. ,Das» den Moabitern grauset vor den kin-
deren Israels.' 1531/1548, IV. Mos. = ,grauete.' 1667.
,Nun grüset mir nüt darab.' Zwingli. Die Kaiserlichen
werden der Eidgenossenschaft ,ein Grusen' machen
und Kriegsvolk in das Sundgau verlegen. 1544, Absch.
,Ne pavescant ad huiusmodi ta,ctum, dass inen an sö-
lichem berüeren nit grause, dass sy nit erklupflnd
oder erschreckind.' Fris. , Etlichen [der röin. Katho-
lischen] grauset nicht mehr, sich mit einem aus uns
den Gelehrtesten einzulassen.' Anf. XVII., JJBreit.
,Es wurd menschlichen Ohren darab grausen.' JMüll.
1665. , [Trunksucht], ab welchem Laster auch den
Türken grauset.' Lindinner 1733.
Mhd. grüaen und tjrimcn, dass. Bei Sicher 1531, 182
scheint sich eine zu unserm \'b. gehörige Subst.-IiiMung
O'rnselt" f. zu finden : ,mit Grussata.'
.^b-Gruse" n. = Ab-Grüs BLangn.
an-: anekeln. F'' mag's nüd i" d' Hand ne"; es
tucd-mi'''' a. Ap. — er-, „ver-": schauern, die Gänse-
haut bekommen; nur unpers. Gr. Syn. hennenhüten,
grumslen. Es hät-midi ergrüset, wo-n-i''' 's g'hört ha".
Mänge" liäd 's ergrüset, wenn er allein um 's Zue-
nachte" verbl häd mi'iesse" Gr (Schwzd.). „Es hat mich
vergrauset, als ich die Ecchnung sähe."
grusig bzw. g'gr., in Ap; Gl; GG.; ScnwMuo.;
Zg -ü- : grausig 1. Grauen erregend, schrecklich,
furchtbar; gewaltig; adv. meist nur verstärkend: über
die Massen, sehr (Syn. i/rmi , in,i. fiirchtig, grebelig,
grimmig, gruselig, griisslidi . silmlilich, schüzlich,
schröckelich) und daher dann wieder adj. : sehr gross.
En gr-i Tiefi W. E grousigi Hitz GRPeist (Schwzd.;
ähnlich in Ap). En vil gröisigerC Huderi. ebd. En
gr-i TTnlinrnig [Unordnung] GiiSehiers (Schwzd.). En
soft
gres, gris, gros, gpns
gr-i Müe. ebd. Über so ne Flueh ist es gr-s Appe-
liiege' [Hinunterschauen] SchwMuo. E grüsegi Sach,
ein sehr grosses Vermögen Gr. Gr. erschrocke' Gr ;
U ; gr. chibig [zänkisch] GrL. E gr. e fine'' Her Gr.
Das hed mir gruisig nid 'dienet. Obw. .Schauderhafte
und grusige Frühlingstage.' UBräg«. 1787. .Obgleich
mir dergleichen Hunde (Metzger-H.) all meine Tage
greusig waren.' ebd. S. noch Bd I 1234 u. flätschen
und Sp. 5 u. ga 1 c. — 2. Ekel erregend, unappetit-
lich, allg. D' Chrott ist es gr-s Tier W; Z. E gr-s
I schmutziges] Chind. E gr-s Esse' Gl; Z. E gr-i
Sach, G'schicht G; Sch; Z. E gr-i Wunde ScHW ;
W; Z. Si siehd griisig us Ap. — 3. leicht Ekel em-
pfindend. En Tokter darf nüd gr. si" Schw; Th; Z.
Grüsel, in Ztw. -ü m.: 1. Grauen, Abscheu,
Ekel Sch. ,Von schrecken und gr. begrilTen.' Zyt-
GLöGCfLiN 1.512. .Gr. des ungewonen wcgs.' ebd. ,Dass
dem gemeinen Volke d.'sto mind.T i'lni-rls .lavon zu-
fallen möge.' 1779. Bs ( 'lii\ _'. i /. i « . (Ini^i) Person,
die Abscheu, Ekel erwirkt. Srli,ii„il; -ar-lii^er. roher,
grober Menscli Aa; lU; 1'.; I.; S. h ; s, »« : S; Z; Syn.
Grebel. De' M.r- ,./ ,„ ^'n/^r/ »,/,/ ,/' Fnui ist en
Wuest ZS. (!;riii>.|M-i. /: Cm-. ,„„,,,„ //»,„/, ein bis-
siger H. Bs. Da In.sl t »««/,; Gr. mU Fhteche! BsL.
(Schwzd.). .Warum sie auch so ungereimte Kinder
haben müssten, so Schützlinge und Gr.' Breitenst.
Dann abgeschwächt und scherzh. wie Unflat, z. B.
Einer, der durch gewaltige Leistung imponiert: e Gr.
zum Esse", Arbeite" B. Leichte Schelte: du icüeste
Gr.! — du ir. Gast! De'' Grüsel, sehmält si [zankt
die Hausfrau über den Metzger], ist nid gschld, das
er-mcr so ril Beiner git! Sch (Schwzd.).
grüs(e)li{ch), bzw. -ig. allg., in Gr -seh-, in
BGr. -.SS-, in Bs ; SSchw. -eu-, in S auch grisslig:
1. gräulich, grässlich. schrecklich ; auch nur : gewaltig,
ausserordentlich. E gmisligr Hunger UwE. Es ist
e griiselis A'luege g'si" '/.. \ i^rh ror 400 Jöre [13SH
bei Senipach] es gn'is.-.li,is /,,(,./, ,/',si.- 4000 Ma mit
Spore. HXfl. 1813. Er hicgd gnisrlig dre. er si,.ht
grässlich aus Ap. 's Mer ist e grihcHrli, (ll/mir \Wi,
En gruselige Mensch, ein unwirscher, z.iiiiiL:.'i- M. lii,.
„Er häd-mi"' grü.<ili<-'' if srlüage" ."^ Kr l,„,J-,,ii - ,ini kr-
ieche SI rnrli ififr' SciihMii.i. 1-:-< rhinpfl iiiiil ihi,ii:,r<l
grüslni „w llninH.I IUI,, (Srliw/.li. /•; r/rr,,../,,;. |-l;,c-
kcsj 7W» STIiieivt. Gnsrlirli irl.nihrl HUr. iSrhwzd.l.
's göt cfange gruslig zue Bs. ,Es sei allweg grüsslig,
so plötzlich z' sterbe" und no'^'' unbetet.' Gotth. Du
bist doch der Grüslichst, de arm Btteb scho' mache'
z' werche". ebd. Grüseli het der Vater g'macht und
g'schirore'. Hebel. ,Ein Landjäger mit einem grüs-
iichen Bart.' Brkitenst. S. noch Gcfräss (Bd I 1318),
geh (S|m;7i. (inli |S,.. ■Ju:;,. .l,t riii-Hiir ■■in -rus,.n-
ich
md
AI,
stritten worden.' ebd. ,\V;i. i.,t i^TiWrli.-hrr. .Iniii der
totlyehnam?' Zytgli":i;i.in IMi. ,|1m sy risaili.Mi den
gruselichen angriff du.^ Türkrii,- /,iki,\ 1-")'J1. .Ihiss
wir mit unseren fygenden nit so grüselich widlend
uingan.' 1.531, Absch. .Wir habend erkennet [erkundigt],
dass dise ding nit halb so grüselich sind.' 1531, Strickl.
.Mit grüssenlichem geschrci.' HBull. 15G1. ,Grüse-
liche schand und sund.' ebd. ,[.\brahani zum Sohn:]
Ach du niyn allerliebster sun, du muesst nit also
grnsslieh tuen.' H.atifrrr 15(i2. ,l>ie -5 Ort wi'ietendt
und trowtend us der massen grüselich.' HBull. 1572.
.[Die Stadt] seie ingenommen und alles darin grüse-
lich erwürget.' Lind., Wint. Chr. c. 1580. .Der Pfaw
schreit greusslich.' C. u. RMev. 1650. S. noch Sp. 685
u. 088 u. grebelig. — 2. dem Ekel unterworfen; Syn.
grusig 3. Ach, du bist giir ril:. i/rii^rli,/ und sijberlig
dehävi. BüRGKK- 11. IJauenilr. 1>_'.".. .K^.niin.i. ilirGrüs-
ligen!' ruft der .Spettei- im i iiiil/..ii-S|,irl ,|,.n alten
Jungfern zu. XVIIL, L. - 3. Steii^enum-ah . a!l^'.
Syn. grüsam. Uf der hejen Laiben gsild^nm ,irisrlU
wit BGr. (Alpenr. 1872). In BSi. oft' mit s,:l,r..rlrl,rh
verbunden: gr.-schr. ril. GrilsK ehalt Bs; iJ; grnsfli
chrank B oAa. Grüseli we FJ.; Zg. Grlseli ril Une-
mietigs [Unanmutiges] Bs (Schwzd.). Pressiert 's ?
Antw. : Nit gar rirmliq! B';-. GräsU arm, hüslig L;
grüssli meistcrln-. ]'. W., h, nl,!, |-I7. S. noch Bd 1
1156 u. JSe,'C)/- /'"/:./. i,rH^,l, |li,inliger grüsam] frl
Gl. S. auch IM 1 \-r.- n ///. ( ;r,i^cli(q) lieh Bs.
Griiisl, <■„ nrJhrhi. I.rnr, rr.n, r«i;. \ „7,V/-»„r ./■'!■
gritsrli ir„l I, |Sr|,«z.l). /" inn.i - ,1, r \ .jnK.h ,n,l
guHui". Sri rz. Hii'isli JiulisrJr Srnwi:izFKi;. l^l'.L —
Mhd. griu^ienjUth, Grausen errcgeuJ.
henne"-grüschelich: hässlich, abscheulich
GrD. — VAg. Gänsehaut (Gruseln) verursacliond. vgl. hiinnm-
llülril.
Grüsling: Person, die leicht ekelt Scn.
(irns 11 m.: 1. Haiifoti. Bündel, z.B. Geld. Mit
einem licliaflr rv mUiq^ (Ini.^rhili mache"; vgl. en
Stumjir'- (irlil. S|HN . tini^rhrlr Spielkasse, in welche
der ^'e^lust der Mit.spieleiiden (»ler von jedem Ge-
winner ein Bestimmtes gelegt wird zum Behufe ge-
meinsamen Genusses, z. B. zum Vertrinken W. Bissen
Brot W; bes. als Dini. mit verallgemeinerter Bed., es
Grüsill. (irfi.ili. Gni^i W. drnsi l'.d,; ,. W - : rin l;i,s-
chen. rill «nii- ,.\\.- .<Mi. r„s,lnlli. /I„rr llru.,,,,,,.
Hast in,rl, Flcsrh rait frr,Hlrnjn, Siurr,,:' Antw.: /•''
sinnen [vermute], es slgi noch es Gr. BSa. Es Gr.
Brot BSi. Eis [kein] gotsigs Gr. ebd. — 2. Gnlssi
Bß. ; „Grüschi BO.- n.: Kerngehäuse, auch Blüten-
narbe der ÄjitVl. Syn. Griipsi.
Mhd. r/rw/l. Koni, niht > m '/f., nicht das Geringste; h.lir.-
Entlehuuug aus frz. <i',i<h< .
zt= Klingelbeutel, aonk.ii.
M i tt e 1 - G r ü s s i n, : der schmale Landrücken (Egg)
zwischen zwei in einander mündenden Gräften (Schluch-
ten) BR.
Zu (JruH II :'.■ virl. iliii.l-ilriiiz, Sattel, Scheidewand zwi-
schen den Kernni < in. r Xns^. Ilie Vergleichung mit ciueni
Butzen oder dcui Sattrl lin, i- Wainnss liegt nicht so ferne.
grüsam BE., Si., „grusem" St.», „grussem" St.'':
körnig, bes. vom Schnee BE., Si.; „griesig, zigericht,
von der Milch." — Eig. gras-mm, zn mhd. (jrufi. Vgl.
t)vinphcm.
„Grusel m.: Kies und Steine unter einander L."
Vgl. .Niemand soll Grüszel oder Materi in die Stadtgräben
werfen.' 17:30, Absch., wo (Ir. auch an (l'uml gemahnt. S. noili
Grusle": Zieger und Milch durch einander GrD.
— Wohl zu Griiml, mit dem die Masse verijli.-liiMi wird.
bras, gres, gns
grns
812
grüssig: sandig, steinig S. Syn. grienig. 3fe"
het im [dem] Berg noh gr-e' Bode" und der Aar noh
Mästige* [lehmigen]. Schild.
grusam ^grusig 1. En gr-e Zonggcr, arger Zän-
ker Z. En grüsnme [sehr heftiger] Schmerze". En
gr-e Mensch, ein grober, auch ein sehr grosser; e gr-i
Such, traurige Geschichte; gr-s Heu, sehr hoch ge-
wachsenes; en gr-e Hund, sehr grosser; e gr-i Ar mi,
schrecklirli. Aimnt: er hat e gr-i Meinig, gr-e" Geist,
bildet sh-h -iln \i 1 oin Gl. Ir g'sehnd doch gr. drl',
ir verchlchcd .idiicr. Stutz. ,Eine grausame Trübsal.'
ebd. ,Sy kummend an den berg Sina; da erscheint
der Herr. Es geschehend gr-e ding.' 1531/48, ll.Mos.
S. noch Sp. '208 u. Gellen. ,Wer dyn wort verschupft,
dem gibst unheil, unglück und gr-en unfal.' Edef 1540.
,Ein gr-e nacht mit donderen und blixen.' Kessl. ,Die
mur ist unsäglich hoch und dick, herab zue sehn ein
gr. blick.- .IMiKiK l.V^P. , Antra iramania, gr-e und
erschr.Mk.iili.il. lnilimni.' Fris.; Mal. , Wenn wir die
geiss uf.li.' li..li.'ii und gr-en berg brachten.' ThPlatt.
1572. .Über ein gr-e hohe flue ab fallen.' ebd. .Ein
gr-er grosser vogel.' ebd. .Wenn der walfisch seine
zän entbleckt, so ist es gr. und erschrockenlich.' LLav.
1582. ,Diese gr. und erschrecklich grausamkeit wirt
3 tag wären.' ebd. 1587, wo .Grausamkeit' im nhd. S.,
nicht aber ,gr.' ,Wiewol dises ein gross dorf, so sieht
es der gr-en höche halb, als ob 8 oder 9 schwynstäle
nache bei einander lägen.' 1591, ARyff. ,Ein un-
natürliche grusame sach, als da einer syn vatter und
mueter ertödt und geraürt hat.' 1593, Ardüser. ,Dis
ist wunderbarlich und gr. zu hören; sy zogent die
blutigen Pfeil us irem Leib.' ECvs. .Dann der Rhyn
an diesem Ort [bei Scn] einen gr-en, schützlichen,
hohen Fal hat.' Eüeger 1G09. .Ein gr., grüselichi
Schneelöuwi.' IffOÖ, Ardiiser. ,Die Sterne, in einer
so gr-en Weite von der Erden abgelegen.' JMüll.
1C66. Als Steigerungsadv. B; Gl; Gr; G; Sch; U; Z.
Oi: g'schwullni Bei'. Stutz. Gr. dumm. ebd. Gr.
gern, lieb, schön, ril. Gr. Acht(ig) gc'. lueqe", ange-
strengt. D'r Vatter sig im Sterbe" ii-' r'rlaiKii <ir.
na'->'-m'r BE. (Schwzd.). Grünem es tolls \V ilivrn,U)ii
BLenk. 's hat Is g'ha' uf der Strös^ inni ,sl ijr. h,il
g'sl" Tn. Das groiisinii slnt-iii |jäh..'| Jlmil luiS.li.
Er ist gar gr. empfhidli". Umkui. Gr. hnin l.iil.
KMey. 1844. Die Geistlirliei, i» ,/r. irachnii [s.-Ii<.ii.mii|
G'wand. Anderl. 1849. 's chunnt-mer Alls so gr.
himmlisch vor. Stdtz. ,Dem Junker sein Schreiber
sei gar gr. e" G'schickte.' Gotth. ,Es freute uns alle
gr. wol.' ebd. S. noch Sp. 22 u. inhin-gän. ,Ge-
schossen ward ganz gr., ein klapf über den anderen
kam.' NScHRADiN 1499. .Goliath ist gr. gross und
stark von lyb.' VBolz 1554. ,üer schlueg mich gr.
übel.' ThPlatt. 1572. ,Der brief was gr. breit und
lang.' ebd. ,Der zeit war es auch gr. tür und war
grosser mangel.' 1574, Mise. Tig. , Jedermann ist gr.
verzagt, dass uns ein rüschend löublin jagt.' PiSchmid
1579. ,Das feur gar sehr und gr. brinnt.' GGotth. 1599.
,Dic Biber haben ein gr. gut Gebiss.' JLCvs. 1661.
Eig. grü-mm; es ist das mhd. grüwemm, welches die selben,
vom Nhd. verschiedenen Bedd. hat. Die BSi. Angabe ggr.
scheint den Anl. als das Präf. zu fassen.
Grüsami f.: Grausamkeit. ,Er hat gegen sinen
widersächeren mit sömlicher gr. gehandlet.' RGualth.
1546.
grusamig. grusamlich = grusam. E grusa-
mege'' Bursch, ein schlimmer, gefährlicher Bursche;
grusamig starch, überaus stark GA. E grusamigi
Freud. Stütz. ,So wellest mich beschirmen vor disem
grüscinlichen wilden mann.' Zielt 1521. ,Do üeng es
grusamlichcn an ze regnen schwebel, bech und für.'
Haberer 1562. .Die wasser sind grusamlich angangen,
dass die bruggen hinweggefüert.' 1585. Ardüser.
grüssen s. grumsen.
gruselet s. ge-riselet.
Grnser m. : Schnepfe, Doppelschnepfe. scolopax
arquata ,Ap; GP.h.;" GLHartm. 1808, S. 111. Syn.
Grilel. — Vgl. Schwab. Grusel, Ente.
Grüssi s. Grus II.
Graess, vorwiegend Gruez — ni.: Gruss. 1. wie
nhd. E lere Gr. göd barfuess L { Ineichen). Wie der
Gr., so der Dank. ebd. , Wellend .sy on gruez lassen.'
Kessl. ,Ich gib dir, brueder, mynen gruez.' Rüef
1550. „Der eidgenössische Gr.: feierliche Eröffnung
der allgemeinschweizerischen Tagsatzung sowohl, als
die .\nrede eines jeden Deputierten der Schweizer-
kantone bei derselben. Deswegen weil jeder Gesandte
gewöhnlich die guten Wünsche seines Kantons dar-
bringt und alle seine Mitgesandten im Namen seines
Kantons gleichsam begrüs-st." Der englisch Gr., das
Ave Maria, vor Allem beim ersten Melken auf der
Alp, zuweilen auch den ganzen Sommer über gebetet.
Auch oft bei Protestanten gebräuchlich, wo katholische
Knechte sind. Mir wei [wir wollen] zum erste" Melche'
gö', d'r e. Gr. nit dusse lö" S. ,Ein guldin tafel mit
eim engelschen grues.' 1476, Absch. (Burgunderbentc).
,Dem engelschen gruez. Gegrüezet .sye.st, Maria [usw.].'
1517, Gr. Gebet. S. ufladen. — 2. bes. dira. Grüezli:
kleines Geschenk, welches als Gruss übersandt wird
Seil; Z. /■•'' hu-der da e Grie-li rn der (infte UwE.
Mi Gyn:, hinl-mn- . srh„ h.ltsrhis .sV,V/,7/ mll diir Öpfel-
srluiit: „ml r /„-//,( l'.nnnr n.ll Jii,/,,tllr und Flachs-
rhuihr :.,u,rmr GrurJi j,ci'"g>:chn-kt. CiKM'KAcii 1712.
Abend-, Morgen-. .Der Hirte ruft in allen Ge-
meinalpen des Landes den M.- und A.-gruss oder die
Mahnung zum Gebete. Dieser Ruf geschieht von einem
erhabenen Posten aus durch eine Folie [s. Bd I 786].
Der Ruf enthält das Vaterunser, den englischen Gruss
oder Ev. Joh. I, 1— 14.' üw Gem. Vgl. Alp-Segen.
gruess-sam: des Grüssens gewohnt, leutselig.
,Er was ein gnadrycher, gruesssamer mann; wer in
angesach, der gewann ein liebe zue im.' Strättl. Chr.
c. 1464. ,Er erzeigte sich früntlich und grüessam.'
JosMal. 1593. .Saluta libenter, d. i. bis grüessam.'
Pontisella 1602.
grüessbar: gerne grüssend. .Saluta libenter. bis
gr. oder grüess gern.' Cato 1648.
grüesse" Aa; Bs; BE., Ha.; Lßerom.; G, sonst
grüeze", m'Büi. grü'ze": 1. grüssen, wie nhd. Syn.
's Zu teiltische". Bes. in der Grussformel Gott grüez-i !
s. u. Gott Sp. 511 ff.; in Ar; Bs; Z nur von 11 Uhr
Vorm. bis 3 bzw. 4 Uhr N. gebräuchlich, vorher guete*
Tag! nachher gueten Abig! Lo-mer-s' dehame' gr.!
Ap. Sogar zum Herr G'meindröt nüd ^mol g'seit:
gruez Gott! Stütz. ,Grüez Gott!' Rüef 1540. ,Sind
'grüezt!' Aal 1549. Engel: ,Maria, syst gegrüezt von
Gott! du, dip dor Herr begnadet hott.' Maria: ,Was
■il3
s— griis. (Jnisfli -giusch
■jniez ist iliisV Funkelin 1553. ,Gott grüess dich!
.salve.' Mal. Zu blosser Part. i. «. v. <jeb (s. Sp. 07. 09)
abgeblasst: ,So kumra rocht iez, Gott gcb, Gott grüez,
was myii wyb sag, ald ab mir klag, so muesst du [der
verlorne Sohn] niy" .sttwhirtlin syn.' JBindkr 1535.
Sprww. FriiiilU'' ijr. chnst't nid vil L. Gott grüezt
Mänge', wo-n-mi m'l <ht)iket. Sulgek. Wenn-di'''
d' G'legeheit (ini.u. ■-„ ,l,nik-ere. ebd. — 2. begrüssen.
,Ich bitt, wollt mir den Her Pfarrer fast grüzen.'
1523, GScHERER 1859. ,Sy werdend mich ein fürsten
grüessen.' JMdrer 1559 [Latinismus]. I. S. v.: an-
fragen, bes. eine Behörde um Bewilligung einer Sache
angehen Gl. ,Den herren vogt zuvor darumb grüessen
und fragen.' 1581, ZSteinm. Offn. — 3. zur Rede stellen.
,Was nun gar ein grossen grüttel undgr., warum MHH.
die meister den von hohenburg in gefängnuss ange-
nommen bettend.' Edlib. — 4. (Iren.) „peitschen, mit
der Eute züchtigen Th."
'2 bewahrt die iirspr. Bed. : anreden. — Zu 4. Ahd.
ijnwzjan, mhd. griiezen. auch: feindlich angreifen, züchtigen.
be-: 1. = grüessen 2 B; Gl; Gr; Z (Kanzleispr.).
.Umb das tanzen soll die erberkeit in jeder gemeind
zuevor begrüesset und gebeten werden.' 1530, Abscu.
,Wie der chor etwas mangelhaft worden was und man
in bauwen sollt, ward nebend der buvgersehaft der
abt ouch um ein steur begruezt.' Vad. ,Es soll dehein
teil one des anderen vorwüssen dehein holz nit houwen,
sonder allwegen einanderen desthalben zuvor begrüe-
zcn und ansprechen.' 1581, ÄAWett. Klosterarch. ,Uass
ein ieder Kodsgenoss hinziechen mag, wo er will und
darf darumb gar niemand begrüezcii noch Versicherung
tuen.' 1597, Zellw. Urk. ,So diek ein nüwer Vogt
gen Kyburg kommt, sollend die .'^rhryber in um ire
Dienst begrüssen und inen bi ime ein Willen machen.'
1017, Z. ,Wann wir disers Spruchs halben begrües-
send die Auslegungen unser hochgelehrten sei. Vor-
clteren.' 1034, JJBreit. ,Wann ein Gesell begehrte
spazieren, soll er seinen meister darumb b.' 1057, Z
Kiirschner. ,Der aber mehr [Vieh] hat, der soll die
Gemeinde freundlich darum b., und so sie es bewil-
ligen, für ein Stück ze weiden einen Keichsthaler be-
zahlen.' 1600, Aa Weist. .Wann eines Diensts Zeit
bis an 2 Monat verflossen, soll ein Knecht nicht war-
ten, bis der Herr sie fragen, sondern sie Knecht sollen
ihre Herren selbst desstwegen b. und ihnen anzeigen,
ob sie länger im Dienst zu bleiben begehren.- B Maiid.
1728; 1747. ,Die hier angesessenen Fremden müssen
die Direction der Assemblee für den Zutritt begrüssen.'
ZWthur 1808. — 2. überfallen. .Dass sy nit vil
achtend, wn |wri,ii| jnrh die NiM-ht sy iH-Tiesste.-
KCys. — BeyiursM"- f.: Aiilia^v. .Snll,- snU-Jie
für tot geachtet werden und deren reelitniiissiev Erl.en,
jedoch nit ohne Begrüossung der Uberkcit, die Mittel
verteilen.' 1717, Sunw LB.
grnesele": = grüenelen, von der Milch W.
Gruese" f.: das erste frische, grüne Gras im
Frühling oder auch nach dem Abweiden oder Mähen
der Wiesen Gr. Es ist afen e Gr., es ist bereits grün
auf der Wiese. Auch: kurzes, dichtes Gras übh.;
fetteres Gras an einzelnen Stellen, Easenbänder an
felsigen Halden, ebd. Syn. Fachs Bd 1 055.
Mhd. ijruonK f., junger Trieb, Ptlauzengrün ; von uhd.
(jrnoen, mhd. tjrifjcn, grünen, mit a abgel., wie tjriun mit «.
Grasch grusch.
gl'iische" (-<'- S( II« MiiM.); „unbeholfen, lang.sam
und träge sein, insbes. miiliNain gehen, nach Art alter,
kränklicher Leute Seiiw; Zc- ; auch: so klettern, tap-
pen, rutschen. Umme gr., auf allen Vieren herum-
tappen, -rutschen. Wo-n-er d's Bei" verhit g'ha' hed,
ist er glich no"'' e Bück ufe g'graschet ScuwMuo. Dim.
gräschelen.
Nächst vwdt mit dem syn. yrapen, grätnen, so dass der
Stamm j/rä- wäre, und der folg. Cons., hier das nch, nur zu
iautlicher Aiismalnns der schwerfälligen Bewegung diente;
Grasrhi: 1. ,.in. Mensch voll Empfindlichkeit
ScuwMa.' 2. II. (V) ungestalte Person ZsWalchw.
Beide Bedd. lassen sich zur Not auf das vorhergehende
W. zurückführen, wenn man die Empfindlichkeit und Miss-
gestalt mit der schwächlichen Leibesbeschaffenheit in Ver-
bindung bringt, welche in der vom Yb. bezeichneten Be-
wegungsart vorausgesetzt wird. Zu 2 vgl. jedoch Ra»chi,
dessen Bed. allerdings merklich abweicht.
Gräscliel I m.: „Haufe lebhafter, Geräusch ver-
ursachender Kinder oder junger Leute Aa; B." Un-
geordnete Menge, z. B. von Kindern Aa.
Yiell. = '-.-,. i«.7e/, l.anil, vnli ,■„../„/,„, 1-;- , m - le ., ;
Schueil SlH-erheli; lle," -rl, H e| 1,.,.. Dil- '•' . '^ inil,
haben, uiu dus d.;s sjn. ürabd, wuuu dit:-u- .lu, ,'.._ i,jIm:1-
zu erklären ist. Übrigens vgl. syn. Formen mit Kr-,
Gräscll^el 11, Gresohel n.: kleines Weib; geringe
Person; alte, magere Kuh AAFri. — Vidi, mit (Irutavh
oder mit tjni'ichfn zu verbinden.
e r-gräsc1ie": 1. „versuchen, kosten, in iron. S.
Er hat 's ergräschet LE." (St.''). — '2. erwischen, er-
tappen, einholen. ,Die [eine Frau, die heimlich ver-
reisen wollte] ergreschet der Mann, als sie den Plun-
der schon zu Schiff gelegt.' Wurstisen S. 219. —
3. einsammeln B.
1 und 2 lassen sich wohl vereinigen, wenn man '2 als
die ursprüngliche Bed. nimmt und 1 i. S. v. durch Versuchen
sich etwas Schüdliele^^ /n/eheu, wie das folg. cnji-iUiUm i,
auch unser ern«'~./e,i »wA \\i. ^iHrapimr una fiXvn. Üliiiguns
führt die (an und liii siel, n rtüinlichc) Lesiut, Staldeis (iiiid
Sohuiellcrs) in der Stelle von Wiiisti,..|, : .,i,-i.i .Ini miT
die auch sonst nahe liegende iiml li-i m - n i I i
lilärung, .ergräschen' sei entstand' n an i-i ' '■ •■''■■
gleiehbod. mit) ,ergrätschen', d. li. mit ^^^-ieei hii {'.-iimm,
also mit eiligem Gange erreichen, s. cr-giMsüuM. - 'i nur
Anwendung von 2 auf Sachen (Früchte).
ergräschle": 1. „erwischen, im biisen S. LE.";
durch Unvorsichtigkeit erfaliren (dass Etw. nicht gut
gewesen) Niiw. — 2. Iiari mit iielnnen. ersclulpfen, ent-
kräften, z.B. von Husten, Dur.lifall LE."
S. die Anni. z. Vor. Bed. '2 entw. unmittelb.ir i. S. v.
ergreifen, oder mittelbar, weil der auf einem Fluchtversuch
oder Vergehen Ergriffene meistens fest angegriffen und etwa
tüchtig geschüttelt wird. Betr. den Laut gilt das von ,er-
gräscheu' Gesagte, obwohl hier keine Nbf. mit ( bezeugt ist.
gräsch'lich BO., gräschlig BE.: munter, frisch,
lebhaft, rüstig BO. Mic [man] g'sehd im 's an, dnsfsj
er g'suffes [getrunken] hed, er ist gräscMichti BK. Bes.
von altern Männern, die doch noch kräftig und z. B.
heiratslustig sind; auch: regsam, rasch eine Sache
angreifend BE.
Viell. von mhd. yrmßlich, zornig (s. Anm. zu <jraii«cn), so
dass der Begr. sich etwas gemildert hätte (von Aufgeregtheit
Grascli. grescli, griscli, groseli, grusch
8ltj
zu blosser Regsamkeit), w:is alliTdings seltener vurkonimt '
als Steigerung und Verschlimmerung. Betr. das Lautliche
ist Entstehung you i ausjO (z) allerdings auch nicht häufig,
doch nicht ohne Beispiele (s. Weinh. al. Gr., S. 161 ob.).
Übrigens vgl. noch kräschlig oder Jitwchi; und mhd. macli
(resfh, föxch).
gräschliche°: sich von Krankheit erholen BO.,
z. B. von einem kranken Kind in Folge von genom-
mener Arznei BK. „Auch von Tieren." Syn. sich
hekimen, ernueferen, sich z'iceglän.
Grescli. Die 7 Zehnten (d. i. W) be.schweren sich,
dass ihre Landsleute, welche im Kriegsdienst oder
sonst unter den Eidgenossen sich befinden, schon
wiederholt als ,Grescheu und Walchen' gescholten
worden. 1567, Absch.
Dieser Ausdruck meint schwerlich das Volk, das sonst
Gritcheneier genannt wird, da diese deutsch sprechen; eher
die (Irischum, wie die rumänisch sprechenden Bündner sich
nennen.
Grcische" s. Gränse" IL
grisch s. gris.
Grisch' n.: „Geschiebe ira Bergbau UUrs.; ein-
gefallene Erde und Steine unter einander; unfester
Boden;" schmale, schroffe Bodensenkung, Einne W;
Syn. Krinne, Graben. Geröllhalde (schmaler als ,üand')
W; Syn. Btsäe.
Viell. Abi. von ritcn, fallen, rutscheu, sickern, auch von
Erde; vgl. das syn. Kisi, Kntschhalde; » für « nach i wäre
der selben MA. gemäss.
grischem ('-am, -i(»i^; zerfallen, zerbröckelt, bro-
samartig; von Butter, die sich nicht will schlagen
und ballen lassen; von Schnee, der vor Kälte wie
Staub zerfällt, wenn man ihn ballen will W; Syn.
wild. Vgl. Griw.
Wahrsch. vom vorhergehenden Subst. abgeleitet durch
die (altortümlicho und seltene, urspr. Superlative) Bildungs-
silbe -cm, die z. B. auch in unserni schlauem, icemm erscheint.
Vgl. Gr. Gr. 11'^ 146 (11> 152). — Bildung mit -»«<« kann
nicht angenommen werden, weil dieses nur für geistige Be-
griffe dient. Jedoch vgl. auch yrämm.
Grische" I s. Gris.
Griscll^e» 11 f.: ein aus einem Dutzend an einander
haftender Semmeln gebildeter Brotschild W.
Viell. aus dem angrenzenden obcrital. Dial., wo <jriHcia
ein durchfurchtes Stück Feld bedeutet; den Furchen würden
die Vertiefungen, Einschnitte zwischen den Bestandteilen des
Brodes entsprechen.
grische" I: im Kleinen handeln BHa. — Wahrsch.
loc. Ausspr. von ' ijrüsclien = ijrülziii, S. d.
grische" U: fein schneien, bei kaltem und feuch-
tem Wetter W ; Syn. stäuben. — Wohl nur Nbf. zu grisen.
Grischeiicier: Einwohner von Gressoney am Süd-
abhang des Mte Rosa, dgl. als Krämer mit Südfrüchten
und Spezereien die Schweiz durchzogen. Vgl. Vene-
zianer; Materialist. ,[Wer] in unser landschaft gwild
liett und überköme, dass er das niendert anderswo
verkaufe denn einem ires handwerks ; desglychen als-
dann krämer, auch gritscheneier und ander irem hand-
werk grossen schaden tuend, dass sie solich gewild
ufkaufen.' Ordn. d. L Kürschner 1505. ,Fremde Kauf-
leute, welche jetzt herein kommen wollen, besonders
die Grischeneyer, sollen zurückgewiesen werden.- löl'J,
AnscH. ,So denn uns von wegen der Ougsfciler. Gry-
scheneyeren, Wälschen Parretlis und anderen frömden
krämern und landfareren vilcrlei klegten fürkommen.'
Z Mand. 1530. ,Von Visp wandlet mau durah den
Mons Martis in der Grischeneyer landschaft.' Stumpf.
S. noch Geering 1886, 574 f. Übertr. i. S. v. , Krämer-
seelen, gewinnsüchtige Leute' ist das W. ,Grysche-
neyer' im Kappelerbrief von 1531 gebraucht, wo von
Anschuldigungen gegen die B Obrigkeit darüber, dass
sie Rat und Ämter mit solchen Leuten besetze, die
Rede ist.
Der nicht mehr verstandene Ausdr. wurde in der Hclvetia
von 18'28 und nach ihr von TTobler in ,Krüschen-Eier', d. i.
Eier in Kleie, umgedeutet.
grosch'ele": mit den Händen in einer Menge
kleiner Gegenstände herumfahren, z. B. im Geld AaS.
— Nahe vwdt mit ffrüsch(e)hn (viell. unter Anlehnung an
kruelen) oder mit ijräachen.
Grosche" I m. (Dim. Gröschli Ar): die deutsche
Scheidemünze, die durch den Verkehr früher auch auf
Schweiz. Gebiet (zunächst wenigstens das der Nord-
grenze) kam, oder auch nur als ideale Münze galt
(= 8 Rappen Bs). Wurf er en Chriizer uf 's Bach, se
fiel im en Gr. abe. Sülger. Ken Gr. (auch Batse")
wert se [sein]; s. gröschig. Der gesetzliche Zins vom
Gulden war 1 Gr., also 5 "/o Arl. .\nnu 1757 wurden
neben kantonalen Scheidemünzen verrufen: Groschen
und Kreuzer. Vgl. Gross.
Ochsen- s. Oxikrozium.
Böckli-. ,Bischof-( 'hurische Gr., Reichs-ßatzen,
Kreuzer, Fischlein, Böcklein-Gr. und Pfennige, Vöge-
lein und all übrige Fünfräppler, all Gattungen Drei-
Ängstler.' L Müuz-Mand. 1766.
Wachs-, eig. = Wachs-Geld Sp. 272; aber seit
dem .\ufhören der Bruderschaften (Reformation) wurde
das Wachs-Geld in Bs als sog. W.-Gr. von den Doppel-
zünftigen in die Zunftkasse bezahlt (noch 1803).
gröschig: einen Groschen, d. h. Nichts wert,
nichtswürdig GTa.
Gl'osclie" II m.: krummes, hakenförmiges Drechsler-
gerät, zum Abschuppen des Eisens Aa. — Von frz. cruchc,
crachet, Haken.
grnscli(e)le" (grui-clc Z): 1. lallen, von den ersten
Sprachversuchen kleiner Kinder, „auch von den er.sten
Tönen junger Vögel L; Scuw;" Z; Syn. gurlen, gmch-
len. — 2. verwirren Z. Wer gruschelet, wer nmme
macht [sein Wort nicht hält], ist 's Tufels. Pupik. —
3. wimmeln, wühlen LE. Syn. grüscheren.
In Bed. 1 und 2 auch gitiich(e)len Sp. 481. Ob ;• ein-
geschoben oder ausgestossen, ist kaum zu entscheiden, da
wenigstens bei 1 Nachahmung eines Naturlautcs vorzuliegen
scheint. 1 und 2 sind durch die Vorstellung des Undeut-
lichen, mangelhafter Artikulation zu vermitteln. An die Vor-
stellung des Verworrenen konnte sich Bed. 3 anschliossen.
Nahe vwdt in Bed. 1 und 2 ist yronrUeien und f/rihchiejlen.
Grusch'(eili I n.: gutmütige, schwache Weibs-
person L. — Wahrsch. zu <jnisch(e)len 1, von mangelhaftem
Sprach (und Denk-) vermögen.
Gruscheli II s. Grus IL
Griische" f.: Hautkrankheit des Viehs Gr uVatz.
— Churw. (jrutcha, Krätze (aus it. crusai, Kleie).
giTisclie": rauschen. Gr. und grumple" BBe.
Verstärkung von rüichen, aber schwerlich durch das Präf.
;;t-, sondern durch unmittelbaren Lautzusatz. Vgl. grüscheleii.
817
Grascli, gi-escli, j^riscli,
I, griiscli
(iriisch 1) GriH bzw. Gröi, Grii Av (auch Grösche);
BsStdt (i', auch kr-); Gl (>'■); GWe.; ScuStdt; Th; W;
ZDättl., 0., Grüsche Gr; GSa. — 2) Chriisch bzw. -ö-,
-i- Aa; B OV; LG.; SG., Tierst.; Uw; U; Zg; Z,
Krüsch GKNuf., S. — meist n.; f. (mit der Eiid. -e)
in Ap; GlK.; Gr: 1. Kleie, allg. Wie Chr., trocken
und unschmackhaft (von Speisen) Z. Meinti Ein [man
könnte meinen], das Brod war us lüter lötigem Chriisch,
so schu-ars isch [ist es]! Zq. 's dunkt Mänge Pasteten
und Fh'isch a's wie Chriisch. HIfl. 's isch eine^ vo"
de" Here vo" Riehe', wo Krüsch uf d'r Nase hend, ein
Kerl wie eine Gans Bs (Becker). Er redt, ivie wenn
er Chr. im Mül hett [undeutlich] Z. De' iceiss, tco 's
Chr. Kse chtiniit, hat Erfahrung von der Sache AAFri.
Vil Chr. und tceui« Speck, viel Aufwand und wenig
Erfolg (eig. = trotz guter Nahrung werden die Schweine
nicht fett). Schild. Da^ isch z' vil Chr. für eis Huen,
zu viel Arbeit für eine Kraft, ebd.; Gückk. 1844.
jDass es Schnuderbuben gibt, die, wenn sie noch
nicht über 3 Mass Kr. wegsehen können, in allen
Gaden [Schlafkammern der Mädchen] herumschnausen.'
GoTTH. ,Des Teufels Mehl wird zu Gr.' Sprww. 1824.
.Dass er [der Bäcker] an der becke [einmaligem Backen]
nit mer gewinne danne 4 pfenninge und syn gr.' 1331,
TuFr. Stadtr. ,Wer zum Verkauf einen Mütt Dinkel
bachet, der soll daran gewinnen zween Pfenn. und
die Gr.' BThun Handfeste. ,Er begert seinen bauch
ze füllen mit krüsch, das die süw assend.' 1531/48,
Luc. = ,Kleien.' 1667. ,Grüseh.' 1567, Z Batserk.;
.Krüsch.' 1610. ,ln der huugersnot wurdent grüschen
ufkouft, noch einmal gemalen und brot darus bachen.'
1586, Akdüsek. ,Canica;, krüsch vom mel. Furfur,
grüsch, kleien.' Fris.; Mal.; bei Red. 1662 , Krüsch,
Grüsch, Grus'; bei Denzl. 1677; 1716 ,Grüsch'. , Sonst
leiden sie in Paris so merklichen hunger, dass sie
nichts dann gerisch und haberbrot essen müssen.'
l.MXl, Bs Jahrb. ,Grüschen.' Anf. XVII., GRKlost. LB.
.Menschen -Satzungen der Römischen Kirchen (wie
unsre fromme Voreiteren vor der Reformation mit
solchem Gr. sich abspeisen lassen müssen).' KdWirz,
Absch. 1680. ,Ich habe mich mit Kr. und geronnenem
Blut so hässlich verstellet.' Schwz. Scuausp. 1775. —
2. Abfall von Holz, kleine Holzstücke GRNuf.
Ahd. crusc; furfur, neben grüzi und grnzze, furfures.
Notk. übersetzt aber das bibl. Manna: gruzzivinl, und die
Form mit z entspricht vielmehr dem heutigen Qrütze. Mhd.
erscheint <jrüach nur in spätem obd. Quellen; iu Vocab. des
XV. auch die Xbff. <jrüst, griUsdi, in andern obd. MAA. grheh,
bair.-sehwäb. grüuchen. Vwdtseh. mit dem alten grüß, Korn,
yriuße, Grütze, gricß, Sand, ist offenbar, aber nicht un-
mittelbar, und lautlich stehen näher it. cru»ca, rätor. crisca;
während das frz. Patois cmtze wieder mehr auf die andere
Seite ueigt.
Kopf-: mittlere Sorte von Kleie Z. Vgl. Kopf-Mel.
Schell-: geringste, von der äusserstcn Hülse ab-
geschälte Sorte von Kleie Z.
grüschen: Kalk mit Kleie vermengen. ,Kalch,
Saud und Grüsch wollind MGH. den Steinmetzen und
Maurern geben und helfen gr.' 1664, ZWthur. Vgl.
Gersten-Güsel.
grüschig xrÖii(j: leicht zerbröckelnd, hart und
geschmacklos, von sog. kurzem Brot LG.
grüschle" 1 Bs (auch kr-); Gl; GWa. ('«y,- Sch;
ZO., gröschele, griischele Ap, xr- ÄAFri.; B; L; S; Tii;
Uw; Zg; Z: 1. mit Kleie spielen, insbes. das (z.B. in I
Schweiz. Idiotikon. II.
der Weinlese, am Berchtoldstag usw. übliche) Spiel,
wobei in einem Haufen Kleie Münzen (in GWa. aucli
Stecknadeln, in Aa; L auch Knöpfe) versteckt, dann
jedem Kind ein Häufchen zugeteilt und das darin Ent-
haltene als Gewinn gesucht wird Ar; Bs; B; Gl; L;
Th; Ndw; Zg; Z. In L wird (wie in ZZoll.) ein ein-
zelnes Stück (Knopf oder Münze) verborgen und darf
jeder Mitspielende nur einen Grili'tun. — 2. (suchend)
in Etw., z. B. einer Tasche od. einem Behälter, herum-
wühlen, -stöbern, -stören Aa; Bs; „LE.;" UwE.; Syn.
knüblen; knusperen; griiseheren. ,Er habe einmal einen
Blick rückwärts geworfen und gesehen, dass N. in den
Hosentaschen etwas krüschle.' Z Rechtspfl. 1833. Im
Geld gr., hörbar und mit Lust im G. (das man auf
dem Tisch, in der Schublade oder in der Tasche hat)
wühlen, damit spielen, Überfluss an G. haben und
zeigen Aa; B; L; Sch; S; Ndw; Zg; Z. Syn. rigJen.
De'' Bür ist u"rernünftig rieh; de'' chröschlet i" de'
Dublone" AAWohl. ,Wenn sie im Geld kr. konnten,
als ob sie es mit Millionen zu tun hätten.' Bs. ,Etwan
träumet einem, er finde einen schätz und grüschle im
gelt.' LLav. 1582. Etwas anders mit Dat. P.: Si
werden-em lool g'herig im Gelt g'krisclielet ha", darin
geraschelt, d. h. gehörig damit aufgeräumt haben Bs.
— 3. heimlich mit Geld umgehen, unredlichen Gewinn
suchen Ap; Z; von anvertrauten! Geld [irutitieren Scii.
.Manchem Gemeindrat ist es sein Unglück gewesen,
wenn er in Gantgeldern kr. und solche in seinem
eignen Intresse hat verwenden können.' BsL. (Zeitung
1878). ,Chr. in-ere Sach, in alieno negotio commoduni
suuni spectare.- Id. B. Beim :\ns.Iirii v,,n Kurten Kunst-
griffe anwenilcii, K;utrii ui\t dm S|iirl,.ni von der
selben Partei \mxIi.m-1ii 1,(1.; /.. - |. Sarhen unter
einander mengen, besonders in betrügerischer Absicht;
Waaren durch Beimischung verfälschen, z. B. von Krä-
mern, Weinhändlern, Wirten; auch: Rechnungen fäl-
schen, von Buchhaltern UwE.; Z.
Vom Subst. Ori'iach und zwar deutet die Bildiin;,' mit /
darauf, dass die Bedd. '2 — 4 von 1 ausgegangen seieu. Zu
:j und 4 vgl. güdcnn.
„er-: hart und derb mitnehmen, durchprügeln VO."
Syn. ijualtn, er-habercn, -lüeai. Er- bedeutet die Grüud-
liclilieit des Verfahrens (Suchens nach strafbaren Fehlern
und der Züchtigung).
Grüschle r: ungetreuer Verwalter anvertrauter
Gelder. Gotth. Fälscher von Lebensmitteln, s. gri'isch-
len 4. ,Die hallerwertigeu wyu- und nidolmilchspiler,
dessglychen die krüschl.r .^"llrii üt/it ze buoss ze geben
schuldig syn.' 1533, Ya.u. Art.; zu gri'ischlen 1.
Grii.srliletc f.: 1. :ill.Tl.-i vermischtes Klrin-cld.
BettelgrM Tn'l'ä- V.minisrldat I. 'J. ..vcrsIrrMrs
Spiel, eig. und bildl.-' Vermis,;liuiig, V,-rfals,liung
UwE. Zu gri'ischlen 4. ,Was für Leichpredigon von
anderen Orten uns under die Hand kommend, sind
Flattieren; es ist Krüschletcn, es heisst küpferne Seel-
gret, kupferne Mess; den Rychen ist gut Leichpredigon
halten, aber anderen macht man's oben anhin.' 1640,
JJBreit.
grüschlig/r-: von Kleie; bildl.: sehr trocken B.
Grüscliel n.: kleines, geringfügiges Zeug L. Syn.
Giisel. — Wahrsch. znm folg. Vb.
grusch(e)le° II: leise rauschen, rascheln, z.B.
von Laub, das durch die Luft Bs; BHa. ßj, oder durch
kleine Tiere bewegt wird AAZein.; auch von Papier,
Üiasch -gruscli. Grasp— grusp. Grast -gnist. Grat— giut
820
mit welchem Mäuse sich zu schatten machen AAFri.
Von Menschen: leises Geräusch machen Bs. — abe"-:
mit Geräusch herunterfallen machen. Vgl. abe'-giish"
Sp. 474. Wenn e Nachthöiel von-ere Tanne' uf(/' flöge'
ist und mit grossem Büsche" ganz Hufe' Sehne abe-
grüsehelet hed L.
Der Voc. scheint kurz (Aa; Bs) uud lang (BHa.; L) vor-
zukommen, wie seh weich (AaZein.; BHa.) uud scharf (Bs),
wohl je uaeh der beabsichtigten Nachahmung des Geräusclies.
Uass ;/ nicht das Pr.äf. (vgl. die Anni. zu grüschen), scheint
aus hrüschelen, bruschcn hervorzugehen, welche vom Kauschen
des Wassers gebraucht werden und gewiss nicht das Präf.
bc- enthalten. Bei uhe-tjr. ist wohl nicht an ruschen, runchelen,
glitschen, rutscheu, zu denken, dessen v. kurz zu sein scheint.
Dagegen findet sich auch rii»cAc?«n, rauschen, rascheln, rieseln;
vgl. auch grischUn.
grüschere": in Etw. wühlen LE.; Syii. gruschehn.
Scheint etwas stärker als griin-lilen (i), zu dem das W.
ohne Zweifel gehurt.
Grasp — grusp.
grasplc": Nljf. zu grisploi in vcrstärkenilcni 8. Bs.
grisple": kleines Geräusch machen, leise tasten.
/'■* her [höre] Eppis gr. an dr Türe' Bs.
Auch riitpleH. Der Zusatz von g wird aufzufassen sein
wie bei gruaclien u. a. Das ge- des Ptc. der mit r aul. Form
kann immerhin mitgewirkt haben. Lautuachahmung wie
(z)wi»p}ai u. Ä. Übrigens s. noch kr-.
Grospe" m. : Tannenstamm ohne Äste ; dürrer, nach
andrer Angabe: abgebrochener Wipfel Gl.
An «uuiittelbarc Entstehung von »p aus tz in Grulzen wird
kaum zu denken sein; es miisste eine Mittelform mit »( an-
genommen werden (vgl. G'riuji, Nbf. zu JHhI). Näher liegt
das Adj. rüsp, in Gl = rUm-h, dürr, ahd. roncli), dessen «<■
in ap übergehen konnte, wie st. Unser W. viell. durch Ver-
schmelzung dieser beiden Wortstämmo entstanden. Doch s.
auch llVipi; ri'irpen, zsraffen.
grnspele": Geräusch machen, rascheln; unruhig
geschäftig sein. Was gruspelet unter •'em Tisch? Bs.
Offenbar ablautend zu grisphn und graaplmi. nur dass der
Laut u ein dumpferes Geräusch bezeichnen wird; rüaphn
wird von Mäusen gesagt. Betr. das g gilt das zu grispkii
Bemerkte.
Grast — grust.
G«-grest n.: 1. eilfertiges Wesen A.vWohl.; hastige
Beschäftigung, geschäftige Eile L; Zg. — 2. wieder-
holtes zudringliches Bitten Z. — 3. lautes hastiges
Gerede L; Zg. — Vom folg. Vb.
greste-, meist e'; e^ in AaF., Fri.; -rfi- ZO.,
greschge' übw: 1. a) eilen, in eigener Tätigkeit eil-
fertig sein und sich geberden AiWohl.; Ndw; ZA.
Hastig arbeiten L; Syn. fechten. Sich mit Arbeit
plagen. Si hend-en ellei" lö' gr. L. — b) drängen,
Andere zur Eile antreiben, zur Arbeit nötigen AABb.,
Wohl.; Th; Z. Syn. jüsten, nöten, stupfen. , Unauf-
hörlich zänkeln Z." Laut reden, schreien, z. B. zan-
kend L; „Scuw;" Zg. Auch von dem Rufen, Schreien
und Schelten mit Zugtieren Th (Pup.). .Treiben, gre-
sten, mennen, urgere, agere, pellere.' Beb. 1662. —
2. inständig und zudringlich bitten, mahnen, zureden.
Jmd zu Etw. zu bewegen suchen Aa; Bs; ,VOrte;''
Sou; Z; oft: , an' Einem jfj'. %yn. noten, müeden. Gegs.
«" Not län. Er hat a'-mer umme grestet, bü i''' jö
g'sät ha" Sch. !"'• han em 's müesse' ge", er hat nit
nö-g'lö gr. und grause" AAZein. De"' Herr hat eisig
grest't, bis i''' g'sunge' ha'. Stütz. — 3. immer sorgen,
bekümmert sein ScuNk. ; „unaufhörlich sich beschwe-
ren Z." — 4. rösten, bes. Kattee, auch Suppe Sch.
Für die Erklärung dieses sonst nirgends genau iu dieser
Form und Bed. bezeugten W. bieten sieh 2 Möglichkeiten:
1. ,gresten' aus ,ge-resten', und ,resten' = , rasten' in der
(der gewöhnlichen entgegengesetzten) Bed. ,in anhaltender
Bewegung begriffen sein', entsprechend der aus der gewöhn-
lichen Bed. des Subst. ,Kast' f. entstandenen, mit männl.
Geschl. verbundenen Bed. ,Mass der Arbeit, die der Ruhe
vorhergeht', s. St. 2, 260; Gr. WB. 8, 151. Neben rasla
bestand schon ahd. reell und dem entsprechend neben rasten
ein retten, auch bei uns bezeugt in ab-rmten, ausruhen. Ob
realen i. S. V. .antreiben, zudringlich bitten' (Schw) urspr.
oder erst aus dem Ptc. von greaten abstrahiert sei, kann un-
entschieden bleiben. Die bei dieser Erklärung angenommene
Begriffsveränderung findet Parallelen in lat. vacare, müssig
und fleissig sein, ,Mnsse : müssen' ü. Ä. — 2. greaten für
hreaten und dieses = kreisten, st<jhnen vor Schmerz oder An-
strengung, Gr. WB. 5, 2161; Schm.-Fr. 1» 1383. Diese
Erklärung ist weniger wahrsch., weil jenes ,krcsten" und
.kreisten' nicht auf unserm Gebiete vorkommt, der Übergang
von ei (oder älter t) in e (das doch zunächst lang gewesen
sein müsste) keine Parallelen findet und weil die Bedd. unsers
.gresten' aus der von ,stöhnen' sich weniger leicht erklären
lassen, auch wenn man von 3 ausgienge. — Bei i fallt der
zufallige Anklang an , rösten' nicht in Betracht. Diese Bed.
wird wohl nur daraus zu erklären sein, dass das Rösten eine
ziemlich mühselige Arbeit ist, bei der es darauf ankommt,
in kurzer Frist den richtigen Temperaturgrad zu benutzen.
an-: laut anreden Zg. Zu gresten 1 b.
Gresti m.: der an einem Andern treibt, ihn be-
lästigt AAWohl.; L; üwE.; Z; Syn. Müedi.
Grist. ,Die langwirigkeit der türe [Teurung]
brocht's dohin, dass man nit fand gr. und gersten,
mues und honen zue malen g'nueg.' 1531, Bs Chr.
Viell. für llrüst als Nbf. von (Jrüach oder Grütz, s. dd. ;
doch vgl. auch engl., ags. yriat, zu mahlendes Getreide, Mahl-
korn, Mehl, das auch ahd. gewesen sein mag.
Grnste f.: 1. Kruste, a) von Brod Gr. Dim. GrustU,
kleines, hartes Stückchen Brod GnSplüg. — b) von
Schnee : dünne Schneedecke Gr ObS. — 2. magere
Wiese GrL., ObS. — 3. Dim. GrustU, etw. Geringes,
z. B. eine schlechte Kuh GRRhw., V.
Aus it. croata (lat. e>u»(a). Bei Bed. 2 ist an eine nur
dünne ,Kruste' von Humus zu denken; bei 3 an Übertragung
von der Magerkeit des Bodens; vgl. aber auch Jiuatig.
Gral(t)— gruf(t).
Grat 1. in BO.; GnPr. Grad — PI. -ö- bzw. -ä-
— 111.: 1. (in ScHwE. Griit n.) Fischgrat, allg. Schluck
kei"s Grat SchwE. Ke" Bock öne Not [Naht], keti
Fisch öne Grot. Ineichen. ,Ohne Dorn kein Kos. in
nasser Scböss kein Fisch ohn Grot wird g'flschet.'
JCWeissenb. 1678. Der Teil für das Ganze: ,Keinen
Gr. fangen', d. h. gar Nichts. Sebast. 1730. ,Ein
Grätlin, ein Brätlin und ein Salätlin, wenn das habe,
verlange Nichts weiters.' Museum 1793. Vgl. kes Bei"
= kein Mensch, und kes Bütschgi = kein Apfel. —
2. länglicher, schmaler Bergrücken, allg. Es regnet
ither all Grat iis [vom Landregen] OnPr. Wenn der
821
(irat, gret. grit. gr
i-ut
Angst a'fäht (a'-gäl), ist der M'inter im Gr., fängt es
;uif der Höhe schon an kalt zu weiden W. D' Sitnin-
hed an d' Gred ang' schlage' y'ha", hatte mit ihren
orstcn Strahlen die Berghöhen getroffen GnSchiers;
vgl. graten 4. Über d' Grat ga', untergehen, von der
Stiiinu ('.liObS.; Syn. für Oold ga". Wir leben im
bc.tliii l-'niliii Ulli ixrn [unsern] Nachburen hinder-^em
Gr. l;lii. iS.liw /iL). ,K daz er uf den höhen grät
niug koiiifii. da der bouni üf stät.' Boner. ,Anf dem
(irat zu Scholitz fleusst das Wasser von einem Tach-
tniut' in die 111 und anderseits von dem andern in die
Larg.' WuRSTisEN 1580. .[Am Meere] dahin sein [des
Taurus] Arm sich weit erstrecken und nach und nach
viel Grät erwecken.' HsBRebm. 1620. Von der Dach-
first: ,Von der Burg [Schloss Rapperswyl] obristen
Grate oder Schneeschmelze.' Einsidl. Chr. 1752. S. auch
Grund 4 (von zsstossenden Dächern). Grund und Grat
s. Grund Sp. 773. Die trlsso Gredjene, Cimes-blanclies,
drei hohe, kahle Felsh.-.n.ev uImt .In,, A v;i.-iH,4-rlier
zw. Mte Kosa und Jlt (',.,-viii INI,-. (Srlmiti. | l;,,iiiuvr
Fluni. B; L; Tn; Zc. liil.ll. [es ist] ,.;n,i di,. zweilel-
haft. ungewiss F; L." — 3. längliche künstliche Er-
hcdning, z. B. Aufschichtung ausgegrabener Kartoflfeln.
ir(;""-iHe" d' Hcrdöpfel üsacheret, müend d' Chind e so
Grät (Mttdli) mache' dero ZNer.; vgl. gräten. —
4. vorstehender Teil eines Gefüges, der in die Nut des
entsprechenden Teiles hineinpasst BBe. Syn. Federe,
Zunge. Umgek.: Vertiefung, Einschnitt, in welche
eine Leiste hineingepasst wird AaF.; ApH. — 5. Grätli,
vertiefter Teil an Häkel- und Strickarbeiten Z. Vgl.
gräl(lkii. Gn'itir. — 6. Traubenkamm SL. — 7. Name
einer Kuh i,iit weissem Streifen am Kückgrat Ap. Vgl.
FleH: Sjuajcl.
Mini, iiiat in Bed. 1 u. 2, auch: hervorstehende scharfe
Si>itzo, übh. Unebenheit. Die scheinbar entgegengesetzten
Ang.iben bei 4 erklären sich ans der correlat. Beschaffenheit
der Sache selbst und verhalten sich wie nhd. (nd.) , Deich'
?.n , Teich' u. ä. Auch .Kamm' l)zw. nnser Chambe vereinigt
die Bedd. ä, 4 und 0.
Fisch-: Gräte Gl; Z, auch als „Versteinerung
auf 'rnii>.liiil,T (ii." und als Modell für Spitzengewebe
und r,,,.|ii.tlHMl,i,. deren Bestandteile nach Art von
gewissen l''isel,i;iMten in einander greifen Z.
Gerste'"-: Geschlechtsn. LWill. Jahrzeitb. — Mhd.
i/iät wird auch von den Spitzen der Ähren gebraucht.
Gitzi-: fingierter Name eines Wohnortes armer
Leute, welche nur Ziegen weiden können. Gotth.
Bnne"-: die Grenze zwischen den Hälften einer
Schote Sru; Syn. Faden. Vgl. grätlen.
Poiipe"-, auch: „-Grätli": zweiblättrige Meer-
zwiebel. Scilla bifolia GRMal. — Poitpe = Puppe, nach
der Zwiebelform der Wurzel? Durheim schreibt Pii<j<je-.
Eugge"- bzw. Rügge"-Grät ZO., -Rot STierst.,
-liäd ZStdt u. rS., Riggrät Gr ObS. : Rückgrat. ,Rugk-
grat.' ITiOn. Hiou; TiEiiii. l.")(;:^, neb. .Ruggrat.' ,Rugrat.'
Z,; Arziieib. ir.ss. .L'uckuradt.- .1 L< 'vs. 1(561. ,Rugkrad.'
ZZoU. Arzneib. 171(1.
ahingestellt
HiMlie, zsges. sei,
heimischen Formen
ihterung der Anssp
allgemein deutschen
Vgl. noch Ihiyyen-ltwl.
grätechtig: mit vielen Gräten, von F
HEEscHER 1(592.
gräte" (ä) : 1. zspüügen. d. h. einen Acker so
[itliigen, dass man in der Mitte anfängt und von da nach
den Enden fortschreitet, wobei die Erde der zweiten
und dritten Furche auf die er.ste geworfen wird, also in
der Mitte eine kleine Erhöhung (Grat) entsteht ,6" ;
Syn. sesammen-eren, -faren, -fällen. S. auch Gammen
Sp. 299. Bei dem entgegengesetzten Verfahren (,Aus--
einanderpflügen') fängt man an einem Rand an und
schreitet gegen die Mitte fort, wobei man die Erde
stets nach aussen legt, so dass in der Mitte ein Graben
entsteht. — 2. eine Vertiefung, einen Einschnitt ma-
chen, um Holzteile in einander zu passen, wozu man
die ,Grätsäge' und den ,Grathobel' (s. Gräter) braucht
Aa. ,Zsfügen, z. B. Bretter", Holz zu einem ,Grat'
hobeln Z. Syn. kämben. — 3. ,Grätet Tuch, unred-
liches Tuch, welches zur Warnung der Käufer von
den Schauherrn ist geschrenzt worden' Bs (Spreng).
— 4. (intr.) von der Sonne, wenn sie am Morgen mit
ihren ersten Strahlen die obersten Berghöhen trifft
BSi.; s. Grä,t 2.
Das mhd. WB. hat nur: hnimit ,jr., aufznpfen. Zu unserm
;/;-. ; gehören wohl die Flurn. ,Ebengrät, Klendgrät' BInterl.
„Gräter m. : Fughobel. "
grätig: kantig, scharf GWa. ; bildl. übelgelaunt,
mürrisch, unwirsch GWa. ; S ; Z ; Syn. hässig, iHbig.
— hert-: halsstarrig, hartnäckig, unbeugsam. Bitte,
nachgibig zu sein, damit die Gegner nicht sagen, ,wir
sygen h.' 1530, Bs an Z.
grätle": 1. Bönen gr., die Faden von den Hülsen
ziehen Z; Syn. abmachen. VgL Bönen-grät. — 2. eine
Art zu sticken AeK. Zu Grat 5. — 3. g'grätlet, ge-
riefelt, mit Kiele,,. K, I, ei, liiiuen versehen ZZoll. ,Reb-
holz von eine, /,iirhl,,eli , braunrot, gerätlet, mit
schwarzen Düiirieiieii.- ITsl. ZWipk.
Grätler. -in: ciiilältii,^^', ungeschickter Mensch;
Gräteier, langsamer, zii^-enider Mensch AAZein.
Viell. cig. Einer, der beim Essen von Fischen langsam
und sorgfältig die Gräte auszieht, dann Einer, der sich mit
kleinlicher Spielerei abgibt, od. der zu Nichts als zn ,grätlen' 1
brauchbar ist. Vgl. aber auch (Irättelr.r.
Grat II, Grät s. Gred.
Grattel (auch kr-, Chr-) m. : Hocliinut, Stolz,
Einbildung. Fii Gr. hu" AaLIiuI.; ßsStdt; de" Gr.
mache" Bs.
Nach Gr. WB. ."., '207(1 .Krattel' in der selben Bed. im
Elsass, am Mittelrhein und in Schwaben. Das W. wird
also von dort nach Bs eingedrungen sein und auffallend ist
nur, dass es sich auch in einem abgelegenen Strich des Aa
findet. Die Vermutung des Gr. WB., dass es eig. .Kitzel'
bed., mag richtig sein; dann wäre es aus fi/. .iliii.,. .,,^,ii,i, ,-.
kratzen, krauen (vgl. ne pi(juei- ih qd., vi,;, : r .v.,<
einbilden) zu erklären. Das -d und das ^l,i n nl,
das der begrüfsverwandten .Kitzel, Dünkel. i;i,. i- , h Ik-
günstigt sein.
Gräfte" f.: Ansatz gekochter oder gebratener Speise
am Boden der Pfanne, z. B. von Brei GnSch. Prätlet
Erdbir'e' [Kartoffeln] mit goldzündgeV'er Gr. GRSchiers
(Schwzd.). Syn. Rümen. - Vom rätorom. ijnMar, (.al)-)
kratzen.
Grattiken PL: Grimassen ZFlurl.; Syn. Grasscii.
— W-ihrsch. entstellt aus ,?rattiken', gespr. />!■-.
ab-grattle°; um einen S)iiitt|ireis abkaufen, ab-
markten BGu.; Syn. ,./.,;,„/,,, .Jnirken.
Von frz. uralter, ijniii.,' ■ > . -\ ,, aber ,kratzon' hier
i. S. V. h.ibgierigom, ge\\,i,ii^ih hi,^. m W.sen; vgl. ,scliaben'.
lirat, gret, grit, grot, grut
824
Grättel m. Z, Grättc-m. Aa; Bs; L, f. Aa; S (in
Tierst. auch Grättene, PI.?), Gretti f. B; „L (auch
Gritti);" S, n. AaF.; L ; UwE. (ßrdtij; Onw CGrätti I);
ZKn.: 1. a) die zwei Seitenarme am Pflug, welche
zwischen den Rädern angebracht in die Deichsel ein-
greifen L; ZKn., W. Vgl. noch Grätten-Arm Bd I 453.
— b) die von der Hinterachse des Wagens ausgehen-
den, nach vorn sich vereinigenden und dort durch
einen Nagel an der Langwid (oder dem .Gespatt')
befestigten Arme oder Schenkel, entsprechend den
,Diechsel- od. Honarmen' am Vorderwagen Aa; Bs; „B;"
L; S; UwE.; Z. ,30 Paar schwere Grettel (Wagner-
holz).' Z Amtsbl. 1869. Den Huborn zu ZSchwam.
wird erlaubt ,Holz zu Vorzügen 4 Zwergeichli und
zu den Grädlen 2 der gleichen.' 1738, Hotz, Urk. —
2. Geripp eines noch nicht ausgebauten Hauses Obw.
Syn. Zarge. — 3. Flurn. Ober-, Under-Gretti L.
Zu ijrätun, indem die Gestalt der u. 1 augeführten Arme
derjenigen gespreizter Beine gleicht; bei 2 ist wohl, wenn es
Uhh. das selbe W. ist, an die gespreizten Balken zu denken,
die an einem solchen Gespann aus einander ragen.
Hinder-GräH n.: Schwanzriemen am Pferdege-
schirr. ,Postilena, der hinder sattelbueg oder das h.'
Fris.; Mal. — Der betr. Teil des Sattelzeuges geht bei
der Schwanzwurzel in 2 Arme ans einander.
„grättele": etwas Kleinliches mit Genauigkeit
und Fleiss ausarbeiten; auch von einem Menschen,
der ohne bestimmten Beruf allerlei Mechanisches zu
verfertigen weiss Aa." Syn. klütterkn. — Grätteler
ni.: 1. „Mensch, der ,grättelet' Aa; B, stiller, gut-
mütiger, etwas langsamer Mensch BO."; Kleinigkeits-
krämer S. — 2. alter Mann mit gespreiztem Gang S.
Syn. Gritti.
Die Bed. von i/rättelcn und Grätteler 1 lüs^t siili zur N^t
aus derjenigen von grättm (langsam schrtit. m . ntwi. 1,( In:
doch hat wahrsch. Vermischung von chrüii.hn mil ^Iri Fa-
milie (/rntfen Statt gefunden. S. noch (intthii, ijruiiUn, .jriiiilni.
grätte", in Bs auch Jr-; die Beine weit aus ein-
ander strecken Bs (Spreng); Syn. grätschen, grillen
CgriggenJ; mit gespreizten Beinen langsam, unbehülf-
lich gehen, schwanken, wackeln, watscheln, wie eine
Ente, humpeln AAFri.; Bs; BBrisl. ; S; Syn. tratschen.
Bildl. langsam zu W^erke gehen, nicht vorwärts kom-
men Bs (Spreng). — ver-. ,Die Füsse v., die Beine
zu weit aus einander stellen, grätschen; refl., sich
breit machen, gross tun' Bs (Spreng).
Vgl. bair. ,graten', grosse, weite Schritte machen; md.
und ä. nhd. ,greten', schreiten; ,entenmässig wackeln nud
gratteln.' Fischart.
„grätterle": mit ausgebogenen Füssen einher
gehen S."
Grätti II m.: gespreizt, schwerfällig, unbehülflich
gehender, langsamer Mensch AAZein.; Bs, Zauderer.
Spreng (auch ,Grätter'). En alte Gr., gebrechlicher
Mann Bs. Syn. Gritti.
gritti-grätti: Adv., rittlings (z. B. sitzen) Bs;
grittis-grättis gö", gespreizt gehen Bs; auch: ,krättig
laufe°.' ebd.
Wahrsch. ist die in zweiter Linie angeführte Form die
echtere und lässt sich als gen. (adv.) Form des Inf. erklären
wie Verbert/ia u. ä. Vgl. das Folg.
grättli"ge": Adv., überzwerch; gr. uf 's Boss
sitze BsTerw.; vgl. grittli'ge".
Vgl. ,grattelicli reiten', von Mädchen, mit gespreizten
(statt mit gosclilossencn) Bchu'n. Fiscbart.
Gret: 1. Gret Ap fe'O; „VOrte;" Gl; Sch; Schw;
Th; Z, GrHe Gr; „Sch; W", Dim. Gredi Bs; „BBr.",
Greti Gl, Gretli „Aa;" Ap; 'Bs(-d-); „B; VOrte; S;"
Z, Gretschi B; Gl; GnPr.: weibl. Taufn. Anne-Gr.
Stutz. ,Vern [Frauen] Greden.' 1307, Bs Urk., ,Gret.'
1455, AAWett.; 1540; 1559, Z; 1608, Ap. ,Greta.' XIV.,
L Probsteirod.; 1495, ScnwWoll. Jahrzeitb.; 1605, Gr
(Ardüser). ,Grety.' c. 1450, ScnwTugg., ,Gretly.' 1511,
Z. — 2. in den untern Ständen als überaus häufiger
Name übergehend in appell. Bed., i. S. v. gemeine
Bauernfrau, Bauerndirne, oder Weibsperson übh., wie
Hans für männl. Personen, a) allein stehend, a) ohne
speciellere Bed., doch im Dim. mit verächtl. S. Bin
ich denn nüd en g'schlagne Ma", das ich muess so es
Gretli ha! Volkslied. Das ist nur mit Gretli g'schimpft,
nur ein wenig, nicht stark GrL. ,Wann [denn] ich
schlecht glaube, dass also wenig für mich seie ein
gretli und dorf-näpper, ein päurin, also wenig seie für
dich ein rauher handwerksmann oder paur.' HBull.
Brautwerbung 1527. ,Els und Gret, zwo Bäurinnen.'
MvRicÄus 1630. ,Der Landammann von Schwyz er-
mahnte die Toggenburger, sie sollen sich des Psalraen-
singens müssigen und dafür das Gretli singen.' Ende
XVI., MöRiK., Breit. Man fand es ungeziemend, dass
ein Frauenzimmer äussert dem Hause die Dame und
innert den 4 Wänden ,die Gret spielen' sollte (von
der Kleiderpracht der Frauen im XVUI.). Liebenau
1881. — ß) furchtsame, in AARein. auch: schwache,
unbehülfliche Person, auch vom männl. Geschl. AABb.;
Ap; ScnSt.; Z; Syn. Fürchtibutz. Dem Kriegsmann
wird gedroht, er werde von der Liebe so mitgenommen
werden, ,dass du wirst wie ein gret do ston.' Gengenb.
,Effceminatus, ein weibischer mensch, ein gret.' Fkis. ;
Mal. ,Ich wäre ja ein rechte Gret, wann ich mich
Hess vertreiben.' Eidg. Dam. — b) mit Adjj. ,Arme
Gr., der armen Gr. Tochter', eine Hausfrau, die von
allen Mitteln entblösst ist und sich darum z. B. gegen-
über Gästen für mangelhafte Bewirtung entschuldigt:
Ich hi» halt der arme Grefe (Tochter) ZRät., od.: F''
ha 's wie der arme Grete Tochter ZZoll. ,Bin ich der
armen greden tächter.' Aal 1549. ,Dummi Gr.', Ein-
faltspinsel ScH; Z. ,Muedi Gr.', mit Bitten und Klagen
belästigend GRh. ,Ein wunderlich Gret.' Gotth. ,Das
wüstest Gret.' ebd. Eine lange Gr., grosse, hagere
unschöne Weibsperson L; s. 3 b. Vgl. noch die Compp
— 3. Name einer stehenden Figur, Puppe, in Volks
spielen, a) gemalte Puppe, hinter Schützenscheiben an
gebracht, bei guten Schüssen aufhüpfend Ap. 's Hansli
ond 's Gretli, der Hanswurst und seine Frau. ebd. —
b) die , lange Gr.', eine Fasnacht-Puppe, von einem
vermummten Burschen herumgetragen, schliesslicli
verbrannt LWillis. (Lüt. Sag. 496). ,Das Gret Schell',
eine Fasnachtpuppe, auch ,die alte Fasnacht' in ZoStdt,
welche, ein altes Weib vorstellend (einen Korb und
darin ihren Mann aus dem Wirtshaus heim tragend),
eine Peitsche schwingend, von verkleideten Narren
und von der Schuljugend begleitet, durch die Stadt
zieht und den Knaben zuruft: Bliebe", rüefed Narre!
Eine Margareta Schell soll um 1717 in Zug Lehrerin
gewesen sein und dadurch Anstoss erregt haben, dass
sie auch Knaben in ihre Mädchenschule aufnahm,
welche dadurch in den Ruf arger Unordnung geriet.
— c) ,Hansli und Gretli', phantastisch gekleidete Stroh
figuren der frühern Fasnachtfeicr in AAWohl., ent-
si.rechond .Kridengladi und Else' in Z (Bd I 202
82r.
Grat, grei, grit, grot. grat
11 i.;o4), auf einem Hade tanzend von der Jugend
lierunigefülirt. — 4. Name mehrerer in Volkssagen
vorkommender Hexen, so in UUrs. ,Nidel-Gr., Sclmei-
der-Gr., Gr. Schullin (vwdt mit Gr. Schell?).' LUr.,
Sag., 199—201. Im Aa ,Zibele [Zwiebel]-Gr.' RociiH.
1856, 2, 188. .Die lange Gr.' ersMieint au.-h al^ hexeii-
artiges Schreckgespenst. - b. C'/W//, klrinr, i Ir.rli« iir.
Gerstenkörnchen, am Augenli.l il; /-. Smmi, -. IjL'i
Urseli (Bd I 468), ferner Gnlli, llan, JuinpfrfU,
Biberne, Wärle. — 6. GretU im Busch (in der Heck)
Bs (auch Gredeli-), Gr. im Sfrüss GWc., türkischer
Schwarzkümmel, nig. Damasc; Syn. Brut im Grüene,
Här-heueli Bd I 616. Gr. im Busch, auch: schwarzer
Koriander, nig. sat. Hegetsobw. S. noch Gritli. —
7. ,Gretenseewadel', Flurn. ZSth.
Verkürzung von .Margareta' (Margret) wie Orit von der
frz. Nameusform Marguerite. Apiicllative Wendung des Na-
mens wie z. B. bei Elm Bd I, ib'l, Appele 3öl, Bäbi, s.
Wackern. 3, 128 ff. Aus 2 erklären sich 3 — 6, ohne dass
man für 3 u. 4 mythologische Grundlage zu suchen braucht.
Bei ü ist noch spec. an die schöne blaue Blüte zu denken,
die in Mitten des grünen Blatterbusches sitzt, und mit einem
Mädchen verglichen werden kann, wie sonst umgek. Mädchen
mit Blumen.
FüH-Gret, Fe'le-GretU: zartes oder schüchternes
Mädchen Sch; Th.
Da in jenen MAA. mehrfach e' an Stelle von sonstigem
./* erscheint, wird man fih- = ,fehlen' erklären dürfen, so
dass das Comp, eine Person bedeutet, der immer Etwas fehlt,
d. h. die sich immer über Etwas beklagt; vgl. Jämer-,
Kumber-Gr.
Furcht- Furcht-Gret SchwE., „Fürchti-GretW,
Furcht- Zu, Fm-ch-Gret Aa; Th; Z, Forcht- Gl,
Furcht- AaF. = Grit 5 a ß. Syn. auch Furcht-Füdle,
Fürchti-Butz. — Hüener- s. H.-Gredel.
Hüwel-: altes Weib S.
Bezieht sich eig. weniger auf das Alter .als auf die strup-
pigen Haare, s. ti,rcl Bd I GU: filfi.
Jämer-: Person, die viid jaiiiiiicMt ,.\'( h;Ti:;" Tu;
Z; Syn. Jämer-Grächze, -Kni.r. — KimiiImt-: I'ci-
son, die sich unnötigen Kummer uiai-ht S. iiSt.; /Iialtl..
Ner. ; Sy n. Kumher-Kräze, - Trucke. — K a r r e n s a 1 b e - :
schmutzige Person. ,Bei einer verschmuseltcn K.'
GOTTH.
Möre"- Möre-Gredli: schmutzige Weibsperson
Bs. — Mure, Mutterschwein.
Nidel-: Name 1. einer Hexe, s. Gret 4. — 2. eines
Gespenstes, das die nächtlichen Zskünfte der Bursche
und Mädchen, wo Nidel [Sahne] aufgetischt wird,
heimsucht ZO.
1 bezieht sich spec. auf die bekannte Eigenschaft der
Hexen, durch Zaubersprüche oder Manipulationen sich die
Milch der Nachbarn anzueignen. Nachweise bei Sutermstr,
Märchen, S. 218.
Pure"-: Bauernmädehen , s. Grret 3 a a.. ,Zwei
ungleiche Personen, auf der einten Seite eine Prin-
zessin, auf der andern ein elendes Baurengretlein.'
JJUlr. 1727. — Schiess-: Weibsperson von hasti-
gem Wesen; Syn. Schiess- Anne Bd I 261. ,Ein arme
frow, zue Egenwil sesshaft, die Schüssgret genannt, in
starker verlümbdung g'syn, ein bös wyb und unliiddin
sige.' 1605, Aa Weist.
Schnäder-: Schwatzmaul Th. — Silnuidmu,
schn.attern.
Vf ih e r - Gretli : weibischer Mann, bes. der süsso
Speisen und Getränke liebt Bs; vgl. pretisch.
Zibelen-: weiblicher Scheltn. Aa.
Urspr. oder bes. auf Hexen angewandt, von denen
lierm erzählt wird, dass sie zur Wahrsagung uiul zi
lg von Krankheiten Zwiebeln suchen. S. Lüt.. Sag. liil
Greter: Geschlechtsn. LGreppen.
Viell. ein(
(unvcrehlicht.'
gretiscl
gr. gemüet, I
Fris. ; Mal.
Gretler: Spitzbube; Gretlerszüg, verwünschte
Sache Ap. Geschlechtsn. ,Ulr. Gr.' Z 1529. - Ilüi-t
vicll. mit Gret i. S. v. Hexe zs.
Grette s. Karrette.
Gretti s. Gred I und Grätlel.
Gretig s. Margareten- Tag.
greiters, greitersch: (Adv.)
im., die vom Namen einer
■n waren. Vgl. Ehcner, Jten.
inius, ein weibisch oder
iwisch, gr., muliebritcr.'
uttentlich,
(zum Adj. fjereit, be-
,at zunäch'st'die Form
etwan ein
scheinlich GT.
Wohl zu mhd. gereite, gereide, A
reit), leicht, schnell, gern. Das Ad
des Comp, angenommen wie erhi.,.
noch s zugesetzt bekommen wie - .
ohne 8 ■/,. B. in einem Z Maud. li, ;i
fragt, ob sy (die Wiedertäufer] all-i
Oberkeit löbind, der Seligkeit halbe
hat geantwortet: Es möchte greider
lingen].'
Grit I m. : Begier, Begehrlichkeit. ,So ist ir leben
gar faste gekert uf ere und ufe gr. und ufe unkusilie-
heit.' Bs XIV. ,Beflecket sint bede jnit grite. mit uwle.
mit hasse und mit horlifart.- ebd. .Ihiss uit erliar-
mung, freundschaft, grcil iinili zum, fciiidsrlKill. Imss
old neid sich in dem giuüet dos riclitcrs rege.- Siiif.utw.
1579.
Mhd. (nur in elsässischen Quellen) = Git, s. d. Für die
elsässischc Heimat des W. gibt Martin, St.rassb. Studien,
:',vl ff. ,v,.itfrr. BoInOT; er fiilirt nl.rr .l:i<i oi;Ni.r,.rlH.ndo Ad.j.
•jtlir zu erklären ist. Kn i^t alM. Mrlmrlir Kin^rhicliniis v<
anzunehmen, wie in .In- unlrr '.'</ aiiLrefülntrii \rlif. '
nur dass sie hier hmtn- ,iri,i Vue. st.itt-rruiel.n liat,
allerdings leichter zu erklären und mit Beispielen zu hell
ist, so dass viell. Grit erst durch Umstellung aus Gtri
der Beispiele gibt, ße rk
Horrig Arch. 8, :347 .srit
euin, die Voc. der Lippesi
1 mHh' (mit kurzem i), gii
standen ist, wofür es auch
wert ist übrigens,
nach neuerer An^-^i
Mundart, Hann.n,
auch auf nd. lirln. !.■ \..i küunul.
Grit II bzw. Gri'tt BE., Grlte BLenk; Scn (aueli
n.); Z — Dim. Grlti S, Gritli Bs; S; Z, mit gestei-
gerter Diminution Griieli: 1. weibl. Taufn. a) Mar-
gareta. res|i. Irz. .Mai-n.rite; etwas vornehmer als
.Gret-. /;..s, ,„,//,. i;,. ,, .\l. IJLenk. — b) Gertrud Bs.
— 2. ai (inlli. Lil. ilila^elien am Augenlid Z«; Z;
s. Grit :',. — b) Gritti im Busch = Gret G L.
Schnabel- Grite; Name einer geschwätzigen
Weibsperson. ,Die Sch. schwatze vom Morgen bis an
den Abend bei Jedermann.' HPest. — S.hmiM = ge-
schwätziger Mund.
•grittecht, der mit den schenklen umli die kneuw
und seliinbein weit von einanderen grittet.' Mal.
(jridele" f.: 1. die Stelle, von der die Beine am
mens.lilielieii Kl.rper au.sgehen, der .Schn'tt' B; Nnw,
827
Grat, gret, grit. grot, griit
auch die gespreizte Stellung der Beine selbst BSi.;
Syn. Schrägen. — 2. die Stelle, wo ein Baumstamm
oder Ast sich in zwei spaltet, gabelt BR.; Uw; W.
Tanne, deren Stamm oben sich teilt GRÜbS. = 6fri<ie?e"-
Tanne BS. In der ,Gr.' eines Baumes darf man die
Wasserschosse nicht herunterschneiden Obw. — 3. aus
zwei Stäben, die oben in einen spitzen Winkel zu-
sammenlaufen, bestehende Stütze UwE. — 4. aus
Stäben gebildetes Dreieck, das man Ziegen an den
Hals legt, um sie am Durchbrechen der Hecken zu
hindern Zg. — 5. Grittelti n., Schnitzerei mit einer
Art Hörner, welche ein Kind vorstellen soll B. —
5 Dim.-Form zu dritte". Synn. zu 2 Griggele und Grijipdc.
grittele": 1. gespreizt, mühsam gehen, vor Müdig-
keit od. Alter BR. — 2. unpers. mit D. F., „es grittelet
mir, ich bin unschlüssig BO."
2 eig. ein Zustand, wo die Gedanken in zwei Richtungen
aus einander gehen, zwei Wege oifen stehen. Vgl. ahd. zioeOn,
ha^sitare, cunctari, von eivc, zwei, lat. dubiua von duo, gr.
Soiäjto, zweifeln, von Soiöj, doppelt. Vgl. auch Zmitzi-Zimtz,
unschlüssiger Mensch, UnschlUssigkeit.
Gritte" f.: gespreizte Stellung der Beine; Zwi-
schenraum zwischen den gespreizton Beinen, wie der
Winkel von zwei Ästen. Gr. machen, die Beine
spreizen W.
gritte". in B aucli gnltle": 1. die Beine spreizen
Aa; B; V: ^. l>rrmil siii fr iihry ilir Granate" grittet,
heig s. .,ri,--rl,r' sii,i" n.nii- ,i_iiiiiii u'"' es heig bim
Till/er \in„,r,iii Snl 'hi- jlSt.ll (l;;iri 1883). ,Graten,
gratloii, ^ritcn, divaiicarc. di.stcndcre crura.' Red. 1662.
.Ingriten, ingredi.' ebd. 16-56. ,Divaricata crura, Bein,
so von einander gritten.' Denzl. 1716. ,Varicare, die
Bein weit von einandern setzen, grittlen.' ebd. 1716;
,grüttlen.' 1677. Mit breiten Schritten gehen S; müh-
.sam gehen BRi. ; SRech. — 2. aus einander gehen
übh. ,l)ie fFedern] auf dem rugken sind weit von
einaiidi'v.'n. yrilt.-iid, änlich den reigelfederen.' Vorklb.
1557. .I>i.' Srli.iikil aber der Rafen, so von einander
gehen (liiittcni, lii;on auf Zwerchbalken.' Splbiss 1667.
Mhd. iplini, in Bed. 1, auch von aus einander gehenden
Ästen eines Baumes; vgl. ahd. ^hcWIu, inchoo, eig. beschreiten,
einen Weg einschlagen? crit-mäli, passus. Vgl. grUjge».
er-: 1. ,Elongato passu complecti.' Id. B. Syn.
crschrittcn. — 2. in Eile zu Stande bringen S(;n. —
— 2 eig. mit weiten Schritten ein Ziel erioichen.
umhin- umme-: humpelnd einhergehen, wie alte
Leute ZWasterk., wofür ebd. auch ergriggen.
zer-. Zergrittet gän, stän, mit gespreizten Beinen.
,Varicare, die bein zergritten, die bein von einanderen
zertucn, einhin schieggen, den schlemmer trStten.'
Fris.; Mal.
Gritti: 1. m. mit gespreizten Beinen gehender.
niei.st gebrechlicher, alter Mann AARein. (auch Griggi);
B, bes. von Ha-ostnlzon, SnnibM-linsren. in BR. mit
dem V.'in. Gnih. alle flau. Kii ii'i''l>. "!!• ^r. S.
2. II. ai ./■'.-■ tir. wnrh.ii. •]]■■ r..'iih' triatsrlini |!S,i. —
b) = GrcUi., .s. Gmttd. Zu 1 da.s l'uu.i.. i,r.-JJ,n,. l;aek-
werk in Gestalt eines Mannes mit gespreizten Beinen.
Geiss(e)- n.: Entzündung der Mittelhand mit
Eitergesehwulst Aa; Tn; Syn. Geiss-grigge.
Wahrsch. weil sich die Entzündung an dem Winkel zw.
zwei Fingern bildet; ,Gciss-' viell. mit Bez. auf den gespreizten
Gang der Ziege.
griete": (Eicheln) sammeln.
grittig: gespreizt, nur in der Form ,krettig'.
[Ein Soldat, Christgeschenk] stöt so Irettig äo, a's
wie wenn Einer rite tuet. Allem. 1843.
gritti"ge", grittli°ge'': Adv., mit gespreizten
Beinen, rittlings; auch von Weibern, wenn sie nach
Art der Männer zu Pferde sitzen: Schi sitzt grittjigu
uf-em Boss wie d's Mannevolch, und von Kindern, deren
eines auf dem andern ,reitet' W. Z' grittlige S. gritt-
ligs gä' Ndw. .Varicitus, grittling.' Denzl.
grittis-grättis s. grättis.
grittle": die Beine spreizen. Schi hat grittjundu
uf im g'hocket, so dass er zwischen ihre Beine kam W.
Grittling m.: Einer, dessen Unterschenkel aus-
wärts gekrümmt sind. ,Der Gr. (auswärts Krumm-
füssige) hat von einander grittende undere Schenkeli.'
Spleiss 1667. ,Varus, auswärts krummfüssig, Gr.'
Denzl.
grittlieli: wunderlich, schwer zu befriedigen, tadel-
süchtig, zänkisch.
Spreng braucht das W. zur Erklärung von ,Fisi' (Bd I
1077); es mag vom Mittelrhoin aufwärts gedrungen sein.
Über die verschiedenen Nbff. s. Gr. WB. h, 2340/1. Eine
Grdf. ist kaum herzustellen; es scheinen mehrere nrspr. ver-
schiedene, aber in Laut und Begriff ähnliche WW. zsgcflossen
und der Anklang an d.is gr. otptx- in ,kritisch, Kritik' nift-
zufallig zu sein.
LHitzk., Urk.
grottle": am Feuer schüren, übh. sich damit zu
schaffen machen AaZcIh. — S. rirull(e)li-n und mri/riiltelen ;
dann auch rolthn, rütteln.
grottli"ge", nur in der Verbindung: (jr. die]:, dick
gehäuft, z. B. von Ameisen BLf. — Von iiroith-n i. S. v.
rütteln; vgl. i/i-iittkt mit und gmdhn, wimmeln.
Gruttel, Grüttel m.: Unruhe, Aufregung, Gerede.
,Als der gr. zergieng.' 1468, Abscil ,k\s allerlei hier-
von geredt und ein gr. underm volk in der kilchen
wurde.' 152.3, Egli, Act. ,Es war ein grüttel under
den Eidgnossen, sy wölltind für Zürich ziechen.'
1525, Sthickl. ,Grüt.tel und Gschrei.' UMey. 1540/73.
,Ein Grüttel zwüschent . . .' XVII., Zg Arch. S. noch
grüessen 3.
Die Erklärung ,Oc-rütrtel' läge nahe genug, wenn das Ge-
schlecht des W. nicht entgegenstünde; es müsstfl also von
Synn. männl. Geschlechtes übertragen sein.
„gruttele"", gruttlo" Gl, grüttele" Bs;
ScHwNuol. , grüttle" AAZein.: „sich mit leichter
Landarbeit (nicht berufsmässig, sondern nur zum Zeit-
vertreib) beschäftigen"; .sich mit Kleinigkeiten still,
aber eifrig abgeben Gl; langsam, gemächlich arbeiten,
tändeln AAZein.; Gl. In krankhafter Stimmung oder
aus Langweile ohne Ernst verschiedene Arbeiten ver-
richten Bs. Umme gr., sich mit Kleinigkeiten be-
schäftigen, wie reiche Herren oder alte kränkliche
Leute tun ScnwNuol. Syn. bäschelen, grättelen, Jcüderlen.
Zshang mit dem obigen ,grottlen' (welches nur eine Spe-
cialität solcher Beschäftigung bedeutet) und mit ,Grutter
(welches iim'li uur kli'iiif .Viiricgung zu bedeuten scheint),
dann aucli mit .ri.ttliii'. rütti In. ist wahrsch., aber die (Jnal.
des anhiutiaidi II ;/ unkl.ir. luiindbcd. scheint: Bewegung im
Kleinen, kleinliche Beschäftigung. Vgl. noch grüddn, grübeln,
sttiren, kleinlich arbeiten (Gr. WB. 5, 2341), dessen rf sich
zu unserni 1 verhalten mag, wie das in unsorm ,rodlen' =
,rottlen'. Vgl. aber auch kn.ltcn.
Grat— irrii). Grätsch— Kiiitscli. (iniw
\ üX-yriUtde" : das Ffuer in Unordnung bringen
AvPri. — Ilei Zshang mit .giottleu' tritt hier deutlich
liennr.
0 rüttele r m.: der sich geiuäehlicli bescliäftigt
AAZein.
Grütteli n.: Kind, das an Allem hermnzerrt Bs.
Grütt in.: Kind GuU., L. (auch GriUte f.); Syn.
riutt. — Schuelcr-: Schulkind GrD.
Das KiuJ scheiut vou seiner (spielenden, aher leicht
^tul■ellden oder schädigenden) Beschäftigung mit kleinen Din-
gen benannt, das W. also zum vorhergehenden (resp. einem
einlachen Vb. ,grütten', vgl. uhd. ,zer-rlitteu') zu gehüren.
Betr. das Geschlecht vgl. üuf.
(iratsch kr- GnChurw., Grätsch m. : 1. (ai
Krätsch) jüngstes Kind einer Familie (anrli wenn
erwachsen ist) Gr. jB" chlina Gr., im W,irli,tiiiii
zurückgeblieben Gr ObS.; vgl. er-ijriii^rli, n j. S\ii.
Nest-Blutter, Näch-Wiseli. Ir"- Grät><ddi, aiii; Fc^lIm-
poppi [Wickelkind] van u'g'fär drl Mannt Gul'r.
(Kuoni). — ■ 2. übel aussehende Person. Bri" (j'seli"
nie en Gr. U. Mageres, verkommenes Tier ünJen.;
schlechte, geringe Kuh Obw; vgl. vergrätschen 1. —
o. alter, verhärteter Schmutz an der Hand BSi. flc-J.
Bed. 1 lässt sich erklären aus ijraiichm 1, als Bezeich-
nung des seine ersten Versuche im Gehen machenden oder
auch noch am Boden herumkriechenden Kindes. Daraus wäre
dann Bed. 2 i. S. eines kleinen Wesens übh., mit einseitiger
und gesteigerter Vorstellung des Unansehnlichen, KrUppel-
haften zu erklären. Doch sind mehrere anklingende Synn.
angetan, unser W. in andere Zshänge zu bringen; so Gmlz;
Grotz; Kraz, und namentlich churw. <jrulM-li, das jüngste
Kiud, vorausgesetzt, dass es nicht umgek. aus dem Deutschen
entlehnt sei. Aber unerklärt bleibt Bed. 3, wenn nicht aber-
malige Verschlechterung des Begr. und Übertragung auf ein
Ding mit der Vorstellung des Zurückgebliebenen angenommen
werden darf. Vgl. etwa ,B(r)ögg', welches neben der pers.
Bed. auch die von verhärtetem Nasenschleim hat. Doch ist
wahrsch. 3 ganz zu trennen von 1 nnd 2.
grätsche" I: = nhd. yrdtschen, die Beine spreizen
(Turnerspr.).
er-: 1. tr. a) im Lauf einholen Bs (Spreng); in
der ä. Spr. übh. ertappen, erwischen, überfallen, über-
raschen; s. ergräschen 3 und die Anm. dazu. Syn.
ergritten. ,Dass ir ein kleins völkli e. und damit die
forcht in uns bringen wöUtend.' HBcll. 1532. ,Uie
Züricher Blutharscher warend uszogen uf den roub,
dieselben ergrätschetend und empfienijend die ;!0 mann
[der ausgeschickten Feinde] nml fliliM-'iiiil ^v /n tod.'
HBuLL. Tig. .Fugitivmii reiir.>lhiMlrir. nn ll,irl,lmvii
erlaufen (erschnappen), e oiLr crwut-rli.u,- Fi:is,;
Mal.; Denzl. ,Ich warf mit Schneballen zue inen,
wollt die Stegen hinuf, sy stillschwygend ze e. und
mit Sehne ze werfen.' FPlatt. 1C12. ,Wirstu einmal
darob [über dem Begraben] ergretst, g'wiss wirst ver-
graben han den letst[en].' GGoxin. 1619. — b) hart
mitnehmen, erschöpfen, oft unpers., von Krankheiten
od. Unfällen L. Syn. ergatteren 2; vgl. ver-grätschen 2.
Es hat mi''' ergrätschet, ich habe viel ausgestanden,
von Unwetter oder andern Hindernissen GA. Wiii 's
i/r'' in ztcai Taga z'tvägg'nu mid ergrätschet g'ha
hat GsPr. (Scjiwzd.). - c) gewinnen, zsschachern,
errackern ZW.; Syn. ergatteren 1. — 2. intr.. nicht ge-
deihen, im Wachstum zurückbleiben GnNuf., s. Grätsch.
Betr. 1 a u. b s. die Anm. zu cnjnudi,:,,. c ergibt sich
aus a als Anwendung auf Sachen. 2 ist vom Subst. Oratuch /, ^
abzuleiten, mit dem Präf. er- i. .S. v. I b BA l 101.
ver-: 1. blass aussehen, vor Krankheit od. Schreck
U. — 2. von einer Krankheit stark mitgenommen wer-
den ScuwE.
Bed. 1 entw. vom Subst. Grätuch wie tnjrütiihcn 2 oder
intr. zu eryrätachcu, 1 b, wie erktup/en u. a. tr. und intr.;
ve,- oft = er- s. Bd I 910, 10 a ß.
Grätschi n.: 1. = Grätsch 1 „Gk". — 2. altes
Weib, Grätschi- Wib UwE. ^- B. altes, baufälliges
Gebäude, z. B. Gr.-Gaden UwE.
Von Grätuch wesentlich nur durch das Geschl. verschieden;
auch 2 und 3 verhalten sich in der Bed. ähnlich wie Gmtich
ä und », s. die Anm. dort.
g r ä t s c h i g : mit Schmutz behaftet BSi. ; s. Grätsch 3.
,. er-grätschle" = ergräschlen."
irrätsclie" 11: mit den Zähnen knirschen B (Zyro).
hl 111 '\\'—;e Bed. auch mischen vorkommt, so wird obige
1 ..Uli ■ iii«. .liis dem Ptc. von r. falsch abstrahiert oder eine
huitUciie Verstärkung sein (s. Anm. zu (jrüschm).
Grautscli, Gräutsch m.: Pferd B (Zyro); Syn.
Marmel. Esel B (Hist. Kai.). - Wahrsch. .Grauschimmel',
jedenfalls von ,grau'.
gräutschele": 1. grau werden, vom Haar B. —
— 2. schimmelig aussehen und schmecken B (Zyro).
— gräutsc heiig: graulich Bs. — Vgl. ,jrumts,Mai.
Grälltschi B; FMu. (auch -o-) n.: Griebs, Samen-
gehäuse in Äpfeln und Birnen; Synn. s. bei Gräiibi.
Bis an es Gr., bis auf eine Kleinigkeit. Id. B; Syn.
Grüsi. — t durch Assimilation aus b (jO in G räubuchi ; vgl.
Grotschete f.: Vicrtelstück einer Birne oder eine.<
Apfels W. Syn. Stückli, Schnitz.
Gl'utscll m.: 1. Handhabe an der S. ii~. GiMMiS.
— 2. (auch k- und -e f.) kleiner Kiml. r-. Iilhi. n .ni-
3 Brettchen, noch einfacher als Gögel lu;; S\ n. /■'u.lh-.
Uuckschlitten. — 3. (-e f.) eine Art eiufaclieii i'Uugcs
GahPr. — 4. (i-, auch -c f.) Kuh mit gradaus ge-
richteten Hörnern Gr ObS.
Für 1 gilt rat.., ■.,„,. ,rvt,h ^y..M^.■< w..bl mit it. .,,•,..■.•;...
Krücke, nnd di. -. m .1. ut -. Ii. .i \V. /--'.li.irt. ili- nl.li, .'in
krummes Stüi/k II..L un.l 1..-, .imli I, i niiiin. ii i .iill li.il.ui.l:
s. Gr. \VB. .-., -Jl-". 11. l;.i I - h.iiil nur .li.' l.'irlit im;.-.
uicht .Ii.. i,.-t,ili .!■ 1 ll"rui'i- t'i'Uii-'iut.
Grnlsclii -: irnipschi ScnwE. — ( wohl aus 7, wie
bei f.'..n. /,.//.
Griitseben: eine Art kleiner Schlangen Gi,. .Apml
Glaronenses serpentes etiara rufi, parvi, reperiuntur,
quos Gr. appellant.' Wagner ItiSO.
Graw -gruw.
graw Aa; PP.; ScuwMuo.; W. grab Gl,; Gul,.,
gro-b Ar; GG.. T., grauw B (Zyro); GBern.. grau
GiiübS.,Vals; LH.; Sch; Tu, grau AfK.. gräi AAWohl.
(neben grö?); LM. (seltener als grait) ; ZRafz (grainc'J,
grä GrL.; GA.; Z fgrönr'. .,;r.7../, ;,rC> AAWohl.; ZO.
— Comy. gräiver .\.v (ml"n '//■/"•); ZWl., gräber
GrL., greber Gl, grecr (m hrn Sup. (iniist) GA., grO-ner
Z: grau. 1. nur von der Fail".'. ai der Haare, allg.
831
«i-aw,
grev
Ma' liünnt grau iväara [werden]! vor Ärger GBern.;
s. auch schwarz. A: 's miiess Eine (jrone Här ha',
wenn er rso Öyi/""' "'" ircnlr". und ich bi' noni [noch
nicht] gro. li: Wiini d's jtiu im In ttist wie-n-en Esel,
en Esel wird sehe" gro v" Jlmlciiih. Wolf, Dreierw.
Mänge'' wird grau, aber nie wiss [Wortspiel mit wis].
Ineichen. Wie (je) grauer, wie (je) schlauer. Ineichen;
SuLGER; Sprw. 1824 (-äu-J. ,Die töufer machen mir
den köpf gar graw mit ir reden.' 1525, Egli, Wiedert. ;
vgl. es Loch in'n Chojif schwätze". Snbst. Graui, graue
Kuh AaF. ; Syn. Grische (s. gris) ; vgl. Grautsch. Als
Geschlechtsn. : ,Peter Grauw.' 1653, ÄAWett. Kloster-
arch. — b) von Weintrauben: ,graue' Clevner, im
Unterschied von , schwarzen' GRh.; anderwärts , weisse
und blaue'. — c) von einem Waadtländer Wein. Chli
[ein wenig] herte Chäs, d'rzue es Tröneli [Tröpfchen]
Graue. Berna 1863. — d) von Felsen. Daher der
Lokaln.: Grauenstein Ap; B; G; Schw; Z; vgl. Pierre-
Grise, Kt. Genf. ,üer Grawestein' zu Illighausen. XV.,
Tu Eggen, Oifn. ,Unz uf den grauwenstain.' 1515,
ScuAUB. Eq. Der .grobe Berg', in der Nähe des Speers,
von seinen grauen Felswänden. Das ,grab hapt [Haupt]',
Berg westlich von Gressoney. — e) vom Wasser. ,Von
der Färb des Rheinflusses, welcher weiss, und der
Färb des Flusses Glenner, welcher graw ist, soll der
ober Pund seine Färb weiss und graw genommen
haben.' Sphecher. ,Dieser Bund wird der graue ge-
nennet, wie man meint von dem Lugnezer Landwasser
har, welches bei llanz eine graue Färb präsentiert.'
Serkrhard. Nach der Vereinigung des Grauen Bun-
des (der früher auch der obere hiess) mit den beiden
andern hiessen die vereinigten Bünde ,die grauen'.
,Von diesem Bund werden alle Bündner mit einem
Geueralnamen benamset Graubündner.' Sererhard.
,Der dryer pünden des grauen pundes boten.' 1531,
Abscu. ,Wie die grawen pünd mit unseren finden uf
der maiser hoid gestritten band.' NSchradin 1499.
,Von Eidgnossen und graben Bünden.' 1531, Abscu.
Zuletzt wird dann sogar gesagt: ,Die grauen Pündner.'
1572, Ardüser; Grasser 1625. — f) von Wolle. ,Lützcl-
burger grawes [Tuch]', Wollenstoff aus Luxemburg.
XV., AaB. Urb. Bei JBinder 1535 scheint das ,grauwe
tuech' standesgemässe Farbe der Junker zu sein; vgl.:
,So muess man tuen dem grauwen tuech [d. h. den
Trägern desselben].' ebd. ,Pappus, ein grawe wuUen
auf etlichen bluemen.' Fris. — g) von einem [mit
Flechten überzogenen?] Baum, als Ortsangabe: ,Zu
dem grawen boum.' 1411, L Urk. ,Graubaumhalde.'
LRusw. (Gfd 26, 125). Von Tannenholz, auf welches
Sonne und Regen gewirkt haben [V]: ,Grauengaden',
Ortsn. ApTcuf. — 2. zugleich von chemischer Be-
schaffenheit: schimmelig Ap; B; Gu; Scn; W; Z. Chäs,
er ist nüd grab. Anderl. 1852. Dazu dann Wortspiele:
Wenn via" lang gröbs [graues] Brod esst, so werd man
alt (starchj Ap (von geizigen Bauern übrigens ihrem
Gesinde auch zu buchstäblichem Glauben eingeschärft
Z). De'' Für cha"" demitzt im Winter Gras [schimm-
liges Heu] hirte", sarkastisches Wortspiel zwischen
grä [grau] und Gras [herba] ZZoll.
Bui denjenigen MAA., welche auslautcuiles w nicht koiinen.
tritt w. wo es nicht iu ii vocalisiert ist, nur im Inl. hervor,
oder es ist auch dort verflüchtigt und wird vor voc. Flexions-
endungen z. T. durch n ersetzt, welches scheinbar nur eupho-
nisch (Hiatus ausfflllend), eig. aber flexiv ist, jedoch das <
der Flexion hinter sich liat (n, y,-«-,i-f, ilk ijia-n-t" statt
(/m"'-t"). Wo IC zu b geworden ist, bleibt dieses auch in-
lautend. Wo w vocalisiert wird, besteht ein Unterschied zw.
vollem Diphthong au und bloss halbem, « mit nachschlagen-
dem u. Noch bemerkenswerter ist das statt solchem m nach-
schlagende t. Solches 1 scheint aus dem Inl., wo es wie in
blaejen und den entsprechenden Vbn zu erklären sein wird
(entsprechend ags. w, ahd. z. T. h) in den Ausl. gedrungen zu
sein. Das in den Compar.-Formen erscheinende e steht statt
des Umlautes ae. o (resp. ä*) statt n verhalt sich wohl nach
dem allg. Gesetz der betr. MAA. Vgl. die ähnlichen Laut-
erscheinungen bei tau, genau, blau.
katz-erde°-graw = katz-gr. G; Z. Chatzlierde-
graus Gschirrwasserkäfili , ganz trüber, schwacher
Kaffee GSa. — Vgl. Erde" Bd I 437.
katz-esel-: ebenso Gl. - isch-: eisgrau Aa.
— gris-. ,Äschenfarb oder grissgraw.' Vogelb. 1557.
Subst., ein rötlich- oder schwarzgraues Pferd; auch
eines, das weisses Kammhaar und auf einem Knie
einen weissen Fleck hat S; vgl. Spiegel-gr. — küder-:
gr. wie Werg (,Kuder'). Gotth.
katz- Ap; G; Z, isen-katz- Gr, kutz-GRVal.:
1. sehr oder ganz grau, von der Farbe Ap; GlH.;
GnVal.; ScHSchl.; Th; Ndw; Z. — 2. ganz schimmlig
Z. D' Tili [Stubenkammer] ist eh. vo FUechti GA.
Eig. : grau wie eine Katze, dann (weil viele Katzen das
Grau bes. rein darstellen) bloss verstärkend, wie ,k,atz-' auch
vor andern Adjj. und wie ,huuds-'. Kulz! eig. Zuruf an Katzen.
katz-busel- = A-ate-^r. ScuSchl. — Buset, Kiuder-
name der Katze.
Spiegel-: graues Pferd mit schwärzlichen Flecken
STierst.; vgl. Gris-gr.
tüb-, tug- Th ; W: „ganz grau"; vgl. tüb-wiss.
,Dubgraw lüt.' 1523, HsStockar. .Ein betagter tub-
grawer mann.' Kessl. ,In synem tubgrawen alter mit
tüd abgangen.' ebd. ,Incanus, weiss oder granw von
elte, schneeweiss oder tub(en)grauw.' Fris.; Mal. ,Wir
drafen einen hundertjärigen Mann, der hatt Kinder,
die fast all dubgrauw waren.' FPlatt. 1G12. ,Dem
in seinem daubgrauen Alter Verlängerung der Tagen
und geistliche Erneuerung der Jugend angewunschen
wird.' 31iso. Tig. 1722. — Tug- durch Assimilation und
Anlehnung au Tili/-, d. i. Tufstein.
tann-. , Tanngrau Tuch.' c. 1500, B.
Grawacher, in Z auch Grauacher, in AABb.
Gräueker ; s. Bd I 65. 369. Die wüeste, alte Tage, ivo
d' Hut gschrümpfelet wie-n-e Grauech im Maie. MWald.
1884.
Grauel in.: 1. Name einer grauen Katze ZWaltal.
— 2. graues Pferd S. Keis I'uchali und keis Graueli.
BWvss 1863.
grawe", bzw. graue", grabe", grä-e", gräne" :
1. grau werden, z. B. von den Haaren im Alter, allg.
Er grauet vor der ZU, ivie d' Chatz im Mueterlih.
ÖDLGER. ,Grauwen, grauw werden, canere, canescere.'
Mal. — 2. Schimmel ansetzen, schimmlig werden, scb.
riechen od. schmecken, von Brot, Fleisch, Käse. allg.
Das Brod muess g'esse" si", stist grünet 's Z. Dem
täti Brod grawen [wenn er noch länger von Hause
fortbliebe], spöttisch von einem Dienstboten, der seinen
Dienst vor der Zeit verlässt Gr ObS. ,Da es sehr
feucht und ungesund, und grauet .Alles.' 1637, Mörik.
Bildl. von Geld, 's' Geld lä" gr., unbenutzt liegen
lassen Z. Wenn wij" z' eil Feufedrlssger [5 Livre-Taler]
uf cnand hat, so graue" die Chetzere nur. Zc: Kai.
833
lii'iiw, greiv, griw,
jrni
834
er-: 1. grau werJen Gl; Gk; SciiwMuo.; U. Er
ist vor Chummer alle ergräwet U. — 2. schimnielig
worden Gl; Gr; SciiwMuo.; W; Z.
vor-: verschimmeln, durcli Schimmel verilerben
Al'; BM.; SCBW; S; Z.
graw -lacht, -lachtig, -locht: 1. graulich
AASt.; Z. — 2. schimmelig. .Gräwelecht, emucidus.'
Mal. .Mucidus, graulecht (.gräwlecht' 1077), schim-
meloecht, nüchtelecht.' Denzl. 1716.
Gräwel Gro-el SchwE., Gräbel Gl: 1. ergrauter
Mann, verächtlich Gl; SchwE. — 2. graues Pferd Gl.
gl üYf ele" graioile' W, gräwele* GnObS.; ü, grew-
GuD., V.; Ndw (auch graiw-). grab- GrL., greb-, gräb-
Gl; G, grö^b- Ap, graj- LG., gräj- und grej- Aa, grau-
B; GF., Rh.; Sch; TuTäg. ; Z, grö"- AAWohl., grö^n- Z:
l»im. (bzw. Inchoat.) zu ,grawen', meist i. S. v. 2, ein
wenig Schimmel ansetzen, schimmlig riechen oder
schmecken; Syn. ältelen (s. Bd I 20ü). ,Hat einen
Erdgout, wie der Wein, wenn er grähelet.' XHerz.
1862. ,Anheben gräuwelen, schimmling sein, niuces-
coro. Grawelen, mucere.' Mal. ,Hat der Wein etwas
Tadels, dass er gräwelet, auf Essig sticht oder sonst
ein bösen Geschmack hat. wird er im Schottlen [Schüt-
teln] und Führen je lenger je stinkenib-v.' Otler Hi2.').
,Gräwelen, nüchtolen, schimmelecht srin.- Iikn/i,. 1i:77;
= .gräuelen.' 1716. Nach Moder rieclirn l.i;. S.ltruer:
grau werden Gr; Ndw; von den Haaren LG. — lucr-
gräuelen s. u. m.-räuelen.
Grö^beler: graue Ziege Ar.
gräwelig grew-, grö^n-: schimmelig, bes. von
Brod Ndw; Th; Z. Vom herte Brod. Was grauelig
isch, schuld d'rvo. Joach. 1881. De*' sleicht [stinkt]
ja fri vor Gräueligi. Gotth.
gräwe" grabe" Gl: 1. grau machen; bildl.: ,Es
gange wol oder übel, so gräwet sy [die Narren] nichts,
sy setzend kein ding tief zuo herzen." LLav. 1582.
Vgl. er-gr. — 2. unpers., es hat {ist Gl) g'gräbet W,
der Boden hat sich (ist) leicht mit Schnee bestreut.
— Mhd. (/rawin, bair. i/räeii.
Über- = gräu-en 2. „Es häd hinächt [diese Nacht]
oder es ist ühergräut BHk.; LE.;" ScHW (-grdt); Ndw
(ebenso). Es hed bloss möge' übergräje SchwMuo.
er-: „grau machen, zunächst von Wäsche; das
Hemd ist in der Wäsche ergrauet worden (grau statt
weiss) VOrte." Vom Haar: ,Cura me consumit, macht
mich aus, verzert und ergräwt (ergräuwt) mich.'
Fris.; Mal.
vor-: 1. verschimmeln, auch uneig.: zu Grunde
gellen Gl (-grö-be'J; Z. — 2. (refl.) statt ,sich ver-
bräuen', sich rühren, die kleinste Bewegung machen,
meist mit Ncg. I'''' tue mi'''' ned v. tvege" dem ScuSt.
Er häd si"'' nid vergraut, keinen Laut, kein Zeichen
des Schmerzes von sieh gegeben Tu.
.Verbräueu', eis:, die Braue bewugeu. </ und h können
im Gtbiii- ebenso luii'lit verwechselt worden wie yy (k) und 2>,
vuii weli-lier letzti rn Erst-heinuug schon bisher viele Beispiele
vorjrekijinineü sind. Vgl, nuch ver-grüminen.
Gräwi 1 Grö'ni m.: Name eines grauen Tieres,
bes. einer Katze, auch einer Kuh; auch Übername
eines grau gekleideten od. grauhaarigen Menschen Z;
vgl. Granium. '
Gräwi II GrÖ'-bi, Grebi, Greji. Grü-ni — f.:
1. Grauheit. allg. ,üräuwe, elte, canities.' Mal. —
Schweiz. Idiotikon II.
2. Schimmelansatz. allg. .Gräuwc (.Grawe.' Denzl.
1677; ,Graue, Graue.' 1716), schinmilige, situs, mucor.'
Mal. ,Schiinmel-Gräuwe und gräwleuder gestank und
faule: rancor.' Fris.; Mal.
Gräwling Grö-lig m. : Name eines alten Turmes
an der Reuss .\ABrenig.
Krabat.
fiUt
kar-
gru w-
1111-) kriechen, von Insecten
dini. Sinn grewele", grew-
G'wand vo' LUu' [Lausen] g'rad
Grawater ;
watschen.
grewelich
(unime-)grewcn: (1
und Würmern Gr ObS.
jele'. Es tuet
niso gr. W.
e Gr Uuilant von a. w entsprechend m im gleichbed.
c/rämun. Vwdt auch, mit härterem Anl., .krauen', krabten.
6riw n. : leichter Anflug von Schnee auf dem Bo-
den, Schneestaub. Es tcilds Gr. findet Statt, wenn
es bei grosser Kälte nur wenigen, staubartigen, aber
sehr kalten Schnee gibt W. — Chatze"-: das Selbe
mit Bez. darauf, dass man darin die Spuren der Katzen
erkennen kann W. Syn. Ch.-Ges]ior. — griwe", auch
dim. griw(je)le'': unpers., es hat gegriwot, es ist
Schneestaub gefallen; es griwjölot, es fallen einzelne
Schneeflocken W. Syn. s. bei grisen. — Griwlete"
Griwjata f.: feines Schneegestöber W. Syn. Stäubete,
Spüwete.
Die Möglichkeit der Erklärung des Ursprunges uuseres
W., d. h. der Anknüpfung an das sinnvwdte grämn 3 und
r, wori uns die W Laut-
daniil
sirh.
Fern-;- . <-. I' .' ' ': ■■ i -..II .' ii. I ,..i,-.-,,ii-..n.;
Diphtl,..!., 111 ■ 111,. Im. II I,.!:. .|. Hl \\..ll-.l Hill ,'. «..Irhur
dem echten au zukommt, Teil guuummeu hubu, dass also von
,grau' auf ein 'griuwcn, f/riiwen geschlossen wurde. Es mag
hiebe! an den ebf. auf landschaftlichen Lautverhältnissen be-
ruhenden umgekehrten Wandel von kiumn zu .kauen' (s. auch
die Aniu. zu gütcen) erinnert werden.
grüwen: grauen, grausen. ,Die von N. hattend
ein gr. doran.' Bs Chr.
Grüwel m.: Gräuel SchwE., als Schimpfw., ab-
scheulicher Mensch. Syn. Grüsel. Er ist en Gr.; du
wüeste Gr. ! BSi. ,Usfegt den alten hebel (s. 1. Cor. 5),
dass er ab der sünd ein gröbel hatt.' UEckst. ,Wie-
wol man ihnen [den Aufständischen] damit [mit der
Zuschrift] ein grüwel und bölimann [Schreckbild] für-
geschlagen.' 1525, Absch. ,[So arge Schmähungen]
dass es nit allein allen erbaren oren ze hören, sunder
auch der suiiiieii. ilie /.im iil.rrscliynen, ein grewel ist.'
1531, ebd. .Timiiil im .'im n ili-or grüwlen.' HBull.
1540. ,Grüwel uml al.>i liulnii h.iii, abominari.' Mal.
,Wäre nun hocli zu wünschen, dass unser Land kein
Grewel wäre.' FWyss 1655.
Die Schreibung .Grewel' (neben .Grüwel') in deuä. yuelleu
(und auch in dem folg. Vb.) schon rabd. (cw = cu).
grüwelen: 1. grauen, grausen, ekeln. ,Dir
greuwlet ab den Götzen.' 1530, Rom. ,Greüwelen, ein
Unwillen an einem ding haben, abominari.' Mal. ,Es
greület mir darab und es gehet ein grausen durch
mich.' LLav. 1587. — 2. Es grielet mir, dünkt mich
zu viel BO.
Mhd. yriwwdn, griulcn in Bed. 1. Bei '2 muss, wenn es
übli. hieher gehört, J statt fl (was zur MA. stimmt) nud
Ausfall des w augenommen werden.
835
Gl-
-griiw. (Jrax griix. Graz— giuz
grüwen: grauon. ,Alles das sich us dem leren
der menschen lasst für guet ansehen, das ist vor Gott
ein gr.' Zwingli.
grüwlich: gräulich, schrecklich GnSpl., V.; Schw
Muo. (meist von Geschrei, Geheul). ,Grüw(en)lich.'
HBüLL. 1561. ,Grewlich.' LLav. 1587. ,Dass man
ihnen solche groüwliche Ding von unserem Land für-
gebildet.' ECvs. ,Grüwlichs mord und bluotvergiessen.'
EüEGER 1606. Subst. als Geschlechtsn.: Schultheiss
,Grülich' von Brugg 1531. Früher auch .grüwenlich':
,Das grüwenliche laster der trunkenheit' LLav. 1584.
,Mit grewenlicher unkünschheit.' ebd. 1582. ,Grüw-
lichkeit, indjguitas.' Mal.
Grax grux.
Grax m.: Rabe; bildl. schwarz gekleideter Mensch
Obw. Vgl. Grügy, Gtcägg.
Grix: Cyriacus. ,Liess dritrthalbe messen von S.
Grix und syner götte sprechen.' NMan. ,Das [Messe
lesen] gschicht von S. Grixen besen.' ebd. ,S. Grixen
rock.' UEcKST.
Uer h. C, einer der 14 Nothelfcr, wird abgebildet im
Kleide eines Diaconiis und etwa mit einem Palmenzweig in
der Hand ; darauf werden sich der ,Rock' und der ,Besen'
beziehen.
graxen: kriechen? ,Wir trafen 2 .starke Buben
an, sie gruxten an uns [auf allen Vieren]; der eine
putschte mich.' Brief aus Uw 1792.
Wenn die vermutete Bcd. richtig ist, so wäre etwa au
ein Intensiv von ,ruckeu' mit vorgesetztem 3 zu denl<eu. Ein
bei Gotth. vorkommendes ,ruxen', brummen (von Menschen),
scheint umgek. aus ,gruchsen' abstrahiert. Ygl. noch gnu-xcn.
Gruex n. : langsam vor sich gehende Handlung BK.
— gruexe": uiüssig sitzen; «m/ta-gir., herumlungern,
langsam betreiben, ebd. — Gruexi m., -c f.: lang-
samer Mensch, ebd.
Ton ,gruchsen, gruxen', stöhnen, schwer atmen, lautlich
verschieden, obwo)il begrifflich mit demselben vereinbar;
ebenso mit ,gruxen'.
Gradiz — grudlz.
Graz BE., Gräzi L; ScnwBrunn.; ThHw., Baum-
graz AAWohl., Born- GStdt, Baumgrazi AAFri.; U:
Taufn., Pankratius. Grazi's noch als Beiname ZGlattf.
(Amtsbl. 1867). De'' Baiimgraz und d'' Marx bidütid
öppisArgs AaWoW., der Tag des h. Pankratius (12. Mai)
ist, wie der des h. Marcus, .'inpr ibir gefürchteten we-
gen Frösten, die um j- p X -i hiMiio- eintreten.
Abwerfung der uuIm t ! wie in Broii aus
,Ambrosius', /Jifzt" aus .Siil|ii. in- lil. luiOirmung von ,Pau-'
(resp. ,Bau-') in ,Baum-' bcnilit .-»iif finer nahe liegenden
Umdeutung, wie z. B. Bone'-Fuzi aus Bonifacius.
gräzen I: „mit heiserer Kehle singen oder spre-
chen", gellend schreien oder weinen GRh.
Vgl. grasien und mhd. yraßen, ymeßen, schreien, «Uten;
oder Nachahmung eines Naturlautes, wie ,krähen'.
gräzeu II s. ge-r-.
grätzig: bösartig, bissig. ,Canis acer. ein grätziger
hund.' Fris.; Mal.
Wenn ö kurz ist, so kann au ,rätzgen', bellen, von kleinen
Hunden, gedacht werden; ist es lang (was trotz der Schrei-
bung (2 wohl möglich ist), so ist an rän, scharf, zu denken,
welches auch von der Gemütsart von Menschen gebraucht
wird. In beiden Fällen wäre g als das pleonastischo Präf.
aufzufassen.
Greiz m. (von Mädchen auch f.): verkrüppeltes,
kränkliches, unartiges Kind; kleiner, frecher Kerl;
Knirps Z. Als Schelte: Halt emäl dis Mül, du Gr.!
Zuname : ,H. Bernet, genannt Gretz.' 1644, AAWett.
Klosterarch.
Eig. junger, auch verkrüppelter, Spross eines Baumes
oder Strauches. S. Ge-gretz und Gretze; auch Grützen. Vgl.
bair. Gridech, kleine Person, und Grätsch Sp. 829.
G'gretz n.: allerlei Ruten und Stauden, dorniges,
rauhes Strauchwerk BSi.; Syn. Gehürst, Gestüd, Ge-
strüp2>- Dürres Tannenreisig GrV.
Gretze» f., in ßSchw.; IJSil.; Z m., Gretzi n.
BO.; F — Dim. Gretzli, in GRHe. Gretzjcne (PI.):
1. Rute, Gerte W, spec. rauhe, dornichte BSi. D' Gr.
(d's Gretzji) z' chorun [kosten], s' schmecken, z' ver-
suechen gen W. Dürres Reis BSchw.; GrD. „Baum-
ast, Stück eines Reisholzes ßO. ;" ZRfz. — 2. PI. od.
Gretzi coli., abgefallene od. abgehauene dürre Reiser
von Bäumen oder Sträuchern, Astwerk, Reisig BO.;
Gr; Z. yGretzU, sarmentum.' Id. B. Bes. von Tannen
und Fichten B; Th, auch von Reben Gr, in Bündel
gefasst und als Heizmaterial gebraucht „F;" ZW.
Syn. Respi, Eris, Stüd, Bürdeli, Forr-Fotzle.
Mit i abgel. und darum umgel. von mhd. graß n., junge
Zweige von Nadelholz ; s. noch Gritze u. vgl. bair. ,Grätschen',
Staude, Strauch. St. gibt auch die Schreibungen mit ä u. ä,
wohl ohne Fug. — Gretz(ai)hi:rg, Name einer Waldung ZRuss.
Der Geschlechtsn. ,Gretzer, Grätzer' SchwE. ; ,Kud. Grätzer,
genannt Mensch.' 1531, GRapp., scheint auf ein Vb. ,gretzeu',
Reisig schneiden oder sammeln, zurückzugehen.
gretzle'':^ umkommen, sterben (gemein) BR.; Syn.
verrecken, krepieren. Tr. und unpers.: Es hätt-mi'^
gli''' gretzlet, ich wäre beinahe gestorben BBe. Syn.
putzen. — Viell. eine Übertragung vom Abschneiden des
Reisigs.
gretzen s. ge-räzen und gritzen.
Greuze s. Grüze.
Gritz s. Giriz Sp. 407.
Gritze": dürres Reisig AABb. Gritzeli: 1. kleiner
Zweig S. 2. junger Keim, kleines Pflänzchen BBe.
Vgl. Gretze ä; doch könnte Gritzeli 3 auch als Dim. zu
Grütz aufgefasst werden.
gritze" Ap; GWa., gritzge" Ar; G oT., Sev., We.,
auch „kritzen": 1. knirschen, a) mit den Zähnen;
auch von Kühen Ap. „Auch von Speisen, die unter
den Zähnen wie Sand knirschen; Syn. krismen." —
b) von jungen Kaninchen GSev. — c) von Schmetter-
lingen. Wenn d' Sommervögel gritzid, so blibt 's guet
Wetter Ap (T.). - d) von neuen Schuhen GSev., We.
— e) von gefrornem Schnee, der getreten oder be-
fahren wird GO. ,Gar nutzid geschnyet, sunder gar
warm wetter gewesen, nur dass die morgen mit ge-
wonlicher winterlicher kälte gegritzet haben.' Kessl.
Sahb. II 62; s. auch I 290. — f) vom Griffel auf der
Schiefertafel GW. — h) von Wagen GW. - 2. Äpfel
schaben = grützen Ap.
1 a stimmt am Nächsten zu amhd. .gris' in .grisgramen',
knirschen; doch s. auch Gr. WB. u. h-. Zu b vgl. bair.
8.37
Graz, grez, griz, groz. giuz
.kritzeln', mit feiner Stimme schreien. Die Angabe c dürfte
auf ungenauer Beobachtung und Verwechselung mit der Feld-
grille Oller der Heuschrecke beruhen. Zu d und e ist syn.
rjuat Sp. 406. S. noch die Nbf. ritnjen.
Gritzgi m., in der Verbindung rt/fc G»-. : gebrech-
licher Älter GO. — Vgl. das in voriger Anm. erwähnte
.kritzeln'; übr. auch die syn. Gritti, (jriiji/i od. h-ilzcn, zanken.
ver-gritzt s. u. r-.
Grotze-, in B; GrV. Grotz, in ZB. Grotzge — PI.
= Sg.. in Gl; GA.; ScHwMa.; Z Grötze" — Dim.
GrofzU BHk.; VOrte {-ili Ndw), GrötzK Gl; GA.,
S.. T.; Uw; U; Z — m., in B It Zyro; Schw; Ndw f.:
1. a) junge Tanne übh. BE., 0.; GT.; Vw; W; Syn.
Eiitti. ünregelmässig gewachsene, kleine, verkrüp-
pelte, abgestorbene, dürre Tanne B; Gr; GSev., Wa.;
vg\. Stürchel; Grosjw. Buschiges Tännchen Ndw; Syn.
Grope; wilde Tanne mit vielen Ästen Blnterl.; Wetter-
tanne LV. ; Rottanne GRPläsch; wihlrr. s-''stia\ii:h-
artiger Baum B oSi. ,Das Beuten von i'iiizi.lstrlirinlen
Gebüschen und T;innlein (Grotzen) ist au v.'rschie-
deneu Stidlcn wüiischbar' Bs. ,l)as Beuten der Alp
durcli .lii' lii'iiiriiiwcrcher beschränkt sich oft nur auf
das Wcijschaltcn einiger Grotzen, die vielleicht nütz-
licher stehen geblieben wären.' Onw Volksfr. 1881.
.Grotzen werden bei Wuhrbauten oft in den Schutt
oder in das Mauerwerk hineingenommen, damit sie
binden helfen, wie auch Bächen entlang Grotzen ge-
pflanzt werden, damit sie in Notfällen zur Abschaltung
des Wassers in den Bach hinein gefällt werden können'
Scinv. .Ein Stiiik Wald oder Grotzen.' L Kantonsbl.
18lj.^. .Ha,-^ «ir ycliannen habend gr. tmd studcn, die
da staiel zHUMlini den güetern in dem schachen und
der Muotaa.- l.J2i/14, Schw LB. 1650 wurde verboten,
,grüne Gr. oder Stickelen zu hauen'. AKüchler 1887.
Bildl. : i" de' Grotze" obe" g'wachse', ungebildet GT.
JJe'' chunnt its d'r Gr., hat keine Lebensart B (Zyro).
Vgl. Hag, Wildi u. Anscn. IV 1 a .303, wo ein Wirt von
Töss 1.524 die katholisch bleibenden Eidgenossen ,die
kuoschwänz und kuomüler in den gr. und in hindern
da innen' nennt. Das ist zum Grotze' üszere'! vor
Ärger G. — b) auch nur: grosser Ast Zg; Teil eines
Stammes ZWäd. : astige.s Stück Holz ZWyla: Keisiy-
bündel (inTK (Crml-ju. l'r.; JlMlzalilalle vnin Staiiiin S.
Lang oder chiir: (iml.i |Slainlrii. |liiihli-l| j/khIi,- '/..
üyn. Gretze L'. .Uic urntziii uii-lrr den l.auincii.' llln.
L Probsteirod. , Unser Nachschauwer [Waldaufseher]
soll den Stattrüteren, so streng zu ryten band. Grotzen
und unschädlich Holz zu geben Gewalt haben.' B Ge-
richtssatz. 1615. .Haben die Bauern ein ungeheure
Tannen angetroffen und befunden, dass der Grotz oder
under Teil 70 Werkschuh gehalten.' Hafner 1666.
.Wie ein verlassener Ast und Grotzen.' 1707, Jes. —
2. a) = Gilz Sp. 2!>7 B; VOrte ; Gl; G; Z. Dr Wind
hat de' Gr. oben ab 'knellt. Er ist uf en Gr. ufi,
g'klederet. Er ist ab-em Gr. abe g'falle'. I" de" Gr.
n'estid d' Gilgger L. ,üie bäum bis in den grotzen
abstummeln.' Paracels. ,Der nit mer dann zwo oder
drei im gr. oben findt.' 1531/48, Jes.; 1667: ,im ober-
.sten Gr.', jetzt: .Wipfel.' ,Der grotzen halb, so einem
am holz [gejgeben werden, es syge zuo schindlen oder
riesterholz und anders darus ze machen, soll der grotz
einer gmeind belyben.' 1502, Z Rechtspfl. ,Es sollend
diejenigen, denen Buwholz erlaubt und gezeichnet
wäre, nit Gwalt haben, die Grotzen und Abholz zc
nijmmen, damit arme Lüt sich dester bass beholzen
mögind.' B Gerichtssatz. 1615. ,Der Groz(e), Dolder,
Gipfel, Wipfel, fastigiuui arboris, caeumen.' Red. 1602.
Bildl. Er ist bald i" de" Grütze' {im GrötzK obe'
ZLunn.), chunnt gad i' d' Gr., in leidenschaftlichen
Eifer Gl; Syn. s. Esel Bd I 515. Er hat mi"' i' d' Gr.
g'jagt, aufs Äusserste gebracht, aufgebracht Gl. „Im
GrotzU sl', ebso, aber auch: sehr eingebildet VOrte."
— b) der oberste Teil anderer Körper, a) .Grötzle,
das oberist in eim reifen äre, ist minder denn das
körnle.' Mal. — ß) Estrich des Speichers BRohrb.
— Y) scherzhaft: Kopf eines Menschen Z Zoll. —
3. a) ,Grotz, Grotzen, Grotzli': Benennung kleiner
Kinder, meist scheltend Aa; B; S; „Z." ,Grotz'.
Knirps Aa. ,Man versteht sein eigenes Wort nicht vor
dem Lärm der Grotzen' AASt. Syn. Gof, Gretz, Fratz.
— b) , Grotzen', schlechte Kälber, Lämmer, Ziegen
OnKübL; magere Kühe GrL., Pani. — 4. , Grotzen'
Ortsn. 1416, LMarchbr. Geschlechtsn. : ,Welti Grotze.'
1385, L.
Mhd. nicht bezeugt, aber bei Schm.-Fr. 1' 1018: ,Grotzcn',
mit Dim. auf ,-ling', Sprosse, bes. des Wipfels von Nadel-
holz, auch Zweig übh. Dazu 1013: , Grossen, Grössling',
Sprosse; junges Waldbäumchen. Der Zsh.ang mit den z. T.
synn. ,Gretz, Gretze, Gritze' ist klar, ebenso Vwdtsch. mit
.gross', so dass die Grundbed. eines entsprechenden starken
Vbs .spriessen, wachsen' gewesen sein wird (womit die tw.
hervortretende Bed. des Kleinen, resp. klein Bleibens, nicht
in Widerspruch steht). — Die Nbf. mit angehängtem g ent-
spricht vielen ähnlichen. Das (nur schwach bezeugte) Fem.
wird aus dem Geschl. von Tanne zu erklären sein. In der
bildl. Anwendung von 1 a ist die Wildniss des Gebirges ge-
meint, in welcher Tannen von der beschriebenen .\rt bes.
vorkommen. Zwischen 1 b und 2 a isttw. schwer zu scheiden.
3 ist übertragen von 1 a, wo der Begriff des Zwergbafteri
stark hervortritt. Übrigens vgl. noch .Kretz, Krotzcn' m.,
verkrüppeltes Obst, Kind, Tier Gr. WB. ."., 2424. 4 wabrsch.
aus 1 a i. S. v. ,in den Gr.'
Hirsch-Grötz en : Spottn. der Bewohner von
ZPfäff. — Klaus-örotee"; ein verziertes Tannen-
bäumchen, das der h. Nikiaus manchmal dem jüngsten
Kind vor das Bettchen stellt Gl; Th It Rocnn. 1857, 530.
Mittel-. ,Dass die Müller den kernen, das hinder
und das vorder, Hessen ligeu, als denn das von der
relleii iallr, und den herren den mittel grotzen zue
zin, ,, jiirkiend.- 1441, Z Staatsarch.
liri [iIh rste Teil des Haufens y oder ffr. verschrieben für
.Grütze' y 3. d. uud ,Mittel-GrUtz', auch ,Grü3Ch'.
Tann(en)-: kleine, verwachsene, buschige Tanne
B; SNA.; Ndw. .Soll nieraan userm berg enkein
tanngratzen nit stecken und enkein tannini latten
noch tanngrotzen an enkein hag legen noch ziehen.'
1433, Gfd. Verkrüppeltes oder im Wachstum zurück-
gebliebenes junges Tännchen von 4 — 5' Höhe B (meist
dim.); vgl. Tann-Buschli. Im Kappelerkrieg 1529/31
trugen die Katholiken als Abzeichen Tannenbüschel
und wurden daher von den Reformierten selbst , Tann-
grotzen' genannt. S. Absch. IV 1 b 135; ValTschddi
1533. ,So sy die t., die als ein partyisch ufrüerisch
zeichen mit dem landesfriden abgestellt sind, wider-
umb on straf zc tragen zuo Schwyz otl'enlich genieret
und erloubt.' 1531, Absch. , Tragende in iren hüeten
oder baretlen stechholteren, d. oder dannästli.' Sicher
1531. ,Demnach werde von Zürichern von ihnen [den
VOrten] verächtlich und schmachlich als t., milch-
küblen, fünförtli und scnnhüttli gercdt.' HBcll. 157'2.
Graz, grez. griz, grotz, grntz
Der zeitgenössische luzernische Schriftsteller und
Dichter Hans Salat nannte einen von ihm yerfassten
,Spruch' über jene Ereignisse ,der Tanngrotz' und
gibt am Schluss desselben auch das Losungsw.: ,Hie
tannast! (die von Zürich fliehend fast!).' Zuweilen
übertr.: kleiner, verwachsener Mann B; vgl. Strupf.
Tschuder-ffroJrH; Terküraniertes Tännchen BHa.
— Tseliuder: verwirrtes, verwildertes Haupthaar.
uf-grotze": aufspriessen, in Stengel und Äste
auswachsen, von Salat und Spinat Z ; Syn. uf-stenglen.
Tannen-Grotzle f.: weibl. Scheltn., eig. Be-
zeichnung einer im Tannenwipfel reitenden od. sich in
Tannenwedel verwandelnden Hexe. Rochh. 1856, 2, 183.
grotzne": Eeiser sammeln Obw.
„Grotzete f.: unsaubere Wäsche Bs". — Gehört wie
die vom gleichen Orte angegebenen Grotlete ii. grotzig zu 7.r-.
Obsi-Grotzi, Ochsen-Grozium s. Oxikrozium.
Grntz: Ziger GT. - Vgl.
t'ützelen, qi-ützdet.
Grütz n. B; Gl; GRPr.; L; GG.; Ndw; ZBauma
(in Bed. 1 b) , m. „B;" GrHb.; ZBauma. Irchel (in
Bed. 1 a und 4): 1. a) = nhd. Grütze, grobgemahlenes
und von den Hülsen gereinigtes Getreide Gl; Ndw,
spec. Hafergrütze, bzw. daraus bereiteter Brei Gr;
GTa. ; ah Gr. trilihe, Haferschleim trinken GfiPr. Bei
einem Gesellschaftsspiel, wo paarweise gesessen wird,
«aber ein Platz zu wenig ist und die Plätze immer
wieder gewechselt werden, gibt das in der Mitte ste-
hende Mitglied die Losung dazu mit dem Reim: I'*
hin d'r Gr. im Häfeli und ker mich drei Mal um,
und wer his jetzt kei Schätzeli hat, der schaue sich
gleich drum Cum) GaMai. Grützsuppe, z. B. als Kost
der Soldaten statt Kaffee Gl. Gebrochene Teilchen
von Korn, die in der Mühle abgehen BSi. Rückstand
in der Mühle nach Ausscheidung der Mehlsorten L.
Graupe, in der Mühle enthüLstes Korn ZBauma. ,Grütz'
als Zehndenabgabe in der ZGrün. Amtsrechn. v. 1.580.
Abfälle und Brosamen von Zuckergebäck, zu , Stu-
dentenschnitten' verwendet BBurgd. Gemisch von
allerhand Gesäme zur Speise für Stubenvögel, Wicken,
Erbsen udgl. Hülsenfrüchte BSi. ,Mica, allerlei grützle
oder brossmen von brot und anderen dingen derglei-
chen.' Fris.; Mal. — b) bildl. a) Mr. im Clmpf,
Grillen, seltsame Einfälle." — ß) Gr., Verstand, Klug-
heit Aa; Gl; L; ScnSt.; Z. Gr. im Cliopf hxi', ge-
scheid, ge.schickt sein Aa; BM.; 6A., F.; S; Th; Z.
— f) Geld, Reichtum L. — 2. Grützeli, Knöllchen in
der Molke, im Haferbrei GA., G.; ZO. (auch Gritzeli);
s. auch Mützeli. Coli.: (Schotte"-, Ziger-) Grütz n. GA.,
G. — 3. a) .Glandula, trüesen, grützen an Schweinen
oder seuwen.' Fris. — b) ,Spondylus ostreorum, der
grütz und das hart fleisch der meerschnecken.' Fris.
— 4. a) (m.) kleines, elendes Kind, auch als Schelte
für Kinder ZIrchel. Syn. Gretz, Grotze". Als Übern. :
,Hs Lüb, genant der Grütz.' XV., G. — b) Spitzmaus.
PüP. Syn. Mützer.
Mhd. griitzc, o. f.V Grütjie, Grützbrei, eine Intensivforni
zu dem gleichbed. grivße und zu grüß, Koro. Vgl. Grüecli. Die
Grnndbed. muss aber ,Korn, Kern' sein, da nur aus dieser
die bildl. Anwendung (t h) zu verstehen ist: kernh.afte Be-
schaffenheit, Kerngehalt, des Geistes. Das in dieser Bed. syn.
,Kritz' ist schwerlich aus .Grütz' entstellt: aber möglich ist,
dass ,Kritz' nrspr. nur für die Bed. 1 b a galt und dann auf ß
übertragen wurde, weil seltsame Einfalle ja auch sinurciohp
sein können. Dass Bed. 2 das selbe W. sei. ist zwar nicht
sicher, doch leicht möglich und wahrsch., weil in der Form
ohne g (die überdies, auch in den Abll. .grützelen', gerinnen,
.grützelig', körnig, säuerlich usw., weniger bezeugt ist und
kaum anders erklärt werden kann) dasselbe ebenso leicht
abgefallen (resp. als entbehrliches Präf. gedeutet worden) sein
kann, wie es in andern Fällen zugesefcit worden ist. Die
in der gerinnenden Milch schwebenden festen Teilchen können
sehr wohl mit Körnchen (eines Breis usw.) verglichen werden:
doch s. auch Ge-Hnel. Eher kann die Zugehörigkeit von
Bed. 3 zu diesem W. bezweifelt und sie kann viell. zu .GrUtzi,
Grüzi', mhd. grütz, Griebs, gezogen werden (vgl. Mittd-Orutz).
welch letztere Form aus 'grüpz, d. i. grohiz, grübz, entstellt
sein mag, aber allerdings doch auch mit obigem Grütz 1 a
sich vereinigen liesse, da ein Name für ,Kerngehäuse' doch
wohl von einem für ,Kern. Korn' gebildet werden konnte.
So kann wenigstens 3 b als Kernbestandteil gegenüber der
schleimigen Masse erklärt werden, und dann wohl auch 3 a
aus der .Ähnlichkeit einer Drüse mit jenem Teil der Auster,
-l a kann auf Verwechslung oder Vermischung mit den Synn.
,Gretz' und , Grotz' beruhen, doch kann ja auch hier die Bed.
.kleiner, kornartiger Körper' zu Grunde gelegt werden. Vgl.
noch .Grütze'. 4 b gehört wohl, wenn die Angabe übh.
richtig ist, zunächst zu .grützen' 3, nagen, dessen g in Hin-
sicht auf Stammhaftigkeit zweifelhaft ist.
Anken-GrützCe)li: kleine Butterbläschen, die bei
der Butterbereitung in der Eührmilch schwimmen ZO.
Kirs-Grütz. .Von einem mütt rowen hirs soll der
müUer nit me nenien dann ein immi hirsgritz.' 1484,
AASuhr Üffn. ,1 mütt 2 viert, hirs-gr.' 1555, ZGrün.
Mittel- kr- n.: Scheidewand zwischen den Kernen
einer Nuss BSi. — Vgl. Grüzi, Grülzi und Anm. zu Grütz,
auch .Mittel-Grotzen, -Grüssi'.
grützele": „in sehr feinen unzusammenhängenden
Teilchen gerinnen, wie z.B. Milch, Rahm Aa;" BsStdt
(kritzele); „B." — g'grützelet Z, iri- AaWoM..
grützlig „B". gritzlig Aa, gritzelig Bs (auch ehr-); S:
fein gekörnt wie Gries. Grützeli enthaltend, z. B. von
Honig (candiert). von der Milch beim Buttern oder
wann sie sonst körnig gerinnt; von gesottener Butter,
wenn sie nicht gehörig umgerührt worden. aaOO.
Getupft, von Zeugen, von der Haut AaF.; Z. — S. Anm.
zu Grütz S.
Grüze" f.: 1. Korn? Häufchen, Prise? ,Grumus
salis, ein grützen salz.' Fris.; Mal. = ,Greutzen.'
Denzl. — 2. sandige, trockene Stelle in einem Acker,
wo die Gewächse bei heissem Wetter mager werden
oder absterben ZFehr. ,Ein Acker im Greuzli' bei
ZWint.; .in der Grüzen unten', ehemaliger Exercier-
platz bei ZWint. .Grenzenstrasse.' ebd. .Zur Grüze',
Haus in OWint.
Schliesst sich zunächst an .Grieß'. Sand, welches aber
mit griufie, grüß, Korn, unmittelbar zsgehört und gleichsam
nur das Coli, dazu ist. Vgl. .Greuss. terra sicca.' Schni.-Fr.
Grütze" f.: etwas Kleines, Unscheinbares, z.B.
ein Häuschen, eine verkrüppelte Tanne Ap. Flurn.
c. 1450, Fründ; XV., ZDüb.; 1596, ScHwE.Klosterarch.,
.Grützenhof BKön.; GJonen. .Grützhütten' LWolh.
In der Anwendung auf Tanne am Nächsten an .Grotze'
rührend; in der erstem viell. an .Krutz'. enger Kaum; doch
auch an , Grütz' i. S. v. kleiner Körper übh. S. aber auch h--.
Zu den Flurun. vgl. Gritze 2.
grütze" I: Grütze mahlen Ndw.
grütz e» IT. in L -Ä-[?]: 1. schaben. z.B. Äpfel
Ap. — 2. „schnitzeln ohne Zweck Ap." in Holz han-
tieren GMarb.: s. Holz-Grützer. — 3. hörbar nagen,
841
Gratz— grutz. (iratzg — gnitz«-. Gsoli-,
von Mäusen TnTäg.; vgl. Griltz 4 6. — 4. keifen,
zanken Sciiw. ,Wolltent s' nüt gehorsam syn. tatent s'
stäts grützen und on willig stellen und gabent s' och
nieniants nüt mit lieb.' Sicher 1531. S. a,uc\V l;ritzei>.
— 5. Kleinhandel treiben, auch mit Tausch; im Klei-
nen, mit kleinen Gegenständen markten, schachern,
bes. von Kindern; zuweilen mit ungünstigem Neben-
begriff des Heimlichen, Unerlaubten AaF.; BSi.; L;
GF.; Z. %yx\. grämplen, hützen, g'wirhen. Er het alle
Miirttag mit de' Bure' z' gritze' Bs (Spreng). Auch:
kleine Schulden mit einander berechnen, ebd. ,Dess-
gleichen mit kaufen und verkaufen, tauschen, grützen,
(g)wärben, überkleiden, kostlieh leben, lasst man junge
haushaben fürfaren.' SHochh. 1591/1693. ,Gremplen,
grüzen, tauschen, mercari, cambire, negotiari.' Eed.
1662. .Leichtsinniges Güter kaufen und grützen.' Z
Mand. 1675. ,Die Pfarrer und Vorgesetzten werden
vermahnet, dass sie insonderheit auf diejenigen Lieder-
lichen und Vertüigen, welche mit überflüssigem Trin-
ken in den Wirtshäusern oder mit unnötigem Grützen,
Märkten und Weinkäufen das Ihrige verschwenden,
gute Achtung geben.' 1693, ebd.
Das W. scheint unserin Gebiet eigen doch ist fraglich,
ob alle Bedd. zsgehören; in Bed. 3 gilt auch rätzeii, in Bed. 1
rätzlen, und betr. den Voc. könnte man vergleichen ,Grätz',
Abfall von Goldschmiedearbeit, mit uuserm ,Grütz' 1 a, ,Gretz',
Knirps, mit ,Grütz' 4 a. Aber es lassen sich doch auch
sämmtliche Bedd. auf den Grundbegr. : .kleine Teile ab-
schneiden, mit kleinen Stücken hantieren', also auf ,Grütz' in
diesem Sinn, zurückführen ; Bed. 4 auf: streiten um Kleinig-
keiten, oder sie ist hergenommen von dem schrillen Ton, der
beim tjrützcn 1, 2 oder S entsteht; vgl. kaflen mit der selben
Übertragung.
ab-: abmarkten AaF.; Z. — ver-: 1. schlecht
verkaufen, verschachern B; Z. — 2. „zerhacken, von
schlechten Ziramerlcuten Ap; Syn. verbacken."
„Grützer: Händler B; VOrte; Sch; Z." - Holz-:
schlechter Holzschnitzler Ar. Syn. Bäcker.
Grützete f.: 1. Geschabsei von Äpfeln; kleine
Holzspäne Ap; TuMamm. ; „Schnitzerei", von Mäusen
zernagte Abfälle Th. — 2. „Kleinhandel, allg." —
Mus-: Genagc von Mäusen. Pup.
Grüzi, „Grützi" n.: Griebs BO.; Syn. Bätzgi,
Sattel. - Tgl. Anm. zu ,Grütz' und Schm.-Fr. IM Ol 9, auch
tirOxii unter Grus.
grützisch: zänkisch, gehässig Schw. — S. «br.
auch (kiriizi,/.
grützle": Tauschhandel treiben wie Kinder Zo ;
Z. — Grützler. .Emtionalis, der gern kauft, Gr.'
Denzl. 1716.
Grützek. It Harti
Vgl. Ghiz Sp. 408.
.Kr-': Krikente Bodensee.
gratzge": elend leben, ver
Schw. S. auch ratzgen.
Greizge, auch grossi Gr. = Grihisen
Klingn. Syn. Reizge. — Zunächst Nbf.
ri.lzi/.i zu Grize (Sp. 67G).
gritzgen, Gritzgi s. Sp. 836/7.
Grotzgc s. Grotze.
(trunde geln
AaVÜI.. Diltt.
Gscli-.
S. ai.oh unter Si-h- (mit Prüf, r/c-) und unter T-,:!^ (welches
übh. lautliche Nbf. zu C«.*- ist).
gsch: 1. Schenchruf, für Vögel, Katzen und Hunde
Bs; Gl; Z; Syn. gschti(d), tsch, tschu! — 2. Hetzruf
für Hunde ApK. ; Z. Arräx gsch! gsch! Hetzruf für
Hunde z. B. auf der Jagd Gl. Auch um Streitende
auf einander zu hetzen Z; Syn. arrä.c (Bd 1388), x!
gschä Z oGlatt, sonst gschft: Zuruf ans Vieh =
zurück! z.B. wenn es an der Krippe zu weit vorn
steht und man ausräumen will, oder wenn das Zug-
vieh, das man einspannen will, zu weit vorn an der
Deichsel steht Aa; Z; auch gscho hö! AaF.; gschö
do! Z, Kopf weg (zurück); gscho umme"! rechts weg
von der Hand! ZB.; Syn. tselw, tschob!
gsclin! Scheuchruf für die Hennen Gr; Z; Syn.
tschu!
frz. /im, viell. als
Gsehü: Brühe, Sauce B.
Coli. (Ge-Kvhü) zu fassen.
gscliud = f/schii Sü.; Syn. t.ichiid !
G sc hu der s. (T)Schuder.
Gschälör (in ZO. "", in Aa "-) n., Gschalöri m
Aa: einfältiger, beschränkter Mensch, Tölpel Aa; Z
Schelte für ungeberdige, lärmende Jungen ZO.
Wie Oallüri als Zss. aus Gal(li) und Liivi angesolipi
werden kann, so dürfte uuser W., das .auch die Nbf Ticlmlnr
hat, eine Zss. sein ans den Synn. T^i-hale (TKtlmli, Tirlmli,
und Llh-i. Die Form Gsehalar scheint Anlehnung au das
der Volksspr. allerdings abhanden gekommene urlmllni zu be
absichtigen und würde sich zu diesem verhalten wie (lo
(s. Sp. 214) zu ./.■7/,„.
gscliiwje": Xaehlese halten, bes. in den Ecbbergen
W. Syn. süechlen.
Schwer mit ,schauen' zn vereinigen, auch wenn wir die
obige Form als yescliüirjen deuten; vgl. immerhin die Anm.
Gw-.
lit Prüf.
G\Vi(le° f.: keifendes Weibsbild Gr uVatz.
Wahrsch. von einem Vb. 'kwidtn, schwatzen (vgl. Syn.
iclni), einer Nbf zu unserm kidm, schallen, tiinen, web'hes
wieder von dem Präs. e» h-il dos abd. tiuVihm, sagen, ab-
eitcn ist.
843
Gwagg— gfwugg. Gwangg— gwungt;. Gwant— gwunt. Gwav-
iwai'd — gwurd
gwagg: 1. Interj., mit welcher man den Kuf des
Eabeu nachahmt, auch um ihn zu verscheuchen, allg.
Gwägg r,uft man spottend demjenigen zu, der eine
kleine Bürde Holz aus dem Walde trägt, welche man
somit als ein blosses Rabennest taxiert; dann subst.
auch die kleine Bürde selbst Gl; vgl. Kräjen-Nest.
— 2. Euf des Frosches. Kessl.; s. (jorpsen. — Abi.
Gwägg AAFri.; Bs; ScuNnk.; S; Z, Gwägger
Bs; ScH („Quager, Quaker"); Th — m., Gwägge f.
Zllln., Sth., Wyla: 1. Rabe, Krähe. ^Mager wie 'ne
g' rupfte Gwagger." D' Matsherre, schwarz wie Gwagge'
ZWthur. D' Gwagge' händ afäh" chräe' und e Brüel
verfüere', wie wenn der Bös selber im HüsK war Z
(Bied.). — 2. viel jammernder Mensch TuTäg. ; Schelte
für ein unartiges, viel schreiendes Kind Bs; S. Er
het mängisch g'seit, es sig Schad für e Hebammelon,
wo si für de"" Gwagg zalt heige'. BWyss 1863. —
3. Tölpel, vorlauter, dummer Schwätzer S. — 4. Über-
name der Bewohner von ZRuss. Vgl. GuggerllA 3f
(Sp. 188). — 5. Gwägg(er), Frömmler, Sectirer Sch;
früher bes. Übern, der Wiedertäufer ScbKI.
Bed. 1 — 4 vom Rufe des Raben; vgl. die Syun. ffa*///,
Gi-äiji) ; Bed. 2 scherzh. od. hämische Entstellung von , Quäker',
mit Anspielung auf die dunkle Kleidung.
gwägge": 1. krächzen, wie der Eabe schreien Aa;
Bs; Sch; S; Z. — 2. quaken Aa.
Gwägg I m. : Letztgekoramener Gr.
Bezieht sich auf die Töne der Kinder und junger Vilgcl;
vgl. (jw&ggen und ()r. WB. unter ,Nestquak'.
gwäggele": kreischend schreien, wie kleine
Kinder Z.
gwägge": 1. = gwäggen 1 GrL. — 2. schreien,
wie Wiegenkinder Bs; S; Syn. häggen.
Zu 2 vgl. : ,Wäckcn, schreien und greinen wie ein un-
mündig oder jung kind.' Fris. ; Mal. Vgl. auch l.at. mijire.
Gwägge I f. GWe.; ZElgg, Gwägger m. GrL.:
1. Rabe, Krähe. — 2. Blasinstrument, bestehend aus
2 zwischen Birkenrinde geschobenen Hölzchen GWc.;
vgl. Gdggi (Sp. 167); Gwiggle; Furze.
Gwäggi m.: Mensch mit kreischender Stimme
oder der immer jammert Bs.
Gwagge II f.: Quecke, triticuni repcns BM.
gwlgge": giivigg (,ki-, kuwitt') schreien, wie der
Waldkauz, strix aluco (nach dem Volksglauben soll
es das Weibchen der Eule sein, s. Bd I 614); der
Ruf gilt als todverkündend Ap; Z. Synn. s. bei Üwel
Bd I 615.
Gwiggle" f. Th, Gwiggli n. AaP., Bb., Z.; Tu
Steckb.; ZGlattf.: 1. Waldkauz; auch Ohreule Aa; Z.
— 2. ein Toninstrument, aus einem sich gabiig teilen-
den Stück Rebholz zur Zeit, da es im Saft ist, ver-
fertigt; nachdem die äussere Rinde abgeschält und
der Bast gelöst ist, werden beide Schenkel so auf ein-
ander festgebunden, dass beim Hindurchblasen der
Bast in vibrierende Bewegung geraten und das Ge-
schrei der Eule od. des Hähers nachahmen kann Th;
vgl. Gwägge I.
Vgl. b.iir. ,Wi<-htel', Waldkauz, sowie Instrument, um das
Geschrei der Eule nachzuahmen; s. noch Fr., Ztschr. 7, 96.
gunnen Sp. 332.
Tor-gwaiigge": , verhehlen, verbergen Bs;' jetzt
nur noch in den RAA.: da 'sch eppis Vcrgxcanggts,
e vergtvanggti G' Schicht, etw. Verfehltes Bs; Syn. rer-
wendt. — Verderbniss ans dem Syn. venpimiin, das auch
.verdrehen, entstellen, verderben' bedeutet.
„gwante", gwantele": im Gehen stulpcrn, bes.
von Betrunkenen W."
„Gvvinti f.: Abgabe, welche Mädchen bezahlen
müssen, welche ausser ihre Gemeinde heiraten W;"
Syn. Kronen-Gelt Sp. 253; vgl. Silber-Kron.
Dem rechtlichen Charakter nach wahrsch. eine der Herr-
schaft beim Wegzug zu entrichtende Gebühr (s. .Abzug');
vgl. frz. quint (et requint), Abgabe dos fünften Teils des
Lehenpreises an den Lehenherren.
Gwer: 1. .Quirinus BFrut.", woselbst 1556 ,Gw.
Rittor', ein Volksdichter, 1668 ,Gw. Brügger', 1074
,Gw. Zaller' genannt werden. — 2. St Goar (der Ort).
15'29, Abscb.; ,StGewär.' 1618/19, Z Taschenb. 1878.
Gwardi I f. : Wache, spee. concr. Leibwache, Garde
Z f. ,I)ie gwardi stot in dyner huet', sagt der auf-
brechende Brutus zum Statthalter. HBdll. 1533. ,Ein
gw. hat er im bestellt, damit er 's rych mit gwalt
behelt.' ebd. ,Wo ist die gward, ir gwardonknecht'?'
SßiRK 15.35. ,MGHH. band ein gvf. gan Rom zu päpst-
licher Heiligkeit bewilligt.' 1548, L Ratsb. ,Hand acht,
dass d' statt ouch werd verwart mit der gw. ordenlich
recht.' RüKF 1550. .[Die Bärin] lief den nächsten weg
durch alle gwarden und gmach des fürsten kammer
zue.' Tierb. 15C3. ,PriBtoria cohors, des vogts gwardc
und rott. Custodise, ein gw. oder die Wächter. Aditum
custode coronare, ein gw. oder huet legen zum ein-
gang.' Fris.; Mal. ,Es habend etlich angehept, sich
in die gwardinen, herrendienst und frömde krieg be-
geben.' HBuLL. 1572. ,Wo Gott einen nit beschirmt,
da hilft kein wafi'en, kein schloss, gwarde . . .' LLav.
1582. ,Herodes, als er durch ,syn gw. im ganzen land
um Bethlehem alle zweijährige knäblin Hess um-
bringen.' RGuALTH. 1584. ,Mit dem Hufen syner Rü-
teren, so y im zue synes Lybs Gw. g'han.' Rüeger
1606. ,Die welsche Quardi.' Grasser 1625. ,üie Liebe
ist die beste Quardi, Wacht.' Met., Hort. 1692.
It. guardia, Wache, frz. garde. Die Schweizer waren
bes. für fürstliche Leibgarden gesucht; vgl. z. B. Lütolf, Die
Schweizergardo ; Morell, Die Schweizerregimenter.
Salve-: 1. Leibwache. Vilm. Schlacht 1656. —
2. sehr kleines Reliquienkästchen Sohw; Zg. — Mlat.
salvaguardia {frz. sauvegardc) ^ Schutz, Schirm, Schutzwache.
Gwardisame f.: Garnison. Die Eidgenossen im
Felde wünschen, man möge sie wenigstens ,in päbst-
licher Heiligkeit stetten gewardisammon dienen lassen.'
1521, Absch. — Umdeutschung des Fremdw., it. ,Guarni-
gione', mit Anlehnung an , Gwardi'. Vgl. Gmairnuss.
Gwardin I m. : Schreckfigur, Larve mit scheuss-
lichem Gesicht, Bart und 3 Nasen, von den ,Gesellcn
S-15
Gwiirtl-
tiwax— Gwiix
des törichten Lebens' 1523 angewendet, um die Nonnen
des Zg Klosters Prauental zu erschrecken; bis 1778
alsdann alljährlich am Sitzungstage des sog. ,gross-
miichtigen Rats' vor den Fenstern des Sitzungssaales
ausgestellt; Abbildungen s. Elsener-Kal. 1868 und
Alpenr. 1866, S. 69.
Wahrsch. identisch mit ,Guardian' i. S. eines Wächters,
wuleher die damals einem freiem Leben huldigenden Nonnen
wieder zu strengerem Leben zurückführen sollte, viell. mit
parodierender Nachabnuiug der Strafgewalt eines Kloster-
viirstehers.
Gwardin II, bzw. Ward in (in Z auch Waradin,
Wardi) m.: Münzwardein, obrigkeitlich bestellter
Aufseher, welcher Jilünzen, Gold- und Silberwaaren
auf den gesetzlichen Feingehalt zu prüfen hatte L
(auch ,Kantonswardin'); Z. ,Ein w., so die stempfei
hat, soll schweren, die stempfei und ysen hinder im
ze beheben und dera trüwlichen ze warten. Er soll
mit den ysnen oder stempflen zue dem münzmeister
gan und den sack, so versiglet ist, uftuen und im
lassen darus die münz brechen [prägen] und schlachen
und von den steniptten by syra eide nit kommen, bis
er ufhört breclien.' IIÜO, Seg. RG. 2, 271/3. ,üass
keiner derjenigen, so (iewichtsteine und Wagen machet,
solche Selbsten weder fecliten noch mit dem Z be-
zeichnen, sondern selbige dem hierzu verordnet be-
eidigten Wardyn (Guardin, Gwardyn) zum Justieren
einhändigen.' Z Mand. 1693/1812. ,Gwardyn wird er-
wehlt vor Rat; seine Pflicht ist, auf die Geltsorten
Achtung zu geben, ob selbe auch den rechten Halt
haben, item auf die Trolicn, sowohl des Zinnes als
des Silljcrs, und dann auf die (iewichte, dass selbe
wohl iustiliciert und ordenlicli <,'etueliten seien. Sein
Einkommen ist nichts Sonderliches, hat aber den ersten
Zugang zu dem Münzmoisterdienst.' Z Pfründenb. 17.''i7.
Ritterurdeu versttiht wühl auch UstJluck. 151'J; .Molclicr zue
der Gilgen, Ritterwardein.'
Gwardi II n.fVl: Geld. De'- häd Gir., i.st reich
ÄAWohl. Syn. Krimwirh. Batzen.
Wahrsch. iiidii ilu. llr Ijitst.llani,- (mit ArileliiiUM^' au
Gwwdi I) aus it, .j„„ii,,„,. s. A',<(,ui.
■gi s. Ge-twergi.
rti s. Ge-wetti.
gwaxe": quaken UwE. .Coaxare, schreien wie ein
frösch. gw. (quaxen, quäxen).' Fitis. ; Mal.; Denzl.
1677; 1716.
gwäxere": mit einem stumpfen Messer schneiden,
so dass beim Hin- und Herfahren knirschende, scharfe
Töne entstehen B (Dan.). — Schallw. ; vgl. y«,««, yilj.-/««
u. d. vor.
üvvix m.: heller, gellender Schrei GSa. — Vgl.
ijintjijcn und die Synu. 6'yj«, Ou-.
gwixe" = gipsen GO. — Vgl. auch hd. ,quiksen,
(luitscheu', schreien, schneidend scharfe Tfine hören lassen.
Gwixi n.: Käuzchen, Eule. Kindern, die Nachts
auf der Gasse herumlaufen, wird mit dem ,Gw.' ge-
droht. RocuH. 18.57, S. 319. — Vgl. aioujyh (Gwujyli).
H.
Ha, he, lii, ho, hu.
ha : Schlittenruf S. Syn. ab (Bd I 29), (die (ebd.
171), usi Gass (Sp. 450), do hu, hah, ah Hobel, us
Hang, haup, Hiiet, raii, ab Schnauz, us Weg.
a-ha s. Bd 1 161.
6- (in Ap; ßoAa.; Scu; Z Ö-, in Z etwa <>-, in
BM. ii-, neben ue-) ha (mit schwaiikondrr (^laiitität
desVoc.) Aa; Ap; B; VOrte; Iu:; U; In. n-iintJG.;
SciiSt.; Zu; Z Ö-, in B ü-, in l;l;. »,-, in S /(,.-) ha
r/i-f bzw. /ir' und //.. / AaF.; Bs; B; GG.; S; /,: halt!
1. zunächst al- Zuriil ans Zugvieh, oft verslarkrnd
verbunden mit ihn nailii,'i'setzten Synn. o, hiif. all;;'.
Andere Synn. hu, a-hu. Auch als Zuruf (in Z in diesem
Fall mit nuancierter Differenzierung öhä, gegenüber
iihä zum Vieh) an Menschen. Ulla, Schümmel, nie
c/t«"" nit dürc [der Weg ist gesperrt]. Addr. 1877.
Der in ScnSt. vormals aufgestellte zürch. Wachtposten
soll die heranfahrenden Schiffe mit den Worten an-
gerufen haben: , Woher das Schiff? öha!' welches
Kommando dann scherzh. auch später Schiffern zu-
gerufen wurde. Sprww. 1824. Ohä! ruft man auch
Einem uaeh. mit der Absicht, ihn zurückzuhalten oder
-zurulVn ; rli, n~M .(mdm, dem ein Unfall zustösst. Vom
ur-rn sich selber angewendet, kommt es
iiiMi-un- getjen den Andern gleich. Als
Spre
\Vi
.\rzt.
Ohd Chupf! beim Anstossen des Kopfes Z. — 2. Intcrj.,
um einen Andern in einer allzu weitgehenden Be-
liauptung, Forderung zu unterbrechen, im S. einer
staiken Verneinung od. Wei^-ernn^'. allg. UJia, Benz,
-l.liende Formel, i. S. v. : so ists nicht gemeint, nur
sarhte BM. Uha, das geil iml. das tuen i''' nid! 13.
.Nun erwartete Anne Bäbi, Ilan>li w.t.Io j^'wunderig
sein, aber ohä! er achtete sich Anno l'.iilii - i^ar nicht.'
GoTTH. ,Ocha, du hast fei gs.liosson :■ >.m,at 1537.
Syn. in den meisten Fällen liolln: zu '2 vgl. nhd. ,oho!'
S. auch öha Bd I 162 und ö 7/ Bd I 22. Die Quantität
der Voc. ist oft abhängig von der mehr od. weniger erregten
Stimmung des Rufenden.
Ha. he, hi. ho, hu
liä I. auch M-hä ArL, ü-M GrPi-.: lutinj. als
Ausdruck der Bejahung; Syn. e-he!
llä II: Interj., mit welcher das Ergebnis« einer
Überlegung eingeführt wird, bald in ennuiiterndem S.,
bald i. S. des Einwurfs, der Abwehr, Abweisung Z;
Syn. ba, b'hä, he I. Ha, 's wird nüd su bös si" [wie
du sagst].
ha III GfiPr.; G, hü Gl; L; Z (wo verpüntes, für
bäurisch gehaltenes hec neben feinerm he-), in ScuwE.
he' (dafür auch der Ton, welcher entsteht, indem man
bei geschlossenem Munde die Stimme durch die Nase
gehen lässt L; Z): Fragepart. 1. um die Wiederholung
des von dem Andern Gesagten zu veranlassen, wenn
man es nicht verstanden hat; wie? was? comraent?
Aa; Sch; Schw; Z. De' brückt au"'' nüd z' mache''
hä, ist verständig genug, merkt die Sache im ersten
Augenblick Z. Du muest denn mache' hä, sagt man zu
Jmdm ironisch, wenn man ihn ausschickt, aber seiner
Verständigkeit nicht recht traut Z. — 2. zur nach-
drücklichen Zsfassung einer ausgesprochenen Frage,
hörst du? Wie spät isch (es), hä? Z. — 3. = gel'
(Sp. 276) und in diesem S. meistens mit Diesem ver-
bunden: nicht wahr? siehst du nun? Gl; Schw; Z.
— Syn. hi. Vgl. hn bei Schni.-Fr.
hä IV GSa., ha-ä Ar; GT., hA-ä GRPr.; G tw..
hA-hä Ar tw. (neben hd-hä): Neg., in verstärkendem S.
Säg-i''' ja ol äha, sn-n-is [ist es] ja; säg-i''' nei" ol
ha-ä, Sa bltbt 's bim Nei* GnPr. (Schwzd.). Durch
Beifügung von nei' wird dem an sich dunkeln ha-a
gewisscrraassen die Erläuterung beigegeben, wie sie
auch durch die Geberde des Kopfschütteins unterstützt
wird Ap. Chomm-i''' de" rechte Weg? Antw. Nä,ha-a:
Merz 1ö36.
Syn. he-t, zu dem es sich verhält wie d-ä (s. Bd I '2) zu
e-e; weitere Synn. nU-ü, uä-ä; iw allen diesen Synn. werden
die 2 Voc. scharf getrennt.
hüteli-hä, hüte-hähä: Ruf der Maskierten an
der Fastnacht, mit dem sie um eine Gabe anhalten Z.
Syn. iiseli-, hö-bätz, ü(te)-bätz (s. u! Bd I 24).
ha, hä s. haben. Häi s. Häli.
hau, Interj.: 1. freudiger Ausruf der Schützen,
wenn sie einen guten Schuss getan, zugleich scherz-
hafte Ermunterung an den Zeiger, einen möglichst
guten Schuss zu verkünden Ap. Vgl. den Imper. ha%i
unter hautien. — 2. Schlittenruf GKh.; S. Syn. hä.
Hau I m.: Augenblick, Nu, nur in der Verbindung
im H. Aa; ScuwNuol.; S; ZS. Im H. wird d' Tür
ufg'sjirengt. Schild. Er git-ere-n-im H. e lise Düt
[Wink], ebd. 's ist im H. richtig, fertig, abgetan.
Eig. : in so viel Zeit, als man braucht, um hau zu rufen;
vgl. i«i Hei, hu. Hui. Es Hesse sich aber auch mit Hau",
Hieb (,in einem Hieb', vgl. ,auf einen Streich, Schlag') ver-
einigen. Vgl. auch das Syn. im Schnall, sowie Hack i. S. v.
Augenblick.
über-hau, in der unpers. HA. iiberhau gä', bunt,
unordentlich hergehen BHk.; „kreuz und quer BO.'
Kanu ebf. zu Hau" gehören, vgl. die KA. ,(Jmdni) über
den Hau gehen (fallen)' = wider den ,Strich' gehen, schief,
ungeschickt ausfallen; docn könnte, ausgehend von der Grund-
bed. ,rasch' (im Hau, im .Schnurr') Zshang mit der Interj.
hau Statt finden; vgl. bei Gr. WB. ,hui' i. S. v. eilfertig,
.überhuicn', übereilen, obenhin machen, und unsere Synn.
übei-hopji, -hulz. Betr. über in diesen Zssen vgl. Bd I 59,
Anni. Kndlich vgl. noch «/ hnpfichrif, auf Geratewohl.
Hauderi- s. haiidercn.
Pi u b i - , in der Verbindung im It., um die Wette.
Do geit 's driif los [beim Schneckensuchen] im B.,
do geit es druf und dra' S (Schild). M. auch Ausruf
der Knaben beim Kugelspiel, wenn ein Mitspielender
von den im Spiele stehenden Kugeln sich aneignet,
so viel er kann S.
Vicll. entstellt aus dem Vorigen (im Üherhan), etwa im
Gedanken an ruh, kraus (vgl. nhd. .kraus und bunt'). Doch
könnte in dem 1. Teile das W. .rauben' stecken, da die RA.
wahrsch. von dem Spiele ausgegangen und , rauben' ein tech-
nischer Spielerausdruck ist.
Haa-han m.: Hund AAZein. (Kd.spr.); Syn. Wau-
traii, Bo-bouss. — Vgl. auch ,hau' bei Gr. WB., u. //««»« //.
häner: krank, abgestanden, gelb, vom Aussehen
der Pflanzen AAZein. — Vgl. ,hei' i. S. v. ausgetrocknet,
dürr bei Gr. WB.; mhd. 7i«Vii, brennen.
häueren s. heieren.
He s. Hei; fWuote-J Her.
he: Interj., um zur Aufmerksamkeit zu mahnen,
Jmd anzurufen, z. B. einen Davoneilenden zum An-
halten zu bewegen, etwa i. S. v. höre! aufgepasst!
halt (da)! holla! allg. He, lös [höre]! Häufig verst.
durch nachgesetztes ,da'. Als Schlittenruf (auch ap-hc,
s. Bd I 29) ZW.; Synn. s. bei hä. He, we^V me-;
wer bietet mehr? Aufforderung der Ausrufer bei Ver-
steigerungen ScHSt; vgl. ita he Bd I 602. Mit dem
Rufe he, he! wird an der Land.'gemeinde bei wich-
tigeren Abstimmungen das Handaufheben begleitet,
und .sollen Andere zum Beistimmen angeregt werden
Gl. He, he! wer will Wasser hole'? me" schlät d'
Brünne' ab! wird gerufen, wenn z.B. wegen Repara-
turen das Wasser der Brunnenleitung abgestellt wird
Gl. Zu einer Zeit, da der Fleischverbrauch noch
spärlicher war, Hess in ZMdf der Metzger, so oft er
frisch geschlachtet hatte, in der Gemeinde herum aus-
rufen: Hi; he! Wer wo"t guets Chile- (Bind- niglj
Fleisch chaiife', der seil i" d' Gmeindmetzg inne" laufe'.
Wolfeil: 's Pfund für ...Schillig. Wie Speclc! Mit
he! he! sucht man abwehrend Jnuln von seiner Ab-
sicht abzuhalten oder in seinem Tun zu stören Z;
Syn. se! Auch ermunternder Zuruf, Treibruf ans
Vieh Sch; Syn. hei. ,Er rief, wie er die Kälber zum
Fressen trieb: He, hü, hei und: hol, he, hoü' Sch
Volkskal. 1882. S. auch noch lie.
e-he: Interj. unangenehmer Überraschung Bs; BSi.
hopp-: 1. Freudenruf als Eingangsw. in einem
Reimspruch: H., d' Chatz lauft über de' Se, wohl die
Sprünge des Rufenden bezeichnend ZReg.; vgl. das
Folg. — 2. Warnungsruf der Knaben auf der Schlitt-
bahn ZReg.; Syn. (ab) he.
huppeli-: Freudenruf ZG. !<■'' hä" mi"' Gotte
g'seh, si bringt mer d' Helsete, h.! Stutz. Als Eingang
eines Reimspruchs, ebd. Gem. V 81 ; Syn. jüpeli-hc.
hauteli-, in ZZoll. hüteli-, als Eingang eines
Reimverses: H., was han-i''' g'seh? ZB. Vgl. hüteli-ha.
jü-: Freudenruf. allg., bes. als Anf. von Volks-
liedern. /., Leder am Schueh! riefen die Bauern-
bursche, wenn sie ihre Schönen vom Tanzplatz nach
Hause geleiten durften AASchinzn., Wind. J. mache',
sich vergnügen Sch. Es ist (gäd) n»' juheie' undj. Z ;
Syn. alli Güeti. Si liiege'd z' Bode", tvie wenn s' trnrig
Ha, he, lii. iKi, lui
850
iviire'd und wollt wette', 's war juheie' und j. in irem
Herze*. Stutz 1851. ,Sie singen, schreien all: Juhee!
Gleich folgt darauf das lied: o wee!' GGotth. 1599.
Als Subst. 1) Jubel. In ei"m J. sl", voll Freude Bs;
s. Breitenst. 1860, IG. — 2) (scherzh.) oberster Sitz
(Imperiale) einer Kutsche, oberste Gallerie im Theater
Bs; Z. — 3) (scherzh.) Kaffee AASt.
Eig. Zsrückung der lieiden Intei-jj. ja und he. la Bed. 2
Übertragung auf den Oi't, wo amu ju-lte rufen möchte, doch
liegt wohl darin auch der Ausdruck der Geringschätzung;
Tgl. ,Hopp-hc', geringe Habseligkeit, bei Weig., WB. S. auch
Anm. zu Holle-hö und vgl. a.nch ju-hci. Zu 3 Tgl. hui 3 h. —
Abi. ju-he-en.
hepe
j ü p e 1 i - , juppeli-, in Gl jupel^- : Ausruf der Freude
Gl; Schw; Z; vgl. den Keimspruch: Alti Wiber und
Ente', si schicadered über-e Se und wenn-mf s' wil!
vertränke", so rüefed (schreied) s' jupeli- (upeli-, ju-,
puteli-, tschuderi-) he. — Jupdi- von der Interj. jv,(p) !
vgl. das Syn. hujqidi-he.
Bo-he Buhe' m.: Wildfaiig AxWohl. - Vgl. //«V-
htie. Huihu, Juhcier uud huhciai.
„büti-, büteli-: Ausruf, wenn man ein Kind
spielend in die Höhe hobt B; L;" auch = bCiti-heie,
wenn man ein Kind schaukelt Bs; B. 31ls Schatzeli,
mach numme" butihe L. Büti he, b. he, Christe", briegg
mf nimmeme''. GJKchn. S. auch ju-he. — Baten, wie-
gend schaukeln.
Schutt-: Schlittenruf Gl.
•■: laut (eig. he) rufen Ar; GA.; vgl. helen,
jü-: ,juhe' rufen, jauchzen. ,Bei Tagesanbruch
sucht ein Wildheuer den andern durch gegenseitiges
Juhehen (Heueru) auszukundschaften' Gl It Steinm.
1802.
he ä': Ausruf der Überraschung GT.
Verstärkende Zsrückung der beiden Interjj. Iie und ä V,
s. Bd I 4; vgl. auch das Syn. eh{ Bd I 162.
he I (in Z Ärf und he-): Interj., im Allg. i. S. des
nhd. ei! eh! nun! häutig sich verstärkend an nach-
folgende andere liiterjj.. Imperative, Frageww. an-
lehnend. 1. in Erwideriiiigen, bes. bei Ablehnung,
Abwehr, Tadel, Aluiuiliniinu', bes. wenn dieselben sich
dem Sprecher uu.s il^r Xalur der Dinge von selbst zu
ergeben scheinen, abrr um.li ijos., z.B. bei Empfehlung
eines guten Rates, lläuhg Ausdruck der \'orwnii>lc-
rung, Überraschung. He, was glanh.st iln ilrim .' un-
willige Frage oder Abweisung. He, lee' vor 's [wünli'
es] au''' glaube'.' He, ivemmer [wenn man] doch seit!
wird dem Ungläubigen unwillig zugerufen. He, iiir'
cha" fOTfr wei'J denn luege", kann ja schauen, z. B.
wie dir zu helfen ist. He, ivege" mir! meinetwegen,
mir ist ja am Ende Nichts daran gelegen. He, nu-r
wird 's denn g'seh" [wer Recht behält]. He, es göt ja
no'^ lang [du brauchst also nicht zu eilen]. He, und
wenn au''' [es so ist, wie du sagst, so hat es dooli
Nichts zu sagen]. He, me wurd aw'' meine" (was das
tcärj! ,Er hätte noch nichts Schlechts gemacht, sagte
Uli. He, das nehme ihn doch Wunder, sagte der
Meister, ob voll [betrunken] sein etwas Bravs sei.'
GoTTH. ; andere hieher gehörige Beispiele aus dem
selben Schriftsteller s. bei Gr. WB. unter ,he' C. Aber
was strickt si? He, G'wülch us himmlische Düfte.
Hebel. He (auch e), lueg doch au"', gib doch Acht Z.
Schweiz. Idiotikon II.
He, chumm dach aW' (mach nüd so lang) ! He (auch
he-jo), Se las-mi'^ du (nu'J go"! lass du mich nur in
Ruhe, wird demjenigen zugerufen, der für eine Neckerei
von uns eine viell. allzu derbe Strafe oder Abfertigung
empfangen hat Z. Mit emphatischem M, he! i. S. v.
nimm dich wohl in Acht, was machst du da Uner-
laubtes? sucht man einen Fehlenden von seinem Tun
abzuschrecken Z ; vgl. he I. ,Hä, der sach g'schicht
noch gueten rat [da kann noch geholfen werden].' Aal
1549. ,Vel hercle eneca, hä, töd mich auch, wenn 's
dir g'fallt. Hern, ein wort eines zornigen, item eines
Verächters oder einsi, der antwurt gibt, so man im
rüeft, hä.' Fris.; Mal.; vgl. dazu ha II. Hieher gehört
wohl auch das in den Strophen des Halbsuter'schen
Sempacherliedes, sowie dps bist. V.dk^lifd.'-j (T. 1 56/Ö0)
vom J. 1688 je den Eiii^-m- -l.r :., Zril,. lullende ,he'.
He ja fjöj, heija, in Ai I,; '■ \.. i. .nii h //./(, licö, ge-
häuft ./Vr heii((. in Ai' aiirli j,i-li,'Jii'ij,i : oi ja, ja doch,
allerdiii'jv, ja IVrilidi, gewiss Aa; .\i»; G; Z; häufig
auch i. s, ,111, \ rhlnissenen, abgenötigten ,ja'. Hast
)iö(l Knh.,^ [i:i',\a-.J re'schenkt? P'' mänri he-o [ich
glaube, doch] Arl. In ZO. auch i. S. v. ,nun denn, ab-
gemacht (frz. eh bien)': Heijö, i''' chumme denn. Auch
iron. = warum nicht gar! GTa. He nei'! nein doch,
doch nein, Verneinung mit Affekt, bes. in der Er-
zählung, wenn der Sprechende eine vom Hörer vor-
schnell gezogene Schlussfolgerung verneint, aber auch
Ausdruck d.'s Ki-itaunens Z, dafür auch: enei'! , Hättet
ir aurli .in, 4 rn.\, heute gegebene Fragen können
erölliuMi ' 11' 11. in, iiline so weise Gesätz.' 1621, Bs
Gedicht. ,11.1 iiei, .suber nüd!' Zeitvertreiber 1700.
,Hee nei, frilü- Gespräch 171'2. He frili"' (jöj! Z.
He u-ul! doch ja! He (auch e) nu, ei nun, wenn
es denn sein niiis.s. mm ja, es sei dem also, meinet-
wegen. ISn Srhiipiir 'Iniiihi:"? Hä nu denn! Stütz.
Im gleichen S, yeliaiilt (..It scherzh.): he nu so (se)
de(nn), oder umgestellt he se nu denn (Allem. 1843)
und mit wiederholtem sg; he se-nu Sr-de" Aa; Bs, in
L auch : he-nu-se-ase-de"' , auch i. S. gegenseitiger Er-
munterung: nun denn also, nun wohlan .\k: V-<: B;
Gl; L; SCHW; Uw; Z,; ; Sn, .//,-,<,-„„-., -,/r'", ,ni-.(.
,Kann man eucli niclil i li mit lilwa^ ,iur\\aif..ny
sagte iler Wirt. AI.-, .-r .la. .X.an vmalini, si-l.. .-r:
He-nnxn ,lr. ,„ i,rh^rs :-.,n,n„r K, l'.al:.- (i,,iin,
,l)arülM.r v.'ruuial.al.' -i.!, Ilan-li nn.l -a-l.- //■■ „u
,r /.',
luege" u'"' lucgt die nit, he nu so
</, , ,M( ,</" /,.'/ ,;.(//-/ 11,1''' da. ebd. Über die unrichtige
\ .rli.M Inl. •hr.rr l-ormel vgl. GoTTH. Bd '24, 223. He-
se-nn-se-de"", scherzh. in Nachahmung der Japan. Spr. :
der Anordner der Fastnachtspiele in Scaw. — 2. in
Beteuerungen. Schwüren, Ausrufen. He, der (auch
he z'} 'L'iisi'i. (imiiicr'. S.hwur und verwunderter Aus-
ruf, cl..n... /,.!;■ Il.ir.inii, Hagel u. A. Aa; Bs; Z.
Uns.,.' h.t.ii, InMilni -Kh vii.lfa.;h mit ä T (Bd I 4),
ci (ebda Hl), /.., m. ' - !■ li .1- a. '. -!■ ia .1' .. L'I.i.Ii.ai
RAA. oft wecl... ' w . i- : ■ .' i- .■• . ■■ ^ • :■.■»,.
so Hesse sich .la ■ :i. .: a, , • ,i a.. i ■ ; ■ ■ ■.. k-
führen; doch i_a-i;il.i juj'h ih. '/.--i.ajaaiL; i-a^, n ■' - .l-aa
Alemannen (welchem J eben Voc, nicht Guus, i^tj diu näm-
liche Ausspr. Betr. ,he' in Volksliedern vgl. etwa den Ge-
brauch der Interj. ,hei', um etwas Neues hervorzuheben
(Gr. WB.).
he'^ II, mit folg. da: da! nimm! L tw. — Eine durch
den Eiufluss der Interj. he entstandeua Nbf. zu «'.'
851
Ha, he, hi, ho, hu
he' III. nur in der Verbindung: he-ta-ta-ta! Lnterj.,
um die unangenehme Empfindung über ein Ereigniss
auszudrücken und die Aufmerksamkeit darauf rege zu
machen Ap (T.). — Berührt sich tw. mit he J, tw. mit
hc; Tgl. Iie-ä.
h e IV s. hie.
e-he' s. Bd I 162, dazu folgende Zusätze: 1. ,Heiss
si jetz kon und für dich stan! Ehe, ich mein [glaube]
nit, dass si dich verlass.' Salat 1537. — 2. bes. Zei-
chen, dass man verstanden hat Bs; G; Z. ,Bis der
Hans sich ächzend erhoben und gesagt hatte: ähä!
[er wolle aufstehen] um sich wieder ächzend nieder-
zulegen.' Breitenst. Syn. oho II.
hee: verst. .\usdruck der Verneinung GuL.; GT.;
Uw; Z. Syn. e-e (Bd I 1.3), ne-e, ne-nei", ha-a (s. ha III).
He s. Hien.
G=-hei I bzw. khei, K/ei Gl; Gk; LV.; Schw; U;
W, Gei UwE. — n., in Gr; „Schw" m.: 1. Hitznebel,
Fühndunst, rauchartige Trübung der Luft, leichtes,
weisses Gewölk, das zur heissen Sommerszeit sich
verschleiernd auf und um die Berge legt oder die
Sonne halb verhüllt, Höhen-, Heer-, Heiderauch Gl;
Gr; LV.; Scuw; U; W. Syn. Gehel, Gehenk, Eei-Nebel,
-Dampf, Bezügi. Vgl. Dimmer-Fon. ,Kai, welches
nach unserer MA. einen gleichmässig ausgebreiteten,
bläuligten, trockenen Dunst bedeutet.' Gr Sammler
1783; vgl. auch Gem. Gr 1838, S. 252. Uf Hitz und
Kei git 's keis bös G'schrei, abar uf Nässi und Süri
(jit 's Hunger und Türi GrD.; s. ver-hrinnen. —
2. dichter Nebel, den der Nordwind in den Bergen
herumtreibt Gr; Syn. Gehenk, Bisen-Rauch, schwarzer
Bauch.
Mhd. (/elici, Hitze, Brand. So noch i. S. v. Trockenheit:
,0b sach wäre, dass ein gehaie käme, dass wasser in der
TOgty getrosten wurde.' Auf. XIV., ThEggen Offn.
g'^-hei, bzw. khei, kxei Gl; „Gr; Uw", g'hei-ig I
BO.; Uw; U, g'heuig „LE.", „keierig Gl; Gr; Uw".
„geheiet, geheuet" : dunstig, trübe. Vom Wetter, von
der Luft Ndw; Sjn. gehcdig. Auch: unbeständig, un-
gewiss, nur vom Wetter B oHa. In der ä. Spr. auch :
heiss. ,Des jars ward es kay mnb den herbst und
das ertrych trucken.' XV., Konst. Chr.
Vgl. Gr. WB. ,hei, gehei'; die Form auf -eu- wohl mit
nahe liegender ünid. auf ,Heu'; vgl. .Heuwetter'.
G = -hei II, bzw. khei, Kxei — n.: Gehege, nur in
der KA.: Eim in 's G. gö' GfiChur, und in Flurnn.,
z.B. B; Th; Z. In der ä. Spr. spec. gehegtes Holz.
,Sie sollen in das gehei nach den dornen [zu Ver-
zäunungen] faren.' XIV., TnEggcn Oftn. ,[Das Holz]
so man nemrat das G'hai.' 1524, Scn Urk.
Vgl. mhd. hei(e), Heguug, gehegter Wald, zum Vb. Inkn,
hegen, schützen, pflegen. Die RA. ans Gr wird gestützt durch
die syn. in '« G'hei/ gän, so dass viell. die RAA. unter Gau
(Sp. 39) tw. auf Umd. beruhen. In einer L Urk. von 1585
findet sich auch die Form ,Gheig'. Hieher wohl auch die
Fem.-Bildung Stuet-JJeie, Flurn. (VFiesland) ThHw.
Gehei m s. Gehij.
hei I: lnterj. 1. als Ausruf der Freude, des
Schmerzes, der Klage, des Ärgers, der Überraschung,
Verwunderung, des Erstaunens, i. S. v. ei, ach! allg.
Chrüz Wetter, hei, wie sind das schöni Äuge g'sl"!
Stütz. Hei, s' Dunder! ebd. Hei, tcie ist das e gotts-
erbärnkhs G'inlel! ebd. JiiM hei und niene" a" ! lustig
und ohne Sorgen! U. Dau dirl dum, dau dirl dum,
hei-sa-sa-sa-hei, lustig und ledig! UBragg. Rei Jeger!
Ausruf des Erstaunens, viell. für .Herr Jeger [Jesus]'
Gl. 0-hei! Ausruf des Bedauerns L Ged. 1863; sonst
oheie! ,Hey, esstat, dass Gott erbarm!' 1530, Absch.
,Hey, was hab ich geton!' 1531/48, L Macc. ,Hey, ein
geschrei eines weinenden, ah, ah. Hey ist ein stimm
anzeigende, dass man eines dings voll und massleidig
ist. Hey, es ist sy" [davon, dessen] gnueg, ohe, jam
satis est.' Mal. ,Hey, h., h., als alt ich bin, han ich
die sonnen also nie gesehen.' HCämpell 1572. ,Hay,
hay, so gat 's, komm har, myn fläschen, ich muess
einfart myn lungen waschen.' 1597, L Ostersp. ,Hei,
botz Velti nüd!' Göldi 1712. S. noch Erd-Blch. —
2. der Ermunterung, Mahnung, Aufforderung zu Eile,
Fleiss, i. S. v. auf! vorwärts! wohlan! allg.; Syn. 7sot.
Hei, rod (icir)-di''' ! rühre dich, strenge dich an! Hei,
gimmrr-au"'' en Franke'! Hei, mach dat' [dass du]
furtchunnst! packe dich Sch. Hei ufi uf d' AI}) zue
de* wisse" Schümmil! die lustige" Buebe" kond alU in
Himmil Ap; so auch in andern Keimsprüchen. Häufig
verst. mit ö, au'K In einem Tanzverse heisst es:
Hei umme, drum umme, die Alti springt umvie, die
Jungi hockt still. S. auch ufhin; dideldum, und Glger
Sp. 160. Auch als blosser Zuruf i. S. v. höre doch !
Sch; Syn. he. Bes. auch als Treibruf an das Zugvieh,
bes. Hornvieh, während den Pferden an einigen Orten
(B; L; S) mehr Ali gilt Aa; Ap; B; Gr; Sch; S; Uw;
Z; in LG. spec. Zuruf, dass die Tiere nach der Seite
des Treibers gehen ; Syn. hare, hilst, wist. ,lndera der
Oswald aus dem Stalle tritt und hei ruft, als jagt er
die Binder.' JRWvss 1822. Auch Zuruf an Hunde,
um sie auf Menschen od. Tiere zu hetzen BHk.; Syn.
huss, x! In dem Zuruf an Mehrere brauchen Soh;
ThHw.; ZSth. eine verbale Form heie"d, heijed.
Heied, a" si, druf! ruft der Schmuggler zum Kampfe.
APletscher 1880. Heied, Nötigung zum Essen und
Trinken Scu. ,Ich habe gehört, Sie können gerade
reden wie ich. Haiet Sie [wohlan], zeigen Sie mir
jetzt einmal, wie ich rede.' Sch Pilger 1884. ,Hei,
gang zuo inen!' 1527, Egli, Act. ,Hei, mach für
dich [dass du vorwärts kommst]!' ebd. ,Euge, wolan,
huy, hey. [Auch] ein stimm des fuermanns, so die ross
mant.' Fris. ; Mal. — 3. Eile, Schnelligkeit, raschen
Stoss andeutend; vgl. (ini) Hei. E Schluck imd e
Truck und hei abe", vom Trinken B. Hei ab-enand,
iez ?öi [reisst]-OTgr wo"'' de Hose'träger. Stütz; vgl.
ratsch ab-enand, als Gegenstück etwa hü z'sämmen.
Jetz häi! si' die Studente" irem Fründ z' Hülf, uf
die Bürcsün los. Hofst.
Mhd. hei, hei-a (s. unser hcie), lnterj. i. S. v. 1. Betr.
hei-ja s. he. — Zu der verbalen Form (PI.) gelangte man,
indem man die lnterj. wie den Imper. eines Vbs auffasste,
gerade wie bei aend! aus ee! s. auch <jelt Sp. 277. Dieser
interjectionale Inip. berührt sich in gewissen Fällen mit dem-
jenigen des (ebenf. aus der lnterj. abgel.) förmlichen Vbs
heien I (Bed. 3).
alle-: meinetwegen. Mera' chamnirr 's so mache",
a. AAEhr. — Zssetzung mit alle = allo Bd I 173, also eig.
= wohlan denn!
ju-: Freudenruf = /it/te. J., lustig Buebe! W.
,Evax, interj. gaudentis, juh hei.' Denzl. 1677; = .jo
hei.' 1716. Abi. ju-heien, -heiig.
jere-: Klageruf S. ly Sorge verschücht-m.^ mit
keim J. JoACU. 1885. — Jere, für .Herr .lesus'.
853
Ha. he, hi,
hu
854
Hei m.. nui- in der Verbindung: im H., im Nu
BTliun; Tu; Syn. im Schirick. — S. die Anni. /.a I/<iu.
Hurrli- m.: Wildfang BO.; Syn. Hauderi-dau,
Hotte-hö, Hui-hu, Hiirrli-Biieb, Hohe. — Uurrlen, sich
kreisend drehen, wirbeln; s. Anni. zu Hcietii.
!ieia, heie: verstärktes ,hei' in allen 3 Bedd.
1. Heie poppeie, dem Oberland lue, da tanze'd die
Bure" und träge'd kei*' Schueh. ,Io, ein frolich ge-
schrei, heia, o.' Fris.; Mal. Als Ausruf des Schmerzes
immer verbunden mit ach, o! s. u. — 2. ,Heya, Kä-
terli, Heya', das Feldgeschrci der Zürcher bei der
versuchten Einnahme von Baden im J. 1444. ,Bum-
perlibum aber dran, heia-han', Refrain im Liedc über
den Zug ins Sundgau 1468 (s. T., VL. 2, 43/49), zu-
gleich auch den Trommelschlag und den Takt wieder-
gebend; vgl. ebd. : ,Donner, blix, hagel, heiahan aber
dran.' Schlittenruf GlMoII. — 3. im Wiegenlied die
Bewegung der Wiege (s. hei) andeutend, z. B. lleir.
hüte, Wiege'stoss, über 's Jar wird's Chimlli fimss.
denn cha'" 's über 's Brilggeli laufe", f/n Ojifcli nml
Birreli chaufe"; oder: heie. hrir. hcilr. <x cliiiiinl <
schöni Gütsche' usw. Oder: Hm. l'nti' IT/r,/,//. Kf-cDi
Dach sind Ziegeli, nf-em Srhn<s ,>, fhnnhh. hlmri-
merßott mis Chindeli AiZein., uhnlich Giil).; / und
andere Var. Heije, sali, Büebcli L. Vgl. noch hüte-
heie. — ZsgerUckt aus hei und ä, s. Bd I 2.
o-heie: verstärktes ,hei' in Bed. 1. Und Herd-
öpfel gid 's, o heie, m^r mag schier nid g'nue^ g'.schiiiiU''
[schälen]. Hapl. 1813. Bes. aber (in Aa auch ach-h.)
als Ausruf der Klage, des Schmerzes, Schreckens, Ver-
drusses, Kummers, Bedauerns, Mitleidens, i. S. v. ach
Gott, ach. 0 weh! allg. O-h.-h.-hei! Bs. 0-h., ivas
wird me' no''' müessen erlebe"! Aa (Schwzd.). Oheien,
oheie, ml Dursli zieht i" Tod. SrniLD. 0-h. (auch ju-
heie), Mare'ie, hesch d' Suppp" la" g'he'ie' [fallen] B
(Volksreim). Über die armen Bauern von AAZeien wird
von den Nachbarn gespottet: 0.! vo" Zeie", d' Holz-
hire' hei" g'ßlt; o Zeier, der sit 'bürstet und g'striilt.
0-h., tvär's Maie! mirid d' Chriesi scho' rif! Aa. 0-h.,
Gott im Himmel, o war mi'' Frau en Schimmel, so
hätt i''' au''' es Boss Aa. ,Ach du liebe Zeit, o-heie,
heie.' Breitenst. 0-h., Gott und Votier! Bs. Bes. auch
Ausruf schmerzlicher Kiittinisehiini;-. I>u:ts.ii IsU-,
Schild. Verst. als .laiiiinrn uf: ...linr. o|i,v l.i i.. Sa-..
S.70: T.. VL. I lls. .o 1,,.^.. .-..I e., al^.. zuel- IIÜU.I..
153.S. Auch Dim.: O heieli! BBe.; vgl. soll! Auch
Interj. des Spottes, der Abweisung L. Oheie daheime"!
Und denn erst wo«* in andere' Lüte" Hüsere" ! Aa
(Eochh.).
Heie-heie: Possenreisser, Klopffechter. So ist
wühl die spiHtische Benennung des Generalvikars
JFaber durch UEckst. : ,Schmid Hans Heieheien' zu
deuten; vgl. Hitrrli-hei und bes. Heierli.
hoppe-heie. nur in der EA. i(f H., aufs Gerate-
wohl. Uf H. hi" svV(/c", auf leere Vermutung gestützt
GO. - Vgl, .\nw. y.n ul..r-l,„„_
ju(he)-, jueh-: .Juhelruf = J,i-hr (-hei) Aa; Z.
J., 's isch Meie" usw. Juhi-h. mache", jubilieren, in
Saus und Braus leben ZS. ; auch verbal: bi dene" ist
all Tag Juhe-heie Z. Juhega-popeya, so singt-m^ im
Meia, im Winter lat 's na"'', wenn alt ist der Ma"'.
Balz 1781. ,Tüfel: das fröuwt mich, drum schry ich
juheien.' JMcrer 1567. ,Ir jugent fuer herum am
reien, es was in summa alls juheien.' KSchmid 1579.
,Nun schreiend all j.!' werden die Trojaner auf-
gefordert, als sie das Boss einholen. GGotth. 1599.
Abi. ju-heien.
hüte (büti, bütelij-: = büti-he Bs; Z; vgl. heie 3.
Buttiheie sali, 's Chindli ist en Tröli, h. Wiegelistoss,
über 's Jär ist 's Chindeli gross. ,2- und 3jährige
Kinder, die das Zittern der Häuser bei einem Erd-
beben wahrnahmen, sagten, das Haus habe gemacht
bauten heien.' JJScheuchz. 1746.
rite-: Ausruf, wenn man ein Kind schaukelt, bes.
wenn es rittlings auf den Knieen sitzt Aa; Z; riteheie
mache" : Syn. JlifiriKsU machen. Rtte-rite-heie, 's Chüeli
göt im .l/.cf . '^- ( 'hnihli yöt im lange Gras und 's Biiebli
hat e Srlunnhru,,, YA).
\ir
AAFri.; Bs; Scu: S. //. an Fi-'m Bs. 's Vch h.
AAZein. Syn. jäuken. — 3. eilen, sich sputen, be-
fleissen, Etw. ,i7n Hei' abtun Seil. Heiist au'''? bi.st
du auch fleissig? Heied-Si! sputen Sie sich! Sch. —
4. wiegen Th (Pup.); ZU.f Abi. Heie" I.
Zu BeJ. 1—3 vgl. das Syn. liuicn und nlid. .hotten'; vgl.
noc-h Gr. WB. bei .hoien'. Zu 2 gehört wnhl auch (wenn
i,==,-0 .St.'s Angabe: , heien, scheren, plagen"; vgl. das
vom Treibnif hoi abgel. hoien.
jü-: jauchzen, frohlocken, ausgelassen frühlieh
sein, lärmen, allg. Svn. ,/»./„„. ,»//,» \i,r|,- i„ Smus
und Braus leben", sirlV- uMiI -n,, h .n. v j I ., ./»-
heie-Lebe" fücre". .Ilinn Miittmi wiinnl^' .'-. <la,,-l,is
Lumpenvolk sn julieie un.l habe, was es wolle.' HPest.
1785. ,Mut\villen trrilHU. j. und Freudenspil an-
stellen.' FWvss lii.Mi, \h\. ./ „heier. — „üs-juheie":
aufhören zu jauchzen Aa; B; L; S; Z." — „ver-
jubele": sein Vermögen durch ein lustiges Leben
leichtsinnig durchbringen Aa; B; L; S; Z;" Syn.
rer-jiilileii.
hu-: = jiihnn, TuTiiir.
H.
Wie-e Z
Zu l.r
4 : Svn. Heilen
...luliiMer ni.: l,ustii.;niarlicr. Sclnvärmer, Mensch
von unbesi.nneneui Fruli.^iiin A.v; IJ; L; S; Z." Vgl.
die Symi. bei Hiirrli-hei und Juheien-Kind.
heiere", heuere". auA hetierne' : einzelne, weit-
hinschallende, jauchzende Pufe ausstossen, wie es bes.
Wildheuer und Älpler tun. sei es als Freudenbezeu-
gung oder um sich gegenseitig anzurufen; auch ledige
Bursche, die Nachts den Mädchen nachziehen Gl.
Heuerfnje" und jöle". Gl Volksgespr. 1835; Becker
1876. Me" mag g'heiere, ungefähre Schätzung einer
Entfernung.
\V:ilir-.h. ,\lil, iFifquentativurn) von der Interj. /,c,' (vgl.
heien l\. \-L iiu.h ilr. WB. unter .Ileigcvleis' (aH.-li .Heier-').
sofern 'llr^ \V. Iir.^. einen mit Jauchzen begleiteten Reigen-
tanz bedeutet. Die Form heu- lehnt sich an Heu an, da der
Ruf inshes. zur Zeit der Heuernte vernommen wird. Betr.
die Abi. der Vba von Interj. vgl. hcen. Ju-heien, hejKn, hü/icn,
hüjjen. S. auch haaren.
Heierli I: 1. n. (junges) Pferd GKh. (Kdspr.); Syn.
Heri. — 2. m. Windbeutel, Spiegelfechter. ,.I. Fabor,
nach dem rechten nanien nebuln. oder uf tiitseh h.
Ha, he, hi. ho, hu
SS6
genannt.' Zwingli. .Verspotter, huehen, wynschlüch,
heierlj-, lotteren,- HBüll. 1531,
Das W. in beiden Bedd, wohl mit Sicherheit TOm vorigen
Yb. Zu 1 : der Ruf des Pferdes klingt wie ein Freudenruf:
Tgl, jüzcn, Ton der Stimme des Pferdes, und Hujcrli. Yiell.
aber auch vom Treibruf hei, vgl. die Synn, Hü-Rösdi. Huhii,
Hotti. An appellative Verwendung des gleichlautenden Per-
sonennamens, wie solche mit Ham, Fritz und Lisi Statt
findet, wird kaum zu denken sein. — Zu 2: von Fabel,
den seine Gegner höhnisch ,Hans Heierli' nannten, sagt zwar
TKckst. : ,Kr heisst heier von syner vordren glid'; doch ver-
standen oder deuteten jedenfalls schon seine Zeitgenossen den
Namen in unserm Sinne; vgl, die spöttische Anrede seiner
Uegner: ,0 Hans Heierli, wir wellend noch einmal frölich
mit einandren syn. Hettend wir bi zyten g'wi'isst, dass du
Hans Heierli heisst und dich aber des namens beschämst,
so wölltend wir vil besserer dingen syn g'syn ; wir hettind
unerschrocken g'dören schryen : ju-heia-ho, denn wir hettind
den Heierli selbs g'hebt,' Gyrenr, Er heisst ferner ,Doctor
Heioho' (NMan.) und ,Hans Heieheien' (s. d,). Vgl. noch
HoUchu, Juluier, den Bs Familienn, Heijer und viell. den
Aa Familienn. ,Hauri'. Etw. anders bei Gr. WB,
heierli'^'', heuerli'^'': 1. hell, lautklingend, wohl-
töuend „LW,;" Uw. E heijerli'''s G'lU [G&\Ä-ate]; das
g'hert wj" heijerli''' Uw, „Heierli singe'.'' — 2. „fröh-
lich, heiter, z.B. von einem Festmahle LW.; Obw."
Heierli"g, Heu- m.: lauter Jauchzer, Freudenruf
Gl;Uw. i'w iJ. aW»", ausstossen, , Wo die Wildheuer
durch ihre Heuerig [!] Lärm machen.' WSenn 1871.
j u -heiig: ungebunden, locker lebend Aa;B; L ; S ; Z,
hei n AiBb,; ScHSt, sonst zsges. ab-hei, Inder
Verbindung mit den Vben gän, chon, sin, i, S. t.: ab-
handen kommen (sein), verloren gehen, zu Nichte wer-
den, von Personen und Sachen „VOrte; Z". D' Sack
isch-mer abhei cho" {g'gange'J, auf die Seite gekommen,
entwendet worden, „'s ist a., das Geschäft hat einen
Übeln Ausgang genommen; er ist a., ihm ist nicht
mehr zu helfen." Vgl, abslts. Hei gä', absterben,
von Bäumen ZZoU.
Viell. liegt unserer RA. ebenf. die Interj. ,hei' zu Grunde,
insofern sie dazu dient, die schnelle Bewegung anzudeuten;
denn was schnell kommt und geht, hat man auch rasch aus
dem Gesicht verloren; vgl. nbd: ,heidi sein (gehen)', verloren
sein, zu Grunde gehen und o-Jio S; vgl, anch das syn. /unk
(Bd I 725), mit welchem eig, das rasche Verpuffen gemalt
ist. Ab- wäre in diesem Falle nach Analogie so vieler ver-
wdter RAA. (s. Bd I 25) zugesetzt worden. Wahrschein-
licher aber haben wir es mit dem gleichlautenden Adv. zu
tun, da ,heim gehen' auch bei uns in gehobener Spr. das
Sterben umschreibt und Übertragung des Ausdruckes von
der menschlichen Seele auf Sachen, zunächst Pflanzen, wohl
annehmbar ist. Ab hei lässt sich als tautol. Zsstellung er-
klären {ab als Adv. gefasst); will man den Ausdruck aber
als syntaktische Verbindung (üb als Präp.) deuten, so läge
ihm allerdings eine der Anschauung des einfachen hei" gä'
diametral entgegengesetzte zu Grunde, und sie beruhte auf
der schönen Auffassung des Heims als der einzigen gedeih-
lichen Stelle und Stütze des Daseins und Besitzes (vgl. hei'"
tuen, in Sicherheit bringen ; hei"' wuen, in Gedanken an die
gehörige Stelle ordnen ; hei"" schnben, in Not sein). — Zshang
mitmhd. hei(e), Schutz, Hegung, gehegter Ort (Gr. WB. 1, 53)
anzunehmen, verbietet der Umstand, dass dieses W., abge-
sehen von dem Fluru, G'hei, unserem Dialekte abhanden
gekommen ist,
hei ÜI, -e", -et s, haben IL
„Heie II f. : 1. Holz, das die Zimmerleutc zwischen
den Schlägel und das Brett oder den Balken halten,
welche sie zsschlagen wollen, um die Schläge gleich
zu verteilen und den Beulen vorzubeugen B." —
2. Eammblock, Ramme ApK. .Fistuca, häyen oder
heyen, bütz, hund oder schlegel, damit man die pfäl
oder schwiren in die erd treibt' Fris.; Mal. ,Carolus
Martellus, d. i. der stössel oder h., und ni^mmt man
Martellum das, das die Latyner pistillum und fistucam
heissend.' HBull. 157'2. — 3. Klemme, Enge, nur in
der RA, : i» d' H. cho" ApK.
Mhd. hei(e), Ramme; vgl. auch Gr. WB. Zu 3 vgl. die
anklingende RA. in '« Keia ihechu, unter gehijen. Die Präp,
in der bildl. RA. nach Analogie vwdter RAA.
heie" II: 1. rammen ApK. Übertr. auf ein rohes
Knabenspiel, wobei der Hintere des Einen die Ramme,
derjenige eines Andern den einzurammenden Pfahl ver-
tritt ApK. — 2. Hanf ;»., brechen GRh.; Syn. ratschen.
Syn. in Bed. 1 huien II, zum Spiel vgl. Uuechen spalten. In
Bed. 2 blickt die Grundbed, ,stossen, schlagen', deutlich durch.
he^ie" HI: Rindvieh kastrieren G oT.
Wahrsch. nur locale Nbf. des syn. ,heilen'. Wäre hijen,
fallen, ein starkes Vb., so würde sich obiges W. als Abi.
vom Prät.-Stamm mit factit. Bed. erklären lassen, was vor-
trefflich zu dem Syn. fällen 3 (Bd I 759) passen wUrde.
ge-heiig II s. -h%}ig.
o-hen: Schlittenruf GBalg.
Heuel s. Üwel (Bd I 613) u. Hüwel.
Gehi s. u. hijen.
hi: Interj. 1. als Ausruf der Verwunderung, des
Unwillens, Ärgers, Schmerzes, i. S. v. ei, ach! ,Hy,
dass uns botz wunda schänd, warum sind wir nüt.. .'
1530, Absch.; ähnlich 1530, Strickl. ,Phy, ein stimm
oder wort des verwunderens, hy.' Fris.; Mal. — 2. der
Aufmunterung, Mahnung, im Liede : Hi-ho, der Bach
brünnt, d' Aaraiier hei-ne" a"gimd't usw. Bes. auch
als Treibruf, zunächst an Tiere, verächtlich auch an
Menschen ApK.; GSev.; Tntw.; Ndw; U; W. Syn.
hei, hü. Hi fhitj dfvornti, so god 's dehennn, Sprw.
i. S. V. die Vordem müssen mit gutem Beispiel den
Hintern vorangehen, man muss das Werk zuerst vorn
wacker angreifen, ehe es hinten geht Ap. Auch hi-ü,
modern hü-ü Z. — .3. ,Hiuh, hüjuh ist ein Zuruf an
Die, welche eine Arbeit getan und einsmals sollen
innenhalten, wie man es in Zürich beim Kauf- oder
Helmhaus, da man die Waare aus den Güterschiffen
hinauf zeuhet, viele 100 Mal höret.' JBOtt 1736. —
4. als Fragew. i. S. v. he (s. ha III) Aa tw.; ZStdt. Gell
hi, iez hat 's di'''.' jetzt hat dich die Strafe erreicht.
,Hi, was sagest du'? Quid, num, an'?' Red. 1662.
Zu 1 vgl. mhd. hl als Ausruf der Verwunderung. —
Hi-u wie das vwdte jo-hui Zsrückung einer Interj., welche
zunächst aufmerksam machen soll und einer andern, welche'
das Signal zum Handeln gibt.
hi-hi, hi-i: Interj. i. S. v. nein Ap; Syn. hu IV,
bzw. ha-(h)a, hä-hä. — Über die Aussjir. des im Ausl.
nasalierten W. s. T., Sp. 267.
ge-hie": Ptc. , gesagt. ,Ich han zu de Kinde
g'hie...' JCWeissenb. 1701/2.
Entw. mit ungeschickter, bzw. falscher Schreibung zum
Vb. jghen' (vgl.: es hiecht, tönt, hieh'e, sag's. 1633, Fr.,
Ztschr. 4, 99; 105/6) oder dann (vgl. die Anm. zu .hieen')
zu kien (Nbf. von Hden, tönen; mhd. queden, sagen).
Hie m.: Beigeschmack, auch Geschmack übh., von
Getränken und Speisen GW.; Z.
Wahrsch. füi'Hieic; vgl. Hieb, ferner die Anm. zn Ack
(Bd I 163); .Schlag, Geschlecht' von .schlagen' i. S. v. .nach-
arten'; .Stich'. S. auch noch Fr., Ztschr. VI 404. Betr.
die Form vgl. mhd. ,hio'. Streich.
857
Ha, he. lii, ho, hu
hie-e°, hieje': 1. einen Beigeschmack haben, nach
Etwas schmecken oder riechen SchwNuoI.; Zg; Z.
Das Fleisch fiiet na''' (vo"J Chabis, wenn etwa Kohl
dabei gesotten wird. Übertr., z. B. von Ansichten,
die etwa nach Freigeisterei riechen SchwNuoI. Auch
übh. = schmecken; gu et, schlecht h. Z. Das hie-et >ia'>'
Mf, Scherzrede, mit welcher man sein Urteil über
ein gut schmeckendes Gericht abgibt Z ; Syn. müchtelen.
— 2. schmecken, im subj. S. Zg; Z. D' Suppe häd-en
Gü, häsch-es au"" g'hiee"? Nei", %"• hiene Nüd ZZoll.
Kosten Zg; ZW. H., was es für-en Monge [Ge-
schmack] hei.
In der Stelle: ,Es häd [Toni Schiessen] g'hie, a's wenn
Süustäl zänimebreche wöttid.' Gespräch 1712 — kann unser
W. mit Bez. auf den Pulvergeruch i. S. v. ,riechen' gebraucht
sein; doch steht es wahrscheinlicher für ,g'chi-en', Nbf. von
,g'chiden*. — Vgl. noch kie-en und Änm. zu r/e-hie".
a°-: anekeln, anwidern ZO.
ver-. in der Verbindung v. lä', verlauten lassen
ZFehr. — Vgl. Jas Syn. verriechen lan.
hie: Adv. 1. des Orts, a) hier Ap; Bs; B; Gl;
Gr; L; PPo.; Schw; W, bes. in Zssetzungen: hie-,
bzw. hi-, hr- (GlK., s. Wint 210), Je-, ei-obe' {-inne",
-unde usw,; s. ä VII Bd I 4). Vor voc. Anl. bes. in
B; GuHe. auch h': ,Hobe, hinne, hitnde, husse, hie
supra (intra, infra, foris).' Id. B neben ,Hi umme, hie
loeorum, ex hac parte; hi nache, eis, hi zueche, hie
proxirae.- Hie und da, hin und wieder, da und dort.
Hujennat GsSeew., s. Bd I 268; = henet BHk. , Ander
wyn hie um [aus der Umgegend] von Wyl.' 1475, Bs
Chr. ,Nachdem syn brueder hie hinnen gescheiden
[von hier fortgezogen] syge.' 1525, Mise. Tig. ,Hie
in zyt', in diesem Leben, im Diesseits, häufig in der
ä. Lit. ,üass üch botz hie und dort schänd.' 1528,
Stricki,.; daraus verk. : .Botz hie, botz dert', als
Schwur. 1521, ebd.; vgl. auch Strickl., Act. V 36.
,l)er trachten [Gerichte] sind nun z' vil on zal, hie
zam, da wild.- HvEüte 1546. S. auch hie-cnen Bd I 267,
hie-innen Bd I 294 (hinne' auch Ap). — b) bei uns
(zu Hause) Bs; ro' hie, von (aus) diesem (unserm)
Ort Bs; Z. Der Stadtbasier braucht hie von seiner
Vaterstadt, auch wenn er auswärts ist. — c) hieher Bs;
LSenip. ; PPo. M^" seit, d' Cholera kam hie. Kelterb.
— 2. von der Zeit. Hie und do (e Mal), in Scnw;
Zg (it Ithen) hie und har, bisweilen, allg. ,Die zeit
ist hie, dass man schneid.' 1560, Hohel.
Mhd. hie, neben hier, welche Form noch unserer heu-
tigen MA. fremd ist. Hieher auch der imperat. Geschlechtsn.
, Hiestand' Schw; Z.
hie-ig: diesseitig, irdisch. ,Ouch ist himmelsche
freud so heilig, dass die kein hyeig leben verdienen
könnd.' Zwingli. Dafür jetzt nur hies(s)ig (s. d.).
sidert-hie s. -ie.
h ö s. hoch.
hö, bzw. hö: Interj. 1. (hö) als starke Erregung
der Aufmerksamkeit, bes. An- od. Zuruf an Menschen
und Tiere B; L; \V; Z. Syn. ftöp. Ho-o, Scblittenruf
GEichb.; Vorarlberg. Hö-bätz-bätz-hätz — hüteli-hä
Sp. 847. Ho-ho-ho! der Ruf des Kaminfegers, wenn
er im Kaminhute angelangt ist Z. Der Kukuk wird
im Frühling angefragt: Guggu, hö, hö, wie lang leb-i'''
nw'-? ,Jo-ho-ho' heisst der Pritschenmeister, wohl
nach dem Ruf, mit dem er Ruhe schafft. Badenf.
Wächter, aufmahnend: .Ho, ho. Herr Wachtmeister,
■saj aiicli
er bloa't
H-tä und
111 Stehen
L (auch
s, Chäeli
ho. ho!- JMdreh 1559. ,Ho oho. ein stimm gebraucht,
wenn man ein bekannten oder freund unversehenlich
sieht; oh, interiectio.' Mal. Spec. Lockruf an das
Weidevieh, bes. auch in Jodelrufen B; Gl; L; S; W.
Ho-sä-sä, ho-sä-sä, chumm, chumm, ho-sä-sä, hoi ho
ho ho! DGemp. 1884. Ho-sä-sä, ho höh! die Nacht
wott scho' cho', ho Lobe", o Lobe', o Lobe'. CWälti
1841. Hödelei, hedelei, hödelei, hö ! refrainartiger
Jodelruf in einem Gesang L. Er lockt mit Jölijo und
Ho-sä-sä die muntre Chüeli. Schild. Mit hö-tscho-tscho-
tscho [hö-leclc-leck-lcck W) werden bes. Schafe herbei-
gerufen Hl., rinfiiii Walde, beim Faiig.'s|ii.'l. .la-li nfS;
Th f/'". /'"-/'"■■ Mit dem Bnf Schelm >■'■ h., , /,, . m i. in;ii
sich im Spirl Ki.aben auf, um als . I„ii..||,i^.i ■ ilie
Schelmen zu langen GSev. Ilo-tä-lii-ia
Ruf der wilden Jagd. Es isl dir Silni
i' 's Hörn, git 's Zeichen a" r.iir ./"//'/. /(
hossässä! Schild. Zuruf an Tiere, die um
bringen will = sachte! langsam! halt!
a-hö); S; W; Syn. hör. Nu, Laubi, i
ho-hä [s. o-ha], hö! Schild. Hö (auch 0-/10), meist
wiederholt, Mahnung zur Ruhe, Vorsicht, an Menschen
und Tiere, z.B. wenn sie straucheln Aa; Ap; Bs; B;
Gr; L; G; S; Th; Ndw; Z. Eine ausweichende Antw.
einleitend, oft im Sinne der Abwehr, Beschönigung,
Gleichgültigkeit, i. S. v. nun, ei. Wege' vas heit d'r
Strit g'ha'? Ho, i''' ha" mi"'' v'rschlafe" g'ha". B Hink.
Bot 1886. .Er fraiit.- Uli. wie ihm der Nachmittag für
gegangen? Ho. sn |ri nun. so so], sagte er.' Gottii.
Damasse [Frau..'nn;inir]. D^iiiiasse, tvenn wei"-m'r witzig
werde" i' -Ja Im-so-sn, ,li( lnUi Gret, ivenn alli Narre"
sterbe", ebd. ina.li .imni l.iede). ,Ho, ho, ist ein ge-
lächter mit liutzlen | S, Imtteln], oh, oho.' Fris.; Mal.
— 2. [ho-d Gl, hö L) interjectionelles so in nach-
lässiger Ausspr. — 3. Hö-n-is g'wuss. B bist. Kai.
18'22 für :ja. . . (s. dort). — S. noch aho Bd I 161. Zu 2
s. Braudst. 1883. 50. Vgl. auch 0 // (Bd I 22).
o-ho I: 1. im Allg. = ^. Anruf, wenn Jmd einen
Bekannten trifft Ap; Z. Ausruf des Zweifels, der Ver-
wunderung, Ironie, etwa i. S. v. halt da! Oho wird
Dem zugerufen, der zornig auffährt Z. Ironische RA.:
.St ist no''' ledig, aber oho [aber wie'?] Ap; L. ,Oho
[aufgepasst], da will uns der tüfel b'schyssen ! ' Salat.
,Hoho, oho ist ein stimm einsi, der sich verwunderet,
dass etwas so schnell geschehen ist, der unversehen-
lich etwas ergriffen hat oder innen wurden ist. oho.'
Mal. .Ehem. oho. Eho, hr.rost du? Ob... Interj. vo-
cantis aut quajrentis.' Dexzl. 1G77; 1716. ,]>er Wii.;hter
im Kratz muss seine Wachsamkeit, su oft des Nachts
die Stund gerufen wird, anzeigen mit den Losungs-
worten: Oho! zähl so! od. G'sellso!' J Müll., Altert.;
vgl. Bd I 22. — 2. = weg B (Kdspr.). D's Brüedi
ist oho g' gange"; Syn. bani-bam.
Bed. 2 geht entw. (falls der Ton auf der zweiten Silbe
liegt) von der abwehrenden Kraft der Interj. ans (vgl. dazu
,ho' = fertig, zu Ende, bei Gr. WB., sowie hei II), oder es
ist die Wiederholung des Voc., wie dies mit dem zweimal
gesprocheuen ,bam' der Fall (s. das Brot S. 107), symbolisch
zur Andeutung der Gleichwertigkeit, hier des Nichtwissens.
a.\a.-hö: Schlittenruf Bs. — J/a- geschwächt aus arto
73.
hoi
gegenseitiger Anruf der Schiffer und Fischer
holla-, in AaF., Z. hollo-, in L; GG. höh-, in Aa;
; B; ScnSt; Ndw; Z hollr- : verstärktes hö, ungefähr
859
Ha, he. hi, ho, hu
= wer da? holla! allg. Hollaho, gend-m^r aw'' e
J^aswec/rtftrod .' Ruf der Fastnaehtmasken ZReg. SöU-
höli-höli-hö, Jodelruf L; GG.; vgl. den Refrain des
Liedes: ,Ich bin ein Schweizerknahe: Holi-holi-ho ! '
In einem Spiel, in welchem Engel und Teufel in einem
Wettkampf auftreten, melden sich der Reihe nach
beide mit dem Ruf: Holleliö! worauf die Frage erfolgt:
Wer ist do? .Trummenschlaher schlacht um und rüeft:
Also, ir herren, holla ho, es ist der houptlüt will also.'
JMuRER 1565. Spec. Ruf des an der Türe Pochenden,
als Bitte um Einlass Bs;BAarb.; ScHSt; THTäg.:ZW.;
Syn. holla, hosche-hö, holle-hosehe, hopp. H., iseh Nie-
mer deheim? BAarb. Dagegen i. S. v. : „Herein AaF."
— Holi-, mit Anlehnung an holen, jauchzen, jodeln.
Holle-: 1. (m., in L n.) närrisch-, toll-, derb-
lustige Person, bes. Frauensperson; Wildfang Aa; Ap;
L; ü; Zg; Z; Syn. HolU, Bolli, Husar, Bock, (Holz-)
Euedi, Buss. Verst. auch: H. zen alle' Lüfte' Aa.
„Weibsbild von rohem, wohllüstigem Betragen VOrte."
Spottn. auf eine im Äussern vernachlässigte Frauens-
person L. Dummer, niiiilierlegter Mensch GWe.; Z.
lee miech-m^' 's nlhiuij nminur" so [sc. dumm]. Antw.:
Wo-wol, 's hat (jinini iiu ' ,1, re H. Stdtz. Vom früh-
morgens krähenden iJalni. Küey. 1844, Gö. — 2. (n.)
unterirdischer, gemauerter, verdeckter Gang unter den
Schanzen, Casemattengewölbe Zf, in neuerer Zeit auch
auf unterirdische Gewölbe, Tunnels übh. übertr. Z.
Der Narr erscheint als der Lärmende, eig. den Ruf
7ioHe-/io ausstossend ; ygl. Hurrli-hau, Heieiii, Juheier, Huiliu
u. s. die Anm. zo Uol. Zu 2 vgl. Juki i. S. v. Imperiale,
oberste Gallerie im Theater; da jene Gewölbe den Knaben
als Versteck und Spielplatz dienten, mögen sie oft genug
durch den auch heute noch beim Betreten eines Gewölbes
ausgestossenen Euf: hoUa-ho das Echo geweckt haben. Vgl.
auch nhd. ,Halle' (von ,hallen'). Es wäre zwar nicht un-
möglich, dass eine scherzh. Umbildung aus Hol, Hulli, Höhle,
vorläge: vgl. ,Holiloch', Name einer Höhle bei BTwann; das
zweite -ho würde das Echo gleichsam wiedergeben.
Holdri-: wesentlich = Hollehö 1, doch bes. von
wilden, ausgelassen lustigen Kindern AaZ.; „A'Orte;"
Zg; Z. — Vgl. holdmn, lärmen, sowie das Syn. Holdcri-B<„k.
hoppedi- GTa.; Th; ZW., hoppeli- Ap (neben
hoppm-iö'-); B; ScH; Z: 1. adj., nur präd., aufgeräumt,
gut gelaunt, fröhlich, z. B. bei einem Sehmause, glück-
lichen Ereignisse B. H. sl", werde'. Vgl. hoi, hui.
— 2. Subst. a) ungebunden, derb, roh, ausgelassen
lustige Person G; Th; Z; Syn. Hoppeli-pö, Hoppedi-
hopp. Mannweib ZW. Schimpfw. für einen leicht-
fertigen, charakterlosen, zudringlichen, gemeinen Men-
schen übh. GTa. — b) Einfaltspinsel, Laffe, Narr
ApK.; Sch; ZQ, 0 du ehline Hopplihö [Närrchen],
hest, du chunnst-mp- doch nüd nö [nach], sagt der
Roggen verächtlich zur Gerste. KMey. 1844. Vgl.
Sp. 430. — c) Floh Z; Syn. Hoppedi-hopp.
Vgl. die Interjj. iojjp (m-m), hojtjy-he; im Hoppeli-hopp,
in Eile, und koppen, lustig hüpfen, tanzen, hopjyem, hüpfen.
Auch engl. Dialekt hobheii/hoy i. S. unseres 2 a.
hosche-: Ruf des Einlass Begehrenden Bs; S.
Auch des Eintretenden, i. S. v.: ist's erlaubt? AAÜberfl.
Syn. hosehö, holle-hosche. H.. isch denn Niemeds um
de' Weg? Bs (Schwzd.). H., lie do, rufen die Krämer
an der geschlossenen Haustüre. Hofst. Der St Nikiaus
blibt an 're Hustir stö", bepperlet, seit h. Bs (Schwzd.).
,Hosche , h. poltert es an der Haustüre draussen.'
JoACH. 1881. Subst.: ,Der H. flissig vor der Tür ha',
von den Gläubigern streng gemalmt werden.' Sprexg.
Zsrückung aus dem syn. hoscha und h'i ; vgl. auch horchen,
klopfen, pochen. Hieher vielleicht auch: .Ein knecht, hiess
hütischehö.' 1401, BsEq.; vgl. reutlingisch : ,Hoscheho', Name
einer Weibsperson mit einem übermässig grossen Kopfputze.
juheie-, in ZKn. juheheie-hö: Jubelruf; im J.
[lustig] Sl' ZKn. ,Wir hettind unerschrocken g'dören
schryen : juheiahc' Gtrenrüpfen. ,Evax, juhheiaho,
ein frölich g'schrei.' Fris.; Mal. — bute- mache' =
bute-heie m. SL. — do-: Schlittenruf. Schwz. Lehrerz.
1879. — tscho-7iö: zurück! Zuruf an das Zugvieh
AAZein.; vgl. tschö.
„hohoe": jauchzen; drückt das frohe Geschrei
der ländlichen Einwohner und bes. der Schweizer-
hirten aus, welches gewöhnlich mit einem wirbelnden
ho, hoo anfängt;" Syn. holen, holeien.
lio (tonlos), in folgenden Zsstellungen: o-ho II,
in New ö-hö: nachlässiges ja Ap; Ndw; ja so, nun
bin ich zufrieden BSi. Syn. e-hii. — ho-o = he-e Ndw.
jo-7jö; Interj., ungefähr i. S. eines verst. jo, ja,
als bestätigender Zusatz, = allerdings, das will ich
meinen Ap. A: Bettid und werchid! B: Joho, d' ZUe
sönd schlecht. Schwzd.
Eig., viie Ja-u, ja-ha, jo-hu, nur eine lautliche Verstärkung
und Zcrdehnung des einfachen W. ; vgl. na-a, nä-a, hi-e u. A.
hO-sam I (in Ap hö-): Adj. u. Adv., behutsam, sorg-
fältig, vorsichtig, schonend, leise (z. B. vom Gang),
allgemach, sachte; allmählig, nach und nach Ap; G;
Th; ZSth. Dim. hoseli G; Syn. horsam.
Wahrsch. aus 'ho/mm mit Anlehnung au die Interj. Aö;
vgl. die Synn. ho/eU(ch), hühiicheli(ch) (= ."höfischlich'), und
betr. den Ausfall des / vgl. Hoatr^t aus .Hofstatt'.
h ö - s a m II s. hochsam.
hö-ö! Zuruf an des Zugvieh: halt! S. Hö-ö, heit
still [mit dem Fuhrwerk], liö-ö! Joach. 1883. Syn. hö,
ohä, oha.
hö hö! ehö! Ruf zur Beruhigung d. Zugviehes Aa.
hoi s. hoch.
hoi: 1. Interj. a) als Antwort eines in die Ferne
Angerufenen, i. S. v. was? ich höre GA. — b) Zuruf
der Hirten und Fuhrleute an das Vieh, um es in Ord-
nung zu halten od. anzutreiben ApK.; BO. ; Gr; GO.,
Sa., T.; S; Ndw; ZKn., S.; Syn. hei, hü, hui. Hoi-
ho-ho-ho BSi. Auch ermunternder Zuruf an Menschen
i. S. V. auf, vorwärts! G; S. Mit dem Ruf: Hoi, zue-
g'haue'.' wird zum tüchtigen Zugreifen beim Essen
und Trinken gemahnt G. — c) lioi ClwisJ-tatata, Lock-
ruf an Ziegen ApI. — 2. in adj. Gebrauch, aufgeputzt,
nur in der RA.: Usse' hoi, inne' pfoi [unsauber] Bs;
Syn. fix; hui. — 3. Subst, in der RA. uf ei Hoi, auf
Geratewohl GG.
2 geht aus von dem Ruf des Staunens, der Verwunderung
(vgl. oi Bd I 23). Zu 3 vgl. in ei"m Hvi, auf ein Mal,
und bei Gr. WB. ,hui', rasch, obenhin.
über-: überhaupt B oSi. (ImOb.); ziemlich viel
B (vMül.).
Wahrsch. eig. i. S. v. obenhin, im Überschlag, im All-
gemeinen; vgl. Anm. zu üher-hau. Wird übrigens von an-
derer Seite in Abrede gestellt.
hole": .hoi' rufen, wie die Viehtreiber BO.; tiR;
G; Ndw. Er höjet, irie wenn er siner Chie z' Alb
tribi BLütsch. Auch: anspornen, scheren, plagen G;
Syn. heien.
höi s. hoch.
8til
Hii
hu
8Ü2
hnl: Inteij. 1. des Schauders, Entsetzens, Wider-
willens, Frösteins, wie nhd. ,[Der literarische Gegner]
hat sein Huhuhu-Geschrei hören lassen, ich habe
die Stellen der h. Schrift falsch angezogen [citiert].-
ClSchob. 1699. — 2. der Freude, = ,hui'. Jti-hit-hii,
.lauchzer. .Juhuhu' heisst ein Pritschennleister. Badenf.
.Darum so beit [warte] noch bis morn [mit deinen An-
s]irüchen]. Sprich noch nit: Hu [als hättest du ge-
wonnen]!' Haberer 1562. — 3. hü tä tä tä hü tu.
Jägerruf S. - Vgl. das syn. « Bd 1 24.
ischa-: wahrsch. Interj. der Verwunderung, iro-
nischen Erstaunens. Narr: ,1., i., ist das war, mich
an d' nasen schnell [so darfst du mir einen Nasen-
stüber geben].' Haberer 1562.
Viell. den Ton des Niesens nachahmend, indem das er-
zwungene Niesen als Zeichen der Geringschätzung dient.
juppeli-: Freudenruf, = j.-Äe Gl.
Hü I, in der RA. im H., im Nu, plötzlich ZW.
— Vgl. die Synn. Huu, Hui, Bu-biU, Htm.
Hui-hu m. : lustiger, etwas leichtfertiger Mensch
Ap; vgl. die Synn. Ju-heier, Uolle-hö.
hü-e°: rufen GA.; vgl. he-en, hö-en, hupen.
Hurrli-Hu: Schreckmännchen Z.
Wahrsch. zu flu. Eule; dazu passt Zss. mit hurrlm inj
S. V. durch einander wirbeln, s. Üwd 2 und a (Bd I 614).
Doch könnte hu auch als Inter.i. des Schrecliens gefasst
werden. Vgl. auch in formeller Hinsicht liiin-U-lln'.
Hu II, Hu-hu s. Hmv.
jo-hn: Bejahungspart., meist verbunden mit frl-
UfchJ oder i. S. v. diesem SchwE. Vgl. o-ho, jo-ho.
hii II: Fragew. = wie? was sagst du? W. Syn.
ha? hä? ,Sag an, sä hu, wo wi"t doch auss?' Mvri-
CAüS 1630. — Vgl. u-hu (Bd I 162) und ha 111 Sp. 847.
htt: Haltruf an Zugtiere, neben dem syn. hüf Z.
Gugge-hu Z, Gögge- AABöh., Gügcji- AABald. :
1. Flurn. — 2. = Gugge-hür Z, s. Gugg-Gere.
Viell. dem Rufe des Hahnes (s. Sp. 19'2) entnommen zur
Bezeichnung eines vorspringenden, freien Platzes, wie ihn der
Hahn sucht, um zu krähen; vgl. Juhe S.
hü! Treibruf an das Zugvieh, bes. Pferde, i. S. v.
vorwärts! Aa; Ar; BsL.; B; Gr; G; Sch; Z; scherzh.
oder verächtlich auch von Menschen. Hü e Gutts
Name', Zuruf bes. am Morgen früh, wenn man den
Pflug in die Furche stellt oder beim Beginn einer
Fahrt; vgl. Gott Sp. 509. Numme" nit g'sjn-engt,
aber gäng hü! Warnuiii,' vor Überstürzung B; S. Hü
dräräre! aiisu-Miissr,,,., F,v.M,-mi „f li (Zyro). ,l),.r
Bauer treibt Im. Ini.l. li-ll z/ \.Ury. linM hott, bust
hott.' Lieh ITTJ. Kmr .rlmMlr i;r».-nn- andoutoiia.
i. S. V. nhd. ,liui'. .im Hniii': CIikiu isI iI' Mamma i"
d' Kuchi use', su liiii^i'' |(l.i ii;isrlili;ilto Knabe] hü
du [dann] i" d's Gabnuit im:" BSt.lt (Huri). S. noch
huien. — Vgl. die Synn. hi. hiqq,, ferner hiul (Gegs. hott);
die Verstärkung hü-o s. Bd I '23; vgl. ebd. ii Sp. 24.
ö-hü! Ruf, dessen erster Teil zur Aufmerksamkeit,
der zweite zum Aufbruch mahnt GnPr. 0., o., losend
II f, was ich vermeid! rief der Küher, der vom Berge
herab einen feindlichen Einfall kund gab. Schwzd.
(Kuoni). — u-hü in dem KampfrulV; ^7/».' Ma"" ßr
Ma, Blieb för Bueb! Wo ist Kn'n \ IIiiht]. der mi'''
usatued [bezwingt]V Ap. S. ho, h lainii ::. — eijo-
L, jo- Gl; Z, no- LV. : Ziinil boim i^emeinschaft-
lichen, taktmässigen Heben oder Schieben einer Last;
Syn. jo-htii, hiü. Vgl. ö-hü. — hott-: rechts vor-
wärts! Bs; B; Z.
Hü-hü n.: Pferd (Kdspr.) Z; Waukekn. 1«69.
Wahrsch. vom Treibruf, vgl. das Syn. Hu-Kimli; vgl.
aller auch hUhenen und Heierli, HuijcrU.
„Hotti-hu [so!]: Pferd B; L (Kdspr.)." .Unter
der Bedingung, dass Anna mit dem [dreijährigen]
Buben Hotti-hü spiele.' MWalhen 1884.
hne: Vernoinungspart. zur Verstärkung. Nid hun
dernr'f'' frrf/<., rein Nichts darnach fragen GnPr. (s.
Schwzd. 2'.i, 10).
WaluM-h. = Uli, „, welches schon mhd. als Verstärkung
der Vuiuciuuug vorkommt; doch scheint, da der urspr. Sinn,
wie das Fehlen des Art. beweist, nicht mehr gefühlt wird,
Anlehnung an ,hui' gesucht worden zu sein, vgl. km Pfiff.
hui! 1. Interj. a) Jubelruf. allg. Rüef nid h.,
bis d' über de" Grabe' bist. Sulger. — b) zur Auf-
munterung, Mahnung, um Jmd anzuspornen ; Syn. hei,
hoi. ,So huy! schnell dran und londunsgon!' Rbef
1550. ,Huy, knüw schnell nider!' JMurer 1556. ,So,
huy, fach an und mach kurz end!' ebd. ,Huy auf,
wolan dran! agite dum. Huy wol an (wol auf), weiter
dran, age, ag.?. :iiro >i^.- .Mal. ,Huy uf, so wend wir
dran!' RSciimii. K.Tü. .Hui. agite.' Denzl. 1677; 1716.
Spec. Ruf der .\rbritor beim Lastenheben GRuVatz;
s. eijo-hü. ,Celeusma, ein ermanlich zesammenschreien,
etwas anzegreifen, als die schilfleut und andere der-
gleichen, wenn sy ein schwüren last wollend lupfen,
spricht man geuieinlicli: Huy, frisch daran, mu-h ein
mah' Fris. Troibruf. bzw. auch Scheu, hnif. zunarhst
an das Vieh U; Nnw ; Z; Syn. hci. lim. .Um, vox
abigendi vaccas.' Id. B. Mit hiii, hasch! schnell fort!
werden etwa kleine Kinder weggewiesen Z. ,Hiiy auf.
hebend euch darvon, streichend hinweg, abite!' Mal.
- c) hui, u-hui = hiil-iuii (.. Bd 1 228) GG., Rh., T.;
vgl. haien und s. aurli llii-l-'clrrni. — d) Interj. des
Widerwillens. Abschuus; v-1. //((. Iiii-hui. ,Huy, woU-
tend ir .Toanem schelten!- Aal 1549. — '2. adj. ge-
braucht in der l!A.: Usse' (ohe') hui, inne' (ante')
pfui l!s: (iiili.; v-1. hoi. — 3. Hui I, Subst. a) im
Hui, im Nu I!; !_:; Z. Im H. isch-ex änderst irordc".
Syn. CimJ Huiment ; vgl. Mn-rhiiini. .|l>ic,Mjs Kraut]
ertödt den menschen in einem Iniy.' Tikkii. l.'iii:!. .Der
könig zog in yl für Zürich, in hofliiunL;-, disr statt in
einem huy zu überkommen.' HBull. l."«T_'. .|Sio| lioi-
gen da etlich in einem h.' Wurstisfn. .J.ni jUm im
durchzug und in einem h. überfallen.- !•''"■-'. >!'■ . I'lyl.
,ln einem H. wider heim k"nnnon nM.-vn/ lli. i, HiöS.
,lli eim H.: i-nis rnutinuo rxtm-uilur in ;n|n'iin . ..,,-
joctus.- Ende XVll.. Ms.-k. ,ln -■inom II.. nioni-nto,
puncto temporis.' Denzl. 1677; 1716. — b) etw. tiutes
zum Essen, in der auf unhaushälterische Leute an-
gewendeten RA.: Hui z' Nacht und Häli [Lebkuclien]
z' Morge' LSenip. S. nni-b bei Graben Sp. 678.
3 b von .hiü- als Int, ii, ,\ri- Freude. Zu der Verbindung
.hui-uf der ä. Spr. vu'l. ilrn Geschlechtsn. ,Hans huiuf, der
goldschmid.' 1525. Z (Egii, Act.). .Cordeli huiuf, ein mutz.'
HRMan.
hu-: Ausruf 1. der Verwunderung, des Staunens:
ei, der Tausend! W. Auch Jubelruf ZO. — 2. des
Widerwillens, Abscheus U. Hu-hui, es tuet-mer iez
scho" gruse'. Schwzd. — jO-: 1. = eijo-hü Ndw. Abi.
jo-huicn. - '2. Jubelruf ZO.
Ha— Im. Hab— hui)
864
liuie" I: 1. laute Jubelrufe ausstossen, jauchzen
Ap. Werd's-mer denn so icaul um d' Brost, dass i''< h.
cha'" mit Lost ApI. Jinden durch ilrn I.'nf .hui' hcrhei-
rufen Ap. M'j mos hujim ond luijn». I,i>. iii.,-ii., |iliii|
heriibringt. — 2. antreiben, bes. ilas WiAt Xnw; ^^yn.
holen, heien. — 3. zum Kampf herausfordern Ap;
s. hui 1 c. Der Euf lautet: Hiä-hiiiom, rond ist der
Huet, gued ist der Bueh ond Ken'n [Keiner], der-nn
omchera" tued. S. noch u. ii-hü! — 4. „(auch hüie')
um die Wette eilen, z. B. im Springen, Reiten. Mit
einander h., wetteifern, bes. im Arbeiten B."
Zu Bed. 3 yg]. frz. huer, hinter Einem her schreien,
von der frz. Interj. Im, Hohn-, Scheuchruf.
über-: im Hui überwältigen, überraschen. ,Die
Glarner in einem schnapp zu ü. und zu bezwingen.'
1560, Fabricids an HBuU. ,Mit den panditen [Ver-
bannten] die statt bei nächtlicher weil ü. wollen.'
WuRSTisEN. ,Die unbesetzte statt überhuyet.' ebd.;
= .überfallen.' 1765. .Als die gwardiknecht von lands-
knecht[en] mit vorteil überhuyet und umbracht [wor-
den].' XVI., LüTOLF.
Huierli n.: Pferd (Kdspr.) Ap. Vgl. Heierli,
Hil-Hü.
Huime'nt m., im H., augenblicklich, im Nu Z.
Bas ist im H. richtig, in Ordnung. Syn. Hubite. —
\'on dem syn. Hui nach Analogie von .Moment' abgel.
Hnie f. : Ramme, Rammklotz, -block ApI., H., M.
Vgl. das Syn. Neie, wozu es Nbf. sein kann, mit An-
lehnung an die Interj. hui, da heim Heben des Rammklotzes
der Ruf ,hui' gebraucht wird ; vgl. auch huicn i. S. v. .treiben'
mit der Wendung: En P/äl (Nayd) theti-ibe", mit Gewalt ein-
schlagen.
huie" n = heien 1 n. 3 ApK.
Hab, heb, hib, hob, hub.
liab: Schlittenruf ScuHa. {-ä-J.
Mit vorgeschlagenem h aus dem Syn. ubi Bd I '29. Vgl.
heb = eb u. ha! Viell. auch aus hic-abJ vgl. .hiibeu'. S. noch
hab Schutz n. letzterem W.
Hab I f.: Schifl'shafeu, meist durch einen hölzernen
oder .steinernen Damm [Häb-Häggen] gebildet Boden-,
Wallen-, Zürichsee. ,.\1s man zu Candia in den port
fährt, ist gar ein lange grosse muren um die habe
und ist die muro ussenthalb der hab mit fast grossen
steinen umbelegt.' 1460, Bs (HBvEptingen). .Hab'
hiess 1526 der kleine Hafen aut'.l'"rf- in Zstdt; Vög.
u. NisoH. I -244. .Verbrannt dh .-r||„. IkiI, mit den
schiften.' 1531/48, H.Makk.; dalur ICiu: .dfiiselbigen
port' ,4 pfd dem wirf zue Schirmeusee, die hab da-
selbs widerum ze buvven.' 1554, ZGrün. Amtsrechn.
,Dieweil die selbig hab [>.ip.T5v] ungelegen was zu win-
tern.' 1560, Apostelg.; dafür 1531/48: ,das g'stad';
1667: ,die Schitflände.' .Portus, die hab oder schiff-
lände. Ratibus clemens insula. die kommliche haben
oder schilVlriiilincn hat.' Fris. ; Mal. .Der Niderländer
nerajit iin -rliitl linlr am meer ein haf, die Oberländer
ire schilt lainltii. II .un see ein hab.- HBull. Tig. Klage
der Schilinieister, dass nicht nur am ZSee, sondern
auch oberhalb zu Grynau und Bollingen ,die Haben'
gar schlecht gemacht seien. 1590, Absch. ,Schift'hafen,
Port, Hab, Schifti'lände, portus, statio navium, serva-
culum.' Red. 1662. ,Haaben, das seind geringe See-
häfen.' JEEsoher 1692. Auch als Geschlechtsn. Z.
,M. Heinr. Hab.' 1488, ZStdt. Vgl. ,Hans in der Hab
im Oberdorf Meilen.' 1523, Egli, .\et.; wohl der Selbe
heisst ebd. 1524 : ,Hans Häbli im Oberdorf Meilen.'
Das nämliche W. als Personenn. steckt auch in .Hans
Habenruti' von TuScherz. 1530, Stkickl. (Falsch hin-
gegen ist die Erklärung von Hahüel ZHerrl. als ,Büel
an der Hab' in Meyer, Z Ortsn. ; s. lioch.)
Unser W. ist das nhd. .Hafen' mit obei-d. b für niederd./;
mhd. habe f., eig. zum Vb. heben (got. ha/jan), lat. rapere,
also := reccptaculunt. Vgl. bei Hom. 5x01 V»)fflV. Bei Boner in
bildl. S. : ,in guoter habe', wohl bewahrt; .ein sicher habe'.
Schräg-: Rampe längs eines Hafendammes zum
Aus- und Einladen der Waaren. Z Amtsbl. 1869, 37.
Hab II f., in ZStdt auch n.: Art künstlicher Sauer-
teig, bestehend in einem Absud von Hopfen, womit
Mehl bis zur Consistenz von Honig angerührt wird
Ap; Bierhefe AABb. ; Sauerteig Bs (Spreng); Syn.
Hepf; Hebi; Angriff, Trib. In ZStdt brauchen die einen
Bäcker solches E., um das Brot (die sog. langen Brote)
schwammicht zu machen, statt Hebel, den man z. B.
für die .aufgesetzten' Brote anwendet. In GRh. bed.
nach einer Angabe H. im Gegs. zu der Hepf den natür-
lichen Sauerteig. Vgl. .das Brot' S. 23. 1497 schwören
die Bäcker zu ZWint.: ,Das weisbrod in h. zu backen
und die h. alle Wochen von neuem frisch zu machen
zu 2 malen. Und soll zu einer mass h. eine band
voll hopfen und ein pfenn. wert teig nehmen.' (Troll.)
A. 1537 wird auf Anlass von Klägden der Z Pfister
gegen einander an ein früheres Verbot erinnert. ,das»
kein meister an die h. bachen solle, er wolle dann
simmlen bachen und aber der surteig, des sich die
meister bishar im andern brot gebrucht, vom simmel-
teig, darin die h. ist, genommen wirt.' (ßGHofmstr
1806, 24 versteht darunter das Backen mit vorwiegen-
dem Hopfengeschmack.) ,Die haab, ein gemächt von
hopfen. darmit die pfister das weiss brot uftrybend.'
Mal. .Die Feiler understanden in Ansehung des zu-
wider alter Ordnung voi-rnnniiin'iien Gebächs auf
Haab vilfältig zu handlm/ WIM,. /Stdt.
Vgl. .fermentum. urhaW. 11:1^. tili'>-. Übrigens gehört
unser W. wie das nhd. ,Helu' luul //./.,, IIA,el zu hebest, wie
frz. levain zu lever.
haben 1 habe AAFri.; Bs; B; S — Prres. Ind.
habt AAFri.; S, Prat. Conj. habti, Ptc. ghabe (ä Z):
1. gären, zunächst vom Sauerteig AAFri.; BS.; dann
auch von der mit demselben durchwirkten Teigmasse :
aufgehen, sich durch die Gährung heben Bs; B; S.
Es habt, ist am H., hat g'habe Aa; S. Habt d' Hebi
no''' nit? AAFri. .Das Brot musste gut gehaben haben,
denn es war luftig.' Breitenst. Wenn si Teig zweg-
g'macht heige" im'' unger-e" Ofe" ungere" g'stellt für
z' h. MWalden. ,[Das Mehl] mit dem Sauerteig an-
machen und über Nacht h. oder gieren lassen.' Wurst-
iSEN. — 2. gären lassen ; „die sogen. Hab mit dem
Mehl bearbeiten Aa." ,H. sie das Möl.' Wurstisen.
— 3. g'habe', Ptc. mit adj. Bed., durchgegoren Aa;
Bs; B; 1,: S. ^te" irarfet eppen e halb Stund, bis der
Teig tjh. iscli. ihrimli schiesst men i" Bs. G'habni
Chüechli, Kuilieii mit einem Zusatz von Hefe B;
B Kochb. 1796; = verhabni S; Syn. Hab-, Acher-
Küechli. Er ist g'sV wie g'h., steif, starr ZWeissl.
Abgel. vom Subst. Hab, Sauerteig, das freilich selbst aus
dem Ptc. von heben (ijehaben) gebildet ist. Eine Erinnerung
Hill), heb, hilj,
ilurau scheint darin zu liegen, Jass Jas Ptc. dieses ImUu
starke Form hat, wie ja auch das Ptc. von liahen II in jener
Form vorkommt. — Bed. 1 u. 2 ftiessen leicht in einander.
Gehaben von Personen (3) scheint eig. .aufgetrieben, aufge-
schwollen' zu bedeuten.
üter-: Ptc. adj., von Teig, der zu stark, zu lange
gegoren hat AiFri.; BsL.
„Habete° f.: die ganze mit dem Sauerteig be-
arbeitete Masse Aa; B; S; Vw." Syn. Hebleten.
Hab in f.: I.Halt, Festigkeit, Dauer Ap; Gl; Gk;
G; Th; Z. Syn. Hehi. Kei' H. Im', keinen Bestand
haben (bes. vom Wetter, Gesundheit). Hah ha", festen
Fuss Z. Er hat ke H. me"- g'ha", vermochte sich nicht
mehr aufrecht zu halten, z.B. auf dem YA«:. This Tmch
häd H., dieser Zeug hat Festigkeit Z ; S.vii. ^•^,//, l>,t^
Esse" häd kei H., diese Speise hält iii^lit \,.v. -;itli-t
nicht auf die Kiniev. .Crwonhrif „inl irrhtun- mil ].■-
stäntlicher briHlirli.T IllIi ]\-i, lhii,,li;:,l , \ ^^^-l-rln.•
1433, ZUrk. S. iinrh /,„/-.„ A I. 1 11. -. Ilaihlli.ilir.
Griff ZHombr.; auch .^tellc. wo man sich halten kann
GnSplüg. (Ea^j m.); Syn. Fass. B' H. ha", die Haupt-
sache Z (Spillm.); eig. das Heft in der Hand? Mehr
bildl. und mit Bed. 1 sich berührend : ,Ligneis cona-
mentis convolutnm, unib ein holz gewunden, dass es
ein hab habe oder dass man es darmit wol ergreifen
möge.' Fris. ,Am pöbel ist kein hab.' Tschudi. —
S.Haltung. Verhalten, Befinden, Gehaben; Vorhaben;
das Vorhandensein BO.; W. Schlechter H. sl", nicht
wohl, unpässlich W. En Bi'ir ist i" H.. um die Wege,
spukt hier herum, ch.l. 7vv r-zr,-//,-,- l^f ui IL. im
Anzüge ER. Zur ZU. ,rn ,l,r M„l,i, ,sl ,„ II. if..,,!.
im Schwange, ebd. 's ist Chnnj ,,i II., in Si.-ht. ebd.
Es ist Öppis in H., übh. es ist Etw. im Tun, wird
geplant BO.; W. Duoz'malw si das scharpf in der
Hah g'sl", enandri ver d's Gottsgericht z' ladu". W
Sagen. .Einer zoch uf, der ander ab; das hat genon
ein wilde h. [Aussehen].' 1476, Volksl. ,Ir ritterliche
h. [Gebahren] , die sie dazemal begiengen.' 1476,
VWebek. ,Es gwinnt so wibb.' h. [die Sache nimmt
eine seltsame Gestalt an].' llli'.i. \ Hik-l. i l'ubl. I '27).
,Brachten es [das belagerte Schl--^ | in -"bhc h. [Zu-
stand], dass c^ Mrli iiir,, liaM rr-ab- 1 I','!'. T,i:\/, —
4. wie nhd. Han., ai l;. -It/.til all-., br,. |n^»r^--
liches. ,S'i" .</.(/-..> //. n,nl (iil.t .nnl ..,in ,innh"
Glider g'si" G. Eim Oppi.'f :' Uns inid :H. mitcs.se"
träge". Einem Etwas in nächste Nähe brinsjen. Einen
gar zu beciuem bedienen müssen ZWl. F„re''d, Jl.
s. faren Bd I 890 und gäng Bd 11 :'.ä.".. S. auch Hudel.
,I)er mag einen mit söllicher haab «aicn und bezalen
und mit aller der haab, so da in dam Inis ist' 1427,
FoFFA. ,Wenn ein hüs stät üf einer eigner hofstat, so
ist es farende hab, usgenomen steinine hüser.' 1495,
Aa Weist. .Indigentibus de re familiari impertiendum
est, denen die sy" notwendig sind, von unserer haab
niitzeteilen.- Fris. , Bodenzins von etwas Hab und
Güeteren zu ScHMerishausen.' Sch Pfrundenb. XVlll.
5. noch entfremden Bd I r299. Ein Mal als Ntr.
(nach Analogie von Guet): ,Der Mann mag dasselbige
Haab nutzen und niessen.' 1637, AAWett. Klosterarch.
— b) Waare, Zeug, Substanz Gl; GrH.; PP. H. und
War, prägn., solide Waare. I''' macha" nid vil Wi',
aber was i''' macha', das ist H. n. W. GfiMaienf.
(Schwzd.). ,Bauern, die nach ländlichem Ausdrucke
H. u. W. liefern wollen, sparen die Steine nicht zum
Schweiz. Idiotikon. II.
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ich :
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Beschweren, auch wenn der Ziger Etw. an Gewicht
einbüsst.' Edelw. 1874 (Gl). M. u. W., richtig und
redlich zubereitete Butter im Gegs. zu der mit Butter-
milch durchsetzten. JRSteinm. 180'2. Hab, ironisch,
schlechte Leute G; Syn. War. ,Der Schmid soll die
Bauren mit guter Haab versehen.' 1561, SchwE. Klo-
sterarch. ,Der wyn, der noch unzytig was. An vilen
orten hat man so schlecht hab darus gezogen, dass
man die mass um 2 pfenn. gäben hat.' 1594, Ardüser.
1627 wurde in Obw der Lebkuchenhandel .mit währ-
schafter Hab' freigegeben. Obw Volksfr. 1883. ,Es
sollen die Pfister Foggiser-Brot bachen, schöne, recht
und wolgebachene Haab.' 1643, SchwE. Klosterarch.
.Das Almosen-Brot wird von guter Hab gebachen.'
Z Mand. liKiJ. Mit rbaiirang zu abstr. Begriff (viell.
mit Aiilaliiiinm an //.,/. // t: .Hrod bachen, das hübsche
Hall Iniu-a.- i:,sv. Ml 1,1,11,. Lenzb. — c) im Bes.: Be-
ll udel Ap; BG-, 0.; Gl; Gr;
Ge-kiUt. „Küe-, Geiss-, Boss-
ph.), viel Vieh V. E (ganzi)
Es Hapli, eine kleine Herde,
,Es gehen öfter schöne Haben
und Appenzeller Vieh, meist Kühe,
1852, Zeitünosnachr. Asie
chommend ganzi Häbleni [von Gemsen] dort here gr
lecke GRSchiers (Schwzd.). ,Er traib davon syn hab.'
.■Vp Krieg 1405. .Bei uns was kein mangel, so vil
haben vechs ausliin verkauft warend.' Val.Tschudi
1533. ,So zUch X. X. wider in .Tenatzer gemeinsame
mit aller syner li. liis zue der alpfart und etlichs
mtIi iio.li laiiu.'!-,- 15:;s. i|R.Jenatz. .Welcher Ungc-
suinb's linder sriiirr Haab hat, soll angänts US der
All. falna.-n,- ii;:;.",. A !• LB. S. Bergrogt Bd I, 707.
,Weil Kiiiiuc sich understehen, ussert dem Land Haab
allhero zu fülireii in die gmeine Alpen oder gmein
Merk.' 17ol. Ar LB. .Mit einer Haab s. h. Zeitkühen
allhier in die Lauwinen kommen.' Sererh. 1742. ,Auf
den genannten Alpen weiden 13 Haaben, Küh-, Käl-
ber-, Galti-, Stieren-, Geiss-, Schaaf-, Ross-Haaben.'
1805, Gr Samml. S.h.Mzh, übertr. auf M.Misclicn:
ganzi Habe, c riinr.es llnhh l,,ii ilnlb;. Ar Imt e
schii"s Häbli. er hat eine zi.Miilirh i^-mss,. Kamille i.iG.
- Alnl. A../.e, nihd. *-./.. f. in lled. 1, -2 luid 4.
rt-: 1. Aufhebung [V]. 1553. Aesch. IV 1 e. 835.
2. N'.irHiirr. .Das gereiche ihm zu grossem Nach-
teil niel Vninnrr (,nfbalr), l.V'ai, .■]«]. — :;. Strassen-
streeke mit Mei-nn^; .n aN Name eines AVeilers bei
DLan-eten. ,- ,/, ,- /7/m/,. Za „/-/,./„„,
An- m, : Anfang. rrs|uung, Ursache; auch: An-
fänger, rrbeber. Syn, l'rhidi. ,I)er erst pund und
a. der eiilgein.sseii.- Z Chr. .Welcher den a. tuet und
das kuntlich wird, der snll beid buessen geben.' XV.,
TflGütt. dttii. .Zwingli. der recht hoptsächer und a.
diser \ erfüeriseheii Kr.' l."i2G, Absch. .Deren übel sy
die Ziiiebei-I iirsieli lind a. wären.' 1529, ebd. .159
.lalii \'ii .\, der Stallt Bern.' Ansh. .Der ein a. und
ur^aeb i,,t eines Übels.- 15:;i/48, Prov. .Wann wir den
fürnemsten A. betrachten, so sind es Ehhändel.' 1630.
JJBreit. — Zu an-hehen.
U"- ZoA. in., -Habi f.: zerklüftetes Terrain,
unwegsame Wiklniss. .[Holz zum Fällen], doch nit in
Unhabeneu oder Töbleren. sonder in Ebenen.' ZWthur
Spruchbr. 1664. - Eig. wohl Ort. wo man keinen Halt
hat: viil. //..;. /// /: s. auch u,i-lmhl ;,h .
867
Hab. heb. hib, hüb, hub
Undcr-Hab: Stütze, Unterhalt. ,Wio brut ist ein
ufenthalt des lybs, dass er nit in hunger fallt, also
ist das wort Gottes ein u. der seel.' UEokst. 1525.
— Vgl. frz. entretien.
Uf-e°t-: Aufhalt, Unterbruch, Pause. JEs ist D.,
es hat aufgehört zu regnen GA.; vgl. ufhablich.
Ur-m. Aa; ,B0.; LE.", f. B{Gotth.): l. = Anhab,
mit der weitern Bad.: Anstiftung, undpers.: Urheber,
Anstifter Aä; B; „LE." „Den U. beweisen, d. i. wer
z. B. bei einer Schlägerei den Anfang gemacht habe.'
,Wenn man dem, welches eigentlich die U. sei, zeige,
dass es Unrecht hätte.' Gotth. ,Da war d' U. am
Tage.' ebd. ,Dass syn eni sei. und syne vordem
stittere und u. wären gewesen des klosters.' 1331, Z
Urk. ,Dass wort u. [Anlass zur Klage] sind.' 1374.
BTh. Handveste (Titel des Abschnittes über die Schelt-
worte). ,Wer U. ist, dass Streit entsteht, zahlt 5 ß.'
vor 1459, B Statut. .Ein rechter u. und anfang.' Edlib.
,Dionisius dorft im syn hart nit scheren lan, syn hart
brannt er mit kollen ab: wohar kam dise u.V dann
dass er vil böses hatt gestift.' UEckst. ,A1s wäre
Gott ein u. der üblen.' 1531/48, 11. Make.; dafür lö67:
,Urheber.' ,Lachis, die ein u. und ursach ist der
Sünden der tochter Zion.' 1531, Micha.; = ,anfang der
tochter Zion ze Sünden.' 1548. ,Von dem ersten u.
der statt Koni '219 jor.' HBbll. 1533. ,Der summ u.
und ganzes wesen würt üch der schryber yctzt vor-
lesen [d. i. das historische Argument des Schauspieles].'
ebd. ,Alle u. solches aufsatzes sei aus dem gyt ent-
standen.' Vad. ,Wo aber der verwundt den u. getan,
soll es zu erkenntniss gemeiner meister und stuben-
gesellen stan.' 1539, B Stubenordn. ,Der getäter soll
gerichtet werden, er möge dann den u. uf den andern
[den er verletzt] erzeugen und bringen.' 1539, B.
,Der Satzung halb, so u. von werten wegen zugibt,
ist die meinung, dass nit jede wort u. vermögen und
geben.' 1539, BThun Satz. ,U. der Worten. U. mit
der band. Wie u. syge an gwehr gryfen. Urhabs
straf.' 1539, B Gerichtssatz. (Überschriften). .Aller
Sakramenten u. und aufsetzer ist kein mensch, sonder
allein Gott.' 156(3/1644, Helv. Confess. ,Origo, Ur-
sprung, u., anfang.' Fris.; Mal.; Ked. 166'2. ,Princeps
legis agrarise, erster anbriuger, anfänger, u., ursacher,
rädlefüerer.' Fris. ,U. und austrag diser tat hab ich
nicht gefunden.' Würstisen. ,Von dem U. mensch-
licher Srcl.- nn^Kioi. 16-20. S. noch bei Fün/niu,
Sp. 34(:; ,il,nilis<,w Sp. 589; Ur-Hueh. -- 2. (m.v'n./)
das Vieh uihl .li^' lieräte, mit denen man zur Som-
merung auf die Alp zieht BSa. ,Es sy ligemles, faren-
des, hüsrat und urhab, barhab und geltschulden.'
1454, B Urk. ,Man soll farent guet pfenden, da man
es findt. Darnach u. und husblunder, darnach höuw,
darnach gezimmerte, darnach ligend guet.' c. 1500,
Obw. ,üas lebent soll syns todten gemacheis guet
alles halb zue synen banden nemmen, die ligenden
güeter zu lybding und den u. für lidig eigen.' 1534,
BHa. ,Im 1612ten Jar ist mit der Gemeind Urteil
erkennt, was für U. gerechnet werden solle, als namb-
lichen alles samiien. was im Haus ist, wie auch Heuw
und Veiih. ist für 1'. erkennt; das Bargelt und Schul-
den aber soll zu dem liegenden Gut zählt werden.'
1612, BSa. ,üas ligende und farende Gut, Ur-, Far-
und Barhab.' 1668, BFrut. ,Die Verlassenschaft [zer-
fällt] in Ur-, Far- und Barhab und in liegende Hab
und Güter.' ebd.
Zu 1. Mhd. luhuj, m., n. ; s. uuch ei-hcbtn. Die o. zu
Tage tretende Schwankung zw. m. u. f. mag bedingt sein durch
Anlehnung au ,Anfang' oder an ,Ursache'. Abi. urhablich.
Far- f.: .fahrende', d. i. bewegliche Habe, Mo-
bilien, im Gegs. zu ,ligendem' Gut Gl; Z. S. faren
Bd I 890 und Guet Sp. 546. In BSi.: alles Vieh
zsgenommen. ,F. ist Ross und Kühe, Schaf und
Geissen.' JRGrimm 1786. - Abi. farhablich.
Ger- m.: Vormund. ,Wittwen und waisen oder
einfaltigen lüten gerhaben setzen.' 1427, GRMünstert.
(Foifa). ,Gerhabschaft.' ebd. .Diser künig Ferdinand
was künig Johansen, der noch gar jung was, rechter
vogt und g.' ÄcTscnDDi. .Kaiser Honorius hat ein
fürneramen graten, Stilico genannt, der zuvor sein g.
und Vormünder gewesen.' Wurstisen 1580. — v er-
gerhaben: bevormunden. ,So vergerhabt der herr-
schaftrichter die herrschaft- und der gottshusrichter
die gottshuskind.' 1427, GRMünstert.
Gr. RA. erklärt es als den, der das verwaiste Kind in
den Ger, d. h. Sclioss (s. Ger S b 2), hebt oder auf dem Schoss
hält; richtiger wohl Schmeller u. A. als Spiesshalter, d.h.
der als Stellvertreter des Hausvaters den Spiess, das Zeichen
des wehrhaften, selbständigen Mannes, zu tragen hat.
Hand-, -Habe' m. Schw, f. W, -Habi f. Gl:
Handhabe. 1. Griff, Henkel an einem Gefäss Gl;
Schw; W. .Die handhab, armilla.' Mal. ,A1so hat
das Gefess zu beiden Seiten Arm wie zwo Handhaben,
welche zu oberst anfahen und krümmen sich herab
auf das Mittel, gleichförmig einem halb gerissnen
Cirkel.' JRLandenb. 1608. S. noch Öri Bd I 418. —
2. Halt, Stütze; Anhaltspunkt, Vorwand. ,Man habe
im kein buwholz zc koufen geben wellen, damit er
hernach kein hanthaben nemen möge, syn buwen ze
schirmen.' 1557. Hotz, Schw. .Ein bündnuss mit Con-
stanz uns selbs zu handhab, stärk, nutzen und wol-
fart.' HBüLL. 1572. — 3. Handhabung. ,Zuo pflanzung
und nandhab syns göttlichen worts.' 1528, Absch. ,Zu
besserer handhab der sache.' 1587. ebd. .Den Ober-
vögten die geflissene H. der Mandaten einschärfen.'
1757, Z Ges. ,Wird die geflissene Handhabe dieser
Verordnungen den Verordneten aufgetragen.' 1770. Z
Feilerordn. -- Mhd. kanthabe in BeJ. 1 und 3; s. auch
Hand-Hebi.
Hüs- f.: 1. Haushalt, -haltung (concr. u. abstr.)
Ap; B; Gl. Der l. Gott hed e grosses Hfisliäbli Ap.
D' Manne mönd d' H. erhalte^ ApI. (Schwzd.). .Von
jeder h. soll ein mannsbild zu diser fart [Näfelser-
fahrt] gan.' 1388, Gl. , Jetlich h., es sy mann oder
frauw, solljedes jarsdem vogt ein fassnachthuen geben.'
ZFlaach (Offn.). ,Es soll einer nit syne käs hinweg
füeren und dann andere in die h. kaufen.' 1525/50.
Obw LB. .Die üppig, lasterlich h. der geistlichen.'
Salat. ,Der Abt N. Hess sich merken fast gueter
haushab.' Vad. ,Es i.st not. dass etwer lueg zue der h.-
RüEF 1540. S. auch über-gän, Gnad 1 a Sp. 659. .Maria
hat gar vil uf unserm Herrn, der h. aber ist s' nit
bricht't, Martha ist änderst abgericht't.' Fühkelin 1552.
S. u. Kue-essen Bd I 526. .84 fl. in der H. verbrücht.'
1602, Ardüser. .Dass mer dann ein stattliche H.
darinnen wonen könnden.' Rüeger 1609. .Über die
100 H-en ligend ob Heiden.' 1651. Rohner. .Damit
arme Kinder heimkehren möchten, mit dem ganzen
Haushäbli und mit den Andern ze essen.' 1737, ApHcid.
Schulordn. Vgl. noch hüshablich u. s. bei ghitzen II
8(59
Hab. heb, hib, hob, hub
870
(Sp. 841). — 2. häuslicher Besitz, Hausrat Ar (Dan,).
,Die h., hausrat, res familiaris, fortun».' Mal. .Ein
bett aus gemeiner h. fürausngmraen.' 1556, GRKlost.
LB. .Wann ein Ehmensch abstirbt, soll das im Leben
Verblibne us der H. ein Ehebett usnemen mögen, all-
wegen nach Beschaffenheit der H. und des Vermögens.
1646, GrD. LB. - Leb- f.: Vieh {Kühe, Ziegen)
GSa.; Syn. Leb- War. — iMast-: Mastvieh Ap LB.
1.585/1828. — Buebe"-: Knabenschaar. Jetzt schürt
e ganzi B. dem Für Holz tüchtig ziie Gr UVatz. Vgl.
Hab III 4 c. — Bar- s. Ur-hab 2.
Brot-: Bude, wo Brot verkauft wird. ,Die fleisch-
bänke, brothabe und schöpfe abbrechen.' 1473, Absch.
— Könnte allenfalls zu Ilah I (receptaculum) gezogen werden;
vgl. mbd. diu habe, der Speicher.
Schmal-: Schnialvich (Ziegen und Schafe) GREh.
.Freier Weidgang für die Schm. ist gewährleistet.'
WSenn 1875 (GRPr.). — Trib- = Trib-Vich Bd I 652
Gr. — Wol-: Wohlbefinden. ,Gesundheit und w. ist
über alles gold.' 1530/48, Sir. = ,Leibesstärke.' 1882.
u''-hab: holperig, voll Vertiefungen, Löcher, un-
wegsam. Syn. unhablich. De" Weg ist u. Z oA. Vgl.
Un-Hab.
gMiab, bezw. A^nft Gr, g'häh BsL.; Uw, chäb Th
Steckb., g'hcihe" Ndw. kyäben GrV. : 1. knapp an-,
zsschliessend; bes. aber: nicht durchlassend, wasser-
dicht Ge; Th; Uw; U. E habrni Trogg Gr. De"-
Strumpf gät khäb, schliesst eng dem Beine nach an
GrL. Wil d'r Lüsch [Futterloch zum Schweinetrog]
nid kab gaid GRPr. (Schwzd.). Auch von den Wänden
eines Gemachs U. Von dichtem Gewebe Ndw. An-
tonym: Uch usw. .Etliche nemmend den harn, fas-
send den in ein glas, vermachend es dry tag lang wol
und gehäb zue.' Rcef 1554. .In einer geheb ver-
machten Kannen.' Würz 1634. .Tue dise Stuck in ein
Glaskolben, stopfs geheb zu. damit es nicht vertampfe
und verrieche.' ZZoll. .\rzneib. 1710. ,So muss jede
Fuge fester und gehaber werden.' Gr Samml. 1781.
— 2. übertr. auf Menschen, a) verschwiegen Ndw.
— b, g'heb, g'häb, zähe, an sich haltend im Geben,
sparsam Bs. Syn. r/eiiehifi. Wie g'heb. wie b'simnen er
a's Chaufmä mit-nii r^iji- isl. Breitesst. — c) wohl-
habend BE.; Syn. hnh/irh. Kii ifhahne Ma'", xco-n-öppe
„Qeh .,■« Qrossrnt mir'. II Xiineiiz. 1863. — g«habe",
tw. -ä-, k/äben Gk, glkäbne" „LE.;" Ndw, ^'/frtftne'Nnw:
1. tr., fest schliessend, wasserdicht machen Gr; „LE.;"
Ndw. Syn. verschwellen. — 2. intr., wasserdicht wer-
den Gr; Ndw. Es G'schirr z' g. tue', legge', ein leckes
Holzgefäss ins Wasser legen, damit die Fugen zu-
sammenwachsen. Er leid der Eimer, dur''' zwei hand-
völlig Steine' b'schuert, in de' Trog under de" Chennel
zem kabe". MKuoni. Wenn 's noch rinnt, so kabet 's
gschtcind. Volksreim (B.). Davon das Ptc. k/äbet mit
adj. Bed. = gehab 1 u. 2 a GRVal., ObS.
Mild, gehehe. Die Formen mit a und ö gehen auf .haben",
die mit e auf .heben' zurück; chüb vereinfacht aus l,-/ab,
welches irrig als g'chiib gefasst wurde, k (k/_ oder hh) ans
rj'h ein nicht seltener Übergang. — '2 c könnte auch als das
.-idj. Ptc. von .heben' erklärt werden ; vgl. b'haben neben h'liab.
b'hab ApK., M.; GlK.; GG., T.; Tutw.; ZS. tw.
(Comp, b'häber, in .\pH. b'heiber), b'häb Bs; BoO.;
Sch; Schw; Tb; Z. b'heb kk; GrD. (B.): l. = g'hahl.
aaOO.; auch fest, stark übh. Sch; Th; Gegs. lotterig.
D' Tür ist 6. zi(e, im Schloss G; Z. Der Deckel ist
b., schliesst wohl Bs; Z. De' uf slm Geldsack sös«
so b'häb, a's ipenn er ane g'wachse war. Hinderm. 1860.
B. loie-ne Noss [Nuss] Ap. Bhäbi Stifel B (Schwzd.).
Uf's Mül e recht bhahs SclüössU. EFeurer. E b'h-s
IIus, gut gebaut, vor Regen und Wind verwahrt Ap;
Bs. In der bliebe Stube. Hebel. ,In einem verschlos-
senen und beheb zugemachten Geschirr.' Ziegler 1647.
.Schloss , so beheb zuschliessen.' JH.\mmäsn 1678.
.Bindet beheb uf den Buch ein Tuch.' 1710. ZZoll.
.Arzneib. — 2. standhaft, anhänglich, treu TuTäg.
Er ist b'heb g'si", hat ausgehalten AADeg., End. —
3. = g'hab 2 b Sch. ,Nit harw und bhäb, sunder frygäb
syn und gern mitteilen.' HBüll. 1531. .Zwingli was
vil me güetig und frygäb, dann ruch und beheb.' ebd.
1572. — 4. verschwiegen Ap; Bs; G; Schw. Aber bis
b'häb und b'halts bl-der Bs. ,Etlich .syen gefangen
und aber nit gestraft worden, die nachfolgends geredt
haben: ei, bin ich nit beheb gewesen.' 1526, Egli,
Act. .Und als nach vilfaltigem befragen und ver-
suechen W. Teil iemerdar behäb was [dem Landvogt
gegenüber].' Stcmpf 1546. ,Er ist ganz bheb, continet
arcanum.' Met. Hort. 1692. — 5. von zähem Gedächt-
niss B öO. ; L ; Z. E b'hebne Chopf L. ,Memoria tenax,
ein guete und behäbno gedächtnuss, die ein ding wol
ergreift und fahet' Fris.,' Mal. ,Wie b'sinnt und bheb
der mensch ist. muss er doch sagen, dass er mithin
etwas vergesse.' PWyss 1650. .Bullinger besass eine
zur Erstaunung behäbe Gedächtnuss.' 1722, Mem. Tig.
Vgl. noch Behalt u. be-haben.
n'-b'hab Ap; GT.. -b'häb SchwE.: 1. nicht gut
schliessend, locker, leck Ap; GT.; Schw. Syn. verliehen.
.Incontinentia urin», unbehehenheit.' Fris. — 2. ver-
gesslich SchwE. — 3. nicht an sich haltend, a) mit
den Worten: unverschwiegen, geschwätzig Ar. .Plenus
rimarum, gar zerlechen, das ist unverschwigen, un-
behäb.' Fris. — b) mit den Leidenschaften: ,Manus
procaees, anfechtig händ, unbehebne und frefne händ,
die alles angreifend.' Fris. — 4. verschwenderisch.
.Incontinens, unbeheben, der das sein nit behalten
mag.' Fris.
b«-habne" Uw; U, ^'/(«ftne" Schw ; Ndw: \.= ge-
haben 1 S.iiw; Ih; I. 11,'M d's Taussli [Bottich]
//;«*//,•/'>, luv . J. ././/'/'-«».a Ndw, — B«-häbi
f.: fc-sl.T Srlihi-~, i;v,li;iiiule.s Aufeinandcrliegeii Ap.
— Zu br-hmbcin. -hdien. S. die Anm. zu ge-hab.
haben U h an HEa., Jl.ChänJ; Gr; P, ha bzw. hä
Aa; Bs; BTorw.;PJ.; VO.; Gr vorw. (z. T. nasal.); G;
Sch; S; W; Z, /iä;'«; bzw. M GlK.; Gr; LV.;PP.; GG.,
T.; W - Gerund, z' hehi'd Sch — Pries. Ind. (selten
mit Dehnung) 1. lian BöO.; Gl; Gr, hafnj Aa; Ap;
Bs; BM.,Ü.; F; VO.; Gr; P; G; Sch; S; Th; W; Z.
häfnj Gr; LV.; P; G; W; Z. — 2. hait PRima. hast
Aa; Gl; Gr; G; Sch; SchwW.; Th; Z, heit Aa; B; F;
Gl; Gr; L; PP.; G; aScHW; T; Uw; W; Z, häi Aa;
Gl; U, hei Bs; B; L; S; U. — 3. had PRiina, hat,
häd Aa; Gr; G; Sch; Schw; Th; U; W; Z, het, lied
Aa; Ap; Bs; B; F; VO.; Gr; P; G; Sch; aScHWf-c;;
S; W; 1 (e) — PI. band Ap; G; Sch; Th; U, hond
GRh.; Sch, händ Aa; Bs; Gl; Gk ('2. heid); L; G;
Sch; Schw; Th; Z, hend Bs; Ga; L; G; Schw; S; Th ;
Uw; U (-nt); W, heind Gr (auch -nt, 2. heit); U; W.
heid Gl; GA.. hen Gr (2. heid); G; W, hei(n) für
1. 3.. heit. heid für 2. Aa; Bs; B; Gr; L; P (hei. -«,
871
halten (lieben)
2. heid, -t, 3. hen, heindj; G (hei, 2. heit. 3. heindj;
S; T flKMiv, 2. hc~d, 3. hendj; W r/'«, -«i 2. 7ieid, -t,
3. /inoi/. -I I — <'iiiii. ziemlieh neben einander heiCjiJ,
heigfu u. /.,/„,.. m L hähi, in T (PI.) häwe — Cond.
t. hätt/u. t. hi'iini — Imp. hab WLö., 7iä6 Aa; ß;
F; VO.; Gr (tw. häp); L; P; GG. {hä's, halte es); S;
T ; W, he'b Aä (wo es für die gebildetere Form gilt) ;
Bs; Gr (tw. hep); G; S; Z, hei Gr — PI. = Ind. von
ha' und von heben, doch in Gr dafür auch der Conj.
heiend — Ptc. (an manchen Orten mit anl. kx aus g'h)
Impf, y'hänt Gl — Pf. g'habet WLö. (in andern Ge-
meinden f), g'häbefnj BO.; P; GrI).; P; SchyjE.; W
(auch etwa g'habet, zumal in Verbindung mit der 2. P.
des Vb. fin.), gliafn) bzw. -ä- Aa; Bs; B; VO.; Gl;
Gr; 6; Scn; S; T; Tu; W; Z, g'hä(n) Gl; Gr; GG.;
„SchwE.; UU." — daneben in Bed. B und C auch
hebe": A = nhd. haben. 1. als selbständiges Vb.
1) mit pers. Subj. a) im Besitz haben, a) mit Sach-
Obj. oder abs. Hinne" und vorne" Nut ha, ganz arm
sein Z. Er het iis der Hand i's Mitl, nur den not-
dürftigsten Unterhalt ScaSt. Was-nui nild hed, su
[das] hed-nia nüd, wo Nichts ist, hat der Kaiser sein
Recht verloren Ap. Was-me' selber hed, brücht-me"
nid z' chaufe". Wenn-mc" dich nid hätt und Jces Brod
im Mus, so miiesst-mf nüeehter i"s Bett (Scherzrede).
Eine'' hed z' ml, der Ander hed z' wenig, aber Keine''
hed gnupg. Es hed Keine'' so ml, er liätt lieber no'''
me". G'ha ha" ist au''' e" Trost, aber nur e" sclncachef'.
Wer hed, der hed, und teer nid hed, cha"" luege; dass
er überchunnd. Wer hed, was er u-ill, der frisst, was
er mag. Wenn Eine'' Nüd miiess [soll] ha", so verlürt
er no''' das, was er hed. Ineichen. Wottst oder käst
(g'ha")? neckische oder drohende Frage, indem z. B.
ein Kind dem andern einen Leckerbissen vorhält. Er-
wachsene ein zaghaftes oder wählerisches Kind zur
Entscheidung nötigen, ein grosser Bursche einem
kleinen eine Ohrfeige anbietet udgl. Z. Z'erst muest
hast, scherzh. für hü", eig. : zuerst fragt es sich : ha.st
du? Gr. ,Dass die güeter unwüestlich gehept und
genossen werden.' 1431/1544, Schw LB. .[Unterpfande]
daran sy habende und sicher syent.' 1441, Bs Hq.
.Ihre habende und von vorfahrenden römischen Kai-
seren erlangte Fryheiten.' ECys. Auch i. S. v. Anteil
h., mit ,an': dra" ha", bei Etw. finanziell interessiert
sein, z. B. bei der Nutzung einer Alp B (Zyro). Mir
[wir] händ au''' a" der Trotte" [Recht auf Benutzung
der gemeinsamen Kelter] Z. ,Darzue [überdies, üb-
rigens] so habend MHH. von Z so vil am Tn als
andre ort.' Zwingli. ,Die ort, so am Sarganser
land habend.' HBüll. 1572. Mit blossem Pron. ,es'
i. S. V. das nötige Vermögen zu einem Aufwand.
Er hat 's, ist wohlhabend Aa; Z. Gern Hess i''' vii
Chind lere", wenn i''' 's nu ase hätt und vermocht.
Stütz. ,Wegem Bruch kömmt 's immer darauf an, ob
man es hat oder nicht hat; hat man 's (vermag man 's),
so hat man dem Brauch Nichts nachzufragen.' Gotth.
Mer [wir] händ 's und vermönd 's Z. S. noch Hätti.
— ß) mit Pers.-Obj.: Eine", Einih., verlobt sein Gl;
Z; s. auch um-hin. Er häd e Zugeri" (zur Frau) Z.
,Nun in der auferstehung welches [wessen] weib wird
sy sein under den sibnenV Sy habend sy ye all ge-
hept.' 1530, Matte. XXIL ,Anna Kümin, so den N. N.
g'han hat [zum Manne].' 1581, Schw. Zuweilen in
tadelndem S.: Er hat sdio" e Jumpfer (e Hebschaft,
e Bekanntschaft) a" si''' Z. .Welcher ein hüpsch wyb
[Kebsweib] zu [neben] synem ewyb in synem hus hat
ohlcr sus an im hat.' Ap LB. 1400. — b) tragen, aus-
halten (eine Last, meist bildl.). Si muess d's Chind
[ein unehliches] an-^re selber ha", bekommt vom Vater
•desselben keine Unterstützung B; Z. Er cha"" 's an
im selber ha", muss den Schaden selbst tragen. Id.B; Z.
Heb 's iez a" dir selber! trage die Folgen deines Tuns!
Z. ,.Tuda sprach: Sy hab's ir, dass wir nit villeicht
ze schänden werdind [habeat sibi!].' 1531[60, I. Mos.
Vgl. Gr. WB. IV 2, 57. Selber tä", selber g'ha- ZZoll.
Selb tä", selb hab, blas dir selber de" Schade' ab! W.
,Selbs tuen, selbs han.' 1554, Absch. , Sonst sagend
sy: Selbs geton, selbs haben, es beschicht dir eben
recht.' LLav. 1584. ,Selb tan, selb ghan: schuldig bin
ich, mein herz durchaus gibt schuldig sich.' JJBreit.
Idl8. ,Selbst getan, selbst gehan.' UMev. 1694. Vgl.
i a, Pß. Dra" hä, an Etw. zu leiden haben, die Folgen
von Etw. tragen Gr. Heb 's jez, du häi 's so welle
ha BBrisl. Öppis nüd ha" cliönne" oder möge", Etw.
nicht ertragen, leiden, ausstehen können; auch ge-
radezu: nicht gestatten, verbieten Z. Sini Auga'
chönnid de" Glast nüd ha" Ap. ,1"'' ma^ das nit ha",
ferre non possum.' Id. B. De'' Vater cha'" 's nid ha",
trenn d' Chind nid folgid. allg. Er mag 's g'ha',
kann zufrieden sein; es ha' ehönna", nicht mehr be-
dürfen Ap; Syn. es g'machen können. Me" häd Allerlei
[Ungemach] mit dem. Chind Z. Me" weis(s) nid, was
me' hed, icenn-me" Nüd hed. Ineichen (Nüd wort-
spielend = 1. kein Geld, 2. kein Gebrechen). Vgl. g a.
— c) mit Adj. (Adv.) i. S. v. ,sich befinden, in einer
Lage sein, leben', je nach der MA. mit oder ohne
beigefügtes ,es'; vgl. Gr. WB. IV 7, 54. (Es) guet
(recht, wolj ha, im Wohlstand, in angenehmen Ver-
hältnissen leben Ap; L; Z. ,Er het 's trol, laute vivit.'
Id. B. Si hei nit guet LE. ; s. noch guet. De'' brücht
nit so g. z' ha. Joach. Si hätte"d 's au"" gern recht,
und 's mag 's doch fast nüd g'ge" Z. ,Es wolle einen
Mann, sagte Ürsi oft, und der solle es gut haben bei
ihm, man lebe ja nur einmal und da wäre man ja
einfalt, wenn man mit einander bös haben, nicht mit
einander glücklich sein wollte.' Gotth. S. noch ver-
gugäggen Sp. 166. Es schmal ha, karg leben müssen Z.
Wie lies 's und wie geit's (Grussformel) GfiPr. No
denk-dfr bigotzlig, wie 's i"* denn mag ha", drlssg
Wiber sond z' vil für en enzige Ma"" Ap (Schwzd.).
Er hat 's au dernah, muss in entsprechender Lage
leben Z. ,Da jedermann het darnach und er war
[gemäss seinem Werte], das wärint die rechten mär.'
Ap Krieg 1405. ,Abigail, welche es ouch lieber hette
besser g'hebt.' LLav. 1584. ,Dann wann 's ein Mensch
auch hat wie ich [im Wohlstand sitzt], es war nit
miglich sicherlich, er miess dem hibschen Geld und
Gold von Grund syns Herzes werden hold.' Com. Beati.
Vgl. ebd. : ,Im Land mag 's Keiner hibscher han ! •
Auch von rein leiblichen Empfindungen (allenthalben
ohne ,es'): blöd ha, hungrig sein GrPt. Chalt ha,
frieren; tcarm ha Z; Hebel; vgl. frz. avoir froid. —
d) Es ha: a) von Gesinnung; Verhalten. /■=* ha 's
eso, das ist meine Weise. Wie händ-er 's? wie wollt
ihr es gehalten wissen? Z. W<f'tsch bald üfstö", oder
tele hesch 's? Bs; Z. Wie häm-mer 's [haben wir es]
mit enand? wie stehen wir zusammen? G; Z. ,Wie
es Vater und Mutter mit den Kindern hatten', d. h.
wie sie mit ihnen verfuhren, sie erzogen. Gotth. —
ß) es h. mit Ei"'m, ein V'erhältniss haben, zu tun h..
873
verkelu-en. freundlich oder feindlich (also verschieden
von der gleichlautenden RA. i. S. v. es mit Einem
halten, zu seiner Partei stehen, s. B). In verbotenem
Umgang mit einer Person stehen Ap; B. Si het's mit
ein c-n- Andere' gha' Bs; Z (so auch bei Schiller). Mit
iirw h'it er 's? hat er Streit GRÜhur; Th. Vgl. noch:
(ipjiis mit Eim ha' unter i. — y) Es an Ei"m h., in
(iiin.st stehen. Er het's w de' Lüte", ist beliebt Ap;
GWa. Er het 's a"-mer, besitzt mein Vertrauen Gr.
— B) Es /(., die Folgen eines Tuns erleben und das-
selbe als fehlerhaft erkennen, verdienten Lohn em-
pfangen, lez hat- er 's! Gell de hasch -es iez! lez
hä-n-i''''-s! Z. Im Mund Anderer oft Ausdruck von
Schadenfreude oder wenigstens Zurechtweisung; 's ist
recht, wenn's di''' git [du Schaden leidest]: de häsch-es
dann! Z. .Er hat 's, er ist getroifen, es ist im worden,
er hat 's leberle gefressen, certe captus est.' Mal.
Verschieden von der gleichlautenden KA. unter i ß, aa.
Vgl. noch Gr. WB. IV 2, HS. — e) Es h. icie . . ., in
Art, Sitte, Handlungsweise einem Andern gleichen.
Er hat 's wie d' Sademer [die Einwohner, hier bes.
die Wirte, von Baden im Aa] im Winter: Wenn ei'
iifstnt [am Morgen], hat er Firabig Z. — Q von einem
leiblichen Übel, einem Schmerz. I"* ha 's tif der
Brust, in'n GUdere"; i'-me Bei' Bs; B; Z. Vgl. Gr.
WB. IV 2, 02 n. — e) unterhalten, pflegen, behandeln
(Pcrsiiiien). ,K»ie* [im Haushalt] ha", nutrire, curam
habere alieujus.' Id. B. I"'ha-n-ln i,:: l,n,,, ,,'hn',
erhalten B; Z. Er isch nit zum lum (:i:i'lini. Es
Cliind ha", zu vorübergehender oder Mriliriuli r \ er-
ptlegung übernehmen Z. Er mues-mi^'' dram ha"
Sch; Z, wird z.B. vom Leibgeding gebraucht und
heisst dann: er (der Sohn z.B.) muss mich dafür mit
dem Nötigen versehen und in seinem Hause bis zu
meinem Tode behalten. i"x isl Xml /». >mc z' ha" a's
Schulde', ie weniger me-ne :' frr.^si" ijnl. mn so grösser
werde' si. Nat.-Kal. l!^>if . Ueut-nu'', duldet mich Gr.
Bas Chinil i^f und :iiiii II, i". unerträglich ungezogen Z.
E''h(in-e'' fiir im" Cliiiiilif. gebrauche ihn als Knecht,
er ist mir wie ein Kne.ht B. ,Myn bruoder hat mich
vil jar vil gekostet und [habe ich ihn] uf mir gehebt.'
Sicher 1531. ,Ieh wollt mich nit nenimen [nennen]
ein mann, wenn sy mich sollt so schantlich han [be-
handeln].' RuEP 1540. Jmdn z' Gast ha'; s. auch
Sp. 529 u. Mit präd. Adj. gern ha, lieben Z (auch
mit Bez. auf Tiere und Sachen), z. B. d' Chatze' g. ha.
D' Chind händ d' Bäbe [die weissen Rüben] nüd g.
allg. Het's (heb 's) nit ufnjgern! , Darum könnend
ir ermessen, wo üch sölichs [Feindseligkeiten] be-
gegnete, wie gern ir's han wurdend.' 1529, Absch.
,Die reigel werdend von'n menschen ser lieb gehaben.'
VoGELB. 1557. ,Wohlgehabne, feisste katzen.' ebd.
•Gracchi charitas, der Gracchus ward so lieb gehebt.'
Fris. — f) empfangen; erlangen; nehmen. ,Ein Kind
h.', bekommen. Si mues es Chind ha", gebären Aa;
Ap; Gr; Z (verschieden von dem gleichlautenden Aus-
druck unter e, B und C). ,Jung h.', Junge zur Welt
bringen, von Haustieren B (Gotth.). ,Eefrouwen han
ich siben ghept; by denen han ich in eren g'haben
[bekommen] hundert und zwenzig [Kinder] mit mynen
und den kindeskind." Ruep 1538. Speise und Trank
empfangen oder zu sich nehmen. Z' Imhiss ha', zu
Mittag speisen Z. Sprichw.: Wer nüd will, (de'') hat
g'ha', wird betrachtet, als hätte er schon empfangen
Bs; Z. Wenn d' nüd willt, su hest g'häben BE. (ähn-
lich Z), z. B. zu einem Kinde beim Essen gesagt.
Ba miiest denn (g'ha) ha"! spottende Verheissung im
S. V. Nichts bekommen Z. Öppis derzuc ha', als Zu-
gabe zu andern Speisen oder zu Getränk B; Z. 3{er
hend z' Nacht g'hebe' , das Nachtessen genommen.
JCWeissenb. 17U2. Was wei-mer [wollen wir] ha'?
im Wirtshaus (bestellen) B; Z. Eint [eine Flasche]
ha' B; S; Z. Auch von andern Genüssen. Eine" ha
(mit-enand), einen Tanz H; S: Z; s. auch n. drl. So
auch von geistiger K^ist, rinem rnf.Trichtsgegenstand;
ein Schüler sagt: Ba.^ Innii-iu, r srh,," (od. nonig, noch
nicht) g'ha Z. ,Wyter band wir iii der geschieht g'han,
wie...' EoEP 1540. Bo liesch's, mach 's Silber! sagt
der Rülpser scherzh. Ap; vgl. hest. Mer hend t/lv''
Hüser, wir erreichen bald Häuser (auf einem Weg) Z.
Etw. durch Kauf erwerben: So [teuer] cha^'-me' 's ha,
wenn all Chrömer i'packt (Vg'leit) händ Z. Beim
Handel feilschend: ,Wi"t oder nitV Sag gschwind
daher, wie muess ich han die Haut vom BärV' Myrioai-s
1630. Einen Nutzen, Gewinn, Vorteil aus Etw. ziehen:
!'>• ha Nüt von im, vo" dem: i''' ha Nid dra" B; G; Z.
Was han-i''' ro' dem:' '/.. /'' unrlr iml. l:eH starche
Ma"hetjetzim Chruy mr .\w/.,> lllm. | dra", irgend
einen Vorteil von s^iiMi Sinlv, isi.'it der Erfindung
der Schiessgewrhrei. .1 Mii,/, \ lI, ük. WB. IV 2, 56/7.
Vom Arme"gi(f I. si,ll:.i,n,<l | l\ir. Ihiivor-stand], vo' der
G'meind ha, \"n Ar\ .iil. ni lir|i, n Armenpflege Unter-
stützung beziehen /.. h„ h,l nnnidn-r' B Hink. Bot.
,Ich g'schwy-. dass |sie| mir -MI.,- .iii. -al. so hüpsch
an d' band und s|irarli : di.. ha;.' |iniiiiii -i.|.- Haiikufj!
156-2. .S.1 li,.h ],i..|nit .h.ii l,-,.li.i.l'- s. iiMii. l.-,7l). ,Sä
[da. iiiiniii|. h.'h j..|/. .ja,-!- 17:;:;, 1, Spiel. S. n.H-h
Bd I ^■J:; [\. .1. i:.7!M. :ilal. irli nit uh..|,t | .Tr.'i.-ht.
durell^v^,.tzl| myii aii-.!!!..-'.' ■ l.'i i r 1:.:.h. .AI- .li,.
Amtlut vrnn.'iiit,' v im ny,:-u :; ,-, /.■ hah.a, iiii.l in.'n
zue.illh.reii S..1I..I1.- i:.:;!i, j;- l;.,. M-i.iia.l,. .■ilan-.'ii.
,Es war niyii ger an üeh [.Sehaliiier ), üb ir am l'iir-ten
möchtind han, dass er uns für syn gnad wollt lan.-
RuEF 1540. Bank ha, empfangen, Bank hcigist (mö-
gest du dafür D. empfangen), als Formel der l>ank-
sagung AASt. ; B. B. heiist doii. Gr. Zuweilen als
Subst. = Dank BM. Bank eigisch, dass de mi''' nit
g'schlückt hesch! sagt Einer zum Andern, der ilm an-
gähnt. Der Andere erwidert: Bankeigixch. dn^s d' nit
iche' [hinein] gschloffe" bisch! Gotth. .Kaiiiii halte sie
dem Kellner, der das Türchen zuniaelite, ddiikeigit!
leb it wol! gesagt' ebd. ,Ha [hab] dank!' Hadl. ,Heig
dank!' Aal 1.549. ,Dank habest du, tust recht doran!'
GGoTTn. 1619. .Dank heig euer Predicant.' Bantle
1712. ,Habdank' als Subst. häufig i. S. v. etw. Gleich-
.giltigem, eig. Etw., das mit einem fluchtigen Danke
bezahlt ist. ,Man hat schier all tag die burger [Ge-
meindeversammlung] ghan um ein jetlichen h.' Ibtil,
Egli, .\ct. ,Wenn man wegen jeder kleinfüegen, lieder-
lichen Sache sich Krieg auf den Hals ziehe, so werde
man die von Z und B hiezu nicht willig finden, son-
dern sie werden vielleicht lieber ihr Heil bedenken,
als wegen jedem H. aufjucken.' 1541, Absch. , Damit
nit ein oberster knecht den nachrichter synes gfallens
umb ein yeden h. strafen raög.' 1.541, Bs Eq. .In riug-
ferigen Sachen, ja um eines yeden, als man spricht,
h. willen.' HBull. 1561. ,Es soll keiner umb klein-
füeg, gering sachen und geltschulden, ja oft umb eines
jeden h. willen für Rat gelassen werden.' Z Mand.
1635. ,Hillel erlaubte die Scheidung um eines jeden
875
H-s willen, als wann das Weib die Suppe angebrannt
udgl.' Ott 1736. — Jmdn zur Hilfe herbeiziehen Z : Mer
müend Öpper ha, mer möyed 's nümme ellei' g'mache'.
De Tokter ha, den Arzt gebrauchen. D' Näjeri (uf
dei- Stör) ha. Geistig: aufnehmen, empfinden (gut
oder übel); vgl. Bd I 55; II 542. I''' mues-es iez für
giiet ha Z. Häm-mer 's nüd ungern, nehmet es mir
nicht übel L. B'hüet-i Gott und heit'sch-isch [es uns]
mit fer ungiiet, volkstümlicher Abschiedsgruss W.
.Und dass man nit für übel haben [soll], beschech im
besten.' 1532, Strickl. ,Wir bittend, nit für übel
z' han.' Aal 1549. Königin zu den Gästen : ,Han euch
all ding zurüsten Ion, doch am fürgut han wird vil
ligen.' GGotth. 1599. Gern ha (mögen), Etw. be-
gehren, wünschen. Hättist gern ! Verspottung eines
Begehrens Z. ,H. wollen' a) verlangen, befehlen; auf
einem Willen beharren, bestehen, Etw. durchsetzen
wollen (etw. verschieden von Gr. WB. IV 2. 59) Bs;
B; Z. Er tvott's nid anders ha' B; Z. Z'* tcott 's
nu'' ha', es ist durchaus mein Wille Z. Er het 's
so wellet ha", er hat diesen (ihm selbst unerwünschten)
Erfolg durch sein eigenes Tun herbeigeführt Gl; Z.
Verst.: ,gehabt haben wollen'; s. 2 b und Gr. WB.
IV 2, 74 u. /<■* tvill 's g'ha" ha', ich will es durchaus
so haben Ap; GTa. Grad so het 's es welle" g'hebt
ha, SU häb's es de'"! Gotth. Wenn 's Gott rvell g'hebt
ha, SU heig 's Nüt d'rwider. ebd. ,Si wellen gehebt
haben, dass die von Bern alle ire ansprach erfüllen
und dass ouch das fürderlich besehehe.' Just. ,Für
ze faren, wie wol geschriben ist, man well es so ge-
hebt han.' 1508, Urk. ,I)as wellent wir von üch ge-
hept han.' 1544, Eatserlass. ,Wir wollend nun hiemit
alles Ernstes gebotten und 'gehebt haben.' Z Mand.
1650. Auch mit präd. Adj. (Adv.). z. B. mir uend de"
Ma" dinne, im G'meindrat ha. ,Wer inen wert, den
wellend sy tod haben.' LLav. 1584. — ß) eine Ansicht
haben und äussern, auch behaupten, oder bloss Etw.
glauben, vermuten Aa; Schw; UwE. ; Z. I'* wott 's
ha, beteure es B; S; Z. Si (d' Lüt) wend ha, man
sagt. Der Anger [Andere, ein Gewisser] het welle"
ha, der Franzos icerd cho". Schild. Auch nur: an-
nehmen, voraussetzen Z. Neg. : Nüd ha w., nicht
zugeben, gelten lassen Z. Vgl. b (am Ende). ,Eck
will han, der Bapst syg 's houpt der Christenheit.'
UEckst. — g) mit verblasster Bed. in stehender,
formelhafter Verbindung mit gewissen Subst., z. T.
einen einfachen Begr. umschreibend, in einzelnen
Fällen mit verschiedenen concretern Vbn (z. T. unter
a — f angeführten od. unter B anzuführenden) zu über-
setzen oder zu vertauschen, a) mit best. Art. ,Wer
den Stein am Weitesten von sich weg wirft, von dem
sagt man, er habe den Stein gehabt und der ist dann
der Sieger.' Steinm. 1804. De" Frörer ha" s. Bd I 1315.
De" Guet ha s. Sp. 541. Auch mit Fron. poss. Hei
iez nw di" G.! GRSchiers. Den Unguete s. Sp. 545;
Syn. de" V"söde. De" Gunn h. Es ist ja nüd, dass
d' etn de Gunn nüd hettist, dass du ihm Nichts gönnen
möchtest; vgl. Sp. 332. (Ei"'t>i) de" Glaube" ha s.
Sp. 586. Eim de' Wille" ha, ihm gewogen sein Z.
D' Ordnig ha s. Bd I 441. De" Hat ha, die nötige
Pflege geniessen, von einem kranken Kinde BE. —
ß) mit unhest. Art. Es G'lüeg, G'frcig, G'schrei usw.
ha, mit Schauen, Fragen. Schreien usw. viel Wesens
machen Z. — y) "hne Art. ZU ha, mit der Zeit im
Gedränge sein, Gefahr laufen, zu spät zu kommen;
vgl. Gr. WB. IV 2, 68. Marsch use', s' Zit dass d'
hast [so eilig wie du sein sollstest], oder bim ebige"
Disen und Jene" sdi?o"-di-r d' Bei" ab! Stutz. So und
so viele Jär ha, ein gewisses Alter h. PF. (aus dem
Ital.). Chauf ha, Gelegenheit zu einem Handel, z. B.
auf einem Pferdemarkt S (Joach. 83, 85). Becht ha,
wie nhd. (dazu Hehrecht). Flause" ha, Umstände ma-
chen. Jalxobli, du Schalk, häb nit Flause". Gotth. Acht
ha (auch refl.), sich in A. nehmen; vgl. Bd I 79. Beb
A.! S. In der ä. Spr. häufiger: ,Sehouw, etter Eüede
und heb a. !' NMan. .Heb a., wenn kumm von hof der
hott, dass du 's uns einwegs zeigest an.' Aal 1549.
.Wacht, heb gut a.!' JMurer 1559. ,Wach uf, beb
a. !' Haberer 1562. .Sollt yeder syns briefs heben a.'
JMurer 1575. ,Uf dass man a. hab uf dich, herren
der ganzen erden.' Schmid 1579. Häb (heb) Gidult.
allg. Sorg ha, S. tragen, z. B. zum Feuer, zu Klei-
dern, zu anvertrauten Kindern; auch abs.: vorsichtig
sein, z. B. beim Gehen an gefährlichen Stellen, allg.
Chumfbjer ha, nur mit Verneinung: Heb kei' Gh., sei
unbesorgt! B; Gr; Z. Bueha, Euhe halten. Heb B.!
Gr; L; Z. Syn. heb-di''' Still ! Freud ha, sich freuen;
auch im Imp. : häb o [doch] Fr.! B. Chudermueter
ha, ein Spiel machen, wobei ein Kind die Jlutter vor-
stellt, die andern ungehorsame Kinder Ap. Bed ha,
Eede stehen, sich verantworten S. Allueg got's-mi'''
Nüt n", Hans, entgegnete die Hausmagd stolz, mir
brüchst gar kei"' B. z' ha; wüsst nit, warum. Joach.
1881. Hab ha. .Das schloss war noch nit gar aus.sbauen
und möchtend die raauren nit habhan.' 1533, VTschudi.
Hüs ha. ,Dera questori raten, wie man der statt bass
dann bishar hus han wolle.' 1561, BRatsman.; mehr
bei B. S. noch Ernst Bd I 465; Flitsch ebd. 12.36;
Gleich Bd II 590; Hab ebd. 865; Lib; Miiet; Bed;
Sorg; Weg; Wort. — 8) mit Fräp. Öjipis zur Usred
ha, als Entschuldigung benutzen, vorbringen G; Z.
Zum G'schlecht ha, einen Familiennamen tragen L; Z.
Cliönnet-er nid säge", wie-n-er zum G'schlecht hed?
Syn. was er zum G'schlecht ist. S. noch Bed; Wort.
— h) haben (mit, von'): von Etw. hanlteln, sprechen;
lauten. Mer hei gestert von em g'ha, gesprochen Bs.
All Zitige hei von -im. Gotth. D' Zitig het vo' de"
Stobete" gha. Ap Volksbl. 1833. Im erste Teil het-er
[der Prediger] rom Bitriege" g'ha. Schild. ,Swie die
brief hain.' c. 1400, TnOiess. Stadtr. ,Hat der papst
in synen eignen rechten also: [wie lolgt].' Zwisgli.
— i) prägn. und scheinbar eil. in verschiedenen stehen-
den Verbindungen, a) i. S. eines zu ergänzenden Inf.
mit ,zu-: aa) zu sagen, vorzubringen, zu klagen h.
Was hast? was willst du, oder: was fehlt dir? Was
heit-er, was weit- er '^ Anrede B. Vornehme Leute
wollen von Niedrigeren immer gefragt sein: Was
händ-er ond tvönd-er? was steht zu Diensten? Äp.
Was hät-er au''', dass er nie zue-n-is chunnt? was ist
denn nur der Grund seines Ausbleibens? Hieher viell.
auch: Was gist, was hast? s. Sp. 72. Vgl. Gr. WB.
IV 2, 70. — ßß) zu tragen, leiden h.; vgl. 1 b. Mit
dem [diesem Menschen] han-i"'' Öppis g'ha! schwere
Not gehabt Bs; Z. ,Öppis, vil uf si''' ha, premi onere,
curis. Es ist e bösi Such, wenn me" SO Jar uf im
[sich] het.' Id. B. — ff) zu tun h. Lang an Öppis
ha, zur Vollendung einer Arbeit viel Zeit brauchen;
aber auch: von einem Vorrat lange brauchen Z, im
letztern S. auch einfach: dra" ha". ,An Öppis ha,
sustinere se.' Id. B. Bilte [Beulen], die lang zum
G'>icf!e" heiid, langsam heilen GitPr. Xi'if um ha, keinen
Umweg zu machen h. Z. Wil si so nach derbi tvont
und H(C um 's E(j(j CO" der Gass häd, zu gehen braucht.
UsTERi. .Mattend in die 2 Stund, ehe wir hinaufkom-
men mögen.' 1676, Eeisbeschrybung. E VermiUli"g
ha, als Friedensrichter eine Verhandlung zu leiten
haben Ap. E Taiifi, Lieh, es Höchsig ha, von einem
Pfarrer, die betr. kirchliche Handlung zu verrichten
Ii. Z. Öppis mit Eim ha, verkehren, freundlich oder
feindlich; bes. Streit mit Jmd haben B; U; Z; vgl.
1 d ß. Si hei Näues [Etw.] z'sämme" g'ha BGu. Me"
cha"" Nilt mit-em ha, er ist unzugänglich oder un-
verträglich Bs; Z. Es ist NM g'si" mit-ere z' ha,
man konnte mit der schwer Kranken nicht sprechen
8 (Wyss). — ß) i. S. eines Ptc. Perf. Es ha: a.%) eine
Arbeit zu Ende gebracht h., fertig sein; verschieden
von d e. P'' hä 's, ich bin fertig. Mer viached, bis
wer 's hnnd Z. ,Es h. wollen', von Etw. ablassen kr.
I"' chönni-i vo" der Gallenstadt e Wits ond Bräts no"'
mache", i''' man, i"' wöU's jetz ha für hüt [gut, genug
sein lassen], söss wor [sonst wurde] me' z'letst no"''
lache'. Merz 1836. — ßß) es gewonnen h., den Sieg,
Vorteil h.; vgl. frz. Vemporter. Üsi Bliebe" händ's!
ruft die siegende Partei nach einer Abstimmung L;
vgl. Alls iises! Bd I 1G8. Öuse Muni het's! unser
Zuchtstier hat bei der Viehausstellung den Preis davon
getragen; scherzh. bildl. auch auf einen Parteisieg
angewandt, ebd. B' Wirte hei" 's, sie machen das
beste Geschäft, z. B. an einem Markttage S (Schild). -
, Einen h.', ihn gefangen h., eig. und bildl. Geil. %'''
ha"-di''- g'ha! beim Fangspiel Z, Z»«.« h" " -/<- N./,,/,,,
heb, gefunden, entdeckt habe Z. /■'' hun-i" ,i'lui. /um
Besten gehabt, überlistet L; Zg(St.''|; Syn. iihrr-l:,,ii.
Er hed-mi^'' emöl ka [angeführt], aber er chonnd-mi''''
nomma-n-öber! Ap. Be' han-i''' ! den hab ich gehörig
gezüchtigt Bs. Er hat eil Geld uf de' Lüte", ausge-
liehen Z. B's Nachtmal ha, den Zutritt zum Abend-
mahl erlangt h., admittiert, confirmiert sein B (ver-
schieden von z' Nacht ha unter f ). ,Etw. von Einem
h.'. empfangen h., eine Nachricht oder eine erbliche
Eigenschaft. Er hat 's vom Nächber [gehört]. Er
hat das vu' slm Vater [geerbt] ScuSt. ; Z. , Von Eim
ha, hereditate vel matrimonio consequi, acceptum re-
ferre alicui.' Id. B. — Abs. (eine Erkenntniss od. Ein-
sicht erlangt haben) erkennen, einsehen. ,Wir haben,
dass die kiiid.T C^ft li.l, .i,,,].- ir.e:.. Siml.. Urk.
,Wir haben imim mi. .1,,-. r],y,.u,^ .\:,^ liou,,t der kil-
chcn sye.' li l'i-p. IVJ«, S, i,.,!, IM I -:,, V-l. mirl,
/iesf. — Mit A.lj. ly l'nsl Inul ,i,ui. r,.ll j uvhhlrll |. i.t
mit Passagieren ganz hr<rUi /,. Mil .\>h. Ah In,.
ein Glied: es gebrucli'.Mi hubeii lii, ; /; Kl^hlrr: ;il,-
gelegt, ausgezogen haben .\v; Gl; SrnSt.; IWI',,; /. ,
eine Arbeit: abgetan h. s. Bd I 30. Kin lli-m <</, lia
s. Bd I 537. Ob ha, Speisen: über das l'.'uri -r,rt/.t h.
s. Bd I 50. Ebenso über ha B; Uw; U; Z; vgl. »6t;--
tuen. Uff ha s. Bd I 118 u. Üf ha, als Aufgabe
bekommen haben Bs; Z; vgl. uf-nemmen. S. noch
Bd I 1'20. Um ha, einen Baum umgehauen h.; s. noch
Bd I 227 und das Comp, iim-h., umhin-h. [Bezahlung
empfangen haben ; umgepflügt haben, einen Acker].
A(n)ha, Kleider: angezogen h., tragen, allg. S. noch
das Comp. a(nj-ha. Inn ha, ein Kleidungsstück: ein-
geknöpft, eingenestelt, eingehakt h.; vgl. In-tuen; auch
mit Bez. auf die Knöpfe, Nestel, Haken selbst; das
^falsche) Gebiss: in den Mund gebracht h. ; Früchte:
eingeheimst h. Uss ha: Gegs. zu inn ha; ferner:
(Geld) ausgeliehen h. s. Bd 1 559. Wurzelgewächse:
aus dem Boden geschafft h.; vgl. üs-tuen. Üs ha:
ausgetrunken h. B; Uw;
gefressen h. Gl;GA. : Z
mit einem \V,-li-tiirk 71
ein Glied: auMivi.Miki h.
Sammlung, SrliMlunt' iri'
Bode' üs ha: iil"i- M.-^
Bd 1 553. r«" In,. !■:,
er ausgestoss
schaff, Stella
s. dunh. ,l,n;
a) mit Surli-(
Z; ausgegessen h. Aa; fertig
n trächtigen Kühen G ; Z ;
k /n Knde sein Z (Syn. ab ha);
I !i. 1.1. (in Z us-enand ha); Yer-
ni' in beendigt h. Aa; L; Z; de»
ilN'^ Mass gehen GnPr.; s. noch
Kiji," „•eile' u., verlangen, dass
rdNini;t werde aus einer Gesell-
Z ; vgl. 1 f a. Bur''', dure" ha
— 2) mit unpers. od. sachl. Subj.
S. V. Etw. an sich haben, z.B.
it sirli bi-inL;-rn. z. B. eine Folge.
I 'iin' l-iiijr, l\.i hat Nüt, keinen
■■l^it^'i, > (Srlnld). Mir-a' hät's
lilrirlijultigj, «■«" me" singi Sch
'/</-/ V OS ist Etw. daran Aa; Bs;
I Mn/iii/, es will Etwas heissen
einen \V,.rl. o,lr
Eshit ,/■ Fi„.i.
Grund. Ni.l.i- /
Wal [steht fivi,
(Schwzd.). Es I
B; Z. Es he,l ,
Ap; Z. Bas heig na Opjjis, das werde noch An-
strengung, Überwindung kosten B. Mit beigefügtem
.auf sich'. ,Öppis, vil uf si''' ha, diligentiam requirere.'
Id. B. ,Was das wort erinneren uf im hab.' B Disp.
15'28. ,Uns ist ein brief zuokommen. der eben hitzig
[ist] und vil uf im hat-, pressant und wichtig ist.
1580, Arsor. Mit beigefügtem Pron. refl. (welches
aber vi, ■11, aus alt.ini s,ii als Gen. von es zu erklären
ist). J:- l,i,t-si ,r Fr„,i. ( Meini'g Z. ,Es habe sich
bei d.-u .luuuvu norh s„ inUi-alsbei ihm.' XHerz. 1862.
\"-l. Im;. Wli. 1\' ■_■. iiT. KiiilarliMs ,,- l,af anrli geradezu
-: .r- i;alir Ml/. ,7 ,/ ,n. all-. \-l. Li: W 1: IV '2, 68/9.
Es 1,,'t „n'i' nl Sri,,,,' \U. 's h, i,j l\, ,!,,■■', ,lri- '.s no"' nie
heig irölle-. EFeurek. Mit Ubj. .es'. Es hat 's: a.) es
ist genug, das ist Alles Gl; Sciiw; Uw ; Z. Meistens
als einschränkender Zusatz zu einer vorausgehenden
Einräumung. eiiiLT'.'l.atrt mit: ,und' oder ,aber dann,
damit'.
Ne Si.,
„„
het's-e
S SCHW.
>'
und dermit lief
dienst
BLenk 1
-rllH
bist en
liebe, hi:
— (ihr
,l,h,i, 1,
zugest.
hrn. 0,1,.
r: d
Widers
irechcn /
Es „■„
,/ 's le: <
c,u,
endet.
od. Alles
beis
Es het
'.s, es ist
gesc
P,s
.w,
.■| hoch sind s', de [dann]
•iden] hei d' Sunne a'betet,
das war ihr ganzer Gottes-
l;.s. in der Formel: Bii
"ier: iilh" Respekt ror dir
h. mehr kann i. b dir nicht
. im f-bri-c .1-^ ich dir
1>,',„.
es ist
.IlliMuu |.-.:;:i. IN Ist lulii,-. .V,r -,i, l,r i,i im Reinen.
abgemacht .\.c; li; /, 1>;-' l'.irnul der Ziviltrauung
wird verspottri : .Im Ninn-ai dc^ Gesetzes: So, iez
hät's es." .SmIi.iM m;ni Mr .inuial wieder für ein
Jahr gedungen, sie des bicnstus sicher seien, so wer-
den sie ganz gelassen, und sie dächten, es hätte es
wieder für ein Jahr, ob sie nun etwas mehr oder
weniger arbeiteten.' Gotth. Es ist ausgemacht, fest
beschlossen, i"* gib 's nild und de"" hat 's es, es bleibt
dabei GTa. Es ist gelungen, z. B. mein Lotteriebillet
hat gewonnen B (Zyro). — y) es geschieht (leicht). Es
hat 's Tunders gll, z. B. dass ein Unfall geschieht Z.
- b) mit Acc. P. .Es hat ihn', er ist getroffen, er-
griffen, gefangen, gefallen, besiegt, verloren, tot, bei
Spielen oder im Ernst, körperlich, ökonomisch oder
870
haben (lieben)
880
geistig, allg. (vgl. Gr. WB. IV 2, 03); aiu-li etwa mit
dem niclitssagenden Zusätze; am Bei", Frack, Chrage"
Z. Es hat di''' am Bei", scherzh. Drohung gegenüber
Kindern, die man fangen will Z. Het 's di''' einist?
hat dich deine Verwegenheit einmal zu Fall gebracht?
BE. Wo hat 's di''' g'ha? getroffen Gr. Gang, eh 's
di''' het! ehe die Lust dich ergriffen und überwältigt
hat Bs. Es het-n fast ka, aufgerieben Ap. Es het
mi''' (hertj g'ha, die Krankheit hatte mich stark an-
gegriffen Bs; Z. De" hat 's lang g'ha'. er ist lange
krank gewesen Z. Es häd wider Eine"! sagt man,
wenn das Schlagen an der Turmuhr mit dem Läuten
zstriffH;, weil dann nach dem Volksglauben bald Jmd
sterben muss ZS. Es het mi''' heiss, es gelüstet mich
sehr GT. Es het mi''' schier g'ha, ich wäre der Ver-
suchung beinahe unterlegen Z. Syn. anfechten, an-
kommen. ,Es hat mich Wunder' = es nimmt (schon
mhd.). Es soll Eim au''' näd Wunder ha. JJRütl.
Auch mit Adj., i. S. v. dünken , vorkommen. ,Also
hatte es herren, ritter und knecht uubillich.' 1336/46,
Z Ohr. Ebenso bei Justinger 277. S. noch bei fremd
Bd I 1299 und bei hart. Vgl. Gr. WB. IV 2, 58. —
2. als Hülfszeitw. der Vergangenheit, a) Da das Prät.
Ind. verloren ist und da mit dem Perf. erzählt wird,
so wird das Plusq. eines Vbs durch ,gehabt haben'
umschrieben. Vgl. Gr. WB. IV 2, 76 u. Er het 's ver-
löre" g'ha. allg. Si hei rermulches g'häben, waren mit
Melken fertig geworden BSa. Wa 's hat verlütets g'h..
nachdem das Geläute verklungen war. ebd. ,Wann
Sextus hat gschwigen khan.' HBull. 1533. ,Das herz
hend sie verloren kahn.' 1569, Lied. ,Zuo Brisach
zwei hatt 's g'schlagen g'han.' 1576, Neu.i. Ant. 44, 52.
,Hat auch daselbst schon promoviert g'hebt.' JosMal.
1593. ,Hatt ererbt ghan.' XVI./XVIL, Mise. Tig. —
b) Der Inf. Perf. eines Vbs, der von den Vbn .müssen'
und , wollen' abhängt, steht a) in der gewöhnlichen
temporalen Bed. (wie nhd.), z.B.: Er mucs das 'ta"
ha*, entweder = es liegen objective Gründe vor, welche
ihn als schuldig erscheinen lassen, oder = er soll es
getan haben, die Tat wird ihm zugeschrieben, auch
ohne Grund. !''■ n-ill NU (Nüt) g'seit ha", Ent-
schuldigung nachgesprochener Verleumdung Bs; Z. —
ß) als Verstärkung statt des Präs., i. S. v. durchaus.
Wer FW' het, mues g'rangget ha", muss reiben, pflegt
zu r. D' Liebi mues zangget ha", es ist eine Natur-
notwendigkeit oder regelmässige Erscheinung, dass
Liebende sich zanken (Sprw.). ,Gehabt haben wollen',
durchaus verlangen, s. 1 g. Sonst bei .wollen' nur in
der ä. Spr., nach mhd. Weise: ,Und wollt im sölichs
erwert han.' Vad. , Dieselben wollten graf bansen die
statt Übergen han.' BossH.-Goldschin. — B. = nhd.
halten. ,Hcben, halten, teuere.' Kei>. 1692. 1. mitObj.
1) mit Sachobj. a) von körperlichen Gegenständen,
a) in der Hand halten, oft im Dienst eines Andern,
z.B.: Heb (mir) das Glas! B; G; Z. Si''' de" Buch
hebe (vor Lache") Bs; Z. fDe»; Pflueg (üf-)ha Z.
.Zue der panner gryfen und s}' ufrecht haben.' 1476.
Bs Chr. ,Wer hept [hält] den pflueg, sieht hinder-
sich, dem mag das rych nit werden z' teil.' c. 1520.
Tu Pur. ,Dass wir das fcnster in das rathus zuo den
Einsidlen wellen bezalen, doch dass die mann, die
unsern schilt heben, in wyss und schwarz bekleidet
werden.' 1522, Absch. ,Herr, nun hob den Wagen
selb! Schelb wird sonst all unser Fahrt.' Zwinglis
Lied im Kappeier Krieg und 1656 im Bettbuech für
christenliche Soldaten. .Einer hebt den Pflug, ein
Ander geht nebent mit der Geisel her, inmitten [des
Pfluges] hocket der Spilmann.' Pred. 1601. .Hilf mir
den Pflug haben und hin und wider uf den Schollen
gehn.' ScHiMPFR. 1651. .Tut heben in der Hand ein
langen Stab.' JCWeissenb. 1701. ,In die Höhe heben',
aufwärts richten. ,Die Tiechsel von auf der Gasse
stehenden Wagen sollen in die Höhe gehebt werden.'
Z Ges. 1779. Bildl. : Eim de Chäre" ha, gewogen sein Z.
.Einem den Karch heben, a partibus alicujus -stare.'
Met., Hort. 1692. Ei"'m, enandferj d' Wäg (Z), d'
Stange" (Ap), ds Bögli (Gr) ha, an Kraft oder Wert
gleich stehen, das Gleichgewicht h. Syn. Egi ha
(Bd I 143), d's isen ha (Bd I 537), Bis ha, Figge
bieten, iisbieten können. Nw ünsch [unsere] Berge,
d'i} chömm-me [können ihm, dem Wind] ds Bögli hebe
[Widerstand leisten], dia traid d'r Luft nid ntcegg
GnSchiers (MKuoni). — ß) einen Körperteil oder ein
Gerät an Etw. hin, davon weg usw. h. D' Hand anc,
etceg ha Z. L>o tuet d' Frau gli''' afoh grine, het der
Chopf i"'s Chüssi ine. Hagröschen. Wer's-si''' vill
la" wol si" i" d'r Welt, soll d' Finger da dünne [davon
weg] ha B (MWalden 1884). ,Dass niemants in sym
eigen hus den köpf darf han zum fenster us.' Ecef 1540.
,Sy werfend den kät hinaus und lerend die jungen den
hinderen über das nest hinaus haben.' Vogelb. 1557.
.Was inen [den Krabben] in die scheren gehebt wirt.
fassend und hebend sy so stark, dass du sy dabei bis
auf den tod schleipfst.' Fischb. 1568. ,Manus com-
primere, die knoden oder die händ zuo im haben.
Attcmperare gladiuin jugulo, eim das schwört an hals
haben oder setzen.' Fris. ,Dass sy ir angesicht nebend
sich gehebt, oder dass sy nidsich gesähen.' LLav. 1578.
.Die würm fallend us den zänen in das wasser, so du
dich über ein schüsslen mit wasser hast.' Zo Arzneib.
1588. .Vater, heb nur kein Hand darzue [an die
Augen], will g'sehn. ob ich 's könn dannen tuen [die
Haut vor dem Auge].' GGotth. 1619. Wo d' Söu brüejit
g'si" sl", ii ds Wasser no''' so warms g'sl"; du däichen
i''', i''' well grad profidiere" u hei dri' [die Füsse ins
Bad]. MWalden 1880. - b) von geistigen Tätig-
keiten und Gegenständen, a) in stehender Verbindung
mit gewissen Substantiven. Hüs ha, einen Haushalt
führen; bildl.: verfahren. Wenn er scho" e Söubueb
g'si" slg und schüzlig [abscheulich] Hüs g'ha heig
mit de" Hose". MWalden. ,0b ein mann äne ursach
von sy°^ni ewib gienge und nit mit ir hüshaben wellte.'
1480, L. ,In unser stadt züchen und daselbs hüs-
haben.' ebd. ,Und haftend mir wild hüs und ver-
wüestend mir vil.' 1523, Stockar (anders Bd I 1247
■Jungfrau 2). ,Dass wir uns solcher besetzung des
regiments und hüshabung ön recht nit beladen.' 1529,
Absch. ,Hüebend sy [die katholischen Orte] hüs, dar-
nach sy hofftind zue geniessen [mögen sie nach ihrer
Einsicht verfahren], nun [nur] dass sy uns ungeirrt lies-
sind.' 1532, Strickl. ,Wcnn die eitern befindend, dass
ir tochter einem biderraann hüshaben kann und mag.'
HBnLL. 1540. ,Dass die Altvordern die Tagleistungen
angenommen haben, um mit einander einhellig hüs-
zehan.' 1546, Absch. .MHerren. so iren wald gern
hüshettind [denselben schonen möchten].' XVL, Hotz.
Schwam. ,Fürwahr ein solche G'stalt es hat, dass
.sie dermassen heben Haus, dass ihr Sach gar bald
dörft sein aus.' Myricaüs 1680. S. noch bei unfromm
Bd I 1295; Gäi( Bd II 38. (De"J Fride" ha. Heit
881
haben (lieben)
dach de" Fr. ! mahnt der Bauer seiue zankenden Dienst-
leuto. JoAOH. 1881 ; s. noch bei Friden Bd I 127()/7.
Sitnntig ha, den Sonntag geniessen, bes. in behag-
licher Weise. Hand no'''' (e chll) guete" S.! Abschieds-
gruss Z. Firabend ha, in eig. u. übertr. S. Heit jetz
Füröbe do inne! Bauerkkäl. 1887. Vgl. Bd 1 36. Häh
Gott ror Äugn ond 's Brod im Sack ond de' Choch vor
em Ofeloch! Ap. i'* ha 's hinder-mir, halte es [irgend
ein (jut] in meiner Verwahrung B (Zyro). Fr hat Jce
Wort Z. Einen Vertrag, Kauf, eine Wette hebe, sie
halten; meist mit Verschweigung des Übj. Z f- ,Es
hat ufrecht und redlich g'gulten ; wann ich 's verloren
hätt, müsst ich auch heben.' Schimppr. 1651. ,l>ass
die reben in eren werden gehaben.' 1315, Z Urk. ..Sn
binde ich mich stete ze haben, swas vorgeschriben
ist.- 1315, Z Urk. ,Eineii Eid haben.' 1350, Urk. ,Ein
andächtig amt der mueter gottes halten und haben.'
1474, Bs Chr. .Wurde im [dem Obmann des Schieds-
gericht.s] bedanks oder rathabens not.' 1513, Abscu.
,Uf nechst gehabnen tag zue Frowenfeld.' Zwinöli.
,Wenn das geschieht, so sollen die yyiitaljjileger den
Kauf haben, wie er abgeredet und gcsilirli.Mi ist.- IM:'.,
Absch. .[Der Pfleger] unternehme sclli^t (i.'}i( Im iiinl
Recht in der Pfarrei zu haben.' ITilt;. Aksch. .l.li
will in han [den Vortrunk erwidern, ,ich komme nach'] ;
lieb ist der wyn, lieber der mann.' JMurer 1559. —
ß) mit unbest. Obj. ,es'. aa) Es Eim ha", das Gleich-
gewicht oder Obergewicht halten, Stand h. Vgl. a a.
Bildl. : Es het der 's, du bist zu schwach dazu B {Zyro)
= Id. B: ,Impar es, vires tibi desunt.' Er het-mu 's nid
z' niäje", z' arbeite", z' rede', er tut es ihm im Mähen,
Arbeiten, Eeden nicht gleich BHk. ; Syn. er ma^-mu
nid zuehi. — ßß) Es mit Ei"m ha, zu dessen Partei
halten, dessen Ansicht beistimmen, ihm anhangen Bs;
B; Z; zuweilen schwer zu unterscheiden von A d y.
z.B.: Si händ's mit enand, sind befreundet Z. Vgl.
Gr. WB. IV 2, 50. Auch von Sachen: I''' hä 's mit dem
Kafi, ich ziehe den K. vor Z. Es het 's nit mit-mer,
das Kleidungsstück passt mir nicht Bs (Becker). ,Ja,
wenn du also den glouben für den ganzen Inhalt
des bunds nemmen willt, so will [ich] 's mit dir h.'
ZwiNOLi. ,Als myn herr predicant spricht, ich hab 's
mit im, nit allein mit im, sonders mit dem wort
Gottes.' B Disp. 15'28. .Er soll's ouch dapfer mit
im han.' NMix. .Hätts die wirtin nit mit uns g'han,
unsers beins war nit kon darvon.' PiSchmid 1579.
.So ihr 's mit uusern feinden hend.' GGotth. 1599.
,Von dem Krieg wider den Kaiser abzustän, und
dass er 's mit dem Kaiser haben sollt.' ECys. ,Mit
dem stimm ich, und 's mit ihm hab.' GGotth. 1619. ,Du,
Stein, nun lass dich hauen gern, der Kaiser hat's mit
der Statt Bern.' Myricaus 1630. ,Dass seie [sie] mit
ihnen wollten haben.' Zurgilgen 1656. — 2) mit Pers.-
(•bj. a) äusseres. Es Chind ha, auf dem Arm tragen,
warten, pflegen Ap; Z; Gegs.: es sich selbst überlassen
(verschieden von A 1, 1 f). Chumm, Buebli , i"''
u-ill-dir'' ,t Bit: hübe", tragen PSs. (in Z ha, auf die
Arme nehmen, hebe", mit der Hand festhalten, sichern).
,Huob si in getangnus.' 1336/46, Z Chr. ,Wer sein
Kind liebt, under Euot und Straf es heb.' Com. Beati.
— b) inneres, refl. Sich ha, sich stellen, geberden.
Gotth. Sich hebe, einen körperlichen Schmerz em-
pHndcn, mit entsprechender Geberde. Wo hebt-er-si'''?
Z ; häutiger aber ge-, be-haben, -heben; vgl. Gr. WB.
IV '2, 53 f. Sich streng ha, angestrengt arbeiten, bes.
Schweiz. Idiotikou II.
im Irnji. mit Neg. als Abschiedsgruss: Hend-idi nid
z' Str., sind nid z' flissig, machet bald Firobig L;
Scnw; Z. Sich still ha, sich ruhig (vcr)halten. Häb-
di''' St.! B; Z. jAgar, heb dich des verwegen [halte
dich darauf gefasst] nun, ir müessend mit einandren
drus |;iiis di-iii Il.iiise].- Haberek 1562. Er hät-mu
schich hhh iliiiil iiiniirr :rr Situn g'häbet W. ,Sich
zu lUu. /<lii\^iii'/ li.-, Ilris.sig an einer Arbeit sein,
um rechtzeitig fertig zu werden. Ja, hinecht muess
de'' Bock no''' fertig g'macht werde"; mir müessen-is
nn'''' d'rztie ha, Elise. MWalden 1S84. Hür tnunss-mr}'
srhi iiär iiHcl d'r:ii'< ha. vil ili liüh^fh., Tnqa sa rar
s,inl'r.n<r\Hrv~ iSrh«zd.i, Kr hrl-.-, Inll ,!,r:,ie' y'hu,
lir ■:...■!. turllli^- ZU-v-liir,.,, V.M. | S,-|l NV zd.). Für
so-iies jKiujs sc( CS b'.-iuiii/ci-bar es jlissiiics ii"'' heig-si''''
zur Sach [zur Arbeit]. Gotth. ,Si halle" zite Öppis,
applicare se.' Id. B. Hihid-ech (hebct-crh) a" de" warme"
Spise", scherzh. für: seilt zu, wie ilir euch aus der
Pat.sche zieliet Aa. l'' h,t-mr'' ,oi <tir. Ii;iltr i.iirl, an
dich als Bürgen B; Z. /■'' hw-im'' n- ,h,„ W'nrt.
verlasse mich auf d. W. 1! (Z.yro). .Dir kiiid kh'btent
der mueter :in, die nmcter hueb sich an den mann
Ibriiii Hercinhreclieii der Sündflut].' HvRüte 1546.
.Er hat nacligehissen auf (jutt zue vertrauen, will sich
fürhiu an Elia heben.- FWvss li;.".(i. Du cha"st-di'''
dernä''' ha, danach richten tiG. .Soll er [der Wirt]
sich darnach han [darauf einrichten], dass er syne
gest Übernacht behalten und leggen mög.' Z Mand.
1530. ,Vergiss auch nit, dass man anzeig, dass sich
der wirt nach gesten heig.' JMurer 1560. ,Si'''' dervo"
ha, amovere se.' Id. B. Heb [nimm]-;//''' wol in Acht !
Baüerngespr. ,So wollent wir uns darinn haben [in
den drohenden Händeln verluiltenl in uiassen. wir
getruwen, uns unverwisrnlidi svii solle.' 1474, Bs
Chr. II 95 Anni. 1. — :;i mit l'.i ..-' od. Sach-Obj.: wert
halten, schätzen, ally. Li lu:l Chiiid und Chile glich
hoch Gl. a) viel oder wenig auf Einem, auf Etw. h.;
,raagni vel parvi facere.' Id. B.; Z. Nöut dröuf ha,
missbilligen UwE. Si händ vil uf enand, de' Hans
und d' Vre. !'''• hä Ni'it iif-cw Sjieck, ich esse den
Sp. nicht gern Z. Fr Im nl uf rede", er spricht
gern B. S. noch bei (-..///,/ VA I 7-:.; (Mit Sp. 286. Mit
zugesetztem Dat. P.: Kiucni i:t\\. (hocli) anrechnen.
Me" het im nid vil druf, niiuint i-^ )liiii nVA Sc-HSt.; Z.
,Von dir ist es auch nicht lnavs; dn tatest sonst
deinen Meien ab dem Hut. Ich h.ihr dir aber Nichts
darauf.' Gotth. ,Denen [Söhnen] ihre Alten [Eltern]
Nichts darauf hätten, wenn .sie nicht alle halben Jahre
eine Ausmacheten [Streithandel, Schlägerei] hätten.'
ebd. ,Er hat vil auf dem Herrn gehebt.' 1531/48,
Psalm. ,Ä, trachtend, was es mit im bring [was es
für Folgen habe], wenn ir gar nüt habend uf Gott.'
Ruef 1.540. ,"\\'" [wL-iin] wir diss volk so möchtiud
zwingen, dass (iutt iiüt lutt uf Iren dingen.' ebd. 1550.
,Was sollt man lian ul .innii Gott, der syn volk macht
zue schand und s|hitt y- .I.Mcrer 1559. ,Parcus et con-
tinens, der wcdoi- auf u-rlt noch woUust hat, behuot-
sam.' Fris. ,G"ttl"sc la-iil, die auf den Mittlen, so
von Gott verordnet sein. Nichts haben und dieselben
verachten.' JRLandenb. 1608. ,Doch so hat die Priester-
schaft nit vil auf ihnen [den Goisslern], meinten, sie
trieben Gleissnerei.' JJBreit. 16'29. — b) ,h. für'.
,Für Oppis Ica, dignari, magni facere.' Id. B. a) mit
Acc. P. Eine" für Öppis ha, hochschätzen, achtungs-
voll behandeln GG.; Z. F'' han-en fi'tr en Erema""
halten (heben)
884
ÜR. r'' hmi-e" 7iid für erlich. allg. S. noch bei Holz;
Karr. Etwas verschieden: Eine" der für ha, Einem
die Ehre antun, ihn ura Etw. anzusprechen, oder ihm
dafür Dank schuldig werden wollen. I hätt-em 's
gern ta', wenn er mi"'' hält möge' derfür ha (wenn er
nicht zu stolz gewesen wäre). !<•'' möcht-en nid derfür
ha, auch bisweilen: ich möchte es ihm nicht zumuten,
mir Dieses oder Jenes zu geben Aa; B; L; G; S; Z.
,Die will ich niclit, lieber will ich sterben. He, sagte
Mädi, liiih-iiir'' ,rrf'iir. ii"' luen de"", was i''' im Stang
bi", für dr'' :' lue".- GoTTH. I"'' ha mi''' niid derfür
welle ha z' rede", mich nicht dazu hergeben wollen B.
Es het sich Mänge'' nit derfür, sich mit eme Füf-
frankier gege" Husbettel ga, !■■* möcht säge", z' ver-
assekuriere' B (Bari 188G). ,Ich hab weder die christ-
gläubigen noch mich dafür, dass ir gloub so schwach
sye.' ZwiNGLi. ,Ir send uns darfür ganz nit han,
dass wir syen söliche mann.' SBirk 1532. ,Hast du
uns darfur, dass wir sygind so unTerschamt' Ruef
1540. ,Man hat in für hochfertig.' JJud 1574. ,Ein
teil wend dich Messiam han, der ander teil will anders
dran.' Aal 1549 [ohne die Präp., nach lat. Art]. ,Und
ist ze verwunderen, ob er doch g'meine Eidgnosseu
für so grobs Verstands habe.' 1551, HBüll. ,Etlich
sind, die disen [Geier] für den grossen habend.' Vogelb.
1557. ,Ich hatt mich selb für ein g'leert mann, das
aber kann ich nit verstau.' JMdrer 1559. ,Wer Gott
nit vertruwt, in [nit] darfür hat, dass er sei gwüss.'
Häberer 1562. — ß) mit Acc. S. Ich ha das für alt,
sehe das für alt an Z. Er mues es für Öppis ha,
er muss es als eine besondere Gefälligkeit, eine
Ehre ansehen, halten. Ei- hat 's für Nüt, er sehätzt
es für Nichts Z. I"' ha 's für Öppis, ich lege der
Sache einen Wert bei B; Z. .Wie kannst nun brot für
fleisch haben?' UEckst. ,Wenn Gott die Straf schickt,
hatten sy es für Nichts, brummletend wider Gott.'
Fasn.-Pred. 1601. .Verlachet und für gedieht g'heht.'
LLäv. 1569; dafür .gehalten.' 1670. — f) mit unbest.
,es' oder ohne Obj.: dafür halten, eine Meinung haben
und aussprechen. J"'' ha ('s) derfür, ich sehe die Sache
so an, ich meine B; Z. ,Wir hotten hand's darfür,
der herr hab im söliche red befolen.' 1521, Strickl.
,Wäre der houptmann nit herus kommen, so hab ich
darfür, sy heften in geschlagen.' 1521, ebd. Ebenso
bei ZwiNGLi (1, 93). ,Hab's darfür!' (formelhaft) =
.glaub "s nur.' Ruep 1550. ,Von Eim ha, Judicium
ferre de alqo.' Id. B, wie nhd. — 4) mit Adj. als
Appos. Das hebt warm Gr; Z. Nid lang warm hebn",
auch bildl. = keine lange Freude bereiten Gr. .Dass
er [der Patient] sich warm heige.' XVII., B Arzneib.
, Einen guet h.', in guter Gesinnung, Stimmung (er-)
halten Z. — 5) festhalten, a) Menschen oder Tiere
im Zaum h., im Lauf aufhalten. Er hät-mi''' g'hahe"
ScuSchl. Hättsch-es g'hebt, so war 's nit vertloffe", ent-
laufen Aa; Z. Händ-e' UwE.; Z, heit-e BsL.; B; S,
hebed-e! Ap; G; Z ruft man, im Ernst oder Scherz,
hinter einem Flüchtling her. Gang [steig] ab und
häb d's Boss! Gotth. Von einem grossen Hund: De*"
mag Ein(e") hebe, wenn er uf Ein ztte chunnt! Bs. Er
ist nid z' ha, im Hause zu behalten Bs ; Z (vgl. aber
auch A 1, 1 f). Si''' nit hebe" lö°, zurückhalten lassen
Bs; Z. Häb's Büsi! Umdeutung von: ,excusez!' Aa.
,Doch sage ich es nicht, um dich an deinem Wort zu
heben', festhalten, behaften. Hebel. ,Wer syn [des
rbeltäters] gewär wirt, der soll zueschryen armen
und rychen, unz dass er gehebt werd in dem gericht.'
XIV., G Stadtbuch. ,Wä ein burger den andern er-
sticht, dass den yedermann haben (heben) soll.' 1327,
ScH Stdtb. ,Die zween gsellen heigen sy darzue g'han.'
1511, Z Staatsarch. ,Uf sölichs legt N. N. die band
an das schwert und wurde doch durch die, so darby
stuonden, gehept und gehalten.' 1532, Absch. ,Er
stach den Bären, als er sein gross Maul auftät, mit
seinem Spiess hinein und hebt ihn also, bis man ihm
zu Hülfe kam.' ZWthur 1532. ,Dyn liebliche gstalt
hept mich so streng mit gwalt, dass mir kein andre
gfallt.' Aal 1549. ,Üch lang zue heben [aufzuhalten]
hat nit fueg.' Fpkkelin 1553. ,So sy [die Fledermäuse]
im luft hangend, habend sy die jungen mit iren
klawen.' Vogelb. 1557. ,Lueg, heb das tier wol in
der band, gang im nit z' nach, dich vor im goum und
heb das wol by synem zoum, dass es in dir doch nit
entzück und dir entrünne.' Haberer 1562. ,Er tuet,
als wann er sich selb erstechen wollt, hebt man in.'
Holzwart 1571. ,Ihr Buchen, tuend die Hund wol
han.' MvRicius 1630. .Welcher über den Andern
trunge. dass man ihn heben müesste, der soll die Trö-
stung gebrochen haben.' GrD. LB. 1646. Aufrecht h.,
unterstützen (auch bildl.). Heb-mi''', dass i"* nid
falle! Z. Er hät-mi''' g'habe" ScaSchl. Es schint, du
heilst de" Barth khäbef, ihm geholfen, seine Partei
ergriffen Ap (Bürger- und Bauernfr. 1825). , Retine
me, obsecro, lieber halt oder heb mich, dass ich nit
fall.' Fris.; Mal. ,Reck mir her die Achslen dein,
darmit ich mich drauf heb und steur.' GGotth. 1599.
,Gott erbarm sich unser! dass wir fallen müssen über
den Stecken, an dem wir uns heben und gehen sollten.'
JMüLL. 1665. S. noch bei üs-gn Sp. '24 (Sch Stdtb.).
— b) Gegenstände, Sachen. Häb's! UwE. Was me"
nit i" Hände" het, cha"" me" nid hebe". Sprww. 1869.
.Was man nicht mehr heben kann, muss man laufen
lassen.' Sprw. bei den Waisern im Vorarlberg. Wer
de" Pfenni(g) niid hebet, chonnd nüd zum ßuldi" Ap.
Die Stunde, wo [die] me" so gern macht heben, sl" am
allcrgscMvindsfe vorbei. Breitenst. Es ist gäng (alliwilj
Öjipis, dass (wo) der Himmel heb(e)t, die Zustände hie-
nieden bleiben stets unvollkommen, denn es ist so
eingerichtet, dass der H. nicht zu uns herniedersteigt;
auch bei nebensächlichen Hindernissen gesagt oder
ohne tiefern Sinn und dann etwa mit dem trivialen
Zusätze: sust g'hiti er aha [würde er herunter stürzen]
BO. ; Z. ,Driw [Treue] ist ein gast, wem sy wirt, der
heb sy fast.' 1507, Z Inschr. — c) refl. (allg.). Er
hät-si''' amene" Baum. Heb-di''- a" s&bem Ast! !''<
han-mi''' an im g'hebt, sonst wär-i g' falle. Spreng.
jHäbdi'''! scholl es von unten herauf; die mächtigen
Rosse jagten iin Trabe, die Heraufgeber sprangen
nach, warfen mitten im Laufe Gabeln voll Heu auf
den Wagen.' Gotth. Heit-ech [auf dem Wagen], 's got
der Stutz [Abhang] ab! Joach. 1883. Oft nur scherzh.
wenn Einer ausgleitet: häb-di am Ätti! L, am Gras!
GBern., am Bade" ! Z ; Fritzli Häbdi, fingierter Per-
sonenn. bei Gotth. Iron. sogar zu leblosen Dingen
gesprochen, welche zu fallen drohen Gl; Z. Wenn
die Näherin weite, flüchtige Stiche macht, soll sie zu
ihnen sagen: Hebed-i, es sind ewe"" wenig Z. .Man
soll dem schwachen syneu stab, daran er sich hebt,
nit US der band ryssen ... So aber ein schwacher
sich hebt an ein ror...' Zwingli. .Kräwel, damit [die
Fledermaus] sich an den mauren und wänden heben
885
haben (lieben)
k;uin.' VoGELB. lä.iT. — d) mit uiibest. Obj. ,es', z. T.
auch mit unbest. Subj. Es liet 's, hält fest, Stand,
tut den Dienst B (versch. von A 1, 2 a a, dagegen
gleichbed. mit B 2 c ohne Obj. ,es-). Es Chötteli [kleine
Kette] lief 's oh, tut den Dienst auch. Es hed 's nümme"
lang, 's het 's Alls, so lang es ma'. Sprw. 's Iseh,
's Brett udgl. het 's, ist stark genug, wird nicht brechen.
D's Wetter häd 's nid, hat keine Dauer, Beständigkeit.
Da Misch e" grobe" Stecke", dr sott 's ha! Mier hei'
üs d'ra' g" wannet [gewöhnt]; het'safi lang ^so g'ha,
wird 's uol öppe" länger' fso han. ,Er wolle gleich
recht viel zusammen machen lassen, es hätt's dann
eine gute Weil.' Gottb. Wenn si 's numme' hei", bis
si-m'r US de" Fingere' si", sagt der gewissenlose Flick-
schuster. Als ein Baumeister von Bern den Tempel
Salomo's ein elend Bauwerk nannte, sagte ein Pfarrer:
Er het 's emmel g'ha! N. B Kai. 1841. — 6) zurück, fest-
halten ; Syn. vei--li. D' t'r hebe, retarder ScnSt.; Gegs.
nahe' lä". Heb d's Mal, d' Gosche' G; Z. Er hat 's
numme' vtüge" g'hebe, da hat er aber usjxickt und g'sät
gad was-fjui i's Mal ko" ist GBern. .Gesungen hätten
sie [im Wirtshause], es heig's duecht, d' Wäng sötte" 's
nit ha.' Gotth. Heit numme ke Chummer [beruhigt
die Mitfahrende, in deren Rocktasche eine Flasche
sich entkorkt hat. ihre Nachbarin], der Sack het 's.
MWalden 1880. ,Hab dyn mul zue und lass vom
bochen.' Euef 1540. ,So ycmants das wasser nit wol
heben kann, als die bettseicher.' Tierb. 1563. Kefl.: ,Er
kann sich nicht heben', kann sich (vor Hitze od. Zorn)
nicht fassen Sch; Syn. be-h. Unpers. : Es hebt-mi"'',
vom Lähmungszustand GaPr. Es hebet-e', er ist nach
Etw. ausserordentlich begierig, kann aber nicht dazu
kommen Gl (Schuler). — 7) behalten. So heb dln
Setzchopf! beharre auf deinem Eigensinn. Stutz. Wenn
d' doch Ntld wi"t tue" für 's Za'u-e [kein Mittel da-
gegen anwenden], so heb 's! Z. J'* hä's bl-mer selber,
ich behalte es bei mir, ich verschweige es G; Z.
A. Chiimm, tue-mer Bscheid! B. Nei, heb nW ror-di^r,
/''' will-aic'' [eignen Wein] lö' cho". Stütz. , Heben' =
festhalten, nicht losschlagen; geizig sein Sch (Kirchh.);
vgl. hthig. Es ist besser g'ge' [gegeben, geschenkt
oder verkauft] und g'rouen [gereut] als g'ha und
g'rouen L; ScH; Z. ,So sollen die Vorgesetzten einen
solchen [Lehrer], obgleich einige ihn heben wollten,
Verstössen mögen.' 1737, ArHeid. Schulordn. — 8) ab-
halten. ,Eine" derro' ha, distrahere.' Id. B. ,Ir band
ein wolgebuwen rathus, das wol vernuetet ist; dan-
noclit hebt es den luft so wol nit' Vad. — 9) h. zu:
anhalten, z.B.: D' ChindCer) zum Verdiene' [zur Arbeit]
ha B; Z. ,Zue Öppis ha, obligare, obstringere.' Id. B.
,Wer den [Frieden] nit hielt mit eide, dem müesst es
werden leide, man wollt in [ihn] darzue han.' B Lied
1536. Mit Umschreibung der Bestimmung: ,N. N.
truog ein brief dem ammann, dass er die 60 hott [zur
Gebühr anhielte] von des sweris [Beschwörens des
Landrechtes] wegen.' 1408, G Seckelamtsb. — 10) ent-
halten, fassen, von Hohlmassen GrD. ; Z; Syn. tuen.
Das G'sehirr het .'> Masse" W. Das Fas" hed ö Soim
Uw. Eso ne runde Löffel hebt e' Deziliter. Hilar.
1888. — 11) refl.: sich verhalten. ,Es zwyflet mir
gar nit daran, die sach, die werd sich also han.' Fun-
KELiN 1553. ,Die sach sich also hatt.' Haberer 1562.
— 2. ohne Obj. a) Stand h. (einer Belagerung). ,Die
fründ zue Nüsse werden hertiglich genötiget. Sy haben
noch fast, als erbar, fromm lüte. die sich nun 16 Wo-
chen lang gewert hand.' 1474, Bs Chr. ,Die Statt
gwann er bald; das Schloss huob ein WyL ergab sich
aber auch.' Eüeg. 1606. — b) still h. a) von einer
Bewegung ablassen. Haltmachen, an-, einhalten. ,Hcb!
beiten. losen, wir wend ouch luogen, was sy machen.'
HvRüTE 1532. In einer Disputation: ,Do sprach L. :
Heb! ich will formaliter procedieren.' Zwingli. Mit
beigefügtem Adj. (Adv., Interj.): 0 heben, im Fahren
anhalten Gl. Hab 6 ! Heb 6 ! Z. BiUl: 's liebt e chli
öha, es lässt ein wenig nach AaHI.; s. noch Imf!
Still h., in einem Tun (Laufen, Fahren, Reden) inne
h., ruhig bleiben, allg. .Herr Collatin, nun hebend
still', haltet ein mit Reden. HBdll. 1533. Herodes
zu seinem Diener: ,Heb still, ich weiss der sach nach-
z'gon.' FcKKELix 15-53. ,FriEnum mordere, widerstreben
und nit wollen still haben.' Fris. — ß) ruhig leidend
herhalten, zum Tun eines Andern Aa; Z; Syn. anne"
ha. Er tnos [muss] heb,f, ist Gegenstand der Ver-
folgung, oder: muss Etwas an sich kommen lassen,
z. B. Vaterschaft eines Kindes, Bürgschaft Ar. Zu-
weilen geradezu = sterben, auch von Tieren Z. Syn.
dran glauben müessen. Es ist eso ehalt gsi, i hä fast
müesse' hebe" Z (Spillra.). ,Heb still, du narr und
grosser gouch, muost sterben mit den wysen ouch ! '
NMan. ,Moleste ferunt obj urgare, sy habend ungern
still, wenn sy . . .' Fris. — c) festhalten, a) von Per-
sonen. .Wenn die Mähre in einen Trott verfiel, schrie
[die Mitfahrende] Anne Bäbi alsobald auf: Herr Jener,
häb, hüb, lue^ doch, si wott ga!' Gotth. Heb guet!
halte recht fest! B; Z. Häb, lass nit (lo) gö! L. Mit
bede" Hände" g'hebet dra'. Stütz. Es ist e schd"s Hebe
mit bede Hände GBern. ,Als der Meister mit dem
Bilde [welches auf das Frontispicium der Kirche ge-
pflanzt werden sollte] schon hoch auf der Leiter stand,
erfolgte das Erdbeben; da schrie der Mann ängstlich:
Herrgott heb! heb! i'* trill rt«"' hebe".' Kvd 1860. Es
ist (gät), wie wenn Eine heidi mul ihr Ander nüd
wett ga" la", oder wie wenn Sih," h,hii,l mul der Acht
nüd gä' liessi, wie wenn Drei lu'l,li,l uml Ki'iiie'' wett
gä' lä" Z ; er schafft, wie wenn 7 hebtid usw. Sch, die
Arbeit geht nicht von Statten. ,Er müge gan alder
ryten an heben und an füeren.' 14.32, Zg. ,Da muess
die weltlich hand fest heben, dass Christus ufrecht
blyb.' Zwingli. ,A1so dass einer möge an heben und
füeren und äne stecken für das hus gan.' 1480, L.
.Tun [tue] hernach die Sälbhäft [des Heftpflasters]
auf den Haft, so hilft sie auch wol heben.' Würz 1634.
Ä(" und lä" (nachgeben, nachlassen). Me" muess gäng
e chlei ha und gäng e chlei lä" (gä"), d. h. Beides am
rechten Ort und mit Mass, Forderung der Lebens-
weisheit; z. B. sparsam sein, ohne geizig zu werden
BS.; S. Syn. vor und nach geben. Me" muess wüsse"
z' heben und z' lö". Sulger. ,Man muss im Handel
heben und lassen können.' ünsichtb. 1793. , Warin
und an was orten einer statt zue han und lan wäre.'
ThFrickart 1470. ,Nabal könnt weder haben nach
lassen, er gab on zwyfel us, da es nit notwendig was.
dargegen was er karg, da er ein railte, frygebe band
sollt ghept haben.' LLav. 1584. ,Ein verständig wyb.
die sich der hushaltung verstat, die haben und lassen
kann, wie man sagt.' ebd. In anderm S. beim Kaiser-
spiel: Wemmer ha oder la? das Spiel aufnehmen, bzw.
fahren lassen; vgl. .passen'. Dra" ha" müese", sich
in eine widrige Lage fügen, ergeben m.; die Folgen
einer unbedachten Handlung tragen m. .\i'; Gi,; '/,:
887
haben (lieben)
Syn. täiie'. Si hat ere [sich] nie Sorg g'ha, bis si
chrnnk worden ist, res mues si dra ha Z. Er mues
sire Lehtig [sein Leben lang] drä ha Z. Sich an Etw.
genügen lassen, damit auszureichen suchen Ap; ä.
— P) von Körpern: fest sein; haften; zshalten. Heb-
chleb! zur Not B; Z. Heb, chleb! läng Stich, heit
enand! BBurgd.; s. 5 c. .Während der Pachtzeit das
Material nur in dringlichsten Fällen unterhalten,
sonst aber gar nicht oder nur von der Hand in den
Mund, höh. chleb!' B Streiflichter 1869, Auch: Htib
di'*- chleb di"''! BGerz. 's wur* kein Tropfe" Wasser
uf im obe' hebe", von einem fetten Stück Vieh. Sdlcer.
Der Lade' het (hebt), das Brett hält fest B; Z. D's
Isch [Eis] hat nit, trägt nicht W. Die Tafele hed
nid, das Gemälde hängt nicht fest Uw; ebenso von
einem Tisch, der wackelt. Die Schnuer ist z' schwach,
si hebet nid; die Nät hebet nid; de Zapfe' hebet fest Z.
,Der Meerschaumdeckel, der nicht mehr ghebt hat.'
UsTERi. Schi [sie. die Krystalle] hebend wie der Tügger,
wenn man sie von ihrer Fundstelle lösen will OnPr.
Hebe', ganz bleiben, nicht zerfallen, von Äpfeln beim
Kochen GRHe. ,An enandere ha, junctum esse.' Id. B.
.Trinken, bis man Angst hat, d' Hut heig nimme
[berste, platze],' Gotth. ,Wann die Binden [Pflaster-
streifen beim Verband eines Beinbruches] recht ge-
schnitten sind, so heben sie.' Würz 163-1. Übertr.
auf Geistiges: Geht dann enanderena''' zum Pfarrer
M"«* g^t d's Hochzit a"; leenn 's denn einmal angegeben
ist, so wird 's de"' wol hay. Gotth. ,Ein rechter Schrei-
ber werde es [ein Schriftstück] schon machen, dass
es hätte.' ebd. Es will käs Miieme' me' hebe'. Usteri.
,Laut alter Sage soll der selige Bruder Klaus zu
Schwyz auf der Haggenegg gesagt haben: Schwyz.
heb, heb, heb!' LKInderbitzi 1831, Sprichwörtlich:
Das hed, wie d'r lutherisch Glaube, das hält fest, Be-
kräftigungsformel L. 's hebt nit, wenn-mc die drei
Schlösser von Aarau dra' tat, Wortspiel. Sprww. 1824.
Was men am Sunntig macht, das hebt nüd. ebd. Zwei
Mal püezt [genäht] hdd gtiet, es ist sicherer, doppelte
Vorsorge zu treifen Z. Heb guet und war lang! sagt
im Scherze der Handwerker, wenn er Etw, befestigt
hat Z, oder sagt man in Bez. auf angenehme Ver-
hältnisse, denen man Dauer wünscht G. Dauerhaft
sein, aus-, anhalten. Von Kleiderstoffen B; W; Z,
Selb ist kei" guet Zug, 's hebt nid lang AAZein. D' Öpfel
hebe'd hür nid, faulen bald Z. Es hat no"'' lang
g'hebet, von einem Vorrate, der länger ausreichte, als
man erwarten durfte Z. Es macht [regnet] dick und
chlei', dass ['s] lang hei [für lange ausreiche], von
einem Staubregen. Sulger. Vom Wetter: 's Wetter
het oder hebt (nümme" lang) Aa; Ar; G; S; Z. Der
erst Sehne hebet nüd Z. De' Nebel hebt Z. ,Den
3. Jenner schneite es, hebte aber nicht' 1781, ZZoll.
Tageb. Übertr. auf Menschen : Er hebet nümme" lang,
von einem Kranken, der bald sterben wird GG.; Z.
Freiji Gest hebe" nit lang BsBirs. S. noch bei isin
BdI547. — d) zurückhalten, hindern; unpers. : fehlen.
Wo het 's (hebt's)? Aa; B; S; Z. Es hebed neb^', es
ist irgendwo ein Hinderniss. Wo hebed 's? wo fehlt
es, z, B, dem Kranken Ap; Z. Es hebet mir im Bei"
GF. Wo hebt's, dass d' i^so lang niit cho' bist? dass 's
nüd will brenne" im Ofe"? Z. Mir händ zun Weber-
stüele" gar kei' Platz, wenn 's nw dö nüd hebe wor
[würde]! Stütz. Arne [an einem] Morged ist d' Müh
uf efmal g' stände'; der Müller .steid uf gn" luege'.
im [wo] 's liebi Gr (Schwzd.). 's het numme" an dir
g'hebt, sunst war die Sach g'rote'. Spreng. .Endlich
sagte der Doktor: Lue'', Frau, ich weiss noch nicht,
wo es hat, ich sollte ihn sehen.' Gotth. Es wird
hebe" [schwer halten], bis er zu Öppis chunnt .AAZein.;
Syn. Harz, Mus ha"; es mues wellen. ,Er sprach:
Wo hebts, ihr EidsgenossenV wollte hiemit vom Pferd
fallen, aber er ward abgemahnt.' 1586, D Zwinger. —
e) mit Präp. od. Adv. 1) ,an sich h.' a) beim Rudern.
Häb an di'''! B (Zyro). — ß) sich zsnehmen. Heb
an di''' und icer-di''' guet! B (Gotth.). ,Nach welchem
Spruch der abt das selb jar an sich hueb', sich zurück-
hielt, keine weitern Ansprüche erhob. Vad. — '2) ,zu
Einem h.', zu dessen Partei stehen, ihm helfen (wie
nhd.). Wenn 's Züseli zue-mer hebet, so muess er
no''''-ge". Fam.-Kai. 1886. ,Ha an Ei"m: fidem ha-
bere.' Id. B. — 3) ,mit h.', Teil nehmen, z. B. am Essen
Aa; B; Z (wie nhd.). — 4) ,derhinder h., geheime
.Absichten haben.' Id. B. — 5) ,drob h., legibus stare.'
Id. B. — 6) (Ei"'mJ grad häba, (Einen) im Singen
begleiten, sekundieren, indem man den Grundton fest-
hält, z. B. beim ,Ruggussen' Ap. — f) eine Richtung
einschlagen und einhalten; nach Etw. zielen, streben,
Hechts h., nach rechts gehen; uf d' Site" h., sich seit-
wärts wenden Z. Heb a's Land zue! steure ans Ufer
Z ; vgl. mhd. enlant haben. Geh du nur grad, bis du
links use' musst, und wenn du e Stung links g'ha hest,
so häb de'" rechts. Gotth. Nebe" iis ha, ausweichen,
neben aus gehen oder fahren BM. Ganget mer e chli
US Weg, heit dänne" [auf die Seite], machet Platz!
Dr Bari 1883. .Beim Misten wollte der Melcher nur
das Gröbste oben ab nehmen; [da] sagte Uli, sie
wollten ein wenig z' Boden ha,' Gotth. Of de' Stuel
häba, an der Landsgemeinde sich drohend um die
Bühne drängen; of Hostig ha, auf Hochzeit Bedacht
nehmen Ap. Of gö häba, sich zum Gehen anschicken;
sich im Gehen befleissigen. ebd. Mer müessen uf
Rücke" ha, müssen darauf halten, dass es vorwärts
geht (rückt), dass wir weiter kommen B. Häb uf
Pressiere"! spute dich! B. Mit Eim emal us-em Feld
ha', sich ihn ein für alle Mal vom Halse schaifen Z.
's het vil uf Segne", die Witterung ist regnerisch B;
GRChur. Uf de' Linge" [Fortgang] hebe", ein Geschäft
schnell zu vollenden suchen, ohne viel auf Solidität
zu achten Gr. Gang, Joggeli, spann d' Chüeli a', mer
wend i" Heuet fare; me' muess jetz streng uf 's Wetter
ha [sich nach dem Wetter richten] und schaffe', was
me" schaffe" man, me' cha" denn nolier nare". Alpen-
horn 1838. Uf Ein hebe, ihn portieren [bei einer
Wahl] Gl. Si hei" uf-enand, wetteifern mit einander S.
E rechte« Ma"" muess obsi''' ha, aufwärts streben.
Alpenpost 1873. Ir Schwi/zer hend eister z' hech [zu
hoch]. Wortspiel. Postheiri 1864. ,Drüf ha, omnes
nervös intendere.' Id. B. ,Das» uns besser dunket,
das» wir wychen sullen, denne für sich ze habenne
[vorwärts zu gehen].' L Urk. 1330. ,Insidias facere,
auf in halten oder laussen. Torquere clavum ad litora,
gegen dem land haben.' Fris. — C. = nhd. heben.
1. im gewöhnlichen räumlichen Sinne; Syn. lupfen.
Mit dem Ruf heb! (in S hebe) veranlasst man das
Pferd, das Rind, z. B. wenn es sich verstrickt hat,
den Fuss zu heben Z. D' Milch ab-'^em Für hä; d's
Chind ab-em Häfi ha B (Zyro). ,Dass [die Bilder,
d. i. der Bilderdienst] mit der göttlichen g'schrift hin-
weg mögend g'hept werden.' Zwingli. .Wenn Einer
889
haben (lieben)
gegen den Anilern im Frieden dringen würde, d. h.
sich im Zorn watt'net und mit Schwert, Degen oder
Dolch tringend und hebend wurde.' 1540, Assen. Vgl.
.Streit anheben' und dazu den Bs Geschlechtsn.: ,Heb-
den.'^treit, gen. La röche.' XV., Ochs. ,Alte extollcre,
in die höhe haben.' Fris. — 2. bildl. in der Formel
.heben und legen', Haushalt führen, Geschäft betreiben.
?:r vermag z' h. und /.. Geld an Etw. zu wenden Z.
Mit enanä li. ii^ l. 1 i Allrs .Teil und Gemein' haben.
•2) gemeinsclialtlirli ailH.itm S.iiSt. .Ja frylich sollend
die priester. die yntt lirlh'iid und legend [verwalten],
reinklich leben.' ZwiNr.Li. ,\Vill man uns bym glou-
ben und byn pünten lassen blyben, wellen wir by
inen [bei B u. Z] gern tagen, h. u. leggen, in hoffnung,
dass es einer Eidgnoschaft loblich syn werd.' 1531,
Absch. ,Wann ein Wittfrau nach ires Manns Tod das
Handwerch zu tryben begehrte, so solle dieselbig
ebenmässig schuldig syn mit dem Handwrn-h h. u. 1.
samt irem Gsind.' 16o7, Z Handwerksordn. .:\Iit .•iii.Mii
h. u. legen, omnia communia et coiijuiirta h.ilicrc.-
Mey. Hort. 1(19'2. .Die Gesandtschaft von Ndw ist in-
struiert, auf die Eintracht der Stände hinzuwirken und
mit selben zu h. u. zu 1.' 1764, Absch. — 3. E Kind
hebe", aus der Taufe heben, zu Gevatter stehen Bs
(Spreng); Sch. Brut und BriJcum [Bräutigam] händ
e Kind mit enander g'heht. In dieser Verbindung und
Bed. gilt sonst die Form haben ScawMa.: Tu: 7 (auch
vom Paten). ,Dass er sy huebe usser d'-in l.iuf.-; die
er usser dem toufe gehaben (erhaben).- .Mom:. I'rid.ilin,
Inzwischen soll jedes Ort beraten, was für rieniiinge
man der Gotten einbinden und der Gevatteren, so die
Tochter heben wird, als Stigpfennig geben wolle.'
1.547, Absch. IV 1 d 885; vgl. ebd. 899. .Huob ich ein
kind US dem touf.' Salat. ,Diss sind die kind.-r. die
ich US dem tauf hab ghaben. Das nünt kind. das ich
US dem tauf g'häpt han. Das zehend kind, das ich
ghept han.' 1.540/73. UMey. Wint. Chr. ,Dass er den
könig auss der taufe gehaben [habe].' Vad. , Welchen
er US der toufe gehaben.' 1565, Bs Chr. ,Hct mir die
zwen erstgeborne Söhn us Tauf gehebt.' JJud 1574.
.Ich muesst im eine junge tochter us dem h.tauf haben.'
JosMaler 1593. ,Die das Kind by dem Touf habend.'
Z Mand. 1603. ,Mäler, so von des Kindhebens wegen
gehalten werden.' ebd. 1016. .Der zum h. Tauf ge-
hebter Kinderen halber.' ebd. 1650. ,Hat Einem ein
Kind z' Tanf gliaben.' Schimpfr. 1051. S. noch bei
Götti (l-ris.; Mal.) Sp. 5'27; (z. J. 1572) Sp. .529. -
4. rcil. ai vonl'LTs, : sich entfernen (meist nach dem
Willen eines Andern). ,Myn herren band yetz anders
z' tuen, drum heb dich bald.' HBiill. 1533. .Heb dich
an galgen, i in crucem.' Mal. — b) von Sachen: ent-
stehen. ,Wir band bishar gelebt im sus, so wir aber
sollend gelten [bezahlen], hebt sich ein lestren und
schelten.' HsRMan. ; vgl. nhd. .erheben'.
Zu den Formen ist zuvor zu bemerken, dass von der
durch die Synkope verlangten und vom Mhd. meist gewährten
Verlängerung des Toc. in unserer Spr. jede Spur verwischt
und die in der einen und andern MA. vorkommenden a
durchaus als secnndäre, moderne Dehnung zu betrachten
sind, was deutlich dadurch bewiesen wird, dass nirgends o
dafür eintritt. Ind. Präs. Sg. 2. P. häH, liest schon XVI./XVII.
3. P. häi bei Ruef 1550 (im Reim anf ,bett'. Gebet). In der
gleichen Periode PI. händ, hend neben hand. Die Formen
mit ei schon im XIV. /XV. Conj. Präs. hüb im XVI. (spär-
lich), überwiegend hrirj, welches schon im XIV. auftritt; bei
Bigandus und Salat auch lu-L Ind. Prät. Sg. !i,uh IßO«,
liiuhnid 153'2, beidemal i. S. v. .halten'. Inip. hth 15 19;
hüitd 16;<ü i. S. V. A und B; dazu die Personenn. , Happen-
stil' Sch Rodel 1-299 und ,Hebdenring' Bs 1504/26. Ptc.
//(•Ohan, gelegentlich tafnj XVI./XVII.; gehaben XVI.; i/'heben.
Lied V. 1703; vorwiegend aber (auch i. S. v. A und B) gehebt
bes. im XVI., aber auch schon im XIV. Die Formen kcig-
frUher und jetzt meist nur in Bed. A (auch als Hilfszeitw.),
seltener auch in der Bed. B und C. Das Eindringen der
Formen heb- auch in Bed. A und B erklärt sich t. aus der
ursprünglichen lautlichen und begrifflichen Vwdtsch. von
,h(»ben' und ,heben' (s. Gr. WB. IV 2, 45 ff. 50), t. aus den
schon ahd. bezeugten Formen hehix, kehlt, hebilu neben habe»,
hübet, habeta (BianiK . Aliil. I!i. -l:A^. Aus der Vermischung
von .haben' mit In In ii hk I. In ;iii.h in den bei Gr. WB. IV
2, 721 angeführt. II Inniini ,„/,-,;,,, = . I.^vare. Voc. S. Galli,
erhaben =eStii\\\ .Main, limmtrittl «iklärt sich dann umgek.
das starke Ptc. gchuben i. S. v. .gehabt', während es in Bed. C
die beibehaltene alte Form ist, im Nhd. durch .gehoben' ver-
drängt. Bei diesem Sachverhalt war es schwerlich ganz
ri.liti.', iL I . - I.iiiii ».iiigstens zu Missverständnissen führen,
, las, 1,1 \\l ' ;__' f. die Bedd. .halten, festhalten, zielen'
iiiiin n: , -. -tfllt hat, da sie wenigstens bei uns
iil. ht III I li -^iiii- riiipfundeu werden, sondern nur als
(Nebrii-i I iMihii \"ii .liali.af. Die Form heig ist (ebda 814)
als brs. -\it, aii^i-.a/t iiinl ii.nli V^einhold aus A'idf;/'- lA"/"/..
habeei .iklait. uas Im du ('iiii,j. möglich, aber iiiiiiirrliin
etwas kiiii-tlirli -rl,. int. |in lud. -Form hei ist auf .jenem
Wege iiirlit zu 1 I klau II : ^n niiisste aus dem Conj. übertragen,
bezw. \.ikiir/t vrin. Ha, -, .l.r Conj. -Form lässt sich ein-
facher aus il.iii , .iklii.ii. ilas in unseren MAA. auch
Analogie von »uj, sei, (".7, tina Im- l'm in In 1 «aie dauu
direkt aus hn-i zu erklar. ai nii.l iiiiisst.' ,ill. lalm-s anf ileTi
lud üli.-Ttva.'. n s.aii. m.iiii inan iin'lil liir diesen uud dann
.Uli 1,1, ana. eigun, etgm
In I .ni.Form das y schon
IL' .l.'ss.lli.'U, bzw. Zusaninien-
iie Formen kommen genade
einige Male auch mit vor-
.h erklärt werden kann wie
natUrli.'li aii.ii tnr i|.
gegelnai. für .l.ni linl. .\
Ziehung anzuu.liin. n \
bei Notker zi.inln h li;
gesetztem h, wil.li. , 1.
in ,heischen' nUer aus T 1.. 1 1 1 i-nn;r il.s .\nl. vn" .tiaben".
Der Uud. tt oder e in h"^' /.. -' n,\\. kann lii.lit itwa lia.-ll
Analogie desjenigen der -1,11k. n \ . . I.. n .1. 1 i-Kl.i,-. .ikl.irt
werden, da gerade dbi-s.. in nn,. i.ii M \.\. .l.ai linlant ni.a-
stens v.rMH.i.l.ai. In l,..^i i-i .r M.ll. .Inrch das fnlgende j
veranlasst lui.in .1,./... '/■..>./.., .-..~./,.«, FläseJie) und dann
auf dii. :i. 1'., V.MI li. i.l. 11 in .l.n l'l ihänd) und zuweilen
sind die Formen mit e und ci iii. Iii 1.1" l.«/. mnl ilr.
WB. IV 2, 47/S erklärt die crsl.i.ii a.i, .1. 11 \l.ll. /.■'..'.,
lirliii ; das aus deren Zsziehung zuhinlist . iit ,i,in.i. n.' .. k..iiiite
ilann .Mit .l.ai PI. und Conj. übortiaiL,'. n s.an. \ 1, I i P
.ili..ii -li.iiL' genommen zu A 2. Pi.. li.iM. \ nii.l K liegen
, inainl. I ,1 . Il.'nweise sehr nahe, wi.- ainli lili.l. .haben' noch
hu- uiiii ila .halten' bed., was im Jüid. iiocli ülter der Fall
war. Ob die Tatsache, dass .halten' in unserer Spr. selten
vorkommt, Grund oder Folge jener Geltung von ,haben' ist,
mag fraglich bleiben. Noch seltener ist heben in der ge-
wohulirhen nhd. Bed., für welche vielmehr (ii^/en gilt, wenn
nicht hüben, han auch hier eingetreten ist. Heben kommt
in dieser Bed. fast nur in Compp. und auch dort nur selten
vor, sonst meist in der Bed. .halten', in Bed. A nur im
Conj. und Imp. ; doch wechseln Schriften des XVI. auch in
dieser Bed. zwischen heben und hohen. .Heben und legen'
wird in Gr. WB. IV 2, 730 erklärt: Steuern erbeben und
Abgaben erlegen, Vorteile und Lasten tragen, was dann auf
Haushalt übh. ausgedehnt wurde. Von der RA. ,ein Kind
aus der Taufe heben' meint Gr. WB. 729 schwerlich richtig,
sie sei eigentlich auf die Kindertaufe nicht anwendbar; denn
wenn auch der Brauch, dass die Paten gleich nach der Taufe
das Kind auf den Arm nehmen, bei uns ui.bt herrscht, so
konnte doch auf die Geberde, mit w.b-luu- <lic Patin das
Kind am Taufstoiu dem Geistlicben darbietet und naeliher
haben (heben)
892
wieder au sieh niuinit, jener Ausdruck angewandt werden,
in welchem übrigens statt ,aus' später auch ,bei' und ,zu'
eintritt, was der heutigen Gestalt des Brauches allerdings
genauer entspricht. Was die Nbf. haben betrifft, so ist die-
selbe wohl aus y'haben, dem Ptc. von heben, erst ahgel.
Auch in den folg. Compp. sind die Formen mit han (älter
jhaben') und die mit heben zsgefasst und gelten als gleichbed. ;
nur wo sich für eine Bed. eine Form vorzugsweise oder aus-
schliesslich festgesetzt hat, ist dies ausdrücklieh bemerkt.
ab-: 1. a) abhalten, abwehren, physisch und
moralisch, Etwas oder Einen von Etwas, zuweilen
auch ohne ausgedrücktes Obj. „L;" S. Heb-mer de'
Hund ab, sust bisst-er mi'''! BSi. De Wald tued de'
Loft abhäbn Ap. D' Bäum händ ab [den Wind vom
Hause] Z. Dr Schirm hebet de' Segen ab Gl. Du
hättst-e" chönne' a., von Streit Z. Um die brätig
Sunna abehebi}, het seh' [sie] as Chopfrerbündli a'-
g'reiset vo-ma Faznnetli Gr (Schwzd.). Wenn e frönte
Macht wett i" d' Schwiz i'breche", so will me" 's ab-
habe', wem-me nähe' chann Ap Volksbl. 1831. Einem
Etw. [z. B. Mühe, Verdruss] a., ersparen, ihn davor
bewahren Ap; Gl; ScnSt. ,Abha, abstrahere a negotio;
impedire, absterrere.' Id. B. .Einen Angriff abheben',
abwehren. Lied 1619. ,Gegen Xidergang hat es die
Roncaglier Wald, welche den schweren Seeluft ab-
heben.' Gdler 1625. ,Abhäbung', Fernhaltung. 1708,
ApI. Urk. und noch jetzt. ,Damit aller unnötige Streit
abgehept werde.' 1727, Z Bauordn. .Es wird dem
Landvogt befohlen, versuchte Exekutionen abzuheben.'
1743. Absch. — b) (abhebe) abtun, -tragen, eine Ver-
pflichtung, bes. Zahlung; daher geradezu: bezahlen,
Zins, Steuern; Kosten bestreiten; Verpflichtungen betr.
Trinkgelder, Ehrengaben udgl. erfüllen Ap; Gl; Z.
Syn. ab-sehaffen. Wenn luf- uns Jfiiuileli [mein kleiner
Handel] de' Zeis abhebt, s. hiii-r'- . /ride" Z. De muest
d' Chile, d' Stiere, rf' .SVV» ha zum Acise", und alles
Müglich settst driis a. für <!' Schneie', d' Chille', für
de G'stät. Stutz. Es chönnt 's so tue, we"'-me' Nüt
abhebe müesst und das chönnst ha', wo d' hast. ebd.
Bis Alles abghebt ist, brucht 's ril (Geld) = bis die gam
Hushaltig g'lebt hat, chost't 's vil Z. Etw. für einen
Andern bezahlen. !''• will Alls a., auf mich nehmen.
,Er [der Widerpart] wurde alle bisherige aufgeloffene
Küsten abzuheben verfallt.' XVIII., Kanzleispr. —
2. einen Gegenstand aus einer Richtung oder Lage
entfernen. Eine Flinte, mit der man gezielt hat. nicht
mehr angelegt halten. Heb ab Ap; Gl; L (St.'); Sch.
Intr.: Du most vom Gämmerli a., beim Gehen das
Huttchen seitwärts lassen Ar. Aber auch: „abzielen
i. S. V. einfachem Zielen, z. B. auf Frieden, Ehre a.
L; Z"; Syn. inhin-h. — 3. wegheben; eine Pfanne
vom Feuer, einen Deckel usw. Ap; Gl; L; Sch; Syn.
ab-lupfen. Von kochendem Fleisch Schaum, von Milch
Rahm, vom Bett die Decke Bs; Sch. Beim Karten-
spiel = faire la coupe Aa; Gl; ScnSt.; Syn. ab-hipfen.
Früher auch: eine einzelne Karte oben abheben, auf-
decken. ,Heb ab, lass flux ein böckli gan. Heb ab,
der minst soll 's böckli keren.' Salat. ,Wend g'sin
[wir wollen sehen], wer 's Spil z' erst gebe jetz. Ich
will zum ersten heben ab, ein König ich erwitscht
schon hab.' GGotth. 1619. ,Gwardiknecht hebt im
Spil ab [und spricht]: zwo Eicblen an dem Boum hie
kleben, g'spür wol, ich muss zum ersten geben.' ebd.
Auch von einem besondern Kunstgriff falscher Spieler.
,Wie die falschen spiler einanderen könnend a. und
böglin machen.- 1532, LeüJud. .Die falschen bock-
spiler, die uft' der karten bögli machend und ie einer
dem andern kann a.' HBüll. 1572. Bildl. : ,In min-
deren Ärgernussen mag ein Decanus allein dieselbe
möglichst abzuheben trachten.' Z Kirchenordn. 1711.
— abhi"-: 1. hinunter strecken, -reichen, z.B. häb-
mer d' Hand appe! UwE. Herunter halten, senken,
beugen ; de' Chopf a., sich demütigen, ebd. , Sollind,
die der Meinung sygend, ire Händ uf heben, und
dheiner widerumb abbin haben, bis er's tüye.' ZWäd.
1646. Refl.: ,Se demittere.' Id. B. Häb di"- abe! duck
dich B (Zyro). — 2. unterdrücken. Drei Sack voll
Hiichelei, die d' Woret tüchtig abe hetid, dass Chröpf
we grosse Chörb enfstönd. Lux. u. Häller 1845. —
vorab-hin-. ,Vor)ibe ha, sc incurvare, pronum in-
cedere.' Id. B.
über-: 1. zurückhalten, a) mit Saehobj.: ein
natürliches Bedürfniss, einen Affekt od. die Äusserung
desselben, eine Begierde überwinden, bezwingen, be-
herrschen Ap; U; Z. /■'* ha halt d's Aderlö' überhebet,
ich bin darum krank geworden, weil ich... GTa. I'''
ha 's Briegge" nümme' me möge' iiberha". Gespräch
1712. Auch ohne ausgedrücktes Obi. Scu (Kirchh.).
Vgl. 4. — b) mit Acc. F., Gen. S. Einen von Etw.
abbringen, davor bewahren, damit verschonen, es ihm
ersparen. ,Dass wir des hienach überhaben wurdent
[mit dieser Sache nicht mehr behelligt oder dgl. nicht
mehr erfahren sollten].' 1400, TuDiess. Stadtr. ,Mö-
gent si den widerteile [Gegenpartei] [der] anspräche
nit überhaben, so söllent si dem rechten nachkommen
[den Rechtsweg einschlagen].' 1441, Absch. ,Dass myne
herren von den 4 statten samt iren undertanen dero
[der Schmähworte] überhept und vertragen syn sollen.'
1529, Absch. ,Mit synem fürgnommnen buw stillze-
halten und sich desselben zu überheben.' 1539, B.
,Gott hat mich gwüss ir widergeben, sy des grossen
leids [mich zu verlieren] überhau.' Haberer 1562.
,Was du nit willt, desse überheb auch ein anderen.'
LLav. 1582. ,Dass eine Wunden, so also gebrennt
worden, nimmermehr so gern [leicht] heilet, als die
solcher Arznei überhaben ist.' Würz 1634. ,Und blei-
best überhebt so viler Angst und Not.' R. u. CMet.
1650. — c) refl. mit Gen. S. od. Inf. mit ,zu' i. S. v. a:
sich überwinden, enthalten, Etw. zu geniessen od. zu
tun Aa; Bs; B; Gl; L; Schw; Uw; W; Z. „Er cha"
si''' nid überha' z' rede'." Abs.: Überheb di'''! Stctz.
Wenn er scho' weiss, die dick Milch tued-em nüd guet,
er eha""-si''' doch nüd ü., z' esse', so bald er g'selid
AABb. ,Wie könndent sy sich Überhan, dass si nit...'
1524, Egh, Act. ,Auch kann ich mich nit ü., ich
muoss sy [die verbotene Frucht] gon ein klein ver-
suochen.' Ruep 1550. ,Ich sollt 's wol unterwegen lan.
mag mich syn doch nit überbau.' HsRMan. ,Cohibere
se, sich meisteren, massen und zämen, sich überhaben.
Me nequeo continere quin loquar, ich kann mich nit
überheben, dass ich nit rede. Nauseam coercere, sich
des kotzens ü.' Fris. ,Wer möcht sich überheben z'
weinen, so er betracht[et] die Unschuld sein.' GGotth.
1599. Tobias: ,Es juckt und bysst mich fürwor; gar
kaum mag ich mich überbau, das Fei und Hütli z'
gryfen an.' ebd. 1619. ,Wann Petrus Solchs wurd
sehen an, wurd er sich können uberhan, nit drein
z' schlagen mit Funst und SchwertV HsRRebm. 1620.
.Sich des Schlafens überheben, somnum teuere.' Hospin.
893
lialiiMi (heben)
sn-i
1683. ,Sie können sich nicht überheben, laut zu rufen.'
1788, UBräog. — 2. zu viel fordern, zu teuer halten,
in Kauf und Verkauf Sch (Kirchh.). — 3. (refl.) sich
zu viel einbilden, stolz werden. .Lern by Joseph,
dass dich des nit sollt überhaben.' Ruep 1540. ,Er
was in glückhaftigen Sachen nie überhept [übermutig].'
BossH.-Goldschm. — 4. mit Verkauf einer Waare zu
lange warten. Svlger; „dadurch Verlust erleiden Schw,
Zg." Vgl. rer-h. — 5. beim Schiessen zu hoch zielen
oder zu lange zielen, so dass man den Schuss nicht
mehr .abgeben' kann. De'' Schutz ist überhebt Z.
Vgl. 4. Als Si'liützi.'iiausrfde wird angeführt: Wenn
Eine'' überhebt mnl in:-' nie 's nüd cha"" ge". Usred
1839. — 6. in .lie Hohe heben? od. wohl eher zu 1.
,Hett [Einer] ein stein uf in zorn, der den stein über-
hebt und nit wirfet, der soll das bessren mit der
aller höchsten buess.' 1346, Seg. EG. — üb er hin-:
1. ,Übere ha', inclinare, convertere se ad alqm.' Id. B.
— 2. eine andere Richtung einschlagen Z. — 3. still
halten ZWyla = ö ha', s. haben B 3 b. — über-
hebig: der sich überwinden kann U. Zu 1 c.
üf-: 1. in die Höhe heben, eniporhalten. allg.
a) von Menschen und Tieren; s. Bd I 120. Einzelne
Körperteile: 3Iit ufg'hiibete' Hände" W. Er hat de'
ganz" Tag kei" Chopf üf, ist emsig beschäftigt und
sieht nicht auf die Seite. De" Chopf ü. bildl.: sich
stolz, trotzig geberden B; Z. D' iJaw? zum Stimmen,
allg.; in ä. Spr. auch abs. = Stimmrecht ausüben, Urteil
abgeben (von Richtern). Bei .Abstinimunaren an der
ApA. Landsgemeinde ruft der Wrjli.l; /r Herren! ge-
treue, liebe, alte Mitlandshif mnl llnn.lisijenossen!
Wem 's wol g' fallt, dass der X. X. (tl„rni'hter [od.
dgl.] sei, der heb d' Hand uf! — Hend uf oder hebent
uf, liebe Landslüt! Ruf an der Landsgemeinde Gl.
Mit Dat. P.: für Jmd stimmen Ap; Gl; Z. ,Die Fin-
ger u.', einen Eid schwören B. (Hand) ufha' : a) Be-
wegung des zuhinterst im Schiff stehenden und das
Schiff leitenden Ruderers, wobei er den Griff möglichst
hoch hält, um das Schifishinterteil nach der Seite des
Ruders hin zu zwängen ZS.; Gegs. truclen. — ß) mit
Dat. P., in Schutz nehmen Z. D' Grosmueter häd dem
Chind alliwd Hand üf, trenn 's der Vater wott ab-
strafe'.— P* wett-d'r [würde dir] nit 's Bei' u. df-
teegen, das ist mir ganz gleichgültig Z. Syn. kes Bei'
verlupfe". Bei' n. (eig. am Boden liegend die Beine
aufstreckon) bildl. für: Bankrott machen, .geltstagen'
SL. Von Tieren: sterben. Syn. strecken, verrecken.
Heb üf! H; Scinv; Z - hch! s. bnhm C 1. lli und do
hed er ,!'<■>• iflmlfni nfhn". uriii, rs l!n.s i" ,r Svliiiullr-
cho" isl 1. (Srlnvz,!.!. Kr hcl-ru, \.\ru, l.'nv^t hnn/rr
U)id rar uf iiinl lut'i/f, gab d' Iuch t" d'r Orduig .si/yt".
ScniLi>. \U:n Stil H. s. Sp. 456 u.. Wer euch der güeter
luitt. (Irr hat "urh darumb ze erteilen und ufzehebend
[d. h. i.st dingpHichtig].' 14.39, ZAlt. Hofrodel. ,Wo
nit ein g'schworn gericht ist, soll nieman urteil geben
noch ufheben, dann die darzuo von einem vogt ge-
setzt und geheissen werden.' 1472, GBurg. üffn. ,Wo
zwo urteilen oder mehr angefragt werden und einer
mit zweien oder mehr urtelen ufliept [der soll gestraft
werden].' 1472, TuSulg. Offn. ,Gäb aber jemandts
anders urteil oder hueb jemand anders uf.' 1472, ebd.
.Welicher an einem gericht mit synera fürsprechen
ufhept oder mit syner urteil, die jm dienen möcht, ouch
ufhüeb, der soll einem vogt verfallen syn In pfund..
1481, G oBüren Hofr. .Und do er sölichs gesagt, ward
er aufgehaben zuesehens [von der Himmelfahrt].' 1530,
Apostelg. ,Nun hebend uf, ir herren all, wem disse
meinung wol gefall.' HBull. 1533. ,Als alle 3 Eid
in einem Aufheben beschworen worden.' 1538, Absch.
.Auf dem letzten Tage sei durch das Aufheben des
Gesandten von Uri das Mehr zu Stande gekommen.'
1540, Absch. ,Die Boten der 3 Städte hätten dann
mit den von Zürich ufg'hän [beim Ab.stimmen die
Hand erhoben].' 1-554. Absch. ,Gang an das ort, da
dyn sun lyt, nimm in und tue in ufhaben [: knaben].'
Haberer 1562; daneben: ,Isaak fallt nider, Abraham
will in ufhan', und: ,Hebt iren sun uf.' ,üculos eri-
gere, die äugen aufhaben, auftuen. Exclusus suffragio,
dem kein stimm worden ist, oder mit dem niemants
hat aufgebebt.' Pris. ,Ein knüwend menschenbild mit
zemen ufg'hebten bänden.' 1593, Ardüser. ,Mit auf-
gehebten Fingern schweren.' GRKlost. LB. Anf. XVII.
,Wem das [ein Antrag] g'fallen will, der heige auf.'
MyricIüs 1630. ,Mit aufgehabter Hand und mit ge-
lehrtem Eid schweren.' JMüll. 1665. .An den Lands-
gemeinden ist vil Geschrei und Unwesen gebraucht
worden. Wer [nun künftig], wann man die Mehr
scheiden wollte, schreien wurde: Hend uf, liebe Land-
leut! der soll 25 fl. zur Buss verfallen haben.' c. 1700,
U. ,Dieselbige mögen dann folgen und mit der Urteil,
so sie recht bedunket, aufheben.' 1706/65, L Stadtr.
, Einen Eid ufheben [leisten]' statt: die Hand zum
Eid: ,Derselbig sölliche syn Unschuld vor mynen
Meistern mit einem geschwornen und utgehabnen Eid
erhalten solle.' 1587, Z Ratsverordn. Ähnlich 1637,
Bs Rq. — b) Gerätschaften und andere Dinge. Etw.
vom Boden aufheben Aa; B; Sch; S; Uw; Z. De"
Pflueg ufha", führen, weil er dabei immer etw. ge-
hoben werden muss Z. Kleider (aufschürzen), z. B.
den Rock (von Weibspersonen mit Dat. einer männl.
Person auch obsc.) Z. En Bueb, wo [der] eine Chind
[Mädchen] de" Bock üfhäd, wird blind Z. Aufdecken
Sch (Kirchh.). Speisen (abtragen). ,Cibos tollere, re-
movere mensam.' Id. B. Eine Bürde (aufladen) B; Z.
,B's Chorn ufha', frumentum colligere.' Id. B. Das
Heu (aufladen u. eintragen) UUrs.; ZWäd., auch Hanf
auf der Matte B (Zyro). Syn. ufnemen. ,Ein Haus
u., sublevare.' Id. B; untermauern und dadurch heben
S; Z. Ein Dach u., höher heben B; Z. Syn. ufnemen.
Einen Acker u., leicht pflügen oder umhacken Z.
Den Stock u., die gepresste Trestermasse auf dem
, Trottbett' durch Aufhacken lockern, um sie noch
einmal zu pressen ZS. Empor odor oftVn hin halten
GG.; Z. Vgl. 13. Sprw.: W,r dr' Surl: „fhrbl. ,sch
nie de'', wo ineschütt. S, norh gliclilnj Sp. i;ivj. ]]'rr
ufkebet und wer Ihesdioppet — 's ist luiie'' »(rs der
Ander Tn. 's Säckli, 's Plättli «., den Klingelbeutel
oder eine Schüssel an der Kirchentüre für das öffent-
liche Almosen Z. Übertr. auf das in den Behälter
Aufzunehmende; vgl. ,Eid u.'; doch s. auch u. 8. Am
Na'''tag [des hohen Festes] ivird d'StüraW'' ufg'ha" Z.
.Dass nur Sonntags für die Hausarmen Steuer solle
aufgebebt werden.' 1635, Bs Taschenb. D' Milch u.,
in Empfang nehmen oTh (eig. den Topf dazu). .Keiner
[soll] in das revental gan bis ufgehept wirt.' G Hdschr.
,Handuf!' Befehl nach dem beendigten Gastmahl, den
Tisch zu räumen. JMdrer 1559. .Dann man an hoch-
zyten und nachhochzyten zum imbissmal um einliffo
ze tisch sitzen und umb die zwei ufs längst ufheben
»95
liabm (hrbeii)
89tj
und uf'stan soll.' Z Mand. 1594. ,InJeiu wird ein Feur
über die Maur aufgebebt.' GGottu. 1599. ,Da man
den dritten Nutz eines Sommers ufheben kann.' RCys.
Beim Gastmahl: .Willtu mir helfen, Teller und Blatten
gleich ufhan? wend wider frische legen dar.' GGotth.
1619. .Wann man den Spiess aufwerts tragt, so wird
der nur in einem Termin nidergefellt, wie auch in
einer Zeit aufgehept' VFriedr. 1619. ,Der Hausvogt
im Knechtenbaus soll die Tisch decken und nach dem
Essen die Tisch aufheben.- XVII., Gesindeordn. Muri.
— 2. aufrecht halten, unterhalten, in gutem Stand
erhalten. Ein Haus, Grundstück Gl. Chend guet üßä,
Kinder sorgfältig erziehen Ap; vgl. frz. elever. Stur
und Bruch üf (und in Ere') hä', herkömmliche Ord-
nung befolgen, Sitten mitmachen. D' Chübi [Kirch-
weihj «., feiern Gl. In Aufnahme bringen GRPr. —
3. (refi.) sich aufrichten, aufmachen W. Vgl. sv>' iif
hän, sich aufrecht halten Gl; zu Bd I 119/20. .Maria
aber hueb sich auf in den tagen und gieng auf das
gebirg.' 1531/-18, Luc; = .stund auf.' 1667; .machte
sich auf.' 1860. .Ist das wetter kummen. dass der
mann sich hett ufgehept und ist einem birbaum zu-
glaufen.' 1540/73. DMey. Intr. aufstehn (am Morgen
aus dem Bett) BO. Heb üf! zu Menschen und Tieren;
vgl. 1 a. !'>• ha" ufg'häbe", ich bin aufgestanden. ,Do
sind die Schwaben ufgehept [aufgestanden] und [ha-
ben] für die gesellen yngeschlagen [haben auf sie
losgeschlagen].' Edlib. — 4. aufhalten, eine Be-
wegung; ab-, anhalten, allg. .Retardare, morara in-
jicere.' Id. B. Flozhägga, um drmit 's Holz ufs'heba
GRSchiers. Vgl. Ufheb-Häggen, -Strick. Es Hochsit
üfhehe': 1) die Passage, wo der Zug durchgehen soll,
mit Stricken oder Stangen sperren, um eine Gabe zu
erlangen B; S; Z (meist mit Dat. F.); Syn. fürhan,
verletzen, spannen. Vgl. noch Uf heb- Win. G'sehsch
nit, wie d' Buebe Seiler hei" und d' Meitschi roti sidigi
Bängel, um di ufz'ha? Schild 1885. 2) die Verkün-
dung hemmen, aufschieben B (Zyro). Ohne ausge-
setztes Obj.: „Das hed nid üf, ist kein Hinderniss VO."
ßs Tapi [der Teppich] hebt üf, hält die Feuchtigkeit
ab B; Syn. verheben. Refl. : sich aufhalten, verweilen
UwE. Intr.: anhalten, still h., mit einem Fuhrwerk
G; Th. Syn. Ö-heben. Aufhören zu regnen od. schneien.
JEä' wollt üfhan BHk. .Es soll ouch ir deheiner die
müUi ufheben [still stellen], er well sy denn richten.'
XIV., ScH Stadtb. .Die beiden huebend inen den bau
auf und hieltend heimlieh auf sy.' 1531. IU.Esra; dafür
1860: .und hinderten den Bau.' .Es wollte sich nit
gezimen. dass man ein ersame niengi mit söllicbem
zank ufhüebe.' Zwingli. .Far hin. ich will dich nit
ufhan.' FuNKELiN 1552. ,[Es] wollt euch desshalb be-
schweren nit. ein klein noch euere Ohren zu geben,
will euer Lieb nicht lang aufheben.' GGotth. 1599;
daneben: ,Ein jeder hie sein Meinung sag, dass man
[die Boten] nicht lang tu aufhan.' .Milchaufhebend'
die Milch im Euter zurückhaltend, 1654 in Gr Rq.
unter den Währschaftsmängeln genannt. Zuweilen
auch i. S. v. festnehmen, verhaften. , Kommet der
[welcher unsere Verbündeten geschädigt hat] wider
in unser land, den sullen wir ufhaben und bebalten
unz dass inen der schade werde abgeleit.' 1317, Friede-
BRIEP. ,Den mag unser schultheisse uthan und dem
gerichte antwurten. Wollte aber der des ufhans sich
werren.' 1305, B Staatsarch. ,0b euer einer jemanden
anderen gefärlich sehen herumziehen oder umfüeren,
es wäre lüt oder guet, das ufzehebcn, ze handhaben
und zu heften zu den rechten.' Z Eid der Landlüten.
,Man soll die den Angriff [auf uns] tan band, wenn
man die ergryfen mag, aufheben und enthalten auf
ein Recht [für gerichtliches Verfahren].' Gr Ges. 1827.
— 5. aufheben i. S. v. ungültig erklären, abschaffen,
abbrechen, beendigen, beseitigen, ein gegebenes Wort
zurücknehmen B. We""-d's üfha wi"t, sn heb! Gotth.
Mit Ei"'m üfha, den Verkehr abbrechen ; vgl. Gr.
WB. I, 666. ,So man all zins ufhieb. war es üch nit
lieb.' UEoKST. .Und habend also Gottes gebott auf-
gehaben.' 1530. Matth. .Elata res publica esset, wäre
aufgehaben oder ze grund gangen.' Fris. .Damit die
zank und zwytrach[t]en ufgehabet werden.' RGualth.
1584. ..\ufhaben. abtuen und kraftlos machen, an-
tiquare.' Mal. ,So11 lieber seinen Schwur aufheben,
als aber einen gottlosen Schwur in das Werk setzen
und Sund auf Sund häufen.' JMüll. 1673. ,Güter u.'
= einziehen, confiscieren, sequestrieren, in Beschlag
nehmen. ,Der Vogt [ist] beglaubt, von denjenigen
Gütern, die er von Amts wegen um Schulden ufgehebt
und zu seinen Händen gezogen habe, kein Lot schuldig
zu sein.' 1550, Absch. ,Wenn man mit dem Grafen
fürfahren [ihm den Process machen] wolle, so solle
dies ohne Unordnung oder Ufhebung der Güter ge-
schehen.' 1553, Absch. ,Er protestiere gegen die un-
ordentlichen Ufhebungen, die zu Schaden der Gülten
und ihm erfolgt seien.' ebd. — 6. a) vorwerfen, vor-
halten (zum Tadel. Spott) Ap ; Gl ; Gr ; G ; Sch (Kirchh.) ;
Z; Syn. für-ha. Du chu"'st-em Nüd üfha, er ist so
brav a's du ZO. Du brüchst-mer 's Wäsche' nüd uf-
z'ha, i''' bi" so süber a's du. Stütz. Was hebt der
Bapp der Kräia üf? 's send bedi schwarz GBern.
D's Chessi brückt der Pfannn nüd ufz'hebn, dass si
schwarz slg GrD. .Der Hafen hat der Pfanne, die
Pfanne hat dem Kessel, der Rabe hat der Krähe Nichts
aufzuheben.' Sprww. 1824. Di's Schnupfe" chostft vil
»ie"" a's mis Tubäkle", i''' ha-der'sch aber gar nüd üf,
doch w'ill-der au''' nüd fläckle". EFevrer. ,Ein Vater,
dem ich nichts Unrechtes aufheben konnte, als dass
er es nicht besser verstanden.' JKInderbitzi 1826.
.Wer dem anderen Scheltwort but über frid [nach ge-
schlossenem Frieden] und im erst dann ufhaben tat
syn tuen und lassen.' Ap LB. 1409. .Gott gibt allen
menschen luter und einfaltigklich ohne ufheben.'
Zwingli aus Jacob. I 5, wo dafür: .der Allen gerne
gibt und Niemand schilt.' 18b0. .Bisweilen werde es
inen ufgehept. dass der Herr von G mit inen so streng
verfahre.' 1525, Absoh. .Wenn einer einem fürzuge.
ufhette und zueredte. er were etlicher stucken halb nit
als gut als er. oder: Ich wett mich schämen, dass ich
ton hett wie du! Derselbig soll im wandcl tuen.' 1552,
Gl. ,So fer einer umb Ursachen, so nüt gross sind, in
gfangenschaft kommen und ein anderen im das ufhaben
oder fürziechen wurde, als ob im das an eid und er
üfheblich [wäre].' ebd. ,Dass kein teil dem andren
nichts solle geschechner dingen ufheben.' Kessl.
,Wann ine einer von des [gegebenen] rats wegen schilt
und ime das ufhebt.' 1544, Ap LB. .Contumelise: ex-
probrare, einem etw. zur schmach aufheben, aufrupfen
und verweisen.' Fris.; Mal. .Einem werdend von
einem Reichen seine Schulden ufghaben, vermög die
nit zu zahlen.' Schimppr. 1651. — b) (unnütz, miss-
bräuchlich) vorbringen. , Welcher des Herren lyden
und sterben und wunden unnützlichen ufheben oder
Iialteii (liciteii)
898
ander unzimlich schwüer tuen würde, dem soll angents
den herd zu küssen gepotten werden.' 1537, B Satzung.
.Welche niannsperson swüer bruchte und darin Gott,
oder syn h.mueter, ire glieder oder h.marter oder wun-
den ufhüeb.' Ansh. Vgl. nhd. , Aufhebens machen'. —
7. gewiiuu'ii, fispareii; Syn. üflesen, -stecken. Er würd
mit ,lrm tl.ui.hl „ul ,/7"l/.-B. Ehre] ufhebe ScnSt. -
8. orlicbcu. b./.iclhjii (.StLUcrn, Einkünfte, Bussen] Z.
.[Aufseher|, die des war nemmen und die pen [Busse]
ufheben.' 1445, Bs Kq. ,Ich getruwe, dass sy üch [die
Twingherren den Kegenten von Bern] nachlassind,
die 4 anderen gebot oder artikel [Steuern, Frohn-
fuhren, Dingpflicht und Harnischschau] üfzeheben
und [zu] gebieten [wie bisher].' ThFrickart 1470,
wechselnd mit ,üfnemmen'. ,Da der Landschreiber ein
grosses Einkommen ufhebe.' 15'2'2, Absch. .Das Kloster
habe an Zinsen, Renten und Gülten jährlich bei
18000 Gulden zu beziehen (üfzeheben) gehabt.- 1530,
Absch. Vgl. übrigens noch 1 b. - '.'. iiu^lwlirii. nuf-
bieten. anwerben. .Einige H»(iO Knorliir anIV.iihcben
und nach Genf zu führen.' 1523, Absoii. ; vgl. Iiz. lerer
in dieser Bed. — lo. aufnehmen (den Samen), em-
pfangen, von Kühen GRÜbS.; Syn. ufnemen. Früher
auch von Frauen: ,1m ufheben der empfenknuss.'
HüEF 1554. ,Die schwanger frow, so ein recht kind
ufgehebt und empfangen, ist vil ganger und ring-
fertiger, dann eine, so ein missburt empfangen hat.'
ebd. — 11. aufspüren, die Fährte eines Wildes. ,Bald
hebt Fluri [ein Jagdhund] wieder auf und jagt nach
einem Dornbusch [wo sich ein Eichhorn versteckt
hatte].' B Kai. 1815. — 12. offen halten, in gang-
barem Zustand erhalten. ,Uf ha, aperire.' Id. B.
,Das Tor ufheben.' Sulger. , Desgleichen sollen sie
schuldig sein, die Strassen zu helfen machen und auf-
han.' 1571, Steinm. 180'2. ,Der Eichisauer Weg liegt
aufzuheben auf dem gemeinen Landsseckel.' Gl LB.
,Wio leicht könne man bis am Morgen aufhaben,
statt um 10 das Haus zu schliessen, sagt ein Wirt.'
GOTTH.
Bed. 1 — 6 beruheu auf der sinnlichen Grundbed. venu/
uud haben (resp. halten und helmi): bei 6 vertritt u/ die
Stelle von vor in den Syn. ,vorhalten, -werfen, -rücken' ;
neben dem letztern gilt nhd. auch .aufrücken'. Hand u/h.
1 p mag auf der Vorstellung beruhen, dass man die Hand
schützend über das Haupt eines Angegriffeneu hält. Bed. 7
lässt sich auf die unter 1 b angeführte von .den Ertrag von
Feldfrüchten aufladen und einheimsen' zurückführen, ebenso 8
oder die letztere auf das , Aufheben' des Steuersackes. Bei 9
kann man an die KA. .eine Armee auf die Beine bringen'
oder ,stellen' denken. Bei 10 ist daran zu erinnern, dass
auch das einfache haben (A 1 f) .nehmen' und .empfangen'
bedeutet. Bei 1 1 wird an Wiederaufnehmen der vorher ge-
fundenen Spur zu denken sein. 12 Hesse sich, soweit es die
Unterhaltung von Strassen betrifft, auf 2 zurückführen, sonst
ist es als Nachtrag zu Bd I 120, 8 zu betrachten, insofern
«/ hier als getrenntes Adv. .offen" bedeutet und mit dem \'b.
nicht wirklich zsgesetzt ist. — Mehrere Einzelfölle sind frag-
lich und nur versuchsweise bei einzelnen Nummern unterge-
bracht. In der Stelle bei AvHaller: ,Den aufgehabuen Geist
stützt ein gesetzter Sinn [fester Vorsatz, Wille] : ein präch-
tiger Pallast und leere Säle drin' muss das Ftc. den Sinn von
.aufgeblasen, hochfahrend' haben, welcher sich an Bed. 3 an-
lehnt, jedoch auch an gehaben, das Ptc. zu haben I, erinnert.
ufhi''-haben: 1. emporhalten. De» C/wj)/" öiife
h., hochmütig sein UwE. - - 2. uife h., hinauftreiben,
erhöhen, steigern, z. B. den Preis einer Waare, den
Ertrag des Landes Ndw.
Schweiz. Idiotikon II.
um-: 1. üm-ha a) Etw. als Kleidungsstück am
Leibe tragen. Was lirit si am? womit ist sie be-
kleidet'? B. Si liäd tv Faniirlli Hill, als Kopf- oder
Halsbedeckung ZO. (au. li „unii,",. -— h) = um-ätzen.
Me" hät-en um; er innl inii-tflur ZSth. ,Nicht ganz
selten war die bis in neuere Zeiten hinabreichende
Unsitte, die Armen umzuhaben, d. h. sie wochenweise
der Reihe nach bei den wohlhabendem Gemeinde-
gliedern zur Verpflegung herumzuschicken.' Z Neuj.
Wais. 1878. Vgl. um Bd 1 226, 3. — 2. um-hdben,
umzingeln, umringen. , Also wurden die ritter Cristi
umbhabet von den heidenschen rittern.' 1336/1446,
Z Chron.
Eigentliche Zss. ündet in beiden Bedd. von 1 nicht Statt ;
a gehört zu den unter .haben' A 1 , 1 i ß behandelten, übrigens
auch schon Bd 1 •227 ang.fiilirti'n Fällen; bei b hat .haben'
die unter AI. 1 i- ansisitzt,' Bed.
umhi°-: 1. heruiubiet
zeit, einen Teller zur Eii
für Musikanten Z. l'.
halten und herumrei.s.scii,
Ommaheber, der das tut.
herum, um es zu bedecken
hend miesse" umme hebe" fir 's Lache'
ScuwzD. — b) nach der Seite bewegen, s
Speisen bei einer Mahl-
iiiiiluiig von Gaben, z. B.
ii'lui) Weibspersonen an-
■ ■s. in (ibsc. Absicht Ap.
3. a) vorhalten, um Etw.
;. Dass Alli d' Nasticcher
' verstecke".
. ein Glied.
Heb de" Ühopf umme! drehe den Kopf! Z. Meist mit
Neg. und bildl. i. S. v. ,sich um Etw. nicht kümmern,
sich nicht daran kehren, keine Rücksicht nehmen.'
I''' we"t nüd de" Chopf u. Z. — c) tr. und intr., um-
lenken, schwenken, umkehren B; L; SchwE.; STierst. ;
Z. //,//, Hwwr: wendr das Pferd! Uw. Heb hott
umiiir! '/.. .1'.. r(iii\ .iti'i.' SI.'.' Id.B. Bildl. seinen Sinn
ändern '/.V. Tr. .auf andere Gedanken bringen" ; auf
den rechten Weg zui iickführen. Schild. Doch auch:
auf schlechten Weg bringen, verführen, verderben,
z. B. schlechti JBiiecher hend scho" Mänge" umme g'ha
UwE. — d) das Untere nach oben kehren, in der KA.
en Acher «., pflügen Z. — 4. a) her-, hinhalten ßs,
meist in bildl. und zwar ungünstigem S., mit ,raüssen'
Aa; L; SchwE.; Ndw; Syn. anen-h. D' Chlöster müend
vil u., werden ungerecht angeklagt UwE. Ich mtiess
de" Buckel umbehebe. Spreng. I''' ha müese" für in
umeha (-hebe) Bs. I'ür Alls hat de'' arm Blieb müesse"
u., ha>l n- 's ,i-,i,.n:ht r/7/./" <„lrr „it ll. ,Xnr Srliade.
dass dann ,\llr ii. nni-.rn. ^lall um [nui| di.'. «o's
verdient liatlm.' i;,,,,,,. .liall.'ii Hir.Xh'niand -onsV. so
prügelten wir nn,. mit.', rinan La' ,ul.'r .In .\l.il ..hene
ston
.1. Muh,
Ih.IiI
troiien [wir li. es leicht ..•iin.'ni I »n^nst i,..ti'n zutian.'n k.J.
und de"" hätt d'r Letz miiesseii ii. Schild 1885. Wie
's Ammei g'seht, ^ass Alls verschlagen isch, nimmt 's
d' Bassglgen und seit: Die viuess au"'' no''' u.! und
verschloht sj. ebd. Öppis mitess u. B (Sprw.). ,Wenn
ich dismals muess umhin h., müend gwüss etlich mit
mir dran [vor dem Sturm auf Jericho].' RSchmid 1579.
— b) an-halt.'n. ausdauern GNessl. — 5. Vergeltung
cmptaii^. 11, l../ahlt werden od. worden sein. „Er hed
umwi". .1 nst li. 'Zahlt Tu," De'' mues u., seine beissen-
den Reden sollen ihm mit eben solchen erwidert
werden Bs; Z. Vgl. umtne-geben, -tuen.
Bei 5 findet keine eigentliche Zss. Statt; hier hat um
(-heri die Bed. von .zurück, wieder' (s. Bd I 226) und .haheu'
die von A 1, 1 f. Bei 3 hat ,haben' die Bed. B 2 f.
öne» - umme°-: nach der andern Seite herum
lenken; tr. (Zugtiere) und intr. (selbst) B; Z. —
haben (lieben)
90Ü
Tor-ummC-haben: den Wagen vorn herum lenken,
behutsam ausweichen B; Z.
a(n)-: 1. meist mit Acc. S. a) fest an- oder auf-
drücken, z. B. einen Wischlappen beim Fegen oder
Reiben Avf-7teba); Gl; GrL.; Z; Griffel, Feder kräftig
ansetzen, aufdrucken Gl; G; Z; festhalten durch Ent-
gegensteramen, z.B. eine Leiter Gl; GrS., Spl. ; Sch;
Zo; eine Schnur straff anziehen. Sdlger; mit einer
Gabel am Heufuder stützen S; Z; sich fest anstemmen
Th; an-, aufhalten, ein^n Floss, Dieb Bs. — b) be-
rühren B, „bes. das Ziel bei Jugendspielen Schw;
Zg." Im Fangspiel ruft ein Kind beim Berühren des
Zieles aclca (a'g'ha', Ptc.) L; S; s. Bd I 163. Syn. Bott
a* mir! — c) anheben, anstellen, anfangen AiFri.;
Ap; Z. Mif-eme Fülenzer ist Kät az'hehe. Was
hebst du hüt a"? D' Eodg'mänd [Gemeindeversamm-
lung] het ag'häbf. JMerz. ,Man will anhaben offen-
lich zue büten [die Beute von Granson zu versteigern].'
1476, Bs Chr. .Dennz'mal wirt recht ang'hept, dass
man Christum rychlich niess [geniesse].' ü Eckst.
,Dorlich angehebt, dorlieh ist es ouch ergangen.'
Sicher 1531. ,Heb alle ding zu rechter zyt an.' 1540,
HBuLL. ,Der den nächstfolgenden synodum anzebeben
und zu verwalten hat.' 1544, G Stnod.-Ordn. ,Huob der
von Gryers ein stürm an.' Ansh. ,Da wart der krieg
angehaben.' ebd. ,Es ist ein alt gesprochen wort:
Was wol will, hebt bei Zeiten an.' LLav. 158'2. ,Ein
Frönung zu tun angehept.' 1611, BsKq. ; dafür 1757:
,zu tun angefangen.' ,Geb, was ich mit einem lahinen
Kind anhebe.' FWürz 1634. ,A. 1563 wäre der Neu-
bau des Helmhauses angehebt und 1564 vollendet.'
JEEscHER 1692. ,Die Schul soll mit Beten angehebt
werden.' 1737, MKohn. 1867. Weiss him Strol nit,
was ich soll [in der "Verlegenheit] ahebe. 1743, L Spiel.
— d) anreizen zu Etw. BHa.; vgl. nhd. .anhalten'
und haben II B 9. — e) Etw. an sich haben, tragen,
bes. Kleider, allg.; eig. zu haben II A 1, 1% Syn.
an-tragen. ,Wir müesstind die kleider anhan, die
Christus angehebt hab.' Zwingli. ,Die solche [Klei-
der] tragen und anhand.' GGotth. 1599. Auch von
Waffen ; bildl. : Er hed-en [den Säbel] a», er hat einen
Rausch [getrunken] UwE. Fleisch, das vil G'eder ä"hai
GRPr. (Schwzd.). Von Leder: das Leder het iio''' Hör
a" GMels. Von Pflanzen, z.B. Obstbäumen: mit
Früchten behangen sein Gl. Der Baum het vil (wenig)
Chriesi a» GMels. Von Kartoffelstauden (prägn.) : Die
Stüd hat n" ZO. Die Herdöpfel sind wol chlv aber
guet und händ vil a'. Z Volksbl. 1863. — '2. mit Dat.
P. od. Präp. a) mit Ei"m a., mit Zähigkeit streiten,
sich abmühen (mit Worten u. Händen) Z. — b) Ei"m
a., mit beigefügtem ,es. Etwas, Nichts' oder allein:
feindlich zusetzen, Schaden antun, Vorteil abgewinnen,
Stand halten. Ei"))! Öppis a'ha, (Böses) nachreden
BHa. Es Ei'"m a. 1) ihn worüber zur Rede stellen
BHk. 2) es ihm in irgend einer Leistung (z. B. Schrei-
ben, Laufen) zuvor tun Ap; Gl (auch ohne ,es'); Gr;
L; GTa.; Sch. Syn. s. Her. 's hed's im Keinen a".
Ei*'m 's Feld a., ihn aus dem Felde schlagen, besiegen
GT. De' cha"-mer Nüt a. ; i''> W lang sieher vor-em Z.
Keine^ häd dem Andra Estcas ang'häbet, ist im Wort-
wechsel Etwas schuldig geblieben W. Dem ist Nüd
anz'hebe, man erlangt keinen Einfluss auf ihn Z. Du
cha"st-em Nüd a"hebe, kannst ihn keines Fehlers
zeihen, keine schwache Stelle an ihm finden; er ist
immer schlagfertig, dir geistig gewachsen Z. Das
het's-mer'sch jezen a* [das reizt mein Gelüste]. JJRtiTL.
's Süfe", 's Spile" het-mu a*, schadet ihm BHk.
's het-me a", es macht ihn unglücklich GrV. P*
heb-em a», halte ihm Stand Gr. Es het-etn au"'' no'''
gar griisli''' a", 's iseh no''' gar jung; es wird aw*
müed gnuen tverde*, das arme Chind! Joach. 1881.
Es het im hert ag'ha', a»"* gar Nüt z' verne* vo' sim
San. BWyss 1863. D'r arm Tilfel cha"" schier nümme'
laufe', so hein-evi d' G'süchti [Gliederschmerzen] a".
Joachim 1883. .Gibt es sich an eim rank, wir wend
inen [den Feinden] trülich anhan [wacker zusetzen].'
1521, Strickl. ,Wo ein herr darum [um eine Leistung]
gegen den synen brief und sigel hat ald sunst mit
urteilen inen sölichs angehebt, sollen sy das ze geben
schuldig syn.' 1526, Absch. '.Hand all dem künig red-
lich an, uf das er voll werd, syg guet mann.' RScbmid
1579. — c) mit Bitten anliegen; dadurch erreichen B;
6r; G; Uw; Z. We 's au ahäbe chu, wie inbrünstig
es doch bitten kann! Gl. Meist mit Dat. P.: Schi
heind-mu scharpf [dringend] ang'häbet W. I''' han-em
frl ag'häben, das' er zum Tokter göi BBe. I macht
emene sellige' Fidli [Lümmel] aha, ja icolle '. Will er,
SU chann er ja che, will er nit, su lauf er! Gottr.
Sie müsste ihm denn cho aha und 's der Tüsig-Gott-wille
bete. ebd. I''^ sinne schier, i'* luff-me [ihm] na'^ un''
hig-me a", mer Niebis z' ge" BHk. Er häd-mer drum
a'g'ha' L. I''' ha-der d» derfür BHk. In Gl und Z
mit Präp. (an, bei, mit). /■='' hän ebigs lang mit-em
a'g'ha", aber do isch-es Nüt, er lot-si''' nüd änderst
b'rede', er lot-si''' nüd ummene' ZO. Nach Zyro in
B auch transit. F'' ha-di''' derfür a' (?) B. ,Us
mynem antryben (wie ich dann nun by 30 jaren an-
gehan).' ThFrickart 1470, dafür 1648 .angehalten'.
.Junker N. und ich haben dem herrn so vil angehebt,
dass...' 1524, Absch. .Doch hatt er mir so vil an.'
ThPlatt. 1572. — • d) beim Jodeln mit Grundtönen
begleiten. Heb-mer du a', i''' will zaur-i' Ap. Syn.
grad heben. — 3. abs. a) anhalten, a) i. S. v. still h..
Halt machen; einhalten; beim Fahren mit Schiff oder
Wagen, beim Reiten Z. Hebet a'! haltet ein, wartet
Th. Einkehren: ,So söllent wir nach der manunge in
den nächsten 8 tagen ze Basel in der stat anhaben
und da ein gyselschaft leisten.' 1390, S (oder zu 1 c,
die Giselschaft beginnen?). — ß) i. S. v. ausharren,
ausdauern. Er häd nüd lang a'g'häbet Ap. Sin Fliss
häd n. l. a" Z. — y) andauern Bs; Gr. 's Wetter wo"t
nid a'ha B. Wenn 's mit-em Nu schlecht Wetter giH,
Se hebt 's an. Sulger. Hed d'r Tag nüd me'' a", s«
muass-män ebe' d' Nacht zgin Tag machn'. MKuoni.
— b) ernstlich an einer Arbeit sein, sich anstrengen,
Etw. mit Nachdruck tun oder sagen, beteuern, eifrig
schwatzen, eilen „VO.;" Gl; G; Th; Z. A. wie en
Häftlimacher Z. ,Da komme alle Tage etwas Un-
g'sinnets [Unvorhergesehenes] vor, wo man nicht Zeit
habe, desumme' z' gumpe' u"' de" no"'' grüsam aha"
sijpt für das, ico si' müess.' Gotth. A'hän und nid
na'Hän ist ns Ding, das muess verfahn W. Ahebe" und
Ringe" ist ob alle' Dinge" [geht über Alles? überwindet
Alles?]. Sulger. — c) mit dem Schiessgewehr zielen
(anschlagen) „VO.;" Gl; Sch; Z. ,Ein andren hat
das sehr verdrossen, hat z' lang anghan. macht müed
den Arm: des traf er Nichts.' HHGrob 1602. ,Die
Pfeile treffen die Mannen, auf die wir anheben.' JJUlr.
1727. Zu haben B 3 f.
0(11
haben (lieben)
Ö02
anhin fane, in Aa; L auch äne)-: 1. tr. a) her-,
hinhalten, einen Körperteil oder Gegenstand Aa; Ap;
Bs; B; L; Ndw; Z; ,porrigere.' Id.B. D' Hand a., z.B.
um ein Trinkgeld, um Schläge zu empfangen; einen
Korb, um ihn füllen zu lassen; die Schnupftabakdose.
De" Biu/fie! [Rücken, um Schläge zu empfangen].
Heb jreidli'-'' [schnell] ane', will-der do chalts Wasser
a''sti-iehe". Stütz. ,0 grossätte, man will uns 's leben
stechen ab; o we, wir muend d' hüt anhin han.' ESchmid
1579. Refl.: ,se prisbere.' Id.B. — b) feil bieten. Döu
häst-mer d'Wär z'höch ane [zu teuer] UwE.; Z. Er hed
e Ding vil z' tür ane SchwMuo. — c) darstellen. „Er
chann-em 's giiet a., in günstigem Lichte, von der vor-
teilhaften Seite;" Syn. ane-geben. Er hed d' Sach wüest
anng'häbet, in ungünstigem Lichte Ap. — d) vorhalten
(tadelnd, anklagend). Er hed-em das anng'häbet Ap.
— 2. intr. a) Stand halten, längern Gebrauch aus-
halten, dauernde Kraft haben oder gcbni. anhaltend,
nachhaltig wirken; Syn. entgegen-h. \ "H Kli^l.in:
haltbar, dauerhaft sein Sch; Ndw; '/.. /'■ 7,'"'/, hat
lang aneg'habe" Bs. Von nahrhaften .Speisen U.Si. ; Z.
Syn. fueren. Die Fastesit, si ist halt lang, 's muess sl"
[die Speise muss derart sein], dass 's äne het AASeeng.
Eshetane, ist ausgiebig Aa. Von Menschen: Er hed-
eren eis [einmal] aneg'ha, nicht nachgegeben Ndw.
.Die besten Arbeiter heben am wenigsten ane.' Sprww.
1824. — b) anhalten, andauern, z. B. von Krankheit,
Schmerzen, Böte einer Feuersbrunst. Wetter Bs; Z.
Die Urni [Regenwetter] häd lang ane" UwE. —
c) herhalten (meist verbunden mit .müssen'), Schaden
auf sich nehiiirn. rnanir.'nrl, s ..ranMm. ,li.' F..li;vn
des Tuns Au.Umv,- tr,,-r„ i„n.,.rn Ar; 1:- S; Tii;
Uw; Z. Diu rnsrln,l,l,,i,« „nnni iii.nnp^l für ,hr
Schiihhijr" :<. \'\\\'.. /■" IUI,- \\\,-u\r\ li.ili iriilcr miiese"
a. Tu. /nn.'ib'ii mit nii^r|h,rii:. ii.i.h Analogie der
Constrnrtinn \ui, „harlm". iirl.," luM-vfügtem Obj.
Schlag, Tiitsch Z. P'' hau ane' so lang dass [als] du,
ich prügle dich so lang als du mich Z. Er hed-em
aneg'ha", seine Misshandlung ausgehalten Ndw. /'■''
hett nüd ane g'ha", mich nicht prü>,'eln la^^s.'ii Z.
Einem Zahnarzt; ilim sitzen. K'r'iii n.. \.in \\ .ih-
Personen, obsc. Ap; Z; dazu; Aii.ilu'livn". unzmliti^e
Weibsperson Ap.
Vfii-scliieJen ist das Bd I 259 behandelte anne ha", wel-
chem die Nbf. danne aus Th nachzutragen ist.
i(n)-: 1. tr. a) hineinhalten, -stecken Gr ObS..
z. B. einem Sehröter den Finger zwischen seine Zange,
aber auch bildl.: von einem listigen Betrüger sich
fangen lassen ScnSt. Sich in eine Gefahr begeben
Aa; Syn. ijihin-h. (vgl. Bd I 292). Einer Kuh den
Strick (., wenn sie über denselben hinausgetreten i.st,
ihr Bein wieder innerhalb desselben bringen, wobei
ihr selbst zugerufen wird: Heb i"! ZZoU. — b) zurück
behalten, schuldigen Lohn nicht herausgeben, sondern
gegen eine andere Schuld abrechnen, in Abzug bringen
Ar; Gl; L; G; Sch; Zg. Er hed-em am Taglö" i'g'ha',
einen Abzug gemacht Uw (auch l'h'hä'J. Bis er-mer
f/as Schuldji nid besah, heb-ich im an dem Posten in,
behalte ein Pfand von ihm oder mache einen Abzug
von seiner Forderung GrD. Ein Wirt durfte einem
Gast, dessen Zahlungsfähigkeit ihm verdächtig war,
bis zur Bezahlung die Kappe pfänden, während das
römische Gesetz dergattigs [solches] Inheba bestrafte,
ebd. S. inn-h. 4. — c) Gewinn eintragen, ergeben V
Bei der Weinlese wird gcnuihnt: Lesend Beri nf;
d' Bcri gend de' Wi^, d' Eatte' [Kämme] hend Nüd
V! GuHe. — d) nachträglich Rache für Etw. nehmen,
in Rechnung bringen, vergelten GG. Wart nW, 's
chiinnt scho' e ZU, dass [ich] dr 's ehann i'lia! Uw;
Syn. in-tränken. Vgl. , einbringen' (etw. Versäumtes,
Verlorenes) und b. — e) , Einen übel einheben', in
schlimmen Ruf, schlimme Lage bringen? ,Ihne zu
verschreien und bei dem geraeinen Mann übel ein-
zuheben und verhasst ze machen.' 1637, S Wochenbl.
1846. Ohne Zusatz von ,übel', inditi'erent: in ein
Verhältniss einbeziehen ; Teil nehmen lassen. ,Sie
sollen den N. N. seiner Kosten halber, auch mit Ein-
hebung dos X. X. [welcher an den Kosten ebf. par-
ticipiert hatte] ergetzen.' 1693,' Z. — 2. intr. a) (mit
Dat. P.) Einhalt tun, Einwendungen machen, sich
widersetzen, widersprechen, einreden B; Gl; L; „Sch.-
Das Gleichgewicht halten, nicht nachstehen. „Er
hed-em i" der G'lertheit i", sie ringen mit einander um
den Vorzug der G." ,Er selber sei zu alt, um das
Neue zu lernen, aber si" Bueb müess e" Game' ge",
dass er so j)»j Landvogt i"heig.' Gotth. — b) mit Eim
i., sich einlassen, in geschäftliche und ökonomische
Verbindung, gemeinsame Sache machen. I''' ha nüd
mit-dr l" Z (auch hebe"). Auch nur; geistige Gemein-
schaft haben; Syn. i'-setze". Hed de Zwingli aw'' mit
de«« [Freimaurern] i"(/'/ja».* Wolf, Gespr. Auch: sich
in Streit mit Einem einlassen ZO. Vgl. an-h. —
3. abs. a) dem schnellen Lauf eines Schlittens oder
Wagens Einhalt tun GlH. — b) einlenken, nachgeben,
sanfter werden Ndw.
V.n li,il>,,i II 11 -j f. 1 c viel], eher aus inn-han S zu
i iklin II Zu J :i i. S. V. Gleichge-wicht Tgl. nhd. .einstehen'
— i.;!. i.li,l. ii.ü um der Wage, oder die Bcd. entwickelt sich
aus derjeuigeai d-s .>'inli;ilttun^. llrniniriis'. 2 b benilit
viell. urspr. auf dn V,.i ,t,.|lii„,- li, , iiiiiaU. lila^r-i, dureb
welchen Veriitiieliliiii-ra l'.|,mii|iII ml, r li,'^i:iiiu'l werden; in
der Bed. von Streit viril, auf d. i- VMi-^l.'llnim' des Wett-
kampfes im ,Häkeln', wubei ein Kämpfer einen Finger in
den des andern legt.
inn-; 1. im Besitz haben. ,Das soll des eigen
^\ii iiiler ^\nel• eilieu. su dus lybding inngehebt und
yvnn.seu habenl,- ll::i/i:.l4. ScHW LB. ,Das Taferli
lial N. N., wagner, inurliabm.' ir.r,.n, Hotz, Urk. ,Nur
zur Beschützung seiner iiilnlMiiilen [von ihm be-
sessenen] Lande.' l.')l_'. Ai.^. ii. .Sy sollten die er-
oberten herrschaften und phitz IVy, ledig als ir eigen-
tum inhon, verwalten und beherrschen.' Ansh. ,Et\v.
für syn eigen guet inhaben, nutzen und niessen, damit
schalten, walten, tuen und lassen nach synem wol-
g'fallen.' 1588, Bs Rq. ,Keiser Maximin, so das eng-
lische Reich inngehept.' Wurstisen. — 2. der Natur
oder Gewohnheit nach eine Eigenschaft an sich haben,
Etwas mit sich bringen B; Gl. Der Jänner het 's
i", ehalt z' sl"; Syn. in si'''. .Mein Amt hat 's inn.
tut 's uf ihm tragen.' G Gotth. 1619. ,Es hat 's
also inn, ita fert, ita fieri solet.' Mey. Hort. 1692. —
3. in Verschluss halten, a) Menschen in Gefangen-
schaft Ndw; Z. Schi hei nt-nii [ihn] i'g'hcbetW. Vgl.
Bd I 291. Daher übertr. in der Gewalt haben, be-
meistern B (Zyro). Syn. in Egi han. — b) Tiere im
Stall (statt auf der Weide) GnObS.; Ndw; Z. .Dass
mengklich syne hüener um das zyt, wann man säyt,
dry wuchen inhabe.' 1550, Gl. — - c) Grundstücke
eingehegt (statt zur Gemeinweide oft'en). .Welcher im
ing zu Tietwyl ist, der soll nit
chlacln
WA
lia1)eii (heben)
Ö04
ynzüneii, noch ynhan ab dem feld.- 1530. Aa Weist.
,Wenn aber dise zeig körn treit, so mag Ulrich zwü-
schend disen zünen innhan und den selben platz auch
bruchen nach synem besten frommen.' 1530, AAMell.
,Dass sie an einem ort houwen und zünen und die
höuw also lang i. [die Holzschläge eingezäunt halten]
sollind, bis sie die stiftspfleger selber uslassen wer-
dend.' 1564, Hotz, Urk. .Wenn die zeit [Zeige] inlyt
[eingezäunt liegt] und beschlossen ist, mögen die
Niderwyler ihre egerten auch inhan.' 1598, Esterm.
Rick. ,Wo zwen gegen einandren inhant und einer
etzt, so soll, der etzt, zäunen.' 1627, BSi. Nach Art
von haben J. » ß mit Ergänzung eines Ptc. Pf. Ein
Kleidungsstück eingeknöpft haben, z.B. eine Weste Z.
Vorräte eingebracht, eingeheimst h. BThun. Frucht
im Mutterleib h.. empfangen h., schwanger sein Gr
ObS.; GSa.; s. noch Kalb. — 4. Etw. (Einem) als
Pfand oder Ersatz zurückbehalten, vorenthalten, um
es gegen eine Schuld abzurechnen Z. Er hed-em zwe
Franke" inn, zieht sie ihm vom Lohn ab Z. .\uch
nur: mit Gewalt Einem Etwas entrissen haben und
besetzt halten : .Der künig hab im mit gewalt inn
syne bistum.' 1521, Absch. — 5. eine Beleidigung im
Gedächtniss behalten Gl.
Bei mehrern von den obigen Bedd. (so bei 2, 3 b, ferner
für ,eingeheiuist h.' und .sclnvanger sein') wird als Lautform
des Adv. i" angegeben, welclic Form für 4 überwiegend ist.
Wenn die Angaben zuverlässig sind, so hat Verwechslung
von inn und in stattgefunden, welche dadurch begünstigt
werden konnte, dass das nn der Form inn, wenn man sich
ihrer Entstehung aus tmie" nicht mehr bewusst war, nach
allgemeinem Gesetz abfallen musste, wie das von in. Betr.
das Begriffliche vgl. Bd 1 292, al und t ebd. 291 u.
inhi°-haben: 1. (tr. oder intr.) hineinstecken.
-halten; z.B. die Hand B; S. Einem Kalb den Finger
JweÄa, es zum Saugen anleiten; einem starken Trinker
muss man nicht den F. i. Z. Bildl. = in-h. 1 a. Ine-
hebe', sich überlisten lassen, sich eine Blosse geben.
Er het g'meint, er heb-mi''' scho', i''' han-im aber nit
ineg'hebt Bs (Spreng). (Den Kopf) aus dem Fenster
zurück (in die Stube) ziehen B; Z. ,üccultare se.-
Id. B. Es hed [treibt] de" Nebel ine', er wird dichter
Uw. — 2. (tr. oder intr.) hineinlenken L; S. Hinein
zielen: 's wird bekannt gemacht d'r ganze" G'meind,
dass Keine'' nie'' i" Bach l-e heig [hinein pisse], »«'r
wand am Morge moste [angeblicher Ausruf der Dorf-
wächter]! AäP. — 3. (intr.) uf Oppis »'., darauf hin
zielen, darnach streben Schw; Zg; Z. Uf Eine" i.,
ihn zum Zielpunkt eines (ihm günstigen oder ungün-
stigen) Strebens machen. Ersteres z. B. bei einer
Wahl, aus der er hervorgehen soll Z, Letzteres bei
Neckerei Schw; Zg; Z. Mit Einem um die Wette
kämpfen, wetteifern Schw; Z. Hand bim Werchen e chli
uf enand ine", es rückt-i bas SchwMuo. ; Syn. fechten.
Uf Chriesbäum, uf Fleckveh [udgl.] i., die Anpflan-
zung von Kirschbäumen, die Zucht oder den Ankauf
von geflecktem Vieh bevorzugen und befördern Z.
S. haben B 3 f
und er-: 1. mit Ton auf dem Adv. a) einen Gegen-
stand unter einen andern halten, z. B. ein Gefäss unter
ein anderes, aus dem Etw. ausfliesst SchSI; UwE.; Z.
Die Hände, bildl. von einem Gliickskind: De'' chann
eister d' Hand iinderha, wo 's Öppis z' erbe" giH Z.
Abs. den Buckel herhalten für Schläge ScflSchl. (-hebe).
— b) verbrauchen. Mer mögct (Ins Obs niid underha
Schw. — 2. mit Ton auf dorn Vb.. vorhindern Aa.
E chli" iinderhebe", ein Übel durch ein Mittel ein
wenig zum Nachlassen bringen L.
Die Art der Zss. und Betonung ist bei 1 b nicht sicher:
wenn nnder = vnderhin genomiuen werden darf oder muss,
so wäre die Grundbed. viell. ,bewältigen'. Bei '2 wird die
Vorstellung ,dazwischen treten, hindernd eingreifen' anzu-
nehmen sein; vg). under-ziehn.
underhi"-: 1. bedecken. z.B. die Hände, unter
eine Hülle stecken UwE. Refl. sich verbergen, ebd.
— 2. unterdrücken, z. B. das Unkraut, eine Partei Uw.
ent-: 1. fest-, auf-, ab-, zurückhalten. Er mag
es Boss ethä Aa; Syn. ent-be-. Entheba, einen ange-
hobenen Schlag noch aufhalten, zurücknehmen, z. B.
von einem Metzger GrD. Er war vor Schrecka fast
an d'j Bodn us klt [gefallen], wenn er si''' nid noch
ntheba hetti chönnn GaPr. „Einen Gehenden zurück-
halten VO.; W; zurückbehalten, Geld, ebd." Refl.
sich enthalten Gr. ,Se continere, abstinere.' Id. B.
— 2. = ent-be-h., aushalten, ertragen FMu. ; übw. I"*
mag 's niimme" etha", ständlige" [stehend] z' schrtbe"
Schw. Ohne Obj. Magst etha"? L. Es e., den Dienst
tun, ausreichen, genügen UwE. Mag 's. es e.? BoSi.;
Syn. erliden. — 3. vor Schaden bewahren. ,Die ir
uns ouch allweg enthebt vor schand.' Salat. Bes. in
der Rechtssprache : schadlos halten , entschädigen.
,Darby ouch denen von Sant Gallen zuogesagt, was
inen von des gelts wegen zuostand, sy enthaben und
schadlos halten.' Sicher 1531. Die Rechte eines Käu-
fers wurden ihm vorbehalten gegen den Besitzer des
Pferdes ,und Andere, by denen er sich zu entheben
vermeint.' 1612, Z Ratsboschluss. ,üamit, falls Hab
und Guet [beim Schuldner] verbanden wäre, man sich
wider e. könne.' Z Mand. 1638. ,Wenn sich nach-
träglich eine Last zeigt, so soll er unfehlbar Entheb-
und Schadloshaltung tun.' 1704, Z Proc.-Akt. Ent-
schuldigen, verteidigen, rechtfertigen Z. — 4. erheben,
loben, rühmen, mit Achtung, Auszeichnung behandeln
GF.; ScnSt; Z. Auch ert-heben s. er-ent-h. -- 5. (refl.)
sich entfernen. Vgl. nhd. ,sieh weg heben' und .ha-
ben C 4'. ,üo das Judas vernam, enthuob er sich
von im, dass er nit mer an sein angsicht kommen
wollt.' 1531/48, LMacc; dafür: .entwiche.' 1667.
er-ent (ert)-: 1. aufrecht halten, vor dem Falle
bewahren, physisch, ökonomisch, moralisch. Kündig
[neulich] wärist z' tot g' falle", hätt der Schutzengel
dich nid ertha L. Einen Sack e., festhalten, ebd.
Mir trouid dem [Gott] eister, wo [der] 's Ländli und
's Vech und eiis lang scho" erthed. HXfl. 1801. D' Be-
ligion göi z' Grund, wenn si si nid erthänd. ebd. Er
erthed 's im Takt [der Kapellmeister die Sänger], ebd.
Auch in refl. S. Er hat z' usserist usse" no''' ehönne"
erthä L. Er cha"" nümme" e., ist nicht mehr zahlungs-
fähig, ebd. Sich zurückhalten Schw; sich durchschla-
gen L (Ineichen). — 2. tragen, ertragen, physisch,
ökonomisch, moralisch, oft mit unbest. Obj. .es'. De'
Wagen erthäd 's nid, ist zu schwach für diese Last
UwE. 's Höus hed 's nid ertha, das Haus ist zsgestürzt,
weil es zu schwach gebaut war. ebd. 's mags nid e.,
so z' haseliere", das Vermögen ist zu klein für so
flottes Leben, ebd. Ise" erthed 's besser a's Holz, ist
fester, z. B. zum Bau einer Brücke L. Die Schnuer
erthed die G' wicht. De' Stecke" erthed- mi''', mich
darauf zu stützen. Er erthed 's scho", serel z' zale",
905
liiilicn (lit'lx'ii)
900
er ist rieh g'niieg Ndw. I>f 3Iii"' hed lil ertha, aus-
gestanden UwE. Mit Gutt ist AU's .:' e. Hafl. Do
werd i"* müed und jummere", i"'' inög 's nümme" ertha,
i"'' müess lo" go" LG. — 3. von Gefässen: einen Inhalt
fassen L. — 4. erthehen = entheben 4, loben, hoch
halten. Me" chann-e" niid gnueg e., ihm nicht genug
Ehre antun G. — Über die Verbindung er-ent- s. Bd I 353.
ver-entfcertj-: 1. zu(geschlossen)-halten, schlies-
sen. z. B. eine Türe, das Auge, das Ohr, um das Ein-
dringen zu verwehren; eine Öffnung, damit Nichts
ausfliesse AaF. ; L ; Schw ; Uw. FriU''' heig 's g'schmückt,
''ass mer froh g'st' slg, d' Nase z' certha. Wie söttid
s' chimne* d' Buch v.s' von unheilschwangern Wolken,
die sich entleeren müssen. Hexg. Ültabs. : lult- oder
wasserdicht sein, von einem St''|.-'l. Fa-^. I-'m-tn,
einer Türe Aa; L; Uw; Z. Smi. ,,,-/,. Ih linn,,
verthebt niid guet [den Regen |. ~" da^,- .lir ^l.mintrr
Stehenden nass werden. Vcrtha u-ie-n-e Nuss. Mit
Dat. P.: Einen hindern. Etwas zu tun, es ihm ver-
wehren, z.B. den Kiltgang SchwE.; Uw; U. Syn.
i-erglaseti. I''' will-em 's scho' vertha, das' er nid Alls
rersaiffe' cha". — 2. verdecken, verbergen L ; U. De''
Walestock verthed d' Bigi, die Aussicht dorthin UwE.
— 3. (vertheben) emporheben GTa. ; vgl. ent-, er-ent-h.
- Über vcrenl- s. Bd I 353.
be-ent-: einen Besitz behalten. ,So ist dem kilch-
herren das guot verfallen oder eis [Einer] betheigi's
denn mit des kilchherren willen.' 1488, Gfd.
er-: 1. festhalten. Beim Spiel ein Kind am Kleid
(erhaschen) AAZein. D' Mueter chann-en schier nit
erhebe, so tuet-er vor Fraid zable" [der kleinste Knabe
beim Anblick des Weihnachtbauraes] Bs (Schwzd.).
Mänge^ het 's Boss wellen tifhalte" und het 's nit
chönnen erhebe' BsL. ; Z. Einen Sehlitten, Stein Gr
(erhä S., Spl., erhebe' Chur, L.). Etw. noch e. mögen,
mit Not vor dem Fall Z. ,Dis wasser [des Euphrat]
möcht man erhaben und oberhalb der statt abgraben.'
JMtjRER 1.559. Eefl. Er hät-si''' na''' chönnen e. antrne"
Felse" [wie z.B. Schillers Taucher] Gr; Z. Sich an
einem Schlitten erhebe, um ihn zu lenken Gr. Auf-
recht halten Ap (erhäbaj. De"- Pß' tuet 's Wetter
erhebe, erhält es schon Z. — 2. „durch längeres Be-
halten, z. B. einer Waare, die man hätte absetzen
können, Gewinn machen Schw; Zg (erha").- — 3. er-
langen. ,Alle Sonntag und Zinstag soll der Schul-
meister, wo es zu erhaben ist, die Kinder in der Schul
versammlen.- 1684/1719, Z Landschulurdn. — 4. er-
heben, a) erhöhen; höher legen. ,Ein stubli im gots-
hus erhept.' 1506, Absch. ,Paulus selbs erkennt, dass
er [Christus] ufhin erhept sye; wüsse doch nit eigen-
lieh, ob es mit synem lyb oder on synen lyb beschechen
sye.' BDisp. 1528. — b) herausheben, ausgraben. ,Der
Pabst sprach Thomas von Aquino heilig, nachdem er
des Mönchs korper erhaben Hess.' Vad. ,Es habend
die glöubigen im neuwen und alten testaraent die
leichnam heiliger leuten begraben und hernach nit
erhebt.' LLav. Iä8'2. .Einem [Mark-] Stein zu setzen
oder zu ersetzen, sage erheben.' Bs Eq. — c) zu Ehren
bringen. ,Hie hören zue dem jungen knaben, der
höher d' kraft Gotts wirt erhaben, dann ich hab ton
[spricht der Herold].' Rdep 1550. .Erhaben, ett'erre,
hochlich lob.en. Zuo einem heiligen erhaben, ascri-
bere nuniinibus.' Mal. ,Henricus ist an das Reich
erhaben worden.' Wurstisen. .Zu grossen Ehren er-
haben werden.' PWvss 1055. ,Sich für die Erhebung
[Kanonisation] des Bruders Claus zu verwenden.' 1678,
Absoh. — d) anheben, anfangen, unternehmen, ver-
ursachen, die Ursache abgeben; vgl. Ur-hab. ,Ire spän
[Streitigkeiten] im vorgenden jar erhaben, ze betragen
[beizulegen].' Ansh. ,Aus den verloffnen Kriegen, mit
grossem Blutvergiessen under ihnen erhebt' Gülden
Bund 1658. Refl. : entstehen; sich zutragen. ,Was
sich manchmal durch den tüfel an vil orten erhaben
hat.' ZwiNGLi. ,Die einsidel, deren Ursprung sich an-
gents in Ägypten erhaben hat.' Vad. ,Waun sich das
Bistumb Basel ursprünglich erhaben, ist unbewusst.'
Wurstisen. ,Von wegen des sich onlängst erhebten
Kriegswesens.' Z Mand. 1638. — e) Etw. zu Stande
briiiticn. ausii.-litfu. dunlisetzen, Jmdn bewegen; vgl.
ili:. WÜ. 111 >l:i nn.l ,. iii.i; Antrag erheblich erklären'
in di.'r houtii^eu Kaii/|.'i-|ir. .Damit wir den kouf
dester bas erheben und l.rhaltrn niörhten.' 15'24, Absch.
,Wir hoffend es nit zc r. \Hr un, rn, ut.'n. so man
den Vorsitz [Zürichs] hin-oln/ l'..:', Zwin.ili. ,Wo
wir by anderen orten nit wi.^nten zuu e., dass die statt
Costenz zuo einem ort angenommen (werde).' 1530.
Absch. ,So sy die früntlichen schidlüt by inen ge-
truwtind zuo e. und sy dahin zuo vermögen [dazu zu
bestimmen], da>.- -v . . .■ l.'i::i, ebd. ,Dass der freund-
liche Spruch (dri S, liniUi irhter) angenommen (erhept)
würde.' 1537, ebd. .Er lUMclit auch dise schwere sach
nicht wol allein erheben [das Evangelium, die neue
Lehre in Aufnahme bringen, durchferlituu ]. dann er
hat kein bystand von jemands.' JJun l.'.TI. .S.iil i-r,
wo mit söllichem Zuosprechen Nüt zuo r., dir Sarh
mit Hilf der Pürgesetzten verbesseren.- /. I\n. Innuidn.
16'28. — f) refl. von Personen: aufbrechen. aultr,.t.-n.
.Deshalb sich die von Sitten erhaben band und wider
sy gezogen.' NicRüsch. ,Hatt sich die K. M. erhebt
zu Köln.' 1475, Bs Chr. , Wider diese hat .-ieh aueh
N. N. kreftigest seines Vermögens erhe|ii.' \Vii;vii>i:n.
— g) Ptc. adj. 1) von .erhabener- Ailieit, >. iil|,tin-
werken. ,Sigillum, erhebts bildle udn imi eili, l,ier
arbeit. Cffilatus crater, ein becher von erliabter arbeit.
Erhabne oder tribne arbeit machen, cslare.' Fris.;
Mal. — 2) hochstehend od. -liegend, erhöht. .[Wurde]
als ein küng uf erbebter briii;'' eei^iiml und eiit-
houptet' Ansh. ,Ein erbebte alle heeiabinus |(;iali-
mal] uf Pfyleren stände [stelieiull inil einem iliul'-tein
daruf.' KCys. .[Der Rhein] nielit selu eilielue Ge.-tad
hat.' Bs Chr. 1765. Von Personen: .Erhabene [hoch-
stehende] Personen ihrer Ämter entsetzt.' 1635, Absch.
— 5. (abs.) sich fühlbar machen, uf'-tragen; über-
wiegen. ,So erhab doeli das hundtöden wyt' 1489,
Geschpo. Ges. !•. '_'S'2.
Über er- in trl,„n :' s. Bd 1 402 ß. Bei 3 liegt ,baben'
A ], 1 f zu Grunde und er- in der Bed. .vollends" s. Bd I
402 y. Bei 4 e, wo auch ,erlangen' als Bed. angesetzt werden
könnte, lifgt eine audere -Anschauung als bei 3 zu Grunde,
nänilieli <lir dl s ^ie-li 1. h, II K III |io rhebeus über Hindernisse.
Dass .rih.lHM III il. I -, »nliiilieben nhd. Bed. der heutigen
Volks>|ii Im hui 1,1 liriiilii .iiif dem schon in der Anm. zu
lmb,:„ bcsl.luclleULU tjniud.
uf-er-: 1. emporheben, -halten, die Hand zum
Schwören = einfachem üf-h., s. d. .An offnem ring
muss N. N. die ankläger zu offnen füren und fenstren
mit uferhabnen fingren, gelerten Worten, zu Gott ge-
schwornem eid, der us.sgossen[en] zuereden entschul-
digen und entschlachen.' 1587, Hagenb.. Sigr. l>ann :
907
liaten (lieben)
den Eid selbst u., leisten. ,Mit herz und mund und
uferhabnen eiden geschworen.' B Syn. 153'2/1775. —
2. anheben, anstiften = er-h. 4 d. ,Wie seralichs uf-
ruer und krieg im onwissend uferhaben und gangen
syg.' Sicher 1581. — 3. aufrichten. ,Gott hat die
synen, so sy euch in sünd sind gefallen, widerum
durch syn gnad uferhaben.' Zwingli. — 4. wegnehmen,
vorenthalten; vgl. nhd. .aufheben' = bewahren. ,In
dem Gute, so N. N. und den andern synen Gesellen
ze Meilan uferhaben wart (ablata et detenta).' 1349,
Z Ratserk.
üs-haben: 1. tr. a) mit Sach-Subj. und Acc. P.
a) Einem Dienste leisten bis zum Endo seines Lebens
B; „Gr;" ScnSt; Th; Z. ^Das Süshed-mi''' üs, hält, so
lange ich lebe Gr; Z." De'- Rock hat-mi''' iis. — ß) zur
Erreichung eines Zweckes ausreichen. Das Geld hed-
mi''' US „Gr;" L. In beiden Anwendungen Syn. «s-
jUn-h. — b) mit pers. Subj. und Acc. S. a) Kosten
tragen, bestreiten. „!''• tvill-dr d' Cliösten u. Gr."
Mit ,für' üwE. Ohne pers. Bez.: Alles üshebe", be-
zahlen Z. Sterbet und Werdet u., die Kosten der
Todesfälle und Geburten in einem Hause Z. Syn.
üs-halten, abheben. — ß) = nhd. aushalten, ertragen.
I"* 7iä»'s nid me'' iis B. — 2. intr.: ausharren Ap
C-hebq, -häbqj; ,ad finem usque durare.' Id. B. —
3. ,Es sye ein stät opfer und das werd usgehebt wer-
den in der letsten zyt.' B üisp. 1528, = ,beendigt.'
ZwiSGLi 2, lö2. — ushin-: 1. Etw., z.B. ein Gewicht,
in freier Hand hinaushalten Schw; Z; .proferre caput
(aus dem Fenster strecken).' Id. B. Unpers.: Eshc'd
(macht) de' Nebel u'se" (inne'): der Nebel geht weg
aus dem Tale (wird dichter) UwE. — 2. aus einer
bedrängten Lage befreien (herausheben) UwE. —
3. a) = us-h. i a G; Sch; Schw; UwE. ; Z. 's hät-e" nüd
tise", es reicht ihm nicht aus bis zum Tode oder genügt
ihm nicht zu einem gewissen Zwecke. 20 Franlce"
händ-e" nüd ttse' [zur Bestreitung der Eeisekosten] Z.
De- Most häd-is use' [langt, bis es neuen gibt]. Mit
Acc. S. Das hat 's use', reicht hin. Mit pers. Subj.
und Obj.: überleben. Du häst-mi''' nüd use: —
b) a) = us-h. 1 b. Die ganz Eüshaltig useha^, alle
Kosten derselben bestreiten Z. Das ganz Mal iise'-
hebe", allein bezahlen, ebd. — ß) mit Acc. P. Einen
frei halten, z.B. auf einer Reise od. sonst im Wirtshaus
Ap; Gl; (iG..(-hebe); Z. I''' ue"t di''' mit 100 Talere"
nid use'ha B. Mit 1000 Franke hätt-ene nid use,
könnte ich ihn in diesem Geschäfte nicht vertreten,
ohne dabei zu kurz zu kommen Schw. — 4. a) es
Einem ^loich tun. Wenn es Wib z' ungueten geratet
[missviLtj. ,-, Iiiit (X ; Manne use" und d'r Tüfel chönnt
hi-n-iw ijn ].ii-hii\, si" [tut so viel Böses wie 7 Männer
zusammen]. Gotth. Einen Rivalen oder Concurrenten
beseitigen SchwE.; vgL Bed. 2; doch viell. nur: über-
winden. — b) Es u., den Sieg behaupten. De'' het 's
no''- geng use'! B. Mit Dat. P. oder S. Mir Ober-
länder sl" rechti Burs! mir hei's den Andren use: Kühn
1819. Nummen Ei"s het 's Allem use': Z'fride' sl",
wie 's Gott het g'macht. ebd.
Ter- (Ptc. in Bs verhahe' nuA verhebt): 1. tr. mit
pers. Subj. a) geschlossen halten, verschliessen, zu-
decken, mit der Hand oder mit einem Gegenstand;
ein Gefäss, eine Röhre, eine Türe od. andere Öffnung,
eine Wunde, einen Körperteil, allg. Syn. ver-ent-,
zue-h. .So tuond .sy glych al.-* die verzwyfleten Juden,
die Stefanum nit wolltend hören, verhebend [die
Ohren].' Zwingli. .Der die ougen verhebt, dass sy
nit sehind.' ebd. ,Durch das wort Gottes verhuob
er den himmel.' 1531/48, Sir.; dafür: .verhielt' 1667.
,Du verhuebest mir meine auglider.' 1531/48, Psalm;
.verhebtest.' 1667. ,Gog und Magog verhend die ougen
und fliehnd.' 1549, L Heiligonsp. ,Gott den [Löwen]
's mul verhueb.' Aal 1549. ,0s opprime, verheb im das
maul, tue im das maul zue.' Fris.; Mal. ,.\nfangs druckt
man nur etliche Drücke, worbei der Rohrführer sein
Rohr wohl verhebt.' Feuerspritze Z 1790. — b) zurück-
halten, Etw., das ausfliessen, hervorbrechen will; den
Atem, Excremente. Urin (den Brunnen); einen Affekt,
z.B. Zorn, das Lachen; eine Begierde Aa; Ap; Bs; Gr;
G; Sch; Th; U; Z. Der chann's Süfe' fast nöd f., sich
nicht enthalten. Er mag 's nilt v. zuez'luege". Syn.
über-h. Vgl. Verhebweid. Bes. Worte, resp. Geheim-
nisse, nicht aussprechen, verschweigen Gl; G; Sch.
I»* ha' 's nümme' chönne" v. Bs; G; Z. Bitt di''',
verheb 's! Bs; Z. D' Wiber mögid Nünt v. Ap. Etw.
unterlassen. Verheb 's! iron. i. S. v.: du kommst mit
deinem Vorhaben zu spät GrD. (B. I 195). Der Rat
beschliesst, einen gefassten Entscheid ,ze verhaben'
[geheim zu halten], bis man sich noch mit andern
Kantonen verständigt. 1431, Z Stadtb. ,Auf das re-
deten die Eidsgenossen mit unseren boten, dass sie
die knechte verhüeben zu schicken.' 1437, Laüff.,
Beitr. 3, 45. ,Dass wir die kn. verhaben wollten unz
auf dienstag.' ebd. 46; vgl. noch 49. 50 und (uf-)be-
heben. ,Wär, dass jemand zuckte mit messern oder
wäfen oder mit steinen und verhebt, dass er nicht
Schlacht oder wirft' TnWellh. Offn. ,Wo der jäger
nit den atem verhebt' Tierb. 1563. .Incontinentia
urinaj, unbehebenheit, wenn einer den harn oder brunz
nit verheben mag. Animara compressi, ich hab den
aten verhaben. Stomachum comprimerc, dem Unwillen
weren, das kotzen verhaben. Fletuni suspendere, sich
vor weinen enthalten, das weinen verhaben.' Fris.;
Mal. ,Mir will zerspringen ob deinem hüpschen Sin-
gen mein Bauch, mag 's nit verhau, muess recht lan
gan. (Edatur crepitus).' Mtricäds 1630. ,Die Wunden
war so gross, dass ich sie mit der Hand nit bedecken,
noch das Blut verheben konnte.' Würz 1634. .Das
Lachen verheben, risum tenere.' Hospis. 1683. ,Er
kann Nichts verheben, nicht gehackete Rüben, omnem
stomachum detegit.' Mey. Hort 1692. — c) beim Handel
einen Preis festhalten und darüber den Käufer ver-
lieren Ap. Früher übh. im Handel Geld einbüssen,
verlieren. ,Uf die zyt hain ich 300 fl. verhiebt an
körn und wyn.' 1526, HsStockar. ,100 fl. um körn
und wyn und um ross usgen und bezalt und verhiebt'
ebd. Eine Verkaufswaare zurückbehalten (nicht los-
schlagen, um sie nachher teurer zu verkaufen). ,Sy sont
die flsch nüt Übertüren uf geferde, dass sy sy damitte
verheigen, dass sy sy morndes anderswa verkoufen.'
XIV., THDiess. Stadtr. .Riete er jm, dass er [der Eigen-
tümer] türer geben und im Markt verheben sollte, so
wollte er es morgendiss kaufen, der ist die Buess ver-
fallen.' GrD. LB. 1646. - d) Einem Etw. v., verwehren,
verhindern, vereiteln Aa; Bs; B; W. Es ist doch
schröcklig, we" me« Eim d' Sach eso rerhet [wenn ein
Arzt durch absiclitliehe schlechte Behandlung die Ge-
nesung eines Kranken verhindert]. Gotth. Vorenthalten
Bs; B. Syn. ror-h. ,0b yemands wider die von Mül-
hu.sen ufruer uiiderstan wellt, so begeren sy [die Eid-
900
liiib(Ml (liel)iMi)
910
, geiwssen J, dass durch gebot hilf und stür des herzogen
verhebt und underkommen werdend.' 1474, Absch. —
e) in die Höhe heben, entrücken. ,Ist er unver.sehen-
lich von einem Gespenst in die Lüften verhept und
ser wit getragen worden.' ECys. — 2. intr. a) mit
Sach-Subj., entsprechend 1 a: fest schliessen, luft-
und wasserdicht sein, von Fenstern und Türen, von
Gefässen Aa; G; Z. 's verhebt kd«< Büge' [Fass-
daube] me" AAZoin. Wie me"" Löchli a's es het, wie
[desto] besser a's es verhet, Rätsel vom Strohdach.
Verstopft sein, von einem Eauchfang. Gang ga luegn,
«•(i 's ettn verhet Grü. 's Wetter verhät, der Eegen
hat aufgehört; es wird iez xcol es Wlli verhebe" Z.
Bas verhet, genügt Aa. ,4 ß gab ich bansen kinde-
nisnn, allerlei an den fenstern und sunst ze bessern,
dann sy nit wol verhuoben.' 1546, ZGrün. Aratsrechn.
,Das Herz verhebt besser als die Gedächtnuss; es ist
der beste G'halt.' FWvss 1650. — b) mit pers. Subj.
a) zögern, zaudern, zurückbleiben GRPr. Worum
tiiend-er noch rerhehn" [zögern, hereinzukommen zum
Essen], u-enn-er ja sehn' a Wil fertig sind? Schwzd.
Bas ist doch e Verheb^te! ein ärgerliches Zaudern.
,Sy wolltont Meilingen erschlichen han und verbuch
der huf dahinna [dahinten] und giengent inen ein teil,
als ob sy fründ wärind.' Fründ. — ß) sich abwehrend
verhalten. Ber ist besser zum Verha' [abwehren] a's
zum A"zieh'* [angreifen] B; von einem schwerfälligen
Schwinger gegenüber einem gelenkigen. — 3. refl.
a) eine zu schwere Last heben BSchw.; Syn. über-
biiren, iiberlupfen. — b) sich wehren, sträuben. Es
cerhet si''' z' regne", die Witterung ist trübe, aber es
kämpft noch gegen Regen B.
Mhd. verhaben, -hchcn, zuhalten, verdecken, verschliessen ;
verhoben auch: zurückhalten; verheben auch: in die Höhe, zu
hoch heben. Zu 1 e vgl. Bd I 910 (ver- = er-). Die unter
2 a gestellte ahstr. Bed. ,aufh8ren, genügen' ist viell. als
abs. Anwendung von 1 a aufzufassen: verschliessen (den Aus-
fluss aus einem Vorrat); genug sein lassen, genügen. 2 b a
scheint (urspr. refl.) Anwendung von Ib. 2 ß und 3 b
entsprechen 1 d. In 3 a hat ver- die Bed. des Übermasses,
s. Bd I 906 c.
vor-, für-: 1. sinnlich: einen Gegenstand vor-
halten Ap; Z; .übvertere.' Id. B; ,z. B. einen Spiegel."
Meist als Hinderniss, z. ß. Einem die Hand vor die
Augen, damit er nicht sehe B (Zyro). Die Hand vor
die Brunnenröhre, ebd. Einem Tänzer ein Bein, um
ihn zu Falle zu bringen L ; Z. Bildl. Einem den
Fuss, das Bein f., Etw. in den Weg legen, damit er
ein Vorhaben nicht ausführen kann Zg. Eme Hochsig
fürha", der Brautfuhr den Weg vorsperren, um ein
Geldgeschenk zu erlangen Z. Syn. uf-h. 4. Ell. Ben
Ü7nhang f., den Vorhang gezogen haben B; Z. ,0b
jeman denen, so gefrewelt haben, band furhan [scho-
nen] wellten und die beschirmen.' 1480, Geschfo. Ges.
,Wenn man 1000 jar einem unbekannte wort fürhüeb,
so wurd doch einer nichts dester gelerter.' B Disp.
— 2. moralisch. Einem Etwas zum Vorwurf machen
(Fehler) Ap; Bs; B; Gl; G; Uw; W; Z; ins Gedächt-
niss zurückrufen , z. B. empfangene Wohltaten B.
,Wenn du so eine [reiche Frau] kriegtest, so hätte
sie es dir alle Tage für, wie gut sie es daheim ge-
habt.' GoTTH. Jnid mit einem Liebesverhältniss necken :
Eim Eini oder Einer Eine' vorh. ,Der gesandte
entschuldigte die von Zürich mit [gegen] allen [so!]
dem fürheben, das in'" der künig fürliueb.' Edlib.
,Du weisst, dass kein einfaltigerer schryber in tütsch
ist weder ich; noch [dennoch] hast du mir der reder
kunst für [rhetorische Floskeln].' Zwingli. Als Grund
einwenden: , Wollt in [den ungehorsamen Knecht]
der von B. versprechen, so soll man im fürheben,
warum er denselben knecht vormals geturnt habe.'
1414, Seg. RG. ,Wie du mir ein gegenwurf für-
hebst.' Zwingli. ,Uns will von unnöten bedunken,
dass ir uns die pünd fürhebent.' 1530, Absch. Als
Verpflichtung einschärfen : ,Wenn dem hirten geliehen
wirt [d. h. sein Amt verliehen], soll man im fürhan,
dass er usfahr, so man ihn heisst ustryben.' 1472,
Z OWthur. üffn. — 3. ,Einen wohl für-h.', freund-
lich, höflich behandeln, Achtung und Ehre bezeugen;
über Gebühr oder Verdienst hervorheben, bevorzugen,
herausstreichen VO. ; G. Sich wohl f., viel auf sich
halten, stolz sein GW. In der ä.Lit. einfach ,fürheben'
i. S. V. ,bevorzugen, begünstigen, beschönigen', oft
formelhaft verbunden mit , verschonen' u. a. Synn.
,Uie von Zug wollen Leute, die die Zürcher beleidigt
haben, bestrafen und Niemand fürheben, verschonen
noch verdecken.' 1580, Absch. ,Wo aber dieselben
sümig syn und etwas fürheben, durch d' finger sehen
und eim nit wie dem andern richten.' ebd. ,Uie Yn-
gewünner sollen nit gwalt haben, dheinen, dem ver-
loren ist, fürzuoheben ald an der gesatzten buoss
ichtzit nachzelassen.' 1548, Z Gerichtssatz. ,Darinnen
[im Verzeigen] Niemand vorzehaben noch zu ver-
schonen.' 1671, Hotz, ürk. Mit Dat. P., Vorschub
leisten : ,Wie gefarlich der landvogt die gönner evan-
gelischer warheit undertrucken lasse, aber die wider-
wärtigen [Gegner] embor und inen fürhebe.' 1581,
Strickl. — 4. vorenthalten, entziehen, benehmen;
verwehren. B' Freid [Freude] häd-mer 's Esse' vor,
benimmt mir den Appetit Obw. ,Es sullent ouch wir
und unser nachkommen und all unser lüt allerlei kouf
geben [offenen Markt halten] und inen [der andern
Partei] denselben in dehein wys vorhan noch abwerfen
[versagen, aufkünden].' 1412, Absch. ,Wa ieman dhein
guot hetti, das in den hof fellig wäre und inen [den
Inhabern desselben] den fall vorhette.' 14'24, AAHolderb.
Oftn. ,Hett er [der Inhaber des Widems] das wuocher-
rind nit [das er zu halten verpflichtet ist], so möcht
man im den höwzeheuden vorhaben.' 1433, ScnBuchb.
Ott'n. ,Der herzog war erstochen von einem, dem hat
er syn wyb vorgehebt.' .Sicher 1531. Die Zürcher
sollen durch das Loch iin Hag fliehen, dann aber die
Büchsen- und Arrabrustschützen sich dort postieren
und .habend inen [den Feinden] das loch im hag vor.'
Edlib. ,Sy habend ouch dem apt syn land und lüt
ghulfen vorhaben und entweren [entziehen].' 1531,
Strickl. ,Das. so den Annen von Gott gegunnen wird,
weiters nit vortinlwii, ^nndiT willig nachfolgen lassen.'
1604, Z Ratserk. S. im, h S|,. '_>si u. gelthaft. — 5. vor-
behalten. ,üarzuo bau wir vorgehept unser stat ellü
ir gericht und ir guoten gewanheit.' 1332, Gfd. —
6. im Sinne haben, beabsichtigen Bs; Uw; Z. ,Vor-
habens sin', gesonnen sein B; mit zu und Inf (vgl.
Bd I 929 u.). We" d'r Vorhabes sid, wider z' bouc" B.
.Dieweil er aber anderstwo hin zuo reisen fürhabens
[ist].' 1563, Hagenb. Sigr. — 7. Vorrat, Überttuss,
übrig, mehr als nötig oder genug h. Bs; BO.; Sciiw;
Zg; Z ; s. Bd I 928; 960. Syn. vorig ha. Er hed Nnd
vor, kaum genug ZO. Es h. N. v., es fehlt wenig
(so würde es misslingen). ebd. Bc Nachböur hed c"
911
lialten (heben)
912
Chnecht für. MW sott eisder Gehl f. ha" Uw. Es
par Santine f. für es StrauhüetH F. Wenn die Speise
kalt aufgestellt wird, tröstet der Thurgauer mit: ,Nun
habt ihr das Blasen vor [nicht nötig].' ,Die rychen
Burger beflyssend sich vil Watten fürzuohaben.' JEüeg.
1Ö06. — 8. Etw. voraus, zu gut, eiuen Vorteil h. Vgl.
Bd I 930 B 5, z. B. ein Verdienst für den Himmel B.
,Dass er nüts vorhab [keinen Gewinn von dieser Eeise
ziehe].' 1408, Wegelin 1844. ,Üie herren wären edel-
mächtig; die wollten durch ir adel und gewaltes wegen
eins vorhan, sy begnüegte nit fast mit dem erbieten
des rechten ze empflegen.' Just. ,Der wys Socrates
beniegt sich nit, dass der sun synem edlen vater glych
sye, sunder will, dass er synes vaters tugent zevor-
habe und dieselben adelicher mit eigner tugent mache.'
Ansh. ,Es hatten die Eidgnossen in disem Stryt inen
zum Vorhaben und Vorteil genommen die Mur des
Eebgarten, welche Mur sye zu Ruck hatten.' KCys.
,Es geschieht häufig, dass, wenn ein Landvogt Rech-
nung ablegt, die Gesandten seines Ortes ihm vorzu-
haben [zum Voraus Etw. an ihn zu fordern zu haben]
vermeinen, so dass den Obrigkeiten weniger verbleibt.'
1642, Absch. — 9. vorher halten (Nachtrag zu Bd I
930 B 3). ,Mit vorgehabtem Rat und guter zytlioher
Vorbetrachtung hab ich verkauft . . .' 1673, ZHerrl.
Kaufbr.
Bed. 3 ist Bd I 960 c so erklärt worden, dass sie zn
haben BIS gehören würde; aber das in der ä. Lit. syu. vor-
komnieude ,fürhalten' spricht dagegen. Übrigens würde für
mehrere Stellen auch die Bed. ,Terdecken' (schützend Etw.
vorhalten) passen und es scheinen sich verschiedene RAA.
von ähnlicher Bed. gemischt zu haben, da auch die Con-
struction schwankt, zwischen Pers.- und Sach-Obj., Dat. und
Acc. In Bed. 4 berührt sich vor-, für- mit «,•«-. S. Bd I 912.
In Bed. 1-5 gehört die Präp. näher zum Vb. als in 6 — 9,
wo ein Adv. in prägnanter Bed. vorliegt und keine eig. Zss.
stattfindet.
für-hi"- haben: vorstrecken, Hand, Nase, Kopf
B; Z.
g--: 1. tr. a) g-hebe Gl; GrD., Pr., ObS. (neben
g'hä); Sch; Z (neben g'ha), jr'/iö GrV., festhalten; oft
verbunden mit mögen i. S. v. .vermögen'; ebenso in
Verbindung mit ,sein' und Inf. mit ,zu': Bie Chiie ist
nüd z' g'hele", z. B. beim Melken Gl. Er viag-ne [ihn]
nid g'h. Gr. I"' mag's g'ha GWa., Jcebe GA. !"•
mag das nüd g'hebe [es ist mir zu schwer] Bs; Z.
,Wer ein ross an der band füert und das nit in söm-
licher mass gemeistern old gehaben mag, dann dass
es die lüt wüest [schädige].' 1480, L. ,Mochtend das
Schilf nit gehehen.' Bussjr. — b) zurückhalten. Er
Mt's n«j«me" [nicht mehr] viüge" g'h^he [die Äusserung
seines Unmutes] ; do hat er üspackt und g'seit, was-evi
i's Mül ho" ist GBern. — c) von Gefässen: Flüssig-
keit nicht
lassen. Die Gepse' g'hebt kei"
Milch, ist nicht dicht, rinnt GrL.; s. 2 und ge-hab
— d) fassen, enthalten, von Gefässen. Die Gepse
g'het 13 Mass Gr ObS., V. ; vgl. haben B 1, 10. -
e) behalten, unterbringen; Syn. gehalten. ,Ein hus,
darin sy der stift ire frücht gehaben und behalten
mügind.' 1554, Hotz, Urk. — f) Es Eim g'ha' möge",
Einen übertreifen Ndw, Einem im Wettkampfe Stand
halten, es ihm gleich tun. Der meint, im mög 's Nie-
men g'han, aber su vil das [als] er, glouben-i"; mög
i'* 0 [auch] verrichten BR. S. noch Bd I 759 und
haben B 1, 1 b ^. Syn. Eim möge' Tatz g'ha'. —
g) Etw. g. mögen, erlangen können; = haben A 1, If.
,Möcht sy [eine neu vermählte Frau, um ihre em-
pfangene Morgengabe zu beweisen] die zween bider-
mann [als Zeugen] nit gehaben.' 1439, ZMünch. Hofr.
,Damit der Bapst dester minder Anlass noch wyter
zu werben geheben möge.' 1562, HBull. , Damit wir
mehr Messen und Priester zu dem Lob Gottes ge-
haben mögen.' RCts. — '2. intr. a) entsprechend 1 a
und haben B 1, 5 : festhalten , nicht brechen. ,Sy
sägend den bäum ab, doch nit gar. dass er bloss
ghaben möge.' Tierb. 1563. — b) entsprechend 1 c :
wasserdicht sein GrL. Das Gschirr ket Gr ObS. —
3. refl. a) sich beklagen, meist über Schmerzen an
oder in irgend einem Teil des Leibes, doch auch über
anderes Unbehagen oder Ungemach, etwa mit dem
Nebenbegr. der Übertreibung; unwohl, leidend sein,
sich krank fühlen und geberden, Schmerzen durch
Klagetöne äussern, allg. Er g'hät si''' im Chopf, im
Bei'. Auch: Er kebet si"' über Euggewe GA. Wo
g'hest di"'? wo fehlt es dir? UwE. Was ßlt im?
Ho, er g'hebt si''' neue' durane' Bs (Breitenst.). Was
ihm Leids wider faren sei, dass es sich so g'heige. Neu.
B Kai. 1841. ,G'häb di''' de", sagte Anne Bäbi, we"'s
US di"m Tttech geit, es duecht mi''', für mi's Tuech
könntest du mir den Kummer überlassen.' Gotth.
Wend-s' [wenn sie] so müessted icerche', si wured-si'''
ordlig g'häbe" GEbn. Auch über eine Person: „!'''•
ha' mi"' über-ne' g'ha"' BSi. Syn. be-h. In der ä. Spr.
oft mit beigesetztem Adv. ,übel' und auch i. S. v. ,sich
übel befinden'. ,Wenn ich mich schon fast übel ge-
han, so tuend sy eins und spottend myn dran.' NMan.
,Uer sich des abziehens der knechten übel gehebt und
hoch erklagt.' 1521, Absch. ,Etlich ziehnd hinweg, so
im noch schuldig zu dienen sind; des gehebt sich der
herr übel.' 1521, Strickl. ,Was gehebt sich dein
Herz so übel?' 1531/1707, L Sam. ,Dann er uns in
der ganzen gesellschaft gar übel rüwt, ouch die herren
am hof, die sich all fast übel umb in gehaben.' L
Missiv 1549. ,0 ja, wie kannst dich übel g'heben,
als wüssest d' sach [eine Steuer] nit z' erheben.' Fün-
KELiN 1553. ,Er gehueb sich des streichs [bei diesem
Anlass] übel.' Tschcdi. ,Das gespenst habe sich übel
gehebt und gesüfzt.' LLav. 1569; dafür: ,Liesse sich
mit unbekannten , traurigen Seufzen hören.' 1670.
.Dorüber [eine Todesnachricht] ich mich herzlich übel
gehuob.' ThPlaii. 1572. ,Eheu. ach, o we, aha, ist
ein wort deren, so sich fast klagend und übel ge-
habend.- Fris.; Mal. .Je nachdem eins arm und dürftig
g'sein und sich übel g'han.' 1578, Z Staatsarch. ,Einer
g'hebt sich ab seinen Kinderen.' Scbimpfr. 165'2. ,Sie
g'hebind sich, der Wyn sei gar säur.' ebd. ,Der Knab
kam aus der Schul, gehebte sich im Kopf und starb
in der Nacht' 1787, Z Mscr. — b) sich wol g., getrost,
guten Mutes, ruhig sein. ,Hör, armer Mann, und
g'heb dich wol, der Tod dich bald erlösen soll.' NMan.
,Gehebend euch wol und erschreckend nit' 1531/48,
Tob.; dafür: ,gehabet.' 1667. .Nun g'heb (g'hab) dich
wol.' Aal 1549. ,Myn lieber herr! nun g'hand üch
recht!' Eüef 1550.
Mhd. rjekahan, halten, behaupten, refl. sich befinden uud
benehmen, mit wol od. übel; vgl. Gr. WB. IV 1, 2, 2:310 ff.
Unsere jetzt allein und ohne den Zusatz ,übel' geltende Bed.
,sich beklagen' scheint eine einseitig prägnante Weiterent-
wicklung von ,sich befinden', weil die Verbindung mit ,nbel'
vorherrschend war und weil Übelbefinden sich in Mienen,
Geberden und Äusserungen leichter kundgibt als das normale.
Iiitbeii (liflx'ii)
!tl4
Lat. »f hulKn uiiil frz. «e iiuritr siud indifferent geblieben,
liass dann Angabe von Körperteilen beigefügt werden kann,
braucht nicht aus Verkürzung des Ausdrucks erklärt zu
werden (z. B. er ißäd-si''^ im Chopf statt: über .Schmerzen'
i. K.), sondern der Ausdruck bedeutet urspr. nur den leiden-
deu Zustand des betr. Teiles, nicht die KUge, die ja auch
nicht laut zu werden braucht. — Betr. die Verbindung mit
.mögen' bei 1 a b f g, 2 a s. Sp. 47 ff. und die entsprechenden
Bcdd. des einfachen ,haben'. S. noch das Folg.
er-ge-, nur in der Verbindung: erg'hebe" möge",
fe.stzuhalten vermögen Bs. — Verstärkung von .gehaben
mögen' 1 a, wobei er- die in Bd I 40-2 c Y angegebene Bed. hat.
entgege"-: 1. zu Sp. 143: a) einzuwirken suchen,
flass ein Gegenstand nicht in (od. nicht in zu schnelle)
Bewegung gerate, z.B.: Käb du entgege', %ve"'-mer
de' Stutz afii [den Abhang hinunter] faren BR; Den
Preis eines zu verkaufenden Gegenstandes nicht er-
mässigen wollen, ebd. „Widersprechen, allg." Eini 's
hösMüle. B(Zyro); ^jn. dar-haben. Unpers. Es hebt
entgege', eine Arbeit ist mühsam. Mer heind in dem
Acher Anbächt [Anlass zur Anstrengung], wenn 's Eim
bi der Arbet giiet entgege'hebt Gr. — b) „Der Anken
het lang e-g'han, ausgereicht BO." — 2. vergleichen.
We" mu das etgege' het, de"" g'seht mrn erst, das' es
doch )iit so schön ist, wie-n-es schint B. — dergege"-:
festhalten, dass Etw. nicht falle; auch: sich an Etw.
festhalten Ndw. Syn. wider-h.
Guet-: (als Subst.) gültige Schuldforderung, allg.
Insbes. der aktive Teil eines Vermögensbestandes,
„was auf einem Grundstücke oder einem andern Be-
sitztum nach Abzug der Schulden als reines Vermögen
oder Ertrag gerechnet werden kann Ap: Gl; L." —
Vgl. 2' ijiiet hin (Sp. -543).
band-: 1. mit Acc. P. a) zur Eedc stellen Z. Er
liät z'letst bikennt dur''' 's H. Z. Zur Ordnung an-
halten, zurechtweisen, strafen, z. B. ein ungehorsames
Kind Z. ,Die unghorsamen anfahen h.' Zwingli.
,Den wird man darumb hertigklich h.' Z Mand. 1650.
.Ein in seinem Dienst fehlbarer Klosterknecht soll
dem Grosskeller [Überaufseher] angezeigt und von
ihm darum gehandhabt werden.' XVII., AiMuri Ge-
sindeordn. ,Es getraute sich Keiner, ihu nach der
Vorschrift zu h.' DHess 1818 (dem Ausdruck der
Mand. folgend). Überh. zu Etw. nötigen: ,Dass wir
den priester zu recht h. [vor Gericht stellen od. ziehen]
wollen.' 1524, Absch. ,Die Boten könnten den Pocco-
bello h., ihrem Urteil Genüge zu leisten. Doch wollen
sie Niemand Gewalt antun.' 1543, ebd. ,Ine [ihn]
allhar [hieher] zum recht zu handhaben.' 1589, Se-
GESSEK, Pfyff. — b) ergreifen, zu Händen nehmen.
.Alsdann soll die hebamm das kind [bei der Geburt]
by bedcn füesslin erwütschen, h. und begryfen.' Rdep
1554. Festnehmen, gefangen nehmen, verhaften. , Fre-
velt ein fremder mann in den gerichten zuo KL, so
sond die. so daby sint. denselben h. um den frevel,
dass man den frömden behab, unz er das recht ver-
tröst [Genugtuung leiste].' 1449, AäKungenb. ,Wa
einer nüt gnueg schwer [stark] war, so sollt einer
gewalt haben, denen, die er ersechen oder errüefen
möcht. zu gebieten, im denselben [einen flüchtigen
Feind] ze h. und zu versorgen, bis dass er frid gab.'
ScHwMa. LB. , Einen h. und erwütschen. gewaltige
band an einem legen, intentare manus alicui.' Mal.
.Hat er sy lassen fänklichen h. und harnach ent-
haupten.' RCys. — c) beschützen, unterstützen. .Bi
Schweiz. Idiotikon. II.
demselben unrecht sy geschirmt wurden und gehand-
habt von den"" von Luzern.' Just. .Wiewol er sy
darumb angerueft und gebeten hett. in by dem rechten
[Rechtsverfahren] ze h.' 1464, AAKais. ,Dass myner
herren recht also erfegt [untersucht] und gehandhabet
[untertützt, bestätigt] worden, dass sy [die Twing-
herren] dadurch grosse stuck band müessen nachlassen.'
ThFrickart 1470. ,Wenn die puren wüsstend, dass
ire herren nit so vil geacht wärend, und von üch,
mynen herren. gehandhabet wurden.' ebd. .Wir wellen
by solchen Satzungen und artiklen einandren schirmen
und h.' 1526, Absch. ,Wir wollen auch die unsern,
so söllich messpfaffen h., underschlauf geben, sy ätzen,
behusen oder beherbergen, ungestraft nit lassen.' B
1528. .Landlüt, die sy [die Appenzeller] wider einen
abt und syn gottshus handhuebind und ungehorsam
machtind.' Vad. ,Manceps, der etwas verkauft mit
verheissung bei dem kauf ze schirmen und handze-
haben.' Fris. Vgl. glimpfen. .Die Küchen, wie auch
Wittwen und Waisen h., schützen und schirmen.'
GRKlost. LB. .Welche das junge Volk in solchem
üppigem Wesen und Abzug von den Kinderlehren h.'
B Chorgericht 1667. — 2. mit Acc. S. a) entspre-
chend 1 c, beschützen, vertheidigen; behaupten, be-
stätigen. ,Und band wir das allein getan, die [vom
Feinde belagerte] statt zu h. und band wir also die
statt entschüttet [entsetzt].' 1521, Strickl. ,Missbrüch
der messen oder bilder halb h. oder widerfgchten und
hintuen.' Zwingli. ,So fer man die bild mache oder
handhabe.' ebd.; nachher: , handhalte.' ,Der Caplan
zu E. hat das Verdienst unserer Werke [d. h. die
kath. Lehre davon] eingeführt [vorgebracht] und ge-
handhabt.' Hess, Samml. (nach Z Synodalact. von 1534).
,Was sie hier schreiben, wollen sie h. vor den Eid-
genossen.' 1535. Absch. — b) .Ein pündtnuss halten
und h., fcedus observare; sein ansehen h., diguitatem
teuere.' Mal. — c) zu Händen nehmen, einem Andern
vorenthalten. ,So möchten die undertanen die zehen-
den h. und inn hau.' nach 1436, Gfd. — d) ver-
walten. ,Ouch sollend sy [2 bestellte Ehrenmänner]
einer jeden [Kirche] ynkommens h.' XVII., GrD. LB.
— Handhaber: Beschützer. Verteidiger. .Das hette
können z'wegen bringen der witzig fryweibel und
wenig syner handhaberen.' ThFrickart. .Die h. des
papstums.' Kessl. — Handhabung: Behauptung.
Aufrechthaltung. Durchführung. Verteidigung; Schutz.
.Zuo schirm und h. der lande.' 1521. Absch. .Zuo hilf
und h.' 1522. ebd. .Zu H. diser Stucken [dieses Ver-
botes].- I(i09. Z Mand. ,Der Gesandte fordert H. gegen
die riH.itr.'ti'v/ lt;38, Absch.
Mliil. Iiu.iihui,. „. tfsthalten, schützen, unterstützen. Das
deutsulic W. srlifint z. T. Übersetzung oder Nachbildung des
frz. iiniiiit'uir oder mlat. manutenere.
hinder-: 1. mit Accent auf dem Vb. a) tr.,
zurückhalten Ap; Z; den Atem, um in einem Versteck
nicht gefunden zu werden. Es hat -mer eso we 'ta",
es hat mi:r ganz der Ate"' hinderha' Z. ,Etw. nicht
können h.', verschweigen Z; auch: nicht im Magen
behalten können, erbrechen müssen, z. B. eine Arznei
Z. Hemmen, z. B. die Bewegung eines Wagens beim
Abwärtsfahren aufhalten B GlK. Da Hinderhan tuet
den Bossen würser wa" ds Ziehn BE.; vgl. Hinder-
häbi. Ein Unternehmen, Vorhaben Anderer hinter-
treiben, verzögern, verhindern BHk., R. ,Dem 1. Gott
seinen Willen h.' Gotth. Vorenthalten, Arbeitern
liaben (lieben)
916
den Lohn, Waisen ihr Erbteil Uw; Z; ein Pfand
nicht herausgeben. „Etw. verhehlen, allg." — b) rofl.,
sich enthalten, ,se continere.' Id. B. Syn. über-h. ,Ich
kann mich nicht h., hier ein paar Histörchen zu er-
zählen.' vMoos 1774. — 2. mit Accent auf dem Adv.:
Schaden, Verlust erleiden, z. B. an einer Waare im
Handel; zu kurz kommen; verlieren, einbüssen; ent-
behren (Genüsse) Gl; GG.; Schw; Uw; Zg; Z (tw.
hinder-lid). Er ivott [will] NtU h., Alles mitgeniessen
Z. I"* ha" das müese' h., um so viel zurückstehen
GlK. Wie vil liest müese' h. ? GG. Nimm, wil d' debei
bist, (ig mueseh-es siist dtre Lebtig h., missen ZO. Wer
grüset, muess mängs gttet BissU h. ebd. Die fule"
Lüt müend vil h. Syn. dehindenlä'. I''' ha d' Arbet
hindergha', ich habe umsonst, ohne Nutzen gearbeitet.
St.*» Auch hinderhin-, hindersich-h. Auch nur: sich
benachteiligt glauben und darüber Ärger und Neid
empfinden BHa. Wenn z. B. ein Kind einen grösseren
Apfel erhält als ein anderes, so sagt man von dem
Benachteiligten: es hed hinder, es empfindet Neid.
Er hed geng hinder u"' meint, es iiberscheji im [ge-
schehe ihm Unrecht] BE. S. noch hinderhäbig und
hinderhägg. Zuletzt übh.: Schmerz über Etw. em-
pfinden. 1"* hau hinder, dass i''' Den und Den nid
ha chennen g'sehn BHa. In der ä. Spr. nur: Schaden,
Nachteil haben; zu kurz kommen. ,Der glöubiger
mag die pfand verkoufen, und löst er für, das soll er
im [dem Schuldner] herus geben ; hat er aber hinder,
so mag er mer pfändren reichen [sich verschaffen].'
1432, Zg St. u. A. B. ,So wir nit essend, haben wir
nüt hinder.' Zwingli. ,Das bluet Christi wäscht alles
das ab, das wir hinderhaben an der rechnung.' B
Disp. 1528. ,Sei man bereit, für die Person 1 Krone,
obwohl man dabei wahrlich viel h. müsse, zu nehmen
[für Verpflegungskosten].' 1532, Strickl. ,Du bsaltest
[könntest bezahlen] wol für den armen mann das, so
ich [der Wirt] an im hinder hau [zu fordern habe,
resp. sonst verlieren müsste].' Salat 1537. ,l)iewyl
die wirt in diser tUri, wie MHH. sy bezalent, nit wol
besten mögent, sonders an den 4 ß für ein mal hinder-
haben müessent.' 1569, Z Weinumgeldordn. Vgl. Hin-
derling. — hinderhäbig: 1. „zurückhaltend, ver-
schwiegen L." — 2. nicht gern bezahlend od. gebend
Ap. Syn. hinder-hägg. — 3. wer immer meint, ihm
geschehe Unrecht BHa. — „ Hinderhäbigkeit :
Zurückhaltung; Kargheit; Verschwiegenheit L."
hinderhi" hindere-: 1. zurückhalten, a) rück-
wärts wenden, „z.B. einen Wagen, allg."; ,retro tra-
here.' Id. B. — b) ,D's Mfd h., linguam compescere.'
Id. B. — c) D' Ghelti het 's Wachse" hindereg'ha" UwE.
— d) ,Oculis se subducere.' Id. B. — e) sparsam ver-
fahren. Id. B. Wir viüesse' mit dem Heu hinderhi'ha,
wenn wer wi [wollen] g'cho' [auskommen] BSi. —
f) „nicht geben, was man soll, allg." — g) zurück-
setzen, nicht nach Verdienst behandeln UwE. —
h) sich widersetzen L (Ineichen). — 2. = hinder-h. 2.
,Mercando perdere.' Id. B. — hindersich-: 1. Be-
wegung, Wendung rückwärts machen W; ein Fuhr-
werk zurückhalten Z. Eefl. sich rückwärts beugen W;
s. hahen B 2 f. — 2. zurückhalten, nicht verkaufen
wollen: ,üu verkaufest dein volk wolfeil und hebst
nit zäh hinder sich, dass es dest mer gelte.' 1531,
Psalm. — 3. = hinder-h. 2. Schaden, Nachteil leiden
W. — 4. tr., Jmdn zurücksetzen, benachteiligen. De"
Yater hät-mi''' immer hinderschich g'hebet W.
her-, horhin h^re-: herhalten, darbieten U; Z.
Heb here, i"'' will-d'r de' Splse [Splitter] üszieh'. Her
ha' miiesse; Etw. leiden müssen Z. ,Als nun Zürich
erfuor, dass alle macht der fynden wider sy gerieht was
und sy belageret und har heben müesse.' HBüll. Tig.
j e t - hebe" : Trotz bieten , ,den Meister zeigen'
GrD. (B.).
Mau ist von vorneherein geneigt, in dem erstem Teile
ein Adv. zu suchen, wie ein solches in dem ziemlich sjn.
Ausdruck e'tgege' h. n. &. ä. vorliegt; und dasselbe liosse
sich etwa in weit = quitt (in verderbter Gestalt) oder in
der in Gr und GO. vorkommenden Conj. jei = doch, gleich-
wohl, finden. S. jedoch helt-haben ihahen III).
Muess-di''''-ha" m.: überflüssige Person, die man
im Hause dulden muss TuTäg. Vgl. haben AI, 1 e.
Ein Sata-Comp., das einen Subst.-Begriff constituiert, wie:
Oang-mir-nach u. ä.
nach-, nach hin nache-, näe- : 1. mit Dat.
a) Einem nacheilen, ihn einzuholen suchen Gl; Z.
— b) nach Etw. trachten, z. B. Keichtum, Verdienst,
Jagdbeute Uw; Z. ,Wo er [der Falke] denn ganz
begirlich dem raub nachhat.' Vogelb. 1557. ,Reigel,
denen sy sunst nit naehhabend.' ebd. Bildl. : dem
Buchte" n., das Rechte wollen Z. — c) einer Person
des andern Geschlechtes nachgehn, um ihre Gunst zu
erwerben L; GG.; S; U; W; Z. — d) das Andenken
an einen Verstorbenen durch Kirchenbesuch und Gebet
erneuern AASigg.; Syn. nach-tuen ; yg\. Sibent, Driss-
gist. — 2. mit Acc. a) nachher haben, -pflegen. De""
Blieb het 's z' guet ka', er ist drum nüd guet nohaha",
es ist schwer, ihn an einem andern Orte zu befrie-
digen Ap. — b) refl., häb-di''' nache! rücke nach! B.
— 3. intr., nachhaltig wirken, z. B. von guter Kost,
gutem Heizmaterial; anhalten, dauern Ap; Th (nöehehe).
Bei 1 und 3 ist hohen in der Bed. B 2 f ; 2 c ß zu nehmen;
bei 2 (wo kein eig. Comp, vorliegt) in Bed. Ale. Zu 2 a
vgl. , Einem nachdienen' = nach ihm einen Dienst versehen,
S3in Nachfolger in einer Stelle sein, was oft als schwer be-
zeichnet wird.
nider-: 1. niederhalten, -drücken BSi. ,[Wenn
Einer seine Unschuld nicht beschwören kann, sondern
nur, dass er nicht wisse, ob er es getan habe] soll
der Weibel ihm die Hand n-heben [ihn nicht schwören
lassen].' 1557, Ap LB. — 2. beim Dreschen bis auf
den Boden schlagen ; bei Gotth. in der Form , nieder-
halten': .Uli hielt nieder im Tenn.' — 3. keck be-
haupten BHk. — 4. zu Bette sein. Schön lang nider-
han, allzulange im Bette bleiben W. Ge'-wer gn n.,
lasst uns zu B. gehen. — 5. refl., sich ducken BSi.
3 wahrsch. nur eine Übertragung von 2 auf Geistiges,
i. S. V. nachdrücklich sprechen. Vgl. dur''' aU Bade' dttre'
b'hauiiten und z' Bode" stellen. Zu 4 vgl. nider-rjä'.
be- Cp'ha", p'hebe"; p'hä) — Ptc. p'häbe" B tw.
— Imp. ^'A«6.' B: 1. tr. a) behalten, nicht verlieren,
nicht weg- oder zurückgeben. I''' wott das nit b'ha,
i"'' gib-d'r 's zrugg B. B'häb's für di'''! behalte es
zu deinem Gebrauch! (aber auch: schwatze es nicht
aus!) B. Die Hitten [Hütte] hed den Name" geng
g'häben ti"' b'hed nen, bis si zäme g'hid BBr. (Schwzd.).
Winn-t-mer nüt Bessers z' gi" weisst, se blieb 's grad
selber GSa. Wenn Neuis [Etw.] z' laufe" isch, so schickt
es mi'''; d's Lose" [Zuhören] u"'d's Dampe' [Schwatzen]
b'het es de"" für ins [sich]. MWalpen 1880. B'häb 's
umme [nur], su bruchst m'r nit geng z' keusche", wenn
d' Öppis manglist. Gotth. B'häb dis Fresse", sagte
das Mannli, i'* überehumme' es bessers ante" andere'
Ort. ebd. Wenn d' uottsch Lwillst], ■'ass das Geld
anfiersch seil g'schlage iverde', so b'heb's und gang d'rmit
i" d' Münz und lo d'r IHlfel drüf schlö*. Schild. Er
het's wie ne Pfaff, er gönnt' alle' Lüte' de' Himmel
und b'het die ganz Welt für in [sicli]. ebd. G'ruwe"
[mit Reue] b'häbe, g'ruue" verchuft, ändert oft g'schwin-
der a's ma dur'>- 's Für luft [läuft]. DGemp. 1884. Ge-
heim halten, verschweigen B; Gl; GO.; W. Er mwiss
Alls tatsche' [ausschwatzen], er ist wie-ne verlechnete''
[leck gewordener] Eimer, er cha'" Nüt bliebe" GSa.
Im Gedächtniss r»« ChopfJ behalten B; Uw; ZO. Er
mag Alles b'ha, u-a^-er ghört. Auch von Beleidigungen,
die man vergelten will. Wart, i"'' will-der 'seh b'häbe.
es dir gedenken Ap. Dazu das Adj. b'hebig. Von
Speisen: ertragen, verdauen können .4p; B; L; G; Z.
Er cha" Nüt bi-n-em b'ha, er muss alle Speisen er-
brechen (aber auch: er kann Nichts im Gedächtniss
behalten, und: Nichts geheim h.}. ,Swas sy kleiner
knaben fiengent, die behuobent sy by in zuo rennern.'
1336/1446, Z Chr. ,Do sprach das vögelin zuo dem
man: iemer muost ein narre sin! niut hast du der
lere min bebept.' Boner. ,Was inen übrig wird an
der spende, das sullent sy beheben.' 1354, B Insel-
spital. ,Syn pfand mugent sy wol behaben.' 1409, Z.
.Der Verlust ald die behebung (sive habeat s. amittat).'
1425, G Waldregel. ,Da hett der guet mann getan
als einer, der das leben gern behueb.' 1476, Bs Chr.
,0b jeman, der unser burger ist, der büecher [aus der
Bibliothek des verstorbenen Bruder Heinrich] eins old
nie ze koufen begert, dass einer selbs behebe, die soll
Herr Wilhelm [der Inhaber der Bibl.] denselben ze
koufen geben.' L um 1500 (Liebenau). .Welcher sich
lat füllen oder er füll sich selbs, dass einer semlichs
nicht behept und von ihm bricht, der ist kommen um
10 pfund.' 1524, Obw Mand. .Das h. sacrament des
fronlichnams Christi, das wir in Würdigkeit wie von
alter har behaben wollen.' 1528, Absch. ,Das übrig
[von der Beute] b'huobend sy mit den iren.' 1531.
II. Macc. = ,teilten sie unter sich und ihre Kinder.'
1860. ,Alle die blecbnent [belehnt] warent von dem
gottshus, b'huebent verdank [Bedenkzeit] 6 tag.' Sicher
1531. .Wenn ir dieselben [Freiheit] wend behan.
müend ir in ire [der Vorfahren] fuossstapf stan.' Eüef
1538. ,Ich will einen b'han us der zal, die andren
gon lan.' ebd. 1540. .[Narr]: Mir ligt etwas an, ich
kann "s nit länger in mir b'han, vor zorn inöcht 's mir
den buch zerryssen, dass ich z'letst müesst in d' hosen
machen.' Funkelin 1552. ,Ich will es dir yetz zeigen
an, das ich mir selbs bishar han b'han [verschwiegen].'
Haberer 156'2. .Das er die Sachen, so für die meister
kommen, heimlich bei ihm behab.' Z Meisterbuch.
— b) aufbewahren; in gutem Zustand erhalten Bs;
B; S; Z. Me' cha'" d's Obs hfir nit b'ha oder: D's
06s b'hebt sr* h. n., es ist nicht haltbar. De'' Wi'
lot-si''' nit b'hebe. 's Wetter b'het-si''', hält sich, bleibt
gut. E Brügg ist öni Joch u"' b'het-si''' notti doch.
Rätsel bei GJKdhn 1819. Akoi-n [= Acheren Bd I 70]
und Geissmist b'hebt den Mann, tcie er ist. Sprww.
1824. Ei's b'het 's Angere-n-i" slr Art und Wls.
Schild 1885, von Hausgenossen, Dienstboten gesagt.
, Alles Hesse er [der Mann] gleichgültig fahren. Si
viüess d' Sach b'hebe, si' müess sorge'.' Stutz, B. 1851.
,Er war kein Hexenmeister im Singen, obgleich er
behauptete, er sei allein im Stand, das Kircheng'sang
z' b'heben.' Z Kai. 1805. ,Es runnent ouch die mül-
linen enweg unz an zwo, die behuob man mit not'
1336/1446, Z Chr. ,Bruggen, die wir müessent behaben
an der landstrass.' 1429, U. ,Der kilcher muosste
sweren, der kilchen ir nutz und ir rechtikeit zuo be-
heben.' 1457, Obw Fünfzehner-Ger. ,Den graben ma-
chen und behan.' 15'24, Schw LB. ,Dio strass guet
machen und beheben.' ebd. ,Wir haben nachgelassen
denen, so da güeter band, dass die mögend zu den
selben hegen loubholz howen, die selben heg zu
beben.' 15'24/44, ebd. ,Wer das selb hus inne hat,
soll ouch den kenel zwüschen dem rathus behan.' ebd.
,Wir wellend hab und guot in guoter gwarsame be-
heben und bebalten.' 1527, Abscb. ,Die Vierer sollent
schweren des dorfs nutz und er zue fürderen, ouch
eins dorfs und zwings gerechtigkeit zue behan.' 1530,
Aa Weist. ,B'hand ir den mann bym leben.' Ruef
1540. — c) einen Besitz behaupten. Si tverche"d
si''' fast z' Tod, nw dass s' das Güetli mögcd b'ha.
Stutz. !''• b'heb! ruft bei einer Kegelpartie Einer,
der einen so guten Wurf getan hat, dass er schwer-
lich übertroffen wird Tu. Er hat 's Banner na'''
chonne' b'hebe, er hat mit Mühe und Not das Unheil
noch abwenden können ZWang. ,Wend ir mir myn
erbe retten und behan.' 1336/1446, Z Chr. ,0 helger
herr Fridoli, hilf 's uns mit eren b'han.' ebd.; danach
die Glockeninschr. Bd 1 754. ,Und derselben trost,
hilfe und rat umb widerbringunge und behebunge
unsers bystumes anzeruefende.' 1391, Gpo. Ges. ,Wel-
cher dem guot aller nächst sitzt, der soll es denn hin
ziechen und behaben vor mengklichem [bei Verkauf
von Grundstucken].' 1433, Z. ,Dass uns Gott das
glück geh, dass wir ein stryt [den Sieg im Streit]
behüeben.' 1476, Bs Chr. ,Unz wir den sig ganz ge-
wunnen und das feld behebend.' ebd. ,Und behucbend
die eidgnossen den stürm [ihre Stellung gegen den
Sturm, den sie abschlugen].' Edlib. ,Mit dem schwort
b'han und erfechten.' Salat. , Zuletzt [nach längerin
Streit] b'hueb der von Trutberg di abty.' Vad. ,We-
licher aller meist schützen [Schüsse] behept hat.'
Neuj. Z Stadtbibl. 1867. — d) fest halten; eine Be-
wegung aufhalten, Jmd im Zaum h. B'ha möge', eine
Kuh, ein Pferd usw. Ap; GrD.; GG.; W; Z. ,E Söttige
[ein solcher Mensch] ist no''' wol z' b'ha, frenum in-
vitus patitur.' Id. B. ,Er ist nit z' b'ha, domari ne-
quit.' ebd. B' Mueter mag e' chum b'hebe. Usteri.
Als ein Appenzeller beim Pfarrer um die Taufe seines
Kindes bat und der Letztere fragte, wo er das Kind
habe, erwiderte er, es hange an der Kirchentüre; er
und der Pfarrer werden's wohl mögen b'heben (wird
im Th Einem gesagt, der nicht weiss, wie er seine
Sache anfangen soll). Chömme d' Franzose oder
möge-si [die Unsrigen] se b'ha? Schild. ,I''' cha'"''s nit
b'ha, diutius resistere nequeo.' Id. B. I"' ha ('s) nüm-
me" ehönne' b'hebe, etw. Schweres G ; Z. Was-me" nid
cha'" b'ha, muess-me' lä' gä" B (Sprw.). De Baum
mag's Obs nümme" b'ha L; Z. Wenn Gott nid hilft
hebe, so cha"' 's de"" Mensch nid b'hebe. Sdlger. Das
wird's wol b'hebe, dem Bedarf genügen BO. Vgl. haben
B 1, 5d. Syn. tuen. Übertr. auf die Ökonomie: fEsJ
nümme' lang b'h. möge", dem Concurs nahe sein BR.; Z.
,B'ha möge', a creditoribus se defendere posse.' Id. B.
,So er dannen faren will, so soll syn vogt den wagen
binden by der langwid fahen, und mag er in dann
allein behaben, so soll er belyben.' 1424, AAHolderb.
<)19
liateii (heben)
Hofr. ,Hiess in beheben und verhüeten (teneri et
custodiri).' 1460, KSailer. ,In [den Uristier] raöcht
ganz nienian b., Burgunn er niderstiess.' VWeber 1475.
,Sy warfent änker us, damit das schiff behept wart.'
HsScHÜRPP 1497. .Das wörtlin by der mess b'hebt
uns [stützt unsere Ansieht].' UEckst. ,l)er habich
mag ein halb gewachsnen hasen behaben.' Vogelb.
1557. ,Equos sustinere, hinder sich halten, wider-
haben, beheben. Compescere, behan, behalten.' Fris.;
Mal. ,Des mocht er d' Buchs nit wol behan.' JHGrob
1603. — e) zurückhalten, allg. F'' cha"' 's nümme"
b'ha [die Verrichtung der Notdurft] Uw; Z. Er mag
's Wasser [den Urin] b'häbe' Ap. Wenn wa' i' 's
lauffe'd Wasser sacht [pisst], so mag-me' 's Wasser
nomine' b'h. Ap (Abergl). Der b'het d's Wasser, ist
klug, pfiffig W. ,Es b'het 's Wasser, continet aquam.'
Id. B. Me' chann-en [den Gast] nümme" b'hebe (GG.),
z'rtigg b'ha (GF.). Denn hat Ein'n Niemed nie b'ha
i" der Stube". Stütz. Auch mit unbest. Subj. ,es': Es
b'het- mi''' nit me, ich kann nicht länger bleiben,
schweigen usw. B. 3fit Herdeg'Uit zieh" d' Chiiejerlüt
uf d' Alp und 's b'hebt-sr iväger Nut. Berna 1863.
,Wer einen stein gegen dem andern in zorn ufnimmt;
würft er aber nit und behept den stein in der band.'
1436/78, ZHasli Offn. ,Dass wir die 100 knechte hie-
niden beheben und die nicht hinauf schicken.' 1487.
Lauff. Beitr. ; Tgl. rer-h. ,\Vas [war] er in meinung,
usser der herbrig euch darzue ze loufen ; dann dass
er durch die hotten von Eidgnossen behept ward.'
Waldm. AüFL. 1489. ,Er besorge, dass er die synen
nit enthalten noch beheben mög. dass sy nit etwas
anfachend.' 15'27, Absch. .Behaben, behalten, retinere,
attinere.' Mal. — f) festhalten und erdrosseln; über-
anstrengen, aufreiben, tödten GrD., L.. Prät. Si tuon-
mi''' fast b'heba, sagt der, über weliJhcn Viele her-
fallen. Er het 's Boss fast b'hebt. Es het-ne" f. b'hebt.
— g) „verschliessen, z.B. eine Türe LW." D' Auge*
b'ha (Schwzd.). Syn. ver-h. ,Zue b'ha, clausuni teuere.
D's Mül s'säme" b'h., linguam compescere.' Id. B. —
h) fassen, enthalten, von Gefässen. Wie vil b'htd das
Fass? Ap; Gl (St.''). — i) in der Eechtsspr. : 1) mit
Acc. P. a) festnehmen, verhaften ; in Gewahrsam be-
halten. ,Swelch burger mit niessern anlonfet oder
wundet, die [soll man] heften und behaben, unz dass
ettelicher der reten darzuo koniment.' Z RBr. 1304.
,Sy [die Zeugen eines Frevels, den ein Fremder be-
geht] sollend einanderen bim eid darzuo manen, dass
man den frömbden behab, unz dass er das recht ver-
tröst.' TnGütt. Offn. ,Die beaniten sollen den tod-
schläger anfallen, fahen, beheben uf den gassen oder
in hüsern.' 14'20, Bs Eq. ,Wann die araptlüte einen
frömden in glüpt oder eid nemmen und denn derselb
nit haltet, soll man ine beheben und ynlegen.' 1520.
ebd. — ß) gerichtlich belangen. ,Dass Keiner den
Andern mit Gerichte verbieten, noch behaben, noch
in keinen Weg behalten solle.' 1328, Ochs. — 2) mit
Acc. S. a) eidlich versichern, oft mit dem Zusatz:
,mit dem Eid, zu den Heiligen, mit der Hand.' , Sunder-
lich band das erkennt und zuo den beigen behept die
nachbenemmten lüte.' XIV., Arg. ,Wär dass inen
jeman in das hofrecht sprechen wollte, mugen sy denn
2 biderniann haben der jüngren, die es mit der hant
mügent behaben, dass es soll also bestan.' ZMaur
Offn. ,Wer undcr inen das bi synem eide behept, getan
[zu] haben.' XIV., Bs Feuerordn. ,Wer im Weingarten
eines andern betroffen wird, soll dem kleger synen
schaden abtuon, was er [der Letztere] behebt mit dem
eid.' XIV.. TuDiess. Stadtr. ,Müllihaldenholz. das yn-
gefangen und geschirmet und mit geschwornen eiden
bewyset und behept ist.' c. 1459, Z Fluntern Offn.
.Wenn personen swuerent, behuebent, redtend usw.
[i. S. V. versichern].' 1480, Bs Rq. ,Er hab by sym
eid müessen b'han, dass er kein Berner g'meint hab.'
1529, Strickl. Hieher wohl auch die Stellen aus
HsStockars Tageb. S. 108: ,üf das jar hat man müesen
beheben und han ich behebt 1300 fl., machen 1 pfd
16 ß stür.' S. 181: ,Uf das jar behebt und verstürt
1400 fl.; mi' das jar behebt und verstürt 900 fl. mi°"r
frowen guet', wo b. bedeuten wird: der Steuerbehörde
seinenVermögensbestand (eidlich) angeben. ~ ß) einen
rechtlichen Anspruch (durch Eidleistung, Zeugen od.
Urkunden) beweisen und den angesprochenen Gegen-
stand durch gerichtliches Urteil erlangen oder be-
haupten. ,Der vorgenannde N. N. die vorgeschribenun
hofestat rehte und redelich behuob mit gerichte.' 1278,
Gfd. .Wer dem andren syne kind beschwert oder an-
spricht der e und er es nit behept mit dem rechten.'
AaF. Rechtung. .Sprichet er an ein frowen der e
[erhebt er denn Ansprüche an sie], das soll er voll-
fueren. Ist aber, dass er [der die Ehe begehrt] ir
nüt behabet [nachweisen kann], so soll er 10 pfd gen.'
XIV., Tnüiess. Stadtr. ,Sy sprechen!, das" sy mit ir
selbs mund und band ir gemeinmerk wol mugent be-
haben und an ir gerichten erteilen.' ZMönchalt. Offn.
.Spricht einer einem an syn ligent guot und behebt
er syn ansprach nüt, das leit er ouch dem richter ab
mit 3 ß.' ebd. ,Es mag ein frow ir morgengab by
irem eid b'han, wo nit Kundschaft ist.' LWill. Amtsr.
,Kam an offen gericht N. N.. pfleger der armen lüten
vor arbon und behueb mit gesaramnoter urtail, dass
den selben armen lüten 1 mutte kerne ze zins gen
soll.' 1349, TnArb. Urk. .Weliche frow oder ein man
ire gemachte zu den helgon getar [sich getraut zu]
behaben (behan).' 1451/1544, Scbw LB. Wenn etliche
Personen liegende Guter von flüchtigen oder verstört
benen Schuldnern an sich gebracht und damit ,ire
schulden behept haben.' 1457, Bs Rq. ,Dienstknecht
mögen iren lidlon mit irem eid behan und was ir einer
also mit dem eid behebt [das soll ihm bezahlt werden].'
1480, L. ,0b einem syne zinslüt uf das syn fielen
und in also beschrouwen, er war denn leben oder
tod, so mag einer b. dry zins.' 1495, Aa Weist. ,Was
ein schlechter [einfacher] kouf ist, das mag einer b.
mit einem mann.' 1527, ebd. .Welcher den andern
an ercn schilt, daby er in nit b. [behalten, überweisen]
mag, soll ime alle kosten abtragen.' 1598, BSa. ,Dass
ein jeder Dienstknecht seinen Lidlohn mit seinem
Eid ohne andere Beweistumb beheben und erhalten
mag.' 1706, L Stadtr. -- y) mit Recht besitzen. ,Wäre,
dass dann jeman des Schuldners güetren kouftin und
die darnach in gewerde behüeben jar und tag un-
angesprochen.' 1386, Geschfo. Ges. — 8) rechtlich
festsetzen. ,Es ist mit recht behebt, dass jedermann
dem andern furfall geben, soll.' 1433, ScnRüdl. Offn.
— s) Rechtsbestimmungen beobachten, halten. ,Die
ding [Satzungen] ze behan und ze halten wie vorstat.'
1460, L. — 5) vorbehalten. ,[Ich] behan mir haran
enhein recht.' 1352, B Urk. ,Unschedlich uns an allen
unsern rechten, die wir uns selber über das vorge-
schriben guot behebt haben.' 1383, Z Urk. ,Über das
021
haben (lieben)
922
beliuob ime der egenant N. N. das öle ze Rynfelden.'
138(5, Geschfo. Ges. — 2. refl. a) sich beklagen, meist
über leibliche Schmerzen, unpiisslich sein, kränkeln
Nord- u. üstschwz. Syn, ge-h. So bald si''' Ei's im Hm
bliebt, so rerbüt-men-im di eint und ander Spis Sch.
Er bliebt-si''' im Cliopf, im Rugge', über d' Brust, zent-
umme'. Er b'hebet si'''' über Chopfice. Er b'hebt-si''' alle
Mal, wenn er schaffe' sff't. Er bhebt-S'"'' im Aiige'blick,
klagt beim geringsten Anlasse, ist welidig. D' Manne-
völcher clienue'-si''' gar b'ha, Mannspersonen klagen
bald BsBirs. Si b'hed-si''' ober irn" Sla"" Ap. ,Des sich
ein eidgnoss wirt behan fast übel [über verdorbene
Sitten].' RuEF 1538, — b) seine Fassung behalten Z.
— 3. abs, a) von Kühen: empfangen, trächtig werden
Aa; Ap; GrL,; Ndw; Syn, uf-nemmen. ,Wann ein
Kue nit behan will, gib iren ein Katzenkrut,' 1710,
ZZoll. Arzneib, — b) von hölzernen Gefässen, fest
schliessen, wasserdicht sein Ap; GlK, ; GnSpl.; GG.
Das Fass b'hed = ist b'häb. Ein leckes hölzernes
Gefäss z' p'habe tue' Uw; Syn. be-häbnen. — I>azu das
Vtc. p'habe {i'om-p. p' habner, p'habnist) Schw, p'hebt
GrPt, 1) als Adj, a) gut scliliessend, luft- und wasser-
dicht Gl; Gr; Schw; Ndw; U; W; Gegs. rer-lechnet.
— b) dicht in einander gefügt, von Holzwänden,
Mauern, Staudengebüschen, Wald (dichtbesetzt); von
Geflechten, Körben; von Holzstössen; von gewobenem
Zeuge ; sogar von gedrängten Volkshaufen Ndw. Feste
b'habne Fire' [Schnee] U. Knapp anpassend AiWohl.;
von Teig, der die nötige Consistenz hat Z. — c) ver-
schlossen; verschwiegen LW.; Uw; W (auch b'häbig).
Er [der Tod] ist e donders b'habne Ma"", es git jö
gu-üss kei' b'hebnere, und tce"-me' dur''''-ne' luege'
cha", sj chunnt-me' NM doch üs-em z' ne" Schw. —
d) übertr. auf Geistiges: a) von gutem Gedächtniss.
En b'habne Grind Schw. — ß) geizig. E 2i'habne
Chctzer [Kerl] aScHW. — 2) als Adv.: a) räumlich:
ganz nahe, z.B. p'habe hi-n-em zue Sobw; einen Vorrat
bis p'habe zue aufbrauchen, fast ganz Scnw. — b) vor
Zahlen: wenigstens so viel, kaum Scbw; Zg. De Peter
ist b'h. 12 Jar alt. Syn. ge-nöt; be-schnotten. — c) bei
Gradbestimmungen: knapp Schw, Es ist b'haben use'
g'gange', es war bei der Wahl auf beiden Seiten fast
die gleiche Stiramenzahl.
Mhd. hehaben, hehän, im Bestand erhalten, retten; zurück-
haltea, festhalten, behaupten; gerichtliche Klage oder An-
sprache durchsetzen, beschwören. Von den Bedd. unsers W.
stehen 1 a und c, d und e sich nahe und gehen tw. in ein-
ander über. Auch die Bedd. des W. in der Rcchtsspr. Hessen
sich z. T. mit a, c, d vereinigen, f scheint auf d zu be-
ruhen, indem das ,Festhalten' prägnant als ein gewaltsames
Drücken und Misshandeln aufgefasst wurde. Die Angabe g
meint viell. ,geschlossen halten'. Bei 3 b deuten einige
Lautformen darauf, dass sie viell. nicht das Vb. behahen,
sondern Ableitungen vom Adj. behab (b'hab) enthalten ; bei
dem Ap b'häbe ist dies wegen des langen a fast gewiss. Die
Bod. des Ptc. ist jedenfalls aktiv und das temporale Moment
ist in dem adj. Gebrauch untergegangen.
üf-be-: 1. aufbewahren, B'häb-mer's Geld üf!
FJ, — 2. zurück, bei Hause behalten. ,Und darauf be-
hueben wir die Knechte auf unz am Dienstag.' 1437,
Lauff. Beitr. — 3. an-, aufhalten. Eusern Herr Pfarrer
und Gschu-ornn händ-n.}' dort iif 'm Platz ufb'ha.
Götm 1712.
an-be-: 1. mit Dat. P.. Acc. S. a) Einem Etw.
anhaben, d. h. einem Gegner einen Vorteil abgewinnen
(bzw. Schaden antun). ,Nüt ap'ha, resistere non
posse.' Id. B. In der ä. Rechtsspr.: einen Besitz oder
Anspruch gegen einen Gegner behaupten (so dass ihm
unter Umständen eine Last zufällt). ,Behept im [dem
Debitor] dann der kleger syn ansprach an, so erteilt
man in in aberacht' 1383, Z. ,Dass er [der Schuldner]
dem kleger syn schuld und das er im anbehebt hat,
usrichte.' 1384, AaB. Stadtr. ,Dass man N. N.'s Wirtin
schirmen soll uf dem Hus, das sy ir Sune anbehebt
hat, vor miner Frowen der Eptischin,' XIV,, Ladfp.
Beitr. ,Wyter habend sy ein rechtfertigung mit einem
abt gebrucht und nach allem handel im allen kost
und schaden mit recht anbehebt.' 1529, Strickl, ,[Die
Belagerten] behuebent den stryt und den stürm den
eignossen an,' Edlib. ,Sy wolltend in von allen synen
alten grechtigkeiten triben hau; das er aber inen mit
recht anbehueb.' Sicher 1531. — 2. anbehalten, Klei-
dungsstücke, nicht ablegen B; Z; vgl. an-haben und
Bd I 255, Was e chll fürnem isch, b'het d' Händsche
a: N, B Kai, 1840 = Leute, die Etw. auf sich halten,
behalten die Handschuhe an, — In 2 ist an prägn. und
nicht in eig. Zss.
inn-be-, in-bc-: 1. inbehalten, d. h. im Innern
des Hauses usw. halten, Vieh im Stalle, ungehorsame
Schüler im Arrest; in Verwahrung behalten ,Aa; VO.;
S;" B; PJ. ,Cogere domi mauere.' Id. B. Wi"t-mer
die Geiss bis muoro [morgen] ihip'häbe"? FJ. —
2. zurückbehalten, vorenthalten, aber spec: Geld, das
man einem Andern schuldet, zu Gunsten eines Dritten,
dem der Andere schuldet. Id. B; G; Z. Tue-mer das
Vp'hebe, i'* chumme sus Nüt von-em über, tcenn er 's
Geld i' d' Hand überchunnt GTa. ,Betinere quod solvi
debuit.' Id. B. Sy r\. inn-h. — ent-h e- (epp'ha, embhä
BSi,; das W. übh, nur im Westen, bes. B): 1. tr.
a) festhalten, vor Fall bewahren; eine Bewegung auf-
halten. Syn. er-be- und er-ent-h. E. chönne'-mer d' ZU
nid. Walters 1882. Zurückhalten, z. B. das Wasser
im Bohr einer Feuerspritze, den Harn. We" die
Bure' früeh außta", tuet-is d' Frau im Bett e., Sol-
datenlied bei GoTTH. Ein Kranker betet, Gott möge
ihn nicht mehr lange hie [auf Erden, im Leben] e.
Abhalten, von einem Vorhaben: We'" si [die Kinder]
i" d' Schuel wei [wollen], su cha"''-me"-se nit e. Gotth.
.Wenn sie mit Aderlassen oder Schrepfhörnlene z'weg
kommen konnte, so hätte d'r Tüfel se nit e.' ebd.
Ein Begehren unterdrücken, sich einer Lust enthalten.
Dir cheut [ihr könnt] dinne' dampe' [schwatzen],
wenn-der's nit meut [mögt] e. .Compescere, continere.'
Id. B, Mit unbest, Obj, ,es', ,Es sei die Frage, ob
man es e, möge [das drohende Falliment aufzuhalten
vermöge].' Gotth. ,Er mag 's nit lang nie'' e., diutius
rebus suis prseesse nequit.' Id. B. Wil d's Welter es
no'^' so eb'het [sich noch hält, schön bleibt], su u-erchen
[arbeiten] -»ii'er vmi früeh bis S})ät. — b) im Besitz
behalten, nicht fahren lassen (stärker als einfaches
b'ha); auch: in einem Zustand erhalten; Syn, erbe-,
ert-h. Ein'" im Gleus [Geleise] e. Gotth, P'' tciU 's
e. zum Andenken, ebd, Eb'häb-m'r Das e fange', [ich]
will luege", geh [ob] i''' no"' Ei's fingi [finde]. Fest-
nehmen, packen, Christe', gebet Acht, dass euch ke'
Wolf ep'heigi oder fang! B Ged, 1831, — c) Stand
halten (einem Gegner), abhalten oder bewältigen. Er
MJtrt [wird]-«« [ihn] scho' möge' e. ,Italien! denk an
Marignano, [wir] mögen-ech geng e. no'''! Inschr, beim
Offiziersfest Bern 1862, Mit unbest, Obj. ,es': Sihei"'s
ep'haben, haben gesiegt. Drei ganz Wuche' hei"-mcr 'S
haben (lieben)
möge" e., eusere' Nüni, gege' die ganzi G'mein''. Joach.
1881 (die Mehrheit betete um Eegen, das Gesinde
eines reichen Bauers dagegen). Aushalten, ertragen.
!<■'' ma(g) 's nit e., es ist mir unerträglich. Bas Hüsi
[Häuschen] het 's e., Stürme ausgohalten. — 2. refl.,
sich beherrschen, enthalten, in Acht nehmen. ,1'''
cha'"-mi''' nit länger e., diutius me suspensum teuere
non possum.' Id. B. Der Wolf het-sich nümme* chönnen
e. vor Wuet. Schwzd. Eb'häb-di''; we" d' mit im
redsch, er isch gar en Unerchannte [grober Mensch].
— 3. abs., Ton einer Kuh. Si hat ep'ha, ist trächtig
geworden. Syn. be-h.; Gegs. ent-län (bald kalben).
— vor-ent-be-: vorbehalten, vorenthalten Aa. —
er-be-: 1. vor Fall bewahren. Solger (erphehen).
Vgl. auch ent-he-h. — 2. abhalten S. D' Wageblache
[-decke] mag de" Rege' nit e. BWvss 1863. — 3. =en«-
6e-Ä. 5 SG. — us-be-: ausbedingen, vorbehalten, bei
einem Vertrag nicht einbegreifen. Einer verkauft sein
Haus ,rait dem gedinge, dass er im selben [für sich
selbst] US behueb, swenne er in das vorgenande hus
ziehen will, so soll . . .' 1322, Z Staatsarch. ,Dass wir
[die Zürcher bei der Richtung mit Ostreich] u. unsern
Bund mit den Eidgenossen, als [wie] wir ouch den
gegen Kaiser Karlo ussbehept hattend.' 1442, Absch.
,Darzu bettend wir etwas rechts zue dem Gastel
[Gasterland], als wir getrüwtind [vertrauten] von lo-
sung wegen, daselbs uns ouch vor und uss behept
wäre in dem spruch.' Edlib. — vor-be-: 1. vorbe-
halten. .Cautionem adhibere, conditiones prascribere.'
Id. B. Bass Sei u Tauf vorVhabe sigi. DGemp. 1884.
,Da behein wir inen niemand vor, wann das h. r. reich.'
1330, Jenzer. ,Behuobent die von Luzern dem her-
zogen vor und üss syn richtung, zins und gülte.'
1336/1446, Z Chr. ,So band aber wir die Burger von
Lucern uns selbst in disen sachen vorbehept und us-
gelassen unser Herren und ir gottshus.' 1370, Pfaf-
FENBR. ,Als sy inen vorbehept und bedinget hant.'
1383, Z. ,Docli usgenonimen und vorbehebt, dass...'
1418, BSi. ,Mit den gedingten Vorbehebungen und
rechtungen.' G Hdschr. ,Der graf behüebe im selbs
vor, die zu strafen.' Edlib. ,Die Hyppodamiam vor-
b'han.' GGotth. 1599. — 2. verwehren (durch frühere
Besetzung). ,Der Künig von Frankrych zog über den
Monteniss, der jm wol vorbehept wäre [ihm leicht
hätte verwehrt werden können].' Edlib. — bevor-be-
= vorbe-h. 1. ,[Es] band inen bevorbehebt die gotts-
huslüt etliche hüser.' Bossa.-Goldschm. — zesam-
men-be- (zämmep'haj. ,Cogere, coarctare. B's Mül
z., linguam corapescere.' Id. B.
z"rugg-: zurückbehalten, vorenthalten Ap; Z.
ze-sammen zäme-: 1. tr. a) mit Acc. S. a) räum-
lich: Körper dicht an einander, nahe zshalten, z.B.
die Hände zum Gebet falten Z. B's Mül z., schwei-
gen B; Syn. zue-li. S. noch u. Gürben Sp. 415. —
P) Geld, Vermögen z., sparsam damit umgehen G;
ScH; Z. 's ist niene' [nirgends] Nüt, iieder [ausser]
wo-me^'s zämehät, spöttisch von knauserigen Leuten Z.
,Compendi facere, kundig sein, ersparen, fleissig ze-
samen haben.' Fris.; Mal. — b) mit Acc. F., mit
Rucksicht, Schonung behandeln, z. B. Jmd, dessen
Dienste man sich sichern will. Bie Sjjetteri" [Hülfs-
person] ist e recht ordetlichi Frau, mer müend si z.
[damit sie nicht wegbleibt] Z. — 2. intr. a) von Kör-
pern. ,Ber Sjialt hat zämme, schliesst sich, ist nicht
sichtbar.' Id. B. — b) von Personen, verbündet sein,
einig handeln Aa. 3Ier uend z., dann chönne't s' eus
Nüd tue" Z. ,Junctis viribus agere.' Id. B.
dar-: 1. (tr.) her-, hin-, entgegenhalten, z.B. die
Hand zum Empfang von Lohn oder Strafe Aa. J""*
ha' müesse' der Bugrjel d., für Andere die Strafe lei-
den, den Schaden tragen B. Syn. ane-h. ,üen anderen
backen dem streich darhaben.' 1531, Bib. (Vorr.). ,Der
tod ist ein unpartyescher richter, es muoss als [Alles]
den hals darheben.' LLav. 1582. Einem Etwas zum
Sehen hinhalten B. Zum Kauf anbieten: Bas slg
grad glich wie mit-em Anke' uf-em Märit; je ml''
Stadtwiber kämen u Je nötliger [dringender] si täten,
dest hoher heig me-ne dar [desto höhere Preise ver-
lange man]. N. B Kai. 1844. Feindlich entgegenhalten.
Eim d's Mal d., widersprechen B; W. — 2. intr.
a) dauerhaft sein, z. B. von Tuch; nahrhaft sein, nach-
haltig stärkend wirken, von Speise und Trank B; W.
Es halbs Schöppli het nüt dar. Gotth. Andauern, an-
halten: Bie Chälti hat nid lang dar B. — b) Stand
halten, Widerstand leisten. Er het-mu [ihm] schö'
darg'hebet, sich gut verteidigt W. Im herte" Holz gar
b'sungerbar, da wo"t es mängist gar nit rücke'; die
Est, die hei dem Ise' dar u. lö'-si''' halt nit gern zer-
slücke". B Volksztg 1885. Und chämid 's Find und
meintid gar, m%r schüchtid iri Schnauz, händ mier,
icie-n-eusi Stiere, dar, se sind si use peutscht [heraus-
getrieben]. HXfl. 1815. — c) herhalten, i. S. v. un-
schuldig leiden; vgl. 1. ,Die Vorgesetzten müssten
immer d. für Sachen, für die sie Nichts könnten.' Gotth.
wider-: 1. tr. a) fest ergreifen und halten, fest-
halten L; ScHW; UwE.; Zg; Z; zurückhalten, z.B.
Etw., damit es nicht falle Gl; Schw. Undhät's[([ti,s
Kind] der Bös nüd trutziglich wider, se chnüwet 's.
Her [Gott], und betet zue dier Schw (Schwzd.). —
b) empor-, entgegenstrecken UwE. — c) Es Eim w.,
entgegenarbeiten BBe. — '2. intr. a) Widerstand lei-
sten, widerstehen. Be"" Baum mag dem Wind nid
w. Z. Es hed-mer im Hals widerg'ha, ich konnte es
nicht herausbringen ZHonibr. ,Gggen hartnäckigen
zanggeren muoss man dapfer syn und in"" ernstlich
mit gsunder leer w.' HBull. 1561. ,Nichts ist so fest,
das dem erzürnten Gott möge w.. Alles muss vor ihm
zerschmilzen.' FWtss 1655. Widersprechen BHk.; L;
GF., G.; Uw; Zg; Z. „Er hed-em u-ider(gj'ha.' Syn.
entgegen-h. — b) haltbar, fest sein UwE. „Bc Bode"
hed nüd wider, ist locker, sinkt unter den Füssen."
— c) anhaltend, nachhaltig wirken Z. „Liechti Spise'
händ nid lang wider." Syn. entgegen-, dar-h. — 3. refl.,
sich festhalten. Häb di''' am Seil wider UwE. ,Er
hat sich recht an Gott widerg'han. drum tat er ihnen
unter die Augen stau.' 1708, vEuw. — Mhd. aufhalten ;
Widerstand leisten; sich festhalten.
e°-weg-: 1. eine Weibsperson von sich weg h.,
Verstössen. Inderbitzi 1826, 70. — 2. (Einem Etw.)
entziehen LG. — ze-weg-: 1. intr. a) sich zsnehraen
oder sein Vermögen zshalten; bedächtig, besonnen
handeln ZLunn. Sieh anstrengen, empor zu kommen
oder sich aufrecht zu halten UwE. Es hinkt i" si"m
G'schäft; er muess schuh zweg ha, wenn er 's will
brestiere' ZWettschw. — b) herhalten, leiden. ,Er wirt
müese' zwegha, poenas dabit.' Id. B. — 2. tr. a) Einem
Etwas verschaffen, leihen. Id. B. — b) mit unpers.
Ilaben (heben)
926
i<ubj. ,cs', hart mitnehmen. Es hed e' zurg Nnw;
Syn. zctccg-neiiien.
zue-: 1. tr. a) mit Dat. P. u. Acc. S. a) Kinem
einen Besitz, Genuss verschafTen, einen Vorteil zu-
wenden, oft auf heimliche Weise, z. B. Essen und
Trinken, eine Frau, ein Amt, Verdienst, Kunden Aa;
Bs; B; Gl; Gr; Sch; S; Uw; Z. Syn. zuesclianzen.
's MeiU het dem Durs j" dr Chuchi es guets Bitzli
[Bissen] zue. Schild. Sind so guet und habet mir ein
Tschegg zue und ein Munneli Obw (aus einem Briefe).
Auch ohne ausgesetztes Acc.-Obj.: Vorschub leisten,
Gunst erweisen. aaüO. Den Kindern z., zu essen
geben W; Syn. zueschieben, -stössen. — ß) Einem Etw.
Nachteiliges andichten ; fälschlich zuschreiben, einen
Makel anhängen. Besehi LH hei-ra Das mimme' zue-
g'hehet, böse Leute haben ihr Das nur angedichtet W.
Auch ohne ausgesetztes Acc.-Obj.: Einem zusetzen,
ihn necken GRPr. — b) mit Acc. S. , geschlossen
halten; ,clausum habere, tenere.' Id. B; Sch; Z. Syn.
ziie-tuen. 's il/«/ --., schweigen UwE.; Z. Händ's M.
zue und essed (fürt)' sagt die Mutter zu den während
des Essens schwatzenden Kindern Z. ,Der Pfarrer
zu S. Laurenzen soll denken und das mul zuehaben.'
1527, G Ratsb. ,Was gilt's, ir kämend mit im z'friden,
dass er hernach 's mul wurd zuehan." Aal 1549.
,Heb 's mul zue!' Muuer 1556. ,Hett er sein lester-
maul zueghan, so war söllichs nie erfolget!' 1589,
Zellw. Urk. D' Ore' z. Hebel. D' Auge" (es Ang) z.,
ein Auge zudrücken, Fehler ungestraft hingehen lassen,
von Obern gegenüber Untergebenen UwE.; Z. ,Ja.
Muoter, los, wie soll ich gan, wann ich die Augen zuo
muos han, als war ich blind (fragt das Bettlerkind).'
Com. Beati. S. noch u. Mül. — 2. intr. a) ankehren,
mit Schiff od. Wagen, z. B. bi dr Chröne', im Gasthof
zur Kr. UwE. ,0 Mensch, bedenk dein Ende: heb
zue und lande!' Inschrift eines am See stehenden
Hauses ZZoll.f Vgl. itposix^'^- Übh. nach einem Ziele
streben Z; vgl. haben B 3 f. — h) Heb zue! sagt
man zum Vieh, dessen Kopf man gradaus oder in die
Krippe richten will Z ; auch zu einem Menschen im
S. V.: Sieh für dich! Z. — c) mit Dat., treffen, an-
greifen. ,Im dorf huob es [die Pest] fast den meit-
linen zu.' 1526, ValTschddi. Vgl. zuehin-h. 2 b.
zue-hin zuechi- GG., zueche- B; Gl, zuene- Ap:
1. tr., entgegenstrecken BR. Nahe hin halten, ein
Gefäss zur Röhre B, ein Kind zur Taufe GFlums.
Ds Messer (z' hert) z., allzu genau sein, viel fordern.
Einen übervorteilen (, schneiden') BBe., E. ,Equuni
calcaribus agitare, dem ross die sporen geben oder
zuehin haben.' Fris.; Mal. — 2. intr. a) herhalten.
/'■'' wett nid z., ich möchte mich nicht zur Probe
hergeben, z. B. einem angehenden Zahnarzt B. —
b) tüchtig angreifen, hart zusetzen, z. B. einer Speise.
Er het dem Brod recht zueg'ha' Ndw. Auch bei einer
Discussion Gl. Wel'''em wei-mer z.? welchen wollen
wir angreifen? B. — c) beistehen Ap, günstig sein
Gl. ,Und huobe im N. N. zuohin', half ihm (schim-
jifen), stimmte ihm bei. 1530, Strickl. — d) = zue-h.
1 a a. Der h. Mei'red hät-is zueche [wendet uns einen
Vorteil zu].' Schw (Schwzd.).
habend, bähend: 1. wohlhabend. En habende
Chüejer, r'xch a' Hüs u'" Schüre' u"' Matte' BO. ,Gute,
habende tröster [Bürgen].' 1528, ZEgl. , Anderer bi-
derber und habinder lüte kind werden ouch ufge-
müessten aber bezahlen.' 1538, Z Staatsarch.
,H. old verdSrbend', vermöglich oder arm. 1554, Absch.
■ H. Personen.' 1557, Bs Rq. ,Eychc und habende lüt.'
1586, Z Ratserkenntn. ,Wenn ein söliche person reich
und habend wäre.' Hochh. 1591; = .wolhabend.' 1693.
,Von den habendsten Geraeindsgenossen.' 1711, Mey.,
Wetz. — 2. dauerhaft, tüchtig, wertvoll, z. B. von
einem Werkzeug, Kleid, Stück Land, Tier BR. —
!. mit vollem Eigentumsrecht an Etw. versehen, in
gesichertem Besitz davon ; vgl. bass-, wol-h., hablich 4.
Eines Unterpfandes sicher und habent sein.' 1495, Z
Batserk. ,Es soll festgesetzt werden, ob man sich über
,'ewisse Artikel [gesetzliche Bestimmungen] gegen-
seitig verschreiben wolle, damit man habent daran
.väre [sich daran halten, darauf verlassen könnte].'
1525, Absch. ,Gedenkent von wegen des barfüessers,
■io iez ein orgula zuo Losana machet, und des myne
Herren von Luzcrn berichtent, ob sy habent an jm
^yent oder nit.' 1529, ebd. ,Wer pfand gibt, daran der
mder nit habend ist, büesst 3 pfd.' 1533, ebd. ,Der
ibt, wollt er änderst seiner handlungen in das künftig
ilabind und bewart sein.' Vad. — 4. tätlieh angreifend,
mit der Hand anfassend. , Welcher tringend oder ha-
bend wird, der soll ebenfalls gefangen gelegt werden.'
1548, Absch. (wo als gesteigertes Vergehen das Blutig-
schlagen folgt). — un-: 1. unvermöglich. ,[Wenn]
lerselb ein solicher unhabender mann war, der nicht
^uetcs hett.' 1366, Geschfo. Ges. — 2. kein sicheres
Pfand besitzend; vgl. habend 3. .Welcher Schuldner
lehein [irgend ein] pfände gebend wurde, das jeman
vor versetzet wäre also, dass der gelte darane un-
liaben(d) wäre, denn soll der Schuldner dem gelten
ilie trugenheit mit 3 pfd büessen.' 1404, B. — ur-:
ursprünglich, anfänglich. ,Des bistuombs u. äufnung
beschryben.' Vad. — hus- (hend) : sparsam Ar. —
bass-: sicherer; -^gi. habend 3 und tvol-h. ,Und umb
das, das" sy des dester sicherer und bash-er sygend.'
1436, Geschfo. Ges. — recht-: rechtmässig. ,Das
burgunsch land, als rechthabender lechenherr in gna-
den ze halten und ze schirmen.' Ansh. — wol- =
habend 3. ,[Dass] sy mit gueten underpfanden w.
und sicher gemacht werdind.' 1555, ZStäfa. ,0b kein
gglt allda wäre, soll man sy bezalen mit galt oder
inderer wärschaft, daran sy w. ist.' 1.566, ZoSt. u. A. B.
Auch: ,400 fl. an barem gelt oder w-er gült.' 1568, Z
Heiratsbr. — gewalt-: bevollmächtigt. ,Zu gemeiner
beratung ir g-e bottschaft zue inen zu schicken.' Ansh.
Haber I m.: Inhaber, Besitzer. , Alsdann mag der
h. des selbigen hab und guets wal haben.' 1592, Foffa,
Münst.
An-: Anfänger, Stifter. .Die da a. sind gesyn und
ir gaben band geben.' 1417, Sciiwlngenb. Urbar. —
S. An-/Iah.
,In-, die person, so disen brief mit irem [des
ersten Gläubigers und seiner Erben] willen in hat.'
1466, Z Staatsarch. Syn. In-Halter. — Under-häber
f-li'gj: beim Tragen eines Stuckes Langholz unter
dasselbe geschobener und auf der andern Sihulter
liegender Holzstab oder -sparren ZU.
Ur-haber: Urheber, Stifter. ,Es warend die von
Appenzell die u. der sach.' Vad. Der ,urhäber' des
Frevels. 1552, Aa. ,Parens urbis, Romulus, der stifter
und urhaber der statt Rom. Autor, ein ursächcr,
927
Hab. heb, hib. hob, luib
erster anrichter oder anfänger, u. und erfinder eines
dings.' Fris.; Mal. - Vgl. Vr-Hah und a-h:Un 4 ,/.
Ort-haber: Urheber. , Orthaber des heiles.' 1476,
G Hören. — Mhd. orlhabc und orthuher dass., von ort i. S. T.
Anfang.
Ise°-: Pflughalter, Pflüger Gk ObS. - Das Pftug-
eisen hier fUr den ganzen Pflug.
„Feil-haberi- habere f.: Person, die Etw. feil
hat, Trödlerin L." — Befelch(s)-haber m.: Bevoll-
mächtigter, Mandatar. ,Der Gesandte erwarte stünd-
lich einen verordneten bevelchhaber mit Geld.' 1589,
Absch. ,Graf Rudolfen gesandter und bevelchshaber.'
1595, Arg. Auch 1610, Z.
Hüs-, in Gl -häber m.: Mann, der eine eigene
Haushaltung, eigenen Herd führt Gl. ,Dass fürohin
keine inzügling sollen angenommen werden, es syend
glych husheber mit wyb und kinden oder dienstknecht.'
L Ansehenb. ,H. und dienstlüte.' 1517/45, Schw LB.
,Der haushaber oder hausvatter, dominus.' Mal. ,Von
Weibspersonen oder von denen, so nit Hausväter oder
alleinige oder die eltiste Haushaber gewesen, wird
kein Fal bezogen.' c. 1730, UwE. — „Hushäberi":
Haushälterin LE." — Vgl. Hns-Bab.
Lieb-haber: im Allg. wie nhd.: wer Etw. liebt
und besitzen oder geniessen möchte. Es chunnd uf
de' L. a", es ist Geschmacksache Z. M'er ist L.?
Formel zum Kaufen einzuladen Z. Bes. 1. in Bez. auf
Speisen u. Ä. I''' hin nüd L., Formel, eine ange-
botene Speise abzulehnen Z. — 2. Freund, Verehrer.
,Er was ein beschirmer und ein 1. der christenlichen
kilchen.' Ziely 1521. ,Gegen aller tütschen zungen
liephabern.' 1476, Bs Chr.
Mugge° -häber : engherziger, selbstsüchtiger
Mensch Ar. Abi. mugge-Mberisch. — Vgl. Mwjge'
(Tücken) ha".
Pflueg-haber s. Pfl.-Heber. — Recht-: 1. An-
tcilhaber (an einem Nutzungsrechte). ,Die zum Holz-
schlag Berechtigten (Rechtshaber).' 1736, Absch. , Al-
pen, die 200 Rechthaber haben, wovon die einen 10 bis
20 Kührechte, viele nur eines besitzen.' Kasth. 1829.
— 2. (in S auch B-habi) wer den Anspruch erhebt,
in allen Fällen Recht zu haben Bs; S; Z. Syn. Heb-
Eecht. — G«walt(s)-: 1. Seckelmeister, Vorsteher
einer Gemeinde, Gemeindepräsident W. — 2. Bevoll-
mächtigter, Stellvertreter. Syn. Befelchhaber. , Allda
kam für mich N. N. und N. N.' als kleger und ge-
waltig gewaltsh. mit sampt iren byständen, mithaften
und zueverwanten an .statt und in namen der 4 dörfer.'
1510, Abch. Jenatz. ,Die von Iverdon lassen keine
Fürsprecher (Gewalth.) zu.' 1529, Absch. ,0b der
klägor oder antwurter in eigner person nit möchten
erschynen, dass sy alsdann an ir statt einen voll-
kommnen g. [plenipotentiaire] mögen ordnen.' 1532,
ebd. .Einem landamraann old synem gwalth. in des
landes sachen g'horsam ze sinde.' 1572, SchwE. ,Wo
die vögt ungeschickte oder liederliche gwalthaber ver-
ordnen und derowegen den kindern schaden begegnet,
ist der vogt disen abzutragen schuldig.' 1590, Bs Rq.
, Eines Gewalth-s oder Beistands Lohn ist 5 P', sc.
um Pfänder zu fordern von Seiten des Herrn Schult-
heissen. Bs Taxordn. 1722. ,Wann die Kehr eines
Weins verbanden ist, mag der Herr desselben oder
sein Gwaltsh. seinen Wein stracks nach Bern zu
ferggen.' FMu. Fuhrordn. 1723.
hab-haft: 1. begütert, vermöglich B; ZKn.; zah-
lungsfähig BSi. ; ScH. En h-C Bürg. , Selbiges [die
Steuer] auf die Habhaften abteilen.' B Bettlerordn.
1690. ,Den Habhaftigsten [von mehreren Mitschuld-
nern] zu einem Trager erwählen.' 1715, Z Satzg. ,Jede
Classe wählt sich selbst zwei h-e und wackere Männer
zu Chefs oder Seckelmeistern.' 1801, Helv. Reg. Syn.
hablieh. — 2. haftbar. ,Ein Käufer soll an seinem
Kauf h. sein.' 1706/65, L Stadtr. — 3. dauerhaft, halt-
bar, z. B. Obst SonSt. — S. die entsprechenden Bedd.
des Subst. Hab IIJ.
Habi f.: 1. Habe. ,Alle die haby, so er by ime
hatt.' 1476, Bs Chr. Vgl. Hab III. - 2. Halt, Be-
stand, Gültigkeit. ,Wer mit eins vogt kind märgtet
on des vogts wüssen, das soll kein h. (heby) han.'
c. 1480, Ndw; vgl. das syn. Hebi.
G"-habi f.: das Wasserdichtwerden eines Gc-
fässes. Ben Eutner in di Kabi tuen GrL. S. g'-hab.
wol- habig s. bei Haupt-Guet Sp. 549.
Habi°g f.: Halt, Festigkeit, Nachhaltigkeit Ap;
Bs. 's guet Wetter hed ke' H., ist nicht von Dauer
Ap. Mened-er, es hei H.? fragt etwa der Genesene
den ,\rzt. ebd. Es ist kei H. im Brot, das Br. stillt
den Hunger nicht lange ; vgl. fueren; be-schiessen.
,Ein Landweib klagt über das Stadtbrot, es sei gar
keine H. darin, obgleich es musste gut gehaben haben,
denn es war immer luftig.' Breitenst. ,So ein Laib-
lein Bäckerbrot gieng weg wie Schnupftabak, es war
keine H. darin.' ebd. Anders: 's hat e H. g'ha, viel
Mühe gekostet Bs; Syn. Harz. Vgl. Hab III 1.
hablich, in S häblig: 1. begütert, wohlhabend
Bs; B; Gl; Sch; S; Z. Rlchi Lüt, die häbliehste' im
ganze" Land S (Schwzd.). ,Furneme und habliche
landlüt.' Kessl. ,Die armen sind den hablichern oder
rychern verbünstig und ufsetzig.' HBull. 1561. Gegs.
hab-los. — 2. behaltend, bewahrend. Er ist hüsli"'',
aber nüd h., er versteht sich aufs Sparen, aber nicht
aufs Bewahren Z. — 3. einer Sache mächtig, ver-
sichert, berechtigt dazu. Syn. habend. ,üass er der
obgen. lüt und guet ganz mächtig und h. syn sollt,
die ze nutzen und ze niessen, versetzen oder ver-
koufen.' 1423, Pop. ,Damit sie [die Creditoren] dessen
[der Bezahlung] vergewisst, h. und sicher seien, so
haben wir ihnen verschrieben . . .' 1635, Th Schuldbr.
,Je zahmer die Regierung tut, desto weniger Glauben
hat man an sie; man glaubt, sie dürfe nicht, sie sei
nicht h.' GoTTH., Herbstgespr. — 4. fest, sicher; Ga-
rantie gewährend. ,Vor jeder andern Berufsart steckte
ihm sein ehmaliges Botenwesen am h-sten im Hirn.'
Stütz, B. 1854. ,500 fl. in Baar oder an sicheren
(h-en) Zinsen.' 1530, Absch. ,.SOO krönen ewigs zins,
alle jar h. zu iren sichern hand und gewalt zu be-
zalen.' 1550, L Kaufrertr. ,0b aber etlicher nit so
statthaft wäre, dass er den uslycher mit gülten ald
bürgen h. versicheren könnte.' Z Mand. 1565. ,H-e
pfand', Pfänder, welche die Schuldforderung decken.
1575, Th Landesordn. ,3000 Guldin bar oder an h-en
Briefen.' 166S, Z Kaufbr. ,Es könnte dann einer dar-
bringen, dass er aus häblicher [triftiger] Ursach wäre
gehindert worden.' c. 1700, U. ,Die Erben nach h-er
Notdurft versichern oder verbürgen.' 1721, G Erbr.;
vgl. e-haft. — 5. wohnhaft, fest angesessen. Syn.
hiis-häblivh. Wer einist da fi" dem Land] isch häbli'''
929
Hab, heb, hib, hob, hub
g'sl', der chlebt-em a" mit Herz und Sand. LHildebr.
18S7. ,Ein gottshusraann, der ze Berg sitzet hüslich
u. h. [eig. mit Haus und Habe].' XV., ZBerg Offn.
,Es war dann, dass er us dem land in das gottshus
züch und allda hüslich u. h. sässe.' Vad.
üf-hablich, -häblich: 1. zum Vorwurf ge-
reichend „VO." ^Eim Öppis ti. mache', Einem Etw.
vorwerfen." .Was hätte inen aufhablicher und on-
erlicher sein könden.' Vad. ,Schmächlich6, unbilliche
und aufhabliche red, eriminosa oratio. Es ist im
schmächlich und aufliablich (ufheblich), criminosum
hoc ei est.' Mal. Vgl. üf -heben und Üf-Hah. —
•2. (vom Wetter, Himmel) sich aufhellend B öO. Vgl.
Üf-cnt-Hab. — flf-häbliche": sich aufhellen. B's
Wetter tued ü. BR. Syn. sich üftiien; üf-heiteren.
a°-häblich: geneigt, geschickt bei Andern recht
anzuhalten, ihnen zuzureden BHk. ; Syn. an-härig.
Vjjl. an-habin iiml bair. anhiihuj, sich gern anhängend
und schwer abzubringen.
in-r innehabend im pass. S.; im Besitz befindlich.
,üass d' Eidgnossen [dem] herzogen überantworten
sollten all brief, usgenommen die brief, so die inhab-
liche land der Eidgnoschaft betreffend.' Ansh.
u°-habli(ch): wild, schwer zugänglich od. gang-
bar, abgelegen; unwegsam, unbequem, bes. von Land
und Wegen ZB., 0. U. und müehsam ist de'' Weg.
Stütz. En u'hablis Schuldegiletli. ebd. /)• sind glich
amene' heillos u'hablichen Ort deheime" ZO. Davon
U'habliehi f., schwieriger, schlechter Zustand eines
Weges, Terrains. — Vgl, un-haO u. lat. inhabilis, ungefüge.
ur-hablich: ursprünglich. ,Der mentsch mag die
u. neigung seines leibs nit ändern noch verwenden.'
Vad. ,Abt Ulrich ist ergangner kriegen fürneme und
u-e ursach g'wesen.' ebd. ,Von wannen der mönchs-
stand u. entsprungen.' ebd. — Vgl. Ur-üah.
,far- häblich : zur ,Fahrhabe' gehörend." —
hüs-hablich (-häbli(ch) Bs; B; Gl; Z), -häbig Ap;
Th: 1. ein Haus bewohnend Ap; Bs; B; Gl; Th;
Z tw.; eig. ein Haus besitzend. ,Ungesorgtes Leben
heisst nicht, wenn man nur warm und haushäblich
niedergelassen ist.' MEV.-Mer. 1867. , Allen den, die
ze Bliggenstorf hushablich sint und sitzend.' 1390, Zg.
.Unser Ammann ze Zug soll in unser statt husheblich
syn.' 1435, ebd. ,Wer da hushablich ist und syn eigen
brot isset, der soll järlich geben ein fassnachthuen.'
1436, ZHasle Offn. ,Husheblich gesessen.' 1480, L.
,By dem selben stein ist S. Peter und Andreas lang
hushablich gesyn in eim dörflin.' HsSchürpp 1497.
.Sich h. setzen.' 152.5, Mey., Wetz. ,Fürterhin soll
niemands dheine frömbde personen belyplich oder hus-
heblich nit mer ufnemmen.' 1572, SchwE. Waldstattb.
,Han mich gen Lenz hushablich g'setzt; da si mir das
dorfreehti schanktend.' Ardüser 1572/1614. ,Weisst
einer geleich eigentlich, dass die seinen an einem ort
vil 100 jar haush. gewesen, so weisst er doch nit,
wenn er oder die seinen hinweg müessend.' LLav.
1582. Es wird den Juden gestattet, ,dass sie lö Jahre
lang in der Grafschaft Baden wohnen und haushäblich
sein dürfen, jedoch sollen sie keine liegenden Güter
[also auch kein Haus?] besitzen.' 1712, Aa Gem. ,Sich
hausheblichen niederlassen.' BAbzugsordn. 1715. .Jeder
Kilcher, der seit 12 Jahren haushäblich war, oder ein
12jähriger Haushäber.' 1736, Obw. Auf das Hans
Schweiz. Idiotikon II.
übertr. : .Welcher [Vertriebene] wider zue synen hus-
häblichen wonungen begert ze kommen.' 1531, Absch.
— - 2. haushälterisch, sparsam; Syn. hüslich. ,Bis [sei]
husheblich und yngedenk unserer geringen mittlen
und armuet.' 1553, HBull. — b»- hablich: 1. wohl
bei Leib, korpulent Gr. — '2. ein gutes Gedächtniss
besitzend Z (auch b'hähli'''). En b'habliche'' Chopf.
— wol-hablich: wohlhabend Ndw. Sc bei Ardüser
1600. ,Leut, so an zeitlichem Gut wohlhäblich.' Heut.
1658.
Habschaft f.: Habe, Besitz W. D' farund H.,
die , Fahrhabe'. ,Er vergantete die H. Archelai.' JBOtt
1736. ,Aus der Eidgenossenschaft verwiesen, ihre H.
aber zurückgehalten.' U Neuj. 1827.
häb s. haben II.
Binder -häbi f.: 1. heimliche Aufbewahrung,
Reserve. Anders in der II. hau, mehr Vermögen
haben BHa. ; vgl. hinder-haben. — 2. das Hinterge-
schirr der Zugtiere, womit sie den Wagen, wenn es
bergab geht, zurückhalten UwE. — 3. Rückhalt,
Stütze, 's Chind häd e H. am Vatter „VO.;" Tu.
häbig: 1. behäbig, .wohlhabend. ,Sie hätten es
weiter gebracht, als mancher h-e Bauer und als man-
cher vornehme Herr.- Breitenst. ,Du meinst, du seiest
häbich, aber du bist ein armer bettler.' LLav. 1587.
— 2. inne habend, als Eigentümer. ,So einer eim
ein pfand gibt, daran er nit h. ist und mit recht ent-
wert [des angeblichen Besitzes beraubt] wirf 1462,
S Urk. S. noch hebig und dessen Zssen.
hüs- s. h.-hablich. — b"-: 1. vermöglich, wohl-
habend Bs; U. — 2. stattlich. ,Manches b-e Stück
aus dem alten Hausrat.' Verg. Tage 1879. — wol-
wohlhabend Bs; Sch; S.
Habe: Johann Joseph SchwE.; vgl. Hebte. — Eine
Zsziehung aus Ham und Scp, wie Ammi aus Annn Marl«.
Habe k s. Habich.
Habenms m. : Rausch G. — Wohl die lat. Verbalforni
hiibi'mua [wir haben], womit viell. irgend ein Trinklied begann.
haben III in den Zssen hott-, Vhitt-habe —
Pr«s. hettliahe — Ptc. t'hitthabet GT. — hitt-
habne U: 1. heftig atmen U. — 2. unschlüssig,
schwankend sein, zweifeln, zaudern GT.
Das physische Auf und Ab in 1 ist in 2 übertr. auf das
Geistige, in welchem Sinne auch üf und ab machen, wetzen
gebraucht werden. Aber auch das o. Sp. 916 angeführte
jet-heben muss viell. mit den obigen Formen zsgefasst werden:
[lie Bed. .trotzen' liisst sich aus derjenigen des Zauderns als
fiiiir Äusserung oder Art des Trotzes entwickeln. Was die
Fiinneu lietrittt, so liegen im 1. wie im -2. Teile der Zss.
Verderbnisse vor, begreiflich bei Lauten, welche durch keine
etymol. Zshänge mehr gestützt sind. Im erstem Teile mag
dasjenige W. zu Grunde liegen, welches verdunkelt auch in
hitt- oder hipp-bfuhen, hittthipp)men, Synn. mit hitthabnen,
und in hitzijen steckt; der Anl. von t'hitih. lässt sich un-
schwer als herübergezogen aus dem vorangehenden Vb. fin.
,hat' erklären. Das Vb. selber (der 2. Teil), urspr. viell.
eins mit ,happon', schwer atmen, hat Anlehnung an geläufige
WW. gesucht.
Häber 11, in Bs auch Habere" — m.: 1. Hafer,
avena sativa. Diese urdeutsche Getreideart lieferte
bis auf heute dem Volke seine Kraftspeise im Frieden
und im Kriege, vgl. Haber-Mues, Haber-Sack. Seit
Einführung des Kaffees ist der Anbau dos Hafers
931
Hab, lieb, Mb, hob, hub
932
allerdings mehr und mehr zurückgegangen, wie denn
auch die folgenden Belege und RAA. ihre Wurzeln
mehr in der Vergangenheit als in der Gegenwart haben.
Händ-er euers Häberli dinne? habt ihr eure kleine
Haferernte eingeheimst? ZO.; vgl. Gerste". Anno 16
hät-me' de' H. müesen uf-em Ofen obe" tere" [dörren]
Z. ,Man [d. i. die Lohenleute] soll euch den h-en zu
S. Andres tult gegeben han.' 1300, Th. ,Der hof N.
gilt 10 mütt h-n.' 1331, ZRhein. Zinsrod. S. gab Sp. 62.
,10'/2 viertel h-en.' 1392, ScbwE. ,Korn, wyn, h-n,
gelt, tuoch.' 1417, Bs. ,10 malter beider guets, glych
dinkel und h.' 1471, L. ,Fordert der meier die Schnit-
ter zue den tinklen, so söUent sy im ouch ze dem h-n
beholfen syn.' 1562, Z Rechtspfl. ,Wir fragend den
himmelischen schätzen so recht wenig nach. Wir
tuond grad wie der han in der fabel, der im mist ein
kostlich perlin fand und lieber ein einigs häberlin
[Haferkorn] gehebt bette.' LLav. 1582. ,Alle die, so
den h. vom Brandiswald gend, sollend gar nützit im
Br. hauwen one des holzhüeters anzöug.' 1584, BStaats-
arch. [vgl. Hohhaber]. ,Von einem Mass guten H.
zum Backen . . . Von einem Mütt währschaften H. zum
Genius [Brei] . . .' B Landmüllerordn. 1693. RAA. :
Wenn der H. über ^e" Hag tis luegt, so liieyt d' Türi
d'räber inne", langer Hafer als Vorzeichen von Teu-
rung. les icär guet 3. säe'! wenn in einer Gesell-
schaft plötzliches und ungewolltes Stillschweigen ein-
tritt; denn die Haferkörner, als sehr leicht, können
nur bei Windstille gesät werden L; Sch; S; Z. ,Der
h. ist vor dem körn reif worden, proverb. so die jünger
schwöster vor der eiteren zur ee kommt.' Mal. und
so noch jetzt Sch; Z; vgl. Haber-Ern. ,Unbärtigen
Gelbschnäbeln, die gar noch nie erschmeckt haben,
was der alte H. gilt.' Dennl. 1817. ,Er weiss, was
der H. gilt, vel: er ist kein Kind.' 1676, Sylloge (B);
und so noch jetzt Bs; S. Händ-er de' H. rerchauß?,
Frage an müssig bei einander Stehende ScHSt. Was
gilt de'' H.? Z; wie tür hast di' H. verchoiift? B,
Frage an eine Person, welche man beschämen will,
wenn sie mit auf die Hüfte gestützten Händen dasteht,
oder wenn sie die Ellbogen auf den Tisch stützt; vgl.
Kernen. Mer händ de' H. verchauft! wenn mau einen
Andern nicht will wissen lassen, wovon man heimlich
geredet hat ScnSt. Lange"" H., Peitschenhiebe Aä;
B; 6; vgl. mit dem Geisle''chnebel mäste'. Iron. : H.
überchö', einen Schaden davon tragen U; H. ge",
Prügel geben Th. Die RA.: Eim de' H. abe"-tue',
-mache", i. S. v. : Einen tüchtig ausschelten B; L; Z,
ist t. euphem. für das syn. de' Hagel a., t. an ab-,
erhaberen angelehnt. Der H. als (bestes) Pferdefutter :
Die Boss fresse'd de' H., wo-ne niid verdiene'd Z.
De'' H. sticht Eine', er ist übermütig Bs; Sch; Z;
eig. von wohlgefütterten Pferden; vgl. auch den Ge-
schlechtsn. Haberstich Aa. Davon viell. übertr. : chlei
[ein wenig] H. ha', angetrunken sein S. Wenn niid
am H, so doch am Heu ge", Einem seine erlittene
Einbusse so viel als möglich vergüten, ihn nicht am
Schaden lassen Z. H. in Chneune' [Knieen] ha', fest
stehen L. Ber H. g'wunne', das Ziel erreicht GnPr.
Daher übertragen auf Menschen: leckere Speise Bs;
B; vgl. Studente'- Haber. Als Schweinefutter: ,So
lassent im den h. zu synen sawen, er darf syn wol
und haltent ir euch des reinen weizens [sprüchw. :
haltet fest die reine Lehre]', Wortspiel mit ,aber',
durch dessen häufigen Gebrauch sich der Betreifende
lächerlich machte. Zwingli; vgl. das selbe Wortspiel
in Bürgers ,der Kaiser und der Abf. Als der von
Hühnern gesuchte Leckerbissen : !''• will di''' lere" H.
bicl;e', ich will dich Gehorsam lehren Ap. Als (vor-
mals) gewöhnliche und vorherrschende Speise der
Menschen: 3Ie' kennt-enand nüd, wenn-me niid es halb
Viertel H. mit-enand g'gesse' häd LSemp.; vgl. Salz.
Nicht nur die zahlreichen (beiläufig 50) appellativen
Compp. mit H. als erstem Teil, sondern auch das Fi-
gurieren desselben in der Bildung von ürts- und Per-
sonenn. spricht für die Bed. des Hafers in unserem
Volksleben. Vgl. die Orts- und Flurnn.: H.- Acher,
-Ächerli B; Z; -Hiis B; -Land L; -Mel-HüsU B; -Matt
B; L; -Berg Aa; -Brei L; -Büti B; G; Z; Letzteres be-
merkenswert, weil nach der Rodung des Waldes zuerst
H. gesät wurde ; H-Schwand Gl ; Z (mit dem Vorigen
syn.); H.-Stal-Halden Z; H.-Darre, Platz bei BUnter-
seen; H.-fWeng-)Wald B; Geschlechtsnn. H-sat Z,
schon 1442: ,Vilmar H-sat, burger Z'; ,Wern. dictus
Fülhaber.' 1236. ScflSt.; ,Johans Rogge-und- Haber.'
1337, Bs; ,Claudius H-korn.' 1619, F ; ,Henz H-mann.'
1459, B; ,Nikl. H-mann.' 1536, S; ,der H-Uoli.' 1531,
GWes.; ,Heini H-macher.' 1566, AALunkh.; ,H-stock.'
BsStdt 1564. ,Häberli(n)' 1531, GStdt; 1577, GAltst;
,Heini Häberling von Bickwil.' 1534, ZKn. üifn., jetzt
Häberli ZKn.; Häberlin Th. — 2. wilde H. a) Roggen-
trespe, bromus sec. GSa., T.; Syn. tess. (ajvena. —
b) weichhaariger Hafer, av. pub. T/LiiW.. — c) hoher
Glatthafer, arrh. elatius, früher av. elatior genannt
ScHwMa. Syn. tess. vena matta; vgL , Wildhaber' als
Geschlechtsn. 1504, GPfälf. (Absch.). — Jlhd. ImOer und
häufiger schwachbiegend hahSre; ahd. habäro.
Acherum -Haber: Abgabe in Hafer für den
Weidgang der Schweine in Eichenwäldern Bä. Spr.;
s. Ackeren Bd I 70. Vgl. Holz-H. — Acht-: Hafer
nach bestimmtem Pflichtigen Masse [s. Acht 3 dBdl 80]
als Abgabe geliefert. ,Die in der offnung begrifienen
zug- und leibtagwen, herzogensteur, acht- und hofstatt-
haber, holz- und fassnachthüener.' ZWthur Stadtb.
VgL auch Pfiueg-Acht Bd I 80. — Vogt-: Hafer als
Abgabe an den Vogt. ,Die widam und der kelhof sind
fry, dass sy einem vogt uf Regensberg keine vogt-
tagwen, v.-garben, v.-haber, v.-schochen [Heuhaufen]
noch fassnachthüener nit schuldig syn söllent.' 1581,
ZSteinm. Otfn. ,Seind des V-s und der Hüeneren ge-
fryet.' RCys. Vgl. ,die von Rickenbach habend iewelten
einem probst ein huon, desglychen einem vogt ein huon
und den h. geben.' 1520, LRickenb. (ürk.).
Fueter-: Hafer von guter Qualität, wie solcher
in ä. Zeit dem Vogte oder den Gericht haltenden
Herren für ihre Pferde entrichtet wurde. So schon
im Habsb.-östr. Urbar c. 1310, in G Urkk., z. B. vom
J. 1342. ,Von hüenern und f. Wo man für und Hecht
findet, do soll man hüener und haber gen.' 1489, L.
,Die von Beveler sind schuldig, järlich ab etlich güe-
tern die meneten [Fuhre] oder f. zue bezalen.' 1532,
Strickl.
Vgl. ,Wer dem vogt steur gibt, soll im habern geben,
der kaufmannsguet syg.' 1417, ThTribolt. Offn., wofür ebd.
1507: .Will dann ein vogt, so muess einer im swören zue
Gott, dass der swechest [1. ,wächest', best] haber sy, der im
iif synem feld gewachsen sy, und will er ouch, so muss er
im den habera schütten nf einen swarzen mantel und soll
den wider darab tuen und als menig helb [Halme] daran
belybt, als dick [oft] gibt er ze buess 3 ß.' Ähnlich in der
Hab, lieb, lüb, hob, hub
934
Offn. Th Wellhausen: ,Vou der haberzins wegen sind sie ein-
hellig, dass er keinen distelkolben davon wannen soll, nach. kein
Stroh, das nur ein kym hab, das mag er wol daby lassen und
wenn das ist, so mag der herr den haber schütten «f einen
bärlinmantel [Schaffell] und als vil heim am mantel klebt, als
vil 5 ß soll der arm mann bessern.' Zu Fuelcr Tgl.: .Dem vogt
soll man den imbiss und seinem ross how und fueter [d. i.
HaferJ gcnueg geben.' 1472, ThSulg. Offn. S. noch Um-Gi'U
Sp. 24.5 und Holz-Gelt Sp. 250, ferner U„der-Vogt Bd I 705.
.In folgenden DHrferen glebt jeder Einwohner, auch jede
Wittib Sem Obervogt jährlich ein Viertel F.' 1796, Bs Rq.
Fotzel-: eine Species von arena sat. mit; langen
Gi%men [FotzelnJ Aä. — Fri-cht-: die unter J^rec/i(
Bd I 127'2 beschriebene Abgabe. Phil. Swerter ver-
kauft 3 Malter ,Fr. und 3 p jahrlichs Gelt' auf der
Hub zu ZWiedikoii. KlTi', Z Stautsarch. ,Ein malter
achtenhalb viertel fr. jarlirh, .rbzins.' 1509, Hotz,
Urk. — Gauch-: 1. Wind-, l-^lug-. Taub-, Schwanz-
hafer, avena fatua; Syn. Müs-Raher. .Av. sterilis,
Gauch-Habern.' ThZwinger 1744. — 2. Mäusegerste,
hordeum murinum.' Mal.
Gugger-: Fcldsimse, Hasenbrot, luzula camp. Zg.
Wie das vor. als Speise des Kuckucks gedacht, nährend
der deutsche Name den Hasen bedenkt.
Gold- = Goldhaber-Gras S. — Galm(s)-: Hafer
vom Wald ,Galni' bei Murten. Hans Mäder von Murten
bittet um Nachlass des in Betreff des ,Galmshabers'
ausstehenden Rechts. 154'2, Absch. Vgl.: ,152 Mütt
Holzhaber vom Achram aus dem Galra für das Jahr
15'25.' 1526, Absch. — Holz-: Hafer als Abgabe für
die Benutzung des Ackeren (Bd I 70) im Walde. Vgl.
Acherum-H. ,Wäre, dass die von Aarau ir klein Vieh
in den Twing und Holz zu Oberentfelden treiben zu
denen Zeiten, so daselbs Eicheln in Achrem stünden,
dass sie denn gleicher Weise H. geben sollen als
andere Leute.' 1426, Aa Gem. ,Es soll niemand in
hülzer, da sy nit ehehafte band, sehwein treiben ohne
h.' 1524, B. ,Schlueg ouch jemand mer schwein in
sein haus, dann er bedörfte und einigen gesalzen ba-
chen [Speckseite] verkaufte, der soll davon auch h.
geben.' ebd. ,Wir haben den unseren von Aarberg
erlaubt, hinfür mit irem kleinen guet, so sie in ir
häuser metzgen. in unseren Lysswald zu fahren, also
dass sie davon kein h. geben sollen.' 1541, B. In
Betr. des , Holzhabers' oder Achrams. 1541, Absch.
.Die Baursame hat alles tod und Abholz, Weidgang
und mit Erlaubniss der Twingherrn Kris, Züne und
Bauholz gegen H.' 156.3, BWyl; vgl. Arch. f. Schwz.
Gesch. XllI 101 ff. — J uch-: von einer Waldlokalität,
genannt ,im Juch', entrichteter .Futterhaber'. 1417,
Tnlrib. Offn. — Christ-: viell. Gebühr an den Prie-
ster für das Taufen, nach altem Brauch in Hafer ent-
richtet (vgl. Christ u. engl, to Christen, taufen), oder
auf den Christtag entrichtete Abgabe. .Der Ackert-
haber soll gegeben werden wie bisher, aber der Chr..
Banngeld. Stuelgeld, Seigerät soll abgeschafft sein.'
1525, Absch. ,So wollen si [die Bauern in Delsberg]
dem kilchherrn noch erzpriester im christenlichen gc-
ding kein chr-n mer geben noch die dry pfenn.. so
bishar ein jede e hat müessen geben.' 1525, Strickl.
,Die Chorherren von SMünst. begehren Rat über den
Meier zu Dachsfelden wegen des Christhabers, wel-
chen er verweigert.' 1531, ebd. — Krüz-: Abgabe
aller Kirchgenossen, die den Pflug führten, an den
Kirchherrn dafür, dass der Sigrist desselben zweimal
im .Tahr mit dem Kreuz von Haus zu Haus geht; vgl.
Krüz-GeU Sp. 254. ,Die Untertanen wollen den Kr.
statt dem Kirchherrn dem Sigrist selbst geben.' 1468,
LRusw.; s. Seg.. RG. II, 886. — Land-: Grundzins
in Hafer; vgL Land-Garb. ,Dass die zue L. 5 Seck
und die zue Z. 3 Seck L-en jährlich dem Landvogt
lüferu müessen.' 1653, Bs. — Mus-. ,Meushaber oder
gauchhaber, ein kraut, murinum hordeum, seu phoenix,
lolium murinum.' Mal. — Brugg-: fixe Jahresabgabe
in Hafer, gegen welche man auf einer Brücke zollfrei
war. ,1425 erhält Bs von Ölten für 45 Viertel Br-n
31 ß.' Schönberg. ,Der Br., welchen nach uraltem
Rechte die jenseits der Aare gelegenen B u. S Dorf-
schaften dem W^erkmeister zu S statt des Brücken-
zolles zu geben haben, soll nicht in Geld, sondern in
natura entrichtet werden.' 1738, Absch. Vgl. Brugg-
Fesen Bd I 1070. — Eüti-: Abgabe an den Landvogt
zu AaB. für die Bepflanzung eines Neubruchs [Eüti].
XV., G Hdschr. Vgl. unter Haber 1 die Ortsnn. Haher-
Büti, H.-Schtcand. Die ältesten Neubrüche wurden
ohne Zweifel mit Hafer bepflanzt; vgl. bes. Büti-
Zehenten u. Seg., EG. H 764. — Schwindel-: Tau-
mellolch, lolium tem. G. Syn. Trümmel.
Studente"-: ein Gemisch von Weinbeeren und
süssen Mandeln im gleichen Packet, bes. früher öfter
etwa von Kindern gekauft BStdt. Wenn e" Bueb
bim Zuckerbeck ist ge" St. heusche'. Bari 1885.
Im vorigen Jhdt, wo man mit 13 — 14 Jahren schon
.Student' wurde, mögen die Studenten an diesem Naschwerk
sich erlabt haben.
Stock-: Gegenleistung in Hafer für das Recht,
im Walde die .Stöcke' [Strünke der gefällten Bäume]
wegnehmen zu dürfen. ,Der Missbrauch, dass viele
unserer Untertanen, unter dem Vorwand des Rechtens
zu ihren Lehen-Güteren, und gegen Abstattung des
St-s, Bäum oder Stock niederhauen.' B Forstordn. 1725.
Was hier von der Regierung, bzw. den Waldbesitzern,
als eingeschlichener Missbrauch erklärt wird, ist wahrsch.
ein uralter Brauch gewesen; vgl. Stock(er)-Recht, Stock-Lösi.
Für-Statt-: Abgabe einer jeden Feuerstatt an
den niedern Gerichtsherrn, in Hafer entrichtet; vgl.
Vogt-, Fueter-H. und Filrstatt-Huen. .Der Müller
von Concise wünscht, von der sog. Avoinerie oder dem
F. befreit zu werden.' 1715, Absch.
Taub-. .Aegilops, T., Hasenbrot, Korspot.' Denzl.
1677; 1716. — Vgl. Gauch-, Gugger-Haher.
Twing- = Fueter-H. B; s. Arch. f. Schwz. G. 13,
68 und vgl. Twing-Huen. — Weid-: Gegenleistung
in Hafer für die Benutzung einer Weide. ,Ein jeder
prädicant zu Affholtern gibt järlich von der pfruend
wegen von der weid Eggerdingen w. 1 mes, darumb
hat er rechtsame, mit rossen und veich darzefaren und
den holzhou wie ander.' BSumisw. Urb. — Wild- s.
Haber 2. — Wiset-: Hafer als Abgabe von Lehens-
gütern bei der visitatio des Grundherrn. .Dass der
kilchherre wisethaber von in»" nemen soll.' 1393,
GBernh. Offn. VgL Wisi-Gelt Sp. 274.
W ister-: eine Naturalabgabe in Hafer. Die von
GÜberried weigern sich, den W. zu geben, obwohl sie
denselben auf dem Isenriet entrichten sollten, wie ihn
auch etliche andere im Rheintale geben. 1545, Absch.
- Viell. eine der vielfachen Entstellungen von Wisel.
Zottel- L, Zotzel- Aa = FotzeJ-Haher.
Hab, heb, hib, hob, hub
Zwing-Haber. ,So gibt ouch im ganzen zwing
eine jede hushab eim vogt und zwingherren ein yiertel
zwinghaber und ein zwinghuen.' 1562, LRickenb.
habere" (in AASt. habere"): 1. Hafer säen, die
Hafersaat durch Pflügen und Säen bestellen Aa; Ap;
Bs; B; L; Sch; S; Th; Z. Ell Acher h., mit Hafer
besäen B; L. Der Lehenmann soll ,ze ustagen den
hof habren und dann ze meyen von dem hof ziehen.'
1440, Z Stadtb. ,Wenn die zeig brach oder g'häberet
ist.' 1530, AaMbII. ,Im Hornung 1531 war es warm,
dass man um Wthur gehaberet hat und jedermann
die Reben geschnitten.' BossB.-Goldschm. ,Wann die
haberzeig haft ist und in ess [s. Esch] ligt und etwann
einer ein stuck acher nit ansäien und h. könnte.'
1596, Z. ,Im Merzen hatte man Alles gehabert, im
Aprellen Alles brächet, man fand reife Kirse und Erd-
beri zu mitten Aprillen.' FrHafpner 1666. Hiezu der
Geschlechtsn. Haberer. 1330, Z; 1531, Zg; 1544, Bs.
— 2. den Hafer einsammeln Ndw. — 3. dem Pferd
den Hafer geben B (Zyro); „Gr; L." — 4. stürmisch
Etwas tun, recht dreinschlageu Ndw. Itie' h. über
Eine', Einen prügeln Ndw. ,Wo man [in der Zeitung]
auf einander wird loshabern. Wer Prügel kriegt, dem
ist es leid, doch macht's dem Publikum oft Freud.'
HSuLZ., Schulm. — 4 zu Baber i. S. v. Schläge.
ab- (in L auch abe"-) Ap; Bs; B; L; Ndw; Soh;
Th; ,Z", -habere' Schw; Zg: ausschelten, züchtigen,
mit Worten oder auch Schlägen; durchprügeln, roh
behandeln, hart mitnehmen. De'' Bege" häd-en ab-
g'haberet, ganz durchnässt Ap. Die arme' Schuldebürli
si abg'haberet worde" nach Note". Hofst. 1865. Dass-
mer de'' Chnecht [gegen die Nachbarin] z' Hülf chöm,
wenn v'' a'fieng brüele' «•"' dass- er -se de'" so recht
vom Tüfel abhabereti. Gotth. .Konnten sie [die Kin-
der] Etw. nicht, so zeigte man es ihnen nicht, sondern
haberete sie ab, und konnten sie es wieder nicht, so
haberete man sie nochmals ab.' ebd. ,Wie mich diese
Plaudertaschen all meine Tage schon abgehabert
haben.' UBrägg. Abg'haberet, adj., körperlich oder
geistig abgearbeitet, auch niedergeschlagen L.
1°-: ein Pferd an Haferfüttcrung gewöhnen und
dadurch lebhaft machen ZOb.
er- BöO., U.; Th; Z, -habere' BSi.: 1. durch-
prügeln B; Th; Z. — 2. quälen, ängstigen BSi. —
3. Öp2>is e., sich aneignen Z; geschickt, jedoch mit
Mühe erlangen Zu.
üs<: durchprügeln Th; Z.
ver-: mit Haberen, Hafer säen, fertig werden.
,Am 6. Tag Aprellens, als man g'meinlich verhabert
hat.' JosMal. 1593. ,Ein armer Bauer sagte im Früh-
jahr: Ich hab schon überall verhaberot. Als man
ihm 's kaum glauben wollen, führt er Etlich in sein
Haus, zeigt ihnen die leeren Kästen und Sack und
sagt, er hab verhaberet uf der Bühne und im Spei-
cher.' ScHiMPFR. 1652 (Wortsp.).
Habere" f.: Haferfeld; nur noch iu Flurnn. Li
der H. BGadm.; GSev., in der Habere' BHuttw.,
Eötcnb., Zweisimm.
Ähnlich Gerstere' Sp. 431; mir dass in //. die volle
Form Habereren dem Wohllaut zu Liebe um eine Silbe ge-
kürzt ist; Tgl. Hueri; Zauberin; ,Beamter' st. ,-teter' u. ä.
Haberet m.: die Arbeit, bzw. die Zeit des Hafer-
säens im Frühjahr; der Anbau der Sommerzeig ZB., W.
.Jedermann soll dem andern furfal geben, zuo dem
brächet zwürent und zuo dem habret einest.' 1433,
ScHRüedl.
G'häber n.: Aufregung Aa. — Za hnberm 4. Syu.
Täbei:
häb(e)ri": von Hafer; ygl. girstin. ,Wer ze
[Albis-] Rieden mit einem ganzen zug buwet, der soll
dem sigristen ze dem Grossenmünster geben ein dink-
lin garb; der aber mit einem halben zug buwet, soll
im ein häbrin garb geben.' Hotz, Urk. ,130 dinkel-
garben und 150 h. garben.' XIV., Gfd. 6, 61. ,Häbris
mel.' ri! 1400, L Arzneib. .Häberin strouw, häbernc
spreüwer, palea avenacea.' Mal. ,Wel[cher] 7 herbst-
garben oder 7 häberin garben buwet, der soll dem
weibel von den h-en garben eine geben und von den
dinklin ouch eine.' 1609, ZKlot. Offn.
Häberle" f.: Pflaumen, die zur Zeit der Hafer-
ernte reif sind GnMai. Syn. Haber- Krieche". — Zur
Form vgl. Wiechshn, Eichkn, Neiphn.
Habi s. Hab-Wl.
Uabich f-ä-J BO., Habik ScnSt. (Sulg.), Happieh
AAFri., Happech Ap; GTa., T.; Th; Z, Hapch B;
GStdt; ZB.tw., Hächt (dim. HächtU) SNA.: 1. Habicht,
falco pal.; Syn. Hüeneroogel; bisweilen mit Inbegrifi'
des Sperbers und Falken; in SNA. auch Lerchen-
falke, falco subbuteo. Wie-en H., d. h. rasch, gierig,
allg. G'schwind wie en H. Th; üfpasse' Z, Auge
mache', biege', uf Öppis zuefäre' [losstürzen] wie en
H. Ap; Th; Z. Chüm het si das g'merkt, su isch-si
uf-is zueg' schösse' wie-n e Habch BE. (Schwzd.).
Wenn-er hei"" chunnd, schreit er über d' Heid, wie-n-en
H., er well esse' ZS. De Habik über d' Hiiener setze",
= den Bock zum Gärtner. Sdlger. En Habich ist
besser als en Hättich, Wortspiel mit ,hab ich', ebd.
Potz Habicht ! Gotth. ,[Der Knecht] fuhr unter seine
Rosse, wie der Habek in ein Taubenhaus, dass die in
die Krippe schössen.' ebd. In ä. Zeit war der ,H.'
der eigentliche Jagdvogel des Adels und der Geist-
lichkeit in unserm Lande, während anderswo der
gleiche Vogel Falke hiess. Vgl. noch Sperber und
freidig Bd I 1273, sowie Falch und Blaufuess. ,Die
meigerin des hofes soll in [den Abt] empfahn und
soll in einer band tragen ein brot und in der andren
ein huon ; das huon höret an den habch.' XHL, UwE.
,üem an der Kirchweihe zu ZZoll. administrierenden
Stiftskaplan musste [von der Gemeinde] ein Pferd,
ein Hund und ein Habicht zur Jagd zugestellt werden.'
1346, Z Probsteiurk. Kommt der Vogt zu Gericht, so
muss das Gotteshaus BRüggisberg ,in und syn pferd
und syn hebiche und syn hunde' erhalten, c. 1350, B.
,Dem hapich [des Vogtes] ein schwarz huen und den
hunden ein leib brot.' 1472, TnSulg. Offn. ,1502 was
Bischof Hug von Costenz gen Wintertur kommen und
wollt die hepch im wald usnemen, des ünderstuend
sich auch Junkher Th. Wellenberg u. a. Daraus er-
wuechs vil fyndschaft.' Wthur Neuj. 1870; vgl. dazu
Gem. Z 1, 286. ,Wenn ein vogt ze herbst und ze
maigen gericht hat, soll im und einem knecht, einem
habk und einem hund der under müller ze essen genug
geben.' 1521, TeGottl. Offn. ,Der habick.' 1531, Z
Bib.; , Habich.' 1667, ebd. ,Die gäns förchtend weder
die hünd noch die grossen streuss, doch den hapchen
am allerminsten.' Vogelb. 1557. ,Die habichen.' ebd.
,Der habich [Jagdfalke].' LLav. 1569; dafür 1670:
ft37
Hai), heb. hib, hob, hub
.Falken.' .Raubvogel, happich. sperwer. accipiter,'
Fris,; Mai.. .Ein häbbich.' TuWigold. Offn. .Uns
sind die l'ederspil und andere raubvögel bass bekannt
[al.s der AdlerJ. als die habieh, sperber, blawfüess.
item die geiren, weihen.' LLav. 1582. .Die Hapich
jagen nur mit List und Vorteil wie ein Dieb, der
wenig Herz hat' Heütel. 1658. .Habich. Blawfüss.'
LCvs. 1661. ,Falco buteo, der Habicht. Hapk; f. mil-
vus, f. seruginosus, f. palumbarius. alle kommen nur
unter dem unbestimmten Namen Hapk oder Stossvogel
vor.' G Wochenbl. 1798. In Eigenn. a) Personenn.
.W. Habich.' 1357. Bs Urk. .Wilh. Habch.' 1368, ebd.
.ülr. Habk.' 1379, Constanz (Hof Kriess.). — b) Ortsnn.
Hahcli- und llabl-Egg B; Sapfig, Hapfegg L, alt
Habkegge. Der Z Ortsn. Hakeb lautete urkundlich
1256 ,Habich-Ekke', r273 ,Habchegge', 1371 ,Habch-
egg', 1448 ,Hackab'. Übrigens wird auch das B ,Habch-
Egg' Habkit gesprochen und eine andere B Ortschaft
heisst Habchit. Vielleicht gehört auch der Ap Ortsn.
,Hackbüel' hieher. sowie der .Habchenwald' BSeed.
und der .Habchen-rain' LHohenr. od. Eschenb. ,Hapk-
stein' Ortsn. bei NMan. Eine abgeleitete Bildung,
wie Haberen, Bachsleren (alt .Dachsneren') ist Hab-
cheren und Habkeren, Lieblingsaufenthalt der Ha-
bichte, Ort, wo es viele Habichte gibt, als Ortsn. in
BO.; dann Name eines Hofes bei LKriens: , Walther ze
habkere.' 1293, Gfd, ferner der jetzt m der Hapferen
genannte Wald bei LNeudorf: .iu dem holze, das da
heisset habecherun.' 1300, Esterm., Neud.; ,in der
habcherun.' ebd. Vgl. die Ortschaft Hukberen, auch
Happerchen gesprochen TuBisch. Davon wieder ab-
geleitet: Habkerig, Weiler BLotzw. Ob der W Ortsn.
.Habtzucht' (.der pur. der hiess Antoni an der H.'
ThPlatt.) urspr. einen Ort bedeutete, wo Habichte
zur Jagd abgerichtet wurden, bleibt dahingestellt. —
2. bildl. a) ein grosser, kreisrunder Kuchen mit einem
Loch in der Mitte Ap; G oT. Dini. HapecliU. Nach
Steinm. 1804, S. 198 aus weissestem Mehl und Wasser
angemacht und in Butter gebacken. Vgl. auch Wäjen
und Dünnen. In Th angeblich auch : breiartige Speise ;
vgl, Epfel-H. — b) (Happich) körperlicher Nachteil,
Gebrechen AAZein. Syn. Fang, Hipp, Näggi. Er hat
ne" H. rertcütscht, uo-n-er äb-ein Baum abeg'heit ii'.
Mhd. hahech, habich, ahd. hapuch, engl, haick. Über die
Jagd mit Habichten vgl. Grimm, Gesch. d, d. Spr. S. 31 ff.
Die Übertragung auf ein Gericht oder Gebäck wohl von der
gesprenkelten Färbung her; vgl. Fleisch-Vogel, Ziyer-Gana,
Spatz, Bluel-Hund, Käs-Fiach ( Stieren- Auyen), ebf, Namen von
Gerichten. — 2b viell. durch den Mittelbegriff .Schaden'
erklärlich.
^^ie\-Happech: Apfelpudding Th (Pup.); Syn,
Epfel-Tätsch. — Rnng- Habick: Honigkuchen, in
Butter gebacken und mit einer warmen Brühe von
Honig und frischer Butter begossen Ap. Nach Steinm.
1804, S. 198, — Chas- Hap2)ech, -Hapch, in ZBauma
-Appech: Käsekuchen, bestehend aus Mehl, heisser
Milch oder Wasser, Eiern nebst fein zerschnittenem
.rässen' Käse, wovon ein ziemlich dicker Teig gemacht
und in Form eines Kranzes in Butter gebacken wird,
ein in Ap; G und dem angrenzenden Th sehr beliebtes
Gericht, ^yn. Käs-Totsch, -Watsch. , So will ich noch
einen hübschen Käshapk bezahlen [sagt Einer im
Wirtshaus zu seinen Freunden].' G Wochenbl. 1798.
's ist-mer gad Niits öber'n Chäshabch; nie' mag dezue
e chli trinke. JMerz 1828/36. Übertr. Chäshappechli,
weiblicher Übern. GStdt. — Schnitt-lauch -: wohl
ein Kiis-H. mit Schnittlauch gewürzt. ,J'ai mange ein
Schnittlauch-Habk (remarque d'importance).' scherzh.
Brief v. LZellw. 17.53. — I^mss- Hapch: zerstossene
Baumnusskerne mit Zucker und Kirschwasser gemengt,
zum Nachtisch genossen GStdt.
Ixiha^-Hapech, -Hak (-Hack It T.) : Tauben-
habicht Ap. .Falco palumbarius, der Taubenhapk.'
G Wochenbl. 1798. — Die Form mit üml. erinnert an den
PI. .hepch' in ä. Lit. ; zur Assimilation vgl. Ffikc Bd I T'29.
er-hapche": wegschnappen, erhaschen, ,Impru-
denti eripere.' Id, ß, — Vgl. aperberen.
Happicher: rote Apfelart Tu. Syn, Erdberi-
Epfel. — Diese Äpfel eignen sich vorzüglich zu Apfel-
pudding; vgl. Epjel-Happech und KüechU-Epfel.
Häbit n. (in ä. Spr. m.): 1, Kleidung, Anzug übh.
Seh, icie chunnst im H? Frage nach der Toilette,
etwa der Frau an den Mann, wenn er ausgehen will
ZS. ,Wie darfest du dich vor Gott stellen in einem
H., der vor Gott ein Greuel ist?' JMüll. 1673. ,In
rittermässigem H.' Mem. Tig. 1742. — 2. Ballkleid
für Männer Bs. Syn, Tök. Früher (sammt dem Krös):
der Faltenrock der Geistlichen und vor 1798 auch der
Katsherren und Professoren als Anitstracht Bs (Spreng).
— 3. Ordenskleid der kath, Geistlichen und Mönche.
.Sölichen h. und ordensbekleidung abtuen.' 1529, Absch.
,In einem solchen H, wie der Gassert [ein Kapuziner]
einen tragt.' ClSchOB. 1699. — Frz. habit; mlat. hnbitue
in Bed. 3.
Habita z f.: Wohngemach, Logis. ,[Zu Dresden]
in der schuel in den habitatzen was es voll lüs.'
ThPlatt. 1572. — Von lat. habitatw wie Punjaz von pur-
galio, Fiduz von fiducla.
Habe", Dim. Häbi, Häbeli: Erdäpfel, Kartoffeln
(Kdspr.) L; ScHW; S; ZO. — Abgeschwächtaus Bttperm,
Erdbirne.
häbie s. he-bie.
he'b I s. ob Bd I 54.
heb II, heben s. haben IL
heb -heb (nurpräd.): allzu haushälterisch, geizig
W. Syn. be-häb, ge-hebig. — Wohl Red. des Imp. in
verstärkendem S.
Heb-üf: Aushebung, Truppenaufgebot. ,Man ver-
nehme, dass sie [die Leute von Saanen] einen Auf-
bruch (hebuf) getan haben, um den Genfern zuzu-
ziehen.' 1528. B (Strickl.). - Vgl. ü/-hehen 9 (Sp. 89")
und zur imp. Bildung Stlg-uf, Weck-uf Bd I 1'2'2.
Heb and s. Heb-Amm.
Heber m.: 1. „wer Etwas festhält, Halter LE.;
ScHW." ,Es möchte dir [dem einen Beinbruch ver-
bindenden Arzt] etwan auch an einem H. fehlen: dann
sie wollen oft am Anfang frisch sein, aber es wird
ihnen oft hernach zu heiss.' Würz 1634. — 2. in der
Formel: H. und Leger sl" über Öppis, das unbe-
schränkte Verfügungs- oder Eigentumsrecht über Etw.
haben Gl. ,Da man sölich gestift an die klöster 'zogen
hat, da ist der papst on zweifei h. und leger gwesen.'
Vad. S. .heben und legen' unter , haben' C. — 3. ein
Werkzeug zum Festhalten, „retinaculum"; oder zum
.Ausheben. .Heber, hebeisen, allerlei Instrument, dar-
mit man etwas hebt, retinaculum, vectis.' Mal. .Man
soll die Zwiebel mit einem subtilen H. aus der Erden
nemnien.' JCSülz. 1772. — Sack-Uf-: diejenigen,
Hab, heb, hib, hob, hub
welche auf dem Kornmarkt beim Kornmessen die
Säcke halten [vf-heben, emporhalten] müssen. Ihnen
hat der Kornmesser von jedem Malter einen Anteil
an der Messgebühr abzugeben GStdt (Mand. 1842).
— Foll{e'')-Heber: hölzernes Gestell auf Füssen,
in welchem man die Folie über das Milchgefäss stellt,
wenn man die Milch darein seihen will „ßO.; LE.;"
Uw. Einem Kalb, das Heimweh hat, soll man vom
Follhäber abschaben und ihm zu lecken geben BBe.
,Die Folien oder Milchsienen, ruhende auf dem Folien-
heber.' JJScHECCHz. 1706. .Vollhäber et Vollschaub
Wando [an der W.] Lecktascheque pendet.' XVIII.,
Uw (Älplerged.).
Schlitz-Ver-Heber: Geizhals Gl. — Schütz =
Öffnung der Tasche.
Hüs-Heber s. Hüs-haber.
Karren-: Halter, Stützer eines Karrens, Wagens.
,Ein fuoder höw. Und soll man dem karrer und dem
k. jedem ein hofbrot geben.' 149b, ZRickenb. Oft'n.
Gr. WB. V 228 erklärt es als Auflader. Allein diese
Bed. liegt in -Heber nicht. Man denke vielmehr an den noch
herrschenden Gebrauch, dass mit einem hochgeladenen Fuder
Hen ausser dem Fuhrmann immer noch ein zweiter Mann mit
einer Heugabel nebenher geht, welcher ausser dem Sj^nnen
die Aufgabe hat, zumal bei schwierigen Wegstellen, das
schwankende Fuder zu stützen und zu halten [anheben]. Vgl.
das Folg.
Baum-: derjenige, welcher den Sarg [Toten-Baum]
hinten hält, wenn derselbe auf einem Karren gefahren
wird Ap.
Pflueg- Sch; Z, -Haber GRÜbS.: Pflughalter.
.Bläsi Schäpperli, pfluegheber im Kloster.' 1535, Sch
Batsprot.
Zum Pßueghtben oder -han im Gegs. zum Mannen ist nur
ein erfahrner Ackermann befähigt, daher sich diese Special-
bezeichnung gebildet hat.
G'-rad-Heber: diejenigen, welche beim Zauren
[Jodeln] nur den Grundton oder den Akkord singen,
also der Melodie die harmonische Basis geben Ap
(Alpenp. 1871). Von gerad heben Sp. 888 e 6.
Sorg-: der Vorsichtige, Behutsame. Bes. in dem
Sprichw.: Der S. ist aW" dw'' d' Stegen ah g' falle'
(g'heit, 'tröletjd; Th; Z. — yonSorr,!,eben;s.habenSp.8-6.
Spuele"-: Spulenhalter, eine Vorrichtung beim
Garnspulen Gr; Syn. Garn-Nari.
Spüse"-Ver-heberi'': Brautjungfer, welche zwi-
schen Aufgebot und Hochzeit beständig bei der Braut
sein muss GRSch. — Sj.üse, sponsa; Verheberin von ver-
heben i. S. V. hüten, bewachen.
Hand-Hebete": Handhabe ScnStdt.
Kind-: Kindstaufe. .Hochzeiten, K. und andere
Ehrenanlässe.' Z Mand. 1703/32. S. Hinder-für u. vgl.
Götti. ,1620 und 1621 ward beschlossen, die Köst-
lichkeiten und Pracht bei den K. aufzuheben.' 1722,
Mise. Tig. ,In K. und Gutjahrschenkungen soll von
Gotten und Götti höchstens ein Zürichtaler einge-
bunden werden.' Z Mand. 1744/93. - S. .haben' II C.
hebhaft: fest, dauerhaft BE.
Hebi I (UwE. EciM): 1. f. Halt, Festigkeit, eig.
n. bildl. Aa; B; L; Uv.; Z; Syn. Hab IUI. I'" ha
kei H., ich kann nirgends anfassen, z. B. um eine
Mauer zu erklettern. Es [z. B. das Angekittete] hat
(kei H., haftet nicht. E dünns MürK, ditnns Zug
häd kei H., keine Haltbarkeit. H. j" de* Beine ha",
fest stehen. De Biswind seit: Ich bin iez da; wie
muess nüd Einer R. [Widerstandskraft] ha". JKMev.
1844. Er hat kei H. nie'', er ist alt, gebrechlich;
auch von schwachem Gedächtniss. 's Geld häd kei
H. g'ha', es hat alles müesse fürt. E de Weg [nach
solchen ökonomischen Verlusten] werded-mer nümme
z' lang H. ha. Stütz. Er häd ke H., wenig oder kein
Besitztum, Vermögen L. Kei H. ha', auch moralisch,
von Pers.: nicht zuverlässig sein B. .Eine Habe
[festen Rückhalt durch Anschluss an Andere] und eine
Gebündniss gemacht.' 1341, F Batsurk. ,Er hat keine
Hebe, nulla ipsi ratio, qua militet.' Met. Hort. 1692.
,Er hat ein schlechte Hebe, in parietem caducum in-
clinat.' ebd. — '2. f. B; Uw; n. Ap; Gr; G; Sch; ZO..
Handhabe, Henkel, Gritf; Syn. Hand- Hebi. Auch
bildl.: Anhaltspunkt. Anlass. .Fasse die Sache einmal
an einem andern H.' Sch Pilg. 1884. .Alle Stund finden
sie [die Gesandten] neue remoras, das Friedenswerk
zu retardieren. Sie haben widerumb aufbunden. ein
neuwe H. [Vorwand] gefunden.' 1656. Absch. — 3. f.,
die Steile, nach welcher man z. B. mit der Armbrust
zielen [heben] muss. um zu treffen. Zielpunkt. Er
hat d' H. verlöre' ScuSt. (Sulger).
Mit Hebi II materiell identisch; beide vom Vb. heben
(haben), nur in verschiedener Bed. Vgl. .Hebe' bei Gr. WB.
IV 2. 718.
Uf-: das Gestell, die Hauptbalken eines Baues.
Hauses. .Ein u., die ein probst eim gottshusmann
soll gen, das sint die 4 süle und die 4 ramen, die das
hus haut und bcschliessent.' 1344, AAWittnau Offn.
,.Alle die da sitzend uf des gottshus von S. Alban güe-
tern, so die husen [sich wohnlich niederlassen] wellent,
so soll einer howen in den selben hölzern ein u.' 1364,
ÜPFN. (LABurckh. 1860). — Vgl. mhd. ü/hap, Stütze.
Ant-: 1. = „Ant-Haupt, Kopfende eines Ackers
beim Pflügen Aa." — 2. Handhabe, Griff. Henkel
AAFri.; B; ZRafz. — 2 aus Hant-hebi mit abgeworfenem
U, oder mit ant- = ent-, s. cnt-Imbai.
Hand (in AaZ.; Bs Hant)- f. B; L; S; Th; Z
n. BSi. (-HäbiJ; GLÜbst.; ZO.. -Hiebi, anch -Hiebe"
f. Bs: Handhabe, Griff. E Zeine' sötted-mer ha';
a'-der alte' hat es H. g'lä' Z (Schwzd.). E H. an-en
Melsack, 1) etwas Unpassendes, Überflüssiges Bs.
2) ausweichende Abfertigung auf die neugierige Frage:
Was git das? oder: Was machst du da? Bs; L; S; Z.
Auch bildl. : Anhaltspunkt. Ruckhalt. H. ha- an Eim,
sich an Einen [z. ß. als Bürgen] halten können ; H.
ha" uf Eine', [im Eechtswesen] Regress auf Einen
haben Z. .Uf dise handhaben [das mit den Eidge-
nossen kurz zuvor abgeschlossene Bündniss gegen
ßurgund] machet er [der König von Frankreich] dry-
mönigen bestand mit dem Burgunner.' Ansh. .Es sind
gleich [bald] vil Satzungen gemacht, aber der Meister,
so d' Handhaben dran drejen kann, ist gestorben.'
SCHIMPFR. 165'2. — Vgl. auch Hand-IIah. Zum Voc. in
H. -Hiebi vgl. das einigermassen syn. Hiene u. lebe Bd I 48.
Chrueg- n.: Henkel GfiTschapp.
hebig. in Ap tw.; Bs; B; GF.; W -rf-: 1. haltbar,
solid „L;" Sch; Z tw. .Tuch mit einer h-en Farbe.'
ScHEiTLiN. PTobl. Zähe: .Die haut [des Storchs,
beim Sieden] ist h-er als das fleisch.' Vogelb. 1557.
— 2. zähe festhaltend, nicht loslassend; halsstarrig
Bs; Gl; L; G; Z. Er ist e Hebige, gibt nicht nach
beim Wortstreit, Verkauf, bei einer Forderung usw.
941
Hab, heb, hib, hob, hub
942
Gl; G. ,Pertinax, fast h. und dem man nichts aus
den bänden nemnien oder reisscn mag.' Fris. ; Mal.
Vom Gedächtniss: ,Er [der Bischof] soll fast h. syn
der evangelischeu 1er.' LJüd. ,Memor auris, ein h.
oder unvergesslich or.' Fris. Mit Bez. auf Besitz :
sparsam, fast karg, geizig Aa; Bs; B; Gl; L; G; Tb;
W; Zg; Z. Ist-si au"' häbig g' si' und hat kei" Müm-
pfeli lo z' Schande' gö', s^-n-ist si doch nit gizig g'si".
Breitenst. En Chaufvie', e Bitzeli h. und hässig. ebd.
Hebigi Rieht. MUsteri. ,Der Mann war mildherzig
und gebig, wie der Samariter, sein Weib, das war
aber geizig und häbig, wie ein heuchelnder Pharisäer.-
Jecklin 1870. ,Tenacitas, zehi, hebigi.' Ebikger 1438.
,Avarus, deparcus, fast kündig, geitig, hebig, karg
(genaw). Avidior, häbiger oder geitiger.' Fris.; Mal.;
Ked. 1662; Denzl. 1716. ,So man hebig gegen arbeit-
samen lüten ist.' LLav. 1584. ,Die unbarmherzigsten
undh-isten gegen den dürftigen.' SHochh. 1591; dafür
1693: ,geizigsten.' , Wie kaum mag doch der h.g'nesen!'
JJBreit. 1618. — 3. gut zu handhaben, bequem zu
halten (hebe'J, z. B. ein Werkzeug U. — 4. z' h-en
Spiiingen rennen, in mächtigen Sprüngen S (Postheiri
1873). — S. das Vb. haben. 11 B 5. — i wohl irrige Aa-
lehnuDf aus eben, Tgl. ebenlich Bd I 45 und ebent ebd. u.
a(n)-: 1. anhaltend (z.B. Regen) Ap; Gr; Z. Nach-
haltig (von Speisen) Gr. — 2. mit Bitten anliegend,
lästig bittend Gr. — Vgl. an-heben.
ur-: aufrührerisch. ,D' Rebellen und wer u. war.'
Lied 1653. - Von Ur-hab.
ver-: 1. „verschwiegen." — 2. ,aufschiebend, zopfig.
Dazu Verhebigi f., das Aulsehieben, der Zopf, die
Altertümelei' GrD. (B.).
g"- Z, -«€- S; U: 1. nicht nachgebend, zähe Z.
— 2. nicht freigebig, sparsam, karg S; U; Z. Der
Joggi ro" Grenchen, e g'häbigi, aber im Ganze' doch
e rechtschaffeni Sei S (Schild). — 3. wohlhabend S.
So-n-es g'ringers, nit gar g-s Mannli. Schild 1866.
hinder-, -häbig: 1. zurückhaltend, zögernd G;
Ö; Uw; „verschwiegen, versteckt." 3Ie' miless-es so
Meitkne' nit verüble', wenn si scho" nu''' chli' h. slge' ;
si möchte' halt au''' gern tciisse', wie sich so ne Chnab
deheimen Vstellt gege' Vater und Muetter. BWyss 1863.
— 2. an sich haltend im Bezahlen (der Schulden), im
Geben: karg Ap; G; üw; U. — „ Hinder-häbigkeit
f.: Zurückhaltung, Verschwiegenheit; Kargheit L." —
Vgl. hinder-heben.
not-: = notfest Z.
b«-, -rf- Aa; L; ScHW; W; Z, b'hebtig Ap: 1. mit
einem guten Gedächtniss ausgestattet Ap; Z. Si ist
e b-s Chröttli, sie vergisst Beleidigungen nicht leicht
Ap. — 2. verschwiegen W. — 3. nicht gerne gebend,
karg Aa; LG.; Z. — 4. ausdauernd ZDielsd., 0. —
5. klagend (über ökonomische Not, Krankheit) Z.
Vgl. ge-, be-hab und ge-hebüj. Zu 4 Tgl. Hcbi I, zu 5
»ick b'heben, sich beschweren.
u"-b'heb(t)ig: vergesslich Ap.
z'sämme°-hebig, -««-: (allzu) sparsam Bü.; Gu.
Becht gäbigi Liit u"' nüt wenigersch tvann z-i. DGemp.
1884. — Z'sämme-hebigi f.: Sparsamkeit GfiPr.
Syn. Späregi. — Von zemmmen-haben, zshalten.
wider-hebig: fest haltend, zähe. .[Ein Bischof
sei] sein selbs gewaltig [iYxpaTi^s], widerhebig und
zäch zu leren.' 1531, Tit. — Das W. will das gr. dvT-
ey!i\i,zyoi genau wiedergeben. Von widerhaben, festhalten.
Hebi°g f.: 1. Ergreifbarkeit. Ekei* H. ha; von
einem Gefässe udgl., das man nicht anfassen kann
Ndw. — 2. Halt, Festigkeit. ,Das Hus seig um ein
Grosses gesunken und kein Hebung nienen mehr und
Alles lodele und ginne.' 1648, Hotz, Urk. Syn. Hebi I.
Uf-: Aufhebung, Elevation der Hostie bei der
Messe Ndw.
heb-lich,-lig: haftend, haltbar B. .Unsere Trost-
gründe waren so wenig h.' Gotth. — ab-: Abhülfe
schaffend. Zürich werde sich nach ,a-en' Mitteln um-
sehen. 1654, Absch.
üf-: zum Vorwurf, Tadel gereichend, schimpflich
Gr. ,Dis soll unsern kilchherren an iren eren und
guoten lümbden nit nachteilig noch u. syn.' 1530,
Absch. ,Bi den Römern was es fast u. und schniäch-
lich, nit schreiben zue können.' Vad. ,Das wäre einer
statt Zürich unerlich und ganz u. oder verwyslich.'
HBoLL. 1572. ,U. und schantlich.' ebd. ,Criminosa
oratio, ein schmächliche, unbilliche und aufh-e red.'
Fris. ,Die Urtel sollt im in allweg unufh. und un-
schädlich syn.' 1607, Ardüser. ,Es wäre nit bider-
inännisch, sondern aufh., wann wir eins und anders
auf uns erligen Hessen.' FWyss 1650. ,Es ist dir aufh.,
cum probro et dedecore tue conjunctum est; gravem
tibi infamiam hac re contraxisti.' Hospin. 1683. — Von
u/-heben.
an-: den Anfang bezeichnend. ,Der tauf ist von
etlichen genennt worden ein a. zeichen (signum ini-
tiale) des Volks Gottes, mit welchem die auserwälten
Gottes aufgenommen und anfänklich in die kirch em-
pfangen worden.' Helv. Conp. 1566/1644. — S. Än-)iab
und an-heben.
er-: erhältlich, erreichbar, ,0b ouch üch byligende
ändrung [Reformationsvorschlag] noch zu rüch und by
den üwern nit e. syn bedüechte.' 1530, Absch.
hus- s. hüs-hablich.
b^-hebli'^'': ein gutesGedächtniss habend ZBauina.
- Vgl. be-hab S.
Hebli''g m.: Balken BRohrb. — \'oa heben, halten;
eig. , Halter', d. i. Tragbalken; vgl. Sjxrrli'rj, Sperrbalken.
a n - h e b 1 i ° g e n : sich an Etw. haltend od. stützend,
z. B. a. gehen, schiessen Schw.
un- ZKn., -g"- L (neben ung'häbe'); ZS.: ohne
sich (mit den Händen) zu halten. Er chaim nümme
u. stä', gä", vor Schwäche, Trunkenheit. ,Ich ver-
mocht [nach der Krankheit] nit allein oder unheb-
ligen zu gon.' JosMal. 1593. — Adv. Bildung wie: g'aiu-
iigen, g'gtündligen, g'liggligen, nhd. , rittlings'.
Hebee f.: Johanna Josepha SchwE.
Vgl. Anm. zu Uabe; die Abschwächung des u in der
ersten Silbe wohl durch Angleichung an die zwei folgenden e.
Hebel m.: 1. Sauerteig, a) zunächst das kleine
Quantum Teig, das man von einer Bacheten auf die
andere aufbewahrt oder in neuerer Zeit auch beim
Dorfbäcker holt, dem man c. 1 Tag vorher das Hebel-
Becki oder -Seckli dafür abgibt. Mit diesem H. wird
dann am Abend vorerst ein kleinerer Teil des Mehles
am Ende (bisw. auch in der Mitte) der Mulde (der
Hebistatt, Hebiloch) oder in einem besondern Zuber
unter Zugiessen von warmem Wasser gemengt und
durch energisches, klatschendes Rühren (heblen) ein
breiartiger Teig (die Hebi) bereitet, welcher die Nacht
Hab, heb, liib, hob, hub
944
über stehen bleibt, damit am Morgen, nachdem der
so zubereitete Teig gegoren hat (d' Hebi g'gangen ist),
das Kneten beginnen kann. Nach beendigtem Hehlen
wird etwa ein Kreuz in den Teig geritzt, auch ist es
verpönt, die Hebi oder die Heblete' zu erschrecke',
d. h. während der Gärung des Teiges irgendwie an
den Backtrog bzw. den Zuber zu stossen, vgl. Angriff
und Häb IL De"- H gät iif, der kleine Klumpen
Sauerteig (im Becken) wird durch die Gärung in die
Höhe getrieben, allg. .Der hebel der Pharlseern und
Saduceern.' 1531/60, Matth. = , Sauerteig.' Ib91, ebd.
,Damit dise Universität allen argwons des päbstlichen
hebeis erlediget werde, so haben wir erkannt [usw.].'
1539, Bs (Ochs). ,Jacere in fermento, aufgon wie
ein h. Aufgon wie ein h. von zorn, intumescere. Auf-
gon wie ein h., wie ein gehebleter teig, d. i. aufge-
blasen und zornig sein.' Fris. ; Mal. ,Es soll niemants
kein Brot, Mel, Holz, H., Salz noch Anders geben aus
der Pfistery.' XVIL, AAMuri (Gesindeordn.). ,Sich
nicht hüten vor dem H. des Brots, sonder vor dem
Sauerteig der Phariseer.' JJ Breit. 1614. ,In iram
pronus est, er geht auf wie ein H.' Mey., Hort. 1692.
,Was ist ßösers und Giftigers als der Zundel und H.
der Sünde?' JMey. 1694. , Durch den H. in's Jäsen
[Gären] kommen.' JCNäg. 1738. — b) Teigbrei aus
Mehl und Essig, oft mit Zusatz von Senf (Senfhebel),
bei Fiebern aufgelegt Z. , Saurer h. mit lindem harz
auf die wunden gelegt.' 1563, Fischb. ,Das gel von
eim ei, triax. h., imper mit nidel, dass 's ein müesli
geb, leg 's über, es weichet und nimmt den eiter.' Zg
Arzneib. 1588. Ähnl. bei JHLäv. 1668. — c) = Hebi II
ApI., M., K.; LG. ,Wie der surteig den ganzen h.
durchgat, denselben uftrybet und darzue versüret.'
EGüALTH. 1586. — 2. ubertr. a) Bas giH nücl [nicht
einmal] de' H; vgl. Füeteri 3 (Bd I 1139), wohl aus-
gegangen von EAA. wie: Das git (scho" wider) de' H.
C= zum^ne' Öpfehvegge'), Mahnung des Bauers an
seine Arbeiter bei der Ernte, die am Boden liegenden
Ähren zu Kate zu halten Z. In L heisst das bereits
gedroschene und in der Tenne ausgebreitete Getreide,
„das aus dem gerüttelten Stroh ausgeschaubte oder
abgerechte Korn", wenn es zum Schlüsse noch ein Mal
gedroschen wird, geradezu der H., gleichs. weil es
nur noch genug Körner zum H. abwirft. Sj bald-mer
zweu Drasch händ, sg rechid-mer ab nnd cherid 's und
rechid aw* 's Güsel no''' drab und dröselnd de' H.
noch einist durab. Häfl. 1813. — b) Rest, welcher
nach dem Volksglauben Segen bringen, bzw. denselben
fortpflanzen soll. So das Häuflein Getreide oder Heu
oder auch beim Mähen ein kleiner Rest Gras, welcher
auf dem Felde, der Wiese zurückgelassen wird ZS.
(auch dim. H-i). In ZRafz bei der Strohhutfabrikation
sogar der Rest von Halmen, welche man am vergan-
genen Abend nicht mehr geflochten hat (Hehili). En
H. im Stal ha", einen Nebengewinn (ausser dem
Haupt- oder Milchnutzen) haben, wie etwa durch
Haltung eines Zuchtstiers Z. Na"'' es Hebeli ha', noch
Etwas in Reserve haben, z. B. ein Sparkassenheft für
den Fall der Not ZZoll. — c) ein sauertöpfischer
Mensch Aa; Syn. Sür-H. - 3. euphem. für Hagel.
Bim H! Stütz.
A'on haben II C, wie frz. hmin von fefer und nd. Barm
von hä-en; vgl. bes. ,das Brot' S. 23 und s. noch Uefd.
— Zu 2 b. Das H-i in der Sparkasse schwerlicb Dim. zu
Hehi, Halt
Gerste-Hebel: Sauerteig aus Gerstenmehl, bes.
in der iron. R.\.: iifgö-'" [emporschiessen] wie en G.,
im Wach.stum zurückbleiben, weil der G. gerade nicht
aufschwellt Z. — Mage°-: Magensäure. ,Es kann
sein, dass dergleichen Gemsballen die beste Kraft des
M-s und Schleims an sich zeuhen und dadurch die
Däuung merklich verhindert wird.' JJScheüchz. 1706.
— Sür-: 1. Sauerteig; aber bes. übertr. i. S. v.
Hebel 3 c AaB., F. Er macht es G'sicht wie-n-e S.
Si ist en rechte'- S.; Syn. S.-Bebel; Holz-Epfel. Vgl.
Erbselen und Essech-Gutteren. ,Tetricus, saursehend,
unfreundlich, ein Saurh.' Denzl. 1677; 1716. Fin-
gierter, spöttischer Geschlechtsn.: ,Hans S.' 1443,
Fründ; ebd.: ,N. Sürgesicht.' — 2. Magensäure. ,Ge-
stalten die unsern Helvetischen Landen je mehr und
mehr einreissende Kaffee-debauches die Zäseren des
Magens schwächen, dessen S. verderben, vil Gallen
und Bläste pflanzen.' JJScheüchz. 1708. — 3. Sauer-
ampfer, rumex acet. Aa.
h ebene": 1. die Hefe (Hebel 1 a) in warmem
Wasser auflösen und einrühren, den Sauerteig be-
reiten GRSpl.; Ndw; Syn. heblen. — 2. den Spielball
empor werfen; „einander Bälle in die Hände werfen
und dieselben mit der Hand wieder auffangen" Uw.
Von Hebi, wie heblen von Hebel. Für 2, das wir hier
als bildl. Anwendung von 1 untergebracht haben, gibt St.
noch die Nbif. hebelen, heb(e)ren, welche eher für Trennung
sprecbcn.
Hebi II f.: 1. die mit dem Sauerteig (Hebel) durch-
wirkte kleinere Mehlmasse, Mehlbrei, den man im
Backtrog gären lässt Aa; Bs; B; F; Gl; Gr; Schw;
S; üw; Syn. Hab II, Hebleten, Hebel 1 c, Trib. In
ä. Lit. meist = Hebel 1 a. ,Der Doktor sagte, d' H.
sollte Niemand eher wirken als Mädi, es sei ja selbst
eine lebendige H.' Gotth. ,Ich hatte schon die H.
gemacht; wir wollten backen. Aber erst nach 4 Tagen
[kam ich dazu]; und es hat auch noch Brot gegeben.
Frilich ist's Öppis gnüger gange.' ebd. , Solch miss-
vergnügte Weibsgesichter sind die H. (oder wie Andere
sagen der Hebel), die Alles versäuert, das Haus und
das Herz.' ebd. Ammei, bring das icarm Wasser i'
d' Backstuben abe«, mir wei [wollen] go d' H. mache'.
Schild 1885. , Sollen die Becken sich eines bescheiden-
lichen Lohns für die Hebe und Backerlohn vernügen.'
B Müllerordn. 1689. ,Wie schädlich das Brot, so die
Hebe nicht wol aufgegangen.' JMuralt 1697. , Auf-
gehen wie ein Hebel, intumescere.' Denzl. 1699, =
,ein Hebe.' 1716. ,Es wird geheblet und wenn die H.
gegangen ist, so' usw. 1820, ZZoll. Kochb. — 2. (Hebe)
= Hab II i. S. V.: künstlicher Sauerteig ApH., M.
Bier-: Bierhefe Bs; B. ,Ein Löifel in Milch zer-
rührte Bierhebe.' 1820, ZZoll. Kochb.
heble°: 1. a) den Sauerteig zubereiten; mit
Sauerteig anrühren, als erster Akt des Backens, allg. ;
Syn. hebenen. S. Hebel 1 a. Ein wenig Teig auf die
Seite stellen als Ansatz des Sauerteiges BSi. —
b) bildl. G'heblet ha', von Mädchen, in andern Um-
ständen sein Ap. — 2. mit Sauerteig versehen, säuern.
Das Brot ist nüd recht g'heblet, es häd Chäs, ist zu
wenig durchsäuert, ist speckig Z. ,Die pfister sollend
nit zweien oder dryen zuesamraen in ein muelten
schütten, sunder sy sollend einem yetlichen das syn
besunder knetten und h.' c. 1480, Aaracer Bäckerordn.
,Wir süllent niessen wirdenklich das ungeheblot brot
015
Hab. heb. Iiili. hol).
[die Hostie].' XV., U Gebetb. ,0b das [Abendmahl-]brot
jiceheblet oder ungeheblet syn müesse.' Zwingli. ,Das
fest der ungehebleten broten.' 1531/48, Esra. ,Auf-
gon wie ein gehebleter teig, fermentescere. Fcrmen-
tare, h., mit dem hebe! auftreiben.' Fris. ; Mal. ,Ge-
sürte oder geheblete spys.' Rüüalth. 1586. ,Das Manna
war schon geheblet, gesalzen, geknettet, gebachen.'
FWyss 1653. ,Azyraus, ungesäuert, ungeheblet.' Denzl.
1677; 1716. — 3. gären. ,[Ferraentare] mit einem alJ
andern Namen genonnet: der Wein jäset, das Brod
heblet, die Äpfel faulen usw.' JZiegl. 1647. ,Als wenn
die Erde in eine Heblung und Gärung geraten wäre.'
JBOtt 1736. — 4. den blossen Hintern zur Zücliti-inig
klatschend bearbeiten Z. Dann übli.: niitnehinen,
plagen, 's Bürge' hehlet Ein'n Z. — In der zuktzt mx-
jefiihrten Anwendung viell. Entstellung aus dem syu. heyhn.
ver-: 1. intr., mit hehlen (1 a) fertig werden B.
— '2. tr., „(den Teig) durch Anwendung von zu viel
.Hebel' zu sauer machen".
be-. .Kernen behäblen', Anleitung, wie aus ge-
dorrtem Kernen Mehl gemachet werden könne. Z 1771.
Heblete" f.: der durch das .Heblen' entstehende
dünne iSauerteig (s. Hebel 1 a), mit welchem die ganze
Mehlmasse durch Kneten durchwirkt wird Tu; ZB. ;
Syn. Hehi 1, Habiten. ,Es pressiert, weil ihm die
H. sonst noch zum Land hinaus läuft, weil .sie seit
Morgens früh an Einem fort gegangen ist.' Stutz.
Heb(e)reer: Jude, in weniger abschätzendem S.
als Jnd Tu; Z. — hebräisch. ,Du verstehst den
Handel, wie der Schulmeister H.' HPest. 1781 = gar
nicht.
Heb er ig s. Hei-berg.
Hebet, nur in der Beteurung: Bim H.! Potz H.'.
Stutz. — Euphem. etwa statt Herget= Herrgott; vgl. hebets.
lie'bets: sehr, überaus. VcrstäikiiiiLrsadv. vor Adj.
u. Adv. E h. grossen Öpfd, c h. srhmis Mnirl, IH'.irl.
Wohl st. Ifcrnjets; vgl. hebet u. mit. i II. ,-, ^i,..ii |S|,. :,-l-l]
bes. die Form herbeta.
hebie s. he-bie.
hebisch, heibisch s. hcvisch.
hibmen, hibnen s. hippmen.
h i b ü c h e n s. hipp-büchen.
Hieb m.: 1. wie nhd.: Schlag, Streich. Doch im
S. von Wunde ist Hämo gebräuchlicher. — 2. Wald-
schlag. Syn. Haim-. .Nach jedem H. reinige man den
Schlag von Blöckern.' Gr Anl. z. Verb. d. Waldw. 1838.
— 3. leichter Bausch BsL.; L; Z. Syn. Stüber, Tips.
-■ 4. Beigeschmack Z; vgl. Hie.
Hieb er ni.: = Hielt 3. ,Ein H. ist besser als ein
Fieber' ScuSt. (Sulger).
Hand-Hiebi s. H.-Hehi.
Hiob s. Job. Hobasle s. Ameise.
höbe! höbe! auch h. le!: Lockruf für Kühe und
Rindvieh übh. GrL., UVatz. — Höbe f.: Schmeicheln,
für Rindvieh, ebd. Syn. Lohe, Wöbe.
Hobeissi s. Ameise.
Hobel f-ö-J — PI. Höhel - m.: 1. wie nhd. allg.
RAA.: Dem Hobel z' vil Ise" (Holz ZLunn., vom Holz
des Brettes) ge" s. unter Isen Bd 1 536 und Schwzd.
Schweiz. Idiotikon II.
29, 11. Vom Ausblasen des Hobels zum Behufe der
Reinigung: , Einem den H. ausblasen' 1) in den For-
meln: Blas-mer de II. ks.' und de cha"'st-mer de H.
üsblase, als nnwillii^c inij verächtliche Abweisung
einer Zumutung', alli^, ; r'ii^. Umschreibung einer noch
derbem RA. = tia mihi podicem! vgl. die Darstellung
des Schreinerhandwerks an einem der Chorstühle im
B Münster durch ein nacktes Büblein, das auf dem
Bauche rutschend einen H. vor sich her schiebt, wel-
cher in der Gegend des Eisens pfeift, wenn man dem
Bübchen in den After bläst. 2) = Einem einen derben
Verweis geben, tüchtig- den Text lesen, abtrumpfen
GT.; U. Ge'"nt ier im. nit e Bluemestruiss, so bläst
er ich der H. uis U (Schwzd.). — 2. das Schneide-
messer in übstmühlen zur Verkleinerung des vom
Trichter zwischen die Mahlsteine herabgleitenden
Obstes Ap; Z. — 3. kleiner Bretterschlitten für Kin-
der; auch der gewöhnliche Fuhrschlitten Gr UVatz.
Syn. Krücken. — 4. ah H.! Schlittenruf ZWthur.
— 5. nach oben sich erweiterndes, ungefähr 1 alte
Bernermass haltendes, einfach oder doppelt gehenkeltes
Trinkglas, meist hübsch beblümt und mit Wappen und
Inschriften geziert, welches am Schlüsse eines Trink-
gelages, oft auch bei einem sog. Standibus, Abschieds-
oder Schlusstrunk auf der Strasse, im Kreise herum-
geht BSi. Syn. Mass-Mijel. ,Der H. wanderte von
Hand zu Hand auf das Wohl des Vaterlandes.' B Album
1858. — 6. Dummkopf, Halbnarr ZAndelf. (Spillm.).
— 7. in Flurnn. aus Hö'''-Bilel, in S sogar aus Ho'''-
Wald. Als Geschlechtsn. : ,Heinr. H., burger zu Zürich',
It HBuLL. 1572.
Aus L ist vereinzelt die Form Hubel angegeben, welche
sonst nur md. ist. — Zu 2 (und zu KabU-H.) vgl. den von
Fischart erwähnten Schabzieger-H. Gr. WB. IV 2, 1588. —
3 von der Ähnlichkeit der Gestalt. — 4 wohl Entstellung
aus etwas ganz Anderm. — 5 viell. von einer bildl. RA.
für .triukeu", etwa wie ,bürsten', deu Schlund glätten. —
r. walirsili. cig. .Einer, der sich willenlos schieben lässt'.
\--\. ru/.ii
Ar.i;lf"-: der eigens geformte H., mit welchem
der Küfer die Gargel (s. Sp. 416) der Fassdauben
macht ZS. — Federe"-: der H.. mit welchem an
Brettern die Federe" (Bd I 678, Bed. 8) erstellt wird Z.
— Obgent-: grosser H. mit Handhaben, für 2 Mann
zum Stossen und Ziehen berechnet, wie ihn die Küfer
brauchen, wenn sie die Dauben einspannen und mit
dem Hobel fügen, so dass dieser also ahißtil ist. d. h.
über die Bretter hingeht, während iHim l'n. .iLamn
mit den Brettern über das Werkzeug grliilir.ii wii.l /.
— Chabis-: der aus mehreren Messern bestehende
IL, über welche hin der Kopfkohl (Chahis) zu Sauer-
kraut geschnitten wird Gr; Z; vgl. K.-Hechlen.
Chämh-: H., welcher dazu dient, an Brettern den
Kamm oder die Feder (s. Bd I 678, 8) zu erstellen
Aa; Z. Vgl. ,Nut-H.' — ■ ChUmben, mit einem solchen
Kamme versehen.
Chätsch- Z, Che'tsch- Aa; ZO., Chötsch- S:
von je 2 Mann gehandhabter Zughohel, mit welchem
vorerst die gröbsten Späne weggehobelt werden. —
Von thaiKchcn (-e'-, -ö-), mühsam ziehen, schleifen.
Blatt -Bank-: H. zum Schiefabflächen Aa. —
Verbutz-: H., der zur letzten Vollendung der Arbeit
(zum Verhutzen) gebraucht wird Aa; Z. — Räbe°-:
ähnlich dem Chahis-H, aber angewendet, um weisse
Rüben in Scheibchen zu zerschneiden Th; Z. Daher
60
947
Hab, heb, hib, hob, liub
Bäben-Hobler, Krautschneider. — Ruch -Hobel:
Eauh-H. Aa; Z. Syn. B.-Bank; Härer (s. d.), Schürpfer.
Schüch-den-: arbeitsscheuer Mensch [wohl eig.
Schreiner] Bs (Spreng).
Nacli Art der in imperativischen Sätzen gebildeten Ge-
schlechtsnn. ; Tgl. ,Schüchdenpflaeg, Hassenpflug, Schüchden-
tüfel, Binddenesel'.
Schiff-: H. mit bogenförmigem Schafte Aa; Z.
— Schürf- S, Schürpf- Aä; Gh; G; Z: = Büch-H.
Bildl.: ,Sie [die Reformierten von S] wolltend mit
dem seh. daran', drangen ungestüm auf Reform. 1529,
Stehler. ,2 hübcl, nämlich ein glatt- und ein schirpf-
hobel.' 1550, SchwE. Klosterinv. — Kabis-schnätz-
= Chabis-H. Gl.
Schropp- Z, -U- Gl =: Buch-H. — Schruppen,
whroppen = schürfen.
Doppel-: der mit doppeltem Eisen versehene
Glatth., welcher zur Vollendung und Glättung der
Arbeit gebraucht wird Aa.
Wurst-: imaginäres Werkzeug, nach welchem ein
unerfahrener Drescher [ursprünglich wohl ein beim
,Metzgen' behülflicber Junge] von den Übrigen zum
Fleischer ausgeschickt wird Aa; Z.
Ähnliche Werkzeuge, um ,in den April zu schicken', sind
Schaub-, Schtterhlg-Scker, Okrte-Bürste, Mont-Löffd.
hoble": 1. wie nhd. De" Cliabis h., Kraut ein-
schneiden. Daher: Ch. -Hohler, Krautschneider B.
Breit- texlet wie schmal -texlet und schmal-te.det wie
g'hoblet und g'hohlet, dass d' Flüge' druff schlipfe'd,
von der Forderung jeder überaus exakten Arbeit, z.B.
von Näharbeit GrHb. — 2. (bildl.) in die Zucht neh-
men, polieren, gesittet machen. Si icerde'd-e" scho' h.,
werden ihn (z. B. in der Fremde) schon manierlicher
machen. De'' ist nanig g'hoblet, ist noch ein Flegel Z.
's iceiss Eine'' Nüd, tcenn-er nüd e chli" g'hoblet tvorden
[durch die Schule des Lebens gegangen] ist L; Z.
Daher ung'hoblet. ungeschliffen, ungesittet, roh. allg.
— 3. von einer spielenden Bewegung der Biene, wenn
sie auf dem Flugbrett, mit dem Kiefer die Unterlage
berührend, mit dem Kopfe abwechselnd vor- und rück-
wärts gleitet Z. Syn. schlifen; icetzen. — 4. ein bes.
zur Zeit der Weinlese geübtes (Herbst-) Spiel, wobei
die Männer auf dem Boden sitzend einander zu schie-
ben und stossen suchten ZZoll.f — 5. futuere S; Z.
— ab-: 1. , Einen sauber abhoblen, abbrüglen, lepide
aliquem deruncinare.' Mey., Hort. 1692. — 2. Einem
einen derben Verweis geben, abschnüren, beschnar-
chen ScHW; Zg. — über-: 1. eig., z.B. ein Brett =
seine Oberfläche behobeln, allg. ,Hoblen, ü., com-
planare, dolare.' Mal. — - 2. Öppis ü., flüchtig über
Etw. hingehen, eine Arbeit oberflächlich, in Eile tun
ScH; Z; vgl. z' Faden schlän. Rechnung und Gegen-
rechnung aufheben, indem man von genauer Abrech-
nung absieht ZSth. — 1°-: 1. (Kraut, Kohl) zum Ein-
machen einschneiden AAFri. Daher: l'^-Hobler, Kraut-
schneider. — 2. bildl.: Sini Kamerade' werde" -ne
scho" i., ihn necken, bis er wieder nach ihrem Sinne
geworden ist. BTaschenb. 1881. — be-: 1. (eig.) s. u.
Schau-Fall Bd I 743. — 2. vorberaten, vorläufig be-
handeln. .ImpolitiP res et acerbs, unvollkommne, un-
behoblete, nit ausgemacht und zum end bracht.' Fris.
,Was fürfallt, müessend [zu Bern] die 4 Venner des
Ersten b'hoblen und dann für Rat bringen, da sye
auch beisitzend.' ßCys.
Hobela: Hoboe, frz. hautbois B. Jia st" gross »■'*
chllni Gige", Hobelah u"' Hackbrett g'sl'. JKühn 1819.
hobe(n), höhnen aus hie-ohen s. Bd I 50.
Hober m.: Mensch, der sich dumm benimmt, aber
in Wirklichkeit pfiffig ist ZDägerl.
Hoberi f.: Dachboden ScHGächl. — Mit vorgeschla-
genem h zu ober; s. das syn. Oberte' Bd I .54.
Höbi m. : 1. verschnittener Hengst, Wallach; übh.
grosses, schweres Pferd; auch verächtlich: Gaul,
schlechtes, altes Pferd Gr; auch bisweilen als Scheltw.
auf Menschen Gr. Stellst -d'r für, di"« Liehi hai a
Hottn [Leitseil] nötig, um -na tclscha z' chönna", wia
..» Pfarr [Farrre] old .," H. 'am Redig [Wagen]? Gr
Schiers. — 2. Stock mit einem Haken, Krückenstock Gr.
Man vergleicht unwillkürlich engl, hobbi/, Klepper;
Steckenpferd; Tölpel; bei Gr. WB. .Hobner'; afrz. hobin,
Zelter; vgl. ,hoppen'. — Wenn 2 übh. mit 1 zsgehört, so
muss es nrspr. wohl das Steckenpferd bedeutet haben.
Hobi f.: Steckenpferd (bildl.), Liebhaberei Z. Er
häd alli Tag en anderi H.
Hobizger m. : Knirps, der gross tut ScuSt. (Sulger).
Zu .Haubitze', welche von der Kanone sich durch ein
kurzes, dickes Rohr unterscheidet; oder blosse Spielform zu
Uuppizger, also eig. ^ Frosch. Vgl. aber auch Bitzger.
höblisch*e = oblische (Bd I 54) Z rS.
hobunle°: ein Instrument blasen, Lärm machen
AaS. — Wohl zu Hobda, viell. unter Anlehnung an pomnen.
bobele": schmeicheln, den Hof machen, hofieren,
zu Gefallen reden Z. D' Lise hobelet der Frau Amt-
männin hinne' und vorne". MUsteri. Wie 's vornen
Eim hoblet und hinnen Ein'" schwärzt, ebd. ,Den
Sieg durch H. bei den vornehmen Herren erschmei-
cheln.' Z Freitags-Ztg 1866. ,lch sah ganze Schaaren
von jungen Herren mir schmeicheln, höbein und [mich]
angatt'en.' HSülz. 1830. Me" miies der Milch h. [sie
mit aller Vorsicht und Sorgfalt behandeln und auf-
bewahren], dass si nüd scheid't Z.
Pas W. lässt sich, auch begrifflich, ganz leicht als Dim.
zu .hobeln' auffassen: wie Dieses auf ein Glätten in phys.
S. hinausläuft (daher it. piwtare), so scheint das Dim. sich
mit .glatt' auf moralischem Gebiete zu berühren ; vgl. glat-
tieren Sp. 654; kühn; frz. ßatter aus afrz. /a( und namentlich
auch das folgende W. Gleichwohl muss das Nebenhergehen
eines über die Grenzen unserer MA. verbreiteten Syn. mit -/-
Bedenken erregen, und da b und /auch sonst etwa wechseln,
(s. euber), so könnte unser W. auch als Nbf. zu hö/elen etwa
mit Anlehnung an .hobeln' erklärt werden.
glatt-: schön tun, schmeicheln Gl. Dazu Glatt-
Höbeler; Syn. Glatt- Strieher, Häl-Giger.
Hubel — PI. Häbel — Dim. Hübeli, seltener Hu-
beli, auch Hiibelti — Bs; B; F; GLtw.; Gr; L; S;
Uw; U; W; ,Zg", Hübel Aa; Bs; Stw.; Zg — m.:
1. Hügel. aaOO. ,Hie Berge, dort Hübel.' Breitenst
,Sie stellten sich auf einem kleinen Hübeli auf, wo
sie weithin gesehen werden konnten.' Gotth. 's hockt
Öppis uf-em Hübeli und hat e rotes Fi'ideli, 's hocket
uf-em Bainli und g'schauet sis dünns Beinli Aa (Volks-
rätsel): die Erdbeere. ,Münchbüel ist ein grosse mat-
ten mit einer schür uf einem hubel oder bühel ge-
legen.' HBcLL. 1572. .Ein stark Schloss uf dem Hubel,
stat am Rengkberg und undenhar am selben Egk, so
man nemmt die Lopp.' RCvs. ,Die schönsten Läden
049
Hai), heb. liib, liob, linb
den Hübel hinab tragen, dass sie nach Holland fahren.'
HPest. 1790; dafür 1781 : ,Hügel'. Syn. Gtibel, Knubel;
Gitpf, Gütsch; Büel, BoU, Buchet, Bück; Kapf. Als
Orts- und Flurn. sehr häufig in B; L; S; bes. aber
wimmelt von Huhel und Hübeli, sowohl in einfacher
als zsgesetzter Form, der Kt. B. Sogar auf welschem
Gebiet: le Houbel BCourtel. Vgl. den Hübel-Ruedi
in HPest.'s Lienh. u. Gertr. und den B Geschlechtsn.
Hubler und Hubehnann. Das W. kann als Schiboleth
zwischen der Nordostschweiz und dem übrigen Gehiete
gelten und zeigt auch den ethnologischen Zshang z. B.
zwischen Gr u. BD.; W; oder dann muss es schon
früh aus der Ostschweiz verdrängt worden sein; vgl.
Giss-Hübel. Von den vielen Zssetzungen heben wir
aus: Der Engländer-H. LButtish., wo 1375 die eng-
lischen Gugler geschlagen wurden; Far-H. BBelp,
Hügel mit Farnkraut bewachsen, vgl. Farn-Büel;
Foren-H. BLäufelf., H. mit Föhren, vgl. Foren-Buck;
Jungfern-H. bei AiWohl., wo nach der Sage ein
Frauenkloster gestanden haben soll; Gvgger-H. WLeuk
mit weiter Aussicht; Galge'-H. BInterl., vgl. G.-Büel ;
Geiss-H. Aa; B, vgl. Geiss-Büel, Gitzi- Knubel; Un-
g'hür-H. B, H., wo es spukt; Hase'-H. BsBuckt.;
Chilche'-, H., welcher die Kirche trägt B (vgl. Ch.-
Büel, -Bt^rg); Liteg-H. bei BThun mit freiem Ausblick;
Herdmannli-H. AAWohl., H., wo Zwerge hausen; der
Mties-H. zu BTorb., scherzh. das Staatsgefängniss,
wo die Gefangenen Brei statt Fleisch bekommen (Bari
1885); Büel-H. SLost., eine durch Tautologie pleonast.
verstärkende Zssetzung, vgl. Kis-Grien; Balm-H. Uw
Sarn., H. mit überhängendem Felsen; Sand-H. B;
Gr; L, vgl. S.-GüUch, Gis-Hübel. Dass unser W. von
Westen her vorgedrungen sei, scheint der Umstand
zu beweisen, dass z. B. im Kt. L die jetzigen Kurz-,
Läng-, Wiss-Hübel urkundlich mit -Büel zsgesetzt
erscheinen, so Kurs-Hübel LHergisw. in Urk. v. 1456 :
,Curtenbüel'. S. noch u. guldig Sp. 227. — 2. (Erd-)
Haufen, Häufchen, kleine Erhöhung im Boden, auf
Wiesen Gr; Syn. Hoger, Huplen, Knubel; Pöschen.
Wo vil ist, chunnd vil [hin]; drum schlssid d' Hund
uf d' Uükeli, Sprichw. AAWohl. — 3. Erhöhung, Ge-
schwulst, Beule am Körper Gr; L; S; UwE.; Zg;
Syn. Büggel. F* han a'-mer umme' alls voll Bibeli
[Bläschen] und Hübeli ühercho' L. ,Auf dem Rücken
ein kleines Hübeli', als Merkmal eines (gestohlenen)
Pferdes. S Wochenbl. 1808. - 4. (HttbelJ Anschnitt-
steile des Brotes GfiTschiertsch.; Syn. A'hauw; Ögschi
(Äug); Fügschi (Fuchs). — 5. (Hübeli) Erhöhung
des Gespinstes auf der Spule, Klümpchen Garn, so
viel, als auf die selbe Stelle der Spule läuft, bis man
den Faden durch den folgenden Haken des , Krebses'
richtet „AaF.;" B; Syn. Büggeli. - Nicht Wechselform
ZH Hüyel, sondern zum Vb. heben; mhd. hübe!.
Gis- L; S, Giss-Hübel S; ZStäfa, Gissübel ZWied.:
Kieshügel, aber nur als Flurn. ,Gissübel.' Z Urb.;
,Gisubel.' Jahrzeitb. von ZEglis.
G- scheint hier Ch- (Kies, schwzd. Chls) zu vertreteu
wie in Gitti : Chitxi; gaffen : Chapf; Gürba : Chürbt ; ijirren :
chirren; gären : charen nnd bes. häufig bei anl. gl- und gr-;
s. auch Anm. zu Gatze Sp. 573. Sachlich vgl. man die Synn.
Grkn-Biid, Sand-Hubel, -Güta<-h, -Büel. -Büehel, -Bück: Hiezu :
Git-ßalden L 2 Mal; das Obw Dorf Gisicj/l = ,Kysawylare.'
848, Urk. Damit fallen andere, auf unrichtigen Voraus-
setzungen beruhende Deutungen des viel umstrittenen W.
Übrigens kommt in Deutschland doch auch die Schreibung
.Kieshübel' vor. Wenn nun unser W. eine überraschende
Verbreitung zeigt nnd ausser in Baiern, Baden, Österreich,
Steiermark auch in Sachsen, Franken, Nassau, Hessen, Böhmen
und Mähren zu treffen ist, so ist zu bedenken, dass beide
Bestandteile als Appell, durch das ganze deutsche Sprach-
gebiet geben (nur ,kis' nicht nd.). — In der Ausspr. wurde
das h leicht von dem « verschlungen, vgl. Hü8(h)nlii'g; Hüter,
Hager, Zssen mit Her (Herr).
Trüsch-Hübel s. Tr ischübel.
Wind- (meist PI.): Drüse, Drüsengeschwulst (am
Halse) L; Syn. Schicenten.
Viell. von dem Glauben, dass solche Geschwülste ent-
stehen, wenn man in einen ,bösen Wind' gekommen ist.
g=-huhlet BO.; Obw, g'hub(e)let ß; UwE., ver-
hublet UwE., hublig Gr, g'hüblig S: hügelig, höckerig,
,gruniosus.' Id. B, z. B. von einer Alp voll kleiner Er-
höhungen des Easens Uw; einer Wiese mit vielen
Maulwurfshaufen B. Nes g'hübliges Acherli S (Schwzd.).
.Gehüblet grüner Wald, warumb tust dich entlauben?'
JCWeissenb. 1701.
hübeli £n«2.' Ruf der ,Fasnachtböggen' ZS. Synn.
s. bei huteli-ha Sp. 847.
Hübe" f.: Haube. 1. Kopfbedeckung der Frauen,
bes. der verheirateten zur Unterscheidung von den
ledigen. Syn. Kappen. Über die verschiedenen For-
men der Hauben s. t. die Zssetzungen, t. unter Göller,
Hübe" -Frau. Vgl. auch Verene. E dummi Frau
b'chönnt-men a" der H. L. ,1862 verschwanden auf
den Köpfen der Frauen die letzten Hauben [d. i. die
Gueffen, s. Sp. 134] und es erschienen die Kappen
[modernere Hauben].' AKüchler 1886 (Obw). .Sind
drei junge, freche Weiber am Langentaler Märit ohne
Hauben, mit Einflechten, wie Meitlene, unter den Bu-
ben umhergelaufen: ernstlich ermahnt und gebüsst
worden.' 1683, Glbr, R. Chr. Ganz anders 1792, Absch.,
aus GSa.: ,die jungfräuliche Zierde besteht in einer
Haube und Haarnadel.' In einem engern Sinne heisst
Hübe' in U der obere, aus weissen Spitzen oder
weissem Baumwollzeug verfertigte Teil der ganzen
Haube, welcher auf das schwarze Chäppli zu sitzen
kommt. Bildl. vom Schaum auf der Milch: Es geit
dür 's Holz [den hölzernen Eimer] uf und uf und
het es ivisses Hübi uf GrD. (Rätsel). — 2. gewobene
oder gestrickte (Zipfel-) Mütze der Männer BHa. f;
Gr; PP. ,Der bilger soll han ein gueten bilgerhuet
und ein wullis scheplin und ein hüben oder dryg und
3 hemder und ein sydin schwarze hüben.' HStockar
1519. ,Er hat ein weisse hauben aufgesetzt, albenti
velatus tempora vitta. Gestrickte hauben, reticulum.'
Mal. ,Die Knaben haben wysse Hembder über die
Kleider an, merteils ire Angsicht mit schwarzen Hü-
ben vermachet.' JRüeger 1606. Von der Bischofs-
mütze, Kardinalshut: ,So empfangt er [nimmt der Papst
Bezahlung an] für die Annaten und Pallien und rote
Hüblin für die Cardinal, Erzbischof, Bischof; da etwann
für ein einiges Pallium 25000 Kronen sind bezalt wor-
den.' ClSchob. 1699. — 3. Eisenhaube (des Kriegers);
Syn. Ise'-Huet. Vgl. Beckel-Hüben und den alten
Geschlechtsn. Hübenschmid Bs; ScnSt.; Z. ,Panzer,
hüben, kessel, hüet, henschcn, armzüg und was har-
nesch ist und harnesch heisset.' 1398, ZoWalchw.
(Urk.). ,1 engelschi hüben.' 1469, Z Inv.; vgl. Spitz-
Hüben 2. — 4. RAA., wohl meist aus 3 hervorgegangen.
Eim uf d' H. ge', Einen derb zurecht weisen, ab-
trumpfen Ap. Syn. uf 's Dach. Eim (alliicllj uf der
951
Hab. heb. hib, bob. Iinb
952
H. sl; Einem lästig fallen GWa. „Einem aufsätzig
sein", auch: Einem in seinem Tun aufpassen B; Z;
,imminei-e. insidere alicui.' Id.B; iif der H. si', abs.
aufpassen. Wache halten B. Eim (z' nach) uf (über)
d' H. chö", Einem zu nahe treten S; Z, auch: Einem
scharf auf die Finger sehen S. Eini ah der H. gä',
lästig zu sein aufhören; bes. gang-mer ah der H.!
geh mir vom Leibe! Bs; Z; vgl. Gass. üf d' H.
reise", .immittere in alqm.' Id.B; aufhalsen. z.B. einen
Bittsteller, Schuldner einem Andern. Si''' uf d' H.
lä- schissen, sich betrügen lassen Bs. Vgl. auch ßügen
Sp. 156. So hei [haben] si mi''' [indem sie mich zur
Schule schickten] ah der H. g'ha, will i'''-ne [ihnen]
vil z' Uhig g'sl" hi". Dr Bari 1883. ,Wär not, dass
man denen gsellen [die über Zürich lügen] ein mal
zuo den hüben griffe.' 1529, Vad. ; vgl. him Tschüpen
ne". .Dieselbige Stadt hat einen nicht gar guten
Nachburen, und wie man spricht, die Katz auf der
Hauben.' Hedtel. 1658. , Einem Jemanden über die
Haube richten, concitare alqm contra alqm.' Hospin.
1683. Vermengt und syn. mit der RA. ,Jmdn auf's
Korn nehmen': m/" d' H. ne' Ar. ,In allen Wirts-
häusern hat man uns Wattweiler auf der Hauben',
hechelt uns wegen eines lächerlichen Vorfalles durch.
UBrägg. 1782. — 5. der kuppelartige Aufsatz eines
Turmes Gr; vgl. Helm. — 6. Öhr einer Axt, eines
Beiles Gr; Syn. Hiis. Kappe an einem Flegel (Pup.).
— 7. (HübliJ Hülse, Zwinge am Ende von Messer-
und Gabelheften Z. Vgl.: ,Lötrel mit silbernen und
vergülten Hauben.' 1675, G. — 8. (Dim.) Zündhüt-
chen für Gewehre mit Knallfeuer L. — 9. (Hübi)
Pflanzenn., gem. Taubenkropf, silene inflata LE.; vgl.
üfg'hahet, geschwollen. — 10. guldi Z f, goldigi Bs,
,güldene Hüben' (Spreng), eine Art Kuchen; ,gebackene
Eierklösse' (Pup.). ,Ein sehr niedliches Gebäck von
feinem Simmelmehl, gestossenen Mandeln, Zucker,
Zimmet und Zitronaten, welches Alles unter einander
gewirkt, in einer gewissen Form wie Hohlziegel und
in Butter ausgebacken wird.' Spreng. — 11. Bergn.
BDiessb. ,Diessbach an hoher Hauben g'legen hart.'
HKEebm. 1620. Vgl. die Bergnn. Gugel, ,Kamm', cresta;
Kopf. — Vgl. auch die Art. ßuel, Kappen. Schlappen.
A c h s ( e n ) - H ü b e ° iJj;- Gr U Vatz, Agsehen- GrL. :
Axtbaube s. Ruhen 6. — Ore°-: zur altern Frauen-
tracht gehörige Haube mit , Schnäbeln', die nicht
weiter als bis zur Mitte der Stirn reichen durften.
Gem. Z II, 181. ,Gestickte Ohrenhaubeu.' ebd. —
Ise"-Hübli: Eisenhut, acon. Nap. L; Syn. Ise'-
Hüetli. — Finger-: Fingerhut. .Fingerhuet, finger-
ling, flngerheuble, alles, das den fingeren zue schirm
gemacht ist, digitalia.' Mal. — Fantaste°-Hübe":
eine sonderbare Art Frauenhauben Zf. E Fantoste-
houhe. Balz 1781. — Franse"-: Frauenhaube mit
Fransen ScHwE.-j- Die Weibspersonen im Flecken
Einsiedeln trugen Franse-Hühe, die auf den Bauern-
höfen Schwehelhüet grad wie Brotgitter. Lienert. —
Franzose"-Hubli: weisse Häubchen, wie sie Fran-
zösinnen (z. B. die Bonnen) zu tragen pflegen Z. —
,Goggel-Hübe'' war zu unsrer Mütter Zeiten noch
eine auf beiden Seiten an den Ohren eiründlich heraus
stehende und mit stumpfen Ecken auf der Stirne und
beiderseits steif geschlossene Frauenhaube' Bs (Spreng)
Syn. Horia-H. Vgl. Goggelen Sp. 177. — ,Garn-, reti-
culum.' Mal. Vgl. Hüben 2. — Glogge"-: Frauen
haube von Gaze, sehr gestärkt und in grosse, runde
Falten [Gloggen] geplättet. Sie ragt wie ein Vordach
über die Stirne heraus kv (Tobl.).
Glück(s)-Hübli: Glückshaube. 1. die lose Haut
am Kopfe Neugeborner, welche als günstiges Vor-
zeichen gilt. allg. Er ist mit-eme Gl. uf d' Welt cho',
ist ein Glückskind. Ä bhüet-is Gott, du g'rrirnst nüd;
du hast, wo d' worde" bist, es Glückshühli uff g'ha,
und dene' Chinde" g'scheht si Lebtag Niit; denn lueg!
du hast Glücl;srose no''' n" dine Fingere'. Stutz. ,Wenn
ein Kind ein Heublein mit sich auf die Welt bringt,
solle man's aufbehalten und werde das selb Kind glück-
haft sein.' ßGwERB 1646; ebenso Zauberei 1704. ,Das
Glückhäublein ist anders nichts als das Schafhäutlein
der Kinder, darinnen sie ligen und schwimmen. Man
ist so torecht und abergläubisch, dass man diss Fahl
auftrocknet und als eine Rarität aufbehalt, als wann's
den Kindern Glück im Leben bringe, welche Possen
die Hebammen nicht glauben sollen.' JMcralt 1697.
— 2. becherförmiger, kleiner Pilz mit gelblichen Kör-
nern, cyathus crncibulum, der bes. zur Erntezeit in
Getreidefeldern gefunden wird. Dem Finder glück-
bringend, bes. für den künftigen Ehestand; je mehr
Körner, desto grösser das Glück Aa; in L hingegen:
je mehr Körner, desto teurer das Brot; Syn. Gl.-Häfeli.
Zu 1 Tgl. das frz. ü est ne coijfi, it. miacer vestito = arcen-
turato, holl. »ic( den heim geboren zin und schon bei den
Römern gakalum caput. S. auch Gr. Myth. ^ S. 828.
„Heu-Hübe": Kapuze am Hirtenhemd, welche
den Kopf und Nacken beim Heutragen deckt Schw;
Zg." — H(5ch- s. Hinder-für Bd I 965.
Horia-: H., welche die Schläfen bedeckte und
deren Hinter- und Vorderteil durch ein bindenförmiges
Mittelstück, welches quer über die Mitte des Kopfes
gieng, verbunden war Z Ende des XVIU. ,Die Frau
Pfarrerin in einer weissen Nachtjacke und Horiahanbe,
die nicht viel mehr als eine spitzige Nase sehen liess.'
ÜNSiCHTB. 1793. ,Die H. der Dorfweiber.' ebd. ,Die
Gemahlin en neglige, aber elegant in einer H. mit
kostbaren Spitzen.' ebd.
Horia, ein SiebenbUrger, der 178.5 wegen Rebellion hin-
gerichtet wurde. Vgl.: ,Auf dem Kopf eine Hauben ä la
Horia (der Baurenrebell) von italiänischem Flor.' Fiauen-
zimmer-Kal. 1795.
Kilche"-. ,Nocb ein Überrest der alten Zeit sind
die Kirchenhauben, welche in unsern Zeiten von den
meisten Frauenzimmern, wenigstens beim Genüsse des
b. Abendmahles, getragen werden.' Gem. Sch. — Läsi-:
gewobene Zipfelmütze der Männer, so benannt mit
Bezug auf das Gewebe der Innenseite, welches zellen-
förmige Vertiefungen mit Fotzeln zeigt, ähnlich dem
,Läsi' [Labmagen] eines Tieres BHa. — Mutsche"-
üw. Mutz- SSchw.: 1. Haube nach Art der Schin-H,
aber mit abgestutzten Flügeln OBwf; vgl. M.-Kappe.
— 2. Haube in Form eines abgestutzten Kegels, aus
Sammet, Kattun oder Wolltuch SSchw. — Nebel-:
wollene Wintermütze GT.
Gradnacbhin Gradnöe-Hähli: kleine Haube, die
hinten in einer Wölbung (Bück) die Zöpfe aufnahm;
vorn meist mit farbigen , Enden' oder Schäppeli ZO.f
So genannt, weil die Spitzen über der Stirn sich glatt
[gradnachhinj an diese legten.
Nacht-: Schlafmütze der Männer Bs. — Nuss-:
= Nuss-Garn (Sp. 422) ScnSt. — Bode"-: ehemals
b, ilnb, hub
954
L'iiie sehr steife Eckhaube des ledigen Frauenzinimeis,
welches die Zupfen, die über dem Nacken aus dem
sog. Züpfenloche herausgiengen, um die beiderseits
herausragenden Ecken breit und zierlich geflochten
zu winden pflegte Bs (Spreng). ,Sammetene und sei-
dene Bodenhäubli, wie auch die Püsch und Latsch
auf, an und unter denselben [sind verboten].' Z Mand.
1722. ,Wir verbieten den Weibspersonen das Tragen
aller anstatt der Rosenkappen und Bodenhäublenen
aufgekommenen Neuerungen.' ebd. 172.3. ,Der frem-
den, französisch gekleideten Mägden halben ist unser
Befehl, dass selbige von nun an wie unsere Ange-
hörige mit Bodenhäublenen bekleidet sein sollen.'
ebd. 1735. — Beginen-: Häubchen, wie sie urspr.
die kath. Laienschwestern (Beginen) trugen. .Die
üorfmädchen hatten ihre Beginenhäubchen, bunt mit
Gold gestickt, mit weissen Seidenschleifen gebunden.'
ürg.
Tage.
begin-huben.' 1380, Z Staatsarch.
Beckel-, Becken-, Becki-: Pickelhaube, die becken-
förmige, eiserne Kopfbedeckung der gewöhnlichen
Krieger im Gegs. zum Hehn der Bitter. ,[Man rechnet
zum Harnisch] halsperge, currit, panzier, platten,
beckihuben in hüeten und ane hüete, ysenhüete [usw.].'
1339, Bs Rq. ,Ein beckihüb.' 1422, L Vogtkinderrechn.
Die Saffranzunft Bs hat 1480 ,disen hienach geschri-
benen harnesch [Ausrüstung]: panzer, hendschuwe,
stösselin, hundeskapp, ysenhuet, beckenhüben, brust-
blech, kragen, musner, mordax, westfelingpanzer,
saladin mit einem bard.' Tubalkain Erfinder der
,beckelhuben.' HvRüte 1546. , Sturm- und beckelh.-
L Ansehenb. ,Die Obersten des kriegs steckend diso
federen [des Paradiesvogels] in ir beckelhauben als
einen strauss.' Vogelb. 1557. ,Cassis, galea, ein heim,
beckelhauben [so auch Denzl. 1677; 1716] oder eisen-
huot. Conus, der oberest spitz auf einem heim oder das
federror an einem heim oder an einer beckelhauben.-
Fris. ; Mal. ,Dass ein jeder schütz syn guete beckel-
huben habe, den übrigen aber wollen wir vergönnen,
dass sy die gewer zu inen nemend, deren sy sich ver-
hoffent allerbeste zu gebruchen.' 1572, S Wochenbl.
,Sturmhuet oder Beckelhauben.' JCLav. 1644. ,Der
setzt ein Beckelhauben uf, legt ein Harnisch an und
nahm ein Spiess [die 3 Stücke der gewöhnlichen Aus-
rüstung].' ScHiMPFR. 1651. ,Beckelh., galea.' Denzl.
1677; 1716. — Basel-Hübli: kleine, gewöhnlich
mit geschlagenem Gold oder Silber verzierte Häub-
chen, deren sich vor Zeiten das Frauenzimmer zu
Basel bediente, und die mit Pappe über den in einen
Knopf zusammengebundenen Haaren am Hinterhaupte
befestigt wurden Bs f.
Bettler-Hübe: Schlüsselblume, primula elat.
GSa. — Eine ähnliche Bezeichnung wie Pfaffi'- Kappe u. a.
Pietiste" Bidiste'-: eine Art Haube, wie sie die
Herrenhuterinnen tragen Bs. Si sieht in irer tulene
Hube mit selbem Latsch obedruff, in irem Pitiste-Hibli
— tiie nie' der Sorte vo" Hiblene sait — eso appeditUg
IIS Bs (Schwzd.). — Blöder-: vormals eine Weiber-
haube, hinten mit wülstigen [bloderigen] Falten ge-
rcihet, rings um den Kopf glatt, an den Ohren und
mitten auf der Stirne mit einer Schnappe oder Spitze
von Draht geschlossen Bs (Spreng). — Rosen-: mit
Kränzchen von Rosen verzierte ,Guefe' ScHwf. Nach
Gem. Z begegnet das W. auch in Z im XVII./XVlll.
,Es soll den Gemeineren und .\rmen undersagt sein,
silberne Rosen-Häuble und Blatten an Schoosen, Krä.
gen, Bletzen und Hauben zu tragen.' G Kleiderordn.
17'27. — Schal-Hübli. L Vogtkinderrechn. 1438
(Liebenau).
Schin-Hübe: Häubchen mit gesteiften Spitzen,
welche wie zwei Schmetterlingsflügel emporstanden
OBwf. Vgl. Mutschen-, Bosen-H. — Benannt nach dem
.Scheine', d. i. Glanz, welchen sie der Trägerin verleiht.
Schlaf-: Schlafmütze (eig. u. bildl.) Ap; Bs. —
Schlappen-. ,Ein schlappen, schlappenhüble, pilcus.'
Mal. — Schwabe"-: Haube nach der Tracht der
Schwäbinnen üw; U; aus OnwKerns aus alter Er-
innerung als H. von farbigem (blauem) Tuch mit
Gold- und Silberborden beschrieben mit dem Beifügen,
dass die Berichterstatterin (eine alte Frau) ein ein-
ziges Exemplar gesehen. — Spitz-: 1. fSpitzli-H.)
Spitzenhaube, nur von verheirateten Frauen getragen
Aa. — 2. Spitzhelm. ,Sy [die Gugler] haftend sp. uf,
den man noch gewonlich spricht engelsch hüben.'
1333/1446, Z Chr. — Stüche--: Weiberhaube von
feiner Leinwand [Stachen]. G Mand. XVII. u. XVIII.
.Wo sind die alten Gugeln und Stauchenhauben der
Frauen, die Gesundheitslumpen und die ledernen GöUer
der fürstenländischen, schweren Dragoner'?- PScbeitlin
1829. — Sturm-: 1. Helm der ,Feuerläufer' Aa.
Bildl. , demokratische St. [Heisssporn, Stürmer].' —
2. Frauenhaube mit sog. Stürmen |s. Sturm). Z XVll.
— Tüechli-: eine Art Fraueiihinilir i :. Tnrrh/ii. .Der
kostlichen Tüechlihauben, der i;^-iirk(.n K-nliinn innl
Kinnischnüeren. sonderlich aiieli diT lüclilrn.- / .Mand.
16511/1721. ,Um die Mitte des XVIL erhielt eine
Tochter aus einem angesehenen Hause zur Aussteuer:
12 verschiedene, zum Kirchenhabit gehörende Tüechli-
hauben.'Gem. Z. — Drät-: eine weisse, nur an Sonn-
tagen getragene Haube der Frauen GRh. — Zug-:
1. Frauenhaube, die man mit einer Schnur weiter
oder enger ziehen kann (iL; „L". Syn. Zug-Kappe".
.Eine schwarz ilainastene Zughaubo mit einer Gold-
borte.' Z Nachr. 17.M. S. 1-2-2. (Es ist die Rede von
Vaganten). — 2. (-HiViii = Kapitüsli GrV. — Zug-:
ein weisses Häubchen mit zwei hervorstehenden und
an das Gesicht sieh an.schiniegenden Schirmen, über
welches ein schwarzes Häubchen angezogen wird, was
dann zusammen die Tussette bildet; fängt an beim
höhern Stand ausser die Mode zu kommen Gl (Schuler).
hübe", hübe-: mit einer Ihuibc vrr.sehen. .Man
soll jn [den Falken] anfangs mir .inrr i.ii-;chhauben
heuben.' Vogelb. 1557. ,Daruiiili .sollt du jn gehaubet
tragen. Darnach so du jn [den Habicht] geheubt hast,
so stell jn an die sonnen.' ebd.
üf-g'hübet: aufgeschwollen, z.B. von der Hand
BBe. Ma g'siahd 's scho" an d'r ufg'huhete G'schu-öUni
and am Ummergrüpe" GuPr. (Schwzd.).
Ge-hüb n.: ,Gehäube', Kopfputz (der Frauen).
,Zu Gchäub und der Kopftracht mögen die Weibs-
personen sich alles dessen bedienen, so in gegenwär-
tigem Mandat ihnen zugelassen.' B Mand. 17'28. ,l)ass
noch ferners zugelassen bl«ibet das sog. Cammor-
Tuch, Baptiste und Mousseline ins Land zu bringen,
dessen aber sich allein zu Rabatten, Halstücheren,
Manchettes, Coeffures, Engagentcs, Tours de Gorge,
Fürtücheren und zu allem Gehäub des Frauenzimmers
zu gebrauchen.' ebd. — Wohl Übers, des frz. colffitre,
955
Hab, heb, hib. hob, hiib
hüble" I, in Aa tw. hüple : 1. beim Schöpfe
nehmen, schütteln; züchtigen, derb zurechtweisen;
beim Spielen ausbeuten, rupfen Aa; Bs; B; Gl; G;
ScH; Tn; Z. /'•'' hi' g'hüblet worde", ich habe vor
Gericht oder im Spiel zahlen müssen Bs. Er [der
Knecht] isch im Meister us de' Hände' g'n-üfscht, siist
hett-er en g'hüblet. Hebel. ,Ich will üch noch bas
düblen [den Kopf waschen], dann ir [Egg und Faber]
band all beid fürz gelän, dorum soll man üch h.'
1525, UEcKST. ,Ich möchte jm hie vilfaltig ynreden
und jn wol h.' HBull. 1563. Wenn s' [die Luzerner
Bauern] eine' vo" ire' Here' ertmtscht hend, so hend-s'
e g'hüblet und hend-em d' Öre' g' streckt. Gespr. 1712.
,Es geschieht ihm [dem Anstifter eines Mordes] recht,
wenn man ihn brav hublet' Lindinner 1725. — 2. eine
Haube in Falten glätten G 1799; Syn. glögglen.
Zu Bed. 1 vgl. einige RAA. uuter Hühm. Da jedoch
.häubeln' im ä. Nhd. der Terni. techn. der Falkner war für
das Zähmen der Falken durch Aufsetzen eiuer sog. Haube,
so könnte auch dieses, wenigstens tw., zu Grunde liegen.
ab-hüble": Einen tüchtig zausen, züchtigen Bs;
derb zurechtweisen Aa. — üs-: 1. Einen ausbeuten,
um sein Geld bringen Bs; Z; Syn. üshülschen, -Malen,
-secklen. — 2. „auszischen, ausschimpfen."
Hnbert, Hujiert Z (t. j7, t. «) — 7n., Hiiper-Erde'
B, Hueb-Erde" ZGrün. — f.: Hubertuserde, eine Art
weisslichcr, z. B. in der Nähe von Payerne gewon-
nener Lehm, t. von Töpfern zum Grundieren der Ka-
cheln, t. im Haushalt zum Entfernen von Schmutz-
flecken aus Fussbüden gebraucht. ,Die gemeine argilla,
Lett, Leim, Hubert, Hub-Erd, welche die Hafner zu
ihren Becken, Häfen und andern Koch- und Haus-
geschirren brauchen.' JJScheücbz. 1707. ,Aus dem
Albisberg wird gefunden ein gemarmorierter H., eine
Erde.' ebd. , Solche Grund- oder Hub-Erde.' ebd.
S. noch ver-glästen (Sp. 651), Glästi, Glätti, auch
, Pfeifenerde'.
Nach einer Angabe soll diese Erdart früher aus Deutsch-
land bezogen worden sein und es könnten Hujjer und Hxieh
als aus Umd. entstandene Verderbnisse genommen werden;
auffallen muss aber, dass das W. gerade in den deutschen
WBB. fehlt, und schwer lässt sich eine Bez. zu dem Namen
, Hubert (Nbf. Hupert)' ausfindig machen. Da die älteste,
vom J. 1493 aus Süd-Dentschl. überlieferte Form ,hHberde'
ist, so spricht die grössere Wahrscheinlichkeit dafür, dass
Hueh-Erdm das Richtige sei, welches ursprüngliche Comp,
sich nach einem häufigen Vorgange allenfalls zu Hubert,
Hujipert umgestalten konnte. Ob sodann ,Hueb' sich auf
eine bestimmte Örtlichkeit dieses Namens beziehe, oder die
betr. Erdart als ausgehobene, bzw. als durch Abhub der
deckenden Schicht gewonnene bezeichnen wolle, bleibt freilich
dahingestellt.
halte 'te°: (bei Spiel und Trunk) sich lustig machen,
geberden LG.
Das W. scheint eig. lautes, jubelndes Treiben und .Jauch-
ten zu bezeichnen und gemahnt in seiner Bildung an tnm-
peten (häufig trvmbhen), p(r)olhen. Dass der ersten Silbe
hupe' zu Grunde liege, ist nicht unmöglich. Die Schwächung
von p zu b stände viell. im Zsbang mit der Stellung des
Accentes; vgl. Rage'le, Tabe'le, Vuyä'te, hingegen Ttirpe st.
Turbc, Lafftler st. ,Lavater' (lavator) neben Lave'te, Lafette.
„liubitsclie": Jmdn aus der Ferne herbeirufen,
bes. zu einem Sterbenden LE." - Zu hutri Bd I 315.
Hubitz s. Hu I.
Hoble" f-ü-J f. (PI.): ,die äussersten, grünen Scha-
len der Nüsse Aa" ; auch der Bucheckern AABb. Syn.
Tanggen. — „huble", üs-h.: die Nüsse von den
Hiiblen befreien .\a." Syn. (us-)tanggen. — Vwdt mit
Hübe
Hübis^ m.: Kopf Aa oF. - Zu Habe, Haupt. Die
Endung -ha hat oft verächtlichen Sinn; vgl. Pingiaa.
h ü b i s s. stilbis.
büble" II: heulen UUrs.
Mhd. hiutceln, nhd. heulen, eig. rufen wie eine Eule
(hämel, ahd. himcela) ; vgl. lat. ululare von ulula, Kauz; s.
noch unser hüten und üiclen Bd I 618. w zu i wie in Slb,
Seben = Scic, Sewen; grab aus gräir, krtihlen aus kräwlen.
Hueb I f.: der Huf. Nur in den folg. Zssen. —
Esels-: Eselshuf, bes. als Pflanzenn., Huflattich,
tuss. ,Dise muschlen ist an der gestalt ganz änlich
einer e.' Fiscbb. 1563. .Spondylus, ein steinosteren,
ein e.' ebd. S. noch das Folg. ,Eselshuob, brand-
lattich: bechium, tussilago, vulgo ungula caballina;
patte de cheval, ou pas d'asne.' KdGessn. 1542 und
ebenso Fris.; Mal. — Ross- f.: Pferdehuf, aber nur
noch zur Bezeichnung der Pflanze (spec. der Blätter)
tuss., Huflattich, und zwar tuss. pet., grossi, tuss. farf.,
chlini R. Aa; Bs; VO. (in Zs auch Dim. E.-Häebli);
„Gl;" G; S; Sch ; Z. In ZB ah auch R.- Hu eber; Syn.
Fülli-Fness. Alli Buebe" stinke'd u-ie R-e", Neckreim
Aa (Rochh.). ,Labicium, r. vel blachte.' Ebinger 1438.
,Tuss., huetflattich, brandlattich, r.. ein kraut, ver-
treibt den huesten.' Fris. ; Mal. ,R. oder huflattich
mit schwynem fleisch oder springwiderfleisch gesotten
und gessen.' Zg Arzneib. 1588. ,Bletter von Ross-
huben oder Brandlattich.' JRLandenb. 1608. ,Bechion,
Brandlattich, Rosshueb, farfugium.' Denzl. 1677; 1716.
,Die Rosshuben blühen.' Helv. Kai. 1780 März.
Amhd. huqf m., altsächsisch ha/ (nd. Aoe/), so dass
unser b die richtige deutsche Lautverschiebung darbietet
(wie in Hab I, Haber, Sehwehd). Es ist auch noch erhalten
in dem Familienn. Huebachmid AaNiederw. ; ZKn. ; jetjit z. T.
modernisiert in Hufachmid; vgl.: ,HBertschis, des huobsmits
knecht.' 1398, LRatsb.; ,üolr.Huobschmid.' 1670, AaBremg.;
ferner in den Zssen Hueb-Latlich, -Btacken. - Die Verschie-
bung (bzw. das Schwanken) des Genus ist in älterer Sprach-
periode eine häufige Erscheinung; übrigens mag hier das
Genus von Hueb IV eingewirkt haben.
Haeb II f.: „kleine Anhöhe B;" Hebung des Bo-
dens, Ansteigung BE., S.; vgl. ,in colle qui adhuc di-
eitur z' hüben [bei LGundel.], i. e. zum Büel, spe-
culam habebant.' Mise. Tig. — Nhd. ,Hub' m. von ,hebeh';
die Abweichung des Geschl. viell. durch Einfluss von Hueb IV.
Ur- m. : Anfang, Ursache, An.stiftung; Syn. ür-
hab 1. ,Es werdend hie [bei Friedbruch und Freveln]
keine wort für ein urhub erkennt, sunder einem jet-
lichen das recht drum fürgeschlagen.' 1533, B. ,Dess
du küng bist der recht u.' Aal 1549. ,0 Paris, du vil
schnöder hueb, des grossen Jammers ein u.' GGotth.
1599. - Zu er-heben.
Hueb III f.: Wohnung des Fuchses, Dachses,
Murmeltiers Gl (Steinmüll.); Schw. ,Wir verjagten
einen Munken [Murmeltier], der in seine Hube oder
Hüle zurückfloh.' Steinmüll. 1802.
Wahrsch. entstanden aus Ueb S (Bd I 61). Schon ahd.
berührt sich uobo, colonus, uobare, cultor, mit huoba, colonia,
und huobare, colonus; lanthuoha wechselt mit lantttoba, ruri-
cola (Graff). Der Vorschlag des H (wie in Hel/enbein, Hüwel,
Hambitsgi, Hua-Stür, -Tagen, Herd. Hüetliberg, Haalen, Haglen,
lläaer u. a.) erleichtert durch Anlehnung an Hueb IV, dessen
Hab, heb, hib, liob, liiib
dominierender Eintiuss auch das Geschl. afficierte, wenn
dieses nicht aus der Form des Ntr. PI. hervor gegangen ist.
Immerhin bleibt noch eine Möglichkeit: bedenkt man, dass
Hutb im Ablauts-Verhältniss zu Hab (vgl. Grab : Grueb, Ur-
hueb = Vrkab) steht (von haben, heben, continere, possidere),
ferner dass wir Hub I in der Bed. receptaculum haben, so
läge anch hier die Bed. Behältniss, Bergungsort, nahe, und
unser W. wäre dann im Grunde = Hveb IV, welches auch
insofern einen Anknüpfungspunkt bietet, als es lat. durch-
weg durch mamue (von mumre, wohnen, raainio) wiedergegeben
wird; vgl. lat. habitatio von habilare, iterat. zu habere; gr.
öxvj, Aufenthalt, auch Höhle, welches sich zu Ifiä ähnlich
verhält wie Hueb zu haben.
Haeb IV f.: Hufe (Landes). 1. ein in Ap; Bs; B;
L; Sch; Schw; S; Zg, bes. aber in G; Th; Z häufig
vorkommender Ortsn., jetzt t. einen Weiler, t. einen
einzelnen Bauernhof bezeichnend , urspr. aber ein
Lehengut von bestimmter Grösse, etwa was zur Er-
nährung einer grossen Familie hinreicht (in Ale-
mannien gewöhnlich von 40 oder 48 Jucharten, welche
mancherorts in 4 Schuepossen zerfielen), angeblich die
Hälfte eines , Hofes' (curtisj, vgl. die mehrfach vor-
kommende Zweiteilung Ober- und Under- (Nider-J H.,
sowie Wider-H. Doch ist ihr Begr. nicht ein blosser
Massbegr., sondern auch ein Kechtsbegr., der mit den
alten hofrechtlichen Verhältnissen zshäugt. Zum We-
sen der Hueb (mlat. mansus, auch etwa Guet, bonum,
prffidium, curia genannt) gehört, dass sie nicht bloss
bebaut, sondern auch bewohnt wurde und, meist als
Handlehen, in Abhängigkeit von einer Grundherrschaft
stand, welcher der Hueber (colonus, mans(u)arius) den
Huebzins, worunter bes. das Huebschivin, entrichtete.
Die Hueben hatten ausser ihrem Sonderbesitz, welcher
nach einer Angabe aus V* Matt- und '/t Ackerland,
letzteres auf die 3 Dorfzeigen gleichmässig verteilt,
bestand, gewöhnlich auch Anteil an Gemeindewald
und -Weide. Im Laufe des XIV. u. XV., nachdem sie
urspr. ohne feste Verbindlichkeit des Herrn (als Hand-
lehen) hingegeben worden, wurden die Hueben in mit
einem fixen, nicht mehr steigerbaren Zins beschwerte
Lehengüter umgewandelt und waren nun Zins- oder
Erblehen. S. noch Hof. ,Mansus : villa aut locus
familise, villula coloni unius habitationi propria. fun-
dus cum certo agri modo.' älteste Definitionen bei
DucANGE. ,Höbam unara hoc est 40 jugera.' Tradit.
Sang. ,Mansum 1 seu 4 scoposas allodii nostri situm
in Villa Büttingen.' l'J8'2, BAarb. Handf. ,Due huobe
integre quarum unam habent pro media parte videl.
huobam Berch. addorf N. N. et N.' N.' Item relifjuara
partem X. et X." 1293, Z Stiftsurk. ,Unum niansum
dictum vulgo huoba, situm in territorio ville de Jegen-
storf et Interlachen.- 1299, BFraub. (Urk.). Auch in
ZZoll. liegen die beiden (.obere' u. .untere') , Hueben'
bei und gehörten zu dem ,Wilhof' genannten Weiler
(villa). ,Mansum seu huobam meam sitam in villa seu
territorio ville de Allwantingen.' 1305, B Urk. ,Ze
Swäbindingen ligent ouch lO'/ä buchen und tJ schuop-
pOssen und ein wideme.' c. 1303/11, Habsb.-Östr. Ueb.
,Es ist ouch ze wissen, dass zuo einer huob gehört
4 fuoder holzrechts und zuo einer schuoposs 2 fueder
holzrecht.' Z Laufen Otfn. ,Ein herr mag syn zins
forderen zue den höfen und die sond im Zinsen uu-
verzogenlichen und die hueben buwen uf S. Michels
tag, und die die schuoppossen buwen, uf S. Otmars tag,
und die die hueben und schuoppossen band, die band
das recht, ob sy nit Zinsen mügen eins jars, so soll
man sy nit vertryben von irera erb unz an das dritt
jar.' ZBrütt. Olfn. ,In dem dorfe ze [Albis-] Rieden
werden von alter schrift und von den Pfenningen, so
man für du swyn git ze sant Thomas tult, gefunden
dis nachgeschriben huobe: Streifes huobe, das ein
ganze huobe ist. Burkarts uffen dorf, du ouch ein
ganze huobe ist. Steinhusers huobe, du ouch vil nahe
ganzü ist. Und Wernhers huobe in Gassen, das ein
halbe huobe ist. Doch sint die selben huobe, beide
von todes wegen, von koufes wegen und von änderunge
der luten in disen zyten zerteilt, dass man du teil
küme zesamen bringen mag, es geschehe danne mit
grosser arbeit und flysse der lüte, so nu lebent.'
1320/30, Z Stiftsurb. ,Der kelnhof ze Swabendingen
giltet [zahlt] 36 mütt kernen, so du zeige lyt wider
Varode, und so sy lyt wider Zürichberg 32 mütt
kernen, und so sy lyt wider Huwenmos 30 mütt kern.
So sint ze Swabendingen 11 huobe, der ieglicher giltet
5 mütt und 1 viertel kernen und du halb huobe 6 viertel
kern. So sint da 6 schuoposse, die geltent 6 [vorher
stand 5] mütt kernen.' c. 1340, ebd. ,Von den zehen
huoben und von der halben huobe ze Swabendingen
sülln die bülüte, die die huobe buwent, ieglicher ze
mittem ougste 1 mütt kern, bringen ze bachenne und
swenne sy den kernen bringent, so git der kloster-
kellner ir ieglichem 1 simlen.' c. 1330/40, ebd. ,Hai
quatuor scoposae sunt una huba.' 1347, LBerom. (Feu-
denbuch). ,Man soll des gottshüs huoben zuo dryen
malen in dem jare besehen mit den huobern: bestand
sy denn wol daby, so lass man sy belyben; stand sy
nit wol, so soll man sy anders besetzen.' 1351, Aa
Weist. In ScawPfäff. hatte das Kloster Einsiedelu
ausser einem ,kelnhof' auch eine ,obre' und eine ,nidre
huob'. 1427, Zeitschr. f. Schwz. R. ,Es soll nieman
mer vehes uf die weid tryben, denn von einer huob
12 houbt.' XV., ZSchwam. (Hotz, Urk.). Die Chor-
herren zu Z verleihen 1465 ,iren hof zue Swamen-
dingen, nämlich huoben, schuoppossen und sunder
güeter an N. N.' als Erblehen, ebd. ,Ein halbe hueb,
gen. schuoppos hueb.' 1509, ebd. .Etlich huoben, co-
lonien oder lechengüeter, so bishar verlechnet g'syn
sind.' 1526, GsHanz (Absch.). S. noch Frisching-
P fennig und Frecht; ferner anfallen Bd I 753 und
ergetzen Sp. 574. ,Es soll ouch niemand kein hueb
zerteilen oder etwas aus derselbigen eigens gewalts
verkaufen, veränderen oder vertauschen; dann welcher
solches übersehen wurde, der soll sein erbgerechtig-
keit an der hueb verwürkt haben. Ob aber einer sein
erbrecht an der h. verkaufen wollt, das mag er wol
tuen sanimethaft one alles vorbehalten und zerteilen.'
1533, ZSchwam. Offn. ,Sy liessend us lo'/a hueben
werden 15 hueben. Desshalben die teil kleiner syn
müessend denn vor.' 1555, ebd. ,N. N. hat 2 niann-
werch am Klosbach oder an der hueb zue Hottingen.'
1557, Z Stiftszehntenrodel. .Jede hueb soll nur 1 hus
haben und nit mer.' 1559, ZSchwam. ,Älle huoben
zuo Schwam. gehören der stift, obwol die merteils
der huoberen erbgüeter sind diser zyt.' 1562, ebd.
.Alle huebgüeter sind nur erbgüeter. Vor sinds hand-
lehen gsyn und mit gwüssen gedingen gelihen.' 1563,
ebd. .Die Widmershueb ist unverdenkliche jar geteilt
gsyn und ist erst mit sonderm flyss im 1575 wider
zesammen worden.' Hotz, Urk. .Der stift meicrhof
[in ZAlbisr.] ist ein ganze h.' XVI.. ebd. .Ein jede
Hueb soll nit wyter dann ir gebürlich Huebhaus und
Hab, heb. hib. Iiob, liiib
darin Scheur, Gehalt und Stallung haben.' 1573/91,
ZSchwam. Oifn. ,X\s der Guetren etliche geteilt und
nach nit widerumb zusammen gewachsen, was halbe
Hueben sind, die sollend auch wider zesammen kom-
men und wo etwas aus einer Hueb verliehen, widerumb
darzu gezogen und was übriger Schueppisgüetren, so
nach nit zu den andren Hueben kommen, zu den
Hueben widerumb gebracht werden, und also soll es
auch mit den Nebenthofstatten im Dorf beschechen.
und soll fürhin Keiner, so Huebgüeter, Schueppissen
oder Nebenthofstatten hat, hinder dem Gstift ützit
feil bieten nach verkaufen.' ebd. ,15 Mannsmad oder
Hueben zu Nüwenhusen.' JRüeger 1606. ,3 Hueben.
1 Schupotz und 1 Müli.' ebd. Von Compp. in Flurnn
finden sich bes. H.- Acher B; L; Z, -Hof Ax; Z, -Matt
Aa; L (vgl. ,Chuon von Huomatten.' 1.386, LB.), -Bach
G, -Berg B; Th, -Bain Z, -Schür L, -Schimndi L,
-Wis 6; ZWald, in ZTurb. eine Hue-Wis. Die gül-
dene R. s. guldin Sp. 227, die loilde H. L; ZAlbisr.
1332. Bes. häufig wird die H. durch den Namen ihres
früherr Besitzers näher bezeichnet, wie in Kerpfen-
nigs- LWillis., Otten-, Manzen- ZWyla, Pfyffers-,
Schrlbers- (vormals Volmars- u. Küngs-), Schär-, Kem-
maters-H. ZSchwam. XVI. Die reichste Lese hiefür
bietet das Habsb.-Östr. Urbar von 1303/11. Das dim.
HüehU in G; Th (wo auch Geschlechtsn.); Z. — Hiezu
die Abll.: nuebe" (au.s dem Dat. PI. de.s Grundw. ge-
bildet) B: (li.Küti: 1,; Tii; /,. v-1.: .TleniKinn.s sünc
von Hnul,,.,!,' l:;n',i, K,,,!, r,k,; ,„, //,„/,/,,• /Schlier.,
wie WisUy \ni, \V,s. Sdnhivr von Srhihe" u. a. Flurnn.
(vgl. ,in der Huob' Geschleclitsn. 1381, ZcBligg.; 1386,
AABeinach; 1428, ScHwPfäff.; 1519, Z; ,von der Hueb.'
1436, GStdt, vgl. Hueher 12). Der Ortsn. Huebhansen
ZWald (eig. Gen.) vom Namen des Besitzers. ,Petcr
Huebenrich' fingierter Geschlechtsn. 1443, GEappersw.
(Pründ). Vgl. bes. noch Hotz, Urk. I Nr. 46; HI Nr. 22
und 26; Seg. KG. II, 245 ff.; Gfd 34 (Stiftsfeudenbuch
LMünster); LABurokh. 1860, S. 11 f.; JMey. 1878, 191.
215/23. — 2. (gew. PI.) die Marken, die Gemarkung,
das Gebiet einer Gemeinde, Gemeinde-Bann, -Grenze
Gl. , Alpen in den Kerenzer-, in den Molliser-, den
Ennendaer-, Mitlödener-, Eimer-, Linttaler-, Glarner-,
Klöntaler- usw. Huoben.' Steinmüll. 1802. ,Jede Ge-
meinde ist pflichtig, bei gross gefallenem Schnee die
Landstrassen zu öffnen, so weit ihre Hüben gehen.'
Gl LB. 1835. ,Die Alp Bergli in den Hüben der Ge-
meinde Matt liegend.' Gl Nachr. 1887. — 3. Genossen-
schaft, Korporation einer Bauerschaft, meist zu ge-
meinsamer Nutzung des Waldes; Korporationsanteil.
Syn. Gerechtigleit; ßertel III. Vgl. Beilen. ,1 Immi
Korporationsholz im Hirslanderbcrg in der Hegibächler-
Hub.' Z Amtsbl. 1883. ,Die Hüben- und Einsidler-
genossenschaften von Rümlang.' ebd. 1884. So nenni
sich auch die Gesammtheit der Hubenbesitzer in Z
Schwam. ,die Hubgenossenschaft oder die Hubenge-
nossen von Schwamendingen', wiewohl die Hueben in
Bed. 1 längst in eigenen Besitz verwandelt und nur
noch die gemeinsame Nutzung des ehemaligen Stifts-
(jetzt Staats-) waldes in Betracht kommt, wobei die
kauf- und verkaufbaren Anteile bis zu Vi und '/s Huel
zerfallen.
Ahd. huola, inhd. huohe, and. hont in Bed. 1. S. ,Hufe'
Gr. WB. IV 2, 1867. Nach der Zugehörigkeit zum Tb.
haben (s. die Anm. zu Hueh IIF) kann das W. entw. wie
Hah IIJ urspr. auch nnr Besitztum überh. bedeutet, oder
dann (vgl. Jluh I) den Begr. des Umfassenden, des zshän-
genden oder -gehörenden Gutes, oder endlich, da ,haben' sich
lautlich und begrifflich mit lat. caixre deckt, denjenigen des
,iu Besitz Genommenen', bzw. des bei Besitzergreifung des
Landes durch das ganze Volk dem einzelnen Geschlechte zu-
gewieseneu Anteiles gehabt haben. Nach Hueh III könnte
das Wesentliche des Grundbegriffes auch in dem (wenigstens
bei uns) notwendig mit dem Lehengut verbundenen Wohnsitz
des Bebauers (mans(u)arius) gesucht werden. Zum gleichen
Resultate in Hinsicht der urspr. Bed. gelangt in Kuhns
Zeitschr. VII 275 ff. LMeyer, welcher die unmittelbare Her-
leitung aus haban verwirft, während Andern scheint, dass
gerade Hueb in seiner direkten Herleitung von haben beweise,
dass Letzteres abs. oder refl. einst auch die Bed. ,sich (auf-)
halten, wohnen' gehabt haben könne. Müllenhoffs Vermutung,
es möchte die Hueb vom .erheben' der Gefälle (Masseinheit
für die Steuern) benaunt worden sein, hat zumeist das lat.
manaxis gr^^ca sidi, .lul' widi'hL^s wir deswegen Gewicht legen,
weil histiiriM-h orsirlitlitli ist. dass die Schöpfung und Be-
nennung der .Hueben' (urkundlich schon 680) der fränkischen,
viell. noch meroviugischen Zeit angehört, denn auch Frank-
reich ist ganz durchspickt mit dem Flur- und Hofnamen ma»
(auch in den Nebff. met und mow), welcher übrigens noch
mehr als unser Hueb auch appellative Kraft behalten hat;
vgl. noch mlat. manens, colonus. Bed. 2 führt zu der Ver-
mutung, dass in uralter Zeit wohl sämmtliche Höfe (jetzt
Dörfer) des Tales Glarus Hueben (i. S. v. 1) der fränkischen
Herrschaft, dann des Stiftes Säckingen waren; vgl. Gem. Gl,
S. 221. Auch Bed. 3 lässt sich ans 1 herleiten, insofern
man darunter den Anteil einer frühern Hueb oder mehrerer
an einem Wald oder an Gemeindeland versteht.
Kilch-Hueb: eine H., deren Gefälle der Orts-
kirche zu Gute kommen. Syn. Widtim. ,Die S.Niklaus-
od. Kilch-, auch Kappelhueb genannt.' XVL, ZSchwam.
(Hotz, Urk.). ,A. 1481 hand propst und capitel ver-
üben der pursame Fälwershuob zu banden S. Niclausen
cappell daselbs [ZSchwam.], das dieselb järlich 3V2
mütt kernen drab haben solle, dahar sy folgends S.
Niclausen huob oder die kilchhuob genemmt worden.'
ebd. — Meier-: H., auf welcher der , Meier' wohnt;
vgl. Meier-Hof. ,In dem 1371. jar sind [zu ZAlbisr.J
noch 4V2 huoben by einandren gsyn, deren die erste
die m. genannt, so diss mals der meierhof, ein hand-
lechen von der stift.' c. 1569, Hotz, Urk.; vgl. auch
den Geschlechtsn. Hiicb-Meier. — Mann-: wohl =
Mannlehen. ,Die Majer de cha [casa, Familie] Niclai
von Salus, majerien oder mannhueben.' 1529, GnOVatz
(Urk.); vgl. ,Mannhof' = Lehenhof bei Gr. WB.
S c h w i n -. ,Die 24 Pfrundlehen nannte man
Schweinhuben, weil jede derselben 2 oder mehr Hub-
schweine nebst andern Zinsen [an die Chorherren] zu
leisten hatte. 1326 wurde jedem Chorherr eine solche
Hube zu seinem Unterhalt zugeteilt.' LNeud. (Esterra.).
— Anders wird Tierli-Uueb, Ortsn. in GWaldk., zu deuten
sein; vgl. Tier-Garten.
Schwert-: viell. = 3Iann-Hueb, im Gegs. zu einem
, Kunkellehen'; vgl. ,Schwert-Mage.- XVL, ZSchwam.
Weib-: Lehen (Hueh), worauf die Gerichts- und
Richtstätte sich findet. Syn. Mal-, Ding-Statt. ,Da
[zu LEgolzwil] lyt ouch ein w.-huobe, die der herr-
schaft lantgericht beweren soll.' 1303/11, Habsb.-Östr.
Urb. Graf Hartmann von Kyburg, Landgraf von Bur-
gund, verpfändet den Hof ,Weiphuebe' zu BMelchnau
unter Vorbehalt der landgräflichen Gerichtsbarkeit.
1316, Urk. Ferner bieten die alten Originalrödel im
.\a u. Z Staatsarch. für die spätem Weid-Hueben in
AABcrikon u. ZRifferschw. die Form Weib-Huoh. Vgl.
Weibel- und Weid-Hiich.
Illlb
9G2
IFtA- zu ahd. iccihon, sich hin und her, im Kreise be-
wegeu. Es mag also die ' Vi'eib eig. den Kreis, Bezirk übh.,
im Besondern aber das Gebiet des ,'Weibels' (vgl. das syu.
li'uitel mit Gebiet von bieten), dessen eigentliches Geschäft ja
das Herumlaufen und das ,Bieten' zum Gerichte war, be-
zeichnet haben; vgl. noch den badischen Ortsn. ,Weibestatt'
(jetzt Waibstadt) aus dem IX. und dazu, aus der selben Zeit,
die ,Wingart-weiba', den Kreis oder Gau zwischen Main und
Jaxt. Zur Bed. vgl. engl, to swat/ 1) schwingen, schwenken,
2) regieren, herrschen. Vgl. noch Umschwung, Umkreis.
Weibel-. ,Ze Bergheim [AABerikon] hat die her-
sehaft ein w. unde richtet da diuhe unde frevel.'
Habsb.-Östr. Urb. ,Ze LEgolzwyle lyt euch ein w.,
die der herschaft lantgericht beweren soll. Die her-
schaft richtet diube unde frevel.' ebd. ,Ze TuWillis-
dorf ist ein w. der frien; die herschaft richtet diube
unde frevel.' ebd. Spruch des Eats zu GWyl über die
freie W. zu Oberutzwyl betr. Bestellung, Rechte und
Pflichten des Weibels usw. 144'2, s. Weist. ,Item die
W. zu ZStadel. die soll ein Vogt, diewyl er Vogt ist,
nutzen.' Z Staatsarch. ,Auf der W., die sich auf der
Platte [ZFluntern] befand, wurde im Freien das sog.
Hofgericht gehalten im 13. — 15. Jhdt.' Denzl., Flunt.
Vgl. : .Diewyl des gestiftes zum Grossenmünster Öff-
nung allein des weibels hueb oflne tafernen zue haben
zuegibt.' 1569, Z Staatsarch. ,MHH. [Propst und Ca-
pitel Z] band ein hofstatt, die man nennet die Weibels-
hueb, uf der selben hueb soll man finden bereitschaft,
dass man alle töd, wie man die verschuldt hat, voll-
füeren und antuen mag nach dem, als dann gericht
und urteil git.' 1459, Offn. ZPlunt. ,Haus und Hof-
statt der Kelnhof- oder Weibelhueb zu Fluntern.'
1607, Urk. Vgl. noch die Orts- u. Flurnn. : Weibel-
Aclcer, -Matt, -Biint, -Wisen.
Dem Weibel, welcher nicht bloss Gerichtsbote, sondern
auch untergeordneter Beamter der Gruudherrschaft war und
oft auch das Amt des Forsters und Flurschützeu (Bannwarts)
bekleidete, war, wie dem höher steheuden , Keller (Kelnhofer)'
und , Meier' (vgl. Meier-Hmb), eine besondere Hueb gegen
Zins verliehen, auf welcher die Verpflichtung ruhte, den
Platz für die Gerichtsversammlung und das Hochgericht (den
Galgen) zu geben und dafür die erforderlichen Vorrichtungen
(wie Bänke) zu liefern; vgl. übrigens Weid-H.
Weid-: = Weib-H. Nach dem Habsb.-Östr. Urb.
gab esWeidhueben je in AAFahrw., Seon, Wohlenschw.,
Würenlingen; ZAltst., Riö'ersw.; sodann in AABerikon
(1565, Urk. u. schon c. 13Ü0V), Ehrend. (1490, Urk.),
sowie bei Schwyz (1338, Urk.). ,Ze Altstetten ist ein
hofstatt, diu ist ein weithuoba der grafschaft von
Habsburg; da richtet diu herschaft von der grafschaft
diub unde frevel.' 1303/11, Habsb.-Östr. Ukb. Zu
Schwyz ,uf der w-e' richtet der Richter um Holzfrevel
auf offenem Landtage. 1338, JEKorp. , Curia in Fluont-
rein habet tavernam et antiquam mensuram in huoba
dicta w-a.' c. 1363, Z Staatsarch. ,üf der fryen w.,
da man das gericht uf hat.' 1409/1544, Schw LB. ,So
soll man dann von dem [ergriffenen Missetäter] un-
verzogenlich richten uf der fryen w., also dass man
jni syn houpt abschlachen soll.' ebd. ,Gen Switz ge-
füert und uf der w. gericht.' 1421, Urk. Im Maien-
gericht zu ZEiffersw. im Jahr 1405 eröffnet vor den
östr. Richtern WNäf, wie die W. zu R. eine freie W.
sei, worauf seine Vordem und er gesessen seien 40
Jahr und mehr. Die Genossen erklären eidlich, die-
selbe W. sei eine freie W., ,so viel mehr, als man
auch, was zu den Gerichtstühlen, Bänken und Holzes
Schweiz. Idiotikon. U.
ZU Galgen (Var. , Ballyen') und Stöcken in die W. not-
dürftig ist, hauen mag, in welchen Höjzern man will,
die in das Freiamt gehören.' Vidiuius v. 1516, Z Staats-
arch. ,Die w. ze Eretingen hab gulten 10 viertel
kernen und 1 malt, haber; hat ein knecht ze E. und
ist davon schuldig, die klag über die Übeltäter zue
tuend von [der] herschaft wegen und die galgenleiter
zue fertigen und hinüs ze füeren, des glychs die räder
und anders, wie sich das gepürt.' 1490, Arg. ,Es soll
ein lantgraf richten über das bluot ze Berkon in der
w.' XV., ebd.; vgl. eine Urk. vom J. 1153, wo Mark-
graf Werner und seine Brüder von Baden Urkunden
,in publico mallo Bercheim.' (Neug. Nr. 865); unter
den Grundstücken der Yf. zu AABerikon werden auf-
gezählt: ,Der Galgenacher, daruf der Galgen stat,
item der Bänkacher, daruf man das Landgericht haltet.'
1537, Lagerb.
Für (las alte, schon im XIV, und tw. schon im XIII.
Qicht iihlii in-luMlrnr ir, ;; ;,^l. ir.;;, //i ii,,l Has lautlich
weg
sind iiliriJh- iiiiMiinl.. ilb i-t |m:> li. Substituierung von
, Weid-' IUI- .Will'-- ih"'li inl.iiiiillhli narliziiweisen. Die sog.
Reiusclinlt il.-s ll;,li^li.-( Ktr^ lil.. il';n:;/n) hat im B Frag-
ment, welches l'feitter unbekauut war, überall Weibhuobc, wo
Pf. nach der auch im Gfd VI benutzten L Abschrift Weil-
oder Weidhuobe schreibt. Die ganze Reinschrift hatte wohl
überall Weib- (bzw. Weip-], nicht Weibel- und noch viel
weniger WeidUuobe. Auch ein Originalrodel des Z Staats-
archivs für das Freiamt Affoltern bietet 2 Mal weibh., wn Pf.
weibelh. schreibt, ebenso die Aa Rodel. Diese Veränderungen
sind aber, wie gesagt, weniger der Nachlässigkeit der Ab-
schreiber als volksetymologischer Einwirkung zuzuschreiben.
Halte noch obige Angabe betr. Berkon mit derjenigen unter
Weib-H. und diejenige betr. Fluntern mit derjenigen unter
Weibel-H. zusammen.
Wider-: Flurn. BGurzelen.
Eig. eine (halbe) ümb, welche einer andern gegenüber
liegt; vgl. (unter Hueb) Ober- und Vnder-U., sowie Zell und
Widerzell Z, Wider-E<jy Ap.
Widum-: eine der 15 Hüben zu ZSchwam., wo-
selbst es auch eine Widmershueb gab. ,Die W., so
die best ist under allen.' XVI., ZSchwam.
Von der Kilch-H. unterschieden muss die W. doch eben-
falls urspr. eine Vergabung an die Ortskapelle oder deren
Priester gewesen sein. Vgl. Widum-Hof, ehemaliges Amts-
lehen des Pfarrers und Sigrists in ZF.
Huebor I in.; 1. der ziiisiiflichtige Inhaber und
Bebaurr riuev II, uh [V 1. .Ut llubiicr, Hüfner. ,Und
soll dciiu [heim Tu du ..fall eines Hörigen] der keller
nemen zwene huober und einen schuopesser, die sönt
denn das houpt [d. i. das Besthaupt] schStzen.' c. 1322,
Aa Weist. ,Wer hofgüeter hat, besitzt oder mynet,
der soll ein h. syn oder fallman geben nach hofs
recht.' XIV., Bs Rq. ,Omni anno die beati Stephani
villicus et huobarii in Hoengge debent eligere lucarium
[Förster].' 1?.:W, ZHöngg (Hotz, Urk.). ,Wär, dass
deheiii li. i"Ur sduioposser synen zins gänzlich ver-
säss ilrv jar. so wiir das guot zinsfällig und möcht es
denn ein biscliof lychen, wem er wellt.' ZLauf üffn.
.Der Müller zu Rümlang soll des Gottshus Frauniünster
H-n malen vor mänlichem.' XV., Ztschb. f. schwz. R.
,Wär dass die 4 meier [der 4 Meierhöfe] des dorfs
[ZOberglatt] nit mit einandern möchten über[ein]-
kommen, so hat das dorf aber 4 höf, die sönd hau
4 hueber. Die 4 meier sond die 4 h. zu inen nemen
61
963
Hab— linb. llal)s Inibs. Hal)scli— liubscli
964
und die 8 band vollen gwalt, des dorfs nutz ze für-
deven und schaden wenden.' 1500, Z OGlatt Offn. ,0b
ackrat ist, dass sy lesen mugend, so send die böfer, die
huober und die schuopesser ein vortag und vorteil
haben zu lesen : ein hofmeier soll ein tag mit 4 per-
sonen vorlesen, ein huober mit 2 personen, ein schuo-
pesser mit einer person und darnach ein gemeind.'
c. 1515, ZEheinau Offn. ,Alle h., welchen ire buchen
von dem Gstift zu erb gelihen sind, sollen derselben
hueben und schuepossen güeter in gueten eren haben,
damit sie die huebzins und alle gebürende beschwerd
wol ertragen mögend.' 1533, ZSchwam. Olfn. ,\Vie die
meiger und h. sich [als Schiedsrichter eines Streites]
haltend, sollen die tagnöuwer [Kleinbauern] nachhin
faren.' 1578, ebd. ,Den 7 hueberen zu Rümlang an-
statt des holzes, das sy zu der neuen zehntentrotten
aus iren huebenhölzern gegeben, jederem 2 fl. zu einer
vererung.' 1590, Hotz, Urk. ,I>ie gemeinen huober
von ZSchwam.', oft bei Hotz Urk. die dortigen Huben-
besitzer als Corporation bezeichnend. S. noch be-
gaumen Sp. 303. — 2. neben Müller, Meier, Weber,
Lehmann u. ä. einer der verbreitetsten Geschlechtsnn.
der Nord- und Ostschweiz (vgl. Widmer) ; oft noch in
ununterbrochener, historischer Tradition in den Gegen-
den und Gemeinden haftend, wo Uneben vorkommen.
Die nachstehenden Belege veranschaulichen die ge-
schichtliche Entwickelung des nomen gentile aus dem
Appellativum. ,Dictus huober zalt 10 quart. trit.'
1293, Z Stiftsurk. ,rilius quondam Otten hüobers;
Hugo et TJolr. fratres dicti huober; de huoba dicti
Strcipfs solvunt dicti huober; dictus Eberh. huober;
R. huober', Alle Zinspflichtige von ZAlbisr. (ebd.).
,Kuodolf der Huober von Suniken', Eigener des Frei-
herrn von Eschenbach. 1309, Kopp, Urk. ,Guota Huo-
bera', ,Greta huobera' von ZAlbisr. c. 1330/40, Z Stifts-
urk. . ,Dicta huobera an der strclgassen zalt 1 quart.
[von Gütern zu Albisrieden].' ebd. ,Ueli H., genennt
Mugi.' 1386, LStdt. ,Chuonr. H.' 1403, GStdt. ,Heinr.
und Mauriz H.' 1531, Z OGlatt. Auch in Orts- und
Flurnn. vom Namen des frühern Besitzers her. ,Im
Hueber', Hof ZÄugst. ,Acker im H.' ZSeen. ,Die
Hueber-Egg' ZBäretsw. ; ,Hueber-Hof' BDürrenrot.
Wie das frz. mas (aus lat. mansus) genau unserem
Hueb entspricht, so auch der Geschlechtsn. Masier
(mansuarius) und Dumas unserem Hueber. — 3. ab-
usive für Leistung eines Huehers 1, Hubzins. ,Hans
Swizer soll ein sundern h. gen von syner hofstatt.
Dry h. ist er gichtig ze gend von synen huebgüeteren.'
1463, Bs Rq. — 4. in burlesker Sprache und euphem. :
e Jumpfer H. = e Huer Z.
Mild, huohaere, huober in Beil. 1. Zu 3 vgl. (las Syn.
Fallmann uud An-, Hinder-Säss in sachl. Bed. 4 eig. zu 2.
Hnebaclier Th, Huebech B: eine gewisse Sorte
Äpfel, in B ein kleiner Süssapfel, ähnlich dem Malzech
und dem Schibech oder Platt-Epfel.
Nach dem zufalligen Stande auf einer ,Hueb (i. S. v. II
oder IV)' benannt. Vgl. noch Acher Bd 1 65.
Hueber H ZDub., Hueber Gl; Z — m., Uiiebere"
ZRafz — f., Hüeberli'g Aa; Bs; BB.; Gl; L; Scuw; S;
„Zg;" Z — m., Hüeberli AaF.; „L; Zg" — n.: 1. Flick-
lappen auf dem Oberteil des Schuhes, Stiefels Aa;
Bs; Gl; L; Schw; S; Zg; Z. Syn. Flickling, Biester
(Letzteres nach Z Angaben an der Seite des Schuh-
werks, während H. vorn an der Spitze = Cliäppli).
Der ei" Stifel hat en Hueber und der ander gar es
Loch. Stutz. ,Hüeberle, so man über die schuoch
setzt, assumentum.' Mal. ,Der Hüberling, Überlapp,
Riester, Schuhplätz, assumentum, segmen obstraguli.'
Red. 1662. Auch bildl, Flickwerk, Notbehelf: Se'ft«
Geldüfhruch ist nur e Hüeberli g g'sl"; d' Gant ist
kuntenent [sofort] hindedrl' chö" AAWohl. — 2. ein
grosses, abgeschnittenes Stück, z. B. en Hieberlig Brod
BR. — 3. kleiner Rausch AaP.; Syn. Tips.
Der FlickHeck bildet eine Erhöhung am Schuhe, daher
wohl Euch II mit der gleichsam personifizierenden Weiter-
bildung -er und weiterhin -Ung zu Grunde liegen wird. Doch
könnte unser W. auch eine scherzh. Anwendung von B. I
mit Personifikation der Sache sein, da der Flicklappen am
Schuh so haftet wie der Lehenmann am Grundherrn. 2 u. 3
bildl. Anwendung von 1. Der Kausch als entstellendes An-
hängsel, vgl. Ol (am Huet). , Haarbeutel' u. ä.
hüeber(l)e": Flicken auf das Lederwerk des
Schuhes, Stiefels setzen Z; Syn. riesteren, flecken.
G'hüebret Schueh a'g'ha" schickt si''' für ken rechte'
Ma"". Stütz.
Habse": Habsheiin, Dorf im Elsass; in der RA.
ro» H si", nit ru" Qibenach [Dorf bei Basel] , hab-
süchtig sein Bs.
„hebs, nur in der Form z' hehs, z. B. über einen
Graben springen, d. i. mit zusammengehaltenen Füssen
BO." Syn. gsämmefüessligen. — Wohl eine mit adv. «
gebildete Nbf. zu z' hebigen Füessen, s. hebig Sp. 940.
häbsclie": niesen GnSpl.
häbschi: Ausruf beim Niesen oder onomato-
poetische Nachahmung desselben BStdt. Syn. äpsi
Bd I 384 und ätzi ebd. 627.
hebsch
hübsch, in U hiebsch : 1. wie nhd. sinnlich und
moralisch. L's hibs MeitoÜi W. Si ist-me nüd z'hübschi,
sie ist nicht zu schön oder vornehm für ihn BHk.
, Recht tun ist über hubseh.' Stutz. Bist nid h., so
tue doch h. Aa; L; vgl. handsome is that handsome
does; s. noch frl Bd I 1258. H. tue, 1) ,bene mo-
ratum esse.' Id. B. — 2) bei gewissen Spielen seine
Karten gegen bessere vom Häufchen vertauschen Ap;
dazu die Frage: Wöm-mer hübscher? wollen wir bes-
sere Karten nehmen? s. noch hübschen 3. 's hübsch
Händli, die rechte H. Z (Kdspr.), s. artig Bd I 476;
Syn. schön. Bes. auch von Tieren, Pflanzen, auch
Sachen. JE hübsches Bind, wohlgestaltet; glatt, fett,
allg. Die Höbsch, Name einer hübschen Kuh Ap.
H. Herdöpfel. E hübsch i Eich, stämmig; h-e Fasel,
prächtiger Aufwuchs. Vom Wetter: hell, sonnig BO.;
W; s. flät Bd I 1227. ,E hüpschi Predig, sermo ad
aedificationem.' Id. B. Gesteigert bode"-h., überaus h.
Gr. Auch in der Bed. ziemlich gross, vom Vermögen,
Appetit (,un joli appetit'). In iron. Anwendung: Blas-
mer fleck mich W, du cha"st-mer Z), wo-n-i"'' h. bi' Z,
etwa mit dem Zusatz: du muest de"' niene' aföh L,
derbe und verächtliche Abweisung. Das göd h..' das
Habsch, licbsch, hibscli, hübsch, liubscll
]?eht wild her L; Sjn. artig, schön, süher. In Flurnn.
Hübschen- Acher B; Hübsch-Egg l; H.-HoUG; ,Frid-
hüpsch', Wiese in ZWäd. 1512, Urk. ; H.-Tal L;
Hübschen- Wis Z, welche yiell. tw. zu Bed. 4 oder zu
dem Geschlechtsn. H. gehören könnten. ,Den houpt-
lüten, die etwas nit hüpschs gehandlet haben sollen,
nachfragen.' 1.508, Absch. ,A1s wenig du erfechten
niöchtist, dz du hüpseh werist, wenn schon dir jeder-
man hüpseh hensly seit', Worte an Joh. Faber, Ge-
neralvicar von Constanz. Gtrekrüppen 1.523. ,Wär ein
ietlichcr gern der unschuldigest gesyn und wärend gern
hübschin mändlin [brave Leute].' 1525, HsStockar;
vgl. guet (Mann). Von Hölzern, Zinsen und Zehnten
sei ,ein hübscher hört [Vorrat]' vorhanden. 1549,
ÄBSCH. ,Ein hüpsche eich.' 1557. Hotz, Urk. ,In-
volucre, ein schertuech, das eim der balbierer umb-
iegt, wenn er einen h. macht oder eim rat tuet' Fris.;
Mal. ,Hans Frischknecht. gen. Hübschhänsli.' 1576,
Ap. ,H., fruchtbar böum.' 1584, Ardüser. ,Dropfs in
die ougen, so werdend die ougen wunderh. und luter.'
Zg Arznelb. 1588. .Usbündig h. Äcker.' 1610, Ardüser.
Ein schöner, grosser Bär wird bei Myricäus 1630 .ein
hüpsches Tier' genannt. Die hübsche Hexe-Schotte-
biiuch to' Schtcyz. 1712, Gespr. .Friederich, Herzog
von Österreich, welchen man den Hübschen [Schönen]
nannte.' JMüll., Altert. .Es solle die ganze Gemeinde,
welcher Solches nicht gefalle, ihn [ihren Schulmeister]
mit s. V. zu melden hinten h. machen.' 1739, Es Jahrb.
— 2. von den Taufpaten (mit Bez. auf den Tauftag)
= hoffärtig i Bd I 1033. H. sl", zu Gevatter stehen
AaB.; VO.; „Gl;" GMels fh. gä'J ; S; Sjn. majestäten.
Der, die H. = Götti, Gotten. Wer ist h. ? Si ist hüt
h. g'si". Hübschi Lüt, Taufpaten in ihrem feierlichen
Anzüge aScaw. Herr hübsche Götti! Anrede an den
Paten. Zg Eal. 1881. 's Anni hat müesse' go h-i Gotte
sl'. JoACH. 1881. Gleitig leid-er si''' a" [kleidet er
sich an], a's müesst-er i" d' Chille go h. si'. Erzähler
1856. Der alte .Lisihänsel' sollte letzten Sonntag
wohl das 70. Mal .hübscher Götti' sein. Er hatte
diesmal auch eine brave ,hübsche Gotte'. L Zeit. 1869.
Hübsche Wi" wird vom Götti nach der Taufe der
Gotte, dem Pfarrer und der Hebamme zum Besten
gegeben Schw. S. noch Götti Sp. 529 (üwE. Talbuch).
Auch die Brautführerin hiess in LH. die H. Syn.
Brüt-Mueter; s. auch gelw Sp. 292. — 3. zur Bez.
von Festtagen : H. Mündig, Ostermontag, h. Zistig,
Ostcrdienstag UwE. ,15 ß an dem hübschen mendag
und 15 ß an dem hübschen zistag.' 1347, UwE. (Jahr-
zeitb.). ,Ara hübschen Zistag zu Nacht (13. April?)
sollen die Boten zu Lucern sein.- 1111. Ausch. ,üa ir
üwer grossweibelamt uf näclist kmniii'ii'liii hüpschen
mentig werdend besetzen.' X.Man. (Üii.i vom 2. April
1522). ,Am hüpschen zinstag 1534 zugend myn herren
um im harnischt fast schön ufgebutzt.' Salat. ,Uf-en
hüpschen zinstag ostern im 1556. jare.' L Urk. —
4. (meist im Übeln S.) zur Lustbarkeit dienend, bes.
von fahrenden Musikanten und feilen Weibspersonen,
dann auch von unehelichen Kindern der Letztern.
,Umbe die hüpschen lüte und umbe buoben und umbe
die bösiu wip: das [die Bestrafung] stat an des rates
bescheidenheit [Entscheidung].' 1290, AARheinf. (Stadt-
recht). ,Wie vil hubscher lüte [Spielleute] ze brut-
loufen [Hochzeit] soll syn. Ze deheinem brutloufe
soll nit me hübscher lüte syn, wan zwene singer,
zwene gyger und zwene töiber [Spieler von Blas-
instrumenten].' Z RBr. 1304. ,Für hüb.sche frowen
und spillüt.' XV., Bs (Ausgabeposten). Mehrere Bür-
ger ,sind ebruchs halb verlümdet, euch inen ire
hübschen frowen hinweg geschickt.' 1522, Egli, Act.
,Herr Apt, ir rytend mit 12 pferden, so hend ir
7 hübscher kind, die alle unerzogen sind.' NMan.
,Hattend [zur Fastnacht] kein grösser kurzwyl, dann
dass sj' einandren voll wyn machtend und tanztend
und einandren bracht um geld mit hübschen frowen.'
1527, HsStockar. ,Dass man hüpsche fröwly find.'
JBiNDER 1535. ,])er herzog von Ostreich hat in disem
beer me dann 100 hupscher frouwen [meretrices].'
BossH.-Goldschm. ,Schultheiss Engel konnte sich da-
mit entschuldigen, dass seine zahlreichen hübschen
[d. i. unehelichen] Kinder ihn nötigen, Geld zu su-
chen.' 1599, Pup. Vgl. noch H.-Kind, -Mann, -Wlb.
Vgl. Hübsch als einen der Namen des Teufels in L
Hexenprocessacten des XVI., der Teufel als Galan
der Hexen.
Aus mhd. hübeeeli, Nbf. von höveach, fein gesittet, frz.
courtoU. Das U -ie- eine seltsame Ausweichung ans i. Zu 2,
Tgl. hess. hühitlh ,1. /,/.r. >./,.„ und hofieren (Syn. .züchten')
sich höfischen Aii^tmlr, li, .li.nin, der Taufpatin als Gesell-
schafterin zur Sritr ,rrlh II iIhmIi); auch frz. bmu-frirc udgl.
Zu 3, das in Zsbuui; luit 1 stdit, vgl. Gueter Mänliij Sp. .537.
Zu 4 vgl. frz. roui-tihaii. Die .hübschen Leute' waren fahrende,
von Hof zu Hof und von Stadt zu Stadt ziehende Spielleute
und Gaukler, ein Überrest Ist unser Hübsch-Gäuijyd Sp. 173.
Tiefer noch ist (gerade wie bei frz. courdsanc) der Begr. bei
weiblichem Subj. gesunken. Ähnlichen Rückgang in der
Bed.-Entwickeluug vgl. bei artig, alber, sclilecht; ,Bube',
.Dirne', Knecht, Schalk, Juni/frau, Muyd u. a.
aber- s. aber-heicisch.
chlütter-, cM.-! L, plütter- ZRafz : Ruf der
Wachtel. — Klmer. Exkrement. Vgl. lUzcl-h. 2.
lützel-: 1. wenig hübsch. Schimppr. 1651 unter
den Fehlern einer Frau aufgezählt. Subst. Lützeli-
hübsch, spöttisch, ein unansehnlicher Mensch GWe. ;
vgl. den Namen ,Hans Litzelhibsch' für einen der
Narren in der Com. Beati. — 2. Ruf der Wachtel.
SCHIMPFR. 1651.
bluet-: überaus hübsch. .Ein bl. Töchtergen.'
UBragO. — Sluet verstärkend wie in andern Zss.
Tüsig- n.: roter Fuchsschwanz, amarantus caud.
GT.. We. Syn. , Tausendschön'.
Hübsch f. ,Synü kind, die im nach teil syner
ehalten [Ehegattin] oder ze der hüpseh [im Concubinat]
sond nachfolgen.' 1386, GRChur (Urk.). ,Ein christ wirt
nit ein huerer syn noch zur hüpseh sitzen.' Vad. ,Küng
Ludwig verliess [hinterliess einen Sohn] Dietrichen,
welchen er zue [von] der hüpseh gehept hat.' ebd. ,Es
was domalen nit schand, wie und zuo unsern zelten
es an vil orten nit ein unstand, sonder ein hüpseh
(wie man spricht) geacht wirt, wan man käpsweiber
an sich henkt und bei derselben kinder zuo der hüpseh
gebirt.' ebd.
Hubscheli; 1. (m. und n.) aufgeputzter, gefall-
süchtiger Mensch Uw, Einer, der schön tut; ein hüb-
scher Mann SchwE.; Uw. Bist doch e rechte'' H.!
Vsfl. Gueleli, Scharmanteli. — 2. hübsches kleines
Ding, bes. Bildchen für Kinder Tn. Syn. Ei Bd I 179.
hübsch (e)li(ch), -lig: Adv., sachte, sanft, be-
dächtig, behutsam, vorsichtig, sorgfältig; bescheiden;
langsam, leise, allg. ,HübschUg, lente.' Id. B. Syn.
Habsch— lnil)scli. Hal)t-linl)t. llacli-h"
068
zämelich. H. mache', h. tue", alle Hüflichkoit. Vor-
sicht, Schonung anwenden ; ,caute. eircuiuspecte agere.'
Id. B. ,B. ga", suspenso gradu incedere; /i. i' d's Or
säge", hlande in aurem insusurrarc; h. Wrüere', leniter
contrcctare; h. i' d's Dorf l bona verbal' ebd. 's geit
■mit dem Cliranke h. [allinählig] besser B. H. und
de"' zwürig [2 Mal], Aufforderung, im Anfang oder
das erste Mal bedächtlich zu Werke zu gehen L;
ScBwMuo.; W. H. lese", leise BSi. Niimme hübschli,
nur sachte! Gotth. Potz, wie rumiilet's! HühscheU,
Blieb! Aa (Schwzd.). Do kiinnt de Joderli gang hib-
seheli vo' hinde' z' dissele" [geschlichen] Bs (Wick).
Jetz wei-mer hübschli hei"' i" 's Bett S (Schwzd.).
I rutsche hübscheli zum Tisch. Stütz. Mit dem Spitz
von 're Guf oder Nadle hilpschli die Buechstabe stilpfie
[einstechen]. Mustert. ,War ganz hübscheli von hin-
ten gekommen.' Landw. Wochenbl. 1847. Vgl. die
Synn. hofelich, silferlich, schonklich. S. auch Mock-
Fecken Bd I 730, an-gän Sp. 17. ,Gott bewar üch
wol und h.' 1479, Bs Chr. Zu einem mit dem De-
gen drohenden Raufbold: ,Sässe dir myner brüeder
einer an der syten, du tätest villichter hüpschlicher.'
1497, Z Staatsarch. ,Da lueg man, wie hübschlich's
[fein, iron.] die taufgäns treffend, so sy hierus wollend
bewären den unnötigen widertauf.' 1524, Siml. Urk.
2, 104. ,Keinigkeit wird ein zyt von etlichen h.
glyssnet', auf feine, versteckte Weise. Zwingli. .Damit
schleich er h. an die stegen.' Schilling. ,Do sy iron
brueder sollt um gnad bitten, sprach sy trutzlich, er
sollte h. tuen.' Ansh. ,Darumb gang du h. zuoher
und zertreib die schar der vöglen.' Vogelb. 1557.-
,Wenn du yetz die federen h. siehst herfür wachsen.'
ebd. ,In der Etsch [Etschtal] facht es an eben h. an
der Pestilenz sterben.' 1563, Fabritius an HBull.
,Mora lenta cadere, h. oder allgemachist fallen. Bona
verba qujeso, ä lieber, red h., bis nit so hon oder so
rauch. Colligere gradus, h. gon, fuoss für fuos.s.
gradu modice ire, ein sittigen und zamen gang haben.'
Fris.; Mal. ,Wenn die reben sich h. erzeigend und
anfahend blüejen.' LLav. 1582. ,Wir rucktend das
Bett h. von der Tür.' FPlatt. 1612. ,Wann wir wüs-
send, dass under dem Wasser grosse und gfarliche
Stein sind, da lassend wir unser Schiffli dest hübsch-
licher schlychen.' 1615, JJBreit. ,H., h.. mein lieber
G'sell!' GGoTTH. 1619. ,Dass man allezeit [mit Vieh]
hübscheli dem Weg nachfahren solle.' 1645, Gr Jahres-
bericht. ,Das Hauptgebet h. verrichten.' 1658, Heut.
,An der Landsgemeinde erstattete er Bericht und er-
mahnte h. zum Friden.' 1712, Obw Volksfr. ,Er Hess
sich h. vernehmen, er habe die 58 Dublonen [die ich
vorstreckte] für eine Verehrung angesehen.' 1750,
BoDMER an Zellw. Als Geschlechtsn.: ,Jörg Tierauer,
gen. Hübschli.' 1530, GRh. (Abseh.). ,Jörg Hübsch-
lich.' 1532, GAltst. (Vad.). ,Hans Hübschli.' 1532,
GKriess.
hübsche» (in G auch hübschere"): 1. hübsch(er),
schön(er) werden, allg.; ,forraosiorem fieri.' Id. B. Syn.
schönen. Das Mädli hat g'hiebschet ü. 's Wetter
hübschet Uw. ,Es hüpschet, dispelluntur nubes.' Id. B.
Die Chile hübschet, wird fetter Z; Syn. schu-eret; vgl.
groben Sp. 690. — 2. (im Kartenspiel) bessere Karten
eintauschen Aa; Ap. Vgl. hübsch 1, 2.
Hübscher m.: Hofmacher, Lustigraacher; auch
Buhler. ,Burchartus dictns Hüpscher.' 1304, BBÜrk.;
Syn. Hübsch- Mann. Geschlechtsn. 1521, ZWthur;
1524, THWagenh.; 1.595, AAVilm. — „Hübscherin
= Hübschtvib" , Buhlerin. — Tgl. hübgeh 4.
Hübschete" f.: Aufzug der Gevatterschaft bei
einer Taufe UwStans. S. hiüisch 2.
Hubs Chi I: Geschlechtsn. 1525, B (Absch.).
Hübschi n f.: Hübschheit, Stattlichkeit, Schön-
heit, allg. Vo' der H. allei hät-me" nit glebt B. D' H.
cha"-me° nid esse' L. D' H. tued-me (-ere) Nüd Gr,
si icird uege" der H. nüd g'straft Z, er (sie) ist häss-
lich. Recht tue" gut über d' H. L. ,Er hat nicht
allein auf die H. gesehen, als er seine Frau genom-
men.' Gotth. , Einem armen Bursch käme die H.
kommod, wenn er weihen wolle, ein Reicher mangle
sie nicht.' ebd. ,Elegantia, schöne, hofzucht, hüpsche.'
Fris. ; Mal. ,Morndes den andern wyher geüscht, ist
jetlichem Chorherren 23 stück und die hübsche [und
zwar die schönste Auswahl?] worden und mir 9 stückli.'
1562, EsTERM., Neud.
Mittwuche"- toärt bis am Dünstig, schön Wetter
am Mittwoch dauert bis am Donnerstag GrD.
hübschlacht, -lecht: ziemlich hübsch Bs; Z.
hübschle": spielen (von Kindern) GSa. Syn.
g'cätterlen Bd I 1136.
Wohl von hübsch (i. S. v. höfisch) tueit, wie umgekehrt
.spielen' und g'vütterlen von (handgreifliichem) Liebesverkehr
gehraucht werden.
Hnbsclie" Bs = Uisch Bd I 48.
be-hebtig s. be-hebig.
Hach, hech, liicli, hocü, liucli.
Häcll m.: leichter, mehr scherzh. Sehimpfn., den
Kinder ihrem Vater oder Lehrer, übh. einem erwach-
senen Mann geben, ,Philister' B (Schulspr.). Was
xcott 0 [auch] de'' H. säge", was will er sich in unser
Spiel einmischen? Unter Kindern, welche an einem
unerlaubten Unterfangen sind, ertönt etwa der Warn-
ruf: Es chunnt e H.! In der ä.Spr. = Gesell, Bursche.
,Hahaha, das sind mir lustig sachen, wie g'fallen dir
dis frölichen hachen?' HSalat 1537. ,Noch sind sy
freige hachen, wer will's in«» weren?' Lied 156'2.
Nach dem Sieg: ,Ha, ha, was gueter hachen sind in
mynem künigrych!' RSchmid 1579. ,Magdalena be-
triegt dich, den stolzen hachen.' 1597, EBrandst.
,Die jungen Hachen nemmen zu inn ein Geiger.'
Fasn.-Pred. 1601. ,Lass du mich mit Frieden, du
giftiger Hach.' ebd. ,Den Traurigen fliehet der lustige
H.' ebd.
Spät mhd. (selten) hache, Bursche, Kerl; wahrsch. auch
erhalten in dem bei Vad. n. A. aus dem XIV./XV. bezeugten
Ap Familienn, ,Häch' ; vgl. den ahd. Eigenn. Hacho, Hecho
(ein ,Haicho' als Zeuge c. 950, Z Stiftsrot.), Abi. ,Hachel'.
als Eigenn. 13'20/30, Z Stiftsurb. ; wahrscheinlich = der
ahd. Dim.-Form .Hachili'. Hieher wohl auch , vielleicht
angelehnt oder missverstanden für .H.abk', Habicht: ,Sind
junge Hacken all Beid.' Com. Beati. Vgl. auch Hägrj und
Herht 2.
be-hach: begierig, eifrig, willig. .Sie wend all-
bereit schon an die Sach, zu bauen seind sie all be-
hach.' Myricäds 1630. — Vgl. etwa bair. ,heck', erpicht,
srii'iig, und unser hecken, eilig, emsig gehen.
Häclier f-^-J m.: Vögeln., Häher Gl. - Vgl. Wint.
18T(j S. .'>1, unser Heren-Voyel (BiJ I 694) und Hfr!.
Hauche", in TaSteck. Eöche" m., in ZUhw. f. —
PI. Hauche' Ap; Z: 1. (eiserner) Haken, den man in
Balken, Pfosten oder Wände einschlägt, z. B. um ein
Seil, eine Waschleine daran zu befestigen ScnSt.;
Th; Z. , Starke, angeiförmige Schraube.' Sülger. Si
händ e netii BeitU [Schaukel] diiss; an'n höchste"
Tröme" [Balken] hangt i' Hauche" wie ml"' I'\7st e
Seil, das uf de" Bode" langt. HBühl 1834. Spec.
a) Stachel, (.\ngel-) Haken, an dem Türen und Fenster
hängen Ap; Th; Z. ,Cardo, türangel, houche.' Dasyp.
1.5.39; 1653. — b) Klink-, Schliess-, Eiegelhaken an
Türpfosten ScnSt.; Th; Z. D' Falle schnappet i" [in
den] H. 1°. — c) Haken, mit dem geöffnete Fenster-
läden befestigt werden ZFehr. — 2. fHäuchU, Hauchli)
Griff am Sensenstiel und zwar zunächst der, an Sensen
älterer Construction einzige, in der Mitte angebrachte,
gekrümmte, für die rechte Hand (Synn. s. bei Gürben;
ferner Höehli, Hüchli); dann auch der gerade Griff
am Ende des Stiels, für die linke Hand S. — 3. senk-
recht in die Schiffsrippen eingeschlagene Nägel, in
denen das Steuer ruht THBodensee. — 4. Abschnitt,
z. B. Brod ZW.
Für Zshang mit der bekannten Wz. 'hanh (hang) spre-
chen WW. wie ,Hangel, Hängel' (s. Gr. WB.), nul. hang,
me. hanger, nd. heng, hengacl, dän. hänge, Haken; Handhabe;
Angel. Cm aber die Form Hauchen und zugleich den augen-
scheinlichen Zshang mit Buchen zu erklären, siud wir ge-
nötigt, den Stamm hank herbeizuziehen, der in dem von
,hängen' abgel. ,henken' (altes Prät. : hankte) enthalten ist
und nach Analogie die Ablantsform hnnk erzeugt haben mag,
aus welcher sich dann regelrecht Rüchen entw^ickelte. Vgl.
die nach dem selben Lautgesetze gebildeten Nbff. Flauchen :
Flüchen Bd I 1159. Doch ist nicht zu läugnen, dass die
Bedd. sich nngesuchter aus einer Wz. ku{n)k ergäben, welche
in ksl. kuku, krumm, vorliegt, und zu welcher auch nihd.
hüchen, kauern, , Hauch', Zäpfchen im Halse, hess. Hoch,
zweiziukiger Haken, gehören dürften. Eine dritte Möglichkeit
bietet diu Zsstellung mit ,Hanke f.', Hüfte, welches nach
Gr. WB. 4, 2, 455 mit unorganisch vorgesetztem h aus
mhd. anke, Hinterkopf, Genick mit Einbiegung (eig. wohl
Krümmung übh.) gebildet' ist [?]. Die Bedd. 1 a und b ver-
einigen auch die Synn. Klole und nhd. ,Krampe'. — Auch
zu 4 vgl. Kloben, welches ebenfalls die Bedd. von H. 1 u. 4
in sich vereinigt; doch beruht unser 4 viell. auf einer An-
lehnung an ,(ab-)hauen'. Der Familienn. .Hanchenbrunner.'
1464, ZEeg. lässt auf eine bes. Art Brunnen (mit krummem
Schwengel?) schliessen.
Schlitt-: Schlittkufe ZWyl.
Grundbed. ist wohl .Krummholz' wie in den Synn. I/w-
cheri und Kuechen, s. .\um. zum Vor.
Häuchel Gr, Hdchel GO. — m.: Doppelhacke mit
etwas gekrümmten Armen, deren einer spitz, der an-
dere in eine Schneide ausläuft; zum Ausgraben von
Steinen und Wurzeln verwendet; Syn. Bickel.
be-haucht s. behankt.
Ge-hech, hechen s. henjcen.
He^ch^el BsStdt; ZWäd., Hech(e)ler Bs; ZHed.,
Wäd. — m.: nur in der Verbindung de" H. ha" (üher-
cho"), von Kälte, rauhem Wind, Arbeiten in nasser
Erde im Frühjahr, oder infolge von Unreinlichkeit
isige,
Haut
bes. an den Händen rauhe,
bekommen.
Wohl eine eig. zu den Synn. llevk,,-, /hek(e)lr,; li;,k(el)er
gehörende Nbf., mit Anlehnung an llechhn, heehlen, also:
Zustand der Zerrissenheit, wie ihn das Schneiden, bzw. die
Hechel (das Hecheln) erzeugt, mit der bei Krankheitsnn.
häufigen Personifikation, vgl. z. B. Anm. zu Ettil.vn.
Heu-Hecher s. -Hechlen. .
liecherdntisch : Steigerungsadv., i. S. v. ausge-
zeichnet, vortrefflich ÄAWohl.
Scheint eine euphem. Entstellung, bzw, viell. Mischung
aus authentiftch und ' hackertnentinch aus mckeniiänttuch.
Hechle- f.: 1. Riffel-, Eeffkamni für Flachs, Hanf,
wie nhd. Strubi [struppig] sind seh' [Ziegen] g'sin
wie en H. Gr (Schwzd.). .Flachs und Hanf werden
mit einer eisernen Hechlen gehechlet.' Spleiss 1667.
In bildl. R AÄ. : Eine" dur''' d' H. zieh'", wie nhd.
Herr Vikari, werdet nit hÖn, wenn i'''-nech wider-
spriclie" («'"* denked de"", dass d'r [ihr] nit es löjärigs
Meitschi i" d'r H. heiget, sondere es alts MueterU.
GoTTH. ,Ich schlage die Hände nicht an dise Hechel,
nemme mich dises missUchen Geschäfts nicht an.'
Mey., Hort. 169-2; Sprww. 18'24. — 2. Hobel, mit dem
Kartoffeln, Äpfel, Gemüse in Scheiben zerschnitten
werden, z. B. vor dem Einmachen, Schneide-, Schab-,
Kohl-Hobel, Rübenhechel, Raftel Aa; Bs; L; U; Z.
— 3. scharfzüngiges, verläumderisches, zänkisches,
Unfrieden stiftendes Weib Aa; Bs; ß; Gr; L; Schw;
Uw. (Füli) H., lebhaftes, schnippisches, loses Mäd-
chen Bs (Spreng). Auch Schimpfw. auf Weiber übh.,
in ScHwMuo. auch etwa auf Katzen ; en alti H.,
euphem. für Hexe Gr; ZS. Doch gli druf, heisst es,
hat die H. [die sich für ledig ausgegeben] scho 'ne
Ma"" B. .Hechel oder Hechelgauggele, Weibsperson,
die ihre Haare ungekämmt, nicht in Ordnung hat'
Bs (Anon. ad St.); vgl. Sp. 171. Hecheli, auch mit
dem Zusatz rechts, dunders H., flinke, gewandte, ge-
schickte Arbeiterin ZO.; Syn. Hex.
Mhd. hachel, hechel in Bed. 1. Zu 3 vgl. Sab-, Rib-hen
mit der selben übertragenen Bed., sowie auch , Hechel' bei
Gr. WB. i. S. V. ,Zunge'. Zu ,Hechlen' als Schimpfw. vgl.
mhd. hecliel, verschmitztes Weib, Kupplerin, welches aber zu
hache gestellt wird. ,In der Hechlen' Flurn. ZEnibr. ; vgl.
die Anm. zu Gutter S Sp. 533; ferner ,HechIenberg' ZHerrl.;
,H.-Steg' ApHcid.
Heu- GSa. (auch -Hecher); Tn (auch nur Hechle"):
Hauhechel, ononis rep. Synn. s. bei Hasch Bd I 48;
ferner Hechlen- Krut. — ,Heu-' neben ,Hau-' aucli bei
Gr. WB.
Chabis- L; Z, Surchrüt- Schw; Zg : Kohl-
hobel. - Vgl. Ch.-Schnetzler.
Lin-. ,Der gebrochene Hanf wird zuerst in der
weitern Rauchhechel und nachher in der engern Lein-
hechel gehechelt' GRh., It Steinra. 1804.
Luter-. ,Nach dem Schwingen wird der erhaltene
Flachs durch zwei verschiedene Hecheln gezogen: die
erste heisst die Streifhechel; die zweite Hechel heisst
die Lauterhechel.' Alp. 1827. S. noch Kuder. Ah-
Werch.
l!äb(e")-: Rübenhobel L; Sciiw; Nnw; Z. ,Reb-
hechlen, ein hauwend instrnmend. die reben zue be-
reiten.' Mal. ,1 Rebenhechlen' unter ,ysin G'schirr
in der Kuchin' genannt. 1627. TuBürgl. Inv.; ebenso:
,1 Räbhächlen.' 1.571; 1600, Z Inv.; 1701, ZWasterk.
971
Hach, liech. liich. hoch, huch
Als musikalisches Instrument verwendet: ,Maeheut uf
mit räbenhächlen und gygen ! ' ruft der Narr den Spiel-
leuten zu. Salat 1537.
Vgl. Audi, zd Eäb-Ieen. Bei Salat ist wahrsch. eine gew.
Rübenhechel zu verstehen, mit welcher man, vermittelst eines
aiifgelegten Blattes Papier, einen für jenen Anlass passenden,
schnarrenden Ton erzeugen konnte.
Rüch-Hechle» s. Lin-H.
Schaf- = Heu-H. GWe.
So benannt, weil auf Schafweiden wachsend; vgl. Scliaf-
Linaen, -Maien, -Brändli. Übrigens sollen die Schafe die
Pflanze gerne fressen.
Dorf-: arge Schwätzerin, Dorfklatsche W; e
scharpfi D.-Hechja; Syn. B.-Rdhn.
Werch-: Werghechel. Unter Anderm aufgezählt
im Scuw Husratbrief.
hechle» I: 1. mit der Hechel (in Bed. 1 und 2)
arbeiten, allg. .Davon gieng bei dem H. als Rest von
hölziger Substanz und Staub verloren 4 Pf.' Alp.
1827. ,Der bei dem ersten Hecheln erhaltene Kuder
betrug 10 Pf., das bei dem zweiten Hecheln erhaltene
Abwerch 8 Pf.' ebd. S. Luter-HecMen. ,Stupam pec-
tere, hächlen, durch die hächlen ziehen.' Fris.; Mal.
— 2. (bes. als Comp, us-, rer-, dure'-) mit scharfer
Zunge durchziehen, schlecht oder lieblos, unwahr bei
Dritten über Einen reden, ihn verleumden, verlästern,
verspotten, bekritteln, heruntersetzen, allg. Es Stude-
Meitschi ma'-i''' nit, das Litt- Verhechle" cha"' ntrr 's
nit, Spottvers auf den S Ort Studen. Schild. Auch
i. S. V. ausplaudern S; Syn. kaflen, ratschen. — 3. über-
eilt verfahren Aa. — 4. coire. ,Elsi: Sötte ich ein
andern mann h. lan.' NMan. — Bed. 4 auch bei Gr. WB.
(Zimmer'sche Chronik).
er-: (einander) durchprügeln, die Haare zerzausen
ZSth. — Auch oberöstr. ,hecheln', prügeln; vgl. unser eträlen.
Hechler m.: wer berufsmässig hechelt (in Bed. 1).
allg. Aufgezählt z. B. in der helv. Verordnung betr.
Hausierpatente und bei Glur 1835 unter den Hand-
werkern von BRoggw. Er chunnt-is de'" d's anger
Mal zur rechte Zu, we" nie-ne heisst cho, u"" füert-is
nit so desumme" [hält uns nicht so lange hin], wie 's
SHst d' H. im Bntch hei". Gotth. Als Familienn. 1472,
ÜBW; 1529, BKerz.; ,M. Hechlerin.' 1484, Vad.
Hüs-, indemSprw.: Gasse'-läcMer (-däcMer), H.,
wer auf der Gasse gar freundlich ist, dagegen zu
Hause herb und mürrisch Sch; Z. Vgl. Gassen-Engel
BdI833. — Räbe-- = irecWerTH; Z; Syn. B.- Hobler.
- Siden-. Ein Franzose ist im ZZoll. Taufb. 1594/9
sowohl ,S.' als auch ,Sydenkämbler- genannt. D' Side"-
hechler-Meitli. Balz 1781.
Hechli m.: Schwätzer Bs.
hechli''ge": Adv., dicht, eig. so dicht wie die
Zähne der Hechel; vgl. hechel-dick. 's G'sicht h. voll
Biheli [Hitzblätterchen] ha" BsBirs.
hech'le° 11: lachen, hell auflachen, kichern GG.
Vgl. über die Vwdtsch. des W.: gachlen (Sp. 103), hidUen.
hichnen, hechten; auch etwa hitzgen und ahd. Iieak-azan.
Heich(el) I s. Heinrich. Geheich, Hei-
chel II, heichen, Heichi s. henk-.
hichelig: Adj. und Adv., fein, schön, von vor-
nehmem Anstrich Sch. Da' ist nu' e Burefrau, aber
»j hat doch so öp^ns H-s. Die Otere" hei soH h. üs-
g'sehe" und e glitzig guhli ChronU uf-em Chopfli trat
[getragen]. Schwzü.
Etwa aus htleehig. hochzeitlich, stattlich (zu dem im be-
nachbarten Schwaben noch erhaltenen hileieh m., Hochzeit)
durch Umstellung wie z. B. Fechten aus Fettecli, Wilme aus
Milwe, widleieh ^us lidweich f
hichle": laut kichern GO. - Auch hess. S. Anm.
zu hechlen II und vgl. icichlcn.
Hichle" f.: Frauensperson von heiterm Gemüte,
die leicht zum Lachen zu bringen ist GO.
hichne": ausser Atem sein, keuchen Aa It Rochh.
1857. — Vgl. die Synu. hiytjnvn, hipmen, hittmn und ,hechen,
bei Gr. WB.
hoch Aa tw. (hoh-e, hoh-i; höcher und höh-erj; Bs
tw.; Sch; S; THtw.; ZUhw., hoch Aa; Ap; Bs; B;
Gl; GrD. (in ObS. heh-a, hes); L; G; Ndw (hecher
und hejerj; Z, höi (höin; höier) FG., höi, höij,
bzw. hei(j) ChÖfiJjn, höfijji, höis; hdfi)jer, höistj BO. ;
PP. (hecherj; W, h°ö BHk. (höfs; höjerj; Sch; Z tw.
(hö-e, z.B. Dunstig, hö-i, z.B. ZitJ : 1. räumlich.
a) in vertikaler Erstreckung. Hochs Brod, hoher,
rundlicher Laib im Gegs. zum länglichen Doppellaib
fWeggenJ L; Syn. ufg'setzts Br.; am ZS. dagegen =
gut gesäuertes, daher hochgebackenes, luftiges Brod.
Höclie Chle, Luzerne, im Gegs. zum nidere', dem ge-
wöhnlichen Wiesenklee Z. Hohi Strass BSteif., Höch-
ströss L, Landstrasse; vgl.: .Es soll ein Jeder [beim
Fahren] der hohen Strassen sich bedienen.' 1702,
Schw Rq. ; vgl. auch engl, hightcay und (in der Anm.)
den Ortsn. ,Hochstrass'. Z' h. dinge', beim .Bolleilen'
sich durch den Ruf: dinge (z') h., den Vorteil aus-
bedingen, stehend und aus hoch gehaltener Hand
zu werfen, was durch den Gegenruf Bott h.! eines
Mitspielenden aufgehoben werden kann S; vgl. tschierg.
En höche Bugge", ein krummer Rücken, Buckel Ap; Z.
Hinde' vorne" weder [als] höcher, sagt man von einem
sonderbaren Buckel Bs (Spreng); wahrsch. mit ab-
sichtlich verkehrter Wortstellung, um dadurch die
körperliche Missbildung zu bezeichnen. H. cheue',
mit hoch gehaltenem Gaumen kauen, wie man tut bei
einer unserm Geschmacke nicht zusagenden Speise;
dann bildl.: Etw. widerwillig tragen Z; vgl. kü"en,
däiten. ,Hohe Wehr', wahrsch. identisch mit ,lange
Wehr', im Gegs. zur ,nidern' und ,kurzen W.' lange,
auf den Schultern (st. an den Seiten), also ,hoch' ge-
tragene Feuerrohre und lange Schlagwaffen umfassend.
,Dass sie gestattet haben, verbotene und hohe Wehr
zu tragen.' 1618, Absoh. (betreliend die italienischen
Vogteien). Wie andere Adjj. des Masses zuweilen
mit Gen. ,Ungefähr eines Schuhes h.' Steinm. 1804.
Vom Lebensalter. H. i' de" Zwänzge", näher den
Dreissigen als den Zwanzigen Bs; Z. Höcher uf de"
Jöre" ist das Frnuli unpUssli''' und schwach icorde".
JSenn. Bildliche RAA., z. T. sich mit 2 berührend :
Uf-etn höche" Boss hocke", gross tun S. , Uf de" (sine")
höclie" Bosse" sl" (sitze"), supercilium altius tollere,
arrogantius se gerere, insolentius se efferre, conturaa-
cius se erigere.' Id. B; vgl. ,vom Ross auf den Esel
kommen' Bd I 515. 0^3^)/« h. (uf-Jne", uf die h. Achsle"
ne", Etw. als eine Beleidigung auffassen, empfindlich
sein für Etw. allg. ' ,Er het 's gar h. g'no", sermonibus
ejus per contumeliam se provocatum putavit.' Id. B.
,Etw. auf die hoch achslen nemmen, aufnemmen. als
ob es aus .stolze und übermuet geredt wäre, accipere
973
Haoh, hech, hicli, hoch, liuoh
974
alqd in superbiain.' Mal. Vgl. mhd., hohe icegen.
D' Sach h. träge', mit hohen Ansprüchen auftreten,
sich ein Ansehen geben, den Kopf hoch halten, hoch
hinaus wollen; dafür in Ap: h. tue', h. uben-ie cho'.
Höcher tue", a's man ist, höher fliegen wollen, als
Einem die Federn gewachsen sind Ap. ,H. dra' u-elle',
ad apicem fortunse tendere, bene dotatara virginera
ambire.' Id. B. H. (h. ohe") sl", hoch streben, stolz
sein G; ScH; vgl. es doben han Bd I 51, hoch im Geist
Sp. 489, hoch-trayen(d), , -fahrend, -trabend; Jmd von
oben herab behandeln', und ,Intonare, hoch einhin
reden, stolzlich und prachtlich toben, bochen, hol-
deren.' Fris. ,Er ist darab h. worden, mnltum ei ex
hac re arrogantise accessit.' Hospin. 1683. Von Ge-
danken: Er redt-mer z' h., i'''' chann-ne' nit versta" B;
vgl.: ,das ist mir zu h., hujus ego rei rationem non
assequor.' Hospin. 1683. ff. ha", angetrunken, be-
trunken sein Bs; Th; Z; Syn. d' oben oder im Kopf
ha, schlier g'lade" ha. Mer [wir] Beid hend erber h.
g'ha imd hend Allerlei g'schwätst. Schwzd. — b) fern,
nur in der EA.: Weder hoch no''' noch ist Niemer
g'si', weit und breit war Niemand zu sehen TJ; eine
für ein Bergland nahe liegende Vertauschung der
Höhendimension an die horizontale Erstreckung. Syn.
weder wit noch nach. Vgl. mhd. höher stein, weiter
weg treten, afrz. aller en sus, hinweg gehen. Die
Eechtsformel .hoch und noch' s. unter 2 a. — 2. in
modalem S., bes. hohen Grad, Preis, Wert, Rang,
Mass, Stufe bezeichnend. ,Der Höchst a' Stimme'
sl", suffragiorum punctis caeteros superare.' Id. B. ,Von
denjenigen Alpknechten, die von der erhaltenen Milch
am meisten Butter und Käse verfertigen, sagt man, sie
haben zu höchst.' Steinm. 18U4 (G oRh.). ,Dank eiget
zum Allerhöchsten.' Gotth. ,Zue dem allerhöchsten
danken.' Zwingli. .Die Gott in hocher gesundheit
fristen well.' 1.524, Strickl. ,Dass die künst im höch-
sten sygind.' 1557, ZWthur Keuj.; vgl.: ,Er ist in
der kunst h. kommen.' Hospin. 1683. En höche" To"
a'schlah', stolze Worte brauchen Z. ,H. rede", magni-
fico, tumido dicendi genere uti.' Id. B.' ,Uf fusj-em
höchere* Ton ne", imperiose, niinaciter loqui.' ebd. ;
vgl. frz. parier d'un ton haut; mhd. hoch reden. ,[Die
Wiedertäufer] hebend die sach von Gott so h. an ze
reden.' Zwingli. ,Etw. hoch anziehen', hoch anschla-
gen, einer Sache hohen Wert beilegen : ,übschon das
alles war, so wäre doch diser fürhalt eben h. anzogen.'
1524, Absch.; vgl. ebd. IV 1 a, 165; ,h. verfasset'
Sp. 1061, sowie hoch 1. Bes. von Versprechungen,
Aussagen, Eiden, oft gehäuft mit Synn. Si''' h. und
tür rerscim-ere", schwer beteuern Gl; Z, auch h. und
heilig Z. ,Wer syn guet versetzt und hohe redet oder
sweret, dass es vormals niemandem versetzt sye.' 1430.
Bs Rq. ,Der hoch und tief red't [h. und fest ver-
sicherte], dass es die rechte warheit wäre.' Fründ.
.Das uns zuo hochem [wichtigem, ernstem] vorhaben
dienlich ze syn bedunken will.' 1530, Absch. ,Was
der Landvogt by hocher warheit bestätiget.' 1530, ebd.
,Sy bezügend etwan h. und tür, sy hörind dieses oder
jenes.' LLav. 1569; 1670. Ähnlich von Vergehen,
Verweisen, Anklagen, Strafen, oft übersetzbar mit
, schwer, streng'. ,Dass er im h. zuegeredt [ihn be-
schimpft] hab.' XIV./XV., L. ,Er hat mir "s dick h.
und tür verwisen.' JBinder 1535. , Hitzig und h. ver-
klagt werden.' 1535, Absch. ,Nach schärpfe des rechten
gestraft und darinne niemands weder rücher, höcher
oder wyter gehalten [werden], dann er verdient.' 1570,
Absch. Ebenso von Geboten, Bitten, Verpflichtungen,
Aufgaben, oft übersetzbar durch .dringend, dringlich,
eindringlich', 's ist höi ZU, die Zeit drängt, allg. ,Dass
söllichs by hocher verpflicht[ung] gehalten werden
sollte.' Waldm. Aufl. .Man wolle Zürich des höch-
sten gebeten und ermant haben.' 1522, Absch.; vgl.:
,H. und teur ermanen.' 1530, Tob. ,Uf anrüefung und
hocher bitt.' 1561, Esterm. Zur Verstärkung und
Steigerung von Adjj. ,Es ist unser hochflyssig bitt.'
1524, Z Schreiben. ,Die antwurt, die us höchhöu-
schender notdurft boschicht.' 1530, Absch. Bes. als
erstes W. in Titeln. ,Hochgeacht[et]', Titularpräd.
der Landammänner und Stattlialter Ap; Gl, in Bs
früher ,hoher Glieder des grossen und kleinen Rates',
in Z noch immer Anrede an obere Behörden. , Hoch-
edel' ein Titel ansehnlicher Glieder des grossen Rates,
auch vortrefi'licher Künstler, .hochfest' oder .hohedel
und notfest', erprobter Kriegsleute, .hochedle Gön-
nerinnen', ansehnlicher Mitbürgerinnen; .höh- und
wohledel will Nichts sagen, wenn nur eine Person
darmit gemeint ist; hohehrender Herr ist lächerlich
gesagt für hochgeehrter Herr.' Spreng. Hochgeert,
Titel der Seckelmeister. Landshauptleute, Landsfähnd-
riche Ap; .hocherfahren' od. .hochgelehrf , der Doctoren
und Professoren der Medicin. .hocherleuchtet' und
.hochgelehrt', der Professoren der Rechte, da man zu-
gleich (wie bei den Medicinern) das hochedelgeboren
vorzusetzen pfleget; .hochgelehrt', der Doctoren,
Pfarrer, Professoren und anderer, durch Gelehrsam-
keit ausgezeichneter Männer, während gewöhnliche
Magi.ster und Landpfarrer nur .wohlgelehrt' heissen;
,hoh- und wohlgelehrt' ist unschicklich gesagt; .hoch-
edelgeboren', Präd. der Staatsglieder aus dem Herren-
stand und der obern Kanzleibeamten, bes. wenn sie
zugleich Doctores und Licentiati sind. Spreng. .Hoch-
wohlgeboren', der Landammänner. das der Landes-
diener an der Landsgemeinde ihnen lieh Ap; ,hoch-
wohlgeborne. hochgeachtete Herren' titulierten sich
gegenseitig die Tagsatzungsgesandten und Regierungs-
mitglieder verschiedener Orte. .Hochwürdig', Präd.
eines kath. Geistlichen, .hochwürdigst' das des Bischofs;
Letzteres als Subst. Neutr. = das Altarsakrament.
.Hochwürdig', auch .hochehrwürdig' hingegen war frü-
her der Titel eines obersten Pfarrers und eines De-
kans einer h. Fakultät oder eines Landkapitels, eines
Professors der Theologie; .hochwohlehrwürdig', eines
Helfers bei einer Stadtkirche und eines Seniors unter
den Landpfarrern ; .hochweise' gehörte zur vollstän-
digen Titulatur eines Hauptes des Freistaates, neben
.hochwohlgeboren und gnädig'; in der mehrern Zahl:
.Euere Hochwohlgeboren, Hochweisheiten und Gna-
den.' Spreng. Ähnlich in jener titelsüchtigen Periode
auch an andern Orten der Schweiz. Alleinstehend
zur Bezeichnung des Ranges. Die Höche", Vor-
nehmen Gr; Z. Ei"'n h. ha", hochachten, verehren,
mit hoher Achtung behandeln Ap; G; Syn. ent-heben.
H. wennri, an hohe Ansprüche gewöhnen, verwöhnen
Ap. En um Näbes nüd h. ha". Einem für Etw. keinen
grossen Dank wissen Ap. Höchere G'walt vorb'halte",
Clausel bei einer Zusage Gl; G; Z; vgl Gott Sp. 508.
.Der hoche (höchste) G'walt'. die Landsgemeinde Gl;
vgl. in der selben Bed. : .die höchste Versammlung.'
1784, Absch. .Höchste Gewaltschlüsse', Landsgemeinde-
beschlüsse. 1779, ebd. Allgemeiner: .Die hochen
975
Hacli.
liicli, Iiocll, huc
97(5
G'wäld', die hohe (Landes-) Obrigkeit. Vilm. Schlacht
1656. ,Die Trinkstuhe zur Mucken hiess die hohe
Stube, sie war der Versammlungsort der ritterlielien
Geschlechter.' Bs XIV.; vgl.: ,Der raerteil gewaltige
Ton der hochen stuben [Herrenstube, Versammlungs-
lokal der Edelleute].' 1546, Absch. (Sch). Bes. auch
Ton der Gerichtsbarkeit, ,hohes Gericht', Blutgericht,
im Gegs. zu der niedern Territorialgcrichtsbarkeit.
,Was von dem nideren für den hochen Stab appelliert
wurd.' 1607, AAWett. Klusterarch. Damit im Zshang
der stehende Ausdruck: .hohe Besserung(Busse)'. ,Miss-
handlungen [Frevel], die der hochen buess berüerend
wären.' 1486, Bs Eq., wo auch dafür : ,die grosse
besserung.' S. noch Geleit. Von Festzeiten i. S. v.
heilig; vgl. (jrross. Hoh-Wuche', Churwoche BO. ,Man
lüt[et] allezyt mit hölzenen gloggen wie hie in der
hochwuchen.' 1497, HsSchürpp. .Zinstag in der hei-
ligen howuchen.' 1499, B. ,In der hochen Wuchen.'
1604, Ardüser; vgl. frz. grande semaine. Höh- (bzw.
Sü-J Dunstig, Donnerstag in der Charwoche B; S; Z.
Wenn man während der Hohen-Donncrstagsnacht einen
Hafen voll Wasser im Freien gefrieren lässt und das
Eis dann auf die Wunde legt, so heilt sie S. Am
H. soll-mu nid im Herd werche' [keine Feldarbeit
tun] «n* en feil Lüt meinen, die ganze Huhwuchi us
nid, süst g'ratet d' Saeli nid BBe. ,Ein köpf wyn uf
den hochen donstag.' 1495, ScHwWoll. Jahrzeitb. ,Am
hochen donstag (in der karwuchen).' 1499; 1500, Gfd;
1509, AAWett. Klosterarch.; 1585; 1607, Ardüser; vgl.
gruen. ,Am hohen Mittwochen vor Ostern.' 1473, Gfd.
,Am Hofrytag.' 1528, Gfo. ,Unz an den hohen sanis-
tag.' 1319, Z Katserk. Mit Bez. auf den Preis. ,Er
könne es verkaufen und auf den höchsten Pfennig
bringen.' 173'2, Hotz, Urk.; und ähnlich noch heute.
I"'' chomme z' höh, sagte ironisch ein über seinen ge-
ringen Taglohn verdriesslicher Taglöhner und gieng
ins Wirtshaus Scu (.\nekdote). ,D"s geit h., pretium
pecuni« auctum est.' Id. B. .Zue rechter zeit, da die
schleg [Preisansätze] zum höchsten, verkaufen.' 1590.
Bs Eq. — Specielle Verbindungen u. Bedd. a) ,H. oder
(und) noch', zu hohem oder niederm Ansatz, viel oder
wenig, z. B. von einer Busse (nach i. S. v. niedrig,
wohlfeil). ,Was jn [den Fährmann] die [die Kichter]
heissen hoch oder na [um hohen oder billigen Fähr-
lohn], vil oder wenig tuen, dem wollt er nachgän.'
1449, Uw Urk. ,Zue Eotenflueh hab ich [der Gerichts-
herr] zue gebieten und zue verbieten h. und noch
[d. h. den hohen und niedern Bann, von hoher und
niederer Gerichtsbarkeit].' Bs Eq. Vgl. noch: ,Die da
einem zwingherren gehorsam sind, h. und nach zu
dienen.' 1464, Bs Rq., mit der syn. Formel: ,Dass die
von Riehen einer Statt Basel gehorsamend, h. und
nider dienend.' 1548, ebd. ,Hoch oder noch, es gang...',
häufige Beteuerungsformel der Angeklagten im XVI.
= ich bleibe bei meiner Aussage ; viell. ebf. nur auf
die Höhe des Strafmasses hindeutend, viell. aber auf
das seit jener Zeit angewendete peinliche Verhör;
vgl. : ,Die Knechte, welche verdächtig sind, sollen ge-
fangen und höcher dann bim Eid gefragt werden,
damit die Wahrheit an den Tag komme.' 1513, Absch.
III 2, 743. — b) geradezu durch das correlato ,tief'
zu übersetzen. ,Wenn dem so wäre, so müsste man
es wahrlieh h. beherzigen.' 152'2, Absch. ,Die Sach
h. zu Herzen gefasset und ufgenommen.' RCvs. —
c) von der Stimme, eig. von der Tonhöhe, dann aber
durch Verwechselung dieser mit dem Tonmass, -Grad
geradezu = laut, hell; vgl. frz. haut. Hoch lüte", von
Hunden, mit heller Stimme (durch Heulen) auf den
Schall des Hernes Antwort geben Ap (Jägerspr.).
,Acuti litui, die hell und h. lautend.' Fris. ; vgl. dazu
Gell Sp. 208, haußthöchlich und: ,Hochlut, altisonus'
bei Diefi"., Gloss. Anders h. reden, s. oben.
Mhd. höi-lt, hö (letztere Form schon ahd. bei Xotker),
hoch, jross, stark, laut, vornehm, stolz. Der Uml. ist uu-
organisch eingetreten, wahrsch. in Anlehnung an Hochi oder
infolge Eindringens aus dem Comp, und Sup. / (bzw. j)
scheint urspr. inl. als Hiatustilger aufgetreten (vgl. mhd.
wäjen, blüejen) und dann auch infolge von Ausgleichung im
Aus), stehen geblieben zu sein. Vgl. noch tjäch (Sp. 99 ff.j,
/riieh (Bd I 1293), froh (Bd I 1270) und nach mit den
Nbff. näh, nach (Compp. nächer, näjer, naher). Die ä. Litt,
zeigt in Betreff der Anwendung des l'nil. und des Eudcons.
nicht immer Consequenz; vgl. noch folgende Belege: ,die
hochen Schneien; die hoche Notwendigkeit.' JHHott. 1666;
ebd. der Comparativ ,höcher', wie auch bei Haberer 1562 und
JMey. 1696. ,By der höhen buess.' 1549, Wthur Chr. ,Die
höhen gibel.' Vogelb. 1557. ,Höche gnade.' Haberer 1562.
,Höhe felsen.' Tierb. 1563. ,Von dem hochen Himmelstron.'
Lied 1712. .Hohgelehrt.' JMüll. 1665. Auch in den Compp.
und Flurnn., wo tw. der alte Lautstand noch erhalten ist,
zeigt das W., bes. gegenüber dem sonstigen Gebrauch, manche
Inconsequenz. So begegnen in Compp. hoch- und ha- (vgl.
z. B. Hochmuct, dagegen Bö-Wuehe) auch in Z (im Adj. und
Adv. dagegen hoch). In Ndw in Compp. hech-, hoch-, dagegen
Hö-Uippl. S. noch Hochfart (Bd I 1032), Uöch-Zit, mit
seinen Nbff.; Hü- und Hö-Liecht u. A. — Flurnn. HochcU,
Berggut Gl ; G'hoch ZB.är. Von den folgenden Zssetzungen
sind die mit hö(ch)- zsgesetzten Formen die älteren; in ihnen
wird mit und ohne Verkürzung des Voc. der Accent in vielen
Fällen auf das 2. W. verlegt. Die jüngeren sind die mit
hfich-. .Hochfelden' Z; ,-riueh (Hößef BMeir. ,Höch-Feld'
L, ,-Flueh' L, ,-Stetten' B. ,Hö-Farni' L; ,-Furren' B; L;
ZZoll., Name eines Höhenzugs (vgl. dagegen: ,uf Hochenfur.'
165:3, AaWett. Klosterarch.); ,-Gaut' (s. Sp. 337); ,-Graben'
(s. Sp. 679); ,-Grat' B; ,- Liebe' B; L; ,-Loch' L; ,-Mäd'
B; L (-Mädll); .-Matt' B; ,-Bach' W; ,-Rick' Sch; ,-Rain'
Ap; B; Z; ,-KUti' Ap; B; L; Z; ,-Schwand' B; ,-Schwerzi' L;
,-Studeu' B; ,-Stegen' B; ,-Stand' BGr.; ,-Strick' B; .-Wacht'
B; Z; ,-Wald''B; -Wart L (in ZO. die hoch Warte). ,Hö-
Berg' Z; ,-Rain' B; ,-Rän', Bergname, die ,Hohe Khoncn'
der Geographen, ,-Schutz' ZErl., Wasserfall, auch ,Han-
giessen' s. Sp. 470; ,-Stock' ZStern. In flectierter Form:
.hohen-', .hochen-', zsgezogen ,hon-', woraus ,hani-', ,hum-':
.Hohen-Klingen'; ,-Kasten' Ap; ,vo° der Hochen-Balchen.'
Waldenst. 1580; ,Hohen-Sa.\' G; ,-Schöreu' G; ,-Stollen'
BoHa. ; ,-Tannen' Th; ,-Twiel' (,vou hochen twiel.' Lenz
1499); .Honwalt.' XIII./XVI., Urk., jetzt und früher schon
in den Mandd. Hobel S; 's Höche'-HöniH, Gipfel des Hörnli-
berges Z; ,uf dem hochen Tal.' 1653, AaWett. Klosterarch.
(jetzt Hö-e-Val). ,Hon-Au' L; ,-Egg' Ap; B; L; G (wovon
der Familienn. ,Honegger'); ,ze Hon-Furen.' XIV., Gfd; ,Hom
(HamB)-Büel' L; ,-Bcrg' Aa (BergzUge); B; L (Hömbrig);
ü; Th (,Ham-'); Z (wovon die Familienn. ,Hom-, Ham-berger);
,-Burg' Aa; Bs; S; Th. Verdeckt ist unser W. in Humbd.
Iltimd. Hoh(en)bücI Z; .Höneri' (Hohenrain) L; .Höfterc'
(Hochdorf) L. — Wie die flectierten Formen im Allg. Aus-
gleichung nach der flexionslosen, bzw. präd. Form zeigen,
so scheinen auch Adj. und Adv. in den MAA. völlig zsge-
fallen zu sein. — Zu 1 a. Der Flur- und Ortsn. ,Hoch-
strass' Tu; Z, ,Hohstrauss.' 1464, SchGächl.; ,Hö- (neben
,hoch-') strass.' 1525, AaFri. deutet im Allg. auf alte Römer-
strassen. An einer solchen, die der Wigger entlang führte,
liegt Höstris (schon XVI., LAltish. Jahrzeitb., = .Hochstriss.'
1610; ,Hogestres, Hochsträss.' 1456, L Steuerb.; .oben an
der gassen, als man gät an das hochstraus.' LWillis. Jahr-
zeitb.). Strassen selbst, bzw. ihre Reste, werden noch be-
zeichnet mit: ,By dem Höstresse.' 1329, = .Hohstresse.'
078
I3:)8, = .Hochgestross.' 1391, Aarau ; ,Hochsträss' (aus
.Hochgesträss'), Römerstiasse längs des Murtnersees; ,Hoch-
jiestiäss', Weg zw. dem verschwundenen B Dorf Wyden und
l'nterseen. Mö-Oaträse heisst auch infolge Übertragung (s. o.
unter 1) der Grat, welchem entlang man auf den .Stollen'
des Hasliberges gelangt; vgl. .Hochstrasshof , Name eines
Bauernhofes an der hohen Strasse auf dem Borge AaB. Das
W. kommt den alten Römerstrassen darum zu, weil sie aus
militärischen Gründen in der Höhe gehalten oder auf Däm-
men angelegt wurden. Vgl. auch das syn. Heiden-, Hlr-Weg.
Die Bed. , Landstrasse' (s. unter 1) erklärt sich am ein-
fachsten daraus, dass der Strassenbau der spätenn Zeit sich
an die römischen Muster anlehnte. Vgl. auch Mone 1845,
S. 139/148. Hieher auch der Familienn. ,Hochstrassei' Z.
— In h. hau mag h. abgekürzter Ausdruck für h. g'ladai
sein: doch könnte es auch einfach das hohe Mass, zu welchem
das Genossene angestiegen ist, bezeichnen ; vgl. das syn.
'j'nufiy han.
ebe°-höch: genau gleich hocli Aa; „bes. von
einem Hause, welches so an einen Hügel gestellt ist,
dass es nicht über ihn hervorragt, folglich durch ihn
vor Lawinen geschützt ist, frz. en niveau Gr." — Als
Subst. Ehe'-höfchj b. GrD., Pr., -höfcliß f. GrD. ; W ;
ZWäd.: 1. ein mit dem Hauptgebäude gleich hoher
Anbau, Flügel ZWäd. — 2. vom Boden aus schief an-
steigender Erd- od. Steinwall, a) Lawinenbrecher W,
zum Schutze eines Gebäudes gegen Lawinen entw. un-
mittelbar an diesem angebracht und zu dessen Dache
oder darüber hinaus reichend GrD., L., oder aus einem
abgesonderten Hügel bzw. überwachsenen Steinhaufen
liinter dem Gebäude bestehend GRÄnt. Syn. Spalt-Egg
(Bd I 158), das aber im Gegs. zu E. ein eigentliches
Mauerwerk bezeichnet. — b) = An-, In-Far 1 (Bd 1
887) GRPr. — (ver-)ebe°-höhe», bzw. -hohe":
das Niveau einer Dachfläche mit demjenigen der Berg-
lehne ausgleichen, es bis an den Berg verlängern, so
dass die Lawinen darüber hinweg gehen; ein Haus
an den Berg anlehnen Gr; davon Ebenhöhet, Vereben-
hohet n., so construiertes Gebäude Gr.
Mhd. ehvnhoelie, Belagerungswerkzeug, das in gleiche Höhe
mit den Mauern bringt; so noch: ,Da man wollt für Thun
ziehen, hat man gemacht katzen, ebenhöchinen . . .' 1370,
.Justinger.
über- s. überhöchen. — hüs-, auch 7(i7ses- Z: wie
nlid., doch bes., ähnlich wie nhd. ,turmhoch', zur
tj-pischeu Bezeichnung einer auffälligen Höhe. allg.
Du isch-mer en Avipeh" [Licht i. S. v. Einsicht] ttf-
g'gange", hitshoch Bs (Schwzd.). H. g'rerlre', sich
schwer irren Z. — chäs-: klein von Statur (verächt-
lich), allg. S. noch Käs, Boden-Zweck.
g'münd-: so hoch wie die aufgestellte Hand mit
emporgestrecktera Daumen, z.B. von der Specklage
des Schweines (typ. Bezeichnung) GLÜbst.; Schw. —
Mhd. tjemünde, Spanne.
turn-. Turrtihöch lid ^if'mÄtpli d'r Schiitthüfe"
GRPr. (Schwzd.).
huche°: hoch werden, in die Höhe wachsen. Dul.
,be-: unpers., schwindeln BSa. Es b'hohet mir,
■i. B. an einem Abgrunde." - Wahrsch. eig. = ,(zu) hoch
dünken'; vgl. b'langen, (zu) lange, mhd. htvitn, (zu) viel dünken.
Hochheit f.: Hoheit, als Inbegriff der Hoheits-
rechte. ,Es sind alle die Fryheiten, so [die] Herren
der Stift an disem Wald gehabt, äussert der H. und
dem Malefitz (so sie selbs der hochen Landesoberkeit
übergeben) ihnen von einer Oberkeit bestätiget wor-
den.' U)71, Hotz, Urk. Daher legten sich die Glieder
Schweiz. Idiotikon II.
der h. Regierungen der eidg. Orte im XVII./XVUL
den Titel ,H.' bei. ,Bis auf fernere Verordnung der
Hoheiten [der das Tessin regierenden Orte].' 1748,
Absch. — ,Hochheit' auch bei ClSchob. 1699.
hoch-, höchlecht: 1. ziemlich hoch Z. ,Dry
hochlecht Becher.' 1612, L Stiftsurb. .Einen hoch-
lochten Becher.' XVL, B. — 2. laut. ,Hochlächtig
g'lächter, risus tremulus.' Mal. S. hoch 3 c.
hochliche": Adv., in hohem Grade, höchlich.
,Pharisäer, der sich syner eignen g'rechtigkeit so h.
tröstet.' GuALTH. 1559. S. hoch haupthüchliygen.
*hochsam hösam II: stolz, unfreundlich, hoch-
mütig W. — Vgl. (««am, sofern es aus tOcheam zu erklären
ist. Übrigens Hesse sich komm II wohl mit h. I vereinigen.
höche", „höchene"" : 1. = 7iöc/jew. allg. 'sWas-
ser hOchet, steigt. De"" Miststock höchet Z. — 2. er-
höhen, erheben, hoch machen. ,1415 ist die kirch
gewytert und der turn angehept ze hochen.' Vad.
,Hettestu meine auserwelten nit alle zeit getötet, die
schleg deiner bänden gehöcht.' 1531/48, Esra; dafür:
,die Hände zum Schlagen erhöhet.' 1667; = .aufge-
hoben.' 1882. — ebe°- s. eben-hoch.
über-: 1. an Höhe übertreffen, -ragen. ,Überhoch,
nit ze überhöhen, das man nit übersteigen mag, in-
exuperabilis.' Mal. ,Die gäns sind ser hoch aufge-
flogen, aber die falken habend die gäns überhöhet,
so hoch, dass man sy nit mer sehen mocht.' Vogelb.
1557. ,Der Larvierten [Maskierten] Summ die Schauer
überhöcht [an Zahl übertriff't].' CMet. 1657. ,üb es
ratsam sei, in Heutelia viel zu fortificieren [Befesti-
gungen anzulegen], sintemalen der Vierenteil der Stät-
ten von Bergen commandiert und verhöcht seind? Er
antwortet, was die Hauptstätt antreffen tut, ob sie
gleichwol überhöcht sein mögen, so . . .' Hedt. 1658.
,Hat der Rohrführer [einer Feuerspritze] das Feuer
überhöhet, dass er von oben herab darzu kommen
kann...' Z 1790. Bes. als militärischer Ausdruck, eine
höhere, beherrschende Stellung über dem Feinde ge-
winnen, einnehmen ; vgl. Anm. zu eben-hoch. ,Sy ha-
ben sich by Zug uf eim berg gelagert, die fynd ü.
wellen.' 1531, Strickl. ,Etlich der unsern lufiend den
fuessweg uf den rain, überhochtend die reisigen, die
mochtend inen us der gassen [Hohlweg] nit zue [reich-
ten mit den Waffen nicht an sie].' Vad. ,Die Prätti-
gäuwer aber das [die feindliche Verschanzung] band
überhöcht, die Berg erstigen, das spanisch Volk muesst
underligen.' Lied 1622. — 2. bemeistern, bewältigen.
,Der Böse gedachte, den Riesen zu ü.', ihm den Rang
abzulaufen. Jecklin 1876. ,Ein starker Mann, der den
Tyroler ü. dürfte.' KARütish. 1880. ,Sie händ wasser
zuehin treit, dass man das für glych überhöcht und
gebastget.' 1540/78, Wthur Chr. (od. zu IV). - Mhd.
überhoehen, sehr erhöhen, übertreffen.
er-: 1. wie nhd.; höher machen. ,1501 ward der
kilchturn erhöcht.' Z Anz. — 2. an Höhe erreichen.
,D' muren nit zue stürmen sind, sy mögend ouch für
die statt nüt [d. h. keine Belagerungstürme] bringen,
dass sy die mur erhöhind mit.' JMurer 1559. — Mhd.
crhoehen, erheben.
uf-er- = , erhöhen'. ,Die fyend des Herren, so-
bald sy uferhöcht und in ereu sind.' Zwingli.
ver-: höher machen Ap, auch ver-höchere". S. aucli
noch überhöchen.
62
979
Hacli— hncli. Hachs— liuclis
980
höchere": 1. höher werden, wachsen. „Der Mut
höcheret (sich)." Mi^r höcherid afengn, kommen schon
höher Ap. — 2. erhöhen, steigern. ,Ist der, dem das
gehotten wird, ungehorsam, so mag der herr das ge-
hott h., ye höcher.' 1472, GT. Arch. 72. ,Fleischtüre.
Fleischschatzung (umb 1 hlr) gehocher(o)t.' Kessl.
,Dass ir den zoll belyben lassind und den nit höch-
rind.' Väd. ,Die B'lonung wegen den Luchsen, die
umbracht werdend, g'höcheret.' 1632, Gl. — Mhd.
hoehern, höher machen; abs., den Preis erhöhen.
Höchi f., in PP.; W Heß (neben HecM), in Gr
ObS. Hehi — PI. Eöchen-,, bzw. Hejine : 1. Höhe
(abstr. und concr.), An-, Berghöhe, Berggipfel; auch
bildl. allg. Uf de' Höchene" schneit's; über d'HÖchene'
ga". jEöchene, loca altiora, montana.' Id. B. ,1» d' H.
ga", ascendere; suraptus cumulare; d' Büecher gange'
i' d' H., comparando libros impensas valde augemus.'
ebd. D' (die recht) E. ha", den Höhepunkt erreicht
haben, auf dem rechten Punkte sein, meist iron. im
S. V. (zu) hoch hinaus wollen Ap; Bs; Gl; Z. ,Sie
spotteten, dass es die rechte Höhe habe, wenn der
Lehrjunge der Meisterstochter hoflere.' Met.-Mer. Bas
ist die r. Eechi vo' dem LunqM"-Veh, so weit muss
es bei diesem Gesindel kommen, solche Absichten hat
es. Balz 1781. Vgl. auch Gr. WB. u. s. noch guet
Sp. 540. In Olli E. singe', aus voller Brust hoch
hinauf s. ZS. ,Uf aller höhe im Gütsch.' 1560, L
(Gfd). ,Der schnee hat sich in den höchinen oder
wilden landen bis uf ölf quart tüf gesammlet.' 1598,
ARDiJSER. ,Wann uf den Höchenen in Alpen Grasweid
ist, soll man die Geiss uf der Höche weiden lassen.'
1607, U. Als Flurn.: Eöchi L, EöfiJ GA.; ZO., Zoll.,
Bad-Eö-i ZEgg, Schmitte'-Eö-i ZHirz. — 2. Stock-
werk PP.; W. ,Das Haus hat nur eine Höhe und die
Pfarrer mussten unten im Mauersaal wohnen.' Euppen
1861. As Eus von dri Eejunu. Ober-Eechi (-Eeji),
Oberstock; Syn. Obeni, Ober-Eüs.
Mhd. hoehe in Bed. 1 ; vgl. schon bei Notk. : ,die huhina
(altitiidines) dero berge'; ,die höchinen besetzen.' 1468,
Absch.; ,in höchinen.' Riief 1550; ,tou seinen höchinen
herab.' LLav. 1582; ,in die Höche bauen.' 1620, SchwE.
Klosterarch.
Neben-: Anbau, i. S. v. Ebenhöch 3. ,N. N. be-
gert holz zuo einer uebethöchi an syn neu hus.' 1555,
Hotz, Urk.
Sprung- s. Sprung.
Dach-. ,N. N. begert holz, ein nebetböuli [An-
bau] ze machen, damit es zuo einer tachhöchi komme,
was nebenthalben an das hus gehenkt ist.' 1555,
Hotz, Urk.
Höchling, nur als Familienn. ,Der schnyder H.'
c. 1550, Z Urk.
haupt- (in Bs; L; S; Z auch haut-, in BsTerw.
7M<f-) höchli°g(e") Aa; Bs; Gl; L; G; S; „Zg;" Z,
hopphdli:"g(e") GSa., haupthdli"g(e') Gl: 1. Adj. und
Adv., Hauptes, Manns hoch Aa. E. ufschiesse', wachse',
hoch, schnell aufsprossen, von Pflanzen; h. uffare',
zornentbrannt hoch aufspringen AAZein.; 7t. itfstä',
sich auf die hintern Beine stellen, z. B. von einem
Pferde, ebd. — 2. nur Adv. a) mit hoch, stolz auf-
gerichtetem, erhobenem Haupte Aa; L; „Zg." —
b) im höchsten Mass, mit aller Macht, grossartig Aa;
Bs; Gl; L; G; „Zg;" Z. E. tarne', voll Lust, Ver-
gnügen L. E. Gugelfucr trtbe" ZMönch. D' Bäum
blüeje h., in voller Pracht Bs. Es gat h. zue, geht
hoch her, z. B. bei einem Essen ; „der Aufwand, das
Wohlleben wird auf den Gipfel getrieben" L; ZU.
Vom eiligen Laufe, Hals über Kopf Gl; GSa. Was
chtmnt iez au"'' dort für Eine'' eso hopphölege, laufst
nit, Äj gilt 's nit? GSa. (Proph. 1855). Von Beteu-
rungen, Aussagen, hoch und teuer, alles Ernstes L;
„Zg;" Z. Er hed h. behautet, er heig Frösche' g'seh
mit Schii-änze' L. Öppis h. laugnC Z. — c) von der
Stimme, lautschallend, überlaut Bs; Gl; L; S; Z.
E. singe'; aus voller Kehle, h. lache', hell auflachen.
Sofern das W. in abstr. Weise zur Bezeichnung eines
hohen Masses, Grades dient, erscheint sein Ursprung ver-
dunkelt und haujit- kann (bes. auch in 2 c, wozu das Syn.
hau2>t-helti(/ bes. zu vergleichen ist) einfach als abstr. ver-
stärkend (vgl. haupt-guet, Maupt-Straf) aufgefasst werden.
Vgl. noch hock-httuptlingm und zu 2 c bes. das Folg.
lüt-höchli°ge'' = haupt-h. 2 c BBrisl. X. lache',
grlne'. — Vgl. hoch luten bei hoch ;> c.
HOchli In.: 1. Griff, Handhabe in der Mitte des
Sensenstiels (für die rechte Hand) Aa; „LG. ;" S.
Synn. s. bei Eauchen. — 2. = Grätten-, Eön-Arm,
Deichselarm L; s. Bd I 453.
Vgl. die Anin. zu Hauchen, wobei zu beachten ist, dass
auch die unter 2 bezeichneten Hölzer gekrümmt sind. Dem
Sinne entspricht übrigens genau bair. ,Hachel'; doch dUrfte
unser W. zunächst aus Hauchen oder Hüchen durch An-
lehnung an hoch entstellt sein.
Höchli II n. : wolliger Schneeballstrauch, viburnum
laut. S NA. (JJäggi). Syn. Eulftere, Eüg-Baum.
Schwach bezeugt und nicht bestätigt; doch könnte es,
da der Strauch das zäheste, biegsamste Holz liefert, viell.
zum Vorigen oder zu Hüg-Baum gehören.
Hilche" m. : eiserner Haken, den man in die Mauer
einschlägt Sch. - Vgl. Hauchen, IIöchH, Hucchen.
llUche": (an)hauehen; nur in einem Segen gegen
,die bösen Lüfte': , Du bist gebucht [: gestücht].' Lüt.,
Sag. 544. — Für nhd. hauchen gilt bei uns sonst hichen.
llüchle": heucheln, wie nhd. allg., aber wenig
volkstümlich. E. und schmüchle', schmeicheln AaP.
- Hüchleri f.: Heuchelei. GGotth. 1619.
hficlile": wiehern GA.. Synn. hehelen, hihclen, tri-
helen. — Vgl. bair. ,hicheln, hechezen'.
Htiehli n.: MittelgriS' am Sensenstiel AaF. - Vgl.
Hauchen, Höchli, Ilüchen.
Haech m.: Huchen, salmo hucho. XIV., G Hdschr.
,Trutta piscinaria, ein huoch, buch, hüech.' Fischb.
1563. — Auch bair.; vgl. noch Gr. WB. bei ,Heuch, Buch V.
Hneclie" m.: Schlittkufe Ap; TnSteckb.
Vgl. die Synn. (Schlitt-) Chuechcn und -Hauchen, ferner
unser chuchen: mhd. hüchen (nhd. ,haHChcn'); doch s. auch
Graff 4, 97/8.
heclisen: schlucken. ,Bibergeile stillet den höschen
oder das h., wo disos h. aus volle kummt' Tierb. 1563.
A'gl. Gr. WB. bei ,hechen, hechzen, besehen' und unsere
Synn. hkhzgen, hiijgen, hixen, h'dzgcn.
ent-heclisen: einem Tiere die Fusssehnen durch-
schneiden. 1404 schvfört N. N. Urphede, weil er ,vich
cnthechset'. L Staatsarch. '
Hachs— huchs. Haclist— luichst. llaelif
.•lit.
liucliz
llad
Mhd. ent?iehsenen, dass. ; zu hahse, Fusssehüe; vgl. noch
Or. WB. bei ,hechsnen.' Vgl. den Familienn. ,Hechsler' in
des» Fliirn. ,in's Hechslersacker' ZGimt. (Amtsbl. 1882).
Hoohsig, hüchsigen s. Hoch-Zit.
Höchster m. : Fuhrmann eines grossen Lastwagens
(s. Höchster- Wagen) GWa. So grob wie en H., sehr
grob, stehende RA. Sprww. 18Ö9.
Nach dem Ortsn. ,Höchst' am Rhein, wo ein Haiiptüber-
giu\s für die über die Gr Pässe kommenden, nach Deutsch-
land ffelu'nden Waaren war.
Hacht s. Ilahich. behaucht s. hehankt.
H*cht ra.: 1. wie nhd. Am H. ist der Schicam
(his Best. Ineichen. Von chllne' Fische" wörid d' H.
gross. SüLGER. ,Man befindt etlich unterscheid bei
unsern fischern die h. betreffend: die, so umb die ror
wonynd, werdend rorh. genannt; andere, so in den
tiefinen, seeh.; item etliche von der zeit raerzenh.
und nach ostern von der grosse grosso h.; item grundh.'
FiscHB. 1563. ,Der gemeine spruch: ein h. ist ein
ränber.' ebd. Häufig als Wirtshausschild und daher
Hausn. Ap; G; Zg; Z. ,Der wirt zu Baden zum h.'
1.526, HBüLL. — 2. übertr., Mensch, Bursche, Ueselle.
Er ist en eigne H., ein sonderbarer Kauz Z. — 3. in
der Schwurformel: bim H., euphem. für bim Hagel Aa.
Mhd. hecli(e)t, dass. ; ans ahd. hachit; Tgl.: ,Pisces, hechid.'
1178/97, XJwE. — Zum Wirtshausschild Tgl. ,Salm', Beides
vornehmlich an Orten, welche an einem Gewässer gelegen
sind. Zn Bed. 2 s. auch Gr. WB. und Tgl. Gotth. XVIII,
S. 153 und II ach 2. Zn 3 Tgl. ml Secht, bei meiner Seele.
Gras-: Hecht im 1. Jahr, so benannt von seiner
grünen Farbe. FrTschudi.
llichzgen : schluchzen. ,Nit reden, sunder er-
schrocken h.' Z Bib. 1560. — Vgl. die Anm. zu ,hechsen'.
V e r-liiicliz(g)en : verspotten, verhiihnen. ,Er schrybt
so schantlich, dass wir billich jn als einen gottsfyend
verhuchzetind.- Gyrknr. 1523. ,Dass sy werdind zur
eini:pde, zur wüeste, zum verhauchzgen und zum fluech.'
1531/96, Jerem.; dafür: ,Gespött.' 1667. - Wahrsch.
von mhd. huochen, höhnen, spotten.
Had, lied, liid, liod, hud.
Vsl. aii.-h diu (irinipe h<,f usw.
Hader m.: I.Lappen, Lumpen. Zu , Küchentücher'
fügt ein , Wäscherodel' von 1797 in Parenthese er-
klärend hinzu: , Hader, Wäschlappen.' Muster 1797.
Für das eidg. Schützenfest von 1865 wurde über die
Lieferung sog. ,ungerissener Hadern' für die Kugel-
fänge Concurrenz eröffnet. — 2. Streit, Zank. En H.
Wrichte", verursachen ScHSchl. ,[Er war] ein frid-
licher her. Keinen haider oder recht [Rechtsstreit]
liat er nie angehebt.' Sicher.
Mhd. ebenso. Bed. 1 sonst nicht Schweiz., dafür HuM,
Iluder. Betr. den Bogriffsübergang vgl. die Gruppe hud-,
sowie Gefttz, Anm. zu ßtzen und Fmete Bd I 1065. ,Hader-
Icnte', Zänker. Vad.
hadere" „G;" Seil; ZGrün., hädere° I L; GA.;
„Zg; Z", Dim. häderle» „Aa;" GTa.: 1. lebhaft auf
einander folgende, helle, scliarfe Töne von sich geben.
Spec. a) von dem schnatternden Ton eines in rasche
Bewegung gesetzten Rades L. ,Mit den Mitrailleusen
hörte man in alle Nacht h.' Wächter a. Pil. Übertr.,
von einer redseligen Frauensperson: Si hed d' Belle
[Korn-Rolle. -Fege] a'g'lä', dass 's g'häderet hed Z ;
Tgl. es Mid ha' wie 'ne Belle und schnädercn. — b) von
den ersten Sprechversuchen kleiner Kinder, lallen,
stammeln Aa; L; G; „Zg; Z". Auch von der schnellen
Rede Erwachsener, ebd. Synn. guschlen, linderen, blö-
deren,, blöderen, bralatzgen, brudlen, schneideren. —
2. „einen Wortkampf führen L; Zg; Z;" laut murren,
schelten GA.; Sch. D' Mueter het g'häderet mit-mer.
ver-hadere" Z tw., sonst -hadere": 1. ver-
wirren, verwickeln, z.B. Garn „L; Zg;" Z. Getreide
wird verhaderet, wenn die Halme des schon ausge-
breiteten vom Sturm oder von Hühnern durch ein-
ander geworfen, diejenigen des noch nicht geschnit-
tenen hingegen t. geknickt, t. an den Boden gelegt,
t. nach verschiedenen Richtungen gebeugt werden Aa;
„L; Zg;" Z; Syn. ver-huderen, -hüeneren. Vgl. Ge-
hääer, Gehüder.' Hanf ist verhädert, wenn er infolge
zu ilithtLii Standes verkümmert, schlecht ausfällt BR.
Übertr. .hic l.u/erner Regierung scheint verhedert
zu sein |iiilnl^(j einer Wahl mit verzettelter Stimm-
abgabe]. Man weiss noch immer nicht, wie viele
Stimmen joder der Kandidaten gehabt.' B Dorfzeit.
1869. — 2. si'"' verhädere", mit Jmdn in Streit ge-
raten Z. — 3. verschwenden'? ,Ub der mann die
schulden nit selbs bezalen mocht, sollen der frouwen
erben die selben helfen bezalen, vorbehalten spilgelt
und was ein mann verschliege und verhadrete.' 1518,
Ztschr. f. schwz. R. 25, 267.
Betr. das Verh. der Bedd. 1 u. 2 vgl. ,Hader' 1) Fetzen,
2) Zank; fötzen, zanken, von , Fetzen'; Wirri-Wiirri 1) Wirr-
warr, 2) Streit; Gnskte 1) Gemisch von Flüssigkeiten, Ge-
menge TOn Abfällen, 2) Zank. S. auch Gr. WB. IV 2, 119 o.
Zn 3 vgl. die Synn. vcr-hudlen, -huderen, -luvipen.
be- haderen: ausschelten, -zanken. ,Myn vatter
anfacht [beginnt] mich b., darzuo schelten.' Rüef 1550.
Haderi f.: Streit. ,Wer sich in dehein h. henket
[mischt].' XV./XVL, B Taschenb.
G^häder n.: 1. etw. regellos durch einander Ge-
worfenes, Wirrwarr, z. B. durch Wind, Regen, Hagel-
schlag zu Boden gepeitschtes Getreide Z; vgl. ver-
hädcren. Rasch nach einander ausgestossene, verwor-
rene Laute (z. B. vom Lallen des Kindes, s. haderen 1 b)
od. Worte, erhitztes Wortgefecht L; Zg; Z. Verwirrung,
Verwicklung, verwickelte Streitsache, ebd. ,Evolvcre
se ex turba, sich aus einem geträng machen, sich aus
einem gehäder schwingen und ausschlöufen.' Fris.
Zank, Streit, Hader, Zwist Aa; Vü.; Z. I-'s G'hilder
und i" 's G'häder ie clio", in der Leute Mäuler kom-
men; Streit bekommen Z. ,Also stuendent wir mit
dem patron 8 tag in eim g.' HsSchürpp 1497. ,Vil
Zanks, gehäders und Unwillens.' 1526, Egli, Act. ,Willt
du wyter haderen, so suech einen anderen, der dynem
ghäder uslose.' HBull. 1531. , Damit wir nüt tüegind
US g. [Streitsucht] und verbunst.' ebd. ,Die knecht
mit biderben lüten muetwillig ufrucr und g., sie ze
houwen und ze stechen, ang'fangen band.' Ansh. ,Mars,
der gewönlich krieg und g'häder anricht[et].' 1519,
Had. lied, hid, hoil, hud
Wthdr Chr. ,Welliiid sy etwas ansprach oder ge-
häder an garten han, so sollend sy es im sagen, er
welle nit zanggen noch haderen.' 1550. ebd. ,Con-
tendere, ein span oder ghäder mit eim haben.' Fris.
1574; dafür 1568: , einen hader und zanli anfahen.'
,Disceptatio, der span oder stoss, das g. oder reehts-
handel.' Fris.; Mal. .Darnach erhueh sich [an der
Disputation] ein lang vilfaltigs g. zwüschen Zwingli
und Grebel von den missbrüchen der mess.' HBuLi.
1572. ,Spän und fyndselig g.' ebd. ,In disem Zank
und G.' RüEGER 1606. S. noch Gefttz und Gefretz
(ßd I 1344). — 2. G'häder, neben Hader, etwas mit
Fäden Behaftetes, z. B. mit Flechsen und Sehnen
durchsetztes Fleisch; auch etwas Zerrissenes Ndw;
Syn. Gehüder. — Zu 2 Tgl. Ge-ader (Bd I 88), mit wel-
chem Vermengung scheint Statt gefunden zu haben.
häderig, -isch: 1. schmachtend, von Mädchen
SB., NA.; geil, von Dirnen AAZein. — 2. zänkisch,
streitsüchtig, eifrig. ,Bös, hedrisch lüt machen Un-
einigkeit mit stryt.' Lenz 1499. ,Dass ir üch nit mö-
gind klagen, ich sye hie nun hädrig g'syn.' UEckst.
jUnnütz, hädrisch geschwätz sollen vermitten belyben.'
B Disp. 1528. ,[Der Pfarrer] ist zuo vil grob am
kanzelundh.' 1530, Eglt, .\ct. ,Wie 'vernünftig einer
wäre, so er nit irer sekt was, ward er us dem Bat
getan und die hädrigesten an ir statt genommen.'
ValTschddi 1533. ,Häderige, unrüewige g'müeter.'
HBüLL. 1561. ,Sara ist allen wybern ein Vorbild, die
so häderig sind und wild.' Haberer 1562. ,Delitigare,
h. und zänkig sein. Puguaoitas, Streitbarkeit, kyb,
häderige.' Fris.; Mal. ,Dise mein raoinung weiss ich
wol zu erhalten bei verständigen leuten, die nit h.
sind.' SiML., Eeg. 1577. ,Die aufrüerische, zänkerische
und häderische Lacedämonier.' Zwinger 1586. , Keiner
Etw. häderig verachte.' 1621, Bs Lied. S. noch trölen,
Ernst.
Mhd. haderrht, hederisck, in Bed. 2. Ohne Uml. noch bei
LLav. 1582: ,Ein haderiger mann.' - Bed 1 erklärt sich
übrigens ungezwungener aus haderen Tl.
Häderli I m.: Name eines im L Ostersp. v. 1583
auftretenden Teufels.
Viell. aufzufassen als der ,Geist der Verwirrung, Zwie-
tracht'; vgl. ßehuder und frz. advereaire; vlell. aber auch
mit Häderli II i. S. v. ,der Hurtige' zu vereinigen. Eben
so wenig lässt sich die Bed. des Z Familienn. Häderli mit
Sicherheit entscheideu.
Hadi: Mädchenname, Henriette Gr.
Hädcli s. Hattlen.
llädere" II (in AAFri. -ä-, in Z -.?-), meist dini. und
mit umme'- verbunden: unruhig, in überstürzter Eile
herumlaufen, bes. in kurzen, aber r:isch(?n Schritten
oder in Sätzen, wie kurzbeinige Ticn- (Katzen, Mäuse,
„Hasen"), kleinere Kinder, selteii'i vmh Ki wachsenen
Aa; L; S; Z. Syn. trähelen. Sidi ulKieil.ii Aa (It H.).
Es cha" h. wie-'ne Rcbhücnli. JJie Frai( haderet en-
andrigs-iio"'' [unverwcilt] überie" [hinein ins Haus]
AARned. Öjyjj's h. la", es, obschon man es verhüten
könnte oder sollte, geschehen lassen ZGlatt. Syn.
hopperen, hotteren, säderen lan; andere s. bei fladeren
und fladeren.
Tgl. dir' Synn. f>n»rtt-)hauderen, -hödelen, -Itüdelcn, -harren.
Viell. nifht \ n-rhinlf n von haderen I. mit welchem es die
Bezeiclinmii: •[, r li:i^tii:rn, ungeordneten, übereilten Bewegung
gemein li:it: \-l. lii. W'K. bei .hadern' u. Anm. zu gii/ä;ien f.
Hadere" f.: unruhig, geschäftig herumeilende
Frauensperson, auch ein solches Kind ZO. Vgl. Hau-
derer. Dim. Häderli II: Schmeichelw. für ein leicht
und fiink laufendes Kind, bes. Mädchen, auch übli.
von zart gebauten Personen B oHa. ; Syn. Hodli.
haudendisch s. antentisch Bd I 589.
liandere": 1. Etw. mit überstürzter Eile tun, z.B.
fahren, reiten, bes. aber hastig und flüchtig arbeiten,
aus Nachlässigkeit oder Trägheit eine Arbeit ober-
flächlich betreiben und abtun Aa; Bs; L; ScnNnk.;
Th; Z. Driif los li., sich durch Dick und Dünn müh-
sam einen Weg bahnen, sich durchschlagen, durch-
arbeiten Gr. Wenn de Postillion h'soff'en ist und
driif los handeret ivie 'nen Fiirrüter Z (Schwzd.) ; Syn.
niinini'ii-'iluuVeH. Gelegentlich auch tr.: Öppis ane'
h^. ol,,Miliiii ahtun Z; Syn. ane" -hudlen. — 2. sich
In raiii-.tii'iti'iL, -zanken Gr. Schi heind lang g'hau-
deni, z. B. in einer Versammlung. Mit einander plau-
dern Gl.
Die Gruudbed. des W. scheint ,unrnhig, ziellos hin und
her fahren', womit die bei Gr. WB. unter ,haudern' ange-
nommene Grundbed. ,schütte!n, rütteln' sich vereinigen liesse.
Vgl. das syn. hudlen mit seiner Sippe, sowie /.«irferen :ßuderen.
In der Stelle: ,Wo Jemands bim Wyn mit H., Juchzgen,
Schryen, Toben und Wüten öffentliche Ergernuss geben wurde.'
B Sittenmand. 1628 scheint das W. nach dem Zshang .Possen
treiben, sich lustig machen' (s. Hauderidau) zu bedeuten,
vidi, aber ist es als erweiterte Nbf. zu hauren, jauchzen,
zu nehmen.
abe"- über Eine', über ihn losziehen Gl; Syn.
aben-haincen.
ver- = verhaderen 1 Z; vgl. rerhauslen.
Ha ud er er m.: 1. (auch Haiideri) flüchtiger, un-
ordentlicher Mensch Aa; Bs; wer gedankenlos in Alles
hineinrodet GW. — 2. veraltete Bezeichnung der Post
(eig. wohl des Lenkers derselben) Bs. — 3. „Getreidc-
händler, Kornjude Th."
2 wohl verächtlich für das schwerfallige Fuhrwerk ; vgl.
das selbe W. in dem benachbarten Deutschland für den
Lohnkutscher. Doch vgl. auch Huderen, Hodel und seine
Sippe. Zu 3 vgl. das syn. Hodler. Es ist wohl urspr. der
Korn-Fuhrmann.
Hauderidau (PL -dauegn BR.) in BU. auch
Hauderihau ~ m.: 1. Wildfang, Lustigmacher, un-
überlegter, possenhafter, gleichgültiger Mensch, bes.
„Einer, der gern laclit und springt, doch mit etwas
plumpen Geberden und Bewegungen" Aä; B. LTn-
bändige, nachlässig gekleidete Person, bes. von Kin-
dern BR.; vgl. Haudien. ,Die Welt redet oft von
friihli.hen, leichtsinnigen, liederlichen Häuten, die
iuiincr hellauf seien, immer zu lachen machten, nennt
sie H,, Liu'hbenze, Hurlibuse.' Gotth. Bu junge H.,
u-ofttjst nuiiime' [nur] revolutze". JCOtt. — 2. (n.?)
lautes, lusti'ges Leben, in der RA. u. Geiss (Sp. 458) S.
— hauderidaue": fröhlich jauchzen und singen BHk.
Hauderihau, eine red. Bildung wie die sinnvwdten Hop-
pediho, HoUeho, Gügligilg (s. rjiigehn Sp. 159), ist wohl die
ältere Form, aus welcher die andere erst entstanden, indem
in Anlehnung an den die Hauptsilbe schliessenden Cons. d
für h trat. S. noch Uher-hau. V^enn die Angabe Sprww.
1869, 63, welche unser W. unter der Gruppenüberschrift:
,Nimmorsatt, Verschwender' einreihen, genau ist, so wäre
an das Syn. verhaderen 3 zu erinnern; vgl. noch hehauderen.
„Hau die" f.: sehr stürmisch einherfahrende
Weibsperson, mit dem Nbbegr. nachlässiger Kleidung
hiul
me
und ungi'kiiiimiteii Haares B.- - Vpl. IJ,„lh„. Iludd.
lliull.n.
be-handere": umkleiden, mit allerlei überflüssigen
Kleidungsstücken umhüllen. Ganz i"h'haudcret si",
z. B. in Schärpen Gl. — Setzt ein Subst. Hamhr(,n),
.Haiicren', Fetzen, voraus; \g]. ßauderig, Flauderen.
Hedere" f.: viel und laut schwatzende und lachende
Weibsperson ZNer.
Sfbeint eine blosse Ausweichung von Haderen mit An-
lehnung an die Interj. Iie (vgl. hsen, helcn, h'jxn, laut rufen),
Hfdi: Frauenn., Hedwig Aä; Z. Schon bei RCts.
c. KJOO.
Ge-heid 1 n. = Gdiei II i. S. v. Wolkenschleicr,
dünne Wolken BGu. — „geheid",-ig = gehei, i. S. v.
dämmerig, trübe, lichtdunstig BO.; GRRhw. Syn.
timber.
d ist wohl hiatustilgend zunächst im Adj. (s. gehei-iy)
eingetreten, ausser es habe, wie in nhd. ,Heide(n)rauch',
Anlehnung an ,die Heide' Statt gefunden oder es liege eine
Abi. auf abd. -idi vor. Stalders Schreibung ,gehedig' ist
ein Versuch, reduciertes ei (i^) zu bezeichnen.
Heid Im.: 1. im Allg. wie nhd., doch mehr ein-
geschränkt auf die als wild gedachte Bevölkerung
der Yorhistorischen, bzw. vorchristlichen Zeit (s. die
Flurnn. in der Anni.). Es sott si''' en 3. erbarme'.
Sblger; bes. aber auf die Zigeuner „B;" VOrte.
Als Dim. : Es u-ihh Heiti, ein wilder, mutwilliger
Bursche BSa. Wenn die Sonne in den Regen scheint,
sagt man: B' Häda hend Hostiy Ap. ,Hernach, wo
Altes und Junges zu leben angefangen wie die Heiden
im Wald.' HPest. 1787. ,Ein Heide ist nicht so lü-
stern nach Raub, als die [Bauern] nach der Zehnden-
Freiheit waren.' ebd. ,Üie Knaben des Dorfs durften
einer Schandtochter 4 Wochen nach der [ausserehc-
lichen] Kindbett einen Zigeuner-Tanz tanzen ; sie
bauten ihr vor dem Haus eine Heidenhütte von Tann-
ästen und Stroh darin und Mies zu einem Lager wohl
für ihrer 3 oder 4; wenn sie hinein wollten, spielten
sie mit ihrer Zigeunertrommel drei Mal um die Hütte
herum einen Heidentanz und die unordentliche Kinds-
mutter musste diese Hütte 6 Wochen 3 Tage vor
ihrer Tür dulden, sonst durften die Knaben ihr eine
neue bauen und wieder trommeln und tanzen; aber
das war nicht so fast sie zu strafen, als vielmehr die
andern zu warnen, dass keine eine Mutter werde wie
eine Heidentochter.' ebd. S. auch Heiden- Wib. In
RAA. und Compp. steht unser W. sonst fast nur in
abstr. verstärkendem S. Laufe", springe", flueche",
schimpfe' wie en H. Was weit-der [wollet ihr] mache",
wenn der sehuarz Ma" chunnt? Antw. Flieh, flieh
wie d' Seide" S (Spiel). En Heide"-Lug, eine un-
verschämte Lüge; es H-e"- Wetter, sehr schlechtes W. ;
en H-e'-Lärm(e"J; e H-e"-Arbet, sehr schwierige, ver-
driessliche A.; en H-e^Kerli, Teufelskerl u. A. S. auch
Heiden-Fur, -Geld, -massig. 0 fbotzj Heide! Ausrui
der Verwunderung, Freude, auch des Zorns und Är-
gers Aa; Bs; viell. zunächst elliptisch aus Schwüren
wie: botz Heide'-Wetter, -Güggel (Sp. 193), ,Heiden-
Gale' (Sp. 203); doch vgl. auch heide-heide. S. auch
H-en-briltsch und Heidoggel. In Uri haben sich die
Sagen von einer vorchristlichen (rätoromanischen ?)
Bevölkerung mit denjenigen von den Erdmännchen
gemischt. Im Heidenstäfeli, wo noch Gemäuer sichtbar
ist, pflegten sie zu käsen (vgl. Heiden-Hüs). Einst
tanzten sie im Tanzhaus zu Unterschächen. Ein Kind,
das sie heimlich beobachtete, lachte sie aus, dass sie
d' Feriele' vornache' und d' Zeche" liin''e''»iiche' hätten.
Die Heiden machten daher auf das Kind den Straf-
vers: Cldini Litli, TifeMUli, das ehlinsl das ärgst.
Auf einem Heustock feuerten sie ohne Gefahr. Als
es zum Aufbruch galt, schössen sie ihre Kinder wie
Holzstücke durch eine Lücke hinaus, ohne dass sie
Schaden nahmen. — In der ä. Lit. werden die .Heiden'
bes. in den Bettelmandaten sehr oft, als syn. mit den
Zigeunern (von denen c. 1414 ein erster Trupp in
Basel erschien), unter allerlei .fremdem Gesindel' ge-
nannt. .1519. Von einem beiden zu arznen und für
zerung.' B Taschenb. 1878. .Dass Zigeuner und Hei-
den überall in der Eidgenossenschaft sich herum-
treiben, und dass Männer, Weiber und Kinder stehlen,
was sie antreffen.' 1530, Absch. IV 1 b, 582; s. ebd.
1381; IV 1 c, 504; 1210; 1249. .Die beiden old bettler
US dem land verwysen.' 155'2, aLB. Ndw. ,Ich muoss
gan losen, was mir sag diser zeginer oder heit.' L
Neujahrsspiel. 1565 wird in ZGrün. Einer gebüsst,
,als er mit den beiden g'spilt.' , Zigeiner oder Heiden'
als Wahrsager. Gwerb 1046. ,1453. Die Zigeiner oder
Heiden kamen das ander Mal gen Solothurn, die ver-
zehrten um Brot 5 ß, Wein 4 ß und man gab ihnen
auf den Weg für 8 Ib. 5 ß.' Hafner 166ö, ,Es ist
Jedem erlaubt, den Heiden Degen, Bistohlen, Wehr
und Waffen und Fürrohr weg zu nenimen, um sie zu
vertilgen.' 1699, Ap LB. , Landläufer, Zigyner und
sog. Heiden.' Zauberei 1704.
Mhd. heiden m., dass., eig. subst. Adj., abgeleitet von
h-fide f. Das W. in zahlloson Flurnn., meist Örtlichkeiten
bezeichnend, an welche sich Sagen von einer untergegangenen
Bevölkerung knüpfen, wie auch Funde von Altertümern seither
den Volksglauben vielfach bestätigt haben; vgl. Z Anz. 1869,
S. 18. Immerhin ist in Flurnn. auili Ifcid II zu erwägen.
,lni Heiden', eine üIki- tb-ii oln r^tm W^iMi ni -> Iri.'nn- Gegend
Im WVispertale. «rlrli,. „aHi .|.i ^,j. mm. t -iih ii Weinberg
trug und dem .j'-t/t uiitru am l:.i- i\ i li . nJ. u. ■lurch seine
Stärke sich ausziicliui.nJeu .UeiJtii-Wcur dun Niiiiicn gegeben
hat. ,Heiden-Acker- AaFri. (der Fiuru. ,Heidel-Acker' ZBuchs
scheint dagegen auf Heidekraut oder Heidekorn zu deuten);
,-Altar' WVal. (alte Opferstätte): ,-Gass' GStdt (an der Ring-
mauer); ZKn., s. auch Sp. 451; ,-Grabeu' Aa; ,-Hald.' 1281.
ZAnz. 1884, 308; ,-Holz' ZEgg; ,-KeIler', It Mey., Ortsnn.,
S. 44; ,-Kanal', Bewässerungskanal römischen Ursprungs
WVisp; ,-Moos' BVfangen; ,ini H.-Mättli.' 16.53. AaWett.
Klosterareh. ; ,-Bad' LHohenr. (vgl. dagegen Cys. : ,Das Bad
im Ybenmoos ist von Heiden oder Zigiuern erfunden'); ,-Burg'
Züster, Bass. (alte Refugieu, s. Z Aut. Mitt. XVI 2. 75. 86
und vgl. die Sage bei Mey., Oitsnii.. S. 165); ,-Brugg'. erst
1500 abgetragene römisrlir r.i(irk,> nlni die Landquart Gr;
Rheinbrücke in SchSt. |u..v"ii 17:;:; l'fahlwerk gefunden
wurde); ,-Brunnen' BGr.; L.MuIl». (»oll einst bei der ver-
schwundenen Burg Rinach gesprudelt haben); UwGisw. (Sage
hierüber bei Lüt. 1865, 293); ,-Stäfeli' Gl (mit sog. Heiden-
häusern): ,-StafFelmatt' LSemp., nicht weit von ,Kirchbüel'
(vgl. Gfd 14, 3); ,-Stadt' B; ,-Turm' Obw StNikl. (nach
AKüchler 1886, 75 um 1100/1200 erbaut): ,-Weg' BGadm.
(Überreste eines gepflasterten Weges und des ,Heidenbrüggli';
von den Anwohnern auf Heidelbeerpflanzen gedeutet); FKcrz.
u. a. 0., ähnlich wie ,Hochstrass' römische Strassen bezeich-
nend; ,- Weiher' ThSteckb. (künstliche, viereckige Vertiefung
in der Nähe einer römischen Warte). ,Der heidnische Bühl'
WRaron. S. noch Heiden-Glogg, -Kilch, -Loch, -IS,„k und
Rochh. 1856. Hieher gehört wohl auch der Name Ihidiii-
Epfd Bd I 370, wozu heidnisch als Beiuanie verschii-deuer
Pflanzen zu vergleichen ist. Auch Personenn. : ,Peter Heid',
988
Nachrichter. 1454, Z. Auch: ,Der H. vou LE.' 1514. Absch.
III 2, 830 und ,der H. von F.' ebd. 952 scheint als Zu-
name verstanden werden zu müssen ; denn im XVI. erscheint
,Heid' mehrfach als Freiburgcr Familienname. Tgl. auch:
,Bonum dictum heidensguot.' XIV., Gfd und ,Welti heidens
wyp.' 1381/1420, L Ratsprot., mit erhaltener Ableitungs-
End. Betr. die Dim.-Bildung Haiti Tgl. Grinti : Grind, Binti :
Bind u. A. — Für das bei Gr. Myth. ' 173 aus der Schweiz
angeführte ,Heidenwerfen' fehlt uns jede Bestätigung.
heidele": heidnische Art an sich haben, heidnisch
handeln, sich benehmen. ,Das [den Heidenchristen]
angenem war, järlich zue den festzyten an [ein] wenig
haidenlen.' Kessl. , [Dieses] Carmen heidelet wie yü
andere poetische Einfähl.' GStäheli 1559. ,Bei so vielen
heidelenden Christen.' JJUlr. 1727. — Tgl. ßidehn.
Hoidenschaft f.: Heidentum, Gesammtheit der
heidnischen Völker (wie mhd.). ,Es ist ein wunder,
das" ein sömlichcr herrlicher mann [wie Hieb] under
der h. ist 'funden worden.' LLäv. 1582. ,Also kamend
sie in die h. [das Land der Türken].' BossH.-Goldschm.
Heideri f.: dass. ,Philosophi und ander weltwyse
in derh.' HBüll. 1572. — Analogiebildung nach .Abgötterl'.
hcid(n)isch: 1. Adj., wie nhd. ,Heidnisch Ge-
mür', dem häufig vorkommenden ,Heidenmauer' ent-
sprechend, Überreste alter, römischer Bauten bezeich-
nend. ,0b dem h-en g. in dem Ryn.' 1358, Vetter 1864.
,Ze dem heidenschen wege.' XIV., SB. = .Heidenweg'.
,Heidnisch Werk', gemustertes, mit Blumenverzierun-
gen durchwirktes od. gesticktes Tuch morgenländischen
Ursprungs oder abendländische Nachahmung von sol-
chem. ,Über die Betten, Stühle und Bänke waren in
den Häusern wohlhabender Bewohner Tücher von
H.-W. gespannt.' Bs XIV. Im Verzeichniss der Klo-
ster-Kleinodien erscheinen: .Drei Teppiche des heid-
nischen Werks mit Rosen.' 1357, AAKönigsf. ,Zwo
heidenschwerk sorgen mit nmbganden, gewürkten
listen.' 1469/70, Bs Test. ,Ein heidenschwerk ruck-
tuech mit den 7 todsünden.' ebd. ,Man fieng [a. 1529]
an, die kilchengewänder verkoufen, als messgewänder,
heidenschwerk udgl.' Bs Cart, 109. ,Das heidnisch
werk im tuech vor 'm altar werd zue einem mantel,
dass er nit erfriere.' NMan. (Testament der Messe).
jTapetum, teppioh, gewürkt tuech, oder heid(n)ische
decke. Lecto cireumdederat auliea, er hat sein bett
mit tapeten oder heidnischen tüechereu umbgeben
(umbhenkt). Phr.ygio, ein sticker (,seidenstricker.'
1568), der heidnisch werk machet.' Fris.; Mal. Die
Grossmutter des Reformators HBull. hatte von ihrer
Mutter das Gewandwirken erlernt, ,die heidnisch arbeit
genampt, die nit gar brüchlich zur selben zeit war',
und von seiner eigenen Tochter sagt er: ,Sy könnt
wol würken das heidnisch werk.' In Pflanzenn. be-
zeichnet ,h.' ebf. die Herkunft aus dem Morgenland
oder Südeuropa, spec. dem saraceuischen Spanien.
,Heidnisch Bluemen', Aifodill, asphodelus ram. und
albus (hastula regia der alten Botaniker). ,Albucnm,
weiss aph(r)odillen, goldvvurz oder h. bluemen.' Fris.;
Mal. Die Verwechslnng mit dem Türkenbund, lilium
mart., bekämpft Fris. 15G8: .Hast, regia, sind nit hei-
disch gilgen.' — H. (in ZZoll. auch heirisch) Wund-
chrüt (in B auch U'chrüt), Name mehrerer gegen
offene Schäden angewendeter Kräuter, a) Wund-Kreuz-
kraut, senecio saraccnius, womit zunächst sen. ovatus
AAErlisb., dann auch die Goldrute, Solidago virga
aurea B, verwechselt wurde; vgl.: ,Heidisch wund-
krut, herba saracenica.' XV., Schw Arzneib. ,Heidisch
wintkrut mit den gelwen bluomen.' ebd. S. auch noch
Heiden-Bresten und (heidnisch) Schwumm-Erüt. —
b) Wasserdost, eupat. cannab. B. — c) Mauer-Habichts-
kraut, hieracium mur. Z, nach anderer Angabe Mauer-
Lattich, laetuca mur. ZZoll. — d) Wundklee, anthyllis
vuln. B. — 2. heidisch, Steigerungsadv. i. S. v. arg,
sehr B (Zyro). Jus tiiet-mer h. u-e. Syn. heidlich,
heiduggisch, heiden-mässig.
Mhd. heidenisch in Bed. 1. - Bei den Pflanzenn. sollte der
Zusatz .heidnisch', etw. Fremdartiges, daher Wunderbares (der
Orient das alte Wunderland!), bzw. Wunder Wirkendes be-
zeichnend, auch die Heilkraft einheimischer Pflanzen glaub-
würdiger machen; s. noch Wund-Ki-at. Nicht mit Sicherheit
lässt sich sagen, was für Pflanzen in den nachfolgenden altern
Belegen zu verstehen sind. Die Namen deuten t. auf ein
Schotengewächs (entw. eine Kressenart, lepidium, viell. auch
capsicum, span. Pfeffer), t. auf das Balsamkraut, chrys. majus
(tanacetum hals.), welches auch Marienblatt, heidnische (röm.)
Münze, Fraueukraut, Pfefi'erblätter. mlat. costus, rhaponticum
genannt wird. , Heidnisch w., frauenkraut, piperitis, sili-
quastruni, vulgo costus bort., herba Maria!.' KdGessn. 1542;
Fris.; Mal.; Denzl. Aufgezählt wird ,h. W.' ferner: Tierb.
1563; Zg Arzneib. 1588; FWürz 1634. Anlass zur Ver-
menguug mag' der allen diesen Pflanzen eigene beissend-
scharfe Geschmack, sowie ihre Verwendung in der Haus-
medicin gegeben haben. Noch ein anderes Gewächs scheint
verstanden werden zu müssen in Folg. : ,Es ist ein kraut,
panaees chironium, mag sein das h. w.' Fris.; Deiizl.; vgl.
dazu Bock-Sebitz 1577, S. 154 und die modernen Pflanzenn.
ceutaurea jacea, erythrsa centaureum, welche auf die Sage
zurückgeführt werden, der Ceutaur Chiron habe diese Ge-
wächse zuerst gegen Wunden angewendet. — Die Form ,hci-
disch' (auch im Vogelb. 1557.) direkt vou ,Heid', nicht von
,Heiden'. Ueii-iach wahrsch. in Anlehnung an wilde fleiri,
Hciri-Ühnu, womit der auch gegen Wunden gebrauchte gute
Heinrich, chenop. bonus Henr. bezeichnet wird. ,Un-' für
,Wuud-'Kraut ist wahrsch. dem Umstand zuzuschreiben, dass
einzelne so genannte Pflanzen massenhaft auftreten, man auch
von ihrer frühern Verwendung längst abgekommen ist.
Heidischtieit f.: in der Reformationszeit ange-
wendete, verächtliche Entstellung des W. .(päpstliche)
Heiligkeit', die als heidnisch verschrieenen kath. Kir-
chengebräuche geisselnd. Die von den Herausgebern
, Krankheit der Messe' genannte Streitschrift NManuels
führt den Titel: ,Ein klegliche botschaft, dem Bapst
zuekommen, und was syn h. darzue geantwurt und
getan hat.'
heii-li"^ =: heidisch 2. Es wüetet recht h., von
einem Ungewitter B oHa. (Kühreihen).
Heid II f.: 1. das weite, oifene Feld, im Gegs.
zur geschlossenen, engern Gemarkung des Dorfes;
häufig, wie Allmend, in abstr. Bed. zur Bezeichnung
einer weit ausgedehnten Fläche B; Gr; Sch; S; Z.
Uf der H. usse', auf den entlegenem Gütern. De"
Tiifel uf der tcite' H. usse" foh chimne", das Unmög-
liche zu leisten im Stande sein S. Über alli H. ine'
laufe", die nächsten, ungebahnten Wege, z. B. über
Äcker und Wiesen, einschlagen; chräe', hepe', mit
voller Stimme rufen, schreien; mnde', weithin leuch-
ten, scheinen, vom Lichte, grellen Farben Z. S. noch
u. Habich. E iräri H., z. B. vonu^ne" Garte", an Grösse
GrPt. Die allmächtig gross Heidegi [Heulager in der
Scheune] — e tväri H.l Schwzd. lez gan i''' wider
fürabe' dtir''' d' H. gege" Balleherg. Kürreih. 1805.
Wohl aus Reimnot hat der selbe Dichter das W. von
990
den Wiesen- und Alpgeländen des BAdelboden ge-
braucht, ebd., S. 23. ,Per samen [die Früchte] uf
der heid und feld [die also noch nicht eingebracht
sind].' 1521, Aa. ,Gott kleidet die bluemen uf der h.'
GwÄLTH. 1559, nach Matth. 6, 30, wo jetzt: ,das Uras
des Feldes.' ,Die h., gross, weit feld.' Mal. ,Sich
fröuwen, wenn es wol auf der h. stat, wenn es einem
mit seinem handwerk und gewerb glücklich und wol
gat.' LLav. 1582. .Verbott, die Frucht uf der H. zu
verkaufen.' XVII., B Mand.; vgl. ebd. 1628: ,Erdfrücht,
alldiewyl dieselben noch uf dem Feld sind.' — 2. Name
verschiedener, auf Heiden wachsender Pflanzen (bzw.
deren Frucht), a) Heidekraut, spec. gem. Besenheide,
calluna vulg, Aa; Syn. Geheid, Brüsch, Besen-Rls,
n-ilde Sevi. ,Coris, ein kraut mit blättern wie h.'
KdGessn. 1542. ,H., erice, officinis genistella, bruyere.'
ebd. ,An wilden orten (under den reckholtern und
Stauden), da vil h. wachst.' Vogelb. 1557. ,Sisara,
h., ein stüdle. Erica, ein kraut, h. genannt.' Fnis.;
Mal. .Gebrauch der Heide für Gerberlohe.' Gr Samml.
1779. — b) Heite f., meist als PI. in coli. S., auch
Heite'-Stüde", auf der Heide wachsendes niederes Ge-
sträuch, beerentragendes, wie Heidelbeerstauden (s.
auch Bludere'-H.). aber auch Erica-Arten und Alpen-
rosenstauden {GrL., ObS.) ohne Blumen (vgl. Heite-
Maien) Gr; W tw. — c) HeidU UUrs., Eeiti, bzw.
EiHi B; F; WLötsch. — n. (PI. Heiti, in coli. S. B;
F tw., sonst jffei/m/), ffeiVe GRVal. ; W tw. f., Heidel-
beere. Syn. Ueid-, HeH-Ber(i). I' d' Heiti ga", Heidel-
beeren lesen gehn B; vgl. heilen. ,Der Boden mit
Heidegesträuch oder Brüsch, mit Heiti- oder andern
Sträuchern überzogen.' Kasth. 1828. ,Von den Hei-
tenen oder Heidelbeeren ist viel Nützliches zu sagen.'
ebd. Auch Brei aus Heidelbeeren B, sonst Reiti-Bri,
Sturm.
Mhd. heilte, unbebautes Land ; Heidekraut. Das W. in
zahlreichen Flurnn., bei denen übrigens auch Ueid I zu er-
wägen ist. VJ der H. BGu., Underheid BO., .Heiden', Dorf
Ap, dessen Bewohner H&dl(igier heissen. ,Lenzer-H.', auch
Plauura genannt Gr, ,Heid-Egg' Aa; Z, ,-Bliel' B, ,Heide-
(iu BReich. .Heiti-') Berg' ZÜet., ,-Tal' ZSchlatt. ,Am Heiti',
Alp B, .Heitiboden' B; ,Heite°' (PI.), häufiger Flurn., ein-
fach und zusammengesetzt Orte bezeichnend, wo Heidekraut
(s. i b) gedeiht Gr. Vgl. auch Ifeid-Echs bei Eideclw. —
Zu b und c. Heiti scheint Analogiebildung nach Kirai, Be,i,
viell. spec. nach Hinti, Himbeere, und wie diese als Dim.
aufgefasst worden zu sein ; vgl. die Form Hrirlli. Hriic S c
hinwieder scheint sich gerichtet zu haben ni li l',~ ,. , c, ähh:,
iiHflc, Uinte, Biintde, Krieche und an 1- ; v I i , l,. v .,ir,i.
T für d erklärt sich viell. wieder als Ami - ; _ ; i. li
Hinte, in welchem Falle Fornnibertraguni,' mi //. '. . - --latt
gefunden hätte; doch vgl. auch Gcheit, vit.-ll. auch aiiihd.
heitperi; es könnte aber auch wie in Heiti (Heid I) durch
Verschmelzung von d mit dem J der Dim. -Endung entstanden
sein. Gewisse MA.X. lieben jedoch iibh. den harten Cons. ;
vgl. z. B. fud I (und die Anm.).
G'heid H, in ZGlattf. G'heit - n.: I.Heidekraut,
sowohl Glocken- oder Schnabelheide, erica, als auch
Besenheide, calluna Aa; S; ZW., Wyl. Wenn das
G. bis an die Spitzen hinaus blüht, so gibt es einen
kalten Winter; hat es in der Blütenrispe Lücken, so
wird die Kälte unbeständig sein AAEhr. Dur''' Matten
und Studen und G. S (Joach.). — 2. Flurn. für ein
trockenes, mageres Grundstück SOlten, schon 1537
genannt, It vArx 1819; vgl. in einer Aarauer Grenz-
bestimmung: ,Langote ushin an das.geheide.' 1411.
— Nessel-Heid. ,Moab soll zu einer N. werden.'
1707, Zephan. ; dafür jetzt: ,zu einem Besitztum von
Nesseln.' — Besen-: erica vulg., It Durh. — Blu-
dere°-Heite°: Strauch der Moosheidelbeere, vacc.
ulig. (Pludere") GrV. — Ros-Heid: Strauch der
Alpenrose, rhod. ferrug. GMurg, Sa. Brügger 1874
(flora cur.) nennt im Gegs. zur ,Beerenheide' (s. o.
Heid II b) die Rhododendron-Arten ,Rosen-Heide', da
er den Namen .Alpenrose' für rosa alpina vorbehält.
Heidel m.: Fennichhirse, set. germ. und it. ,Pa-
nicum, h., fench.' Fris.; Mal.
Auch bei Fuchs; .Heidelfench' bei Tabern.; wird in
Sandgegenden angepflanzt. S. Fennich Bd I 834, , Heidel'
bei Gr. WB. und vgl. Heiden.
heite» W, heitene" B; F: Heidelbeeren lesen.
— Vgl. hintenen.
heidelig: unbehaglich, meistens von einem leeren
Magen LE. (St.*"). — Wahrsch. von Heid II, i. S. v. .leere,
ade Fläche'; vgl. Sd i. S. v. leer im Magen.
Heide" I m.: Buchweizen, Heidekorn, polyg. fag.
Gr; GRh. Tiirgge" ttnd Heide' chunn [kommen], sagt
man scherzhaft im Wortspiel mit Heid I, wenn Mais
und Buchweizen aus dem Boden spriessen GW. S. auch
Heiden- Tatseh.
Wahrsch. von Heid I, den fremden Ursprung bezeichnend ;
vgl. die alten Kamen bei Tabern. : ,Ocimum cereale = fru-
mentum saracenicum' (noch bei Mal.: ,Ocimum, das heideu-
korn') und das.rätorom. t/raun mracin, frz. ble aarrmin, Buch-
weizen. S. auch , Heiden' bei Gr. WB. und Schm.-Fr. Nach
Hehn 414/7 durfte das Getreide durch die Zigeuner ver-
breitet worden sein.
„Bankert-: PI., Heidekorn, welches sich bei der
Ernte von selbst angesäet hat und ohne Pflege auf-
gewachsen ist Gr." — Eig. Bastardheidekorn; vgl. Bankert-
Korn, -Studen.
heidne": Buchweizen anpflanzen oder ernten G.
lieide'! in Spielversen neben den syn. ,heida' und
,heidi' in mannigfachen Variationen vorkommender
Freudenruf. allg. — Wie hei-dä eig. zsgerückt aus der
Interj. Iiei und dem mit da und dl eiue Reihe bildenden -de.
heide-heide': Ruf in einem Spielvers, auch das
betr. Spiel selbst Z. D' Chind laufed uf d' Gass und
mached vil G'spass, Fähis, Verhergis und h.-h. MUsteri.
Bemerkenswert ist die Zurückziehung des Accentes im
1. Glied des Comp., die übrigens auch in ,heidi' (s. Gr. WB.)
und .beida' facultativ ist.
heidel(i)dum L; S; Z, heiderlum L (s. Götti
Sp. 529): I.Ruf, den Anfang von Spielversen bildend.
H., mV Wib ist chrumm usw. H. Bagetli, ist wider
en Batze' hi". Zeig -vier r mal 's Bagetli, dann tcem-
mer ^mäl dra' hi' Z. Auch heideldumdei ZFlurl. —
2. subst., Heidelidum = Eidelidum Bd I 95 Scnw.
Der erste Teil der Zssetzung (heideli- ist Dim. zu heide
s. 0.) lässt wieder die Interj. hei erkeunen; den zweiten
bildet zunächst das auch sonst vorkommende -dum, aus wel-
chem -lutn entstellt sein wird; vgl. die gauz ähülich ge-
brauchten hci-di(de)l- (-dilderi)-dum. S. noch dildercn. 2 lehnt
sich au die Interj. an, die behagliche, .mollige' Ruhe auf
dem weichen Lager malend.
Heid ochs s. Eidechs.
Heidelberger, im Aa Eeiliberger, in BH. Jkili-
birner — ni. : der früher nnd tw. jetzt noch gebrauchte
Heidellirmvr Kat.Tl.iMims Aa; B; G. üyn. Kati. Di
Bücctiir. ir,,.ii,i r ,i'li,r' Ihiml. sind g'si' : de Eeiliberger,
's iNV» it'si,uiii:iil. ih:'' Grllni. 's Psalme'buech und de''
Had, hert, liiil, lioil.
Chinderfründ. Aä Schulmstr 1887. ,Das waren noch
die guten alten Zeiten, wo man die Kinder mit dem
H. und der Hute einbalsamierte.' Gottu.
Heide» II: ein Fisch. 1471, LBichens. Twingrod.
Wohl dass., was ,Heudeli.' 1546, Ölhafen (Aar. Chr.).
Viel), ist hude, eine Fischart, bei Mone, Ztschr. 1, 176,
zu vergleichen.
Heidericil. ,Irion, herha, eine Gattung H-s.' Denzl.
1716; dafür 1677: ,Ein Erdgewächs, so mehr ein
Arznei als ein Erdfrucht ist'
Lat. irio bezeichnet ein Schotengewächs; viell. den offi-
cinellen Hederich (bzw. Heiderich), erysimiim, oder dann die
Rauke, sisynibriuni irio, oder endlich den Ackerrettig, He-
derich, Heidenrottig, raphanistrum arv. Denzlers Angabe
von 1677 stellt ein wundersames Gemisch dar.
geheidig s. Geheid I.
Heidli: Frauenn., Adelheid ScbStdt.
Heidoggel Bs, Heidogge S: nur in dem .Ausruf
der Überraschung, des Erstaunens: (oj, botz H. !
Auch: Botz H. Donner! S (Schild).
Eupheni. entstellte Schwurformel, wahrsch. Weiterbildung
des syn. Botz Heide', unter Beifügung einer vergröberndon
Endung, wobei viell. Anlehnung an ,HeidHck' beabsichtigt
wurde; doch vgl. auch BoU }iei(d)e'-Gü<jtjel, Sp. 193, und
Jot/geli (als Schwur).
heidüggisch = heidisch B (Zyro).
T e r - h i d i g s. verhijen .
hidmen s. hipmen.
HSdel I m.; Händler, herumziehender, Zwischen-
oder Kleinhandel treibender Kaufmann. ,Der Herzog
lediget und freiet die Kaufleute oder Hodel von jedem
Zoll.' 1363, Gfd. .Niemand soll einem H. Stahl, Eisen,
Korn, Hafer, Fassmus udgl. zu kaufen geben; was
einem H. gegeben werden will, soll jedem Landsmann
zu gleichem Preise auf otl'enem Markt für seinen
eigenen Gebrauch erlassen werden. Auch auf Märkten
darf kein H. mehr kaufen, als er mit seinen Rossen
desselben Tages abführen kann.' 1416, Absch.
,Hodel' ist viell. identisch mit Uudel II und bezeichnet
eig. die Wageudecke, dann den Wagen selbst (vgl. mhd. hold,
Decke und Wagen, und unser Kan-en-Hudlen) und endlich
auch den beti-. Fuhrmann, den Hodler (vgl. Nauderer 2,
welches auch persönliche und sachliche Bed. vereinigt). Der
Hodelwagen wäre nach Art unserer Botenwagen mit einem
grossen Tuche überspannt gewesen und hätte insbesondere
als Getreidefuhrwerk gedient; vgl. hodlen I. Doch vgl. auch
bair. ,Hodel, Hodelwagen', sowie Gr. WB. bei ,Hode 3' und
,Hndel 2'.
hodle"!, hudle" I; Waaren führen, spec. Ge-
treide, „bes. Dinkel" und damit Handel treiben „B;
L; Zg." ,[Den Landleuten] soll das verhott des h-s
nachgelossen und ir eigen körn oder was sy zuo Basel
am merkt koufeu, ze verfüeren erlouht syn.' 1525,
Absch. ,N. N. hat uf unser frowentag gen Luzern ge-
hodlet [und ist darum gebüsst worden].' XVL, LNeud.
,Als sy dem Gwirb mit Kernenfüeren oder des Hod-
lens obgelegen und under dem Rossvych einen merk-
lichen Schaden und Abgang gelitten haben.' 1607.
EsTERM., Neud. — Vgl. ,hödeln' bei Schm.-Fr.
Hodler m.: 1. verächtliche Bezeichnung eines
ärmeren Fuhrmanns; .kleiner Fuhrmann, der mit sei-
nem Gaul Waaren transportiert' B (Zyro). — 2. we-
sentlich = Uauderer 3 „B; Zg;" L; Th. Dert obe'
dra" ist Lindau, grad enne* Überlingen, e H. Vkimnti
s' bald [würde sie als Stapelplätze für den Getreide-
handel erkennen].' Häpl. 1813. In der ä. Spr., z. T.
mit etwas allgemeinerer Bed. = Hodel. ,Von jedem
H. werden an der Sihlbrücke für 1 Pferd 8 ß 3 den.
erhohen.' 1390, Strickl., Horg. ,Von wynwägen und
hodeleren.' 1429/30, Einnahmeposten der Bs Jahrrcchn.
,H., welche schlechtes Korn unter das gute mischen
und es so verkaufen, wodurch der gemeine Mann be-
trogen werde.' 1494, Abscu. ,Auf diesem Tag ist viel
davon geredet, wie man dem Unwesen der Vorkäufer
und H., welche dem gemeinen Mann durch Verteuerung
der Lebensmittel, es sei Korn, Käse oder Ziger, Anken
usf., grossen Schaden zufügen, abstellen möge.' 1501,
Absch. ,Dass die h. das körn us der eitgnoschaft füerent
und verkoufent.' 1508, Gpo. ,0b ein h. [in der Über-
schrift: ,fürköufer'] in dem amt körn, kernen oder
roggen ufkoufte und ein amtsmann das in synem hus ze
bruchen notwendig, so mag derselbig zu dem h. keren
und ime der fruchten, so vil er deren notdürftig, mit
erlegung des gelts, wie sy der h. erkouft, erfordern.'
1545, Absch. (Amtsr. Hitzkirch) und ähnlich 1568,
AaBüuz. Olfn. jKicht selten kommen auf einen Markt
zu Basel 80—100 H. und Fürkäufler und es vergehe
keine Woche, dass nicht über 500 Säcke aus der Stadt
gehen.' 1560, Absch. ,[Die Butter] so die h. uf ge-
wönliche wochenmerkt allher füeren werden.' 1561, B.
.Dardanarius, siliginarius, frumentarius, ein wuocherer,
fürköufer, kornverkaufer, kornköufer, h. Flagellare
annonam, comprimere frumentum, das körn hindersich
behalten, bis es mer aufschlecht, wie die fürköufer
und h. tuend, ein türe machen.' Fris.; Mal. ,Es steig
auch von tag zu tag das körn, wart heftig ufgekouft
von den Oberländern, die man die h. heisst.' 1570,
Bs Chr. ,Wer den hodleren treid zu kaufen gibt
ussert land zu füeren, der gibt 20 fl. ze buess.' L An-
sehenb. [1624 begründeten 17 Hodler in der Kapelle
zu LGormund die StWendelins-Bruderschaft (Esterm.,
Neud.). .Unseren Hodleren oder Kornhändleren.' ß
Mand. 1741. — Vgl. Kamn-HiuHen. In 1 mag Iwdkn II
mitspielen. Hieher wohl auch der B Fanülienn. , Hodler'.
Cherne''-Hudler: Korn-, Getroidehändler VO.
,Ein K. soll, was ihme selbsten wachst, auch also ver-
zollen.' 1779, Z Zolltarif. — Korn-. Zürich beklagt
sich, dass die Müller und K. schönes Korn oben auf die
Säcke und Standen tun und untenher ganz schlechtes
und unsauberes.' 1568, Absch. , Dardanarius, ein Wue-
cherer, K., so das Korn aufkauft.' Denzl. 1677; 1716.
Hodel II m.: gutmütiger, beschränkter Mensch,
der sich Alles gefallen lässt ZF.
Wie das häufigere, syn. Uodli von liodUn U ; vgl. TrostMi:
trottchlm (Abi. von ,trotten'), Flotmhi :ßotsehcn u. A. Vgl.
noch Hottet.
hodere": 1. rütteln, schütteln, von Fuhrwerken
auf rauhem, holperigem Wege oder von schlechten
Karren B; S; Uw. Auch vom Reiten auf holperigem
Wege S. Uneben rollen oder gehen von einer etwas
krummen od. ausgelaufenen Radspindel Ndw. H. la;
was haderet, die Sache sich seihst überlassen, eig.
einem Fuhrwerk seinen Lauf lassen; Synn. s. bei
haderen IL — 2. unordentlich, ungeregelt von Statten
gehen Ndw. — 3. Etwas rollend bewegen Obw. —
4. auch tr.. Etwas schlecht, unordentlich verrichten
Ndw. Ich hodenu-sie bi mim Schribe', schreibt der
Had, hed, hid, liod. hud
ehrwürdige Kaplan Mathys von deu etwas unsiclieni
Schriftzügen seiner Einsendungen an das Idiotikon.
S. die iu uuserii MAA. weiter verbreiteten Syun. hotleren,
hiiJtren und Tgl. deu Lautweclisel in lodfkn und lotteren.
Hoderete = Hu- Th.
ho die" II: 1. = kotieren 1 BM. ; vgl. Karren-
Hudhn u. die Synn. hottlen, hotzlen. — 2. schwabbeln,
bes. von der schwankenden Bewegung der Wamme
fetten Bindviehs beim Gehen Z. — 3. trippelnd, unter
schüttelnden Bewegungen infolge unsichern Ganges,
in kurzen, schnellen Schritten drollig davon eilen,
wie bes. kleine Kinder bei den ersten Gehversuchen
tun Z. Meist als Comp, devo'-, umme'-h. — 4. durch
Dick und Dünn unaufhaltsam, rücksichtslos davon-
eilen S. Dur'' Alles dure" h., über Äcker und Wiesen,
dabei die Pflanzen in den Grund tretend. Vgl. hau-
ileren. — 5. mit dem groben Sieb (vgl. Hodel-Blteren)
Getreide reinigen Z. — 0. eine Arbeit flüchtig be-
sorgen Ap; ZO.. sonst hudJen.
abe"-: unordentlich herabhangen, z.B. von den
nicht befestigten Strümpfen ; meist in Verbindung mit
lä' TuSteckb. - Vgl. Abhodd, schlecht gekleideter, auch
geistig beschränkter Mensch. Jens. Kaiserst.
H 0 d 1 e ° f. : gutmütig beschränkte Frauensperson Z.
- Fem. zu Hodel II, HodU I.
Hodli I m.: = Hodel II Z. Auch als Kosew. im
S. einer Abi. von hodlen 3. Du chllne Hodli ruft
man einem Kinde nach, das gehen lernt Z. Syn. Hu-
deli. Hüdeli. Vgl. noch Hüseler.
g"hodli(g): 1. munter, aufgeräumt, unruhig sich
bewegend, bes. von Kindern Z; Sjn. nuefer. Gegs.
ii'httdlig. — 2. unordentlich in Haar und Kleidung,
auch von der häuslichen Einrichtung ZO. : Syn.
fjehitdlig.
hödele" (umme"-, d^vo'-J: Dini. zu hodlen 3 Z;
Syn. haderen, hüdelen, höselen, hötterlen, bein(erßen,
stöffelen, wädelen.
H ö d e 1 i n. = Hodli I, in dim. S. Mit dem Rufe du
chiises, liebs H. holt man ein davon eilendes, kleines
Kind ein Z ; Synn. Hudel-Säckli, Hudeli-Budi, Hudi-
Bein, Huseli, Tschumperli. Hat s' Chindli möije"
(/'laufe' [nachkommen können]? Frlli''', es ist drco'
g'hödelet wie 'ne Bümmerli [Hündchen] : 's ist halt doch
e liebs Hödeli Z.
Kode 1er m.: scharwenzelnder, in Kratzfussen
und andern Höflichkeitsgeberden sich erschöpfender
Mensch ZTösst.
g'hödelig, in der Verbindung mit cito', ga",
laufe" = hödelen Z.
Höder m.: unentwickeltes, zwerghaftes Wesen,
wie z. B. ein Huhn (H.-Hüenli) PKerz. — Vgl. die
Synn. Hüdder und Hstteler.
höderle": 1. „ein wenig schaukeln, von Wagen",
allgemeiner : hötterlen. — 2. = hödelen. „Der Vogel,
das Kind höderlet L." Me' muess 's Glück bim Bei' ne",
u-enn's chttnnd, sust höderlet 's wider dfVO' ZWettschw.
Syn. hötterlen.
Hode° m. : 1. bei Metzgern und Bauern eine best.
Stelle hinten am Unterleibe des Mastviehs, zunächst
der verschnittenen Ochsen, an der sie ihre Fettleibig-
keit prüfen. En feisse H. ha' ZS. Scherzh. übertr.
auf Männer ZS. — 2. Kartoifel. Gaunerspr., It Lux.
— Das Masc. bei 1 nach dem ähnlich gebrauchten Levipen.
Schweiz. IdiotikoD II.
Hunds-, in GoT.; Schw; U -Uude', in G uT.
Bonds-Hode; in GStdt Hundsöde' — m. BSi.; GrD.,
in GrLuz. f., meist nur als PI.: 1. die Blätter, bes.
aber die Früchte der Herbstzeitlose, colch. autumu.
.^P; BGu., Si.; Gl; OrHo.; LE.; G; Schw; Th; U.
Die Pflanze gilt als Symbol der ünkeuschheit und
ihre Sarnenhülsen werden am .\bend des 1. Mai Mäd-
chen von zweifelhaftem Kuf auf ihren Weg vom Hause
bis zum Brunnen hingostreut G. Die Zwiebeln, im
Sacke herumgetragen, heilen die Ruhr und schützen
vor den Pocken (G Kai. 1834) und vor Zahnweh und
Pestilenz G. Die Blätter dienen zum Gelbfärben der
Ostereier G; Z. Die Samen pflegen sich Kinder neckisch
ins Haar zu streuen, es sollen dann nämlich Läuse
entstehen ZZoll. , Zeitlos, herbstbluom, hundshoden,
wildsaifranbluom: Colchicum; canineca.' KdGessn. 1542.
.Nimm die Würzen, die man Hundshoden nemmt, und
ryb die Warzen damit.' Elgger Arznkib. M. XVII. —
2. Hunds- GrD.. Pr., Huntsche'- GrS., Spl., Hantschn-
Hode' Gr ObS. (It B.), doch meist dim. -Hödli, Stein-
brombeere, rubus sax.
Bei 1 ist die mehrteilige Samenkapsel, bei 2 die aus
3 — 4 einzelnen Beerchen bestehende Beere mit Hoden ver-
glichen. Vgl. noch die Synn., zu 1 : Muuni-Hoden; Huivb-
Fud (Bd I 682); Käe-Puj,pen; Kue(H)tKhi-, Munni-, Schuf-,
Stieren- fauch Stieren- Hoden-) Seckel ; zu 2 : Hoden-, Hunden-
Ber(i). Weitere Synn. zu 1, die als stärkere Entstellungen
obiger Formen angesehen werden müssen, sind : Hundt-Hosen,
-Judtn; Hosen-Bunte, Bunds(i)öde, Bundsöse. Betr. die ob-
erwähnte Symbolik vgl. noch die Synn. blutti Jungfrau Bd I
1248, ,nackte Hure'. Vgl. auch noch die Namen Bueben-Ros
für Päonia, Bockwürzen für Orchis, nhd. Knabenkraut, an
welche Pflanze sich ähnliche Vorstellungen knüpfen. Betr.
Huntsche- und das schwach bezeugte (sich viell. an Hundschn,
Handschuh, anlehnende) Hantscha- vgl. das formverwandte
Küenische und Holtsche aus Hoh-lichueh .
Munni- = Hunds-H. 1 B; ScnSt. (Sulger); „AaF.;
LG."
Biber-: Feigwurz, ticaria ran. .Meikraut, feig-
warzkraut, pfaffenhödlin, schorbockskraut, kalber-
kernen, biberhödlin, chelidonium minus, sunt qui scro-
phulariam minorem vocent; couillons des prestres.'
KdGessn. 1.54'2. — Nach den kleinen Wurzelknollen be-
nannt; Tgl. Schm.-Fr. 1, 1054 und Gr. WB. : ,Pfa£fen-Hoden'.
Bocks-. ,Asinia pruna, gross, unachtbar pflaumen,
b., aber die gelben.' Fris.; Mal.
Pfaffe°-iKrfi7i; gem. Spindelbaum, evon. europ.
ScuHa.; Syn. Bumper-, Trummen-Schlägel(iJ ; Pfaffe'-
Kappe'. — Nach den mit Testikeln verglichenen Früchten;
auch bair. ; Tgl. auch Gr. WB.
Chib-Hodler Ap, -Hödler G; „Z" - m.:
1. „halb verschnittener Hengst, dem die eine Hode
genommen ist" ; Syn. K'iber, Klb-Hengst. Halbeber
Ap; GRh.; „Z." — 2. Starr-, Murrkopf Ap ; Syn. »ft-
Grind.
Zu 1. Solche Tiere gelten als unlenksam und bösartig
(s. ktben), weshalb es It Steinm. 1804, 404 verboten war,
solche Eber auf die Alpen zu treiben, weil sie öfters das
Rindvieh angriffen. Hieher auch: ,Kybhödle, eigenrichtig,
kybig, refractariolus.' Mal.
Hodlez m. : Frauenschuh, eypr. calc. Aa. Un-
verheiratet sterbende Mädchen müssen nach dem Tode
auf dem Girizen-Mös H. kauen AABb.
Es scheint eine Abi. von Hode (Tgl. Hodler), viell. mit
Anlehnung an den Pflanzenn. Koatez (Hostez) vorzuliegen, die
Blüte wäre mit einem Hodensacke verglichen worden; doch
Had, hed, hid. hod, hnd
vgl. auch das syn. (allerdings viel), selbst aus unserra W.
scherzh. entstellte) Hos-Latz und allenfalls das ebenf. syn.
(Bad-) JMlBche faus B.-IMz-Schueh).
Hodli II 111.: mit Hoden versehenes Tier, bes.
Zuchtstier ÄP.
g°höd: nicht verschnitten, von männliclien Tieren
BSi. ,Die g'hoden Stieren, wann man sie am Sehaden
in Weidenen antrifft.' 1650, BSa. S. Sp. 45.
Heu-Hödele f.: Kuckuckslichtnelke, lych. flos
cuc. GWe.
Die Pflanze wird oft benannt nach der sackartig aufge-
dunsenen Kelehröhre ; vgl. die Synn. Flotter-, SclUottei-,
SchiDizer-Hoaen, sowie den Namen Hotlntz für die vwdte
Taglichtnelke, lychnis diurna. Den Zusatz Heu-, wie in
Heu-Nägdi, verdankt die Pflanze dem Umstand, dass .«ie im
Heugras gedeiht.
hödlechtig: hodenartig. .OliviC orchites. die h.
sind.' c. 1530, Collin.
Hödle" (in GSa. Höttle", Bim. Hödili) f.: kleine,
runde, zum Dörren sehr beliebte Birne GRh.; It
Steinm. 1804 werden .Früh- und Spat-Hödlen' unter-
schieden.
lind: Scheuchruf an die Enten. Id. B; Gegs. wikI,
Lockruf.
Hudi I n.: Ente B; Zg; Syn. W,(dli.
Uudel, in F tw. Hödel, in .-\r; GRh. Huttel —
f. in Aa, sonst m., Hudle- I f. Aa; GA., in. in Gl;
GRh. — PI. Hudle'; bzw. Hutth" (auch in U), in W
Hudle", Hidle' und Hittle", in L Hüdel, in Ap; GTa.
Hüttel — üim. Hudeli I GlK., sonst Hüdeli I, Hütteli:
1. alter Lappen, Fetzen, Lumpen, bes. von Leinwand;
Syn. Fetzen, Lumpen, Blätz. Als coli. PI. auch: ab-
getragene, zerrissene Kleidungsstücke, Plunder, allg.
Kei's Hüdeli um si''' ha", keinen Fetzen (als Klei-
dung) an sich tragen Schw. I» de" Hudle' erzieht-m^
d' Budle", Kinder sollen möglichst einfach, nicht hof-
färtig gekleidet werden B; oder (It Schild): liederliche
Menschen werden in lumpigen Kleidern gross gezogen
S; vgl. gehudlet. I)' Hudle" gebe" o warm, auch in
der Armut kann man noch zufrieden sein B (Sprw.).
In einer Variante des Reims: Appe'zeller Meiteli, wie
machist du de" Chäs, heisst es : du tuest-en in es Hü-
deli (d^ trickst-e" mit-em Füdeli), st.: Chübeli L; Kdw.
Es Buech g'hört i" 's Pflanze'rleh, wil-m^" 's us Hudle"
macht und d' Hudle" si"^ einist Werch g'sl". Sonntags-
post 1869. Iren. : Si''' üflä" wie 'nes Fueder Hudle",
wenn 's drüf regnet, immer weiter zurückkommen
BSis. (Lumpen ballen sich eng zs., wenn sie nass
werden). En Chopf mache" wie-n-es Fueder Hudle",
mürrisch aussehen, auch: eine übertriebene Frisur
haben B oAa. Muess d' Mueter dir um d' Füess no'''
z' Nacht, wenn d' Bise pfift, 'ne" warme" Hudel parati
halte" S (Schwzd.). E" Meiteli, das hed nur e bar
elendi Hüdel a'g'ha" L (Brandst.). Z' H. cho" FJ.,
z' Hudle" (Hudels) gä", zerlöchert, zerfetzt, abgetragen
werden, von Kleidern; übertr.: zu Grunde gehen, ver-
nichtet, zerstört werden ß; F; üw; Syn. ver-hudlen,
z' Lumpe" (üs) gän, kon. F'> chumme" hie z' H. FJ.
Es si" all drei Husmanne" z' H-s gange" u"' d' G'mein
cha"" d' King erhalte". Gotth. , Ehedem, wo die Mägde
Kleider hatten, welche sie erst 3 Jahre am Sonntag,
dann 3 Jahre am Werktag tragen konnten, da hatten
sie Geld, brauchten nicht mit Korn oder Garn den
Kiämer zu zahlen und am Ende doch noch z' H-s
z' graten oder MGnHH. Kostgänger zu werden.' ebd.
Z' Hudle" mache", vernichten üw; U. S. auch Fetz
Bd I 1148. Hüdeli feile", das unter Fazzelet (Bd I
1145 u.) beschriebene Spiel Gl; Syn. Lumpen leggen
oder Iw' falle"; Fulei duss. ,Die Alte schüttelte einen
Laubsack auf dem Ofen zurecht, hiess mich darauf
liegen, deckte mich mit Hudeln zu und hiess mich
wohl schlafen. Bas war mein neues Bett' Gotth.
.Maurer in H-n [gekleidet].' ebd. ,Ich hatte keinen
H., keinen Wäschlumpen, hatte gar Nichts, um abzu-
waschen.' ebd.; vgl. Kuchi-Lumpen, Wäsch-Lüderen.
,Wie aus einem im Kote zertretenen H. der 1. Gott
kein reines, weisses Kleid mache.' ebd. ,Gertrud zog
den Kleinen ihre Hudeln ordentlich an.' HPest. 1790.
Verächtlich von Kleidern und Zeugen. ,Die Arm-
seligkeiten der Dienstboten sollte man auch in die
Versicherungen aufnehmen, damit bei Feuersbrünsten
nicht ein Jedes zuerst nach seinen Hüdlene laufen
möchte.'' Gotth. Bort het 'ne IIa"" eis Hüdeli no'''
'm andere" am-ene" Stecke" i" d' Höchi [um sie zum
Verkauf anzupreisen]. JHofst. ,Sie schämte sich, ein
solches Hüdeli [von Schürze] umzuhängen, in welches
man nicht einmal schneuzen könne, wenn man nicht
wolle, dass die Nase am andern Ort zum Vorschein
komme.' Gottu. So auch vom Schiftssegel Z rS. Wenn
die übrige Bemannung eines Schiffes zum Schlafen
ans Land geht, muss Einer zum H. ga" ligge", d. i.
in der Schiffskiste, in welcher das Segel auftewahrt
wird, Übernacht bleiben. De'- H. (oder Segel) ufe",
de'' Schölm (Dieb) abe! Neckruf, in welchem der Mast
mit dem Galgen verglichen und der unten stehende,
wohl auch bei der Anstrengung zum Aufziehen des
Segels sich tief buckende Schiffinann Schelm geschol-
ten wird. Letzteres weil die Oberländer Schiffleute,
die den Bewohnern der unteren Seegegend Bau- und
Brennmaterialien u.Ä. zu bringen pflegten, im Gerüche
der Unredlichkeit standen. Formelhaft verstärkend
wird das W. oft mit Synn. verbunden, bes. mit Fetzen.
,Die gedoppelte H. und Fetzen, darmit die Wunden
verbunden.' Gwerb 1646; Zauberei 1704. Z' Hudle"
und Fetze" (sV) s. Bd I 1148 (auch Uw). In der
allitterierenden Verbindung H. und Hab zur Bezeich-
nung des sämmtlichen bewegliehen Besitztums scheint
Ersteres die Kleidungsstücke übh. zu bed. H. und
Hab verhlre", verspile", um H. und Hab cho" Aa; Z.
I''' wette ml" H. und ml" Hab, der Wl" schlät ab.
Schweizerb. 1819. ,Dich mit Weib und Kind, H. und
Haab und Lumpen- G'sind zum Land aus führen.'
JCWeissenb. 1701/2. Ähnlich: H. und Häs Ap; G,
auch H und Hemd, Alles, was man am Leibe trägt,
dann übh. syn. mit H und Hab. ,Wär eine kind-
betterin, so soll der wirt derselben frawen nit mangel
län an wyn und brot; wenn die 6 wuchen uskommend,
so soll derselb wirt dann gän und soll "s bett und all
hudlen und lumpen nemmen an syn schuld.' AAWür.
Offn. .Lumpen, alt hudlen, bös alt platz von tuech,
assumenta.' Mal. ,Es ist nit um die schwarzen hudlen
[verächtlich = Kutte des Abts] zu tuen, sunder um den
g'walt und regierung.' HBüll. 157'2. ,Die schuech
will ich ausbutzen g'sehwind, hab drum den h. zue
mir g'non.' GGotth. 1599. ,Nichtswertige, alte Kleider,
Hudlen, Lumpen, pannicularia, veteramenta.' Denzl.
1677; 1716. ,In Seiden gehen, da der Arme kaum
die nötigen Hüdelein hat, seine Blosse zu bedecken.'
997
lind
JJUlr. 1727. ,Hüdelein und Fetzleiu.' ebd. .Unflätige
Hudeln und Lumpen zusammenblätzen.' ebd. — Spec.
a) „das unsaubere Weisszeug, das gewaschen werden
inuss G" ; vgl. H.- Kammer. — b) kleines Leintuch
(meist aus altem, verwaschnem Stoff), welches kleinen
Kindern unmittelbar um den Unterleib und die Bein-
chen geschlagen und erst durch die eigentliche .Win-
del' befestigt wird Ap; GA. (Chinas -Hudle"), Eh.;
ZKn., Wyl; Syn. Gudere, Hudere, Brüechli. Mit der
RA.: Wenn afenga 's Höttelwäschn' a'göd Ap, oder:
Wenn d' Hüttili a" de" Stange' hangi"d GMarb. wer-
den Neuvermählte mit dem Hinweis auf die sich ein-
stellenden Schattenseiten des Ehelebens geneckt Ap.
„Verächtlich eine Kindswindel L." — c) an einer
Stange befestigter Tuchlappen, mit dem man die Keste
von Asche und Kohlen, die nach der Reinigung mit
dem Ofenbesen zurückgeblieben sind, herauszukehren
sucht S. Syn. Fluder Bd I 1173. — d) Hüdeli, kleiner
Heuhaufe Gl; Syn. Birling, Schöchli. — 2. von Tieren,
a) Hiidel, langhaarige, zottige Ziege BGrims. ; JRWyss
1817; dafür .Hüdel'. Kühreiben 1828. Syn. g'hudleti
Mntte", Hiidlen II; Hutden; Yg\. H.-Bär. — b) auch
Nucht-H., Nachtfalter, phalaena BO.; Syn. Lieeht-
Löscher, -Steler, Doggeli. — 3. (nur Hudel, bzw. Hidtel)
physisch, moralisch und ökonomisch heruntergekom-
mener Mensch; Lump; daher als rohes Scheltw. Aa;
B; L; G; S; Uw; U; W; Zg; Z. Syn. Glunggi, andere
s. bei Gusel; s. auch Gudel. Du bist en H., wie d'
das Buech zueg'richt hast Z. Mr, wor [man wurde,
möchte] meine", en H. häft das Gras [auf der Wiese]
abg'haiie" Z. Si's Vermöge" verwalte", dether cho"
[einher gehen], mit dem Geld umgä" [u. A.] wie en
H. Z. In einem Aa Kindervers als übern, s. Hünz. 43.
.Manchmal befanden sich 2 Wirtshäuser in einem Orte,
so dass ich in die grösste Verlegenheit kam, beide zu
besuchen, ohne für einen ausgemachten H. angesehen
zu werden.' Gotth. ,Habe man die Mädchen gross
gefüttert, so flögen sie aus, dem ersten H. zu, der sie
wolle, und lassen die Alten im Stich.' ebd. ,Es kenne
manchen alten H.. der es nie geworden wäre, wenn
er immer daheim geblieben wäre.' ebd. ,Sie [die ehr-
baren Armen] sahen, dass die H-n, die so gut im Stand
waren zu arbeiten wie sie, ihr gutes Auskommen [aus
dem Armengute] hatten.' B landw. Wochenbl. 1847.
Als Dim. Hüdeli, in gemilderter Bed., lockeres Bürsch-
chen. ,Wie lang wend ir hüdel syn' [euch (von der
Königsfamilie) ,hudeln' lassen]? HBdll. 1533. — 4. in
Zssetzungen, etw. Verächtliches bezeichnend: E stei-
alts, miserabels Hüttli; . ..'s ganz HudelhüttH. JHofst.
,Es sye an dem hudelglouben nieman dann hudelvolk.'
HBdll. 1572. S. noch H-Ordning Bd I 441, -Volch
Bd I 803, -Freud Bd I 1275 und vgl H.-Hund (als
Schimpfn.), -Bueb, -Pack, -Rusting, - War, - Wetter, -Zug.
Mhd. hudel, huder, Lumpen, Lappen; als Fem. schlechte
Person, Hure. Das W. an verschiedenen Orten in Bed. 1
nur noch iu Zss. oder in allitterierenden Verhindungen. Die
Grundbed. der gauzen Gruppe wird sein: schlotternd herab-
hängen, schwankend sich (furt)bewegen. Betr. die Berührung
dieser Bedd. mit derjenigen moralischer Haltlosigkeit, ge-
ringen Wertes vgl. lampen : Lämp, Lump; schlampen ; SMamp ;
achUinggm : ScUängglel). Ausserdem vgl. die Familien: /nii-
deren, ßanggen, gudten, glunggen, hotteren, lotteren u. A., kämt.
Jfottel, Lump; hottkn, herumschweifen; Fanzelet 3 (Bd I 1146)
uud Fötzel. Zu 2 a vgl. den kämt. Ziegennamen Hotiile;
•2 b nach dem unsichern Flattern, mit dem sich der Nacht-
falter dem Lichte nähert.
G'hudel BK., Si., sonst G'hüdel n.: Coli, im
Sinne von: 1. schlechte, abgetragene Kleider, alter
Plunder, auch verächtliche Bezeichnung des Gewandes
übh. BoHa.; Uw; U. — 2. zerfallende Baute, z.B.
schlechtes Mauerwerk BSi.; S. Unsolide, schlecht
ausgeführte Arbeit BSi. — 3. verwirrtes Garn Obw.
Syn. Gehüder. — 4. Eingeweide eines geschlachteten
Stückes Vieh UUrs. Syn. GHüngg.
Bed. 1 von Budd 1 ; 2 und 3 dagegen von hudlen. In
Bed. 2 Berührung mit Godel, Gudel, so dass die Frage ent-
steht, ob die Sp. 122 f. aufgeführten WW. nicht tw. auf
unser W. zurückgehen ; vgl. Oehüder : Güder. Ein ähnliches
Verh. dürfte zw. Gehndel 4 und Gudel (s. Sp. 125) Statt
linden, welch letzteres freilich masc. ist; s. noch gehuderen.
Halb -Hudel. ,Eisi verachtete den Stand der
Bauern, während es so einem H. von Herrenschminggel
[den Vornehmen spielenden Zierbengel] alle Achtung
erzeigte." Gotth. — Lüs-: Schimpfw., Mensch, der
voll (Kleider-) Läuse ist Uw; Syn. Lüs-Hund. —
Nacht- s. Hudelab. — Kege°-Hudle" (PI.): ein-
zeln an den Bergen herumflatternde, zerrissene Nebel,
Vorboten eines nahen Regens LE. — Sü-, Schwi-:
Schimpfw. auf eine höchst unreinliche Person Gl. —
Täre"-: Sackleinwand Gl; Syn. Amballasche Bd I
233; Taren.
g'hudel, in BS. khudel: 1. zerlumpt, von der
Kleidung; unordentlich gekleidet BO. Wie chunnst
du g'hudlc! Es alts, g'hudels u"'' zerhits [Kleid].
ScHwzD. — 2. zottig, langhaarig, mit langen, flattern-
den Haarbüscheln, z. B. von gewissen Ziegen BO.;
Syn. fotzlig, gehudlet, hotzlig, pudelig.
hudelacht. .Pannosus, hudlachtig, zerhudlet,
zerlumpet, voll blätzen.' Ems.; Mal. ,Die uberige
menge ist ungebutzt, zerrissen und hudlecht, mit
schlechter decke, mehrteils mit zwilch angetan.' Wurst-
isEN; dafür: .hudelicht' Bs Chr. 1765.
hudele" Bs, sonst hudele": 1. = /löfWc« AAFri.;
Bs (wo auch i. S. v. herumsteigen auf Bänken und
Stühlen); BBrisl; Z. Zu selber ZU, wo-n-er albf im
Müeterli sei. noche'g'hudelet isch. Breitenst. Wenn
[du] albe" no''' a's e Meitschi cho" bisch cho-ge" h.
zue-mer. ebd. Häufig als Comp. umme"-h., s. dazu
Gott Sp. 509 ; Syn. u.-glunggen, -lumpen. — 2. Aus-
sehen und Art eines verkommenen Menschen haben
Aa; G; Z; Syn. glünggelen. — 3. wortbrüchig sein,
unredlich, betrügerisch handeln UwE. — 4. mit dem
Seinen nicht sparsam umgehen Aa; BM.; Z; Syn.
lümpeleit. — 5. auf der Wiese ganz kleine Heuhaufen
(Hüdeli, s. Hudel 1 d) machen Gl; Syn. hirlfigjen;
schüchlen. — Bed. 2 und i eig. Dim. zu hudlni. Abi.
Jlüdeler.
US-: Einen um sein Gut bringen, z. B. im Spiel B.
S. Nüni-Kulli. Syn. us-hültschen, -hungen. — vor-:
in den Konkurs geraten B; Syn. ver-lumpen.
Hüdeli f.: lumpiges Zeug, liederliches Wesen.
, Solche [himmlische] Erbschaft, gegen deme [so !] alle
Königreiche der Welt Hudelei und Bettelei sind.'
JJÜLR.1727. .Gedanken über diese Hudeleien.' UBragg.
1788. Schlemmerei: .Ich wohnte am Montag mit an-
dern Gesellen einer etwas argen Hudelei bei.' 1877.
B Zeugenaussage. Syn. Hudlete 2.
Hüdeli n Aa; Bs; GT., Hüdeli II AAFri.;Scn;
S (neben -u-) — n.: 1. Kosew. zu kleinen Kindern,
besonders Mädchen, i. S. v. Hodli I, Hödeli, meist
Had. hed. hid, liod, lind
1000
verbunden mit Adjj. wie arm, ehlei'. Es wird uf Wieh-
nächt sechse [6 Jahr alt] und es isch gar en ordlig H.
und frisch ßs (ThMey.). Erst gester no"' 'nes spitzes,
chlei"s Hüdeli und lutgst jetz schier iihei- mi''' us!
JoACH. 1883. Grüez-di''' Gott, herzliehe Hüdeli, redet
eine Frau ihren Mann an. JCWeissenb. 1701/2. —
2. kleiner, unansehnlicher Mensch Sch (Kirchh.); Syn.
Hüdeler; vgl. Höder. — 3. mehlige, beim Sieden auf-
gesprungene, zerfallene Kartoffel GT.; vgl. uf-hudlen.
Unser W. kann iu Bed. 1 als Abi. von hudden (vgl.
hödehn : Hüdeli) angesehen werden, ebensowohl aber auch
(wie 2) als Dim. zu H%dd, Hudi. Zu 3 vgl. hudJen i. S. v.
in Fetzen ans einander gehen.
Huder ra., in GrD., Rhw. auch Hudere I f.:
1. = Rudel 1 (tr. In Hudere' st', zerfetzt. Ben Chäs
in en silbern Skap [Form] Indrücken ist praktischer,
als in en H. mzwingen GRPr. (Schwzd.). Guet in den
Hudqr<} sin, gut gekleidet, herausgeputzt sein, doch
geringschätziger als das syn. guet im Häs sin GkD.,
Pr. Äimtifi [an einem] h'schissnn' [beschmutzten] H.
clW'-mn sein nid butzn", wer Pech angreift, besudelt
sich GrD. (Sprw.). Der Bettler in'n grusiga' Hudarq',
stehende Fastnachtsmaske GRPr. (s. B. 1, 371). Als
coli. PI., wie Hudle", schlechte Kleider, geringes Gerät
übh. Gr ObS. ; Syn. Gehüder. S. noch Fetzen Bd I 1148.
GuderenII(ß^.\2h). — 2. = Hudel 3 Gr; GW, rohes
Schirapfw., doch weniger stark als Hudler. Du Saker-
ments Hüderli! — In Bed. 1 anch bair. und kämt.
„G'huder", mGKifi.kxüder, G = hüder Aa; Bs;
Btw.; Gl; GRtw.; S, fc/- BU., Güder GW. — n., in
BStdt; GRtw. m.: 1.= Gehudel 1 AaZ.; BLenk; Gr;
L. Auch verächtlich von der Kleidung übh. : Sunntig-,
Wer'Hig-G. Gr; Syn. Häs. — 2. Durcheinander, Ge-
wirr, z. B. von verwickeltem, von einer Spule, einem
Knäuel sich schlecht abwickelndem Garne Aa; UwE.;
auch i. S. V. Gehäder 1, vom gefallenen Getreide AABb.
Allerlei bunt durch einander Geworfenes, bes. Geräte
von geringem Wert, z. B. Spielzeug B; Gr; „LE."
Alle (aUe-tir) K., gehäuft: alle-ter K. dergattigs Zug
dür''' enand, wirrer Mischmasch; Syn. aller Gatti'g
Rüsti'g, alle-ter-lei Grümpel, aJlef-ter) Tüfel. Wertlose.
leichte, sog. Ausschusswaare B; Gr; „L". Allerlei
wertlose Abfälle, Unrat, z. B. trockner Pflanzenstaub,
kleine Holzstücke beim Scheiten, bes. aber Kehricht
Aa; B; FMu.; Gl; „LE." Syn. Gusel, Giisel, Ge-
müder, Gemüster, Biecht, Geschmüder, Geschmeiss,
Stuben- Wüscheten. .Sie wirft alles G'hüder in'n Kräf-
ten, um morgens auf den Mist zu wandern.' Gotth.;
s. G.-Kratten. ,Das muss süfer aussehen um ihre
Häuser, da wird man wohl nach 50 Jahren dem Gross-
ätti sein G. und G'fräss um's Haus herum finden [iron.].'
ebd. ,Dass die Welt nur das Geld für einen Schatz
hält und die andern Eeichtümer, die Gott den Men-
schen gegeben hat, für lauter G. ansieht, das gar
nicht zu achten ist.' ebd. .G'hüder, worin bes. tannene
Sagspäne, Tuff u. Ä. [als Düngmittel].' B landw. Wo-
chenbl. 1847. Übertr.: wirre Gedanken; ablautend
verbunden mit Gehäder (s. d.) auch i. S. v. Zwist Aa.
— 3. locker aufgeschichteter Haufe Reisig GW. ; vgl.
Finder; Gigerfen Sp. 153. — 4. verkommene Leute,
Gesindel B. ,Was die Berner in Misskredit bringe,
sei nicht das Volk, sondern das G., das immer oben
auf schwimme, wenn man die Masse aufrühre.' Gotth.
— 5. (m.) euphem. für Teufel Gr. Dem G. d's Wasser
tragen, rückwärts gehen; vgl. hindersich-gän Sp. 34.
Ei e G., en angstlige G. ! verdammte Lüge, leeres Ge-
schwätz, dummes Zeug! (.Abfertigung); Syn. Ei e
Tüfel! en angstlige Tüfel! ei e Plunder! Die Schaf
lieind d's angstlige' Kuders e Stettigi, sind wider-
spenstig wie der Teufel.
Betr. die Bedentungsübergänge vgl. das mehrfach syn.
Giiael, nach dessen Geschlecht sich unser W., soweit es niasc.
ist, gerichtet haben mag. Viell. ist aber auch das tw. mit
unserm W. sich berührende Küder, Werg, in dieser Hinsicht
sowie auf die Dehnung des Voc. von Einfluss gewesen. Hieher
gehört wohl auch das ,kutter (feget, staub)' des Petri'schen
Bibelglossars von 1523 für das Luther'sche ,kerich'. Zu 5:
Anknüpfung an das mhd. kunder, (Un)tier, Teufel, ist der
lautlichen Schwierigkeiten halber unmöglich. Auch für diese
Bed. darf wohl als Grundlage die Bed. ,Wirrwarr' angesetzt
werden; der Teufel erschiene somit als der personif. ,Wirr-
warr', als der Geist der Verwirrung; vgl. den syn. Gebrauch
von Plunder. Vgl. noch Hudi II. Viell. aber liegt der
Bed. 5 ein anderes W. zu Grunde mit der urspr. Bed. Teufel;
vgl. in diesem Fall: alle Fhiech, Nagel, Sträl, Tü/et, Wetter
i. S. v. wirres Zeug.
Sig-Huder: Tuch zum Durchseihen GflSchud.;
Syn. Bicht-, Sig-Plätz.
Huder(e") II f.: 1. „aus Reifen u. Wachstüchern",
in neuerer Zeit in Form eines festen, in Charnieren sich
bewegenden, gewölbten Deckels verfertigtes Sehirm-
dach eines Botenwagens Bs. Syn. Blachen. , Unter
der bekannten H., welche hinreichend gegen Sturm
und Regen schützte, lag hoch aufgetürmt das Gepäck ;
vorn unter der Öffnung der H. auf erhabenem Sitze
hatte sich als treuer Wächter der weisse Spitzer des
Boten postiert' Breitenst. — 2. mit einem Tuch über-
spanntes Fuhrwerk AAZof.; spöttische Bezeichnung
einer alten Chaise Bs; Syn. Lotter-F<dlen, Kasten.
Vergnüegt si"'-si z' Oben in irer H. wider verreist;
's isch e Chaste' g'si', wie Burelüt Se vo' Jude" mängisl
chaufe" und wie si hi mängem Alöss, bi HochzUen und
Taufe', der Lieni müesse" go mache" [zur Aushülfe
dienen müssen]. Breitenst. ,Die Menschen werden in
einem Reiswagen geführt, welcher, so er etwas leicht
ist, ist es ein Rollwagen (Hudern).' Spleiss 1667. —
3. betrügerisches, unhaushälterisches Weib SchwE.
Vgl. ver-huderen.
hudere" Gr; L; Schw; Uw; ZKn., hudere" Aa;
G; S: 1. wirr werden, in Verwirrung geraten, zer-
fallen, wie z. B. ein Garnknäuel, eine Spule, so dass
man sie fast nicht mehr abhaspeln kann Aa ; S ; fallen,
vom Getreide i. S. v. Gehuder 3 AABb. Us enand
use h., aus einander fallen Schw. — 2. durch einander
werfen, in Unordnung bringen, verwirren, z. B. Faden,
Garn LV.; Ndw; auch bildl. — 3. in Stücke schlagen,
zertrümmern Gr; Z. Mit: D's Schloss hed 's g'hudered
und g'hacked übersetzt Walkmstr das nhd. : ,das Schloss
sank in Trümmer'. — 4. unordentlich, flüchtig, über-
eilt, liederlich arbeiten. Etwas ohne rechten Ernst
abtun, schlecht verrichten L; Ndw; Z; Syn. hoderen,
hudlen, pfudlen, schluderen, strudlen, süwen. Etwas
anne' h. Abi. Hüderi. Im schnellen Arbeiten wett-
eifern ZHed.; Syn. fechten. — 5. „rasch und ver-
worren reden L" ; Synn. s. bei haderen. — 6. schlem-
men, prassen, liederlich leben „GT.;" SchwE. — 7. in
grossen Flocken schneien Gr; vgl. die Synn. fetzen,
hudlen. Inher h., z.B. in ein Gebäude GRPr.
In Bed. 1 und 4 auch bair. und kämt. Die Grundbed.
der unruhigen Bewegung lässt sich deutlich erkennen; vgl.
1001
Had, hed, hi.l.
IiikI
1002
Anni. zu lludel und ,hudein', schaudern, fröstelu (eig. schlot-
tern, vgl. Jiudle" II S), bei Schottel. 6 lässt sich auch wie 7
direkt mit Huder in Verbinduug setzen.
uf-: 1. (verwickelten Faden) entwirren UwE. —
2. (zusammengepresste oder gewalkte Wolle, Eosshaar
in Matratzen usw.) aus einander zupfen UwE.
ver-: 1. = huderen 1—4 Aa; „L;" Uw; Zg; Z.
Verhiiderets Garn, 's Bett v. = ver-pfitelen, -trolen.
Durch ungeschicktes Anfassen Etw. zu Grunde richten,
so dass es aus einander fällt AABb. „Etw. durch ober-
flächliche, leichtfertige Arbeit verderben, dadurch ver-
lieren." — 2. Hab und Gut liederlich durchbringen,
verprassen „GT.;" SchwE. — Vgl. auch das begriffsvwdte
wr-guderm II (Sp. 125) und die Anra. zu Oehudel.
g'hüdere": 1. im Kehrichthaufen wühlen, wie
arme Kinder oft sogar morgens mit der Laterne tun,
um darin noch etwas Brauchbares zu finden BStdt;
Syn. hüflen. — 2. (üf-Jgüderen II, Reisig oder Holz
lose schichten, dass es viel scheint GW.; zu Gelinder 3.
zer-huderet: zerfetzt GRPr.
Huderete f.: (coli. i. S. d. PI.) Lumpen, Fetzen Th.
Huderi m.: Mensch, der verworren redet, seine
Geschäfte nur obenhin verrichtet L; Zg.
„g"huderig, -ü-: wirr; schnell und verworren;
unachtsam u. hastig bei einer Arbeit L." — S. huderen 4.
Hudi n, in ScsSt.; Z auch Hüdi I: 1. n., auch
Bett-K, Schlummertuch kleiner Kinder, das sie beim
Schlafen an die Wangen oder über das Gesichtchen
legen, um so, wie sie meinen, besser schlafen zu
können AaL.; Syn. Muderli, Nudeli, Nunneli, Nuseli,
Netli, Nezli. — 2. m. von Personen männlichen Ge-
schlechts, im Allg. = Elidel; doch auch mit etw. ge-
milderter Bed., oft nur als leichtes Scheit- oder gar
Scherzw. B; ScflSt.; Schw; Zg. Auch, ähnlich wie
Hodli I, geradezu Kosew. Du arme H., sagt man
mitleidig zu einem Pechvogel, einem Kränkelnden Bs;
B; ScnSt.; Z. S. noch Hudeli II. Als Ntr. von Per.s.
weibl. Geschlechts dagegen i. S. v. Vagantin, lieder-
liches, unordentliches Weib, Dirne, Metze AAZein. ;
L; ScHW; ZO. Syn. Hu(t)sche, Huschi. Auch adj. Gl
= fiitü Bd 1 1136, futsch Bd I U42, z' Hudlen (gä').
— 3. hässliche Maske aScHW; Zg. Auch= Gauygler 3,
eine aus Stroh und Lumpen gefertigte, mit einem Hut
versehene menschliche Figur Zg. — 4. verächtlich als
Eigen-, bzw. Übern, weiblicher Wesen, bes. von Hexen
und Gespenstern; vgl. Gehitdi. Ln Aa-Tobel bei Schw
Steinen fuhr das Aha-Hiidi bei Wassergüssen auf
einem Baumstamm sitzend daher. Beim Hudikreuz in
AALeugg. lässt sich ein Mädchen als Gespenst sehen,
s. Kochh. 1856, I 261. Über das ,Schwaben-H.' und
seine Hexenkünste s. Lüt., Sag. 214/5.
Zn 3 Tgl. das tir. ,HHdeI- od. Huttler-Laufen' von Masken
zur Fastnachtszeit, Huderbutz' bei Gr. WB.
G'hudi Zg; Z (vorwiegend K/-), G*hüdi B —
n.: 1. verächtlich, in coli. S., die Kleider der Kinder
BoHa. — 2.=^ Hudi II 2 Th; Zo; Z. Zwei alti G'hudi:
der Hochziter nit emol g'rasiert und d' Hochziteri e
Bureländeri. Zg Kai. 1881. Bes. als derbes Schimpfw.
gegen Frauen, seltener scherzw. zu Kindern Z. —
S.Gespenst BSi.; „Popanz BGu." — Über <■/ aus r/'-|-7i
vgl. Oehei, k/ii (Ptc. von han) u. A.
hudi III, hüdi 11, hude: 1. Interj. der Freude.
,Wo man Hudi-hudi-ho ruft, da geht Mancher toll
und voll und wie ein Narr heim.' HPest. — 2. Hudi
ha' (mache'), sich vergnügte Zeiten gönnen, in Saus
und Braus, hellem Jubel leben, ungebunden lustig
sein BLauf. ; S; Z. Si hei dort enand d' Hör us-
g'risse'; do hei m'r [die Teufel] H. g'ha'. BWvss 1863.
So wird g'haseliert und H. g'macht [am Tanzabend]
bis Spot i" d' Nacht. Schild. Hudi .n' mit enand, mit
einander recht freundlich tun. ein Herz und eine Seele
sein Gl (spöttisch). i?»f/i' si», vergnügt BoSi. S. noch
Hndi-Brass. — 3. Hudi Z. Hudi. Hudeli ZWülfl..
Hude Th, das bei Rochh. 1S57. S. 395 ff. beschriebene
Spiel Tu; Z ; s. auch geiss-gilgen Sp. 159 und Geiss3d.
— 4. Hudi ni., der Klotz, der bei letzterem Spiel mit
Stäben in die Gruben getrieben werden muss Z. —
5. Hude, auch H.-Ma" m., beim selben Spiel der
Hirt, der den Spielklotz zu hüten hat Th; ebd. wird
die mittlere oder Hauptgrube Hude-Loch genannt. —
ö. Hudi SI', beim ,Plattenschiessen', einem Knaben-
spiel (s. Platte), am Weitesten vom Ziele entfernt
sein BR. ; Gegs. erst, bl-(e)st sin; Syn. Hutz sin.
Zum Verhalten der Bedd. 1 und 2 vgl. hui, juheie und
juhe. Betr. die Bedd. 3 und 4 vgl. die Anin. zn Hudi-hvd-um
und Zoch-um Bd I 22S/9, wenn nicht etwa das Spiel seinen
Namen dem Spielklotz zu verdanken hat, der hinwieder nach
der raschen Bewegung benannt wäre, in welchem Falle
Hudi III 3 identisch mit Hudi II 3 wäre; vgl. Audefen und
die Anmerkungen zu Hudel und huderen, sowie das Syn.
hurrlen. Auch zu 6 ist viell. Hudi II zu vergleichen. Hude
scheint Analogiebildung nach Heide.
Hudle 11 f. = Hudel 2 a GaPr.; G oT.
Char(r)e°-: verächtlich für Karren ScuNnk.
Viel), zn hodkn, hudlen, rütteln; vgl. Hauderer 2 und
Anm. zu Hodel I, aber auch .Hudere, Wagendecke, falls pars
pro toto steht.
hudle° II: 1. „schlottern, bammeln", z. B. von
den am Leibe herunterhangenden Fetzen ; lumpig sein
oder werden, in Fetzen aus einander gehen, reissen
B; Üw; W. Es hudlet Alls an-im, er kommt in zer-
fetzten Kleidern daher BSi. S. noch gehudlet. —
2. schütteln, rütteln und damit zerstören, in Fetzen
reissen B; „L;" Uw; Syn. guslen. klütterlen. Es hudlet
mi"'; z. B. vor Frost, im Fieber. ,Weil ich nicht
durfte, hudelte es mich, als ob ich das ärgste Fieber
hätte.' GoTTH. Wenn er sich heig miiesse" üherge", su
heig es 'ne toll g'hudlet. ebd. Er het das Mannli
a"g'schnauzt [angefahren], dass es im siner Scheichli
[Beine] ganz g'hudlet het. 111. Schweiz. De" han-i'''
du g'hudlet «"* g'schüttlet, bis er g'nueg g'ha hat. Dr
Bari 1883. Eine' h. und i>udle' Z (auch bildl.). Wie
hudlet mir der Luft mis Bach. GJKühn 1806; dafür
1819: zerrlsst. Mit Pfusibagge' [Bausbacken] chunnt
der Fön u"' hudlet im [dem Winter] sis Suimtig-
g'nand. ebd. 1819. De"- Gugger (Stier, Tüfel) soll mi^''
h.! Beteurung B; Syn. der Giiggel soll mich bicken!
Sie beteuerten, ,sie litten das, der Tütschel soll sie
h., nicht.' GoTTH. S. noch Gugger Sp. 186. — 3. mit
Pers.-Obj., Jnid den Kopf waschen, ihn derb anfahren,
höhnen, hart behandeln, plagen, aus-schelten, -zanken
AaZ. 1815; Bs; Gr; Th; Ndw ; Z. ,Ich hatte eine
Art Selbständigkeit, die sich nicht von Jedem h. liess.'
GoTTH. ,Dort hab ich genug gelitten, bin genug von
dir und Deinesgleichen gehudelt worden.' ÜBrägg.
1788. ,Convexare, übel plagen, vexieren, h., verderben.'
Denzl. 1677; 1716. S. noch balgen. — 4. (intr.) zan-
ken, schimpfen Th. Über An h., ihn vor fremden
Had, hed. hid, hod, hud
1004
Leuten heruntermachen. Wenn die Zwä zämme' ehöm-
meä, so chönnd si nüt Anders, weder mit-enand h.
— 5. übereilt und nachlässig, unordentlich arbeiten,
pfuschen Aa; Bs; B; VO.; ül; Gr; G; W; Z. Strudle'
und h. G. ,Ein Kartenspiel über einander us h.', un-
ordentlich hinwerfen, dass die Blätter zerstreut herum-
liegen ScHW. — 6. unehrlich handeln, schlecht Haus
halten, prassen, sich dem Trunk ergeben Bs; B; Gl;
S; Ndw; U. Der het a'fa" cf hudlet, es hätt es stifs
Säuli ge", was er versöffe' het, sagt die Frau, wie sie
dem Manne nach seiner Heimkehr das Geld nachzählt.
GoTTH. .Erst in der letzten Woche hat er 2 Mal ge-
hudelt, hat ja Lohn eingezogen, ehe es Fastnacht war.'
ebd. — 7. mit einem Lappen (s. Hudel 1 c) den Ofen
kehren S. — 8. gan /»., Lumpen sammeln BR. ; chon
h. dagegen auch = zerlumpt daherkoinineii. ebd. Vgl.
Hudi-Lumper. — 9. unpers., bei W iiul ■liinli einander
regnen und schneien; in grossen Floekeii (HudlenJ
schneien Aa; BsL.; B; L; Sch; S; Z; Syn. fetzen,
fotsen, guslen, koslen, budlen ; Fatzenetli schneien. Bas
hudlet au"'', 's isch Ei"'m, a's müesst 's Ei"n l'schneie'.
Will de" Früehlig no''' nit cho" ? 's hudlet, das' m^ lauft
derco'. Volksreim. In-ere ung'stüemte' Nacht, wo 's
g'hudlet und (f windet het. BWyss 1863. S. Hudel- Wetter.
Betr. die Bedeutungsentwickhiog Tgl. noch Anm. zu
/atzen. Die Bedd. 7, 8 ii. 9 lassen sich (z. T. auch 1 «. 6)
direkt auf das Subst. Hudd zurückführen. Zu der Beteuerung
unter 2 vgl. die mhd. Verwünschungsformel : ,Dass dich der
ritt (das Fieber als dämonische Macht] schütt!' Zu 6 vgl.
auch gudlen S Sp. 124. — Dim. hüdekn, s. hudelen.
abe"-: 1. mit Acc. P., Jmd ausschelten GRÜhur.
— 2. unpers., i. S. v. hudlen 9 Aa. — über-: eine
Arbeit flüchtig abtun W. — uf-: 1. von Kleidern, sie
ausnützen, bis sie zu Lumpen werden Ndw. — 2. zer-
platzen, wie mehlige Kartoffeln, ebd. Vgl. Hudeli II 3.
— umme"-: sich wilJ herumtreiben Bs. Syn. ummen-
hauderen. Sich schlecht aufführen; in Kneipen, übel
berüchtigte Häuser laufen Uw. — ane"-: eine Arbeit
flüchtig und obenhin verrichten, gleichsam hinwerfen
VO.; W; Z. ,Und wann ir schon arbeiten wend, so
nemment ir Alls letz [verkehrt] in d' Hand, hudlet 's
anen also fir d' Not.' Com. Beati. Syn. anen-hauderen,
-huderen. — i»-: nachlässig in Lappen oder Windeln
einwickeln, z. B. einen Säugling Z; vgl. in-machen.
— ine"-, in der Bauernregel: 3Ie seil de' Weize" i.,
denselben bei Hiidelivetter, nassem Wetter, ansäen
Aa; Z. Vgl. inen-sudlen, -drecken; Gegs. inen-rudlen,
-brennen. — dur(ch)-enand-: durcheinanderwerfen.
,Man schrieb Wetterregeln, ohne den Ursprung des
Wetters noch seine Faktoren kennen zu lernen. Diese
selbst wurden unbarmherzig durch einander gehudelt.'
JCSeg. 1817. — er-: derb schütteln, z.B. vom Frost
Uw. Es erhudlet mi''' brav. Hart mitnehmen, z. B.
von einer Krankheit, ebd. Syn. erfecken. — üs-: 1. in
dem Ptc. usg'hudlet, in Fasern auslaufend GrD. Wenn
d' Chrutwürzts läng sind, so git 's an länga Wintnr,
und wenn sch' läng usg'hudlat sind, so git 's <}n längn
und strengq Wintp: — 2. refl., sich aus den Windeln
herausarbeiten, von einem Wickelkinde Z. — 3. Einen
um Hab und Gut bringen, ,nackt ausziehen', bes. im
Spiele ausbeuten Bs; B; Z; Syn. us-humpen, -hitngen.
Usg'hudlet si', en usg'hudlete Mensch, der Alles durch-
gebracht, verspielt hat; Syn. usgelumpet. — 4. Jmd
durchhecheln, scharf zurechtweisen, verläumden, aus-
schimpfen Aa; Bs; B; Gl; Gr; G; S; Uw; W; Z. Syn.
us-huderen, -hunzen, -pudlen, -putzen, -schänden; ab-
kanzlen, aben-kapitlen, -kappen; d' Meining sagen u. A.
,Da die Jungen (Mönchsnovizen) ausgehudlet werden
als die ärgsten Lottersbuben.' ClSohob. 1699, S. 26.
— 5. s. US Bd I 554. — ver-, zer-: 1. in Stücke,
Fetzen aus einander gehen, zerfallen, von Kartoffeln
B; Ndw; Syn. verfaren. Von Kleidern usw., reissen,
zu Grunde gehen, verderben Bs; B; Ndw. ,Sie be-
hauptete, es sei viel wohlfeiler, Löcher zu rechter
Zeit zu flicken, als die Kleider v. zu lassen.' Gotth.
Bankrott werden Obw, s. grumsen I. Syn. ver-lunipen.
— 2. durch einander werfen, in Unordnung bringen
GWa.; Uw. — 3. zerreissen, zerstückeln BSi. ,Als
die römische Kaiser die eroberten gallischen und ger-
manischen Land anfiengen zu z.' Tschudv, Gall. —
4. Hab und Gut liederlich durchbringen, verschwenden
Aa; B; F; Syn. ver-hederen, -hunpen, -putzen. .Hätte
er sein Gut verhudelt gehabt, 8 'Kinder hätten an
seinem Grab geweint, d. h. sie hätten geweint, dass
er das Gut verhudelt.' Gotth. — Das Ptc. Perf. als
.\dj.: 1) zerrissen, zerfetzt, zerlumpt B; G; Z. Ver-
hudlet dether che. ,Er hiess den Schneider kommen,
denn so v. wollte er Niemand im Hause haben.' Gotth.
, Zerhudlet g'wand antragen.' UEckst. .An der Z Syn.
1534 wird geklagt, ,der Diakon N. trage zerhudelte
Kleider'. ,Ein zerhudleter pur.' Rüef 1540. , Pannus
lacer. ganz z.' Denzl. 1716. , Königliche Prinzen und
z-e Bettler.' FLücius 1736. S. noch hudelacht. —
2) in Unordnung geraten oder gebracht, verwirrt, ver-
lottert, zerrüttet, verderbt B; Z. Hand- er nüt Ver-
derbts für mich, Verhudlets und Verchetzrets, sei 's
was 's wöll? fragt ,der Löter', der Flickarbeit sucht.
Stütz. Nimm das Truckli [Schächtelchen], es ist nüt
Schad drum, es ist ganz v. Gotth. Nach dem Berg-
sturz von Elm äusserte ein dortiger Einwohner, ,der
Tschingelberg sei ganz v.' ,Dass der Ägypter 1er von
der Gottheit mit märlinen verdeckt und also v. wäre,
dass man durch sölichs die hell warheit nit wol er-
kennen möcht.' TiERB. 1563. — 3) als Verwünschung:
,Das ist doch v.!' UBrägg. 1780. Syn. rer-flickt, -fluckt,
-fluemet, -fli.rt, -licet, -kert, -lüflet, -trudelet, -trackt,
-zwackt, -zicickt. Yg\. noch hudlen 2. — ge- kxudle":
im Wirtshaus herumsitzen und lärmen B ; FMu. S. hud-
len 6. — b»-: Jmd zurechtweisen, scharf tadeln,
tüchtig abstrafen BHk. S. hudlen 3. — dur'^'^e"-:
Jmd durchhecheln G, sonst = dem Vor. .Aa; B. ,Wenn
der Schulmeister mich prügelte, so verklagten sie mich
zu Hause, damit ich auch noch von den Alten durch-
gehudelt werde.' Gotth.
Hudler m. : 1. Lumpensammler F; Syn. Hudel-
Lumper. — 2. unzuverlässiger Mensch, der in der
Wahl der Mittel nicht ängstlich ist GrPt. ; sonst im
Allg. = Hudel 3, doch noch ehrenrühriger als jenes
Gr; L; Zg; Z. ,Er und seine Familie sind arme,
verachtete H., seine Eltern konnten sich des Betteins
kaum erwehren.' UBrägg. 1788. ,H.' wird Joseph von
seinen Brüdern gescholten bei Büef 1540. ,H., leicht-
fertiger mensch, scurra, nequam.' Mal. Das W. wird
1572, Absch. unter den Schimpfnn. aufgeführt, die im
Th vor den niedern Gerichten bestraft werden. .Chri-
stus, von einem so leichtfertigen H. und Lottersbuben
geschlagen.' c. 1590. Hasser. ,Der H. hat mich gar
entblösst' schimpft eine Frau einen beutegierigen Sol-
daten. GGotth. 1599. ,Der H. hat 's dem König g'sagt
1005
Had-hud. Haf-huf
[dass Tobias heimlich Juden begraben hat], verlogen
dich und hoch verklagt.' ebd. 1619. ,Er ist ein H.,
keins Manns wert' ebd.
Kerne"-, Korn- s. Hodler I.
Nacht- = Elidel 3 h B oHa. (Zyro).
Hudleri f.: betrügerischer Handel übw.
g'hudlet, inGü., Sa. g'huttlet: 1. = gehudel 1.
i-erhudlet i ß; F; Gl; GO. B' Bliebe' müend Brot
und g'huttlet Hose' ha', Knaben sollen einfach erzogen
werden GSa.; vgl. dazu das ähnliche Sprw. unter
Hitdel i. — 2. = ijehiidel .2 BG., 0. ; Gl ; GrD. E schwarz
(fhudleta Gitzi Gl. E g-i Mutte [ungehörnte Ziege]
BG. Er tappet daher loie an kuttlnta Bär GrD.
S. noch Mudel 2 a. — S. g-e'' Wi', trüber, unreiner,
neuer Wein, der noch auf den Trebern liegt „Gl;"
Sciiw; Zg. — 4. E g-s G'wüsse' [von den elenden Sub-
jekten, welche aus der Erniedrigung der eigenen Vater-
stadt Gewinn zogen]. GJKuhn 1819, 75. 184, ein un-
lauteres, böses? leichtfertiges?
Bedd. 1 uud 2 von Ifudet 1; wahrscli. ist auch 3 vou
deu im neaeu Wein schwebenden Floclien und Fetzen be-
nannt; vgl. dazu noch die Synn. Hudli, Hudel-Wtn.
un-, in der RA.: Lass mi''' it., lass mich unge-
schoren, in Ruhe Zf; Syn. tingehlt. — Vgl. hmlh-n 4
und die Synn. zu us-hudlen.
Hudlete f.: 1. Wirrwarr, Durcheinander Uw. —
2. ausgelassene Belustigung, liederliches Wesen und
Treiben B. ,Es konnte nicht alle Sonntage irgend
einer Hudelten zusteuern.' Gotth. .Diese Ausfahrten
an eine simple H-n waren jedoch nicht die teuersten,
mit 40 — 50 Btzn kömmt man schon weit im Tag.' ebd.
S. noch Gumpet 2.
Hudli, in GaHe.; GRh. auch Huttli — m. :
1. = Hudel 3. Sudler Ap; Gl; Gr; G; Schw; Z;
verst. Hudli- Hund Gl. Hui- um, chumm nw use' '.
du Lump, H, Guggerbür! du muesst hinkt [diese
Nacht] g'niieg ha"; hui-um! ruft Nachts ein Händel-
sucher vor dem Hause. EFedrer, Wie er gefasst
wird, ruft er: Lömmi [lasset mich] los, ir Hudlene,
Spitzbuebe', oder i"* bringen All um. ebd. Als Kosew.
= Hodli I ZKn. — 2. = g'hudlete- Wi' GRChur, He. ;
GSa., T. Saurer, geringer Wein G uRh. Von un-
zeitigen Früchten (Trauben, Obst) bereitetes Getränk
.\pK. — Vgl. zu letzterer Bed. Guwl 2 c ß, GmiyelS Sp. 367.
Gi(r)t-: Geizhals Ap. Syn. G.-Hund, -Sack.
( g°)hudlig: 1. = „gehudlet" 1. Öppis g'h. mache",
nachlässig ausführen Z; Syn. Öppis annen hudlen. ~
2. = gehitdlet 3, vom Wein GRChur.
u"-hudlig: unfreundlich, verdriesslich, mürrisch
S. — Vgl. ge-hodlig 1.
hudri: Interj., Hals über Kopf, schnell. .Alsdann
gieng 's h., h. die Weinberge hinunter, sprungweise
über eine Mauer nach der andern herab in die Ebene.'
UBragg. — Vgl. das syn. kiirnt. ,hudri-wudri' und unser
kuderen i. S. V. eilfertig arbeiten.
Hüdel m.: = Hudel 3, doch mit etw. verst. Bed.
Uw. .Ist Einer ein Hidel, so ist er es auch als Rats-
herr, ist er aber brav, so ist er 's auch ohne Amt.'
JKInderbitzi 1831.
Auch sonst dienen umgelautete Formen gegenüber den
uuunisrelauteten zur Verschlechterung oder Verstärkung des
Begriffs; vgl. Flüder : Fluder, Blüder : Binder, die zu uuserin
W. synu. Südd : Sudel u. A.
Hexe"-: = dem Vor., mit noch mehr verst. Bed.
Uw. En orme H. Hildebr. - Betr. Hex zur Verstärkung
der Bed. vgl. Hexen-Kalb, sehr dummer Mensch.
h ü d e 1 e n s. httdelen.
Hüdeler m.: 1. = Hudel 3 B; Z. 's b'schiisst
Alles Mit, du tcirst W-' blibst e H. BHk. (Volkskal.
1851). .Arbeiter, die sparen und nicht nur H., son-
dern etw. Rechtes werden wollen.- Machari 1884. —
2. kleine Mannsperson, auch von Kindern AaZcIu.
Abi. von hüdelen; zu 2 vgl. bes. hudelen i. S. v. : mit
kleinen Schritten gehen, und Höder.
hudere": niederkauern, von Hühnern AAFri. ; Syn.
griipen.
Das W. findet sich auch bei Gr. WB., dürfte alsu ent-
lehnt sein; doch könnte es sich auch zu dem Syn. hürm
verhalten wie HaudeH : Hauri; vgl. auch das Folg. und bair.
, hudeln', sitzen, sich setzen.
Hüdris, nur in der RA. H. mache": zu Grunde
gehen, sterben, bes. von Hühnern ÄASt. (roh). —
Wahrsch. mit der End. -i» aus '-em von dem Vor. abzuleiten.
Md, in der Verbindung: hüd Lobe, Lobe! Zuruf
der Sennen an die Kühe. St.**
Hüdi lU f., It St. n. — Dim. Hüdeli, Hüdelti
— PI. Hüdnnn (GnChur): Kalb uud zwar spec. Kuh-
kalb bis zu einem Jahr GrD., He., L., Pr., Seh. Syn.
Galtlig, Hutscheli, Kuetschi (-Kue, -Kalb), Kalbele.
Weders [welches von Beiden], en Stier oder en H?
GrD. ,Eine Hüdi (,Hudi', It Römer u. Schinz 1809),
ein einjähriges Kühkalb.' Alpina 1806.
Verhält sich zum vorigen Lockw. wie die Synn. Bmli,
Buachi, Buscheli zu den Lockww. bua, buachi. Andere Beispiele
s. in der Anm. zu Gun I (Sp. 472). Die aus ürPr. ange-
gebene Form Hüde f. dürfte ihre Bestätigung im Gr Sammler
180.5, 526/7 finden: .Wann es eine Hüdln [soV] ist' und
,die Hilden [PI.] verkauft man nicht leicht'. Das Neutr. bei
St. erklärt sich aus der Auffassung als Dim.
Chalb-: Kuhkalb bis zum 2. Jahr GRTschapp.
Syn. e galti Hüdi. Vgl. Hüden-Kalh.
Hüdi IV: Personenn., Koseform für Huldreich,
welcher Name selbst, wenigstens bei Ulrich Zwingli,
der sich dessen bediente, auf einer Unideutung aus
üelrich (Bd I 183 f.) beruht AASt.
Haf, hef, hif, hof, huf, bzw. haff usw., hav usw.
S. auch die Keihe Hapf usw.
Häf s. Hof; Hanf. Haf s. Haft.
Häfe" m.. Dim. in Gr ObS. Hafamli: Topf, und
zwar zunächst vornehmlich irdener zur Aufbewahrung
von Milch, Kochbutter; dann metallener Kochtopf,
aber im Gegs. zur Pfanne ein grösseres, zum Sieden
von Fleisch, grösseren Mengen Kartoffeln oder auch
von Wäsche verwendetes, mit Handhaben oder Hen-
keln (statt eines Stiels) versehenes Gefäss bezeich-
nend; Yg\. H.-Gön, -Kellen; -Käs. D' Mueter chochet
Schnitzen, i"'' gon-ere' über 's Häfeli, iez git si-m'r
Ei's uf 's Näselt Aa (Reimspruch). Anke'milch im
Häfeli, d' Meitli sind gar bräveli, si schlecke't alli
Häfeli. ebd. Häfeli verchaufe' (ein Spiel) s. u. Ge-
schir. 1355 nimmt man einem Bürger ,hefen und
ander husgeschirr' weg. L Staatsarch. Sämmtliche
1007
Haf, hef, liif, hof, huf
Schwestern einer ,Sammnung' hatten einen .gemein-
samen H. [Kochkessel]' und ,gemeines Mues'. Bs XIV.
,Es soll niemand nüt unsubers in den bach tuen, weder
kessel nach häfen.' AAWett. Offn. ,Von häfen etwan
1 stuck oder 2' durfte die Frau als Eherecht aus der
Hinterlassenschaft ihres Mannes voraus nehmen. 1558,
Z Stadtr. ,Man sagt, so ein kleiner neunaug in einem
irdenen geschir in wasser gesotten werde, dass der h.
zerspringe.' Fiscbb. 1563. .Irdiner h. oder irdin ge-
schirr, olla fictilis.' Mal. ,[Der Gläubiger] mag den
Weibel heissen Kessi und Häfen vom Für nen und
mag es verganten.' 1622, SchwHö. Hofartikelb. —
EAA. und Sprww. Ich meine, es sei de'' H. grad so
schwarz wie d' Pfanne, 's trefß nüd vil a*. Stutz
(übertr. auf Menschen, die sich gegenseitig ihre Fehler
vorhalten). S. noch uf-hehen. Chli' Häfe' händ au"''
Ore- [i. S. V. Öri Bd I 418]. Sdlger [man soll in der
Gegenwart von Kindern sich im Gespräch in Acht
nehmen; vgl. Kachel]. Ufjede" H. g'hört e" Deckel L,
Gleiches gesellt sich zu Gleichem, gleich Schlechtes
gehört zusammen und findet sich, bes. auf den Verkehr
und die Verbindung beider Geschlechter angewendet;
vgl. glich Sp. 593; Säu-Häfeli. ,Wie der H. ist, so ist
auch der Deckel.' Mev., Hort. 1692. Glück zue, Häfeli,
's wird au''' e Deckeli ha" Z. Es hat na [noch] en
ieders Häfeli au"'' sl's Deckeli g'funde" Z. De-- H.
hed der Deckel g'funde". Ineichen ; vgl.: ,Zu Einem,
der nur Töchteren und keine Söhn hatte, sagt Einer,
er könne Nüt als ander Lüten Underbetten rüsten;
der antwurt[ete] : Man bedarf zum ersten des Häfelins,
ehe man des Deckelins von Nöten hat.' Schimpfr. 1651.
Der Takt des Mazurka-Tanzes wird durch den Vers
wiederzugehen gesucht : D's Rafnmli muass ns Deckali
ha", d's Decknli muass ns Hafnmli ha" Gk ObS. Er
findt uf jede" H. de" Deckel, weiss das Pünktchen
aufs i zu setzen, findet für Alles die notwendige Er-
gänzung L. Ei"'m de" Deckel ab -ein (vom) H. tue"
(lupfe", lüpfe"), de" H. üf (ab) -decke", Jmds hinter-
listige Pläne enthüllen, seine Schliche aufdecken und
ihn damit bloss stellen, entlarven L; G; Sch; Ndw; Z.
.Dem H. den Deckel ab (auf)-lupfen, in apricum pro-
ferre.' Denzl. 1677; 1716; Met., Hort. 1692. .Einem
d. D. V. H. tun, sagen, wer er ist' Met., Hort.; vgl.
ebd. : .Decke den H. zu, so siebet man nicht, was du
kochest.' In etw. anderm S. sagten die Rebellen, als
sie 1798 die Farnsburg besetzten: ,Mrr wei hütten
[heute] noch dem R. den Deckel ablüpfe".' Mf cha""
's Häfeli träge", wie vu" tvill, Sf verschütt't-m^' bi-n-em,
man erregt bei ihm Anstoss, wie man sich auch be-
nehme Z; daher: 's Häfeli ebe" träge", sich in Jmds
Gunst sorgfältig zu erhalten suchen, es allen Leuten
recht machen Th; Z; xg\. Krueg. Häfeli stütze" [hier
— umschlagen] , einen Purzelbaum schlagen GrV. ;
Synn. s. bei Gige 3 f. 's Häfeli gat zum Brünneli, bis
's Handhebeli a"pütscht und verheit Z. De"" g'sprunge"
H. hebt am Längste" ScnSt. ,H. brechen', zunächst
i. S. V. einen liederlichen Haushalt führen, die Sache
nicht zshalten, (einen) Fehler begehen. Es bricht
Ei"''s Häfeli und 's Ander Chrüegli AASt. ,Die Frauen
vertreiben sich ihre Zeit mit an die sog. Höfe [ge-
sellige Zskünfte] rennen, die Privatenhöfe besuchen;
Herr und Frau sind eines Sinnes: Das Eine bricht
Häfen, das Andere Scherben.' XVIU., L (Liebenau).
D'r Ma'" verheit 's Häfeli imd sl 's Blättli, Jedes von
Beiden lebt im Ehebruch AAZein. ,Als Einer in
ersten Jahren bei seinem Weib kein Kind, hernach
vil bekommen, hat er gesprochen : Ich hab wol ge-
dacht, wenn der H. einist zcrbrech, es werd der Stucken
vil geben.' Schimpfr. 1651. 's isch tcider Eppis im
Häfeli, von einer schwangern Frau Bs, vgl. Ofen.
,Ein Mann sagt ironisch zu einer hässlichen Frau, die
sich rühmt, in ihrer Jugend auch schön gewesen zu
sein: Man g'seht es wol an den Scherben, was für
ein hübsch Beckli oder Häfeli ihr gewesen.' Schimpfr.
1651. ,Um ein alt Häfeli ein neu Tüpfi [Kochgeschirr]
kaufen, sagt man von jungen Wittwen alter und rei-
cher Männer, aus deren Verlassenschaft sie die Mittel
ziehen, die Nachfolger nach Wunsch zu erwählen' Bs
(Spreng). S. noch i. Gugg i" di" (i"'s) eige" Häfeli!
Schau i" 's Nochbers Chuchi, z'erst aber i" di" Häfeli .'
beschäftige dich mit deinen eignen Angelegenheiten
L; Sdlger. ,Guck in dein Häfelein! In sinum tuum
inspue!' Met., Hort. 1692. Vgl. ,Gug[g]-in-H.', Per-
sonenn. 1407, Wegelin. Uf ei" Mol (einist) i" 7 Häfe"
(ie)luege" (gugge"), ein Schlaukopf, Pfiffikus sein L;
GT. In alle 9 Häfe" luege", schielen Bs. S. noch
fremd 2 Bd I 1298. Dem H. de" Bode" g'seh ha", der
Sache auf den Grund gekommen sein L; dagegen in
B: seinen Vorrat, sein Vermögen bald aufgebraucht,
die Freude ausgekostet haben ß. Esö ist de H. g'sV,
nichtssagende Schluss- oder Eingangsformel bei län-
gern Auseinandersetzungen Z. De" H. nüd use" lupfe",
seinen Zweck nicht erreichen GT. De" gross H. (reelle")
use'lupfe", derco"-. ewegträge", etw. Grosses, das Schwie-
rigste bei einer Arbeit vollführen, bzw. mit dessen
Ausführung prahlen GT.; UwE.; Sprww. 1869. Er
mag no''' so tue" [schmeicheln], er chunnt (treit-is)
der eri H. doch nit über (us-em Hus), erhält das Beste
doch nicht S. S. noch erin Bd I 399 und dazu: Es
isch kei chlini Sach : der erig H chunnt-is zum Hüs
üs. Schild 1885. Vgl. noch Häle", Hung-H. De" Fuess
im H. ha", festen Fuss gefasst, sich einen Vorteil
gesichert haben, sich in (bei) Etw. sicher fühlen, in
einem Haus oder Geschäft den Meister spielen, das ent-
scheidende Wort führen B. ,Wenn afe Eine [Schwieger-
mutter] eine Tochter in einem Hause hat, so meint
sie schon, sie hätte den Fuss im H.' Gotth. Was
will User Eine mache" gegen Sellig, ico d'r Fuess im
H. hei" [am Ruder sitzen]? ebd. .Begreiflich kommt
es viel darauf an, wer [von den Weinreisenden, in
einem neuen Wirtshaus] zuerst den Fuss in H. setzen
kann.' ebd. ,Des Müllers Sohn hatte eine Zeit lang
[bei einer heiratsfähigen Tochter] den Fuss im H.,
dass Alles meinte, jetzt lassen sie verkünden.' Gotth.
,Der Meister] umpfere [Oberraagd] stellte der Bauer
den Fuss in den H. [liess sie schalten und walten], dass
sie längs Stück meinte, wenn des Bauern Babi stürbe,
so würde sie des Bauern Babi.' N. B Kai. 1843. Us-em
lere" H rede", aus dem Nichts', unbegründet, ohne
Grund Gl; Sch. ,Die so schuldig sind, die wüssend,
dass ich nit us einem leren h. reden.' ThFrickart
1470. ,Üwer wjsheit mag wol spüren, dass der eren-
mann nit us einem leeren h. geschriben hat.' 15'29,
Absch. ,Deshalb die red, so diser dingen halben an
üch gelanget, nit gar us eim holen h. kommt.' 1531,
Brief an Z. , Allerlei reden, villycht nit all us einem
leren (wie man spricht) h. entsprungen.' HBüll. 1572.
.Du redest nicht aus dem leren H., non est de nihilo
quod dicis.' Hospin. 168.3. ,Er redt aus dem leren H.,
somnia narrat' Met., Hort. 1692. ,Gewüss habe ich
Hilf,
nicht aus dem leren H. geredet.' Z Mscr. 1712. Vgl.
zu dieser RA.: ,Uass dises geschrei aus keinem leren
h. gerochen.' Wdrstisen; ferner: ,Das redend ir all
US eim h. der sophistry, one Gottes wort.' Zwingli.
«. noch ,Hafen, Hafenredner' bei Gr. WB. JEr isch-
''cm alte" H. zue, ist zum alten Eisen geworfen worden,
hat ausgedient. SrRww. 1869. E Häfeli tif-em Fir
und e Schult derzwisclie', Alles was genügt Bs. Was
/,(('» t^'' derfir, dass-ere z'letzt 's Häfeli iberlauft, si
hct lang g'niieg 's Mul g'halte' Bs (Schwzd.); vgl.
auch Für im Dach. ,Du sahst mit eigenen Augen,
was für ein Hudel der Besitzer ist, und anstatt sofort
Feuer unter den H. zu tun [rasch und entschieden ein-
zugreifen], gibst du den Handel in seine Hand.' Gotth.
XIX 177; vgl. underfenj-füren Bd I 949. Mj" muess
nid all Lüt in ein'" H. schütte', in einen Tiegel werfen.
ÖULGER. Ir säget iez just grad das, was üch in üwere
H. dienet V. I' 's Häfeli träge"", d' Häfeli z'sämme"-
träge', von einem gemeinschaftlichen Schmause, zu
welchem jeder Teilnehmer das Essen oder einen ent-
sprechenden Geldbeitrag mitbringt; dann übertr. : zu
einem grössern Ganzen Ktwiis Ijeistru.-ni (/.T. aucli
seine Wahrnehmiin-v,, „iiit.MlruL uvinriii.rl,;, itlK'lir
Sache machen L; Srn iSiilt^ei) ; v^l. Ilaiili-.llinid.
-Ballet, -Trägetc; Ürtc l. .Pfarrer Häfeli hat einen
Groll auf die Lehrer, die ihm nicht in's Häfeli tragen',
nach der alten Sitte, dem Geistlichen Allerlei in die
Küche zu schenken ; hier zugleich Anspielung auf den
Familienn. ,Häfeli'. Z Eechtspfl. 1837. .Gute Fründ
und Nachburen kommend zusammen und haltend ire
fründliche Gespräch, Ürten und b'sonderbare Malzyten
mit einanderen und wie man sagt, tragend sie etwann
die Häfclin zusammen.' JJRüeger 1606. Du weisst nit,
iras in si"'m Häfeli siedet, was er für Pläne hat W.
Das ist nid i" dim Häfeli 'kochet, ist nid us dlm
Häfeli, stammt nicht aus deiner Küche Sch; Z. .Ge-
wiss hat ihn der Vogt kommen lassen; wenn er eben
aus dem Wirtshaus [das der Vogt hält] gekommen
ist, so macht mir das Unruhe; es ist denn nicht aus
seinem H.' HPest. 1781. ,Ich weiss wol, in welchem
H. locorum communiuni diser tauf angericht[et] ist.'
15'24, SiML., Urk. ,Darby guet abzunemmen, in wel-
chem h. dises alles 'kochet seie.' Evang. Gegenber.
1588/1658. .Aber eidgnössiseher Punt und der Für-
sten Rechtsame mochtend nit in einem H. kochen.'
JJRüeger 1606. .Wofern dieser Kosten und järlich
Verdinggelt [der Waisenkinder] Alles zsgeschüttet und
wie das g'meine Sprüchwort lutet, an einem Ort glych-
sam in einem H. gekochet würde, ohne mehrere Us-
gaben wol z' helfen wäre.' 1635, Z Waisenhaus. ,Müs-
sen wir dann dasjenig für Gottes Stimm und Wort
erkennen, was Gegenteil [der Gegner] in seinem eigenen
H. gekochet, d. i. äussert und neben dem Wort Gottes
in seinem eignen Hirn spintisiert.' Vollenw. 1642.
.Solche Wort. Segen, Spruch usw. zwar in einem H.,
nämlich in der Höllen, gekochet, aber von ungleichen
Köchen angerichtet werden.' RGwerb 1646. .Solothurn
sei erbötig, eine Zsstellung aller [von dem in S resi-
dierenden frz. Gesandten] empfangenen Gelder anzu-
fertigen, damit man nicht meine, dass es, weil zunächst
bei dem H.. nach Belieben angerichtet habe.' 1648.
Aesch. Der Erst hiiii H. richtfet] a" Gl; Z. Etw. im
Häfeli ha", guten Erfolg gehabt oder sichere Aussicht
darauf haben Z. Lache" und grine' (hriegge") in eim
Häfeli ha", bald weinen, bald lachen Aa; Bs; G; S;
Schweiz. Idiotikon. II.
vgl. den Reimspruch vom Hansli uf der Hueb und
Kachel. Bägge" und Lache" ist z'semmegebache", La-
chen und Weinen stehen (ihm) gleich nahe GRPr.
's lacht und grint i" ei" Häfeli Bs. 's Letst im Häfeli
ha", im Sterben liegen Bs; G 1790; Z. Bleich si"
(usg'seh) wie de'' Tod im Häfeli, wahrsch. ausgegangen
von der Erzälilnii- II. Knx. 1, 40 (,der Tod ist im H.'
1530/1707. '/. Ulli., j'i/i .TMpfe'). M^r zangged um de"
ler H., streiten nns um Afs Kaisers Bart AABb. .Bass
aber uf üwer meinung glosa ordinaria und interlinearis
quadrier [übereinstimme], will ich fast wol glauben:
dann sölich häfen hand sölich hienen [Henkel].' Zwingi.i.
der die Beweisführung seines Gegners seiner schlechten
Sache gemäss findet. ,Wir sollend den h. umgetreten
[den Schaden angerichtet] haben.' 1531, Abscb.; vgL
den Kübel umgehien, ferner: ,Du hast den hof[!]
bei mir verschütt, ollam apud me confregisti.' Mey.
Hort. 1692. ,Zweifelhaftigklich, halb aus, halb inn,
oder gefärlich handien, ringsweis um den h. gon, am-
bigue agere.' Fris. ; Mal.; vgl. frz. tourner autour du
pof. .[Solche, die zu früh heiraten] haben auch nie
neleniet. was man in den kleinen häfen koche, die
nnir.^^i II liornach schwere armuet leiden.' SHochuolz.
l"i!M/li;'.i:l. S. noch Pfütz, Geschirr. Specielle An-
wendungen, a) = Ofen-H. — b) H. als Ersatz von
Musikinstrumenten : ,Wo UHH. die spillüt, die machint
in häfen, mit tellern oder in ander weg zuo tanz, er-
faren und innen werden, wellind sy die fänklichen
annemen.' 1521. Z Tanzverbot. — c) Hexenkessel.
Die Zauberin zu Endor ,soll vil krüz, zirkel und We-
sens machen, den h. anzünden, seltsam herumlaufen,
mit einem blossen schwert in die erden stechen usw.'
Holzwart 1571. — d) in der Kdspr. dim. Häfeli (Haß
Aa; Bs; B; Z), Nachttopf, allg.; Syn. Kachel, 's ühcnd
mos ober de" H Ap, anderswo uf de" H, uf 's Häffelji,
eil.: Häffelji ga", setze". Si machid's icie d' Rütteger,
[von GRüti] Here" : si toand 's Chend uf 's Häfeli,
wann 's g' macht hat GBern. Davu nweglaufe" wie 's
Cliend vum Häfeli. ebd. Eine" über 's Häfeli lüpfe",
ihn zu einer Obliegenheit nötigen, ihm derb sagen,
was er zu tun hat L; vgl. Kübel. — e) Blumentopf
ZAlt., 0.; s. Maien-H. — f) topf- oder kranzförmige
Teighülle der Pasteten. .Mache einen grossen Tatren-
Hafen wie ein Sternen oder Rosen, tue darein von
aller Gattung Confect.' B Kochb. 1756. .1 Pfd Mehl
mag 3 Dutzend Pastetenhäfelein geben.' ebd. 1796.
,Um eine Pasteten zu machen, lege einen Teil von
dem Teig auf das Papier, richte ein rundes Häfeli
auf, eine Spannen weit aus dem Teig, tue es mitten
auf den Spanischbrod-Boden, tue das Fleisch in das
Häfelin.' ebd. ,Lege den Teig auf das Papier, hernach
richte den H. auf und lege das Band darum; wann
der Pastetenhafen also fertig ist, so lege den Fisch
darein und den Deckel auf.' ebd. — g) ,Der h., houpt-
schädel oder hirnschalen.' Ruep 1554. — h) = Glücks-H.
— i) Gefäss übh., in bildl. .^.nwendung auf Menschen,
s. auch oben und vgl. Ernst-, Essig-, Hang-, Klag-,
Trantsch-H. ,Da gibt es so eitle Häfen und Mode-
narren.- Sch Pilger 1884. Im Pestlied betet Zwingli:
,Dyn haf ich bin, mach ganz ald brich.' Vgl. über
dieses, bes. in religiöser Literatur vorkommende Bild
RiiMKK 9, 22 tf. und : ,Aber die trüebsal füegt uns Gott
als synen geschirren zue.' B Disp. 1528, sowie Fass,
Gefäss, Kübel, Kachel u. a. Gerätenaraen. — k) Fluni.
Aa; B; Schw. — 1) Familienn. Z, so auch das Dim.
64
Hai; lief, bil, h.
Mhd. Iinv>-n, md\ bildi. Das W. veiliält sich zu ,liaben',
bzw. , heben' (für 'hejm), wie ,Fass' zu .fassen'. — Betr. die
RA. ,deu Fuss in den H. setzen' vgl. Fues» 7 d (Bd 1 1088).
Zu i ; die Vergleichuug des menschlichen Leibes mit Töpfer-
geschirr ist eine beliebte und' nahe liegende; sie mag auch
bei einigen der oben angeführten K.^A. mitspielen, doch
lassen sich alle auch aus der concr. Bed. des Wortes ganz
Wühl erklären.
Ofe^-Hafe": Ofen-, Kochblase, in den Stubenofen
eingesetzte kupferne Blase Ap; vgl. Kitnst-H. Emm
de' 0. ne', Jind heimlich zum Scherze die Kochblase
leeren, was z. B. nach einer ,Metzgete', in einer ,Licht-
stubete' geschieht; vgl. dazu u. Fas-Nacht. I)' Buetnn
ist im 0., sagen die Mütter, um ihre Kinder zu
schrecken, da die Zuchtrute, um damit empfindlichere
Streiche versetzen zu können, etwa in das Wasser
der Ofenblaso getaucht wird. Ein Kind verhält etwa
einem andern scherzw. die Nase und fordert es auf,
0., Beckig'schirr zu sprechen. ,6 ß um ein schüefi
[Schöpfgefäss] in o.' 1532, ZGrün. ,1 o. in der stuben.'
1571, Z Inv. ,Dermassen stark den ofen yngeheizt,
dass im o. das wasser siedend worden.' JosMäl. 1593.
1675 im ZKyb. Grafschaftsrecht unter den hausrät-
lichen Gegenständen aufgeführt, welche in den Kauf
gehören, also nicht weg gezogen werden sollen. Vgl.
noch Bör-H. und s. noch Ofen-Gätzi.
Iele°-: wie ein Käsekessel über offnem Feuer
hängender eherner oder eiserner Kochtopf, dessen
Henkel in den Haken des untern Eisenstabs der I^le
(s. Ilie Bd I 180) eingehängt ist BE., M., S.f ,Wenn
man in der h. Nacht den Kopf in einen sog. Ilen-H.
steckt, so hört man diejenige Person, die man später
heiratet, singen und erkennt daran, ob die Person
eine junge oder alte sei.' Rothenb.
Da für /f/e nicht bloss die Bed. ,Kette' (wie Bd I 180
einzig angegeben wird), sondern, wie für die Synn. Hiele,
Hiene, auch die, wohl urspr., Bed. , Henkel' bezeugt ist, so
scheint der erste T. unseres W. eine Verstümmelung zu-
nächst von Hieh zu sein und, als die Sache selbst veraltete,
fremde Anlehnung gesucht zu haben; vgl. auch Lien-H. und
s. noch Ercz-, Gunygd-, RM-H. Abfall des anlautenden h ist
auch sonst bezeugt, vgl. z. B. Ar-Eitel, Unimele, Jm-Beri u. A.
A 1 m u e s e n - : Kochtopf, aus welchem an Bedürftige
unentgeltlich Speise verabreicht wird. ,N. N. war
gastfrei; hat viel Jahr ein wohlbereiteten A. den
armen Schuleren , deren gemeiniglich er 100 und
auch andere Hausarnien gehalten.' Urasser 1625; vgl.
Mnes-H. — Einer-: Milchtopf, der nur eine Mass-
einheit Milch fasst; Gegs. Zveier-H. usw. Z. —
Anke°-: irdener, hoher Topf mit Deckel, zum Auf-
bewahren der Kochbutter Bs ; B ; S ; Z ; Syn. Schmak-H.
A.-Häfeli in Z auch in der Bd I 596 Z. 9 If. ange-
führten BA. Er hlilti mager und tvemmer-ne [wenn
inan ihn] in-en Ä. (Hung)-H. inne' setzti ZS. Eini
us-em Pfarrhus, wo vom Morge'_ bis z' Oben in 'n A.
htegt, wo Nüt versteit — nei', Ätti, sehwlg-mer doch
dervo". Schild 1876. Übern, des Z Dorfes Waltalingen;
vgl. Hung-S. ,Will im den hafen mit anken schen-
ken', sagt ein Bauer, der sich einen Vornehmen gnädig
stimmen will. Holzwart 1571. Synn. s. bei Änken-Fass.
— Erez- = lele-H. Gr. In demselben werden die
Eafen-Knollen (s. d.) bereitet. S. Erez Bd I 406;
Hafen-Gön und der erin Hafen.
Ernst-: scherzh. Bezeichnung eines ernsten, nicht
zum Spielen aufgelegten Kindes GTa. — Vgl. Anm. zu
Schnäder-Gätzi, ferner Wuhnl„-Unrli«. -liitml,!. Tii,,/!. 8. noch
EsHiij-H. und Bafmi. i.
Essig-, in der RA.: Du bist so früntli--'', du gähst
e Muster zumene E. Aa. — Vgl. nhd. ,Sauertii]if- und
Erntt-H.
Fleisch-: Fleischtopf. Sider a's [seitdem] si rin
d'r Fl. Melier henke', tiird 's Ammei afe chli'müetig.
Schild 1885.
Gaggel-Häf eli: Nachttopf Sch; Syn. Nacht-,
Brunz-, Boll-, Seich-, Schiss-H. ,Man hat ihn ertappt
ob dem G. [in Sprww. 1869 ,Guggel-H.']', d. h. über
seinem ,unsaubern Handel'. Sprww. 182-1. — Zu Gwjij(H)
Sp. 165 f.
Gugg- nennt ein Wechselbalg die auf einem Herd
aufgestellten Eierschalen; s. Vonbun 1862, S. 58.
Vgl. das unter , Hafen' angeführte Gug;i-m-H.; aber auch
GiKjyele Sp. 181, Gogeli Sp. 153.
Gall-: Gallenblase. ,Das völlige [gefüllte] G.
entleeren.' Z Rhein. Beantw. 1747.
Gunggel-Hafe" = Ie?e-if. ÄAWittn.; SKienb.
— Zu fjumjgkn Sp. 368.
Giri-: fingiertes Gefäss, in welchem der Schuster
zur geeigneten Verwendung den Stoö' des Kirrens
neuer Schuhe aufbewahren soll BBe. ~ Vgl. '/ly.«
Sp. 394, Gir(i) Sp. 406/7.
Glücks-: 1. Glückstopf. ,Urna. Gl., darein man
die Looszedel täte.' Denzl. 1677; 1716. Dazu vgl.:
,Es soll eines jeklichen namen an einen zedel ge-
schriben werden, der in den hafen legen will, und
als dick ein nam geschriben wirt, als dick soll von
desselben namens wegen 1 ß geben werden. [Alsdann]
wirt man die geschribnen zgdel alle in einen h. tuen,
und wie vil der geschribnen zedeln ist, so vil unge-
schribner zedeln wirt man tuen in einen andern h.
und US denselben ungeschribnen zedeln nemen so vil
zedeln, als kleinit sind, die kleinit darüf schryben
und wider under die ungeschribnen zedeln mischen
in gegenwurtigkeit alles Volkes. Und zwüschent die-
selben zwen häfen wird gesetzt ein .[unger, unarg-
woniger knab, der wirt einsmals ungefarlich in bald
häfen gryfen und us yetwederem h. ein zedel nemen
und den namenzedel lassen lesen und mit welichem
namenzedel ein zedel kummt, da ein abentür ange-
schriben stat, dieselben abentür git man der person,
die an dem zedel geschriben ist.' 1472, Z Schiessen.
,Das schiessen und der hafen was [a. 1485] zue S.Gallen.'
Vad. ,Es ward geredt und geraten, dass MHH. einen
hafen betten.' 1504, Z Freischiesseu. ,Dass jedes ort
[welches ein Schiessen ausschreibt] , ein hafen us-
rüefen lassen mag, ob sy das bedunkt nutz und guet
syn; dann kein ort bezwungen syn soll, es tüege es
dann gern. Doch wo söliche häfen angesechen wurde,
in gemeiner schiessgesellen kosten dienen.' 1504, Ordn.
der Schiessgesellen (.\bsch.). S. noch Aventür 4 Bd I
103, Fass J 6 Bd I 1049, Z Neuj. St. 1867 (mit Ab-
bildung); VüG.-Nüsch. 1879, S. 155/7, Kriege 1868,
S. 468/9; Z Taschenb. 1882, S. 219/235. — 2. Becber-
pilze. a) gestreifter B., cyathus striatus mTu. —
b) peziza-Var. AAEhr. Vgl. Glücks-Hube. Wer auf
dem Felde ,Glückshäfeli' trifft, dem lacht an jenem
Tage das Glück AABb. Wenn viele und mit zahl-
reichen (6—7) ,Brod-Körbchen', auch ,Brüdli' (Sporen-
hüllen, Peridiolen), versehene Gl. auf den Äckern
1013
Hat hef, Inf, liof, hnt
stehen, wird das Biod wohlfeil und das Jahr ein ge-
segnetes, nur 2— 3 Brödchen dagegen deuten auf teure
Zeit B; L. Bes. die Schnitter freuen sich über ,das
Gl.' uiTh; Z. ,So viele Sainenkörner es enthält, so
viele Gulden wird heuer der Mütt Kernen gelten oder
so manches Tausend Gulden ist der Acker wert, auf
dem es steht. In die Schuhe gelegt, verhelfen die
Brödchen zu einem glücklichen Fund' Z, It WSenn
1870. — ,Gluet-: Topf, der, wie ein Kohlenbecken
mit feurigen Kohlen gefüllt, zur Erwärmung der
Wolinräume dient VO.;- Syn. Gl.-Hiind. — Hung-:
1. Honigtopf. allg. Ziteche' flüge" wie d' Wespeni su-
m^ie' H. N. B Kai. 1841. ,So ein Bürschchen, das
Geld hat, ist gerade wie ein H. für die Wespen: es
sucht ein Jeder, der gerne Geld hätte und es nicht
verdienen mag, daraus zu schlecken.' Gotth. We"' 's
e H. irär, er hett in seiher g'lecket, den Vorteil nicht
Andern gegönnt B. De' sitzt im Hunghäfeli, ist der
Günstling Z, s. noch Anlten-H. Tfenw's im Mai haglet
und rislet, so brückt »ij» l-ein'n H. z'chaiife' S (Bauern-
regel). Das git en H. in üsers Hiis, in übertr. Bed.
von einer jungen Frau, die eine gute Haushälterin
zu werden verspricht. Schild. Tante H. sl', Erbtante,
auf deren Reichtümer die Angehörigen grosse Hoff-
nungen gründen B. Geradezu i. S. v. Erbschaft ÄP; S:
's- Meitschi uär recht, me'' a's recht, au''' chönnt der
H. guet u-erde", aber... Schild 1885. Vgl. Spar-H. —
2. spöttische Bezeichnung einer unsaubern, schmutzigen
Weibsperson LG. — 3. Übername der Bewohner von
ZRiesb. — 4. Flurn., Alp im GO.; vgl. Schmalz-Grueh.
— Hunger-Häfeli: Becherpilz, cyathus striatus.
,Werden im Sommer die H. voll, so gibt es ein gutes,
werden sie leer, ein teures Jahr.' Rothenbach. Vgl.
(ilücks-Hafen 2. — Hirs-Hafe": Hirsetopf. ,Sammt
einem vollen, warmen H.' RCys. über die Z Hirsbrei-
fahrt V. 1576. — Kaf{f)i-: Kall'eekrug, Kaifeekanne
Bs; Z; Syn. Kafffjitiere.
Kunst-, Clwust-: 1. Suppenhafen ohne Füsse,
den man mit der Ofengabel in den Stubenofen hebt
oder rutscht (daher auch Hutsch-H.). damit man kein
bes. Feuer dazu nötig habe Bs (Spreng); vgl. Ofen-H.
,An Kupfergeschirr: Ein schöner, grosser Kunsthafen.'
c. 1600, Z Inv. ,Kleine, ehrin Kiiiisthitfelin/ Bader
CuRROD. 1736. Scherzh. für ^linsrr: ])' /.nr,h<'r hiind
[bei der Beschiessung] gatt: lirjli'i funii Ki;i' ll.iiijle
ns grosse, erene Koiisthäfe kihI )iiiis,-h,:iir Fiiii:uhle i"
d' Stadt g'schosse. Gespräch 171'2. — 2. Zauberkessel.
Wer im Spiele immerfort gewinnt, von dem sagt man,
er habe e ChunsthäfeU bei sich GT. Abi. hunsl-Uä feien.
— Kumt, Kochherd, -ofen.
Kupfer-. .1 k. sammt dem lid [Deckel].' 1557,
Z Inv.; vgl.: ,10 küpferni häfen, klein und gross.'
1599, ebd. S. u. Hafen.
„Kessel-: Hölle (Kdspr.). allg."
Die Hölle wurde nach dem Volksglauben wie als Fass,
so auch als grosser Kessel gedacht (,olla Vulcani'), in wel-
chem die Verdammten zur Strafe gesotten würden; vgl. für
das Mittelalter Mone 1846, S. 294, für die neuere Zeit
Rochh. 1856, S. '226; 303 ff. Auch stellte man sich als
liegenstnck zum himmlischen ein hfillisches Gastmahl vor, für
welches im Höllenkessel gekocht würde. Vgl. noch KM-H.
Chlag-: wer Andere zu verklagen liebt G; Syn.
(Verjklage-Tätsch; vgl. Häfeli-Träger. — Vgl. Hafen i.
hicne- = lele-H. AAMettau. — Maie»-: Blumen-
topf AaF.; Th, auch mit Inbegriff der eingesetzten
Pflanze Th; vgl. Hafen e; Syn. Maien- Geschirr,
Sträss-H. — Mugge°-Häfeli: kleine, wohlfeile
Pastetchen, wie sie bis vor c. 30 Jahren in Bern aus
hartem Teig mit wenig Füllung gebacken wurden. Vgl.
Hafen f — Milch-Hafe": Milchtopf, -Napf. allg.
Mues-: Breitopf, Suppenschüssel B; Lf. D'r M.
het-e g'Iüpft, nur die Aussicht auf den Broderwerb
hat ihn vermocht, sich aufzuraffen B. ,M., darinn
man allerlei gemües kochet, mues- oder breipfann,
pultarius, calix.' Mal. Bes. die in Spitälern und Klö-
stern aufgestellten grossen Töpfe, in welchen ein
dicker Brei aus Gerste, Hafermehl, Hülsenfrüchten
usw. zur Speisung Hülfsbedürftiger gekocht wurde;
so in B (wo die 20 Collegianer, d. h. Studenten, die
sich dem geistlichen Stande widmeten, im Franziskaner-
kloster ein gemeinsames Leben führten und freie Sta-
tion hatten); L; Z; vgl.: ,1525 ward angehept die
Ordnung des allgemeinen allmueses. Zum ersten ordnet
man zuo den predigern im kloster zwen grosse häfen,
darinn man mues kochet und darnach alle tag den
armen ein grosse kellen voll sammt einem vierteil
vocketzer brots usteilt.' HBüll. 1572. ,Hernach ward
das Augustinerkloster yngebeu dem obmann über das
almuesen, der da hat syn wonung und die kuche des
m-s.' ebd. , Alles abholz, so in dem Bremgarten fallt,
soll zu den ziegelhöfen und dem m. g'füert werden.'
1539, B. ,Arme Personen, die von uns kein sonderbar
bestimmt Almuesen und Underhaltung, es sye us dem
grossen Pfenning-Almuesen, M., Lybding oder Wuchen-
schilling habend.' B Mand. 16'28. ,Die .Armen, welchen
die Hand vom M., vom Spital, vom Seckligeld geboten
werden solle.' 1623, JJBreit. Ähnlich wie in B diente
übrigens auch in Z der M. zur Unterstützung von
Studierenden , vgl. : ,Ich nam fürg'schriften [Em-
pfehlungsschreiben] von fürnemiuen Herren an die
Herren von Z , dass sy mir muos und brot im
Augustinerkloster heften gen, als sy mit vilen fröm-
den Studenten ton hant.' Ende XVI., Ardüseh; vgl.
rätorom. mangiar la niuosa, einen Freitisch haben.
,l)er M. oder die tägliche Suppenanstalt für Fremde
und Einheimische wurde im Verfolge immer mehr
auf durchreisende Bettler beschränkt und zuletzt ganz
aufgehoben, damit man den einheimischen Armen
zweckmässiger beistehen könne.' Gem. Z 1846. — In
übertr. Bed. : 1) ein Teil des Z Spitals, der sog. ,alte
Spital', in welchen am Ende des XVI. die Suppen-
anstalt, bes. für Fremde, verlegt wurde. ,Zu End des
1732. Jahrs ist ein Gebäu des Spitals, der M. genannt,
in welchem 63 Personen unterhalten worden, abge-
brannt.' Mem. TiG. 1742. — 2) Unterstntzungs-, Al-
mosenfond Aa; Z, in B speciell ein Stipendienfond
(s. BTaschenb. 1871, S. 28 f.); eig. der Fond, aus
welchem nrspr. die Kosten der Naturalspenden be-
stritten wurden. Si"'' uf-''e' M. verlä" Ai.. ,Die Prä-
dicanten sollen Almosen in den M. nach Bern ab-
richten.' 1552, Absch. ,l)ie jährliche Zins des M-s im
Spital.' RCys. — 3) scherzh. für den ehemaligen Sod-
brunnen in den Ruinen der Grassburg BSchw.
Während die Pflege der Armen urspr. kirchlichen Stif-
tungen, sowie der freien Wohltätigkeit der Klöster überlassen
geblieben, wobei gemeinsame Speisungen oder Spenden von
,Mues und Brod' ein Hauptmittel waren (vgl. z. B. fron/mtm-
Hm), gieng in der Keformationszeit mit den Klostergutciii
auch die Pflicht der Armenuntorstiitzung an die Obrigkoit.ri
über.
1015
Haf, hef. hif, hof,
1016
Nacht-Hafe- = Gaggel-H. Aa; Bs; B; Gr; G; Z.
Kaput si" wie-nes g' Spaltes Nachthäfi, an allen Gliedern
wie , zerschlagen', todmüde sein B. So g'scliid ivie 's
Sahmo"s Nachthäfeli Aa (iron.). En Hochmiiet ha",
v'ie-en (a'-)g'mölete N. G; Z, von lächerlicher Auf-
geblasenheit. — Nidel-, Nidle-: Sahnetopf B; Z;
Syn. N.-Gelten. E Schelle, grösser als en N.; das
tcerdi chide' [tönen]! Stütz. .Nachdem Grossmutter
den Nidlehafen noch einmal zugefüllt hatte, denn sie
machte heute den Kaffee recht weiss . . .' Gotth.
Nudle-Häfeli. Isch mer denn ml N. 'brache",
kann i"" keini Nudlet »»e"" drin koche; mues i''' u-ider
uf Basel ine' laufe", gon en ander N. kaufe" Bs
(Schlummerliedchen).
Bad-. ,8 pfd 8 ß gah ich g'vatter N. N. umh ein
nüwen b. und kessy in das badstübli [in's Schloss].'
1541, ZGiüii. Amtsrechii. - Bern er-: braun gla-
sierter Milchtopf Z; vgl. Fruniruter- Geschirr. —
Batze"-: kleines, irdenes Töpfchen, das als Spar-
büchse (zur Aufnahme der Batzen) dient Z ; vgl.
Spar-H. — Beizi-: 1. irdener Topf mit Deckel, in
welchen Fleisch mit Essig und Salz für einige Tage
eingelegt (gebeizt) wird B. — 2. = dem Folg. S (Schild),
so benannt, weil er zum Brennen eingelegter Stoffe
(Trester) dient. — Brenn-: Destillierblase Ap; Th; Z.
Unter dem Kupfergeschirr werden ,Brennhäfen' auf-
geführt. 1659, ScHwE.lnv. — Brunz- = Ga(/^eWBr.GR.
Roll-: 1. = Me-H. AAFri.; S. — 2. euphem.
,Höllenkessel', Hölle; Fegfeuer, bes. als Schreekw.
für Kinder, allg. Syn. Kessel-, Bunggelis-B.; Nobis-
Kratten. Tue recht (heb di''' stillj, sust chunnst (z' un-
derst) i" B. abe"! A. Dann simmer [sind wir] eisig
witer abe" clio". B. Dj machist Ein bald z' furche",
Chind, we meint, d^ wärist in B. abe" cho". Stütz.
Er wott Alles ha" und brächt-em 's de'' Bös us-em B.
ue [herauf], ebd. ,Die Strasse zum finstern R. seie
mit Tabagien und Kurzweilmacherinnen besetzt und
der Weg in die elysäischen Felder gehe über die un-
ersteiglichen, öden, rauhen Gletscher.' ADennler 1817.
,ln R. fahren', altes Spiel mit Karten und einer Zeich-
nung mit concentrischcn Kreisen, deren innerster den
R. bed., in welchen für jeden Mitspieler ein radialer
Strich führt; auf diesem wird der jeweilige Gewinnst
nach jedem Gange verzeichnet als ,arme Seelen', und
wer zuerst die zum Voraus festgesetzte Zahl erreicht,
ist im R. angelangt und hat in der Tat verspielt L.
Syn. i" d' Eöll fare". S. noch Bach-Ofen Bd I 112;
Platte. — 3. = Gaggel-H. Th; Z. — 4. Flurn. L.
Vgl. Hell.
1 viell. mit Bez. auf die rundliche, bauchige Form: vgl.
RoUe. Schelle, Locke; Boll-Kübel. Zu '2 vgl. die Anm. zu
Kessd-H. Diese Bed. schliesst sich viell. an die von 1 an
oder geht unmittelbar auf das Vb. rollen zurück, für welches
zwar die im Nhd. erhaltene Grundbed. jetzt ziemlich erloschen
ist, aber im XVI. noch lebendig gewesen zu sein scheint, da
die damaligen Theologen von einem Gerollt-werden der Seelen
im Fegfeuer sprechen. Zu dem o. beschriebenen Spiele er-
innert man sich an die mittelalterliche Vorstellung der Hölle
als eines trii-btprfnrmis-cn, in concentrischen Ringen nach
unten !~ii li irnnuriMlm Raumes, in deren innerstem die
Schlimuist-n .. Ii.m.m hl. ii. Der Bed. 3 liegt än& W . rollen in
lautmali'ii.l. III S. iiiiMlrid rauschen) zu Grunde; vgl. A7ii/)/-
Gelten; rollen, pissiMl.
Rüm-Häfeli: Sahnctöpfchen BsTerw. Syn.
Nidel-H.
Runggelis-Hafe°: = 2?oZ?-jEf. S; Ulsent. Wenn
[sogar] der Hörnlima"" us-em B. cho" war... BWyss
1863. 's wird der einisch heiss g'nues mache", wenn
im B., 7 Schueh unger der Platte; bi 's Hänis Gitzi,
''em schwarze" Hörnlima'" muesch Chole" chnütsche".
Schild. Auch getrennt und Bunggelis als poss. Gen.
eines Eigennamens aufgefasst in der RA.: Es macht
so heiss, wie i's B. Hafe" S.
ßunygeli Scheint als ein Beiname des Teufels aufgefasst
werden zu müssen und denselben als den Lärmenden, Un-
ruhigen zu bezeichnen; vgl. runtjgen, brummen, murren, lär-
men, sich windend drehen; It Rochh. 1856, S. 304 soll die
Hülle auch ,Rumpel-H.' heissen. A'gl. Kungg-Gungijele, falls
dieses als Name von des Teufels Grossmutter darf gefasst
Ror-: Topf den man zum Kochen in die Ofen-
röhre (Ofen-Bon Mlii.lit Ar; i<yn. Kachle; vgl Ofen-
Hafen. — Rosiiiai i-lliitrli: euphem. und schcrzh.
für Nachttopf und für Abtritt Z. — Rutsch-Hafe"
= Kunst-H. Bs (Spreng). — Söu-: 1. Kochkessel
für Schweinefutter Z. — 2. -Häfeli, in verschiedenen
RAA., in übertragenem Sinn gebraucht, 's S. chert
s»"*, wenn Jmd rülpst Z. S., Söuteckeli, in verstärken-
dem S. = der RA.: Uf jede" Hafe" g'hm-t e Deckel Z,
bes. auf Ehepaare angewendet oder auf 2 Personen
von zweifelhaftem Charakter, die sich gegenseitig ihre
Fehler und Mängel vorhalten. Der Alt ist, was de'
Su, de"- Su, was d' Frau. S., Säudeckeli, Punktum.
Stütz. — .3. Su-Hafe", Hausn. bei GStdt. — Seich-
Hafe" = Gaggel-H. Aa; Ap; Z (gem.). - G(e)sod-:
Kochtopf, den man in den Gesod-Ofen (s. Bd I 112)
einsetzt BHk. — Suppe»-: Fleisch-, Suppen-Topf
Bs; S. Wenn ein armer Bauernbursche um die Hand
einer vermöglichen Bauerntochter wirbt, so sagt wohl ,
die Mutter der Letztern zu ihm: Du muesst e doppliti
Schmier wm ^e" S. mache". — I-'setz-: kupfernes
Gefäss, das Wasser zum Waschen darin heiss zu ma-
chen. Waschblase Ap. Vgl. Ofen-H. — „Zuesetz-:
Kochtopf G;" wohl = den man ,zum' Feuer setzt;
vgl. Schlitt-H. — Schlitt-: länglicher, metallener
Topf, mit Stiel, den man auf zwei, nach Art von
Schlittkufen erstellten eisernen Fussleisten zum Feuer
in den Ofen schieben kann Zg; Z.
Schmalz-: = Anken-H. Gr; , hölzernes Gefass
zur Aufbewahrung der geschmolzenen Butter Ap".
„De" Schm. zale", die Busse für vorzeitigen Beischlaf
Ap;" daher Schm.-Häfeli, Kasse von Strafgeldern für
dieses Vergehen Ap.
Die Ap RA. geht wohl ans von dem Gedanken an die
Strafbarkeit des unerlaubten, heimlichen Genusses, den man
sich z. B. durch Missbrauch des ,Buttertopfes' verschafft.
Ähnlich ist wohl auch der Beleg zu verstehen: ,Wir werdent
die ungehorsamen strafen, wie die [Solche], so im schm. ge-
wesen.' 1548, Absch. [bezieht sich auf Reisl&ufer, die von
den eidgenössischen Boten unerwartet in Constanz getroffen
worden waren, wohin sie sich unerlaubter Weise verfügt
hatten]. Vgl. noch die bildl. Bed. von Schm.-KüOel.
Schmutz- =^wfce«-ä. Bs. — Schrepf-Häfcli:
Schröpf köpf Aa; Syn. Schrepf - Hörnli. — Spar-
Hafe": I.Sparbüchse, -Kasse, allg. Vgl.: , Ein Spar-
pfennig in der blechernen Büchse oder im grünen,
irdenen Hafen, aus welchem man Nichts nehmen kann,
oder man zerschlage ihn denn.' Schweizerb. 1817 (F).
,Wann der und die in einen Sp. legen wurden, was
sie an überflüssige Hoifart wenden, sie wurden in
kurzer Zeit ein schön Geltlein bei einandern haben.'
Hat hef, Inf, liof. huf
1018
JJMCll. löüö. ,So gelieissen Sparhäfen, die oben eine
enge, der Länge nach eingeschnittene Öffnung haben.'
JJUlr. 1727. Schcrzh. von Personen, die für ihre
Erben sorgen: Er (si) ist en guete' Sp.. en Vetter,
Unggle, e Tante ,Si>. Bs; S; IT; Z; vgl. Himg-H. .Er
ist nur mein Sp., haltet mir Haus, ille mihi condus.'
Mey. Hort. 1(392. S. noch Hus-Fraii. — 2. Spar-
pfenning, welcher besondere Privilegien geniesst Bs.
.Erspartes Sondergütlein.' Spreng. , Zugleich war der
elterliche Sp. erschöpft.' Verg. Tage. .Von Sparhäfen
oder jenigem Gelt, welches Mann und Weib von ihrem
gemeinen Gut separieren und nach einen und des an-
deren Absterben in Sparhäfen oder sonsten an ge-
wohnlichen Orten als ein abgesondert Gut hinder den-
selben gefunden wird.' 1648, Bs Bq. .Demnach aber
wegen der Sparhäfen jetz geraume Zeit über grosse
Missordnung entstanden. ... ist gesetzt, dass inskünftig
des Vaters und der Mutter Sp. sowohl under die Kna-
ben als Töchteren gleichlich geteilt werden.' ebd. —
Speuz- Z, Spöz-Häfeli G 1799: kleines, tönernes
Gefäss mit Handhabe, für kranke oder alte Leute;
.Spucknapf.
Sprütz-Hafe": trichterförmiges Gefäss (jetzt
von Weissblech) mit einer kleinen Öffnung zum Be-
spritzen der Dielen vor dem Kehren ZZoU. Syn.
Sttihen-Spritzer. En Huet nie en 5>-., d. i. ein spitzer.
— Urspr. ein irdenes Geföss.
Stude°-Häfeli: Samenkapsel des Buchsbaums,
buxus semp., auch die Pflanze selbst BsLd. — Die
JreihürDigen Kapseln gleichen kleinen Töpfchen mit .3 Füssen.
Stink-Hafe": bei Belagerungen angewendeter,
mit allerlei übelriechenden Stoffen (z. B. Menschen-
uiul Tierkot) gefüllter Topf, den man auf die stürmen-
den Feinde warf. ,Die Unserigen waren wohl ver-
sehen mit Handgranaden, Stinkhäfen und allerlei
Peurwerk, wormit sie sich defendierten, so dass der
Feind mit Verlicrung viel Volks widerura abziehen
müssen.' AHerport 1669. Vgl. das Folg. — Sturm-
Häfeli: Sturmtopf. ,Wie man Sturmhäfelein und
Krug mache und worzu sie dienstlich seien. Solche
Häfelein werden von den Hafneren gebacken und
haben einen grossen Bauch in der Mitte, unden
einen breiten, runden Boden, oben ein enges Hälslein
mit einem Eörlein. Dise irdine Häfelein werden
mit starkem Pulver gefüllt und oben hinein ein
Stück Lunden eines Fingers lang auf das Pulver
getan und an dem äusseren Ort angesteckt. Wann
der Feind stürmet, so wirft man sie in den Graben
hinab, worvon sie zerfallen und durch den Lunden
angesteckt werden und also durch ihre Scherben
grossen Schaden bringen, auch Alles, so sie ergreifen,
verbrennen. Wie die Häfelein mit den Lämeisen ge-
machet werden: Sie werden flach, breit und rund,
aber nicht hoch gemachet, in der Mitte hol. auch
eines grossen Tellers breit; oben haben sie einen Riss
gleich den Triangeln; die füllt man mit gerädenem
[gesiebtem], reinem, wolgedörretem , ungelöschtem
Kalk und stecket ein Lämeisen darzwischen. Sie seind
in dem Sturm gut zu brauchen, dann da sie under
die Feind geworfen werden, zerfallen sie und stäubt
alsdann das Kalk dem Feind in das Gesicht und ist
solcher Staub dem Gesicht und die Lämeisen den
Füssen schädlich und verhinderlich.' Kriegsb. 1644;
vgl.: ,[Bci der Belagerung Zürichs] wurfend die in
der statt hinus uf die ei[d]gnossen mit grossen steinen
und als ich vernimm, da haftend sy vil hefen und
krüeg gemacht von herd und die gefüllt mit kalch
und wurfend die ouch under die ei[d]gnossen, dass es
ein sömliches gestöub ward, dass die ei[d]gnossen
schier erstickt wärend und pfuchsentend als pfiffiky
hüener [die den Pips haben], zue dem und einen [so !]
den andren nüt wol sechen mocht, und also triljend
die Züricher die ei[d]gnossen von der statt.' Edlib.
S. noch Z Anz. 1870. S. 179 ff.; 1875, S. 582 ff". —
Strüss- = Maien-H. ZRafz. — Tinte» - Häfeli:
Tintenfass Ap. — Tapp-in-Hafe": plumper, unge-
schickter, schwerfälliger Mensch Scn; Syn. Talp-
(Tapp-, Tamp-) in 's Mues und das Folg.
Trantsch-: stark beleibte Person Z.
Tmnitjach, in der selben Bed., eig. durch einander ge-
stampftes Geköch ; im Übrigen vgl. Hafen i.
Wich PTie-Häfeli: kleines Weihwassergefäss
AaF., Fri. — Zit-: an den Schwarzwälderuhren an-
gehängte, mit schweren Gegenständen (z. B. Flinten-
kugeln) gefüllte Blechbüchse, als UhrgewiehtL; SNA.;
Syn. Z.- Stein. — Zwäng-Hafe": eigenwilliger
Mensch, der Alles durchsetzen will Gl; Syn. Zwäng-
Grind, -Kübel
hafne". ,Fingere, plasmare, hafnerwerk treiben,
ofen machen, etw. aus leim m. Figlina, kunst ze h.'
Fris.; Mal. (wo auch einmal ,häfnen'). Vgl. nfnen.
über-: den Kessel über das Feuer stellen OnPr.
(Schwzd. 19, 44).
Hafner m.: 1. Töpfer (mit eingeschränkter Bed..
wer irdene Töpfe macht, s. dagegen Hafen- Giesser).
allg. Wer sich unberufen in Dinge mischt, die er
nicht versteht, wird gehöhnt: Z)e'' verstut de' Dreck
(auch mit dem Zusatz: und 's Einedrlssgi Aa), erhält
seilen (nntessj en H. ge" Aa; L. Ei" H. macht im
[dem] andere' i' Leim, hasst und schädigt ihn Bs
(Spreng). Bim H.! euphem. Schwur, Entstellung von
bim Hagel! ZO., S. Auch Familienn. Z; vgl.: ,Von
swester Catherinun der hafneren.' 1347. UwE. Jahr-
zeitb. .Der scherb straft den h.', an den Scherben
erkennt man, was für Arbeit der H. geliefert hat.
Lind., Wthur Chr.; vgl. das Sprw.: ,An den Scherben
sieht man, was ein Hafen (was für ein Topf) gewesen.'
(Wander). ,Töpfer, d. i. H.' Erklärung dunkler Wörter
in Z Anl. zum Gebet 1701. Auch Ofenbauer Z. ,Der
Metzger metzget mir ein Kalb, es fressen's mir die
H. halb.' XVUI., Z Ofeninschrift unter dem Bilde
eines ein Kalb ausweidenden Metzgers. — 2. Flurn.
,Der grosse und der kleine H.', zwei Untiefen am
.Ausfluss des ZSees, so benannt nach dem vielen dort
gefundenen Töpfergeschirr aus vorhi.st. Zeit.
Mhd. luwenaere. ,Häfner'. 1548, Jes., statt: , Hafner.'
l.'):31, entspricht der Verbalform .häfnen'.
Hafnete f.: ein Topf voll, z.B. Fleisch; s. Diai,.,
S. 21S!.
ver-häfele°: Etwas hintertreiben, verderben
AAFri.; Ap. Es ist iez scho' rerhäfelet, sagte eine
Appenzellerin, als vor Beginn des Festes ein Eegen-
schauer eintrat. Verhäfelet, euphem. für .verhext' in
der EA. es ist doch tvie v. GG., Ausdruck der Unge-
duld, des Unwillens. Etwas rerhäfele", verscherzen
AAEntf. Mit Dat. Pers.: Er hett-mer'sch gern wr-
häf'elet, mir das Spiel verdorben Ap. Mit Acc. P.,
1019
Haf, lief, liif, liof. luif
Jmd stutzig, uiisclilüssig maclioii, duicli Scliorz auf-
halten AAFri.
S.'liHi'i-lirli ansL'rIi,.i.a v„ii .lliifr),' iii (Icr Bed. Zaubef-,
Hex.'iiki ■-. I, iKn rr^,: (liinli /. inli. rkiiiistii aufhalten, ver-
hiiiil.iii ■ III Aiiil"--!! In, Uli l"ii- r. , ,un,,le,i, sofera man an
den H'ikii-i.'ikii- Ulli Z nilii rll.i- IhliL-u -Iriikt; vgl. nuch i^ö/eii-
W.nli, Hc.xtnw.ik. i.ml Kn,„i-llafui ä. Walirscheinlicher
zu erklären wi.' n ,'l,.i. I,,h ^ : ^. auch die Anm. zu m-giitterh-n.
cliunst-hä fo le": Hexerei treiben GT. — AM. von
KunKt-Ha/en 2.
Häfeler m.: 1. seherzh. Bezeichnung eines kleinen
Knaben, den man noch auf den .Hafen' hebt B (Zyro);
vgl. häfen und EäfeU-Schüeler. — 2. Familienname.
,C. Hiiffeler.' c. 1450, ScHwTugg.
häfe": pissen B (Zyro).
Haviönli s. Aviönli ßd I 105.
Hüf(e)le f.: Sorte Birnen von mittlerer Grösse
ApK.; sehr feine Tafeibirne GSa. .Rot-Häifele.' Birn-
sorte, It Steinm. 1804.
Viell. nach ihrer Form benannt (vgl. Kanten-Bir) oder
nach ihrer Terwertung, eingekocht zu werden.
Häuf s. Hanf.
liaaf: zurück! Ruf an das Zugvieh ScuNnk.
Aus dem Schwäbischen entlehnte Nl)!". von huf! hü/J
welches aaO. daneben gebräuchlich ist.
Hanflete f.: = Gauflete (s. Sp. 128) LSemp. - Wohl
aus Jenem, mit Anlehnung an das Syn. Hampjlc, entstellte Nhf.
Häufis s. Haneii-Fuess Bd I 1091.
Heff.: Hefe GRChur, Pr. r-He/";. Bier-, Wl'-E.
Auch: Sauerteig GRChur.
Synn. s. bei Hab II. Von vorn herein Entlehnimg aus
dem nhd. .Hefe' anzunehmen, verbietet das Vorhandensein
anderer, z. T. an den selben Orten vorkommender, syn. WW.
mit / st. des unsern MAA. sonst eigenen h. F ist ja auch
der Grundlant des ^/ in dem wiederum syn., weitverbreiteten
Hepf(en). Zu / verhält sich h wie in suber : mfer, Gubcl :
Gnfel (wozu auch Gipfel, Oupf); vgl. auch Gab : Göf Sp. 131
und das folg.
Hefel m.: \. = Hef BsLdtw.; GnChur, D., Pr.;
GSa. Wenig .Höffel' versäure einen ganzen Teig.
1537, Absch. ,Butter und alter Heffel unter einander
gemischt' JMüralt 1691. ,So man Mehl und Wasser
oder sonst einen Stoff vermengt und in einen warmen
Ort stellt, werde es säur, treibe sich und jese auch
ohne H.' ebd. 1697. Auch Gärungsstoff, fermentum
übh.: ,Der H. im Magen.- JMüralt 1697; vgl. Magen-
Hebel. ,l)er Hefel vieler Krankheiten kann lange
Zeit in dem Leibe verborgen ligen.' ebd. — 2. (auch
Bruech-H.) Sparren, mit dem der Wagen vermittelst
Ketten fest verbunden (gehriXecht) wird SSchwa.
Uefel, schon ahd.-mhd. neben hcM, Instrument zum He-
ben; Hefe; vgl. Anm. zu nehd. , Hefel' in Bed. 1 auch B
Disp. 1528, neben , Hebel'. Auch bair.
Hefi f. = Hebi Bs. Da' 'seh en Elend mit dere'
H.! Si isch Nüt me' nutz hütigs Tags! Fangt a"
s' trlbe', tvenn-men-en esse' u-ött scho", der Kugelhopf.'
(Schwzd.).
hefig: mit Hefe gemischt, hefenartig. jFaeculentia,
eine trübe, hefige Materi.' Denzl. 1677; 1716. Vgl.
Hepfen.
hefle": = heblen 1 u. ;.' GRh., Sa. ,Ungeheflet
brot.' 1531/48, Barcch. ,Saur, geheflet', Übers, von
Luthers , Sauret' in der Petri'schen Bibel. Bs 1523.
a"- : Teig mit Hefe od. Sauerteig anrühren GRChur.
Heflete f. = Hehlete GRh., Sa.
Hefe»hofer: Apfelsorte Th, nach dem Tu Dorfs
,Hefenhofen' benannt.
Hifele s. Infeien Bd 1 327.
Hof (Hö-y ZS., Stdt) m.: L ßauern-Gut, -Hof, min-
destens c. 40 — 50 Juch. an Grundstücken mit den zu
ihrer Bewerbung nötigen Gebäulichkeiten umfassend,
oft seit Jhdten im Besitz der selben alt-eingesessenen
Familien; kleinere Güter heissen dagegen Heimen,
Heimet, Giict. Während heut zu Tage die Benennung
für einzelstehende, abgeschlossene Bauerngüter übh..
ohne innere, rechtliche Unterschiede, gilt, standen die
Ansiedlungen nach Hofsystem , d. h. in zerstreuten
Niederlassungen, ursprünglich denjenigen in geschlos-
senen Dorfmarken (Markensystem) gegenüber; s. Siin-
der-Hof und vgl. Etter, geschlossen. Stecken. Zum
Hofsystem war man bes. in Gegenden gezwungen, wo
der Boden dem Ackerbau nicht günstig war; so z.B.
in BE., weswegen dem Emmentaler ,aus den Dörfern'
so viel bedeutet, als: aus dem (mit Dorfansiedlungen
bedeckten) B oAa. stammend. ,Hof' hat daher für
BE. auch politische Bed. bekommen, indem zu Ge-
meindeverwaltungszweeken einzelne Gemeinden in
Höfe (z. B. Affoltern in 16) eingeteilt worden sind,
andere in .Drittel, Viertel, Güter, Bürten'; vgl. noch
, Wachten, Ürten 5' (Bd I 492). Doch so «j Vogel duss
im Sehne, tceiss nit, m jetz si"' Narig ne". Er sott in
d' Höf n" d' Fenster cho' L. Über d' Hof ga', sich eine
Frau suchen ZWyt. (eine Berggemeinde); vgl. Gäu
Sp. 38 f. ,Mit bösen werten, nämlich die eidgnossen
wärint küege-ge[h]yer und desglych und das wort gieng
über hof [von Hof zu Hof, d.h. machte die Runde].'
Fründ. ,Wir trinken morgen auch noch eine [Flasche]
von denen zusammen, die den Bauern ab den Höfen
zünden [sie von Haus und Hof treiben].' Nydegger
1885. In der allitterierenden Verbindung mit Hiis
bezeichnet urspr. dieses spec. das Wohngebäude, Hof
dagegen die dasselbe (bzw. den Hofplatz) umgebenden
Wirtschaftsgebäude und die Güter. Ei"'m Öppis s'
Hus und z' Hof schicke", als Geschenk zusenden B
(Zyro). I" Hus und H. rken Bappe" ha' Z. Ei"m
z' Hus und (z'J H. chu', von verarmten Augehörigen,
deren Unterhalt einem Andern zur Last fällt Sch.
TFas wi"t lieber, Hus oder H.? Spielfrage, s. Rochh.
1857, S. 443. .Einem ze hus und ze h. richten',
Schulden halber gerichtliche Exekution über Einen
verhängen: .Welcher den andern mit recht so fer er-
fordert, dass man im [dem Schuldner] ze hus und ze
h. richten soll, dem soll der richter [von der Habe
des Schuldners] pfand geben und mag im darumb syn
5chloss uftuon.' XIV./XV., Sch Stdtb.; vgl.: ,Wenn es
[ausstehender Zinse halb] an dem 3. jar wärt, so mag
ein herr im [dem Schuldner] ein pfal für tür und tor
schlächen und soll jn heissen usserher gön und soll
haben, was in hus und h. ist. unz er ganz bezalt
würt' TnTannegg Offn. Ähnlich: ,Wer weibel ist.
der soll [dem säumigen Schuldner] gan zu huse und
zu hofe.' UwE. Hofr. ,Man soll es im dann künden
ze hus und ze hofe [ihm eine gerichtliche Vorladung
überbringen], das" er dem. der es klaget hat, indrent
den nächsten 8 tagen zu banden gange [seinen Ver-
pflichtungen gegen ihn nachkomme].' 1316, B Verordn.
,Sy fressend hus, h., hut und haar.' UEckst. ,A1so
mag Gott einem auch etwas zu hus und h. senden,
II'JI
iKlf.
1022
(l:is.s er mit aiiderlüten auch hernacli möge ein mit-
lydfii haben.' LLav. 1569; ähnlich LLav. 1582, 179 a
und AKlingl. 1688, 123. Vgl. auch Hüs und Heim
und s. schlissen. — 2. Besitzung eines Grundherrn
(etnes Adeligen oder eines Klosters), als Inbegriif der
Güter, welche direkt oder indirekt dazu gehören, sowie
der aus dem Begriff des Obereigentums abgeleiteten
Befugnisse des Herrn, welche man unter .Zwing und
Bann' zsfasst; vgl. noch ,Bann-, Twing-H.' Ein solcher
Hof bestand aus einer Herrschaftswohnung (sala).
darum herum liegenden Wohnungen für die Diener-
schaft, allerlei Wirtscbiiftsa-cb;iiid,.n. einem grössern
Landcomplex, den der II. rr -i.li al-' iiinnittilliarcn
Besitz (allodium, ,Sal-llil'l \ Mrlirlii.'ll nml .■nlur^ler
selbst bewirtschaftete (s. .Ki-.ni H.-| n,|rr (uirist) durrh
Beamte verwalten Hess (s. ,Kel-, Meier-H.') und endlich
einer gewissen Anzahl Bauernhöfe von bestimmter
Grösse (.Hueben, Schupposen'), im Besitz zinspflich-
tiger oder leibeigener Bauern (,Hof-Jüngern, -Leuten,
-Genossen'), welche einen Hofverband bildeten, in das
auf dem (Herren-) Hofe gehaltene Hofgericht gehörten
(s. ,Bann-, Ding-H.') und deren Rechte und Pflichten in
den ,Hofrödeln, Hofrechten, Offnungen' fixiert wurden.
Solche Herrschaftshöfe umfassten oft ganze Dörfer mit
ihrem Gebiet; doch sind die Begriffe nicht identisch,
indem in einem .Dorf auch verschiedene ,Höfe' liegen
konnten, andere Höfe dagegen weitere Gebiete mit
zerstreuten Ansiedlungen umfassen konnten; vgl. z.B.:
,Alle die, so in dem h. und dorf zu Schw. sein werden.'
1533, ZSchwam. ütfn. (im eigentlichen Hofverband
standen nur die ,Hueber'). Aus grundherrlichen Höfen
(Pfäffikon, sog. , Vorderhof', WoUerau, sog. .Hinterhof',
Bach) und dem Dorfe Preienbach bestand urspr. das
Gebiet des heutigen schwyzerischen Bezirks ,Höfe',
der davon seinen Namen hat; vgl. Schw Mitteil. 2.
S. 95/211; Abi. HOfler, Höfner. Die heutigen, weit-
läufigen Gemeinden Wald (dem Kloster Schännis ge-
hörig) und Pischenthal (urspr. Besitzung des Klosters
StGallen) mit ihren zahlreichen Weilern und Eiuzel-
höfen hiessen bis zur Einführung der neuen ,Gemeinde'-
ürdnung die .Höfe' Wald und Fischenthal. ,Hof' heisst
der am linken Ufer der Goldach liegende Teil der Ge-
meinde Trogen (auch Höfler-SUe), urspr. viell. deshalb,
weil er zu dem im Dorfe Trogen liegenden Herrenhofe
gehörte; vgl. ,Zue Trogen in dem Hofe.' 1463, Zellw.,
Urk. Ähnlich galt oder gilt der Name aucli von den
Ap-Dörfern Appenzell, Eehetobel, Speirlni ; virL; A'lu
jifarr zue dem hofe ze Appenzell.' 14n'i, Ziii,«.. lik.
Von den 4 ,Hüfen', in welche die Ap-GciiiimikIc l.iitz.-ii-
berg zerfällt, hat der Hof Tobel dorfartige Anlage.
Die einzelnen Bestimmungen der .Dorfoffnungen' be-
ginnen oft mit den Formeln: ,Es ist euch des hofs
recht...' (z.B. ZWald); .lIlt: .Ks .sprechcnt die liof-
lütc . . .' ,Es ensoll zi- .lirii u'^i iiliten nienian recht
sprechen, wann [ausser] die allein, die uf des hofes
güetern sitzend ald desselben guotes hant.' 1319, Z
Urk. Direktes, königliches Eigentum war der (Königs-)
Hof Zürich, auf dessen Grund und Boden die Abtei
stand. ,Curtim nostram Turegum tradimus.' 853, Urk.
Kaiser Ludwigs; vgl. hierüber Ztschr. f. schwz. K. 17,
8 ff.; VöG.-Nüsch. '2, 117/8; Z Urkundenb. Nr. 37; 100
und s. noch Sah, Shidel-H. und H.-Guet Sp. 548.
— 3. Residenz eines Vornehmen (Adeligen, Abts).
Fürstenhof. Nüd j" de" Höfe' st", nicht in Gunst
stehen AABb.; dagegen: Im H. [überall angesehen]
st' GWildh., wohl daraus erklärbar, dass GT. dem
Abt von StGallen zugehörte. ,Z' H. rite; magno co-
mitatu adventare, sumtui esse.' Id. B. Wo de Petrus
an H. diu' ist, hat er sin Herr verlaugnet. Sülgeb
(bezieht sich auf Matth. 26, 69—75). ,Gein Manessen
h. mechten nygen die singaere.' Hadl. In der Gesinde-
ordn. von AAMuri (XVII.) gilt die Bezeichnung ,Hof'
den Gemächern des Abtes und der Conventualen; die
Hofstube ist der Speisesaal der Letztern, im Unter-
schied vom ,Meisterstübli' im Ökonomiegebäude: ,Die
Schweinhirten sollen die Nachtwacht versehen und
in diesen Stunden alle Öfen zue H. einheizen. An
Nachtisch zue H. ^e'lir.n.nt ordinarie: Kämmerling,
Bruder-, Hof- Keller, liarbierer, Margstaller und
Underschreiber. Weilierluiob soll Teller und ander,s
Gschirr vom H. ins Weiberhaus und widerum hinauf-
tragen.- hl L ist der Name an der Stiftskirche StLeo-
degar und den umliegenden Chorherrenhäusern haften
geblieben (vgl.: ,Die herren im h.' 1423, L Batsb.);
in S an der Kaserne, dem Hofe des ehemals dort
residierenden frz. Gesandten; daher die RA. : ,In den
H. gehen', in den Militärdienst treten. Vor einer Ab-
stimmung drohte der Bezirksarzt einem vom Militär-
dienst befreiten, jungen Manne: Wenn er nicht .ja'
stimme, so werde er schon dafür sorgen, dass er das
nächste Jahr doch in den H. müsse. S Anz. 1874.
,Der Hof' (.curia abbatie.' 1415) bezeichnete in Z die
Wohnung' der Äbtissin zum Frauen-Münster, die auch
etwa ,lMir~lin- hetiirli \Miide, und der Name blieb
promiseiie niil ./.in htlior d. in Gebäude, als es im Jahr
1538 zu einem Alumnat lur Studierende der Theologie
bestimmt wurde, bis zur Aullielmiig der Anstalt im
J. 1832; s. auch Zucht-Ihrr. Uof-Sdiuester, -Schnlder.
Vgl. noch DWtss 1796, S. 4u5; Mem. Tig. 1845, S. 845/6.
,Höfe' hiessen in Zürich auch die den Chorherren an-
gewiesenen Wohngebäude (vgl. Vög.-Nüsch., S. 343),
ferner (neben -Hiis) die von auswärtigen Stiften und
Klöstern in der Stadt erworbenen Häuser, in welche
Amtleute (Ministerialen) zum Bezug der aus dem
Zürcher Gebiet eingehenden Gefälle gesetzt waren
und wo auch etwa Abt und Conventuale der betr.
Gotteshäuser abstiegen; so ein ,Hof der Chorherren
von Co(n)stenz.' 1407; ein .Kappelerhof (1270 dem
Z Kloster Kappel u-...rl,e,ikt: 1357 ,Kappelerhus', 1408
.curia Capellen-i. ineia-l.rii- genannt; s. übrigens
Mem. Tig. 184."i. S. 1;::; i; ein .alter und ein neuer Ein-
siedlerhof'; der von lo'25 bis heute so genannte .Stroh-
hof' hiess 1290: , Curia sita in Thurego. que vulgo
dicitur Stroumeigershof. 1298: .Curtis villicatus, dicta
Stroumeiers.' — 4. grösseres, einen Innern, offenen
Hof umschliessendes Gebäude übh. ; so z.B. der .Meiers-
hof- in Z (.des Meyers hof von Knonouw.' 1372). Bes.
Waarenhof, Niederlagshaus Sch; s. Hof-Gelt Sp. 280,
Salg-, Werch-H. Dann auch Name für Häuser mit
Nebengebäuden, in Z z. B. ,Seiden-H.', seit 1592 von
einer Seidenfabrikation betreibenden Familie erbaut;
ähnlich ,Wullen-H.' 1594. Über die Namen .Stein-
und Spinn-H.' s. VöG.-Nüsch., S. 557/8. .Farb-H.',
Name eines grossen, 3 Seiten eines Vierecks bildenden
Häusercomplexes an der Sihl Z. — 5. von Gebäuden
rings umschlossener oder eingefriedigter Platz; Hof-
raum, allg. ,H. oder platz, darauf man spaziert, am-
bulacrum.' Mal. Höfli, freier Platz um den Brunnen
zu ZZolL, der früher .Hofbrunnen' hiess und seinen
Namen vom Hof (,ira H.' 1350) hatte. In Z ist der
1023
Haf. bet; hif, liof. Imf
1024
Name am .Mün.sterhofe' haften geblieben, nach dem
sich ein Geschlecht ,von (uf, in) dem Munstirhove,
de curia monasteria' benannte. ,Hof' (curia) hiess im
Mittelalter kurzweg auch der heutige .Lindenhof in
Z, wo die königliche Pfalz und um sie herum die
Gerichtsstätte sich befand. Wenn 929 eine öffentliche
Handlung ,in scena Turicine civitatis' vorgenommen
wird, so ist kaum etwas Anderes als der Lindenhof
darunter zu verstehen. ,Der die buosse verseit, dass
man in darumbe pfänden muoss, ald uf den h. gelütet
wirt, der git einer halben mark nie dann e.' 1304, Z
RB.; vgl. Vög.-Süsch. 2, 205. ,Füerten das [ge] schütz
alles uf den h.' ThPlatt. 1572. Als mit dem Abgang
der Pfalz das Schloss zerfiel, wurde der Platz (c. im
XHl.) mit Linden bepflanzt, führte dann seit dem XVI.
den heutigen Namen und diente als Schau-, Spiel- und
Ringplatz. Vgl. Bluntschli RG. I 36 Anm., Vög.-Nüsch.
1869, S. 658/68 und s. noch ,Spil-H.' ,In medio aulae
Curiensis [des bischöflichen Hofes].' 1661/92; ,in curia
Curiense.' 1430, Jahrzeitb.; ,uf dem hove zu Chur.'
1484; s. Z Anz. 1888, S. 107/8. ,Den murern, als sy
den [Schloss-] haf mit steinen besetzt...' 1580, ZGrün.
Aratsrechn. — 6. „(eingezäunter) Platz zunächst um
die Sennhütte, zum Melken der Kühe Ap;" ähnlich
Steinm. 1804. Syn. Fferrich. Platz, wo Dünger und
Kehricht abgelagert werden, oft ein Bretterverschlag
Ap, ItT.; ygl. Hof-Mist. Ähnlich in Gr: überdielter
Baum unter der Talma, einem über den Stall vor-
gebauten, überhängenden Vorratsraum; räto-rom. cuort.
Syn. Güster-, Mist-, Schor-, Stall- E.; Mist-Grueb,
-Hag, -Hhs, -Legi, -Wiirß. Freier Platz neben dem
Keller WLax, Salg. — 7. Abtritt TB.; vgl. hofieren.
— 8. der den Schauspielern in den mittelalterlichen
Spielen angewiesene Platz, auch .Stand', aus welchem
sie auf die Bühne hervortraten, wenn die Reihe zu
spielen an sie kam. RBrandst. 1886. — 9. Dunstkreis
um Sonne oder Mond, auf Regen oder Wind, von An-
dern auch auf anhaltende Trockenheit gedeutet, allg.
— 10. in einem Rechenbuche zu Eintragungen be-
stimmt abgegrenzte Abteilung Gr. Er [der Geschäfts-
freund] het-en eigene' H. Las'-mi''- min'" H. luege"!
,1488 vereintend sich dise personen, dass sy am saras-
tag bin einandren essen wölltind und wellicher nüt
kam, dem schreib man ein krüzer in h.' Edmb.; vgl.
Spiess. ,Schryb's mir zue, ich will's bezalen, schryb
mir's in meinen rodel oder h., mihi feras expensum.'
Mal. — 11. Hofhalt, höfisches Gefolge. ,Die zwo
[Städte] sollend sy für ander nebend inen haryn [in
das Bündniss] lassen gon, doch dass sy dos hofes
sygind, aber nit der herr. dass sy an der hand gefüert
und nit selbs gangind [also den tonangebenden Städten
Gefolgschaft leisteten].' 1531, Absch. S. noch KarlfiJ. —
12. gesellschaftliche Zskunft, Festlichkeit, Kränzchen;
in der ä.Spr. auch Turnier. Z'H. cho", auf Besuch kom-
men ScHW ; vgl. das syn. Dorf. Uf Ulburg ufe" gon-i'''
z' H. ScHwzD. Z' H., spec. = zur Hochzeit Bs; vgl.
hofen. De schrihsch vom Hof ha'; de weisch jo, dass
euse Pfarrer het welle", i«'' soll z'erst zu 's Herre' Tisch
gö [mich konfirmieren lassen]. 1756, Patriot (BsLd).
,Dass alle herren ein gesellschaft und einen h. gen
Basel geleit häten und wollten da ir muotwillen [Lust,
Vergnügen] mit einander haben.' 1334/1446, Z Chr.
,Myn h. und hochzyt uf sonntag vor StJohannstag ze
haben.' 1471, B (Gfo.). ,Dass die Kriegsleut mit einerlei
Zehrung nit zämenschlachen, noch [nach] der Zehrung
keinen gemeinen H. machen.' GRKlost. LB. ,Der abt
zu StGallen hat ein h. und panket gehalten.' Stumpf.
Vgl. noch z' H. rlten (s. o. 3), H.-Essen Bd I 526;
GLKriegk 1871, S. 242; 256 (über die Höfe bei Hoch-
zeiten). S. noch Hafen.
Mhd. huf. Die Grundbed. ist jedenfalls : umschlossener
Platz, Kaum; vgl: ,Was inrent dien muren und dien vor-
genannten zilen lyt, das ist ein fryger hof des gottshns ze
Engelberg.' XIV., Hofr. Unser W. dient in einfacher Form
oder in Zssetzungen zur Bildung einer unerschöpflichen Reihe
von Flurnamen, die geradezu als Beweis für urspr. ale-
mannische Besiedluug oder alemannischen Einfluss angesehen
werden; vgl. Arnold, Ansiedlungen 2, 366/71. Beachtens-
wert ist dabei die Seltenheit solcher Ortsbezeichnungen im
Gebirg. ,Hof als 1. Teil der Zssetzung, z.B. .H.-.4cker' B;
G; Th; Z, ,-Graben' B, ,-Halden' Z, ,-JIatf Aa; B; G; Th; Z.
.\ls 2. Teil der Zssetzung, wobei der erste entw. von der Lage,
Art der Bodenkultur, von Pflanzen od. dann von dem Besitzer
hergenommen ist. ,Eich-' Aa, , Anken-' Z, ,Feld-' Aa; Th;
Zg; Z, .Fürt-' ZWad., ,Flnm-' S, ,Veiten-' Aa„ rröhlichens-' S,
,GugeI-' ZKhein.. .Guggers-" S, ,Grüen-' Z. .Grund-' Z, .Kolbon-'
Z, ,Neu-' Aa; Th; Z, ,Rüti-' Aa; B; Z, ,Schlotter-' ThWeinf.,
.Stalen-' S, .Stein-' Aa; Th; Z, ,Tobel-' Th; Z, ,Tal-' Aa;
B; Z, ,Werd-H.- B; Z. Das W. in flectierter Form: ,Hofen'
B; L (,diu huüba zen hoven.' 1293, LRodel); G; Seh; Th;
ObwKerns (daher wohl der im XV. belegte Familienn. ,zen,
zun H.'); Z (im Hofe' ZMdf, Analogiebildung nach andern
masc. Ortsnn.). ,Egels-' Th, ,Alti3-' L, , Emmis-' Th, .Diessen-'
(1178: ,Diezinhoven', bei den Höfen des ,Diezo') Th, , Hügels-'
(urk. .Hugoltes-' = *Hugwaltcs-) Th, , Heimen-' gespr. Ame-
(c. 1238; ,Hamin-') Th, .Mammerts'- Th, ,in der Nider-'
ZZoll. (fem. mit Bez. auf den Oberbegriff .Wiese' od. Analogie-
bildung nach andern fem. Ortsnn.); vgl.: ,Die hofstatt von
nidernhofeu.' üGefallerod., .Beggenhoven.' 1263. jetzt: Becki-
hof, ,Brams-' (.Pramolveshova.' 796) G. .Wollis- (.Wolos-.'
ZStiftsurb.) H.' Z. Als PI. .Höfe' Aa; B; Schw (s. o. bei 2).
Von der Grundf. entfernt hat sich das W., bzw. der Ortsn.
übh. in: .Räterschen' Z. aus .Ratirshoven.' 1229; .Schal-
chen' aus .Schalcheshofen.' 1012. .Schalkon.' 1223 (An-
lehnung an die Ortsnn. auf -(i)kan), .Dachelsen', aus .Tachils-
hovin.' 1232. Bes. bemerkenswert sind aber die zahlreichen,
immer alte Ansiedlungen bezeichnenden Dorfnamen, welche
von Patronymiken auf -m^ abgeleitet sind, deren -»13 mit
dem folgenden -hofen im Allg. im Westen zu -ikofen, im Osten
(bes. in L; Th; Z) zunächst zu -i(n)gkon, dann zu -üf", und
im Nordwesten tw. zu -igen verschmolz, a) -ikofe', bes. in B,
z. B. ,Äz-', ,Ben-', ,Dess-', ,Zoll-ikofen' (gegenüber .Zollikon'
= .ZoUinchovun.' 837, Z); dann in SB., z. B. ,Hess- (1347
in der selben Urk. .Hessikofen' und .Hessikou'), ,Küttigkofen'
(schon 1316; dagegen ,Küttikon.' 1370; 1404), .Liiterkofen'
(.Lüterkon.' 1325; 1397), ,Bttttikofen' ; vereinzelt, gegenüber
zahlreichern ,kon', in Aa (,Wislikofen'), Th (.Hesch-', ,Bott-',
,Dett-'). Hieher auch das Obw .Bitaighofen', woher der Fa-
milienn. ,Bitzinghofer.' 1601; vgl.: ,de Buzikoven.' 1326; im
XV. ,de BUtzikoven', aber schon c. 1280: .Buzzickon', im XIV.
,Buzinkon.' — b) -»ion, gespr. -üfAa (z.B. .Hellikon', ,Hentschi-
kon', .Köllikon' aus .Cholinchova.' 893 ; davon der Familienn.
,Kölliker' Z, .Büttikon', ,Dottikon'): Bs (z.B. ,Hemikeu',
,Tennikon'); L sehr häufig, z.B. ,Ebikon'. .Gisikon'. .Nebikon',
,Pfäffikon' (vgl. hierüber Esterm. 1882, S. 17/8); in Schw nur
, Haitikon', .PfUffikon'; in S (,Hünikon', ,Dullikon', ,Dänikon');
in G (z.B. .Albikon'); in Th (sehr häufig, z.B. .Amlikon',
Eschlikon'. .Gerlikon'. .Kefikon'. .Tänikon', .Trüttlikon'. ans
.Truchtelincofen.' 1155; .Zezikon'. aus .Zezinchovin.' 1215,
.Mörikon', .Oppikon', .Puppikon'); in U .Zisikon.' 1367. Gfd.
jetzt Sififje. Bes. häufig in Z. z. B. .Attikon', aus .Atting-
hofen'; vgl. .Attinghausen' U. .Adlikou'. aus .Adalinchova.'
1040. .Effretikon'. aus .Krpfratinchova.' 745, ,Eschikon', aus
,Asgininchova.' 774, ,Bubikon', aus ,Puapinchova.' 811, wofür
im XVIII. die barrocke Form .Bubigheim'. .Bossikon', ans
.Wosichova (marcha).' 902, .Riedikou', aus .Hreotinchova.'
744, .Rietinchovan." 902. .Schottikon'. aus .Scottinchofa.'
yau, .Waltikou', aus .Waltiliucliuva.' 942. — c) -ken, -gen
liiiit Einbüssuug des Voc. der Silbe -inj): ,Wenken' Bs, aus
.Wahinkofen.' 1113, s. Z Anz. 1888, S. 240/2; ,Benken' Z,
aus ,PecchinchoTa', vgl. Z Ortsnn., S. 59/60, und oben Becki-
huf, mit dem unser W. also gleichen Ursprungs ist. Kndlich
uiit Umstellung: .Bückten' Bs, aus .Buttikon.' 1364 (vgl.
den L Ortsn. .BUttikon'); ,Diegten' Bs, urkundlich: ,Die-
tingüven.' 1152, ,Dietkon.' 1226 (vgl. den Z Ortsn. ,Dietikon').
— d) irrtümlich zu den Zssen mit -ho/en herübergezogen
sind u. A.: ,Zuniikou' Z, urkundlich ,Zuminga.' 946; vgl.
umgekehrt ,Diepflingea' ans ,DicphIinchon.' 1252; ebenso
,Kttmlingen' aus .Rümlikon.' XIV., Bs; vgl. den Z Ortsn.
.Kumlikon' aus ,Rumalinhovon.' 884. Schwanken zeigt sich
in Jen urkundlichen Formen für .Zufikon' Aa = .Zuvingen.'
1044; s. Arg. 9, 57; ebenso in .andern Fällen; vgl. z.B.
das Urkundenb. von BsLd. Die gleiche Vermengung pflanzt
sich daher auf die entsprechenden Familienn. fort, z. B.
.Bertschinger', vpofur im XVI. ,Bertschiker', von dem Z Ortsn.
.Bertschikon'; .Benninger' wahrsch. von dem Ortsn. .Benni-
kon'; ,Zollinger' neben ,Zolliker' und ,Zollikofer', ,Atti(n)ger'
neben ,Attiker'. Über das Verh. der patronymischen Ortsnn.
auf ,-ingen' zu denjenigen auf ,-inghofen' vgl. übrigens noch
ZAnz. 1888, S. 157/61, wo auch bestimmte Angaben über
die Verbreitung der letztern im ßebiete des Cts Zürich.
Nicht hieher gehört auch ,Berikon' Aa (gespr. Berke"), aus
.Berchheim.' 1153; vgl. dagegen oben ,Bubikou' neben ,Bubig-
heim'. .Lunkhofen' Aa schon im XIV. .Lunkhof* für älteres
.Lunchunft'. — In Familienn. wie: .Inihof, Hofer, Hofmann,
Hofammann' sehr häufig; ,Hug am H.' Wegelin, Bemerkens-
wert sind die Familienn. .Oppikofer, Mörikofcr, Pupikofer'
der alten, vollem Form wegen. .Geienhofer.' Familienn.
1529, ThKessw. (von .Gaienhofen', s. Sp. 51); ,Dändliker' Z
(Ortsn. .Dändlikon' Z); ,Däniker' (Ortsn. ,Dänikon' Z =
.Taninchoven.' 1130); ,Ottiker' (,Otinchova.' 809) u. v. A.
Von diesen althergebrachten Formen steht die für halb appell.
Bed. uengeschafl'ene Bildung auf -kumer ab, z. B. Bendli-
kuiiKi; Einer von Bendlikon, auch Wein von dort; darnach
durch falsche Analogie ,Meilikumer' (neben ,Meilemer'), Abi.
von dem Z Dorfn. .Meilen'. — Der in gewissen Gegenden
bes. für unächte Dehnung üblichen Trübung ist Ausdruck
gegeben: Hufz. B. 1534, ZGrün. Amtsrechn.; 1556, ZDielsd.
Offn. ; 1579, Z Urk. ; ,Haaff : schaaff.' JBinder 1535; ,Haf-
rudel der haflüten [von ZF.]', Überschrift, wohl erst aus
dem XVII.; der ,Hard-Haf' (neben ,H.-Hof). 1559, Th Urk.
E-Hof: zu Recht bestehendes Hofgut. ,So vil
dann das buwholz berüerte, da wölltind die huober
mit irer offnung bewysen, dass man söllichs holzes
halb entheinem nützit schuldig, er wäre dann ein
huober und bette ein rechten e. in.' 1548, Hotz, Urk.;
vgl. Hueh IV. — über-: 1. in der ä. Rechtspr. ein
Gerichtshof, an den die Appellation geht. — '2. Flurn.
ZF., Flunt. (wahrsch. nur nach der erhöhten Lage
benannt). .Ober-hofen- Aa; B; Th; Z. — 8. in der
Scherzrede: I''' ha" nid der Wil [keine Zeit]; dazu
die mit dem anklingenden ,Niderwil' spielende Antw. :
Su nimm 0. derzite! Aa (Rochh.).
AUmend-Höfli: auf dem Allmeindeland stehen-
des Haus armer Landleute GT. (bis in die 40er Jahre
des XIX.).
Die .AUmend-Hüfler' waren eig. ,Hintersassen', die in
keinen bestimmten Dorfverband gehörten, denen man aber
aus Gnaden die Ansiedlung auf der gemeinen Mark vergönnte.
Feld-Hof: ein i. J. 1686 aufgeführtes, einen Hof
eiuschliessendes Zeughaus Z. — Wahrsch. so benannt
nach seiner Bed. für den ,Feld'-Dienst.
Far-: Bauerngut, auf dem die Unterhaltung einer
Fähre als Reallast haftete. ,Es sollen alle und jede
Besitzer des Fahrhofes dem Fehr zu seinem Fahr-
Scbweiz. Idiotikou II.
hause jährlich von ihrer Gemeinde-Gerechtigkeit zu
geben schuldig sein 6 Klftr Brennholz [usw.].' 1666/91,
Aa Weist, S. 165/6. — Vor-; vor der Stadt liegender
Hof. ,Dass solich prattik nit in stetten, sondern (in)
den vorhöfen und hölzern uf dem land geschehen.'
152'2, Absch.
Fri-; 1. = Frlheit 5 Bd I 1265/6, Frmng Bd 1
1269/70. . ,I)es gottshus freier hof soll gon ze UwE.
von des kilchhofs ort bis an das ort, da der alt spital
ist. . . Und soll der selbig (fry-)hof und die herren
mit den buessen und by iren brivileien verbleiben als
von alter harkommen ist.' 1582, Obw; vgl. noch: ,In
der fryheit oder in des gottshus hof.' ebd. ,Es soll
ein Jeder, der einen unfürsechnen Todschlag begangen,
im Fr. zu BsLie. wie von Alters her ein ganzes Jahr
und 6 Wochen befreit und der Besitzer verpflichtet
sein, die äussere Hoftüre jeder Zeit, Tags und Nachts,
in der Falle stehen zu lassen [nicht zuzuschliessen].'
XVII. Einen .Freihof' besass auch das StUrbans-
kloster auf dem ,Fridhofplatz' in SStdt, welcher daher
auch etwa , Freihofplatz' genannt wurde. Vgl. noch :
,Die Mühlhauser haben beide Freiheiten-Höfe ver-
wahrt und die Stadttore geschlossen, in der Absicht,
die 3 Burgermeister festzunehmen.' 1587, Abscii. Der
Name galt auch von Häusern, die dann auch sonst
bes. Privilegien (z. B. Abi,'aljeiifreiheit) genossen, so
in BHuttw. .Ammann R. bittet die eidg. Gesandteil,
man möchte seinen Freihof in der Stadt Frauenfeld,
den er vom Bischof von Constanz gekauft habe, wie-
derum freien und dessen alte Freiheiten bestätigen.'
1586. Absch. Freihöfe gab es auch in TnEisch., es
waren z. T. frühere adelige Höfe, welche mit min-
destens 6' hohen Hofmauern umgeben sein mussten;
eine Freistatt war ausserdem die dortige Kirche.
Zschokke's Erzählung: ,Der Freihof von Aarau' be-
zieht sich auf den Turm Rore, der eine alte ,Fryheit'
war bis 1515, wo er zum Rathaus gemacht und das
Zufluchtsrecht auf den Kirchhof verlegt wurde. —
2. Flurn. s. frl Bd I 1257. — Über das Freihofsrecht
vgl. noch Osenbr., Studien, S. 13 f.. Arg. 1S61, S. 61/2.
Fron-: 1. vom Grundherren mit Hülfe von Frohn-
arbeiten der Hörigen bewirtschafteter Hof, Herren-,
Herrschaftshof, curtis, auch curia dominicalis. Vgl.
Hof 2 und 3. .Man soll alle gefangen[en] entwürfen
in [des Bischofs] fr.' c. 1260, Bs Dienstinannenr. ,Ze
Rynach sint 5 höfe, die der herrschaft eigen sint, der
ist einer ein fr. unde hörent die 4 höfe daryn, da
giltet der fr. ze zinse 21 mütt kernen.' c. 1304/11,
habsb.-östr. Urb. ,Dis geding [Jahrgericht] soll man
haben in dem fr.' Bs Rq. .In des probsts fr., do soll
ein stock syn. da man schedlich und schuldig lüt in
und enthalten soll, bis der meier des probsts dem
vogt solich lüt überantwurt.' ebd. ,Der meier soll ein
pfand nemmen dem, der synen zins versunit ze geben
und soll es in fr. füeren und daselbst 7 tag ver-
kostigen.' ebd. — 2. .Fronhofen', Weiler L.
Mhd. vrönhof, dass.; vgl. auch Mrici-ll. Vgl. Meier,
Gesch. des Bundesrechts I 267.
Frond- = i'Vön-if. ,l)er nieigerhof ze Sarmens-
dorf ist ein fr., denselben hof buwt nu frö N., die
meigerin, ze leben. Derselb hof hat du recht, wenne
ein propst [der Grundherr] dar kumraet selb dritte
geritten uf die geding. die soll du meigerin mit irm
kosten erberlich haben.' 1359, Uub. von StBlasien.
1027
ILif, hef, Inf, hof,
1028
,l)er saiiktblasische Uof ze Sneisaiig sei nicht ein
Erbgut, sondern ein Fr.' 1401, Hdber, Eeg. - Mlid.
m-nndc, frolmdienstpflichtiges Laud, .Frolmdieust. Bei Mone,
Ztschr. 6, 105 ist der Herrenhof kurzweg frönda genannt.
Frit-Hof B; Gl; Gr; GSa.; TB., Frld- ürD.;
Uw, Frid- W — m. (in GrL. n.): 1. Gottesacker,
Friedhof. ,Fridhof, area terapli.' Id. B. Der heute
von Häusern rings umgebene Fridhofplatz in SStdt
wird noch 1336 als cimiterium erwähnt. ,StSteffans
Kirch in dem FreidhotV FHaffn. 1666. Fr. nannte
man in ApTrogen spec. den .Armensünderkirehhof',
nachdem er 1771 vom Pfarrkirchhof abgetrennt und
in die Nähe des Hochgerichts verlegt worden war.
,1528 habend die pfaffen zue Regensburg nach irem
rechten keinen erstorbenen menschen, der luterisch
in iren freit- oder kilchhof wellen begraben
Sicher 1531, 84. , Kirch- oder Frythoif.' RCys.
,Sy laufend durch den Freithof [des Klosters] durch.'
1653, Mohr, Arch. ,Es solle Niemand keine Schwein
uf den Frythof gan lassen, by Buoss.' GrD. LB. —
Fridhöfler m.: Name einer intermittierenden Quelle
am Bürgenberg UwBuochs; s. LtiT., Sag. S. 278/80,
Schwzd. VI 3, S. 14; Nationalkal. 1869, S. 33.
Mild, vriihof, Vorhof eines Tempels, eingefriedeter Raum
um eine Kirche; vgl. Kilch-, luiai-H. — Das Geschlecht
des W. ,Fridhüller' ist wohl bedingt durch den Oberbegriff
,Bach' oder es liegt eine Personifikation vor. Aus dem Ver-
siegen wie aus dem Emporsteigen periodischer Quellen wird
oft Unheil geweissagt, Sterhfall und annahende Teuerung;
s. Gr., Myth. S. 557/8.
Geiss-: Name eines Hügels bei Sch, einst AIl-
meinde. Spöttisch den Nichtbürgern der Stadt, welche
an keinem Zunftverband Teil haben, als Zunftlokal
zugeschrieben. — Güster-: Hofraum, als Lagerplatz
für Kehriclit BHk.; s. Bof 6 und Sp. 494. — Hueb-:
= Huch IV. ,Die kahl- und die huebhöf in den vor-
stätten [von ZWthur].' 1531. — Holz-: sog. Holz-
lehen, ein im Wald gelegener Hof. ,[Die Hofleute]
sprechent, dass 4 holzhöf syent, die sond das ir [als
sog. ,beschlossne Höfe'] vor den von Altorf zünen.'
c. 1439, ZAlt. Offn.
Here"-: 1. Pfarrhof Ndw. — 2. obrigkeitliche
Kasse, Fisous Gr. Das (z. B. diese Bussengelder)
g'hört in'n H. — 3. Flurn. Th.
Zu Bed. 2 Tgl. B<^ 10; es ist also eig. die der Obrigkeit
gewidmete Rubrik. Zu 3 ist viell. Fronhuf zu vergleichen.
Hus-: umzäunter Wirtschaftsraum um das Haus
Ndw. Vgl. Hof 6. -- Jäger-: sog. Jagd- oder Jäger-
lehen, dessen Inhaber verpflichtet ist, dem Grundherrn
bei der Jagd zu dienen, z.B. Hunde, Treiber zu stellen;
Jagdhof. Den Namen führten die 3 Weiler oder Höfe
Ober- und Unter-Hembrunn und Türmulon Aa.
Kel-: Hof, der dem Keller als grundherrlichem
Beamten zugewiesen ist, curia cellerarii, daher auch
etwa ,Keller-H.' genannt. ,Der kelnhof ze Eschenze
[usw.] sind järlich lidig ze StWaltpurg tult.' 1296,
TnEsch. Oß'n. ,Ze Küsnach lyt ouch ein kelnhof, der
hat wol uf 73 jucharten an holz und an feit.' 1304/11,
habsb.-östr. Ure. ,Wann der k. empfangen ist, so sind
alle erbgüeter empfangen.' THWellh. Offn. ,Der keller
soll sitzen in syra kelnhofe.' L Hofrecht. ,Mänger
kelnhof, der ist als arm, dass der meiger muess
keller und meiger syn.' ebd. ,Dass N. N. den chelle-
hof ze Malters, der sein leben von uns ist gewesen.
aufgesandt hat mit seinen priefen.' 1346, Gfu. ,Er
soll das beste houpt ze falle geben und soll das ant-
wurten dem keiner in dem kelnhof.' LMalt. Offn.
(dafür: , Kellerhof.' 1600). ,Er hat den Insassen, des
gottshuses eignen lüten ein maientedung [Maiengericlit]
uf den kelnhof verkündt.' ZHegi Offn. ,Es soll ein
keller den kelnhof in guoten eren han mit liüseren
und mit spycheren, dass er einem probst syn zins
behalten möge und dass ein probst oder syn boten
mit iren pferden guot gemach by im haben.' 1400,
AaKöII. Hofr. ,Dass twing und bann gänzlich über
alles dorf Boswil und ouch diso nachgeschribnen
dörfer und höf gehörend in den kelnhof ze B. und
sind dis die twinge und banne derselben dörfern und
höfen, die zuo dem twing ze B. gehörend, nämlich
[usw.].' 1421, AaBosw. Dorfr. ,Wann es sich begäbe,
dass der keiner dem kelnhof unnütz syn erkennt
wurde oder er daruf stürbe, so soll der kelnhof one
alle ynred dem stift fry ledig widerura heimgefallen
syn, also dass ein stift damit tuon und wandlen möge,
wie es inen eben, kummlich und gefeilig ist. Und so
bald der hof ledig wirt, so soll holz, strow und bauw
nach gemeinem landrecht by dem hof blyben und er
oder syne erben mit verbundnem sack abzüchen.' 1533,
Hotz, Urk. I 41/2 (mit sehr eingehender Pflichtenbe-
stimmung). ,Der vogt het gricht g'halten uf dem
oberen kelhof ze Winterthur.' 1549, UMet., Chr. ,Der
Kälhof zu Altorf ist einem Vogt zu Grüningen selb-
ander essen und trinken zu geben schuldig und wel-
licher den K. innhat, der soll haben alle Mass zu
Kernen und Haber und soll die Jedermann im Dorf
lihen.' 1668, ZGrün. Herrschaftsr. S. auch noch Absch.
IV 2, 1000; Blüntschli, BG. 1255. — Kelhofer:
Inhaber des Kelhofes, Keller. XVL/XVIl., ZSehwam.
(,Keln-' neben .Kelhofer').
Der Hof führt ausser den oben genannten Namen auch
die Bezeichnungen ,Kern-, Kelners-Hof, Kelhof-Gut' (s. Gr.
WB.); ferner: ,Das Lehen, Kelgut, colonia, feudum.' Red.
1 fi6'2. Die Form ,Keln-H.' kommt vorwiegend in den ältesten
Quellen vor; ausserdem ist sie bei uns, z. T. im Wechsel
mit ,Ke!-H.', bis ins XVII. belegt. Über die nicht ausge-
machte Etymologie des W. vgl. JMeyer, Gesch. des Bundes-
rechts I 267, Note. Der Grund, warum ,Kel-' (auch ,Meier-)H.'
als Übersetzung des lat. curia (Rathaus) erscheint, mag darin
liegen, dass auf den Kel- und Meierhöfen, welche oft (weil
an diese Beamten verliehen) nrspr. mit den Sal- oder Fron-
höfen identisch sind, Gericht gehalten wurde; sonst ist wohl
curia Wiedergabe des deutschen .Bann- oder Twing (Zwing)-H.'
Das W. ist an zahlreichen Orts- und Flurnn. haften geblieben
G; Th; Z (in Stäfa ChM- uud ri,.il-H.). Über das Ver-
bältniss der ,Kel-' zu den ,Meierhöfeii' vgl. Seg., RG. 1, 2";
Blumer, RG. I 67.
Chilch- B; L; S; Ztw., CMlle- ZStdtf, Chtl- A\;
Ap; Ltw.; ZKn., W., Chilch (bzw. Chvrcli- ZStdt) -ö/-
(-äfj Z, Chilkchnf /,!•'. : = FiUhof. D' Frau g'hört im
[dem] Ma"' hin uf de' Ch. I.G., eine Var. des Eechts-
sprichworts: ,Der Jlann muss seine Frau tun bis auf
den Kirchhof', der Mann einer ohne Leibeserben ver-
storbenen Frau hat nur die Kosten bis zur Beerdigung
derselben, das Übrige (Exequien usw.) haben die Erben
zu tragen Schw. Uf-em Ch. laufen all Weg z'sämme'
L (Ineichen). Niemer hed usg'lerf [-gelernt], a's die
uf-em Ch. LSurs. ,Ein pfarrkilchen mit kilchhof.'
1417, Zellw., Urk. ,Das hus uf dem kilchhof.' 1525,
VöG.-Nüsch., S. 500. ,Selbst in Kirchen und auf Kirch-
höfen, die sonst Freistätten waren, nehmen sie gc-
Haf, lief, hif, liof, huf
1030
laueren.' 1535, Absoh. ,A1s N. N. den Schuldnern in
kilchhof entrann [indem er starb].' Ansh. .1611 in dem
grossen Sterbend sind 3 Kirchhof gemacht worden.'
Mem. Tig. 1742. Im weitern S.: der um Kirche und
Kirchhof liegende DorfteirZZoll. — Chilch(h)öfler:
1. Bewohner des betr. Dorfteils ZZoll. — 2. Apfel-
sorte Th; Sjn. Täinger. Art saure Äpfel ScnSt. ; Syn.
Wiss-Acher.
Mild. kii-chiUof, alem. küch(h)of. Auf die Verwendung
dur Kirchhöfe als Versammlungsplätze, auch für allerlei welt-
liche Zwecke, bezieht sich das Verbot : ,Dass nieman soll in
dorn kilchof ze Kapelle keiglou [Kegel spielen], noch turnieren.'
<\ 1300, ä. L Eatsb. Vgl. noch liosen- Garten. Das W. ist
als Flurn. an Stellen haften geblieben, wo (einst) Kirchhöfe
gewesen, so in Z am .Predigevkirchhof , in SOlten als Name
eines Quartiers, in BStdt an der Plattform beim Münster;
vgl. auch die Personenn.: ,Bnrch. im kilchove.' 127s, Seh
Urk. : ,Nic. im kilchof.' XIV., L Propsteirod. Ckilhofcn, der
Ort (Weiler), wo die Kirche von ObwSarnen steht, ist viell.
zu erklären als urspr. zur Kirche gehörender, bei der Kirche
liegender Hof i. S. t. 1 oder 2. Zur eigentlichen oder zu
dieser letztern Bed. gehört dann auch der Faniilienn. ,Kilch-'
R: 1398, GT.; ,Kirch-Hofer' GStdt; Seh. Betr. die Form
i'liit-If. (aus Chille, alem. neben Chilche) vgl. die volkstUm-
li.-he Ausspr. Chil-Bcnj (auch Chihk-Bag) für den Dorfn.
.Kirch berg'.
Chuster-: Name eines alten, in der Nähe der
Kirche gelegenen Lehenhofes ZDürnt.
Wahrsch. ein dem .Küster' als kirchlichem Angestellten
verliehener Hof; vgl. KeU, Meitr- und viell. bes. \yidum-U.
Lon-: Wohnung des frühern , Lohnherren' Bs;
vgl. Lün-Ämt Bd I 245; jetzt Sitz der Polizeibehörde
und der Untersuchungsrichter, auch (!ef;'ni!::niss, daher
sagt HiNDERM. ironisch: Basti isrli-ni nlli Stadt, si
tuet 's Verdienst bilone", driiw Ini si ,i,i ,li'" L. 'baut,
vo, u'er 's verdient, Ica" wone" 1
Meier-: an den Meier als grundherrlichen Be-
amten verliehener Hof, curia villici. ,ln den m. ze
Langensant höret diu kilche ze Horw. Der selbe hof
ze L., der ein dinghof ist, hat wol uf 24 jucharten
von ackeren und von wisen.' 1304/11, habsb.-östr. Urb.
,In den ra. ze Malters höret diu kilche ze M.; des-
selben m. ist ein huobe.' ebd. ,l)as Gottshus ze Lu-
ccren hat 15 meierhöfe an [ohne] den zu Luzeren.'
aHofr. ,Dass man järlich soll in dem m. ze Zuffikon
haben zwöi gedingc.' AiZuff. Offn. ,Es soll ouch ein
meier han in disem hof ein schein [Hengst] und ein
pharren.' LMalt. Offn.; vgL Arg. 9, 31. ,Der m. zuo
Niderrordorf hat die gerechtigkeit, welcher daruf
sitzet, soll syn dorfmeier und wann zuo herbst wirt,
dass man die bröchen legen will, so hat er zuosamen
[zu] gebieten der pursame gemeinklich uf den m.'
.\a nRord. Offn. Der M. in dem nach einer Kapelle
benannten LMeierskapell wurde 1447 von der Z Frau-
münsterabtei an PKoller, der ihn bisher zu Erblehen
besessen, verkauft. Derselbe ertrug damals 11 Mütt
Kernen, 2 Mütt Nüsse, 1 Mütt Bohnen, 1 Mütt Hirse,
000 Tämerbalchen, 600 Eöteli, 15 Zigerli. Der M.
hatte auch die Pflicht, die Kirche einzudecken; s. Seg.
RG. 1, 526. ,Er lusset um die meigerhöfe.' 1531/48,
Psalm; dafür: ,Er lauert um die Höfe.' 1560. ,Wo
vil vych und güeter sind, muoss man vil knecht und
werkleut haben, wie man noch sieht auf den grossen
meierhöfen.' LLav. 1582. S. auch Hueb IV Sp. 958
unten und Meier-Hueb.
Das Vy. ist noch erhalten .als häufiger Ortsn. h; G; Z,
davon der Faniilienn. ,Mcierliofcr'. Betr. das Sachliche vgl.
LABurkhard 1860, S. 29/30; .IMeyer 1878, S. 266. S. auch
Hof 3 (.Strohhof), Kel-ff. und Sp. 80; sowie Hof-Mtuir.
Mönch-: ein den Mönchen (einem Kloster) ge-
höriger Hof; vgl. habsb.-östr. Urb. S. 11. Erhalten
als Flurn. ZKilchb. (Möich-H.J; der Hof gehörte einst
dem Kloster ZKappeL — Mist- = Hof fl Ap; Btw.;
Gr; W. ,Die schlechteste Gattung Mist ist der sog.
Hofmist. Um diesen zu sammeln, unterhaltet man bei
einem jeden Haus einen M., worauf das Auskehrig
aus dem Haus, alles Spühlwasser, alles Abgehende
von Garten-, Erd- und Baumgewächsen, auch Gassen-
kot und anderer Unrat hingeworfen wird, welches,
wenn Alles durch einander verfaulet ist, die erste
Düngung auf die Brache abgibt. ' Bei den Ställen wer-
den auch Misthöfe gehalten, auf welche das Auskehrig
aus den Ställen, zerhackte kleine Zweige von Tann-
bäumen oder von Hägen. Unkraut, Laub, auch aus
dem Wald halbverfaulte Tannnadeln hingeworfen und
bisweilen mit Harn begossen werden.' Steinm. 1804.
Jauchebehälter BS. — Bü-: Bauernhof. In einer
Urkunde des Z Klosters Töss wird ,mansum nostrum'
übersetzt: ,Unsern buwhof.', 1273, Z. ,Die veste Mos-
burg mit burgstal, mit burgrechten, mit dem b.' 1409,
Pdp., Urk. ,Die veste Singenberg hat einen b. zue S.'
Vad. Bahofer, Familienn. U (Leu, Lex.). — Ball-:
Waarenhaus, zur Ablagerung der in die Stadt kommen-
den (Waaren-) Ballen. Bs XIV., S. 58/9; auch ,Ball-
Hus'; vgl. ,Hof' 4.
Bann-: Hof, in welchen gepfändetes Vieh getrieben
wird. ,Wann der weibel vych, das nit der burger
noch der gerichtsghörigen ist, uf der von Elgüw güeter
an dem schaden findet, das soll er in pfand- und b.
gen Elgow tryben.' 1535, ZElgg Herrschaftsr.
Über des Sachliche vgl. /V«f // Bd I 102.5. Vgl. auch
.Twiug-H.'
Burg-: Burglehen, feudum castrense, mit der
Pflicht, die Herrenburg zu bewachen. Die ehemals
zum Schloss Eegensberg gehörigen Burglehen er-
scheinen seit 1560 als vom Rat zu Zürich verliehene
.Burghöfe'. Als Orts- und Häusern. B; G; Z, bis-
weilen wohl nur den Hof bei der Burg bezeichnend.
Pfarr-, in UwE. (It Ndw Volksbl. 1869) n., sonst
111. : wie nhd. — Das Neutr. wohl mit Anlehnung an Ifus.
Blackte"-: Garten, in welchem Alpensauerampfer
wäch.st Gr ObS.
Sal-: Hof mit dem Horrenhause (sala), Herr-
schafts-. Herrenhof; in lat. Urk.: curia (curtis) salica;
vgl. Hof 2, Fron-H. und Sal-Land. ,Der abt ald syn
amtlüt an syner statt sollend järlichen uf synen sel-
höfen ze niaien und ze herbst umb eigen und erb
richten.' XV., ZEhein. Offn.
Mhd. salhof, dass. Betr. das Sachliche vgl. Seg., EG. 1, 32.
Ein S. war natürlich auch der oben unter Hof S genannte
Königshof Zürich; über dessen Exemption s. Z Urkundenb.
Nr. B8. Vgl. noch Stadel-U.
Salz-: Lagerhaus für Salz. ,üas salz also frei
aus dem s. antworten.' 1484, B. ,Insonders hat die
statt gross einkommen von dem salzzoll oder s.' Siml.
Reg. 1577; vgl. SiML.-Leu 1722, 198. ,Ein Obmann
und Verwalter des ganzen S-s, den man den Hofmeister
namset, der den Zoll ynnimmt und alle Waren flyssig
ufschryben tuet.' JJRüeg. 1606. ,Der von vielen Kai-
sern, Königen, Erzherzogen .staatlich privilegierte S.'
1701, WlI,D, Egl. - Vgl. Hof 4 und «engler ISS2, 201.
ttaf, hef, hif, liof, Inif
Senn-Hof: Hof, auf welcbem viel Vieli gehalten
und Käse bereitet wird, Sennerei. ,Ze Nubrechten
ist ein sennehof, so man ynrihtet 6 küe. Man rihtet
dem sennen C mütt roggen [usw.] für syn koste. So
soll der hof gelten järlichs bOO kese, einen zigern
[usw.].' 1304/11, habsb.-östr. ürb. ,Zue raachenne ein
s. von den güetern, die da zuo dem schloss gehorent
in berg und tal, dadurch man haben möcht schmalz,
käs, ziger und anderes des gnuog und ouch vich zie-
chen und by dryssig küen summren und wintren.'
GMitt. Vgl. Schweig-H. — Das W. noch erhalten als
Häuser- u. Fluni. Aa; G; Z. Der , Sennhof' in GRChur,
jetzt Strafanstalt, war früher eine dem Bischof gehörige
Sennhütte; vgl. B. 1870, 71 (s. v. laugnen). Die Ort-
schaft , Sennhof' in ZRuss. hiess früher ,Eri(ch)sherg';
vgl.: ,Ze Erisberg lyt ein hof, der heisset der senne-
hof.' 1304/11, habsb.-östr. Urb.
Bei Seh. BUrster 1630/47, S. 32. 99. 109 ,Sent-, Sänd-
Hof. wozu unser Senle zu vergleichen ist. Der ,Sentenliof
in AaMuri, vormals ein Klostergut.
Sunder-: ausserhalb des Twings, der Dorfmark
liegender, sog. ,beschlossncr Hof ; vgl. Hof 1. ,Es
sint ouch inrent den ziln sunderhöfe, die uns weder
treten noch etzen süllen, wann dass si sülln inrent
ir stecken blyben.' LMalt. Hofr.; ähnlich ScHwKüsn.
Offn.; vgl. etzen Bd I 6'27. — Ähnlich ist viell. auch der
ä. Beleg zu Sunda-Gtiet Sp. 551 zu erklären.
Sess-: Bauerngut als alter Erb-, Stammsitz. In
LNiderwil erhob sich bei der Teilung ein Streit, ob
die Gemeinwerke nach den 8 Eehofstatten [in einer
Urk. von 1572 ,Ses.shöfe' genannt] oder nach den
13 Schuppossen sollen geteilt werden. Estkkm., Rick.
,üas Gebirg facht sich an mit Baum- nuA Olisgewächs,
Sässhöfen . . .' RCys. ,[Das Nähcrrucht soll den Ge-
nossen zustehen, wenn] die Häuser, Höf und Güeter
vor demme alte, eingeschlossene Sässhöf [gewesen]
und [die] Güeter zusammen gehört habind.' L Stadtr.
1706/65. — Vgl. Si-as-Ouet Sp. 551 und mhd. «üß-lihtn.
Betr. das Sachliche vgl. Hof 1 und Hueb IV.
Schinder-: Name eines urspr. herrschaftlichen
Lehens AaB. ; der Ertrag von demselben erscheint
regelmässig unter den Einnahmeposten der eidg. Tag-
rechnungen, s. z. B. Absch. IV 1 b, 6i'l. 1063 usw.
Scheint in Zshang mit der h. Gerichtsbarkeit gestanden
zu haben, sei es, dass dort die Amtswohnung des Scharf-
richters und seiner Knechte gelegen oder der Richtplatz
gewesen.
Schenk-: (frühere) Kelter des Z Chorherrenstifts,
in welche der Weinzehnten abgeliefert wurde; = ,cel-
larium.' 1346. Stifts-Stut. ,Ks ist der seh. das gebüw
nebend dem kru/nanu, .hi> 7 | später 11] trotten under
einem tach hat, saimiit all.'iii trottgeschirr.' HBull.,
Tig. ,Der Scli. wird f^rnllnrt. wenn der Weinzehenden
der Stift vor Pflegern niM <'a|iilul \erleil,en «ird uml
wieder beschlossen, wenn .lie /e-henilen alle i^eliefei-t,
ausgedruckt und verteilet iiiiJ.- viloos 177.J. ,l»as
hus [zum] Pellicanen gab ein hus zum seh., dann die
buren werdent nit wyt wellen laufen, Gott wöll, dass
sy an der nächi gern und willig bezalind.' 1530, Hotz.
Urk. ,Der keiner soll zu he.rbstzyt allweg mit der
fuor in den seh. gespannen [bereit] stän.' 1533, Z
Schwam. Offn. ,Der seh. gieng am 18. Sept. [auf] und
währet 25 tag. Der herren einem wurdend 116 eimer,
daher wurdend söliche vers in den seh. geschriben :
Aureus annus erat...' 1552, HBull. .Demnach die
jär har die 6 wachten vor der mereren statt Zürich
vermeint, in der gstift seh. hin und wider zuo herpst-
zyt, so man den zehnden sammlet, dass sy grechtigkeit
habind, in derselbigen schenkhöfen ze trinken und ze
zechen nach irem gefallen." 1577, Hotz, Urk. I 194 f.
,Der Seh. zu Z, der den 6. Weinm. aufgegangen, ist
den 17. wieder beschlossen worden.' Z Nachr. 1756.
Davon noch die RA.: ,Der Seh. ist wieder aufgetan',
bzw. ,ist wieder zu', das Geschäft des Weinkelterns
hat begonnen, bzw. ist beendigt ZRüml. Früher galt
das Öffnen, bzw. Schliessen des Schenkhofes als Zei-
chen des Anfangs, bzw. Endes der Schul- und Ge-
richtsferien (der Tage des Rechtsstillstandes). ,Bei
der Jugend ist der Ausdruck: „Der Seh. ist offen"
geläufiger als: „Die Ferien nehmen den Anfang." Z
Neuj. Mus. 1796. ,Drum, den Herbst genossen! Seht,
die Schul beschlossen! Keiner drüber traurt. Seht
den Seh. offen! Wollen 's freudig hoffen, dass es lange
daurt.' ebd. — Schenkhofe r m. ,Der Chorherr, so
zum Schenkhof gesetzt wirt, heisst seh.' HBull., Tig.
.Seine Pflicht ist, zu sorgen, dass die der Stift zu-
stehende Weinzehenden von allen Orten her wohl und
treulich eingezogen, gepresst und gewissenhaft unter
alle 18 Stände gleich ausgeteilet, auch alle Schenkhofs-
Bediente mit Speis und Trank versghen werden. Er
wird erwählt von dem Capitul der Chorherren.' vMoos
1775, 215/6. ,Das Einkommen der Frau Schenkhoferin
ist 3 Pfd.' ebd.
Vor der Reformation hiess der Vorgesetzte des Schenk-
hofus Klosterkellner (cellerarius claustralis);. nach der Re-
formation war dem Sch-er ein vom Rate ernannter, weltlicher
Beamter, der (Gross-)Keller, beigegeben. S. noch mygelen.
— Der ,Schenkenliof in ThBisch. war ein den Schenken
von Landegg gehörendes Haus; vgl. Hof ;). — Betr. das
.Aufgehen' s. auch u. Trotten.
,Scharringgel- oder Regeln der guten Lebensart
beim Abschiednehmen von der Stubentüre bis zur
Haustüre und auf der Gasse. Zu Nutz und Frommen
junger Herren und Bürger, die sich züchtiglich ge-
bärden wollen, in Bildern dargestellt.' Titel einer von
Dav. Hess in 6 Bildern gezeichneten, satirischen Dar-
stellung der im letzten und im Anfang dieses Jhdts
bes. bei Gratulationsbesuchen üblichen Höflichkeiten
und Formen; auch abgedruckt und mit Erklärungen
versehen im Z Kai. 1803. Vgl. auch GFinsler 1884,
S. 229/30 und Z Neuj. K. 1844, S. 7.
Scharrinijgcl, Kratzfuss, übertriebenes Compliment. Vgl.
Hof IS und hofieren, sowie die RA. .Einem den Hof machen'.
G"schirr-: fingierter Hofnanie im Spiele ,Farb-
angeben' (s. Bd I 987; vgl. 333). Wer do? Antw.:
Der Engel ab-eni G. Rochh. 1857, 423.
Für den Namen ist viell. beachtenswert, dass (ebenf. bei
Rochh.) in einer Var. des Spieltextes der Antretende ein
,Krüglein' feil bietet.
Schorr-, neben G'sch örr-: Kehrichtplatz Gr.
Zu HofC. — Sc hiter-: gedeckter Hof, kleine Laube
als Vorratsraura f. Scheiterholz BO.; Syn. Holz-Scherm.
Schweig-: Viehhof; vgl. Schw.-Guet Sp. 552 und
Senn-H. ,Sunt hie tria loca armentorum, schw., cum
domibus. stabulis et pascuarum locis instructa.' c. XIU.,
AaMutI. ,So soll der keiner und der meijer hneten
des sellandes und des sweighofs; das ist MHH. sunder
und ist unvogtber.' XIV., L Propsteirod. ,Er habe
von synem vater gehört, ein probst habe gehept einen
.schw. bi dem wyger [Weiher, weswegen das Haus
1033
Haf, lief, liil'. Iiof, huf
später ,Weierhus' hiess], da fuoreu die von nüdorf i
ze weide, do wert jene [1. inen?] ein probst und wollt
si nit da lassen faren.' 1429, Esterm. ,Es ist zu
wissen, dass 18 lechen sind und ein schw. und keller-
hof und ein meierhof.' NDwStans Otfn. Als Flurn.
für z. T. zerstreute, abgelegene Höfe Aa (Schweik-B.,
auch Schweich-J; B; Th (Sclmäk-H.) ; Z (Schweik/üf
Hausen, Schweik-H.lheTg,Wa\ä.; ,schweigg-hof,' Jahr-
zeitb. ZWthur; ,sweic-hof.' 1271). Vgl. den Flurn.
,Schweig-Hus' B; L. — Schweik-Höfler: Name
eines Bauern. Wolf, Bei. Gespr.
Zu nihd. eweiije, Rinderherde. Betr. die mehrfach be-
zeugte Schreibung und Ausspr. -i--, bzw. -«■/- vgl. ,Ding-H.',
ferner Jmth-HoU, Junker (für ,Jung-Herr') nnd die Ortsnn.
auf ,-ikofen' aus ,-ighofen'.
Sjiil-: Spielplatz zu Tanz, theatralischen Auf-
führungen usw. ,Scena, sp.' Ebinger 1438; vgl.: ,Thea-
trum, .sp.' Voc. opt. und iZb/' 5. 1559 wird in UwEni-
meten Erwähnung getan ,des platzes under dem vordem
dörfly, daruf die grossen linden standen, in selbem die
berglüt gerechtigkeit heigen ze tanzen oder sunst
kurzweil zu treiben.' ,1647 hat die übrigkeit dem
N. N. in ScHwKaltb. den Platz, Sp. genannt, als Eigen-
tum anerkannt, doch für die Jugend vorbehalten, dass
sie ihre Kurzweil daruf ze tryben berechtiget sei.'
Dettlino. ,Nic. Truttmann zu Seelisberg habe ein
Stuck Land zur Almeml gehn [werden] lassen und
den Kirchgnossen uf S. zu einem Muster- und Kurz-
weilplatz; jedoch mit dem üeding, dass daruf noch
Gärten gemacht, noch gebauwet, noch Bäum gesetzt
werden, sondern zu allen Zeiten ein Allraend und
offner Platz sein solle, daruf die Kirchgnossen wohl-
erlaubte und gebührende Kurzweil und Piccreation
ieben mögen [usw.].' 1704, Gfd 3, 284/5; der Platz
lieisst heute , Tanzplatz.' In Gl blieb der Name an
einem Quartier des alten Fleckens Glarus haften : .Die
Spielhofmauer, Ankenwaag.. . liegen auf dem gemeinen
Landseckel.' Gl LB. 1807. Spielhöfe werden ausser-
dem bezeugt für BsBub. (,Elsina im sp.' 1348, Urk.);
LHitzk. (!t Jahrzeitb.), Langn. (,Bonum am sp-e.' XIV.,
Zinsb.); ScHwTugg. (,Hus und hof zu Sibeneich, stosst
an sp.' XV., Gfd); U (,Ein acher zem sp-e.' Gefällerodel
UErstf.); Z (,Ze obren Weningen uf dem sp.' 1302; ,ze
obren Hasle an dem sp-e.' 1303; Name eines Hauses
in ZRicht.). Vgl. auch noch Keim-Garten Sp. 435
(G oUtzw.), ferner die Stelle aus der AAWett. Offn. :
,Vor des N. N. hus lyt ein platz, der soll dienen muot-
willen und freuden menklichem' und ,Spil-Platz' als
Name einer Wiese A AZein. ; ,Spil-Halden', Flurn. ZGrün.
S. auch noch .S>t7-i7»s, -Mos, ■Matt, -Baum, -Stuft,
-Wis; Tanz-Hof, -Hus, -Laube, -Tili. — ,Werni spil-
hofer.' LWill. Jahrzeitb.
Betr. das Sachliche vgl. noch Ztschr. f. vgl. Sprf. 2'2,
S9 ff.; Mone, Anz. 5, 52 (wo der Name ,Spil-H.' auch ander-
wärts mehrfach nachgewiesen wird); Mone, Sehausp. 2, 129;
Pfeiff., Myst. 1, 41. 418.
Spön-, Spön-: Arbeitsplatz der Zimmerleute Bs.
— Stad-: Name eines urspr. herrschaftlichen, am
Ufer (,Gestade') der Limmat stehenden Lehentiofes
AaB., jetzt Badehötel. Die Einnahmen vom St. er-
scheinen regelmässig unter den Einnahmeposten der
eidg. Tagrechnungen, so Absch. IV 1 b, 091. 10ö3.
Stadel-: Herrenhof mit Stall und Scheune, hcrr-
snhaftlicher Wirtschaftshof. .Zue dem st-c [= ,ad
curtim dominicam' des lat. Originaltextes] des bischofes
git der schultheisse 13 ochsen zu des bischofes pflüe-
gen.' XIIL, Strasse. Stadtr., als Übersetzung. An der
Stelle, wo die heutige Z Vorstadt ,Stadelhofen' steht,
war einst ein alter Königshof, der durch Schenkung
in den Besitz der Fraumünsterabtei kam; s. Z Ur-
kundenb. S. 9. Die Abtei besass dann dort einen
,Meier- und Kelnhof'; vgl. die Ztschr. f. schwz. R. 4,
73/8.3. .Curtis qui dicitur Stadolof.' 952, Z Urk. In
der Vorstadt lag neben dem eig. , Stadelhof' auch der
, lange St.' (1762), auch , Reiskasten' genannt; vgl. noch
VöG.-Nüsch. 247/50. - Mhd. stadd, Scheune, scheunen-
artiges Gebäude.
Stall- = Hof 6 GRPr. — Duem-: Domhof; in
BsStdt Name des ehemaligen ,Fridolinshotes' , als
dieser die Residenz des Domkapitels wurde. ,Tunib-
hof.' 1634.
Ding-, Geding-: = Hof 2, bes. zunächst im
engern S. der Hof, auf welchem sich die ,Dingstatt'
befindet; vgl. ,Bann-H.', sowie ,Kel-, Meier-H.' ,In
dem dorfe ze Lustorf ist ein d., des eigenschaft gegen
Uwe höret, darüber die herrschaft vogt ist. Der hof
hat zwo huoben unde 3'/» schuoppossen.' 1304/11,
habsb.-östr. Urb. ,So ist recht mynes horrn, dass er
in ieclichem d-e soll han keller und nieger [Meier].'
aL Hofr. , Darnach soll myn herr faren gen Fahr-
wangen auf den gedinghof und soll da richten um
eigen und um erb.' XIV., AAFahrw. Offn. ,Ze Elfingon
in dem d., den frow Agnese, die kungln von Ungeren,
hat.' 1344, Arg. ,Die Tuemprobstei zu Basel hat
einen wissenhaftigen d. zuo ßiol-Benken, dazuo ge-
hören zwing und bann mit dem kilchensatz, die zehn-
ten und 2 pfd järlich von der eigenschaft der güeter.'
BsBiel-Benken'offn. (Die Domprobstei Basel besass
12 Dinghüfe; vgl. LABurckh. 18G0, bes. auch S. 9/13).
,Alle die stuck und geding, die hienach geschriben
stand, die sind beschwert [beschworen] in drin ge-
dinghöfen mit geschwornen eiden.' vor 1415, AAHerm.
Offn. ,Dass der Hof Neuheim ein D., darauf das
Gotteshaus SchwE. gewidmet sei, dergleichen Ding-
höfo 7 seien, die das Recht haben, dass, wenn einer
derselben mit dem Herrn stössig würde, die Sache vor
die 7 Höfe kommen soll.' 1468, Absch.; vgl. damit
Steinauer 1861, I 53. ,Rechte des Klo.stcrs auf den
D. zu Nieder-Ranspach.' 1576, Absch. ,Mit anderen
Dörferen, welche man damalen Dinkhöf oder Meyerhöf
namset, under welchen Luzern der erst und vorderst
gewesen.' RCys.; vgl. ,Meier-H.' S. auch noch Ge-
mciiul-Guet S]). b50. — ding-hofig: zu einem Ding-
hof gehörig. ,Von ligenden güetern wegen, die d. oder
lehen wärent.' 1457, Bs Rq.
In AaBirni. (s. Arg. 9, 50), sowie in SErlinsb. (s. Arg.
9, 37) sollen die uralten Gebäude der Dinghöfe noch er-
halten sein. Über die Art und Weise, wie auf den Diug-
hüfen Gericht gehalten wurde, vgl. Arg. 9, 43. 50. Über
den sehr bedeutenden Umfang des L Dinghofes Adelwyl vgl.
Seg. EG. 1, 442/5. Betr. die Form Vmklio/{,t\ak-h.- 150«.
L; ,Dinkh(ifen.' 1600, L) vgl. die Anm. zu ,Schweig-H.'
Tanz- = Spil-H. Als Flurn. ScnRüdl.; schcm
1433: , Zwischen den tanzhöfen.'
Ein , Tanzhof auch im Wonnetaler Zinsbuch (XIV.); Mono,
Anz. 5, 52, wo auch eine ,Tanzlinde', ein ,Tanzb«hel'. Vgl.
noch unser ,Tanz-Platz' als Flurn. und Über das .Sachlicho
I s. noch Kricgk 1868, S. 416/8.
f, hef. hif, hof, luif
1036
T6te"-Hof: Friedhof Bs; B; PMu. Wer den
ersten Nagel zu einem neu zu umfriedenden T. schlägt,
wird als Erster auf demselben sein Grab finden FMu.
Twing-, Zwing(el)-: \. = Hof 2, wo der
(Grund)-Herr die niedere Gerichtsbarkeit (, Zwing und
Bann') ausübt; auch der (genau umgrenzte, s. die Off-
nungen) Gerichtsbezirk, die Hofmark. ,Wir habent
ouch zu Schlieren zwein zwinghofe, da sollend wir
drystund in dem jar geding haben.' XV., ZSchlier.
Offn. ,Dis sind die rechtung, die in den twinghof
ze Halderwanc gehörent. Des ersten, dass die truch-
sässen von N. einen keller haben sollent in dem tw.
Ouch soll des tw-s twing und bann gan . . . [folgen
die Banngrenzen].' 1424, AAHold. Hofrod. ,So sind
dis die rechtung, so unser HH. von Zürich im tw. (zw.)
ZUG N. habent.' Anf. XVI., ZNerach Oftn.; s. Weist.
4, 315 und Z Ortsnn., S. 70; vgl.: ,Neerach, ein Dorf
in der zürch. Obervogtei des Neuen Amts, welches
ehemals der Zw. zu N. genennt worden, allwo ehe-
mals eine Burg gestanden.' Leu, Lex. ,Der junkherr
oder syne amptlüt sollen ryten gen Sarm. in den zw.,
daselbst richten um eigen und erb, was ire güoter
antrifft.' Nach 1539, ÄASarni. Vogteirecht. ,Diewyl
nun [die 7 Orte] über sölichen zw., ouch über andere
des gottshus zinsbare lehenhöf und güeter, so im zwing
B. gelegen sind, alte reclitungen hetten . . .' 1568, Aa
Bünzen Offn. ,Allc die, so von dem gottshus eigen,
erb oder lehen besitzen, 7 schueh lang oder breit, die
sind geriohtshörig in den zw.' ebd. — 2. = Bann-H.
,Der meierhof soll ein zw. han, der gehaget syge,
dass weder gäns noch hüener möge darus kommen,
noch ander vich; ob etwann [von Jemandes Tieren]
schaden geschieht, soll er das vich in den zw. tryben
und den obgemelten verkünden und soll das lösen.'
AANeuenh. Offn. Über einen solchen noch 1860 bei
BMürren vorhandenen, umzäunten Hof für , schäd-
liches Vieh' vgl. Arg. I 165. — 3. umschlossener
Raum i. S. v. Hof 5 u. 6. ,[Wenn der Storch sein
Nest baut] machet er erstlich einen runden und holen
zw., ganz eben und gleich, bald bauet er darein.'
VoGELB. 1557. Bes. i. S. v. Zwinger. .Pomceriuni, ein
zw., d. i. ein bestimmte weite bei der stattmauren
herum.' Fris. ; Mal. ,[Der Kaiser] ward in den ersten
zwingelhof gedachter festung hineingelassen.' Wurst-
isEN. ,[1565 war der Rhein so hoch, dass er] über
der minderen statt vormaur in den zwingelhof floss.'
ebd. In Bern wurde der ,Zwingel-' (auch ,Zwingor-)H.'
den Bogenschützen angewiesen: , Sodann auch im Zw.
Platz und Wyte gnueg vorhanden, daselbst ein Tächli
der jungen Burgerschaft zur Kurzwyl und Ergetzung
machen zu lassen.' 1632, B Ratszeddel. ,Dem Bau-
herrn Gwalt geben, den im Zw. liegenden, unnützen
Turm zu einem Behalthaus der Flitzbogen für die
damit sich exerzierende Burgerschaft zurüsten [zu]
lassen.' 1649, ebd.; s. B Taschenb. 1857, S. 94/7, wo
auch eine Ansicht des Zwingelhofes. In Z trat seit
1637 der Hausn. ,Zw.' (neben ,Zwingolf ) an die Stelle
des alten ,zum Wingolf' (z. B. 1486); s. VöG.-Nüsch.
1879, S. 568.
Vgl. twinc-, zmingd-hof bei Lexer, nihd. WB., sowie
Schillers: ,Seit Mensehendenken war kein Twinghof hier |auf
die Vcste ,Zwing-Uri' bezogen].'
'eid-
als Eigenn. in ß; L; Z.
ig-H- und Gegs. zu Jiü-1/.
Viell.
Widum-: das einer Kirche bei ihrer Gründung
zur Bestreitung ihrer Bedürfnisse angewiesene Grund-
stück, dos (mansus) ecclesise; vgl. Widum-Guet (Sp.
553), -Hueb. ,N. N. übergibt dem Propste und Ca-
pitel zu Münster seinen Wydemhof mit dem Kirchen-
satze und mit der Kirchen, die in denselben W. höre.'
1400. EsTERM.. Rick. ,Widumhof der Kirche in Rick.:
[folgt die Aufzählung seiner Bestandteile].' ebd. Der
eigentliche W. lag wohl in demjenigen Teile des
Dorfes, der heute noch ,im Hof' heisst.
Betr. das Sachliche vgl. Esterm., Rick., S. 15. 18/9;
Seg., KG. 2, 75Ö/G; s. noch Staffelb. 187.5. S. 44.
Wil-, in L; S; Z auch WiK-: häufiger Flurn.
B; L; Th; Z.
Viell. , Hof mit einer Herberge'; vgl. die Fliirnu. W.-Jlus,
,-Heim' ; weniger wahrsch. ist an lat. vUla zu denken; s. noch
Hueb IV Sp. 957. Zu der zweisilbigen Form des erstem W.
vgl. den Geschlechtsn. Wüima, .Weilemann'.
Werch-: Arbeits- und Vorratsplatz der Ziramer-
leute Bs; Z. ,Gleich hinder dem Fraumünster ist der
sogen. Werkhof, ein grosser, weiter Platz, allwo das
oberkeitlich Bauholz gezimmeret wird und sind beide
Ort dem Bauherren sehr kommlich.' HEEscher 1692.
Dil (jat 's [so emsig, lebhaft] zue wie ft' ZüriJ im W.
ZS., W. ,Buwhölzer sollent durch den bannwarten in
unser w. gefüert werden.' 1539, B.
Vgl. mhd. würc-gadem, -hüs und Spän-Il. Betr. den W.-H.
in Z Tgl. noch Z Mem. 1845, S. SU; Viig.-Nüsch. 1879,
S. 563. 550.
Zucht- s. Hof 3.
Ziegel-: Ziegelei. ,Hofstctten, zu unsern Zytcn
nur ein Z.' JJRüeger 1606. — Vgl. mhd. ziegd-hül.
Z w i n g ( e 1 ) - s. Twing-H.
hof(e)-, höf(e)-li(ch): Adj. u. Adv. 1. (hofeU Z,
hojlig Aa; L) hofgemäss, wie man es am Hofe sehen
lassen darf, schmuck, kunstreich, trefflich, zierlich,
fein, artig, vornehm, wohlanständig, geschickt. Bie
[eine junge Hausfrau] wird 's welle' hoflig iTichte;
het d' Nochbe]-i g'seit, wo nif de' Husrot ahglade' het
Aa (Schwzd.). Es hofligs Bett L. Das ist nüd Hofelis
vo' dir, darauf brauchst du dir Nichts zu Gute zu tun
ZO. Nüd Hoflis, nichts Rechtes Z. ,Ein hoflich gssen,
darzuo man allerlei fleisch brucht.' XV., Birl., Kochb.
193; vgl. ebd. 196. ,Wiewol ich bin ein büwrin g'syn,
vil lieber ich yetz stattlich bin, will sittlich, h. lieber
leben, dann mich in 's buwrenwerk ergeben.' Rdep
1550, da Cain eine Stadt gründen will; vgl. ebd.: ,In
stetten man ouch hoflicher ist. so [während dagegen]
usserthalb der dingen prist.' , Künstlich, hoflichen
künndend s' singen.' ebd. ,Dass wir ein semlichen Gott
und vatter habend, der kein h., kunstrych g'schwätz
von uns erforderet.' Güalth. 1559. ,Hoflich, hold-
seligklich, stattlich, civiliter, urbane, lepide, facete,
festive. Höflich, wol und geschicklich reden, facete
et commode dicere. Inurbane, unhöflichen, bäurisch.'
Fris.; Mal. ,Etlich us den 5 orten hattend 1531 us
den schnüeren, daran die sigel an burgrechtsbriefen
gehanget, (zue) seckelschnüeren gemacht, spiegletend
die hoflich zue tratz [um die Reformierten damit zu
ärgern].' HBdll. 1572. ,Der künigliche palast ist, so
vil die gebüw belangt, uf 's allerhovechlichest zuo-
bereitet.' JosMal. 1593. ,Im Fahl man üch in der
G'meind [Gemeindeversammlung] nit gedulden wurde,
worden ir son.sten ein hoflichen Abschwank ze nümraen
l(i:!7
Hill
hof.
[geschickt einen Ausweg zu ergreifen | und nit desto
weniger unser Schryben öffentlich verlesen ze lassen
wol wüssen.' 1646, Z Instruktion. ,Ein frölich und
guet Herz zeiget sich in den Speisen und Trachten,
dann dieselben sind fleissig und höflich zuebereitct.'
1707, Sirach. Gewandt, geschickt: ,Es sy denn, dass
einer so hoflich mit einer federsnuer sy, dass er an
alls kerder und feiraen fischen könne.' SciiwE. Hofrod.
,üass er so hoflich konnde schiessen.' c. 1600, Tellen-
LiED. Iron., ähnlich wie hübschelich Sp. 967: ,[Die
Mönche] haben jn [den Abt] aber hoflich hiuder-
gangen.' Vad.; vgl. schön, artig anfüeren u. A. Spec.
a) von dem äussern Aussehen von Personen, sauber,
nett, hoffärtig gekleidet; stattlich Aa; L; Ndw; ZO.
De'' Hans Cliueret macht i" sitn neue" Bock e hofelis
Ussehe', chunnt-in^r hüt so hofeli vor ZO. E hofllye
Jumpfere L. De'' chunnd nid gar hofli [sc. gekleidet]
Ndw. D' Sach ist sicher nid im Bund [in Ordnung],
wenn euse Teil [als Statue auf einer Bildsäule] gar
z' hofli chunnd. Hafl. ,Es stat dir vil bass an, wenn
dyne händ rüch von der arbeit sind, dann wenn sy
von ringen starrend, oder mit süberen, wyssen händsch-
linen [Handschuhen] hoflich bedeckt werdend.' HBull.
1540. ,So niügend wir hoflichen uns bekleiden wol,
wie 's burgers kinden zimmen soll.' Euef 1550. ,Lautus
honio, sauber, wolgebutzt, hoflich, ausgestrichen, ge-
stryft, kostlich, ein wolgelebter mensch und wol ge-
halten.' Fris.; Mal. ,Der von Erlach zog hoft'Iich
dran, dreissig Fahnen tat er wol han.' Vilm. Schlacht
1656. — b) hofli(g) kk, sonst höfli, vom Benehmen
gegen Andere, höflich, im nhd. S. allg.; Syn. höfig.
[Ich] danke h., formelhaft, allg. Höfli''' st" und gueti
Wort ge', bricht Kei^'m 's Mül. Sulrer. Lieber »"-
höfli"'' ah überlästig, ebd. ,Ich wollt höflich sein mit
meiner Hochzeiteren, wie ich in Frankreich by den
Dänzen gewont.' FPlatt. 1612. Als Adv. höfeli, be-
scheiden, unterwürfig, in der KA. h. (miiesse") Chäs
heusche" [bitten], als Schuldbewusster um Etw. bitten,
Abbitte tun, zu Kreuze kriechen (müssen) Z. —
2. hofeli Aa.; ApL, K., M.; Gl; Gr; Gtw.; Sch; Schw;
TaFr. C-igJ; Z, höfeli ApH.; ebenso tw. in Gl; G; Th;
Z, behutsam, gemächlich, auf gute Art, schonend,
sachte, leise, sanft, mit aller Sorgfalt (Rücksicht),
,fein säuberlich', langsam, bedächtig. aaOO. Synn.
ordenlich, hübschelich, hösam, süberlich, schonklich,
g'stät, zämlich. H. und zämeli mit-enander umgä'.
Gl Volksgespr. Er het no''' müese" h. tue', sust . . ..
hat sich noch in Acht nehmen müssen, sonst . . . Z.
Zur Verstärkung häufig wiederholt; z. B. als Befehl
beim Niedersetzen einer Kiste mit Glasgeschirr Z.
Eusers Here" Büseli hat h. welle" ga", ist über- und
überrügelet, hat 's Fildeli füre" g'lan Z (Reimvers).
Er gat so h., das' mer-e* nüd g'hört Z. Im iron. S.,
ähnlich wie hübsch, suber u. A.: P'' ha dem Hund
Herdöpfel ane g'stellt, aber de" häd s' tvol h. la" stä'
ZLunn. ,Libare cibura digitis, hüpschlich und hoiflich
anrüeren.' Fris. .Tue [dem Esel] us dem mul das
biss. Wol süberlich, gryf 's hoflich an.' Haberer 1562.
.[Der Elephant] hat seinen meister mit der nasen hof-
lich gefasset.' Tierb. 1563. ,Nimm [hebe] das Gefäss
fein höflich hinaus.' JELandenb. 1608. .Einem sein
Laster hofl'lich vorhalten.' Schimpfe. 1651. — 3. (die
Formen wie bei 2) eben noch zureichend, kaum,
knapp, mit (knapper) Not, Mühe Ap; Gl; Gr; G;
Schw; Th; Z. Zur Verstärkung häufig wiederholt.
Er ist allerg [jedenfalls] e chlei" bös über mi''', er hel-
mer hüt h. d' Zit abg'nö" [den Gruss erwiedert] Th.
!''• mag mi''' no''' h. denke', daran erinnern Gr; Z.
M'i cha"'s ('s ist) h. (z') glaube' G; Z. !''• han mi'''
bi-ma sötta G'völch [unter einer solchen Volksmenge]
übernatürli"'' g'schiniert [war verlciren] und han h.
d'Augn" lüpfa' törfa' GRPr. (Srlnvz^i.l. hi Bei" hend-
schn h. im' trägn. ebd. Leid, inir^f //,;(/,/." | krumme
Schriftzüge] hed's g'ge", diu i''' li. ..Siran |.lmd] hetti
zeih'i" törfa". MKuoni 1886. Der Bur muess a" der
Erde' chlebe', bis er so h. dw"''«" mag [seinen Ver-
pflichtungen nachkommen kann]. EFeurer. Was s'
[die Appenzeller in der Schlacht am Stoss] nüd hend
chönne" nederschlö", ist h. vertronne'. .TMerz 1836.
Es mag 's h. g'ge', es isch es fasej h., das erforderliche
Mass (Gewicht) Ap; G; Tu; Z. .H.Uli voll.' GId. 1790.
In Verbindung mit Substsf. ,l.s Zeit- und Rauinmasses,
Gewichts: H. e Mass, h. c hnihi .Shind Ap; G; Z; in
diesem Fall auch adj.: e höfligi Stund, keine volle
Stunde Ap (St.''). S. noch Gott Sp. 514. Zeitlich,
wie das nhd. ,kaum, eben' einen unmittelbar einem
andern vorausgehenden Zeitpunkt bezeichnend Gr; Z :
Schi sind h. schi''< z' setzif chon, so hed er Allna" die
Grinda' abschlän län GrD. Ma' toär si''' h. z' b'sinne"
chw, [so] git 's a' schwera' Tatsch [platschenden
Schlag] GRPr. (Schwzd.). An der Spitze des Satzes
stehend : H. hei ar Das g'seid g'han, so . . . GRPr.
H. z' lunga' ist ma' chö', sa-n-ist Alls Uübis und
Stübis fort g'sl'. ebd. Auch mit folgendein ,dass':
H. dass dar Sehne e'weg ist. ebd. In die Bed. .scliwcr-
lich' übergehend ApI<1.; G'I'. Er chuiint hofeli, sein
Kommen ist iniL,'''wi~x (IT.
M.hi. hoviAiih. I,.>r,l,, Im >. ' li"h-.li. iii^.'linlh h. Virl. vui
Alle
das ai
die Bede
die Bed. ,iiuttelniässig' hat) und "/(/;( W i< 1
Uch und zämduh wird das W. in >. i li . i i. . ;; 1 i i ■ ii
als Diin. emjifuadcn; vgl. hierüliui Wjul. lo^i.. .->. -IJ,-).
Über das infolge Änalogieeinfliisses erfolgende Kiutreteii des
Uml. in den 2-, bzw. 3-silbigen Adjj. auf -hch vgl. Paul,
mhd. Gr. § 40.
hofe": 1. tr. a) allitterierend und formelhaft ver-
bunden mit husen (s. Hus und Hof unter Hof 1),
Jmd zu Haus und Hof aufnehmen, beherbergen, ihm
Unterkunft, Zufiucht und Unterhalt gewähren „Aa;
B; VOrte; Z", bes. aber in der ä. Espr. Syn. husen
und herbrigen. ,Swele gast verbotten wirf [dem der
Aufenthalt in der Stadt untersagt wird] um einunge,
gat der in die statt, wer dem essen ald trinken git,
ald huset und hofet, der muess den einung geben für
den gast.' 1300/15, L Stadtb. ,Ist aber, dass [der Tod-
schläger] entwychet, swer in danne huset older hovet
older schirmet (gehaltet) inrent landea, der soll von
dem lande farn.' 1315, Bund der Wählst. .Sy sollend
nit einicherlei party fyend husen. h., halten, noch in
ir land kommen, noch durchziehen lossen.' 1476, Bs
Chr. ,[Iiie Wirte sollen den Liederlichen] in dheineni
weg zuo essen noch z' trinken geben, sy weder liusen
noch h. by 10 pfd buoss.' 1567. B Mand. S. noch cer-
geben II Sp. 87. — b) „Jmd auf einen Hof (s. Hof 1)
setzen, ihm zu einem Landgut behilflich sein, auch
be-h." — 2. intr. a) formelhaft verbunden m\i husen:
eig. Haus und Hof als Eigentum und bleibenden Wohn-
sitz besitzen, dann verallgemeinert: einen bleibenden
Wohnort haben, haushalten, wirtschaften Gl; L. M';
muess Eine' [bei rechtlichen Ansprüchen] sueche", wo
Hat; lief, liif, liof.
er huset und hofet L. ,So lassent uns dann, ir Ge-
liebten, also leben, wandlen, hausen, h.' PWyss 1655.
— b) mit Uat. F., „Jmd seine Aufwartung machen,
kleine Gefälligkeiten, Höflichkeiten, Ehre erweisen,
schmeicheln , ihm gegenüber den Dienstbeflissenen
spielen, bes. einer Weibsperson schon tun"; Syn. ho-
fieren, höbelen, höfelen. — c) das Hochzeitsfest begehen
BsLd (Spreng). Gelt, wenn-d^ no''' ledig bisch, tvenn
i''' [aus dem Kriegsdienste] wider kmnme, nier wei
[wollen wir] doch h. 1756, Patriot (BsLd). Vgl. Hof 13
und hoffärtig (stän) Bd I 1033.
Mhd. homn, in den Hof aufnehmen, Hof halten, höfisch
erziehen und bilden. Zu 2 b vgl. mhd. hOveechm, hüb(e)schen,
den Hof machen, und ,2üchten' bei Vilm., Id. und Bech,
1868, S. 24.
be-hofe": 1. formelhaft verbunden mit behüsen
= hofen 1 (I BO. .Alsdann ettlich unser burgern die
hindersässen und ander arm volk ynzüchen, sy in Iren
hüsern beherbergen und b.' 1480, L. ,Die so die
töufer behüsend, behofend und underschlouf gebend.'
1-580, Absch. , Welche aber einen [Geächteten] ver-
tädigen, behausen, b. wurdent, die sollent dem Täter
gleich geachtet werden.' 1665, Erzähler. S. noch
Kräzen-Trager. — 2. „= hofen 1 b; behofet sein, einen
Hof besitzen L; U." — Behofung: Wohnsitz, s.
hofen 2 a. ,Als wir von besserer Kommlicbkeit wegen
unser Wohnung, Handel und B. von dem alten Hus
uf ein ander[es] bewendt.' KCts.
Hof er Im.: 1. Hof-Besitzer, -Bewohner, bes. eines
seitab gelegenen, grössern Bauerngutes S. So rlchi
Höferchinder. BWyss 1863. Zu Hof 1. — 2. Bewohner
des , Hofes' [Dorfes], als feiner gebildet den Bauern
und Sennen gegenüber gestellt Ap. Syn. Höfler. Zu
Hof 3. — 3. Farailienn. Aa; B; s. Anm. zu Hof —
S. auch Huther I Sp. 963.
hofiere": 1. ein ,büfisches', artiges Wesen an-
nehmen, in der Absicht, einem Andern zu gefallen,
ihm dienen, schmeicheln, schön tun, aufwarten YOrte;
Gr; GTa. Synn. s. bei hofen 3 b. ,Weil Baschi reich
war, so hofcrierte man ihm hinten und vorn.' Zg Els.-
Kal. 1870. ,Sy redtent an fürwort [Umschweif]: Her,
aller hofierung halb ganz kurz abgebunden . . .' Edlib.
,Es darf nit vil sömlichs h-s' [Acolast zu den Schmeich-
lern]. JBiNUER 1535. ,Wie bruchend [die gefallsüch-
tigen Weiber] so vil h-s, in kluogen berden vil stol-
zierens!' Aal 1549; vgl. ebd.: ,So gat der tag weg
me denn halben, e sy sich g'leckend, hoflich zierend.'
,Darmit uns Gott will zieren; euch werdend uns d'
engel h.' Gletting 1557. ,Manus arguta, ein geschwinde
oder zimpferige band, die vil geferts und h-s macht.
Einem fürlegen oder h., alicui apponere cibos.' Fris. ;
Mal. Der Tod zum reichen Mann: ,[Ich] ker mich
auch nit an dein h.' Z Laz. Iron.: , Welche gesell-
schaft den Zürchern mit mengerlei spitzlinen, schmitz-
worten und anzügen [anzüglichen Reden] hoflertent'
1531, Strickl. MitAcc. : ,l)ic Protestierenden tadlen
die Catholischen wegen fremder Herren Pottschaften
und h. die selbsten.' Gulden Bund 1585/1658. Spec.
a) von der Werbung junger Bursche um Mädchen B.
.Neben diesen ordentlichen und öttentlichen Gelegen-
heiten zum H. gibt es aber noch eine Menge ausser-
ordentliche Privatanlässe.' Gotth. .Nun drängen sich
zu dem Mädchen eine Menge hofierender Anbeter, die
sagen ihm die schönsten Sachen; sie versprechen für
dasselbe in den Tod zu gehen.' ebd. — b) bei be-
stimmten, feierlichen Anlässen mit Musik und Gesang
seine Aufwartung machen. Ständchen bringen, oft auf-
tragsgemäss von fahrenden Spielleuten besorgt; daher
übergehend in den Begr. musicieren übh. Zwingli
wird beschuldigt, ,er gange nachts uf der gassen um h.'
.David und das ganz haus Israels hoflertend vor dem
Herren [der Bundeslade] her mit allerlei saitenspil.'
1531, II. Sam. ; dafür : .kurzweilet.' 1531 ; .spil(e)ten.' seit
1667. .Wir triben manchen guoten schwank zuo nacht
mit g'sang und h.' HBdll. 1533. ,Myn spillüt hör ich
lieber h.' Salat 1537. ,Die inen [den Mädchen] erst
für ir kanimer ziehend und da wüeste, grobe lieder
singend, damit dem tüfel nun trüwlich gehofiert werde.'
HBuLL. 1540. ,Jetz hofiert man in dem himmelreich
[zum Zeichen, dass Lazarus in die Seligkeit einge-
gangen sei].' Z Laz. (Bühnenanweisung). .Einen dienst
vor der türen machen oder h. mit singen. Seinem
buolen mit gesang h. ; ad ostium (linien) amicae can-
tare (occentare).' Fkis.; Mal. .Hofieret mit trommeten,
pfeifen und frommen.' Wurstisen. ,In der Zeit ward
N. N. die Jungfrau Elisabeth zum Falken versprochen,
welcher mich bat, ein Mol ein Musik anzestellen,
seiner Geliepten ze h.; dem ich's verhiess, doch dass
solche Musik auch an [dem] Ort, so mir gefiel [d. h.
vor dem Haus seiner eignen Verlobten] 'brucht wurde.'
FPlatt. 1612. 166; vgl. ebd. 149 und 150 über frz.
Brauch. Vagabund zum andern: .Reich [hole] dis
Saitenspil; wirst g'sehn, wie ich dir helfen will, dass
wir vergeben z' fressen händ. Nu hui. wir wend dem
Kaiser vor sym Hus h.' Com. Beatl Auch von dem
als Huldigung aufgefassten Gesang der Vögel: .Das
zysli [Zeisig] hoflich kann h.' c. 1560, Vogelgesang.
In den Schauspielen des Mittelalters bezieht sich das
.Hofieren' zumeist auf die regelmässig mit Gastmählern
verbundene Tafelmusik. Zu einem Gastmahl des ,Ent-
christs hofierent syne spillüt und so sy im besten
[Zuge] sind, so kommt [der Engel] Gabriel.' 1549,
L Heiligenspiel. ,I)iener zun spillüten : diewyl yetz
sitzend d' gest bim tisch, so hofierend schnell und
machend 's frisch.' Rüep 1550. ,Bigandus hofiert vor
dem tisch mit seiner sackpfeifen.' Schertw. 1579. ,Zu
Herodis gastmal sond die trommeter ein gewaltig hof-
recht machen, h.' 1583, L Spiel. ,Der wylen sy essent,
über tisch h.' 1597, ebd. .Darzwüschen [bis der Wein
aufgetragen ist] soll man mit Schalmyen h.' 1616, L
Spiel. Auch von anderer, als Elirenbezeugung be-
reiteten Kurzweil: 1522 verzeichnet die B Staatsrech-
nung eine Ausgabe von c. 10 ß ,denen, so die hären
füerten und MHH. hofierten.' ,H., den tanz füeren,
pruesultare.' Mal. .Wie hast du [Obrigkeit] diese
Schandsäcke [eine Gauklerbande] zu dir berufen an
den Ort deiner Ergötzlichkeit, vor dir daselbst üppig-
lich zu h.' 1626, JJBreit. — c) bei einer Hochzeit
Glück wünschen, wie dies von Seiten der Junggesellen
gegenüber dem Brautpaare mit Anspruch auf eine
Geld-, bzw. Weinspende (s. Hofiwetl, Hofier -Win,
hübsch Sp. 965) geschieht GrD. ,Wiln eine Zeit haro
mit denen sogenannten Hofieretenen schwere Miss-
brüch vorbei gegangen, worbei nit nur die Gaben
Gottes gröblich und schwerlich missbrucht worden,
sondern noch vil ander Unheil und Schlegeryen vor-
gegangen, auch die neuangehenden Eheleut, denen
man hofiert, in grosse Kostungen kommen und übel
beschediget worden, sollend inskünftig diejenigen, so
lll-ll
iMlf,
104-J
Jemanden von denen Eheleuten, so ehrlich Hochzeit
gehalten, h. oder verlustieren, 10 Kronen Buss ver-
fallen sein.' 1708, GrD. LB. — 2. cacare (euphem.).
allg. Chum-nirr cho h., verächtliche Abfertigung GA.;
Synn. s. bei Ars Bd I 4(56. ,Der Ammann, welcher
jene Frau freigelassen, die auf den Altar g'hofiert
hat.' 1560, Absch. ,In der nacht ward er gar krank
und hofiert in das bett.' ThPlatt. 1572. ,Man sagt
von alter her: es seie ein böser vogel, der in sein
eigen nest hofiere.' 1589, Zellw., Urk. ,Ich achte des
Bären Brummen nicht, frisst er mich, so muss er mich
auch wider h.' Mev., Hort. 1692. ,Die Hühner haben
ihm über die Bein herab hotteret.' ebd. S. noch Hufen.
— 3. sich unartig aufführen Ndw; auch ume'-h.
Mild, hovieren, in festlicher Geselligkeit sich erfreuen,
jirangen, aufwarten, den Hof machen, musicieren; auch in
Bed. 2; vgl. hübsch, Anm. Die Form ,hoferieren' wohl durch
Einfluss von .offerieren'. — Betr. das nächtliche Hofieren
auf den Gassen, bes. bei Hochzeitsanlässen, vgl. Kriegk 1871,
S. 257; ferner Hof 12 und die Anm. zu ho/en. Das mit
Hoßerwin syn. Sini/mn bezeugt, dass die Jungmannschaft dem
jungen Ehepaar die Huldigung bes. auch durch Gesang aus-
drückte. Vgl. noch Hochziter-Win. Musik und Gesang durften
an Höfen, dann auch in weitern Kreisen bei festlichen An-
lässen nicht fehlen; vgl. das Syn. ,ein Hofrecht machen',
sowie: ,Sy gand an könig Sauls hof, daselbs tuend die trom-
uieter ein hof blasen.' 1597, L Spiel. S. auch noch üjUamn
uud vgl. Weinh., Frauen 2, 191. Aber auch andere Kiiaste
wurden zu Ehren der Gäste bei ähnlichen Anlässen durch
Fahrende und Gaukler geübt, so der Tanz (s. den Beleg aus
Mal.), der mit Gesang immer eng verbunden war. Vgl.
Weinh. aaO. 2, 191 u. betr. Bärenführer ebda 136. — Zu 2,
für welche Bed. als Gegs. zu 1 aus Gr von einer Seite /-
.lugegebeu wird, vgl. Hof 7 ; doch ist zu beachten, dass die
hötischen Sitten durchaus nicht bloss fein waren; vgl. hierüber
z. B. Wander, Sprww. Bemerkenswert ist eine Stelle bei Gr.
WB. IV 2, 1696: ,Diser niaclit ein hofrecht, das die huud
auffressen.' (SFrank). Einfacher ist die Annahme einer iriin.
Anwendung von h. 1. ~ Bed. 3 dürfte sich kaum im An-
schluss an 2 erklären, eher hat sie sich aus der Bed. ,dou
Mädchen nachlaufen i. S. v. hcrumschwärmen, wild leben',
entwickelt.
Hofier er m.: 1. Spiclmann, herumziehender Mu-
siker (schon mhd.). .Die Singer und H. sollen aus
dem Land geboten werden.' GRKlost. LB. — 2. ,H.,
der vor anderen anhin tanzet, vortänzer, schicker,
choragus, praesul.' Mal.
Hofiereti. Baßr gid der Spislig [Bräutigam] de"
Cliitabe' e sdiens Trinkgeld; si säge' dem d' H. GrO.
(Schwzd.). — Zn hofieren 1 c.
hof ig s. höfig. hofsam s. hösam Sp. 8ö0.
höf(e)le'': 1. Dim. zu hofen 2 h Aa; Sch; S;
Th; Z. ,Wenn die Junker den Bettlern im Dorf h.,
so helf Gott den Bauern.' HPest.; Sprww. 18'24. De
Durs het-nen [den Mädchen] a" ChiUobeten i" der
Spinnstube" g'hasplet oder Ei"'vi oder 'em Ängere'
g'höflet, 'ass Keis het chönne" wiXsse", woran es isch.
Schild. — 2. ,H., banquetieren, agitarc convivium, co-
raessari, compotare, epulari.' Mal. ,[Die Verschwender]
wollend gastfrei sein, richtend ein höfleten [Gasterei]
und Schlegel hie an, den anderen dort.' SHochh. 1591;
= ,die andere dort.' 1693. S. noch gestlen Sp. 487.
— Vgl. Gr. WB. ,höfeln', ,höfelieren', sowie bes. höhelen.
höf-ig, -isch: 1. „höflich, wohlgesittet, hof-
männisch Bü. Ein höfisches Betragen." — 2. zu
einem Hof i. S. v. 2 gehörig. ,Ligende güeter, die
da h. oder leben sind.' c. 1520. Bs Rq.
Schweiz. Idiotikon II.
H ö f 1 e r m. : 1. = Jlofer 1 GG. ; Gegs. Birrlkr. Spec.
(Höfler, modern HöfnerJ die Bewohner des Bezirkes
ScHW Höfe, s. Hof 2.-2. = Hofer 2 Ar, spec. Be-
wohner des ,Hof' genannten Teiles der Gemeinde
Trogen (Hüfler-SUe) und des Fleckens Appenzell,
welche auch verächtlich Höferlig heissen. ,Rheinau-
ische Höfen und Höfleren.' ZRhein. Bcantw. 1747.
Frit-, Kilch-, Schweig- s. die betr. Compp.
von Hof.
HövelBli ZSth., -nöli ThHw., Hoviöli Tu: Nbff. von
Avionli Bd 1 105; vgl. noch Guviönli Sp. 133.
Hofemaie s. Maria.
hoffe" : wie nhd. Hoff das Besser, 's Böser chiinnd
CO" selber L. H. und weusche' [wünschen] göd vil i"
ei" Sack L (Ineichen). Bes. auch neg. in Verbindung
mit ,wollen' = erwarten übh. Mer wend nüd h., dass
es 's Chorn verhagli. In der a. Spr. mit Gen. S. oder
den Präpp. ,in', ,zuo'. ,Wir haben gehoffnet in dich.'
Hören 1476. ,Je me' man zuo besserung hofl't.' 1531,
Absch.
ver-: verstärktes .hoften'. Sobald sie hierüber
Bescheid empfangen, den sie ,guet werden v.' 1531,
Absch. ,Wenn man bei uns den schwanen sieht, ver-
hofft man ein grosse kelte.' Vogelb.; s. noch Guggu
Sp. 184/5. ,Für und für v., trahere spem raora. Ee
dann man verhoift, citrus spe.' Mal. ,Dass ihren Ver-
hoftens hierum etwas Schidlichs gehandlet werden
möchte.' B Rechtstit. 1691. Abi. verhofffentjlich. —
Ptc. verhofft mit adj. Bed.: erschrocken ZWthur
(PStaub). I"'' bi' ganz v., wo-n-i'''-'s g'hört ha".
Verhofft auch schwäb. und viell. nur daher entlohnt, da
nur vereinzelt bezeugt; vgl. auch bair. ,aufhoffen, verhoffen
über ein Ding', darüber stutzig werden, auffahren. Über die
Wahrscheinlichkeit, dass in unserm W. die Grundbed. vou
.hoffen' zu suchen sei, s. Schm.-Fr. Sp. 1063 und Gr. WB.
unter .hoffen'.
miss-: falsch hoffen. ,So hab ich missgehofi^t.'
R. U. CMey. 1650. - Bei Lexer i. S. v. verzweifeln.
hoffe(n)tli'''' (in GnVal. 7»o^efi"'): wie nhd. allg.
— Mhd. hojf'tenjlich, welcher Form (ohne eingetretenes ()
die graubündnerische entspricht.
verhoffentlich: wie zu erwarten ist Gr. ,Ver-
hoffenlich.' Z Täuferber. 1639. ,Verhoftentlich.' JMüll.
1661.
In der Stolle: ,Dass uf söliche Art ir, die Pfarrer, üwer
Leer und Lehen füren sollten, dadurch der inwendig, him-
nielsch und ewig Buwverhofflich ufwachset.' BSyn. 1532/1775
— kann unser W. auch i. S. v. ,Hoffnung (Erwartung) er-
weckend' aufgefasst werden ; vgl. mhd. hoff'{en)lich in diesem S.
Hoffni(n)g f.: 1. Hoffnung, allg. Wer kei'' H.
häd, soll si"'' lo" vergrabe' AABb. Wer vo' der H.
lebt, der stirbt vom Faste' L (Ineichen). Einem Kran-
ken bösi H. mache' Z. J" der H. si", schwanger, allg.;
i' der firimsr TT., liocli schwanger; Syn. nächig. So
mängi IkiIIi^kHiiI l-'undli'. im all Jör 9 Monrt im Chum-
mer'lihl. ,rM„lt r ,lcr Jl. laVvss 1885. — 2. g'stinggcti
H. = stinkedi Hoff'art (Bii 1 1033), aus welchem es
entstellt sein wird GWe.
Hofer II m.: Buckel Bs (Spreng); Syn. Hugcr.
— Mhd. ebenso.
h6f(e)rig a. ho/färtig Bd I lo:'.3. Hoffcrt
s. Hoch-Fart Bd I 1032.
Hat, hof, hif, liof. hilf
lOU
Hofflete s. Uflate L'.d I llf./G. llufli s. Hö/li.
Hüfwyler s. Epfel Bd 1 370.
ein-höff s. -hüffig.
uf-ge-höfferlet: aufgeputzt G oT. f. ,Das kleine
Kind wird schön aufgeputzt oder wie man liier zu
sagen pflegt, aufgehöfferlet und fast alle Sonntage,
gleichsam wie zur Schau, zur Kirche getragen.' JFFranz
1819. ,[Die alte Frau erinnert sich], dass schon da-
mals [im XVUI.] die Wildhauser Maidli gar aufge-
höfferlet daherkamen.' 111. Kal. 1851. — Zu HoßWi,
Hoffart; vgl. hoch-farten. hoffärtehn Bd I 1033.
Hiifli (in SKriegst. Höfli) n.: Wagen- oder Pflug-
teil SL.; s. Ebni 5 Bd I 46 (wo auch die Synn.) und
EhU Bd I 47.
Aus dei Grandf. Ehni scheint sich zunächst Elli und
aus diesem durch den Wechsel von h mit/ unsere allerdings
stark abweichende Form entwickelt zu haben. Man bemerke,
dass in dem gleichen Sprachbezirk sufir für euber gespro-
chen wird.
Hnf Eüfe' — PI. Hufe": Haufe, im AUg. wie
nhd., in concr. und abstr. Bed. En H. Heu, Hols,
Sand, Stei". allg. Spec. a) grosser, unregelmässig
aufgeschichteter Haufe Heu oder Grummet ÄABb.;
vgl. dagegen Schocken, Zatten. Allerlei Zsgekehrtes
auf der Wiese GrL. — b) haufenförmiger Menschen-
kot, bes. quantum semel cacatur Bs; Z. Synn. s. bei
Agga ßd I 155. En H. mache' od. (scherzw.) brünzle",
cacare. C^^a) stä' wie-n-es Chind bi sim H, ganz
verlegen Z. Mach-en H. und wärm di''' dra", oder:
Schiss en H! derbe Abfertigung Z. !''• tät-ena a
grosse" H. druf [sc. schJsse', d. h. gäbe ihnen viel
darum, iron.], si [die Urner] mögind lang [immerhin]
Hora [Anspielung auf die Harsthörner] und kei' Volch
ha: GöLDi 1712. Der Tafel {Hund BRi.) schisst gere'
(eister) zum grössere' fa" ke" chlme"J H., oder: nie a'
chltni Hufe", etwa mit dem Zusatz: Er müesst (sustj
der Arsch z' tvit abe' ha', Reichtum und Glücksgüter
wenden sich oft dem schon Beglückten zu L; Uw.
,Und bat der tüfel nun geschissen uf den grössten h.
dar.' Murner NB. 76, unter der Überschrift: ,Uf den
grossen h. schissen.' ,Der Teufel hofiert jetz Alles
auf den grossen H., dantur opes nullis nunc nisi di-
vitibus.' Stlloge B 1676. Vgl. noch f. — c) fule'- H,
Schelte für eine beleibte, träge Person Z ; Syn. ilist-,
Träsch-, Trantsch-H., fuler Stock. — d) Menschen-
menge, dichte Schaar, Rotte. Her alt H., die Schaar
der alten Leute, bzw. der Abgestorbenen. Dem alte"
H. zue gä' (chö'J, altern B; U. ,Die Meisterjungfrau
möchte die Meisterfrau werden und Anni [die Haus-
mutter] könnte dem alten H. zu.' Gotth. ; vgl. under
's alt Ise" Bd I 536. ,Zum alten h. faren, sterben.' Mal.;
vgl.: ,Es war die zeit hie, dass er auch daran musste
zum alten h.' ZiMMER'sche Chron. ,Er könnt nit lang
mer leben, fuer zum alten h.' ebd. De"" gross H., das
gemeine Volk L; Z. Eini vom grosse" H. ne', die erste
Beste heiraten L. Zum grosse' H. g'hüre", ein Durch-
schnittsmensch sein L; Z. Dem grosse' H. nö'''gö',
der Mehrheit folgen. Von Einem, der keinen guten
Ruf besitzt, heisst es: Er macht de' H. grösser, aber
nid besser L. Dagegen in Bs: In grosse" H. cJw im
Ö. v. (dtc H. ,Das der heil. Petrus '2, 2 uf synen
[Fabers] h. redt [was in Petri Rede auf Leute wie F-s
Rotte passt], will er [Faber] uf die treehen [schieben],
die am Evangelio hangend.' Zwingli. ,Der ful huf',
die päpstliche Rotte, ebd. ,H. kind, examina infan-
tium.' Mal. ,[Bei Abstimmungen] sind etliche ge-
ordnet, die die ganze gemeind übersehen können und
das mer ausgeben, so aber denselbigen zweifelt, teilen
sich [die Stimmenden] in 2 oder 3 häufen.' JosSiml.
1576/1722. ,Ir trummenschlacher sehlachend druf, so
kommend wir dest ehe ze huf [zusammen]!' Mauri-
TiANA 1581. ,Gib uns zue syn der heilig huf [ver-
leihe uns, dass wir...]!' Wagn. 1581 (Gebet des Mär-
tyrers). Lucifer: ,Uf, uf, ir Tüfel, mit mir uf, schlönd
dapfer uf den fulen Huf!' GGotth. 1619. Heer-,
Schlachthaufe, als taktische Einheit. ,Zugend sy [die
Israeliten] aus und lägertend sich in den h. in der
wüste.' 1548, IV. Mos.; dafür: ,in eim h.' 1531. Im
XV. formierten die Schweizer zum Gefecht gewöhnlich
drei grosse .Schlachthaufen': die Vorhut, den Gewalt-
haufen (s. d.) und die Nachhut; vgl. betr. das Sach-
liche Elgger 1873, S. 273/86 ; Jahns 1880, S. 932/42.
,Die eidgnössischen Schlachthaufen oder Bataillons
betreffend ward gut erachtet, dass dieselben jeder zu
400 Mann stark und insgemein zu Sechsen hoch ge-
stellt werdend.' Erläuterung zum eidg. Defensionale
1674. ,Der verlorne H.', Vortrab, Streif-, Plänkler-
corps, Eclaireurs ; aus Freiknechten (s. Frlheit 4 Bd I
1266 f.) bestehend, die unter besondern Anführern
dem Zuge weit vorausgiengen, daher auch ,vorlaufende
Knechte' genannt wurden. ,Wiewol wir in hoffnung
sind, wir syent [in BHa.] sicher, es war denn sach,
dass sy [die Unterwaldner] den verlornen h. herüber
[über den Brünig] schicktend, welchen sy von fröm-
dera Volk zesammen gelesen haben sollend.' 1531,
Strickl. ,Da verlautet, Zürich habe einen Haupt-
mann mit einem verlorenen H. abgeschickt, um im Land
herum zu rauben und zu brennen, so könnte man aus
den ennetbirgischen Untertanen ebenfalls einen solchen
H. bilden.' 1619, Absch. Über den ,gevierten H.' vgL
Jahns aaO. und geviert Bd 1 925. S. noch Kriegs-3.
und Hufen g (in den H. schlän). — e) Mass für
eine bestimmte Menge oder Zahl von Gegenständen.
a) von geschnittenem Getreide, so dass 3 oder 4 Hufe*
(Hüfeli) eine Garbe bilden. Der H. selbst besteht
aus 3 Hampfle' oder einer oder 2 zsgezogenen Samm-
lete" Z. Bei schlechtem Wetter, wenn man das Ge-
treide nicht zum Trocknen ausbreiten kann, wird es
auch sogleich z' Hilfe" fa" Hüfeli) g'schnitte' Z. —
ß) von Vieh. En H. Vech besteht aus 24 (gelegentlich
auch aus mehr oder weniger) Kühen und einem Zucht-
stier; 1 — 4 H., die einem Sennen gehören, heissen ein
Senntum Vech Ap. ,Ein Häuf Vieh, ein Haufen Schafe,
Geissen usw. au Heu de Herd Vieh.' Zellw. 1737.
Spec. besteht ein H. Ziegen aus 21 Stück, s. Hüfen-
Geiss Sp. 462. Vgl.: ,Ein h. ochsen, armenta boum.'
Mal. — y) ^on 4 Nüssen, deren vierte auf die 3
übrigen zu sitzen kommt .\p; GSa. (HilfliJ; Syn. Hock.
Vgl.: ,Pro censu unius cumuli quod vulgo dicitnr ein
hufe nucum.' 1274, Gfd. S. noch hüflen und spicken.
— 8) s. Stecken-H. — f) in mehr oder weniger abstr.
S. zur Bezeichnung grosser Menge, Vielheit. En H.
(ganz Hilfe") Geld, Saclie", Bäum. Lüt, Volch Bs;
Gl; Z. En H. Grund u-ilsse" Z. Ganz Hilfe' ver-
zelle", (an Ei"n ane") schnätze" Bs; Z. Gehäuft mit
einem Syn. : D' Bure"lüt sind si''' g'wonet, ganz Hufe"
und Schöche' z' esse' Z. Hufe" (hilf esj-wis, haufen-
weise Aa; Z. , Sollen die Landleute die Steinen, so
sie von den Ackeren ablesen, nicht in die Strass
lotr.
Haf, lief, hir, liuf. hnf
1046
werfen, sondern häuflinsweise neben dieselbige.' B
8trassenregl. 1744. S. noch übersetzen. Wo scho* 'ne
H. ht. flunnul tuf' me'' dezue (hi") L; S. oder: Wo
nchw Ilnf," siii.l. lirlt de' Tüfelno''' ml dar Aa, oder:
E^ rln,„)d Alli'^ HU- ZU de" grosse" Hufe' Z, oder:
Hüfcii uf Hilfe" Z — Bed. wie in den ähnlichen KAA.
oben bei b; dagegen: Es chunnt Alles uf de' gross
H., man legt eine (gewisse) Arbeit mit andern auf
gelegnere Zeit zur Besorgung zurück Z. Vom grosse"
IL ne; von seinem Überfluss zehren L; 's Geld nw
so vo" de' Hufe" m", verschwenderisch damit um-
gehen Z. A" grosse" H. legge", zum übrigen Eeichtum
fügen L. ,Ein h. fürdernuss oder er, cumulus cora-
mendationis.' Mal. ,Machen ein H. Wesen mit einem
Büchlein.' Klostehgüggü 1687. ,Es ist ein H. des Pre-
digens und Zusprechens.' Nachtl. 1790. Übergehend
in rein adverbiale Bed. und Verwendung, a) mit best.
Art. ; vgl. nhd. ,die Menge', engl, plentij of. Nid d'r
H, nicht bes. viel; wenig. !''• lietti an ire nid grad
d'r H. usz'setze'. .Wir werden glucks den h. han.'
NMan. ,Das künigreich hat vilerlei att'en den h.'
TiERB. 1563. ,Esel, deren sy den h. habend.' ebd.
— ß) der PI. ohne Art., i. S. v. (sehr) oft, sehr viel.
Es ist Hilfe' Volch z'sämme'chu'. P* han-en Hilfe"
g'manet. Er macht Hilfe" so [z. B. eine bestimmte
Gewohnheitsbewegung] Gl. — g) in präpositionalen
Verbindungen, bald mehr, bald weniger formelhaft.
's nimmt (schlät)-en über de" H.: 1) er stürzt. 2) er
geht ökonomisch zu Grunde, wird bankerott Z. Einen
aber (djen H. g'heie" (schlän, bilngge') Schw; Z. ,Eine
Lehr und Glauben, die den hochoberkeitlichen Stand
gänzlich über einen Haufen werfen.' B Widertäufer-
ordn. 1695. Abi. über-hilflen. ,Dass üch der tüfel uf
ein h. sehende [zusammenschlage]!' NMan. ; Yg\. An-
macht. ,Mit dem Kriegsvolk die Statt überlaufen, sie
nidorstürmen auf ein H.' Myricäus 1630. In adver-
bialem S. 1) = ingesammt: ,Uwer ding ist uf ein h.
als wyberwerk.' RSchmid 1579. — 2) uf e H, höch-
stens, wenn es hoch kommt L. An-en H. g'heie":
1) tr., unordentlich auf und über einander werfen. —
2) intr., auf solche Weise zsstürzen Z. Amene H.
si' (ligge'): 1) zsgestürzt sein, z.B. von einem Ge-
rü.ste, regellos durch einander liegen Aa; Bs; Z. Si
springe'd und laufe'd, bis s' amene H. sind Z. —
2) bankerott, ruiniert sein. ,Das geht nicht ein Jahr,
so sind sie am H.' Gotth. Vgl. ze Hufen. Amene"
H. ligge' (sitze"), träge herum liegen, bzw. unbeweg-
lich kauernd am gleichen Fleck verharren, auch von
Einzelnen Z; vgl. Hufen c; Stock, Dreck. In'n H.
schlftn, blind, aufs Geratewohl (in die grosse Menge)
hinein, drauflos schlagen; drein-, zu-hauen, viell. zu-
nächst dem Kriegshandwerk entnommen; vgl. Hufen d.
,Wo auch jemand zu stössen kommt, der soll scheiden
und frid machen, nit auch in h. hauen, schlagen und
stechen.' 1572, ScnwE. Klosterarch.; ähnl. LMerischw.
Anitsr.; GrD. LB. ,Wolher und dran! in'n h. wend
wir dapfer schlau!' Maüritiana 1581. Als Subst. in
Form eines Imperativischen Satzes gebildeter Per-
sonenn. ,Pugnator, kämpfer. streiter, schlachinhaufen.'
Fris.; Mal. Auch 1429. G Hdschr.; UEckst. (Name
eines Freibeuters im Bauernkrieg). Vgl. die Per-
sonenn. , Hauen-Helm, -Schild, Hebenstreit, Schlag-
intweit' und Schüch-den-Hohel Sp. 947. ,lngemein oder
in h. reden, in plenum dicere.' Mal. ,Wenn man das
almosen on alle Ordnung in den h. dahiir braucht.'
SHocBU. 1591/1693. ,üer du die Wahrheit unserer
Religion lästerest und in H. hinein schiltest.' AKlingl.
1691. ,Mit H.', in Menge, Fülle, reichlich, haufen-
weise. ,D' straf Gottes kam mit h.' Ruep 1550. ,Üas
Volk kommt an sarastagen [der gewöhnlichen Badezeit]
mit h. daher und begert weih und mann sein kurzweil
zu haben und hüpsch zu werden.' HPantal. 1578.
, Welche [Fische] mit H. an die Frömde verführt wer-
den.' JLCys. 1661. ,Der Otter soll von den Fischeren
gewehnt mögen werden, dass er ihnen die Fisch mit
ganzem H. in ihre Garn treibt.' ebd. ,Man kann käu-
merlich an einem Ort in der Statt herum gehen, dass
man nicht Dergleichen mit H. sehen und hören werde.'
HsEEscHER 1692; s. noch Augenschiesser. Ze H.:
1) haufenweise, in Hülle und Fülle Bs; S. Z' H.
digg voll, übervoll, zum Überfliessen voll Bs [etwa
aus dem syn. g'hufedig umgedeutet?]. Alliterierend,
formelhaft: /• dem Hus isch Alls z' Hus und z' H.
S (Schild). — 2) verbunden mit Vben der Bewegung:
an einen Haufen, zu Boden; zu Grunde; vgl. an Hufen.
Z' H. gä", bankerott werden Z. Der Chäbel g'heit-em
z' H. [fällt zs.], bildl.: er geht dem ökonomischen
Ruin entgegen S (Schild). Ähnlich wiederum bildl.:
Si lönd der Wage" fare' [lassen ihm seinen Lauf] und
faret s" öppe' z" H [so . .] Scaw ; vgl. Lumpen-Eueder
Bd 1 684 und Fuerivereh. ,So möcht er [Christus] die
fünd [s. ßd 1 850] nit bi jm dulden, er wurd es alles
ze hüfen stossen.' Zwingli. ,So legend wir bald sö-
lichs drüf [auf den Esel], und sollt er fallen drunder
z' huf' Haberer 1562. ,Zwen mörder söllent Beatuni
z' hüfen schlän.' Com. Beati. ,Anjetzo ligt das Gebäu
zu Häuf.' GuLER 1625. — h) Gen. st. der präp. Ver-
bindung ,in einem H.' = auf ein Mal, insgesammt.
.Ganten, ein stuck nach dem andern und nit alles
eins hufens.' 1509, ZEgl. Stadtr. — i) s. Mal-H.
Mhd. linfc swm., /m/ stm., dass.; der PI. ,Hruifen' auch
Scrorh. 1742; 1756, ScliwMa. LB. n. ö. — Zu b vgl. nocli
Geldschisser. Zu d. Die Bezeichnung ,TerIonier H.' scheint
erst von den die epochemachende Taktik der Eidgenossen nach-
ahmenden Franzosen (v?l. frz. enfunt« perdu,ii) und Heutsclieii
(bes. bei der T.umI l,ii. lii. ii.liiiing) aufgebracht und von den
Schweizern /m , ...iijen zu sein; vgl. dagegen
unser Barst. I // // Si,.. mag wohl daher kommen,
dass die Aufgal" i i l'l mIIm eine bes. schwierige und ge-
fahrliche war, luicht kuiiutcu sie ja vom Gewalthaufcn ab-
geschnitten oder in schwierigen Lagen völlig iireisgegeben
werden. Ygl. ,Haufe' 6 bei Gr. WB.
Üwel-, Hüel- SchwE., Euel- ZoTö.: = Üwel 5.
— Fach-: nach der Art seines Baues benanntes Ge-
hege für Fische Bodensee (It GLHartm. 1808). Vgl.
Fach 2 Bd 1 638 u. das Folg. — Furn-: Lokalnamo
eines bestimmten, eig. für Weissfische (s. Furn Bd 1
1022) angelegten Geheges Tnßodensee. — Grund-:
als Dünger bestimmter Erd-, Eomposthaufe ZDättl.
H6-, seltener Hui-: hoher, alter, mit Gras be-
wachsener Ameisenhaufe ZO. I'^ hä' so ril 3Iüs- und
Höhilfe", das' i"* derwege" alliicil mues icetze".
Obwohl Ho an und für sicli ganz wohl ans dem Adj. lu"'*
gedeutet werden könnte, so macht doch die Nbf. Htii und
die Verwendung von Üicel osw. für den Begriff ,Krdhäurchen'
wahrscheinlicher, dass wir es hier mit für die betr. Gegend
allerdings veralteten Formen, bzw. Umdeutung des W. Hiiw,
Uhu, zu tun haben.
G'hüder-: Kehrichthaufe BSchw.
,Hock-: Maulwurfshügcl Bs." — //"rf. geduckt«
Stellung, lilclnor Haufe.
1047
Haf, lief, Inf. hof, linf
1048
Hutte''-Hüfe'': nach der Form eines auf dem
Rücken getragenen Korbes (Uutte) gebautes Fisch-
gehege. Bodensee (It GLHartm. 1808). — Chol-:
1. Kohlenhaufe. ,Chur in zweien stunden bei der
brunst ein kolhuf war.' 1574, Ardüser. ,Die kolhüfen
und güsel Ton dem verbrunnenen kloster ab der hof-
statt ze rumen.' 1585, Gpd. — 2. Kohlenmeiler Z.
,Der gemeindschmid begert, dass man jm abschetzig
holz zuo koufen gebe, ein k. ze machen.' 1557, Hotz,
Urk. — 3. nach Art eines Kohlenmeilers aus dürrem
Reisig, Unkrautstöcken, Kartoffelstauden, bes. aber
bei Rodungen und Neubrüchen weggehackten Rasen-
stücken (mit der Grasseite nach innen gelegt) sorg-
fältig aufgebauter Brandhaufe mit dichtverwobener
Decke, der im Verborgenen ohne sichtbare Flamme
langsam mehrere Tage brennt (IcoUt, mottet, schwelt,
glimmt), bis auch die äussere Rasendecke verkohlt
ist; der so gewonnene Chol- oder Brand-Herd dient
als Dünger Z. Syn. Mott-, Büm-, Süber-H.; vgl.
MoU-Für Bd I 947. — Klapper -Hüfeli : unge-
hörige Anhäufung aufgesponnenen Fadens, die auf der
Spule entsteht, wenn infolge Plauderhaftigkeit (,Klap-
perns') unterlassen wird, den Faden rechtzeitig in das
nächstfolgende der 12 Häkchen zu legen, welche be-
stimmt sind, den Faden auf die Spule zu leiten B f.
,Je schärfer man aufpasse, desto weniger Kl. mache
man.' N. B Kai. 1840. — Chriegs-Hufe", nur in
der RA.: dem Chr. zuelaufe', Handgeld nehmen, in
fremde Kriegsdienste gehen ScnHa. S. Hufen d. —
Chris-: Reisighaufe. Blinde Hast, grosse Unbe-
sonnenheit tadelt man mit der RA., bzw. Vergleichung :
's Bind springt in 'ne Clir. Schweiz 1858; drl' schiesse'
(in Öppis inne" fare"J wie-n-en Munni [Zuchtstier] in
en Chr. B; Z. Bran ga' wie e Dübel (Munni) an e
Chr. ZscHOKKE 1797. Vgl. auch Gotth. XIII 17. ,Wenn
der Zug [die Arznei] nit anrühre [wirke], dass man
mein, er loell dur''' Eim dürre schiesse' wie ne Pfil
oder ivie ne Munni dur''' e Clir., so trag er Nüt ah
[helfe er Nichts].' Gotth. Dri' luege' wie ne Munni
i' ne Chr., finster, mürrisch aussehen, vor sich hin
starren S; vgl. en Stieren-Grind mache' Sp. 708. —
Lad-: Haufen Heu, wie sie bei der Ernte zsgctragen
und -gerecht werden, um auf den Wagen geladen zu
werden Z. Ladhiife" wie Berg. CMey. 1844.
Lugg-, Logg-: an einen bes. Haufen zsgekehrtes
und gesondert gedroschenes, gesäubertes und ver-
wendetes Gemenge von ganzen Ähren, Spreu udgl.,
wie es in der Tenne beim Abladen abfällt Aa^F.",
Z. 1815; Syn. Tennrisleten ; oder wie es nach dem
Dreschen und nach Entfernung des leeren Strohes als
leichte Waare mit dem Rechen oben weg genommen
wird AaF.; BsTerw.; STierst.; ^yw.AhrechetejWan-nete.
Zu lugg, locker, lose. Betr. die Verwendung dieses
leicliten Getreides vgl. Uehd S a Sp. 943 u. Anm. zum Folg.
Lö"- = dem Vorigen, spec. die nach dem Haupt-
dreschen zurückbleibenden, zsgekehrten Reste, die
noch einmal gedroschen werden müssen AAFri.
Wahrsch. fiel vormals das lietr. Getreide den Dreschern
als Teil ihres Lohnes zu, wenigstens wissen wir, dass das
aus dem ,Lugg-H.' gewonnene Getreide sofort verbacken
wurde, um zur Bewirtung und Belohnung der Schnitter zu
dienen.
Mal-: Mahlgang, d. i. der viereckige Trichter,
durch welchen das Getreide auf den Stein fällt, die
beiden Steine, der Beutel und die Einfassung des-
selben5Ap; B; „L;" Z. ,Die von Biel sollen kein
nüwe Mülin in der Statt ufrichten noch die erbuwte
mit nüwen Läufen oder Hufen mehren.' Bs 1610.
,Dem Müller zu BSchw. will man zu seinem M. noch
einen gegen einen jährlichen Bodenzins von 1 fl. für
das Schloss gestatten.' 1640, Absch. ,Ein Mülli und
Müllig'werb, so da hat 3 MalViäufen, zwo Rollen, ein
Rybi, ein Stampfl.' 1690, Z Urk. ,Dcn unbrauchbaren
M. in Stand stellen.' 1742, Absch. - Vgl. lat. ,tr,ie, von
struo und Tmtt-IJ.
Mülli-: = dem Vorigen. ,Der Landvogt bittet,
dem N. N. zu gestatten, einen neuen M. zu machen.'
1633, Absch. (GRh.). — Mort- s. Mott-H. — Mus-
(PL Müs- Hilfe" Z): von Feldmäusen ähnlich den
Maulwurfshügeln (s. Sclier-H.) aufgeworfener Erd-
haufe, allg. D' Müshilfe' verreche", vertue". — Mist-:
1. im eig. S., wie nhd. allg. Syn. Bü-H. Nach der
Grösse des M-s wird sprw. der Reichtum eines Bauern
geschätzt. Als parodierende Entstellung: ,Es [Glück
und Reichtum] wird endlich mit Haufen [s. Hufen gl,
ja Misthaufen kommen.' Schimpfr. 1051. — 2. = J?m-
fen c'ß; Ti; Syn. fuler Mist. Es g'scheht 'ne" Becht,
warum hei" si d' Auge" in en M. g'steckt [ihre Braut-
wahl auf ein faules, liederliches Mädchen gerichtet].
BLangn. Kai 1889.
Mott- (in BsBirs.; Btw. Mutt-, in AaWoM. Mort-):
1. = Kol-H. 3 Aa; Bs; B; Gl; L; Schw; S; Z. ly M.-
Hüfe" rauchnen über 's Feld. Probst. Dürste", ''as es
zum Mul US g'stobe" hed, wie 'ne M. [in den man
hinein greift] L. — 2. Tüfels M. = Tüfeh Äschen
(Bd I 506) B. — 3. Schiinpfw. auf eine Frauensperson
B (Gotth. XXI 230). — mutthufne". En Biete m.,
ein Stück Land auf die u. 1 angegebene Weise in
Acker oder Garten verwandeln BBe.; Syn. holen. VgL
noch Kasth. 1829, S. 85. — Betr. die Entwicklung des r
vor t vgl. z. B. Schruirte, sparte Särte st. Schiiatte usw.
Neben-: detachierter Kriegshaufe, Gegs. zu ,Haupt-
Haufe'. ,Zu beobachten, wie die Feinde ihre N. ma-
chen, durch deren Geschick man schon zum 2. Mal
Abbruch erlitten.' 1531, Strickl. — Bü-: Dünger-
haufe. ,Es soll niemand kein holz noch bauhaufen
in die gemeine Strassen nicht legen.' 1591, 6r; Syn.
Mist-H. S. auch Schorr-Grueb Sp. 095. — Poch-:
lärmende, prahlerische, trotzige Menge. .Ich will gern
Sechen, ob Strassburg und noch etlich in irem für-
ngmen beharren werden, dann Gott den grossen b.
hernider g'leit.' 1548, Absch. Vgl. Poch-Hans. —
Rum-: Haufe auf Wiesen oder Äckern zsgelesener
oder -gekehrter Abfälle (Laub, Reiser, Moos, Un-
kraut), der gewöhnlich verbrannt wird GrL., Pr.; Syn.
Süber-H.; vgl. Kol-, Mott-H. E hrinnende B. war
dere Bilhete [dem Tabaksqualm] lütsehel [wenig] na""-
g'stande". Schwzd. ,Die Strassen weder mit R. noch
andern Mittlen verwüesten.' GrD. LB. — Süber-:
= dem Vorigen AABb. 1742 wurden in AAEhr. auf
einem Platze, wo vorher ein S. verbrannt worden war,
die ersten Kartoffeln gepflanzt. Alpenp.
G'schänd-: Schelte für ein Kind, welches All«s
verderbt, wo es kann Ap; Syn. G'schändi, G'schänd-
Häggen. — Vgl. Bündel, Sack in der Übertragung auf Men-
schen, s. auch üöf II und Hufen c.
Scharr-: an die Strassenränder gezogener, in Hau-
fen zsgescharrter Strassenkot L. — Scher (Sehe%
Sclutr, Tsche'r)-: Maulwurfshügel Ap; ß;GL;GRPr.;
1040
Haf. lief. hif. hof. linf
1050
G; Z; Syn. Müpfele. Haue' muess-es [beim Mähen]
mit G'walt und d' Sch.-Hüfe* müend-si [es] e'tgeJte'.
OMet. Bis d' Sch.-Hüfe' Schatte' gend, formelhafte
Zeitbestimmung, bis am Abend GlMoII. 7)' Sch.-Hüfe"
verreche' (rertue', .Verstössen.' 17ö0. ZGes. ; in BSi.
breche", d. i. mit der Mistgabel zerschlagen, um dann
die Erde davon zu zerstreuen), eine regelmässige
Frülijahrsarbeit. ,Der Lehenmann soll jährlichen die
Güter mit Brechung der Seh. -Häufen fleissig arbeiten.'
1070, ScHwE. Klosterarch. ,Du machest us einem
schärhufen ein grossen Olympum.' Gtrenr. 1523.
.Man müesse die rychtag [Reichtümer], mit pensionen
z'sammengelegt. zertrechen wie die schärhufen uf der
matten.' HBdll. 1572. ,Es geht Einer durch eine
Matten und achtet nicht, wo er trette und stosst sich
an eim Schärhaufen; dieser stürchelt [stolpert] zwar,
aber es hindert ihn am Fortspazieren nicht.' 1610,
JJBreit.
Schorr-: = Scher-H. STierst. - Scharren, weg-,
zskchren, stossen, fortschieben; vgl. Schorr-Mue, Maulwurf.
Schatz-: Kosew.. z.B. unter Verliebten GRPr.
(Schwzd. 29, 131). — Tgl. Bünddi (s. olien Anm. zu
(l'Khänd-H.), Hudel-Säckli u. A. als. Koseww.
Schläch-in- s. Hufen g.
Steck(e")-: eig. ein Haufe von 150 Rebpfählen,
wie sie den Winter über aufgeschichtet oder aufge-
stellt werden an Orten, wo man die Reben niederlegt;
vgl. Rössli; dann ein Ackerraass von 1500 Quadratfuss.
für die Rebe 10 Quadratfuss gerechnet, so dass 24
Steck-Hüfen eine (alte) Juch. ausmachen Bs f-
Vgl. Ilu/en c, bair. .Haufen' als Holzmass und bes. die
Sanienmasse (Immi udgl.; mt-gröss Sp. 806) als Umschreibung
der Flächenuiasse.
Tilg (Tag, Tag)-, meist Dim.: Frucht der Hunds-
rose, rosa canina; Hagebutte Ap; GT.; Syn. Oren-
Glängger Sp. 633; Butzen.
Der Name rührt daher, dass das Fleisch der überreifen
(gefrnrnen) Früchte weich und formbar wird wie Teig.
Dingel-: Haufe Abfälle vom Flach.s- und Hanf-
brechen (DingelJ B. ,Wer immer Feuer schreit bei
jeder Abendröte, jedem brennenden ])., dem glaubt
man am Ende Nichts mehr.' Gotth. — Tran(t)sch-;
1. Haufe allerlei durch einander Gestampftes, Zäh-
Klebriges ZO. — 2. Schelte auf eine schwer beweg-
liche, bequeme (Frauen.s-) Person, ebd. — Träsch-:
1. Traber-, Tresterhaufe Z. — 2. = Tranftjscli-H. 3
ZDüb., S.
Trott-: der meist aus Balken bestehende Unter-
bau einer Kelter, auf welchem das , Trottbett' ruht
ZS. ; schon Z Donnerstagsbl. 1787. - Vgl. Mal-, Mülli-H.
Wal''''e"-: Vieh, das zum Verkauf nach Italien
geführt wird ScHW; Zg. - Vgl, Huf.n ,, ß; WaUehh-n-
Ehner (Bd I 222), -Kuc.
Gewalt-: Haupt-Schlachthaufe (s. Hufen d), dem
es in der Schlacht oblag, den Hauptkampf durchzu-
führen, gewöhnlich die Hälfte alles Fussvolks um-
fassend; auch nur schlechtweg ,Hufen' genannt; vgl.
Elgger 1873, S. 283.
In Deutschland entsprach unserm W. der bei uns erst
spät (z.B. 1589, Ardüser, S. 111; JLCys. 16G1) belegte
und wohl entlehnte Ausdruck : ,hellor Haufe' ; vgl. Gr. WB.
unter ,Haufe' und ,hell'. Anders die lose Verbindung ra
ti' irdilx-H,, s. Oeieitlt.
hüfachtig, -ochtig, -ccht(ig): haufenweise,
in Haufen. Menge; massenhaft, gewaltig. ,Es luffent
die lüt hufechtig us der .statt harab an das mer.'
HsScHüRpp 1497. .Darin denn ouch die straf Gottes
uns hufech und grusam heimsuecht.' Salat. ,Daruf
[auf die Laster] der zorn Gottes hufechtig folgend
[ist].' 1540, Z Mand. .Wiewol der Herr Gott dem erd-
rych ein söUichen hilflichen zueschub 'geben, dass
sich die frücht daruf hufechtig gesammlet haben.'
1540, Z Ratserk. ,Der spatz fleugt haufecht auf die
weid.' VoGELB. 1557. ,Haufächtig, haufachtig, häuf-
lingen, beim häufen, beim totzet, beim tausend, in
einer rott oder Versammlung, gregatim, cumulate, fre-
quenter. Haufachtig zesammen legen, accumulare acer-
vatim.' Fris. ; Mal. .Dass mir der schnee hufechtig
uf das antlit fiel.' ThPlatt. 1572. ,Vich, welches die
Lamparter ganz hufecht ufkauft [haben].' RCys. .Im
Frühling kameud zu uns haufachtig die wyssen und
schwarzen Vögelin.' 1618, BossH.-Goldschm. .Dass der
Regen haufecht nicht mit einander abher bricht, son-
ders fein tröpflecht nach und nach.' HsRRebm. 1020.
— Mhd. hüfeht, d,ass. ; s. auch huß'Iochtij und hufend.
hüfe" Gr; W. hüfne" Gl; Schw; Zg, hüfne' Aa:
1. act., an-, aufhäufen, z. B. Holz Gl; Gr; Schw; Zg.
.Über uns und das Volk wirf der Zorn Gottes ge-
hufet.' B Syn. 1532/1775. ,So [die Murmeltiere] vil
heuws gehaufet, so bedörfend sy eins karrens.' Tiere.
1563, 112 a. Spec. hüfe', Brandhaufen (s. Kol-, Mott-
Hufen) anlegen Sch. JSn Chnecht zum H. und Ver-
brenne'. Schwzd. — 2. refl., zu einem Haufen an-
wachsen, sich vereinigen Aa; Gl; W. les hufet-'s-
schich, geht es in ökonomischer Beziehung vorwärts;
Syn. üfnen. .Da haufetend sich dise männer wider.'
1531/48, Dan.; dafür: .häufeten sich.' 1607; ,da stürm-
ten dise M. hinein.' 1882. ,Es hufct sich derselben
zal von tag zu tag.' LLav. 1584.
Mhd. hu/en, dass.; Tgl. noch hü/tlen, ijehufet. In ihm
Belege: ,Dass all dis zeichen hufent har, erzeigent siili (ii;;-
lichen klar.' Salat 153T (Gfd. 36, .32/3) ist wahrs.li., I.is.
auch mit Eücksicht auf den Vers, das Kefi,-Proii, -csput
und aus dem folgenden Satze zu ergänzen.
über-: überreichlich mit Etw. versehen, über-
füllen. .Dass mit ross und vich die allmend von den
pauren nit überhufet werde.' LKnutw. Amtsr.(Nachtr.);
vgl. übersetzen, -stossen. Als Ptc, übervoll, im Über-
mass. ,Dass der Sünder in synen uberhufeten Sünden
verzage.' Z Lit. 1644. ,So wäre das Mass seiner Sün-
den überhäufet.' B Sectierermand. 1753.
u f - : aufhäufen. ,Je wirsch und unwäger sy tuend,
ie nächer wir erkennend die räch Gottes syn, der sy
ir mass erfüllen lasst; werdend sy die bald ufhüfen,
so wirf sy dester & usgeschütt.' Zwingli. ,Zu morer
Ufhufung der Straf.' JJRüeger 1000. Als Ptc: .Ein
linmelein voll Kernen, bestrichen und nicht aufge-
häuft' B Müllerordn. 1689.
hüfend, hüfet: häufen-, scharenweise. .Die
fruchte [der Obstbäume] häufet heimtragen.' 1535,
BThun Stadtsatz. ,Die engel hufend muessten es den
hirten uf dem feld singen und sagen.' Kessl. .Die
Widersacher sind wider in ze schryben hufend hcrus
gefallen.' ebd. Syn. hüfig. — Ptc, Perf. oder Imp.
hüfe-lochtig: in Haufen; mit Macht. Der Wind
kommt h. ^ putsche" [anzustossen] BBe. Vgl. hüfaeht.
1051
Haf, hef, hi
hnf
1052
gehütet B; ZZell, f/'hufnet Gl; GrHc; Schw;
mit adj. Abi. g'lmftig Ap (auch g'ch-); Bs (neben
g'hiife-dig, -tig, auch ufg'hufedig); L fg'h- vmäg'ch-);
Z tw., b'htiftig Z tw., g'hufig, auch h'hiißg, selten
g'hüfig Ztw.: 1. gehäuft voll, gut gemessen, bes.
von Trockenmassen Ap; Bs; B; Gl; Gr; L; Z; Syn.
g'sclwchen voll, andere s. bei voll Bd 1 781/4; hüßg.
E g-i Zeine, en g-e Chratte (voll). G. und g'stopf(e)t
fg'schlage', g'stosse" usw.^ voll. Si plaudret g'hufig
Chräze' [Rückenkörbe-] voll. Stütz. Von einer Schüssel
Milch, in welche übermässig eingebrockt ist und welche
ein starker Esser in der Zeit der 12 Stundenschläge
einer Turmuhr leeren will: Wo 's efange"^ Sechst
g'schlage' g'ha' hat, sr hän-i'* mo'* nüd 's G'hufig
oben- ab [gegessen] g'ha'. JSenn. Auch etwa von
Flüssigkeitsmassen: en g-e Hafe' vollfe") Milch Bs;
L; Z. ,Sie sollen das Krüsch gehaufet und uiibe-
strichen währen.' B MuUerordn. 1689. ,5 Immi und
ein gehäuftes Achterli.' ebd. 169.3. , Ansuchen des
Landvogts, man möchte ihn für den Verlust, welcher
ihm durch die Reduction des gehäuften Masses auf
gestrichenes (2 gehäufte = 3 gestrichenen) entstehe,
entschädigen.' 1717, Aesoh. — 2. häufen-, scharen-
weise, zahlreich BsL. ,Ein g'meind oder ein g'hufte
mengi.' Zwingli; vgl. Hufen d. ,üas Guotisheer ist
ein Gespenst, so by Nacht gehufeter- oder scharenwys
wandlet.' RCys.
V;,'!. hnfiHhii: lue Form g'huf^dig, auffällig durch die
Beiliclialtiiii'-' 'Irs i,iiil.isun e, kann aus einer Mischung von
r/'liü/,i nii.l :i'liiiih,j . rklärt werden. O'hufiy lehnt sich direkt
an das ^iilist. l/njin an; doch kann auch nur die participiale
Ahleitungbsilbc -et durch das belichte adj. -ig ersetzt sein :
vgl. z. B. gehudlei und gehudlig Sp. 1005.
,Zemnien-Hüf ung': Zsrottung, Versammlung.
Von Zwingli auf die zur Disputation gekommene
Menschenmenge angewendet.
Hü fei m. = Hufen e a BO.; auch von einem
Haufen von 4 Äpfeln.
hüf(e)le": 1. häufeln, mit einer gewissen Sorgfalt
in kleine Haufen setzen, allg. ,Hüfle', coacervare.'
Id. B. Spec. vom Heu AxFri.; Gl; S; Syn. schöchlen :
vgl. Hufen a. Vom Getreide, bevor man es an Garben
binden will Sch; S; Z; vgl. Hufen e a; Ah\. Hü feler.
Um Kulturpflanzen (z.B. Bäume Scu, Mais Gr, s. Tsch.
S. 328 s. V. ffilgen, bes. allg. aber um Kartoffeln),
denen man mehr Nahrung zuführen will, die Erde
aufhäufen, indem man diese entw. mit der Hacke rund
herum heranzieht od. zwischen den Reihen (neuestens
auch mit dem , Häufelpflug') Furchen (s. fürrelen Bd 1
939; gräbelen Sp. 686) macht, allg. Auch tr. und
zsgs. um-, zue-h. ,Sie konnten dieses Jahr zwei Mal
in die Erdäpfel, konnten sie kärstlen und häuften.'
GoTTH. ,Im Brachmonat soll man den Kabis, Kühl
und Kardifiol nach einem Regentag ordentlich häu-
felen oder roden [rütteln].' JCSülz. 1772. ,Man um-
häufelet [die Stöcke] mit Erden wie einen Schärhaufen.'
ebd. Vgl. füllen Bd I 794. Von Kinderspielen : 1) mit
Erde spielen, in der Erde wühlen BSi. ; s. gorren
Sp. 408. — 2) auf mehrere Häufchen Nüsse (s. Hu-
fen e y) mit einer andern Nuss werfen; da dann die
zsfallenden Häufchen dem Werfenden gehören Ap;
GEh. (auch nusshüfle"); Syn. höcklen; (Hufen) spiclcen.
,Ich kann nicht mehr häufeln (cumulare), ich habe nur
noch zwo nussen.' Eep. 1662. — 3) i. S. v. grüschlen II
(s. Sp. 817/8) Aa. — 2. cacare Bs; Gl; vgl. Hufen b.
— 3. =gehüderen IB. — Mhd. hiu/^h, in Bed. 1.
über-: eig. ,über den Haufen werfen' (s. Hufen g),
dann bildl.: Es tuet-ne' ü., er wird ökonomisch ruiniert
Aa; Bs; S.
hüfig: 1. = hü f achtig. .Bisweilen fangt man 12
bis 20 Jahr kein einigen [Fisch], aber wann sie kommen,
so kommen sie häufig.' JLCys. 1661. ,Was an dem Ort
Selbsten nicht wachsen wird, wird von entlegenen
Orten h. dahin gebracht.' SHott. 1702. .Er streuet
aus, h. und hänflig [mit vollen Händen], wie ein
Ackermann seinen Samen.' JJUlr. 1727. , Alles, bis
auf das geringste Stüdlin, tragt seine Frucht h.' 1788,
Schumi. S. noch jucken. Von Flüssigkeiten: in Strö-
men, schwallweise. ,Es seie das Blut h. herfür ge-
flossen.' Zauberei 1704; s. noch überflüssig 1 (Bd I
1218). Auch adj. : , Häufige von disen Eidgnossen
blieben auf dem PTatz.' Mise. Tig. 1722. ,Dises Jahr
ist vor h-e gelehrte Leut ein Totenjahr gewesen.' ebd.
— 2. 7t. (voll), gehäuft (voll) BE.
Syn. in Bed. 1 und 2 gehü/el, hüßinyen. Für .häufig'
im nhd. S. kenneu unsere MAA. nur vil, mangkt, dick.
hüfli»ge°, in Z g'hüfli'gC := hüfig 1. Id. B;
ScHW; Z. Da g'sehnd-er, wonache' dass d' Muota so
h. chunnd Schw. ,Wie unsere knecht hüfligen hinweg-
loufend.' 1531, Strickl. ,Sy tuen sich häuflingen zue-
saramen zu offenem streit' Tschudi, Gallia. ,Die herr-
ligkeit in"" hüfling zuefallt' Rdef 1550. ,Schwalraen.
welche häufligen züeher geflogen.' Vogelb. 1557. ,.A.f-
fluente multitudine, mit grossen hänfen, h-en. In-
fluentia negotia, geschäft, die häufligen und gerad auf
einanderen uns zuekonimend.' Fris. ; Mal. ,Blätter,
welche herpstszeit häuflingen hinabfallend.' LLav.
1582. ,Vor allem bösen Zwang und G'walt, der sonst
häuflichen auf uns fallt.' Myricäus 1630. Auch s' hüf-
U"ge' Wis Schw; Zg; vgl. hüfeswis bei Hufen f.
Huff f. Av (Hoff); Gr; LMalt.; Schw; Nnwtw.;
ZGtw., Huffe Ltw.; ZGtw., Hüft ßs; B; Nnwtw.;
Z — PI. Huffe' (in LMalt. Hüffe"), bzw. Hüfte",
Hüft(e'J: Hüfte, Hüftknochen, Oberschenkel, allg.
B' H. usmache", usg'hle' [ausrenken] B; Gr. D' H.
ist-mn [ihm] uskU Grü. , Weder fleisch noch huft.'
ÜEckst. ,So kummt er der weetagen der huffen ab.'
TiERB. 1563. ,Coxa, femur, die huff (huft).' Fris.; Mal.
Mhd. Au/; die selbe Form noch bei Ruef 1554; ,Huft'
dagegen 1530, Judic; JRLandenb. 1608; JJNüsch. 1608;
ValFrieder. 1619; Würz 1634. ,S. noch Huf-Fleisch.
Hüffi n.: Hüfte des Rindes Aa.
Ei»-: Bind, dessen eine Hüfte höher steht als die
andere Aa.
ei-'-hüffig Ap tw. (e-h.J; LMalt.; Scnw; Zg,
-hüftig Aa; Bs; FMu.; S; Z, ä-höff AvK.: 1. ver-
krümmt im Becken und Rückgrat, so dass die eine
Hüfte hervorragt, schief gewachsen, auf eine Seite
neigend, bes. von Menschen Ap; Bs; L; Schw; S;
Zg; Z. &jn. ein-sUig. Ganz e. laufe' LMalt. ,E. sin.'
Spreng, als Umschreibung von gnepfen. D' Erde steit
chlei" tscMrpis [schief] uf irem Weg und tschingglet e.
i' d' Welt ine' [da die Erdachse schief steht]. Schild.
In Aa nur von Rindern. — 2. unvollständig, halb
vollendet FMu.
Huf fort s. Hoch-Fart Bd I 10,'',2.
U hilf. Haft
1U54
hüf: Euf an die Zugtiere zum Anlialten oder
üückwärtstreten. allg. M. en Tritt! h. s'rugg! .Rief
ich: Ühä, h.! so wären [die Ochsen] noch Meilen weit
vorwärts gegangen', so verspottet Stutz sein Miss-
geschick als , Männbube' beim Pflügen. Betr. die ver-
stärkende Verbindung mit oha s. übrigens Sp. 845.
//. /(((" (hehe»J, an-, zurückhalten, einen Wagen, Zug-
tiere, z. B. beim Bergabfahren; auch bildl.: inne
halten, Einhalt tun. Wer hat h. g'hebt, wo s' i' 's Un-
glück inne' g'rennt sind, als ich? Wf Niederm. ,Heuf,
hintersich, retrorsum.' Eed. 1662.
Betr. vwdte Ausdrücke in andern MAA. vgl. Schm.-Fr.
Sil. 10G3: Fr. Ztschr. VII 399; AI. 1873, 299. S. noch
liil 8)1. 861, hau/ Sp. 1019 und haben Sp. 886.
„hufe°, hindersi'''-h. : ein-, an-halten. Tr., Jmd
zurückhalten, wenn er unvorsichtig reden will, oder
ilin antreiben, seine Rede so gut als möglich zurück
zu nehmen SoH." — Vgl. bair. hucfru, zurückgehen machen;
hiifen, zurücktroihen. Baar.
Hilf(e)lin n.: unter den Augen liegender Teil der
Wange. ,Uf den ougen und uf den hüflin der ougen.'
Auf. XV., ITA-Leg. - Mhd. hhif.l, Wange; ahd. hiiijUai.;
wühl Abi. von Hü/e.
Ilnef m., in Z auch n.: 1. Huf. ,Die füess und
hücf.' TiERB. 1563. — 2. Nagelgeschwür am Finger
Gk; Syn. Nagel-Brüc, Umlauf, Ungenannt, Wurm.
Mhd. huof zu ahd. hcfjun , heben. Das W. in dieser
Ijautfurm nnsern MAA. sonst fremd; s. Hmh I Sp. 956.
Haft I, Hafte": 1. Vorriclitung zum Zsheften,
Fest-, Auf-halten. a) Haft m. (PI. Haft, neben Hafte")
Ai'tw.; B; Sch; Z, f. (PI. Hafte") Aa, Hafte" f. ApK.;
Bs; Gl; GSa. ; Ndw, m. Z tw., doch überall fast nur
als Dim. Häftli, ein Häkchen oder Krapfen aus Draht
zum Verschluss von Kleidern (bes. der Frauen), Bett-
überzügen udgl., bald mit Inbegriff der Ose (Haft-
Miieter, Bigeli, Mickli, Ringli, WlbliJ, bald im Gegs.
zu derselben und dann auch Haft-Häggen, Mannli
genannt Aa; Bs; B; Gl; L; GSa.; Sch; Uw (in Ndw
Hafte f., verschieden von Haft n., s. d.); Z; in Ar
dagegen = Öse. Hafte" (PI.), Haken, um welche man
die Miederschnur schlingt SonSchl.; „Häftli, Häklein,
das z. B. in die Schlinge an einem Schnürleibchen ge-
braucht wird L." Vgl. Brust-H. (Göller-) Haft, an
der Bernertracht die am ,Göller' befindliche, mei.st
silberne Rosette mit Haken, in welchen die Göller-
Ketteli eingehängt werden. Haft, am Halsstück der
Wintermäntel ein (oft verzierter) Verschluss aus 2 in
einander greifenden Haken, bzw. einem Ring und
einem Haken B; Z; vgl. Hah-H. l>ie Wiedertäufer
bedienen sich noch heute d'T Ihikrlini x(;itt der bei
ihnen verpönten Knöpfe. D' Jliifii h, rhu", die Haken
einhängen, bes. = das KlnM .rlilir..,.ii ; dalier bildl.
= (Einem) den Übrnmit, l,rir|,|Mi)ii (laiuptVii. iilli;-.;
Synn. vgl. u. Kno/if. .\iil : Gniul S|.. 7i;i ; Imuhrni-
hinden. I"' cha"' viut f iV Jupiii'u i-r, ,Iir l'lluts
Hafte' chretze'd aw''. Stutz. Es gilt als böse Vor-
bedeutung, wenn eine Frau an dem Kleide, das
sie anziehen will, ein ,Häftli' findet, das sich von
selbst eingehakt hat Z. ,Von guldiner kleinot, ketten,
orenspangen und hefte.' 1531/1667, IV. Mos.; dafür
jetzt: , Ohrenringen und Spangen.' ,Spinther (fibula).
rinken oder hiiftle (häftlein).' Fitis.; Mal.; Denzl. 1677;
1716. ,l{eflbulare, ein rinken oder liäftle auftuen.'
Fkis. ,Ein Stock oder Strumpf, welche sie mit Häft-
lincn beschliessen.' JRLandenb. 1608. ,Der Haft, Hält-
lein, Hak, Rinken fibula, uncinulus.' Red. 1662.
,Wann Einem das linke Ohr singe, und man alsdann
in die oberen Heftlin an dem Hemd beisse, so wachse
dem Lugner eine Blateren auf der Zungen.' Aniiorn
1674. — b) Haft, durch einen oder einzelne wenige
Stiche beim Nähen, indem man alsdann die Faden-
enden zsknüpft oder -dreht, hergestellte Verbindung
zweier Stücke Zeug; rohe Naht Aa; B; Z. Beim
z' Faden schlä' (s. Bd 1 673) besteht der H. aus je
in gewissen Abständen angebrachten 3—4 provisori-
schen Stichen B. Er bringt -ren [ihr] aber 's Mali
glich nüd z'sämme' und wenn -er 100 Hafte' wor
[würde] dra" legge'. Stutz; vgl. Ei^'m 's Mul zue
fverj-biiezen ; es Schloss vor-em M. anleggen. Bes. auch
vom Zsheften von SchnittwnndiMi '/,. .Kfr wunden
ein h. geben, committero aliruins y\:\-^. ,i- nluiis/
Mal. ,L)ass man die Wunden mit ll:i!irii im hl lili.'i--
lade, es seien gleich Haft mit der Nadid, Zwickh.ilL mit
Seiden- oder weissem Faden oder Heftsalbe.' FWükz
1634. S. noch Galgen Sp. 231. Scherben von zer-
brochenem Tongeschirr werden durch Drahtstücke,
deren Enden man zsdreht, wieder zsgeheftet; nach
der Anzalil solcher Haft (Hafte') wird dem Chacheli-
hefter oder Beckihüezer der Lohn berechnet B; Z. —
c) Haft(e') m.. Str..lil.aiia (lies, dessen zsgedrehte En-
den), mit wclclhiii Üiiiiiiic. lilumen, bes. aber Reben
an Stäbe und ITahlr hrlr.tigt werden Ar; Z. Syn.
Bmid, Wirfrl. Da- nsi IL. dir iH'fr.stiy'ung der
junovn i;M.,rlM,s.,. uWv ,lr„ So, „„irr Ar |T.). Vgl.
heftoi. Hiliciihiflft. V„ii c.n.'m Anlau^vr sagt man:
Er clia'" ken rechte' H. mache'; es g'hcic'd-em all
Haft wider uf ZS. — d) Bleiring, durch welchen das
Fensterblei an den Windeisen befestigt wird. ,Dem
glaser [für] allerlei schyben waldglas, haften und
stängli.' 1573, ZGrün. Amtsrechn. S. noch Wind-Isen
Bd I 546. — e) Haffe' f., Vorrichtung, mittelst wel-
cher man das \\iMdoi„lr Vieh an einen Pfahl binden
kann ApK.; vul. //.'/'"' •'■ — i) Haft, Holzverschlag
in einem engen llusslirti GitPr. (Schwzd. 29, 54). —
2. Stelle, wo Etw. haltet, bzw. wo man hängen bleibt:
Verbindung, Zshang, Halt; Verschlingung, .Knoten';
bildl.: Schwierigkeit, Anstoss; Schwerpunkt, Kern
einer Sache; vgl. Knopf, H.-Knoten, behangen. Es
ist no"'' nehan [irgendwo] en H. Ar. Sitz des Übels
(Stelle, wo es sich gleichsam .angeheftet- hat) : of der
Sita' im Lib imin' han-i"'' der H. (die Hafte') Ai>.
.Aller h. stät daruf, dass meister N. syn red bewär.'
B Disp. 1528. .Vermeint, der hafte wurde sich sunst
uflösen.' 1531, Absch. ,Ein häftiger anfall, h. [An-
hänglichkeit] und gunst gegen dem geliebten.' HBull.
1540. ,Die ehaften oder fürnemmen stuck, an welchen
der h. gelegen ist.' ebd. 1557. ,Daran ligt der recht
h. oder punkt oder der ganz handel, in eo cardo rei
vortitur. Der h. und fürnemmst artikel einer sach.
Justitium. Der recht h. oder stich einer red, aculeus
»orationis. Dass der mann das weih in sein haus füert,
das der recht h. der e was, uxorem deducit maritus
domum. H., anhang, das anhenken, adhasio. H. und
aufenthalt einer freundschaft, nodus amicitiie.' Fkis.;
Mal. .Aller H. beruhet sonderlicli auf folgenden
Stucken.' JHHott. 1666. .Daran ligt der ganze H.,
1055
Haft, lieft, liift, h.ilt
105(:;
hoc firmamentum est et robur causK; hie nodus; hoc
rei Caput est.' Hospin. 1683 ; ähnlich Met., Hort. 1692.
,Da sich dann aller H. an dem gestossen.' Imthurn,
Mem. — 3. Haft m. L, von Personen: Verhaft, 6e-
fängniss. ,In gefänglichen H. nemmen.' Bs Landesordn.
1757. Vgl. Lih-H. Von Gütern: Arrest, Beschlag
(-nähme), rechtliche Verwahrung; vgl. verfangen (Bd 1
722); frönen 3 (Bd I 1301/2); haß 5, fver-) heften.
.Ein herre des gerichts fert für vor allen haften und
allen schulden, ob doch jemand vor im geheft't hett,
wann alle häft jni [und] synen rechten one schaden
beschehend.' GGebh. Offn. ,Wer güetere hinfür in
h. leit, frönt oder verhütet.' 1457, Bs Eq. ,Was mit
einem vogt oder synen amtlüten in h. geleit wirdet,
wie das one recht us dem h. genommen wirdet, ist
die buoss dem vogt 10 pfd pfenn.' 1472, GFlaw. Offn.
,Häft und derglychen gepott ze tuon und anzelegen
uf recht, solle [der Hauptmann] gewalt haben.' 1529,
Absch. ,Dass alle häft und verbott ufgehept, ent-
slagen und gelediget werden.' ebd. .Von wegen des
hafts, so jm syn tochter an die gült g'leit, dann
er syner tochter ganz nützit schuldig syge.' 1532,
Strickl. , Einen h. (dannen) tuen.' Kessl. ,Wann
einer von schulden wegen mit der statt recht soweit
getriben wird, dass jm von seinen schuldforderern all
sein hab und guet in h. und verbott gelegt wird.'
1598, Z Auffallsordn. — 4. Haft m., das zur Sicher-
heit gegebene Pfand, bes. in der Verbindung H. und
Pfand L (Ineichen). Als Fem. (in Bs auch n.) =
H.-ßelt (Sp. -249) AAFri.; Bs; B (It Zyro auch in die-
sem S. Masc). Die in Beschlag genommenen Pfand-
objekte: ,üer wirt i.st nit schuldig, den h. zu behalten,
sundern so mag er jm s' [die Pfänder] den stadtknecht
heissen versorgen.' 1509, ZEgl. Stadtr. — 5. so viel
zsgeheftet wird, Bund, spec. von 10 Häuten Schaf-
leder Z; Syn. Dechan. — 6. Häftli, nach der äusseren
Ähnlichkeit mit der halbkreisförmigen Öse (s. H. la):
a) Name eines von einem Flusse im Bogen umströmten
Stückes Land B; S; bes. als Lokaln. B; vgl. BWvss
1885, S. 5 c. — b) Name der Kalenderzeichen ß y
für die beiden , Knoten' L; Z. Syn. Häftli-Bingli.
Mhd. haß m., Band, Naht einer Wunde, Festhaltung,
Bürgschaft; f., Fesselung, Gefangenschaft, Beschlagnahme;
hafte f., Verknüpfung, Yerwahrung, Hinderniss. Betr. die
Bed. 1 a vgl. bes. Gr. WB. .Haftel, Heftel, Heftlein'.
Abhaft ra. : Stelle, wo das aus Pappdeckel ver-
fertigte und um eine Walze an dem Klöppelkissen
gewundene Spitzenmuster der Klöpplerin mit seinen
Enden zsgenäht ist. Am (Um) A. si', je mit '/a Elle
Spitzen fertig sein Th. — Von abheften.
Z'underüf-Häftli: Kalenderzeichen für den ab-
steigenden Knoten 'Q L. Nach dem Volksglauben
deutet das Zeichen auf schlechtes Wetter (Z'under-
uf-Häftli-Witteri'g), sowie auf allerlei Missgeschick.
Wem ein Unfall begegnet, der erhält den ironischen
Trost: Es ist halt es Z'under-tif -Häftli i' der Brattig
[Kalender] g'si' [es hat also so kommen müssen]. —
A'gl. (z'J nndm-üf Bd I 121.
lEr-Haft: Pflicht. ,Die sorg der wittwen, waisen
und armen nit die kleinste e. der statt ist.' 1539, Bs
Rq. — Umd. aus Ehaft Bd I 7: vgl. erhaft. ebda 393.
Ve r-: = Haft 3, von Gütern Ap. Of Näbes [Etw.]
V. legge'. — Von ixrheften.
„Hals-Häftli: Heftel an der Halsbinde, allg.'
Als Teil der Frauentracht, wahrsch. = Göller-Häftli.
.Silberne und vergüldte H.-Häfterlein.' ZMand. 1680/99.
— „halshäftle": mit Acc. P., Jmd bei der Gurgel
(eig. beim Halsheftel) fassen, ihm gewaltsam zu Leibe
gehen BO."
Lib-Haft m.: persönliche Haft (s. Haft 3); spec.
Schuldhaft. ,Uf welchen vor Rat ein L. erlanget [wird]
oder welcher sonst am Stattrechten in G'fangenschaft
erkennt wird.' B Gerichtssatz. 1615. .[Einem Gläu-
biger, welcher seinen Schuldner vergeblich gemahnt
hat] wird ein L. erteilt, des Inhalts, dass er, ob des
Schuldners Gut so viel zu finden, sich um sein Schuld
erholen oder in Mangel Guts den Schuldner in Ge-
fangenschaft legen möge.' SMütach 1709. ,Dass der
saumselige Schuldner in Gefangenschaft gelegt, oder
so er nicht betretten, der Gläubiger zu Ausbringung
eines allgemeinen L-s für unsern Rat gewiseu werde.'
BTaxenordn. 1711. Vgl. noch Ztschr. f. schwz. R.VU63.
Messer-Hafte" f.: im Schürzenband seitwärts
eingehängter Haken mit einer oder mehreren Ketten,
an welchen ein mit einem Ring versehenes Messer
herunterhieng, das Symbol der Hausfrau und das
Gegenstück zum Degen des Mannes. Der Haken war
mit einem fast handgrossen, blattartig garnierten Sil-
berstück verbunden, das zu der Zeit, da man die Ehe-
ringe noch nicht kannte, etwa als Ehepfand gegeben
wurde. Als der Degen des Mannes in Abgang kam,
verschwand auch das Messer und die Kettchen wurden
wie eine Uhrkette oben am Mieder eingehängt BsL.
Zu-ör hei' selbezmol scho' d' Meitli au"'' 'ne chli' a'
d' Hoffart denkt, hei' an 's Jippefürteeh silbrig M-e'
g'henkt. Lied von der Bs-Tracht, s. Seil. S. 7/8.
Brust-Haft. ,Dem Goldschmid für Bas Elsbethen
Br-en, wogen 10 Lod, das Lod 1 fl. 2 ß.' Tageb. Zuber
1690. ,Um 10 Lod '/a Quint. schwere Br-en für meine
Frau, 11 fl. 14 ß.' ebd. 1693.
Zun-: glchs. ,in Haft' gelegter (vgl. Haft 3 und
haß 4), einem Zaun entlang führender und rechtlich
zu demselben gehöriger Streifen Landes, der von den
Anstössern nicht benutzt (z.B. nicht zu einem an-
stossenden Acker gezogen) werden durfte ; ,Angewende
BSa." Vgl. Anthaupt, Fürfälli 3 (Bd I 762) ; An-
wand. ,Ist erkennt, dass nun forthin die Zaunhäften,
was in Matten und [In-] Fängen belanget, undenfür
öngefärd am Zaun rühren sollend. Wo Weid gegen
Weid ligt, soll, was nächer dann 2 Schueh vom Zaun
ist, ein Z. sein. Was aber weiter ausbin stünde, soll
für kein Z. gerechnet werden. Die fruchtbaren Bäum,
so in den Zäunen stan, sollen nit für Zaunhäft ge-
rechnet werden [also dem berechtigten Anstösser ge-
hören].' 1650, BSa. (Ztschr. f. schwz. R. IX 115/6).
Zwick-: = Haft 1 b, wobei die Fadenendeu durch
Verschlingung befestigt werden. ,Brauch auch Zwick-
häft, dann es gar leichtlichen wieder aufgehet.' PWürz
1634. - Vgl. mhd. zicic, Zwickel, Keil, und Ztcick-GaUen;
ferner .verzwickt', eig. verkeilt, verwickelt, und remtätcn.
Haft n n.: 1. aus Faden mit Knopflochstich ge-
machte Schlinge zum Einhängen eines Häkchens Ndw.
Syn. Bick. — 2. = Haft 1 4 Bs. - Zu 1 vgl. das syn.
Heft B. 2 lehnt sich an das Geschlecht des syn. Haft-Gelt.
haft: 1. geheftet, gebunden, in der RA.: 's Ctiind
ist h., wenn das Zungenband des Neugebornen festge-
wachsen ist und vom Arzte gelöst werden muss, da nach
dem Volksglauben sonst Stummheit eintritt Ap; GT.
1157
Haft.
•It, hift, holl. luilt
— 2. geschlossen, eingehegt, umzäunt, von Grund-
stücken. ,Die von Tobel habent mit irem vich trätt,
wenn die zeig ler und nit h. ist.' 1492, TuTob. 0«n.
.Die zeig, die h. und gesäyet ist.' Fris.; Mal. ,In die
lullten Zeigen solle weder Paur noch Tauner Gewalt
haben [Vieh zu treiben].' 1657, AiWett. Klosterarch.
^■gl. in Esch liggen Bd 1 569/70, infähen Bd I 720;
anders bei Gr. WB. — 3. eingeschlossen, gefesselt,
gefangen, befangen. .Si wärint in lästeren haft und
vertieft [lägen, wären ,verstrickt' in den Fesseln des
Lasters; vgl. verheften].' 1529, Egli, Act. ,Die raönch,
so in den klöstern h. sind.' Vad. , Stets wirt es [das
■1-, '2-, bzw. 3-beinige Wesen im Kätsel von der Sphinx]
h. aus schwacher kraft.' Tierb. 1563. — 4. besetzt,
eingenommen. ,Allhie sind von allen orten der eid-
gnoschaft gesellen, damit das bad ist h.' Badenfahrt
1526. Vgl. verheften 2. — 5. haftbar, verpflichtet,
ptiichtig, belastet, beschwert. ,Alle die, so zue disen
Sachen zue dewedrer partie h., gewandt oder verdacht
sind.' 1440, äbsch.; syn. ver-, ye-haft. , Solich guet
soll von des huszinses wegen nit h., sunder ganz um-
bekümbert belyben.' 1457, Bs Rq. ,Es sond uns die
ubgeschribenen [Bürgen] h. und pfand und g'nucg
darum syn.' 1496, Z Pachtvertrag. , Zechen erber mann
sind worden h. um ein summ.' Schbadin 1500. ,Si be-
gerten nit anders zuo zerteilen, dann dass eins hinder
dem andern stuond h. und verbunden.' 1525, Absch.
.H., verstrickt und verbunden.' 1529, ebd. ,Mit [Feu-
dallasten] grösslich übersetzt, h. und beladen.' 1530,
ebd. ,Die eltsten ort unser eidgnoschaft sind gegen
geistlichen und weltlichen [Herren] mit disen banden
[der Leibeigenschaft] h. g'syn, und von diser beschwgr-
den wegen sich der tyrannen entladen.' Vad. ,[Die
Hausfrau] selbst, wenn sy mit obberüerten stucken
[allerlei häuslichen Geschäften] nit h. ist, soll allweg
auch etwas arbeiten.' HBull. 1540. .Dieselben güeter
sygen nach [noch] um andere zins h. und versehriben.'
1566, Z. ,Er soll h. und verbunden sein um so vil
Guot, als . . .' -L Stadtr. 1706/65. Vgl. verfangen Bd I
722; Haft 3. — 6. als zweiter T. von Compp., = be-
haftet mit . . ., in diesem S. oft wechselnd mit -bar
(z. B. in mangel-haft). aber auch bloss Geneigtheit zu,
Annäherung an den Begr. des 1. Teils ausdrückend,
in diesem S. seltener als das syn. verwendete -Uclit,
oft noch verbunden mit der adj. Abi. -iy (s. haftig).
allg. Alt-, chlei'-, lib-, bleich-, blöd-, rinder-, schwer-,
trogen-haft. S. übrigens jeweilen den 1. Teil der Zss.
Mhd. dass. — lu manchen Fällen von Bed. 5 Hesse sich
das W. auch als Subst. auffassen.
ver-, ge-, be- s. bei den Vben heften usw.
mit-: mit-behaftet, -verpflichtet, -verbunden „B;
VÜ.; Sch; S; Z"; vgl. haft 5. Als Subst. M.-Haft(e),
in B; VO.; Sch; S; Z auch -Hafter: Teilhaber an
einer Verpflichtung, an einer Schuld, allg. ,Egg und
syne ra-en [Mithelfer, Parteigänger].' Zwingli. .Unser
eidgnossen undmitburger von Zürich sammtiren m-en.'
1531, Strickl. ,Da dann auch ein Brieflein hinder
der Widertäuferen einse Frauen von irer M-en einem
gcschriben, funden worden.' Z Täuferber. 1639. —
Mild, miteh'aße (ueben milchaber), dass.
hafte": 1. Scherben von Tongeschirr zsheften B
(Zyro); Syn. häftlen, heften, büezen. S. Haft Ib. —
2. Vieh auf der Wiese an einen Pfahl so anbinden,
dass es rings um denselben das Gras abweiden kann
Schweiz. Idiotikon. II.
GrHc.; Glih.; Syn. (an-Jpfälen, -Stumpen; vgl. Haft le.
— 3. in Haft nehmen, s. Haft 3. ,Es soll ein ga.st
in dem g'richt den andern nicht h.' 1506, TnKessw.
Üffn. Sonst heften. — 4. Halt. Bestand, Gültigkeit
haben, fest hangen, halten. .Darneben syg kleines
narenwerk, so nit wert, darvon red zuo halten, darum
uf keinen teil wurde gezanket noch gehaftet [beharrt],
wo man um die fridbrüch [als der Hauptstreitsache]
überein kummt.' ThFrickart 1470. ,Uf welchem wort
Matthei myn lierr pfarrer [der Gegner] h. und sich
daruf lassen well.' B Disp. 1528. .Es soll kein e h.,
die ein kind bezücht [eingeht] hinder synem vatter und
mueter.' Z Ehesatzung 1539. .Weliche jungfrow sich
überreden lassen one abforderung und bcstätigung
der e, so soll die e nit h. noch den knaben binden.'
ebd. ,Uf zwen unverstandne sprüeh hartnäckig ge-
stützt und gehaftet.' Kessl. — 5. Wurzel, Fuss fassen.
.Die huld Gottes hat in mym herzen tiefer g'haft, dann
dass mir schalkheit lieber sy.' Rüep 1540. — 6. ein-
stehen, Gewähr leisten für die Sicherheit des For-
dernden, allg. (wie nhd.) ; vgl. haft 5. — 7. unpers.,
liegen an . . . .Es haft an mir. dass das nit geschieht,
stat per me, quo minus id fiat.' Mal. Vgl. Haft 2.
— Hafting: Verhaft. Gefangenschaft. Lied 1622.
S. Haft 3.
Mhd. haften, festhangen, befestigt sein; vgl. Haß-Pflanter.
Unser W. ist t. von Haß I abzuleiten, t. mischt es sich mit
ließen, auch in den Zss. mit ver-, le-.
ver-: 1. mit Acc. P., „mieten, um Lohn dingen,
z. B. einen Knecht; verhaftet, vermietet Scu"; eig.
Jmd durch Ausbezahlung des Haftgeldes in Dienst
nehmen, s. Haft 4; ver-heften. .V.. arrhabone con-
firmare, ratiflcarc, certiücare.' Mal. Vgl. noch Verhaft-
Pfenning. — 2. als Unterpfand verschreiben B. ,Dies
sei Alles unterpfändlich verhaftet.' Gotth. ,Die Unter-
pfande seien für die und die Forderung zum Voraus
verhaftet' AaZ. — 3. refl., sich auf Etw. einlassen,
fest halten an ... ; vgl. haften 4. ,Indessen wollen
sich die Boten hierauf keineswegs sehr v., sondern
bitten die von Freiburg, den entstandenen Span aufzu-
heben.' 1547. Absch. — Verhafti°g f.: 1. Haftung,
Haftbarkeit, spec. grundversicherte, verschriebene
Schuldforderung; Schuldforderungsrecht auf einem
Grundstück Aa; B. Es llt e V. uf dem Heimet, das
Heimwesen ist für eine Forderung verschrieben B.
Bei einem Kauf um ein Bauerngut werden scherzw.
folgende Verpflichtungen als ,V-en' [Passiven] aufge-
zählt: ,Eine Bürgschaft in der Verlassenschaft des
Fürsprech Nix, eine Streitigkeit [schwebende Prozess-
sache] mit Fritzli Häbdi'''' [s. Sp. 884], eine Abrech-
nung mit 7 Wirten und einer Magd, dato noch nicht
ausgerechnet und endlich einige noch niclit ausge-
mittelte Versprechungen an einige Vaterlandsfrounde.'
Gotth. .Wir sweren 's zue lialten by v. alls unsers
guetes.' 1478. Bs Chr. — 2. Verhaft, Gefängniss. ,Dass
sy in ihrer V. nit besucht werden.' Z Täuferber. 1639.
be-: 1. Juid für Etw. haftbar, verantwortlich er-
klären, beim Wort nehmen VO.; Z. „Jmd nötigen,
z.B. wegen getanen Versprechungen; Jmd zur F>ede
stellen; b'haftet werde', Rede stehen müssen VO."
— 2. = verhaften i L. — 3. auf einer Meinung oder
Aussage beharren UwE. ,Kein ler so seltsam, die nit,
so der urheber verharret und hartnäckig behaft, einen
anhang gebäre.' Kessl. Vgl. haften 4. — 4. hangen,
stecken bleiben. ,So das kind mit dem häuiHlin [bei
67
1059
Uaft, lieft, hilt, h.ilt, halt
lOtJO
der Geburt] im lyb h. und beston wollte.' Kuep 1554.
,So denn das einhorn den bäum trifft, versteckt es
sich darin [bleibt es darin stecken], also dass es be-
haftet.' Tiere. — 5. Ptc. b'haftet a) wie nhd., z.B.
mit einer Krankheit UwE. In Anspruch genommen
BHk. Du bist starch derinit h., lassest es dir sehr
angelegen sein. — b) s. behaft unter beheften.
i"-haftiere°: in Haft nehmen, verhaften ül; Z.
haftig, häftig, heftig: 1. Halt, Dauer habend,
fest haltend, Widerstand leistend, schwer (zu bewäl-
tigen), a) stark, gross, gewaltig, wichtig, schwierig.
.Wenn aber uns dunkti, dass uns die sach ze schwer
und v.r haltin- wiir, dem ein"° teil an den andern usze-
rirhten.' I'-Uu, Gr. ,WeI''''er der raten ehafte not zue
schaffen hätte, dass einer nit zue rat kommen möcht,
als da ein gerwer in sym low stät oder ein pfister in
sym teiggen und derglychen h. sachen, der soll sich
bi sym eid versprechen.' 1416, L Ratsprot. ,Duchte
aber den ammann, dass es jra [zu richten] ze h. war,
so mag er das für einen Herrn zu S.Gallen bringen.'
G Hdschr. ,Ich han da gebadet 16 dag und schlueg
heftig US [erhielt einen starken Ausschlag] und ward
fast krank.' 1522, HsStockar. ,TJf die zyt sturbend
die küegen heftig [herrschte unter den Kühen ein
grosses Sterben].' 15'28, ebd. ,Also soll häftiger [enger,
fester, stärker] band nit funden werden dann das elich
band.' HBull. 1540. .Häftige und fast wichtige ursach
zue bescheiten, vehemens causa. Häftiger, treffen-
licher reder, der streng und gewaltig ist und redt, das
zue der sach dienet, nervosus orator. H-e und rauche
reis oder zug, militia acris. H-er oder gewaltiger
bueler, amator acer.' Fris.; Mal. .Gross, heftig wunder
ich verstau.' Wagn. 1581. ,In welchen er syne Kych-
tagen [Reichtümer] noch heftiyiT iiH'ict.- .T.TRüeger
1606. Als Adv. {heftig Aa, Iwfti ]\ ■•.\^.: Si auch =
sehr, überaus. Der Landvogt iscJi z' luifti (rhiidit g'si'.
BWvss. Er het häfti Chummer g'ha. ebd. A. Wie
geit 's mit der G'sundheit? B. Chimnt nid häfti rüe-
me". H. we tue' [schmerzen]. ,Es ist nun [an der
Bewirtung] heftig g'nueg.' Rdef 1540. ,Ir sollet üch
söllicher ansprechern nit h. beladen [euch um sie
nicht sehr bemühen].' 1548, Absch. ,Es verwundert
mich nit h., non magnopere miror.' Fris.; Mal. S. noch
er-fallen Bd I 755 und uf-gän Sp. 13. — b) hitzig.
Hitze erzeugend, von Getränken, z. B. Wein B. —
c) ausdauernd, anhaltend, ernstlich, eindringlich, em-
sig, eifrig, wacker. ,Uf die zyt schnad [schnitt] man
heftig in den rijben.' 1527, HsStockar. .Ein häftiger
und gueter arbeiter, colonus operosus. H. und fieissig
etwas vermeiden, acriter alqd cavere. Er ist h. daran
gewesen, multus in eo fuit.' Fris.; Mal. , Kaiser Ka-
rolus und K. Perdinandus hattent die V ort inen bei-
zustehn h. vertröst't.' ÄgTschddi. ,Vil me Eidgnossen
wider Zürich h. [dessen eifrige Gegner] gewesen sind.'
HBoll. 1572. ,Dass die heil, g'schrift keinen artikel
des glaubens so hoch und h. trybt, als den artikel
der urstände [Auferstehung].' HBull. 1573. ,Da sass
er erst recht über und studiert häftig und nam in
2 Jahren heftig [sehr, viel] zu.' JJüd 1574. — d) gierig.
,Uer abt von den synen zue vil heftig, karg und gytig
geachtet ward.' Kessl. ,Gar ze häftig über guet, niinis
attentus.' Mal. Vgl. hebig Sp. 941. — 2. Teil habend,
teilhaftig. ,I)u bist keineswegs der Bekehrung und
des Glaubens haftig.' AKlingl. 1688. — 3. in Compp.,
z. B. gotts- (s. Sp. 523), glück- (s. Sp. 623), dür-haßig.
Vgl. haß G. .Ehrhäftige Händel [die Ehre berührende
Sachen].' GrD. LB.
Mhd. hfftec, fest bleibend, beharrlich, ernst, stark, haßec
bes. in Compp. — Die Schreibung mit e, das wohl nur als e'
gedeutet werden kann, entspricht dem Unil. von dtre'ßig aus
Chra/t u. Y. aa., -ä- dagegen demjenigen in Häßli.
zusammen-haftig: unter einander zshängend.
.Valzeina hat keine z-e Flecklein, sondern die Häuser
sind weitest zerstreuet.' Sererh. 1742.
häftle": 1. „Etw. mit einer Haft, Stecknadel oder
Häklein befestigen." S. Haß 1 a. ,Häftlen, häftle
anmachen oder eintuen, fibulare.' Mal. — 2. zerbro-
chenes Geschirr durch Drähte zsheften Z ; Syn. heßen,
binden, büezen. S. Baß Ib. — „ ü f- : die Stecknadel
usw. losmachen." ,Diffibulare , aufheftlen.' Denzl.
1677; dafür 1716: .Aufheften, die Häftlein auftun.'
— „a°-: Etw. mit einem Häkchen, einer Stecknadel
anheften." — i"-: das Kleid durch Einhängung der
Haken schliessen Sch; Z. ,lnflbulo, einheftlen, ein-
tun, einrinken.' Denzl. 1677; dafür 1716: ,einheften.'
— ,ent-: die häftle auftuon oder auflösen, diftibulare.'
Mal. — „ ver-: 1. Etw. mit Häkchen usw. schliessen;"
spec. die äussern Genitalien weiblicher Tiere (Schafe,
Stuten) durch Anlegung von leichten, eisernen Haften
schliessen, um die Tiere zeitweilig zeugungsunfähig
zu machen GrD.; vgl. B. H 286. — „2. Jmd hindern,
Etw. zu tun. !''• han-%m 's verhäßlet."
hals- s. Hals-Haß.
hefte" (in Gl -ö-): 1. Etw. befestigen, festmachen,
ver-, an-binden, z. B. das Vieh an die Kette W. ,Swer
der burger enkein [irgendein] floss hilfet landen ald
h.' XIV., Z Ratserk. ,Etwaran h. oder kleiben, ag-
glutinare ad alqd.' Fris.; Mal. Spec. a) die Reb-
schosse oder auch an der noch todten Rebe die Bogen
nach dem Böglen mit Stroh (s. Haß 1 c) an die Pfähle
befestigen, eine der .arbeiten im , Rebwerk', welche je
nach der Stärke des Nachwuchses der jungen Triebe
zu wiederholen ist Gr; Sch; Th; ZS. (Syn. binden),
in andern Teilen des Kts Z im Gegs. zu an-binden das
vorläufige, leichte Befestigen der jungen Schosse (Syn.
um-schlä"), während es in Bs umgekehrt das letzt-
malige Binden (im Gegs. zu üf-schlä') bezeichnet.
,Alligare vites, die Reben h., frz. Her ou attacher les
vignes.' Rhagor. 1639. ,Die jungen Reben soll man
nicht zu bald anfangen h.' ebd. ,Der Rebmann heftet
(bindet) die Reben an Stützen.' Spleiss 1667. ,Dera
Rebmann für Hefterlohn.' Schloss Rüed 1724. ,Eeben
geböglet und geheft.' 7. Apr. 1781, ZWipk. ,Geheft
und verzwickt.' Juni 1780, ebd. S. noch Eeben-Heßet.
— b) = häßlen 2 Aa ; Bs ; B. S. noch Kacheli-Heßer.
— c) Wunden zsnähen. ,H., ein haft geben, wie einer
wunden.' Mal.; vgl. Haß Ib. — 2. als Ausdruck der
Rspr., t. mit Acc. P.: festnehmen, verhaften, t. mit
Acc. S. : Güter Schulden halber mit Beschlag belegen,
arrestieren, den Schuldner verhindern, dass er über
dieselben verfügen kann; vgl. Haß 3; Syn. verbieten.
,Man soll niemanne h. und kümbcren um gelt mit
fächenne ald mit verbieten syn guet, er sy dann bürge
und dennocht soll man dieselben nicht h. mit fächenne,
wann [ausser] dass man jm syn guet wol kümbcren
und verbieten mag mit dem gericht.' 1254, Ztschr. f.
schwz. R. VU 24. ,Dar[wo] man deheinen burger
weder h. noch pfänden soll an lyp noch an guot.'
lOÜl
Haft, lieft, liift, lioft, liuft
1291, G Handfeste. ,So soll man die person h. und in
trostung nömen für 10 pfd.' ZWcttsehw. Offn. .Darum
rniicht man jn und das syn wol h., bis er die schulden
abtrag.' ZRick. Offn. ,I)ie von Entlibuoch heftend
den von Luternouw ir zins.' 1386, Urk. ,[Der Wirt
mag den aus der Zeche laufenden] gast wol selber
fähen und h. ze den rechten.' 1384, AaB. Stadtr.
.Welcher us dem gericht zug und dem vogt um sölich
schulden nicht usrichtung täte, so mag ein vogt h.,
und überfüere dann der, dem geheft ist, sölichen haft,
so ist er 10 pfd pfenn. verfallen.' 1472, GBurg. Offn.;
vgl. noch faren Sp. 891 (Offn. Burg.), ,0b deheiner
den andern seche gefarlich urafüeren oder umzüchen,
es wäre lüt oder guet, das ufzeheben, ze handhaben
und zuo h. zuo dem rechten.- 1489, Waldm. Sprdchbr.
,[Wenn] man [die Todtschläger] darin ergriffe oder
zue recht hafte.' Ansh. .Alles myn guete mit oder
äne recht angryfen, h., pfänden, verpieten, verganten
und verkaufen.' 1578, BLaup. Kaufbr. , Welcher hin-
der einem [ohne Wissen desselben] heftet oder ver-
hütet, der soll den vertrösten, ob er das begert, oder
die haftung soll kein kraft han.' 1.582, Obw (.Pfand-
trostung'). — 3. refl., sich anklammern, anschliessen.
,1)0 kerten sieh die von S.Gallen von den stetten und
haften sich an die Appenzeller.' Jüstinger. S. noch
Gabkn Sp. 58. — 4. Ptc. Perf. gehaft, ge-, verbunden.
,lMe ere der unsren helfer und darzuo aller der, so
jetz mit uns zuo den Sachen gehaft, gewant und dar-
under verdacht sind.' HFründ (Absage der Schwyzcr);
vgl. die synn. verknüpft; haft 5, behaft. ,Bettris, der
niemer vor krankheit aus dem bett kommt, der gar
an's bett gehaft ist, clinicus, paralyticus.' Mai.: vgl.
nbd. .gefesselt (ans Bett).' — Mhd. Ac/e™ (ye-he/tct, -haß),
licfestigen, fesseln, biniien, arrestieren.
ab-: die mit Nadeln gehefteten Spitzen von der
Wirkkiste abnehmen Th. Vgl. Abliaft.
über-: die höher gewachsenen Eebschosse ober-
halb der ersten Strohwickel an die Pfähle binden
ScH; ZSth. ; vgl. heften 1 a.
ü f - : 1. die über die Pfähle hinaus gewachsenen
Schosse der Rebe anheften, was im Spätsommer ge-
schieht ZS. .Aufheften (das 3. Mal) oder für das
ganze übrige Jahr aufrüsten.' Churer Beitr. 1792.
Syn. ns-h. — 2. hinhalten. ,Ir sollend unser eid-
gnossen von Glaris ersuechen, sich zue erlüteren, wes
sy gegen MHH. gesinnet sygind, dann MHH. nit me
also ufgeheftet syn wellend.' HBull. 1572; vgl. iif-
heben 4. — Zu 2 vgl. lat. m suspenso esse oder ,festgenagelt
sein' V Vgl. auch üf-ziehn.
an-: befestigen, anbinden. .Diewyl [der durch-
reisende Schuldner] nit ussetzt und in ein wirtshus
Zucht oder vor der Schmitten oder sunst anheft't [eig.:
sein Pferd anbindet; also ,anhält'], mag er jn nit ver-
bieten.' 1509, ZEgl. Stadtr. ,Wer ein Pferd hat, darf
es nicht in die Wiesen usschlan [treiben], sondern
muss es entweder auf die Allmein führen oder in
seinem eigenen Gut a.' 1545, Amherd. Von der ehe-
lichen .Verbindung': ,Der mensch wird verlassen vater
und mueter und wirt angeheft't syn syner efrowen.'
ZwiNGLi (nach Matth. XIX 5); vgl. ver-ewen Bd I 609.
— in-. ,Si leitend den [halbverwesten] körper auf
ein gulter und zochend in die stegen ab, da er ein-
geheft [nicht eingesargt, sondern nur in das Tuch
genäht] und on allen pracht vergraben ward.' Vap.
— ÜS-: \.==üf-h.l, gleichsam: zu Ende heften ZS.
— 2. losbinden. .Keiner soll seinen Zug oder sein
Pferd aushoften.' 1515, Amherd; Gegs. an-h.
ver-, Ptc. ver-heft(etj, -haft: 1. ver-binden, -knü-
pfen, -stricken, -wickeln; verpflichten; behaften; vgl.
haft 3 u. 5, gehaft 4. .[Die] so den beiden stetten
verhaft und verwant sind, inen zuegehören und zue
versprechen stand.' 1489, ScuSt. ,Arm lüt. so in
grossem elend verhaft.' 1529, Absch. , Abraham sach
einen widder hinder im. verhaft in der hecken mit
seinen hörnereu.' 1531/48. I. Mos. .Mit lästern ver-
haft.' 1530, Absch. ,Die zwei ding sind also verhaft
[untrennbar zsgehörig], dass kheins on 's ander hat
khein kraft.' SBirk 1532. ,Ein teil [der Eidgenossen]
mit Safoy und ein teil mit Wallis verheft [beschäftigt],
zugent nit [aus].' Ansh. , Darum lass sich niemants
in Sünden v.' HBüll. 1540. .Das schinbein. das inen
die kniescheiben mit den waden verheft.' Tierb. 1503.
.Verhaft, herzuetuen [-getan], applicatus, illigatus,
nexus, laqueatus, ligatus, vinctus. Schwerlich und
übel verhaft oder versteckt, ganz bestanden, difflcul-
tatibus affectus. V.. distinere. Under einanderen ver-
knüpft und verheftet, connexa inter se et apta. Ver-
heft, verfasst [s. Bd I lOGl], verstrickt sein, distringi.'
Fris.; Mal. .Ich hab vil fürnemer Sachen selbs ge-
sehen, darzue in vilen verhaft und bi vilen der händlen
gesyn.' HBull. 1572. ,Darnach ward die statt dem
reich verhaft [damit vereinigt].' AHaffn. 1577. .Wann
ein geistlicher prelat in seinem mandat die form und
g'walt. ime in geistlichen rechten fürgeschriben, uber-
faret. bleiben diejenii^cn, s.. dai wider tuend, mitjrem
Sentenz unverhaft [iiirlit (hniin yrliunden, unstrafbar].'
WuRSTiSEN S. 160. .Wir wiilleiid die, so hierin ver-
haft und verargwonet sind, ermanet haben.' Z Mand.
1580/1628. .Dann es sind etlich g'sellen, die sind mir
z' vil verhaft mit fremden fürsten [durch Jahrgelder
etc. verpflichtet].' 1582, Lieh. ,Die sünd ist auch ein
schuld, die uns gegen Gott verheft und beschwort.'
RGuALTH. 1584. Refl.: ,Wir verheftend uns täglich
gegen dir mit nüwen schulden.' OWerdm. 1552. ,Solo-
thurn sich mit g'raeiner Ädgnoschaft in'n grossen bund
ewig verhaft [,verheftete'].' 1581, Wagner. — 2. be-
setzen, in Anspruch nehmen, der Benutzung zu andern
Zwecken entziehen, z. B. einen Tisch, ein Gestell, die
mau mit Geräte überstellt Gr; GRh.; vgl. haft 4.
E Blachn" [Tuch] han-i''' verheft mit Bön.;''chäf;'
[Bohnenhülsen] GRPr. (Schwzd.). Alle Schüsseln ver-
heft ha", keine mehr zur Verfügung haben. — •'!. in
der Espr. a) = heften 2 von Gütern Ap; GnPr. (-d-J;
W; Z; Syn. in VerhaftUggen, verhaften 3. Ein Grund-
stück ist (in alten Briefen) verhaft, haftet für eine
darauf versicherte Forderung Z. In der ;i. Spr. da-
neben auch von persönlicher Haftbarkeit iiir Sdinldcn
und der Schuldhaft; vgl. fronen 2 (Bd 1 i:;ol/'J); ,;)«'
MecU verfassen Bd I 1061. ,Es soll nienuui, mp in
dirre büntnisse ist, den andern v. noch verbieten.'
1351, Z Bund. ,Nieman soll den andern fohen, schetzen,
betrüeben, personen oder viche v. oder beheramen.'
1478, Bs Chr. ,Die, so inen schuldig syen und in
willen hinweg ze ziehen, inen ze vergönnen, dieselben
und das jr allhie mögen v. und verbieten.' 1487, Bs
Rq. ,Wölltend sy das nit tuen, so soll ein vogt jnen
jr zins und zechenden v., unz dass es doch beschicht'
AALunkh. Oil'n. .Welicher verheft und verleit guot
loci:)
Hall, iioft, hin, iiori.
1064
ii.s,-*(M' liiMii liiU't uiiiiiiil, |(l!i| ist die buoss ti pM iiiul
soll lU'iii. iliM- i;cli;irt hat, Ulli syii schaden waiidul
IKi'sat/.l tuen.' irill'. Hol' Khiess. ,Dio eidjtciuissisohon
ItotiOn hiilicii oiiu'ii Unit aiirffehoboii; da doch die Coii-
sttlir/.oi- oiiioii 'rhurjiiiuor schon wejren eines liatzons
V.. so holVon die rolonten von der Tagsatzun};, dass
der Halt wieder anirelefft werde.' 1525, Aiiscii. ,Ks
sollend onch nnser Uli einandren nit v., verpieten.
verplandeii noch hindorhalton dann um jri'-'l'f'tJ schul-
den.' ITi'Jü, ebd. .Das, so einem jeden von dem andern
teile lüdeijreworfou und verhet't | worden], dasselb [soll]
wider )i;olan,i»en und die liiift ulgetan werden.' lö;!!,
ebd. .So sollen wir obgen. partjen nienuin der andern
partyo um unbekannt [nicht eingestiiiulijte | schuld
weder v.. verbieten, jne noch das syn arrestieren noch
aufallon.' 15;t!>. Hs Uq. ,üem jjaiitmeistcr underwerlV>ii,
in gemeinen seekel bringen oder ziehen, in der gmeind
namuieu v., publicare. Verhoft. inclusus. Verlieft und
durch schulden leibeigen worden, nexu vincti.' Fius. ;
Mal. ,l>a sie bisbar ausländische personen schulden
und anderer solcher ansprachen halb in iror statt zum
rechten zu v. gepüeget.' Wuustiskn 1580. ,Wie die
Signier der runtneren schiff verhoft.' 1585, AkuUsek.
.Das [streitige] Gut soll auf Rocht vcrliaft sein.' c. 1700.
U; dafür im it. Text: .restar in sequestro.' .Zins ohne
\Vi\ssen und Willen der Gläubiger, denen solche ver-
heftot sind, verkaufen.' /, Gericht.-<b. 1715/;W. ,[Man
soll untersuchen], woher im dise ligende Pfand zu-
koimucn. wo sie von Alter her verlieftet seien.' ebd.
Insofern die Gemeinde für die Forderung ihre liegen-
den Güter .verliaft mache.' 17'29. Aiiscii. S. noch rer-
l'tilieii lid I 7'J'2. (in-<irif'eii Sp. 71t. — b) = verliii/'lfii I
Scn (Kirchh.); rerliitft. vermietet. — c) durch Ein-
spruch hindern: .Ob die von Basel um unlaugbcr
[unlüugbarej und verschriben geltsehulden zins oder
gülten pfänden, dass sy dann daran durch niemand
verhindert, verheft, bekünibert, noch beswert werden.'
1488. Bs Rq.
MliJ. tw-Ar/Vii, fest mnchon, voriifliohtcii, vorcntlialton,
ItesQtxcii, arrestieren. In Bcd. a h ist wohl gogenöbor dorn
von St, iUigvgelicueii, vorhociuleutsohten Ptc rvrliaßel die
ältere Korm erluiltcii; s. Aiim. luni Vo\g.
ho-: 1. = iw/if/Jm 7. .Mit .Tmd ftc/id/Ü sein, innige
Gemeinschaft! ptlegen, unter einer Decke stecken, ver-
strickt sein BÜ. ; L." .Heften die puren mynen sinn,
wurden [sie] mit iren nachpnrn b'haft [verbündet],
in frid und gueter einigkeit.' Lknz c. HW. Bes. aber
im ungünstigen S. : in Schwierigkeiten (Krankheiten,
krankhafte Gemüts- und Gedankcnrichtungen) ver-
stricken, in deren Bann legen, durch Etw. in Anspruch
nehmen; vgl. Haft .;>. .Diuiiit das g'müet. wenn es
nit b'haft [voreingenoinnion] wäre, jm [sich] dester
minder etwas ynbildete [.ihm keine forchtsaine Ein-
bildungen machte.' U)701.- LLav: 15Ü9. .IJehaft. über-
fallen und g-.xr angefochten sein, occnpari affoctibus.
In einer sach beliaft und verstrickt sein, impcdiri in
re aliqua atque alligari. Von der liebe oder buel-
scliatY gefivngen oder behaft werden, igni ca'co carpi.'
Mai.. .Der keiser [war] im meiläudischen krieg be-
liaft' Wt'RSTisKS; vgl. bdiaften 4 und s. Fransos Bd 1
IM2. .Mit dem Teufel behaft = besessen VÜ." .[Er
war] als unvernünftig, dass man jn dafür hat, dass er
beliaft war.' Anf. XV., Ita-Lko. .Ein behefter nl.^nn.'
MoKS. Eberh. — 'J. belagern. .Wie dass der röniseh
küng kam mit kraft, dardnreh sy mochten behaft und
boleit werden im hind.' Lenz c. 1499. — 3. = ver-
heßen ■! a, verhaften 2. ,Wor soUicli syn ligende guet
anders deiine als vorstät bekömbort, beladet, beheftet
oder beswert.' 1141/50. Bs 1{(|. .Behafte. verfangene
[s. Bd 1 117] gueter und underpfand.' Z Kaufbr. h^.W.
- I. .die Zunft b.', gewissermasscn das Zunftrecht
an sich heften, befestigen, sich sichern, in Beschlag
iicliiiKMi. indem der Sohn nach des Vaters Tode vor-
hiulig anmeldete, dass er später die Zunft erneuern
wolle. (Geering). — 5, hangen bleiben; Syn. haften.
,Do behaft er mit einem fuess und fiel.' KSailbr 1400,
als ("bersetzung von .limrens'. ,Ein [Tier-]schädel, an
welchem die hörn noch behaft [waren].' Tierr. 1563.
lllul. hchr/ien obso. Xliulich wie gehti/i koimiit auch das
nitu l'tc. Iithitß schon ahd. in adj. Vorweiuluiig vor. Kill-
dio UA. bei 1 wird aus Bllk. die (wohl verhochdeutschto)
Korm Uhnßil aiigegebon. Butr. die Jlischuug mit Mafien
vgl. Aiini. jii haßtn. sowie lies. Gr. WB. unter .bohaft'.
Hefter, -i": wer das Geschäft des Heftens (s.
heften 1 n) in den Reben besorgt Z. ,Eine schlechte
Hefterin ist das gefährlichste Wetter für die Reben'
Z (Dkr).
Chacheli-: wer zerbrochenes Tongeschirr flickt
B; Syn. Becki-Bindei; -Biiesei: S. heften 1 h.
.Heftere oder Heftnadlen.' Z Mand. 1735.
Betr. die Wortforni vgl. Ilumixrr Sp. 3U; iHag,j,tr Olli.
Mui'tcre, Sclirniiboiimutter. Sjiritirn; Spritio ii. A.
(Rl'bo"-) Heftet m.: Zeit des Anheftcns der
Rebschosso an dio Pfähle BS.; Scn; Z. .Der Reboii-
heftet nahm erst am II. Mai den Anfang.' 1789, Z
Niederglatt. - Vgl. ,Hofto' bei (ir. WH.
Heft, Hefti n.: \. (llöfti Gl; Gntw.; CA.. .son.st
Ik'fli, in AAZein. -i>-"-) Griff, Heft bes. eines Messers,
allg. ; einer Waffe GrD.. auch etwa einer Säge, einer
Hijqie (GerteJ-H.) Aa; Z. Vgl. Hand-Hahe; -Hebi.
'.< //. I" rf' Hand (d' Hand) ilbercho*, i" der Hand ha*
(It'holle'). t" d' Fhif/er ne", die Zügel in die Hand be-
kommen (nehmen). Vollmacht, freie Hand, entschei-
dende Stimme erhalten (haben), den Vorteil besitzen,
energisch vorgehen, allg. A'i»'Hi 's H. (liinger) »* d'
Hand rß'. ihm (mehr) Spielraum, freiere Hand lassen,
'.s' 11. ha', die vorteilhaftere Stellung in einem Ge-
schäfte haben L. E' Vater ist en Narr, wetm «r 's
11. US der lla>ui git, auf die väterliche Gewalt Tor-
ziehtet. die Söhne schalten und walten lässt B; Z;
vgl. Löffel. Ei"m 's U. us der H. winde*, ihm den
Vorteil entreissen, den Rang ablaufen Soh; Z. Er
hed 's niid am H., es fehlt ihm an Kräften, er ist der
Sache nicht gewachsen, es geht ihm nicht gut Ap.
S. noch faM Bd 1 Uli. Das Tragen von .messern
lenger denne [das gesetzliche Mass] mit heftin und
lambellen' ist verboten. XIV./XV.. Scn Stadtb. .Ma-
nubrium. ein hefte, woran es joch [auch] seige.' Fuis.;
Mal. ,Dic zän [der Walfische] braucht man zuo hef-
tinen.' LI-av. 1582. ,Da das verletzende Wäfeu bald
von dem Spitz gegen dem Heft, bald von der Schneiden
gegen dem Rucken niuss gesalbet werden.' Zaubersi
1704. Gewehrseheide: .[N. befragt] ob er darwider
mit der sehrift fachten wollt, s;igt er nein; der dSgcn
im hefti war jm zerbrochen; er könnd nit fSchten."
ZwiNOLi, S. noch Gefliss Bd I 1004. — 2. ',< gtddi'
Il-i, scherzh. Benennung der an hohem Feste gesun-
genen Messe .Sumnium' LBcroni. .Dieser Pfarrer
sang nicht bloss ein Ite-mis.sa-est für das ganze liebe
1065
Haft- hnft. Ha;? hu?
Jahr wie Viele da» so^en. i^oldene H. an Sonn- und
Werktagen wieder und wieder bringen.' XHerz. 1872.
77. — 3. Heft, »chtrzh. Nase Bs. It Lii. auch Gauner-
sprathe. — 4. Hefli, in BBe.; S (hier zur Unterschei-
dung von llefti 1) Heß: Miene, Augsehen übh., in
K.\A. wie e Hchun» (iron.). altt, rechts, truritjg, ItetriUlAii
H. machen kh; Bü; B; G; S; Th; Z. Si macht- en
nndem tieft ah früfcher, hat .sich sehr zu ihrem Vor-
teil verändert BB«. Ite' nuu:ht e H., grad vre xcenn-er
mit aller Welt rerzümt vär. Manne', die m^r es U.
g'nehnitte* hei', trie tusbälgleti Eiliorne'. Bostbeibi 1865.
— 5. en «/te H., Sehimpfw. jör eine alte Kuh Bg.
' — C. Heft, Schleife, Schlinge von Faden, um ein
[ Häkchen einzuhängen Xdw; gröHser als Haft II.
\ — 7. Heft, PI. Hefter: Schreibheft, allg., aber erst
I modernes Lehnw. — Ü. Hefli, gespr. HOfti, Familienn,
Gt; ürtsn, (auch Egehlü-H.) LE. (Schnider 1782, S,21).
' Jlr/l aus rnbd. Ik/u (afail. he/ii) in Bvi. I : fiker die
Weittrbildong mit i vgl. die Anm. zu £ndi Bd I 317. -
2 beruht auf der Cbertragung roo eiDein kostbaren Besteck
der Propütei, wekbee aiu StMichaelbtaife jeweilen dem Ehren-
prediger vorgelegt wurde. — Trotz der Terhiltaisi>uiä)>«ig ge-
■ ringern Terbreitong von 3 «heint 4 doch an« jenem aU totum
pro parte hergeleitet werden za mBs«en-. vgl. die ihnlicbe
Cbertragong bei (jtfriHu Bd I 1317/8, /'/■«««it, Sf:krKH'j'jen.
Die Nase selbst nfisste scberzw. als ,Ilandhab«° im Gesicht
au^efasst worden sein; vgl. Z'Jgjft, Ziu^jn. Freilich liees«
sieh 4 auch unmittelbar aus 1 entwickeln, etwa weil man
den Menschen na<.h seinem Gesichtsaasdruck juflassf, wie
man das Messer am Heft
Alse'-Hefti: Xame einer Sort« Birnen, welche
die Form des Griffs einer Ahle zeigen ZW.
Degen-: Degenscheide. ,Wenn Gott die walflsch
an das land wirft, so scbindt man s' und braucht man
ir haut zu t^enheftinen.' LLav. 1.582.
Hofterli s. Hulftere.
Hüft s, Huff. ge-hiifti<r ^. -hüfei.
Hati, heg; big. hog. hug.
Vgl. auch die K<ihrr /A.yj nsw.
Hag — PL Häg, auch He'g, z. B. in BO.; G:
UwE.; ZO., jetzt fast durchweg mit gedehntem Voc.
doch l>at Hi'gc; Dim. /fe'jf/j (in BSi. Hi'gli) — m.:
1. Hecke, Zaun, zunächst grüne, lebendige He<ke, bes.
Ton Haselstauden, Holunder, Hagebuchen. Tannen und
Weissdorn, dann auch känstlicher Zaun aas Pfählen
und Stongen. allg. S. £««r Bd I 597; l-W. ebd. 671:
Zun. Es gut ditr''' '» Laub ond rüsdiel nüä, es tjöl
dür 'h Wmsuer <md netzt-si''' nüd, en göt dür-a' Hitg
ond chretzt-gi nüd [S<jnne und Mond] Ap (SchwziL;.
Wenn d' Bf/ne" vtier de* Hag luege", m luegt der
Hunger drüber ine", d. L so sind die Wintervorräte
aufgezehrt und noch keine neuen gewachsen Aa;
BsLd ; eine ähnliche KA. s. n. Ha/jer. \^]. Ilunger-
Wuelien. Er tüumet [schleicht lauert] wie de Wolf
im H. SiLCEB. Im AugnW hat '» hinder ie/lem H-
hintw en Bläxt Z. s. n, AugHt Bd I 154. Greidi im
Heyli, Pilanzenn,, Gretchen im Busch, nigella damas«.
Aa. .Das» die güetcr nnwüestlich gehept und genossen
werden, es sy mitgezimbcrn, iriit wggen. «tegen, hegen,
mit aller zuegehört.' 1431/1544, Schw LB. .Die schid-
lüte söllent gewalt haben, ze richtende umb häge und
züne und margsteine.' 1442, B» Kq. Myn husnatte
im bmnne, als vil und fern die yi^zo in hag lyt,'
1448, ScBW LB. S. noch rerluigen. ,H. oder zäun,
sepes, sepimentum.' Mal. .AIä der Graf von Kyburg
an hag oder die letze zu Kotenbach zogen was.- HBoll.,
Tig. ,Die Güter werden dem Käufer in Rechten und
Beschwerden, in Steg, Weg, Ziel, H. und Marken, wie
solche bis anbin beworben worden, abgetreten.' ]8-'}3.
ZWang. ,Die Liegenschaften in Ziel. H. and Märchen
in Einfang nehmen ffonnelhaft in einem Kaufbrief].'
18-37, Z Kechtspfl. ,Den H. der Ei.lgenog«enscliaft
zäunet nicht zu weit hinaas." GSiökist 1843. Aus der
grossen Bed. der in früherer Zeit alles Land durch-
kreuzenden Hecken und Zäune für die alte Weidewirt-
schaft erklärt sich die mannigfaltige bildliche Anwen-
dung von Hag in den folg. KAA,, von denen aber
einige auf die 6e<]. .Verhau, Palisadenzann hinter
dem Graben von Festungswerken, bes. verschanzten
Lagern' zurückgehen mögen; vgL GrtJ/en. Nüd am
Hag xiiuie' (ficaehüe ««•, = nüd alt der Gohü «i* '/,;
». GoHH. ly Ääg liänd Ore', na Freien kann man
nicht reden, ohne von Unberufenen gehört zu werden
Bg; S; Z; VgL: ,Putz den H., er i*t nicht sufer!'
Warnung vor Ijauscbem. B Hink. Bote 1842. HäO
de» aOcMjt^ lieb, aJber tue de" H. nid eweg L (Ineiclienj.
JJie nidere Hägli sind gli'* ühergtige' Sc« (Sulgcrj.
gc-hwa«he Vorsichtsmassregeln schützen nicht, tf^enn
de H. Ei» [Hemd] h/ul, häwl ni ^^kevi (Eätselrede/.
von armen Leuten, die etwa am Samstag ihr einziges
Hemd am Zaune trocknen ZW. De H. hat e I^tch,
es iirt keine Sicherheit mehr Sch (Sulgerj. AUej< hin
an H. aJje, Alles bis aufs Einzelste, Alles und Je<les Z.
Eh nimmt mi''' fwst an H oben und ar d' Stangen tu,
ich komme fast ausser mich vor Verwundernng, Auf-
regung ZKeg. ; VgL gätterlilänfig, Htigeleninnig. Mager
in' (m^mhn) wie-n-en H., sehr ahf^ejoiif^iirt sein BIJ. ;
vgl. Zünntieken. Jelz Wscfc o'* em H. nä'* 'gangem
und hätil der chrümiM Stecke' üszoge, ■/.. B. bei einer
verfehlten Heirat B. Wegm dm Slecl:e" g-'heit nie e
H. um GT.. gät kein H. ab Z. Dem wo der H. int, ixt
au''- der Graben. Her H. »treij/ft eil ab L fineichen).
Eh git e H. dur''' d' Matten ah, wenn zum ersten
Sohn noch ein zweiter geboren wird (weil dann lias
Gut durch einen Grenzzaun geteilt werden wirdj. ebd.
Wer leill rieh werde', mueim '« G'wwmen «• H. heni:e
L; Syn. an Nagel. .Wohlleben und gesunde Tage
stehen nicht in einem H.'. bestehen nicht zusammen.
ScLGEB. Eim de H. ünhaue, Vorwürfe machen, scharf
tadeln A?; GT.; vgl. alje butzen, alte hauen, den Staub
alte tuen; '« IMerzüg butzen. '« lüiet Mittag, Stei' i'
K, d' Pfanne i'n Lfjc/t, Mueter ga^ng) duxii .AAWohl.:
ZS. .Sagen, wo der Igel im H. [= der Has im Pfeffer]
liege.' HPest. Hinder aüe Häge, überall, allg.; vi'l.
,an allen Zäunen.' Anwt Ifill int de Wi" hir,il>-r ailf
Häge gaet Korde (hier noch hart an die l
liehe Bed. streifend, ja dieselbe in sich scii
d. h. selbst an Scbattenortenj ScHSt. ^Sulger^. //
em H. dann aber bes. als Sehlupfwinkel, \
(urspr. von Vagabunden, Zigeunern, Strar.ri
usw.); vgl. Aie Karrer hatten biiit'r Hägen H
1067
Hag. lieg, liig, hog. Im
untl in Winkeln ihre Örter, wo man ihnen die ge-
stohlenen Säcke ablegte.' HPest. 1819. Me' hät-vii'>'
nid hinder-em H. ufg'lese', {''■ bin nid hinder-evt H.
füre" g'schloffe", ich bin nicht von .schlechter, unbe-
kannter Herkunft Sch; Z; vgl. Grotzen. Hinder-em
H. hiirote" wie d' Leixhe" AAZein. D' Chitnst find't
nie' nid hinder-nn H. Sülger. Über de" H., über die
Schwierigkeit weg. Juchzge nid, bis iiber-'en H.
(Grabe") bist L (Ineichen). Der Eint hilft dem An-
deren über de" H. Sülger. Hingegen: ,Den heutigen
Meitschenen sei nicht mehr über den H. zu trauen.'
B Hink. Bote 1872 = in nächster Nachbarschaft. Über
all Häg üs, über Stauden und Stöcke. !"'• mag nümme"
mit de" Hunde" über all Häg üs L (Ineichen). Er
springt über all Heg use", setzt sich über Alles weg;
ist ülii'iiiiiitii; Aa: S. Miichf juchsen und singen tmd
iilicr iill Um/ ,(X(" siiniHir". Stutz. Er ist sclw" über
(ill Jl,';i i-r Scilw; Svii. ' nher alK Heid, s. d. !''• bin
es lüftigs Mcitschi g'si", ha" alle" Bliebe" chönne"
spotte" tmd 's het mi"'' dunkt, i''' macht über e höchst
H. WS g'sjJringe". BWyss 1863. ,Am Mögen fehle es
ihm nicht, es dünke ihns, es möchte über alle Häge.'
GoTTH. Egerchinge, wo d' Bettler über d' Heg us springe
S (Spottreim). Über d' Häg use biege", gtigge", nach
andern Weib.spersonen ausschauen, in der Ehe untreu
sein; übh. etwas Unerlaubtes im Schilde führen Ap;
GT. Auch eine Frau gugget über d' Häg, von der
man glaubt, sie sei ihrem Manne nicht treu Ap; vgl.
Hannesli, gang hott vom H., sust gat's-der wider wie
die Tag [letzthin], Warnung vor verbotener Lust.
SiiLGKR. Öjopis dtir''' all Häg dnre" [hartnäckig]
b'haupte' Aa; Syn. diir''' all Böde" diire". Her Estand
ist, in all Häg i-e [unter allen Umständen], en We-
stand. Stutz. Adie! wü'sch Glück in H. ie! scherzh.
Abschiedsgruss Tn (Pup.). Üsg'seh, tvie wenn-me"
(hinder-si"'') dur''' en H. dure" g'schloffe" war, zer-
zaust ausschon Scii; Z; Syn. xeie-n-e Hex, Haghex
üsg'sili : vi;]. Diini-If. Eine" dur'''-e H. durc" mel'''e",
Jmdn (liiirh dm /ainiinelken, d. i. ihn missbrauchen;
He'' Ivt sf'' iiiil ihir-e H. dure welle" L, wie .sanft-
mütige Kühe es geschehen lassen. H. üf (und) H.
ab (= ufe und abe) mache", unschlüssig sein [eig.
wohl, ob man den Durchgang oberhalb oder unterhalb
suchen wolle] Z. Nüd lang H. itf und H. ab mache",
kurzen Prozess machen. Wenn er de" H. üf will,
ivott s% de" H. al) Soh ; Th ; Z ; vgl. wott er hüst, so
tcott si hott. Lauf im [dem] H. noh hindere! mach,
dass du fortkommst! LEottal; dem H. noh hei"' müesse",
unverrichteter Dinge abziehen müssen S. Am H. (a"),
im H. (inne"), vor einem Hinderniss, in der Enge, in
Verlegenheit, in der Klemme, ratlos, allg. ,Wenn man
nicht etwas Geld in den Fingern hat, so kann man
gar nichts zwäiin'ni iiiid isf innurr am H,' Gotth. Es
dfaltsWiberrolrhl, h„!-nh |.irii l.'irhter] am H. ebd.
Mir sind iez nihl iriihnihi mi IL, wie chö-mer is
wol u'cre"? Feuhkk. Er iM cei. mU-cm Fädle am H
a" S. Er wert si"'; wie 's Tier im H. Splger. De'
Winter tuet wie 's Tier im H., pariert ''em Hornig
Puff und Schlag ScnSt. (Schwzd.). Die Richter sind
g' waltig im H., was si uf's Pfarers B'hauptige" er-
widere" sollid. UsTERi. Mit Eim im H. sl". Streit mit
Einem haben Uw; U. In H. ine" gä", verlorengehen,
etw. Verkehrtes tun Bs. Das göt in H, es geht öko-
nomisch rückwärts S. Vgl.: ,Man wusste nicht, wer
den Wagen in den H. gefahren.' Gotth. Si händ 's
Singe" in'n H. i-e renne" la", sie blieben in ihrem
Gesänge stecken AAKais. ,Si sölltind sich nit an jet-
lichen keren, der da ein büechli hinderm h. machte.'
1523, Egli, Act. [Warnung vor Zwingli]. .Darum
gschirends an und duond das beste, dann die lüt sind
gar am h.' 1.529, Strickl. Indem man der nächste
Nachbar sei, könne man am besten wissen, ,wo die
kuo aller ringst durch den h. brechen mag [an wel-
chem Punkte die Gefahr drohe, der Angriff zu erwarten
sei].' 1530, Absch. ,Da wollt N. N. nünt antworten;
dann er was am h.' Vad. ,Wir [Josephs Brüder] wend
ein verdanken [Ratschlag] han, damit der sach wcrd
ein ustrag, dass wir nit bstandind an dem h.' Roep
1.540. ,Von erfahrnen Kriegsleuten werde da viel ge-
redet, die Eidgenossen müssen auch in [den] H.', in
die Verlegenheit, in den Handel verwickelt werden.
1547, Absch. .Mir ist David entrunnen aus dem h.,
dann ich den Philistern muesst wehren, sonst war er
mir schon in der harren.' Holzwart 1571. ,Ich merk
gar wol by dyner sag [Rede], dass etwas trug ligt
hinderm h.' ebd. ,Er [der Gottlose] wirt allenthalben
am h. sein, wirt nit wüssen, wo er aus soll.' LLav.
1582. ,Er hat mich an den H. getriben. Ich bin
ganz am H., weiss nicht, was ich tun soll.' Mey., Hort.
1692; vgl. Wand. ,Diewyl Ambr. Blarer und andere
G'lehrten hinder dem H. hieltend.' 1724, Mise. Tig.
,Am H. abziehen': 1) beschämt abziehen, den Kürzern
ziehen, wohl eig. von einem verdeckten, notdürftigen
Rückzuge; vgl. o. ,dem H. nach heim müessen'; doch
s. auch Gr. Wß. 4, 2, 138, 2 a; vgl. noch abhei Sp. 855.
,Es guong one liluetvevgiessen ab, wil der Saffaier
am h., als man >|.rirl,f. al.zng/ 1582, Bs Chr. Nach
langem, trefflirlinn Wiilrr-taiule ,hat er entlich an-
gehept uss menschlicher .Schwachheit und blödigkeit
am h. mit dem spiess abziehen.' Grob 1599. ,Er hat
müssen am H. abzeuhen, delusus est spe, opcrä.'
Hospin. 1683. — 2) sich entziehen. ,Wie ein Krankner,
der zwar dem Doktor gern folget, so lang er ihm von
guten Dingen sagt, aber neben dein H. abziehet, wann
er ihm scharpfe Mittel fürhalten will.' JMüll. 1666.
,Wer Jesuin nicht liebet, der ziehet von ihm am H. ab,
er schellet [schält] sein Herz von Christo.' AKlikgl.
1702. — Der H. als Einfriedigung des Heimwesens:
vor de" H. use hüse", tourste", schlecht haushalten,
dem ökonomischen Ruin entgegen gehen; vor e H.
use" clio", in Konkurs geraten. Gotth. ,Auf den sog.
Kuhheimetli gehen die Meisten zu Grunde, wenn sie
den Zins innerhalb des Hages [aus dem Ertrag des
Heim Wesens] nehmen müssen; wo ein Gewerbe dabei
ist, oder sonst ein anderweitiger Verdienst, da ist es
ein Anderes.' ebd. ,Ein solch Schuldenbäuerlein wolle
er bald vor den H. hinausgestellt haben.' ebd. ,Er
wollte nichts von Nachgeben [im Prozessieren] wissen;
es musste ausgetrieben worden bis vore H. use.' ebd.
,Es nähme den Erstbesten [zum Manne], so riskierte
es wenigstens nicht, dass es für den H. hinaus käme
[sitzen bleibe].' ebd. ,E rechts Meitschi, das noch
nicht zu äusserst am H. sei.' ebd. In Orts- u. Flurnn.,
z. T. mit fem. Gestaltung, z. B. Hag- Acher B; Z, -Hof
Th; -Matt B (vgl. Hegen-Hof und Hegen-Matt L);
-Tobel G; -Weid B; -Wis ZBub. (von der Allmend
durch eine Hecke getrennt). Auch einfach im Hag,
Häusergruppe in ApTeuf.; BHk.; GRh.; S; vgl. engl.
town. Hagen TiiAfteltr. ; Hägen GGanis; ,in der Ha-
gen' ZoÄg. ; die inner, die usser Hägen BSchüpfh. ;
II a£
1070
OblKi;), Alji Ouw; hinder Häg ZSeeb. (vgl. hinder
Zünen Z Zoll.) ; Hegen BLangn., Herzogenb.; LE.;
Ober- und Under-Hegen BEüegs., Tgl. oberi und itnderi
Züne' ZStdt. In Gesohlechtsnn. Hag ScHwf; TiiDiess. ;
,iui H.' 1528, B; ,Z'Hag.' 1529, Zg; sodann Hagmann
und Hager. — 2. Gebüsch, Dickicht Gr. Das Hauen-
steiner Ländchen teilt sich in ,vor' und , hinter dem
HagS d. i. dem quer über das Gebiet ziehenden kaiser-
lichen Hagwald; vgl. ,ob- und ,nid dem Wald'.
Mhd. hac, hmjes (PI. hage, hege, heijer) und hagen m., n.
Auch im Seh Stdtb. der PI. : ,an hegern'. — Auf der zwei-
silbigen Form raht der abgeleitete Flur- bzw. Geschlechtsn.
(im) Uiigni Ap; Z. — Abi. Hegi.
E-Hag: „Mark- oder Grenzhag, der zwischen Ge-
meintriften und Gemeinwaldungen aufgerichtet werden
niuss LG."; vgl. E-Grdben und bes. E-Fad Bd I 671.
,Stosst an den E. und an die Landstrass.' L Kantonsbl.
1864. ,Die oberkeitlich und gesetzlich zu Friedhägen
bestimmten Zäune [in SOlt.] wurden auch Ehhäge ge-
nannt.' vArx 1819. , Welcher durch ein ehehag faren
muess, der soll glych zu statt [sofort] den fürt und
gatter widerumb zuetuen.' 1576, TaZihlschl. Offn. —
„e-hagen: einen solchen Grenzzaun aufrichten LG."
Eining-: = dem Vor. Vgl. Eining 3 Bd I '281.
,Die Einung-häge, die zu Einfristung der Felderen
dienen.' 1781, B. — Etter-: ein aus Ruten oder
Tannreisern geflochtener Zaun Ap; BsL.; SB. Syn.
Etter-Zün. S. Etter Bd I 597. — Atz-: Zaun, mit
dem man das ,ätzende' [weidende] Vieh einschränkt,
damit es nicht die ganze Matte überlaufe Zg. —
Fad-: Grenzzaun. 1441, Met., Wetz.; vgl. Fad-Graben
und E-Fad Bd 1 671. ,Dem fathag nach uffen.' 1672,
.TAHoFM. 1854. — Fall-, Feni-: Zaun aus Latten
und gabelförmigen Stützen (Griggelen) bestehend, wel-
cher zur Winterszeit niedergelegt oder ,gefällt' wird
ScHW. Syn. Grasselen-Hag ; Schattig; vgl. Fall-Milrli.
,Alle auf dieser Allmeind befindlichen Fallhäge unter-
halten die Nutzniesser der Käsern.' vEüw. — Feld-:
hoher Zaun, der die eingefriedeten Güter von Gemein-
weiden oder Sommerungen trennt BHk.
Vor-: die Vorderseite einer Hecke, Seitentriebe
einer Grünheeke auf der Vorder- oder Strassenseite.
Nach Vorschriften über das Eigentum an Bäumen,
welche in Hecken stehen, folgt: ,Der vorhägen halb,
soll jeder gwalt haben, dieselbigen us ze howen, so
noch zum hag zuher, als ime geliebt ; doch also, dass
er weder gert, rueten noch anders abhouwe des dem
hag schaden niöcht oder daryn ze biegen dienete.'
LRotenb. Aratsr. — vor-hage°: die Vorderseite der
Hecke beschneiden, das unnütze Gestände vor dem
Hag absehneiden LG. — Zur Bed. des vor vgl. Für-fniiw
Bd I 1090.
Frid-: Einfriedigung, „Grenzzaun LG."; der Zaun
um die Brachzeig, wo das Vieh weidete AAEhr.f ,Soll
ein ietlicher an synen güeteren einen redlichen guoten
ir. haben, so hoch, dass sy einem gmässen mann an
das kine schlach, also starch und guot syend, dass sy
einen mann mit synem trabharnascht, der darüber
stygt, under im nit niderfalle.' 1572, SchwE. Wald-
stättb. ,Ein jeklicher talmann soll hagen und fridhag
machen vor alpen und gegen gassen.- 1582, Obw. ,Die
fridhäg sollent bi dry pfund buess verbannt werden.'
1596, Z. .Dannenhin den fr. umhin unz an Aspacher.'
1606, AAÜberwyl (Offn.). ,Die Höf, so an die Dorf-
marchen stossend, sollen sich selbst mit dem Fr. ver-
wahren.' 1659, BE. ,Fr., prajdium servum.' ThSi'ieseii
1716. \g\.Frid3 Bd 1 i'279. — „fridhage": einen
Fr. machen."
Ge-: Gehege, Coli, zu ,Hag'. .Welcher durch ein
g. faren muess, der soll glych den gattor widerumb
zuetuen und vermachen.' TnZihlschl. Offn. ,So einer
einem in syn hus oder gehakt [Hofraum] gieng uf syn
schand und laster, der gibt buess.' BThun Stadtsatz.
1539.
Obige Form gegenüber der mit öml. abgeleiteten noch
in bair.-ästerr. MA. gebräuchlich! Die Nbf. ,gehakt' beruht
auf angeschossenem (. Der mnhd. (umgelauteten) Form ent-
spricht in der lebenden MA. für die concr. Bed. 6' hei II
(Sp. 851), in bildl. Anwendung dagegen G'häg, G'hig, das
aber nicht recht volkstümlich ist, obwohl schon MUsteri sich
desselben bedient; vgl. ffä« i (Sp. 39).
Garte"-: Gartenzaun. allg. Es chtmnt z'letst
Alles i" d' Ornig bis an G. [die letzte Arbeit bei
einem Hausbau] Z. De zielisch es bis an G. usc, von
langweilig weitschweifigem Reden Z oGlatttal. Bis
an'n G. abe', formelhafte Terminbezeichnung für lange
Strecke, bzw. Dauer übh. Z. Scherzh. für ein Gebiss
mit Lücken AxStauf. — Gerte"-: Zaun aus Gerten,
bes. aus dünnen Tannästen ScnwE. — Griggele"-:
Zaun, dessen Stangen auf gabelförmigen Stützen
[Griggelen] ruhen ScHwBrunn.; vgl. Fall-Hag.
Grue(n)-: Grünhecke, allg.; Syn. Leb-Hag. So-ne
Primessi g'ivinnt-me nit ab jederm Gruenhag. BWyss
1863. ,Nieman soll keinen gruonhag hän in unsren
zeigen.' c. 1390, AAZuf. (Offn.). .Des Gottshaus Z
Münz soll gan in allem Z Goii auf dnirli <ilarus für
Walhenstatt unz an den grüeiHU IIa- |\vrlcher zwi-
schen Eagaz und Sargans an d''iii kliii.n l'lusse Sare
lag].' Lauf. Ileitr.. (irt-lir/rirlnrnn-- wir ,,|ir wagenden
Studen'. ,Seiie>\i\a, rin -uliiIki-. (ininiliag, törn-
häg, zun aus t..nirii -rina.ht und sterhm.l.'n standen,
hirtae sepes.' Fris.; JIal. ,Wie in Güetern die Bäum
ald Bänderstöck und die Grüenhäg den Leuten an
iren Reben Schaden bringend.' 1582/1675, Z Stat.
.Allen denen, welche Grunhäg einzupflanzen Willens
seiud, ist begünstiget ein Par Schuh von der Allment
so lang einzuhagen, bis die angesetzte Grunhäg im
Stand seind.' 1735, ScuwE. Hofrod. ,Die Stt'ckenliä^-.
so dem Wald vil Holz wegnemmen, sollend nach nn.l
nach abgeschaffet und Grunhäg an deren Statt be-
pflanzet werden.' 1735, Hotz, Urk. .Seinen Platz
weder durch einen dürren noch Grunhäg einzufangen.'
G 1800. S. noch Grueni I (Sp. 755).
In den Z Ges. vom J. 1757 einmal die Form ,Grund-H.',
weil die Hecke aus dem .Grunde' hervorwächst.
Grassele"-: = Fall-Hag Schw; s. Grasselen Sp.
798. Diese Art Zäune kommt nur an jähen Berghalden
und wilden Orten vor. Hend-er der Gr. g'macht, ''as
ekcis cha" über e Nosse' abbe' tröle'? Erzäuler 1856.
— Hörnli-: Zaun aus geschälten, sich kreuzenden
Tannästen, deren Endstücke je wie ein Paar Hörn-
chen aus der obersten Kreuzung hervorragen Z. —
Hasle"-: Hecke aus Haselstauden Z. — Chris-:
Zaun aus Tannenzweigen [Chris] Ap. — Leb-: =
Gritenh. Ap; B; Z; Syn. Tebige" Hag. ,Lebhäge (Grun-
häge, Hagraäler) an Strassen darf man nicht höher als
4' hoch wachsen lassen.' Äp Verf. 1854. ,Die Zäune
werden meistens von tannenen Latten und Stecken
aufgeführt; nur hie und da zwingt der immer grösser
1U7
Hag, lieg, big, lujg, liiig
werdende Holzmaiigel den Bauern die viel vorteil-
haftere Methode der Lebhäge auf, wozu man sich der
Uorngesträuche und vorzüglich junger Tannbämne
bedient.' Steinm. 1801 (Ar). ,Zu Verschonung der
Waldungen ihre Guter, sonderlich den Strassen, Ali-
menten und Hölzeren nach, mit Lebhägen einzufristen,
zu diesem End an trocknen Orten Dorn- und Hasel-
stauden, an feuchten Weidstöck zu pflanzen.' B Forst-
ordn. 1725. ,Soll alle Jahr das Gestände in den Leb-
hägen und die Äste an den Bäumen, so in die Strasse
recken, fleissig abgehauen werden.' B Strassenregl.
1744. — Latt(en)-: Zaun aus Latten im Gegs. zu
Gruen-, Leb-H. allg. Syn. Tothag. Undr'em Latthag
dur''' fressen, mit der Ehefrau eines Andern unerlaub-
ten Umgang haben ZKn. — Mist-Hegli: ungefähr
das Selbe wie M.-Grueh udgl. (s. Sp. 694), Schorr-
Mist; jetzt durch den Kom^iost- Hufen ersetzt OBwf.
Bader-Hag: nur noch in der sprichw. RA. an'n
B. abe" chö", au den Rand des ökonomischen Ruins
kommen ZStall. udE. Da [mit diesem Geschäft, dieser
Haushaltung usw.] gät 's geg-em B. abe". D' Lüt
siigid: de'' Michel chunnd viit stner Hiishaltig g'wüss
no''' an B. abe; er schickt, was si rerdienid, de' Bach ab.
Eig. wohl eine Hecke, welche auf der ehemaligen Grenze
der Grafscli.aft Baden gegen das obere Roppisclital, l)zw. die
Freien Ämter (vgl. FvWyss in Z. f. schwz. R. 18, 48/9) sich
hefimden haben mag. Die KA. bezieht sich auf alte Rechts-
verhilltiiisse, nach welchen ausgeklagte Schuldner ,ding(lüehtig'
wurden oder von den Gläubigern genötigt werden konnten,
das Land zu verlassen; s. FvWyss, 1845, 172.
„Budi-: kurze, niedere, aufgestutzte Verzäunung
LG." — Budi = Buder, kleiner, dicker Körper.
Bor-: Zaun, bei welchem die Querstangen durch
Bolirlöcher in den Pfählen gestossen sind Scnw; Zg.
Kch-: Gehege oder Gehölz (vgl. Hag 3) für Rehe.
Nur als Plurn.: ,Der gross und klein Brenigarten,
das Eiholz, Reehag, die Riedern usw.' B Jägerordn.
1G87; auch Weiler in Aa; Gebirgsgegend in BsLd;
Ortschaften in L; G. — Ross-: geschlossene Weide
zum Auftrieb von Pferden. ,Der R., der eigentüm-
lich zum Schloss [GWe.] gehört.' PTschddi 1726. —
Sevi-: Grunhecke aus Sevi (juniperus sabina), nicht
selten zur Einzäunung von Gärten benutzt Th; Z.
Süle"-. ,Gegen den Wald wird ein Säulenhag
gemacht (Pfahlhag) und dazu wo möglich Dornen
verwendet.' AaF. Forstordn. 1788. — Snl = Pfahl.
Serie"-, Säle"-: Zaun aus Tannlatten (Serien),
welche auf kreuzweise in den Boden getriebene Zaun-
pfähle gelegt wurden ZO. ,Särlenhäg sollen nur ge-
litten werden, wo man kein Gruenhäg pflanzen kann.'
1737, Hotz, Urk. — Setz-. Unter den Vorzügen der
sog. toten (hölzernen) Zäune wird von der Naturf
Ges. zu Zürich 1764 angeführt, dass ,die Setzhäge von
eichenen Pfählen zugleich auch unten an Rebbergen
statt einer Dolle dienen, die die vom Regen herab-
geführte Erde aufhält.' Anl. Z 1764. Vgl. Setz-Stecken
(unter Sdnjen-Hag). — Scheid-: Trennung.s-, Grenz-
zaun Z. ,Es soll [zwischen den Waldpartien] schnur-
grad durch den Wald ein Seh. gemachet werden.' 1645,
AAWett. Klosterarchiv. Vgl. Sch.-Mür, -Wand. —
Schije"-, ScMjeli (bzw. -e'i-)-: Zaun (bes. Garten-
zaun) aus kleinen, gehobelten, senkrecht auf Quer-
stangen genagelten Stäben (Schijen), Stacket Ap; B;
VO.; ScH; S; Z; vgl. Schinnen-, Töggeli-H.; auch
„Spalier B; VO. ; S." Erniem [nähme] Alles bis an'n
Seh. ane". Sulger. ,Es sollen [um den Stadtwald
zu schonen] die tännern Setzstecken, ingleichem die
Scheienhäg gänzlich aberkannt sein.' 1749, ZWthur.
— Schinn(en)-: Zaun aus (Holz-) Schienen Zg. ,Ein
Sehen- oder Schatten-H.' 1770, Bs Rq.
Scharr- UwE., Schär- BHa.: provisorischer, nur
aus Stecken und Latten bestehender Zaun, z. B. um
eine Wiese für die Atzung abzugrenzen Uw; Zaun
aus schräg auf der Gabel zweier kreuzweise gestellten
Pfähle ruhenden Plankon, deren anderes Ende auf
dem Boden aufliegt BHa.
In seinem 1. Teile viell. vwdt mit ahd. scära, Schere, da
die gekreuzten Pfähle Scheren gleichen. Vgl. noch Härnli-H.
Schiess-i''-Hag Aa; L; Uw, Schtlsihägg B — m.:
1. = Schute-Gatter 3 (Sp. 498) aaOO. — 2. schlecht
gekleidetes, zerzaustes Weib B oAa. — Zur Wortbildung
vgl. ,Springinsfeld'. — Zu i vgl. DSm-H.
Schutz-: Zaun zum Schutze am Rande von Ab-
gründen ScHW; vgl. Fall-Mür. — Schütz-i-H.-ä
s. Schüts-jag-ä. — Schnegge°-Hag: Einzäunung
zur Zucht von Schnecken als Fastenspeise GO. VgL
Alpenp. 1874, S. 162. Syn. Schn.-Weid. — Schrank-:
Zaun mit verschränkten, gekreuzten Pfählen BBe. Vgl.
Scharr-H.
Schreit-: beweglicher Zaun von Pfählen, die
über schräggestellte Latten kreuzweise eingeschlagen
sind BO.; „LE." — Schreiten, schräge schneiden.
Schweif(f)el-: Zaun aus schief liegenden, zwi-
schen je 2 senkrechte Stäbe, welche durch Rutenringe
(Schtccifel) zsgehalten werden, hineingeschobeneu
Planken und Latten B mO.
Spann-: Zaun, der nur für zeitweisen Gebrauch
aufgeschlagen [gespannenj wird'? ,Es sollen die von
AAÜnterberken denen Oberberkeren im Fahl, wann
sie ihren Steiggen ansäen, einen Weg von 10' breit
durchliegen lassen, jedoch dass die Oberberker einen
Sp. aus dem ihrigen allein machen sollen, wann aber
obgemeldter Steiggen nit angesäet ist, so solle dieser
Sp. wieder hinweggetan werden, und die von Ober-
berken weiters kein Recht haben, daselbst durchzu-
fahren.' 1780, SCHIEDSPRÜCH.
Von .spannen' i. S. v. ,weit messen', da für einen solchen
Zaun wohl die Pfahle weit aus einander gesetzt und die Zwi-
schenräume mit wagrechten Latten gescluitzt wurden.
Stüd-: Grünhecke (aus Stauden) Ndw.
Stotz-: 1. Zaun aus senkrecht im Boden stecken-
den Pfählen oder Stäben, welche oben durch ein
Weidengeflecht zusammengehalten werden B; LE.;
s. Kasth. 1829, S. 131. Ein Pfarrer .bittet um Reparatur
seines eingefallenen Stotzhags.' 1771, Z Staatsarch. —
2. Stütze'-, Zaun, dessen Pfähle' schräg in den Boden
getrieben sind und einander kreuzen Ap. — Stolz, senk-
rechte Wand. Stolze', Zauupfahl.
Tögg(e)li-: (Garten-)Zaun aus senkrecht stehen-
den, glattgehobelten Stäben (Töggeli) Z j Syn.Sclnjen-H.
Till- ScnHa., Toll- Scn It Kirchh., Tüll- ScnSt.:
Bretterzaun, It Kirchh. , Steckenzaun'. ,Ein Äterzaun
(DüUhag) von Zaunstecken und mit Äterruten ge-
flochten oder Bretterwand von Tillen (Bretterschwar-
ten) zsgefügt.' Spleiss 1667.
Mhd. tülle n., Zaun von Brettern, Palisaden; Pfahlwerk;
liUlczüH, Palisadenzaun. Till wohl Ausweichung von Tüll,
ug, hug
1074
imlum das alte Tüll sich an das bekauiitc Titli, Hiclc, au-
lehnte. TM aus dorn alteu tull = tüth.
Tier-: Ortsn. in GBütschw.; ZP. Vgl. ije'''-jff.
und bes. Tier-Garten 2 Sp. 439. — Turli-: Zaun
oder Hecke mit einem Türli (= Gatter; s. Sp. 495),
oder diejenige Strecke, wo sich die Toröffnung befand.
,l)er sträss nach bis zum t.' XIV./XV., Sch Stdtb. —
Dorn-: Dornhecke, meist aus Weissdorn, allg. Dri
g'seh (mit zerrissenen Kleidern und bes. zerzausten
Haaren), wie we"'-me dur"'' en Törnh. dur'''e'' (j'schloffe'
icär Aa; Z; s. noch unter Äirji und hell-üf Bd I 121.
,Hans Joggi denkt, jetzt sei er durch den Dornhag
hindurch und das Böste sei gewonnen.' Gotth. Berig
händ bim Sakerment au''' Chöpf, i''' wett lieber hinder
en Dornhag. Wolf, rel. Gespr. — Tot- (bzw. Tod-):
.toter' Zaun im Gags, zum Grüeti- oder Leb-Hag L;
Tgl. Latten-H. ,Da die Zäune gemeiniglich Totenhäge
sind, die viel Geld und Holz kosten und gar bald
wieder verfaulen; oder aber, wenn es Grünhäge sind,
sehr viel Schatten machen.' Anl. Z 1764. — Wild-:
Zaun zur Abhaltung oder Einhegung des Gewildes.
Die von S haben denen von Bs .einen markstein us-
geworfen, item einen w. zerhowen.' 1531, Absch. ,Sch
sei berechtigt, einen W. aufzurichten, indem beide
Parteien dort zu jagen berechtigt seien und also auch
beiden zum Nutzen gereiche.' 1560, ebd. — Wolf-:
Zaun zur Abhaltung von Wölfen. , Einige Gemeinden
der Waadt möchten behufs der Wiederherstellung des
W-es Holz fällen; sie werden abgewiesen und be-
auftragt, einen Graben oder einen lebendigen Hag zu
ziehen.' 1729, Absch. Noch als Flurn. in ZSchwam.
Vgl. W.-Grueb Sp. 695.
Win-: Hagrose, rosa canina. ,Wild rosen. wein-
hag, weindorn, hat ein sOr lieplichen geruch: rubus
canis, cynosbatos, canirubus.' KdGessn. 1.542. ,Cynos-
baton, hotten, hanebutten ist die frucht, auch hiefen
genannt, aber hagendorn ist die standen. Das wol-
riechend kleiner gesehlecht nennt man weindorn, wein-
hag.' Fris. ; Mal. — Der Geruch ist deuijeDigen duftendeD
Weines ähnlich. Hag hier = Strauch.
hage": einen Zaun machen oder ausbessern,
zäunen, „allg."; in ä. Spr. auch tr. = einfriedigen.
Me" nmess h. mit dene" Stecke", wo [welche] me' hat.
SuLOEB (Sprichw.). Wer vil [Land] hat, muess vil h.
(bildl. = sorgen). Markenschänder hört man Nachts
hagen Schw (Volksglaube). , Einer verliebten Tochter
ist nicht gut h.' NAT.-Kal. 1870. Wer hed denn zur
se'be" Zu scho" g'haget? fragte ein Appenzeller den
Pfarrer, welcher in einer Predigt gesagt hatte, der
1. Gott habe den ersten Menschen aus Lehm geformt
und dann zum Trocknen an einen Hag gelehnt. Syn.
;»»(■«, s. noch zilen. ,Do wären die von Sachsein
ijargangen und hätten 's [das Fürsäss] gehagt [einge-
friedigt]; also wären die von Lungern dargangen und
hätten inen den hag ufbrochen und das fürsäss geetzt.
darzue sy kein recht hätten.' 1442, Oisw Urk. ,Glychc
güeter sond ouch glychlichen h.; doch soll ietlicher
syn hag an üsstagen erberlich machen und ufrichten.'
c. 1480, New. ,Hagholz nemen und darrait h.' 1491.
Zellw., Urk. ,Dise leute sind dem obervogt auf Farns-
burg zu frohnen noch zu h. nicht schuldig.' 1528, Urk.
bei Brückner. ,Mit üschenzen und fischgehalteren, mit
forst und wildpännen, trib und tratt, jagen und h.'
1530, Absch. ,Wie schier [so bald] er [der Jäger]
Schweiz. Idiotikon II.
trat in den wildbann, das schädlich gwild was fast
darvon, eb er recht fleug an h.' 1536, Volksl. ,Wenn
die dry alpbänn gehaget werden.' 1546, Zellw., Urk.
,Es sollen ouch die meier von Wyden diesolb gassen
in eren haben und so sy h. und studen oder böum
daryn Seiend, so sollen sy die dannen tuen.' 1549,
AaB. (Urk.). ,Die faldenwis ist ein vormatt; da soll
ein hirt h. und den hag und stiglen machen, so dick
und vil sy ein gineind notdürftig ist.' 1560, ZDielst.
Offn. ,H., zeunen, sepire, verhagen.' Mal. ,Es sollen
die Anstösser und die Alpen, wie es austeilt ist, g'mein
h., und derraassen die Häg machen, dass Niemand da-
durch kein Schaden widerfahre.' 1608, Ap Alpbüechli.
.Unsere Untertanen sollen uns mit allerhand Frohn-
diensten, es seie mit Fahren, H. und Jagen wie auch
andern Gehorsamene gewertig sein.' 1627, Bs Eq.
,Welcher über die March seines Guts auf ein Allment
oder gegen dem Hochwald haget und den Zaun stellet.'
1757, ebd.
ab-: 1. (ein Stück Land) durch einen Zaun ab-
trennen, abgrenzen GF.; Uw. .Wögen Abhagung der
Kinderalp.' 1791, Obw. ,Häg auf den Hochalpen, wor-
durch das gälte Viech von dem melchen abgehaget
wird.' ebd. — 2. bildl., fernhalten, verhindern, einer
Sache Grenzen setzen; syn. abgraben. I''' hä's ab-
g'haget Ap; G. Er hät-si"' nüd welle" Iti a. GF.. T.
Strit a. ebd. Mit Eim a., die Verbindung, den Um-
gang mit Einem abbrechen Ap; G 1790. — über-:
den Zaun über die Markgrenze hinaus, ins Gebiet des
Nachbars setzen ; auch tr. mit Bez. auf den Geschä-
digten Bs; B; „L;" Uw; Z. Er hat (-mi''') überhaget.
,Wer den andern übermäit oder überzünt oder über-
hagt oder überert.' 1460, L. ,Dass der vogt unserm
herrn und villycht hinwiderumb unser herr ein statt
Solothorn überhaget' 1527, Absch. [es handelt sich um
Jagdbezirke]. — um- s. ver-h. — i(ii)'- einzäunen
G; Sch; Th; U; Z. ,Sy sollen [Weibel und Forster]
die Hau widerum einschlahen [spätere Abschrift: ein-
hagen] und verzünen lassen.' XVH., ZAlbisr. Offn.
,A. 1708 wurde der Kirchhof beim Grossen Münster
auf eine anständige Weise eingehaget.' Mem. Tig. 1740.
Vgl. auch In-hegi. — under-. ,Intersepire, mit einem
hag oder wand underschlahen, u., vermachen.' Fris.;
Mal. ,Zu der Matten schauwen und dieselbige u.,
was für Hagholz darzu vonnöten ist.' 1736, UwE. —
ver-: verzäunen , ab-, ver-sperren, eig. und bildl.
allg. Ei"m en Weg v. Z. 's ist wie verhaget, voller
Schwierigkeiten Aa. Er het-em 's verhaget, es ihm
unmöglich gemacht Ap; G. ,Die schwyn soll ein jeder
mit synen knechten verschaffen v. und verhüeten und
nit ins buwland lassen laufen.' c. 1500, Obw. ,Da
hilft kein schüchen, man kann mir's nit v.' BGletting
1560. ,(Prse)sepire, umbhagen, v., umbzeunen, umb-
geben mit einem zäun oder hag.' Frts.; Mal. ,Die
Jäger band den forst verlegt, verhaget.' JMorer 1575.
,Gott tröuwt der ebrgcherin, die iren buolen nach-
gelaufen ist, dass er iren den weg v. wolle.' LLav.
1582. ,Die an die Landstrassen und Allmenden stossen-
den Güter seien nicht gehörig verhaget.' 1779, Absch.
— be-: einzäunen, -schliessen, bewahren; um-, be-
stricken. , Tuend die äugen uf und umsghend üch,
dass üch das übel nit behage.' Zwingli. ,Wem frouwen-
trüw mag werden, der hat das höchst gewild erjagt,
das doch gar kumerlich wird behagt.' Salat 1537.
68
1075
lag, lieg.
liog, hug
107U
Haget m.: Gehege TuMärw. (Flurn.); vgl. Hegt.
Güggel-Hagete" f.: schlechte Arbeit beim Stroh-
Hechten. Die Chind maehed rechti G. ZKafz ; s. Güg-
gel 9 Sp. 193.
Hagel m.: 1. wie nhd. (allg.). Y gl Bisel. Der H.
macht ke Türi, aber arm Lüt, die wo 's trifft L ; S.
Besser der H. i' 's Feld, als i' d' Chuchi [als schlechte
Ordnung der Hausfrau] FMu.; L. Sclilöd der H. i
d' Chuchi, se schlöd er i' 's ganz Hm. Vgl. : ,Es
wäre mir am wöhlsten daheim, wenn nur der ver-
dammte Haushagel nicht tobte [vom Schelten einer
Frau].' UBrXgg. 1787. Chö' wie dc' H. i" d' Halme'
Aa; B; !> d' Böne» BO.; i" d' Stopple' Bs, Sluffle' S,
ganz plötzlich, völlig unerwartet, ungelegen kommen,
i,/AV. zu spät uiul zwei-klns. r„irsusl iriv Jf U. i"
.rilnimr' Zll.an.l. .1 las Aula- | Str,,.!--] /aliL'U Uuuul
Geld mehr ist.' üBrärg. 17SS. Vgl.: ISdilul-di,''' de'
H. au"' derher? Sulger. Nach altem Aberglauben
wird der H. von Hexen gebraut, von welchen etwa
Haare in den Schlössen gefunden werden Aa. Vgl.
Wetter-Hex und Hex (Murer 1565). Lt CPfyfF. 1852,
439 wurde ein Küster gebüsst, weil er zu spät gegen
das Wetter geläutet; ,wenn man nämlich wartet, bis
es gekocht ist, so niuss es auch angerichtet werden.'
Eine Hexe bekannte im J. 1551, ,den hürigen h., so
by Affoltern und Schupfen gefallen, hab sy gmacht
mit einem wachsliechtli in einem häfeli in einem wald
in 's Tüfels namen.' B Taschenb. 1870, 182. Eine
andre schlägt mit einem Stecken in einen Bach, davon
ein Eauch sich erhoben, der sie fast erstickt, und ein
H. gekommen, der das Korn verderbt habe. ebd. In
Gr stellt man sich lt Vonbun vor, dass die Hexen in
Höhlen Gletscher zerhacken und in die Luft streuen.
H. hört auf, wenn man das Tischtuch unter die Dach-
traufe hält B; vgl.: i/V hät-mer en nette H. übertue',
a-tfricht, mir einen argen Zank, Streit verursacht Scu ;
s. auch Wetter. Eim de' H. abetue', mit einem wet-
tern, schelten Z; vgl. Haber. ,Als ein frow im Ober-
land belümdet ist, h. können ze machen, ist dem vogt
befolhen, die sach bas ze erkunnen.' 1489, .\bsch.
.Darfst [du altes Weib] nit vil bochen, hast helfen
mengen h. kochen.' HHechler 1540. , Zauberin: Es
facht mir schon auch an geroten, dass ich kann einen
h. broten und machen einen regen auch.' Holzwart
1571. ,Incidit amori nostro calamitas, es ist ein Un-
glück darein geschlagen, der h. hat darein geschlagen.'
Fris.; Mal. ,Man sagt von bösen weiberen, dass
sy h. sieden und ungwitter machen könnind.' LLav.
1582. Vgl. Hagel-Sieder. ,Um H. abzuwehren, lesen
manche 3 Hagelstein auf, werfen die mit gewissen
Worten in's Feur und vermeinen, teils werde der
H. nachlassen, teils die Hex. so den H. gemacht,
Schmerzen leiden, gleichwie die Hagelstein im Feur
zerschmulzen.' Anhorn 1674. .Hagelwetter gibt es
gern, wann im Maien dicke Nebel sich zeigen und
also erwahret sich das geraeine Sprüctiwort: Maien-
Nebel, Brächet- od. Augsten-Hägel.' JJScheücbz. 1707.
— 2. (bildl.) Schrot. Rehposten L; Uw; Zg. Vgl.:
Der Constabler soll wissen mit .H.. Schrot, Schlag,
Gestrew' umzugehn. Kriegsb. 1644; .Hagelgestrew.'
ebd. — 3. (übertr. von 1) Fluch- und Scheltw. wie
vwdte Naturphänomene: Blits, Sträl, Dunner, Wetter,
auch verst. durch ewig, Erde"-, Himmel-, Hund-, Herr-
gotts-, Sterne'-, Stral-, Dunner-, Welt-, doch nur der
rohen Sprache eigen. Gerügt wird dieser Gebrauch
bes. an Zürchern, vgl. Züri'''-H. Säge'd d' Naehbi^e"
vo'-der [vom Zürichdeutsch]: seigist en FlüechUchratte',
en ebigs G'witter mit H., Blitz und Tunder und gstor-
benem Vech und derige" Gwalte' Z (Schwzd.). .Nein,
beim Hageli, wie sieht die Sense aus!' Stdtz. .Beim
H. ! ' GoTTH. Ja, en H ! ist das möglich '? Z. A, z' H. !
ei der Tausend B; Z. .Beim H. nicht!' UBrägg. 1782.
.Potz H. ! ' ebd. S. noch Hagi (bei Hage') u. Fassi'g
Bd I 1063. — Vor Subst. u. Adj. begriffsverstärkend:
hagelslustig, -dumm, -gschld u. a. ; Hagels-Bueb, -Kerli,
-G'schicht, -Lärme'; vgl. hagelieh; syn. Dunners-,
Wetters-; h.-mässig wie cheibenm., überaus, gar sehr.
Als Füllw. zur verstärkenden Umschreibung der Neg. :
I'j- rerstät Teein H, gar Nichts Z; vgl. voll Bd 1 780.
Aii.-li allg. Scheltw. für Personen, bes. aber von ge-
laluliclien. verwünschten, unverschämten, groben;
doch häufig auch in abgeschwächter, fast kosender
Bed. Ar; B; G; W; Z; Syn. Clwtzer. Du bist en H.
uf em linde Brod: du issist 's hart na [noch] Z. Die
Hagle" [unsere Gegner] sind ei's [einig] Z. .Der
schwarze H. !' [der Pfarrer]. Gottb. Die Chetzers
Hagle! MWald. 1880; Syn. H-s-Chetzer. Als Land-
vogt Landolt seinen Hunden das [obrigkeitliche] Man-
dat vorlas, sagte er : .Nun wisst ihr. ihr Haglen. was
ihr zu tun habt.' (DHess). Se'b Fräuli ist es Hageli,
schlau und resolut Z. Stiefmutter vom Stiefkinde:
.Das Hageli wolle noch nicht sterben.' 1838. Z Eechts-
pflcge. Chumm, du liebs, chll's Hageli [zu einem
Kinde]! GA. !"• ha de' Sack mit denc" vier Süli uf
de BiKii/il ii'iiii: ...iKi'l 'li'ss Hin- o/ipen eso c Hageli
drüs viir. 'iiri: ,: srlnilrvhs I.nrI, hniil s' mcr in Sack
gmacht Tu (Si-lnvzd.). S. iio.-li 11,11/1 III. Auch von
Sachen: alle'- IL, alls H-s = Allerlei, Alles Z. —
4. Geschlechtsn. in Schw. .Cuonr. Hageli.' 1422. U.
In eiuigen Gegenilen ist blosses Hat/el in Bed. 1 wenig
gebräuchlich; dafür iH.-)Ste.i'. Betr. den Aberglauben s.
noch Gr. Myth. 604/5. 1040/1 und CMeyer, Aberglaube,
5. 246 ff.
Gel™-: gem. Sauerdorn, berberis vulg. Ap; Gr;
G oT.. W.. We. Syn. Erbselen. .Die Kinde vom Gelb-
dorn oder Gelbhagel macht eine schöne, hellgelbe
Farbe.' Gr Samml. 1781. Gelhägele's [adj.] Holz Ap.
Hier scheint -Hagel eine Entstellung aus mhd. liagim,
Dornstrauch; vgl. .Hagedorn. Hagebutte", auch Wmhag und
bes. llaijddorn und mhd. hwjelbuach = liagmhusch.
Hüener-: verstärktes Hagel 3 Z. Ir H.-Hagele !
wa- händ-er aw'' g'macht? Das ist en Tusigshagels-
g'stank. Baüerngespr. — Eig. wohl der Habicht, der unter
den Hühnern Schaden anrichtet, wie der Hagel auf dem Feld.
Goldschmil-: Sumpfdotterblume, caltha pal. Ar.
In Schmil scheint St-hmirw (Sctimi'r) zu stocken; die
PflanKO heisst auch Schmirbek, Schmalz-, Anken-, Gold-Bluem.
Zu Mngd vgl. Gcf-Bagel.
Stein-: Hagelwetter (mit flh(/rfs«cmm). .Geschach
ouch das. das' dehein st. old ander missewächste käme.'
1328. UwE. (Gfd).
Züri'^''-(pieter-): Übername der Zürcher Bs;
GSa.; Zg. S. Hagel 3 und vgl. Zürv''-Hegel.
hageli'^'': begriffsverstärkend vor Adjj. gesetzt:
h. gross, tür, g'spässig, schön ScnSt.; Z. In ZBenk.
auch allein: hagili''', sehr. Syn. hagehiK'is.iii/. - 11. ist
milder als Hagch-.
Hag, heg, big, liog, hug
1078
hagle": 1. hageln. Me'g'seht's lieber, wenn 's
z' Nacht haglet als de' Tag ZS. Wenn 's Chatze"
(Chrotte' OrPi'.) hagleti, auch wenn es noch so scheuss-
liclies Unwetter wäre; übh. trotz aller Hindernisse
1!; Z; vgl. regnen. ,Es versündigen sich Diejenigen,
welche, wann es hagelt, einen Brotschüssel nehmen,
denselbigen zum Haus hinaus tragen und under den
Hagel legen, under der Meinung, wie der H. auf den
Br. fallt, also werde er auch die Hex tretfen, die den-
selbigen geraachet habe.' Anhorn 1674. -- 2. uneig.,
dicht fallen ; vgl. ,hageldicht'. Uf d' Allmend itse sind
d' Lüi mit-eni g'laufe wi g'haglet L (Schwzd.). ,üft
gab es Schläge, dass es nur so Streiche hagelte.' Sch
Pilger. — 3. fluchen (indem man sich des Wortes
Hagel bedient). Er häd 'tunderet und g'haglet Z;
vgl. wetteren. Über Einen ine" h., über Einen los-
fahren mit Schimpfen und Schelten Gl; hier viell.
auch bildl. Anwendung von 1. — 4. (bes. mit umme"-)
wild herumfahren, poltern Ap; Sch; Th; Z (pöbelhaft).
Auch: dervo'-h., davon rennen; abe-h., herunterfallen
(roh). Syn. (ummenj-cheiben, -stralen, -tunderen. —
Bed. 4 von Hagel 3, nicht von 1 ; ebenso 3.
er-: durchprügeln Z. — Wie er-cheihm, -strähn u. ä.
von den betr. Flucli- oder Sehimpfwörtera.
ver-: 1. durch Hagel verwüsten Ap; Z. Verhaglet:
vom Wetter (Alter) mitgenommen, entstellt. ,So ein
alt verhagelt Wittfraueli.' Gotth. — 2. verhaglet (im
G'sicht), blatternarbig Bs. — - 3. verderben, zerstören
Ap; Z.
Bed. 3 kaum bildl. Anwendung von 1, sondern, wie die
Synn. ver-cheiben, -ckcizerm, -gtialen, -t'üßeii zeigen, gebildet
wie das vorhergehende W.
be-, nur im Ptc. hehaglet: überschüttet, betroffen,
behaftet (von übler Nachrede, sittlichem Makel, Vor-
wurf). Vad. ,ALs sy [die Bischöfe] domalen noch gelert
leut und mit zeitlichen anfechtungen und ratschlegen
gar wenig b. warend. Befragen, ob iemand verdächt-
lich wandlote und mit lästern b. oder beschruwen
wcre. Einen [Priester], der frombs und unbehaglets
namens wäre.' — Vgl. mhd. ,iinde wart üf in gehagelt mit,
schimpflichem spotte.' S. noch xm-be-haylich.
Hagler: Hagel-, Unglückmacher. ,Also zergieng
diess Wetter [der drohende Überfall durch Söldner]
ohn hagel, wann auch der mehr teil hagler warent
mit arbeitseligem hagel des serbens und der blattren
tödlich geschlagen.' Ansh.
Haglere" f.: eig. Ort, wo gerne Hagel sich bildet
und sammelt; z.B. GEschenb.; Name eines Berges
zw. B u. Uw, angeblich so benannt, weil an seinem
Kamme sich gerne die Gewitterwolken sammeln, um
sich über die Gegend zu entladen.
Eine der für Flurn. häufigen Bildungen; vgl. Uahercn.
Was den Stamm betrifft, so ist die Frage, ob das W. nicht
tw. durch Umbildung aus ' Haijneren (von Hagen, Dornbusch,
Gehäge) entstanden sei mit Übergang von n in l wie in Dmhi-
leren, Borjleren, Ehleten, Aglen u. a. Sicher ist dies für
SchwTugg., wo c. 1480 die Form mit n und mit l für das
selbe Grundstück vorkommt.
Haglete" f.: durch einander Geworfenes (gleich-
sam Gehageltes) und Verdorbenes, Wust; auch das
schnelle -auseinanderlaufen einer Volksmenge At; vgl.
haglen 4.
Häge" Aa tw.; Sch; Th; ZDättl., Sth. (PI. Häge'),
Hägi GO.; S; Z, Hägil A Am.; Ap (auch He'gi. Tobl.);
GF., Stdt, T.; ScuHerbl.; mTn — m.: Zuchtstier;
Synn. s. bei Farr Bd 1 903; Mttchel; vgl. Ochs; Hagen-
schwänz. Schnute" wie-n-e böse Häge. Ap Kai. 1888;
vg\. Raben-Stier. Bim Hagi! euphem. st. bim Hagel!
Aa; S; ZS. Do chunnd bim H. de"" Holzweibel und
jagt nii''' ab der Tanne" abe AaZciu. Das ist en
Flupchi, 's Wirts Chnecht; wo-n-er de* Muchel hat
reelle' tränke', hät-er-em g'seit: Du alte Hagi! Stütz.
,Ein keller soll han uf dem kelnhof ein h. zue den
küegen und ein eher zue den schwynen.' 1449, Aa
Klingonb. Offn. ,Das [Elephanten-] männlin hocket uf
als ein anderer stier, h. oder pferd.' Tierb. 15(i3. ,So
es [das Eind] erst geboren, nemmt man sy kelber, so
sy bald järig, werdend sy zeitküe, junge stier oder h.
genennt.' ebd. ,Will 30 Kronen gern dran wagen,
dass wir abkommen diser H. [der Söhne eines ver-
hassten Feindes].' Mtricäüs 1630. ,Der Farr, Stier,
Boll, Hage, Mummel, taurus admissarius.' Eed. 166'2.
Mhd. hagen m. ; vgl. auch hegi (-druoa, Hodeh ,Hageastal',
(.dannethin an den H.' 1469, Offn. ZAad.) als Flurn. Auf
die wahrsch. Etymologie unseres W. (der .Stecher, Stösser',
sive cornu sive pene) könnten die Anm. zu Htyel, hegten und
liegenen führen.
Bummi-Hagi: Zuchtochs. Arch. Vet. — Bummi
ist mehrdeutig; grosse Kugel (HodeV), auch Kuhname.
Brach-: Zuchtstier, der mit dem übrigen Vieh
auf Brachäckern [der Brachzeig] weidet. ,Der Ka-
puziner ist versehen mit Kraut und Lot [euphem. st.
Zeichen der Mannbarkeit] wie ein Wucherstier, Brach-
hagi und Weidmunni', sagte ein ev. Appenzeller. 1651,
SCUIMPPR.
Hager m.: geringe, ältere Kuh, dgl. die ärmeren
Leute im Fürstent. Lichtenstein während der Zeit,
da das übrige Vieh auf den Alpen weilt, zur spär-
lichen Deckung ihres Milchbedarfcs um unbedeutenden
Lohn zu mieten pflegen. Der unbemittelte Metzger
vermag mit Not en alte" Überrhyner H., en alte' Hägg,
wo 30 Mol g'chalberet hat, zu kaufen. Albrecht (GO.).
Viell. daher benannt, dass man dieses "Vieh sein Futter
an den Hecken (Hägen) suclien lässt.
Hägcr s. Hag-Her. Hagermönli s. Agermönli
Bd I 127. Hagle" s. Aglen Bd 1 1'27.
un-be -haglich : = »m&e/(((///r/. ..1iii.'\'ui wnif. Tihlol,
unsträflich, makellos. ,Es uin'i:<< rin lii~.ii,it n. >yn.
nit eigenköpfig, nit zornwüeÜL;. iiit »Milurrlii. nit
schlegig, sonder ein guoten mann.' Zwincli. , Auf dass
er euch darstallte heilig und unsträflich, und u. vor
jmselbs.' 1531, Col.; Tit.; dafür 1667: .untadenlich.'
,Über die bede ist hoch zu schetzen ein unvermässgets
u-s weib.' 1531, Sir. ,Dann der u. mann, der streit
eilends für sy.' 1531, Weish.; = , unsträflich.' 1067.
,Hebr. am 8., da Paulus redt: so das erst gsatz u.
[ä(i£HTCxos] oder vollkommen g'wesen war.' Vad. —
Unbehaglichi f.: Unsträflichkeit. , Samuel zeigt sein
unbehagliche und Unschuld vor allem volk.' 1531,I.Sam.
hagü'te": Getöse, Lärm machen, meistens von
heftigen Windstössen (unpers.) BO.; schimpfen und
fluchen Aa. Das het g'hagutct, g'lachii, ii'/lKcrhl itiid
g'chlagt und witersch zogen isch dif <iini:i -Imiil liii.
(Schwzd.). Im Tanzsäl het es recht <fli:iiiiitil. i'bil.
Viell. von einem aus dem frz. Patois-Woit ngut (nh/..
aigu, lat. acutus] zu erschliessondeu Vb. aguter mit vorge-
schlagenem h wie Harein aus arena. Doch vgl. auch die
Synn. mguli-n, iMIni,
1079
Hag. lieg, liig, hog, hug
hagele» Sch; Z = (U/elen Bd I 129; Syn. cM feien.
Hägeler: Zänker Z.
Der Flarn. im Uägder ZTrntt. mag wie Hägeli-Riet ZBül.
hielier gehören. S. noch Bägling und (zagi-)hät/i, sowie die
Anm. zu Hegel, hegkn und hegenen, und Tgl. h&ggden und
Geisse°-Hägeli: Buschwindröschen, anem. nein.
GT. Syn. Geiss-Maien, -Glöggli; vgl. auch Geiss-
Gaglen Sp. 139.
A'gl. Goldschmil-Hagel; doch darf nicht verschwiegen wer-
den, dass für die selbe Gegend von anderer Seite Geisaen-
Nägeli bezeugt ist.
hagere", hegere': klettern, mühsam steigen BBe.
Zu Hag, Zaun, wie das Sjn. stegeren zu Steg od. Stigele,
also eig. über Zäune steigen'? Vgl. auch hageren.
Hägi I s. Hagen.
Hägi n = Egi Bd I 143. I" der H. sl' ; Einen
i' d' H. ne" Schw; Uw; Zg.
Vgl. hägelen aus ägelen, Hagleii aus Agleti, aber von Seite
der Bed. auch entsprechende RAA. unter Hag 1 ; vgl. Hegi.
Hägi III m.: = Hagel 3 in mehr kosend. S. ZStall.
hägi hegi hegi! F (P. SFurrer), zägi hägi! Bü.,
Schw.; F: mit Ausstreckung des Ohr- und des Zeige-
fingers begleiteter Ausruf des Hohnes, Trotzes, der
Herausforderung. Z. h. wo du das chönnist ! BHk.
Der Schuelmeister hat de" Chin^e' d's Tubacke' ver-
böte', aber Die neble» z. h. BSchw. Hen Andre' z'
Z.-H, zu Leide BR.; F. Ei"m Z.-H. mache" BE.
Wenn-d' Das z'wegen bringst, su cha"st Allen, wa in
dl"m Altersin, Z.-H. machen. Eim (ds) Z.H. ge'"" B.
Si hi-mer [haben mir] Z.-H. g'ge", Das gangi mi'''
Nüt a\ Syn. Figge II (Bd I 715). ,Zeig mir uss
der gschrift, dass sy [die Pfaffen] die kilch sygind —
zägi hägi!' Gtrenr. 1523.
Zägi mag Einen bed., der zagt, einen Feigling (vgl. u. sag):
die reimenden Worte mögen urspr. eine Herausforderung zum
Zweikampf sein; vgl.: ,Wann der, so ussher g'laden würt,
kummt und syn [des Herausfordernden] zag nit syn will iird
syn[en] Widersacher houwt.' 1566, Zg. Zur Erklärung von
Hägi legt sich Hägi I, der (zum Kampfe gereizte) Stier,
nahe; vgl. den Kuf: Giri, Giri, Geissbock! mit welchem Zie-
gen, aber auch Knaben, herausgefordert werden. Die be-
gleitende Geberde würde die Hörner andeuten; vgl. Gäbeli
Sp. 58. Dieser Deutung steht aber im Wege, dass die ge-
nannte Bezeichnung des Zuchtstieres gerade den westlichen
MAA. fehlt. Aber Hägi lässt sich auch als ein erst für
diese Formel geschaffenes Syn. zu Zägi auffassen, wie in
ähnlichen Formeln je das zweite W. zum ersten und umgek.;
vgl. Müller, Meier, Hoggeeleler ! Lappi, Ckappi, Säudrätl Hägi
wäre dann der, welcher hinter dem sein Haus schützenden
Hag bleibt, sich nicht hervorwagt; denn in alter Zeit pflegten
die Herausforderungen an dieser Stelle zu geschehen; man
vgl. einige RAA. und Belege unter Mag. Es könnte Abi.
von Hag unmittelbar (vgl. Jivsi) oder vermittelst des Vb.
hagen in intr. S. angenommen werden; vgl. hüaen, hofen.
Diesen Erklärungsversuchen gegenüber darf die Berührung,
welche mit Egi, bzw. Hegi (Bd I 14.3) stattfindet, nicht ver-
schwiegen werden; die Form Züj/i könnte aus dem adv. Aus-
druck z Egi entsprungen sein ; immerhin spricht der Unter-
schied der A'oc. für Trennung.
Tann-Hägler m.: Sektierer, der keinen öffent-
lichen Gottesdienst besucht ApA.
Etwa Leute, welche, wie früher die Wiedertäufer und
andere Sekten, ihre Versammlungen in Busch und Wald (im
Tannhag) abhalten niusstenV Die daneben in ApK. vorkom-
mende Form Tannhärdler veranlasst T. zu der Vermutung,
es möchten eig. im engern S. ,Anhänger des fanatischen
Perückenmachers Job. Tennhard' sein.
Hägli''g m.: kleiner, höchstens 6—7" langer Fisch,
salmo albula; nach Siebold der halbwüchsige core-
gonus Wartmanni AxHallw. ; ZSee. Syn. Brienzling,
Nachtfisch Bd I 1101. Im ZSee scheint nunmehr die
Species ausgestorben, mit ihr auch der Name. ,A1-
bulam minimam piscem voco quem nostri Hagele Tel
Hägling, quasi haleculam appellant, Frib. Helv. ut
audio Pfarren, Lucerns Nachtfisch.' CGessn. 1558.
, Albula minima, ein hagele, hägling.' Fischb. 1563.
,Hägling, tnilling, leucisci lacustres niinimi. Sind
kleine, wysse brätfischle.' Mal. .Warm suppen, fisch,
häglin, wenn man 's haben kann, nebend andern bei-
traktamenten.' ZWthur Stadtb. ,Halecula, das ist
Hägling, Hagele.' Cvs. 1661. ,Der Hägling, Baien.'
Red. 1662. , Albula parva lacus Hallwillani, quam
vulgo Hallweiler Hegling appellant.' JJWagn. 1680.
.Der Hägling hat under allen Fischen [des ZSees] die
erste Stell. Sie werden in der Nacht, wann kein
Mondschein ist, in grosser Menge mit einem grossen
Zuggarn gefangen. Auch kommen ihnen die Surseer-
und Hallweiler Ballen an Güte nicht zu.' E Escher
1692. S. noch unter Garner Sp. 426 und Hegenen.
Die Herbeiziehung von lat. (h)alecula ist etym. Spielerei.
Vielleicht ist unser Fisch, an welchem auffällig ist, dass er
sich immer in der Tiefe verborgen hält und sich nur in den
finstersten Nächten hervorwagt, als der hinter dem ,Hag'
haltende benannt; vgl. die Anm. zu zägi hägi. Ethische Be-
zeichnungen der Tiere sind nicht unerhört. Von den beiden
Formen mag Hägeli die ältere sein, wie in analogen Beispielen
die Nebf. auf 4ing sich erst aus der Dim.-F. entwickelt, bzw.
sich daneben mit Leichtigkeit eingestellt hat; vgl. Hüeherli'g,
Sehliitterli'g, älter Schlötterli u. a. Zum Dim. passt die Klein-
heit des Fisches.
Hang in dem Schlittenrufe ans Hau;/! aus dem
Weg! Bs. Syn. ala hatq); vgl. alle Bd I 171.
Viell. für au« Aug, wo dann der Diphth. in der Präp.
durch Einführung des Rufes aus Deutschland oder wie in
andern emphatisch gebrauchten WW. der Bs MA. durch das
Streben nach grösserer Tonfülle sich erklären Hesse ; so auch
das vorgesetzte h.
He'gel m. : 1. (grobes) Klapp-, Taschenmesser Z,
in den übrigen Kantonen in geringschätzigem S., bes.
ein grobes, schlechtes, wie die Bauern es haben; auch
ein solches (mit hölzernem, walzenförmigem Griff,
ohne Feder) der Knaben. Vgl. Godel i; Kegel-Messer
und die folg. Compp. De' H. isch 'nes eifachs, simpels,
chli's Messerli mit-eme" dräite", a"g' färbte", holzige»
Hefti, mit-eme' Pßfli vornen und nebe* zueche" 'nes
Bingli zum A'binde', das erste Messerli, wo -nie de»
Buebe", ivenn si aföh" Hösli träge", zum Present git.
HoFST. Du Witt de' halb Batze" [den Kaufpreis des
Taschenmessers] tmd 's Hegeli Aa (sprichw.). Wie e
H. zemme" legge", in die Kniee sinken GRPr. Spitz
und H., was sticht und was schneidet L (Incichen).
In Gr sind die welschen H. [die aus Italien kommen]
gesucht, in GSa. kennt man Schwaben-H, welche ihrer-
seits aus Schwaben auf die ostschwz. Märkte kommen.
,Ein Federmesser wie ein Hegeli zusammengelegt, von
Schiltkrott.' 1712, Z (Brief). Verächtlich und im
Humor wird dann auch sonst jedes grobe, schlechte
Messer ein H. genannt; der Soldat benennt ironisch
seinen Säbel (vgl. Käsmesser), der Mäder seine Sense
so. Bildl.: ,I)en H. einem boren („injuriam inferre
Hag, lieg, liig, hog, hug
alicui Th"), naso adunco suspendere alqm, medium
digitum ostendere, verlachen.' Hospin. 1683; Denzl.
1710. — 2. „Grobian", Bauernlümmel, Syn. Büre'-
Hegel; Händelstifter Z; Syn. Gertel 2. En böse'- H.,
ein böser Knabe GW. Kerl überh. : en alte", trüe',
hrare'' H. Schw; ausgelassen lustiges Weib LG.;
Sprww. 1869. — 3. Zuchtstier ZElgg; Syn. Hageyi.
— 4. (scherzh.) penis (erectus) Z; Syn. Näpper; Spüz;
Degen. — 5. euphem. für Hagel als gelinder Schwur.
„Eh z' E.! BO." Potz H.! Ap; B; Z. War o [auch]
Hegels, das wäre fatal GTa.; en H-s Kerli, ein Teufels-
kerl, durchtriebener Bursche GRChur, L. — 6. wer
sich komisch benimmt; Hanswurst, Fastnachtsnarr
AaB., f., Z. (Bäbe"-JH., eine grotesk gekleidete Fast-
nachtsmaske in AAKlingn., Z., welche eine derbe Vieh-
peitsche führt und von der Schuljugend mit faulen
Eüben beworfen wird; s. HHerzog 1884, S. 216 und
Kochh, 1853 II, 13; vgl. auch: Hübsch-Gäuggel. Ne
H. [Narr] ist d' Zensur! Minnich 1836. — 7. Familien-
zuname Aa. Auch Ortsn. L. Von einem frühern Fuss-
weg von Guggisberg nach Ryifenmatt, gen. Hegel, die
RA. Öi)pis über ''e H. ab mache", ein Geschäft, eine
Arbeit schnell, flüchtig abtun BG.
Zu 1. Die bildl. RA. beruht viell. (je nach der syntakt.
Ausdeutung des lat. .medium'), entsprechend dem it/arßca,
auf der Vergleichnng des bei dieser Spottgeberde sich zw.
den Mittelfingern gleichsam durchbohrenden Daumens mit der
Klinge des Klappmessers: oder der vorgestreckte Mittelfinger
bezieht sich auf Bed. 4. Zu Bed. 2 vgl. /7<-jrf und .Besen'
(in der Studentenspr.), sowie die biidl. Anwendungen von
Gertel, Kelle, Löffel, Vorf-Näpper u. ä. — Bed. 6 berührt
sich z. T. mit 2 und könnte daraus abgeleitet werden, zumal
die betr. Figuren urspr. Banernbursche der umliegenden
Dörfer sein konnten, welche zur Fastnacht in die benachbarten
Städtchen kamen. Merkwürdig ist, dass auch im alten Nürn-
berg die Vortänzer bei Hochzeiten Heijcl und Ileyelein hiessen ;
vgl. hierüber Schm.-Fr. I 1069. — Bed. 3 erinnert an Heiji,
Ap Nebf. von Hagi, und wird gestützt durch das syn. schwäb.
J/cujel, ist also vielleicht aus obigem Zshang abzulösen. —
Zu 7 vgl. den würtembergischen Gcschlechtsn. .Hegel' und
die ahd. Personenn. Jfagilo und Hegilo. — Was nun das W.
in seiner Grundbed. betrifft, so ist vor Allem hervorzuheben,
d.ass CS in Bed. 1 nur schweizerisch, aber auch gauz schwei-
zerisch ist. ohne Ausschluss einer einzigen Gegend. Be-
fremden muss. dass es in den a. Quellen so wenig belegt ist
(doch vgl. Degen-Heyel). Es haftet an dem W., wenigstens
jetzt, etwas Geringschätziges, und seine Grundbed. scheint
uns die von Bauernmesser gewesen zu sein und zwar das
primitive Messer, wie es der Bauer zu täglichem Gebrauche
in Feld und Flur, sei es im Gürtel (vgl. hiezu Bi-Meseer,
sowie die alten Abbildungen von Bauern) oder als Klapp-
messer (ohne Feder) in der Tasche trug und z. T. jetzt noch
trägt. Mit dem Fortschreiten der Kultur aber wurde das
Instrument, im Wesentlichen immer die alte Form, nur in
verkleinertem Massstabe, beibehaltend, auf die Kinderwelt
zurückgedrängt, während die feiner und kunstvoller ge-
arbeiteten Taschenmesser zuerst in den Städten, nach und
nach auch auf dem Lande, sich verbreiteten: doch blieb auch
der modernen Form der alte bäurische Name. Wenn es dem
Bauern jet^t noch unerlässlich ist. stets ein Messer bei sich
zu tragen, so noch viel mehr früher zur Zeit der alten Weid-
und Dreifelderwirtschaft, wo das Erstellen und bes. das
Flicken der Zäune, das Harjeji, eine solche Rolle spielte, wie
man es sich jetzt nur schwer vorstellen kann. Das Messer
zum Hagen aber war der Hegel, wie das Instrument zum
Sihlagen der Schlegel; vgl. noch Gerlel und Hmj-Meawr, Hng-
und Stüden-Üegeii, sowie die Artikel Hag und hagcii. Doch
könnt« Hegel (wie Hag selber) zu einer Wz. hag = stechen,
unmittelbar gehören. Nach der Anni. zum Vb. heglen wäre
endlich mich Abi. von der Wz. ag-, eg- (vgl. lat. nciV«, Schneide),
stechen, mit vorgeschlagenem h denkbar: vgl. Hughn aus
Aglen; auf die Bed. stechen würde auch das syn. Knlten-
Steeher hinweisen, wie lat. Stimulus aus stigmulus.
Galle"-: Einer, dem die Galle bald überläuft,
zornmütiger Mensch Gl. — Hägge"-: grosses Klapp-
messer des Bauern mit hakenförmiger Klinge Scnw; Z.
.Italien ist ein grosses Volch, sein H. ist ein Dolch.'
ScHw Fasnacht 1863. — Chrotte"-: schlechtes Ta-
schenmesser G; Z; Syn. Chrotten- Stecher, -Töder. —
Welschländer-: Messer mit massiver Klinge und
einfachem Holzheft ohne Feder GRPr.; s. noch unter
Hegel 1.
Lire"-: Knabentaschenmesser mit hölzernem, ge-
drechseltem Hefte GA. — Liren, drehen.
Laster-. ,Da bald ein jeder Baur den L. wetzt
und lieber Letzter ist zu letzen [den letzten Schlag
führt], als geletzt.' CMev. 1657. - Wahrsch. ist Läsier-
zu lesen.
Bure"-: 1. rohes Bauernsackmesser Z. — 2. (bild-
lich) „Grobian" Ap. Vgl. Hegel 1 u. 2. ~ Räbe"-
s. Hegel 6.
Rolle"-: = ijrm-lf. ZO. — RulU' bezieht sich auf
das walzenförmige Heft mit gedrechselten Wülsten, welche
mit Hollen, Kugeln, verglichen werden.
Degen-: nur noch als Zuname erhalten. .Schuster
N. N.. der D. genannt.' 1774. Schw.
T). scheint ein volkstümlicher Name für Bi-Messer, das
im Gürtel neben dem Schwert oder Degen getragene dolch-
artige Messer, zu sein. Namen von Geräten werden vielfach
als Zu- und Übernamen verwendet, vgl. z. B. die Gcschlechtsn.
Ol-Hafen, Zuhn- f,.„-lh,.t, /(,„Ä-i/oni [Gerät znm Wursten],
Kessel-Ring, B'l ' ' ' /:■ in, Jiuck-Stuel, Kien-Ast [d.i.
Kien-Fackel I, A // m./. u.v.a. Dafür, dass ilej/e«
schon im XV. •■\ii i/mi .1 ili^fes) Schwert bedeutete, vgl.
Kriiz- u. Sclmiz,r-Ihg,n. Vgl. auch noch bei Stockar 1520/29:
.Etlich hattend klyn schwyzerdegelin au. die sy zuemicchen.'
Trolli- Obw. Trülli- UwE. : = iw-ew-lT. - Von
trollen, trüllen, drehen.
Züri"''-: 1. ein Klappmesser, wie sie bes. in Z
beliebt waren und sind. Settige Messerli mnnt-me-
ganz allgimein bi üs Zürihegel, vermuetlig, will die
erste" vo* Züri cho" sl". JHofst. 1865. 1, 51. — 2. Übern,
der Zürcher mit dem Nebenbegr. des Derben, Groben
B; Gl; S.
Bed. 2 daher, weil die Zürcher das W. Hegel mit sammt
der Sache bes. gern brauchen; so nach ausserzürcherischcn
Angaben; vgl. auch das syn. Züri''''bictcr-Hagel.
hegle": 1. mit schlechtem Messer mühsam schnei-
den, abschneiden. z.B. Brot, Käse B; übw; W; mit
dem Taschenmesser schnitzeln Ndw; Syn. schnellen.
— 2. stechen, von Bienen. Wespen AASt. ; Syn. hecken;
kratzen, von Katzen ZLunn. — 3. bildl.: jucken, ge-
lüsten B; S. Wie das d'r Manz g'heglet het für mit-
z'mache"! Er het fasch gar nit chönne" widerstö".
HoFST. Zu schaffen machen, innerlich plagen, ärgern,
beunruhigen Aa; B; Th; Z. Syn. iglen, trüllen, z' Weg
ne: Es heglet-mi"', es kämpft in mir. ob ich soll oder
nicht B. Es hät-mi"' de" ganz Tag g'heglet [geärgert] .
dass i'* z' spät chö' bi" B; Z. De"- Brief häd-mi"'
g'heglet, es kostete mich Mühe, diesen Brief zu schrei-
ben Z. ,Das heglet mich, hoc fodicat pectus meum.'
Denzl. 1716. — 4. Jmdn foppen Aa oF., mit hämischen
Worten necken ZO.; zanken. Si heglid mit-enandcre",
beschimpfen sich gegenseitig üwE.; vgl. üs-heglen.
Das in 4 Zsgefasste würde viell. besser aus einander
gehalten; die Bed. .foppen' ergibt sich wie die von ,stii-hcln'
Ha<j, heg. hig, hog, hu,o
1084
leicht aus 2; doch ist auch dir. Abi. von .Hegel' denkbar
(den H. hören). Der beschimpfende Streit dagegen ist Tiell.
unter dem Bilde eines Messerstreites gedacht; vgl. lat. di-
i/ladiari, streiten, auch mit Worten, sowie die Synn. (h)liyelen,
fücken, kä/elen, kerhlen. — 2 u. 3 scheinen an die vorliegende
Sippe bloss angelehnt zu sein; vgl. egien (s. ■un-iyUn Bd I 151)
und hegnen (zu ahd. hegina, Angel). Im erstem Falle wäre h
vorgetreten wie in Hueb III, Hägill, ahd. Hagano, Personenn.,
im Wechsel mit Agano. Im 2. Falle vgl. zu dem häufigen
Übergang von n zu l die Anm. zu Haghren.
ab-, a%er-hegle°: abschneiden B; GRPr. —
ü f- : Einen aufreizen, aufstiften Obw. Syn. üf-stiflen,
-weiblen. — umme»-: 1. Jemanden mit Stichelreden
quälen Obw. — 2. umhertreiben. De' hat 's umme-
g'heglet [das Schicksal hat ihn recht herumgeschlagen].
bis er zu Öppis cho" ist ZO. Auch überh. i. S. v.
heglen 3. — a°-: anreizen Obw. — er-: hart mit-
nehmen Aa; B; L. Die Piirgaz häd-mi''' recht erheglet.
— ÜS-: 1. ausspotten, necken, höhnen AaoF.; L. —
2. ausschimpfen UwE.; ,hart anfahren, schelten." —
3. „schwer ankommen."
hege", nur in der KA. : mit enandere' h. und lege',
gemeinsam haushalten, Freud und Leid brüderlich
teilen UwE.
Dem Reime zu lieb aus heben in der syn. RA. lii:bni und
legen unter haben, doch wohl mit Anlehnung an hd. hegen;
sonst s. noch hagen.
■ He'gene" f.: eine Vorrichtung zum Fischen, be-
stehend in einer am untern Ende mit Bleiklötzchen
beschwerten Schnur mit 10 — 15 angehängten, in Zwi-
schenräumen daran befestigten, wie Äste am Baum
abstehenden leeren Angeln, welche in die Tiefe ge-
lassen und auf und niedergezogen wird Zg; Z; oder
in einer an einem Haspel sich abrollenden Angel-
.schnur, an welcher ein kleiner Fisch dem Kahne nach-
gezogen wird L; Syn. Sehleipfen. , Weder mit Garnen,
Netzen, Heginen noch anderm Gezeug Aschen.' Z Ges.
1757; ähnlich 1856. — hegenc°: mit einer der oben
beschriebenen Vorrichtungen fischen, „mit der Angel
fischen Z". ,Doch darf das Hegenen und Fischen mit
Staubbären geschehen.' Z Ges. 1854. ,Das häginen zu
den andern fischen soll wie bisher gebraucht werden.'
1537, ScHwE. Klosterarch. .Die Zuger-Rötelein wer-
den allein mit dem Angel von Hand ohne Fischruten
(so man diser Enden Hegenen heisst) an Regenwürmen
gefangen.' JLCys. 1661. , Ein jeder Häglingfischer soll
sein Häglinggarn nach keinen Fischen als dem Häg-
ling allein zu ziehen sich erkühnen; auch kein He-
gener nach dem Hägling hegenen, bevor man das
Häglinggarn zu gebrauchen erlaubt hat.' Z Fischer-
ordn. 1710/57. ,Den Hegenern. erlauben wir das He-
genen zum Blauling und Hägling auf Zusehen.' ebd.
1710. — vor-: vor einem gesetzten Fischergarn und
zum Schaden desselben hegenen. ,Es soll auch kein
Häginer keinem Garn vorhäginen.' 1537, SchwE. Klo-
sterarch. ,Es soll kein Hegener, er hegene wann oder
wornach er wolle, einem Garn vorhegenen.' Z Fischer-
ordn. 1710/1809. — Hegener, „Hegner" ra.: „Angel-
fischer Z"; Einer, der mit der Hegenen fischt; s. auch
unter Garner Sp. 426. ,Es soll kein hegemner [so,
nicht ,Hegenower', wie Lauff., Beitr. II 130 angibt]
kein geschirr mit fischen ze verkouffen zwischen dien
bänken ufdenherd [Boden] nidersetzen, wan [sondern]
sy sullent ussert dem weg ir fisch verkouffen, durch
dass erber Kit iren wandel dester bäss gehalten niugend.'
1359, Z Batserk. .Ein Hegener zahlt für das Hegenen
jährlich 16 ß.' Z Fischerordn. 1710.
Ahd. hegina, ealamns, hamus. Da.s mit dem Subst. gleich-
lautende Vb. verhält sich wie tribenen (ebf. Fischereiansdruck)
zu dem gleichlautenden Subst. — Der Geschlechtsn. ,Hegner'
SchwMa. (gespr. -■*-); ZWthur (alt .Heginer'), an beiden
Orten schon M. XV., , Häginer.' 1480/1600, Z, könnte eben
so wohl von dem Ortsn. Hegt hergeleitet werden.
hegerisch, Steigerungsadv.: sehr, überaus GRHe.,
Pr.; z.B. h. guet; vgl. hegert.
hegerli'''', Adv. : laut, hellauf z.B. jauclizen, lachen
üwE.
Hegermänge: Fluch wort Aa.
Entstellt aus Hccherment, Haekermcnt, dies aus Sakerment.
Wegen der Endung vgl. noch Pocker-, Sakermänge.
hege(r)t(s): Herrgott(s), meist zur Verstärkung
dienend GO., Eh. Potz, heim hegert! }& gt^iss\ Bist
en hegerte [rechter] JVniT. En hegerte Ling [ein be-
sonderes Geschick] dezue ha". IIegert(s) schön, guet.
Er hät-mi''' hegets erschreggt. — Über die Verkürzung
aus Herrgott s. dieses W. Sp. 521.
Hegete» s. Kern-Gert Sp. 441.
Hegi I, in Th (It W.) Hägi — f.: Gehäge,
Einzäunung, umzäunter Ort. Noch als Orts- und
Flurn. BHerz.; LSurs.; ThE.; Z oWthur (schon 1225:
,Wetzelo de hegi'). D' Hegi AiEnd. und (mit Ge-
schlechtswechsel): ,auf dem obern und untern Hegi'
BSi.; im H. ZUrd. ; im Gisi-H. ZSchönenb. Als erster
T. von Comp, in: H.-Matten LW.; H.-Mos ZWäd.;
H.-Bach ZHirsl. ,So hat das gottshaus fryet in seinen
muren und beschlüssen allen und ieden sünderen, das'
sy dören 101 jor zu uns fluchen und bei uns wonen in
den muren und heginen.' 1479, AAWett. Klosterarch.
.Ein Vierling [Acker] in einer Hägi und gehet die
Efad darumb.' 1053, ebd. Vgl. noch Hag 1 Ende.
Mhd. Iteije, ahd. hegi f.. Einhegung. Zu der Bildung vgl.
Jegi von .jagen'. Eine unumgelautete Form zeigt sich viell.
in den Flurnn. ,auf Hagi' ZSth., im Hagi L, Hagi-Mad und
H.-Bodmen B, welche aber mit mehr Wahrscheinlichkeit zu
Hagi = Hagen gezogen werden, während in den Ortsnn.
Hagnau und Hegnau der Gen. eines ahd. Maunsnamens liegt
(Hago, Uegu), wie in Hügisau ZF. der Z Geschlechtsn. H&gi
(vgl. Eglimu), im Voc. verschieden von Hi'gi, ebenfalls Z
Geschlechtsn.
I°- f.: Einhegnng B; S. Syn. tn-Fang (Bd I 855),
-Schlag. ,Der grosse Hof, alles in einer Einhäge, Matt-
land, Ackerland, Waldung und Weidgang.' Gotth.
,üas Gut über 100 Jucharten gross, doch nicht ganz
in einer Einhäge.' ebd. ,10 Jucharten in einer Ein-
hägi.' S 1807. ,Anderthalbe Jucharten Matten, ist
Alles in einer Inhegin.' 1653, AAWett. Klosterarch.
,In den Einhägen und Baum-Gärten, in und bei den
Dörferen, mag man Bäum wohl etwas näher als 1*2'
an Zaun setzen.' B Strassenregl. 1744. Einhegi, Name
eines Weilers AATalh. Vgl. In-hagen.
Hegi''g f.: Hegung, Zäunung, Einfriedigung, Be-
zirk. ,So weit die hegig und bschluss des Gottshuses,
hat ein Abt über alles zu richten und zu strafen.'
1479, AAWett. Klosterarch.
Hegi II s. Hagen.
(un-) he'gliscL: gewaltig. En unheglesche'' Lebtig
[Lärm] GuBr. Meist aber als Steigerungsadv. = he-
gerisch GrL., Pr., Z. B. h. guet. — Wohl zu Hegel, heglen,
oder mildernde Umd. für (nn-)heHineh.
Hag, lieg, hig, liog, hug
Hegnau: das Z Schiida. Der Neckname der Heg-
nauer ist Guggu! weil sie einst den Kuckuck durch
Kiiihegung des Baumes, auf dem er sass, fangen woll-
ton. Heuwetter uf H. zue! rief der Hegnauer Bauer,
der in die Stadt gegangen war, um gutes Wetter zum
Heuen in der Apotheke zu kaufen. Der Apotheker
hatte ihm nämlich eine Bremse in eine Schachtel ge-
geben, welche der neugierige Bauer auf dem Wege
öönete. Schlönd a", dass 's chringlet [klingt] ick die
gruss Glogg z' H. Stütz, spöttisch, weil die Kapelle
zu H. keine Glocken hat.
Hegochs s. Eidechs. he ig s. haben II.
heigen: = heie' Sp. 853. ,Heigen (heiga), fröwli,
heigen (heiga)!' Edlib.; Tscuacutlan, als Wortzeichen
der Zürcher beim Überfall von Baden 1444.
Die Verdichtuüg des intervocalischen y zu ij wie iu Eiijcr
(uva), /rlg, if-hüjm, Meiger, Bigel, aig, Kuy.
hignen s. liiggen.
hog: halt! W (zu Pferden). Syn. ölüi! hö! hüf.
Roger m.: 1. Höcker am menschlichen (bzw. tieri-
schen) Körper, allg. 's hat mänge'' Biderma'" ne H.
(Beschönigung) L. Dir [ihr] essü, es nimmt-ini''<
Wunger, dass es-ech hinde' nit e H. üstribt. Gotth.
Das macht -mir ken H., das ist mir gleichgültig Z.
Das wird dir ken H. mache', du brauchst dich vor
der Anstrengung nicht zu fürchten, ebd. Du häsch-es
wie de Seb mit 7 Hagere', ico seit, er sei no"" nie der
ung'rädst g'si' Z. ,Gibber, butz vel h. vorn an der
brüst' Ebinger 1438. ,Die kameel auf iren högren.'
1531/1667, Jes. ,Analectis, ein küsselin oder sunst
eiu pulster, das die meitlin, so ein Schulter höher ist
dann die ander, brauchend, damit man nit achte, dass
sy ein h. habind.' Fris.; Mal. .Einer, so seinen
Kucken mit einem H. usg'füeteret hatte.' Schimpfr.
1651. ,Gibbus, H., Buckel.' Red. 1662; Denzl. 1677;
1716. .Ein H., welchen J^incr das ganze Jahr mit
sich herum tragt und aber denselbigen niemalen an-
schauen kann.' üTomann 1708. , Einen grossen Kameel-
hoger.' JJUlr. 1727; s. noch ToU-Fuess Bd I 1094.
— 2. der mit einem Höcker Behaftete, Bucklige Aa;
B; L; Z. Auch Dim. Ho(/eWt. Ein Buckliger mit dem
Geschlechtsn. Triieb wurde de Hoger-Trüeb, dann aber
auch kurzweg de^ Hoger genannt ZZoll. De'' Sibe-
hügershoger ! Verwünschung. Sprww. 1869. Hieher
wohl die RA.: Bed, Hoger, so tönt 's oder so tönt de''
Buggel Z, Aufforderung, mit dem Sprechen nicht
zurückzuhalten; ähnlich: Bed, so git 's ken Chropf.
Schon bei Boner: ,Der zolner einen sach hogrecht uf
die brugge gän. Er sprach: ein pfenning solt du
geben! Do geriet der h. wider streben. Der zolner
sach den h. an: einen kröpf sach er in hän.' Auch
Fem.: ,Ein Hogerin', eine Person, welche von einem
andern Chronisten ,strumosa' genannt wird. 1477. Bs
Chr. — 3. jede höckerartige Erhöhung am Leibe B.
, Äussert dem h. der leberen.' Vogelb. 1557. ,Der
hogerkrebs bekommt seinen nammen von dem h., so
er mitten auf seinem schwänz zeigt.' Fischb. 1568.
, Tuber, buckol oder h., düssel, gschwulst.' Fris.;
Mal.; ebenso Denzl. 1677; 1716 mit dem Zusatz:
.Beule'. ,Högerle, tuberculum.' Mal. ,Binde den Nagel
steif, so bekommt er keinen H.' Würz 1634. ,[ßci
einer Verkrümmung] bedarfest du nur zwo Schindlen,
eine auf dem H., die andere auf den Bück.' ebd. —
1. Unebenheit, Erhöhung des Bodens, kleine Anhöhe,
Hügel Aa; B; S; Z. Im Winter het me" de"' o'*
g'schlittlet u"'' ist nid numme" so es Högerli abe*
g'fare", wie 's d' Buebe" hüt zu Tag mache". Dr Bari
1885. Daher auch Flurn. : ,Reben auf dem H.' ZAltst. ;
,bim alten H.' ZUrd.; .im H.-Acker- ZÖtw.; ,Betten-H.'
Hügel bei ZMettm. ; ,im H.- LWillis. — 5. (auch
Jiippen-H.) = Güteren Sp. 532 AAKütt. — 6. Högerli,
das Schneeglöcklein, leuc. vern. und galanthus niv.,
so benannt von der auffallend gebückten Stellung der
Blume am Stengel L; Ndw; Syn. Hoger-Männli. —
7. Högerli, in den Überlieferungen des XVII./XVIII.
.Höggerli': alte Scheidemünze L (Lütolf), It L Mand.
1710 im Werte von 4—5 Rappen, 1710 It Absch. auf
2 Kreuzer tarifiert, oft verrufen, so 1636 u. 1709 in Z.
, Verwarnungen vor aller und jeder Reichs-Münz, wie
nicht weniger der sogen. Höggerlenen.' Z Mand. 1710.
,Die verrüefte Groschen in höherem Preis als von
denen Höggerlen und mit Stäben bezeichneten Piess-
lenen ausgeben.' ebd. 1714 mit einer Abbildung, welche
den Kopf Ludwigs XIV. zeigt. , Fremde Münzen, na-
mentlich die Höggerle und Groschen.' 1719, ebd. —
8. Rausch L; Syn. Degen. Wo-n-einist Eine'' i' sim
Hoger im Hirschen inne' 's Fuerwereh und 's Boss
vergesse' häd L (Schwzd.).
Von einem Stamme 'hug; vgl. ,Hügel', mhtl. hugel, und
houc (hougea), eoUis; ferner hess. ,Huck, Hock', Hügel. — _
Zu 7. Wenn diese Bed. übh. zu dem TMrliuguu.U-u W. ge-'
hört und die (wie es scheint) konstant!- SrlniLiniL' imi ./■/
bloss die Kurze des Voc. bezeichnen soll, ^ '. ' ' ■ i-
förmige Erhöhung den Namen gegeben l]:[l i., >-:. /,//.-
Anyster Bd I 340. - Zu 8. Den Gruud Jn.,. , J;._.iti,iiiiug
s. bei dem syn. HmhcrUmj. — Zu säuinitlieheu BeJU. vgl.
Buggel.
Herd-: Erderhöhung Z.
Bure"-Högerli: ein Älplergericht. Lüt., Sag. 190.
hog(e)racht: höckrig, bucklig; hüglig, uneben.
,Dass sy krumm gieng und hogrecht ward.' Strättl.
Chron. , Karlin YIIL, küng von Frankrych, der was
von lyb unachtbar, krank und hogerecht.' Ansh. ,Der
hogerechtig oder schelb ist.' 1531, Lev. ,Distorta et
prodigiosa corpora, gebogne, krumme und hogarächtige
cörpel.' Fris. ,Das Lastvieh ist ein Werkvieh oder
Saumtier, under welchem der grösste ist der hogerichte
Kameel.' Spleiss 1667. ,Canabula, rauhe, hogerechte
Örter.' Denzl. 1677; 1716. ,Gibbosus , hogerechtig,
bucklecht.' ebd. ,Neue Arzet machen hogerechtige
Kirchhöfe.' Mev., Hort. 1692. ,Die Füsse waren ge-
schwollen und hatten blaue hogrichte Adern.' JMüralt
1697. ,Wie die hogerichte [höckeriohte. 1746] Landsart
[der Schweiz] vil ob- und nidsichsteigens erforderet'
JJScHEucHz. 1707. ,Wann ein Weg dörnicht, eng, hö-
gericht ist' JJUlr. 1727.
hogere": 1. einen Buckel machen; in gebückter
Stellung arbeiten; syn. hugglen. Bim Jätte' muess-me"
de" ganz Tag h. Aa; umme-h., bucklig herumgehen,
-sitzen .\a; Uw. Das Getreide hogeret, wenn es ver-
krüppelt, nicht wächst S. Hogeren, von den Zeigern
beim Scheibenschiessen = gatigglen B (zunächst wohl
= Verbeugungen machen). — 2. schmollen (einen
Katzenbuckel machen) B. — 3. „meistern, gleichsam
über den Hoger hinausschleudern LE." — 4. un-
nützerweise herumkriechen ÄAHallw. ; syn. müchlen;
ummcbocken. Högere", klettern BSis. — 5. coirc, bes.
vom Rindvieh, auch Ziegen, Schafen Scinv; Uw; Zg; Z
1087
Hag— hng. — Hagd— liiigd
syn. üfhocken. Vgl. : 8i [die brünstigen Kühe] hogered
uf-enanderen umine" ScHwMa.
Vgl. heoueb. hockei-n und bei Gr. WB. höckcrn in Bed.
4 und 5; hess. hökern in Bed. 4. Ks erklären sich alle
Bedd. aus der buckligen Stellung; gleichwohl ist fraglich,
ob hageren nicht vielmehr mit häijeren zu verbinilen sei.
über-liogere": Einen aus dem Sattel werfen;
bildl. in den Konkurs bringen AxSuhr ; syn. dfe" Bock
g'htjen, üherholperen. — üf-: aufbauschen, -häufen.
.[Die eitle Bauerntochter] hatte seidene Halstüechli
und 7 Mänteli [Hemdevorstecker] über einander uf-
g'hogeret bis an das Kinn.' Gotth. — er-: Einen
hernehmen, übervorteilen Z; vgl. hogeren 3. — ver-:
verkrüppeln (eig. bucklig werden), verkümmern. Bei
armen Leuten ,verhogren' die Kinder nur zu oft BSi.
Verhogeret sitze", zsgekauert, -gekrümmt B.
g"-hogeret BBe.; GlK.; SchwE.; U, hogerigB;
TaFr., g'hogerig Bs; B, g'högerig AiSt.; Z: höckrig,
bucklig; uneben, hüglig. Die g'hogeret, unartig [häss-
liche] Lisebet. Lienert 1888. ,Incurvus humeris, ge-
hogeret.' Fris. ; Mal. .Keiner [vom wilden Heere]
habe sinen rechten Gang gehebt, diser hinkend, diser
krüppelt, diser gehogert, der an Krücken.' RCys. c. 1600.
Högerli°g m.: der Bucklige Z. - Gebildet wie
Serhling, SpritzUnff, Wittliiig, Zwillimj u. a.
hogis s. hoggis.
• Hugele- f.: Kugel ZSth. — hugele": rollen, ebd.;
syn. rugelen. — abe»-: (den Abhang) hinunter rollen
ScaSt.; Syn. Fässli trolen.
In ZSth. daneben Cliugelyasa. Wechsel von ch und 7/ im
Anl. wie in huren = kauern und (umgekehrt) chüchen =
hauchen; vgl. auch Haller I.
Hngi m.: 1. törichter, unbesonnener Mensch B;
,ineptus.' Id. B. E tumme H. B. Auch Geschlechtsn.
B und schon 1421, S. — 2. H. uvi S., (beim Spiel)
um den ganzen Einsatz auf ein Mal AxWchl. —
3. Schnaps AAFri., Lindenberg.
Ob Bed. 2 auf 1 zurückgeht, gleichs. ,Narr um Narr', weil
es unbesonnen ist, gleich den ganzen Einsatz zu riskieren?
Zu Bed. 3 vgl. das syn. TorebuebeioatKr. Nicht unmöglich
ist, dass Bed. 1 zum Verbalst, hug (s. hügen), sich freuen,
gehört und eig. urspr. einen lustigen Burschen bedeutet.
Be-Hngnnss f.: Erinnerung, Andenken, Gedächt-
niss. ,üass man syn und syner wirtene b. und nach
irem tod ir jarzyt eweklich begange.' 1340, AäZ. Urk.
Vgl. das mhd. Syn. ge-hugnisse und hnglos, und s. im
Folgenden Hugd usw. und un-le-hügl.
g"-hugsam: fröhlichen Mut, Lust zu Etw. habend;
vgl. hügCeßich, he-huckt. .Herzog Philipp von Mailand,
der ein gkuksam mann was zu kriegen.' Vad.
Mhd. gehugemm. Zu Vadians Schreibung vgl. Kick aus
Ge-Uck, Kmli aus Gc-hudi, Kütt aus Ge-hütt u. v. a. Die
mhd. Form hügeaam (erfreulich) scheint früher auch Per-
sonenn. gewesen zu sein, erhalten in dem ■Weilernamen hu
Hügsam ZRichtersw.
g'hüg: ärgerlich GrL. — Vgl. lat. animoam von ani-
miia, in der Bed. stolz, zornig; gr. -S-Uliög, Gemüt und Zorn.
Hügel m. : leichter Groll, Verstimmung; Syn.
Piggen. Er hat en H. uf mich oTu (Pup.). Es Hii-
geli uf-enand ha' GTa. Vgl. g'-hüg und hug-los, sowie
Sügi. — Viell. Umbildung aus Bügen.
hüg(e)lich higelig: fröhlich Bs. ,Hüglich und
wolgetrosf' als Übers, von ,fiducialiter'. 14G0, G Mscr.
,Es syen die kaiscrischen etwas hügenlich [freudig,
übermütig] und berüemen sich, wie der künig zue
Frankrych dem kaiser hilf tuen wolle.' 1530, Stricki.
,Ein frölichs g'müet macht huglichs g'sicht.' GVögeli
1534. ,Die Appenzeller warend gar hüglich und freudig
dero zyten.' ÄgTschüdi. ,Es ward ein hüglig ding
unter denen von Rapperswyl mit fasnacht zu haben
und mit andern dingen.' ebd.
Mhd. hiigelich, ahd. gehugelieh, hilaris. Snlger gibt noch
vereinzelt: ,hUgelich, aufrührerisch.' Vgl. noch gügelig Sp. 159.
be-: wohl eingedenk, mit gutem Vorbedacht.
.Beid teil bestätend denselben friden behüglichen mit
disem briefe.' 1426, Absch. — Be-hüglichkeit f.:
Erinnerung. ,Mit abredung sollicher geding und b.,
die darzu notdürftig warend, dass er zu Pfingsten das
übrig bezalen soll.' 1426, Absch.
Hügen m.: Freudigkeit, Mut. ,ünd als Loupen
mit grossem volk belagert was, die alle grossen h.
hatten.' Etterlin. ,So ich das zu herzen fass, so ge-
winn ich wider ein h.' 1531/48, Klagel.; = ,daruni
will ich hoffen.' 1667/1882; vgl. noch Hügnuss.
Mhd. hüge f., got. hugs m., Sinn, Geist; mhd. auch;
erhöhte Stimmung, Freude.
hügen I: sinnen, denken auf, verlangen nach.
,Und fast hügtend, wie sy nu mit ime [dem Herzog
von Östr.] iren alten stumpen rechen wölltend.' Prümd.
Mhd. hügen (ahd. huggen, got. hugjan). Mhd. z. B. im
Schachzabelb. auch in der Bed. sich freuen. S. noch unbehügl.
Hügi I n.: Lust, Verlangen. Es H. für Öppis
ha'. !''• hätt es H. druf, auch : Einem etwas Leides
zu tun B (Zyro); vgl. Siigel, Hügen.
Hügnuss f.: Mut, Übermut. ,Also ward Loupen
belegen [belagert] mit grossem schalle und haltend
grosse hügnusse und hoffart von ir machte wegen.'
JüST. — Mhd. hugnus nur in der Bed. Gedächtniss. Vgl.
Hügin.
Hl
n ra.
linge" 11: hinken L (Ineichen),
der Hinkende, ebd.
üf-hiigere": leicht über einander legen GnPr.;
Syn. uf-gigeren II und gögeren.
hügerle": kauern, von Kindern und alten Leuten
AAZein.; Bs. — z'sämme"-: zskauern, -schrumpfen;
abmagern (von alten Leuten) Bs; Syn. s.-güggerlen.
— Vgl. (uf-, mr-) hageren und die Anui. zu Hugcr.
(Ge-)Hngd, (Ge-, Be-)Hügd(e) f.: Gedächtniss,
Erinnerung; Bedacht. ,Won der lüten hügt zergat
und ir leben schier ein end hat.' G Hdschr., Eingangs-
formel von Urkunden. So auch bei Vad. (,hugt')
Ubers. von: ,Quoniam ex humani generis debilitate
memoria rerum gestarum oblivione extruditur.' ,Want
aller der lüte getat und gewerb mit des zytes umbc-
loufe verswynet, dass man nüt ellü ding voUekliche
in gehügde mag behaben.' 1252, LUrk.; s. Ortfrämi
Bd I 1297. ,Syt ellü ding zerganklich sint und des
menschen gehugede langer steti nüt enhat' 1282, L
Urk. ,Zem Urkunde und z' einer steten behügede der
dingen, die an disen brief geschriben sint.' 1302, Bs
Urk. ,Wann der lüten leben und gehugde blöde und
krank ist, bedarf man, dass man mit besigelten briefen
bestäte.' 1307, GfiChur Urk. ,Dass ich dur gott und
niyner scle ze einer ewigen behügde han gegeben.'
Hagd — hngd. Magst— liugst. Hagt— liugt. Hagg — liugg
101 10
1332, Z Staatsarch. ,[Die Mönche] süUn unser be-
hügiie han ienier mer eweklich in der mes [Messe]
an dien selben tagen.' 1336, ebd. In einer Urkunde
von 13C7 wird zwisclien ,b.' und ,jarzyt' so unter-
schieden: ,Daz sy einen halben mütt kernen schryben
uf uiynes bruoder sei. jarzyt; den andern halben mütt
kernen süllent sy schryben myner behugt, die sy ouch
järlich began siilln, die wyl ich lebe; wenne ich aber
von dirre weit scheide, so Süllen sy den selben halben
mütt kernen schryben ouch uf rayn jarzyt und das
eweklich began.' ebd. .Mit gehügden und geberden.'
1372, ZWthur Urk. .Und hab ich [die Schenkung]
getan mit der gehugd. als es von recht bescheclien
sollt.' 1374, GRChur Urk.
Hogsber, -mer s. Hoppsger.
Hagsch s. Hex. higschen s. luxen.
Iiegstl'a = extra Bd I 024. Eppes hegstrrs GrCIii
Wegen des h vgl. Imläniih.
un-be-hügt. ,Der unbehügde sunnentag.' 1302,
ScH Urk. (Z Staatsarch.).
V. kaum = verschwiegen [der versvhicit/e** Suiiutit/, H
Tage vor Ostern), sondern = unbesonnen; der u. S. wohl
der Fastnacht-Sonntag, wo es närrisch zugeht. So hiess auch
der .schmutzige' Donnerstag ,der unsinnige'; vgl. noch Hn;ii
und uihd. behmjen, bedenken.
Ha^g, hegg, liigg, hogg, hiigg.
S. auch die Keiheu Hmj usw., //«/.• usw.
Hägg s. Häggen.
Haggel, nur in der Eeimformel H. und Baggel:
Hab und Gut AaWürenlingen.
Vgl. .Hackeniack', Häcksel, Gemenge; doch müsste, wenn
wir für dasselbe ebeuf. Abi. von ,hacken' annehmen wollen,
dieses sich dem Kons, des '2. W. accomodiert haben. Dem
1. W. könnte aber auch ,Hab' oder ein anderes mit k an-
lautendes W. zu Grunde liegen; vgl. Hutler und Buller.
Bagijd bedeutet etw. Geringes, ein wertloses Gemenge, auch
eine (baufällige) Hütte.
Hägge", bzw. -ö-, in Gr auch Högg, in GnObS.
Häggiim — PI. und Dim. mit Uml. — m. : 1. in eigent-
licher Bed. wie nhd.. gekrümmter Körper(teil). allg.
a) von Geräten. Wo kein H. ist, cha'"-me' Nüd
[Nichts] i'chhmme" Gl [das Bild wohl von der Hobel-
bank entlehnt; vgl. Bank-H.]. Am 1. April schickt
man einfältige Leute g'radi Höggli kaufen oder ent-
lehnen Z. Bildl. : Äugli lo' dir Sorte, wo nie" seit,
es slge' Höggli drinne', d. h. von grosser Anziehungs-
kraft. ScBwzD. (B). .Harpago, ein hagk.' Fris.; Mal.
,Zwei Höcklin.' JJNüscn. 1608, '284. ,Hogg, isiner,
Anker, ancora, uncus.' Red. 1656. ,Dem Schlosser für
Häggen und Schienggen ins Wirtshaus 14Btzn.' Schloss
Schweiz. Idiotikon II.
RuEi) 17'28. Insbes.: 1) hölzerner Stab mit gekrümm-
tem Ende, abgeschnittenes Gabelstück eines Astes,
beim Pflücken von Kirschen die Äste heranzuziehen.
,Was [von Kirschen] er ohne Beschädigung des Baums
mit einem gewohnten Hacken bekommen mag.' Gl LB.
1807/35. S. Kirsi'-H. — 2) Leiter, befestigt an der
Wand oder an der Hochstud, Sechstud der Scheune,
bestehend aus nur einem Längebalken mit durch-
gehenden und nach beiden Seiten hervorstehenden
Sprossen, um aus der Tenne (in Sennhütten aus der
Küche) auf die Heudiele zu steigen SL.; Z (selten
geworden); s. Stig-H. — 3) die krummen Teile am
Holzreff (Traggestell) W ; Syn. Krapfen. — 4) Feuer-
haken; s. Für-H. Teufel in der Hölle: ,Gross ysig
Höggen gebt uns har, ein anders G'sang mir sei wend
lehren.' 1733, L Spiel. .Weil an einer guten Ordnung
der Feuerleiteren und Häggen sehr viel gelegen.' Z
Ges. 1779. — 5) Gabel zum Spiessen der Fische.
.Kleinfischerei, als: mit Haken, Bären, Büschen usw.'
Vetter 1864. .Was man fische bi dem Lauffen [Fall
oder Stromschnelle des Rheins] mit dem häggen fahet
ane garue.' 1347. Urk. .Den gebürenden Teil an der
kleinen Fischenzen im Laufen, so man fahet mit
dem Haken, mit der Rüschen und Bären.' 1545, Urk.
S. Fisch-H., Ger. — 6) Hacke, leichter Karst S. Zum
Ausgraben von Kartoffeln: ,Wenn man einen Säbel
in der einen Hand hat, so kann man nicht mit der
andern noch einen H. halten und Erdäpfel austun.'
Ndw Volksbl. 1869. Zweizinkiges Instrument, Steine
aus den Gräben zu ziehen UwE. S. noch die Compp.
und HnggeJ. — 7) der vom Kolben der Stutzbüchse
hervorgehende Haken, mit dem man das Gewehr an
überarm und Schulter andrückt Ap; Z. — 8) schwor-
fälliges Sehiessgewehr, welches unten am Schaft einen
Haken hat, mittelst dessen es auf einer Stütze, der
, Gabel' ruhen kann, welche der Leibesgrösse des
Schützen angepasst war, und „beim Scheibenschiessen
(wo der H. sich am Längsten, im W bis heute hielt)
nicht in die Erde gesteckt, sondern auf einen wenig
gehöhlten Stein abgestellt werden durfte." allg.f Vgl.
H.-Büchs, -Schütz. Es war einmal eine Frau, die
klagte : Mi' Ma'" hed Nüt zue-mer 'bracht als e" H. U.
,Den 21. mal huolt man ein musterung uf allen Zünf-
ten, daruf ein schiessen mit den hocken.' 1582, Bs Chr.
,15 Schützen mit Musketen, die andern mit gemeinen
Haggen.' 1588, Absch. .Ein wyb. so sich hantlich ge-
wert und irem herren den hocken gladen, dass er
schiesste.' 1589, Bs Jahrb. , Jeder Canonicatswohnung
soll zugestellt werden 1 Hoggen.' 1637, L. , Halbe,
ganze und doppelte Haacken.' Kriegsb. 1644. Vgl. noch
rörlen. — 9) Höggli = Blatt-H. Z. — 10) Höggli,
Häkelnadel, allg. — 11) Höggli, Verschlusshäkchen
an Kleidungsstücken Ap. Syn. Häftli. — 12) eine
Art Ziegel. ,Dem Ziegler ist verwilliget, dass er den
Zeug in hernach bestimmtem Preis möge usgeben :
100 Flachtach, Haggen und übertach, jeder Gattung
umb 10 Btzn.' 1606, Sch Ratsprot. Viell. diejenige
Art der Hohlziegel, welche mit dem Rücken' auf der
Unterlage liegen und mit einer Nase an derselben
festgehalten werden, während die darüber gestülpten
das , Oberdach' bilden. — b) Höggli, Krallen einer
Katze ScHw. Syn. Kräuel. — c) Bezeichnung von
Orten. 1) hakenförmiger Hafendamm. Bodensee; ZS. ;
spec, die durch eine mit Faschinen ausgefüllte Doppel-
reihe von Pfählen gebildete und lediglich zum Schutze
1091
Hagg, hegg, higg, hogg, hugg
1092
gegen den Wellenschlag angebrachte Fortsetzung des
gemauerten oder mit Steinplatten belegten Hafen-
dammes, zu dem sie meistens einen Winliel bildet ZS.
Vgl. Hab-, Weri-H. — 2) ürundstück von hakenför-
miger Gestalt: Name einer muldenartigen Wiese mit
anliegendem Hügel ZDürst. Wald bei Gtüiesb. Ein
Acker, im H.'ZErl. ,Auf H.' LEoteiib.; .unter H.' LRain
und die Zss. ,Haken-Eüti', Hof in LWolh.; ,H.-Rain'
LBallwil. ,Zwen Tauwen [Jucharten] in der Hoggen-
wis.' 1653, ÄAWett. Klosterarch. — S) vorspringender
Berg. So der an die Mythen bei Schw fast im rechten
Winkel sich anlehnende Bergrücken mit Passübergang.
,Der welsch H.' STierst. — 2. krumme Gestalt oder
Bewegung, a) ,den H. schlagen', ein Kunstgriff beim
Nationalspiel des Schwingens, dem Gegner das Bein
unterschlagen, wubci noch unterschieden wird der
.rechte imIit iiimrc 11.', bei welchem die rechte Ferse
hinten an das linke Unterbein des Gegners geschlagen,
dann dieser durcli einen kräftigen Stoss rückwärts
, überdreht' und auf den Rücken gelegt wird, und der
,äussere H.' (auch Überlctz, Übersprung genannt) Bs;
B; LB.; S; Z. Daher dann übh. und bildl. : (Einem)
ein unerwartetes Hinderniss bereiten und ihn dadurch
zu Fall bringen; Hinterlist üben Bs; S. Eine'', wo
für sl' Sack [seinen Vorteil] der Uögge" schlöt. Sprww.
1869. il^s" meint, er well Ein chüsse" und schlöt Eim
glich der Högge. Schild. .Während sie [die vornehm
Gebildeten] den Bauern übersehen [verachten], durch-
sehe derselbe sie ganz und gar und schlage ihnen den
Hak«n [überwältige sie].' Gotth. Eine Schwenkung
machen (im Kriege) : ,Dass unser fenlin in das Schwa-
derloh geordnet und als der stürm gangen, von Wintcr-
tur ein'" haggen g'schlagen den nechsten [Weg] uf
Dornach zu.' 15.^4, Brief. .Wie er aber der mär innen
ward, il'ieli er hindi'isieh i^esim Bern zue und schluog
also einen liaken innl kam .iarvon.' Vad. — h) Ei"'m
en H. (iln. in eine Saelie, l'nternehmung) mache", ein
Hinderniss in den Weg legen, einen Streich spielen
BHk. Äser, einverstanden mit Josephs Tötung: ,Ich
wirf g'wüsslich kein haken dryn, es wirt mir ein
g'mäyte wis [\villkeuinien| syn.' Rüep 1540. Bögli und
Häggli oder Ituili mnl IL mache", eine Sache durch
Erhebung von SehwnTiekeiten [Bedingungen, Vorbe-
halte] zu verwirren suchen L (Ineichen). Daher dann
übh. Sagge, Häggli, versteckte Schwierigkeit, Hinder-
niss B; Z; Haggen, Umstände Gr ObS. Ebc' dö lit
de'' H.! der schwierige, entscheidende Punkt Bs. Bd
steckt de'' H. Wolf, Bauerngespr. Dö ist es Häggli
derhinder Scnw. Das het no''' sTs Höggli Z. Was
jetz wache" mit dem Hüsli, das isch d'r Högge. Hofst.
,Ist eins häkli, das MHH. nit gfallt.' 1530, Absch. Vgl.
Haft und Gr. WB. IV 2, 179. ,Ein H. gegen Jmd
haben', Widerwillen, Groll FPlaif.; vgl. nhd. ,Stachel'
in bildl. S. — c) in harmloser Bed. ChrAz und H.
mache", das Zeichen des Kreuzes machen, sich be-
kreuzen. IVe"" der Hirt am Morgu" und Abu" vor
am Chruzifix schini Andacht verrichtot hat, so ist der
Senno wie d's Veh ufg'stannu" und ga' liggu" [zu
Bette gegangen] oni Chris und Haggo. W Sagen. —
d) schlecht geschriebene, schwer zu lesende Buch-
staben B; Z. D' Chind Icrt-me" jeze" 's ABC — wie
söll-i''' säge"? — pfufe [pusten] — und Högge" mache"!
GEbn. (Feurer). — e) eine Gangart des Pferdes. ,Die
pferd habend mancherlei manier herein ze treten, aus
welchen etliche Ire besondere namen bekommend, als
der stapf, der trab, der zeit, der dreischlag, hacken
und dergleichen.' Tierb. 1563. — 3. übertr. auf lebende
Wesen, a) auf Tiere. 1) das Männchen des Lachses,
salmo salar, wegen des in der Laichzeit (im Spät-
herbst) gebogenen Unterkiefers („Schnabels") Bs; „B;"
Z; Syn. Milchner ; vgl. Ludere. Vgl. frz. brochet, Hecht,
von brache. — 2) mageres, altes, grobes, schlechtes
Pferd AAZein.; GSev.; Z. ,Es war wenig schöne
Waare auf dem Pferdemarkte, aber eine desto grössere
Zahl lasterhafter Högen.' Bote der Urschweiz 1882.
De" Franzehoppi chauf alli Schindmäre" im ganze"
Land zämme" und heig selten en ordlige" Bigger,
numme" so Högge". B Hausfr. 1886. Altes Stück Vieh
übh., bes. alte, magere Kuh BsBirs.; S; Z. En alte'
H, wo-me" chönnt Schinnhüet d'ra" üf henke". Syn.
Hägg, Heggel, Händsch. Auch übertr. auf Weibsper-
sonen BsBirs. — h) auf Menschen. 1) hochgewach-
sener Mensch BE. Vgl. Holen. — 2) Hägg, Högg Ap;
Gl; Gr; G, H-e Gr, unredlicher Knauser, schlauer,
auf kleine Vorteile bedachter, betrügerischer, streit-
süchtiger Mensch, der im Verkehr seinen Verpflich-
tungen nicht gerne nachkommt, nur sein eigenes In-
teresse im Auge hat, „Schikanor". En strenge [arger]
H Gr. Syn. Hägger; vgl. Lüs-, G'schänd-H. —
3) Hägg L, H-e Aa; L; Z, garstiges, unordentliches,
dummes, ungeschicktes Weib. Syn. Schlamp, Sciüirp.
Häggeli n., anrüchiges Mädchen B. Vgl. Kosel-, Kät-,
Klamm-, Mist-, Doppel-H, Häggel. — 4) Familienn.
,Ben. Hagg.' 1476, S Eatsman.
Während amhd. neben ham, häyo; hake auch hacco, liiujyo;
haclie, liagge vorkommt, gilt bei unserm W. ö (u) mit fol-
gendem A: durchgehend ; vereinzelte Schreibung mit cfc scheint
auf Verwechselung mit ,Hacke' zu beruhen, die auch im Khd.
vorkommt und z. T. sachlichen Grund hat, indem ein haken-
förmiges Gerät u. A. auch zum Hacken dienen kann; daher
unsere Bed. 1 a 6. Sonst aber müssen beide WW. getrennt
gehalten werden, indem ,Häken' ohne Zweifel zu ,hähen,
hangen', ,hacken' wahrsch. zu ,hanen' gehört. Was die ein-
silbige Form betrifft, so scheint sie allerdings mit Vorliebe
der pers. Bed. zugeteilt zu sein, wie auch in andern Bei-
spielen die selbe Differenzierung geübt wird (s. Lnmji, Frank
als Personenn., SMänijg. Tmch); im Grunde aber gehen beide
Formen solcher schwachen Substt., nur auf ungleichem Wege,
aus der selben amhd. volleren Form auf -o, -a; -e hervor,
indem das eine Mal der abgeschwächte Schlussvoc. ganz dem
alemann. Lautgesetze entsprechend verschwindet, das andere
Mal durch supponiertes, aus den flectierten Casus entlehntes
II gehalten wird; vgl. Anra. zu Graben (Sp. 680), Gailai
|Sp. 117), Fad I w. II (Bd I 670/1). Das vereinzelt auf-
tretende -m ist das Gegenstück zu den aus mhd. -em ent-
standenen nhd. -eil. — Zu 1 a 1'2. Da die Ausdrücke ,Flach-,
Obertach' auf Abkürzung einer Zss. mit , Ziegel' beruhen, so
bleibt ungewiss, ob nicht auch ,Haggen' ebenso aufzufassen
sei; Mothes' Baulex. kennt beide Ausdrücke und scheidet
sie. Übrigens stimmt die von ans versuchte Begriffserklilrung
nicht zu den dort (u. den Artt. .Dachziegel, Haken, Haken-
ziegel') gegebenen. — Zu 2 a vgl. das ,Haken schlagen' :=
Seitensprünge machen des Hasen (Gr. W. IV 2, 178). —
Bed. 2 e wird sich auf eine hakenförmige Bewegung oder
Hebung der Beine beziehen; 3 a 2 und 3 b 3 auf verkrüppelte,
eckige Gestalt (mit hakenförmig hervortretenden Knochen),
wenn nicht b 3 wenigstens tw. durch Verkürzung für Mwt-H.
zu nehmen ist. 3 b 2 mag eine Personifikation des Begriffes
.Schwierigkeit' sein : ein Mensch, der Schwierigkeiten macht
und für den Verkehr mit Andern selber eine Schwierigkeit ist.
Folter-Hägge": hakenförmiges Folterwerkzeug
GnPr. Vgl. Gr. WB. IV 2, 178, 4. — Für-: 1. Gerät
zum Schüren des Feuers im Ofen SchwE. Der Tüfel
mit dem F. GrD. Vgl. Ofen-Gablen. — 2. Haken zum
1093
Hagg, hegg, higg, hogg, hugg
100-1
Herausziehen oder Einreissen brennender Hölzer bei
Feuersbrünsten Sch; Z. Man unterscheidet etwa durch
die Wortform von dem gewaltigen, von zahlreicher
Mannschaft bedienten und zu deren Behuf mit Hilfs-
stangen, die in Zwischenräumen am Hauptschafte an-
gebraclit sind, versehenen .grossen F.' die FürhÖggli,
die je von einem einzelnen Manne gehandhabt werden
und mit denen der sog. .Fürlauf' ausgestattet ist. ,Es
soll ouch ein iegklich dorf im nüwen ampt ire für-
haggen und fürleiteren haben.' ZNer. Otfn. 1489.
,Hama, ein feurhacken oder sunst ein grosser hacken.'
Fris.; Mal. — Fisch-: = Haggen 1 a 5. ,1 alter
Fischhack.' 1627, TaBürgl. Inv. — Flösser-, Flöz-:
H. mit einer Spitze, um Flössholz aus dem Wasser zu
ziehen B; Gr. \gliif-heben 4 (Sp. 895). — Fleisch-:
um Fleisch zum Dörren im Kamin aufzuhängen Z. —
Fries-: mit 3 Zinken versehene Grabaxt zum Offnen
der Moorgräben (Fries) L. ,An Werkmeisters Ge-
schirr im Schloss Pfäffikon: Frieshäken, Teuchel-,
Kehr-, Bawhaken [usw.].' 1659, SchwE. Klosterarch.
— Gegel-: eiserner Haken mit scharfer Spitze zum
Anpacken und Schieben von Holzstämmen und grossen
Steinen U; Syn. Zajnne. — Grab-: eiserne, drei-
zackige, einwärts gekrümmte, sehr starke Gabel, um
Erdschollen od. Anderes aus Gräben und Vertiefungen
lierauszuheben. Ostscbweiz It Lindiner. Vgl. Häggen
1 a 6. .Spaten und Grabhäggen.' ZRüti Inv. — Heu-:
Haken zum Ausziehen des Heues aus dem Stock ZO.
Syn. Heu-Lücher. ,3 Hewhaggen.' 1627, TnEürgl. Inv.
— Hab- = Häggen 1 c 1. ,N. N. beabsichtigt einen
H. von 9 m Länge und l'/a m Breite zu erstellen.' Z
Amtsbl. 1878. — Ufheb-: der Haken an der Deichsel-
stange, worin ,der Ufheber, die Ufhebketti' eingehängt
wird Ap. — Heft-: \. = Bund-H. Ar; Zf. — 2. Haken
am obern Ende der Leiterbäume. ,Die vygent Hessen
[nach abgeschlagenem Sturm] hinder jnen zwo styg-
leitren mit hefthaggen und mit leder besetzt.' 1445,
AaB. (Mscr.). - S. noch Cher-H.
Hell-, Höll(e°)-: 1. Werkzeug des Teufels; so
in dem Kinderspiel , Farben austeilen': de'' Tiifel mit-em
H. ScHW, wie sonst de T. m. der Ofe"gable. — 2. Name
einer für die Schiffer gefährlichen Stelle eines ver-
borgenen Felsens AAEheinf. ,Dieser strudel des Rheins
wirt der hellhack geneniiet.' Würstisen. ,Rheni ca-
tarrhacta prope Rheinfeldam, vocatur vulgo der Hell-
hacken, quasi dicas Tartari uncum.' Wagner 1680. —
3. als Schimpfw. GRPr. Chommend nu'', jier karmen-
tege" Hellhägge* '. jier miserablege' Hungertürren, das
er sind! Scuwzd. Spec: böses altes Weib ZStäfa.
Betr. die Viirstellung, welche der u. 2 angeführten Über-
tragung zu Grunde liegt, vgl. Fischart: ,Er [der Strudel]
geuannt ist der Höllhacken, weil nach den Schiffen er tuet
zwacken', und es darf hier vicll. an die Vorstellung von
eiuer Wasser-Hölle erinnert werden. — 3 ist viell. nicht
eine Übertragung von 1, sondern bloss verstärkende Zss.
mit flaggen S b.
Gehäld-: Haken an Spalieren. 1741, Schloss Rued.
— Hang-. 1604, Inv. einer Sägemühle bei ScuwE.
— eher-: Werkzeug, a) Haken mit einem (teller-
grossen) Ring zum Durchstecken eines als Hebel ge-
brauchten Sparrens, mit dessen Hülfe man Holzstämme
in der Säge in horizontaler Richtung umdrehen konnte
L. ,1 gut eisin kerhaggen.' 1550, SchwE. Klosterarch.
.Kehrhacken' als ,Mülingeschirr.' 1659, ebd. ,Ein Kehr-
hoggen sammt 4 Hefthöggen zur Sagen.' ZMeilen 1725
(Mühle-lnv.). Ähnliches Werkzeug bei den Zimmcr-
leuten. welche die Spitze des Hakens in das Holz
einschlagen Aa, und bei den Steinarbeitern Ndw. —
b) breite Krücke zum Wenden des Obstes während
des Dörrens UwE. — Chirsi"-, Chriesi-: I.Stock
mit Haken, um mit Kirschen behangene Äste heranzu-
ziehen (s. Häggen 1 a 1) B; Sch; Z; Syn. Kr.-Häggel.
.Kriesehagken , hamus.' Mal. — 2. unförmlicher,
grosser, verschnörkelter Buchstabe (s. Häggen Ü d)
AaF.; Sch; Z; insbes. das altmodische Schriftzeichen
für s:f Z.
Chosol-: unreinliches, nachlässiges Mädchen L.
S. Häggen 3 b 3 und vgl. das Folg. — Kohlen, sudeln.
Kät- CChä'd-J: schmutzige Person ZLunn., rS.;
aber auch in günstigerem S. : arbeitsame Bauerndirne,
die auch vor schmutziger Arbeit nicht zurückschreckt
ZZoll. — Chlamm-, in AAPri.; S Chlemm-: 1. wie
nhd. Aa; ScuStdt; S; Z. — 2. a) Schelte für eine
Weibsperson AASt. — b) Spottn. des Polizeidieners B.
Kräz-: ein Gerät der Fischer, ähnlich dem Geren,
nur mit 6 (statt bloss 3) und unten umgebogenen
Zinken oder Angeln. Der Fischer hakt damit den
Lachs fest und zieht ihn ans Land. Vetter 1864. —
Von kräz,:n, s. d.
Lüs- Bs, Lüs- Z: Schelte, lausiger Mensch. —
Leist-: Haken, mit welchem der Schuster den Leist
aus dem fertigen Schuh zieht S; Z. — Mist-: 1. Gerät
zum Herausschaffen des Mistes aus dem Stall Ndw
(auch Misti-H). ,Da war ein frow und tat ein stall
uf; da we"t er ein misthaggen erwüschen.' 1531,
Absch. ,3 misthaggen.' 1550, SchwE. Inv. — 2. weibl.
Scheltname Aa.
BoU-: 1. Mörser zum Schiessen, Böller W. —
2. Poll-Hack, unbeholfener Mensch Gr.
1 wahrsch. zunächst eine Büchse (s. H. 1 a S) mit kur-
zem, dickem Lauf; vgl. Boller-Büchs. — 2 bezeichnet wohl
eig. plumpe Statur, wie nhd. .Boller'.
Bund-, in GRNuf. Fun-, in B Bunt-, in F
Punt(h)aggo : 1. eiserner Haken oder Klammer zum
Befestigen von Holz beim Sägen BSi.; GuNuf., von
Balken oder Holzstücken an einander oder an die
Unterlage bei Zimmermanns- und Schreinerarbeit Aa;
F; GrD.; L; G; Z; Syn. Heft-, Klamm-H. Abi. ver-
bund-hdgglen. — 2. Haken mit Stiel zum Binden von
Heu, auch zum Befestigen von Lasten B. Gang du
und hol-mer de" Bundhägge, dass i''' dm'" d' Sou
a'hefte'! sagt man, um einen lästigen Zuschauer beim
Schweineschlachten mit einem angeblichen Auftrag zu
entfernen. Ähnliches s. unter Wurst-Hobel (Sp. 947),
Stichel- Streckt. ,Hami ferrei, pund(t)hagken.' Fris.;
Mal. ,An Mülingeschirr : Bundhäcken.' 1659, SchwE.
Klosterarch. — 3. Punts-H., Lerchensporn, corydalis
Cava Gr. — 3 vom spornartig gekrümmten Ende der Kron-
blätter. Syu. Guli.
Bank-: 1. eiserner Haken, den der Wagner (Z)
oder der Schreiner (Bs) in die Hobelbank stösst, um
das zu bearbeitende Holz festzuklemmen. — 2. vier-
kantiger eiserner Pflock mit verdicktem Kopf, deren
je ein Paar zum genannten Zwecke gebraucht wird
Aa; Z. hier tw. Toggen geheissen, zum Unterschied
von der erstem Art. — Berg-: Bergstock mit Spitze
und Haken, den man an gefährlichen Stellen in Ab-
sätze der Felsen einsetzt UwE. — Blatt-i?(V////(:
Häklein aus Holz, Eisen od. Bein, bzw. ein mit einem
Hagg, liegg, higg, hogg, hugg
loor,
Einschnitt versehenes Metallblättcheu an einem höl-
zernen Griif, womit die Zettelfäden durch das , Blatt'
gezogen werden Aa. — Brett-Hägge": bewegliches
Eisenbeschläge, wodurch die Seitenwände des SchiiFes
an das Segelbrett angeklammert werden Z rS.
Rit-: eine Art Zange, deren einer Sehenkel aus
einem beweglichen Haken besteht, und vermittelst
deren der Kufer die Dauben eines Fasses heraushebt,
um entweder den Boden leichter einsetzen oder die
Fugen mit Schilf blättern verstopfen zu können Ap.
Das ,Klten' in dieser Verbindung bezieht sicli vielleicht
darauf, dass der Küfer seine ganze Körperlast in wiegender
Bewegung auf das Werkzeug wirken lässt.
Seiler-: am Seilerschlitten angehängter H. Z.
— Vorsetz-: Werkzeug der Zimmerleute Z. Syn.
Frosch. — ,Schiffhagken, anchora.' Mal. — Ge-
schänd-Hägge": Einer, der Freude hat. Andern
Etw. zu verderben (g'schänden) GoT.; Syn. G'sch.-
Hufen. — Stig- = HäggenlaS kk; S; Syn. Oberte-,
Stig-Leitere, Stlgi, Stigele; Stig-Ncigel. — Dach-:
(PI.) hölzerne Haken, in Abständen von je 6' ange-
bracht, um die Latten (Stangen, mittelbar auch die
Steine) auf dem Dache festzuhalten Schw; Ndw. —
Doppel-: 1. die grösste Art der Häggen 1 a 8.
Auch = Böller W. Ein Gemeindevorsteher, der ein
obrigkeitliches Schreiben nicht recht lesen konnte,
erklärte, es seien Filsi [Flinten] , Lame', Chrumm-
strich und Toppelhal^e' in der Schrift und das bedeute
Krieg Gr (Tsch.). ,Pulver-Fläschen, Doppelhöggen,
Model zu Doppelhöggen, Bandalier; Lunden.' 1659,
Inv. des Zeughauses SchwE. ,Üoppelhacken, tormen-
tuni duplicarium.' Denzl. 1677; 1716. ,Das Zilschiessen
mit den Doppelhögken und Stucken soll fortgesetzt
werden.' Z Mand. 1696. — 2. schwerfällige, unge-
schickte Person L. — Trag-: hölzernes Werkzeug,
dessen sich die Küfer vormals, da die Dauben noch
einzeln angeschnitten und an die Böden angepasst
wurden, bedienten, um den Dauben während dieser
Hantierung Halt zu geben Z. .Der Meister Küfer hat
im Bindhaus . . . Tr.' 1659, SchwE. Klosterarch. —
Trüll-: Haken, dessen oberes Ende in einem Ringe
(Zicinge) steckt und darin drehbar ist (sich trülletj
und der in den Knoten eines Seiles eingehängt zum
Aufziehen der Garben in der Scheune dient Z. Syn.
Ufzieh-H. — Wiber-: ein Kunstgriff beim Schwin-
gen, wobei man den Gegner an sich zieht, das rechte
Bein hakenförmig auswärts an das des Andern schlägt
und ihn dadurch zu Falle bringt LE.; Uw. Vgl.
Haggen 2 a. — Wand-: Haken, Nagel, Etw. an die
Wand aufzuhängen BSi. — Weri- = Häggen 1 c 1
ScHwArth, Brunn. — Zug-: Haken am Pflug, welcher
kürzer oder länger am Stege eingehängt wird, je nach-
dem man mehr oder weniger tief pflügen will AaF.;
Syn. Zug-Ring. — Uf-zieh- = Triill-H. Z. — I»-
lieh-Höggli = Blatt-H. Z. — Zer'-Hägge": ein
Fehler im Gewebe, der entsteht, wenn in Folge eines
Knotens zwei Fäden im Schussloch selbst sich an ein-
ander hängen, ohne dass es die Arbeiterin bemerkt,
und der Schuss hinter dem Knoten durchgeht, so dass
beim Zuschlagen des Blattes die betreifenden Zettel-
fäden nachgezogen (gezerrt) werden, indess der durch
den Knoten festgehaltene Schuss aus der gehörigen
Lage kommt. Ein ganz kleiner Zerhaggen heisst auch
wohl Änhenker Z.
hägge", bzw. -Ö-; 1. mit einem Haken oder mit
gekrümmten Fingern, Klauen ziehen. So abe-h., z. B.
beim Kirschenpflücken; von einer Katze, die ein Stück
Fleisch erbeutet; y otn Häggenmann [Wassergeist], der
Kinder in die Tiefe zu ziehen droht; use-h., ein Stück
Hausrat bei einer Feuersbrunst Z. — 2. sich auf
Händen und Füssen bewegen, wie kleine Kinder, die
noch nicht gehen können Schw; Zg; Syn. gräpen,
schnäggen. — 3. unordentlich hacken (auf nassem
Felde) ZG. Schlecht, leichtfertig arbeiten; drt' h.,
unordentlich dreinfahren ZO. Schlecht schreiben:
.Ihr verstehet kaum euren Namen zu schreiben und
wenn ihr eine Stunde daran gehögget habet, könnet
ihr 's selber nicht lesen.' Stütz 1851. Sin" Name'
ane"-h., in schwer lesbarer Schrift unterzeichnen Z.
Vgl. Häggen 2 d. — 4. unredlich handeln, Knifl"e an-
wenden, um Andere zu übervorteilen, zu Ränken ge-
neigt sein Ap; Gl; Gr; GoT. Auch häggfejlen. Vgl.
Häggen 3 b 2. — 5. zanken. Ir heit doch Nüd a's
z' h., sagt die Mutter im Tone des Vorwurfs zu ihren
Kindern,
Bed. 2 erklärt sich ans der krummen Haltung und Be-
wegung der Glieder; 3 bezieht sich auf die krumme, un-
regelmässige Gestalt der Arbeit, 4 auf die krummen Wege.
ab-: 1. abmarkten, Einem Etw. auf unrechte Weise
abgewinnen, abzwacken Ap; GnPr.; G. — 2. ,mit
Einem a.', den Verkehr abbrechen Ap (St."").
Bed. 1 zu häggen 4. Bed. 2 i. S. v. abhängen, d. h.
etwas Angehängtes, z. B. von einem Wagen, losmachen. Vgl.
die Gegensätze .anbinden, anknüpfen, in-henken, anbangen'
von geselligen Verhältnissen.
ver-: verunstalten, verwirren, z.B. ein Schreib-
heft mit schlechter Schrift ZZoll. Auch von anderer
unordentlicher Arbeit ZO. Grad ist e Mus über d'
Milch i-e g' Sprunge". Lueg, wie de Nidel verhögget
ist ! Stutz. Verhägget, verwickelt, verworren, schwer
zu lösen BGr. Vgl. ver-hägglen.
Hägger ni.: unredlicher Knauser, Schalk Ap. Vgl.
Häggen 3 b 2, Häggi. — Häggeri, -ei f.: 1. un-
ordentliche Arbeit ZF. — 2. unehrliches Handeln GRPr.
Häggerin: ein weibl. Gespenst, ähnl. der Klungere
Zßicht. — Wahrsch. mit gebogener Nase, s. Unggen-Nme.
gehägget. ,Uncus, gehagket, hagkenweis, krumm.'
Fris.
Häggete f.: unordentliche Arbeit, bes. schlechte
Schrift Z.
Häggi m.: Mensch, der im Verkehr Schwierig-
keiten macht, Andere übervorteilen will Gl; GWa.;
vgl. Hägger.
g'häggig: verschnörkelt, von der Schrift Z.
verhäggle": in Unordnung bringen, z. B. Federn
auf dem Hut BBurgd. Vgl. ver-hägglen.
„häggne° = hägglen W."
Hägg m.: 1. geringe Kuh mit abwärts oder nach
hinten gekrümmten Hörnern Gl; G (-e-J. Kühe von
dieser Art gelten als bösartig. Vgl. Furgg und Heggi.
— 2. im Umgang schwieriger Mensch Gl.
Der begriffliche Zshang zw. Hagg und den folgenden
VVW. mit -ö- einerseits und Häggen anderseits veranlasst
die Einreihung an dieser Stelle, obwohl nicht verschwiegen
werden darf, dass für die meisten der betr. MAA. die Regel
nicht a, sondern ö als Uml. verlangt. Das sonst unerklär-
liche ö beruht viell. auf Vermengung der vorliegenden Fa-
milie mit der Familie hack-.
1007
llagg, liegj?, higg. hogg, hugg
1098
hägg: krumm, gebogen, schief, „z. B. von der
Nase LE." D' Haimen ist z'Mg a'g'stelU, wenn das
Eisen der Hacke zu schief am Halm steht Aa. Der
heit-mer die Baue z' wenig h. g'macht SL. Übertr.
auf Geistiges. De'' Chopf ist mir h., verdreht, ver-
worren, von zu vielem Trinken L (Ineichen).
Eig. wohl: hakig, hakenförmig, von der verkürzten Stamm-
tVirm nayg abgeleitet mit -i (e), welches dann abfallen musste.
Hie von St. angegebene Nbf. häyya (adverbialer Gen.) deutet
darauf, dass das Adj. meist nur präd. gebraucht werde.
hinder-hägg {-ig Bliümm., -isch LE.): 1. hinten
umgekrümmt L (Ineichen). — 2. zurückhaltend. Syn.
hinder-hebig. a) im Gebrauch von Geld od. Vorräten,
sparsam, karg, geizig B; „LE.;" SRech. Chlei [ein
wenig] h. verfare' mit dem Wi". Schild. — b) mit
Mitteilung der Wahrheit, nicht oifen B; „LE." —
c) mit Leistungen für Andere, im Verkehr übh., wider-
spenstig, ungefällig, wer Schwierigkeiten macht, nicht
mitmachen will, aus Bequemlichkeit oder Misstrauen
BGümra., K., Si. ; Syn. verbiinstig. Cliriste' hei nid
welle' d' Steine' wegrüme' uf-em obere" Berg mW ist
süst hinterhdgg g'sl; «•"' so htt d' G'meind en andre'
Chiiejer welle' BM. (Schwzd.). Wer Kniffe anwendet
LE. (St.*"). Vgl. Häggen 3 b 2, häggen 4. ,Hinder-
häg', fingierter Ortsn. Gotth. — Viell. aber Abi. v. Hny.
Häggel (bzw. -ö-) m.: 1. Haken AASt; L. —
2. Gerät zum Wegscharren von Unkraut AASt.; Karst
Aa oP. — 3. Joch, Doppeljoch, das 2 Zugtieren, Och-
sen, auf den Nacken gelegt und an den Hörnern be-
festigt wird L (Ineichen). — 4. unleserliche Schrift-
züge L. — 5. de" H. (auch: Häggli) züehe', die Kraft
mit Jmdm messen, indem man einen Finger, meist
den Mittelfinger, in denjenigen des Gegners einhäkelt
und Diesen (meist über den Tisch oder eine andere
Sehranke) an sich zu ziehen versucht. Er hed-em de"
H. möge", ihn bezwungen Ap. S. hdgglen 3. — ö. un-
behülfiicher Mensch L; vgl. Häggen 3 b 3.
Chriesi- := Kirsi-Häggen Aa oF.
Bach-: Wassergeist, Nix. Der B. tuot di''' i"
Bach inne" zere", RA., um die Kinder zu schrecken
ScHwIb. — Sonst Hagyen-Mann; s. },äyyen 1.
„Häggelef. : 1. Name eines weiblichen Gespenstes,
dem die H.-Nacht geweiht ist AaP.; L." Vgl. Häggerin.
— 2. verschmitztes Weib; Hexe.
Scheint trotz der Kürze des Voc. mit Uäyadi, Jiäyye*
vwdt zu sein; jene dürfte viell. auf Einduss des syn. Sirägyele
zurückgeführt werden.
häggele" (bzw. -Ö-): kleine Kniffe anwenden G.
— Syn. hüyylen 4 und, wie dieses, Uim. zu häyyen 4.
Häggeler m.: 1. Mensch mit auswärts gekrümm-
ten Beinen BHa. ; vgl. schilt-lwl. — 2. Hakenstock BHa.
Häggeli n.: unscheinbares Mädchen. Vgl. Häg-
gen 3 b 3. ,Wenn er so reich ist, so muss er ein
Narr sein, dass er so ein H., so ein Schlärpli will,
nicht recht im Kopf, er würde sonst auf eine Hüb-
schere sehen.' Gotth.
hägge°: schief gehen, hinken, von Vieh ZSchönenb.
Vgl. Häggeler 1.
Butze°-, Boize"-Häggi m.: Name des Teufels
LM.f Syn. Borzi-Hälli. — Botz, Butz, Spukgeist; H&yyi
viell. mit Bez. auf Heil-Hayyen.
häggle" (bzw. -Ö-): 1. mit Haken od. Ähnlichem
hantieren. B' G'selle" höggle'd-si [die neue, in die
Hohe der Schalllöcher emporgezogene Glocke] ine*.
EScHöNENEERGER. ß' Chatz höggUt Brocken us der
heisse" Milch Z. Auch intr. : die Krallen sehen lassen,
krallen, kratzen, von der Katze Aa. — 2. den unter
Häggel 5 beschriebenen Wettkampf ausüben, allg.
Das Ziehen geschieht auch mittelst eines Ringes von
Schnüren, Draht oder Weidenruten, in welchen die
Finger eingelegt werden. Vgl. GKeller, ,Fähnlein der
7 Aufrechten.' — 8. „schlecht schreiben"; g'hägglet,
unleserlich geschrieben L. — 4. Dim. zu häggen i
B; Gl; insbes. z.B. Versprechungen nicht erfüllen,
Schulden abläugnen B (Zyro). Spitzfindig reden GStdt,
Streit suchen, hadern, zanken, zänkeln Bs (Spreng);
BHa.; ZO.; Syn. Iranglen. Es git es G'hägglets, Streit
BHa, — 5. sich betrinken. Er hed g'hägglet, ist be-
trunken L (Ineichen). — 6. beim Kartenspiel das Zei-
chen eines Hakens machen, wodurch die sog. Eicheln
(verbotener Weise) sollen angedeutet werden. Da
rvird weder g'schniipßet no''' g'schilet, tveder g'lället
no"'' g'häklet GSa. (Proph. 1855).
abe°-: (Kirschen vom Baume) herunter ziehen Bs;
Z. — i"-: in ein Häkchen einhängen (die Hafte von
Kleidern) Ap. — use-: heraus nehmen Bs. Bildl.:
aus einer Verlegenheit erlösen Sch. Refi.: seine Ehre
gegenüber Anschuldigungen zu retten suchen Scu. —
ver-: verwirren, Faden und Schnüre, ein Geschäft L.
Vgl. verhäggen, verhägglen. — ver-bund-: scherzh.
= heiraten Z; Syn. ver-lieb-löchlen, ver-e-grümplen. —
z'sämme"-: in einander hängen, verschlingen. Die
kleine" Finger händ-si [zwei Kinder, die beim Spa-
zieren einander fuhren] z.-g'hägglet Bs (Schwzd.). —
,zueche-: uncino attrahere.' Id. B.
Häggler m.: 1. Einer, der im Hägglen 2 stark ist
B; Z. — 2. streitsüchtiger Mensch, Zänker Bs (Spreng);
B oHa. Zu hägglen 4. — 3. eine Art schmackhafter,
roter, „aus England eingeführter" Kartoffeln mit ha-
kenförmigem Ende Ap; „B;" Gl. Vgl. Schnäbelcr.
,Rote Nierenkartoffel, Häckle[r], Häckli.' Heer A:
Blümer 1846, 386; Heer & Regel 1845, 41.
„Gürbi-: Drechsler, bes. der Spinnräder macht
BÜ.; F; Syn. G.-Reiser.'
Hägglet m.: der Wettkampf im Hägglen 2 Schw.
De" H. g'winne'.
Hägglete f.: Häkelarbeit ßs; Z.
Häggli m. = Häggel 5 ApK.
ver - häggele" : verhätscheln ZNer. Syn. ver-
tag gelen.
,Hurst-hegg, vel heidelber vel bramber.' Ebinger
1488.
Hurst, Gesträuch ; vgl. nhd. ,horsten'. ,Hecke' bed. nach
Gr. WB. IV 2, "43 urspr. Dornstrauch, bes. Brombeerstrauch;
auch Maler erklärt: ,Hecken, dorngestäud.'
.jHegge" I f. — PI. Heggeni: die Frucht des
Hagedorns od. Weissdorns, erat. oxyc. B. Syn. Heggi-,
Dorn-Beri.
heggaze": ein Spiel der Knaben, wobei sie kleine
Steine auf die Zehen legen und sie so, auf einem Fuss
hüpfend, ohne sie fallen zu lassen, einem Ziele zu-
tragen Th t-
Der Gewährsmann dürfte Jas von ihm beschriebene Spiel
selbst nicht mehr ganz im Gedächtniss haben; denn d.is
Tragen von Steinchen in hüpfender Bewegung nach einem
Ziel gehört zu dem von Rochh. (111. Schweiz, Bern 18G4,
S. 472 f.) unter dem Namen ,in den Himmel hoppen' be-
schriebenen Spiele, wobei der Spielraum in B hinter einander
Hagg— Inigg. Hah— huli. Haj — liu
liegende Rechtecke abgeteilt ist, durch welche man das anf
die Zehen gelegte Steinchen hüpfend hindurchtragen muss,
um in das oberste, ,don Himmel', zu gelangen. — Das W. ist
wohl eins mit hitzgen, ahd. hcskazan, mhd. heschezen, schluchzen.
Das stossweise Vorrücken auf der Spielbahu könnte mit stoss-
weisem Atmen verglichen oder dieses als Sinnbild des Dor-
stens, Schmachtens nach dem himmlischen Ziele aufgefasst
sein. — .Heggenzer', Geschlechtsn. XVI., Seh; Z.
Heggel m.: altes Rind Bs. — Heggele f.: kleine,
magere Kuh Aa. — Heggi f. (St.'), m. (St.^), n. Bs:
(lass. B (Zyro); auch: magere Weibsperson Bs. „Dim.
Heggeli.'^ Heggi auch Geschlechtsn. B (Zyro).
Vgl. Hat/i) (Hegg). Der Quautitätsunterschied wie in
,Häkon : Hacken'.
üs-lieggele": auslachen, verspotten Gl.
Hegge" II: Koseform des weibl. Taufn. Hedwig Bs.
Heiggel, Heiggi s. Heinrich.
Mgge": 1. (in BHa. higgellen) schluchzen, glucksen
(leeres Äufstossen aus dem Magen) BG., 0.; Obw; W.
Wer higget, hat g'schlenet [genascht] BHa. Sprüche
gegen das Schluchzen s. ßochh. 1857, 343. Syn. huggen,
herschen, hixen, hitzgen, jöschen. — 2. stark atmen
vor Anstrengung BG. Vgl. hippmen. — Higgi I n.:
1. das Schluchzen, Glucksen, Äufstossen aus dem
Magen BHa. (auch Higgelli), Stdt. D's H. ha' BG. ; W.
Syn. Gluxi, Huggi. — 2. Atmungsbeschwerden BG.
— higgne", higne": 1. ^higgenl Aa. — 2. „higne'
Aa, hiekme' Gl; GRh.; Z, laut und stark (nach schnel-
lem Lauf, bes. von Tieren; Syn. hits-blären) oder tief
und schwer (nach heftigem Weinen) atmen."
A'gl. ahd. henkaain, schlnchzen; mhd. zsgez. hescheti —
Alles Nbff. oder Variationen des nachgeahmten Naturlautes
selbst, dessen Grundform wohl auf Guttural ausgeht (ygl.
engl, hic-congh und frz. hoquet), für den dann auch Labial
eintreten konnte. — St. 's, auch vom Arch. Vet. 1820 über-
lieferte Schreibung mit c-k deuten wir auf reine Tennis
(gg d. i. t), was mit Bez. auf Gl u. GRh. gar keine Schwierig-
keit macht; zur Verbindung von hickmm mit kicken 1 .5 stehen
die Bedd. zu weit von einander ab. Vgl. Anm. zu hehelen.
Higgi II s. Christian.
Hoggängg: Neckw. Um Einen zu narren, schickt
man ihn z. B. in die Apotheke, für 10 Kappen H. zu
holen UwE.
Hoggänggel: 1. Spottn. eines Menschen, der sich
narren lässt, oder übh. Tölpel UwE. — 2. Interj.,
Einem zugerufen, der fällt oder stolpert Ndw.
hügge", nur in der Formel: es högget, es bogget
usw., mit der der Inhaber eines Roulettenspieles, wäh-
rend er dasselbe in drehende Bewegung setzt, zum
Einsatz einladet Aa. — Höggiss, nur in der Ver-
bindung: fes ist Alles) H (und) Böggiss, durch ein-
ander, drunter und drüber, das Unterste zu oherst
Aa; B (P-). Wie die schöne" Möble" da h.-p. uf
enandere' obe' si"! H. JB. und Holebastete' ! Ruf der
Roulettenhalter auf den Kirchweihen L.
Hokus Fokus, allerlei Durcheinander, verworrene Geräte
und Geberden des Zauberers; vgl. engl, hodge-podge. Die
Vben sind wahrsch. aus diesen Substt. gebildet und bedeuten
etwa so viel als : der Zauber (des Glücksrades) ist im Gang.
Holebastete sind wahrsch. hohle Vasteten, mit allerlei Füllsel,
hier i. S. v. ,allerlei Leckerbissen, Gewinnste'.
„hngge" ; Huggi n. = higgen 1, Higgi BGadm."
Hall, hell, liih, holi, huli.
S. auch die Reihen Ha usw., Hnch usw., Uuw usw.
liehele", hihele" Ap, hühene° Gr: wiehern. Syn.
hüchlen, hisclienen; wähelen, wejenen; jüzen; rüchlen.
Vgl. bair. hechezen, hichezen, keuchen, schluchzen ; wiehern,
und VII Comm.: hicheln, wiehern. Alle diese WW., zs. mit
unserm hechlen, hichlen, lachen, und higgen, schluchzen, ken-
chen, nebst dessen Varianten, gehören zn einer Gruppe nach-
geahmter Naturlaute, durch welche verschiedene physiolo-
gische Affektionen der Atmungsorgane bezeichnet werden.
Auch die mit w anlautenden hatten früher vor demselben
Haj, liej, hij, lioj, hnj.
S. auch die Reihen Ha usw., Hach usw., Haw usw.
Ge-hlj G'hi bzw. -eH, Ky-: 1. m., Ärger, Ver-
driesslichkeit Ap; Z. Zum Eei ond zum Trotz Ap.
Eigensinn : Der G'hei löt im 's nit zue, hindert ihn
daran (z. B. nachzugeben). Sülger. ~ 2. n. a) Lärm,
.\ufregung. Es G. mache, viel Aufhebens. Es iseh
si nit der Wert, so nes G. z' mache' .\ASt.; Syn.
G'heie« (subst. Inf.), Lebtig, Metti, G'fäch. — b) GU,
„Kl, ChV, nach anderer Angabe Chin, steiler, schau-
riger Abgrund zw. hohen Felsen; wilder, schmaler,
senkrechter Felsenschlund, von einem Wasser durch-
rauscht W. Auch in Zss., z. B. Chi-Briggu [-Brücke],
Massa-Chi, Ortsn.
1 und 2 a gehören jedenfalls zn dem Vb. gehtjen. Das
Geschl. bei 1 kann urspr. sein oder erst von den syn. ,Ärger,
Verdruss' übertragen. Wenn 2 b hieher gehört, das n der
Nbf. nur als ein irrtümlich reconstruierter Ansl. betrachtet
werden darf, so wäre es von dem selben Vb., aber in der
Bed. ,fallen, stürzen', abgeleitet, als Bezeichnung eines Ortes,
wo der Boden steil abßllt oder wo man (eben darum) leicht
fallen kann. Vgl. G'fett (Bd I 745).
hi(j)e'' hzw. he'i(j)e', das Grundw. der folg. zsgcs.
Verba; nur bei Redinger (s. u. ge-h.).
über-: 1. tr. a) umwerfen S (Schild); einen lie-
genden Gegenstand auf eine andere Seite bewegen
ScH; Z. — b) übertreiben. 7"* Icönnt de' Bademere'
nümmeme'' Secht ge" : si händ 's gar überheit. Gesprach
1712. — c) Jmden mit Unwahrheit überstreiten wollen
Bs (Spreng). — 2. intr. a) umfallen, umkippen, bes.
vom Pussgelenk, überstürzen, über und über fallen
Gl; L(St.''); Sch; Obw; Z; Syo. über-hüselen, -heglen,
-bürzlen. Die Big [Holzschicht] überheit. ,Pr8ecipitem
ferri, so fallen, dass man den Hintern übersieh streckt.'
ScLGER. Lauf, dass-d" über und über heist! Sprww.
1824. Bildl.: P'' überhlje «m'* nid! habe noch nicht
zu viel, z. B. Lohn Obw. Sich überwerfen : d' Eleut
sind mitenandere überheit UwE. Übertr.: irrsinnig
werden Z; vgl. überschnappen, -rüeren. Von Sachen:
fehlschlagen. ,Es stehe im Glauben, d' Sach überhei.'
GoTTH. — b) überlaufen, austreten, von Flüssigkeiten.
De Bach ist überhit B; L; Th. Es überheit, die Flüssig-
keit läuft über den Rand des Geschirres AaB.; Tb.
Von der Galle s. Sp. 204. — 3. Ptc. Perf. als Adj.,
bzw. .\dv., Verstärkungsw. i. S. v. übermässig, überaus
Aa; Ap; L; GT.; Sch (Kirchh.); S. Überheit scitön, vil,
voll udgl. En ü-e Städ [Pracht]. D' Lüt hei gar ü.
hij,
Freud g'ha mit-is S (BWyss). ,Ihr Gnaden habens über-
heit gezürnt, dass ich mein Haus vernüwt', Stauifacher
zu Gessler (auf einer Inschrift von 1(J95).
Bei der etwas unklaren Angabe 1 c mag crhijen, erlUgen,
mitspielen. 3 erklärt sich aus 1 b oder 2 b.
er-: 1. Falsches ersinnen und aussprechen, lügen,
erlügen Ap; Bs; GRSchud.; Th; W; Z. Du hesch-es
erheit. So mues-i 's dann erheit ha' [wenn meine Aus-
sage nicht wahr sein soll] Z. Er het-ne g'heissc
erhlen, ihn Lügner gescholten GrL. Vom Bode' dünne
[von Grund aus] erliU Gr. En erheite Lug Gn ; L ; Z
(das Ptc. hier in abstr. verstärkendem S. = verdammt).
Oft (und z. T. nur) in formelhafter Verbindung mit
dem syn. erlogen: faul und falsch Aa; Ap; BsLd;
B; Gr; L; G; Schw; Th; Z. Erstunken und erhit
ScHwNuol. In GB-h. a.nch: verheit und verlogen. , Wel-
cher zum ander" frefenlich under die ougen in höner
wys redt: du muesst mir 's erhyt han.' Ap LB. 1409.
,Das sind die frefnen Wort: des ersten, dass einer
den andern heisst liegen, oder er hab's erlogen oder
erhit' ScHwMa. LB. , Welcher zu dem andern sagt:
du hast es crheyt, das soll als vil sein, als ob er in
heisse lügen.' 1607, U. , Liegen, leugen, erhejen, men-
tiri, fingere.' Red. 16ti'2. ,Du lügst, ald du hast es
erhygt.' I(i65, GHenneb.-Pet. Landr. ,Er hab's erheyt
wie ein Ketzer.' ZWasterk. Proc. 1701. ,Sie hab's
erheyt wie ein Hex.' ebd. — 2. an einer Behauptung
festhalten, sie durchzwingen Z. — 3. Etw. in Abrede
stellen GrL., Ehw. Auch ver-h.
Bed. 2 und 3 lassen sii:h mit 1 vereinigen bei der An-
ualinie, dass das Festhalten und Bestreiten mit dem Bewusst-
sein der Unwahrheit verbunden sei. — In Bed. 1 ist das
W. ohne Zweifel auch in der folg. Stelle angedeutet: ,Wer
spricht, du hast g'logea oder das ist erlogen oder noch grö-
bere wort, damit das wort liegen g'ineint würt, harzu brücht,
der soll 3 ß geben.' 1539, B. Man sieht daraus, dass es
eig. verpönt war, weil es unsaubern Ursprung hatte, mehr
als das syn. ,erstunken', welches eig. nur ,faul gewordeu'
bedeutet (vgl. ,faul und falsch'). Daher auch die gelegent-
liehe Ersetzung des W. durch ,erschn!jen' : ,Du hest's er-
schnit!' JMahl. 1620. — Gr. WB. 3, 847 erklärt ,erheit'
aus ahd. ,erheiet', verbrannt, und dazu scheint auffallend zu
stimmen, dass bei uns für eine starke, offenbare Lüge auch
en ixrbrennle'' Lug gesagt wird; doch wird dieses ,verbranut'
wie bei ähnlichen Scheltww. nur den allg. S. von .verwünscht,
verdammt- haben, oder es beruht auf nahe genug liegender
Übertragung aus der geläufigem Verbindung ,Terbrennter
Ketzer' (vgl. o. den Beleg v. 1701). Jene Deutung scheitert
aber durchaus, sowie die von ,e.' = ,erhegen' i. S. v. ,aus-
hecken', an dem Laut des W., welcher von dem alten Diphth.
(e-i) entschieden absteht. Wenn nun in hijen (resp. i/ehljm,
s. d.) aus dem edeln Begr. ehlicher Beiwohnung der rohe
von fleischlicher Vermischung übh. und insbes. auch von
gewaltsamer Schändung und Notzucht entstanden war, so
konnte erhijm, gemäss der Bd I i02 c ß angegebenen Bed.
von er-, die Bed. von ,erzeugen', und zwar mit dem Nbbogr.
des Willkürlichen, Gewaltsamen, Erzwungenen, Unrechtmäs-
sigen, unechten, erlangen, mit dem es, auf Geistiges auge-
waudt, die Bed. ,erlügen' ergab, gleichsam ,der Wahrheit
Gewalt antun'. — Auffallend bleibt nur, dass das Vb. fast
nur in dem Ptc. Perf. vorkommt. Die in der ä. Spr. vor-
kommende Schreibung mit -g ei klärt sich aus der häufigen
Nbf. hiyiM für Ann (wie friy für fri, drlger für drier u. ä.).
uf-er-: aufbrauchen; verzehren. Ehegatten kön-
nen sagen: Wir haben im Sinn, unser Gut mit ein-
ander ufz'erheien (im Zsleben) UwE.
Dieses Comp, hängt nicht mit dem vorigen zs., sondern
./•- scheint hier für vcr- zu stehen, wie sonst uragek. (Bd l
402/3), wenn nicht der Anl. des wirklichen ver- in dem
vorangehenden / aufgegangen ist; verhijen aber (s. d.) be-
deutet u. A. auch .verzehren, verbrauchen', und diese Bed.
wird durch das vorgesetzte u/- i. S. v. .völlig' nur noch
näher bestimmt oder verstärkt. Vgl. veracklusen.
ver-, bzw. zer-: 1. tr. a) zerbrechen, allg.; Syn.
iierriten. Eine Nuss (aufbrechen) Schw; Syn. tödai.
Si chmm wider flicken, was er verheil heig Bs (Breit.).
Bildl. : ,Die Kinderschuhe v.', = ausziehen, ins er-
wachsene Alter treten. UBrägg. S. noch den Spruch
vom Kukuk Sp. 184 und Hafen Sp. 1007. — b) ver-
derben Gl; Z. Du häst-mer die ganz Such verheil.
Eim 's Spil V. Verheie' und verherge" [verheeren]
BG. 's Mul an Eim v., fruchtlos ihm zureden Bs.
Kinder v., verziehen. Gotth. Es bi Eim v., die Gunst
Jmds verlieren Aa; Ap; Bs; G; UwE.; U; Z. Syn.
verschütlen. Die Herenlüt mänet [meinen], 's si Niemel
sr gschid, als si und der Herr Gott; drum hend si 's
verhit [das Spiel verloren]. AdrGrob 1832. Die Gesund-
heit schädigen : F'' ha mi''' verheil dur''' chalts Bier, es
iseh-mer gar nüd tcol sider Z. De' Mage' v. Z. ,Weil
Wyl uns hat geschlicht [gut gemacht, ersetzt], was
Rapperschwil verheyt' Lied 1712. Auch: Vermögen
verschwenden, durchbringen. ,Du bist ein ful nüt-
sollend mann, das dyn zu verheien was dir so not;
dass hast nit zu b'salen ein stuck brot.' Sal. 1537.
In imperat. Form als (Spott-) Name eines (liederlichen)
Mannes. .Hänsli Verhig-is-land.' XIV./XV., L Pvatsb.
— c) läugnen, in Abrede stellen (in beleidigender,
leidenschaftlicher Weise) GRVal. = er-h. 3 und mit
cer- statt er-. — 2. intr., brechen, allg. 's Etlehnt
ist eittceders sehe' verheil oder es ist am Verheie Aa.
Je tüfelhafter a's me" 's umvie'schlot, je minder ver-
heil 's! BWyss 1863. 's Chind ist nüd vo' Zucker,
es verheil nüd! du darfst es keck in die Hände nehmen
zu seiner Besorgung Z. 's Chäfi [die Spitze des Bohrers]
ist abverhld Ndw. Borsten, vor Lachen oder Ärger.
Zum Verhlje' oder z' Verhijes lache' SchwMuo. Schier
V. vor Lache' Z. 's ist zum Verheie' lustig g'si' Aa
Wohl. Syn. verzipflen, vergütterlen. — 3. Ptc. adj.
a) (auch verhllnig Aa; L; Schw) zerbrochen, ver-
dorben, von körperlichen Gegenständen, z. B. Geschirr,
allg. Auch vom menschlichen Leib. Syn. hinig, kapul.
Mit bluelige' Chöpfe' und verheilnigen Arme'. Un-
wohl, z. B. in Folge von Excessen AAZein. Vgl. den
refl. Gebrauch 1 b. I"* bi' ganz verheil, von Müdig-
keit GWa. I''' bi' wie r., gebrochen, ermattet Ar.
Von einer weiblichen Person, die ihre Jungfräulichkeit
verloren hat oder an einer verdächtigen Krankheit
leidet Ap. In der ä. Spr. vor Schimpfww. zur Ver-
stärkung derselben (eig. durch geschlechtliche Aus-
schweifungen verdorben, dann übh. = ausgemacht,
verdammt usw.). .Du verhitter morder!' 1386, AaZoI'.
,Du lugest als einer verhyter kuegehyger' [s. u. ge-
hijen], schreit der Torwächter der östreichisch ge-
sinnten Zofinger einen Luzerner 1386 an, als er sagte,
er habe den Zoll schon bezahlt. 1387, L Urk. ,J. C.
sy ein verhyter zersschelme und ein keib.' 1392, L
Ratsb. ,Das" dich das nun fallende übel angienge und
bist üsverhyte [ganz abgenutzte] huore.' XIV./XV., ebd.
.Die Bluemin sye ein böse Verräterin und ein verhite
zersdiebin.' ebd. — b) verheil und verlege' = erheil
u. e. AAZein.; GEh.; s. er-h. 1. — c) verhit, listig,
verschlagen BO. (St.''); „verhldig, boshaft BO." In der
ä. Spr. tw. .verhitlich, verhiteklich', zsgz. ,verhiklich' :
1103
Haj, liej, liij, hoj, luij
1104
falsch, meineidig. ,Des sprachen die von Zofingen, sy
wollten der verhyten böswichten und der verhyten
morderen nüt, went sy hetten sy verhytlich und bös-
lich ermurd.' 1387, LSemp. ,Gent uns unser herren
von Lucern nüt den brief, als si uns gelobt hant, so
farent si verhitelich und werdent meineide an uns.'
1393, LSemp. ,Si fuerent ermklich und verhiteklich
an uns.' XIV./XV., L Ratsb. ,Verhyter eid.' ebd. .Er
hab verhiklich gesworn.' TuDiess. Stadtr. — d) all-
gemein verstärkend L; auch (f'hit (s. d.). Ebenso, mit
verstärkendem mm-, GRObS., z.B. die uvirhUige"
Pratze", gewaltigen Tatzen.
Der Name .Verhigisland' muss wohl aufgelöst werden in
,verhig-is[uns[-'s Land', es wäre denn, dass i bloss euphoni-
sches Einschiebsel sei. Bed. 1 h ist eig. ursprünglicher als a
und entspringt aus der in Anni. zu er-h. angenommenen
Grnndbed. ,missbrauchen, misshandeln', deren urspr. Be-
ziehung auf geschlechtlichen Verkehr auch in der Bed. des
Ptc. verhit (3 a) noch deutlich genug hervortritt. Vgl. frz.
foutu, eig. Ptc. von foutre (lat. fuluere), dann : abgenutzt,
verdorben. In Verbindung mit Schimpfww. kommt dies W.
auch im ä. Nd. vor, s. Germania XV 79. — 3 c beruht auf
der Bed. .verdorben', vom Leiblichen auf den Charakter über-
tragen, d nur noch ganz abstr. Auffassung von a, wie bei
vielen Synn. Die intr. Bed. (2) ist später als die tr., wie
bei ge-h. Betr. eine in B vorkommende Nbf. verhinken (resp.
verheicJien) s. die Änm. zu f/e-h.
ge-hi(j)e» (ih- \inälx-J, in B; Z auch g'he'iche:
1. intr. a) fallen, jetzt in gebildeteren Kreisen mit
dem Bewusstsein, dass der Ausdruck grob, derb,
nicht anständig sei und daher mit dem Nebenbegriif ;
plötzlich, stark um- und hart aufschlagen, allg. Der
Schlachtstier, eine Eiche glieit. Dc (Vogel-) Schlag
ist g'keit Tu. Ab-enand g'h., aus einander fallen, zer-
brechen. Derhar kye, zu Tode fallen B oSi. Er isch
i' Stall ine g'heit, ein grober, ungebildeter Mensch S.
Er g'heit über Alles ine, sieht nicht, was vor ihm
liegt Z. Wenn Eine'' d' Auge" verbiinge" hätt und
gross Holzschue'' a' und Stogle" drunger, so müesst er
über d' Sach ine g'heie', die Wahrheit entdecken.
Schild. Es ist für drüber übere z' g'h., handgreiflich,
offenbar B; S. Wernid schwimme" cha", g'hit under
BBe. Es ist scho" viängc G'schide' über d' Witz use"
g'heit ZW., mit vermeinter Klugheit zu Schanden ge-
worden. Vgl. uf's Chalbsfell use g'h. Bd 1 771. Dur"''
d' Stegen u-e [hinauf] g'h. ehost't 5 Btm d' Ell L
(Ineichen). So fahre hin und fladere nicht, g'hei d'
Stegen ab und rumple nicht, scherzh. EA. Z; vgl.
auch u. frisch Bd 1 1331. Im Clwpf a" [dem Kopfe
nach sc. zu schliessen] hätt das en guele" Pfarer
g'ge', wenn er sclw" 's Oberte'loch ab g'heiti, 's tät-im
Nüt! AAZein. De"- isch aw'' nit uf ^e" aiojif g'heit!
er ist schlau, ebd. J/j" muess nid mit der Tür i'
d' Stube" g'heie", nicht unbescheiden hereinplurapen
ScuSt. Z' Lumpe" g'h., bankrott werden Schw ; Uw.
Ober d' Wiegn obern oder ina kein, von einem altern
Mann, der eine Frau heiratet, die ihm noch Kinder
bringt .^p. Us der Hut g'h.: 1) abmagern (auch us
em G'häss, Kleid) GrD. 2) zerschellen, ebd. Us de'
Latten kia (eig. von Zugpferden, die über die Deichsel-
stangen hinaus treten, oder von Menschen: über den
Zaun) auf Abwege geraten, Fehler begehen, ebd. I" 's
Mues g'h., pockennarbig werden BsStdt. G'h. lä",
fallen, fahren lassen, insbcs. den Concurs über sich
ergehen lassen Z. Land ir g'lieie" und lönd die für-i
sorge", wo Geld händ! plagt euch nicht weiter! Stutz.
Er hat sis Heime" g'hin" la", an die Gläubiger zurück-
fallen lassen GG. Ant. be-heben 1 c (Sp. 918). Ich
zieh nüd und stosse niid, ich la" 's g'h., uf icel'H Site"
das 's icill ZWäd. ,Halt doch dem Maulaff nicht so
an; la" du 'ne" g'h.' Gotth. Mer tcei" die ung'rade"
Santine" la" g'h., wollen sie nicht rechnen, z. B. beim
Ein- od. Verkaufen BHa. Fallen in abstr. S. a) hei"
g'h., anheimfallen, bei Steigerungen AAWohl. — ß) auf
einen Zeitpunkt treffen. V Sunnete [das Sonnen der
Bettstücke] ist i" d's Summerurleb [die Sommerferien]
g'heit B (Bari). — b) gehen, laufen, aber wie bei a
als derber Ausdruck. 7" 's Wirtshus g'h. Obw; Z;
z' Märit [zu Markte] g'h. Gotth. Ein spät nach Hause
Kommender sagt verdriesslich: P'' bi" halt no''' i" 's
G'meindammes ie g'heit [wo ich mich zu lang aufge-
halten] Z. ,Die können meinethalben g'h., wo sie
wollen.' Gotth. La" doch das Tierli g'h., wo 's ane
will B (Marie Waiden 1879). 's Vech ist vo" dr Alp
gkit, aus eigenem Antrieb zu Tal gegangen GA. ,Ein
landschaft muoss einfart darzuo tuon und für die stadt
gehygen [ziehen].' 1532, Egli, Act. Vgl. Überfall.
Verbunden mit Ortsadvv. G'hei 's ane, uo 's well Z.
Es [das Mädchen] g'heit alle" Buebe" na''' G (Peurer].
Bi" de" Maidle" nohe" g'heit. Stütz. Eine Emmen-
talerin seufzte an einem Samstag Abend: 0 icie schint
der Mond so scMn und wott doch de"" Chetzers Löli
nit zueche" g'h. [herbeikommen].' Furt- g'h. GA.;
ScHSt. (auch drüs-). ,lch könne ja ohne Zeugniss
fort g'heicn, wenn ich nicht gern bleibe, sagten die
Meistersleute.' Stutz. Es angers Mal weisst de"", ob
de fürt g'heie" [von Hause weglaufen] sottsch, we""
de"" daheime" all Häng voll z' tue hesch. Gotth. Dervo"
g'h., entlaufen, desertieren Schw; üw; Ü; Zg. Sit i'''
g'hiratet hab, isch mir nie wol, und wenn mich nit
schäme" tat, so kyt-i''' darvo". Uw Liedchen bei Heinse
IX, 35. Umenandere g'h., sich herumtreiben, herum-
schweifen B. Im Alter der Gmeind hei"' g'h. Bieder-
mann. ,So g'hyend s' [in] 's tüfels nammen hin ! ' [Ver-
wünschung]. EScHMiD 1579. Eefl. G'hei di''' (fürt)!
packe dich! Bs (Spreng); B; Z. G'heied-ech füre!
kommt hervor! B. Er soll si''' zu den Andere" g'h.
[mit ihnen fort]. Gotth. ,Fort, ghyen euch zum Land
hinus.' JCWeissenb. 1701. — 2. tr. a) fallen lassen,
machen; werfen, schmeissen. allg. Syn. (aber feiner)
fällen, riieren, triben. Grosse Steine g'h. Bs (von
kleinen schiessen, benglen). Eim e" Loch i 'n Clwpf
g'h. Bs. De" Bese" für d' Füess g'h., den Dienst auf-
künden Bs (Spreng). Öppis über *e" Hufe" g'h., um-
werfen S. Banne" (B; F), dervo" (G; Uw), eweg (Ap;
ScH; Z) = tise" g'h. 2 a. Eine" i" 's Loch [Gefängniss]
g'h. Z. De' Wind g'heit [treibt] 's Wetter hinte" dure
AAKlingn. ,Man wurde jn [Zwingli] der tagen eins
über die kanzel ab ghyen.' 1521, Egli, Act. ,Die von
Wesen band entbotten, sy wellent die alt huor von
Einsidlen bald us der kirchen geheyen; understand
sy das, so wellent wir sy umb ire grinde geheyen,
dass inen . . .' 1529, Absch. ,Er habe auf die Frage,
wie es komme, dass er so schnell Messe lese, geant-
wortet: he, ich gohyen unsern hergott schnell hin und
wider.' 1548, ebd. — b) auf das Geistige übertragen.
a) plagen. Er ist nienerzue [zu Nichts] guet a's d'
Lüt z' g'heie" Bs (Spreng). ,Hejen, gehejen, kwälen,
vexare, inolestare.' Eed. 16ö2. ,Die alten Grafen uns
liebten alle Zeit, wir waren nicht wie Schlaven von
ihnen stets geheyt.' Lied eines Toggenburgers 1712.
Haj, hej, liij,
In ä. Verwünscliungsformeln: schänden, verderbun.
,l)(ji-»tüfel gchye dich!' Ar LB. 1409. ,Dass uns gotts
grind gehyg! Dass dich gotts wunden gehyg!' um
1480, GT. ,Das muoss dich gotts wunden gehygen!'
[ein Zuger zu einem Zürcher, worauf sofort Schlä-
gerei]. 1522, Strickl. ,Gottgeb, man folgte jnen [den
neuen Predigern] oder nit, in des tüfels namen, der
sollte sy gehygen.' 1525, Egli, Act. Ein Zuger habe
zum Zürcher geredt: ,kyge den Zwingli niemands,
hie küedrcck, hie küedreck.' 1531, Absch. ,Du küst
[beleidigst] mich.' Funkelin 1552. ,Der tüfel sollt jn
trügen, nemen oder ghygen.' 1566, Zg. — g) ärgern,
verdriessen, reuen, mit Sach-Subj. (bzw. ,es') und
Acc. P. allg. Wie bin t"* so dumm g'sl'! 0 icie's
mi'^'' jetz g'heit! 0 hett-em 's [ich es ihm] doch g' seit!
Tu (Schwzd.). Das spät Hürate" hed scho' Mänge"
i/liit Scuw. Wann di"'' Öppis grüsli klt, Ms eweg und
hüb 's für Nüd ! Schw. Hed Eim öppe" Öppis g'heit,
hed [man] bim Esse' Alls vergesse". HXfl. 1815. Es
war [würde] mi''' Tüfels [schrecklich] g'heie Ar (Merz).
Bit't en grosse'' Herr vorbi, g'heit 's di"'' givüss keis
Bitzeli. Stütz. Refl. pers. Wie si si''' g'hei, sich
ärgere. Gotth. Syn. sich kiben. ,Alle die, so den
nüweu lerem anhangent, sind erz-leckersbuoben, ja
erz-leckersbuoben, und wölchen das ghisrt. der neme
sich des an.' 1523, Stkicki,. .\V,.lrhcr sprirbt im z,.r-
nigen gemüet: g'hygt's diili ..dvi niürvt's ilidi, sd tue
darzue [soll als der Urheber iles Streites angeselien
werden].' XVI., LWill. Stadtr. Satan: ,[lch] meint,
hätt den Vogel schon im Schlag, so hat mir ihn schon
g'jaget ab der Himnielsalf mit seinem Schreyen. Ich
säg's, es tuet mich übel gheien.' Com. Beati. ,Und
wann es ihn geheite, rumpantur illi ilia.' Met. Hort.
1692. , Weiss und Blau Überort, Zürich ist Vorort,
das tuet die Berner g'heien.' Lied 17r2. Wahrsch.
gehört hieher auch die Formel g'h. und g'lusten, da
das Gelüsten als solches, d. h. so lange es keine Aus-
sicht auf Befriedigung hat, als ein unangenehmer Reiz
empfunden wird. Er chunnd über [bekommt], was e'
g'keid ond g'lost't Ar ; G. Uhannst esse', was di''' g'liist
und g'h'it L (Ineichen). Aber die nachfolgende Anek-
dote zeigt den naheliegenden Doppelsinn des W.: Ein
Knecht war von einem Bauer unter der Verabredung
angestellt worden, dass er aufstehen und sich nieder-
legen könne, wann es ihn keie und g'luste, war aber
bald im Falle, sich über Verletzung des Vertrages zu
beklagen. Der Bauer behauptete jedoch, dass er Wort
halte, da er den Knecht zu Bette gehen lasse, wann
es denselben gelüste, und es ihn allemal keie [ärgere].
wann er wieder aufstehen müsse, (nach PScheitl.)
Umgekehrt scheint in der ä. Spr. auch das allein ste-
hende g'h. i. S. T. ,gelüsten, belieben' vorzukommen:
,Es gange die schäbigen puren nüt an, er möge es
vertuen, wie es jm kyg.' 1522, Absch. — y) angehen,
kümmern Ap; Bs; BSi.; Gl; L; G; Sch; S; Th; W; Z.
Und wenn i''' Hauch viach, wie-n-i''' will, was g'hil
das wohl en Andre ril? Mekz. Was <j'liiit -dr'' iln^,
wenn i"'' mit mim Gelt mache", icas r'' inll' .SuhuHl'
hi, Sunntig her, was gheit mich der Soimtii^-':" lionii-
Ber Wi' ist guet, was klt mich emf Buch:' W. Was
g'heien- ech d' Lüt? Mit zugesetztem ,daran' oder
,daruni' (nach den syn. Verbindungen: ich kümmere
mich darum, es liegt mir daran), 's ist iez eso, tvas
g'hit's mi"'' dra"? Merz. Es g'hlt mi"' dra' nit W.
,Was kygt's üch, was wir hie fressen?' 15'24, Strickl.
Schweiz. Idiotikon. II.
,Was ghyt 's die puren, was myne Herreu machen':"
1525, Egli. ,Grinen und singen, beide sind glich.
Was ghits mich druinb, sing notti [dennoch] ich.'
JCWeissenb. 1702. Han i''' üch Öppis z' leid tu', was
keit's mi dra? Güldi 1712. — 5) refl. pers.: sich
kümmern. Er keit sich um Nieme Nüt Bs (Spreng).
G'hei di"'' nit drum! Aa (Minnich). Daher das subst.
Satzw.: En G'hei-mi-nit (drum) Aa; Bs, oder G'hei-
mi-um-Nüt, gleichgültiger, sorgloser Mensch Bs. —
c) futuere und zwar i. S. v. unnatürlicher Unzucht,
Blutschande oder Bestialität, als arges Schimpfwort.
Einer wurde für 5 Jahre verwiesen, weil er gesagt
liatte: ,Gott hätte syno Mutter gehiten [1. gehigen].'
XIV., Bs (Ochs). ,Wer spricht, dass einer syn muoter
gehig, der sollt es als ein freven wort büessen.' 1427,
Schw. ,Welcher dem andern under äugen spricht:
böswicht, Schelm, gehy dyn muetter, du lügst, du hast
es erhyt oder verlogen, soll 5 pfd pfenn.' XV., Gl.
,Und heisst ein kue gehigen oder was er in lieisst
gehigen, das unchristens [ein Vieh] ist' 1456, Gfd.
,Von küe gehien red wegen. Wer dem andern under
ougen zueredt, er hab als gewär ein kue gehyt oder
angangen, als ich das [und das] getan hab, der ist ze
buess verfallen.' XV., Gl. Diese Schmähformel muss
verbreitet und volkstümlich gewesen sein ; denn genau
so schimpft a. 1400 ein SGallcr auf die Eidgenossen :
,Er wellte, welcher vor SGallen gelegen war, dass er
ain kue angangen hott.' Vau., wird aber dafür zum
Feuertod verurteilt. ,Er wollte, welicher das [Schmach-]
lied gemacht, dass derselbig für sich usshin ein kuog
oder ein esel ghygt hette.' 1524, Strickl. ,Sie wöll-
tind, [dass] welche unserm glouben anhiengend, küe
und merchcn gehyt hettind.' 1529, Absch. ,Wöliclier
das redt, der hat ein kuog ins füdloch inhin ge-
hygt.' 1531, Absch. Auf deui l>"|i|i.-l,siiiii vun hk-
g'heit, welclies auch ,uiibelielli'.:f li'^lnilm kann, liu-
ruht folgende Anekdote: ,Kiii,^ nallri, lliiii.lli liillt
einen Si-linvdrr an; der wirft iliii iliiiher mit Sleiih.'ii;
der IMair \|in.'l,l: l,a„s mir iiiriiirn lluiid uii-lirit.
Der S.hin.l.i ; I'mIz Sacklollciidt. riaIV, irh hab dir
deinen Hund nie -lieit, willt ihn glieit haben, su
ghei iliii selbs- SeiiiMi'i-ii, l<ir,l. Al,er aueh .las I'te,
Imp. und l'err. (in stai-ker und seliwaelicr Form)
kommt vor, doch, wie es selieint, n\ir in unliestiniiii-
terem Sinn, als Sehiniptw. in Verbindung mit andern
und zur Verstärkung derselben: ,Swer unordeulieh
sweret bi unsers herren gottes scliedel . . . geheiict
[geheiend?] ald sölich swüere.' XIV./XV., Sch Stdtb.
,Andres zer gloggen sprach, Johanns von gesteilen sye
ein gehigen snn.' XIV./XV., L Katsb. ,Du böse ge-
higende .li'|iin.- i:l!iS, L. ,Du bist ein gehyender bos-
wicht.' 117:.. Ils i'lir. , Waldmann sei ein rechter,
wissentliebiM lioswieht, g'hy[en]der niörder und vor-
räter.' IIST, Z Itatsprot. ,Gehygend ketzer.' 15'20,
Absch. .Ein (Jrosslians und gehyter Verräter.' Helv.
Cal. IT^^Ü. d) eigentümlich und nicht klar, doch
nalivMlieiiilirh aus der eben vorhergehenden Bed. ent-
u.iiiiniru ist das formelhafte ,es gehit haben'. ,l)u
sollt iiit riieten.' Antw. ,Ich will rüefen und solltest 's
gliygt haben.' 1527, Egli, Act. ,Und wir [die Zürcher]
müesstint ire [der Schwyzer] herren nit syn und soUtint
wir es gehygt han.' 1528, Absch. ,Du musst 's tuen,
du sollest 's g'heit haben, solch' anlässig worte sind
buesswürdig.' 1551, Gfd. — 3. Inf. subst. = Gehi ~'a,
grundloser Lärm mit Worten (Rühmen, Tadeln, Zanken),
1107
Haj, liej, liij. liuj, liuj
zu viel Wesens, Aufheliens von einer Sache B; GbV.;
LE.; GG.; Ndw; Z. Bas ist doch es scharpfs [virges]
G'hljn! W. Es (grüseligs) G'h. Im', mache", verfüere'
B; Z. So 'ne Lärmen und so 'nes G'heie z' ha! B
(M Waiden). ,Sind wir nit hie? wie hest es Gheien
mit deinem ungestalten Schreien ! ' Com. Beati. Hieher
viell. auch: in es G'heie' (ZO.), in 's Kein" (GWe.) ine"
cho', in allerlei Umtriebe, Verlegenheiten. — 4. Ptc.
Perf. 1) g'hlt, g'heit. a) adj. a) schlimm, verdriess-
lich, fatal Sch; Syn. g'heitlich. Nebes Keits, etwas
Verfehltes, ein Unfall. Wenn 's lengg Or liltfet], get 's
Nebes G'freuts, wenn 's recht 0. l, g. 's N. G'heits,
aber: Wenn 's lengg Aiig bisst [juckt], g. 's N. Gh. Av.
— P) verdrossen, ärgerlich.*? Über ''e' g'hite (auch
g'heitnig) Willen i-e [hinein], wider Willen L. S. 2 b ß;
doch auch er-h. 3. — b) adv. verst.: überaus, 's isch-
mer keit wol LG. Syn. verhlt 3 d und wie dies zu
erklären. — 2) un-: a) mit verst. Bed. von ,un-'.
a) Adj. von Pers.: unartig, mürrisch, unzugänglich,
ungefällig, unfreundlich Ap; Gl; G; ScnSt.; ScHW;
Ndw (auch um-); ,morosus.' Id. B. En ii-s Chind Z.
En u-e Kerli, Lümmel Sch. Er isch kei" u-e Ma"",
es isch wol viit-em umz'gö' Bs (Spreng). Unleidig,
zornmütig UwE. (auch im-). Ungeduldig. St stirbt
nu [noch] nid, si ist z' u. Ndw. ,Wie bist du denn
so unghit hüt'i" Sal. 1537. Von Sachen: schlimm,
verdriesslich, unbequem Ap; Soii. Söss chöm-mer grad
i die gröst Hitz i-e, get en okeits td- ond ai-Laufe"
ÄP (Halder). — ß) adv., arg. Es het u. g'macht [ge-
hagelt] BGu. — b) mit neg. ,un-' und von ,gehijeu'
i. S. V. 2 b a: ungestört, ruhig. Wie lit [liegt] sl"
Bett [Grab] so ung'heit do ! Me' glaubt, me" heig 's-em
schüttle' lö'. Walcun. 1848. U. lä', unangefochten,
ungeschoren, ungestört, in Ruhe lassen Aa; Bs (auch
scherzh. verkehrt um- BsStdt); B; Gl; GO.; ScnSt.;
S; Th; U; Z; .Diissum facere.' Id. B. K. fragte den
Felk: ,Wie er nit ouch täte und predig hörte wie
ander lütV Felk erwicderte: ,Er sollte jn ungehygt
lassen und schysse in die predig.' 1522, Egli, Act.
Syn. un-cf heiig, -g'schunden, ü-nöt. — c) für um-ge-heit
AAZein. AblL: ge-hltig usw.
Die Nbf. ,geheiclicii' ist wahrsch. aus dem Streben zu
erklären, das immer mehr als grob und unanständig geltende
W. zu verkleiden wie schon in der ä. Spr. durch ,geschntjen' :
,Gang, gesnlje den Animeister!' 1387, (Ochs) Bs. ,Welicher
zu dem andern in einem gächen zorn gredt hat, du bist ein
Schelm, ketzer oder gschnyg dyn niueter oder ander un-
züchtige eerverletzliche Scheltwort ussgossen.' 1539, B. ,Was
got's dich anV Las mich umbgschnyt!' UMahl. 1620. ,Was
gschnyt es mich?' ebd. Eine weitere Ausweichung: i/e-
Unlcen, fallen (Aa; B), i„„i,hn,k,,i. aiiwiitVii ll.l. 1!|. «,«,-;,.'/,.,
herumschlendern (L), vrrlnuL. :,, |»rili rr, insMiiiHhur 1 1.1. Hl,
erklärt sich aus dem in j. n. m i;.i;,ii.1.n \nikuiiiiiiiiidtii I. I»i-
gang der Lautgruppen ink iti c'u-li, t'i{h) nach dem bei Fr.,
Ztschr. VII behandelten Gesetz, so dass dann unigek. ci(h),
eich als aus ink entstanden aufgefasst und dieses unterge-
schoben wurde. — Wie aus nihd. ye-hifwlen, heiraten (von
Tieren : sich begatten), die Bedd. unsers W. entstehen konn-
ten, ist zwar auf den ersten Blick nicht zu erkennen, aber
bei Gr. WB. IV 1, 2, 2340 ff. (vgl. auch Bartsch, Germania
XVI 78/9. XVIII 209) ziemlich einleuchtend nachgewiesen.
Nur müssen auch noch die Zss. über-, er-, ver- und zcr- h
den Zshang hereingezogen, resp. von mhd. hi(whit = gehi(w)eit
abgeleitet werden, wie es unter den angeführten WW. vor
läuüg bereits geschehen ist. Für ge-lt. ist die genetisch:
Keihenfolge der Bedd. fast entgegengesetzt der o. im Text
aus andern Gründen angesetzten. Auszugehen ist von d
aus der mhd. Bed. vergröberten 2 c. Aus dem Begr. von
,Gewalt antun, missbrauchen' in geschlechtlichem Sinn ent-
springt der pon ,uiisshandeln, schänden, verderben' und (ab-
geschwächt) ,plagen' (2 b a). Während die erstem Tätig-
keiten noch körperlich gedacht werden, wird ,plagen' auch
auf Gemütszustände angewandt und ergibt die Bedd. 2 b ß, y, 8.
Zu der Bed. ,belieben' vgl. .gefallen' : .fallen' und ahd. ija-
itsaii, convenire, decere, zu nsan, fallen. 2 a kann entw.
direkt aus der Grundbed. oder aus 2 b als eine Art von
körperlicher Misshandlang (zu Boden od. hin und her werfen)
abgeleitet werden. (Vgl. frz. /oulrc, auch = werfen, stossen ;
/outu, gebrochen, verdorben.) Die intr. Bed. 1 a entspringt
(ausnahmsweise) aus der tr. 2 a; 1 b aus dem Begr. rascher
Bewegung, der in jenen beiden enthalten ist; der refl. Ge-
brauch ist nicht aus 2 a abzuleiten, sundern aus dem all-
gemeinem Begr. ,sich bewegen', viell. aber aus dem von
.plagen', da ,sich scheren' auch die Doppelbcd. hat: .sich
kümmern' und ,sich entfernen'; vgl. ,sioh bemühen' auch
,sich (irgend wohin) begeben'. Der subst. Inf. (3) erklärt
sich aus 2 a (Etw. mit Geräusch hin und her werfen) oder
aus 1 b (sich heftig hin und her bewegen) oder aus 2 b 8
(sich um Etw. gar zn sehr bekümmern). Das adj. Ptc. 4 a
gehört zu 2 b ß; 4 b ist abstr. Anwendung von a, wie andere
verst. Advv. von Adjj., welche hohen Grad von Gemütsbe-
wegung bedeuten. Unklar bleibt nur die der ä. Spr. eigene
Verbindung ,es gehigt han', da die Bed. 4 a dem Affekte
nicht zu genügen scheint: doch geht sie wohl auf 2 c zurück.
Eben so unsicher ist der Sinn der Worte: .Ich weiss schier
nit, wie dn's g'higst; es ist doch nüts (Nichts) recht, was
man tuet!' welche einer der den Dienst versagenden Drucker-
gesellen dem ruhig fortarbeitenden ThPlatt. zurief. ThPlatt.
1572, 91. Unr/ehit a tu scheint eig. geärgert, gereizt; «>i-
wie in dem syn. , unwirsch', b natürlich zu geheien 2 b a.
— Treffende Parallelen zu mehreren übertragenen Anwen-
dungen der Grundbed. /iifMcre bieten neben (rz./outre (welches
reü. mit de qeh. verbunden in der Bed. ,sich um Etw. nicht
kümmern' scheinbar unscrm 2 b 6 widerspricht) die syn.
deutschen Vben ,bräuten' nnd ,serten' in ihrem bei Grimm
und Schmeller bezeugten altern oder mundartlichen Gebrauch.
Dahin gehört auch ,versorten' = verhcit i. S. v. verdorben,
verwünscht, als Schinipfw. ; .ungesorten' (lassen) := iinjcÄett
(ungeplagt, ungeschoren). Die Bedd. J'uluere und moleatare
vereinigt auch ftu-hsen.
ab-g'hi(j)e°: 1. intr. abfallen, allg. Er schivätzt
so vil, me' meinti, 's Mal sott-em a. Z. 's Wetter kU
ab, ändert sich U. Ptc. abg'hit, heruntergekommen,
abgemagert BHa. — 2. tr. abwerfen, -schlagen. Sie
sollen sich in Acht nehmen, dass man ihnen nicht die
.Grind abghigte'. 1510, Abscu.
abhin-: 1. intr. a) herunterfallen, allg.; von
Schiffen und deren Ladung: untersinken. Der Last
ist abakeit. Bodensee. Me faht nit erst a' lösche',
ivenn ds eige' Bach acheg'hyt. Gotth. D' Chue g'heit
(in'n Schlosse') abe, wird nicht mehr trächtig. En
abakeiti Chue: 1) die nicht mehr trächtig wird Aa ;
Ap; Z. 2) eine trächtige, deren Bauch herunterhängt
L; Z. Abcg'heite Galtlig ! Schiinpfw. G. — b) durch-
fallen, verlieren, im Spiel. Prozess, Examen, allg.
Zahlungsunfähig werden Z. Einen Zweck nicht er-
reichen U. En abcg'heite Lug, Spitzbueb, verst. =
verdammt, abscheulich L. — c) vo' der Chanzle' a.,
vom Pfarrer als Verlobte verkündet werden B; Gk
(aperg'hiC). Vgl. abhin-gumpen, -rüeren. We" nu*
lät verchünde', su ist nit der Bruch, dass me' geit ga'
lose', wie me' ache'g'heit. Gotth. — 2. tr. a) hinunter-
werfen, -schlucken, -schiessen. Er het Brocken abe-
g'heit, loie Rindeschüehli [so gross] Bs (Spreng). .Er
wollte etliche grosse Stuck ufs Albis ufhin führen
1109
Haj, liej, liij, hoj, huj
lUO
und Jenen in der Statt die Turn abhin gheyen.' 1646,
'Min. — Zu 1 a: die auf die Kuh bez. RA. beruht darauf,
ilass eine Senlvung der Schlossbeino im Becken stattfindet.
über-: überstürzen Ap; überfliessen, -wallen,
-laufen, von flüssigem (bes. siedendem) Inhalt von Ge-
fiis.sen AaB.; B; FS.; Uw; U. Austreten, überschwem-
men, von Bächen und Flüssen BHk. ; FS. ; Uw. Syn.
überhijen. 's Hers will mir [vor Schmerz] ü. BLangn.
Bauernkai. 1889. Auch: überlaufen machen BHk.;
Ndw. — übere-: beim Hopsspiel über (mehr als) 21
bekommen Ndw; Syn. hops werden. — üf-: 1. intr.
a) aufgehen, sich auflösen, von mangelhaft Gebun-
denem od. sich Schliessendem, z. B. Paketen, Bündeln,
Schuhriemen, Knöpfen, Deckeln Aa ; Ap; Uw; Z. Syn.
üf-gän. — b) aufgehen. ausHiessen, von Geschwüren
Ap; ScHW; U; Z. Syn. fif-f/ri,,. — ,) aufsfohen (grob).
Ghci nf! B. — 2. tr.. aufw.Tl.ii ; ins lliiaiiche über-
gehend: (das Spiel) lür iiiii^iilti^- crklaicn. ihm ein
Ende machon, citr. iiidrin man dir Karten selber
durch einander wirK; vi;!. fHi;!. In tlirow up tlie cards;
(einen noch niclit kanzlriisih vcrsrhriclM'iien Liegen-
schaftskauf udgl.) rückgängig machen S. — drnf-:
drauf, zu Grunde gehen, verrecken, von Haustieren
GrI)., Pr. — um-: 1. intr., umfallen, allg. Bier her,
B. h. oder i''' g'hei um! Ruf an Kellnerinnen Bs. Guet
Nacht, g'hei tivi, wenn [sobald als] d' wi"t, Nachtgruss
von Zechbrüdern Z. Göt men eniöl krumm, so keit
me bald um Bs (Spreng). Lass du nw de Fucrm<f
sorge', Ms 's umg'heit Z. Vgl. Vogt. Er meint, er
stell eisder uf und 's g'hei-em nie Nüt um, hält sich
für geschickt zu Allem. Schild. O Welt, kei um (aber
nüd ufmi"'')! Au.sruf der Verwunderung GBern. Tarn
du numme' zue, vo weV/e" dem g'heit d' Welt nit um!
Schild. Bildl. Si g'heit nächste"s um, ist hochschwan-
ger Z; vgl. i'-g'h. n. Ofen. Fallieren GF. Es g'heit
um, von einem Regierungssystem, das dem Umsturz
naht L. Umschlagen, anfangen zu gährcn, trüb, sauer
werden, z. B. von Wein Uw; U; Z. — 2. tr., umwerfen.
,Umg'hinke, subvertere.' Id. B. Wenn e' Fuermt:'' nie
umgheit het, ireiss er nit, wie 's Uf stelle* geit. Schild.
Er isch geng, wo mifli ufstellt, und nie, tro rn^n um-
g'heit, ist immer auf der Glücksseite, ebd. Umstürzen,
als ungültig erklären, rückgängig machen, eine Wahl,
einen Beschlu.'ss, Kauf Z. — 3. Ptc. umg'heit für un-
(s. ge-hijen) wie umgek. im- für umg'heit AAZein. —
ume-, umer-: 1. intr. a) mühsam gehen Gr ObS.
— b) umherschweifen, sich herumtreiben BE.; GrD.;
L; Th; Uw; U; W; Zg; Z. Er ist in alle' Wirts-
7i«4"ere" umeg'heit. Syn. ummeschellen ; ummeschlengglcn.
— 2. tr., herumwerfen U; Z. Hinwerfen ßs. S. noch
u. Gül Sp. 220. Auch etwa mit Bez. auf Ackerland
= umpflügen Tu. — an-: anwerfen, z.B. Steine,
auch Wasser, allg. — ane-, äne-: 1. intr., hinfallen
Tu. An Eine", Eini a., zu einer unglücklichen Heirat
kommen Z. — 2. tr., hinwerfen, allg. Eine Waare
um geringen Prei.s hingeben L; Z, aber auch: gewalt-
sam aufdrängen AAZoin. i"-: 1. intr. a) einfallen,
z.B. auf dem Eise eiiibrotlioii /; einsinken, z.B. ein
Wagen, Pferd, im nassen Boden '/,. Ö. auch noch Ofen.
— b) zsfallen, einschrumpfen, abnehmen, von Men-
schen, Tieren und Sachen GrD. L'cfheit, von einem
Käse BE.; Syn. gesunken. — 2. tr., ins Gefängniss
werfen W. — umbrin-: hineinfallen W. — dri"-:
1. intr., ,pr£ecipitari, iinmergi.' Id. B. — 2. hinein-
werfen. Wenn me' brar drxkei [Ingredienzien in eine
Speise]. Gotth. — ine-: hineinfallen, im eig. u. bildl.
Sinn Z. — embricha-: 1. einherstürzen. Ber Fön
isch d's Gangs [plötzlich] e. g'hit W. — 2. herab-
werfen W. — tis-: 1. intr., platt hinfallen GRPr.;
umfallen S. - 2. tr. a) hinauswerfen, einen Menschen
aus einer Woh-nung, Gesellschaft GrD. — b) aus-
schütten, Flüssigkeit aus einem Gefäss Aa; U; Z.
S. Glück Sp. 622. — c) ein Glied ausrenken GrD.;
W; Z. — d) des ,Gheiens' ein Ende machen. Hand
si''' denn d' Länder nüd au''' stif g'ivert? Antw. Es
ist ussg'heit und fuss-J g'wert, we" me' Ei"'m Alls
ewcg nimmt. Gespräch 1712. — 3. Ptc. adj. Üsg'hlt,
unverbesserlich. En u-e Huder, Schimpfw. GRSchiers.
,Sy hette es erheigt als ein usgchcigte huor [ganz
abgenutzte, ganz verworfene], los und raerch.' Mitte
XVI., Z. ,Sy lüge als ein usgehytne huor.' 1529,
Absch. Vgl. noch gc-hljen 2 c. Syn. wsgefigget. —
ushin-: 1. intr., platt hinfallen Bs (Spreng); Z. Uf
d' Schnore' [das Maul, Gesicht] u. Ap. — 2. tr.
a) hinauswerfen, ausstossen, aus einer Gesellscliaft
Bs (Spreng); U; Z. Syn. dämicii, derron, eirhj lyh.
De' Llh u., die GebärnuiUor narii drni Kalln-n lin'vur
treten lassen GrI).; Svn. iisilrmliii. ]i\ unin.tig
ausgeben Z; Syn. utthiii-ninrn. X id iisr :' i/luc lut",
nicht zu viel haben, eher in Not sein Oiiw. De'' g'lnd
nid use, ist geizig, ebd. — ver-: weit weg werfen,
abweisen, eine Ansicht BHa. — füre-: hervor-, hin-
werfen, z.B. eine Hand voll Geld Z. — darher-:
zu Tode fallen B oSi. — nächhin-: 1. nachfallen,
-rutschen. Verrutsch Nit, sunst keit der Henker alle
nache Bs (Spreng), rücke nicht daran, sonst fallen
allerlei andere Dinge nach. — 2. nachlaufen, z. B.
einer Person des andern Geschlechtes B, s. geh. t b.
Nachgehen, einer Sache, um nachzusehen B; Z tw.
— z'sämme"-: 1. intr. a) zsfallen, z.B. von einer
alten Hütte Aa; Th; U; Z. — b) zsbrechen vor Er-
schöpfung Z, mager, schwach werden Gr; Z; z'sämme"-
keit, müde, matt Bs. Vgl. in-g'h. — c) gerinnen, von
Milch Bs; Z. — 2. tr., zswerfen Gr; Z. — dar-:
1. intr., hinfallen. — 2. tr., hinwerfen; einen Kauf-
handel fahren lassen BB. Aulkünden, ein Lehen,
Amt, einen Dienst BHk. — durch-. ,Durhit' für:
,durch-ge-hit'; vor einem Schimpfw. = ausgemacht,
durchtrieben u. ä. ; eig. r= aligciiiitzt im i>l)sc. S. ,Sy
syc ein durhit fegsäckliii.' .\IV./\V,, LK'atsli. Vgl.
usgehit. — dure-: 1. intr. a) durclifallon, bei einer
Prüfung, Wahl Bs; U; Z. Einen Process verlieren;
fallieren UwE. — b) zu Grunde gehen, a) vor Hun-
ger verschmachten Scuw; Uw; U. Er g'hU schier
Hungers dure. — ß) von Tieren, verrecken Ap; Th.
Die besti Kue isch-em diireg'heit BsLd (Spreng). —
Y) auch von Pflanzen und Stoffen, verderben U; ZO.
— c) davon laufen, ausreissen, entwischen, durch-
brennen Th; UwE. — 2. tr., verloren gehen lassen
Ap. — zue-: zuwerfen Z. Si hand-em d' Tür vor
der Nase eueg'heit. GRS?ii.'A.cn n 12. — zer-: zerfallen,
bes. von einem Verlobungsvcrhältniss, das sich auf-
löst GrD.
zer-hijen (-einen W tw.) — Ptc. zerhije" U:
1. intr., brechen, zerfallen B. ,Es frage dene Sache,
wo nie z. welle, Nüt na'''".' Gotth. Strott [eile] nid
assa [so], d'r Fade' serhit dr! Bl^euk (Schwzd.). ,Sy
wolltent Jenin von Hochdorf etwenne slahen, dass er
allen zerhytte.' XIV./XV., L Ratsb. ,So ist zerhyt sack,
band und zum [Zaum], mit dem wir sy band b'herrschet
1111
Haj— huj. Hak— huk
lang.' EuEF 1538. ,Dass durch der Landvögt Tyranney
d' Eidgnossschaft nit wider zerhey.' LZellw. 1758. —
2. tr., zerbrechen, zerschlagen, beschädigen, verderben
BR., Si.; U; W. Ber Jäger ist so teuf iimbrln g'hlt,
dass er sich grob zerhit liet W. Auch: vereiteln BB.
,Wenn Zwingli zue Lucern so scharpf predigete, so
■wurde er zerhygt wie das gestüb an der sonnen.' 1524.
Strickl. ,Bis das kloster zerhygt wird.' 1526, Egli,
Act. ,Ich empfinden [bei Leibschmerzen] wol in mir,
dass es sind neisswas [eine Art] würm cid tier, dann
sy mir wend den buch z.' JMurer 1565. Ptc. adj.
zerhit, mit einem Leistenbruch behaftet W; Syn. ge-
brochen. — ver-zer-: zerbrechen, zerreissen GA.
Abeg'heier: der beim Jass nicht die 21 (25)
Punkte erreicht Z. Der erst A. gwünnt (rerlürt nüdj.
Vgl. erst (Bd 1 470) und Erd-Epfel (Bd I 379).
Umeg'heier: Nachtschwärmer L; Z.
Esel-, Küe-, Märhen-, Sü-Gehijer: Schimpfn.,
zunächst den Viehzucht treibenden Bewohnern der
innern Kantone angehängt, dann den Eidgenossen
überh. und in der Reformationszeit auch von den
Parteien derselben gegen einander gebraucht. S. ge-
hljen 3 c und angän II 1 b. Schon 1386 ruft die Be-
satzung der Burg Pfäffikon den vorbeiziehenden Eid-
genossen zu: ,Wo wend ir hin, ir küeghier?' Vad.
,Wir syent verräterisch puren und mit züchten kuo-
ghyer.' 1521, Strickl. ,Den Cardinal, den eselgehyger.'
1522, ebd. ,Egg hat offenlich geredt, wir Eidgnossen
sygind all küeghyer.' 1526, Absch. ,Wir gedörren
denen von Z nit mer ketzer sasfi-n, aber wol küe-
gehyger und märchengeliv^-ir." l'i:n, ebd. ,Schaw, wie
vil Küehe-Geheyer s. li. zi.'li.'ii .lahcr.' FHaffn. 1666.
Sogar feinin. Kuegeh ij erin. XIV. /XV., L Ratsb.
Dazu di.' A'erlien : küe-, mär ch en-gehij eren: mit
diesen SiliimiilnaiiKMi belegen. ,Egg, der uns Eidge-
nossen all (mit erl(iubnus) küegehyert hat.' 1526,
Absch. ,Wir [die Zürcher] sind unzhär von üch [den
V Orten] und den üwern frefler wyse one underlass
geschelmet, kätzert, diobet, biJswichtet, küeg- und
merchen-gehygert [worden].' 1531, ebd. Ferner das
Adj. küegehijerisch: , ketzerisch'. ,Sy sind uss den
äraptern des küegehyerischen gloubens.' 1531, Absch.
Wie 1)0)111 Yb. yehljen die euphDiii. Form rjcsvlinujen vor-
kommt, so hier: ,Hagenbach hat die Eidgenossen zum dickem
mal für küeggeschniger gescholten.' 1474, Bs Chr. Ferner
wurde die Schreibung ,Kueghygcr' in ,Kueg!ger' missdeutet,
wofür Gr. WB. V 2555 dann eine falsche Etymologie gibt.
Auch Stalder verstand das W. nicht mehr, indem er es ein-
fach ^ Küejer^ Küher, nahm.
Gehijeri, in Ap Keierei — f.: Unannehmlichkeit,
Verdriesslichkeit, z. B. durch Geschwätz veranlasst,
auch das Geschwätz selber G.
G'hiheit f.: Verdriesslichkeit. Keiheit ist kc
[keine] Freiheit Ap.
gehijig gheiig, keiig Ap; GG.; UwE.; Z, ghierig
ApH., gheierig GWa., gheielig Th, gheilig Bs; Z, ghlli
GlS., ghi-erlich BHk.; Schw, kierisch GlH., gheiersch
ZLunn., gheitli ZO.f: ärgerlich, verdriesslich, [von
Sachen. aaOO. ,Molestus.' Id. B. Keiig Wetter, un-
günstiges GStdt. Gheiigi Wörtli, Stichelreden. Spreng.
Öppis Ghiigs, etw. Leidiges übw. Bedauerlich Scnw;
Ndw. Zu (jc-hljen 2 b ^. Syn. ge-heit. ebd. 4 a.
„un-: unangeta.stet, ruhig." Syn. ungeheit.
Hak, hek, liik, hok, huk, bzw. hack usw.
S. auch die Reihe Hngrj usw.
Tüben-Hak s. Sp. 938 und T.- Hacker.
Hack m.: 1. Schnitt, Einschnitt, a) Schnitt am
Ohr der Ziegen usw. als Kennzeichen Gl. Syn. Hämo,
Bick. Ell schäle H, ein Querschnitt, zum selben
Zweck, ebd. — b) ,Hack und Hammer' heisst die Haus-
marke des Gl Geschlechtes Beglinger, 2 senkrechte
Striche bildend, von denen der eine durch ein wag-
rechtes Strichlein halbiert wird. — 2. Hieb, Schlag,
a) als Bezeichnung einer einen Zeitmonient einnehmen-
den Handlung. „Ein H. in en andre', Schlag auf
Schlag BO." — b) als Bezeichnung eines Zeitmomentes,
„Augenblick. Es schönt hitt ken H., es regnet heute
unaufhörlich BO." — c) Bezeichnung eines kleinsten
Quantums zur Verstärkung der Neg. Ekei H. me'
icachse' BHk. Synn. s. unter Flauche Bd I 1160. —
Synn. zu 2 a und b s. Ztschr. f. Völkerps. III 319 ff.
Gehack n.: 1. klein zerschnittenes Fleisch Gr
ObS.; Syn. Gehück. — 2. Gezänk UwE. Syn. Hackete.
Bär-, Bä'r- m.: der Takt, mit welchem Fleischer
und Köchin die Hackmesser handhaben, indem die
eine Hand doppelt so viele Bewegungen macht als die
andere. Er cha"" nüd emal der Bärhagg Gl. — bär-,
bä'r-hagge°: diese Bewegung ausführen, spielweise
auch mit blossen Fingern Gl. — Wohl auf blosser Schall-
nachahmung beruhend ; vgl. noch herliijrje.
Hackement s. Häker-.
hacke": 1. im AUg. wie nhd. Spec. 1) das Erdreich
von Culturland mit der Hacke auflockern Aä; B; Gr;
Syn. häwelen, becken, karstcn; vgl. falgen Bd I 809.
's ist halt g'hacket! eine harte Arbeit, 's nio [mnss]
g'hacket sl", der Boden will bearbeitet sein. Wo
d' Chind hackid, git 's die schönst Frucht ScuSchl.
Kartoffelland h., die Erde um die jungen Stauden auf-
lockern und von Unkraut reinigen B (Zyro). Z' Ächer
h., die Schollen hinter dem Pfluge her zerschlagen,
ebd. Insbes. d' Rebe" h., den Boden der Weinberge
im Frühjahr, was als ein ,Hauptwerk' gilt und in die
Zeit der Kirschenblüte fällt Th; Z. .Hacken, geschieht
mit dem Karst.' Churer Beitr. 1792. ,lch hab mein
Rebberg gar versoffen und kann jetzt uf den Herbst
Nichts hoffen; doch hab den Vorteil ich darbei, dass
ich von hacken auch bin frei.' Hadssprdch 1660 (Suterra.
1860). — 2) a) Stroh mit Messer oder Maschine klein
schneiden zum Füttern B. — b) Holz mit dem Gertel
hacken, die gefällten Tannen von den Ästen reinigen
und diese zu besondern Zwecken (zu Stecken, Ringen,
Reisigbündeln) zurecht hauen B (Zyro); Syn. krisen,
Bis (GrHc.), Chris (Z) h., Reisigbündel machen. ,Vit
Hack-den-Tüfel', Name eines Bauers in UEcksteins
,Rychstag'. — 2. bildl. a) Den Lüten Ejipes tmder-
enandere h.. Allerlei vorschwatzen, zu belieben suchen
BBe. — b) mit einander hadern, zanken, z. B. von
Eheleuten UwE. — c) uf Eine" ine h., ihn mit Schlä-
gen oder Schmähworten überhäufen, ebd. über Eine"
abe h., losziehen, schimpfen GfiPr.
abhi"-: herunterbringen, entkräften. I''' bi" gam
(ibeg'hackete B (Zyro). ,Morbo debilitatus, attenuatus.'
Id. B. — üf-: 1. aufhacken, z.B. den auf der Kelter
liegenden Tresterhaufen Z; Syn. üf-becken. — 2. Reisig
1113
Hak, liek, liik, hok, huk
zu Bündeln verarbeiten Z Hombr. Syn. Heizi üf-
inachen. — a°-: mit der Hacke verletzen, z.B. Kar-
toffeln beim Ausgraben Z ; Syn. an-becken, -bicken. —
ine"-: (Einen) in eine schlechte Lage, zu Schaden
bringen Z (Spillni.). — er-. ,Die Reben karsten und
e.' Fris. — ver-: 1. klein hacken. Fleisch und Ge-
müse Z. — 2. durch Hacken verderben, bes. üblich
von der Wirkung des Hagels Z. Er rerhacket 's Chrut,
macht sich verhasst. Sprww. 1869. — zer-: zer-
schneiden, aufschlitzen. ,Nero usw. [sollen gekleidet
sein] büebisch, kriegsch, zerhackt [von der geschlitzten
Tracht desXVI.].' LBühnenr. 1545/83. Syn. zer-hamcen.
Hacke» f.: Hacke Gr, sonst Haue. Vgl. noch
Hacken-Legi. ,Ura diese Frage wird mit Axt und
Hacken gekämpft [heftig, erbittert].' N. B Kai.
Hacker, Hacker m.: 1. der mit der Hacke ar-
beitet, z.B. im Weinberg Gr; Sch {-ä-J; Z. ,Heini-
kommen wie ein Hacker aus einem nassen Lettenfeld
[so beschmutzt].' Sch Pilger 1882. ,Konimet her, ihr
Bauern und Hacker, vertrinket Wiesen und Äcker.'
Hausspruch ZSth. (Suterm. 1800). ,Apr. 1741. Den
Hackeren [in den Reben] geben 6 Gl. 3 Btzn.' Schloss
RüED. — 2. Hacke. ,Sy namen N.'s wyb einen hacker
[bei der Feldarbeit].' G Wyl Copialb. — 3. Kranklieit
der Oberhaut der Hiindc. Zrr>]iiinurii il.'i^cIluMi, in
Folge von Frost, Arbeit im kallm \Va-,rr Aa (-ii-);
B (Zyro). Syn. Hechel, Hcicr, II, der. - I. l»ini.
Häckerli, Zähne Z (scherzh.).
Fleisch-: Fleischer, Metzger. ,Wie Fläschhacker
oder Vähkoufer.' Kdnkelst. 1655.
Kris-: 1. der Reisig zu Bündeln hackt Z. —
2. „kleines Handbeil mit langer Schneide, zum Zer-
hacken von Reisig BO." Synn. s. Gertel. — 3. das
vorzeitige Abfallen der Tannennadeln in Folge von
Spätfrost B (v. Rüttc). — Bei 3 ist das schädliche Wetter
pers. aiifgefasst, wie Krankheiten oft Namen auf -er tr-agen.
Krüt-: der Kohl zu Sauerkraut schneidet. Syn.
Kahis-HMcr, -Hechler, -Schnlder. Wegen allzugrossor
Menge von ,würm [Raupen] an etlichen orten, do dann
der kabis vil wachset, verbotten, dass die kruthacker
kein kabiskrut band dörfen hacken.' 1540/73, UMev.,
Wthur Chr.
„Tuben-: = Tübenhabech L."
Wahrsch. aus T.-IIak, durch das personifiziorendo -rr
erweitert und an ,(zer)hacken' angeleimt.
Hacket m.: die Zeit, wo man air Wrinbri-v „Iiaikt
B;" Sch; Z. Auch „Wm-ll. il'ial.). Sni. Gnihet;
vgl. Falget, Schmyet. ,Eine .Muiuc iii K. X.'s Wyii-
garten im Hacket funden und usgraben.' Rükoer 160G.
Us-: die Zeit der Kartoffelernte Bs.
Hacketef.(fl'rt-S): 1. die Tätigkeit des Harkms S.
— 2. „so viel Foisch, als man auf ein Mal liackl" \v.
— .3. fein gehacktes Fleisch, aus welilnui W instr
gemacht werden Ar; Tu; Syn. Gehäckn; (Jcbriil.
4. klein gehacktes Gesträuch zu Feuerung Th (Fup.);
Syn. Gehäck. — 5. Mischmasch Tn; Z. - 6. schlechte
Schrift Th; vgl. Hägcjen. — 7. Gezänk UwE. Syn.
Gehnck.
ÜS-: Trunk zum Schluss der Arbeit der Hol/-
hacker B oHa. (Zyro). Vgl. Graben-Wm. - f» i. S. v.
,zu Ende'.
Gehickis-Gehackis n.: Speise aus goliacktem
Fleisch und Eiern Bs.
Die wirkliehe Ausspr. ((l'hikin usw.) erinnert sehr an
Giijiju Oaggia (Sp. 167), aus welchem das Bs W. viell. um-
gedeutet ist.
Ge-häck (-{ Ap) n.: 1. gehacktes Fleisch, etwa
zu Würsten Ap; Bs; B; Gr; Schw, Uw; Z; Syn.
Hackete 3, Haseln, Katzengeschrei. ,Ein Ungeheuer
habe einen Mann zu Käck zerstampft.' W Sag. ,Im
2. Gang wurde das Gehäcke (gehegide) aufgetragen,
welches mit neunerlei Gewürzen präparirt war.' Bs
XIV. ,Man segnet [zu Ostern] die fladen und das
gehieekt.' 1523, HsStock. ,Ostertouf [-stoufV], gwycht
ghäck und fladen.' Ruep 1538. ,Der Pfarrer von
Klingnau hatte der ganzen Gemeinde auf den h. Oster-
tag ein sogen. Ghäck zu verabreichen, zu welchem
über 30 Pfd Rindfleisch und 100 Eier erfordert wur-
den.' JHcber. ,Ein gehackt von einer seuwlebcr an-
gerüst. Gehäck, gehäcklete speiss, wölcherlei es joch
seie, minutal.' Fris.; Mal. ,Zwo Blatten mit Speis,
war wie Ghäck.' PFtissLi, Pilgerreise. — 2. gehacktes
Reisig als Notbehelf für Streue im Viehstall ZO.;
Syn. (Tann-) Fotdcn. — 3. Durcheinander, z. B. von
Vielen, die zuKL'iih s|ir.'ilien GrL. — 4. Klemme, in
die man durrh SrhHai/cici gerät Ap.
Eier-: klein z^rs.liniltrnes, mit Eiern gobackencs
Fleisch Ar.
Jläckol n.: Häckerling B."
häckele": mit der Hacke ein wenig arbeiten Gt.
Häckelcr Gl; SchwMuo.; Zg; ZBenk., Häckler
Scn — ni.: aufgesprungene Haut an Händen und
Füssen, in Folge von Kälte, auch in Folge von Un-
sauberkoit SchwMuo. De" H. ha'; Syn. Hickel(er);
Hechel. — Gleichsam ,aufgehackte' Haut.
Nu SS Hacker: Spechtmeise, sitta csesia. .Ein
Vogel, welcher die nussen mit seinem schnabel nit
zerbricht, sunder durchgrabt die mit seinem schnabel.
damit er den kernen daraus esse, dannenher er zu
teutsch ein nusshäcker oder ein chlän, nussbicker ge-
nennt wird.' Vogelh. 1557, 183, a; s. noch Baum-Hecker.
häckerle": ein wenig hacken Bs: fin h. 15.
Häckerli (PI.): geschnittenes Kurzfutter AAZein.
- Wahrsch. verk. und umged. aus IliirlcrU'ii.
Häcki' n.: Schnitzel, kleines Stück Esswaare BSa.
(Zyro); Syn. SchnäfcU, Schnifeli.
liäckig: Villi jungen Raben, die so weit gowaclisi'ii
sind, ilass man um sie herum hacken kann und soll
ZDiib. S. nncli Vcrcne Bd I 915.
Häckle": (PI,) rote Nierenkartoffel Gi,; Syn.
Schnäheler.
liäcklc": ein wenig oder fein hacken Z. ,Ge-
harkl.'t.' s|,(!is,' Mal. S. Gehäck. - ü f-. ,Der Grund
soll Irin sauberlich darumb aufgehäcklet werden.'
IJiiAc. l(;:'>!i. , Den jungen Pflanzen aufhäcklen.' Sul/er
1772. — um-. ,Der Boden soll fein säuberlich umb-
gehäcklet werden.' Rhag. 1639. — zer-. ,Maioran,
münz, ganz klein zerhecklet' Vogelb. 1557.
hackc(r)-mi!nt, -mänge, -mentlig, -most, auch
bloss hacker: verdeckende Entstellungen von sacker-
mcnt, als Beteuerung und Fluch Ap; Tu; Z. iVei»
hackcrmentlig aw'' ! = verwünscht! erstaunlicli! Ja
hdckermoxt.' Stutz. Auch mit vorgesetztem de': De
Hdckermeiif. da.'i' i''' so bald hei'" bi" ! Stutz. Adv.
1115
Hak, hek.
mit angehängtem genctiv. s: leg war 's -Hier haclrr-
mentUgs drum. Stütz. Vgl. sapper-vi.
Il-mont angeleimt an hirjont (Sp. 519); vgl. K,ij,jieniioit.
Das vorgesetzte de walirscli. nach Analogie von de Tü/rl =
zum Teufel!
hake" s. äken Bd I 164; Syn. nirpen.
Wahrsch. hat zu der Torliegenden Nbf. in der Bcd.
,zanken' das gleichbed. hagtjen, h&gglen mitgewirkt.
Häeke" f.: Quecke, Spinngras Bs. Syn. Sprätt-,
Zwick-Gras; Kägge.
Buech-Häcker s. -Äcker Bd I 165.
Heck Z, It SuLGER auch H-e, sonst Sek — f.: 1. tif
oder bi der H. sl', a) auf der Stelle, am Platz, l)ei der
Hand, rechtzeitig bereit sein AAFri. ; Bs; B; Gr; Z.
Mached, dass-er nf d. H. sit, we'"-mer chömme:
We"''-me' sc/w" meint, nie' chömm neume z' fechte'
[man könne irgendwo einen Vorteil erhaschen], so ist
scho' en andere'' uf d. H. Wenn 's niora [morgen]
giiet Wetter ist, vmess-i''' früeh hi d. H. st. Er ist
g'schuind bi d. H., wenn 's Öppis z' esse" gi''t. — b) auf
der Hut, auf der Lauer, wachsam sein, gespannt war-
ten, aufpassen Bs; B; 6; Scn; S; Z; auch: sich die
Sache angelegen sein lassen. Sulger. Es war am
Liebste" slnere Lebtig bim Moler sitze' blibe", nur hätt
d' Mueter nit immer bi d. H. sl viiesse". Schwzd. ,Wo
ein Vorteil zu erhaschen war, da war sie bei der Heck,
während sie sich sonst immer zu verbergen wusste.'
ScH Pilger 1884. Me' mues' da bi d. H. st, u-e"'-tne'
will Öppis vertvütsche'. üf d. H. si wie ne Nacht-
wächter S. Mit Dat. P.: Jmdra auf der Spur Bs; S.
— 2. i' d. H. Sl, dem Geschwätz der Leute ausgesetzt
sein Z. Men ist uf-em Land me'' i ä. H. weder i"
der Stadt. — 3. Jmdn uf d. H. ha', nicht ausstehen
können ZDäg. Ähnlich: i' d. H. ha, ein scharfes
Ange auf Einen haben, ihn überwachen, ihm aufpassen
Z (Spillm.).
Dass unser W. das nhd. ,Hecke' sei, für das sonst //«(/
gilt, ist kaum zu bezweifeln; die wenn auch nur vereinzelte
Ausspr. mit der Affrikate (k)() verrät das Lehnw., während-
dem in der vorwiegenden Aussprache das Wort als ein ein-
heimisches erscheint (vgl. engl, hedge und unsere Egg, Wegge,
Brügg : engl, edge, widge, hridge). — Die RA. ,bei d. H. sein'
= bereit, bei der Hand, findet sich auch in Ober<leutschland
(Gr. WB. IV 2, 744), während fraglich bleibt, ob die ebd.
angeführte nd. ,Einem auf der Hüke sitzen' = hinter Einem
her sein, das selbe W. enthalte und von der selben An-
schauung ausgehe. Es fragt sich weiter, ob ,Hecke' in den
bildl. EAA. den Gartenzann als Grenze des Hausbezirkes
bedeute, an dem der Eigentümer zum Empfang von Gästen
und zur Abwehr von Feinden bereit steht, oder oh der Aus-
druck von der Jagd entnommen sei, wo er eine Art Falle
(heckenähnliches Geflecht, Umzäunung, in welche das Wild
hineingetrieben wurde) zum Fange von Tieren bedeutet (aaO.
744, 8). Im letztern Fall, der uns wahrscheinlicher dünkt,
wäre die RA., mit andern anf die Jagd bezüglichen, aus dem
benachbarten Deutschland entlehnt, wo die Jagd in grösserm
Massstab, kunstgerechter und manigfaltiger als bei nns be-
trieben wird. Unsere RAA. , Einem auf d. H. s.', ,in der
H. s.', ,Einen anf d. H. haben' lassen sich kaum anders als
aus der Jägersprache erklären; doch beruht viell. die RA.
,Einen auf d. H. haben' auf Vormcngung mit ,auf der Mugg,
dem Strich haben'. Für ,in d. H.' ist etwa noch das syn.
,an der Anrichte' zu vergleichen.
Boden-Heck (-Hecker Zg) ni.: 1. „zugespitzte.':
Eeisholz, das bei dem Spiele Hecken (s. d.) in den
Boden geschleudert wird Sohw; Zg." — 2. „Men«ch
von kleiner Statur Z", auch Hock; Boden-Zweck. —
i kann Anwendung von 1 auf menschliche Gestalt sein.
Heckeier L (St.»»), Heckler Th; Z — m.: vor
Kälte aufgesprungene Haut an den Händen. De' H.
ha" Z; Syn. Hechelfer), Hecker, HickfelerJ. — Von
hecken, resp. lieck(c)lm, stechen, ritzen.
hecke": 1. stechen SchSI; Th; bes. von Bienen
und We.spen „Aa; G;" Z; Syn. anglen, heglen. Ein
Bienenbann lautet: ,lmben, ich beschwöre dich, dass
du nicht heckst noch stechest mich' ZBül. In Z auch
von Nadeln, Flöhen und Katzen, wenn diese die Erallen
tiefer einschlagen. .Es bisst mi''' e Flo'', es steched
Uli''' zwo, es hecked mi''' drei : rat, was das sei (Veiier-
rätsel , da der Erratende als Flöhzähler verspottet
wird). Mit Gift besprengen, von Kröten Ap. Von
Schlangen und Scorpionen. In der ä. Spr. auch in
weiterm S. und bildl. (verwunden, treuen). ,Geheckt
oder gebissen von den schlangen.' 1524, Egli, Act.
,Wer will sich des beschwerers erbarmen, der vom
schlangen geheckt wirf 15.31/48, Sir. Gott zur
Schlange: ,Du wirst jm [dem Menschen] d' fersen
hecken, zum tod jn stiften.' Euef 1550. Goliath zu
David: ,Was wittu mit der schlanker [Schleuder]
hecken?' VBolz 15.54. .Dem grossen Alexander soll
im schlaf ein kraut 'zeiget sein, wölches seinen kriegs-
leuten, die in India von den schlangen geheckt wur-
dend, geholfen habe.' LLav. 1582. ,Vom scorpio ge-
heckt oder verletzt. Vipera, hecknater. H., stupfen,
pungere, stiraulare.' Fris.;Mal. ,H., beissen, stechen,
bicken, fiken, fieken, mordere, icere, stigare, pungere,
figere, trudere. Heckung, Biss. morsus, ictus.' Red.
1602. ,Wann die [Menschen, die sich auf Ungewisses
verlassen haben] durch Unglück sind gehecket, ver-
borgner .Tanimer sich entdecket!' KdMey. 1657. ,Sie
haben keusche Matronen öffentlich zum Spott an die
Füss aufgehenkt, durch die heimlichen Ort an die
Angel geheckt [gesteckt].' AKungl. 1688. ,Scorpius
icit, der Scorpion heckt, sticht.' Denzl. 1677; 1716.
,Eine heckende Schlang.' JBOtt 1736. Insbesondere.
a) intr., eindringen, sich einbohren, von spitzigen,
geworfenen oder fallen gelassenen Körpern, in den
Boden oder in eine Wand Z. Stecken bleiben, haften,
z.B. von einem Pfeil SohwMuo.; ZS. Syn. be-h. 1.
— b) tr., ein schneidendes od. stechendes Instrument
in einen Körper hineintreiben, z. B. eine Axt in einen
Block oder Pfahl. Einem ein Messer in den Kopf h.
ScHwMuo. ,Die spinn überzeucht ir [der Eidechsen]
maul mit ircm wupp, als dann so heckt sy in jn [den
,Egochs'] den biss.' Tierb. 1563. ,Der ewig Tod hat
in Christum geheckt seine Klammeren; der zeitlich
Tod hat in Christum geheckt seinen Angel.' PWvss
1650. ,A11 Sorgen wenden an, wann der Bogen ist
gestreckt, dass der Pfeil, in Fluges Eil, .solcher Massen
werd gehekt, dass es eine Gabe gelt.' KdMey. 1657. —
c) ein Spiel der Knaben, wobei sie 1—2' lange Reis-
hölzer [Hecker, Bodenheck] mit der Spitze in lockeren
Boden schleudern und dieselben mit andern gewor-
fenen Reishölzern herauszuschlagen suchen, so dass
diese stecken bleiben L; Zg (St.''). &y\\. patschäderen,
spicken, griech. xuvSaXtlJsiv. S. Rochh. 18.57, S. 451.
In ZKn. wirft (heckt) ein Knabe einen Pflock aus
Buchenholz so in den Boden, dass er stecken bleibt.
Die andern suchen denselben mit ihren Würfen noch
schiefer zu stellen und zuletzt heraus zu treiben.
n
lliik, lu'k. liik.
1118
(iolingt dies, su uiuss der Betreffende an ein gewisses
Ziel liiu und davon zurück laufen. Unterdessen wühlen
die Andern mit ihren Scheiten sein Loch möglichst
w eit aus. Wessen Loch am Ende das engste geblieben
ist, hat gewonnen. — d) bildl., verdriessen Z. Vgl.
frz. piquer. — 2. einen Einschnitt machen Schw, z. B.
in ein Stück Brod für Kinder, so dass dieselben ein-
zelne Bissen leicht abbrechen können B; Syn. hick(l)en.
- 3. feine, empfindliche Anspielungen machen, ver-
steckt tadeln (sticheln) G ; Z tw., plagen, necken Ar.
- 1. „emsig, eilig gehen ZS." (St.^). — 5. nisten,
brüten, z. B. von einer Gluckhenne Scuw. ,Wo man-
ches Wild geheckt [hatte], sieht man Paläste gründen.'
Z Nachrichten 1750.
Mhd. kecken, hauen, stechen (bes. von Schlangen). BeJ. 4
beruht wohl auf der am Nächsten mit Iah vwdten Vor-
stellung: die Fussstapfen eindrucken, stark auftreten; vgl.
in-h. S h und naeh-h. Bed. 5 dürfte oder müsste als eiu
anderes W. (hecken II) angesetzt werden, wenn die iu Gr.
WB. IV 2, 745/6 aufgestellte Ansicht richtig wäre, dass
dieses heeken, abgeleitet vom Subst. ,Hecke', eig. bedeute:
iu der Hecke siton, daher zunächst von Vögeln i. S. v.
nisten, dann auch von andern Tieren: sich fortpflanzen. Aber
gerade der refl. Gebrauch, der für diesen Sinn am Frühesten
bezeugt ist, ist mit jener Grundbed. weniger leicht zu ver-
einbaren, als mit der Annahme, ,hecken' gehe auch in der
Bed. ,zeugen, sich fortpflanzen' auf den Grundbcgr. ,stcchen'
zurück, der i. S. v. lab sich auf den Akt der Begattung
anwenden liess, wie schon bei Mayen, Hmji l)nnprkt wurde.
Sollte die Ansicht des Gr. WB. dennoch riliti.- rin. s.,
müsste das Vb. iu der fraglichen Bed. 1 . i i- m.ii ilnt
sein, wie das Subst. Heck. Als Compp. l-iM -liM i n. iim
,ein-' und ,uach-' noch ,herum-' und ,hiiiaii^ h ■, ;iIm r nlm,.
beigefügte Bed.
a"-: 1. mit Gift besprengen Ar, s. hecken 1. —
'2. mit Aufsetzen des Kreisels auf den Boden den An-
fang des Spieles machen; vgl. hecken 1 c. ,Ich will
die Schnur aufwinden und anhecken, ego instruam
trochura ad jactum propinaboque ad feriendum.' Eed.
166-2.
i"-: 1. einstecken, einschlagen L; Zg (St.''), insbes.
a) bei dem Spiel hecken (1 c) „den Hecker in lockern
Boden einschlagen Scuw; Zu." — b) „Klauen oder
Schnabel eindrücken und damit festhalten. Der Vogel
hat mir eingeheckt Aa; B; L;" Z; die Zähne ein-
drücken, V. Hunden Z ; Syn. in-henken. — 2. a) stecken
bleiben, von spitzen Körpern in weichen, z. B. von
einem fallenden Messer im Boden TJwE. — b) fest
auftreten, auf schlechtem Wege Zu.
ü S-: auf schlaue, feine Art ausforschen, mit Acc. P.
UwE.; Syn. iisnemen; nhd. ,ausholen'. — Viel], urspr.
vom Herauspicken der jungen Vögel aus der Eischale.
ver-: vergiften. Vgl. hecken 1, an-h. ,Wie sy
aber die statt so kreftig verheckt und vergilt haben,
dass jeder halt sterben muossen.' Kessl.
„nach-: eilig, emsig gehen, mit besonderer Lust
und Freudigkeit. Kinder hecken der Mutter mich,
Jünglinge den Mädchen Scuw; Zg;" vgl. hecken 4.
he-: 1. ^ hecken 1 a, stecken oder hangen bleiben,
z. li. von einem spitzigen Instrument Gl. Syn. be-
stecken. — 2. tr. = hecken 1. ,Narr, was ist dir V Hat
dich ein Wespe gestochen oder ein Eidex b'heckt?'
UBrägg. 1780. B'heckt: von einem Ungeziefer an der
Haut verletzt GT.
Hecker m.: 1. = Heckfeßer Z. — 2. das zum
Siiicl hecken (Ic) dienende Keisholz „Scuw; Zu." .\uch
Boden-H. — 3. Necker Z. Von hecken 3. Hielier wohl
auch: ,Uiser H. [der Tod], diser Wecker Huot und
Muot und Herze bricht.' K. u. KdMev. 1050 zu dem
Bilde des Todes, welcher dem Kardinal die Sanduhr
entgegen hält. — 4. Geschlechtsn. Schw.
Boden-: l. = Hecker a Zg. — 2. = Bodenheck
(-hock). ,Ein Zwerg ist klein und ein B.' JJUlr. 1727.
Baum-. , Specht, b. oder spicht genennt, pici
Martii.' Vogelb. 1557, 226 a; s. noch 228 a.
Trotz der vorliegenden, vom Vogelb. durchweg festge-
haltenen Schreibung wohl eher zur Familie ,hacken' gehörend;
vgl. ,Baum-Hacker, -Picker', bair. Batimhäelul und unser
Au««-//acto-.
„Heckere f.: Wespe Ap; G; Z." Von hecken 1.
Hecki: 1. Hecke f. (PL -enn), äusserliche Krank-
heit (Entzündung) bei Menschen und Vieh, ange-
sprengtem Gifte von Kröten, Eidechsen, Molchen,
Spinnen, „Wieseln" zugeschrieben Ap. S. hecken 1,
an-h. — 2. n. a) kleiner, anmassender Bursche Gi.K.
Syn. Krot, Giftschtsser. — b) gelegentlich Abkürzung
für die folg. Compp. Gl.
Sunne"-: Eidechse GlK.
Wasser-: rotbäuchiger Molch Gl.
liccker! 1. Ausruf der Verwunderung, i', hecker!
L; Zg (St.''). — '2. Verstärkungsw. vor Adjj. = sehr,
überaus L; Z. Gar h. fri; h. schön. — Zunächst =
liacker(inent) als weitere Verkleidung von ,Sakrament'.
heckerisch = Äfcfcer .3 Gr; L. H. äffliy [ärger-
lich]! GnSchiers. Syn. , sakrisch'.
Heckerment! Fluch Aa.
heikel Aa; B(Zyro); Gr; L; GT.; Sch; Tu; Ndw,
Itcihcl Ap; Bs; GlK.; GR'tw.; G tw. ; Z, heiklich
GrV., heiklech Gr ObS., heiklig Ap; Bs; GPvh., heikli
AaZcIu.; BSa. ; GnObS. : 1. von Pers., wählerisch, bes.
im Essen, eklig Aa; Ap; Bs; Gr; Z. Synn. s. bei iin-
ijefräss (Bd I 1319), ferner fämsch. Er ist bi riichcm
Fueter üferzoge" worde' und ist gar nit heikel. Spreng.
,H., kies, vies, katzenrein, kips, kiem, fastidiosus cibi,
curiosus.' Ked. 166'2. Übh. nicht leicht zu befriedigen,
bes. in Forderung von Ordnung und Reinliclikoit,
pünktlich, genau Aa; L; eigensinnig L. Emptindlicli
G 1799. — 2. von Sachen, leicht Schaden neliUKMid
und daher schwer zu behandeln, delikat; bedenklich,
schwierig, gefährlich; unangenehm Aa; Ap; Bs; B;
Gr; L; G; Sch; Th; Z. De" Biche" isch-es h. z' treße".
D' Bäum sind nit so h. icie d' Bebe". E heikli Färb.
— Heikeleni f.: Empfindlichkeit GRÜalfr.
Bfi di.'in aurchgchenden ei ist weder an Entstellung :uis
ekel(itii ii'ili aus hnk.Jiiii) Zu denken; das Kisl. rr niii.li,-
iuich il'i i:.^l. ii:i<li ziiuächst nur zu 1, ila^ l,ri/i,ir nur
zu 2 |.:i'-. II, Wniil ;il„.r ist möglich, dass ila, \V. mlLliiit
und siiii.ii in limt-rhlaud irgendwie aus riii. m \ i.ii p ii.ii
WW. eutstellt uder uiit ihuen vermischt sei; vgl. Cir. WB.
1V^2, 102.
Hiek m. (PI. ebso), in GRSchud. Hiickii (diui.):
1. Einschnitt mit einem schneidenden Werkzeuge I!;
FMu.; Gl; Gr; L; SchwMuo.; Uw; W; Z. Syn. Bick.
Selten = Stich BSi. Schlag, Stoss BBrisl. Wurf mit
dem zugespitzten SpielpHock in den Erdboden, wo
derselbe soll stecken bleiben AAZein. Vgl. kicken.
Kein" H. haue", ganz stumpf sein (von Werkzeugen)
BK. Der impfende Arzt macht H. in die Haut. B-li
mache", den kleinen Kindern ihr Brot zu Brocken an-
schneiden Bs; Syn. hicken, bicklen. Auch: die durch
1119
Hak, liek, hik. huk, huk
den Einschnitt entstandene Vertiefung, Kerbe BBrisl. ;
Gr; Z; Syn. Krinne. Gang in'n gliche" H. haue' BR.
(sprich w. bildl.). Insbes. : Einschnitt als Merkzeichen
a) auf dem Kerbholz, s. u. Beile und Tessere. ,Der
Alpenhirt hat seinen eigenen Kalender : an jedem
Abend macht er einen Hick in seinen Hirtenstab, am
Sonntag aber ein Kreuz.' Gl Nachrichten. Hieher
viell. der Ausdruck ,im H. obe"' = auf dem höchsten
Grade oder Punkt. Es ist doch gäng guet, wc-me'
d' Sach [die Waare] nid grad giH, wenn de' Pris [der
Lebensmittel] aw'' im H. oben ist, nnd-me" zum Fehle'
[für den Notfall] mo''' Öjiiiis im Vorrat het. Schild.
— b) als Zeichen des Eigentums, Hausmarke. Auf
dem Flossholz der mit der Axt eingehauene einfache,
in verschiedenen Richtungen angebrachte Strich im
Gegs. zum ,Fünfer' (Bd I 854), wie Dieser von den
betr. Hausmarken abgeleitet aScuw; s. Homeyer 2()2.
Auf Haustieren: ,Eine Kuh, in deren hintern Latfen
2 Hicke aufgeschnitten' Schw. Syn. Furke Bd I 1013;
vgl. B. IV 84. — c) in beliebigen, gelegentlichen An-
wendungen. En H. machten die Merliger in das Schilf
als Merkmal der Stelle des Thunersees, wo sie die zu
rettende Glocke hinabgelassen hatten, damit sie die
Stelle leicht wiederfänden. ,I)en Pflanzstock [den zu
verpflanzenden Wildling] mit einem Hick bezeichnen,
damit er hernach im Setzen also [nach der nämlichen
Himmelsrichtung] widerumb gekert werde.' Euag. 1639.
— 2. „kleiner Strich mit Kreide VO" (wahrsch. aus
1 a übertragen). — 3. durch Kälte verursachte Spalten
in der Haut der Hände . B (Zyro). Vgl. Heckeier. —
4. Name einer Einsattlung am Pilatus. — 5. bildl.
a) kleiner Rausch (,Hieb') L; Z. — b) „Stichelei
(,Hieb') Vü." Vgl. hecken 3. — c) „H. im Kopf haben,
seltsame Einfälle, Grillen VO"; Syn. Muggen, Güegi.
— d) abstr., Mal. All H., zu wiederholten Malen,
jeden Augenblick, sehr oft AaF., Fri.; Bs. Synn. s.
bei Fart, Gurt, Nu" und Wädel.
Hickel(er) VO, „Hicker L" - m. = Heckeier:
auch am Mund Ndw ; au der Brustwarze in Folge des
Säugens L.
hicke" I: 1. Einschnitte machen, korben BR.;
„L;" Uw; W, z.B. an Kartoffeln, Kastanien, damit
sie besser kochen BSi.; am Fleisch B; Gl; „L;" Z.
,Man wickelt das Hähnelein in eine Speckschnitte,
welche in der Mitte 3 oder 4 Mal gehickt ist.' ZZoll.
Kochb. 1820, Syn. hicken, hecken; am Kerbholz, z. B.
in der Weinlese, um die Zahl der Butten aufzuzeichnen,
die in die Kelter getragen werden B, vgl. Hick 1 a;
in ein Geschwür (es aufstechen, -schneiden); in einen
Seidenistoff mit zu stark angezogenen Enden, um ihn
beim Verarbeiten besser strecken zu können Aa.
G'hiekt sind gewisse Festgebäcke (Ankeniceggen, Eier-
ring), in deren Teig schon vor dem Backen Einschnitte
gemacht werden. Auch: der Länge nach spalten, z. B.
Holz zu Spänchen, Krautstiele S. — 2. „sticheln VO",
Jmdm einen Streich spielen L ; Zg (St.''). Vgl. Hick 5 b,
hecken 3. — 3. ein altes Spiel mit 4 Karten S. —
4. = hecken 1 AAZein. — 5. husten in einzelnen, kur-
zen Stössen L. Syn. hecken (dies aber von härteren
und längeren Stössen).
Das Wort auch norJd. (= picken; dazu: hick-hnchen
zanken); vfl. engl, hickicay, -wall = Specht (vom Hacken).
Dasselbe ist wohl erst von hecken nnd hairkat aus gleichsam
rückwärts ablautend gebildet und der Voc. i bezeichnet wie
in ähnlichen Fällen (z. B. .zwicken : zwacken') gegenüber a
lautsyuibüliscli das Feinere, Düunere, Schmalere. Zu 5 ist
übrigens die Berührung mit der Gruppe hück zu beachten.
ver-: zerstückeln, z. B. Fleisch ; (einen Schultisch)
durch Einschnitte verderben B. — ge- (kzik/ej: hü-
steln, kurz und trocken husten BsLd. Zu hicken 5. —
Gehicker, Gehicki K/ik/- bzw. khik- Bs, Hickis
— m.: Husten.
hickle": kleine Einschnitte machen. B Kochb.
Syn. bicklen. — zer-: durch viele kleine Einschnitte
zerschneiden BR.
Ge-Hick khikx ScnwMa.; Z, A/rt/ oTu; ZF.f,
Russ., Chik/,' hivf. Chik Gl; G; ZF., ChiH GlH.,
Chitt Gl; G; Tu, Kitt Gl; GW.; SciiSt. — m. GlK.;
Th, n. Gl; GRh., oT.; ScuSt.; Z: gefrorener Nebel,
Rauhreif. Über Nacht hat 's G. a'g'setzt. 's G. mag
nüd abe", will nicht abfallen. Im Merze' G., im Maie'
Sehne ZO. Wenn d' Bäum im Winter vil G. händ,
se gV'd-s vil Obs Z. ,Canet barba gelu, ist voll kick
oder weiss von kelte.' Fris.; Mal. ,Etwan rislet es
oder es fallt ein kick.' LLav. 1582. ,Man soll nüts
[dar-] in houwen, diewyl das kick im holz ist, sondern
warten, bis das k. widerum abgefallen und vergangen.'
1592, Züüb. Synn. s. bei Gicht IF (Sp. 112); vgl.
Mlfen.
Das niännl. Geschlecht kann von den synn. Rifen, Duft
oder NeM übertragen sein ; vgl. (I.-Nchel. Was das W. selbst
betrifft, so mag Anlehnung an liiek, bzw. an das Vb. hicken I
Statt gefunden haben; doch die (mutmasslich) wahre Etymo-
logie s. iu der Anm, zu Gicht, wo auch schon angedeutet
ist, dass der Ausl. ( statt k wahrsch. nur auf Ausweichung
(Dissimilation) beruht, wie hippmcn (hitimen) neben und statt
'hiijgmen, hiijijntn, mhd. bidemen (zittern) neben hibenm.
Be-H. P'hik/, bzw. -k n. (It T. m.) = Ge-H. GRHe.;
GRh.; Th. ,üer Reiff, Duft, Bik, pruina.' Red. 1662.
hicke» U GG., ge-h. II khik/e, k/ik/e, chikxe
GT.; ZO., in GLtw. chitte, be-h., It T. pik^e Äp:
(unpers.) gefrorenen Reif ansetzen. Es kicket, häd
g'kicket ZO. ,Es kickete im August und musste alles
Vieh von den Bergen getrieben werden' GT. So wit
abe" [als] es im Merze' idckt, schneit 's im Maie' Ap.
Pidit, mit Reif behangen; pickti Hör. ebd. — Das
einf. hifkcn wahrsch. erst aus gc-h. abstrahiert.
Be-Hicki, It T. Piki f. = Ge-Hick Ap. D' P.
göt hat ' nüd üf, schmilzt nicht. Er het en grobe
[grauen] Bart ond Hör ond volle Bhicke, iclss tcie
Sehne. Merz.
Hock, in AAZein.; Bs; B; S; Ndw auch Hock —
PI. Hock Z, Hocke I (PI. Hocke) Aa; Sch; Th; Z
in Bed. 2 a — m.: 1. Sitz, a) abstr., sitzende Stellung,
Zustand des Sitzens Gu (selten), sitzender Aufent-
halt U. Uf ein H, auf ein Mal (so dass man eine
Tätigkeit ohne Unterbrechung durch Aufstehen, sitzen
bleibend, vollbringt) Bs. Hock, Hock, eine Art des
Schwingens, wobei der von einem kräftigern Gegner
in die Höhe gehobene Schwächere so stark nieder-
gesetzt wird, dass er auf den Hintern zu sitzen kommt
üw. Amene H. (Höckli) sitze', zsgekauert Z; Syn.
amene Hufen. — b) concr.. Ort des Sitzens, Sitzplatz
Ap; Bs; B; Gl; L; S; Uw. Der Fül findt bald en
H. B. Underdem [unterdessen] sind Bed von irnem
H. ufg'stande'. Kuoni. So von einem Stuhl, aber auch
Sitz im Freien auf dem Boden, einem Baumstrunk,
Stein udgl. Höckli, Ort zum Ausruhen und behaglichen
Wohnen, kleines Heimwesen, Landgütchen Ap; G. —
1121
Hak, hek. hik, Iiok. link
1122
2. Haufe. H. uf H., Hock nf Hock, haufenweise,
massenhaft beisammen, z. B. Stückkugeln im Zeug-
haus, Früchte am Zweig, Erdbeeren udgl. Z. Ganz
Hück Hüser. Stütz. Insbes. a) (oft dim.) Häufchen
von 4—5 Äpfeln udgl., bes. von Nüssen, um welche
gespielt wird Bs; L; Scu; Ta; U; Z; s. auch Götti
Sp. 529; S3'n. Hiifli; vgl. hücklen. ,Der volle Nuss-
baum bringe viel tausend Höcklein.' FBecker, Hobel.
Au''' Nuss [Nüsse] (/iH 's vil: he! snech emol! Wer
hat de' H-e z'erst und d' Böl [die grösste, zum Werfen
dienende Nuss]? HWelti. Brei Tüfel und e Hex gend
au e H. L. ,Wie viel Häufel (Hocke)'? Quotnam
cumulos adeptus es?' Eed. 1662. Es werden aber
Nüsse u. a., z. B. Kaifeebohnen, auch nach H. geraessen
Aä; Z; Syn. Bock. Wie mängs Hückli Böne' brüchst
du zumene" Kofi? Der Alpenklubist und sein Führer
trinken zusammen Schnaps : mir ein Schluck und dir
ein Schluck! oder wie einmal Zwei einen Diebstahl
unter einander verteilt haben: mir ein H. und dir
ein H.! nach Alpenp. 1873, 272. — b) Häufchen Men-
schenkot B (Zyro). — c) Höckli, scheibenförmiges
Backwerk von der Grösse eines halben Talers, ^ji"
hoch AAZof. Bosinli-H, eben solche mit Rosinen
belegt. — d) Kreis von Leuten, die wie auf einem
Klümpchen beisammen sitzen L; Uw; Z. Abendsitz
zu geselliger Unterhaltung; en H. ha" Aa; B; L.
„Hvckli, Gruppe kleiner Kinder, allg."
Das von dem weit verbreiteten \'b. ,hockeB' abgel. W.
findet sich nur nocli in obd. Mundarten und dort in anderer
Gestalt und Bed., z. B. tirol. Uocken = Haufe Heu oder Ge-
treide auf dem Felde; vgl. unser Schochen zu ,Schock'. Betr.
die zweisilbige Nbf. vgl. lläijij zu (vorherrschendem) Hägcjen.
Die Form mit Uml. ist entw. aus dem Phir. in den Sg. ge-
drungen oder aus dem sonst mehr mit persönlicher Bed.
verbundenen gleichlautenden W. entlehnt.
üfe°-: 1. O.-Hock Ap; B; L; Z, -er Bs; L; ScnSt.,
-Hocki ZWyla, -Hock AxBrugg; B; S, weichlicher,
träger Mensch; Stubensitzer. ,So beständig um die
Mutter herum gebe er nur einen Ofenhocker ab.'
MEY.-Mer. Syn. O.-Brätling, -Brüetei: — 2. der am
Sylvestermorgen zuerst am Ofen sitzt Z. — ofe»-
hocke", in der adv. Verwendung O.-Huckis mache':
hinter dem Ofen spielen Z. — Ge-hock n.: 1. G'hock
ScHwE., G'hück Gl, G'höckK GG.; Z = Hock 2 a. —
2. Glwck, enges Ineinandcrsitzon G; Z; abendliches
Zusammeusitzen der Nachbarn vor den Häusern ScnSt. ;
S. — Gigeli-H. m., in der Verbindung uf-em G.
träge': (ein Kind) auf den Schultern tragen, so dass
seine Beine vorn herunter hangen Gr. Syn. Gigeli-Gö
Sp. 153, Gögel Sp. 154, Gilggi 2 Sp. 198. — Heite-,
dim. -Hockji: Heidelbeerstrauch GrGI. — Krüsch-
Höckli n.: ein gewisses Backwerk. Vgl. Hock 2 c und
Krilsch-Brütli. — Mandel-. .Die Mandelkränzlein
und -höcklein werden auf gleiche Weise [wie die
M.-Noga] gemacht.' B Kochb. 1796. — Nider-fibcZ;;
Niedersitzen beim Schaukeln ZHed., sonst N.-Gupf.
Vgl. Boden-Hoek. — „Nuss-: Häufchen Nüsse zu
dem u. ,höcklen' beschriebenen Spiel." — Hasel-
nnss-Höckli: Gebäck aus Eiweiss und Zucker, mit
Haselnüssen besteckt. B Kochb. 1830. — Bode°-:
1. Niederkauern auf den Boden. ,B. machen', bei
einem Eingelreihen der Kinder, nachdem man herum-
getanzt hat. EocuH. 1857, S. 81. 183. Ein Kind an
den Armen schaukelnd sagt man : Gigampf, Wiisser-
stampf, rote Bock, B.! wobei man es sachte auf den
Schweiz. Idiotüou II.
Boden gleitea lässt S. ,B. machen' auch: so fallen,
dass man auf den Boden zu sitzen kommt Z. — 2. im
Wachstum stehen gebliebenes Kind, kleine Person Z
(auch -Hock); Syn. B.-Zweck. Am Boden kriechende
Pflanze Z. Vgl. Höckerli. — Sibe"-: das Sieben-
gestirn ZZoll. Vgl. Gluggere Sp. 6(12. — Spil-: das
Umhersitzen der Zuschauer um Spielende (Turner,
Ringer) an Soramersonntagen auf Bergeshöhen Ap;
GT. — Stube°-Hock L; Z, -Hocker A?; Bs; Ndw;
U, -Hock B: Stubensitzer. Du hettist nid g' glaubt,
dass i"*, dr arem, apundn Stubnhock, zani a Beisli
chiemti Gr Schiers (MKuonr 1886/7). Eine Katze,
welche mit Vorliebe in der Stube bleibt, wird St.-
Hockere genannt Ap.
hocke": 1. sitzen, allg. a) ohne Nbbegr. 1) von
Tieren. Das Huhn hockt (zum Brüten) Schw; Z; Syn.
gluggen. ,0b den Eiern h.' Spreng. B' Henne' hockid
uf-em Hag: es gM rück Wetter Ap. 's Vögeli hocket
uf-em Lädeli, s. grlnen Sp. 740. ,H. als ein henn ob
den hüenlinen, incubare pullis.' Mal. — 2) von Sachen.
Im hockede' Stei' obe', Flurn., der viell. auf das ehe-
malige Vorhandensein eines Fündlings deutet ZWies.
Es hocket, der Spieleinsatz bleibt für ein neues Spiel
Aa. — 3) von Menschen, in vertraut gemütlichem Ton,
nicht unfreundlicU B; Gl; Z. S. noch Gall I Sp. 200
und ir Bd I 407. Auch (wie ,sitzen') i. S. v. ,sich
setzen'. Hock dei zue [dorthin]. Stutz. Sitzcd Si,
hocked Si, nemed Si Platz! scherzh. Amplifikation Z.
So auch refl.: Hock-di! Gr. Hocked-ech! Bs. In der
ä. Spr. zuweilen mit einem leisen ungünstigen Neben-
sinn. ,Sy hockend bei den grebern.' 1531/48, Jes.
.Tuest du nit recht, so hock(e)t dein sünd vor der
tür.' 1531/60, I. Mos.; dafür ,ruhet' 1667. , Das klein
tüfelin hocket auf [dem geistesverstörten] Saul.' VBolz
1554. ,Des ist sein volk so gar erschrocken, dass sy
wie d' hasen umher h.' ebd. ,Apricus homo, ein
sonnenbrueder (-brueter), der gern an der sonnen
hocket. Focaria, ein köchin oder metz, die beim hafon
und beim feur bei einem hocket oder sitzt. Üb-, de-
sidere, h., warten, sitzen.' Fris.; Mal. ,Uf sesslen h.'
RScuMiD 1579. — b) mit Nbbegriff. 1) gebückt, ge-
duckt, zsgekauert, in den Knieen sitzen, etre accroupi
sur ses talons B. — 2) versessen, erpicht auf Etwas
sein, ,0b den Büchern li.- Si'kknc. Ki(iiii^t-mi iiöd
über [du gewinnst mir es nit'lit ;ib|: / horhc ilriifj'
GBern. Er hocket uf sim Gelt (übe), wie de' Tüfel
uf-ere' arme' Sei B; Gl; Z. — 3) schwerfällig, ver-
legen, müssig dasitzen Bs (Spreng). Ba h. wie nes
Pfand Schnitz (Breck) Bs; B; wie ne Chrott uf-em
Dünkel (TülJ Bs; Z. — 4) zudringlich, lästig, hinder-
lich sein. Eim uf d' Güge h. s. Sp. 156. Eim uf ds
Mül h.. Einen nicht zum Reden kommen lassen oder
ihm so imponieren, dass er es nicht wagt den Mund
zu öftnen B. Schi hockund uf im, sind ihm aufsätzig
W. — 5) übh. gröber, derber als ,sitzen', in unfreund-
lichem Ton. Still h., sich ruhig sitzend verhalten,
z.B. von Kindern; schweigen Gl; G; Z. Er cha"
nümme h. [aufrecht sitzen] hat einen starken Rausch
ZZoll. Uf h., sich aufrecht setzen, aufstehen Ap;
GRh.; Z; aufgerichtet im Bett sitzen W; Z. Do hock-i
iez, da stecke ich nun (im Sumpf, Pech). Spreng. Eb
die Helvetisch Begierig wider ge Bern ufe Iwck [ihren
Sitz dorthin verlege]. MUsteri. Um Einem scherzh.
zu bemerken, dass er Etw. nicht besser wisse, sagt
Hak, hek. liik, liok, huk
man : Wenn 's du besser icäst, so hock du dohere Ap.
Nüd Schlss-und-hock-dernebe si, nicht zu verachten
sein BRi.; achtid emäl, i* was für Chleidere' die
chunnd: 's ist iez nüd Seh. — 2. bleiben. Wer nüd
cha'" rüten und stocke' [Wald ausreuten und Wurzel-
stöcke ausheben], seil diheime" h. L (Warnung vor
der Auswanderung nach Amerika). Mit: Hock dei!
lässt Stütz den alten Schulmeister über die Fremdww.,
welche ihm Beschwerde machen, hinweggehen. So
fertigt man auch Einen ab, der keine Belehrung von
uns annehmen will ZO. Furt h., vom Hause fern,
ausbleiben Z. Ufh., ausser dem Bett sein, aufbleiben,
nicht schlafen gehn Aa; 6r; L; TJw; Z. H. lä" 1) mit
Acc. S., unterlassen B; Gl; G; Z. Wenn-t' nüd wi"t,
so las-es h.! Wer-mer-sus [es] nit glaubt, cha"' 's la
h. lä GrPt. (Schwzd.). Eine Arbeit unvollendet lassen
Ap; Uw; Z. Alles h. lä, Nüt a"rüere'. — 2) mit Acc. P.,
sitzen, stecken lassen. Di" Hosi [Bräutigam] wird-di
h. lö und 's Chindli in der Wagle [Wiege] sto. Spreng.
,Ich würde mich keinen Augenblick besin,nen, sie h.
zu lassen, wie sie hockt, auf das, was man mir jetzt
von ihr erzählt.' HPest. 1785. Hogge lü wie de Sjien^-
vogt d' Chilche GLNetst. — 3. wohnen, sich nieder-
lassen G. Me" weiss halt ehe' nie, loo Gott hocket L.
Grundbcd. ist: gebückt sitzen, kauern, sich ducken, wofür
spät mild, und noch im Vorarlb. hucicen; s. auch unser hüeken.
Es sind Intensivbildungen, entw. vom iiihd. hüchen, kauern
(s. Änm, zu /Jauchen), oder zu einem in Hotjer, nihd. houc,
nhd. ,Hügel' steckenden Vb. 'hingen, welches die allgemeinere
Bed. ,sich krümmen, wölben' haben mochte. Uf z. T. piiig-
nant, s. Bd I 119.
ab-hocke": 1. sich setzen BE.jGrPt.; SchwE.; Z.
— 2. vom Sitz heruntersteigen B. — ab hin-: 1. intr.
a) sich an eine tiefere Stelle setzen, z. B. in der Schul-
klasse B; Z. Auch von den festen Bestandteilen trü-
ber Flüssigkeiten, die sich niederschlagen, und von
Heustöcken, die sich senken Z. — b) einsinken, z. B.
im Heu B; ein Wagen im Sumpfe Z. — 2. tr., Etw.
durch Sitzen hinunterdrücken, z.B. ein Ruhebett Ap;
Z. — üf-: aufsitzen 1. abs. a) im eig. S., z.B. aufs
Pferd W; Z; auf den Wagen, auch hinten auf den-
selben, um verstohlen mitzufahren B; Z. Gassen-
jungen necken Fuhrleute mit dem Ruf: Es hockt Eine
hin(d)e' uf! Z. Der Anlcewäger häd g'seid [zu dem
Käufer, der mit dem Gewichte nicht zufrieden war]:
Es ist iez das; wenn-t' meh wo"tst, hock selber üf [auf
die Wage]! Z. — b) vom Männchen der Tiere, be-
springen Bs; Z. ,l)ie kätzlerin legt sich nider auf
den bauch und hockt der mäuder auf.' Tierb.. 1563.
Auch von Menschen Ap; B; S; Z. U. lä", von Weibs-
personen L ; Z ; vgl. 2 b. — 2. Eim ü. a) sich auf
Rücken oder Schultern eines Andern setzen Z; vgl.
kräzen. Auch von bösen Geistern, die den Menschen
ängstigen und plagen, s. Bogeten-Gugi Sp. 158. Sich
auf das Fuhrwerk eines Andern setzen Z. — b) bildl.,
Einem aufsätzig, beschwerlich, feindlich sein, ihm
durch Aufsicht, Besuche lästig werden, ihn hart be-
handeln, verfolgen Ap; Bs; B; VO.; GrPt.; GW.; Z.
Selb Entlibuecher Meidschi häd g'seid: Was will-mer
[man] mache", wenn Eim Alles üf hocket? L (Wortspiel
mitlb). — a"-: festsitzen, ankleben. Von Menschen.
z.B. im Wirtshaus L; S; Z. Wenn-s' ernol ahockid,
gönd-s' nüd wädli [schnell] eiveg Ap. Von Speisen,
beim Kochen in der Pfanne z. T. anbacken Ap (auch
in dim. Form); L; G; ScnSt.; S ; Z. A. wie's Mues
i" der Pfanne. Feürer; Syn. an-brennen, brennseien.
— I"-: 1. intr., im Hause bleiben, das Haus oder
Bett hüten GrPt. Mit einem Wagen in Sumpfboden
einsinken Z. Von breiartigen Stoffen, eindicken, ebd.
— 2. tr., sitzend Etw. ein-, zsdrücken, z. B. einen
Stuhl B. ^yn. z'sämmen-h. — inhin-: hineinsitzen;
spec: durch Heirat, Erbschaft usw. zu Haus oder Ge-
schäft gelangen Aa; Z; Syn. i.-sitzen. — dinne°-:
nach dem Schluss der Schulstunden zur Strafe sitzen
bleiben Aa; Z. — er-: aus dem Gang kommen, in
Stillstand geraten, erlahmen. Büer-di"'', du erhockisch
und erfulisch-mer ja z' vollmige' [gänzlich] B. Ein-
wurzeln, sich festsetzen, von leiblichen Übeln. En
erhockete Brüste" B. Wenn d' iSach [z. B. Krankheit]
erhocket stg, so hat 's dest härter [ist sie um so schwerer
zu heilen]. Gotth. Von einem Geschwür, das nicht
aufbrechen will GRPani. Von Speisen, die im Magen
sitzen bleiben, nicht den Weg der Verdauung gehen
GnSchud. Erhocketi Eier, aus denen keine Hühnchen
ausgekrochen sind GaPani, Schud. — ushin-. Der
Ivui hocket usn, die Bienen hängen sich in Gestalt
einer Traube vom Korbe herunter Ap. - ver-: 1. tr.
a) einen Platz sitzend einnehmen Z. Eim de" Platz v.;
Syn. versperren. — b) durch Sitzen Etw. verderben,
z.B. ein Ruhebett, ein Kleid Ap; B; Z. — c) (durch
Sitzenbleiben) Etw. versäumen, z.B. die Schule Ap;
GT.; Syn. verschlafen. Mit Schwatzen, Warten Zeit
verlieren Z (Dan.). — 2. refl., zu lange sitzen bleiben
(und dadurch Etw. versäumen) Ap; Gr; Z. !<■* muess
gä", i''' chönnt-mi"'' etta v. — 8. intr. a) sich ver-
stopfen, verstecken, von Abzugsgräben Aa; Th; Z.
Die Tole ist verhocket. En verhockele Pfnüsel, Stock-
schnupfen Ap; Z. — b) liegen bleiben Z. Öpjns lä"
V., ruhen lassen, ebd. — ge-: 1. sitzen bleiben, sich
still halten. G'liock! warnender Zuruf, z.B. an Kin-
der, dass sie Etw. nicht anrühren sollen BHa. ,G'hock
uf dir selber! ' lass mich in Buhe! HsRMan. (vgl. ebd. :
,Rüewig uf dir selber sitz!'). — 2. ausruhen BO.
(Zyro). — nider-: sich niedersetzen. Hock nider
und iss! B (Gotth.). H. n. und schäm di'''! Z. ,Zue
sant Batten was ein cappon; wenn eins wollt umb
den altar gon, so hocket er im nider, Hess sich opfren,
floch denn wider.' UEokst. — be-: stehen, stecken
bleiben, z. B. im Lesen, im Fahren AAWohl. De^ Herr
Pfarer ist de letst Sunntig au''' nüd recht b'schlage'
gsl"; er ist fast b'hockt i' der Predi ZWettschw. Von
der Uhr AAWohl. Sitzen bleiben ZLunn. Haften
bleiben: Lönd de' Hagel [Kerl] rüefe" [Scheltworte
rufen], es h'hockt ja Nüd an is. Wolf, Bauerngespr.
— zesammen-: 1. intr. a) beisammen sitzen, oder
sich zssetzen, zu traulichem Gespräch oder Beratung
Ap; Z; sehr befreundet sein Z. — b) zssinken, -kleben,
von Bettfedern, die nicht recht geschüttelt werden Z.
— c) coire ZNA. — 2. tr., durch Sitzen ein-, zsdrücken,
z.B. einen Stuhl Ap; B; Z; Syn. in-h., zs.-rlten. —
zueche"-: sich zu Tische setzen BE.; Uw.
Hocker m.: I.Mensch, der gern und lange sitzt,
z. B. an Winterabenden raüssig, im Wirtshaus Ap;
Bs; Z. Er ist kei' Safer, aber c H. Scuilu. [Sie]
.st" scho" früeh z'sämmecho" und hai' ir Morgeschöppli
g'nö' und sl" H. (fsi", wo bis z' Nacht hai g'kneipet.
Gottwilche. — 2. (meist dim. Hockerli, Hö-) kleiner
Stuhl ohne Lehne; Schemel Bs; FJ.; GrPt.; Zg.
Spec: Hockerli, Stühlchen für Kinder AAZein.; für
1125
Hak, )[ok, liik. liok. Imk
die Stickerinnen Ap; G; Th; für die Knaben beim
Arinbrustschiessen Zf; s. auch Koehh. 1857, 459/Ö0.
— :!. Horlcr C,Ta.. IlöderU AkYjein.; InBeTl, kleiner
Kn^ilMii-.hlilt.ii aus undurchbrochenen Brettern. Syn.
Britlhr. 'I'r,»ili-Srl,liifen. — 4. = Hock 3 a G aLisch.;
Tu; .s>n. Iludci: — 5. Höckerli, Heuhäufchen, kleiner
als der Birli'y Gr; Syn. Hücker. — NB. Ein Teil der
Ccimpp. findet sich mit denen von Ilock vereinigt.
Uf-: 1. geiler Mensch B; Z. — 2. Verfolgter B.
S. uf-lwcken Ib, ah. — Gassen-: der kein Land,
Heim besitzt (auf der Gasse wohnen muss) Zg; s. Gass.
— Wirtshüs- Sch; Z, -Hikl; B; S = Iloclcr 1. —
Nest-: jüngstes Kind einer l'amili.' \\Vn. i-o-i:
GnObS.; GStdt. Synn. s. bei (h-:il>-rh S|.. sjü, imiei-
Nest-Höch, -Pflutterling, Bli<tl-Xrst]ni,j. Sie in-
weisser Mauerpfeffer, sedum album B. — Wörtli"-:
Wortklauber, Silbenstecher Ap; GStdt.
Hockore f. ScHwMa.; ZO., Zoll., Hockerne Gr,
Höckerli AaB.; Ap; GrV. (auch -o- und -ü-); L; G;
ScHwMa.; Th; Z: = Grüper 3 (Sp. 790). Syn. Hocki,
Happere, Hortschere, Grüp-, Kriich-Bönen. Die grö-
bere Art wird auch Kost-Hoclere genannt, weil ihre
Bohne zur sog. Kost-Suppe verwendet wird ZO., Zoll.
Hockete I: 1. langes, müssiges Sitzen Ap; UwE.
_ 2. = Hock i> d TnTäg. ; W. Spee. Gesellschaft von
Knaben und Mädchen Abends bei Licht zu Spielen
Ap, heimliches Zssitzen, von schlechter Gesellschaft
Zu. — Bänkli-: Zssitzen von Nachbarn Abends auf
Bänken vor dem Hause Bs.
Hocki: 1. m. = Hocker 1. allg. - 2. n. a) PI.
Hockeni = Hockere BHa. — b) niederkauernde Stel-
lung, beim Turnen Bs.
„Hockli n.: kurze, dicke Person BO."
Hiick m.: 1. kleiner, schwächlicher, unbeholfener
Mensch, bes. Knabe; Knirps Aa; Bs; B; S. Zuweilen
mit dem Nbbegr. von Ansprüchen, die mit der kleinen
Statur in keinem Verhältniss stellen, verächtlich, selten
mitleidig. Du arme H. '. Gotth. Syn. Krott, Negeler.
Hockli n.: im Wachstum zurückgebliebenes Kind Bs.
— 2. = Hock 3 a. — 3. Kinderschlitten ApK. Vgl.
Geiss u. Hocker 5. — 4. = Hock 1. — 5. = Hock 2 d.
— G. Setzkügelchen beim sog. Spicken im Gegs. zur
Wurfkugel GT.
HÜS-: Einer, der immer zu Hause sitzt. ,Joggeli
war nicht etwa so ein Haushöck, der nie von Hause
wegkam.' Gotth. — Mueter-: der immer bei der M.
sitzt B. Syn. M.-Titti, -Hälli. — Nest-: 1. der
jüngste Vogel im Neste AaHoM. — 2. ^= Nest-Hocker
S. — 3. Sitz im Nest. In im» X. sind si [die Elstern]
erst recht gnistig niul ifsrlut-iil -.iij lii-ii-enand Aa (Rud.
Meyer). — Pinte"-: der in der Weinschenke zu
sitzen pflegt BLangn.
hocke": 1. tr., sitzen machen, setzen B; GlK. ;
Vw. a) von Pers., z. B. ein Kind auf den Boden UwE.
— b) von Tieren. ,Eine Henne h.', ihr Eier zum
Brüten unterlegen SchwNuoI.; Syn. Micken. — c) von
Pflanzen, z. B. Bohnen GF., ü.; Syn. stecken. — d) bild-
lich, zur Buhe, zum Schweigen bringen, bändigen.
Bas U'ghür git-em [dem Kapuziner, der es beschwören
will] schröekli''' z' tue", bis er 's entli"'' y'hiickl Schw.
— 2. refl. a) sich setzen Gr; G; Schw; Uw. Höck-di!
Einladung zum Sitzen. Jün leders hockt-si''' o* si"
Plätdi. D' Chatz hockt -si''' uf-''en Ast. D' Bränte
het-schi g'höckt, der Nebel hat sich niedergela.ssen
GrD. De'' Bossberg cha'"'-si''' [s. Z. beim Goldauer
Sturz] nümme h. [zur Ruhe kommen] ; er gütscht
Stunde' ictt. — b) bildl., sich still verhalten ScnwE.
Er hat die Andere* lo b'richtc [reden lassen] und si'''
g'höckt. MLiEN. Bst ! Cha"st-di nüd h.! ebd. Syn.
ge-hücken. — 3. intr., sitzen B(Zyro); Uw.
H. ist das regelrechte Caus. zu ,hocken'. Wenn es auch
intr. gleich dem Letzteren vorkommt, so ist zu erinnern, dass
hinwieder Dieses auch refl., also scheinbar tr. gehraucht
wird (huck-dil = luJck-di.n. Der aus aSchw verzeichnete lange
Voc. ist wohl lautsymbolischer Ausdruck behaglicher Ruhe
wie umgek. in unwilligem Affekt Verkürzung vorkommt, z. B.
*. / .' hür auf! In ,g'höckt' bezeichnet r/e- das Eintreten des
abe-: auch bildl. = einen unbescheidenen Plau-
derer nachdrücklich zur Ruhe weisen, verstummen
machen SchwNuoL — üf-: aufsetzen, -stellen, z.B.
Kegel Gl; Nüsse B (Zyro).
ver-höckt: verstopft, -steckt, von Wasser im
Boden, Krankeitsstoff im Körper Gl. S. verhocken.
be-höcke": Jemanden so widerlegen, dass er
Nichts mehr zu entgegnen weiss, durch schlagende
Worte zum Schweigen bringen B; „VO." — Eig. stocken
machen. Vgl. abe-h.
Höcker m.: 1. Kleinhändler in Korn B (St.**). —
2. = Hocker 4 G aLdsch. — I mhd., nhd. auch , Hocker,
Hucker'.
höck(e)le'': Dim. zu hocken. 1. sitzen, sich setzen,
von Kindern; von Erwachsenen mit dem Nebensinn
einiger Gemütlichkeit, Bequemlichkeit L; Sch; Z.
's ÜJiiinlli hniiicl scho" ellei" Z. Von kleinen Vögeln:
's Ydi/iIi Im, ■Uli II f 'em Lade" Ap; Z. Von Männern
insbes. luiiLje im \Virtshaus sitzen bleiben (ohne ge-
rade viel zu trinken) Bs; BE.; L. Von Frauen: mit
Nachbarinnen zum Plaudern zssitzen SB., NA. Das
tänzlet und schwänzlet, höcklet und böcklet [Herodes
tanzende Tochter], dass Eim fi" 's Herz im Lib uf-
gumpet ist. Bantle 1712. Mit Adv. : ab, nider, z'sämme".
Desumme" h., da und dort, bald hier, bald da müssig
sitzen B. — 2. gelegentlich und im Kleinen Handel
treiben. ,Den Hintersassen soll alles Fleisch-Ein-
bringen verboten sein; einem Hintersäss aber solle
erlaubt sein, dass er das erkrankte Vieh schlachten
könne; doch soll er ohne Bewilligung kein Fleisch
davon verkaufen ; hingegen ist allen Hintersassen
alles H. verboten bei Conflseati.ni des Fleisches; doch
solle es des H-s halb nicht d.'ii NriMaml haben, dass
einem Hindersässen nicht bew illiul -ei. rin Stück Vieh
für seinen iranspjebraneh zu s.-hlaehlrii.- 17S2, Aarauer
Batsiiiaii. (("illiafrni. ::. iiiii .ll.rkcn' {s.Hock3aJ
spielen a) K iiel.'i ■^^ii^l. Ijri wrlrlieiii es sich darum
handelt, dcu in gcwi.s.ser Eiitlornung aufgestellten
Hock zu gewinnen, indem man ihn mit einer Nuss
bzw. Kastanie (Bol) über den Haufen oder das Oberste
davon herunter wirft AaB.; Bs; B; Sch; S; Tb (auch:
hokerle); Z, in Gl; SchwE. und tw. Z g'h. G'setzt
ist nüd g'hücklet, bildl. = Das ist etwas Anderes
od.: man ist damit nicht gebunden Z. Ob 3 Zeine"
[Körbe] oder 3 Tause" [Bottiche], chann-i"' nümme*
säge" — nu"! g's. i. n. g'h.; si händ emmel e" chli*
Obs überclio". RBauer. , Ludere nucibus, h. oder mit
nussen kurzweilen.' Fris.; Mal.; Denzl. 1077; 1716.
,Das Kippen, H., lusus nucum.' Red. 1öö'2. ,Da ich
' mit meinen Schul-Gespanen nach Art der Jugend
1127
Hak-link. Hakt-hnkt. Hai -hui
1128
gehöckelt und gespielet habe.' JJUlrich 1733. —
b) = nüsslen ZO. — 3. in obsc. S.? ,Mit was andacht
etliche desse predigen angehört, ist daraus abzunem-
nien, dass einer einem andern eine hüpsche Weibs-
person im bad sitzende gezeiget, sprechende: Meinst,
diss höklete nit auch.' BossH.-Goldschm.
Höckler m. : der lange im Wirtshaus sitzen
bleibt Bs; L.
Höcklete f.: vergnügliches, bequemes Sitzen Ap.
Höckli°g ra.: Sitzplatz. Z' hinderist ist a H.
gsin, un^ i"'' ha" grad g'welle' druff anhi" sitse" FS.
(Schwzd.). - Oien-. = Ofen-Hock 1 Aa; B; S.
g'höckli"'ge'' L, z'h. S: Adv., in sitzender Stel-
lung. Ase g'h. l'nucke [einschlummern] AARued.;
Syn. g'sitzli'gen.
b^-hock ÄAlVIand., -«AAStauf. : hübsch aussehend.
Bas macht -si"'' b.
Kaum zu ,hocken', entsprechend der RA. ,das sitzt nicht
übel' ; viell. ein Verderbniss nach Form und Sinn aus he-huckt.
Hocke" U f., Hocket, -e° II: eine Art Leibrock.
,Ein gfüllti Hockat. Ein sydin Hockcten an Errael.'
14'2'2, L Vogtkinderrechn. ,Ober- und Untcrhogken.'
B um 1500. ,Matthäus soll [als Zöllner] ein Hocke-
ten anhan.' L Bühnenrod. 1544/85. ,Die [gallischen]
Männer tragen H-en.' Tschudi, Gallia. ,Han ich kouft
4 elln wälsch [Tuch] zum hocketly.' Mitte XVI., L.
,Sagum, ein hocketen, ein kriegische juppen. Saga,
ein hocketen, ein gattung eines kleids, leibrock. Latus
clavus, ein rock oder hocket mit purpur bsetzt, so vor
Zeiten die ratsherren zu Rom under jrem langen rock
anhattend. Sagulum, hocketle, leibrock, leibschöple.'
Fris.; Mal. ,Vogelfarb Höcketli.' Hinterlassenschaft
von Leod. Rixzi 1585.
Ans frz. Koqucton, nach Schcler afrz. auqucton, prov. al-
coto, gestepptes Wams, aus spaii. (arab.) al-mton, Watte, von
coton, mit vorgesetztem arab. Artikel. Danach wäre Hocket
erst aus der volleren Form abstrahiert, deren -eii als Flexion
äufgefasst wurde. Hoeke II mag zu Hockete II im A'erhältniss
von Tocke zu Tockete [Kinderpuppe] gedacht worden sein,
oder es mag Yermischung mit ,Hoike' (s. Gr. WB. IV 2,
1731) Statt gefunden haben.
G*-Hück, -BT/«/.-/ n.: wiederholtes Husten, trocknes
Hüsteln B. Du hesch doch hinecht aber es K. g'ha'
— i''' ha" gar nit chönne' schlafe'. — (g")hücke" I,
k/ük/e: 1. trocken husten, ein wenig husten, hüsteln
B. — 2. unterdrückt schluchzen SStdt. — G'hücker
m.: Husten FMu.
Schwerlich mit hücke' II zu vereinigen, etwa dadurch, dass
bei Husten oft eine gedrückte Haltung der Brust Statt findet;
sondern es wird eher eine Art Intens, von Imchai, küchen
sein und eine krankhafte Modifikation des Ansatniens be-
zeichnen; vgl. hucken = schnappen. XIV., Mone, Anz. 18-S9,
459; beachte übr. auch die Berührungen t. mit hicken, t. mit
Uggen.
llücke" II: 1. intr. a) niederkauern, von Hühnern
GrD. - b) hinken Aa. — 2. tr., (eine Henne) h., ihr
Eier unterlegen; Syn. setzen. Eine Schwangere darf
nicht h. Syn. hocken 1 b. — 3. refl., sich ducken,
still halten Aa; s. hocken 2 b. 's ist nid wohr g'si", aber
i"' ha'-mi''' müesse' h. Aa Schulmstr 1887. Hück-di!
nimm dich in Acht! — g«-, in B oSi. kxükxe: sich
still halten, zufrieden geben, sich unterziehen B. Me"
cha" die Mützere' [Obstdiebe] g'stellen [bannen], dass
ei sich g'h. ond d' Kirschi in Biieh län. lez g'hück
di'*! sagt die Mutter zum Kind, indem sie ihm etwa
ein Stück Brot gegeben.
ü ist der ältere Uml. für u. 1 b kann, wenn es übh.
richtig angegeben ist und hieher gehört, notdürftig daraus
erklärt werden, dass beim Hinken eine einsinkende Bewegung
Statt findet, wie ,hocken' oft mit gebogener Haltung ver-
bunden ist.
Hückerli n. = Hocker 6 OnMai.
G"-h;ickt s. Ge-häck.
b»-huckt Aa; B; S, -ü- B (Zyro), -ö- FS., pfuckt
B; „S": „empfindlich, reizbar, leicht aufzubringen
(bes. von unartigen Kindern) B; S"; unfreundlich,
barsch, trotzig, protzig, schnippisch Aa; B; S. ,Du
bist puckt, ich habe nicht gewusst, dass man dir
Nichts mehr sagen darf.' ,Sie hatte gekocht und schoss
p. in der Küche herum.' ,Ich hätte, wenn mir Jemand
die Zeit gewünscht, nur ganz p. gedankt.' ,Weil sein
Herr verdammt p. war und keinen Tag auf die Arbeit
warten wollte.' ,Vreneli schien ihm p. und mutz, gab
ihm kurzen Bescheid.' Gotth. — Vgl. ahd. hugjan, me-
ditari, hchuclitj, sollicitus, aber auch die Anni. zu Ge-hiick
Hai, hei, liil, hol, hui bzw. hall usw.
h a 1 s. hallig.
Wider-llall: wie nhd. Z. Auch übertr., vom
Zurückprallen der Wärme U.
ver-halle": wie nhd. De'' Ton verhallet ganz i"
der Chillen ine", me' cha"" de" Pfarer nüd verstä" Z.
Halle(n) I GRÜast., Ig., Klost., uVatz, Valz.,
Haller I GRÜhur, D., Ig., Pr.; GSa. — ni.: Glocken-
klöppel. Syn. Klenker. Si fleiigeiid-s' [die Bursche
schwingen die Glocken], ''ass der Haller e Büngli [eine
Weile] nümme' sehlöt GSa. Das passt wie e" Haller
in e' Glg'e', wie eine Faust auf ein Auge GfiChur, Pr.
Aus Chatten, welches viel verbreiteter und auch aus der
ä. Lit. gut bezeugt ist, oder aus dem (auch mhd.) Halm II,
doch angezogen vom St. Hall, hallen. Über Wechsel von ch
und h im Aul. vgl. die Anm. zu Ilugelen. Die Form auf -et;
welches noraina agentis und auch Namen von Werkzeugen
bildet, nach Analogie von Hammer, Klopfer, Lüclter, Liter,
Borer, "Wischer u. V. a. Die RA. berührt sich mit der u.
Oigc' Sp. 148 angeführten (wo viell. Haller zu lesen ist),
und es bleibt fraglich, welche Deutung die echte sei.
schle'g-hal: schief, auf einer Seite höher als auf
der andern, z.B. ein Fuder Heu BG. „Als m. Subst. :
Etw. Überhängendes, wie ein schief stehender Baum,
Mauer, schief geladenes Fuder B; S." Vgl. schlegel-
haldend.
Gleichs. durch erhaltene Schläge auf die Seite geneigt;
vgl. das folg. Vb. Wohl zunächst ausgegangen von Wagen-
ladungen, bes. Fudern Ken, welche, anfangs aufrecht geladen,
durch die Unebenheiten des Weges Stössc [.Schläge'] be-
kommen und so schief werden; vgl. schlagen.
Halle" II f.: Abhang (einer Wiese) B (Zyro). —
halle" I: schief sein, auf eine Seite neigen B; U; W.
Der Stube'bode' hakt.
Kaum zu trennen von den synn. Halden, h., aber ob aus
Diesem erst entstanden durch die selbe Angleichung, welche
in ball, aehullig in dem genannten Sprachgebiete vorliegt,
A, 1ml
1130
■ iilor im Gegenteil, wie Billercn, Bulleren, Hell neben Hdil,
inlid. hd(le)r (ahd. Imlu, hall, cliviis; anahnl, acclinisl, die
ursprünglichere Form fortpüanzend ? Vgl. noch die Flurnu.
.Waldung in der Hall' ZKUsn.; .Hall' GWaldk.; .in der Haien'
BBrenig., Küniz (auch .Halden'); , Haienfeld' BBoll.; ,an der
Haien' BBad. ; .Halcubilchel' ZNeft. Offn. (dazu vgl. ,Haltcn-
liiiliol' B); ,HalenniattQ' WSaas (auf den Karten ,Haldcnm.').
(Rgbe"-)G»-häln.: Spalier. Geländer von Reben,
lüiumen Aa; ß; IMegg. Syn. Eeb-Laube', -G'länd,
Landeren, Trüeter.
Entw. unmittelbar vom Vb. halkn I gebildet, wie Ge-m&l
Viin malen, oder dann aus Gehäld (s. d.) verstümmelt. Das
uispr. kurze ä längte sich wie in Fall, Feil, gel" u. v. a.
S. auch noch Hell als Flurn.
a^-hällig: sanft ansteigend U.
„lialär", halärsch: munter, mutig, übermutig
Aa; L. - Aus alert (Bd I 172) mit Anlehnung an das syn.
vhävHch. Zum Antritt von h vgl. hextra nnd haleijer.
Hallauer: Einer von SceHallau. Die H. Gegen-
stand naclibarlicher Neckerei: .Alles durcli einander
essen wie der H.' Sprww. 1824. S. auch u. Hand;
durch-rlssen. Auf die dem Stadtregiment i. J. 1790
die Botraässigkeit bestreitenden H. bezieht sich das
geflügelte W.: Mer tönd's nit! scherzh. weiter ge-
sponnen: ond wenn 's mir no tütid, so tätid's üsi
Wiber nit. Vgl. noch Sprww. 1824, 92.
..lialeger: ausgelassen lustig Aa; L." S. düegro
(Bd 1 172). Auch subst. „Ealeger m., übermütig
lustiger Junge, ebd." Und hiezu hinwieder als Fem.
H-e', lustige, vergnügungssüchtige Weibsperson „Aa;"
L. — halegere" Aa; L; S, haleire BR.: ausge-
lassen fröhlich sein, bes. beim Gelage, laut jubeln,
sich lärmend lustig machen. Syn. grampolen. Die
junge" Bursche' h. ei's 's Dorf üf und ab S. Dudle"
und hörne' und h. JBEgli 1871. Lärme' und h.,
das'-me' st's eige' Wort nilmme g'hört. Machari 1884.
Die eitere" Herre' sind aßg hei'" 'decklet, aber die
Junge' händ na [noch] witers g'halegeret LHabsb.
lhn(h)e-h., sich lärmend und jubilierend herumtreiben
Aa; BR. — Haleiri m. (PI. -ege'): lebensfroher
Mensch BR.
Halle" III s. Hahn.
Halle" IV (bzw. -ä-) f.: Hülle, Schale der Zwiebeln
B (Zyro), Hülse von Bohnen, Erbsen Ndw, bes. aber
die grüne Umhüllung der Baumnüsse, auch Hasel-
nüsse Aa; Bs; B; S; Vw; „Z"; Syn. Brätschfgjen,
Tanggen. — Ahd. hala, mhd. *(.( f. dass., zum Vb. helen,
bergen, hüllen.
„Schind-: Raud-. l-l'-lii'-nKriinkheit beim Rind-
vieh Ap; GRh.;" vgl. S<'ln„J-llnl,lrr.
(üs-)halle" 11: die Xüjac vüii der grünen Schale
befreien, enthülsen Aa; Bs; B; S; Vw; Z. Syn. füs-J
tanggen. — e"t-: öffnen, entwirren B oHa.
ballig (bzw. -ä-), nach Ineichen auch häl: 1. sich
gern schälen lassend, vor Reife aus der grünen Um-
hüllung fallend, in erster Linie von Nüssen, Kastanien ;
reif, überreif Aa; Bs; BoAa.; L; S; Zg. Dann auch
von Hülsenfrüchten übh. BBrisl., von Obst, das von
selbst fällt L (Ineichen). D' Nuss si" h.; vie" muess-si
schwinge' Aa; Bs. Uf den Acheren uss, im Feld, ligge"
d' Ari z' hüfe'wis, so h. isch 's Chorn S (Joachim).
Auch bildl.: Si hend 'denkt, me' müess nusse', tvil
d' Niiss h. sind, und hend der Tschosefine de" Hof
g'macht L (JBEgli 1871). - 2. übertr. a) reif, zeitig;
heiratsfähig und -lustig, 's ist h., es ist gar. Alles
ist zum Essen bereit AaKu., L. E h-s Meitli, virgo
matura viro, auch: lasciva. H. si" uf Öppis hl", auf
Etw. heimlich erpicht sein .\AWohl. — b) dem Kon-
kurse nahe. Der Chasper ist h.; er cha" si'''' nümm
lang halte' AAZein. — c) nachgibig, mürbe, zahm,
von Fers. Aa; S (auch g'h.). E Frau ist h., wenn-ere
der Ma"" vo' de" Chinden eiceg stirbt AAZein. Sameli
het die erdattereti Jumpfere' g'hörig lo' mürbe'. End-
lige' z'letst, wo si recht h. g'si' isch... Hofst. Wenn
er nit will, so will e" scho" g'haUg mache'. Schild 1876.
— d) schlaff, matt; schläfrig; halb erstarrt (vor Kälte)
Bs; vgl. heilig.
halle" lU (auch -ä-): anlocken, z.B. einen Hund,
Kinder durch Freundliehtun ; Tiere einander in der
Brunstzeit; ins Haus aufnehmen, Unterschiauf geben
Gl; Syn. i'-ziehn, zölden.
Hier hat sich wnhl das ahd. halön, vocare, sollicitare,
arcessere (nhd. .hulen') erhalten, wie W. 157 auch aus der
Flexion (er hallcl) schlicsst; engl, to hole, frz. haier, ziehen,
schleppen, holen. Die Erhaltung des alten Voc. wurde er-
leichtert durch die Specialisierung der Bed., gerade wie in
der nhd. Interj. ,hallo!' eig. ^ ,hole!'
Hallcr II Sch; Z. Häller Aa; Bs; VO., inmleni
Heller — m.: Scheidemünze der frühern Zeit, jetzt
wie Angster, Pfennig, Blutzger u. a. nur noch in R.\A.
allg. Bi Haller und Pfennig; bim Rappen und H,
bis auf den letzten Pfennig. Kein rote H (Rappen),
pas le sou Z. ,Zu der armen Mutter zurückzukehren
wie ein roter Heller, den Niemand annehmen will.'
MWalden 1879. Er het no'''-n-e Hällerli miessen er-
hi'ise' Bs. Vil H. sind atf'' Gehl. Sulger (vgl. Viigeli).
H. ha", reich sein. ebd. //. ylim,] uf, umrli ',•»)
Pfennig Platz, ebd. Die tHsi,,< Uit.h,' >///,/ ,hi,ii,l)
l-en H. icertfsj Z. Hällerli tlslah", ra-rlniKfr". Kinder-
spiele ähnlich den unter Angster Bd I 339 bcsdirie-
bencn Aa; Z; s. auch T. 254 a. Das Pfänderspiel
wird folgendermassen eingeleitet: P'' gV'-der en Haller
uf de Teller, chasch chaufe" drüs, was d' witt, mit
W'isses u"' nüt Schwarzes u"' nüd ja u"'' nüd nei'!
Was hast g'chauft us dem Haller? ZZell. ,1 B plapart
für IG haller, 1 Z pl. für 15 h., 12 B pl. für 1 pfd
[■/a Gulden].' 1424, Absch. ,Ist alles verbrunnen und
jnen 1 haller wert guets nit uskommen.' 1437, Gpd.
,Was nutzes kummt der statt darus? Nit um ein
haller.' ThFuickart 1470. ,Bis du auch den letsten
haller bezalst.' 1531/1667, Matih. ,Von dem gelt han
ich keins hällerli nit verstolen.' Ruef 1540. ,1 haller
= '/ä angster.' Ndw LB. 1545. ,Er ist nit eins bösen
hallers wert.' Fünkelin 1552. ,Die Haller, welche L
u. U gemünzt haben, werden in G u. Tu zu 7 Stück
auf den Kreuzer ausgegeben, während sie im Wert
von 10 auf den Kr. geschlagen worden.' 1563, Absch.
,Wo in disem büechli pfenning geschriben stat, das
bedüt allein haller.' 1567, Z Zollordn. ,Der haller,
heller, helbling, obolus. Alles bei einem h. verlieren,
ad assem omnia perdere.' Fris.; Mal. ,Die andern
ort band, wenn ein haller in 4 teil zerschnitten war,
nit ein viertel wellen geben.' BossH.-Goldschm. ,Job
[hat] niemant umb ein haller unrecht geton.' LLav.
1582. , Weder H. noch Pfenning.' 1638, Absch. ,Die
ihr manchen Guldin zu vil an die Hoflart gewendt und
dann dem Armen nicht ein Haller gegSben.' JMüll.
1131
Hai, hei. liil, hol. hui
1132
1673. ,Die Leute beuten dem Pater auf allen seineu
Kram nicht einen faulen Haller.' JHFäsi 1696. ,Häller
und Blutzger zusammen lesen [ist die Arbeit des Geiz-
halses].' JUlr. 1727. S. noch fiil Bd I 787, frommen
Bd I 1296, üf-gän Sp. 14, Un-gichtung Sp. 112, Gtgen
Sp. 148, Um-Gelt Sp. 243, Heim-Gelt Sp. 249, Grüsch-
ler Sp. 818.
Die H. wurden zuerst in .schwäbisch Hall' geprägt, daher
ihr Name, wie Taler von Joachimstal, Brahänder von Brabaut
ü. a. ; Tgl. engl, guinea. Haller und Heller auch Geschlechtsn.
B; Z; daher das historische Wortspiel der Zürcher nach der
Schlacht bei Kappel 1531: ,Die Bülacher seien wohlfeil aus
dieser Schlacht weggekommen; sie haben nur einen H. ver-
loren.' Sprww. 1824. Vgl. HBull. 1572 III 154: ,Von Bülach
kam niemau um, onet ir predikant, herr Joh. Haller.' —
Über den Münzwert des Hallers übh. vgl. noch Seg. RG. II
265 f.; III, Buch 1:3, und Schönberg, Finauzw. 116 f. Die
Form Heller kann aus HaUer vermittelst der Zwischenstufe
Hüller entstanden sein durch Attraktion von Seite der Stämme
Ml. Hell.
Au"er-. ,Ich geh dir nicht einen Owerhaller
[nicht das Geringste] darum.' Sprww. 1824, 104; eig.
Haller der Äbte von (Reichen-) Au.
Häuptiis-. ,Er gab nit ein höptlishaller umb
des Togts verbot.' 1516, Absch. (GRheineck).
Die Benennung wohl von dem auf der Münze befindlichen
Kopfe irgend eines Dynasten; vgl. das vor. W.
,Kostenzcr-, teruncius.' Mal. — Pfund-: Ab-
gabe im Betrag eines Hallers von jedem Pfund Geld ;
vgl. Pf.-Schüling und Scg., RG. II 265. — Drei-
Hall erlin: Z Münze, noch in der 2. Hälfte XVIII.;
vgl. Dri-Ängstler Bd I 340.
,Berg-Haljo: Bergthymian.' Schott 1842.
Hälangg m. : Halunke Aa; Bs(tw. "''); Gl; Sch; Z;
in BsStdt auch scherzh. für: Zögling des Alnmneuras.
Er ist en S. si"s Zeiche"s Z. Er ist a' Hahmgge"
[Wortspiel mit Ltingge" = Lunge] und Lebere" a"-
g'steckt, ist ein Taugenichts ZS. H. ist l-ei Schelti'g,
kann nicht als Verbalinjurie gerichtlich bestraft wer-
den Z. Ein so Gescholtener und mit seiner Klage
vom Gerichte Abgewiesener nahm von den Richtern Ab-
schied mit dem Grusse : Adie, Ir Herre Hahmgge' '. ZS.
umme-halungge": sich als Taugenichts herum-
treiben Z.
üs-g'halungget: durch liederliches Leben gänz-
lich herunter gekommen Z.
g'halunggig: wie ein Halunke, z. B. üsg'seh,
g'kleid't st" Z.
Halunggium n.: scherzh. und verächtlich für
Alumneuni Bs.
Hälünggel, Halünggi m.: = Ealungg , doch
etw. milder Z. — El eine Art Dim. -Endung, bes. in Eigenn.
angewendet: Rüedcl, Jotjgel, doch auch sonst: Uüehel u. a.
halünggele": pers. und unpers., an einen Ha-
lunken, Lumpen gemahnen, gleichs. nach einem sol-
chen riechen, die Art eines Halunken haben Z.
g°-hälünggelet Gl, g'halünggelig Z: halunken-
mässig, verkommen in Kleidung und Lebensweise.
hüs-häliistere": unordentlich, verschwenderisch
haushalten FMu. — Wohl eine Entstellung von hm-haltm.
häl I (hm GrD., Pr.; GSa.; ZO.), in Z auch
(g'-ßiälig: schlüpfrig, glatt, sowohl eig. als übertr.:
glattzüngig, liebkosend, schmeichlerisch; schleichend.
falsch, allg. Es ist h. (z' gä'), es liegt Glatteis. De''
Weg ist so h. icie Glas. I" der Stadt händ s' h. Stube-
böde'. H-s Mues, schleimiger Brei Ap. Gund All
am Bort, 's ist häl die Nacht, und gern -vier uf die
ChUnen Acht Gl (Schwzd.). Ne häli Miieter, en dürren
Ätti, es feisches Chind Aa (Rätsel: Butterfass, Stäm-
pfel, Butter). Dilnni Bei macht häli Schueh. Sprw.
(Kirchh.). H. tue', schmeicheln. Das ist en Hole'',
ein Schmeichler. E h-i Chatz, Katze, welche gerne
sich anschmiegt; Syn. Häl- Büsi; übertr. auf Menschen
= Gleissner. Er cha" tue, se h. wie en Schnegg Sch;
vgl. .aalglatt'; ähnlich: u-ie-n-e häli Chatz Gr. Häli
Wort (Wörtli) ge'. Si hat so e g'häligi Stimm Z.
Er ist so h., via" chönnt-e' gad [geradezu] verstriche'
Ap. ,0 verzeihet! fiel das Weib sehr hehl und freund-
lich ein.' Stütz, ß. ,Häl schlyffen', glatt, geschmeidig
tun, um ungeschoren davon zu kommen. 1405, Ap Chr.
,Es ward geredt, wie die ding eben hei und sorglich
wären.' 1476, Bs Chr. ,Ein hol katz, der marschalk von
Liechtenstein, ist gangen ze schmacken umb den brei.'
NSchradin 1500. ,Die Appenzeller zugend all ir schueh
ab, damit sy gestan möchtend; dann es regenwetter
und fast heil was.' c. 1500, Ap (B Anz. 1874). »Waren
jnen [den Truppen des Abtes] die schueh so heilig,
dass sy zue boden flelend.' ebd. ,Glatt und heel ist
der wandel hin zue der hell.' c. 1520, TuPur. ,Wir
sind seiner [Zwingiis] hälen, unwarhaftigen wort voll
genueg.' 1524, Absch. ,Ein burger erzalt dem volk,
wie die sach [der Reformation] schwer und hei stuend.'
1529, Bs Chr. ,Hüet dich flyssig; dann du wandlest
auf hälera weg.' 1531, Sir. ,Ues künigs legaten sol-
lend wol beschwätzt syn, hall, gschwind glyssner,
practicierer.' HBüll. 1533. Der Vogt habe ihn ,häla
niännli' gescholten, als er zum Frieden geredt. 1539,
ABScn. ,Mit hälen und listigen reden.' Vad. ,Sein
Stangen schmirb jm mit feisste, damit sy häl werde,
dass der vogel zu nacht stäts hinab falle und nit
schlafen könne.' Vogelb. 1557. ,Häl. glatt, schlipfig,
schlipferig, lubricus. Loqui raulsa, häle, glatte oder
süesse wort reden.' Fris. ; Mal. ,Setz niemands z' vil
uf zytlichs guet, dann die ding sind gar mächtig häl.'
RScHMiD 1579. ,Der Herr hat die Gottlosen gestellt
häl und schlipferig.' JJBreit. 1616. , Lubricus, schli-
pferig, hell, glatt.' Denzl. 1677; 1716. ,Blandus, lieb-
kosend, häl, lieblich.' ebd. ,Der Welt Treu ist ein
hell Eis.' Lindinner 1733.
Ahd. hall, mhd. haele. Die Schreibung hell zeigt, dass
sich das W. schon den Alten mit hi-U mischte; ,heil' ist
charakteristisch für die Ap Mundart, wo ei wie « gesprochen
wird, daher der Irrtum des Schreibers; s. noch helwl
a "-häl (ig): sich anschmiegend, liebkosend, z.B.
von Kindern, Katzen, Ziegen Gl. — schnuder-:
.schlüpfrig wie Rotz Ap; vgl. schn.-lind.
,hälachtig: lubrice.' Mal.
häle": 1. schlüpfrig werden Ap; Z. Es hälet vor-
ussen, es regnet ts. — 2. ausgleiten (auf dem Eis) U.
— 3. ausgleiten machen U. Gang nit uf 's Isch, sust
hält's di'''. Bruf gan-r'' ivie stolze' Schritt, ha"
g'meint, es häl-mi"'' jede Tritt, grad uf de chalti Winter
zue. FlLusser, Frühlings Abschied. — 4. schmeichelnd
berühren, liebkosen, schmeicheln, bes. von Katzen,
Kindern; auch von Erwachsenen Ap; Gr; G; Z. Syn.
hdlstrichen, glättlen. Die cha" h. irie-n-e Chatz. Si
häd-em g'hälet, fcts si-en g'ha [zum Manne bekommen]
1133
hiid Z. Liebs Büsi du; ach, trie 's aW'' helet. Stutz.
.Wie heisst das Wort? Das, wenn es in 's Gesicht
dir liehlet, iim Rücken desto stärker strehlet?' HSulz.
Sehulm. ,Helen, schmeichlen, blanden, blandiri, adu-
lari.- Red. 1662.
Haler m., -cri" f.: Glattstreicher. Schmeichler,
Schleicher Z.
Hälete" f.: das Schmeicheln ApK.; Z.
Häli I m.: Schmeichler Z.
Häli II f.: 1. Schlüpfrigkeit, allg. ,Fallere vesti-
gium, Schlipfen von häle wegen.' Fris. — 2. mit
Glatteis überzogene Stelle Gr. — 3. das Glatt-tun,
Schmeicheln, Schmeichelei Ap; Gr; ZO.
Häl I m., n.: 1. Geheimhaltung, Verschweigen.
F'' ha' 's U" 3., ich verhelile es nicht Z. Oni Fei
und H., Formel beim Verkauf eines Gegenstandes,
bes. Vieh Z. H. biete', amtliches Stillschweigen auf-
erlegen, das Geheimhalten einer Ratsverhandlung an-
befehlen Bs (auch bei Spreng). ,Etlich herren hattent
sich offenlich von dem künig gesetzet [waren von ihm
abgefallen] und ander herren, die es hei nam [welche
es geheim hielten].' Kuchimeister. — 2. „(n.) Land-
gericht B."
Mhd. hml(e); s. n. hekn. Bed. 2 viell. auf die Bs Ver-
wendung unter Bed. 1 zurückzuführen; vgl. Heimlicher.
Häling m. : Geheimniss. , Sie machte keinen Heh-
ling daraus.' Sch Pilger 1884. , Hatte keinen H.' ebd.
,Den hcling zue halten. Ir sollet sweren ze verswygen
und ze helen und keinem lebenden menschen ze offen-
baren.' 1500, Bs. ,Sie sollten Heling über dasjenige
halten, so mit ihnen imGefängniss geredt.' 1525, Ochs.
.Er entdackt do erst recht der pfatfen hellig [geheimen
KnitfJ.' Bs Chr. .Unwissend dem gemeinen mann;
dann es ein heilig under inen was.' ebd. ,Er Hess
jm da ein eid schweren, den häling nit zue eröffnen.'
TiERB. 1563. ,Sy gedorften under einandern kein hä-
lung bieten, sonder ein jeder mochte über proponierte
Sachen sich mit andern wol underredeu.' Wdbstisen.
,Hällig; hälling; hällung.' 1594, Bs (Rappenkr.). ,Die
heimlichen Zeichen in Hälung halten.' XVII., Bs.
jDarauf ist durch den Stattschreiber der Hälling fol-
genderraassen gebotten worden, dass nämlich jeder
bei dem Eid ermannt seie, alles das, so jetz fürgetragen
wird, zu verhallen.' Bs Chr. 1779. .Häling zu halten'
wurde in der Folge bei jeder Kleinigkeit geboten.
AHeüsl. 1860, S. 383.
Mild, haelinc, gebildet im Anschluss an das Prät. PI. des
Vh. helen; es nuiss daher auffallen, dass die Basler fast
durchweg ,-11-' schreiben, als ob der Voc. kurz, also vom
Präs. entlehnt wäre.
häling Adj., dazu als Adv. häli"ge" BsStdt;
Tu; Z, hälings ScuSt.; Th: verstohlen, heimlich.
i' Büebli göt hälingen ane und bricht e Trubel ab.
Allem. 1843. ,Sich by den hotten hälingen erkunden.'
1524, Abscu. ,A1s es denn nit häling belyben möcht.'
1530, ebd. ,Diss euch heling zuo halten, damit uns
nüts darus entstüende.' 1532, Strickl. , Hellingen.'
1476, Bs Chr. — Mhd. hadimjeu.
Hiil 11 GLtw.; GRuVatz; ScnwMa. f., in BLiesb.;
SDull. m., in BSchangn.; GMs; SKienb. n., Häle" f.
B; Scuw; S, Häli III, tw. Heli B; FJ.; Gl; Gr; P;
SCHW; S; T; Uw; U; W; ZSth. f., „in LE. III.", in
UwE. n., Hä-i PAger: 1. vom Rauchfang herunter
hängende Kette od. Stange mit Haken, an welchem der
Kochkessel über dem Feuer hängt, eine Vorrichtung,
die für die Küche jetzt durch die Einführung des
Kunstherdes fast ganz verdrängt und meist nur noch
in den Alphütten für den Kochkessel der Sennen,
auch etwa in Waschhäusern für den Sechtkessel ge-
blieben ist; Syn. Kessler. Auch etwa übertr. auf den
drehbaren Balkenarni (Turner), an welchem der Käse-
kessel hängt Gl; U, schliesslich auf den Rauchfang
selbst B (Syn. Asnen 5) und das Gestell im oder am
Rauchfang Sohw; S (Syn. Asnen 1). Eini us-me Pfarr-
hus, wo Jor US, Jor i" der erig Hafen a» der Häli
hat tmd dusse nüt verstöt. Schild 1876. Als ein ge-
wisser allein hausender U Erstfelder von der Grenz-
besetzung wieder heim kam, fand er die Erbsen,
welche er über dem Feuer hatte stehen lassen müssen,
an der H. bis zu oberst emporgewachsen. DKyd. ,Je
mehr Fleisch in ihrer Hehle hieng.' Gott«. ,Es
möchte in der Küche eine Hamme in der Helle han-
gen.' ebd. = .Schornstein.' 1861. Nimm d's Chäsli ab
der H, wäsch-es mit Sirte! Erzähler 1856. ,Häile.'
1431, Sch Invent. ,Hälen.' 1486, , Helen.' 1524, ebd.
,Wäre, dass sy [die Schulden einfordernden Beamten]
anders nichts fundint, so möchtend sy einem syn häl
oder kessel nemen.' 1436, Z nHasli. ,[Die Hexe] habe
den lüteu etwann die milch genommen und die uf der
helli geraulchen und sy ein schwarzi katz allweg danne
uf der h. gcsyn, wenn sy das treib.' 1459, Uürs. ,Für
ein hell 6 plapph.' PKüchl. 1887 (Nachlass des Wald-
bruders N. 1487). ,Gät er [der Inhaber eines Gottes-
hauslehens, das er so lange ohne Bewirtschaftung ge-
lassen] dar und macht ein für in das hüs und henkt
ein helli über das für und den hafen dran und ein
han und ein hennen in das hüs 3 nacht und 3 tag [so
darf ihm das Lehen nicht entzogen werden].' 1488,
Lüopplischw. ,Dem lütpriester wirt alle jar von einer
jeglichen herdstatt, wo ein hei ob dem füwer hanget,
ein alts huon, das da genemmt wirt fassnachthuen.'
c. 1500, LButtish.; vgl. Hilencr-, Bauch-Gelt. ,Ein
boller [Geschütz] zerschlueg ir das hafenli an der
häl.' Bossu.-Goldschm. ,Ein rost, ein häl, ein dry-
fuess.' 1558, Z Erbrecht, unter den Küchengeräten
aufgezählt, auf die eine Frau beim Tode des Mannes
.Anspruch hat. ,Wer ein hälen ob dem für und brot-
korb hat, der soll dem twingherrn haber und hüener
geben und wer das nit täte, dem mag der richter die
hälen ab dem für nemen.' 1571, LAltish. Offn. ,Zwo
hälinen kosten beid 6 pfd 9 ß.' 1594, B (Gfo.). ,Die
Hei, Haal, Hangel, climacter, cremaster.' Red. 1662.
,Cliniacter, Häl, daran man ein Kessel henket' Denzl.
1677; 1716. Dem Zwingherrn von LTannenf. gegen-
über, welcher die hergebrachte Bestimmung, dass ,wer
in dem Twing sitzet und ein Häl über das Feuer
henkt', den ,Twinghaber' schuldig sei, auf jeden Ein-
zelnen ausdehnen wollte, ,so ein H. üfhenket, d. i. der
sonderbar hauset in dem Twing, obschön deren 2 oder
mehrere under einem Dach und in einer Haushofstatt
wohnen', behaupteten die Bauern, dass nur jede Hof-
statt, nicht .jeder Häl' gemeint sei. — 2. übertr.
a) lange, hagere Person BR. — b) böses Weib. Zän-
kerin Uw; W. Das alt Wibug'sicht sl e rechli IMin
(/•sin W Sag. YglSyim. wie liib-Isen u.a. — o. (UiiU
f.) Waldrebe, clematis vit. S. Syn. Hielen, Nieten,
lehn, Lielen.
Ahd. hahila, hahala, uihd. hahel, Fl. htihd (zsgez. hat, hüt)
in Bed. 1, von ahd. hahan, mhd. hahen, hangen. Abbildung
Hai, hd, hil, hol,
s. in Schwz. Geschichte in Bildern zum J. 1499. In Bed. 3
hat Anlehnung von Uiele' an unser W. Statt gefunden, da
diese Schlingpflanzen oft wie Ketten von den Waidbäumen
herabhangen. Vgl. noch Hdl-Kemd u. Hd-Stah.
Für-Häli f.: = Eäl 1 BMünchenbuchsee.
Chessi-Häl n.: = Häl 1 GrD.
liäll! Ap; BB., Si.; GR(auch halle); L; GSa.; Th,
hälli! Aa; Bs; B; Gr; L; GRh.: S; Th; Zg; Z,
he'll! Gl; L; GMs, W.; Uw, helle! Gl; GrEIiw.:
Lock- und Aufmunterungsruf für die i^chafe (auch für
Ziegen und Kälber ZG.), auch mit vorgesetztem o .'
öder n! und folgendem ex oder le Gl, se! se! Aa; Z,
si! si! Bs, foä.'GRßhw. Syn. tse ! tsclio! tschutt! Bans,
hall, hüll, 0 Banz, Bans! BR. Hei, hei, hcl, hell, hell!
GlU. Hälli, hälli, Gits, G.,G.! '10. Hälli düljimd!
Ruf der Kinder für die Ziege ZNer. .Das Blägken
[der Schafe] war das Fcldgeschrei, halle, halle das
Wort und Krei, der Marsch Bocken und Springen.'
Lied zum Hexenkrieg Ton Uznach 1695 (Z Mscr.).
— Vgl. die Anm. zu Gu»i I Sp. 472.
Halle» f.: 1. Mutterschaf BSi.; S; ZWyla. —
2. (Mutter-) Geiss Z tw.
Hälli I n.: 1. Schaf, bes. junges (Kdspr.) Aa; Bs;
BSi.; GrD.; L; GRh.; Obw (He'lliJ; Zg; Z, auch bi.sw.
Zicklein oder Kälblein Aa; Z. Syn. (Hälli-) Mäggi,
-Bäggi; Banz. Die Häli hoch i" der Wildi plärid
L (Schwzd.). Tue" wie-n-es Hälli, sich ausgelassen
lustig geberden, hüpfen und springen Z. 's Hätteli
[Zicklein] chunnt und wulligi Häli vo Zell her. Hebel.
S. auch gfCMHise» I (Sp. 740). — 2. Kosename für kleine,
bes. lebhafte Kinder Z. Vgl. Fülli II Bd I 795. —
3. plötzliche Grille, Gelüsten, Anwandlung von Mut-
willen, Eigensinn, auch Heimweh Z. 's H. ist-en
a'chö: Im Hornig händ d' Chatze' 's Hälli Z. Du
hast wider dl's Hälli, Züs! Bist beider u'lxdig hüt!
KWild 1874; vgl. auch Hui Sp. 862, ßäegi Sp. 161.
— 4. kleiner, runder Honigkuchen, der ein ruhendes
Lamm vorstellt L; Sjn. Hälli-Bock. ,Der Lebkuchen-
mann [an der Kirchweih] bietet ein Stück Kuchen,
Häli, oder Käs aus.' Lux., Sagen. — 5. Blume des
Löwenzahns BAarb.
Zu 3 vgl. caprice von cajira. Zu 5 (liäufiger H.-Bluan)
vgl. die Synn. Chüe-, Rosa-, Söu-Blueni, VhüiujeU-Chrüt — Be-
nennungen nach den Tieren, welche diese Pflanze liehen;
doch könnte If. auch spec. die verblühte Blume als wollige
bezeichnen; vgl. Bnggdi, sowohl =Schaf, als = Blütcnkätzchen.
Mueter-: Kind, das immer um die Mutter sein
will, ihr auf Schritt und Tritt nachläuft wie ein
Lamm der seinigen G; Z.
Hälli H m.: 1. „Schafbock B; L." - 2. a) (auch
Wiber-H.) Wollüstling „B;" L. — b) lustiger, jovialer
Bursche Z. — S. = Hälli li L tw. — 3 wohl ans U.-Bock
verkürzt.
Borzi-: euphera. für Teufel LHa.; Syn. Boze-
Hägqi. — Borzi, Bürzel, Steiss.
„liaulc": 1. an einer Türe pochen mit dem Rufe
hiiid W. — 2. laut und in grobem Tone heulen BO."
— Vgl. li.Jen, (holla-) ho Sp. 859.
Hauli, nur in der Verbindung en arme- Hanli:
armer Tropf. Sprww. 1869. — Vidi, zum Vor.
Häule s. Höh.
hänle°: jodeln GlK. - Vgl. /,«„, ;„it«, hehr,« Sp. 854
und hükn, hmcelen.
Häuler m.: Nachteule GO.
Also (ig. = der Jodler; doch wird von anderer Seite die
Ausspr. mit spitzem öi behauptet, welche durchaus zur Abi,
von hüw(,j}len nötigen würde.
He'll {Hei G oT., Held I GG.; ThHw.; ZOss.),
moderner ÄöH — f.: Hölle. 1. Ort der Verdammten,
allg. Wie der Gegs. Himmel in manigfachen RAA.
auftretend: Tüf bis i' d' H. ahe', unergründlich tief,
eig. bis in die Mitte der Erde, wo die Hölle gedacht
wird Z. Ei"'m d' Höll heiss mache". Eim Himmel
und H vorstelle', allg. We"" men eim d' Höll so heizt
B (Schwzd.). Wer fliiechet, chunnt (^ understj i* d'
Hell (ahe) Z. Wenn Anderi i" d' H. springed, in"t-
enen aw'' na""? Aa. Die wurd im Tüfel di ganz
Hell verderbe'; die ttiöcht di ganz Hell hinder-enand
g'richte', von einem zänkischen Weib SchwE. Wenn-
i"'' toüsst, ''ass du in Himmel chemist, geng ich in
d' Held! Albrecht. Über d' H. göt [wird] aW* der
Stärchst im Land nit Meister, ebd. En schlechte'
G'sell fücrt 10 ander i" d' Hell AASt. Gang der H.
no''' hindere'! Verwünschung LV. I" d' H. isch alle't-
halbe glich wit L; Sch. D' H. wird nie satt. Solger.
's ist, wie wenn inen en Bettelbueb i' d' H. g'lieiti, es
verschlägt Nichts, ebd. Er ist i' der H. und im
Himmel z' Chost g'sl'. Sprww. 1869. Ne" bis a' d' H.
zue, unersättlich habsüchtig sein L. Es halbs Hüs
(ist) e halbi H. kk; Bs; B; S. Eine Stimme im Traume
rief: Wi"t i' d' Hell, so gang fürt; wi"t in'n Himmel,
so blib deheime'. Desshalb wanderten die beiden Jüng-
linge nicht aus und wurden vom Beulentod hingerafft.
Erzähler 1855. 's ist doch i' der H. [gleichs. bis in
die Hölle hinab oder: sogar in der Hölle] nit recht
[mit Bez. auf schreiendes Unrecht]. B Kai. 1838 und
Hink. Bote 1861. Wie-n-e füli Hell, überaus, z.B.
laufen, schimpfen, essen, lärmen U. E H. voll (abstr.),
eine Menge ; vgl. en Galgen, en ganze Tüfel, en Hund,
Hagel voll u. ä. Bierhüser hat 's der Tüfel und d' Hell
voll ScHwE. E ganzi H. voll Fleisch ScHwEigi. Er
häd grad e Hell voll Grütten GrL. S. ferner Gadem,
Gevatter, ver-frieren, hindersich-gän (Sp. 34). Himmel
oder H.? fragen die Kinder, indem sie einen Frucht-
stand des Löwenzahns ausblasen. Zeigt sich derselbe
ganz und unversehrt, so ist es der Himmel; zeigt er
sich wurmstichig, so ist's die Hölle Z; vgl. Himmel-
Hell- Feg für- Bluem. Beim Knabenspiel Höllüsjage'
(s. Rochh. 1857, 439) bezeichnet die H. die Mitte eines
Vierecks, dessen Ecken die Engel besetzt halten, wäh-
rend die Tüfel in der Mitte stehen und durch den
geworfenen Ball ausgetrieben werden Aa. In einem
andern Hoppen (auch Himmel und Höll) genannten
Spiele sind Himmel wid H. durch einen Strich am
Boden getrennt, wobei es gilt, auf Einem Beine von
der H. in den Himmel hinüber zu hüpfen, ohne die
Scheidelinie zu berühren, und mit dem Fusse zugleich
eine Steinscherbe hinüber zu schieben Z; vgl.: .glych
wie man in den Spilen in die Hell zücht, so liessend
sich früntlich Gesellen der 5 Orten bei Cappel mit
Plyss über die Wacht hinus, die wurdent dann von
den Zürehern gefangen und mit Brot begäbet wider
heim geschickt.' HBüll. 1572, wo es offenbar galt, die
Gegenpartei über den Strich zu ziehen; s. Anm. zu
heggazen. In Betcurungsformeln: Potz Hell! ZBül.
u. bes. bim Hell! Aa; BHk. ; ZO. Meist abgeschwächt:
Ja bim H.! = Ja bim Tüsig ZO. Ich cha" 's bim H.
nüd lese", lesedlr's. Stutz; vgl. 6m Welt! Der Gen.
1137
Hai, lid, hil, hol, hui
1138
(Helle; auch in alter st. Form Hell, daneben Heils)
mit folg. Adj. od. Subst. zsges. geht aus der eig. Bed.
in die abstr. einer allg. Begriffsyerstärkung über; vgl.
hellisch, hellenmässig, hellschiessig ; so Hellen- Angst,
-l'in, -Schmerze'. Das ist e grössi H.-Ströf! Aus-
druck der Verdriesslichkeit ZO. H.-Gstank, -Arbet,
-Müe, en H.- Verdruss. Es H.(- WetterJ-Gschrei. Stütz.
H.-Lug, Erzlüge Z. En H.-Hoehmuet. Stutz. En
Hell-Kerli, ein Teufelskerl, es H.-Laster, arge Dirne,
-Gir, brennende Begierde, -Bitz, ziemlich viel GfiObS. ;
-Wuest, Scheusal L; -Blätsch, Unmasse Ap. Hell (L)-,
helle (BHk.; Z)-, hells {GO.yschön, -gern, -taub [zornig]
udgl. En Hells-G'sper GO. Auch abs. vor Vben:
Das Wibli hät-mi hells verbarmet. Albrecht. Vgl. noch
Fr. Ztschr. V 12 f. ,Ich will üch füeren in die held.'
ZiELY 1521. ,Er verflüecht jn in abgrund der hell.'
Man. ,Wie mänger sitzt in der hellen tief.' ebd. ,Gift
für arzny, die hell für das heil.' Zwingli. ,lch wollt
als lieb in d' h. hinyn.' UEckst. ,Schow numma, das"
wir habind suppen und wyn und was guots vor der
h. [ehe wir zur Hölle fahren] mog syn.' Badenfart.
,Hieby soll man wüsscn, das' inferi by uns tütschet
wirt diu hellen und heisst aber die hell nit das ort
der ewig verdammten allein, sunder ouch der stand
der Seelen nach diser zyt in der gemeine [überhaupt].'
B Disp. 1528. ,Die Schlüssel der hell und des tods.'
1531, Offene.; ,der Hellen.' 1(567, ebd. ,0b es in der
hell recht niög syn, dass ein vatter syn eigne kind
lass umkon.' Rief 1540. ,Orcus, inferi, erebus, in-
terna, die hell.' Fris.; Mal. ,Botz hell!' Wagn. 1581.
,Ei, dass der Donder in d' Höll schlag!' Com. Beati.
S. noch nid-sich-gän Sp. 34. — 2. a) Feuerstätte [vgl.
Hell-Platten] ; die Grube für das Feuer, über welchem
der Hanf geröstet wird Z; Syn. Eätsch-Grueb. ,ln
der Sennhütte findet sich die sogen., in Form eines
Amphitheatri von Steinen gebaute Hell, Herd oder
Feuerstatt.' JJScheüchz. 1746. Syn. Well-Grueb. —
b) der Winkel, die Nische hinter dem Stubenofen
AaI; Gl; Syn. Ofen-KraU. Er ist en arme TU fei
und hat kei eigni Hell. Sprichww. 1869. ,üer Winter
ist ein grober G'sell, trybt hinderen Ofen in die Hell.'
XVll. u. XVllL, Z Ofeninschr. Hier wurden It Arg.
IV 166 den Hausgeistern Brod und Milchnäpfchen
hingestellt. — c) ,das geheime, vertiefte Mittelfach an
einem aus etlichen Schubladen bestehenden Schreib-
tisch' Bs (Spreng); vgl. die ,Hölle' der Schneider. —
3. häufiger Lokaln., t. Bezeichnung für schauerliche
Örtlichkeiten, Schluchten, Abgründe, so bei AAEhrend.
(der Schrecken der Holzschlitter); BGadm.; ÜRPr. im
Schratobel; GSchnebelh.; ScHwMyten; ThHw. (Held);
ZBläsih., ferner bei Langnau, Wollish., im Eeppischt.;
t. für tief gelegene Örtlichkeiten übh., so hiessen im
alten Bs It Spreng tief an der Rheinhalde gelegene
Häuschen .Höllen'; in Gr häufige Bezeichnung von
Heimstätten, welche vertieft unter dem abschüssigen
Wege liegen; tief gelegene Wiese ZRegensb.; t. für
unfruchtbare, mühsam zu bearbeitende Grundstücke,
bzw. Heimwesen, z. B. in LKriens, wo es (wie auch
an vielen anderen 00.) auch ein Himmelrich gibt
(vgl. noch Himviel, Paradis, Schmalz-Grueb); endlich
in einigen Fällen wohl aus G'held, Abhang, entstan-
den, so viell. Höll, Abhang des rechten Limmatufers
uuterh. Baden; Weiler an der Liramat bei ZHöngg;
Held ZOss.; Hell (1539: ,Held') Weiler ZMaur, mitten
am Bergabhang; ,in der Hell' z. B. 1613, ,Held' 1480
Schweiz. Idiotikou II.
(, Reben in der guldinen Halden by der Held gelegen'),
jetzt , Traubenberg' ZZoll. (freilich anders verstanden
von jenem Nachtwächter, welcher im Vorbeigehen
gerne seine Pfeife angezündet hätte, aber kein Licht
mehr sah und darum im Abziehen sang: l'iieg en
ledere, wie-n-er well; es häd keis GliMli i der Hell.').
In der Hell, häufiger Hof- und Flurn. B; G; S; Tu
Fisch.; Z; la Helle BDelem., Verm. Uf (f) der Held
(iBern., Mels; TnLust. .\uch Name einzelner Häuser
und Bäume: ,I)oraus dicta Hell, der burger hüs.' B
üdelb. 1388, das Rathaus in der Unterstadt, viell. als
Verwahrungsort für Inquisiten so genannt. ,Gen dem
kelre, der da heisset die helle.' LStdt (Urk.). ,Hell,
held' Name eines Gebäudes im Kloster StGallen, wel-
ches Weinkeller, Speisezimmer und die Wohnung des
Schaffners enthielt. ,Trunkend und ässend uf der h.
das frödmal.' Sicher 1531, 94; s. noch Vad. U 164.
.Die Kruft oder H. in disem Kloster.' Rüeger 1606.
In Geschlechtsnn.: , Caspar in der Hell.' 144.3, Fründ.
,Adam zu der Hell, gesessen in der H.' 1486, GKriess.
Zssen: Gitzi-H, Schlucht (wo selbst Ziegen tot fallen?
vgl. Boss-Himmel) GRPr. Hell- Acher L; Z; -Feld
LMau. Hell(e)- Grabe' BHk., Sum.; WLeuk. Heil-
Kessel, Aushöhlungen der Sitter Ap. Hölle' -Löcher,
zwei unergründlich tiefe Krater der Alp nBauen Uw.
Hell-MülU Aa; L; Th (Held-), das Höll-Mos am Tuner-
see, in welches die Seele Diebolts von Strättlingen
verbannt wurde (Kohlrusch), Hell-Matt BBipp, Hölle"-
Mätteli LRusw., Heil-Bach BGrindelw. ; Gl Enge;
GrD.; ThHw. (Held-), Bach in tiefer Schlucht, Hell-
Bilel Ap; L, Hell-Schwand L, Helli-Schwand BSign.,
Sumisw., Hell-Stadel ApWalzenh., Höll-Stein, Dorf
BsLd, vgl. Hell-Platten, Heil-Statt ApWalz., H.-Stätt,
Schlucht BG., ff.- TFeid BTrub, Walkr. ; ScHwFreienb.
S. noch Hell-Grab Sp. 681. Helleren WStNikl. (viell.
aus Hellen-Bain ; vgl. Kalcheren aus Kalch-Bain).
Mhd. helle, ahd. helta. Angeschossenes d (vgl. Sund, Sonne,
.Mond' u. a.) schon in G Hdschr. des XV. Die Fälle mit
männl. Geschl. erklären sich aus dem gedachten Gegs. zu
.Himmel', wie .Nachts' aus ,Tags', ,Mueters' aus ,Vaters' u. a.
Schwache Spuren der altgermanischen Vorstellung einer kalten
oder Wasser-Hölle finden sich noch im Volksglauben, z. B.
ZSellenb. ; vgl. unter den Ortsn. bes. H.-Mna; auch l/ell-
Uaggen, sodann Meitli-HeU. Auf einen Sumpf deutet viell.
auch die U RA. füU Hell; s. noch Gumpen Sp. 316 und die
Anm. zu Grund Sp. 774. Vgl. noch aus roni. Gebiet die
Ortsnn. la Enfers, Combe des Enfers Jura ; U/ßeni{=it. inferno) :
1) Bei-gklutt an der Quelle des Hinterrheins. 2) Talschlucht
GcCoruera.
Vor-: Vorhölle. Es ist g' gange" icie in-ere V.
ZNeer. Der Estand chann en Himmel uf Erde sl"
oder au"'' e V. Z. ,Die alten vätter in der vorhell
[Hades], so von Gott erlöst wurden.' c. 1490, Gfo.
Ges. 9, 300. — Meitli-: Hölle der Mädchen (bzw.
alten Jungfern) L. Syn. Girizen-Mox. Dir rlmii,! ich.
Marisepi, a", du überchömmist nie kri" M.i"; ntxl
di''' jetzt drum uf der Stell und chumm mil dnn /»
d' M. L (Spruch zu einer Girizenmoosfahrt). Vgl. die
Anm. zu Hell. — Ratsch- = Hell 3 a 'A.
hellersch: = hellisch 4. Si händ denand allwil
h. uvl möge" Th (Schwzd.). — Nach Anal, von mkci-mli.
ver-hcllet: höllenmässig 30.; vgl. .verteufelt'.
hellialisch: höllisch Bsf.
hellisch: höllisch. 1. der Hölle angehörig, ent-
stammend. ,H., erebeus. H. weih, furia. Die h-en,
Hai, hei, hil, hol, hui
1140
inferi.' Mal. ,Das hellisch feur.' LLäv. 1582. —
2. teuflisch, niederträchtig Gr. War aW'' heUisch !
wäre verflucht [z. B. wenn das wahr wäre] Tu. —
3. qualvoll. En h-e Schmerse", h. ice (fwl h. ?re Gl;,
's macht h. heiss. allg. — 4. (auch im-) üherh. einen
sehr hohen Grad bezeichnend, allg. E h-i Gelle', laut
kreischende Stimme GRChur. H. gitig W; es nimmt
mi''- h. Wunder, ebd. Es macht mi''- h. taub. Stütz.
Chimnst h. lang nüd. ebd. H. schön Ap; Gr; L; Th;
vgl. grebelig Sp. 687.
hellmgnts: überaus Scaw; Syn. hellisch. H. e
schöne. — Mmts, wie in hhirmenu, frz. libramnl, oder uach
Analogie von sakerments.
hell B; Gr; Schw; ThHw.; Uw; U, häl II Aa; Bs;
B tw.; L; GWsst.; ScH; Sciiw; S; Z {hem, modern), in
Bed. 3 imig Aa; B; ,L; Uw": hell. 1. vom Schall,
von der Stimme: hell tönend. Aa; ZSth. Z' häler
Stimm singe' B (Zyro); häl lache' Bs; s. noch Anm.
zu hell-üf Bd I 121. ,Häll stimmen, die tönend wie
ein glöggle, voces resons, voces clarisonse. Hall vogel-
gesang, voces avium liquid*.' Mal. — 2. von Licht-
empfindungen: scheinend, glänzend; klar, lauter; rein;
in ä. Spr. auch auf Geistiges übertr.; Syn. heiter. Im
hälflje" Sunne'schl' S. Es ist häl, sternhell BsBirs.;
Syn. glänz. Heitere", halle" Tags i 's Bett Souw. .4»!
heitere, helle' (nach Art einer Zss. auch heiter-helle'
kk; Sch; S; Z) Tag Bs; B; Z. De" ganz häl Tag Z.
D's häl Für hat zum Ofen üs g'lället B; Z. Z' halle
Träne' briegge" B (Schwzd.). Mänge hat die helle
Tropfe (fschrüwe" Ap (Merz 1836). Die halle" Schweiss-
tropfe'. PosTHEiRi. 's häl Wasser ist-mer i' d' Auge'
chö" Z. 's häl Bluet ist use'g'sprützt (eig. das Blut
in seinem grellen Bot) Sch; Z. 's häl Fleisch ist fiire'-
chö', das rote, von der Haut entblösste Fleisch einer
Wunde, ebd. S. noch gehe Sp. 291 und gellig Sp. 209.
,üas wurde hall, so man die wort am anfang diss
capitels wol täte besichtigen.' Zwingli. ,Die wort
sind hell und klar.' BDisp. 1528. ,Mit hallen Worten.'
1529, Absch. ,Des man halle zeichen hat.' HBüll.
1530. , Johannes redt hall heruss.' ebd. ,Den hallen
tag.' BiRK 1535. ,By helem tag.' Bs Chr. ,Mit der
Salbe habe sie die Utcr von vier Geissen bestrichen,
worauf sie die hehlen Milch gegeben.' 1587, AmHerd.
,Aus einem hallen Spiegel.' RGwerb 1646. ,Bei dem
hallen Liecht des Evangeliums.' JMüll. 1665. ,Die
helle Predig seines Worts.' JHHott. 1666. ,Diejenigen,
welche als halle Lichter mit dem Glanz der Weisheit
die Gemüter der Jugend erleuchten.' Spleiss 1667.
,Zu underst findt man den Pfertstal, gros, häl und
lang.' GKöNiG 1693. — 3. heftig. En hellige Hunger
Aa; B; „L; üw" ; Syn. gellig 1. — 4. ganz, völlig.
Wie-n-e häle [baarer] Satan L. Um e" häle" Spott,
spottwohlfeil B; S. E' häl e"" Lump Bs, e häli Usred,
Schand.- ebd. En häle G'spass, e häli (Gugel-)Fuer,
ein rechter Jubel, Hauptspass. ebd. E häli Freud
Aa; Bs; L (noch an Bed. 1 gemahnend). Es ist
grossi, helli Straf (Mischung mit Hell). Stctz. /" häler
Täubi L, im halle Chlb U, im hellen Zorn. Im häle
Galopp, en pleine carriere Aa; Scbw; S. Ineimlielle
Stuck, ohne Unterbrechung AaWüt. (Dan.), 's ganz
häl (auch hälig. Spillm.) Jar 2. 's ganz hell Gotte
Jör (hier gemischt mit Hcrr-Gotte" ; vgl. e helli Gott
Schand FMu.). HBrandenb. 1870. Alli h. Äbig Z. Bie
ganz hei Wuche'. Stutz. Die ganz häl Nacht ZO..
nach Analogie von de" ganz häl Tag. Syn. kidig. Bis
i' die hei lüter Nacht ihe' ScHBarg. Auch adv., bes.
vorNeg. od. neg. Begriffen: gänzlich, völlig. Häl (noch
stärker: /(. und glatt, h. Silber L) Nut, rein Nichts Aa;
Bs; B; L; S; ThHw. ,Nichts, hell nichts.' Gotth. ,Hell
umsonst' ebd. H. z' Unnutz. ebd. ,Ks komme h. in
Eins.' ebd. H. glich, ganz gleich B. Alli Brösmeli
häl süfer zsäme tüpfle'. Joaoh. 1883. Hei ordeli 's ZU
abne' [den Gruss erwiedern] LBerom.
Ahd. (rja-Jhi'IU nur in Bed. 1, nihd. hei noch übfirwiegend
in Bed. 1 ; zum Vb. hellen, ertönen. Über aualoge Begriifs-
übertragungen vom Schall auf das Licht vgl. die Anni. zu
t/ellend Sp. 209.
eben-: übereinstimmend, einverstanden. ,Und ist
herr[n] hainzlin beliben bi der rechnung 14 lib. dera
sü ainander ebenhell sind.' G Hdschr.
ei(n)-hell(ig): einstimmig, einmütig. Ei'hdlig
Aa, -he'llig Z g'wellt. En e^häligs Mer, Stimmen-
einheit Ap. Eihellig, e.! Ruf, mit welchem an der
Landsgemeinde bei Wahlen das Händeaufheben be-
gleitet wird, um noch Unschlüssige mitzureissen Gl.
Vgl. he Sp. 848. ,Mag der rat umb buosse nit einhel
werden.' Z RBr. ,Wes denne zwei länder einheile
wärin gegen dem dritten.' 1327, Z Ant. Mitt. ,Wir,
die dorflüt zuo Buochs, satzten uf eihelklich, dass...'
1399, Ndw Urk. ,Wir syn einhell und ze rat worden,
dass...' 1423, Absch. ,Mit einhellem rat' 1523/48,
B Mand. ,[Das Wort] sye der g'schrift widrig, be-
dunkt mich aber, es sye der gschrift einhellig.' B
Disp. 1528. ,Des namens halb seind die Scribenten
nit all einhellig.' RCts. ,Wenn wir nur einen ein-
heiligen Willen darzu hätten.' JMüller 1665. ,Mit
einheiligem Urtel.' 1693, ScnSchl. (Urk.). ,In allen
Lastern einhelliglich leben.' 1707, Weish. S. noch bei
ge-Mllen; guldin Sp. 227. — Einhelli f.: Eintracht
.Pride und e. under [den Parteien].' 1314, Z Urk. —
Uneinhelligkeit f.: Zwiespalt. ,Uns ze schaden
und u. ze machen.' 1525, Z.
Mhd. einhm(ic), ahd. einhUU. Betr. -ti- s. Weinh., AI.
Gr. 55 f., es sei denn, dass man eher eine spec. an unserm
W. haftende Ausweichung gleichsam als Gegeustück zu hMig
für heilig annehmen wolle.
g'-hell: 1. hell und hoch tönend Aa. E g'häli
Stimm, eine hohe Singstimme AAWohl. ,Die Distel-
vögöl habend ein g'häli g'sang.' Vogelb. 1557. ,So-
norus, vocalis, argutus, ghäll, laut tönende, mit lauter
stimm begäbet Argutum nemus, ein rauschender oder
ghäller, tönender wald.' Fris.; Mal. ,Die stimmen
der singenden haben gehäll und laut getönt' LLav.
1587. ,Der gehälle oder timbere tön [der Glocken].'
JosMal. 1593. ,Lautschallend, gehell, grob, sonorus,
vocalis.' Red. 1662. — 2. hell scheinend. ,Man machet
auf dera tach fensterlin, auf dass der tag ganz ghäll
darein scheine.' Vogelb. 1557. — Ahd. ga-heili, mhd.
gehet in Bed. 1.
glogge°-Af(i Sch, glöggli-hel BsStdt: ganz hell,
nämlich wolkenlos. Syn. spiegelglanz.
Helle" f.: Kuh mit weissem Fleck über den
ganzen Kopf GrL. Syn. Helme, Blässe.
Scheint in der gleichen Weise wie das syn. Bläsie aus
dem Adj. gebildet zu sein; doch lässt sich Berührung mit
dem syn. Helme nicht abweisen, da das Masc. Helm in Ge-
birgsmundarten die Ausspr. Helle' entwickelt.
hellen I (st., doch auch bisw. in die schw. Conj.
übergehend) : 1. tönen, klingen, lauten. ,Als die frid-
1141
Hai, hei, hil, hol, hui
1142
brief hellent und sagent' 1387, Absch. ,In mynera
sinn es übel hillt, wo ieman die Ton Ergöw schilt.'
1415, ÄgTscbcdi. — 2. zu-, übereinstimmen, bei-
pflichten. ,Hill du mir, so hill ich dir.' Sprww. 18'24;
(doch vielleicht zu hehn). ,In den andern stück hilt
er [Zeuge] dem vorgenannten [Zeugen].' 1330, L Kund-
schaft. ,Ich loben darwider nit ze tuende, noch nie-
man ander dawider zu hellen ze tuend.' 1426, L Urk. ;
vgl. : ,Loben och niemer darwider ze tuene, noch nic-
men gehellen, der darwider tuen wollte.' 1304/Ö1, B.
,Die hotten haben zuo ufbrechung der brieten nit ge-
hollen oder geroten.' 1526, Strickl. ,Sy habent still-
schwygenlich in discs burgrecht gehollen.' 1580, Absch.
,Wie die gottshuslüt [den Abt] nie für ein herren er-
kennt, jm ouch nie gehollen habint.' 1530, ebd. .Wel-
cher geist mit der gschrift hallt, ist uss Gott.' HBull.
1531. ,Gehellot.' 1531, Strickl. 4, 379. ,Als die
schalkheit [der Gottlosen] überhand genommen hat,
dass sy alle ins laster hälletend.' 1531, Weish. = ,in
Lastern einhelliglich lebeten.' 1667, ebd. ,Wenn dem
Faktor überlassen wird, den Wein [die Fässer] zu-
zufallen, so soll er keinen schlechten, verbottenen,
weder gehält noch äussert [weder mit noch ohne Ein-
willigung des Eigentumers] darzu gebrauchen.' B Wein-
fuhrordn. 1723.
er-: wiederhallen Gr. ,Resonare lucos, singen,
dass es im wald erhält oder erschallet' Fris. —
ver-: 1. verhallen, verschwinden, vergehen. .Unser
frowentag, der verhollen in der fasten.' 1365, Aa Urk. ;
vgl. hiezu , verschollen', rerschinen. — 2. überein-
stimmen, einverstanden sein. .Thendas und Judas und
alle, so mit inen vorhellrt liainl.- Zwingli. ,Dass man
söllichs mit merer veilirlliiiii:' 1 1 iHieinstimmung] voll-
bringen mag.' ebd. ,liio i,'iiiein verhellung der Chri-
sten.' GVRENR. 1523.
ge-: zustimmen, einwilligen. ,Wir giinnen, ge-
hellen und erlouben inen.' 1469, B Urk. ,Obglych
Bern der pensionen halb nit gehellen wollte.' Zwingli.
.Ob under inen dheins mers noch einhäls erfunden
wurde, welichcs teils zuogesatzten der obmann [dann]
gehillt, daby soll es belyben.' 1526, Absch. ,Dass wider
den landfriden geredt oder getan werde, soll kein ort
gehälen, verschaffen noch ufwysen.' 1529, ebd. ,Sy
habend alle einmüetig jm nit wollen gehellen.' 1531,
Judith, = .jm abgeschlagen.' 1667, ebd. .Der eiteren
gehellen und willigen.' HBüll. 1540. ,Mit der all-
gemeinen kilchen bewilligung oder einhelligem ge-
hällen.' ebd. 1562. ,Den erwälten geheilleten [,ge-
hilleten.' 1765] die bischofe.' Wdrstisen 1580; s. die
Anm. zu einhellig. Vgl. noch ge-hillen.
Mischung starker und schwacher Flexion zeigt: .Nach
den Worten, als sy einanderen gehüllten.' 1302, Gl Urk.
miss-: nicht harmonieren, uneinig sein. ,Swa
aber die zwcne missehuUen, da solide ich obeimann
sin.' 1276, L Urk. ,Discrepare, misshällen, misstönen,
übel kyden.' Fris.; Mal. ,Artikel, darinn sie mit der
röin. Kirchenlehre misshelleten.' Wukstisen 1580. —
miss-hellig: üboltönend; uneins. , [Es] ist uns gegen
jn ganz m.' Wild, Eglisau. S. noch Gnäd Sp. 659.
— Miss-helling f.: Uneinigkeit, Zwiespalt. ,Miss-
hällung, so die von Jenatz und die Walser von der
weid wegen mit cinandren gehebt.' 1394, GRUrk. ,Und
ob der weibel misshellig hörte oder stöss.' c. 1500, U
Urk. ,Item ob zwytracht, misshellung, krieg, stöss
old spän sich erhuebent zwüschen biderben lüten.'
XVI., LNeud. Otfn. ,Durch Ezzelino entstand in U
die blutige Misshellung seines Anhangs und der Edlen
von Gruba.' JMüll. Schw.-G. I 512. S. noch unter
Infall, Friden, Unfründschaft. - Tgl. lat. di^mmre.
mit-hellen: übereinstimmen, harmonieren, gleich
gesinnt sein. ,So ich nun das tuen, das ich nit will,
so mithäll ich dem gsatzt.' Zwingli. .Damit die wider-
täufer iez mithällend mit den bäpstleren.' HBull. 1.531.
.Zwingli sammt synen mithellenden.' Kessl. ,Die mit
der gschrift mithellend.' Helv. Conf. 1566/1044. ,Con-
cinere, assentire, consentire, zue-, mitstimmen, rait-
hällen, verwilligen. Colludere, wenn zwo parteien ein
verstand machend, den drittmann ze betriegen, mit-
hälen.' Fris. ; Mal. , Mithellende meinung.' Wurstisen
1580. — mit -hellig: überein-, zustimmend. ,In
irrung jm [dem Zwingli] mithälig und anhängig.'
Salat. ,Nit gebrüch, die wider Gottes wort sollend
syn, sonder demselben in.' 1530, Z Urk.
helle" II Me»UwE., hellere' ScB; Ta: (in UwE.
refl.) hell(er) werden, sich aufhellen, vom Wetter.
un-hellig: uneinig, zwieträchtig. Der Reichstag
sei in ,unhelliger' Meinung vollendet. 1529, Absch.
.Wurden u.' Wusrtisen 1580.
glich-: gleichlautend, übereinstimmend, einträch-
tig. ,üass ouch der menschen leben eins, fridsam und
gl. wäre.' Zwingli. ,Daniit die truckten biecher gegen
dem rechten exemplar gerechtfertiget und gl. gemacht
werden.' 1526, Absch. ,Drei gl. kundschaften.' 1526,
Egli, Act.
haupt-hellig(e''), haut-: 1. aus voller Kehle,
laut, z.B. lachen, singen, weinen B; S. Föh' Bedi
h-en eis Liiinpeliedli noh 'm anyeren a"foh' singen
Schild 1885. ,Mein Mueter sang haupthelig, wie ein
junge Dochter.' FPlatt. 1611. — 2. völlig. St sf h.
z' Grund g'gange" B (Zyro). - Vgl. die Anm. zu Imupi-
hih-hli'ye' Sp. 980.
lielledire! he! he! h.! Euf der Dorfbursche Nachts
vor den Häusern, um zum Streite herauszufordern
AAWühl. t — Wohl nur ein melodisches Weiteispinuen des
Rufes fcy (vgl. Imli oU diridio, Auf. eines Liedes. B Alb. 1858).
Heieise: die Fahne; auch ein aus gespaltenen
Hanfstengelchen zsgeflochtcnes Spielzeug, das sich die
Kinder als Fahne denken Gr uVatz.
Wahrsch. aus (Kyrie) eleison, welches bei Processionen, bei
denen eine Fahne vorgetragen wird, gesungen zu werden pflegt.
lie'le": he! rufen ZW. Syn. heen, hepen. Vgl.
jölen von jo!
Gugge-Hele°: ein Name der Ohreule G; vgl.
die Synn. Ougge-Hinv u. Huheler; s. auch ü Bd I 23.
hele": geheim halten, verschweigen. Die Rats-
herren von Bs mussten schwören, ewiglich zu ,hälen,
wie rych oder nötig [arm] die Stadt sye.' XV., Heusl.
1860. ,Die landrät send loben [geloben], was inen
gcbotten wirt, zu helen oder verschwygen, dass sy
das niemen sagend noch usslassind.' XV., Obw. ,Die-
wyl die sach grosser helung bedarf.' 1524, Bs (Strickl.).
.Sollen die Declarationes von dem Kaufhaus- und
Gegenschreiber gehälet werden.' Bs Mand. 1779. —
üavou Hai J usw.
heliglich: geheim. ,In disem buech sind vil
Sachen aufgezeichnet, welche jederzeit häliglichen ge-
halten sind worden, so man in gedruckten chronicken
nicht wollen offenbaren.' c. 1580, Ba Chr.
1143
Hai. liel, hil, hol,
1144
Helene- f., Dim. „Leli G" : 1. Helena, weibl. Taufn..
z. B. 1539, GStdt. S. noch Elin Bd I 178. - 2. eine
Weibsperson, die stets (über die Gesundheit usw.) zu
tlagen hat Z. Vgl. Lene. — 3. (scherzh.) Kaffee-
kanne S; Kanne von 2 Mass Aa; Syn. Kopf, Rösi.
Heli m.: ein allzu nachsichtiger Vater ÄAWohl. ;
s. EU I Bd I 178. ,Den Heli spielen, niraium in-
dulgere, niraia indulgentia uti.' Denzl. 1716.
Heli nach der griech. Form, während EU die lat. Form
der Vulgata: vgl. Nhh und Job.
hellig I s. heilig II.
hellig 11: müde, matt, verdrossen GrD., Pr. !''■
bi' dem G'sclnvälz afen h. 's Lebe's h., lebenssatt.
,Dann unser volk vom ziehen ganz müed und ganz
nass von regen und h. waren.' 1529, Abscu. ,Wie ich
h. und hitzig ward, do ich gen Aich kam, begert ich
ein milch.' Sicher 1531. ,H. und untuldig werden.'
Vad. ,Dann man der sach müed und h. worden war.'
ebd. ,Lassus, müed, lass, erlegen, h.' Fris. ; Mal.
,H., müd, matt, lassus, defessus.' Ked. 1662. ,Den
balligen und müeden ein trunk wasser geben.' LLav.
1582. Übh. (namentlich in der formelh. Verbindung
mit ,müed') beliebt im XVI. Mühsam, ermüdend:
,Wanu wir fast müed warend gesyn und ein h-en tag
gehan und hungerig und durstig.' Stulz 1519. — Mhd
hellic, TieUec, erschöpft, angegriffen, müde.
hell(i)ge°: müde machen, bemühen, belästigen.
,Da&" wir uns selbs lang also helgotind on not.' G Urk.
,Darab die lüt fast gehelliget wurdint.' ebd. ,Der
schultheiss soll nit gestatten, das gericht mit ungebür-
lichen Sachen und werten ze h.' 1457, Bs Gerichtsordn.
,In nit muegen [mühen], beigen noch mit fremden
gcrichten bekümbern und umtryben.' 1464, Aa Urk.
,Die uns umb lychtferig ansprachen hellgend und
muegend.' 1507, Z Appellationsordn. Da man mit lan-
gen Reden und ,vilem hellgen' zu keinem Vergleich
gelangt. 1522, Absch.; vgl. müeden. Diese Artikel
seien voller Unwahrheit, was man wohl nachweisen
könnte, wenn man die Eidgenossen lange ,h. und täu-
ben' wollte. 1530, ebd. ,Mit müey und arbeit ge-
helliget und beschwert werden.' Z Mand. 1539. ,Das
klostcrghäder, in welchem sich alle brüeder bemüegt
und gehelgt hattend.' Vad. Herold am Schluss des
Spiels zum Publikum: ,Wyter ich üch nit beigen will.'
JMdrer 1556. ,Fatigare, müeyen, hellgen. Integer,
der nit bemüeyet oder geheliget mit arbeit ist.' Fris.;
Mal. ,Bin auch von imme nie mer gehelget worden.'
Mal., Biogr. 1593.
Die Verkürzung um eine unbetonte Silbe wie in pinlDyen,
crhitx(i)gm, /ert(i)gen USW. Vgl. noch heichen.
ver-: plagen. ,Wie d' Franzosen wölltint die städt
und platz um getanen abfall verhelligen.' Ansh.
b e - : 1. bemühen, plagen. ,Mit was müey, flyss
und arbeit in dem spau gehandlet und wie vilfaltig-
klich E. W. [euer Würden] herinn behelget und an-
gelangt worden ist.' Kessl. ,Mit solcher syner be-
hellgung [Arbeit] hat Erasmus allen kirchen gedient.-
Vad. .Damit der leib von seiner geilheit gezogen und
an allerlei behelgung und arbeitsame gewendt werde.'
ebd. — 2. „(refl.) sich grämen GaPr."
Helligkeit f.: Beschwerde. ,Die hellikeit des
krieges ward verriebt [beigelegt].' Strettl. Cbron.
Hell(i)gung f.: Mühe, Bemühung. ,Von minders
kostens und hellgung wegen.' 1515, Assen. ,Um Ver-
minderung weiterer helligung, müeh, kost und scha-
den.' XVI., GOberried.
hello! Ruf der verborgenen Knaben als Zeichen
für den Suchenden bei dem Versteckespiel S; Syn.
(chast) cho"! oder der Findenden beim Hello-Spiel S.
— Hello, auch Hella, Halo: Knabenspiel, wobei
die eine Hälfte sich in weitem Bezirk herum als
Schelme versteckt und von der andern gesucht werden
muss, und wobei die Letzteren ein hello! gleichsam
zum Beweise erschallen lassen, so oft sie einen der Er-
steren erblicken S. Syn. Schtcizerpeter lauf! Bäuberis.
Zu der 1. Form s. 0 III (Bd I 22) und ,hallö!' welch
Letzteres auch zu der 3. Form gehalten werden mag. Viell.
liegt allen diesen WW. frz. hl lä! zu Grunde.
heil I: wie nhd. , Salbe das haupt, du wirst h.'
Zg Arzneib. 1588.
un-: unheilbar. ,Vor ohnheilen Schäden.' altes
Arzneib.
gang- s. gang-heilig.
Heil n.: 1. wie nhd. , Mit Heil' formelh. in ä. Spr.
i. S. V.: wohl und gut, desto besser, vgl. frz. ä la
bonne heure. ,Löst er [der Creditor] dann syn geld,
mit h. Ist das nit, so mag er morndes [das Unter-
pfand] feil haben; löst er denn gnueg, aber mit heil.
Hätt er aber nit gnueg g'löst, so mag er [usw.].' 1384
bis c. 1500, AaB. Stadtb. ,Und wo man's hieby blyben
lasst, mit h.; wo aber nit, dann . . .' 1525, Absch. ,Wo
sy [der Obrigkeit] vertrüwen, sy [es] mit h., wo nit,
solle inen das ganz regement übergeben werden.' 1561,
B Anz. 1889. Euphemistisch st. ,Weh' in der Formel:
H. dir! = dir steht Unheil, Strafe bevor; du magst
dich in Acht nehmen (eig. : es ist Grund vorhanden,
dir jetzt H. zu wünschen), z.B. zu Kindern: H. dir,
wenn de'' Vatter hei" chunnt ! H. dem Schelm (Dieb),
tcenn er verwütscht wird! Syn. gnad dir Gott! Per-
sönlich gewendet in Jahrzahlen der christlichen Ära:
,Anno domini von der geburt Cristy unsers heils ge-
zalt' 1558/1626, Scbw LB. — 2. Zuversicht. Mit H.
und Freude'. I''' ha" H. und Freud dra' g'ha' Z.
, Wollt Ihr das heute Angegebene als Wahrheit unter-
schreiben?' Angeklagter: ,Ja, mit H.!' Z Verhör 1832;
vgl. ,so wahr mir Gott helfe.' — ü"-: Unheil, allg.
Er hät-em alls Unheils a'g'icünscht S (Hofst.). Z'letst
stellt er no''' alli Uheiler a'. Stütz.
Heiland m. : wie nhd. Oft, wie ,Gott', mit vor-
gesetztem lieb. allg. In Beteurungen : Bi H. und
Sterbe' nit! B. Ach, du H. der Welt! AAWürenl.
Ein Z communistischer Agitator in den 40er Jahren
wurde vom Volke seiner neuen .Heilslehre' wegen de'
glesi" H. genannt. De lingg H., Popanz, der am
Aschermittwoch begraben wurde ThHw. f; Syn. de'
chll' Heieri. ,Es machen wie der Bronschhofer H.',
die Kirschen essen und den .andern die Stiele ins
Gesicht werfen GT. (Schweizerb.-Kal. 1857).
Der aus dem Th angedeutete Gebrauch ist der selbe,
welcher anderwärts als ,Tod-anstragen', die Fasnacht ver-
graben, de' Bögg verbrennen betrieben wird ; aaO. musste der
zur Linken Christi gekreuzigte, bösartige Schacher herhalten.
— Bronschhofen, Weiler bei GVVyl.
heilbar: heilbringend. ,Die treuen werke unserer
h-en erlösung.' 1534, Z Syn. (Hess, Samml.).
1145
Hai, hei, h
ol, hui
1146
heile" I: wie nhd. BSi.; U. Bes. verbreitet ist
ein Heilsegenspruch für Kinder: Heile (heili), h-e C-i)
Seye", versi-hieilen fortgesetzt, z. B. : fhri Tarj I-li'-fr".
drei r. Sumieschi" fSchneJ ^- /. : isrh in,lrr Alh r.rl,,
(iez tuet 's dem GliindU itihinin" »-. / (iTa.; /; o,lci
's Biiseli (FüseliJ nf der Stc,jc\ heilt, hcili llvni,
(/'heilet 's hüt nit, g'heilet's moi-n Aa; s. Kochh. 1857,
341; Schild, Grossätti 1 24; Gr. Myth. letztes Kap.
In Heile Schmimmchrüt : Pflanzenn., Solidago ZO. ist
Heile allerdings zum Vb. heilen zu ziehen, vgl. Heil-
hrüt; doch ist das Ganze entstellt aus heidisch (s. d.)
Wundkrüt. Mit ,Heilbrunn, -Quelle' ist zu vgl. der
.Hcilenbach' (schon 1387) ZHorg. und das Heilebächli
(schon 1561) ScHwKüsn.
Heile in dem Wundsegen dürfte sich bei näherem Zu-
sehen als das Subst. mit angeschossenem e, Verstümmelung
aus ,uud' (s. Bd I 12 n. 320) erweisen. Wollte man das
W. als eine Verbalfurm (erstarrte ältere Form des Imp.,
viell. mit Suff, -ä) auffassen, so wäre man genötigt, ,Segeu'
syntaktisch durch eine Ellipse zu erklären, etwa: ,S. sei mit
dir!' In der Zss. ffeileecMcvmmchrüt ist das e ein bloss rhyth-
misches Einschiebsel.
g'-: heilen, tr. u. intr. Aa; L; Z. Büpplichrüd und
Eüpplichrüd, das gheilet alli Wunde" [usw.] LReimspr.
We''"-me'-si''' avime" rostige" Messer haut, se woH '*
nüd g'h. .Verbinden mit rosenöl, bis es geheilet.'
KuEF 1554. ,Bis der schad geheilet.' Tierb. 1563.
,Geheil es mit Nesslen.' ZElgg. Arzneib. c. 1650.
Mhd. gcheüni tr. und intr. Das Präf. f,e- auch in: ,Saur-
und andere Geheil-BrUnnen.' SHott. 1702.
Heile" f.: Sonnenblume, wahrsch. trag, prat.;
Syn. Milchheiler GfiPr. — Ob zu Heilzwecken gcbrauchtV
Eher nur Verkürzung aus Müchheüer.
heilig I GT.; Zg, g'-h. VO: was leicht heilt, in
tr. u. intr. S. (von Kräutern und Wunden) VO, selbst
von Menschen, deren Wunden leicht, ohne Eiterung
heilen GT. — u°-: was schwer heilt Zg.
heil 11, Jiel: verschnitten, kastriert LE.'-
heile" II {„hele" LE."): (tr., seltener mit Dat.)
verschneiden, kastrieren Ap; Bs; BG., Si.; F; Gl:
GRPr.; GT.; S; U; W; ZO., W. ; Syn. piggen, brennen,
putzen, fällen, galzen, münchen, knitschen, verldopfen,
rümen, üshauwen; vgl. auch pinggen. Mer sott all
Bettler h., so gab 's keine Junge" me'' Bs. In rohem
Scherze wird Vorübergehenden als Schimpf oder Dro-
hung von Gassenbuben zugerufen: Lauf, Buch, oder
i''' heil di''>! Gr; mer wend-d^r häle'! oder: chomm,
i''' will-di''' h.t Ap. 0"-g'kälet, unverschnitten. ebd.
De' Tüfel h., ein Spiel der Knaben, welches in Er-
zeugung eines ,Notfeuers' vermittelst eines spitzen
Holzes, das, von einer Schnur umschlungen, auf einem
Brett schnell gedreht wird, besteht Ap; GrD. Der
auf diese Art gewonnenen Asche schrieb man die
Kraft zu, die Felder vor Insekten zu schützen (Zellw.
Gesch. I 03). Das Kastrieren wird auch dem Nebel
(der Bränte"), welcher hiebei urspr. als teuflische!
Dämon gedacht wurde, gedroht: Bränte, gang oder i''''
heile" (erstiipf, ersteche) di'''! oder: ich schlan-der de"
Grind ab! sagen die Hirten, wenn der Nebel sich
nicht heben will Gr; s. noch Bränte. Nebel (GA.).
d' Bränte oder Bräntine" (Gr ObS., S., Tschapp.) h.,
ein Spiel der Kinder zur Zeit starken Nebels oder an
Regentagen, wobei sie in einem Stalle bei geschlossener
Türe oder an einem Heuschober vermittelst Reibung
zweier Hölzer Funken oder wenigstens Hitze erzeugen.
in der Erwartung, dass der Nebel weichen müsse, so-
bald es Rauch gebe. Gewiss gehorte der aus GflSchanf.
aufirezeichnete Kinderspnioh : Bränte, Br. , Rälli!
Ciii.i ," ,1's Clnii.frrs Stau,: II- Mneter hed der Roch
rn-rl,<n,/l. l.„,lf. I,ll(f. sn cjiilsl [knUimst] IWcll ZUM
M'cindiinif: urspr. zu cljcu diusciii .Spiele. In übertr.
S. heisst endlich h. oder us-h., (eine Wiese) stark
ausätzen, abweiden lassen GA. ,Ungeheilts böckis
fleisch.' 1470, L Metzgerordn., d. i. von unverschnit-
tenen Böcken. ,Guet stierfleisch, am strichen [am
Euter, also schon als Milchkalb] geheilt' c. 1480, Obw.
,Von der ungeheilten stieren wggen. Die soll man
vor dem maientag nüt zuo den küegen tryben.' 1493,
GKrin. Offn. ,[Ein Schwabe] tratzet die unsern und
lüyet [brüllte] wie ein ochs; da fart einer hinzuc mit
einem messer und schnydt jni den züg mit einanderen
vom lyb hinweg und sprach: Also soll man den stieren
h.!' 1499, B. I 74. ,[Es] soll keiner kein stier lassen
h., so järig ist.' Ztschr. f. schwz. R. 27, 313. ,Den
widern wird auf zwen weg verschnitten; zue ersten,
so inen die hoden ganz heraus oder samt dem balg,
so vorhin lang verstrickt, hinweg geschnitten: söllichs
nennend die Teutschen h. und das tier heilwider; die
ander ist, so inen bei der Jugend die hoden zerknitscht;
solche nemmt mau knütscher.' Tierb. 1563. ,Evirare,
eini h. oder verschneiden, ausshauwen, cappaunen.'
Fris.; Mal. ,Under dem galtvech, damit man zue
den küegen zue weide fart, soll dhein geheilter stier
sein.' 1576, Z (Hotz, Urk.). .Ungeheilet stierin fleisch.'
ZWthur. Stadtb. .Geheilte Stier in der Alp zu halten,
ist gänzlich verboten.' Ap Alpbüechli. .Welcher ein
ungeheilt Schwein auf die Alp täte, verfällt in Buess.'
1649. GRh. Alpordn. S. noch heü-gahin Sp. 296.
Die begriffliche Vereinigung unseres W. mit heilen I ist
schwierig. Schm. denkt an die auf das Kastrieren folgende
Heilung der Wunde. Andere fassen die Brunst als eine Art
Krankheit auf. von der die Tiere durch Verschneiden eben
geheilt werden; und demgemäss wollte die beschriebene sym-
bolische Handlung als ein Zähmen und Lähmen eines feind-
lichen, wilden Naturelements verstanden sein. Eher dürfte,
im Hiubliek auf die Synn. putzen, rümen und auf lat. eantrare
zu castus, rein, für heilen (insofern heil, got. hails, zu gr.
xaXös, sanskr. kalyas gehört) als uralte Bed. .reinigen' zu
statuieren sein. Diese passt bes. zu dem Notfeuer, welchem
(wie dem Feuer Ubh., nachdem es einmal als zahmes gegen-
über dem wilden der Natur in den Dienst der Kultur ge-
treten war) reinigende Wirkung zugeschrieben wurde; galt
ja auch in der alten Medicin die Rede, dass was die Arzneien
nicht heilen, das Feuer und darnach das Eisen heile. Doch
hat unser W. viell. gar Nichts zu tun mit h. I. Die älteste
Anwendung des W. liegt jedenfalls in jenen RAA.. welche
sich auf das Notfeuer beziehen uud unstreitig heidnisch-
germanischen Ursprungs sind. Wahrscheinlich soll durch die
Zauberformel und durch das Notfeuer in symbolischer Weise
der von Nebel nihl \\- -. n \. rhüllten Sonne wieder zu ihrem
Glauze verheilt n . i .. i , ,ih h wie Oüpavöj, Varunas. der
Gott der Giw,. '• 1 ii4r, entmannt wird; Uranus-
Saturnus soll Z;'j;, Jliü Uuttu des hellen Himmelsglanzes,
Platz machen. (Vgl. Kuhn 18S6, 90). Nun aber wurde in
alter Zeit das Kastrieren auch durch Ausbrennen (vgl. rfi«
Hoden usbrünnen) geübt; zunächst wohl in der Weise, dass
nach dem Ausschneiden die Wunde mit dem Feuerbrand oder
dem Brenneisen behandelt wurde (vgl. schon altgr. xe|ivsiv
xal xaistv). Hienach ist man viell. berechtigt, als Grundbed.
von h. II .brennen' anzusetzen und zwar so, dass die Wz.
•hei, welche auch iu Oe-hei (Sp. 8B1) vorliegt, und auf gr.
xat- zurUckgienge, durch eine Abi. mit ( weitergebildet wäre;
vgl. ahd. hei, uredo, uridum, gihei, cauma, mit gr. x^^Xsof,
hui
[148
brennend, glühend, unzweifelhaft Ton yato) (ep. aor. Ixyja).
Dieses ahl. l könnte aufgefasst werden wie dasjenige in knielen
(engl, kned), knieen, jolcn von Jo u. a., es kann aber anch
Dim.-Bed. haben, um das Brennen in schonender Weise aus-
zudrücken; man Tgl. hiezu, wie das frz. brüler, afrz. Iruekr,
it. hrustolare aus einem gleichfalls dim. vulgär lat. peruslulare
entstanden ist. ,Bis an [vor] 30 Jahre wurden alle Stiere
erst alsdann, wenn sie l'/i Jahr alt waren, verschnitten und
zwar durch Feuer; in dun nenern Zeiten aber nimmt man
dies in den ersten 3 — 4 Wochen mit den Kälbern vor und
bedient sich dabei des sog. Schnürens; man nennt sie als-
dann Milchheiler.' Steinm. 1804. Auch die Anwendung von
heilen auf das Abätzen von Wiesen spricht für die Bed.
brennen. Zu starkes Abweiden brennt wie die Trockenheit
den Rasen aus; vgl. das homerische Ttupl x-S'öJv vs|i£Tai, das
Land wird vom Feuer abgeweidet; vgl. noch Brand-Heütr.
ver-heile°: = heilen II Gl; Z. ,Die jungen
Füllen auf den Alpen werden in ihrem ersten Jahr
verschnitten (verheilt oder geputzt).' Steinm. 1802.
.Klosterleut, die ir fleischlich brunst mit huery ver-
heilend.' Kessl. (oder ist es = sanant?). ,Castrare,
verschneiden, v., münchen.' Denzl. 1716.
Heiler m.: 1. der Verschneider BG., Si.; F; Gr.
D'r Heier schntdet d' Hengste* und imtzt d' F'erleni
[Ferkel] F. — 2. kastrierter Widder GrD. — In 2
wie in Milch-H. hat das Suff. pass. Bed. ; vgl. KniUclier.
Hane"-: (scherzh.) kleines, schlechtes Messer B.
Syn. Krotten-Stecher ; s. Hegel.
Milch-: 1. während der Säugezeit verschnittenes
Stierkalb Ap; Gl; GRPr.; GRh.; ZWald. Der Name
bleibt dann dem Tiere auch späterhin und dient zur
Unterscheidung von dem in späterem Alter kastrierten
Stiere (Brand-H); vgl. Urner u. die Anm. zu lieilen II
am Ende und ebd. den Beleg v. 1480. — 2. Pflanzenn.,
Wiesenbocksbart, trag. prat. GnPr. — 2 übertr. von 1
und zwar wegen des milchigen Saftes der Pflanze.
Bettler-: eig. = mendicorum castrator; daher in
GRGrüsch Übern, eines Herrn, welcher den Ausspruch
getan hatte, dass man alle Bettler h. sollte, zu dem
unter h. aus Bs angegebenen Ende; in BsStdt selbst
jetzt nur bekannt als Name des Bettelvogtes, ,der den
Bettlern das Geld abnimmt'.
Wort und Sache weisen auf eine sehr alte, rohe Zeit zurück,
in welcher das Heilen nicht bloss als Strafe der Unzucht,
sondern auch als Vorsichtsmassregel an Landstreichern geübt
werden mochte, wozu das Obige als schwacher Nachhall er-
scheint. Vgl. u. heilen II das Beispiel von 1499.
Brand-: junger Ochse, der verschnitten worden,
als er übef 1 Jahr alt war Ap. Syn. Brander. , Keine
Nachbauren sollend Hengste, die über Sjährig und
nicht geschnitten sind, auf die Weid lassen, auch
Pfarre [Farren] und Br.-Stiere, die über Mesenälte
[Alter eines zweijährigen Rindes] sind.' 1642, Gr
Klost. Alpbr.
Br. bedeutet wohl im Gegs. zum Milch-H. das Tier,
welches durch Brennen kastriert wird, im Gegs. zum Zer-
drücken oder Abschnüren der Hoden, welcher Modus eben
nur bei Jüngern Tieren anwendbar ist. Vgl. u. heilen II die
Belege aus dem Tierb. und ganz bes. aus Steinm. Brand =
Feuerbrand und sogar Brenneisen.
Schnegge"-: cochlearum castrator, Neckn. der
GRheintaler. Ri'taler, Schneggehäler !
Der Spitzn. bezieht sich auf die in GRh. betriebene
Schneckenzucht (s. Schneygen-Haij) und hänselt viell. auch,
abgesehen davon, dass er ein kleinliches Treiben ausdrückt,
die dortige Ausspr. des ei.
Seh wi"-: Schweineschneider GRÜhur; Syn. Galzer.
Heili f.: '? Vorrichtung zum Kastrieren der Widder,
bestehend in einer Holzklammer, welche, an die Hoden
angelegt, durch Schrauben nach und nach fester zu-
sammengezogen wird Gr ObS. Vgl. Knitscher.
Die Angabe B.'s: ,Holzklammer, die auf mechanischem
Wege Widdern die Begattung verunmöglichen soll', scheint,
wenn sie genau ist, eine Übertragung von der von uns an-
gesetzten Bed. zu überliefern. Vgl. den Ausdruck Kluppen
sowohl für eine am weiblichen, wie für eine am männlichen
Tiere angewandte Vorrichtung.
Heiliberger, Heiliberner s. Heidelberger.
heilig U, daneben mehr altertümlich und in formel-
haften Ausdrücken he'lfijg [hiilig Scb). allg. : wie nhd.
1. von Sachen überh. Herr, mir säge' dir Lob und
Dank für deine h-e Sjns und Trank, für deine h-en
Gaben und Guttaten B Tischgebet. Am h-e' Brod
erstickt keis Ching. ebd. ; vgl. Herrgotte-Brot s. v. Herr-
Gott. I" Gotts h-e- Name' Gl; "z. B'hüet-mi''' Gott
und 's h. Chrüz ! L. Er flieht 's wie der Tüfel 's h.
Chr&z L. 's h. Almuese", Grab, h. Geist s. u. den betr.
Substt. Jesis Gott und 's h. Vatterland! Ausruf der
Verwunderung, des Entsetzens AAWohl.f -Auch vor
Namen von Naturerscheinungen wie Hagel, Dunner-
icetter u. ä. Laufe" tvie 's h. Dunnericetter, d. i. über
Kopf und Hals Bs; Scbw; Z. Nüd jedi Chil''''e häd
en h-e' Lib, den Leib eines Heiligen AaB. ,Ein h-er
Leib [tugendhaft] sein' Ndw. Abgeschwächt in der
RA. (no'''J h. si" gege' . . ., wenn auch an und für sich
schlecht genug, doch im Vergleich mit etw. Anderm,
das als recht schlimm soll hingestellt werden, den
Vorzug verdienen Gr; G; S; Z; Syn. gnädig. Er ist
no h. gege sVm Bräeder, sein Bruder übertrifft ihn
bei Weitem an Schlechtigkeit (eig. = er ist ein Hei-
liger im Vergleich mit dem Bruder). En Jud ist h.
geg-em, kein Jude lässt sich mit diesem Wucherer ver-
gleichen. Und selbst auf Sachen übertr.: En Wespi-
stieh ist na h. gege-vie" Hornussestich. Euser Bebe'
sind na h. gege 's Nächbers, sind von Hagelschaden,
Unkraut udgl. viel weniger mitgenommen. ,I)a3 hellig
ampt', Hochamt der Messe. ScHwMa. LB. ,Die heiig
g'schrift' G Hdschr. ,Er leit ein pfand in h-en stock
[Opferstock].' c. 1520, Th Pur. .Erysipelus, morbi
genus, die Überröte (Rosen, heilig Feür).' Spleiss
1667; Denzl. 1677; 1716 (auch hier, wie oben bei
,Donnerwetter', euphemist. zu fassen, vgl. guet und
ungenannt). — 2. von kirchlichen Festzeiten. Heligi
ZU, Zeit vor einem der hohen kirchlichen Feste, Vor-
bereitungszeit auf ein solches Gr; Z. Z' heiig Zit,
zu Weihnachten Gr. E wider heiig isch, noch vor
Ostern. J" der h-e Zit darf-me' nid Hochzit ha', oni
b'sundrigi Erlaubniss B. ,Es sei nächstens heilig, da
könne man nicht verkündigen lassen.' Gotth. I)' Lüt
tuend doch nie schüliger, a's um die h. ZU umme [= uf-
enes Fest Z]. KSteiger 1839 (Volksglaube auch in Z).
,Wie h-er die Zeit, wie verderbter (verteufelter) die
Leut.' AKvBüRz 1753/60. ,Alle hellgen fest.' UMet.
1540/73. En heiige Tag Gl; L; Z, auch Heligtag
Gl, hoher Festtag, bes. Abendmahlssonntag. Heligtag-
g'wand, Feierkleid Gl. Ame h-e' Tag z' Nacht ge'
z'jasse"! Stütz, 's chunnt 's ganz Jor keis Tröpfli
Wi' i" mis Mül, a's i der Chil'>'e' ame' h-e' Tag.
ebd. Ber h. Tag, spec. Weihnachten B. ,Am h-en
Tag soll man nie in den Speicher gehen, auch kein
Pferd aus dem Stall nclimen.' Rothenb. 28. ,Zu den
helligen Tagen, namblich der h. Tag zu Wienacht und
1149
Hai, hei, hil. hol, hui
1150
der h. Tag zu Osteren.' 1601, Gl. ,Ein sog. h-er
Samstag, der Vorabend eines Abendmahlsonntages.'
MWalden 1880. An-em h-e' Simntig soll-mu* ^Icei's
schwlnig Fleisch esse', süst hed-niu' ekeis G'fel mit da"
Süive' BBe. ,Der Bach ist angangen, dass si am h-en
Sonntag den ganzen Tag band müessen wueren.' 1612,
Ardüseb. H-e' Abe'd, Abend vor einem hohen Kirchen-
feste, bes. vor Weihnachten B; L; G; U. Avi Wie-
nacht h-e' Äbed Gi.Ker. [Jmdni] si", tele der h. Obed [so
willkommen] L. Im U Oberland hat in der hl. Nacht
durchaus jede Haushaltung Milchreis und nachher ge-
schwungenen Rahm. Daher: So g'nueg ha' fubercho'J
wie am helgen Äbig. ,Wer am h-en Abend an 7 Brunnen
Wasser trinkt, bekommt am 7. Wein und sieht sein
eigen Bild, oder wer mit dem Vieh Wasser trinkt,
bekommt nie mehr Zahnweh. Obstbäume an dem
selben Abend während des Feierabendläutens mit
Stroh (Korn)-Bändern umwunden tragen im folgenden
Jahr sicherlich Früchte.' Eothenb. 23. 24. ,Ein h-er
Abend, vjgilia, feriae prrecodane».' Denzl. 1699, mit
dem Zusatz: ,Natalitiorum, Paschatis.' 1716. ,Der
Samstag [vor Ostern] wurde vor Altem der hohe Sams-
tag genennet, sonst heisst er auch der heilige Abend.'
vMoos 1775. Mit dene' riirneme" Herre' und Fraiie'
tue' wie d'r h. Firabe: MWalden 1884 und ähnlich
bei GoTTH. H-i Nacht, Weihnacht, d. i. Nacht des
24. Dez. Träume in derselben gehen in Erfüllung
B; L; S; Z. Wenn man zwischen 11 und 12 Uhr
den Hühnern die Flügel beschneidet, sind sie vor dem
Kaubvogel sicher. Rothenb. 27. Schlägt man einen
Psalm auf, so ersieht man aus der Zahl der Strophen
die Zahl der Jahre, die man (noch) zu leben hat.
ebd. 23; ähnlich in Z f. Wenn der Nordwind weht,
so weht er das ganze Jahr S. Ein in dieser Nacht
geborenes Kind sieht mehr als andere Leute (Geister,
Gespenster) B; S. Vgl. noch Fron-Fasten und Wih-
Nacht. Ähnlich wird bis am h-e' Eis, Zwei usw. (U)
die betr. Stunde der h. Nacht bedeuten. S. noch
Fasten Bd I 1113. — 3. von Personen: fromm, religiös
gesinnt, allg. Die Hälige" hand Versammling ; sind
UsU«, Chinde'! ScaSchl. f Auch: andächtig. Einen
Lesenden grüsst man mit der Frage: Sit-er [ihr] h.?
BsLd. Wie fromm auch in iron. S. = .scheinheilig',
allg. H. tue", 's Naren ist-ene' vergange'; drum
lönd-s' d' Chöpf so h. hange'. Nägeli 1842. — 4. von
den Heiligen der kath. Kirche; auch ihren Leibern,
Reliquien und Standbildern. Bi alle H-e"! UwE. Alli
H-en a'rüefe', Himmel und Erde mit Bitten bewegen.
SüLGER. Alle H-e' d' Fiiess ablaufe" S, abbisse" GT.,
nohlaufe' L, überfromm sein ; vgl. Heiligen-Fresser,
■Lecker und Fuess (Bd I 1088/89). Z' Helge' go",
wallfahrten gehen U. Weind-er z' Helge"? wollt ihr
zur Kapelle irgend eines Heiligen, ebd. Er ist en
halbe'' H-c Z. En wunderliche'' H-e'' Z. Was'? der
Hochziter in 's Bett und d' Brut im Wirtshus'? Das
isch e schöne H-e"! Bs (Schwzd.). Ne settige [ein
solcher] Helg ist das Mannli. Hofst. 1865. Me' glaubt
kern H-e' oder er tue es Zeiche' [Wunder]. Ineicuen.
Uf einist tcird Keine e' H-e''. ebd. ,Urban ist ein
sog. getaufter H-er, d. h. ein hl. Märtyrer, dessen
wahrer Name der Nachwelt unbekannt ist.' MEsterm.,
Rick. 38. Jmdm alli H-en ahe'-lese', die Leviten
lesen, ihn abkanzeln BHk. Von hier aus ist viell.
auch die RA. zu erklären: slni H-en übercho', eine
derbe Züchtigung erhalten, Prügel bekommen Bs; B;
S; Z. Ne handfeste Müller heig-em es paar H-i uf
fi"«» breit Buggel ufg'messe". Hofst. 1865. ,Der Schul-
meister kam dazu und ich erhielt meine H-en aufge-
zählt.' GoTTH. Im Bes. heisst der Helg Uw {Heilig L)
die Statue des St Sebastian als Patrons der Schützen,
in deren Piedestal eine Kasse angebracht ist, um
Gaben zu Gunsten des Schützengutes aufzunehmen.
.Mit den Worten: Vergessid-mer der H. nid! spricht
an Schützenfesten der , Helgepfleger' [Verwalter des
Schützengutes] die Mitglieder der Gesellschaft um
eine Gabe an L (Ineiehen). ,Wer nicht zinset, ist der
Bauer und wer alle Jahre schätzen [den Saumseligen
pfänden] muss, bin ich [der Kapitalist]. Bis ich dann
mit Zeiger und Helg abgemacht [die Gebühren an die
beteiligten Beamten bezahlt] habe, kann ich das Ca-
pital bloss mehr 3 »/o Zins rechnen.' Obw Volks fr.
1882. Vereinzelt steht die Angabe: Stück Holz, z.B.
Wurzelstock, der so zerkrüppelt und zäh ist, dass er
sich nicht spalten lässt BsTerw. ,0 helger herr, sant
Fridoli"!' 1388, NIpelser Lied. In einer Kundschaft
über Alpstreitigkeiten schwören Zwei, ,dass die Alp
denen von N. wäri behept uf den heiigen [auf einen
Schwur bei den H-en hin zugesprochen] und si inen
usgangen [durch Begehen abgemessen worden] wäri
mit den h-en uf die zil und march, so hievor stät.'
1395, Obw. ,Alle Gottes helgen.' 1446, Ragatzer Lied.
.Welche eines gottshaus oder eines helgen vogt sind.'
1490, LRotenb. Amtsb. ,Im kloster [zu Padua] lyt
ein helg mit namen Antonius lybhaftig.' HsSchürpp
1497. ,Die lyb diser helgen bett an!' soll auf dem
Reliquien-Kästchen im Fraumünster gestanden haben.
VöG.-NüscH. ,Die selgen im ewigen leben, so wir ne-
ment [nennen] helgen.' 1525, Absoh. ,Das heilig evan-
gelium und den helgen Pauluni.' Zwingli. ,Wie euch
ton hand vil beige mann [die Patriarchen], da einer
hatt g'han zwo oder dry [Frauen].' Haberer 156'2.
,.\lcin deos vocatos coniecerim sua lingua, i. e. sue-
vica Haigen, i. e. sanctos.' CGesn. ,Dass diser oder
jener helg (,helig.' 1578; .Heilige.' 1670) die Gotts-
hüser mit kostlichen heltumen (.Heiligtumen.' 1670)
vcreret.' LLav. 1569. , Weder ich noch ein Anderer,
wie gruntlich er joch unsere obgemelte Meinung dar-
täte, ja, wie man sagt, all H-en fürher trüege.' Küeger
1606. ,0b diser Niemerli auch ein Heiig seig', fragte
Einer, der auf Niemerlis Tag vertröstet worden.
Glimpfr. 1651. ,Der Tüfel hat mich wol halb b'sessen;
kein anderen Helg gab mier in Sinn, dass ich von hei-
men g'lauffen bin.' Com. SBeati. Vgl. noch Helg.
— 5. freudig; nur in der Verbindung: hälig und frO,
sehr froh SceNnk.; vgl. Heil 2. — 6. (Adv.) sicher
und gewiss, allg. H. iiberzAgt sV Z. 's ist gwi'iss und
h. icar Aa; Z. So gtciiss as h. GaPr. Du muest
d' Nasa nw zer Hüstür üs strecke" [einen Ausgang
beabsichtigen], sn liest sa g'iviiss a's h. Bege' GRSchiers
(MKuoni 1886). Uf das chann-er-si''' h. verlö'. Stutz.
Das [schlechtgebaute] Hüs g'heit h. z'sämme', wird
unfehlbar einstürzen. Du chunnst h. Schlag über,
wenn d' nüd folgist Z. Darnach auch adj.: Wenn-i'''
hei'" chumme, han-i mini h-e' Schlag Z. — 7. in Orts-
und Flurnn. deutet h. auf alte Kultusstätten, t. auf
solche älterer, christlicher Zeit auch in jetzt refor-
mierten Gegenden, t. auf solche der vorchristlich-
alemannischen Periode. H.-Chrüz L; G; Tu; Zo (vgl.
Sainte-Croix u. Santa-Croce in romanischen Landen).
Bim heiige' Hüsli, ein Stück Beben ZZolL, Acker
1151
Hai, hei, hil, hol, liul
1152
ZWyt.; Tgl. Melgenhüsli. H.-StücIcH BLaupersw. (vgl.
Helgen-Stock); Helgen (Heilig)- Acher. 1053, AAWett.
Klosterarch. ; ZWied.; Helge-liößi LLittau; Helige"-
hof BsRein.; H-e'halde" GPfätf.; H-e'land BAffolt;
H. (Helge")- Matt Lürsw.; öBieitenb.; ZBirm. (hier
nachweisbar einst Ort einer Kapelle); ,im Helgen-
raättli.' 1653, AxWett. Klosterarch.; Helge'büel LHoh.
H-e'sclm-endi BHilt.; Helge'xceid SHeggend. Einfach
H-e" heisst ein Grundstück auf GLBraunw. Spuren
des Baum- und Quellcnkultus (vgl. Gr. Myth. tj3 if.
550 ff.) finden wir in der ,heiligen buechen' als Mark-
bezeichnung c. 1515, AaF. {Gfd. 30, 67), während ,De
bonis an der heiligen nussbourae' (UErstf. Kode!) wohl
an die Kirchenheiligen denken lässt; eine ,h. Föhre'
erwähnt Eochh. 1856, I 85; vgl. Sibnen ScBwMa. aus
Siehen-Kich' ; Heilig(eJhrunn(enJ AvOberegg; TnNeuk. ;
's hälig Brünnli ScuSchl. ; ,zuo dem balgen brennen.'
um 1510, Jestetter Markbeschreibung; ,den beigen
brunnen.' um 1515, AaP. (Gfd. 30, 67); ein ,h. Brunnen'
bei LSursee (1408 urk.) und einer zw. BTrueb und
LE. (1418 urk.); s. noch Lüt. Sagen 307. 373. 518.
,Chuonrad de HeUgemoberga.' 1091, See Urk.; H-e'berg
bei ZWthur (.Sanctus mens.' 1'26'2) ist vom Kloster
so benannt; als Geschlechtsn.: , Klaus Heiig (Heilig).'
GHelfenschw.
Die Kürzung des Diphthongs in der Stammsilbe ist, wie
der Beleg von 1091 zeigt, schon sehr alt. In der Schriftspr.
finden wir hdig sporadisch noch bis Anf. des XVIII., so
ZBib. 1707 (Dan. 12, 7); vgl. .scheinheilig.' Z Mand. 1690.
Vgl. etwa w^nig und Braune, ahd. Gr. § 44 und EKögel, Kero.
Glüss. 18. In den nordöstl. MAA. entspricht die Kürzung
a aus ö = ei einem allg. Lautgesetz derselben ; ziemlich ver-
einzelt steht dagegen mig (z. B. in Z), dessen « wohl zu-
nächst wie das von leinig auf eine Zwischenstufe mit « zurück-
geht; s. noch die Anm. zu einzig Bd I 358. — Zu 1. Den
Namen der Naturerscheinungen vorgesetzt stellt h. die Be-
ziehung auf die höhere Macht her und verdeckt somit ge-
wissermassen euphemistisch das Fluchw., zu welchem jene
Namen geworden sind ; doch kann es auch verstärkend gemeint
sein, indem h. zwar bedeutet ,der Gottheit geweiht', aber
auch ,zum Verderben'; vgl. lat. eacer = 1) heilig, 2) ver-
wünscht, und hebr. ein und dasselbe W. für ,segnen' und
.verfluchen'. - Zu 4. In der RA. betr. die Züchtigung
könnte ,die H-en' auch als Ellipse für ,die h-en Schläge'
verstanden werden und zwar entw. i. S. v. .sicher' (s. 6)
oder euphem. Gerade der letztere Erklärungsversuch bietet
sich auch für die Übertragung des W. auf den ungefügen
Klotz an, obwohl man allenfalls auch an Vergleichung mit
Heiligenbildern denken könnte.
Aller-Heilige": das Kirchenfest omnium san-
etorum am 1. Winterm. Vgl. Seelen-Vesper Bd I 1110.
An diesem Tage im Wald gehauene Besen von Weiss-
tannreisern behalten ihre Nadeln Z. ,Wenn an A.
und an AUer-Seelen die Obstbäume ausgehauen und
gekratzt werden, können im folgenden Jahr die Früchte
nicht fehlen.' Rothenb. ,Wenn ein um A. gehauener
Eichenspan nass ist, so wird es kalt und rauh; wenn
trocken, mild und lau.' Ineichen. ,Fest aller lieben
helgen.' Edlib. ,TJf aller Helgen Tag.' 1602, Ardüser.
ge-he'ilig s. ge-hljelig.
ein-h eilig s. ein-MU(ig).
gang-: ganz, unversehrt. .Thehora, d. i. in unserem
tütsch als vil als ganz, gangheilig.' Zwingli; vgl. ebd.:
.Thehora: ein lämmle, das sollte ganz syn, das kein«"
presten [Gebrechen] an im hätte.' ,I)ie beiden, die
die besseren und gankhelligre opfer gebend.' ebd.
Eine schon mhd. Weiterbildung aus ahd. g.-heil (,heil
zum Gange, gesund auf den Füssen' ; vgl. das Ant. barhämmig)
viell. mit beabsichtigter Umd. auf .heilig'.
nä'^''-, verbunden mit .Tag': zweiter Festtag Tb;
Z. Ostermentig, de' näheilig Tag. — bluet-: durch
las Blut [Chri.sti] heilig, geheiligt. .Also ward Julian
in der kilchen bi der bl-en mess erstochen.' Ansu.
— Win-: Heiliger, Patron des Weines, Weinbaues.
5yn. W.-Held. .Dass Bacchus der Heiden Wynhelg
,'esyn.' Fasn.-Pred. 1601.
heilige": wie nhd. .Ir sollend fyrtag oder sabat
lelgen.' Gyrenr. 1523. .Einen Sam, in welchem alle
Ischlecht auf Erden gehelget und gesegnet werden.'
1636, Ofeninschr. — ent-, ent-un-, ver-un-: ent-
heiligen. .Der selb verunheiliget den nammen Gottes.'
HBdll. 1531. .Entunheiligen.' ebd. .Das bluet Christi
.'uteren und entheiligen.' RGualth. 1555. ,Da Christus
bezigen worden, er entbelige den Sabbath.' FWtss
1650. — use°-: einen Schuldigen rein waschen Gl.
Heiligkeit f. ,Üwer heligkeit'. Anrede an den
Papst. 1521. Absch.
heiliglich = heilig 6. Sust chäm Eine a' d' Stüd
[den Pranger] ; das tcär heiliklich. Wolf, Bauerngespr.
Heiligtum n.: Amulet. Reliquie. .Ein H., in
Silber gefasst, hängt auf der Brust jedes Mädchens.'
Aa Gem. I 419. .Die gebein und überblibens der sei.
■xbgestorbenen menschen (heiligtumb genennt).' HBüll.
1568. Vgl. Heiltim.
heilsam: 1. wie nhd. .Damals waren die jetzt
giftigen Pflanzen noch h.' JRWyss. — 2. heilbar.
, Kranker, der h. ist. curationi aptus ager. H., zue
heilen und zue g'nercn leicht und kommlich, sanabilis.'
Mal. , [Dieses Arzneimittel] macht den Bruch h.'
c. 1650. ZElgg. Arzneib. — un-: unheilbar. .Wann
der Arzt Solches vorher erkannt hat. so lasst er den
so unheilbar (unheilsamen) unberührt fahren: Den
H-en greift er mit Mittlen getrost an.' Spleiss 1667.
.Dieser Balsam kann auch das sonst u-e Podagra
vertryben.' AKlingl. 1688. .Sind meine Streiche so
u.. dass sie nimmermehr geheilet werden mögen?'
1707, Jerem. — g"-: Einer, dessen Wunden gerne
heilen Gl; L.
heilsame»; heil, gesund machen, segnen. .Durch
deinen somen sollend alle Völker geheilsamet werden.'
1531, Gen.; = .gebenedeiet.' 1548; .gesegnet.' 1667.
Heilsami f.: Heilung. Besserung. .Dhein [keine]
heilsame.' 1563, 7. Spitalakt.
Heiltum (ILlim,,. Ilclt.m L; P; S; Uw) n.:
Heiligtum, bes. Kelitiuie, Kcliquienkästchen. 's Hel-
ium chüsse", als Akt der Frömmigkeit S. Der Becher
isch es Familienerbstück g'si' und wie 'nes Heiltem
tifbiwart blibe'. BWtss 1863. .Dass man ellü jar an
unsrer frowen abende ze merzen soll das heilton tragen
umb die statt und soll damit gän von ieglichem hüse
ein mensche.' c. 1310. L Stdtb. .Und vor dem tor hat
man syn erlich mit dem helteni gewartet.' 1417. L
Ratsb. .Der sigrist soll ouch in dem jar einist mit
dem heltum von hüs ze hüs gän, und ist man jra
schuldig, von ietlichem gehüset [der eignen Rauch
führt] 8 anster ze gen.' XV., LRusw. .Ein grosser
schätz von heltum und kleinoten ward [1476 bei
Murten] überkommen.' ebd. ,St Theoduls heltum ist
hie in der grossen gloggcn.' ebd. .Vil heltems kost-
lich verfasset.' Edlib. .Das heitern im alter [Altar].'
1153
Hai, hei, hil. liiil, hui
1154
ebd. ,Den fronaltar hinweg tuen, die bau [Beine],
so man haltura genemmt hat, usgeschütt"'.' HMiles.
,Thensa, ein haar, darauf man heiltuomb und bild-
nussen tregt' Fris. ,In des brueders zell hattend sy
jm wychwasser und heiltumb geben.' LLav. 1569 =
, Heiligtum.' 1670. Die von den Hiisbreifahrern aus-
geworfenen Semmelringe .wurden von etlichen als für
heltum gehalten.' 1576, Z Ant. Mitt. ,Ist heltum in
der kappel von dem holz des hl. krüzes.' 158'2, Schw
Urb. S. noch Gabriel Sp. 62.
heulen usw. s. bei hüwelen.
Ge-liill n.: Zustimmung. ,Nicht one sein [des
Kaisers] g.' Würstisen 1580. ,Aus g. der cardinälen.'
ebd. - Nbf. zu ßehltt. wie Uewirb zu Gewtrb u. a.
er-hille": 1. erschallen, wiederhallen, erdröhnen
GrD., Pr. Er verfüert e Gugete, dass 's im Wald
dennet recht erhilU. MKüoni. — 2. in die Augen leuch-
ten. Die Stube war so sauber aufgeputzt; es hat recht
erhillt, wenn man eintrat GrD.
Eine unechte Bildung statt erhellen durch Verallgemeine-
rung des i. Betr. die Berührung von Schall- und Licht-
empfindung s. die Anm. zu hi'U.
ge-hillen = gehellen. ,N. gehillet mit inen an
dirre sage an allen dingen.' 1302, Gl Urk. ,N. N. ge-
hillet gänzlich an allen stucken her Jakoben von Litt-
owen.' 1346, L Urk. (an andern Stellen ,gehtillet').
,Die beiden stett sollten einen obman'n erwöllen und
wölichem teile sölicher gehillete, bestand erfolgen.'
1531, Absch. ,Der churfürst, welcher zu erwelung
eines neuwen keisers nicht g. wollen.' Würstisen 1580.
Die Formen für Präs. Sg. können natürlich auch zu ge-
hellen gezogen werden. Zu ü aus i vor II vgl. Brüllen, Trülkn,
Pullen, Orüllen u. a.
ge-hillig: zustimmend, willfährig. ,Dass sy jm
gehüllig gewi;sen sind.' 1462, S Missiv. Syn. ge-hellig.
Hilai'ius Hilari, Läri, Lärli (Dim.), Lärtsch (grob)
Gl, Lerias Gr, Lerjun W: männl. Taufn., s. Glari
Sp. 640, wo noch beizufügen Glaris-Egg, Schloss bei
TuSteckb. Betr. die Umzüge s. noch Alpenp. 1873,
S. 348. ,Der Jahrrechnungstag fiel in TnFr. auf den
Hilariustag.' Pdp. 1871. ,Das dritt geding soll syn uf
Sant Hilarien tag.' AAWett, Oifn. S. noch Blumer,
EG. 1 63.
Zum Abfall der ersten Silbe in dem Frenidw. vgl. Nazi:
Iguatius, Vir: Xaver, Broai: Ambrosius, Klaun : Nikiaus,
Äiki .- Snlpicius, 7?,(2i .■ Mauritius, A/.miirf : Emanuel, rewea:
Matthäus, T.» .- MattlMlal-i, 7'„„, .- Autnniiis, //„„,.■ .Inhauut-s,
7i'««i: Erasmus, /.,/,. .riiiliii]i| n |s, Xr«. /,,•.- AI. ■xaii.in-, (;,ri:
Margreta, S(uli : |■|lli^lillt■, T,u„. : K;itliariiia, A. «k- Agnes,
LUe: Elise, Milret : Kmerentia u. v. a.
liiläsch^e": faul sein, träge herumliegen Scu. —
Hiläschi m.: nachlässiger Mensch, Faulenzer Sch;
Z ; Syn. Löscht. — Zwitterbildung aus hiVäasig a. laachcn.
Hllll m.: Achilles Bs. — Betr. die lautliche Um-
gestaltung s. die Anm. zu Huijekn und zu Hünrixu.
Uiele" f. : 1. eiserner Bogen des Käsekessels BO.
(Vetter). — 2. Waldrebe, clematis S. — Vgl. Biene'
uud Iläl.
hol! 1. Kuf an den Fergen = komm und hol!
GRh. (hol). ,Jeder, der an das Fähre treten muss,
wird vom Morgen bis zum Feuerabend sich an dem-
selben oder d/)ch in dessen Nähe befinden, dass er
den Ruf: Hohl! jedesmal vernehmen kann.' 1810,
Schweiz. Idiotikon. II.
Fährordn. AAMumpf (JVetter 1864). — 2. Schlittenruf
GMels, Bern.; Syn. holibc!
Bed. 2 wohl durch die Kinder auf ein anderes Verhältniss
übertragen; s. Anm. zu hallen III.
hole" I: 1. wie nhd. ,Vater hol [Geld], wenn der
Sohn studieren soll! ' ZWl. Hol-mi"' Gott! Beteuerung
L (Ineichen 1850). ,Wein hollen.' Unsichtb. 1793. —
2. „suchen Th." — 3. (hole") bringen GRChur, Mai.
Zu 3 : holen und bringen sind Wechselbcf riffe und tau-
schen zuweilen ihre Rolle; so hat ,reichen' auch die Bed.
,hnlen'. So auch it. recare und portare; ähnl. ,lehren' und
.lernen', das Eine für das Andere gebraucht, wie frz. aji-
/irendre für Beides. Zu 2 vgl. frz. ehercher.
er-: 1. verstärktes holen. , Ein seufzen von grund
auf erholt, spiritus petitus imo latere.' Mal. ,Undcr
dem Wasser mag der Biber nicht lang bleiben, muss
Atems halber, denselben zu erholen, bald aus dem
Wasser.' JLCys. 1661. — 2. sich Etw. holen, zuziehen
Bs; ScH; Z. Die Krangget het si im BüchlnsU [Wasch-
haus] erholt Bs (Schwzd.). Er vernehme, dass er bei
ihnen einigen Unwillen , erholt' habe. 1525, Absch. —
3. davon tragen, (wieder) gewinnen. An Dem, [z. B.
einem Schuldner] ist Nilt z' e. Bs (Spreng); Z. ,Ouch
wider erholt manig versetzt pfand.' 1480, Zellw. Urk.
,Das ewig leben e.' Zwingli. ,Der sig, so wir erlangt
und erholet haben.' 1531, Absch.; vgl. lat. victoriam
reportare. ,Der h. Hieronymus hat sich on underlass
geflissen, der heiigen geschrift verstand zuo e.' Vad.
,So aber einer, der syn er also verwirkt, sich in MHH.
nöten und landssachen so dapferlich hielte, dass er
vermeint, syn er erholen han.' 1551/1G26, Schw LB.
,Wo die flugfederen uf dem mund bewegt wirf, ist es
ein warhaftig zeichen, dass der atem erholet und das
leben noch in dem lychnam sye.' Kdep 1554. ,Wo
einem atenlos wirt, braucht man den biseiu, den
atem jm zuo e.' Tierb. 1563. — 4. auf Etwas, das
man vergessen hatte, wieder kommen U, wiederholen ;
s. Advokat Bd 1 89. ,Alle die güeter zu Schw. sind
in der donation, die kaiser Carolus getan, widerum
erholet und bestätet [worden].' 1563, Hotz Urk. ,Nit
not, wider zu e.' HBdll. 1572. ,Was wir vordem durch
Mandata erkannt, das wollen wir hiemit erholt haben.'
BsMand. 1627. — 5. (refl.) wie nhd., ausserdem: einen
erlittenen Verlust wieder einbringen; sich schadlos
halten Gl; Z. Du cha"st-di''' e. am, Bonenahmache'
Z (scherzh.). ,Dass er [der Creditor] ob des Schuld-
ners Gut sich umb sein Schuld e. möge-' SMutach
1709. ,Sich an demjeiiiüvn, sn hieran Srhuld trägt,
widerumb zu e.' ITl'.i, l'.s C-un hcnidn. -- 6. das
Ptc. erholet missbräuchlich wcrhsrlnd mit a-cotlet. Er
ist ganz drin e. ZWl. — be-: sich zuziehen; unge-
fähr = erholen 2 n. 3 „Vü." ,Und meint man allweg,
es [das Missgeschick] war an diser [einer früher be-
gangenen] tat beholet worden.' ÄoTscuum. ,Er redt
auch inen im rat yn, bhollet aber nüt anders darmit,
dann nyd und hass.' HBull., Tig. , Krankheiten nüt
ungehorsamem leben b.' LLav. 1582. , Gottes Segen
wurd vertriben, hingegen .syn schwere Straf und Fluch
endlich behoUet.' Z Mand. 1653. .Wirst von Gottes
Gericht getroifen, so sinne zurück, wo du es behollet.'
AKlingl. 1688. ,Er vermeinet desswegen von seinem
Vater grossen Dank zu b.' JJUlr. 17'27. — wider-:
1. wieder gewinnen, wieder herstellen. Die Mülhauser
sollen zu ,widerholung' des eidgenössischen Bundes
[den sie verwirkt hatten] all ihr Vermögen anwenden.
1155
Hai, hei, hil, hol.
1156
1587, Absch. — 2. wieder gut machen; Syn. ergetsen.
,Was fröd und widerholens irer trurigkeit da g'schach,
mag's nit wol usschryhen.' Sicher 1531.
Hole" I f., in.: 1. grosse Tauchente, mergus merg-
anser „Aa;" Vw; Syn. Tüchcl. ,Teuclier, hie genannt
Hollen.' JLCys. 1661. — 2. wohlbeleibte Weibsperson
AaHL ; vgl. auch Holli und Muchel.
1 viell. nach Brod-Holi zu erklären; doch könnte das W.
auch aus Ilulle verderbt und die Ente nach ihrem Federbusche
benannt sein. — 2 setzt stillschweigend ein fettes Exemplar
von Ente voraus oder zeichnet den schwerfälligen Gang.
Holer m., -eri° f.: Dienstbote, welcher Abends
die Herrschaft vom Besuehsorte, Concert, Theater
(mit der Laterne) abholt Z f.
Holi m. : bei dem Kinderspiel, welches auch
schwarzer Mann heisst, dasjenige Kind, welches die
andern, die ihm in einer Schar gegenüber stehen und
entgegen laufen, zu fangen (zu höhn) hat; es geschieht
dies mit dem Rufe Holi, llali ! VwK. Das Spiel selbst
heisst daher hölrnen oilcr hdliharlnt. — //". = der Hder,
oder von dem Rufe Huti! (s. /,..//,/,...' S),. S58).
Brod- m.: Beiher [V] Ndw (Matthys). ,Auf dem
Vierwaldstättensee befinden sich zweierlei Brodholen.'
JLCys. 1661, der den Reiher besonders aufführt.
S. Hol-Brod und Gr. WB. IV 1733. Der Name vom
Holen des Brotes, das man solchen Vögeln zuwirft; vgl.:
,Und flugend die wilden euten und ander gefügel Zürich [im
Winter a. 1435] in die statt. Es ward ouch an ein buoss
verboten, dass in niemann kein leid tuon dorst. Die liessend
inen brot fürwerfen und holtend das; so gemach hatt' si
der hunger g'machet.' Vad.
Hol Hol n.: Vertiefung, Loch. 1. durch Druck,
Liegen und Sitzen entstandene Vertiefung, z. B. im
Bett, in Heu, sandigem BimIcmi usw. B; auch dim. „Holi
Aa;B;S;Vw.'' Syn. Iliili. ■-'. lli.hle, Bergungsort
übh., bes. auch Lagerstiiilr «ilJri Tiere, scherzh. auch
die des Menschen. !■'' inll i" )iii"s H. B; vgl. Hui.
,Er [Karl bei Nancy] lag in einem tiefen hol, man
zog jm zue, das wusst er woL' 1477, Volksl. Bei
Pfäfers ,sind hell, uss denen heiss wasser entspringt.'
CTüRST 1495. ,Der tüfel hat ein wytes hol.' UEckst.
1525. ,Ich hielt mich hindersich in myn h. [: voll].'
Salat 1532. ,Die 5 künig, die in 's h. entfliehend.'
1531/48, Jos. ,Sie fallen selber in das H.,' das sie dir
hand gebawen.' HsBEebm. 1620. ,Wann der Bär ruehet
in synem Hol!.' c. 1650, B (Gfo.). ,Der Ritter ritt
gegen dem Hole und Wohnung des Drachen.' JLCys.
1661. Hol auch Ortsn. GT., Holi, Stelle am Walensee
GWalenst. — Mhd. hol n. in Bed. 2.
Ofe"-: Ofenblase BU.; Syn. Ofe'-Ror. — Acke"-:
bedeckter Abzugsgraben B; Syn. Hol-Graheu.
hol ö im Gehirg, sonst hol (hüH ZS., haut Ar tw.):
hohl. H. Ziegel im Gegs. zu flachen. Bis a" de' h.
Ziegel ufe", bis an die First Z. E Stimm ha', wie-n-e
h-i Bäh [Rübe] ZZoll. Es [seine Rede] häd tönt,
wie-n-us-ere" h-e" Bäh use". ebd. De h. Lih, die
Bauchhöhle mit sammt dem Magen; vgl. xoiXia. Er
ist wlt umme h., er kann viel essen und trinken GT.; Z.
Daher h. geradezu = hungrig, nimmersatt W. In'n h-e'
Lib trinke, in den leeren Magen Z. Ei"s [ein Streich]
in h-e' Llb [in die Weichen] Z. Er lügt, so tüf er
h. ist, ist ein Erzlügner Z. H-e'' Nebel, der sich nur
halb über die Talsohle erhebt, gewölbartig über der
Gegend schwebt Ar; „VO;« ZO. Es giH kei"" Bege" :
es hat mV h-e' Nebel ZO. Im S Wochenbl. 1810 wer-
den als Stadt G Specialitäten belacht : , hohle Frauen-
zimmerhandschuhe.' ,Da lügt er, als tüf und breit
und h. er ist.' 1589, Zellw., Urk. ,Und so ietz in
disem verding gemessen werden h-s und voUs.' XVI.,
Z Anz. 1885. , Sollend die Muren h. für voll gemessen
werden.' 1651, Monatsbl. Heid. 1836. ,Die Spitz und
hole Schnür an den Hosenbendlen [sind verboten].'
1611, G Mand. ,An den Stuchenschlappen soll ein
hole Schnur, auch Spitzlein zugelassen sein.' ebd.
,In den weissen Vorschössen solle 3 hole Strich zu
haben zuegelassen sein.' ebd. ,Blut, so in den hohlen
Leib gerunnen ist' PWürz 1634. Häufig in Orts- u.
Flurnamen. ,An der Holen-Auw.' 1604, AABremg.
Holl(en)- Acker B; Holen-Eich ScnwTugg.; Hol-Egg
BRüegs.; HolfenJ-Flueh BsLäuf.; BEggiw.; ZHombr.
Hdl-Gass s. Sp. 451, ausserdem auch in B; Gl; Z
,zue der h-en gassen.' XIV., AAZuf. üff"n.; ,in der h-ei
gass.' 1486, G Hof Kriess.; ,Holen-Bach.' XV., ZWetz.
H-e'-Baum ScsStdt (vgl. ,H-enboumer.' 1549, ScnRats
prot); im Holl(e')-Berg ZHed.,Höngg, 1574, Freienst.
Holl-Steg BEggiw.; Waldung im H-e'-Stock ZHinw.
H-e'-Stei" G, z.B. 1518, Hof Kriess. (Hollenst.); Th
ZBär. (Felshöhle), bi de' h-e' Steine' GLEnn. (vgl
,Jörg Holenst. v. Zg.' 1531, Egli); ,ze holen Sträss.
1318, ZDiet. ; ,bis an die h-e Sträss, genannt Rinder-
weg.' 1694, AAWett. Klosterarch.; ,bi dem h-en turn.
Z Anz. 1884; H-Ce'J-Wi'g Aa; B; L; G, H-e'-W-e<
BBurgist.; ,den Hollen-W.' XV., ZWied. (vgl. den Z
Gcschlechtsn. Hollentceger ; ,Hans Holenweg.' 1525);
Hole'-Weidli ZBär. (Weide beim Holenstein); der Hol-
Wall, Schanze BsStdt f. — Huvl wie waul für wol, s. yolkj
Sp. 213.
i"-: vertieft, concav B; Gr; L; Z; Gegs. hüp.
Schwarz und i'hol, tvas am Füdli hanget, dri' soll
GrD. (Rätsel: die Schuhe). — schilt-: hohl wie ein
Schild, spec. mit nach aussen gekrümmten Beinen BSi.
holecht: leicht gehöhlt. ,Der under teil des
.Steins ist etwas holächt.' Vogelb. 1557.
Hole" II f.: Einsenkung, Höhlung. 1. Hohlweg,
enge, tiefe Gasse, bes. an einem Abhang B; FMu.;
L; GG. H' Hohle ache g'rütscht. MWalden 1880.
Bergiif, bergab im scharfe Trab und öni z' spanne'
d' Hohlen ab! B Kai. 1879. Als Orts- und Flurn. (,auf,
in der H.') bes. häufig in B; dann auch in ßsLd; L; S.
— 2. a) Vertiefung auf der Innenseite des mensch-
lichen Fusses zwischen Knöchel und Ferse. ,Der
rechte Absatz kommt gegen die Holle des linken
Fusses zu stehen.' 1713, Z Exercit. mil. — b) Ein-
hühlung am Gewehrschaft beim Kolben oberhalb des
Anschlages. ,Man soll das Gwehr auf der linken
Achslen, den Daumen ob dem Anschlag in die Holle
legen.' ebd. — Mhd. hole, altn. hola in Bed. 1.
hole" II: 1. hohl werden, allg. 's Fass holet,
leert sich allmählich Z. ,Wenn einem Kranken die
Augen holend und schwynend.' XVII., B Arzneib. —
2. hohl machen Gr. Hiezu als adj. Ptc. wlt g'holet,
bauchig, viel fassend; auf Menschen übertr.: viel zu
essen vermögend und gewohnt (in diesem S. der Be-
völkerung gewisser Ortschaften aufgetrumpft) W; vgL
hol. — 2, wofür sonst hälen (aus ahd. holjan) gilt, geht auf
ahd. holon zurück.
Hol m. : durchbrochene Stelle in einer Stickarbeit,
meist Sternchen, Rädchen vorstellend. En lange"" H.,
Hai, liel. hil. hol.
1158
eine lange Reihe solch durchbrochener Gebilde; Gät-
terli-, ein H. in Form eines Gitters; Bor-, mit einem
Bohrapparat hergestellter H. ÄP; G. — Zu hvlen.
Ge-höl n.: Nische. S. vergatteren Sp. 499.
hölele°: klingen wie ein hohles Gefäss ZO.
hole" (bzw. -0-°-): hohl machen, höhlen. Eini h.,
(seherzh.) eine Flasche Wein austrinken L; Z. Kleine
Öffnungen in Mousseline ausbrodieren, in der Hand-
stickerei durchbrochene Arbeit herstellen Ap ; G.
.Mousseline sticken und h.' Wenn d'-mer för d'
Mueter Näbis [Etwas] richte" cha'"st zum Häulen.
AHalder. — e r-: durch Holen gewinnen Ap. — üs-.
,Ein schalen aush., austrinken, pateram haurire.' Mal.
(Öpfel-, Us-)Höler m., gew. Dim. H-U: Gerät
in Form eines runden Löffelchens zum Herausschnei-
den des Kerngehäuses zerschnittener Äpfel Z; Syn.
Bütschgi-Borer.
üs-hölere°: durch Aushöhlen entfernen. ,So
bickt [das Vögelein] und hölert jm [dem Esel] seinen
schaden aus mit spitzem seinem schnabel.' Tierb. 1563.
Höli bzw. HäuK f.: Höhle. 1. wie nhd. allg.
Ziemlich selten in Orts- und Flurnn. BsLd; B; L;
Zg; Z, z.B. tief ausgehöhlter Waldweg in ZEegensb.;
s. noch Hüli. ,Die tiere sind in die heule des leuwens
gekommen.' Vad. .Die hole eines baums von elte
durchfressen, arboris exesje antrum.' Mal. ,Hölinen
und Gang under dem Erdrych.' Guler 1625. — 2. die
Lendengegend Ap; vgl. Iwl. — 3. derjenige Teil der
Ferse am Strumpfe, welcher sich an die Fusssohle
legt AaF.; Zg.
Ober Häuli s. die Anm. zu hol. Das W. scheint mein
aus der Schriftspr. eingedrungen zu sein ; s. dafür Hiili, Loeh.
Hand- s. Gauflen Sp. 127. — Hunger- Gl =
E.-Grueb. — Mitt- s. Gauf Sp. 127.
Holl, nur in der RA. im Holl: im Nu ZMünch..
Neer. — //. muss wie huil Interjection sein.
holla! hoUe! Interj., wie nhd. = he da! 1. zur Er-
regung der Aufmerksamkeit. Holla! Ruf der vorüber-
ziehenden Krämer Gr. Mit holle! holte! meldet man
sich beim Eintreten in ein Haus, um Jemand herbei
zu rufen Gr; S; Uw; Z; vgl. holle-ho! Sp. 858; hasch!
Holle, h., h.! giind-is e chli" Fasnechtchüechli ! ZNeer.,
Ruf der Kinder vor den Häusern an der Fastnacht.
Holle, h.! rüefed die Volle". Sblger. ,Eho, hola, losa,
kumm her. Hola,- hoscha, tuend auf, heus vos, aperite !'
Fris. ; Mal. — 2. = halt ! Holla Büsi! Us Dem wird
Nüt! Bs; S. Dem Zug H. mache", der Sache ein
Ende machen FMu.; s. noch üf Bd I 119. -Für nes
Mariasch, das-mer nit recht war, icett-i''' gäng no'''
früeh gnueg d's H. mache". B Taschenb. 1881. Holle
d's Ments [aus des Sakerments?y. Ausruf, mit dem
man einem Redenden Schweigen gebietet OßwSarn.
,Ohe jam satis, hola, hola, es ist gnueg. Ohe, actum
ne agas, h., h., red nit weiter.' Fris.; Mal.; s. -ä III
Bd I 2. ,Aber holla! Römische Kirche: holla!' Go-
liath 1741. — Der Ruf der Bezechten könnte auch der
als Befehl gemeinte Infln. (= mehr Wein holen!) sein.
holle": an die Türe pochen (auch mit dem Tür-
klopfer), um Jmd heraus zu rufen BAarb., U.
Urspr. wohl mit dem Kuf holla! sich benierklich machen.
Vgl. hoschen.
Holland Höland: in mehreren RAA., meistens
eine weite Entfernung auszudrücken. Uf H.
H(e", auf Nimmerwiedersehen viTsi-bwinden 7. f. Wnin
nw «««'' der Biswind rlnliii uml i,n Fnni uf 11. ,i,nii
L (Volksreim). Er vinnul „". inr II.. „in ,v,,rk hat
keinen Boden Aa, von holländischen \Vcrljuiif,'eii udur
davon her, dass der Rhein Alles an H. abgibt. Potz
H! Ausruf, ebd. S. noch Für Bd I 942.
Seit der Reformation waren die Beziehungen zwischen
H. und der ref. Schweiz t. durch den Süldnerdienst, t. durch
Glaubensgemeinschaft und Univorsitätsbesuch so lebhaft, dass
dieses ferne Land der Schweiz besser bekannt wurde als
Deutschland. Schon früher stellte die Flösserei eine Ver-
knüpfung her; vgl. Nubd Sp. 949.
Holländer m.: 1. Söldner, der in holländischen
Diensten gestanden; 's Holländers, die Familie und
Nachkommen eines Solchen Z. Daher wohl: HoUnnder-
7(0/" ScuBer. ; im Holländer ZMeil.; vgl. Holland-RAsli
BSchüpf. — 2. (auch H-e" f., H-li n.) Wiesensalbei,
salv. prat. Aa; Gr; GRh., We.; Syn. blaui Soldaten,
Amerikaner; vgl. auch Franzos 3 h. — 3. eine Art
blauer Erdäpfel; s. Bd I 380. — 4. Apfelsorte Th.
— 5. für Holland bestimmter, bes. grosser Baumstamm.
JVetteb 1864. — 6. eine Art aus Holland bezogener
Schnupftabak Uw; Z. — 7. s. Gutteren 1 (Sp. 532).
Zu 1 vgl. A'eapolitaner, Prüsa. Bed. 2 u. 3 übertr. Ton 1
durch Vergleichnng mit der blauen Uniform der holl. Söldner.
Zu 7 Tgl. die etwa dazu gesprochenen Worte: ,Ich bin der
kleine Mann Ton Amsterdam' usw.
holländisch. H. Gras = Landfarb-Gras Sp. 793
GRh. ,Für 2»/* Ell fyn h. Tuech 10 fl.' 1674, Zubers
Tagb.
Lolei(j)e°: fröhlich jauchzen; auch lärmend, aus-
gelassen lustig sein Aa; BO., M.; „LE." Wie das
g' jubiliert und g'holeiet het im Dörfli; do Tanz, dort
G'sang S (Hofst). Me" gehört i" der Wirtschaft gigle'
und h., juzge" und tanze", ebd. Nah-mene" Eiingli
g'höH er vom obere" Berg her huleien u"'' het streng
Bescheid ge" BM. (Schwzd.). Wenn mir jungt Bursch
nid öppe" just g'hideiget hei" z' Nacht. B Taschenb.
1881. ,Die Küher kamen gar stolz herab von den
Bergen, holeieten noch einmal so laut, tranken nur
lObatzigen Wein.' Gotth.
Von holen, wie gokien (Sp. 215) von golen; juheien (Sp. 854)
neben juhen; durch Entziehung des Tones wurde der Voc.
der ersten Silbe t. gekürzt, t. getrübt.
„holeiig: wild jauchzend; locker lebend LE."
hole" UI: jolen, jauchzen; jodeln Aa; L; G; Schw;
Uw; Zg; Z. Me" g'hört de" Nachtheuel lieber h. als
iviggle" ZO. Von Gespenstern: 's Hole" bi den U"-
ghürere". Ihr Buebe", wend er h. lehre"? Am Allri-
beste" lehre'd 's d' Geister, aw'' biichle" [hornblasen],
brögge" [brüllen], d' Red verchere"! Schw (Schwzd.).
Daher Höli m., Name eines Gespenstes, das man von
einer Höhe am Hallwilersee her holen hört, wenn
schlechtes Wetter droht (Rochh.). Vom lauten Zuruf
an Tiere und Menschen Uw; Zg. „De" Söue" h., den
Schweinen auf der Weide rufen, um sie in den Stall
zu treiben LE." Es sei nid z'weg, hat der Senn ufe"-
g'holt GRMai. (Schwzd.). Es tribt es Hirtli d' Herd
duruf, odl-di-o, und höhlet mit frohem Sinn odl-di-u!
Minnich. ,Das Auf- und Wegziehen von der Alp
geschiehet mit vielem Jauchzen und Holen.' XSchnid.
1781. — Vom Rufe hol (Sp. 857) wie Jöfoi von ja! hflen
von hi! Tgl. höpen und hohoeti Sp. 860.
1159
Hai, hei, hil. hol. hiil
1160
üs-hüle": das Ende (der Ernte) mit Jauchzen
anzeigen. So oft ein Erntefeld geschnitten ist, mus.s
es von sämmtlichen Schnittern üsg'liölet werden G; Z.
Ähnlich nach dem Abmähen einer Wiese, dem Ablesen
eines Weinberges ZS.
Hole- in s. Halm.
Holler s. Holder.
hollex! Lockruf der Schafhirten Ap.
Vgl. huH und hällex. A'iell. ist wie auch ia dem letztem
W. zu Tcrstehen ,leck es!' und reduciert sich der 1. Teil
unseres W. auf die Interj. ho.
hollezment s. holla.
Holli m. : ein derbes, sich gern herumtunimelndes
Mädchen von gutmütigem Charakter, eine Hummel.
En guete Holli ZZoll. Syu. Holk-ho Sp. 859, Bolli.
Abl.'g'-hollig, Adj.; Syn. g'-hockig. — Viell. zn vgl.
hullcm = rollen; s. Gr. WB.
llölibe! Schlittenruf GEag. S. hol! und höh unter
Mla-lio (Sp. 858).
holöps, Adv. u. präd. Adj.: 1. hüpfend, in Sprüngen
B oHa. ; munter, lustig; nach Herzenslust; ohne Mühe ;
rasch; völlig Aa; Ap; B; „VO;" G; Sch; Th; Z. Es
ist Alles h., es geht recht lustig zu Zg. 's Für brennt
h. Z. Si mäe"d scho' h., sie sind in voller Arbeit
(des Mähens) begriffen, ebd. ,Sie tanzten hallops auf
einem dunkeln Gang.' Stütz. Bas [eine Pamilienglied]
verchauft [heimlich] Frucht und Dises [Jenes] ver-
chauft Obs, und so göt 's i" s' Abe-ab, sicher, liolops.
ebd. Er het-en h. uf de' Bode g'worfe'. Sdlger.
D' Bire" sind h. rif. ebd. Er hed h. 2 Zentner treit
GRh.; Z. ,Da ganz Europa mit den Flammen des
Kriegs ist angsteckt, ja glychsam h. brünnt.' Anf. XVII.,
JJIrm. Öppadie h. d' Metti g'sunge'. Kornhofer 1679.
,Ieh sang und sprang h. während meiner Arbeit.'
TJBRiGG. ,üer junge Pfarrer fieng an, beim Gottes-
dienst h. zu singen.' ebd. — 2. „leicht berauscht; als
Subst. ra. : leichter Rausch L."
Syn. hojM (von hopjxn, hüpfen). Unser W. scheint eine
Art Verschmelzung aus hops mit der Interj. hoH(a). Das a
bei Stutz ist eine nicht seltene Trübung aus o vor Liquiden.
Vgl. noch: ,Die puren satztend sich dahin [auf den Trink-
platz] mit wyb und kind und w.mn unser pfaffen vesper
sungend, huobend sy gegenüber an zuo pleren und holoss
zuo singen, was sy vermochtend.' Vad.
Höll s. Hell
haupt-höli°ge° s. h.-höchlingen.
„Hoali: Liebkosung GoRh. Er hied-em H. g'macht.
LuK. 15, 20."
Zu Grunde zu liegen scheint Ali (Ali Ap) Bd I 3, mit
vorgeschlagenem *. Oa für ä auch in üfoa»« der selben
Quelle; sonst hat es in der betr. MA. durchweg den Wert
von e'i; da aber die Int«rj. äl wahrsch. nur eine Verdich-
tung aus «/ ist, so lässt sich St. 's Hoali auch so begreifen.
hoila = holla! W (Tschein.). — Aus lioi (Sp. 860)
Hui n. : Bett. /" d's H. ga", zu Bette gehen B (Zyro) ;
Syn. Hol, Hnli. — Die Länge des u wohl unorganisch.
hnll h.! Ruf an die Schafe, um sie vorwärts zu
treiben GbL.; GSa.; Syn. tscho! Vgl. hüll.
huleige" s. holeien.
Hulle" I f.: sanfte Eiusenkung, Vertiefung des
Bodens BR.; Syn. Tüllen. Vgl. Holen IL Als Flurn.
BLützelfl.
H u 1 1 i n. : (Dim. des Vor.) = Hol 1, aber auch (in
gemütlicher Sprache) = Bett B; Syn. Tuli. Mir wein
1" d's H., wir wollen zu Bette. ,Ihr Mann habe sich
an ihr Bett geschlichen, sie sei aber aus ihrem H.
herausgefahren und habe auf ihn losgedrescht.' B
Hink. Bote 1871. ,Er schlief in seinem Federnhuli.'
B Bauernkai. 1888. ,Sie habe ein warmes H.' Gotth.
— Beide zu ,hohl'.
Hnlle" n f. Bs, „Hulli m, Bs", Hülle" f. Gl;
Gr; „L;" GoT., Wa.; „ScHW;" Uw; „Zg", Hülli n.
BHa.: Hülle, Umhüllung. 1. Tuch, womit man Wickel-
kindern den Kopf wie mit einer Haube umwindet Bs;
BHa., Kindermütze, bisweilen mit zwei untern Ver-
längerungen, in welche die Ärmchen eingehüllt werden
Bs; dick wattierte Fallhaube für kleine Kinder Gl;
„L;" Uw; Zg; Syn. Bülen-Chappen. S. auch Fäsch I
Bd I 1097. In ä. Spr. Weiberhaube: ,Die kleidung
der töchter Zion: halsband und goller, armspangen
und hauben, Schleier und haften, hüllen und jüntli.'
1531/1707, Jesaj. ,Die hüllen, hauben, sunder der
weibern, vitta.' Mal. ,Wo ist das ehrlos weib? Ich
will ihr speuzen auf die hüllen!' ChrMdrer 1596.
,Grossmutter, gib mir du dei Kappe-Hülle [zur Co-
stüraierung].' 1743, L Spiel. — 2. Stuck Pelz, (Dach.s-)
Fell, den Zugtieren zwischen die Hörner auf die
Stirne gelegt, um Druck und Reibung des Stirnjoches
zu mildern Gr; G oT. — 3. grosses, ungeordnetes,
auch die Stirne bedeckendes Haar von Frauen und
Mädchen GSa., Wa. Meitli, we hast du au''' e Hülle",
gang-di"'' ge" sträle" [kämmen] GSa. Daher wohl Hülle-
Frau [Popanz?]. PosTH. 1869. — 4. „Blässe auf der
Stirne des Rindviehs (grösser als ein , Stern') Gr."
— 5. „wurstförmiges, z. B. mit Hanf ausgestopftes
Säckchen, dergleichen die Weiber auf jeder Hüfte be-
festigen, um ihre Röcke, die oberhalb zsgebunden
werden, über den Hüften anzuschliessen Schw; Zg."
Ahd. hulla (aus hulja), mhd. hülle, Kopftuch der Frauen.
Bed. 2 — 4 lassen sich leicht aus 1 ableiten, 5 aus 2.
„Heiden-Hüllen: = Örli i. S. v. Kuchen LE."
Vgl. Hulk 1; Heiden wohl =: Zigeuner. Das fahrende
Volk lebte bekanntlich oftmals in Saus und Braus; vgl.
Fecher-Kilchwih.
i"-hulle": einhüllen, einwickeln, z.B. mit einem
Mantel B (Zyro). — Vgl. ahd. huUan neben htdjan, hüllen.
„Ge-hüll n.: 1. trübes Ge wölke BSi. — 2. Spreu,
Hülle der Getreidekörner S." Kehricht überh. SG.
Zu ,hüllen' ; doch kommt auch Zsgehörigkeit mit Ge-hilw,
(Ge-)miw in Frage.
g(e) -hüllet: 1. ,mit einer hauben angetan, vit-
tatus.' Mal. — 2. zerzaust in Haaren und Kleidern
ScHwNuol. — Vgl. Huneit 1 und S.
Hu lere" s. Huwleren, hüle" s. hüwlen.
(üs-)liüle": (aus-) höhlen GrL.; SG. ly Herdwibli
hei' 's Öl i' g'hülte' Nüsse' mit-ne' 'brächt S (Schild).
Zum Voc. vgl. Hüli, sowie: ,Ein'° felsen hulen.' 1491,
G Mscr. ,Ein yngehulter Schlund.' ebd.
Huli (in ä. Spr. bisw. ohne Uml.) f.: Höhlung.
1. Hohlraum, Kubikinhalt eines Gemaches, Geschirrs
GrL. ,Der ein teil der bärmueter wirt genennt ein
hüle, gefäss, schoss oder ein geschirr.' Rüef 1554. —
2. Höhle, höhlenartige Wohnung B; S; Uw; W; „Art
Nest oder schlechte Hütte für Bettelgesindel B; L."
Fuchs, F., US der H. ! Spiel der Kinder = F. (chummj
IIGI
Hal-hnl. Ilalb-liulb
1102
us-em Loch! SG., s. Fuchs. Wenn z' Liechtmess d'
Sunne' schtnt, so viuess der Wolf (Bär) no''' 6 Wuche"
i' cV H. Schild. ,Die beiden ligent in den bülinen.'
HsScHüRPF 1497. ,Luff zu dem tor binuss in ein huli.'
ebd. ,Das locb der hüle.' 1531/48, Josua, neben ,das
hol.' ,Ein wyt und tiefe bule, die ein eingang bab.'
Kessl. ,In den hülen wonend die alfen.' Tierb. 156.3.
,In den bülinen der bergen.' ebd. ,Specus, cavum, ein
hüle oder kluft, tief loch.' Fris. ; Mal. ,Die murmel-
tierlin in iren hülinen oder löcheren.' LLav. 1582.
.Gleich als ein low aus seiner hüli.' 1587, Jerem.
,Aus Hülen stets vil Wind ausfar.' HRRebm. 16'20.
, Hülen und Gruben in Hauptwunden, darunder sich
Eiter und Unrat setzet.' Würz 1634. ,Quies, Hüllin
der Tieren.' Denzl. 1677 = ,Hölen.' 1716; ,Hule.' 1677;
1716. S. noch Gätteri Sp. 504. In Flurnn. Hüli LW.,
Hülle BLaupecsw. Ivi HülU-Stei" ZXS., Küti (,iuj
Hulistein.' 1503, ,in den hulenstein.' 1345, ,Hulstein.'
1217); vgl. auch ,Ruedy Hylstein.' c. 1450, ScnwTugg.
Hiüi-Bü, Hügel bei ZNeft., einst gallisches Eefugium.
— Mhd. huh. ahd. huli, Höhle.
Hülö'r m. (meist PI. H-e'): diejenigen Hunde der
Meute, die dem Leitbund (Sperzer) folgen und dem
Wild durch ihr Heulen Angst einflössen B (Jäger-
ausdruck). .Allen voran, wie bei der Jagd ein Sperzer
den Hülören.' Gotth. — Viell. aus frz. hurkur, Heuler.
Hüeli s. Hiien.
Halb, helb, hilb, holb, hulb.
S. auch die Reihen Halm usw., H„l„- usw.
Halb, in Gr auch Halb, in BO. ^Helb' - PL Halb
BG. — m.: Stiel an Äxten, Hacken, Spaten „Aa;" BG.,
Ha.; „VO.;" Gl; GrD., Pr., Eh. ; „S;" Ndw; W; „Z."
Mhd. halp (halbes), PI. helbe, Handhabe, Stiel ; eiijl. helve.
Das etyniolog. Verhältniss zu dem syn. Halm ist unklar;
Zugehörigkeit des obigen W. zu halb und Vwdtschaft mit
UalJ'ierm wahrsch. Vgl. auch den Z Geschlechtsn. .Holzhalb',
früher wechselnd mit ,-halni'.
lialb: 1. adj. a) alleinstehend. H, mi, 2 Mal so
viel GA. H. und h. 1) von 2 Stoffen gleich viel, von
jedem die Hälfte, zu gleichen Teilen Ap; Bs; B; L; Z,
z. B. von Katt'ee und Milch Z ; Malvasier und italieni-
schem Wein, eine Mischung, welche vormals bei Tän-
zen und anderen Lustbarkeiten beliebt war. H. ic. h.,
wie me' d' Hund schert ScnSt. (Sulger). H. u. h. vie
Erlisbach, ein Dorf bei Aarau, das durch den Bach
in 2 Hälften geteilt wird, die eine zu S gehörend,
katholisch, die andere zu Aa. reformiert; ebenso ge-
sagt von TnDiessenhofen und AAWürenlos. H. ii. h.
vird nie ganz. Iseichen. H. u. h., die Hälfte der
Hälfte U. — 2) beinahe. Es ist mir halb und halb,
er hei das gseit, ich glaube mich zu erinnern Z. — ,Die
mili [Mühle] in der A ist helbe leben von dem Ryche,
helbe von Habspurg.' c. 1321, Alpenp. ,Halbs alts und
halbs nüws undereinander.' 1489/90, Zellw. Urk. ,Te-
pidus homo, lauw, zag, forchtsam, lugg, halb auss,
halb inn, kalthans.' Fris. ; Mal. S. noch gär Sp. 396/7
und vgl. noch Halber. — b) mit Subst. a) attr., oft
in uneig. S. Von Menschen: En halber Narr, s. Giger
Sp. 151. ,Frustum pueri, ein halber, d. i. kleiner
Knab.' Denzl. 1677; 1716. Von Tieren: , Zugelaufen ein
h-er Hund.' Z Inserat = der nur noch den einen Stein
besitzt, nach anderer Angabe verschnittener übh. Zwo
Jucherte'^ wird Alles si' [mein ganzer Grundbesitz],
chüm [sc. genug] für ne halbi Cime B (Scbwzd.).
HaU)a'' Bock, eine Kuh, welche keinen reichlichen
Milchertrag liefert GRPr. (MKuoni). Ein Wohnhaus
,zu]n halben Löwen' an der Kappelergasse Z; vgl.
Isen-Grind Sp. 765. ,Diser Mann hat einen Baura-
garten, dass er eine halbe Kuh sürameren und win-
teren möchte.' Z Mand. 1648. ,Der Capuoinergeneral,
der in 6 Jahren alle Provinzen inuss visitieren, pflegt
ordinari auf einem halben Maulesel herum zu reiten.'
ClSchob. 1699. Von Sachen: mit Bez. auf Wohn-
räume, Häuser, Scheunen, Keltern, übh. Rechte, ge-
teilten Besitz bezeichnend. Es halbs Hüs, s. Hell
Sp. 1136. In Z unterscheidet man mit Bez. auf die
Grösse .halbe' und ,ganze' Weidlinge [Schüfe]. I)e'
h. Tag, diesen Nachmittag B (Zyro). Wann dürfe"-
mer im halbe' Tag [zwischen den Mahlzeiten] über
d' Tischdrucke [-Truhe, wo das Brod verwahrt ist]?
fragen die Kinder. Gotth. !''• bi' mi''' halbe' Weg
g'roue', beinahe reuig geworden B (Zyro). In adv.
Gebrauch auch zsges. und dann ohne Flexion: Halb-
wegs, auf der Hälfte des Weges Bs. P* bi' h. um-
kert B. .Halbes Lehen', Pachtgut. dessen Pächter den
halben Ertrag als Zins abliefern muss. ,Ir halbes
leben, das an Mülihalden gelegen ist, giltet iärlich
unserm gottshus halben wyn.' 1356, Z Urk.; s. hiezu
u. Ibß; 2b; 3aY; Halben; ver-halben; Halber; Hai-
bing; Halb-Vich Bd I 649; Halb-Meb; ferner Ztschr.
f. Schwz. R. IV b 83; Heusler, Instit. 2, 172. 174. ,Es
soll niemand debeinen halben odermesserspiess tragen.'
1493, S Eatsverordn. , [Gericht] in welchem der h. teil
[zur Hälfte] weltlich, der ander teil geistlich richter
verordnet werdend.' Zwingli. ,Ir [Sara und Agar]
müessend von einandren und halben teil [die Eine
von euch] yetz wanderen.' Harerer 156'2. ,Du bist
so lyden [schrecklich] trag, als wann du schliefest
halben weg.' Holzwart 1571. ,Mein Gut, so vil 's den
halben Teil inög bringen.' GGotth. 1619. .Wann aber
auch Kinder von einem Geschwüsterte erfunden wur-
den, es wäre von einer halben Seite oder von beiden.'
Gr VDorf. 1692. ,Ein halbes Schiff und ein Spitz-
weidlig [bezahlen halb so viel Zoll als ein ,grosses'].'
1754, B. Vgl. noch die Zss. Halb-Gemeinder, -Herr,
-Batzen, -3Iäss und den Geschlcchtsn. , Halbeisen'.
XVI., Z. Zuweilen kann oder muss die Verbindung
von ,h.' mit dem folgenden Subst. umgesetzt werden
in: die Hälfte, mit Gen. des letzteren. I" der halbe'
Zu Z. Halbszit, um die Hälfte der Zeit Gl. Die
halbe' Cldnd verstund [verstehen] de' Lerer Nüt Gl; Z.
Me' chann a'n halben Orten niid zueeho" BBe. ,Er
[ein Gefangener] hatt syne kleider zerhouwen, an ein-
andren gebunden und sich oben usgelassen; und do
er kam zue halben turn [in die Mitte des Turmes],
brachen die kleider.' 1476, Bs Chr. ,Man wümraet wol
halb im augstmonat [in der Mitte].' Bossn.-Goldschm.
— ß) präd., z. T. mit erstarrter Flexion und scheinbar
adverbial. Halbe lä [du musst es mir zur Hälfte
lassen]! ruft Einer, der einen Andern bei einem glück-
lichen Funde trifft und Anteil daran begehrt Sch.
Vgl. ums Halbe Sp. 513. De'- fernrig Wi' ist no'''
halbe" do. Schweizerbote 1819. ,Er gelt jm denn vor-
hin den wanthowe [s. Wand-Hauw] halben.' Scn Stdtb.
.Verbrannten die vorstatt lialber.' 1406, Wegelin 1844.
,Das fass ist noch nit halber Üs.' Ruef 1540. ,So gat
1163
alb, helb, hilb, liolb, hulb
lUU
der tag weg me denn halben.' Aal 15^9. .Partiarius,
etwas mit eini halb, oder an halben habende, mit-
genoss, gemeinder.' Fris.; Mal. ,Das Brot wohl und
recht bachen und nicht halber Teig lassen.' Bs Mand.
1712. — c) mit Zahlen, a) vor Grundzahlen, meist
bei Angaben der TagesEeit. Halbi Ei"s, h. Vieri usw. ;
am Halbi; es ist erst Halhi, mit einer hinzugedachten
Stundenzahl, allg. Auch halber ZF.f; jetzt nur affek-
tiert, fremdländisch. Wil er öppe', 'we""-tne'-ne' g' fraget
hat: Ruedi, well Zit isch-es, g'antwortet hat: Halber
neun, wie 's d' Prüsse' im Bruch händ, so hät-men-em
g'seit: de"" Halber Z (Biedermann). ,Um die halbi vieri.
am abind.' 1500, Z Anz. ,Umb halber neune.' Zellw.
Urk. ,Auf den Abend umb die halbe drei.' JJNüsch.
1608. ,Um halber 3 Uhr.' 1755, Z. — ß) nach Ord-
nungszahlen. 1) mit ,halb' im gewöhnlichen Sinn.
Ander(t)halb, das Zweite halb, l'/a, z.B. anderhalbe
Zentner; anderhalbi Mass; anderhalbs Pfund, allg.
Anderthalbs und Anderthalbs, ztcä und drü tind Dritt-
hdlbs, wie vil ist das? Püp. Scherzh. A. taub, sehr
zornig AaL. ; A.-hübsch [nicht sehr h.], Spottn. SRech.
Zum dritthalbe Mal! letztes Äusgebot bei Steigerungen
vor dem Zuschlage Aa (Schwzd. III 7). A. Sind's nüd
800 Ouldi" g'sl"? B. Nünthalbs. Stütz. ,Der meier
und der hirt sollend ze obent den propst mit drüzehnt-
halben mann ze ross geritten verköstigen.' BsBub.
Oflfn. ,Die beschnittenen marzell [Münze] einen für
vierthalben Schilling, die halben mailänder dicken
Pfennig einen für achtendhalben Schilling.' 1504, Absch.
,Uf dritthalben tag.' Zwingli. ,Sammt einer dritthalb-
viertligen Hanfpündten.' Z Kaufbr. 1606. ,Dass dise
Kilch haben solle dritthalben Pfaffen, wölliches also
zu verstau, dass zu oder neben dem Pfarrherren noch
ein anderer Priester, Helfer oder Caplan, sammt einem
Schulmeister da syn und erhalten werden sollen.'
1613, L Eatserkenntn. ,Tusis hat bi vierthalbhundert
Personen [Einwohner].' 1614, Ardüser. ,Anderhalb-
mässig Kanten.' 1659, SchwE. Klosterarch. ,Vor mehr
als vierzehendhalbhundert Jahren.' JMüll. 1665. —
2) ,halb' i. S. v. selb- bei Angabe der Zahl von Mit-
gliedern einer Gesellschaft. Halbander, -dritt ScnSchl.,
z' halbriert, -zwölft ScnSt. Joder Hans klagt, wie er
,halb zwölft in engem Gemach liegen müsse.' 1672,
EsTERM., Neud. — 2. adverbial, a) alleinstehend, meist
in erstarrten Casusformen, doch auch ohne End. Vgl.
1 b ß. Es ist nüd halb eso g'förli''' Z. Es ist do nid
halbs Erist! GBl'r. (Schwzd.). , Halbe"': Eine" h. us-
halte", zu gleichen Teilen mit Jmd Unkosten tragen
ScHW. Nw h. traue" Z. H. uf-em Sprung, im Begriff,
Etwas zu tun. ebd. Ich dürste nümme h. so. Stütz.
Es schüdret mi''> h. JKMey. 1844. ,Halber': Springt
uf, a's wenn er wott h. vertlaufe". Allem. 1843. I ha 's
h. im Sinn g'hä Aa. Friisch dra — ist h. g'sptmne"
AAZein. Herzhaft gwogt und nit lang b'sicnne*, isch
jo, satt me, h. gwunne'. Raüracia 1862. Er het Freud
g'ha' h. a' dem Wunder, h. a* si'^r chindische' P'bildig.
BWyss. ,[Das Spotten] was inen nu vergangen halber.'
Spruch von Dornach. ,So der lyb h. tod ist.' Zwingli.
,H. hast mich überredt.' Rüef 1550. ,Also dass man sy
mit einem kolben h. ze tod schlahen muoss.' Tierb. 1563.
,H. blind.' Fischb. 1563. .Krank, ja h. todt.' JELandenb.
1608. ,Wo man schon halbers gfangen sei.' Gotth. —
b) mit der Präp. ,zu (ze)'. Vgl. 3 a y. Z' halb B; Z,
z'halbe" Aa; Schw; z'halbem Aa; B, zur Hälfte, um die
H. ; „z'halb mi'', ein Mal so viel." ,Ich traue der Sache
nicht z'h.!' JSenn. ,Man war nicht nur z' halb bas
[um die Hälfte besser daran], sondern noch einmal so
wohl.' Gotth. ,Z'H-em reicher.' Gotth. Aber in bes. S.:
D' Sach z' H-em arbeite" = so. dass die Hälfte des Er-
trags dem Arbeiter zufällt B (Zyro). — 3. subst. a) ntr.
a) ohne Art. Bas ist weder H-s na [noch] Ganzes Z.
— ß) meist mit unbest. Art. E H-s, eine halbe Mass
eines Getränkes, allg. Dimin. (in traulichem Ton):
Halbseli, Hälbsli; vgl. 3 b. ,Ein Schoppen Wein oder
ein Halbs Most.' Sch Pilger 1850. Mit eme" alte Halbs
Most. Th Volkszeitg. p'' will i [Geld] zuo-me Halbe
g'e", wenn-er mer das errotid. Merz 1836. ,Wie war 's,
wir tätend hie ynkeren; ich zalen ein Halbs.' Esther
1601. ,Wyl in der Gruob die Mess vorgät, sitzend
dann etlich Gesellen underzwüschent ins Wirtshus,
neramend ein Halbs und sitzend dann bei einandere,
bis die Predig auch us ist' 1613, Au Synodalakten.
Da hast dine fünf Angster für das Halbs Win. Göldi
1712 (T.). — t) mit best. Art. 's H, die Hälfte von
irgend einem Ding; vgl. 2 b. 's H. ist mängmol hesser
als 's Ganz. Sülger. D's ('s) H-e [um die Hälfte]
z' tür B; S. Es brächt d's H-e me B. Es feit nüd
's H, nid um 's H. (so sind-mer fertig; so hast Recht;
so isch-es lang g'nueg udgl.), die Sache ist ziemlich
richtig, doch oft iron. = es fehlt noch ziemlich viel!
Z (daneben auch : um 's H.). Es felt-em nüd 's H., es
geht ihm gut. ebd. Mi'' Frau ist scho" uf em Halbe, in
der Hälfte der Schwangerschaft. Wolf, Bauerngespr.
,Ich will gern mit dir im Halben bezahlen [die Be-
zahlung zur Hälfte teilen].' HPest. 1783. Von der
sog. Halbpacht (auch etwa als Msc). ,Wenn ein Gottes-
hausmann nur 1 Haupt Vieh hinterlässt und auch
dieses ihm nur zum H-en gestellt ist.' 1523, Absch.
IV 1 a 298. ,Was ein Lehenherr für Recht habe zu
des verüffalleten Lehenmanns h-em Wyn, wann er
[der Letztere] um 's H. bauen [hat].' 1569/1675, ZKyh.
Grafsch.-R. § 153 (s. d.). ,Kein Hindersäss soll weder
umb Zins noch umb den H-en Vech nemen.' 1607, U.
,Hieneben aber wollend wir den zimlichen und ge-
wohnten Bruch, da man einanderen das Vych in H-em
gibt und zuostellt, nit gemeint noch verbotten haben.'
B Eeformationssatz. 1628. Vgl. Gott Sp. 513; hestän,
und s. 0. 1 b a. — b) fem., meist mit unbest. Art.
1) eine halbe Mass, Flasche, bes. von Wein Bs; BS.;
Gl; S; Uw; U; Z. Manneli, Fraueli Hochzit ha".
Chumm, mer wei [wir wollen] es Schöppeli ha"! Schöp-
peli ha" isch nani [noch nicht] g'nue", es mues wo'*
es halbs Hälbeli zue B. — 2) eine halbe Juchart SL.
Die unter 1 b a vorkommenden losen Verbindungen mit
Substt. sind z. T. etw. verschieden von den entsprechenden
Zss., z. T. aber mit den Letztern ziemlich gleichbed. — Die
flektierten Formen unter 1 b ß sind nicht nur erstarrte, son-
dern in Folge davon auch verschobene Casus und nehmen
eben darum auch den Schein von adverbialem Gebranch an,
wie sie denn auch da, wo dieser wirklich stattfindet (s. 2),
noch reichlicher auftreten. .Halber' erscheint auch bei den
Angaben der Tageszeit (1 c a) und wird dort ebenso, d.h.
aus adverbial erstarrtem Nom. Sg. m., zu erklären sein.
Das in der lebenden Sprache vorkommende halbi vor Grund-
zahlen wird urspr. Neutr. PI. sein (-i aus mhd. -iu, -e);
Tgl. acht Bd I 82. Der u. 1 c ß 1 angeführte Gantruf stammt
aus einer Gegend, in welcher die Zss. mit den Ordnungs-
zahlen sonst nicht üblich ist und darum ,dritth.' falsch ge-
deutet wird als , dritt und h.' Wirklich lässt der Weibel
zw, .dritt' und .halb' eine Pause eintreten, nnd wenn er sich
veranlasst sieht, den Kuf nochmals aufzunehmen, lautet er:
.Zum 1., zum andern, zum 3., zum 3. — zum dritth-e Mol!'
11G5
HaUt, helb, liilb. holb, luilb
1160
was zu dieser Auffassung stimmt. Der seltsame Gebrauch
von halb- für selb- vor Ordnungszahlen (1 c ß 2) erklärt sich
Tiell. z. T. aus der lautlichen Ähnlichkeit der beiden WW.,
bes. bei undeutlicher Ausspr., welche durch die Unbetontheit
befördert wird. Schwierig scheint die Entscheidung, welche
Fälle zu 2 b und welche zu 3 zu stellen seien, da die ver-
stümmelte Präp. (z') wenigstens in B MA. lautlich sich deckt
mit dem sächlichen Art. Bei 3 a ß ist bemerkenswert die
Verbindung des best. Art. mit der starken Flexion ,das
Halbs' (1712), welche jedoch nur beweist, wie fest geworden
der subst. Gebrauch mit nnbest. Art. in jener Bed. schon
seit älterer Zeit sein musste.
un-halb, nur in den EA.\.: 1. z' u'halhe' clio",
in Wortwechsel, Streit mit einander geraten, sich ent-
zweien; auch von entgegengesetzten Winden, die auf
einander stossen W; Sjn. 2' hinder für cho*, sich zer-
uerfen. — 2. z' unhalbe' gä", zu Grunde gehen, ver-
derben BR. Wa [wo] l'en Ornig ist, geit Mängs z' u.
Beide RAA. scheinen von der Anschauung auszugehen,
dass Teilung eines Besitzes zu Hälften ein friedliches, freund-
liches A'erhältniss, gütliche Verständigung der betr. Personen
voraussetzt oder verrät, wie denn auch die nnter lialb 3 b
am Ende angeführten Formeln mit ze halben einen vertrags-
mässigen Zustand bedeuten. Da Teilung zu Hälften ein .ge-
rades' Verhältniss bedeutet, so ist auch der bildl. Gebrauch
von ,ungrad' i. S. v. ,uneinig' zu vergleichen. Doch Hesse
sich auch annehmen, dass ,z' h. kommen' an und für sich
schon die angegebene Bed. habe (vgl. ,sich ent-zweien', in
2 Parteien aus einander fallen), und dass das Präf. von Aus-
drücken wie ,un-eins' hergenommen und zur Verdeutlichung
des negat. Begriffs tautologisch vorgesetzt worden sei.
Halb f.: Seite, Richtung; Beziehung; Ursache;
nur als adv. erstarrter Casus andern Wörtern nach-
gesetzt oder mehr und weniger lose mit ihnen zsgefügt,
in den Formen -halb, halben, -halber. 1. rein räum-
lich (selten zeitlich): von, nach, auf der betr. Seite,
Kichtung, z. B. rechtshalber 'em Weg, auf der rechten
Seite des Weges S. Dorfshalbe", nach der Seite des
Borfes hin L. Gege' dem Hüs halbe", gegen das Haus
hiu; gege' mir h. Ndw. ,Das fleusst gegen morgen,
Assyrien halb.' Z Bib. 1531/60; = ,auf A. zu.' 1667.
,Die 2 nächsten dörfer Rheins halben.' Wurstisen.
,Die Steinbrecher der Strassen und Wege halber [an
der Seite, längs] bis an die Landstrass.' 1770, GRh.
Hieher vielleicht auch der Geschlechtsn. ,Felzhalb',
wenn Felz- aus Feldfejs zu erklären ist. — 2. über-
gehend in freiere Anwendung auf Personen, persön-
liche Eigenschaften und Verhältnisse, a) „Vater-,
Mueter-h., von Seite des V., der M." ,Jetz habent
dank, unser kilchere! der unser halb ist gewesen und
uns so wol hat gredet.' XIV., Alem. II 32. ,Menglichs
halb unverhindert.' XV., Bs Chr. ,Wir sind guoter
hoft'nung zuo Gott, den krieg bald ze enden, ob Gott
will unserthalb mit glück.' 1531. Strickl. ,Georg von
Fronsperg, ritter, welcher sich by den buren stellet,
als wer er irenthalb.' Kessl. ,Mercurius: Ade, Herr
Hans, ich fahr dahin. Archisacerdos: Bitt, wöllent
all Zeit mynthalb syn.' Com. SBeäti. ,TJmb den scha-
den, so sy jetwederthalb von der stössen wegen hant
gehebet, da soll schade gen schaden abi und hin
gestrichen syn.' 1376, L Urk. — b) Altershalbe' [dem
A. nach] chönnt er no'^ lang lebe' B; GF., G.; Z. Si
ist cheus-halber na [noch] e Jumpfer, Wittfrau, noch
ledigen Standes, doch nicht keusch ZGlattf (spöttisch).
Er ist ch.-h. na ledig, Wittlig, von einem alten Jung-
gesellen oder einem Wittwer. ebd. , Lebens halben
sind wir nicht besser als sie.' JMüll. 1665. ,Satan
ist syner natur halb ein geist.' LLav. 1569 = ,8. N.
nach.' 1670. .Geschlechtshalben ein N.' Schimpfr. 1651.
,Schaden(s) h. (sein, lassen)', im Schaden, Nachteil.
GoTTH. ; s. noch be-grasen Sp. 798. ,Sy gewinnen die
statt nicmerme sturms halben [mit St.].' 1474, Bs Chr.
Mit Gen. eines Inf. A"luege's-h. [von Aussehen] ist
er g'sund GF. Chlagens-h. sin, zu klagen haben B.
jrh j,-. igttgts halb, rogo te majorem in modum.' Id. B.
.Desshalb die unsern wychens halb worden [zu wei-
chen anfiengon].' 1531, Strickl. — 3. in Betreff von...,
mit Rücksicht auf... a) meist von Sachen. Wenn 's
Wetters -halb z' machen ist, wenn das W. es erlaubt
B (Zyro). ,Ein copye der geschrift halb.' 1474, Bs
Chr. ,Nüwer mär halb füeg ich noch zu wissen.'
1475, ebd. ,Also sind weder hüser oder nützit ge-
schediget, weder holzhalb oder sust.' 1475, ebd. ,lch
Ion üch wissen neuwerleis halb, dass der kunig . . .'
1532, GScuERER 1859. Dessethalb(e") Z. ,Ich hab rats
gefragt dessethalb.' JRLandenb. 1608. ,Will desset-
halb kein Kommer han.' G Gotthart 1619. ,Der-
halben [in dieser Hinsicht] hast du vollen Gwalt zu
tun und z' handien, wie 's dir g'fallt.' ebd. , Ansehend
das Pflanzen des Holzes. Dessthalben ist beobachtet
worden, dass . . .' B Forstordn. 1725. — b) seltener
von Personen. ,Herre Romulus halb.' 1477, Bs Chr.
,Zu disem Rechten wurden auch der Eidgnossen lialb
und in aller Namen gesatzt . . .' Schilling. — 4. aus
Ursache, zum Zweck von, wegen. Bete'sthalbe" gast
nid s' Chil''''e', aber luege'sthalber L (Ineichen). F''
macht nW wundershalben rmal ine', um meine Neu-
gierde zu befriedigen Z. ,Die Fischmercht besucht
wundershalber.' RCys. „Er darf crethalbe" nit änderst''
UwE.; Z. Schande"- GG., Sa.; ScnSt,; UwE.; Zg; Z,
schandes- LHabsb., schands- Z, -Imlli <i< 1., Sa. ; ScnSt. ; Z,
-halbe' Z, -thalbe' UwE., -halber (J(_i.; Zg; Z, -thalber
LHabsb., um Schande zu vermeiden (Etw. tun), also
oft ziemlich gleich eren-h. Er häd seh. müesen Öppis
ge', um nicht für einen Knauser gehalten zu werden Z.
!'>• drn-f'^ ^rh. schier qnr vi'id fsiiric Z. Vcrsiirchahalhc'.
ver.snrli,«ri,r y.>[.]t.' .T^inlnilh' ,lrr l.nln, \,in. Mall-rl
ant;ui-lirlir„ \',-r...nru. in Knniui-l.ni- rin,,^ l'H..,.-,-n|
hat nuiu mich bcrufcu' U (Z.\n.). l'' g'Iwrc tunhtilb
d'r Lüten o zue dem grosse Tschuppe B (Schwzd.). ,Sy
zugen durch die owen, darin sy gestüdshalb [wegen
des Gestäudes] nicht mochten schowen.' Schradin 1500.
,Es gieng grosser kosten uf die stadt kriegshalben.'
1514/85, Bs Chr. ,So personen lybshalb [leiblicher
Gebrechen wegen] nit für gericht kommen möchtent.'
1556, LKriens Anitsr. .Alter oder krankheit halb irs
lybs.' 1476, Bs Chr. ,Fridens halb.' 1476, ebd. ,Die-
wj'l aber der menschlich lyb erstirbt, da muess er
nothalben widerum ersten.' XVI., G Hdschr. ,Aus
welchem nothalben folgen muess.' TuFrikart. ,Die-
wyl dann die liebe ein notwendig stuck ist, deren sich
alle die nothalben flyssen müessend, die da Christen
syn wollend.' 1555, RGualth. ,Dass Alle bekennen
mussten, dass er nothalben vom Geist Gottes musste
regiert werden.' FWvss 1650. ,Unmuosshalben', wegen
Mangel an llusse, Zeit. ARtpf. S. noch Gefrist Bd I
1335. — Von Personen : vünfcjt- B; GSa.; ScnSt.; Z,
mis-t-h. Gl. ,Du kannst lucincflKilbon machen, was
du willst.' Gotth. JSliiiiihnlU rh.i-'.tt ga', wo-t-witt,
ich hindere dich nicht /.. N/ //'(./.■• Kingsthalh lang
bös g'hä", der Kinder wo;,'i-n. (Innn. .l^aniit unwill.
1167
Hall), hell. hilb. holb, hulb
1168
die uns nwerenhalb, als unsein brucclern und herz-
fründen, ganz missfallen, gemitten wurden.' Ansh.
Das hier zu Grunde liegeude Snbst. war ursiir. wohl mir
das subst. gebrauchte Fem. des Adj. i. S. v. ,die Hälfte eines
zweiseitigen Körpers', ist aber nun freilich in Form und
Bed. verschieden von dem subst. Ualhi als Hohlmass von
Flüssigkeiten (halb 3 b) und von Nalbu. Die adv. Form
-hiilber (neben -halb und -halb/:') ist hieher übertragen von
der gleichlautenden erstarrten Adv.-Fi)vm des Adj. — Der
Unterschied zwischen den oben vi i i,. li-w. i-. angesetzten
Bedd. (1:2, 2:3, 3 : 4) ist s.-lm ■, mid durch
leichte Übergänge vermittelt. — In : i .i : i, \ irbindung
cheug-halber setzt der 1. Teil gewulii.ii.iiti l,.iutiegcl gemäss
ein W. Chü bzw. Chün voraus, welche aber nicht vorhanden
sind. So wagen wir die von lautlicher Seite noch einzig
statthafte Vermutung, das W. (spr. chüü) sei zunächst nach
dem in Fromm. Ztschr. VII 18 f. 365 entwickelten Gesetze
aus 'chönns hervorgegangen, dies aber eine durch scherzhafte
Kede viell. entschuldbare Synkope des Inf. chönne's. Der
ganze Ausdruck würde also bedeuten : ,der Möglichkeit nach'.
obc-halb: Adv. und Präp. mit Dat. Obehalb-evi
Bäum Ndw. Auch obed-, ohert-h., auf der obern Seite
Ap. ,Obrent-.' 1417, Absch. ,Obert-.' Eüegek 1606.
alle°t-. Schmiere' tmd Salbe' hilft a., in allen
Fällen, bei allen Gelegenheiten (Sprw.). Sonst nicht
recht volkstümlich; dafür zentumme (s. Bd I 316).
Übergehend in den Begriff der Verallgemeinerung
übh.: ,Allenthalb nützit.' 1476, Ochsenb. 190. .Nimm
die Purgation yn im ersten Donstag im nüwen Mon;
dann zu der Zyt öffnet sich des Menschen Lyb allend-
halben.' c. 1650, ZElgg. Arzneib.
ene''t-, in Ap enert-, in Gl; GrD. en-: jenseits,
Adv. und Präp. mit Dat., z. B. enhalb de' Berge' GrD.
Enncrt-, einerseits, in der V'erbindung: e. G'schuii-
slerig, Halb-, Stiefgeschwister Ap; „Gl" ; Syn. andert-h.
,Acher, stosset enhalb an burggraben.' LWill. Jahrzeitb.
.Enhalb der Brücke.' 1363, Aa Urk. ,An der Rüs end-
halh Oberlunkhofen.' 1398, ebd. ,Ginhalp.' 1381, Gpo.
Ges. ,EnderthaIb des wassers.' 1336/1446, Z Chr.
.Enthalb Eyns.' Lenz 1499. ,Jenenthalb dem Brünig.'
1522, Strickl. .Enthalb dem Rhyn.' ValTschüdi 158.3.
.Transmittcre literas papyrus dicitur, durchfliessen,
dass man die buechstaben ennerthalb sieht' Fris.;
Mal. , Enthalb von Jerusalem.' Eckl. 1575 = ,jenseit.'
1736. ,Ennethalb des Arlibergs.' 1599, Ardüser. ,Ihent-
halb dem Genfersee.' RCts. .Änethalb dem Fahre.'
XVn., Lied.
S. enent Bd I 266. Als Flurn. : ,Enhalber Wald' Gl
Bettschw. Die Angabe von T. 253 a: ennerihalb = einer-
seits, 168: ^ jenseits, soll viell. nur die Verbindung mit
GencMeüsterig erklären, wo das Adv. i. S. v. .von der andern
Seite' (z. B. von Seite des Vaters) natürlich auch den cor-
relativen Begr. ,von der einen (z. B. von Seite der Mutter)'
einschliesst und je nach dem Gesichtspunkt mit diesem ver-
tauscht werden kann. Vgl. ein-h. und ander-h.
ein-: Adv. 1. von der einen Seite. Einthälb va'
Natcrs, andersUs va' Goms W. ,Von des Dorfes wegen
Urswyl einhalp, und dien geistlichen lüten des huses
ze Honrein anderhalp.' 1347, Gfd. ,Ein juchert reben
stossent oinhalb an der Augustiner guot, anderhalb
an N. N.'s guot.' 1377, ZZoll. Von Verhältnissen der
Blutsverwdtschaft: Einthälb, von Seite der Mutter.
im Gegs. zu andersits, v. S. des Vaters W. ,Küng
Heinrichs brueder einenhalb [Stiefbruder].' Vad. So-
dann adj. flektiert: „Einhalbe Geschuisterte, welche
nicht den selben Vater haben Gr." Syn. einbändig.
Vgl. encnt-h. .So sich begäbe, dass ein Person den
Vater oder die Mutter hinderliesse und einhalbe Ge-
schwüstcrte. so sollend die einhalben Geschwnsterte
neben Vater oder Mutter zugelassen werden [zum
Erben].' GRVDörf. 1692. — 2. jenseits GrD.
Zu 2 : das Zahlwort .ein' kann, zunächst im Gegs. zu
.ander', dann auch alleinstehend, die Bed. .jener' annehmen
(Bd I 270). daher schon mhd. einer = .jener'.
inne"- U, innert- Ap: inwendig; Syn. innen-für.
ander-: l. = enet-h., jenseits Sch (St.''). .Uffen
einer bürg, diu da lyt anderthalp dem Rync.' 1296,
Eglis. Urk. — 2. Anderhalb -Gschtoüsterig, Halbge-
schwister Apü.; Syn. ennert-, ein-h.
und er- ändert-: unten Ap.
Ant-: entgegengesetzte Seite, gegenüber liegendes
Ende eines Ackers Aa oEnd.. häufiger als das syn.
Änt-Haupt.
usser- U, ossert- Ap: 1. (rein räumlich) ausserhalb;
auswendig; auswärts. ,So sich die Sachen bhouptet
haben usserhalb [anderswo].' Zwixgli. ,Man soll
usserthalb disem zyt [dieser zeitlichen Welt] niemen
für einen fürbitter anrüefen weder den einigen Chri-
stum.' ebd. .Das stübli ward mit starken schlossern
ussernhalb verwart.' 1534, ÄgTschüdi. .Die künst bass
zimmend in ein statt, dann ussthalb, da man 's niener-
für hat.' EüEF 1550. .Ausserthalb der Stadt.' Mem.
Tig. 1742. — 2. übergehend in die abstraktere Bed.
von über eine rechtliche Grenze hinausgehend, sie
überschreitend. .Herdfällig machen usserhalb der tro-
stung [nachdem .Tröstung' versprochen, also darüber
hinaus gehend, entgegen dem Versprechen]' verschuldet
dreifache Busse. 1533, Absch. .Da Karl IV. vil ausser-
halb gwalts verkauft und versatzt.' Vad. — 3. aus-
genommen, mit Ausnahme von . . . (mit Gen. u. Dat.).
.Usserhalb dess.' 1524. Absch. Der Abt kauft die
Güter .ausserhalb der mannschaft [mit Ausnahme des
Mannschaftsrechtes].' Vad. .Ausserthalb ihm werde
Niemand kein Leid beschehen.' JJBreit. 1611. .Usser-
halb den vorbehaltenen Personen.' Z Mand. 1628.
.Usserhalb der Begrebnus.' 1643. Absch. V 2. 1606.
.Ausserhalb was hie oben erläutert steht' ebd. .Usser-
halb den Frömbden.' Z Mand. 1650.
fön-, .pfön(t)-': südwärts. XVL, Gr Urk. Vgl.
bisen-h., wind-h.
vor-: l.Präp. mit Dat. auf der Vorderseite von... Z.
.Vorh. der Schlattalpen Runs.' 1571. Steinm. 1802. —
2. Adv.. vorn. .Der Eid, wie solcher vorthalb folio 22
verschriben.' 1739. Schw LB.
vorder- voder-: auf der Vorderseite Ap.
vorne"-: weiter vorn, mit Dat. Vornethalb 'em
Baum Ndw.
hie-: diesseits, herwärts Gl; Gegs. en-h.
hönna-, hender-: auf der hintern Seite Ap. Hen-
der-h. dem Hüs.
litze»-. litzi-: auf der Schattenseite Gk. Server
litzi-h., auf der Nordseite d. Davoser Sees ; vgl. sunnen-h.
neben(t)-: daneben. 1. räumlich. .Den Wyn ab-
gelassen in das Fass nebenthalb.' ZZoll. 1712 Herbst-
rodel. Syn. neben-zue, -für. .Im Land und nebenthalb
[in der Umgegend] zu lehren und zu predigen.' 1711.
ilRoHNER. — 2. abstr.: sonst, im Übrigen. , [Niemand
wollte Etwas entgegnen] wiewol sy sust nebenthalb
heftig Christum lästrend.' Zwingli.
nid-: unterhalb. .Aller der Herrschalten nithalb
dem Wallensee gelegen,' Informatio 1713.
Halb, helb, liilb, holb. hulb
iiords-: auf der Nordseite Ap.
beider-, Udcr(t)-: 1. Adv., auf beiden Seiten
AAFri.; Ap; Bs (-e'); h. .BcdenthalpS in beiden Fällen.
Boner. ,Beiderthalben hin, an beide ort, utroque.' Mal.
— 2. Adj. .Etliche blieben neutral, d. i., wie wir zu
reden pflegen, beiderthalbe.' Wukstisen. — 3. Subst.
m. (-Halb kkVxi.; ,Z", -Halbe' Bi), auf beiden Seiten
herunterhangender Sack, Zwerchsack; Syn. Räfzen-
Sack. Jedem hangt e Bederthalben a". Hebel. Solche
Säcke, mit einer Schlitzötfnung in der Mitte, werden
noch von hausierenden Sanienhändlern getragen BsLd.
Nach Spreng wurde das W. auch in ,Peters-h.' um-
gedeutet.
Zu 2 vgl. nhd. .Achselträgcr' und mhd. bedenihalbaere,
qui favet utrisque, metecus. Bei ,Peters-h.' wurde wohl an
Gallensammlung im Namen oder zu Gunsten des h. Stuhles
gedacht. Vgl. den heutigen ,Petcrspfenuig'.
berg(s)-: 1. (Adj.?) ansteigend, steil GlMoII. Es
ist b. Syn. gäch, haldig, a'läg, stotzig. — 2. (Adv.)
auf oder nach der Seite des Berges S C-erJ; Z (-e'J.
.Bergshalb', bei der Angabe der Lage von Weinbergen
am Bieler- und Neuenburgersee in Urkunden vom
XV./XVIU. (neben bisen-, sonnen- u. winds-h., s. dd.).
bise°:: auf der Nordseite S. ,Bisehenthalb.' 1543,
Gr oVatz Urk. S. noch winds-h.
obsich-halbe": aufwärts, nach oben Ndw.
side(r)t-halb: seither Ndw.
Sunne"-: 1. Subst. (?), „Sonnenseite", die der
Sonne zugekehrte Seite des Tales GT. — 2. Adv.,
südwärts Ap fsonnat-J; BSi.; Gl; ZO. fsunnet-J; in den
B Städten althergebrachte und officielle Bezeichnung
der Lage der Häuser auf der Nordseite der Gasse
(e parte solis); Gcgs. schatten-h. ,Sunnenhalb nebent
dien güetern inher unz zu underst abher.' 1483, Obw.
,Die Nachbarschaft Sewer sonnenhalb (Sonnenseite
des Sees).' GrD. LB. Vgl. litzi-h. ,Was sonnenhalb
ligt.' ECys.
sits-: auf der Seite Ap.
schatte"-: auf der Schattenseite, nordwärts Ap;
GT.; U fschatt-); W; ZO. Schatten-h. und sunnen-h.,
allenthalben GT. Name einer Alp am UFaulensee.
Bildl. : .Bauerntiiohter von Schattenhalb', von geringer
Herkunft. Gotth. ,I»ass die von Luzern unser gottshus
ze Lunkhofen teeken sond sehattenhalb und die under-
tanen sunnenthalb.' AALunkh. Hofr.
dis-: diesseits. „D. vom Wald." ,[Es wird ver-
pfändet ein Weingarten] lyt hiedishalb Wibchingen.'
1313, ZWipk. Urk. .Dishalb (hie diserthalb) des
Rheins.' 1543, Absch. ,Das Paradies liege hiedishalb
lands. aber gehöre doch denen von Constanz.' 1548,
ebd. .Disserthalb der Töss.' ZWthur Stadtb. ,Har-
disshalb Eyns.' Kessl. ,2 Schlösser, eins hiedissert,
das ander enthalb der Eraraen gelegen.' KCys. ,Hie-
disshalb Rhyns.' ROeger 1606; Gegs.: ,ennet Ehyns.'
winds-: von oder auf der Windseite, womit aber
je nach der Lage des Ortes und dem Zshang des
Wortlautes ein bestimmter Wind. resp. eine bestimmte
Himmelsgegend, im Gegs. zu andern, gemeint ist. Vgl.
fön-, bery-h. ,Die stossend windesh. an den alten
graben und bysenhalb an N. N.-s boumgarten.' 1437.
Geschfo. Ges. .Bysenhalb: windesh.' Mobr. Reg. U
268. 278 (Fraubrunnen). .Was bysenhalb diser niarch
ist, gehört dem Bischof von Bs und denen von B,
was aber windsh. ist, gehört zue Neuenburg.' 1535,
Schweiz. Idiottkon II.
Absou. .Bysenh. gegen Murten, w. gegen WifFlisburg.'
1584, ebd. IV 2, 827 a; s. noch ebd. VH 1, 1252, 890.
895. ,Der Grabenbach, welcher windshalben in dem
löbl. Stand Soloturn entspringt.' 1755. B (Grenzbest.
zw. B u. S).
Halbe f.: das Eechtsverhältniss eines .Halbers';
vgl. halb 3 a f. ,An synen reben. sy sygen syn oder
er hab sy um zins oder in halben.' 1426. BTwann,
Rebenweist. .So einem huren halbvech zuegestellt
wird und der verkauft's, darnach kommt der. so das
vech zu halben gestellt hat. und spricht das vech an.'
1551, Z Ratsverordn. — Doch s. auch hon 2 b.
um-halben: umgeben, umringen, einschliessen.
, Damit man nicht, während die Feinde den Vorteil
gewönnen, durch schlafende unsorg umbhalbet und
übervorteilt werde.' 1531, Absoh. ,Dass der estand
mit vil sorgen und pflichten beladen und umhalbet
sei.' Vad. ,So ferr man die ding mit steifen Satzungen
nit bewart und unihalbete.' ebd. ,Als der zeug [das
Heer] des keisers umhalbet und also unversechenlich
an vil orten einsraals überfallen ward.' ebd.
Spät mhd. in derselben Bed., eig. von einer oder meh-
reren Seiten (,Halbe') umfassen.
a^ -halpe" : (sich Etw.) aneignen BLenk. — Eig.
Etw. auf seine Seite ziehen.
ver-: (Vieh) mietweise unter gewissen Bedin-
gungen bei einem Andern einstellen. S. halb 1 b a.
,Der baur auf dem hof ze Rüti, welcher sein vieh
verhalbet.' 1553, Z Staatsarch. ,Halb-vech-recht. Och-
sen zu V. ist das recht, doch das dinget recht bricht
landrecht.' XV., Z (Ztschr. f. Schweiz. R. IV b 83).
,Wo das vich verhalbet [ist], so soll er halb us des
besitzers und halb us dessen, so das vich gestellt
hat. bezalt werden.' 1600. L.
mit-: Teil nehmen. 1530. Ap Urk. - Eig. wühl
einen halben Teil beziehen.
Halber m.: Halbbauer, ein Pächter, Miets- oder
Lehenmann, der ein Gut. ein Grundstück um den
halben Ertrag bearbeitet. S. halb 1 b a. Syn. Ge-
meinder. .Ist. dass der halber syn halbun uf will
geben, die soll der herre, des die roban sint, nit uf-
nemen, e im der h. git von ieglicher jucherte ein
pfunt.' 1304, Z RBr. ,Dass der h. von der halbe ge-
scheiden werde nach gelimpfe.' ebd. ,Swa ein burger
einen h. hat ze synen reben, den soll er nit ver-
tryben, unz [so lange als] er die reben mit eren hat'
ebd. ,Gehaltet ein burger einen h., der von synem
herren ane tegeding [Übereinkunft] gefarn ist. der ist
angülte dem burger von der juchart eins pfundes und
ze besserene synen schaden.' ebd. .Och han ich den
wyngarten verlüwen ze rechter halbe nach der ge-
wonheit. die die burger Zürich mit ir h. hant.' 1315.
ZZoll. Urk. - Vgl. frz.
medietas (nfrz. moi'fiVl, Hall
Halberli. in U i7-V-
brot. welcher Jas luilb^
ringere Hausbrut den 4. '1
laibes hat. 1 Pfd „Schw
nedktari
.iiaxjer aus lat.
3 des Ertrages.
n. : 1. kleinerer Laib Weiss-
oder mit Bez. auf das ge-
■il des Gewichtes des Nonnal-
Zg;" U, l'/s ScHwMa.; Z,
IV* aScnw. Viertelpfündiger Weck, eigens gebacken
ZLunn., im Gewichte zstreffend mit dem, was anderswo
halbs Halberli heisst. Vgl. Viertelt, Miigciii, Stuck.
Magst es H. (Brüdli, so und so viele MHgerli) g'esse'?
= m. es Fogezenbrötli trägen? s. Fochcnzcn Bd I 653.
,Dass im Fischental und Wald das Brod zuwider
1171'
Halb, helb, hilb, holb, hulb
MGnHH. Ordnungen beim Pfund und nicht an Fo-
gezer-Broden und Kälbernen (Hälberlen. 1728) ver-
kauft werde.' 1727, Z Staatsarch. Auch, mit Bez. auf
die Grösse: ein Brotkuchen (Wäje), zu dem so viel
Teig verwendet wird Z. — 2. Kuhname Ap.
Nün-e-Hälberli n.: ältere Münze im Wert von
y'/a Schilling (12 Kreuzer), auch Blchs-drei-Sätzler
Gl (Gl Gem. S. 477).
Nicht vom vorhergehenden W., soadern von dem Zahl-
ausdruck N'ün-em-hallier [sc. Schilling] mit angehängter Dim.-
End., weil die Münze klein.
Par-: ein Laib Brot von 2 Pfd, dem grössten
üblichen Brotgewicht U. - Pnr-H. bezeichnet also eig.
zwei H. .ineinander gebacken.
Wiss-flaaeHi; Weissbrod, durch einen Längs-
schnitt in 2 gleiche Hälften abgeteilt Schw. Syn.
Mügerli.
halbere": 1. eine halbe Stunde anzeigen (schla-
gen), von der Uhr Bs; vgl. viertlen. — 2. halbieren Bs.
halbers s. halb 2.
Halb et m. I» H. mähe", das Gras nur zur Hälfte,
nicht dicht am Boden hin mähen STierst. Vgl. rasieren.
Balhet, gleichs. halb vollzogene Tätigkeit, gehört zu den
von Dial. S. 214 ff. aufgezählten Bildungen, von denen viele
sich auf landwirtschaftliche Arbeiten beziehen.
Halbetsc he f.: eine halb weisse und halb
schwarze Ziege GRPani. Syn. Pfäwen, Halbwissi;
vgl. Griffe.
Halbi n. : der eine der beiden auf den Seiten des
Saumsattels befestigten Zuber, bzw. die darin ent-
haltene Butter, wie solche vom Pferde aus der Alp
herunter gebracht wird GLÜbst.
Dieses Neutr., von dem gleichlautenden, unter hulb 3 b
augeführten Fem. verschieden, scheint eine Dim. -Bildung von
dem subst. Neutr. Halb(s) 3 a zu sein.
halbig, Adj.: halb, nur in Verbindung mit , Teil',
c. 1600, BThun Handfeste; B Eeformationssatz. 1628;
Schloss EuED 1726. — Die Bildung erklärt sich daraus,
dass -iij übh. ein sehr beliebtes Suff. ist.
e i n - = einhalb, von Geschwistern Sch.
Halbi°g f.: das unter halb 1ha usw. erklärte
Mietverhältniss. ,Die Beisassen sollen weder um H.
noch um Lehen Güeter nehmen mögen.' 1696, U. ,Die
AUraenthanfgärten sollen nicht um Zins, H. oder auf
andere Weis den Beisassen gegeben werden.' 1697, ebd.
Se-Halbner: Witzw. auf Wein, mit der Meinung,
er bestehe zur Hälfte aus Seewasser Z.
Entstellt aus Se-Haldner, Wein von der ,Seehalde', einem
renoraniierten Weinberg ZMeilen.
h ä 1 b e r 1 e " : mit Halbkreuzerstücken spielen,
indem man der Reihe nach nach einem Stück Ziegel
wirft. Der Nächste am Ziel fasst die sämmtlichen
geworfenen Geldstucke zusammen, schleudert sie in
die Höhe und darf diejenigen, welche mit dem Schild
nach oben auf die Erde zu liegen kommen, behalten.
Der zweitbeste Schütze tut das Gleiche mit dem Reste
usf. Bleibt immer noch Etw. übrig, so legt man das-
selbe für den nächsten Gang unter den Stein TaSteckb.
Syn. schiUlen.
Hälbling, He^- m.: 1. die Hälfte irgend eines
Dinges BSi.; New; Z, z. B. eines Apfels, eines ent-
zweigeschnittenen Käselaibes BO., insbes. a) einer
jungen Tanne, der Länge nach durchsägtes Rundholz
Aa; Bs; B (auch Heibig. St.''); Schw; UwE.; Zg; Z.
In BE. zum Bau von Speichern „ins Gwett". ,Der
Spycher ist gewöhnlich aus sogenannten Helbligen ge-
baut' GoTTH. Zur Erstellung des Bodens in Schweine-
ställen B. In BO. zum Belegen von Wegen (Hälbli'g-,
Prügel-Weg), in ZW. zum Brennen. Dicker, unge-
hobelter Bergladen. Nvdegger 1885. ,3 Stück Spalte
und 3 St. Helblig.' Z Geriehtsakten 1872. S. noch
Helbe. ,Umb holz, helbling. tilen, tüchel.' 1454/5, Bs
(Schönberg). ,Der Landvogt soll die Sehlosstenne mit
Steinen beschiessen [pflastern] und mit Helbligen
darüber belegen.' 1731, Absch. Vgl. Sehindel-K. —
b) „eines Doppelhauses oder Heubodens; z. B. er
wohnt im äussern H. BO." In BHk. ist auch eine
jBäuert' (Weiler) in vorder und hinder H. geschieden.
— c) eines Pfennigs, Heller. .Die Lamparter sullent
unsern burgern lychen 5 ß wuchentlich umb 1 h.'
1409, Z. .Und gat 50 helbling uf 1 lot.' 1421, Absch.
,Gang heim gen Strassburg holen nur für ein h. brot.'
UEcKST., Lied über Murners Cal. In den Absch. von
1560 wird der H. unter den Münzen aufgezählt, welche
jedem Ort zu schlagen überlassen sind. ,Dolchlin,
Margretli und Metzer sollen zu 7 alten Angster oder
7 H. gelten.' 1566, Absch. ,Semiobulus, ein dritteil
mer dann drei h., zwen Costenzer pfenning.' Fris.
,Von 2 pfunden fleisch ein h. zu ungelt.' Wdrstisen.
5. noch Glimpf Sp. 626 und Basler-E. — 2. ein
Wassermass an ßrunnenleitungen , 1 H. = 3 Mass
(3 ,Linsen') per Minute Bs. ,Die h. Regierung hat
uns 2 Helbling Wasser aus der städtischen Wasser-
leitung abgetreten.' — 3. Riemen um den Kopf eines
Pferdes GrD., L. — 4. halb erwachsene Schnecke
Ndw. — 5. Spottn. für einen halb unreifen, untüch-
tigen Menschen Ap; BR.; dazu: ume hälblingen, planlos
herumschlendern BR. Grad dere' Hälblig het nie'
g'manglet, as [die] 's Mül verzert hend, ond bleret.
Merz 1836. ,H.' nannten sie einen Knaben, weil seine
Mutter katholiscb war. Wolf, Rel. Gespr. ,Gott will
in seinem Reich keine Hälblinge haben, sonder von
ganzem Herzen geliebet werden.' JJUlr. 1727. —
6. Geschlechtsn. GRapp.; ,Johans Helbeling.' Bs 1868.
— 7. s. Halm.
Mhd. helb(e)line in Bed. 1 c. Auch Bed. 2 wird wohl
urspr. die Hälfte eines grössern Masses gewesen sein. Aof
Halbvieh und Viehverstellungsvertrag bezieht sich die ZRüml.
Offn. : ,Wer halbling hat, da soll einer zue dem andern stSg
und wog haben, das ziehend vech und die melchkUejen zne
StJohanns tag im sommer und StMartis tag, und wenn einer
teilen will, soll dann einer jm des teils gestatten und jm
den teil abniJmen': vgl. Schaub., Beitr. 3, 430. 4, 143/5.
Basler-: Münze, s. H. 1 c, Etsch-Yierer Bd I 924.
Schindel-. ,Der Lehenmann soll alle Jahr 60
Schindelhälbling zu den Tächeren rüsten.' 1617,
ScHwE. Klosterarch. Zu H. 1 a.
Hälbsli Ap; Sch; UwE.; Z, Ealbseli ApSchön.
— n.: = Halbi ('s. halb 3 a). Ab eme H. het Eine"-
schu [schon] ordeli Öl am Huet, ist schon halb be-
trunken GSa.
hälhsle": halbe „Massen" Wein trinken, gern
trinken Ap; L; „Sch"; vgL schöpplen.
Helbe" m.: = Halbling 1 a, bes. von dünnern
Stämmen, gew. geringer geschätzt als die Spalte
zwangen. Keini Helbe sunder Spülte gänd e Schiter-
big. Vgl. noch Prügel, Knebel, Bengel, Bügel (-Holz).
Helbe», Helber s. Helw-.
Halch-hulch. Hald-huld.
Halch, helch, hilch, holch, hulch.
S. auch die Reihe //..«■ nsw.
helclie" AAZeiii.; Bs; S(Joach.); übw, helko" B;
FS.; SG., „helge" (in 2. Aufl. helgge») B; LE.\
-d- AAZein.; BStdt: 1. a) mit Worten necken, hän-
seln, foppen, reizen BsBirs.; BE., M., ü.; ,LE.;" S;
Oiiw. Syn. ölen, schänzlen, stichlen. 's Gritli ist nege'
sim Elidel Buebe' hie und da g'helU vorde". Schild.
,So oft man sie sieht, muss man lachen und verspürt
Lust, sie zu helken oder zum Besten zu halten.' Gotth.
Chönnt-er-enand nit aW* rüehig lö' und müesst-er
enander eister helclie", Fratiezüg, as d'r sit! Joacb.
1881. Heike' mit Eim, Streit anfangen FS. Auch
mit Bez. auf Hunde: necken, reizen BStdt. — b) Vieh
jagen, ermüden BsTerw. Syn. jäiiken. — c) auch
recipr. (von Hunden): sich halgen um eine Beute. Es
Halbdotze" Hund. helclie' enand drum [um FutterJ.
JoACH. 1883. — 2. plagen, von körperlichen Schmer-
zen oder Anstrengungen. I''' man nilmme" so wcrche',
d' Gsüchti [Gliederschmerzen] helclie' mi''' vo" Tag s'
Tag me. Joach. 1883. Es het-mi"' g'lielkt, die Arbeit
ist mir schwer geworden B (Zyro). ,Ir send nit also
ton und üch selbs also heichen.' Ziely 1521. Auch
von Seelenqualen: ,Wie wasser von der höchi fallt
und Schlacht den, so sich drunder halt, also wirt myn
seel g'helkt und g'schlagen.' HvRI'te, Ged. — 3. einen
Lässigen zur Pflicht oder Arbeit antreiben Bs; SG. ;
Syn. heien, jäuken. Mit Bitten anhalten Bs. Einen
zu einem Geständniss nötigen. Me' het-ne' g'helkt,
bis er Alles bikennt liet B oAa. — 4. verwunden und
zwar insbes. ritzen, z.B. von Dornen, Nadeln, Nägeln
AAZein. ,Wer den andern schlät oder stösst oder
wundet oder helcht.' 1460, L. ,Nieman soll ein wue-
cherswyn helehen, schlan oder stossen.' ebd.
Gr. WB. IV 2, 974 hat, wahrsch. veranKisst durch St.'s
Schreibung hdrjen und durch Malers Angaben ,he)lgen, fati-
gare ; sich selbs mit sinnen h., secum agitare', unser W. mit
.helligen' zsgefasst, mit welchem denn auch Bed. 1 — :i sich
wohl vereinigen Hessen und mit welchem jedenfalls ein Zshang
besteht. Eine Schwierigkeit liegt aber weniger in der körper-
lichen Bed. 4 (welche am Ende dies Mal aus der geistigen
abgeleitet werden könnte), vielmehr in der LanttViriii. di^ren
härtere Gutturalen sich aus einfachem g nicht .illrirni la-s,.]],
da schon das Nebeneinanderstehen von „yv" i« i, /, '!./i nw\ /
in so nahe vwdten MAA. auffallend und fast nitsflliaft ist.
Es muss also, wenn ,helligen' zu Grunde liegt (was doch
anzunehmen sein wird), irgend ein störender Einfluss dazu
gekommen sein.
er-helkc°: refl., sich ereifern Bs.
ver-: zum Bösen reizen. Er [der Teufel] hig's
Vit zwegbracht, d' Lüt z' v. BSi. (Schwzd.).
Hald, held, hild, hold, huld.
ab-liald: geneigt, schief stehend oder liegend.
,Das Wasser hätte können mit einem abhalden Lädlin
abgeführt werden.' 1708, Z Staatsarch.
Vgl. ahd. (aim-, m-, «/-, fram-, zuo-)liold, proclivis,
pronus. S. anch hold, Huld.
hald-achtig, -echt, -ocht: „etwas steil, ab-
schüssig" ; Syn. haldig, liäldig. ,Trames clivosus,
haldachtiger und stotziger weg.' Fris.; Mal. ,Ein
gipfel. so hindenab gäch, vornenher aber etwas haid-
ächt ist.' VoGELB. 15.57. ,.\n einem haldechten ort.'
WüRSTisEN 1580; dafür: ,haldichten.' 1765. ,Die Stras-
sen und Päss, so von Natur ruch, haldechtig, eng und
schwer zu wandeln warend.' JJRüeger 160G. ,Diser
Berg ist zu beiden Seiten nach den Flüssen haldachtig
oder ablähn und gegen dem Fluss ist die Halden ziem-
lich gäch.' JHAmm. 1630.
Halde» f. Aa; Ap; BE.; Gl; Gr tw.; Sch; S; Th;
Nnwtw.; Ztw., SbZcZe Aa Z ein.; Bs; S tw., Halte"
AaF.; Ap (Merz 1836); BO.; Gr tw.; Ltw.; Schw;
UwE.; U; W; Zf, HauW BE.: 1. Abdachung, Abhang
eines Hügels, Berges, Berglehne, allg. Vgl. Flueh,
Bord, Rain, Stalden, G' steig. Stutz; ferner HalClJen.
E stotzige Halte" Gr. D' H-n uf goä 's streng, ist
das Steigen mühsam. Es god d' H-n ab; auch bildl.,
es geht den Krebsgang, bes. von den ökonomischen
Verhältnissen; Synn. s. bei Gass; vgl. Fei-, Not-H.
,Von demselben hältlin an.' AASpreit. Offn. ,An der
halden, da man ufhin gat gen altishofen.' LWill.
Jahrzeitb. ,[Der Holzweg] durch die ybergs halten
abher.' 1524, Schw LB. ,Vergo, devexitas, ein halden.
stotz, gähe.' Fris.; Mal. ,Dass der herd an der gäben
h. davon was gerisen.' ThPlatt. 1572. Spec. a) ma-
gerer Heubezirk am Talabhang W (It Imoborst.). —
b) steile Abdachung des Seegrundes, Stelle, wo der-
selbe anfängt steil abzufallen, über mannstief wird.
Boden-, ZSee. Vgl. Triechter. Er ist bim Bade' a"
d' H. use' cho' und vertrunke'. ,Au der H.' 1776, Z
Ges. S. auch Klus-Garn Sp. 421, Land-Garn Sp. 422
und H.-Eain. — 2. Flur- und Ortsn., sehr häufig.
,Halden' Ap; Bs; B; F; L; G; Sch; Th; Z, ,Halten'
Ap; B; F; Gl; L; G; Schw; S; U; Z. Ein wort-
brüchiger Mensch wird mit dem Wortspiel geneckt:
Halten llt i' der [Gemeinde] Grueb Ap. ,Wis in der
halten.' 1321, U Gefällerod. ,Die bachtalen, die man
nemmt die halten.' 1430, L (Gfd). ,Auf der halten
zu Dallenwyl.' 1509, Gpd. Als Dim.: Haldeli B; Gl,
Häldeli Ap; Z, Halteli SchwMuo., Haltli B; Gl; LHorw
1660, ,im Kleinhaltli.' LBer., Hältli ZLangn., Hälteli
BGt. Als erster T. von Comp, scheint das W. den
harten Laut zu bevorzugen: Halten-Guet, -Hiibel B.
-Wald Gl, Haltberg Z (= ,Haldiberg.' 1158); daneben
, Halden-Hof' Z ; dagegen den weichen als zweiter T.
der Zss.: ,Ort-' U, ,Vaschgis-' ZHöngg Urb., ,Froh-'
ZBül., ,Fritschis-' ZEorb. 1406, ,Ger-' Th, ,Glenk-'
ZBirm., .Hunger-' L; Zg (,-Hältli'), ,Hirz-' ZDättl.,
.Hosen-.' 1653, j^AWett. Klosterarch., ,Leim-' ZEssl.,
,Mülli-' Z, ,Bü-' Z (vgl. ,Bu-Egg'), ,B61-' GT. (davon
der Familienn. ,Bol-Halder'), ,Bann-' ZBül., , Bärbel-'
ZEafz, El'- ZRheinau, ,Reppen-' S, ,Ris-' Aa, ,-Sonn-'
Aa; B, .Schalmen-.- 1433, ScnRüdl., ,Schur-, Schür-'
Th, ,Schos-' B, ,Schletz-' L, ,Schlur-' TnWeinf.,
,Schneit-.' 1433, ScHRüdl., ,Steg-' B, ,Tüfels-' GT.,
,Dorf-' B, ,Dorn-' B, ,Wye-.' 1426, L (Liebenau),
,Wolf-' Ap, ,Wallis-' ZBass., ,Wasser-Halden.' 1619,
ZNiederglatt. Vgl. noch Z Ortsnn. S. 56/7. Doch:
,Ve-.' 1500, ScHwTugg., ,Bär-' Schw, .Bissen-.' 1450,
ScHwTugg., , Boten-.' LWill. Jahrzeitb., ,Rainss-Halten.'
1450, ebd. ,Binzenhaltun.' 1259, GWurmsb. Hieher
die Familienn. : ,Halder, Halter (in L; Uw schon seit
dem XIV.), Anderhalten, bzw. -Halden, Haldimann,
Abderhalden, Stud-Halder (auch -Halter)'. 0 statt«:
.Holden' ZoWalchw., ,Holden-Weid' BsHöllst.; SHä-
gend. Eine Nbf. auf i (die aber tw. vielleicht eine
1175
Hald, held, hild, hold, huld
1176
Dim.-Bildung ist) zeigen Haldi TuEgn., Haiti B; L;
ScHW, Haldi-Mös BAarw., ,-Berg.' 1158, ZWald, und
auf diese geht der G Geschlechtsn. Ealtiner zurück
(.Marici H.' 1523, GKries., im Jahr 1532 ,Moriz Halter'
genannt; vgl. ,Pünter' zu ,Puntiner').
Mhd. halde, Bergabhang. Auffallen mag der harte Dental
in LiquidalTerbindung, der sich ahd. in unserer Gruppe nur
spärlich findet. Ygl. noch: ,De haitun.' XII./XIII., SchwE.
ürh., ,An haitun!' XIV., LBeroni. Urb., ,Halten.' 1419, Gfd;
SchwTugg. Jahrzeitb.; 1462, LStiftsarch.; XVI./XVII., Schw
Kaufbriefe. Wahrsch. ist der harte Dental zunächst im Vb.
lialdm durch Analogieeinfluss von hellen (wo er grammatisch
gerechtfertigt ist) eingetreten und hat sich dann zunächst
bes. in denjenigen MAA., welche ohnedies Yorliebe für den
harten Cons. zeigen (vgl. Anm. zu Fud I, Heid II) über die
ganze Gruppe hald- verbreitet. S. Weinh., al. Gr. § 171;
Braune, ahd. Gr. 73. 128. 232/3: Paul-Braune, Beiträge VI.
VII. In appellativer Bed. ist jetzt die weichere Form mehr
verbreitet und steht an vielen Orten der an Flurnn. haftenden
härtern Ausspr. gegenüber. — Im Vogelb. 1557, 188, b sind
unter H. angelehnte Schirmdächer zu verstehen: ,Man machet
[zur Züchtung von Pfauen] ein hohe mauer nmb einen acker
und machet an drei selten schöpf oder halden.'
Ab-Halde°: Abhang. ,Ein läge a.' ÄgTschüdi.
— A»- = Halde 1 BBe. Sanfte Anhöhe, Stelle, wo
der Abhang beginnt Z; vgl. anhaldig.
Fei-: fingierter Ortsn., in der EA.: Si" Sach lit
(er het si"' SachJ a" der F., von Einem, der in seiner
Ökonomie zurückkommt ScnSt.; Sprww. 1869.
Vgl. Nni-H., Schm-Gass Sp. 452, Gun-erharvi und ifa/<foi.
S. auch ,Fchlhalde' bei Gr. V/B.
G'hör-: Kopf (eig. ,Haarhalde') GrD., nur in
einem Kätsel bei B. I 394.
Jämer-: Person, die immer zum Jammern geneigt
ist AiZein.; vgl. J.-Gret, -Hütten, -Kräzen. - Per-
sonifikation des Sachbegriffs.
N6t-: l. = Fel-H. Z. A" der N. si», im Elend
sein, sich nicht zu helfen wissen. ,Mit der einen
Hand kletterest du gleichsam an der N-en und klagst,
Gott hab dich verlassen, mit der andern aber haltest
du dich steif an dem Himmel.' JMüll. 1666. ,An der
N. hangen, serumnas pati, ponderosis molestiis premi.'
Mey., Hort. 1692. ,Gott lasst seine Kinder oft lang-
wiriges Elend an derN. hangende ausstehen.' AKungl.
1704. Das (die SachJ llt (ist) nid a" der N., ist nicht
dringlich, hat noch gute Weile Z. — 2. Flurn. B; L.
,Not-Hald(en).' XV., LWill. Jahrzeitb.
Zu 1 vgl. N.-Kno2,f, -Nagel. Zu 2 vgl. den Flurn.
,Rüwen-Tal', jetzt Rutel Z.
Burg-: Hügel, bzw. Abhang, auf dem ehemals
eine Burg gestanden Ap; B (auch geschrieben ,Burk-
halden'); G; Z. ,Auf beiden Seiten des Tals der
Aare erheben sich viele B-en.' Müller, Schw.-G., mit
der Bemerkung: ,Provinzialwort.' ,Burghaldenhubel',
Schlossruine BHilt., ,am Burkhalter' B. ,üie B.-halten.'
L 1602. ,Der burghalder ist ein guet trank.' RSchmid
1579. — Beb-: mit Beben bepflanzter Bergabhang
Ap; vgl. Seb-Gehäld und den Flurn. Wln-H. Z. —
Roll-, Schutt-: mit Geröll bedeckter Abhang L. —
Se-: Abhang gegen den See; Flurn. B (,S.-Halten');
Tn; Z. ,Ze HorgSn an sehaltun.' 1279, Stiftsurb. ,An
sehalden.' 1346, ZMeilen (Stiftsurb.). — Summer-:
nach Süden gewendeter .Abhang Aa; Z; Syn. Sunnen-
Halbe, -Site. ,Das Tal wird zu beiden Syten mit den
Winter- und Summer-Halden beschlossen; an der S.
sind Eebberg.' JJRüeger 1606. Flurn. Aa (1653, Wett.
Klosterarch.) ; Bs ; Z. Vgl. S.-Matten. — S u n n ( e ° ) - :
= Summer-H., Flurn. Aa; Ar; B; L; G; Th. ,Hans
sunnhalder.' LWill. Jahrzeitb. — Schatte"-: nach
Norden geneigter Abhang Gl. — Spil-: Flurn. ZGrün.
Vgl. Spil-Hof. — Winter-: nach Norden geneigter
Abhang BSi. (-Halten); Th; Z; Syn. W.-, Schatten-
Siten. Häufiger Flurn., z.B. Aa;B; Z. ,An W.- Haitun.'
1279, Z Stiftsurb. ,W.-halten.' XTV., L Propsteirod. ;
1450, ScHwTugg. Vgl. die Flurnn. ,W.-Holz, -Matt,
-Ried'.
halde" (in GrD. auch haldene'), holde", hal-
te"!: sich neigen, abschüssig sein, von Berggeländen ;
sich abwärts oder auf die Seite neigen, schief stehen,
z. B. von Gebäuden, Bäumen, Wagen- oder Schlitten-
ladungen, auch, doch mehr scherzw., von Menschen,
allg. Syn. holen, hienen, chieren. De'' Baum haldet
obsi''; nidsi'''. Die Miire' haltet innCwärtsi''' [ein-
wärts] ScHwMuo. D' Schäse" [Wagen] haldet uf d'
Site" und fallt mit sammt de' Lüte' an'n Bode' BsL.
(Schwzd.). Alles ufrecht, bis a" Das, wo haldet, wort-
spielende Antw. auf die Frage: Wie stät's? Z. S. noch
Trink-Gelt Sp. 272. Bildl. auch von einem zweideu-
tigen, unlautern, schwankenden Charakter Ap; L.
H. wie 's Honeri (Hohenrain) G'richt L. ,Do man
am stalden ufhin gan will, heisst zum haldenden weg.'
AABrerag. Stadtr.; vgl. auch AAWeist., S. 55. ,Der
boum habe in die strass gehaldet, dermassen, wenn
einer mit einem höwkarren die strass faren wollt,
muesste er fast von ym han, damit und er den boum
nit ruorte.' XV., ZStaatsarch. ,Die gass ist eng und
haldet obsich.' HsSchürpf 1497. ,Nutare, h., sich
senken. Impendere, überein(hin)-h. oder -hangen; so
einem etwas ob dem haupt hanget, glych als ob es
fallen wolle. Devexus, nidsich haldende, das abhin
hanget oder nidsich gat. Vitis acclinata terrae, die
Weinreben haldet oder hängt sich gegen der örden.
Proelinatus, zum fall gericht, gehaldet. Declivitas,
haldung, stotz, gäbe.' Fris.; Mal.; s. noch gnappen
Sp. 667 und bud;en. Das Kreuz rausste bei der Kreu-
zigung ,rügglingen hindersich h.' XVI., L üstersp.
.Gegen Mittnacht er [der Berg Zion] haldet gar.'
HsRRebm. 1620. ,Als der Fuhrmann ein Lachen ab-
g'fahren uf ein Syten, dass es ein wenig gehaldet.'
ScBiMPFR. 1652. ,Solothurn haltete starch auf luthe-
rische Seiten.' ZurGilgen 1656. ,H., neigen, vergere
deorsum, declinare.' Red. 1662. ,Du haltest zu sehr
vor dich gegen die Grub, nimis propendes contra
scrobiculum.' ebd. ,Das Haus mag oben bei dreien
Schuhen über das Fundament hinaus gehaldet haben.'
1755, Z. ,Hinauf bis an den Schwirren [Pfahl], da
das Kreuz an ist, ein wenig haldend, ansonsten wohl
beschaffen.' 1769, Absch. Auch etwa refl.: ,Das gar
lang wäret bis schier uf die vesperzyt, dass sich die
sunn fast haldet und denen von B under ougen schein.'
Etterlin 1507.
ab-halte": schief stehen U; \g\. ab-hald.
um ha-: mühsam herumschwanken, sich hin-
schleppen W.
a"-: = halden, bes. als Ptc. a"haldend, ansteigend,
steil, abschüssig BHa. ; Gr. Gegs. ebenhaft. — Vgl.
ahd. aiiahaldeH, incumbere.
z'sämme"-: sich gegen einander neigen Schw.
D' Höchene' [Berghohen] tuend do z. Schwzd.
1177
Hald.
.■Id, hiUl, liol.l, liiiUl
1178
„sclilegel-haltcnd: von der vvagrechten Linie
abweichend, z. B. vom obcrn, nicht gleichförmig hohen
Kand von Geschirren; von Menschen mit gebücktem
Gang B; S."
Woseutlich = schleii-hal (s. d.), mit Anlehnung an Schkgel,
Keule, walirsch. im Gedanken spec. an einen Holzschlegel,
dessen Stiel, wenn mau das hammerartige Ende auf den
Boden stellt, meist stark auf die Seite neigt.
Halderli n.: abgehauenes WaLlb;inmfhpn T,V.
— Halderne, nur als PI. Haldern i : I. „aDii .li,kc
Baumäste BO." — 2. junge, etwa arni^^lirk,- Srli".,e,
wie sie aus noch im Boden steckenden Bucheubtuckon
aufschiessen BUnterseen.
Das W. scheint zu Holder zu gehören, vorausgesetzt, dass
Dieses eig. Busch, Staude, huschiger Ast bedeute; vgl. HolderU,
junge Buche. Dabei hätte Anlehnung an halden Statt ge-
funden, indem bes. junge Triebe aus Wurzelstöcken oft schief
stehen; vgl. auch Klilb-, Rag- Ast. MUsteri gibt zu Haldemi I
die auffallige Form Haldenöri.
Haldi m.: wer den Kopf auf die Seite neigt Aa.
— Vgl. Htadi, Hthi von holden.
(g')haldig, haltig: geneigt, schief, abgedacht,
abschüssig Ar; G; Z. Syn. ah- fällig, -hald, -häld,
gäch, an-hälig, häldig, schlämm, schleiter, stotsig. ,Ein
haltige weisstannen auf der bachruns.' 1545/60, Schw
Landmarchbr.
ab- = dem Vorigen Ap; VO; Gr; G; Z; vgl. «fe-
hald, -häld (ig). ,Abhaldige, stufenweise von dem
Gotthard sich zeuhende Lande.' JJSchedchz. 170ö.
,Eine Gelegenheit [Gegend], so etwas a. seie.' JCNäg.
1738. ,üie Gletscher stehen nur an a-en Orten.' 1753,
BSi. S. noch Mutten-Holz.
a"-: = dem Vorigen Gk; Uw; U. Es a'haltigs
Gltd, eine steile Wiese U. S. noch grull Sp. 730.
vor-: nach vorn abgedacht. ,[üer Reisende] soll
[um seine Eeise zu fördern] nicht über höhere Hügel
wandern, welche Denen, so bergauf nach dem Gipfel zu
gehen, v., rückwärts hinderhaldig sind.' Spleiss 1667.
berg-: an (nach) der Bergseite (hin) Gl. Si''' b.
ufstelle'. (Ein Gefäss) b. hebe" (ha'), neigen, schief
halten.
tal-: an (nach) der Talseite (hin). ,Die stadt
ligt t.' 1460, Bs.
Gehäld n., Coli.: 1. abgedachte Gegend, .Ge-
hänge'. ,0b ich ein tier etwan am g'häld, ein wildfang
säch, den künndte jagen.' Roef 1550. — 2. = Gehäl
,Aa; B." Den Übernehmern eines Erblehens wird
zur Pflicht gemacht, dass sie ,die reben mit geheld
in gueten eren habend.' 1446, Z Staatsarch. ,Wo man
in'n reben ein neu geheldt machen will, da soll man
scheigen [Latten] geben zu einem neuen g.' XV./XVL,
AAFahr Offn. ,Cantherius, ordo vinearum cum hasti-
libus in terram defixis singulte transversa perticiE in
unam partem ordinis adnectuntur, ein gehäl oder
truoter, da die stangen all auf ein ort geheldet seind
in den reben. Jugata; vites, gehäld- oder truoterreben.'
Dasyp. ,Topiarium vcl topiura intelligitur opus, quod
ex arbore, frutice vel herba ad decorum componebatur
in testudines vel canieras fornicatum, ein häusle oder
bogen oder ander geflochten gartenwerk von lusts
wggen; g., sitz, hüttle.' KdGessn. 1542. ,Pergula, can-
therius, ein ri^blauben oder (reben-) g(e)häld oder
trüeter von reben, in die hübe aufgelassen, dass man
darunder spazieren kann. Vinea cantheriata, Wein-
reben an einem g., mit dwi-rchstangen gemacht und
aufgericht[et]. Pedamentnm, ein rgb.stock und allerlei
stäglen und stützen, alles, darmit man ein rSb-g.
undersetzt. Jugari vinea dicuntur, die Weinreben auf
das g. binden. UnijugiB vinoa;, eines g-s oder eines
einfachen g-s, das nun [nur] auf einer selten aufgericht
ist. Emicare in jugum, sich aufrichten und auf-
schiessen, auf das g. obsich wachsen. Textilis umbra
palmitis, schatten von esten durch einanderen ge-
flochten wie ein g. Pagina in vitibus, ein flock oder
ein ort, so zwüschend den schyen im reb-g. ist.' Fris.;
Mal. ,Ire reben, die dann in geheldswys gemacht
sind', sind stark durch den Schnee beschädigt worden.
BossH.-Goldschni. ,Ein garten mit rebengehelden be-
zieret.' 157S, HPantal. ,ln Betreft' des Zehntens von
den eingeschlagenen AUniendstücken bleibt es bei den
frühern Artikeln mit Ausnahme der Geheide in Bunten
und Gärten.' 1621, Absch. , Weinzehnten von den
Kelten.' 1624, ebd. ,Es hat zu der Zeit der alten
Römeren in Italia 3 Gattungen hocher Reben gegeben,
da die einteu gradauf gepflanzet, die anderen aber in
Form der Geheldt zerlegt, die dritten an den Bäumen
hinauf gezogen; dise Gattung Reben ist in unseren
Landen nicht bräuchlich, dann allein, was die Geheld
belanget.' Rhas. 1639, der die 2. Art auch ,Bogreben'
nennt. , Vinea jugata, Geheidreben, die man aufziecht
und zerlegt wie die Geheld, une vigne en treillage
ou vigne treillee. Pergula, ein Rebgeheid, une treille
de vigne. In der Landschaft Waadt wird es nach
dem Lateinischen une percle geheissen.' ebd. , Unter
Geholten und Bäumen.' ebd. , Einer hat die G'halt
[so] oder Beblauben geschnitten.' 1656, Arg. ,I)er
Rebmann richtet die Reben auf in die Höhe und
bindet sie an Stützen, nämlich an Bäum oder Pfäl
oder überzwerehe Latten (Trüeter) und G-en (Bögen),
daher man s' nennet ein Baum-, Pfal-, Trüeter-, G.-
(Lauben- oder Kammer-) Reben.' Spleiss 1667. ,Vitis
jugata, G.-Reben. Cantherius, Rebengeheld, Trüeter.'
Denzl. 1677; 1716. ,G., Rebbogen, jugum.' Vestib.
1692. ,Im J. 1608 fiel ein mächtig grosser Schnee,
der das G'held an Reben zu Boden truckt und die
Scheien zerbrochen.' JJScheuchz. 1706. ,Die Kürbsen
an G-en aufpflanzen.' JCSdlz. 177'2. — Dazu: .ge-
häld et, jugatus.' Denzl.
Zu 2. Im üegs. zu heute, wo bei uns die Reben niedrig
gehalten werden und jede einzelne an eiuem Pfahl ihre bes.
Stütze findet, wurden sie früher hoch gezogen und mehrere
zusammen über eiuem sich schief abdachenden, der Sonne
zugeneigten oder dann gewölbten Gitter- oder Rahmenwerk
ausgebreitet, so dass Reblauben oder Bogengänge entstauden,
welche letzteren z. B. auf dem Murer'schen Stadtplan von Zürich
dargestellt sind; vgl. noch Sckijen und ,Kamerte, Kammer-
latte' bei Gr. WB. Je nach BedUrfniss wurde der Gitter-
rahmen in der Regel durch ein oder zwei Paare Pfosten oder
Säulen gestützt, s. Staglen, Gehüld-Slud. An Häusern lehnte
sich die oft unmittelbar vom Boden aus ansteigende Be-
dachung der Laube schief an. Durch Übertragung gieng
dann der Name (s. bes. Gehäl) auch auf die an den llaus-
wänden befestigten Spalierpflanzungen über; vgl. Landeren,
Lander-Latte, -Ituete, Trüeter, GehUld-Baum. Die ganze Art
der Anlage, die wohl auf die Römer zurückgeht, hat sich
bei uns, des kaltem Klimas wegen, nur etwa als moderne
, Laube', dagegen unverändert in Italien (auch dem Namen
nach: it. pcryohi) am Oberrheiu und iu der Pfalz erhalten;
vgl. auch Kammer. S. noch (hoijen-) hclden, Bogen-Reben. Die
Formen auf -t bernhon auf Anlehuung an .halten'.
Bald, held, hiW, holJ, huld
ab -hü hl f-heltj : abgedacht, abschüssig S. Uf
Wege', die so a. g'si si"' wie-n-e Straudach. Schild.
Entspricht einem ahd. Adj. 'ahhaldi, vgl. ahd. ttohaldi
neben uohahl, proclivis, obliquus. Synn. s. bei haldiij.
hiilde" ÄAZein.; Ap; W (TiäUu), he'Me" Aa; Ap;
Bs; Gl; Gr; L; G; Sch; Schw; S; Th; Z (Cond. helti,
Ptc. g'held/eß), he'lte* B; GrD. (in Bed. 1, dagegen
helde" in Bed. 4); Schw; S; Uw; U; W: 1. tr., ab-
hängig machen, neigen, schief stellen (halten), bes.
Gefässe. allg. F'' niues 's Fässli h., es n-ott nümme'
laufe" Z. Do geit m'r goge" d' Fässer h. und schenkt
de" no"'' die allerletzte' Schoppen i' S (Schild). Auch
mit Verschweigung des Obj. B; W; Z. Heb Sorg,, du
heltist! ,Helde, truhten [Herr], dina himela, inclina
celos tuos!' NoTKER. .Der kindstuel soll haben 4 bein
oder füess, mit einem rugkbrett hindersich [rückwärts]
geheldet.' Ecef 15.54. ,Sy [diese Tiere] laufend nit
aufrecht, sonder auf ein selten gehelt.' Fische. 1563.
jAcclivis, stotzig, obsich geheldet, aufgericht. Pronus,
fürsich geneigt oder geholdt.' Fris. ; Mal. ,Sy band
ire fanen g'heldt hinus [aus dem Wagen].' 1576. Z
Ant. Mitt. .Also, dass du dieser Gefessen eins auf
die Seiten helfest.' JRLandenb. 1608. ,Leg's in eine
Schüssel, die undersich geheldet seie, so wird heraus-
fliessen eine Feuchtigkeit.' ebd. ,Ein gehelte Schüssel.'
ebd. , Bücken, beiden, neigen, ducken, inclinare, pa'n-
dare.' Eed. 1662. , Nicht mit einem undersich ge-
halten, wie die Tiere, sonder mit einem obsich gerich-
teten Angesicht.' JMüll. 1666. — 2. meist als Comp.
bogc-h., die in bestimmter Länge geschnittenen letzt-
jährigen Schosse kreisförmig umbiegen, eine der Früb-
jahrsarbeiteu im Eebberg Sch; ZWl. ; Syn. bogen,
höglen. Die das Jahr vorher neu gepflanzten Reb-
schosse bogenartig krümmen und deren oberes Ende
in die Erde stecken ScHNnk. S. noch Bogen-Heldet
(-Heidi), Glge Sp. 149 und vgl. Gehnld 2. — 3. refl.,
i. S. V. 1 und bildl. = sich richten, z. B. nach der
Zeit ScflSt. I"* cha" mi''' nid nach dir h. Sülger.
Si"'' naeh-(djem (gege" 's) Land [Landesbrauch] (devi
L. nä''', gege' d' Lüt, drrnä''', nach den Umständen) h.
B; L; Schw; Z, etwa mit dem Zusatz: 's Land heldet
si''' (d' Lüt helde" si''') nit geg(e") eus; vgl. noch Land.
Wie das Ort ist, muess man sich helten W. ,Dieser
Weinbauer weiss sich nicht nach Zeit und Ort zu
richten und nicht nach dem Land zu hälden.' Stutz
1850. ,Wenn Einer sich nicht begehrte nach dem
Land zu hälden und mehr und weniger nach den
Leuten zu richten, würd 's ein ewiges Wandern ab-
setzen unter den Menschen.' ebd. ,Die weisen diser
weit sagend, einer solle sich dem land nach beiden.'
LLav. 1582. ,Man muss sich nach dem Land beiden.
lex est regio; si fueris Eomae, Romano vivito more.'
Hospin. 1683. In der ä. Spr. auch = neigen. ,Alle
unsere neigung heldet sich nun [nur] zu bösem [des
Menschen Sinn ist auf das Böse gerichtet].' Zwixgli.
,Dass sy [die Berner] dann sich zuo uns beiden und
uns beraten und beholfen syn wurden.' 1529, Strickl.
,Man muesst in sorgen stan, der g'werb [die Leinen-
indnstrie] wurde sich beiden [sinken, abnehmen] und
schaden lyden.' Vad. ,Harum die g'stift sich den sigon
der königen nach gehelt habend [um vom Sieger Vor-
teile zu erwerben].' ebd. ,Man sieht, zue wem ir üch
heldend und neigend.' Kessl. ,Acclinare, zuoneigen.
sich beiden, etwargegen hängen. Procumbit arbor,
der bäum heldet sich mächtig. Declinat in vesperum
dies, der tag helt sich gegen abend [vgl. hälden,
Stelle aus Etterlin].' Fris.; Mal. ,Die 5 ort habend
angehept, sich über Ehyn hinus beiden [ihre Sym-
pathien wenden] und by adel und landskneehten hilf
suechen.' HBull. 1572. ,[Der Wein] von Wynfelden tut
sich nach dem Land beiden [zeigt sich seines Namens
würdig, Anspielung auf den Namen ,Weinfelden'].'
ScHiMPFR. 1651. S. noch Düdel. — 4. intr. = hälden
Bs; B; GrD. Chelde'); L; Schw; S; üw; W. Wenn 's
[Spinn-] Bad e chli helfet New (Alpenp.). [Der Eoss-
berg vor dem Sturz] heldet, schlipft sammt Tann und
Flueh Schw (Schwzd.). Uf so-ner heldemnässige Stross,
scherzh. Wortspiel mit ,Held' Bs. Schief hangen SB.
Im Gehen schwanken, von Betrunkenen Bs. Von ün-
entscblossenheit: L>er Fridli liet uf E. lungere' welle',
ig [dagegen] z'rugg und di andere' Zioeu hei' nit
g'wüsst, uf welli Siten ass si u-ei" [wollen] h. BWyss
1863. ,Propendere, vornider hangen, fürsich beiden
oder hangen.' Fris.
Mhd. heldtn, ahd. haldjan, luildjan in Bed. 1. T für d
lässt sich hier als regelrechte Assimilation aus dj erklären.
Die tr. und intr. Bed. vereinigt auch das syn. chieren; vgl.
auch ,halden' bei Gr. WB.
ab-: 1. schief stellen, ein Geßss Th (Dim. ah-
heltele', It Dan.). — 2. absetzen, beim Trinken Ap; Z.
Öni abz'helde', unabg'hehlet ustrinke', das Glas in
einem Zuge leeren. — a"-: 1. anlehnen GRPr. ,Die
Anrichtkellen sei an dem Ort, da sie angehelt, nass
gewesen.' 1701, ZWast. Proeess. — '2. ansetzen, zum
Trinken, eig. das Glas in geneigter Lage zum Munde
führen Ap; G; Z. !''• hälde wider a' ; zur G'sundlieit,
Cliind! Stdtz. No, held recht a', ei nun, trinke wacker
drauf los! Ap. — ver-, in der RA.: de' Lauf (Schutz)
V., den Gewebrlauf durch Senken oder Drehen aus der
geraden Schusslinie kommen lassen, weswegen man
den Glangger (Sp. 633) anbrachte Z.
Boge°-Heldet m.: Zeit der unter helden 2 be-
schriebenen Arbeit im Eebberg Sch; ZWL; Syn.
B.-Häldi. — Betr. die Form des W. vgl. £md.( (Bd I 214),
Heuet, Wimmet u. A.
Häldi Helti m. : wer eine (auf die Seite) geneigte
Haltung hat BThun; vgl. Haldi.
Häldi f.: I.Abdachung. ,Das3 das wuer [Wehr,
Damm] die rechten helde bab gen dem wasser wert
[nach dem W. zu, hinunter].' G Hdschr. ,Die höf in
der heidi gegen Tal an dem berg.' Vad. Der Dat.
mit der Präp. in zsgs. in adverbialer Verbindung =
(den Abhang) herab, abwärts. .Alles das guot, das
von der obenendi der berge bi der statt bis inheldi
ze tal lyt.' c. 1291. G Handfeste und ähnlich: ,Als der
Schnee von obnende der bergen und inhelde gegen
disem tal schmilzet.' Vad. ~ 2. He'ldi, in der EA.
Einen i' der H. ha", im Zaume halten Ndw; Syn.
Egi, Gef. — 3. „Häldi, Zimmerdecke BO."
Mhd. helde in Bed. 1. Zu der adv. Verbindung unter 1
vgl. inkaldet (inaldhet), adclinis, bei Graff IV 895 und betr.
die Form Weinh. al. Gr. § 279. — Zu 2. Viell. eig.: Einen
beim Kingen in der kritischen (.schiefen') Lage halten, so
dass man ihn jeder Zeit zu Boden werfen kann. — 3 ist
nicht bestätigt. Wenn richtig angegeben, schliesst sich das
\V. viell. an Gehäld S an; vgl. ,Hille, Hülle' bei Gr. WB.,
das auch zu ,hälden' gestellt wird, sowie .Hüller, Hülder'
bei Schm.-Fr.
Boge''-Heldi: = B.-Heldet, auch die Arbeit selbst
ScnSt. Hut hat 's etnöl e rSchti B.! rufen sich etwa
1181
Ilald, helrt. liild. liolil, huld
nach einem warmen Regen die Rebleute zu, wenn sie
an jene Arbeit gehen, da alsdann die günstigste Zeit
hiefür ist ZWl. — Vgl. die Bezeichuung des Herbstnebels
als rruben-Kurhr.
huldig (in AxZein. -e--, moderner -ö*-), „hältig",
heldig, heltig, doch meist als Comp, ab-: = haldig.
,l)if Bretter müssen abhäldig liegen.' JCSülz. 1772.
Held I m.: tapferer, starker Mann, allg., volks-
tümlich aber nur in ironischer Anwendung als leichte
Schelte. I'* bin iken H., schwach in Beziehung auf
Kräfte, Mut, Gesundheit, Fähigkeiten. Du bist m>^
aw* en schöne H. i' 's Feld, wenn der Acher hinder-em
Ofen ist Z (Wortspiel mit Feld). ,Der sei doch ein
kurioser H., mit dem liesse sich noch handeln, noch
besser als mit einem Bauer.' Gotth. ,Du weissest,
was er für ein H. war und wie er allen Huren nach-
zog.' HPest. 1781.
Beispiele ähnlich gebrauchter Titel s. bei fft/er Bd I
687. Das W. jebt auch noch fort als Familienn. Z. ,Miles
dictus Helt.' 1255, Kopp, Urk. ,Ein festi, die heldspurg
genennt, von dem amtmann, der hiess der held.' XIII., Yad.
Vgl. noch ,Burkart Heltherro.' c. 133Ö, Z Urk.
Haupt-: = dem Vorigen, mit verstärkter Ironie,
bes. von Furchtsamen Z. — Truhe"-, Wi"-: Wein-
heiliger Z ; Tgl. Urban Bd I 4ol/'2 und Wtn-Helg, aus
dem unser W. viell. tw. entstellt ist.
Held U s. Hell.
Hildi: Personenn., Koseform von Hildebrand WLö.
Der Familienn. ,HiIt.v' G kann Koseform verschiedener
zsgesetzter Namen sein, deren erster Bestandteil mhd. Hill,
häde, »hd. hiltja, Kampf, ist. .Hilf als -1. Bestandteil zsge-
setzter Frauenn., wie .Kriiiinliilt.' i-, looo, Z. ,Kriemhilt'
(s. Sp. 679); ,RuedhiKi.' .-. U.JO. SchwTuggen (,ein guet
gen. r.', wobei der Name der Besitzerin auf ihr Besitztum
übergegangen). Der Personenn. hinwieder in Flurnn., wie
,Hilti-Feld' L; ,Hitzkilch' L (urkundlich ,Hiltiskilchun');
,Hiltis-Berg' ZWald; ,Hiltbrunneu' B (davon der Familieun.
.Hiltbrnnner', schon LWill. Jahrztb.), an dem ein ,Schrätteli',
//i7(i geheissen, hausen soll; ,Hiltis-Kieden' L (.Hildis-'); G.
hold — Comp, holder Ap; ßs (Spreng): zugetan,
mit Person- und Sach-Obj. Aä; Bs; Z, an letzterm
Ort bes. mit Neg.: I'* bin-eni nüd h., mag diesen
Menschen nicht leiden, bin kein Freund z. B. von
einer gewissen Speise; Syn. ab-h. ,Er was jn»° holder
dann der statt.' Ap Krieg 1405. ,Etlich, so unser Eid-
gnoschaft nit holder.' 1529, Absch. ,Zelotypus, ein
eiferer oder eiferig h. Amans patri», der seinem
vatterland h. ist. Bene velle alicui ex animo, einem h.
und günstig sein.' Fris.; Mal. ,Man ist verrichteter
Arbeit h., jucundi acti labores.' Hospin. 1683. Formel-
haft: ,Es sollen unserem Feldohersten üffizierer und
Soldaten getreu, h. und gehorsam sein.' B Milizordn.
1711. Spec. in Liebe geneigt, verliebt, von dem Ver-
kehr beider Geschlechter Aa; Bs; Gr; W. Auch von
der sinnlichen Liebe: verbuhlt, geil, wollüstig Ap.
,Er hct ir ze trinken geben us einem geschirr, von
des [Liebes-] trankes wggen sy [dem] N. h. ist worden.'
140(i, L Ratsb.; vgl. Lieb-Gift Sp. 135, Gang-viir-nach,
lloldschaft. ,So der Jüngling anfacht lieb haben und
h. werden.' Zwingli. ,lncidere in amorem, in ein buel-
schaft kommen, h. werden. Cepit me amor, die liebe
hat mich g'fangen, ich bin h.' Fris.; Mal. ,Von einer
sehr reifen und holden Wirtstochter sagt Einer, sie
sei so geil...' Scbimpfr. 1651. ,Du tust dich gar un-
flätig stellen, als könntestu nit fünfe zellen und bist
doch ein rechte Hadermetz, h., unzüchtig, treibst vil
unnütz Geschwätz.' Wahrs. 1675. .Niemand als etwa
armselige holde Menschen sehen das Heiraten anders
als überaus wichtig an.' JJUlr. 1733. - Dazu das
Subst. Huld.
ab-: abgeneigt, mit Pers.- und Sach-Obj. Z.
fr und-: seinen Freunden und Vwdten zugetan,
freundlich, dienstfertig. ,I)er weislich beredt ist, der
macht sich selbs fr. und lieplich.' 1531/48, Sir. =
.Ein Weiser macht sich angenehm mit Worten.' 1882.
.Ein fr-er, stattlicher mann.' Kessl. ,Die sag was,
dass [der neue Abt] ein fridlich und fr. mann war.'
Vad. .Nusquam perhibentur blandiores gentium, man
sagt, dass nienen fr-er leut seigind. Mellitus puer,
lieblich, holdselig, fr. Invenustus, unholdsSlig, un-
freundhold.' Fris.; Mal. — Mhd. vriuntholi.
,taub- werden, insanire amore alicujus.' Mal.
Hold m., nur in der Schwurforrael: (bini) Dunstig
H. SohKI. — Wohl euphem., den Namen des Teufels ver-
deckend ; vgl. Holden, Unhold. Mhd. holde nur ; Freund, Ge-
liebter, Dienstmann.
Un-: 1. (m., f., U'holdi f. AAFri.) Zauberer, Hexe.
,Man sprach, Graf Berchtold habe durch Sprüche einer
Unholdin die Wasserkaiumern des Himmels geöffnet.'
JMüLL. Schw.-G. z. J. 1383. ,Büs unhulde, frauen
oder mannen.' 1467, B (Gfo.). ,Mau hat den Vogt im
Maintal einvernommen, der Uuholdinnen wegen, deren
er noch 3 im Gefängniss hat.' 1514, Abbcu. ,Wann sy
[die Untertanen von Mendrisio] einen vogt anrüefen,
dass er ein unholden oder hexen fachen solle.' 1536,
ebd.; vgl. auch Ahsch. IV 2, 1330 (a. 1578) u. ö. N. N.
kam als ,verlümdete unholdin' nach Luzern in Haft.
Esterm., Neud. ,Unhold, Zauberin, saga, venefica.'
Mal. ,Saul gieng zue einer unhold [der Zauberin von
Endor].' LLav. 1569; dafür ,Wärsagerin.' 1670; au
einer andern Stelle dagegen: , Zauberin.' ,Wie man
euer mueter und euer ahn hat verbrennt, diewyl sy
waren hexen, unholden.' Holzwart 1571. ,Es ist ein
grosse torheit, wenn man sagt, die unholden könnind
schwere wetter machen.' LLav. 1582. ,1588 hat der
Landvogt beim Hochgericht eine Unholdin mit dem
Für richten lassen.' Ölhafen. ,Ein junger Mann hat
2 Wybsbilder für Unholden darg(>ben.' 1601, Ardüser.
,Hexen (Unholden, Zauberinnen), Giftkocherinnen wer-
den auf der Scheiterbeig verbrennt.' Spleiss 1667.
Über die Sünden einer , Unholdin oder Hexen' s. U
LB. § 32. ,Wenn ich vermeinte, ich wäre von einer
Unholdin beschädiget worden, dörfte ich nicht bei
solchen Leuten wider Hilf suchen.?' JJGesn. 1702. .Ge-
better für die Unholden zu sprechen.' ebd. .MGuHH.
wollen sie nun tot nicht für eine Unholdin erkennen.-
1738, Zg Hexenproc. 1849. Vgl. auch ccrgahtcrcn
Sp. 235 (RGwerb 1646), Unholderi und Liebenau 1881,
S. 22/3. — 2. (n.) ein Gespenst auf Scheidegg-Alp,
welches sich für Beleidigungen durch ein herauf-
beschworenes Unwetter rächt; s. Lüt. Sag. S. 40.
Mhd. unholde m., f., Unhold, Teufel, Hexe. S. noch
Osenbr. 1S60, 377/83; Gfd 23, 351/67; CMey. 1884, 240 ff.
299 ff.; B Taschenb. 1870, 149/234; FrFischer 1840; Bux-
torf-Falkeisen 1868; Soldan-Heppe II 137 ff. 315 ff. Vgl.
auch Hayd und s. noch Unholder.
E r n - : volksetymologische Umd. von ,Herold'.
GGOTTH. 1619. — Vgl. ,Ehrenhold' bei Gr. WB. u. Er-Huli.
holdele» „U;" W, höldele' Ar: dim. von Iwlden,
verliebt scherzen, den Hof machen, (lieb-) kosen,
Hald, held, hild. hold, huld
118-1
liebeln, buhlerisch um ein Mädchen werben „U;" W;
Syn. höfelen, karessieren, buelen, wüschen. Sich geil
geberden, einen geilen Geruch (z. B. von Schweiss aus
der Achselgrube) von sich geben Ap(T.); Syn. böckelen.
Holden m.: Name des Teufels in den Hexen-
processakten des XVI. (Gfd 23, 3.J6).
Nach der Buhlschaft, welche der Teufel mit den Hexen
treiben sollte; vgl. Hold.
holde". ,Um (mit) Jmd h.', sich ihn geneigt zu
machen, zu Etw. zu bereden suchen, ihn umwerben,
ihm den Hof macheu GrL., Val. (Mit-^andJ h.,
kosen Gr. Spec. um ein Mädchen werben, freien Gr.
Mit Einere'' h., mit ihr ein Liebesverhältniss unter-
halten, sie Abends besuchen Gr; Syn. kilten. Vgl.
noch Holdi, Holdi-Pitten, Holder-Stock. G'holdet ist
nit g'huset od. : Hüse" ist nid h. [mit blosser Liebschaft
wird der Hausstand noch nicht gegründet]. Sprww.
1824; 18Ü9; vgl. CO" der Liehi rllei' het-m^' nüd
g'fresse". ,Um Etw. h.', Etw. durch Liebeswerben zu
erlangen suchen GnVal.; vgl. nhd. ',buhlen um Etw.'
— Auch tir. ; vgl. Fr., Ztschr. VI 1.53.
Ter-: des ,Holdens' satt sein, es abtun Gr; Syn.
ver-buelen.
Holder I AaF., Holder, Hölter S — m.: Lieb-
haber, Freier; Syn. Holdi, Kilter, Liechter, Schatz.
Vgl. auch Hold-Knah, -Gesell. Wenn der Son vom
Hus uf der Wacht stöt für d' Holder vu' der Magd
z'rugg z' wehre". BWyss.
Un-: Zauberer. ,Der Landvogt in Bollen z habe
etliche Unholder hinrichten lassen.' 1636, Absch. —
Meitli-: Knabe, der gerne den Mädchen nachgeht
AASt. ; GRh. ; Syn. Kinden- (Meitli-)Sehmecker ; andere
s. u. MeitU-Fütsler Bd I 1157. — Buebe"- m.: Mäd-
chen, das den Knaben nachgeht AASt.; GRh. Syn.
Bueben-Fötzlerin, -Brät.
Holderi f.: Liebesverhältniss Gr; Syn. Holding,
Holdschaß.
Un-: Zauberei, Hexerei. ,[Sie] ist betreifend der
leidigen hexeri und unholderi vom leben zum tot ge-
richtet worden.' 1459, Gpd. ,Klag über ein Unholdin
oder Hexen, welche des Lasters der U. schuldig er-
funden worden.' XVIL, Obw. ,Maleflzisch Sachen sind :
Ketzerei, U., Mord, Brennen.' 1607, U. ,Der Landvogt
in BoUenz berichtet, dass viele minderjährige Kinder
sich selbst als der U. schuldig angeben.' 1630, Absch.
V '2, 1880; vgl. ebd. S. 1901.
ver-holdet: verliebt, einen Freier habend Gr.
Es v-s Pärli. Ha und dort ania v-n G'schöpfli d'r
Chopf no''' graggär verdrehe". Schwzd.
Holdi 1 m.: = Holder I Z (auch Huldi). Si hat
en H; de H ist nacht bi-n-ere (z' Liecht) g'sl". Stutz.
„Pump er-: Einer, der ein Mädchen liebt, weil
es ihn füttert LG."
Pumper, Sack im Kleide; P.-Uoldi eig. also derjenige,
dem man im Piimpor zuträgt. Lt St.'' vcrdanlft das W.
seinen Ursprung spec. einer Begebenheit aus der Zeit der
Teuerung von 1690, .<ils nämlich die Mädchen, um sich doch
lustig machen zu können, ihren Liebhabern im , Pumper'
Esswaaren zutrugen.
Holdi U f. Bs (Ochs); „Gr", n. Aa (Minnich); L:
Geliebte, Liebchen. Hrü Nägeli und 'ne Bosmarl —
i"-'' möcht im''' gern bim H. sl" L (Volkslied).
Ab-Holdin: Hexe, Zauberin. ,Ein a. ist zue 0.
gericht worden.' Vad.
Auch von dem Syn. Unhold(e), -in ist fast nur das Fem.
belegt; schon nach dem Glauben des deutschen Altertums
sollte die Zauberkraft bes. Frauen verliehen sein; vgl. Gr.
Myth. 990/1. In der MA. ganz verdrängt durch Hex.
Holdi°gf.: Liebschaft, Liebesverhältniss Gr. Er
hed lang d' H. mit-re k'han GrL.
Hold Schaft f.: Gewogenheit, Zuneigung, Gnade,
Huld. ,Gnad um gnad, d. i. gunst um gunst, h. um h.'
ZwiNGLi. ,Der seinen neid wol konnte verbergen und
für gunst, h. und liebe darbieten und angeben.' 1586,
Beitr. Lauff. Spec. Liebesverhältniss, Liebschaft Gr
{Holdsclie/tj ; W. „Buhlschaft Gr." ,[Ehen, so] aus
h., d. i. aus unsinnigkeit beschehend.' 15'27, HBull.
, Krank vor h.' 1548/60, Cant.; dafür: ,in liebe ver-
wundt.' 1531; , krank vor Liebe.' 1882. ,Da8s er dem
meitlin ubertreffenlich hold gewesen und was er un-
erlichs jren zugeredt, habe er us luterer h. geton.'
,M. XVI., Z Gerichtsakt. ,Amatorium, gangmirnach,
ein äss oder trank, das h. bringt. Araores densi, emsige
buelschaft, treffenliche h. Amor, amabilitas, charitas,
flamma mollis, amatio, liebe, h.' Fris. ; Mal. ,Dardurch
dass sy sich hindersinnend, als zun zyten den künst-
leren widerfart: etwann durch langwirige krankheit,
durch h. und andere fäl.' LLav. 1569; dafür: .durch
unsinnige Liebe.' 1670. ,Bei H. und bei Wein ist
Wollust und auch Streit. Cum venere, mit oder bei
der H.' Cato 1648. ,Auch die Weiber, welche in eine
allzu grosse Brunst und H. verfallen oder einen fu-
rorem uterinum bekommen.' JJLed 1727. S. noch
vergeben Sp. 87 und vgl. Huldschaft.
Mhd. holtKchaß, Gewogenheit, Freundschaft, freundliche
Verbindung. Bei Kuhn, Ztschr. XV 264 wird die Bed.
,sinnliche Zuneigung' als specifisch alem. bezeichnet.
holdselig: 1. lieb, traut, in der Grussformel: Bist
an lieba h-n (an liehi h-i_), an Männer, bzw. Frauen
Grü. Unterschnitt. — 2. vergnügt, aufgeräumt, fröh-
lich, heiter GRÜbS.; Zg; Z; Syn. selig. H. Litt.
H. drV luege". — 3. gespräctiig, redselig Aa; L.
's Trinke" macht h. Ineichen. — 4. sich gut anlassend,
Fresslust zeigend, von Kühen GRmPr. (lt 8.11109);
Syn. gefräss ßd I 1319. — un-: missvergnügt. Narr
zu Hcrodes: .Kratz im köpf, du unholdseiger nasen-
tropf!' Aal 1549.
Schwerlich zsges. mit selig, vgl. vielmehr die Anm. zu
nrbeitHcHij. — 4 eine Anwendung von 2 auf Tiere.
Hijldi f.: Verliebtheit Bs (Dorn.); Sulger.
höldig: verliebt, heiratslustig, mannstoll Gl;
ScnSt. (Sulger).
Holder n Aa; Ap; Bs; B; VOtw.; Gl; G; Sch;
Th; Z, Holler BsB.; F; SB., Tierst. — m.. Holdere
Aa; GRVaL; LSurs., WilL; Schw; Th; UwEmm.; U tw.;
ZO., Holderne GrD. — f.: 1. Holunder, samb. a) ge-
meiner H., samb. nigra, allg., häufig zsgs. H.-Baum,
-Stüd, -Stock. .Holderbaum, -stauden, samb.' Mal.
,Es was im herbst, holderbluest an nit wenig holder-
böumen.' Vad. Der Baum ist bes. seines mannigfachen
Nutzens wegen (er liefert eine vollständige Hausapo-
theke) Gegenstand mannigfachen Glaubens und Aber-
glaubens und hoher, fast heiliger Verehrung geworden :
Vor der Holdere" sell-mr" de" Huet abzieh'" und vor
der Beckholdere" 's Ghnü büge" (de" Reverenz mache")
L; Sch; Z. Wie d' H. bittend, so blüend d' Rebe",
1185
Hald, held, hild, hold, liuld
1186
d. h. ihr Blühen ist vorbedeutend für dasjenige der
Reben L; Z. ,Wenn der H. nach dem Verblühen
gut ansetzt, gibt es ein gutes Kornjahr.' 1595, L.
Der Baum schützt vor dem Blitz (ZO.), vor Feuers-
gefahr (L), Seuchen und Verzauberung (ZO.) und wird
daher bes. vor Scheunen und Häusern gepflanzt. Unter
ihm werden ausgebrochene Zähne, abgeschnittene
Haare und Nägel vergraben (oder verbrannt), damit
man frei bleibe vor Zahn- und Kopfschmerz und die
Hexen nicht, indem sie sich der Dinge bemächtigen,
damit Unheil stiften können L; ZO. Aststücke vom
H. sott ein Senn im Kessel gegen bösen Spuk; s. Lüt,
Sag. S. 212/3; dagegen machte eine Hexe (s. ebd.
S. 223) mit einem Holunderzweig böse Wetter. Auch
auf Kirchhöfen wird der Holunderstrauch gepflanzt.
An vielen kath. Orten werden am Fronleichnamstage
alle Gassen mit Holunderzweigen bestreut. Ein Hasel-
stöckchen, mit einem Zweige vom Holunderbaume in
ein Kreuz geformt, schützt vor dem Einfluss des wü-
tenden Heeres. Solche Kreuze werden auch in die
(auf die Spitze der) Osterpalmen gesteckt und geweiht.
VoNBUN ; RooHU. S. noch Leben-Lang. Das Holunder-
holz darf nicht (oder nur von Wittwen und Waisen
GrD.) verbrannt werden, sonst zieht man sich Krank-
heiten oder andere Unfälle zu Gb; G. Die Äste sind
nur bei Vollmond mit Mark gefüllt, bei Neumond
stehen sie leer GWe. Um den heftigsten Zahnschmerz
zu stillen, genügt es, den mittelsten Wipfel einer Ho-
lunderstaude herunterzubiegen. Vonbcn. Wer Warzen
hat, braucht nur einen Zweig teilweise abzubrechen;
in dem Masse, wie dieser verdorrt, verschwinden auch
jene nach und nach GT. Ähnlich werden unter Be-
obachtung gewisser Formen drei Schosse von einer
Holunderstaude abgeschnitten und in das Kamin ge-
hängt, um die Flechten des Viehs zu vertreiben.
VoNBüN S. 128. Die fallende Sucht wird geheilt, indem
9 aus einem Holunderschoss geschnittene Scheibchen
dem Kranken in einem seidenen Säcklein um den Hals
gehängt werden, wo sie so lange bleiben, bis das Säck-
lein von selbst abfällt. Doch mues man, um das Übel
nicht selbst zu erben, das Säcklein mit einer Zange
fassen und an einem abgelegenen Orte verstecken,
wo es nicht mehr schaden kann Aa (s. Wolf, Ztschr.
f. Myth. I 446). , Schneidet man den Holunder im
abgänden Mond, kocht ihn und trinkt darab, so wirkt
er nitsig, schneidet man ihn im wachsenden Mond,
treibt er obsig.' Gotth. Die im Neumond abwärts
geschabte oder geschnittene Holunderrinde wirkt pur-
gierend, die aufwärts geschabte als Brechmittel L.
Leidet eine Kuh an Blähungen (s. Völli Bd I 785),
so gibt man ihr einen ,Holderprügel' ins Maul Bs;
G oRh. Schon früh benützten die Weinfälscher die
reifen Beeren: ,Wir verbietend by hoher Straf das
schantliche Röten und Färben der Wynen, es seige
mit Acten- und Holderberenen, Wiechselwyn.' Z Mand.
1649/50. ,Die betrügerische Übung, den neuen Wein
mit Holdem zu färben, wurde wieder untersagt, damit
aber einmal dem Verbote Statt geben werde, zugleich
bei Straf der Gefangenschaft befohlen, die Holder-
stauden gänzlich auszureuten.' 1672, Sch Chr. Wer-
den die an alten Stämmen wachsenden Schwämme in
warmer Milch aufgeweicht und auf kranke Augen ge-
legt, so ziehen sie den Eiter heraus GWe. ,H. oder
attieh, jre linden bletter, mit gerstenmäl geknutscht,
[dienen] als ein pflaster [gegen den Biss toller Hunde].'
Schweiz. IdiotikoB II.
TiERB. 1563. S. noch H.-Küechli, -Latweri, -Männli,
-Mues, -Blüemli, -Brägel, -Seclcli, -Stüd, -Stock, -Toggel,
-Träsch; Klepf-, Knell-, Schleh-Büchs. Hieher auch
die Flurnn. : Holdere" L; G (,zem Holdem.' 1321, Gfd;
.die holdran yn und yn.' 1493, GKrin. Off'n.); ,der
H.- Acher.' AxWett. Klosterarch.; ,Holder-Boden.' Scaw
Woll. ,Der Holderen Bur', Zuname eines Anführers
im Bauernkrieg 1653 (s. T. VL. H 127). — b) meist
mit Zusatz Altich- Aa, Slink-H. L; Z, wilde"- H. LE.;
GSa. ; ScHwMa. = Akten IV; Syn. Lakten. ,1m ougsten
nimm bluest von acten oder wild holderbluest. Terr
das und welichen das gewgl [Grimmen] ankommt, so
tu im in ein brüelein und gib's im zu essen.' ZElgg.
Arzneib. — 2. Schneeballstrauch, viburnum. a) gem.
Sehn., vib. opulus AaF., sonst Nass-, Wasser-H. —
h) wild i Holdere", wolliger Sehn., vib. laut. ZO.; Syn.
Hulftere, Schivelch. — 3. Holderli(-Holz), Wachholder,
jun. comm. SchwE. — 4. meist mit einem Zusatz:
spanische'' Aa; B; G; Th; U; Z tw., tiirggischer B
(Durh., Zyro), hlaiie"- Aa; B; Z, röte"- H. Z Zoll.,
Flieder, syr. vulg.; Syn. Ess-Nägeli, Nägeli-, Maien-
Bluest, Win-Triiben. ,Syr. cser. seu Lilach, spanischer
H., Fuchsschwanz.' JMüralt 1715. — 5. Holderli,
junge Buche aScHW.
Mhd. holunter, holunder, holder, liollcr. Holder iu Bed. 1 a
auch bei Ebing. 1438, JMuralt 1715, S. 291/2 und ,Holder-
bluest' bei JRLandenb. 1608; Würz 1634; JMuralt 1715
(als Masc). Der Wechsel zw. niännl. und weibl. Form zeigt
sich z. T. in eiu und der selben MA.; schon ahd. nahm das
zur Bildung von Baumnameu verwendete Suflf. idgerm. tro
sowohl eiue niännl. als eine weibl. Form an; vgl. Kluge,
Stammbildung §§ 94; 96. Über die wahrsch. Grundbed. des
W. vgl. Anm. zu Halderli. Bestätigt wird die Vermutung
durch die Compp., sowie durch Flurnn. wie .Taun-Holderen'
L und durch das ags. cneow-holen, ruscus, das noch ohne das
Suff, -tro erscheint. Es scheint ein doppelformiger Stamm hal-
(vgl. russ. Imllna) und hol- angenommen werden zu müssen;
eine Vermittlung bzw. Mischung beider Formen zeigt viell.
der seit dem XVll. in der Form Holderbank bezeugte üorfname
Aa; S, der vom XIII. an bald ,Halder-', bald ,Holder-Wank
(-Wangen)' hiess. Über die mythisch-religiöse Bed. vgl. Gr.
Myth., S. 617/8; Perger, Pflanzcns., S. 256/62; Mannh.,
Baumk.; Lippert, Christiuit.. S, 474/7. Mit dieser Bed.
scheint der ,HolderwaIt zu.; dam heiligen brunnen.' 1418, Seg.,
RG. I 599 im Zshang zu stehen; vgl. Wolf, Ztschr. I ä'ib.
Ab-Holtere: Feldahorn, acer camp. LWin.f
Es lässt sich nicht entscheiden, ob Apollra oder Affoltra
die eig. Grundf. ist; jedenfalls scheinen Ab- und das syn.
Af-Holter(en) erst in Folge volksetymologischer Umd. aus
jenen Formen hervorgegangen, d. h. als Compp. von Holder
aufgefasst worden zu sein; vgl. Maas-, Buech-, Reck-Holder.
Dafür, dass Ab- gegenüber Ajf'-H. sekundäre Form sei, spre-
chen Umdd. auf ab wie Ab-Horn, -Heu, -Krut, -Strenzcn.
D.igegen zeigt Schwab. .Äplern' ^ Massholder den unver-
schobenen Cons. (s. nd. Apjiel-dor-el und Appeldoren). Säuinit-
liche Formen gehen wohl auf lat. opul-us. Massholder, zurück.
Ei(ch)-Holder: 1. Eichbusch, in Flurnn. L {Ei-
Holdere", bzw. -Holtere"; ,Eicholtren.' XIV., LBerom.
Urb.); Obw (.Eiholtrun.' Gfd); ZWthur (i" der Eich-
holtere"; ,eichholtron.' c. 1300, ürk.). — 2. Ei-Holder,
Apfelsorte AAZein.; Syn. Frau-Eötiker. — Wahrsch.
ebf. blosse Umd. (aus 'Eieholtra).
Aff-Holter: \. = Ah- Holtere'. ,0pnlus, mass-, aff-
holter, ist ein bäum gleich dem ahorn, doch kleiner
am holz. Eumpotinum, mass-, afl-holter.- Fris.; Mal.
— 2. Flurn. Aa (,in der Afltolteren', neben ,Affhal-
teren.' 1653, AAWett. Klosterarch.) ; BsReig. (Zapf-
Hald, held, hild, hold, huM
1188
holdere', aus z'A.); L (,üoli zer Afholtren.' 1456,
L Steuerb.).
S. Aom. zu Ahhohere. Die Flurnn. bei 2, sowie die
Bd I 106 s. T. Affoher angeführten können entweder hieher
gehören oder dann, wenigstens z. T., wirklich zu ahd. apfalter,
aßalter, Apfelbaum. Das Gleiche ist der Fall mit dem L
Flurn. ,RafFholderen', wo das r des weiblichen Art. hinüber-
gezogen ist, wie z. B. in Raei (s. Anne Bd I 504/6). Jeden-
falls aber wird die Bd I 106 aufgestellte Annahme, es liege
eine Zss. mit einem, dem got. W. tiin entsprechenden ahd.
W. für ,Baum' Tor,. im S. der Anm. zu Holder zu korri-
gieren sein.
Ast-Holder: = Äb-H. SNA.
Nach den Maserbildungen benannt, wie sie bei Astspuren
im Holze Torkommen; der Baum heisst darum auch ,Maser-
Holdcr' (Entstellung aus ,Mass-Holder'). Vgl. Fladtr 4.
Attich- s. Holder Ib. — Ful-: Beinweide, Ion.
syl. GoBh.; Syn. Geiss-Hasel, Besen-Ris u. A. Vgl.
Ful-Hoh, -Baum.
Hirsch-, Hirz-: Traubenholunder, samb. rac. ß;
Syn. Biiech-, Berg-, Wald-H.
Der Name bezieht sich viell. nur auf den im Ggs. zum
Hus-H. abgelegneren Standort der Pflanze ; vgl. Berg-H.
Hus-: = Holder 1 a GuT.
Mass-, in Aa -Holdere f., in BBiel -Holler:
l. = Ab-H. Aa;VO; Gl; Gr; G; Sch; Th; Z. Mass-
Mlderis, Massholderholz; es gilt als hart, s. Ast-H.
und Mass-Holder-Grind. .Massholderbaum oder ahorn,
acer. Ein massholtertisch oder von massholter gemacht,
acerna mensa.' Mal. S. noch Aff-H. — 2. a) = Hol-
der 2 a ZO. — h) = Holder 3 b Aa. — 3. Spitzahorn,
acer plat. ,Massholtergeschl6cht, carpinus; massholter-
böumin, carpinius.' Mal. , Carpinus, eine Gattung
Massholderbaum, Lcinbauni.' Denzl. 1677; 1716. —
4. in Flurnn. Mas-Holdere" L, Massholtere ZWäd.
,Der Massholder-Acher.' 1522, Gfd; = ,M.-holter-
Acher.' 1602, L. ,Der Infang in der Masholteren.'
1660, LHorw.
Aus mhd. maßalter, maßolter in Bed. 1, mit formeller
Anlehnung an Holder, s. Aura, zu Ah-Holteren. Die t5ber-
tragung auf 2 u. 3 erklärt sich aus einer gewissen äussern
Ähnlichkeit, bei 2 a spec. aus derjenigen der Blätter.
Mos-: Vogelbeerbaum, sorb. auc. Ap. Vgl. das
Syn. Mos-Esch Bd I 568.
Nass - Holdere : = ffoZrfer .9 a AABb. — Liebt
nassen Boden, daher auch Wasser-H. genannt.
Buech-: \. ^ Hirz-H. ,Buchholder, wilder Ho-
lunder, samb. rac. rubra (montana).' JJWagner 1680.
— 2. jBuechholter' , Attich , samb. eb. CGesn. —
3. Buecholtere, Klettenkerbel, anthr. silv. TnSteckb.
.Persolata, dicitur et personata, das gross klettenkraut,
etlich nennend es buechholder.' Fris.; = .buechholter.'
Mal. — 4. Personenn. ,Heini Buochholter.' XIV., L
Propsteirod.
Bed. 3 zu ahd. luocholier, cicuta, welches W. leicht auf
andere vwdte Doldenpflanzen übertragen werden konnte und
sich schliesslich wie Maes-H. an Holder anlehnte. Vgl. noch
Schm.-Fr. I 197 und Gr. WB.: .Buchalter, Buchholter.' Die
Etymologie des W. ist dunkel, denn das Syn. Heu-Buchlen,
welches auf die Verwendung des Stengels als Blasrohr Bezug
hat (vgl. die Synn. 6üye 2 a Sp. 156, Pß/en-Stengel), liegt
lautlich zu weit ab. Den Bedd. 1 u. 2 liegt lautlich und
begrifflich Holder zu Grunde.
Berg-: = Hirsch-H. L; Zg. ,[Die Hirsche fressen
gern] hirzwurz und wald- oder bergholder, so rote
bere tragt.' Tierb. 1563.
Eech- UWas., Back- B (It Durh.), Rauk- Schw
Ma., Low.; UU., Räuk- LE.; Schw; Th; Uw; U,
B = räuk- ScHwGross, Reck- Aa; Ap; Bs; B; VO;
Gr; G; Sch; Th; W: Z, Dreck- GRChurw., ObS.;
LW.; Schw tw., ,Weck-' ä. Lit, -Holder Aa; Ap;
Bs; B; VO;GRtw.; G; Th; W; Z, -Holter B; GnPr.,
Rhw.; GMarb. ; ScHwtw.; ü; Zg — m., -Holdere"
Ltw.; Sch; ScHwtw.; Tntw.; U; Z, -Holtere°GRD.;
LW.; ScHWtw.; Th; Uw; USis., Urs. — f., zsgez.
Rgckolder Aa; B; L; Gtw.; ZS., -olter Gl - m.,
-oldere ZO., -oltere Sch — f.: 1. meist zsges. mit
-Baum, -Bösche, -Stud. a) gem. Wachholder, jun.
comm. allg. Syn. B'räukberi-Stüd. ,Ein grosse wyte,
mit reckholtcrstuden [bewachsen].' 1476, Bs Chr. ,Elia
satzt sich under einen reckholtcrn.' 1531/48, I. KöN.;
dafür: .Wachholter.' 1667. .Reckholterbaum oder
-Stauden, juniperus.' Mal. Ein ,regkolterboum' als
Flurgrenze. Sch Rüdl.-Buchb. Olfn. In Glaube und
Brauch spielt die Pflanze eine ähnliche Rolle wie der
Holunder. Als immergrün ist sie ein Bild des Lebens
und der Verjüngung. Der Wachholder vertreibt durch
Zauberkraft hervorgerufene Seuchen, böse Geister,
Gewitter, Ungeziefer. Gegen Zahnschmerzen ritzt man
das Zahnfleisch mit einem Stäbchen aus einjährigem
Holze blutig L (Ineichen). Eine Weile auf einem
W.-Strauch stehen vertreibt die Hühneraugen. Vonbun.
Von einem Strauch, der schwarze und grüne Beeren
zugleich hat, schneidet man vor Sonnenaufgang 3 Äst-
chen mit einem scharfen Messer und zwar jedes 3 Mal
durch und spricht dabei: ,R., gib dich gefangen, dass
dem N. N. seine Warzen vergangen. Im Namen Gottes'
usw. Darauf legt man auf jedes Ästchen 3 reine,
kleine Kieselsteine und so, wie die Ästehen verdorren,
vergehen auch die Warzen Aa. Schlüssel, welche die
Pforten zu verzauberten Sehätzen öffnen sind in
W.-Stauden verborgen, so am .heidnischen Bühl' in
WEaron; s. Z Anz. 1873, S. 401. W.-Zweige, beim
Stecken der Kartofi'eln in die Löcher gelegt, vertreiben
die Mäuse GWe. Die von Schösschen, welche in einer
Flasche den Sonnenstrahlen ausgesetzt werden, sich
ausscheidende Flüssigkeit wird in entzündete Augen
geträufelt GT. Ein Absud von W.-Holz und Linden-
bast dient gegen die Blut-Abzehrung GWe. Um
Schwitzbäder zu bereiten, verbrannte man entw. unter
einem leeren Salzfass W.- oder Eebholz (anderes
durfte es nicht sein) oder füllte einen Topf, in wel-
chem ein Absud von W.- oder Föhrenzweigen war,
mit erhitzten geäderten Kieseln aus einem fliessenden
Wasser, und nahm das Bad dann in dem darüber ge-
stülpten Salzfasse Z. Aus dem abgestorbenen, wind-
dürren Holze macht man Schwitzthee G. Sonst dienen
Holz, Zweige (E. -Chris, -Schössli, -Schützli'g) und
Beeren vielfach als Räuchermittel. ,Reckoldcr-Beri.
Kein Stank ist, den E.-Beeren auf heisser Glut nicht
schnell verzehren.' Z Ausrufb. S. auch biegen. ,Swer
dehein rekolteren brennet in der statt.' ä. L Stadtb.
.[In der teuren Zeit] g'lebtend [die armen Leute] der
reckholterwurzen. Sy habend dieselben verkauft, dann
man damit röukt, dass sy aus dem erlösten gelt speis
kauftind.' LLav. 1582. ,Gute, anmutige Rauch mit
angezündetem Weckholderholz.' Bs Mand. 1667. Der
Rauchdampf wird in leidende Ohren geleitet (Rhiner).
,N. N. habe seine Kinder [gegen offene Schäden] mit
Wachholderholzöl gesalbt.' Z Rechtspfl. 1838. Die
Beeren dienen gegen die Pest GSa. ; als Würze; zu
Hald, held, hikl, hold, huld
Thee und als Znsatz zu geröstetem Kaffee, bes. gegen
Gliederkrankheit und Wassersucht; gegen ersteres
Leiden auch in Form von Pflaster ; zu Latwerge (reck-
höMeme Latu-eri) Ar; gemischt mit Kleie und Salz
als Futter für Ziegen und Schafe ü. Sie werden zer-
stossen mit dem Rauch- und Schnupftabak vermischt
GoT. und endlich roh gegessen, bes. auch In der
Meinung, damit das Gesicht gut zu erhalten. Daher
in den .Arzneibüchern (z.B. Zg Arzneib. 1588: ,Eeck-,
rächholderberi') vielfach als Bestandteil von man-
cherlei Heilmitteln genannt. In ZStdt und Wthur
wurde der im Herbst Statt findende ,Zug in die Reck-
holderen' ein Schul- und Jugendfest mit militärischem
Gepräge. In Wthur hatte dabei jeder Teilnehmer eine
Bürde W.-Gesträuch zu hauen, welches dann das Jahr
über in den Häusern als Räucherwerk diente. Doch
sah sich die Obrigkeit zum Einschreiten veranlasst:
,Die schuelmeister dürfen wegen den reckholderen
keinen Urlaub geben, da die knaben allen unfueg
tryben, mit den waffen hinaus laufen.' 1561, Z Schul-
prot. ,[Die Kinder sollen] nicht nach altem bruch mit
trummen und pfyfen, sondern guet schuelmeisterisch
mit psalmenbüechlinen und christlichem lobgesang in
die reckholderen ziehen.' 1589, ZWthur. Näheres
bei Troll II 63 ff.; Rochh. 1857, S. 490/1; vgl. auch
Tannen- Fuer Bd 1 974, Maien-, Bueten-Zug. Be-
deutungsvoll ist die Verwendung des E. zu Fastnacht-
feuern (s. Bd I 947): ,Wie vilfaltig aber das 4. Gebott
übertretten werde, ligt am Tag, da man etwann ein
Sonntag zwen oder drei darvor [vor der Fastnacht]
die Reckholderen eintweders zuehintreit oder auch
-schüttet.' FASTN.-Pred. 1601. — b) Zwerg-W., jun.
nana Gr. — c) Seven-, Sade-Baum, jun. sab. Gr (It B).
— 2. Wachholderbranntwein GaPr., sonst R.-Bräm,
-Wasser. ,Ein Beckholderwässerle, das hat uns red-
selig und mich durstig gemacht.' UBragg. 1787. —
3. Wachholderdrossel. Ruep 1550 (.räckholter'); sonst
R.-Vogel (s. Bd I 694). auch Ap. ferner: ,Eeckolter-
vogel.' 1381, ScH Stdtb.; ,Reckholter-Vögel', als Speise
für Feinschmecker. JMürer 1575; 1661, B Taschenb.
.ein Reckholder-Vogel um 6 Hlr.' FHaffner 1666. —
4. in Flur- und Familienn. ,Rach-' B; L, .Reck-Hol-
dere"', bzw. ,-Holteren' B; L; Z. .Eeckolter' Gr. ,Zem
recholter-acher.' c. 1300, L; ,der Eeckholter-Acher.'
1653, AAWett. Klosterarch. ,Eacholter', Familienn.
XV., BSigr.. jetzt Racheter. — reckholterin: aus
Wachholderholz. Ein Schreiner, der sich auf der
Stube unschicklich aufgeführt, ,gewert [als Busse]
ein klein reckholteris trucklin [Kästchen].' M. XVI.,
EsTERM. Neud.
Mild, reckolter, reckhoUer, ein wesentlich al. W., gegenüber
den sonstigen mhd. Synn. icecholter (bei Kessler ,Wechholter-
ber'; bei JRLandenb. ,Weckholder'), wachatler (wozu nhd.
,Wachholder'), queckolter. Die Verdunklung des wahren Ur-
sprungs der tw. in einander geflossenen WW. hat mannig-
fache Umdd. und Schwankungen in Geschlecht und Form
zur Folge gehabt; vgl. Anm. zu Holder. Bei uns überwiegen
die Ausdeutungen auf rauken, räuken, rauchen; räuchern,
während .Kach-, Rack-, Reck-H.' ihre Vocale durch Ver-
quickung mit ,Wach-' und ,Queck-H.' erhalten haben. Mit
,Ab-Holtere' und den dort angeführten erfuhr das W. die
Umd. der Endsilben auf Holder, so dass es als Zss. erschien,
aus welcher durch Verschmelzung des h mit dem voraus-
gehenden Guttural dann erst die vereinfachten Heckolder usw.
entstanden; vgl. Anm. zu Kilch-Hof. Betr. die mythisch-rel.
Bed. der Pflanze vgl. Gr. Myth., S. 618/9: Lippert, Christent.,
S. 477/8; Wolf, Ztschr. I 326; Perger, Pflanzens. S. 346/50;
Kuhn 1886, S. 168/9; 209/10. S. noch Z Ausrufb. Nr. 33
(,Reckholder-Stude'), Nr. 40 (,Reckholter-Holz'), Nr. 106
(,Reckolter-Wasser').
Schind- ,Ap; GRh.", Schint- niTit, Schinz-
TuAffeltr., -Holder mTn — m., -Holdere „Ap;
GRh.', -Holtere mTn — f.: 1. vom Haar oder der
Oberhaut entblösste Stelle, bes. weisser Fleck auf der
Gesichtshaut, eine Folge krankhafter Abschuppung
der Epidermis, z. B. bei Schorf, Flechten niTu. Roter,
später weisslich werdender Fleck auf der Haut, wel-
cher einen brennenden Schmerz verursacht TnAffeltr.;
Syn. Zitier- Mal; vgl. Antonis-Für Bdl 944; Schwind-
Flecken Bd I 1190. — 2. Ausschlagskrankheit beim
Vieh, wobei zuerst am Kopfe und bes. um die Augen
Pusteln hervorbrechen, die sich von dort aus dann
über den ganzen Körper verbreiten „Ap; GRh.;" Tu;
Arch. Vet. (wo hiefür auch nur .Holdere'). — 3. Schild-
flechte, peltigera canina, eine Pflanze, welche im dürren
Zustande den Rasen wie mit weissen Flecken über-
zieht und daher als sympathetisches Mittel gegen die
unter 1 genannte, der äussern Erscheinungsform nach
ähnliche Krankheit wirken soll niTn; vgl. ScMn-
HoUere-Krüt. — Scheint aus Schind-Uälen mit sinnloser
Anlehnung au Holder entstellt.
Stech-Holtere: Stechpalme; s. Tann-Grotzen
Sp. 838 (FrSicher 1531). — Stink-Holder s. Hol-
der Ib. — Dreck- s. Rech-H. — Wasser-: = BbZ-
der 3 a Gr; GSa. ,W., hier Schatelke, opulus.' Gr
Samml. 1779. Vgl. Nass-H.
holderin, in Ap hölderi" : Adj., aus Holunder.
Hölderne Latwäre, Holunderlatwerge Ap. ,Holderin,
sambuceus.' Mal. ,Aus der holdernen Schlehbüchsen
einen Werkschübel [Pfropfen] herausschiessen.' Spleiss
1667.
Feig- Holderen, Pfif-Holder(en), Pfiff-Höl-
der (Aptw.) s. Fi-Falter Bd I 8'20. ,Aus kleinen
Wurmen werden Raupen und aus Raupen fliegende
Pfeif-Holderen. Einen grossen, dicken Pfeif-Holder.'
Anhorn 1674. S. noch Tsch., S. 335.
Viell. nur eine der vielfachen Entstellungen der Grund-
form mit sinnloser Anlehnung; doch fällt viell. in Betracht,
dass Raupen udgl. auch ,Holden, Holderchen' heissen und
als Frucht der Buhlschaft des Teufels (Hölderli) mit den
Hexen angesehen wurden. S. auch Pftf-Holter.
holdere": 1. sich an Einem fort drollig, geräusch-
voll benehmen Ndw; Syn. hogeren, polderen. — 2. laut
in den Tag hinein schwatzen Aa. — 3. ein geräusch-
voll-üppiges Leben führen Ndw. — 4. schmollen,
grollen, keifen Bs ; L. Abi. Holderi m. ; Syn. Kolderi.
Die Grundbed. ist: lärmen, lärmend sich bewegen; vgl.
holdri-hö Sp. 859; Holderi-Polder, -Bock; ,holdern', hohl
tönen, bei Schm.-Fr. und ,hohlern' bei Gr. WB. Nebenher
gehen in unsern und andern MAA. Synn. mit k-; vgl. noch
kolderen. Betr. den Übergang der Bedd. vgl. haderen, ha-
deren I und II (bes. Anm. zu Letzterm Sp. 983).
Holdi ni: Koseform für Berchtold AaL.
hölderle": eine gewisse Art zu nähen, bei welcher
zwei Stücke Stoff, z. B. die zwei Hälften eines Tisch-
tuches so an einander befestigt werden, dass ein
Zwischenraum bleibt, indem an jedem der betr. Säume
eine sogen. Knopfnaht angebracht und die beiden
Nähte dann mit einander verbunden werden Z; vgl.
güngelen 3 Sp. 357 und holen.
1191
Hakl-linld. Half-liulf
1192
Hölderli: 1. einer der in den Hexenprocessakten
des XVI. erscheinenden Namen für den Teufel. —
2. Zuname. ,N. N., genannt H.' SchwE. Klosterarch.
Pamilienn. 1719, ApHer.
1 wahrsch. zu hold, da der Teufel mit den Hexen Bnlil-
schaft treiben sollte; viell. aber = Schmetterling (s. P/iJ-
Hulder), da der Teufel auch in jener Gestalt erscheint; oder
zu holderen (über den Teufel als den Lärmenden Tgl. Anm. zu
RuMjgelis-Hnfen). 2 kann zu Holder I od. // gehören, welches
W. seihst auch als Familienn. vorkommt.
Huld, in Gi^7r. Huldi — i.: I.Geneigtheit, Wohl-
wollen, Gnade, Gunst, häufig als PI. Nid i" H-i si",
(bei Jmd) nicht in Gunst stehen GßPr. Eine' i" H-i
(Hulde") h'haltff', ihm gewogen bleiben GRPr.; aber
auch: Jmds Gunst nicht verscherzen, sich ihn nicht
abgeneigt machen B ; Z. .Merkst du nicht, dass er
beim Vater in H-en kommen muss, wenn [Dieser] ja
sagen soll?' Gotth. ,N. wollt han [der Bergleute]
holt.' Ap Krieg 1405. ,Damit er h. gegen mir be-
schuld'te [verdiente, erwürbe].' UEckst. ,Nachdera
hat der pfalzgraf die Eidgnossen lang zyt in holde
gehan, so sy jui gehulfen habend.' Sicher 1531. Als
Rechtsausdruck (vgl. Gnad Ib y Sp. 660): ,Wenn ein
hofhörig mann ein frowcn nimmt, die nit syn genoss
ist, der hat [des Grundherrn] h. verloren.' ZLauf. Offn.
S. noch finden Bd I 847, ansichtig, verschütten. —
2. homagium, Huldigung, TJntertanenpflicht. ,[Die
St. Galler seien früher den Äbten] mit h. und anderer
mer dienstbarkeit piiichtig g'syn.' Vad. Syn. Hulding,
Huldschaft. — Die Form Huldi nacli Analogie der subst.
Abll. auf -i wie Güeti, Roll, Schüni, Suirchi.
Un-: Ungnade. UEckst.
hulde": 1. huldigen. ,Es sind die Wurmser gegen
uns in Werbung, villycht zu uns zu h. oder doch brand-
schatz zu geben.' 1487, Gfo. Ges. ,Das sind wol er-
schrecklich Schulden [von Seite Derer], welche do
dem Teufel h.' W (Gomser Spiel l. Oft formelhaft
verbunden mit dem Syn. .srliwunir. z.B. 1436, Sohadb.
RQ. (,hülden'). S. auch n/iiehrn Sp. 79; Absch. IV 1 d
485. — 2. zustimmen, einwilligen. ,Der rat ist guet,
ich hulden dryn.' Aal 1549. Auch einmal (i. S. v. zu-
lassen) mit Acc: ,Herodes hat syn [Christi] tod g'huldet
und [damit] ewige verdanimnuss b'schuldet [verdient].'
ebd. — 8. refl., eig. sicli in die Huld eines Höhern
empfehlen, ergeben, a) huldigen. ,Es soll üch niemer
gerüwen, dass ir üch huldin den herren.' Ap Krieg
1405. ,Die wyl die [rebellischen] buren afterum sich
huldeten.' Kessi. .Mit dem anhang, dass sie sich
järlich mit einer steur an den künig h. solltend.' Vad.
— b) sich mit Jmd freundschaftlich verbinden, mit
ihm auskommen, sich vertragen. ,Mit der statt aber
zue St. Gallen huldet er sich troflfenlich und belued
sich viler Sachen gar wenig, aus welchen sein nachfar
gar vil misshell und spans macht.' Vad. ,Wie nun
[die] Zürcher sich [um ihre Partei zu verstärken]
dermassen im Eyntal geholdet, so machtend die fünf
ort inen euch fründ und rucken.' Sicher 1531.
Mhd. hulden, geneigt machen ; Dienstbarkeit, Treue ge-
loben. Das Ptc. in synk. Form ,gehult' (1.S36/U46, Z Chr.;
1379, GWyl Arch.; Früud); auch mit Uml. (1405, Ap Krieg;
1419, GWyl Arch.).
Huldschaft f.: 1. = Holdschaft. ,Gunst und h.'
Vad. — 2. Dienstbarkeit. ,Der apt bracht die statt
sammt andern klosterleuten [wieder] an seine h. [zwang
sie, ihm zu huldigen].' Vad.
Huldung f.: Huldigung. 1489, Waldm. Aufl.
, Holdung.' Aa Weist, S. 138.
Huldi m.: Koseform für Huldreich 7.0. ~ Vgl.
Hihi; IV »V. looc.
Half, helf, hilf, holf, hulf.
Hälfe f. : Hagenbutte Gr ObS. ; Syn. Frosle Bd 1 1330.
Nöt-helf m.: kleines Geldgeschenk, Zehrpfennig S.
Be-helf m.: Grund zur Entschuldigung, Recht-
fertigung. ,Als aber die Mannschaft und alle andere
Herrlichkeit bis an das Landgericht an die VH Orte
gekommen war, haben die Bauern daraus et*as B-s
genommen und sich nicht mehr so liederlich fangen
lassen.' 1548, Absch. ,Weil diejenigen Orte, welche
dem Gottshaus G versprochen, in den Klagepunkten
berührt werden, so legen die Gesandten ihre B-e da-
wider auch ein.' 1630, ebd. ,Der Schreiber habe die
B-e, welche Zürich vorgebracht habe, weggelassen
oder schlecht angeführt.' 1633, ebd. ,Zu B. seiner
Faulkeit' Etw. vorbringen. Schimpfe. 1651.
Helfe f.: die ältere (mhd.) Form des Subst. =
Hilfe. ,Mit des rates und der burger h.' 1304, Z RBr.
,Mit synem arbeiten und mit syner eheste unt äne
myn helf.' 1315, ZZoll. Urk. ,Mit der helfe gottes.'
Niki. V. Bs.
helfe» — Cond. hulf, Ptc. g'hulfe", in S ohne g-:
1. a) wie nhd., abs. od. mit Dat. P. Wenn 's Wetter
hulf, es erlaubte, günstig wäre S. ,Ich kann nicht
helfen, helf der Dokter.' UBRiGG., der Herrgott Z,
formelhaft. (Eim) h. taufe', Gevatter stehen GnSplüg.
Eim uf d' Geiss h., in den Sattel, s. Sp. 461. Bas
hilft dem Ätti ufs Miieti! das gibt Kraft, von einem
starken Getränk Aa. Alle' cha" ine' nid h. Ineichen.
.Jetzt ist mir nicht mehr zuh.!' Ausdruck der Über-
raschung. Gotth.; ähnlich: lez wird 's-mer nimme
besser! !''• cha"" -der nit h., aber — als Einleitung
eines Widerspruchs, einer unangenehmen Mitteilung,
i. S. V. es tut mir leid, dass ich dir das sagen muss,
aber ich muss es tun B. .Will dem König Sarpedon
mit etlich Haufen z' h. kon.' GGotih. 1599 (nachher:
.z'hilf'). ,Das gmein Sprüclnvort luted: Mensch (spricht
Gott), hülfst dir selber, so hulf ich dir ouch.' 1602,
Ardüser. In der ä. Spr. (bis ins XVII.) steht aber
die Pers. noch oft im Acc. ,Es mag dich nit gehelfen.'
Näfelser Lied. ,Was hülfe es den menschen, so er
die ganzen weit gewunne?' 1530, Matth. ,Die sond
die amptlüt h.' 1540, Sch Eatsprot. ,Nit wirt mich
h. gold noch gelt.' Rüef 1550. ,'s hilft aber nicht den
alten Mann.' GGotth. 1599. .Kein Ausred wirt dich
h. nit.' HHGrob 1602. ,Blas d's Hörn [auf der Jagd]
und hilf sie dapfer g'schwind!' Mtricäus 1630. S. noch
u. Wiirfel-Gab Sp. 55, ge- Sp. 48, gefroren Bd I 1314.
Zuweilen beide Casus dicht neben einander: ,Alle, die
jm gehulfen.' 1336/1446, Z Chr.; vorher: ,jn des', ihm
dabei, dazu. ,Der gemeine Nutz, was hilft er mich?
Bedarf ich was, mir selbst hilf ich.' JCWeissenb. 1701.
— b) iron., drohend (vgl. Gr. WB. IV 2, 951): Wart!
i"'' ivill-dr h.! ich werde deine Besserung beschleu-
nigen, durch Züchtigung B; Z. Syn. /'''' will di'''
lere'! Mit beigefügten Ortsbestimmungen: Eim abe',
Ilse' h., ihn herunter, hinaus befördern Z. Hör uf
1193
Half, helf, liilf, holf.
schmutze» [mit der Peitsche schlagen], stis [sonst] ivill
[ich] -dr dann darvon h., dich davon abbringen, es
dir verleiden GrD. So auch: Dir will i"" fürt h.!
dich fortschaffen L. — c) selten mit Dat. S., z. B. ein
Hausgerät, das mangelhaft geworden ist, eine Tür,
Uhr udgl. wieder in Stand setzen Gl; Z. ,Ist dass
ieraan an dem gericht keiner urteile folget, wenn er
denn by synera cid seit, dass in die urteil, der er
folget, die gerechter dunke, so soll er der urteil wol
geholfen han [seiner Pflicht als Richter ein Genüge
getan haben].' 1400, TnDiess. Stadtr. — 2. raten, einen
Vorschlag machen, ein Tun empfehlen (auch ohne
selbst daran Teil zu nehmen), meist in der Formel :
ich hulf, mit folg. Inf., selten mit Conj. B (bes. oft
bei Gotth.); LG., und schon in der ä. Spr. I'* hidf
Gedult ha", es chunnt öppe' von im selber besser. Gotth.
Emel zu Dem [Arzt] weH %''' nimme; wenn er hätt
chönne' helfe", su hätt 's müesse' bessere' ; i"'' hulf zum
ene" angere". ebd. ,He, den Leuten hülfe ich mich
wenig achten.' ebd. ,Sie hulf das Disputieren sein
lassen.' ebd. ,Er hülfe, sie wollten hinein und ein
Kapitel lesen.' ebd. ,H. wollte ich, nicht zu sehr zu
pressieren.' ebd. ,An die [Jesuiten] hin hulf ich', ich
meine, man sollte sie angreifen, ebd. , Abraham sagte:
Er hälfe ins Bett, er sei müde.' ABitter. ,Hermes:
Mich wundert, was er hab im Sinn. Narcissus: We"t
h. gan und fragen in.' Com. SBeati. I''' wütt jetz h.
d' Bader Bader si' la'. Gespräch 1712. — 3. Ptc.
Prät. geholfen sin, beholfen, behilflich sein, beistehen.
Vgl. behelfen. ,Der kaiser soll den ussern geholfen
syn Wider den inren.' 1337, Z Urk. ,[Es] soll jm ge-
holfen syn, swer daby ist' 1400, TnOiess. Stadtr.
Ins Ptc. ist u aus dem Cond. gedrungen; es erscheint
auch bei .JHHott. 1666. Der Hat. P. hei pers. Suhj. ist
alte Regel, ebenso der Acc. bei sächlichem Subj. In .einer
Urteil h.' (1 c) ist U. als Geu. zu fassen, i. S. v. zu einem
U. h., beitragen, gemäss der Formel: Rechtes h. iGr. WB.
IV '2, 954,4, wo auch ,eiuem im rechti-n [vm ilirihil li.'
ans Maler angeführt ist). Die B RA. (■-!) 't n,. h l.-i üi.
(.laO. 957/8) belegt, aber das ,cs' als sächlirh im^sv, r^i:iiMlru,
während es auf eine weibliche Person geht.
ab-: 1. wie nhd. , einem Übelstand ein Ende
machen. Ich will dem Ding scho' a.! Z. Mit Dat.
P. und Gen. S. ,Dass [Gott] uns der gfenknuss helfe
ab [uns aus der Gefangenschaft befreie].' JMürer 1559.
,Dass man inen willfaren solle und mit holz der alten
schulden a.', d. h. so viel Holz zu schlagen erlauben,
dass sie aus dem Erlös ihre alten Schulden abtragen
können. 1557, Hotz, Urk. — 2. „einen Vorrat auf-
zehren, z. B. Vermögen durchbringen " (der unbenutzte
Vorrat wird als eine Last aufgefasst, die beseitigt
werden müsse).
u f-: mit Dat. F., helfen, dass Jmd aufstehen kann Z.
Bildl.: zu ökonomischem Fortkommen beitragen Z;
übli. einen erwünschten Dienst leisten; entgegen kom-
men S. , Einem bei den Haaren aufhelfen, afflictis
afflictionem addere.' Hospin. 1683. ,Dass Gott widerum
[von der Pest] aufgeholfen.' JHLav. 1668.
Vf ist prägnant i. S. v. empor, aufrecht, also mit dem
\'b. nicht eig. zsgesetzt. Vgl. das Folg.
a°-: 1. anziehen, Etw. in Bewegung setzen helfen,
z.B. einen Schlitten GrL.; Ndw. „Zu einem guten
Anfang verhelfen, in Gang bringen" BHk. Wenn-em
a'(fhulfe" ist [wenn er angeregt wird], so chann er
lustig st" Z. ,Dem Feur damit anzuhelfen.' RCvs.
.Addere faccm alicui. Einen reizen. Einem a.' Denzl.
1677; 1716. — 2. mit sächl. Subj.: dienen, willkom-
men sein, den Wünschen Jmdcs entsprechen Z, meist
in der Formel: es ist im a'g'hulfe", lieb, erwünscht,
damit gedient, Wasser auf seine Mühle, passt in seinen
Kram Ap; BHk., Schw.; GrL.; Z. Dem ist guet a'-
g'hulfe" gsi Z. — 3. Ptc. adj. , Angeholfen, bering,
ferig, promptus.' Mal.
Bei 3 ist fraglich, ob es i. S. von 1 zu nehmen ist:
.angeregt, regsam, rührig', also pass., oder i. S. v. ,gehotfen'
(hd/en a), d. h. hültbereit, akt. - An- ist ^prägnant wie «/-
und die Zss. keine eigentliche. . '
ent-: 1. Einem von Etw. e., helfen, dass er es
los werde Z. Auf eine feine Art Einem Etw. ab-
nehmen, entwenden. Ebel. Vgl. ah-h. 2. — 2. = aWi. 1.
AKlingl. 1699. — 3. das Gegenteil von ,helfen': Hülfe
entziehen, Schaden zufügen. , Damit ir dem armen
understandind ze helfen und im aber eiitheUiiid.'
HBuLL. 1531. .Hrlleii will nM ulin- x.-,;\.-r l,;,,in \uu-a
mag, ja vil me iiihLn- .lri- uv,talt .Irs lirir,.ii, rntliillt.'
153'2, Strickl. .Diewyl jm syii |(.otlr,| l,.],.. iiiii,.tLT
darvon gehulfen, so wett er jm nit c. .-.ijulur jm
ouch verzychen.' 1534, ÄgTschudl .Das kiiidliii sull
die hebamm obsich wysen, damit dem. s.. natiirlirlier
burtmitdenihau|itle \\ru\,:u will, nit .jhHimIi..,,. >,ii,.|,,r
zue söliclicr buri uvliull,.ii ^\,-vA,:: K'ii.i' l-^-M. .!■:.. nit
helfen, hilf ab.M-hl.ilirn. arjnvan-.- .AIai,. ..MmMh^n,
die oft mehr e., dann .ml ln'llVn, molir .^,h,iik-n als
nützen.' JMüll, 1666. .Wir \ riLmimli, h i.^t ihre
[einer Ehefrau] Untreu, u.mn .-!.■ aeni-Lll..Mi [Manne]
durch Mörderei völlig cnthill'et.- JMey. ir.ül. ,(i des
eilenden Helfens, so der Satan dem I^i-ib hilft und
der Seel enthilft!' JJGessner 1702.
Bei 1 ist wahrsch. ironische Anwendung wie hei ah-h. ä
anzunehmen. Bei 2 steht enl- geradezu = ah-. Bei 3 hat
es die auch im Nhd. nicht seltene neg. Bed. Vgl. Bd I 352.
Mehr Belege bei Gr. WB. 3, 557.
US-: aus Verlegenheit, Not helfen, z. B. mit Leihen
von Geld, Kleidern udgl. Z, auch mit pers. Dienst-
leistung, Stellvertretung: vicarisieren, in Kirchen- und
Schuldienst, ebd. Mit prägnanter, räumliclur Bed.
,Man hat mir me dann 20 Mal wellen u. [zur Flucht
aus dem Gefängniss].' 1607, Ardüser.
ver-: nur im Ptc. Prät. mit adj. Bed. i. S. v. ge-
holfen (helfen 3), beholfen, behilflich. ,Ein ersame
oberkeit [ist] verhüllen gesyn, dass man disputiert
hat.' Kessl. ,Dass selbige ihnen mit einer Stür ver-
hülfen syn wollen.' 1657, Ap Katserk.
Auffallend ist der auch bei Kohner, Hoiden. III f. (a. 1652)
in der selben Formel vriikniiim. mb- L'inl., «aliisch. nach
Anal, von ,hehillflich, Gclinll.-.
na(ch)e-: nachhellVn. Kim c clih" ii. (ir^n.), den
Tod desselben befördern, .huvh Ciit ,<drv .Misshand-
lung Z.
be-: 1. refl. wie nhd. Z. Mr" lihtlft-si". wie me'
cha"". Me" mucss si''' z' h'hctfc" wiisse". ,Die am
Hirzel möchten sich ihrer Capelle als einer rechten
Pfarre b.' 1533, Z Synodalerk. ,[DieseS: Wirtshaus]
muss sich der bauren b.' HPanial. 1578. Auch: sich
mit Etwas befassen, ein Gewerbe betreiben, davon
leben. ,Piraticam facere, ein meerröuber sein, sich
der röuberei auf dem meer b.' Fris.; Mal. ,Der ge-
meine landmann behilft sich des viehs.' Wcrstisbn
1580 = .ernähren sich die Leute des Viehs.' 1765.
,Ein jeder armer, so sich des älmuesen bi wille.'
Half, helf, hilf, holt", hulf
HPantal. 1578. S. noch Bd I 1004. — 2. Ptc. adj.,
wie nhd. ,Gieng uns etwas Schadens ze banden, er
wäre fast beholfen an der sach.' 1524, Strickl. ,So
sollend wir nun söliche aufnemmen, auf dass wir der
warheit beholfen werdind.' 1531/48, III. Jon. = ,Mit-
arbeiter der Wahrheit.' 1667. ,üamit er dem keiser
dester beholfner und trüwer sollte syn.' Ansh. ,Be-
hulfen sein, dienen, ministrare, esse auxilio, prsesidio
esse.' Mal. .Unbeholfen sin', mit Dat. P., nicht helfen.
1340, Urk. ,Unbeh. und unberaten sin', weder mit
Bat noch mit Tat helfen, s. Sp. 17. — ze-weg-: mit
Dat. P.: Jmd in der Not beispringen; sein Glück be-
fördern Ndw; W. ,Z., auxilium prsestare; fortunam
alicujus inchoare. Das het mer eweg gholfe, hoc fuit
peculii mei fermentum.' Id. B. .Damit er mir an einem
andern Ort z'weghelfe', zu einer andern Stelle ver-
helfe. GOTTH.
Helfer m.: 1. in allg. S. wie nhd. En H. ha'',
Jmden, der mit Einem aus demselben Glase trinkt Z.
In der ä. Eechtsspr. im Gegs. zu ,Hauptsächer' Einer,
der in einem Streite nicht Hauptperson, sondern nur
als Beistand. Genosse, beteiligt ist. ,Wenn solches
Recht zwischen den Parteien geschehen ist und dann
die von Z vermeinen, auch Ansprachen an die von B,
welche H. und nicht Hauptsächer sind, zu haben.'
1447, Absch. ,Diewyl wir nit hauptsächer, denn allein
h. des kriegos sind.' 1475, ebd. — 2. spec, amtlich
angestellter Gehülfe eines Pfarrers. Vgl. die Compp.
Klass-, Pfarr-H. .Diaconi sind alle, so den bischöfen
helfend in dienstbarkeit der geistlichen dingen, die
man jetz nennet h.' Zwingli. Laut Auftrag hätte er
das ,Helferli' zu Frauenfeld, einen Schwaben, der un-
schicklich predige, verjagen sollen. 1525, Absch. ,Pre-
laten, pröbsten, dechan, Chorherren, lütpriestern,
pfarrern, Seelsorgern, caplanen, vicarien, h-n.' B Disp.
1528. ,Da nun die Pfarre grosse Einkünfte habe, die
der Prädicant allein beziehe, obwohl die Pfründe auf
einen H. gestiftet sei.' 1544, Absch. ,Ein H. oder
Capellan soll die Abgestorbenen mit christlicher Se-
pultur bestatten, ihre Gräber mit Wysen, Abends und
Morgens den Sibenten aus fleissig heimsuchen, nach
altem Brauch und Herkommen.' SohwE. Klosterarch.
— 3. Geschlechtsn. 1293; 1320, ZSchwam.
Kapitels- Z, Klass- Aa; B: ein den Geistlichen
eines ganzen Bezirkes (Kapitel, Klasse) zu gelegent-
lichen Diensten verpflichteter H.
N6t-: 1. wie nhd. Iren, (mit Bez. auf die 14 N.
der kath. Kirche): de füfzehet N., ein überflüssiges,
überzähliges Mitglied einer Behörde üwE. Und wort-
spielend : Troster hed 's gnueg, aber z' tcenig N. In-
eichen. — 2. Hülfsarbeiter, Handlanger, Taglöhner.
.Kamen 6 Zug [Gespanne], über welche als Ehrtagwer
samt dem Weibel und 2 Nothelferen ging an Kosten
38 Pfd.' 1661/'2, Babamtsrechn. (Hotz).
Pfarr-: wesentlich = Helfer 2.
Helferi f.: 1. Amt eines Pfarrhelfers B; Z. —
2. Wohnung desselben B; Th; Z. — 3. durch einen
Helfer bediente Kirche oder Kirchgemeinde. ,Es sei
richtig, dass sie die Kirche zu einer Pfarrei gemacht
haben, dann sy allweg für ein H. geachtet [gewesen
sei].' 1540, Absch.
helfiö! s. Bd I 20 (auch Aa).
Helfant m. : Elephant; nur in der ä. Spr. Haus-
name. 1357, Z Staatsarch. ,Der rhinoceros ist niderer
dann der h.' Tierb. 1563. ,Die persianischen Botten,
welche mit einem H-en zum Keiser geschickt wur-
dend.' Rüeger 1606.
Schon nihd. helfant häufiger als el(e)/ant, mit scheinbarer
UmJeutung auf .helfen' (Ptc. Präs. mit der alten End. -ant
wie in icigand, heiland u. a.) mit Beziehung auf die Dienste,
die das Tier in Krieg und Frieden leistete. Bei Ziegler
1647 .helefant'. Vgl. Hel/en-Bein.
Helvekler, Helvezler: als PI., die Truppen der
helvetischen Republik in den Jahren 1798 — 1802.
Das k der erstem Form aus helveticus, frz. hdvitique,
mit Assimilation des ( an die Gutturale (vgl. auch Fekd f.
Felix) ; das j der zweiten aus dem lat.-frz. t vor i in Hel-
vetia, ffelvHie. Der dini. Zusatz l verrät die Verachtung,
mit der jene Truppen (und die ganze damalige Umgestaltung)
bes. von den ürkantonen angesehen wurden. Ein noch stär-
kerer Ausfluss der selben Stimmung ist die Entstellung Hel-
fötzel, welche im ersten Teil sogar auf Neil = Hölle anspielt.
Lieber tod ah nümme schwyzerinch fri und z'letst no^^ gar elend
Hehozel 81/ Schw (Schwzd.). S. Bd I 1156.
Hilf, moderner Hülf f.: Hülfe. Wo H. nötig, do
nütze" d' Wort nüd. Ineichen. Er ist-em z' R. [ge-
eilt] Z ; Vgl. Kiimm-mer-z' H. Auch concr. od. halb
pers.: E gueti H., ein tüchtiger Helfer G; Z. ,[An
die Besoldung der Schuldboten] kommend unser[er]
statt die buossen zuo hilf.' 1553, Z Stadtb. Tautol.:
,Stür und hilf.' 1450, Gfd. .Vocare auxilio alqm.
einem rüefen umb hilf.' Fris. ,H. tuen [leisten].' Mal.
,Ein Tag dem andern zu Hilf [d. i. durchschnittlich]
3 Quart Wein des Tags.' Anf. XVIII., Gr (N.Alpenp.
3, 120 a). - Vgl. Helf.
Volk-: bewaffnete Schaar, Mannschaft. ,Darauf
beide Statt ein starke V. gen Müllhausen verordneten.'
FHaffner 1666. - Hilf in dieser Bed. s. Gr. WB. IV 2.
13'2ö. Auch .Volk' allein kann Kriegsvolk bedeuten.
Ge- m.? n.?: Hilfe. ,Mit Gottes Ghilf.' Stütz
(aus der ä. Spr.). .Alieno ingenio, mit gehilf eines
anderen.' Fris. ,Eine rechtmässige Ehe ist eine unauf-
lösliche Versprechung zur Fortpflanzung des mensch-
lichen Geschlechts, auch zu beider Teilen desto bes-
serem Gchülf abgesehen.' SMdtach 1709. S. noch
Gehilfe.
B e - m. : = dem Vorigen. ,By dem er als by einem
behilf und trost wonen möchte.' HBull. 1540. .Daby
wir aber ein gueten b. nemmend, dass wir uns den
tüfel durch die selben nit lychtlich reizen lassend.'
RGualth. 1559. ,Dass eleut einanderen ein b. und
trost syend.' LLav. 1582. ,Die gerechte Sach ist nit
ein geringer B.' JMüll. 1661.
Wider- m.?: Gegendienst Gr. S. Heu-Knecht.
K u m m - m i r - z e - h i 1 f CTi umm-mer-z'hülfm. : Helfer
oder Hülfsmittel in der Not; Stellvertreter. Ersatz.
.Solatium, remedium.' Id. B. .Ein Geschäftsmann ist
ein Kummerz'hulf für alle Leute, die sich nicht selbst
zu helfen wissen.' Gotth. ,An manchem Ort musste
sie Kummerzhülf sein.' ebd. Die Hausfrau sagt von
einer zufälligerweise vorrätigen Speise, die sie in Er-
manglung von Etwas Besserem auf den Tisch bringt:
Si ist-mer en rechte Chummerzhilf B. Als Titel ver-
wendet für Hülfsbüchlein für den gemeinen Mann,
Reduktionstabellen enthaltend. 1851. B. — Imperat
Satzn. wie Uang-mir-iiaeh, ,Tu-nicht-gut' uaa.
1197
Half-hnlf. Halft-hulft
G'hilfe, G'hülfe m.: wie nhd. Gib-der doch e
G., Aufforderung an einen Lässigen, bei gemeinsamer
Arbeit eifriger mitzuhelfen Bs. ,So neraend wir Gott
zue einem ghilf.' 1776, Lied v. Granson. ,Ein gehilf
etwarzue, adjutor ad alqd.' Mal. ,Damit er hab ein
ghilf und gspan.' GGotth. 1599. S. noch Ge-hüf. —
Be-: Gehülfe bzw. Gehülfin. ,Ich will jm einen b-en
machen, der jm bystande.' HBdll. 1540. Ähnlich
LLav. 1582. Vgl. Be-hüf.
Gehilfer m.: Gehilfe. ,Fromra und triwe Knecht,
die muostent syn Ghilfer syn.' Com. Beati.
hilfig: behilflich. ,Mit knechten und anderm
mynem gezüg h. gewesen.' 1407, Wegelin 1844.
Hilfikon: Name eines Dorfes Aa (nach der in
der Anra. zu Hof besprochenen Form), aber auch
appellativ wortspielend gebraucht: Nid ro" H. si",
nicht gern helfen. Sprww. 1869. — Vgl. Gehikon Sp. 96.
hilf ich: 1. behilflich, dienstwillig. Syn. artig,
fründlich, trostlich. ,Die ganz landschaft wellt inen
h. syn.' 1524, Strickl. ,Denen von Glarus in Kriegs-
läufen offen, gehorsam, h. und gewärtig sein.' Infor-
MATio 1713. ,lhnen hülflichen zuzuspringen.' Bs Chr.
1779. — 2. hilfreich, nützlich. ,Inen helfen mit rossen
und andren h-en tieren.' 1531/48, 111. Esra; = ,arbeit-
samen.' 1667. , Erholend sich einer hilflichen Ver-
einigung gegen den Römeren.' 1531/48, I. Macc. ,Be-
schlossend mit den Burgeren einen hilflichen Bund
uf etliche Jahr lang.' RCys. ,Weswegen auch der
hülfliche Zuzug von der Stadt Luzern wieder abge-
schrieben worden.' 1653, Beitr. Laüff. .Hilf liche Ver-
ständnuss (intelligence auxiliaire)' soll nicht auf ein
Offensivbündniss gedeutet werden. 1739, Absch. —
un-: nicht auf Hilfe (im Krieg) berechnet (nicht im
Sinn eines Schutz- und Trutzbündnisses). ,Der Adel
im Hegöw begert einer früntlichen verständnuss gegen
uns eidgnossen; diewyl doch das ein u-e meinung ist
und nit wyter verfasst, denn dass wir zu einander
sicher lybs und guets handeln und wandeln.' 1501,
Absch. — ver-: behiflich. XVI., AAMuri. ,In sol-
chem Fahl sollend beide Teil einandern verhülflich
sein.' Grü. LB. — he-. ,B-er freund, amicus auxi-
liaris.' Mal.
un-hilfsam. ,Unhülfsame Dienste'. Dienstboten,
die wenig Hülfe leisten. 1786/1801, Z Tageb.
Hulf — PL Bülf — f. : „(auch Dim.) das auf dem
Schulterbein eines Pferdes liegende Sättelchen, durch
welches ein Riemen gezogen wird, an dessen Ende
zu beiden Seiten ein eiserner Ring angebracht ist, in
welchem die Arme der Gabeldeichsel ruhen" B; L.
Viel), aus mhd. halft, neben hulfter und hülst, got. hulittr,
Hülle, das Sättelchen als Hülse des Riemens gedacht. / in
hul/ter würde sich zu « in hulster umgek. verhalten wie in
bair. hahter für haljter (wahrsch. aus hnlf-sler, wie mhd.
vernunet neben Vernunft aus mrnnmfst). Doch könnte unser
Hulf, die Aussprache/* vorausgesetzt, ein Rest des seltenen
ahd. hulfa = helfa, hilfa sein; der betr. Teil des Geschirres
wäre dann concr. als eine Hülfsvorrichtung gedacht. Vgl.
aber auch noch Jiulfteren n. s. Furren 6.
Hnlfeni n. pl.: die Beeren der Eidfmtüäc, des
Schneeballstrauches, vib. laut. BSi. Syn. Hidfteren.
Halftere», in GrD.. L. Hälftre f. : 1. = nhd. ,Halfter.'
allg. Syn. Uälsi'g. Vieh h.-lang kaufen od. verkaufen,
nach dem Augenschein, ohne Nachwähr „Ap;" Gl;
L; „U"; Syn. vom Stecken weg, Vogel über Bach, für
finnig und fül, dahin und deweg. Bas ist nu' H.
läng, gilt nur für kurze Frist, von Dienstverhältnissen
GlM. , Einem die H. lang halten', ihm Freiheit lassen.
.Die ihn [Gott] nur lieben, wann er ihnen das Hälfterli
aufs Längste hält, um sie springen zu lassen.' LKIs-
DERBiTzi 1826. Einen nid us der H. lä", ihn nicht los
lassen, bis er uns Etw. geleistet od. versprochen hat
ZWthur. Bildl. ,sich, den Kopf aus der H. ziehen',
sich frei machen. Vgl. us-halfteren. ,Die banniten
und ufrüerisch lüt haben sich uss den landschaften,
da sy gefrgfiet, gemacht und [anderswo] platz, uf-
enthalt und damit den köpf uss der halfter ze züchen
gestand und rugken funden.' 1531, Absch. Abt Jörg
merkte, dass die von St Gallen ,sich gern uss der
halfter zogen' und von ihm ganz frei gemacht hätten.
Vad. ,So ein herr jn der knechtschaft guotwillig er-
lasst, so soll er die selb früntschaft wol annemmen;
sonst aber den köpf uss der halfteren wollen zühen,
wie man sagt, das ist unriicht.' LLav. 1584. ,Wie
gefahrlich es seie, wenn sich der gmcine mann durch
aufrur aus der halfter reisset.' Wdrstisen. ,Die H.
ufschlagen', loslassen. ,Er [der Gouverneur von Mai-
land] könnte ihnen [in das Tessin eingedrungenen
Soldaten] die H. aufschlagen und sie den Pass [Durch-
zug] selbst suchen lassen.' 1627, Absch. — 2. Strick,
an welchem das Heugarn über den Berg hinunter-
gezogen wird ScHwMuo. — 3. „Haarflechte BHa."
In einer Urk. von 1627, AaVfohl. begegnet die Form
,Ha!sstarre' : ,Man soll das Vieh .in der H. oder Treiber-
riemen durch die Matten führen', offenbar mit Umd. auf
oder Anlehnung an Halsstarre i. S. v. Halsstarrigkeit, aber
eine Form mit s st. / mnss doch schon da gewesen sein und
erklärt sich rein lautlich nach dem in Anm. zu Hulf Be-
merkten. Die Form mit ä kann rein lokale Lautfärbung
oder mit Anlehnung an ,he!fen' gebildet sein. Der Ausdr.
H. lang ist zeitlich zu verstehen : so dass die Nachwährschaft
aufhören soll, sobald das Tier ah der H. des Verkäufers ist.
Bed. 3 wahrsch. urspr. scherzh., weil eine solche Haarflechte
wie eine H. vom Kopf herunterhängt und sich wie eine H.
brauchen Hesse.
Stall-: H., an der Tiere im Stall angebunden
werden Z.
halftere": mit einer H. festbinden BE.
an-: 1. ein Pferd an die H. nehmen B (Zyro).
— 2. mit einem Menschen sich einlassen B (Zyro).
Was für Eint het-er a'glialfteret? um sie zu heiraten.
Vgl. nhd. ,anhinden mit Jmd'.
US-: refl., sich von Etw. los machen, aus einer
schlimmen Lage entkommen; sich mit Ausreden aus
einer Verlegenheit zu ziehen suchen. Sulger (ushin-).
Vgl. ,sich aus der Halfter ziehen'. ,Sich diser An-
forderung nochmals u. wollen.' 1657, Z. ,Sich von
der Römeren Joch aushalfteren.' JHHott. 1666. ,0 wie
gern wollte sich da unser schwaches Fleisch aushalf-
tcren?' JMüll. 1673. ,Wie sie sich aus ihrem Jammer
aushalfterten.' AKlingl. 1691. ,Ich hab mich schier
niclit aushalfteren können, vis dabatuT rima qua ela-
berer.' Mey. Hort. 1692. ,Sich aus seinen Nöten aus-
halftern und durchbrechen.' AKlingl. 1695/1704.
Hälfti, -e'- f.: Hälfte. Of der Reifte se; in der
Hälfte der Schwangerschaft sein Ar; Synn. s. Halh-Teil.
1199
Halft-linlft. Halg-hnlg. Halk-hulk. Halm-lmlm
Uf der H. träge", von Kühen Z. Er hat es Moatli
[Mädchen] gern Ica", aber er hat 's nur uf d' H. brocM,
d, h. sie hat ihn nicht wollen GBern.
Dass das W. nicht alt obd., sondern aus der Schriftspr.
eingedrungen ist, zeigen das daneben bestehende Syn. Halb-
Teit und die subst. gebrauchten FormeB des Adj. halb (3), s. d.
üf-hälftre°: zertrennen, enzwei schneiden, z.B.
ein Stück Holz, einen Stein W.
Halftere» BsLd; BO.; GT.; Sch (auch dim.); Z,
Hü- Aa (auch Hülfter); Gr; GT.; Th, Ho- Aa, Hö-
Aa; Schw. Hofterli SOlten — f.: 1. (auch: roti H.
Aa) wolliger Schneeball, vib. lant. Aa; Bs; GRRh.;
GT.; Sch; Schw;_ SOlten; Th; Z. Syn. Hulfi-Stüd.
— 2. (auch: wis'si H. Aa; BsLd) Wasserholunder,
Tib. op. Bs; Z. — 8. Wollweide, sal. lan. Gr; „Z."
— Mass- = Mäss-Holder 1 AABirm., Fisib. — Nass-
Holfterli = Hulfteren 1 Aa. Vgl. Nass-Rolder.
Zsges. ans Hui/ (s. äulfeni) und dem in der Anm. zu
Helder besprochenen Suff. (er. S. auch Hui/; die Zweige
yon vib. lant. gelten nämlich als die Torziigüchsten Bänder.
Halg, helg, hilg, holg, hulg.
Helg G; ScflStdt (Halg Buch); S, H-e" Bs; B; Gl;
Gr; Sch; S; Th; U; W; Z (Dim. Helgli, HelgcU, in
ÄASt. Hölgli, in W Hehjgi — PI. H-e'), Her ZZoll.
— m., in AaoF.; B; L; SchwE.; Uw — f.: 1. Bild
auf Papier udgl., sowohl von Hand gemaltes oder ge-
zeichnetes als gedrucktes; zunächst Heiligenbild L;
Uw, vorwiegend kleineres, dgl. z. B. von Kapuzinern
Kindern geschenkt, als Buchzeichen verwendet werden
Aa; Gr; GO.; aScHW; Th; Uw; U. Dann auch Bild
übh., auch Bilderbogen; doch von grossen Bildern,
Tahleaux vielorts jetzt nur in wegwerfendem Tone
(dafür Portret usw.), dagegen allg. von kleineren Bil-
dern und daher mit Vorliebe in dim. Form. Synn.
Ginggeli, Hübscheli, Tafekn, Breierli und s. bei Ili
Bd I 179. Vgl. H-en-Buech. Die Helg, wo d' Schlacht
bi Sempich druff abortegraphiert gsl' ist. MLien. fVon
Alle') 's H-li [den Preis vor Allen] verdiene' AaB.
I iKOtt fßes H-li, ich begehre keinen Dank (für eine
Mitteilung, für die man auch keine Verantwortung
übernimmt), i. S. v. ich will Nichts gesagt haben
und auch ferner Nichts davon wissen SL. Ei'"m
d' H-e' g'schaue", ihn tüchtig hernehmen Zu (Schwzd.).
Ein Spiel mit Bildchen s. u. Stecheten. ,[Ich] schankt
jnen [den Bauern] helgli, die könnt ich malen, die
innestend sy dann tür genug bezalen.' NMan. ,2 hölzine
Däfeli mit Helgen.' c. 1600, Z Inv. ,Es sollen auch
keine Krämer weder mit Trucken, Stecken od. andern
Dingen weder Bilder, Heiligen, Rosenkränzen oder
andern Waaren nicht in die Wirtshäuser tragen, son-
dern ofFenlich an einem Stand feil haben, damit weder
Bilger noch Wirt verhindert werden.' 1608, SchwE.
Klosterarch. — 2. a) Anblick, Schauspiel, meist iron.
Zueluege' u-ill {''• aber, wie ir in 's Bad icandere', das
wird e seltene H. ge' Bs. — b) Verzierung, iron., z. B.
tadelnde Bemerkung in einem Schulzeugniss Bs. Hie-
her viell. auch : Er macht-em en H, wäscht ihm den
Kopf. SuTERM. — 3. pers. a) Heiliger. Tue' a's tne
ne Helgli, als ob man kein Wässerleiu trüben könnte
Bs. Er ist Wäger kei Helgli, wenn er scho' eso tuet.
Sprww. 1824. — h) iron., eine nicht bes. ehrbare
Weibsperson B; vgl.: En sübere Heilige'!
Helg neben Helge' wird daraus zu erklären sein, dass
auch in der Schriftspr. subst. Adjj. im Nom. Sg. das -e ab-
werfen, wenn sie Personen bezeichnen (wie ,Fürst, Herr') ;
und der sächl. Bed. liegt ja die pers. auch hier zu Grunde,
wie sie denn auch in 3 wieder hervortritt, nur dass sie dort
durch die sächliche hindurch gegangen ist, wie bei a die
Dim. -Form zeigt. 3 b könnte wohl auch aus "2 a oder b
erklärt werden. Helger muss Überrest einer frühen Ver-
härtung sein; vgl. halber. Das Fem. wohl nach Analogie
von Tafele'. Bei 2- liegt natürlich auch die Bed. ,Bild' zb
Grunde, nur ist es dort kein künstlich hergestelltes. Dass
die H. genannten Bilder ohne künstlerischen Wert sind,
dient zur Erklärung der iron. Nebenbed. bei 2 und in Zss.
Und zwar urteilt so nicht etwa nur das protest Volk, denn
auch it. volo, Votivbild, bedeutet zugleich schlechtes Gemälde
und Dial. ruli z. B. die Bilder auf den Spielkarten. Die
RÄA. beziehen sich darauf, dass H-t' oft als Belohnung oder
Auszeichnung verschenkt werden.
Monet-: Monatsbild im Kalender S. — Märt-:
Bild von geringem Werte, dgl. auf Märkten verkauft
werden Z.
Kirsi-mues-Helgli = dem Vor. ü. — Eig. eine
Schmiererei.
Spitz-: Bild mit ausgestochenem oder gezacktem
Rande L. — Tauf-: Taufzeddel mit Inschrift und
Bild Obw. — Zieh-: Bildchen, welche auf ihrer
Unterlage verschiebbar sind, so dass man die Figuren
wechseln kann Z.
ab-helge°: abbilden ZSth.
helker: Adv., beteuerndes oder verstärkendes
Fluchw. = höllisch LM. — Euphem. entstellt ans helliach.
viell. mit Anlehnung an das syn. heeker.
Halm, heim, hilm, holm, hulm.
Halm 1 Z (auch H-e"), Hallem SchwMuo., Halle'
Gl; GnObS.; U (ä), Hallo' W, Holle' UU. — PI.
Halm Aa; Sch; ZB., Halme' AAEhr.; L; GA.; Ztw.,
Halm Aa; GTa.; Th; Ztw., Halle' Gl, Hallem Schw
Muo., Hähne' Th — m., in Gr ObS. f.: 1. Grashalm;
Halm, die Gräser übh. Schw; U; vgl. Heu-H Die
Wisehäd ril Halme, gutes Futter ZZoll. Vgl. halmig.
Die Cime bricht kei" Haie", ist krank Gr. ,A1s denn
so gibt man jm hälm, höuw und gersten zu essen.'
Tierb. 1563. — 2. (meist im PI.) Getrcidehalm. a) vor
oder in der Ernte; vgl. Fese Bd I 1069. In d' Hälm
gä" s. Sp. 4 und Em Bd I 463. Mit der RA.: Gend-is
Öppis i' d' Hälm ! betteln Schnitter Vorübergehende
an Aa. Insbes. wird von dem jüngsten ,Hochziter' im
Dorf, wenn er sich bei der Ernte sehen lässt, Öjjpis
i" d' Halme", ein Geschenk, verlangt Z. Ein'n i' d'
Halme" m'. Einen, der am Erntefeld vorübergeht,
bes. den Bauer selber, mit vorgehaltenen Halmen
unversehens umfangen und gefangen halten, bis er
sich durch ein Trinkgeld löst ZUster; vgl. in d' Agle"
ne'. — b) nach der Ernte, der stehen gebliebene,
untere Teil des Halmes, die Stoppel; Syn. Stuffle.
S. Hagel Sp. 1075. Der PI. auch coli. i. S. v. Stoppel-
feld, insbes. zur Bezeichnung von Land, das im ver-
flossenen Jahre Getreide trug ZO. Arme Leute dürfen
in d' Hälm go" jäte", das zwischen den Stoppeln
wuchernde Unkraut als Futter für ihr Vieh holen
1201
Halm, heim, liili:
)lm.
1202
oder geradezu i' d' IL go' hiietc", ihr Vieh dort weiden
lassen ZWyhi. /" d' Hähne" tribe", das Vieh auf die
Stoppelweide Th ; Z ; vgl. ins Herbstgras faren. Für
das Umpflügen od. Umgraben des Stoppelfeldes gelten
die Ausdrücke r In d' Hähne" fare", d' Hahn umefare"
Th, Hahn chere' GTa.; Th, Hahn iimetue', nmeschlä'
Zu.; Syn. halmen. ,Ein amptmann soll järlich die
liiilm bannen, dass nieman darin tryb, bis die zeig so
wyt abgeschnitten wirt, dass der rinderhirt an eim
ort gehüeten mag und der küehirt am andern.' 1472,
Gßurg. Offn. ,[Das Vieh] in die halm schlahen', auf
die Stoppelweidc treiben. 1536, ZTöss Offn. ,1 pfd
gabend die von Binzikou, als sy zu früey in die hälm
gfaren.' 1560, ZGrün. ,Der Ackerboden in der Brach
und in allen Halmen war ungemein trocken.' 1793,
ZNiedergl. ,Das Ackeren war beinahe unmöglich in
dem Koggen- und Kornhalmenfeld.' ebd. — 3. Halm
als Sinnbild des Kleinen, Geringfügigen, Nichtigen,
mit Neg. s. v. a. nicht das Geringste. Schi heint hei'
Haie' Hew me'' in-der Schlr, kei E. Brod im Hüs Vf.
Alls bi Hole' und bi Leck [mit Stumpf und Stiel]
verlöre" U. Das ist kei H. Grechts, Nichts wert. ebd.
Kei H. Wärmi UUrs. Es ist mer kei H. drum U.
I'* ha" kei Hahne" U'grechts i" mim Hüs. Wolf,
Gespr. Früher auch als Mass der Breite: ,Wan umbe
den munt sunt sü [die Lazanter] scheren eins halmes
breit.' 1314/21, Gfd. — 4. bildl. RAA. a) ('s) Hälmli
zieh* (zücha"), das Leos ziehen, mit kürzern und län-
gern Gras- oder Strohhalmen, dann übh. loosen, auch
ohne Halme Ap; Bs; L; SchwMuo.; Th; Z; Syn. Spissli
zücha", hälmlen. ,Ich riet, wir täten 's hälralin ziehn;
wem das längst wurd, müesst richter sein.' GGotth.
1599. Vgl. Gr. WB. IV 2, 239, 6. — b) Eim 's Hälmli
lä", den Vorzug, Preis zuerkennen B (Durh.). Ähn-
lich: ,Och der widertoufer rott hat jm [dem Zwingli]
müessen das hälmli geben [sieh besiegt geben].' Kessl.
,A11 ander propheten sönd jm [Johannes] wychen, sy
müessend jm all 's hälmli geben in frombkeit, heiiger
leer und leben.' Aal 1549. ,Wiewol er [Scipio] hat
gwunnen gross guot und hab, noch nimmt jm diser
[Hercules] das hälmli ab [übertrifft ihn].' Salat. ,Pal-
mam ferre, den preis gewünnen, das hälmle erlangen.'
Fris. Vgl. Gr. WB. IV 2, 241, 2. — c) Eim 's Hälmli
dur''' 's Mul zieh', glatte Worte geben, trügerische
Hoffnungen erregen, mit leeren Versprechungen ab-
speisen BO., schmeicheln Ap; BHL; GrV.; Th; W; Z;
Syn. Speckli d.'s M. z. In einem Lied von 1712 wird
von Zwingli gesagt, er habe vor dem Cappelerkrieg
den Zürchern ,das H. durch die Goschen gezogen
[Sieg versprochen].' Vgl. Gr. WB. IV 2, 241 f.
4 b beruht auf a; das .Hälmli' ist hier der kürzere H.,
den der Besiegte dem Sieger zum Zeichen seiner Verzicht-
leistuDg überreicht. Die RA. 4 c, deren Bed. eig. ist: ,Jmd
einen Vorgeschmack von Etw. geben, dessen Vollgenuss ihm
versagt bleiben soll', beruht darauf, dass man gerne die Halme
gewisser Gräser, auch des jungen Getreides, durch den Mund
zieht, um einen süssen Geschmack zu bekommen.
Glücks-. So hiessen die letzten Halme, welche
man knieend unter Nennung der 3 höchsten Namen
mit der Linken abschnitt, und deren Körner man
unter die neue Saat mengte, in katholischen Gegenden
mit Weihrauch und Gebet eingesegnet Z f. Vgl. Gl.-
Garben, -Hampflen, -Korn.
Chorn- ScHwIb.; U, Chlotz-, Chlötz- Schw,
Chnopf- GWe.; SoHwMa., Pflege!- Zg, Rog- GT.,
Schweiz. Idiotikon. II.
Ross- Scuw; U, Schlegel- Gr, Schmgr- GWe.:
Knäuelgras, dact. glom. Synn. s. bei den Zssen von
Gras.
(Halm- SchwE., Ried- LW.; ScHwMa.; U)Be-
se"-, Beseli- GoT., We.; Schw; USil.; Zg: Pfeifen-
gras, mol. caer.
Schaft-: Schachtelhalm, equis. hiem. (Durh.).
Spitz-: Ackerquecke, trit. rep. ScHwMa.; U.
Strau-: Strohhalm; im Abergl. mannigfaltig vor-
kommend. ,Sie sollen Strohhalme suchen und sie
kreuzweise über einander in die linke Hand nehmen
[um an einem Gespenst vorbeizukommen].' HPest.
1785. Hexen können aber auch in Strohhalme verwan-
delt durch das Schlüsselloch dringen. Ein Schlosser-
geselle, welcher Nachts oft vom ,Schrätteli' geplagt
wurde, griff einmal nach demselben auf seiner Brust;
da ihm nur ein Strohhalm in der Hand blieb, eilte
er mit demselben zum Amboss, wo er ihn unter den
Hammer nahm; da stürzte mit Wehgeheul die Meister-
frau herbei, welche eben die Hexe war ZZoU. Früher
bildl. für Geringfügiges: ,Gib redlich bar, du trunkner
koch, und nit glych um ein strouhalm hoch.' Haeerer
1562. — Zu dem Abergl. vgl. Wuttke, Vulksabergl. (2)
Nr. 415. 708.
Troll-: Wiesenlieschgras, phleum prat. GoT.
halme": 1. das Stoppelfeld pflügen WLeuk. Syn.
strüchen. — 2. „das Vieh auf abgeernteten Getreide-
feldern weiden lassen Th." — 3. geschnittenes, aber
nicht ganz reifes od. noch feuchtes Getreide ,h. lassen'
= liegen lassen ZEglis., Uhw. — Zu 1 u. 2 vgl. Balm 2 b.
3 eig. = an den Halmen liegen lassen.
Halmere" f.: 1. „Ackerfeld, das Nichts als Halme
trägt W." — 2. Stück Land, welches bisher zu Getreide-
bau benutzt, nun zu Wiese umgearbeitet wird BHa.
gehalmet Gl, g'halmig ZZoll.: (von Gras) reich
an Halmen.
hälmle" hälemle = Hälmli ziehen SchwMuo.,
s. Halm i.
Hälmli°g m.: Bündel von Flachs, so viel eine
Hand fassen kann Th. ,Der Lein wird in kleine
Bündel von etwa 2'/2 Zoll im Durchmesser gebunden,
die man Helmlinge nennt; 32 solcher Helmlinge ma-
chen einen Kloben, durch welchen Ausdruck man das
Quantum des erhaltenen rohen Flachses oder Werches
bezeichnet. Diese Helmlinge werden an der Sonne
noch besonders ausgetrocknet.' Alp. 1827. — Wahrsch.
eig. = Bund von Halmen.
Halm II Hahm SchwMuo., Hohn BsLd; S NA.,
Helm Sch (Kirchh.; St.»-) — PI. Hälm Ap, Hälem
SchwMuo.; Dim. Hälemli. ebd. — m. : 1. Stiel oder
Schaft einer Axt, Hacke udgl. AAZein.; „B; L;" Scuw
Muo.; Th; Z. S. uoc\\ Halb. ,Der H., capulum, ma-
nubrium, als an einer ax.' Mal. ,Was wir nit erlupfen
mögend grad hütt, wir drumb den Mut nit lassind
sinken, oder den Halm der Achs nachwerfind.' 1632,
JJBbeit. .Ein H. von einem Karst.' Bhagor. 1639.
,Die Axt fiele aus dem H.' JMüll. 1661. — 2. Seiten-
stange der Leiter Bs. — 3. Klöppel, Schwengel der
Glocke Ap; Gr (Haie'"); GP.; Syn. Kallen. ,Meist
sagt der H. in der Schelle, was die Schelle sei, wie 's
im Sprichw. heisst.' UBrägg. ,0b ich ein gloggen lüt'ti
und der halm herab fieli.' XIV./XV., Marc. v.Lindaü.
Mhd. halmc, halm, heim, in Bed. 1 u. 3, wird insgemein
als gauz verschieden von IJ<ihii 1 uud verk. aus einer Grundf.
Halm, lielm, hilm, holni, hulni
1204
ludh(ii)mo erklärt, was allerdings zur Erklärung des sj-n. Ualh
dient, sonst aber nicht abs. nötig und auch nicht ohne Be-
denken ist. — Bed. 2 erklärt sich aus dem allg. Begr. von
Stange, der auch bei 1 zu Grunde liegt und auch auf 3
angewandt werden konnte; eine lautliche Verwechslung mit
dem syn. KaUc" (Challe, Nebf. Halten ist nicht wohl anzu-
nehmen, da auch die Const. Chr. des XV. das W. in jener
Bed. hat.
Achs- GlH.; GrA.; Uw; Z, ÄgscU- GrD., Pr.,
Ex- GRuVatz, -Halm Gr uVatz; Z, -Halb GlH.;
GrD., Pr.; UwE.: Stiel der Axt. ,4 Pfd 10 ß per Ax-
helm und Holzschlägel.' 1782, Hotz, Schwam. Urk.
.Achshalm, securis manubrium.' Mal. Auch als Mass
für die Länge von Holzstücken Gr (Sammler 1809,
S. 400). ,Der Inhaber der Schweig auf dem Etzcl
soll die Brügel ihr Länge nach auf 3 Achshalm und
nit kürzer hawen.' 1527, SchwE. Klostcrarch. Als
Geschlechtsn.: ,Peter Achshalm, Venner zu Bern.' 1511.
Glogge"- = Halm II 3 Ap.
Biel-Ealb GlS., Biels-Halm S, It St.»- -Helm F;
Gr; L; Zg: Stiel des BeiLs. ,Heisst nit en Vers:
Der Axt im Haus fällt sehr oft der Bielshalm aus!'
BWtss 1884.
Barte-: Stiel der Streitaxt? vgl. Hellebank (aus
Helm-B.) und das Folg. Er liätt' de' Lotterbuebe" der
Besestü viit-em B. us de" Fingere" g' schlage' . B W yssI 885.
Wäfen-Halb: Stiel der Axt oder des Beiles BHa.
hälme°: (Werkzeuge) mit Stielen versehen. ,Dem
Wagner, Schuflen ze helmen.' G Hdschr. — ge-
hälmet: mit , Halm' versehen. ,Machist ein argument
US Crisippi dialectica: arguierst grad von eppenaxen,
wie sy gehelmt ward.' Gyrenr. 1523, 53.
,E.' istUmd. von ,Ekkesahs', dem Namen des sageuhafteu,
von Dietrich von Bern dem Ekke abgenommenen Schwertes,
auf ,Axt', und im Zshang mit derselben steht der Wechsul
des Geschlechtes. Vgl. L., Mhd. WB. s. v., welche Stelle
mit der unsrigen einen neuen Beweis der vormaligen Volks-
tümlichkeit der (in dem obgen. Jhdt allerdings längst ver-
dunkelten) Dietrichsage in der Schweiz liefert. Der Sinn
ist: Du gibst dich mit unfruchtbaren Spitzfindigkeiten ab.
„Jo-", Ju-, Joch-Halm L, Je-, „Jech-",
Nie(r)-Helm Gr m., I-Halme" f. SG., Helme»
G oT. : langer Kiemen (aus ungegerbtem Leder), mit
welchem den Zugtieren das Joch auf den Kopf auf-
gebunden (ingewettet) wird. ,Subjugia, jochriemen oder
jochholmen, damit man das joch aufbindt.' Fris.; Mal.
Ahd. joh-halm(o) , -hthno, yich-, jich-halm, giochelmo, mhd.
cjiech-halme, -hdme m. Ein altes W., in seinem ersten T.
schon früh entstellt durch Assimilation des o an das voraus-
gehende y, dann durch Verflüchtigung der anl. Gutturale des
zweiten Teils. Nie- ist entstanden durch Herüberziehung
des ausl. n eines vorangehenden an oder in; Nier- ist sinn-
lose weitere Entstellung, da nach langen Voc. oft r einge-
schoben wird. Ob das zweite W. wirklich von Halm I n. //
verschieden sei, ist fraglich. Auch die Bed. des Ganzen
scheint sich etw. verändert zu haben, da früher der Kiemen
zur Leitung der Tiere gedient hätte, und wirklich lassen
sich zwei gewisse Stellen der Öffnung von SchBnch leidlich
nur verstehn, wenn diese letztere Bed. untergeschoben wird:
,(§ 36) Und welher Ramsow bonwet, der soll uf ein ross
sitzen und das ander an die band nemen und soll die jechelm
für sich nSmen und syn morgenbrot und soll hinyn faren.'
,(§ 19.) Es soll ein styg gun von des Rynsfelds hurd an
das nider füld [und soll er hindurch fahren??] mit synen
jechelnien.' (Unot 18. 16).
Hälmli s. Harm.
Helm I m.: 1. Kopfbedeckung des Kriegers. , Wel-
cher als er im Stryt sein Helmlin uftat, dass er desto
bass sgchen möcht, mit einem Pfyl durch das An-
gesicht erschossen ward.' ECvs. Bildl. = Kopf. , Einem
zum H. springen' = über Einen herfallen: ,Bur, was
tuest du do, du öder schelm? mich glust't, ich sprung
dir zuo dem h.', spricht der gewalttätige Reiche zu
dem Recht suchenden Bäuerlein. HBull. 1533. Concr.,
Helm tragende Mannschaft. ,Die Gerichte über die
Helm', das Mannschaftsrecht. 1376, Mey., Wetz. —
2. helmartig gewölbtes Dach von Kirchtürmen L.
,1506 satztend Marpacher den holm auf Iren turn.'
Vad. ,Das helmlin, do das glogklin inn hanget.'
1540/73, Mey. Wint. Chr. ,Ward der nüwe Helm oder
Gloggenturn utf der Jesuiter Schul ufgericht.' ECys.
,Helm, die obersten spitz an kilchentürnen.' Mal. —
3. hölzerne Vorhalle einer Kirche, Vorzeichen Gl. —
4. gewölbter Deckel eines Destilliergefässes Z. Vgl.
Brenn-H. ,Dass er [der Spiritus] mit über den Helm
steiget', mit überdestilliert. JZiegl. 1674. — 5. „Nach-
geburt der Pferde Schw; Zo." — 6. Verkürzung der
mit -Helm zsges. Personn, a) Anshelm Schw, b) Adel-
helm Uw, c) Wilhelm, auch Dim. Helmi Aa; Bs; B.
Zu der RA. u. 1 vgl. ähnliche mit Hube Sp. 950 u.,
Dach. Bed. 3 eig. gedeckte Halle. Vgl. Helm -Hü» und
Helmi n., Name eines Hauses am Kornmarkt in L (XV.).
Zu 4 vgl. ,Helm', Wölbung, oberer Teil der Branntweinblase.
Gr. WB. IV 2, 977, 4, b. Zu 5 vgl. ,Helm': das Bälglein
um den Kopf, das einige Kinder auf die Welt bringen. Gr.
aaO. f; vgl. Glücks-Hühe Sp. 952 Anm.
Hals-: Entstellung des Namens Anshelm SchwE.
Vgl. Hälsel 2. — Durch Angleichung des 1. Teils an den 2.
entstanden.
B e iji-Helmi in Fr. Ztschr. 11 367 beruht auf irrtüm-
licher Lesung des Originals f. B.-Hemmli (s. B.-Hemd).
Brenn -Helm: = Helvi 4. .Distaliers durch den
Br. und behalt das [gebrannte] Wasser.' ZZoU. Arzneib.
1710. ,Br., balneum Maria;.' Denzl. 1677; 1716.
Scheid-: = dem Vor. ,Ein Trunk aus dorn Eis-
wasser, welches die Natur in dem Seh. eines Gletschers
abgezogen.' BsStdt 1759.
Helmer m.: Helraschmied. .Oben wohnten die
Helmschmiede oder Helmer und Halsberger, d. h. Die-
jenigen, welche die sogenannten Halsbergen (Panzer-
hemden) verfertigten.' Bs XIV.
Helm II m.: 1. weisser Fleck des Viehs auf der
Stirne Ndw. — 2. Stier mit weisser Stirn od. weissem
Streifen über der Nase BO.; Gr. Heimelt, Kuhname
üw; Syn. Bless, Blösch, Stern.
Wahrsch. mit Hehi I urspr. das selbe W. Vgl. tivhilt
und ähnliche Bezeichnungen. S. Helmi I.
Brün-: braunes Rind mit einem weissen Strich
über die Stirne herunter BO.
Helme- rti» f- Gr, Helmi 1 n. GrD., L.; „^''(ä):
Name einer Kuh mit weiss geflecktem Kopf; Syn.
Helle, Blesse. ,Es geht den Bundesrat gar Nichts an,
ob ich Tschäggiveh habe oder Helmi.' Obw Volksfr.
Das syn. Sehilt spricht dafür, dass der Name eher zu
Helm II gehöre als etwa zu Halm — Harm, Wiesel.
g'lägg-helmet: Scherzw., etwa zu Kindern, wenn
man ihnen die Farbe von Etwas nicht nennen wiU.
E glägghelmets ScMssK GSa. - Der 2. Teil wahrsch.
aus Helm II, Helmi I, der 1. viell. aus gdeck-.
Helme" s. 1. Jo-Halm, 2. Helwen.
120.5
Halm-huliii. Halp— liiil|i. Hals -hüls
Helini II n.: altes Harst- und Schlachthorn der
Uutcrwaldiier, jetzt noch bei der Landsgemeinde ge-
blasen von einem Mann (H.-Blaser) mit Federhut,
rotweissem Wams und Pluderhosen, der beim Aufzug
Toranschreitot. In Obw heisst das Hörn auch Lands-H.
.Das Helmi wiegt an Silber It habender Aufschrift
1 I'fd 31 Lot/ 1799, ÜBW Verzeichniss. ,1828 wurde
beschlossen, ein neues Ivirchgangshelmi anzuschaffen,
da das alte an der Landesgemeinde nicht mehr ge-
braucht werden kann.' AKücbler 1886. ,18.50 hat das
von Gürtler N. gefasste Helmi samrat Mundstück und
Quasten 29 Fr. gekostet.' ebd.
Das W. wird auch mit ö geschrieben und wahrsch. so
gesprochen. Die Etym. ist dunkel. Wie von (ßllen mhd.
ijiihn, Schall, so könnte von hellen ein halm, mit der selben
Bed., und davon ein Ntr. mit -» gebildet sein.
Helmine: Wilhelmine Aa.
hilm usw. s. hihc.
„Helmkere" f.: Schmeichlerin 15. - Vnn Ah/.'
Halp, help, hilp, holp, hulp.
Vgl. auch die Gruppo //..«, usw.
holpere"; 1. wie nhd. AAZein.; Z. — 2. schlecht
gehen, wanken, von Vermögenszuständen. ebd.; Syn.
ginygen. — Vwdt mit hülpen (s. d.), welches ebf. einen
unregelniässigen, anstossenden Gang bezeichnet.
über-: umwerfen, zum Falle bringen. Unpcrs.:
Es üherholperet i''n, er macht Bankrott L; Syn. üher-
hiigeren.
ungeholpere t: Ptc. adj., holperig, von einem
Wege B oHa. — f«- verstärkend oder von syn. neg. Bi-
zeichnungen tibertragen.
hölperle°: in kleinen Sprüngen hüpfen AA(Minn.).
Viell. entstellt aus oder vermischt mit hiipperlen, von
hujßjien = hüpfen, da auch mhd. holpeln statt hoppeln, hüpfen,
humpeln, vorkommt.
Hiilp m. : hinkender Mensch GWe.; sonst Hülpi.
hülpe": hinken, wankend, mühsam gehen Aa;
Ar; B; ÜL; L; G; Scb; Schw; Th; Zg; Z. Es hülpet
Eis [ein Kind], chlagt über müedi Bei". Wil seh'
[weil sie] lami g'sin ist, isch seh' [sie] de Berg iif
ghütpet GRSchiers. Syn. gnepfen, hültschen, hümpen,
hupfen, zülpen.
Nahe vwdt mit hdperen, der ä. Spr. fremd; aber engl.
himp steht nahe, wenn wir hüljien auf ein älteres, starkes
hilj>r:n zurückführen.
Harz-Hülper: Scheltn. für einen Schuster.
UBrXgg.
Hülpi ra.: hinkender Mensch Aa; Ap; Gl; L;
G; Sch; Schw; Uw; Z.
hülpig: hinkend. Der leid h. Chrüppel Gr.
„Ge-hülp n.: die Masse der Hülsen beim Dreschen
des Getreides LE."
Wahrsch. mit der den Gebirgsmundarten beliebten Ver-
härtung der Media nach Liquida zunächst aus • Chiill und
dieses für'O'/iiVw; s. noch i/rfwc". Hiemit Hesse sich auch
das Sp. IICO untergebrachte G'hüU gut vereinigen.
Hals, hels, hlls, hols, hüls.
Hals m. : wie nhd. 1. als Körperteil übh.. ohne
bes. Bed. En digge H., Kropf GA.; Z. En lange" H.
üherelw, lange warten müssen; Eim en l. H. mache',
ihn 1. w. lassen Ap. We"" d'r Winter e' länge' H.
het, so het er o''- ne" länge" Schwanz F, s. Gräme II
(Sp. 784). 's Hlls a'n H. henlce", zum Fenster hinaus
schauen Z. Über Chopf und H., z. B. laufen, in höch-
ster Eile Z, vollauf zu tun haben S. Er ist g'lert
bis a" H. (ufe), witer nid. Sdlger, oder mit dem Zu-
satz: aber de"" Gliopf ist e" När. Ineiches. S. noch
flotschen Bd I 1228. ,Um ein köpf und ein h. länger
worden.' FPlatt. In der ä. Spr. zuweilen auf an-
grenzende Körperteile ausgedehnt. Vgl. Gr. WB. IV
'2, 243. ,Mit dem wott er das schwort ab dem h. nen;
ist im N. vorgefaren und im das schwert genommen.'
1.52.3/'24, Strickl. [Man trug das Schwert an einem über
die eine Schulter gehenden Gehäng]. ,So einer ein[en]
inn h. schlahen [einen Nackenstreich geben], ouch
schmächlich syner eeren anziechen wollte.' HBull.
1572. ,Gott tröuwt den priesteren, er wolle inen das
kät irer opferen in das ang'sicht werfen, als do man
einem ein kuttelbauch an h. wirft.' LLav. 1.58'2. ,Den
h. nid sich oder gegen der erden henken, petere terrani
oervice. Eosea cervix, hüpscher, schöner h.' Mal.
.Wann [der Musketierer] die Mus(iuet von dem H.
nemmen will-, neben: ,von der Schulteren.' ValFhie-
DERiCH 1619. — 2. mit bes. Bed. a) der H. als Organ
des Schluckens. De'' letz H., die Luftröhre, auch
Sunntig(s)-H., im Gegs. zur Speiseröhre, Werchtig(s)
[Werktags]-!?., s. dd. Es ist-em Öppis in'n letze H.
cho" Z; Syn. er hät-si''' über-, ver-schluckt. Alles de"
H. ab, hinter 's Halshäftli abe" jage", für Essen und
Trinken ausgeben S; Z. ,Und gab unser batron vollen
h. mit essen und drinken.' HsStock. ,Uber das alles
habend vil frommer, einfalter lüten an irom h. er-
spart, das sy münchen und pfaffen angehenkt.' LLav.
1569. ,Wie vil flndt man noch, denen wenig darau
ligt, ob ander leut zu beissen oder zu brechen habind,
wenn nun sy volle hals habind.' ebd. 1582. ,Nieniants
arbeiten will und darnebend vollen h. haben.' Hochb.
1591. ,Da wir nicht glauben, dass der Will unsers
Herrn seie, dass man uns das Unsere wegnehme, damit
sie desto besser den H. spülen könnind.' XVIH., Hotz
Urk. — b) als Organ des Sprechens und Bingens. En
rüche" H. ha", heiser sein GA.; Z. Rufen, schreien,
was man us H. und Chrage" bringe" mag, aus Leibes-
kräften GnPr. Us-eme" verzagte" E. chiind kes histigs
Lied. Ineicben. ,Dass wir uns gegen unsere eidgc-
nossen verhasst machen und aller weit in h. geben
[das Gerede nahe legen], als ob wir...' 1531, Absch.
,So hat er in h. abbin gelogen.' PiSchmid 1579. ,Dare
alqm loquendum populis, mittere alqra in fabulas et
sermones, einen yedermann (der weit) in [den] h.
geben (bringen), oder verschreit machen. Jedermann
wäscht das mul mit jm, er ist aller weit im h. Venire
in ora hominum, in ein gschrei, der wSlt in [den] h.
kommen. Inflare ambas buccas, blasen, was einer von
h. vermag.' Fris.; Mal. ,Wenn ich [Hiob] gleich
unrecht geton, bette ich es der weit mögen im h.
verstecken [ersticken], dieweil ich grosses ansehens
und gewalts was.' LLav. 1582. — c) als der Körper-
teil, mit od. auf welchem man trägt; Nacken, zuweilen
1207
Hals, hels. hils, hols, hüls
aber auch von d schwer zu scheiden. Es druckt-em
fast de H. ab Gr; Z. Das g'hört-em an'n H., das hat
er [als Strafe zu tragen] verdient Z. Es ist mer e Sorg
ab-eni H., wenn d' Chind emal i" d' Schuel müend Z.
Blib mer (gang mer) tum H. mit..., lass mich un-
geschoren Z. (EimJ Wasser uf de' E. reise' [richten],
ihn in Verlegenheit setzen BRoggw. Eim über de H.
cho', ihn überraschen ZW. ,Die, so dise ding [Be-
schwerden] mit gwalt dem gemeinen christenmann uf
den h. wollend gebunden han.' Zwingli. .Unsere
knecht [Kriegsleute] andern lüten, die uns kein leids
tuend, uf den h. richten.' Z Verantw. 1525. ,Und nit
ein kleine ungestücmigkeit uns auf dem h. lag.' 1530,
Apostelg. Vom Tragen eines Joches s. undergeben
Sp. 83. ,Was grossen spotts und schänden uns dar-
durch utf den h. wachsen.' 1531, Strickl. ,Was der
Christenheit auf dem h. lige [sie beschwere].' HBüll.
1549. ,Ein vatter legt seinem kind, das er liebet, nit
ein bürde auf, die im den h. abtrucke.' LLav. 1582.
jMorndrigs nahm ich nrloub widerum heim zu kehren,
dann der samstag lag mir uf dem hals [ich musste
mich auf die Predigt vorbereiten].' Jos Mal. 1593.
,Zu disem kam ihnen noch ein anderer unfahl über
den h.' RCts. , Semlichen nütsöllenden Lüten ghört
der Bettelsack an H.' JJEüeg. 1606. ,Wordurch der
Zorn Gottes uns und unserra Vatterland übern H. ge-
zogen werden möchten.' 1653, AäB. .Doch solle er
ihme selbsten nit Unrecht tun, dass er vermeine, er
müsse Alles gestehen, was man ihme auf den H. rede,
etwann der Pein und Marter zu entgehen.' JMet. 1694.
,Die Not liegt mir auf dem H.' 1707, 1. Makk. —
d) als für das Leben kritische Stelle. 3Iit dem E.
bezalt mrn Alls. Ineichen. Bas bricht-em de' E., ver-
nichtet ihn, bringt ihn um Vertrauen, Ehre und Amt
B; ScH; Z. , Zwingli sprach [zu Luther]: Das [ein
gewisses Zeugniss der h. Schrift] bricht üch den h.
ab.' HBdll. 1572 II 228; da Luther diese Rede wört-
lich und als eine Beleidigung verstand, fügte Zw.
beschwichtigend bei : ,Es ist ein landsart by uns, also
zue reden: wann wir verstand, einer habe ein ver-
lorne sach.' .Dass dem ganzen krieg der h. ab ge-
wesen war.' Edlib. ,Wär Zwingli under dem ys, so
war denen ufrüeren der h. ab.' Zwingli. ,Man lasst
üch [im Felde] nümmen ze schlahen kummen, sunder
ficht üch mit listen den h. ab.' ebd. ,Wie mancher
sollt den h. abfallen, verbrünnen, ertrinken, erstochen
werden, den Gott gnedigklich behüetet.' LLav. 1582.
jWenn wir sagen wollend, einer hab ein sach ganz
und gar verloren, sagend wir: Die selbig sach breche
jm den h. ab.' Grob 1599. ,Wie Etliche sich wider
in verbunden und in um den H. ze bringen under-
stüendind.' JRüeg. 1606. ,Der Klaus [von der Flüeh]
mit seim Betten hat er dem Krieg den H. abtretten.'
JMahl. 1674. S. noch Gelten-E., Wag-den-E., ferner
Frevel Bd I 1287/8, darheben Sp. 924. — 3. der vor-
derste Teil der Nabe an einem Wagen SG., NA. ; vgl.
Brust, Käsli. Auch Ofenkacheln schreibt man Hälse
zu Z. — 4. der verhältnissmässig enge Zugang zu
den unter dem Boden liegenden Räumen eines Ge-
bäudes. Vgl. Ofen-, Keller-E. ,Als wir gebuwen haben
an unserm huse ein h. und ein steinin stegen.' 1367,
L (Gfd). — 5. Eingang eines Grabens ; vgl. Ofen-E.
,Der Graben i.st tief und gar notfest, er hat ein feinen,
engen H.' MyricXüs 1630. — 6. schmaler Erdrücken;
vgl. Gr. WB. IV 2, 256 u. Erd-E., lat. faiices, Landenge.
,Als der gerwergrab und der steininbrugggrab ze-
sammen stiessend und ein schmaler h. dazwischend
über gieng.' B Stdtchron. bei Just. S. 316. Laut Mey.
ürtsn. 17: langer, schmaler Hügel, bes. der obere Teil
eines Burghügels, wo derselbe schmäler zu werden
anfängt. Hieher wohl: ,Wir haben angesehen, dass
Niemand im Kemprater Winkel ob dem Hals an der
Tünne [Untiefe] fischen soll.' Z Ges. 1757. ,Im H.',
Plurn. ZSternenb. ,Hälsli', Berggut in GLBetschw.
Ofen-Hals: die Verbindung eines im Übrigen
freistehenden Ofens mit der Mauer zum Behufe der
Einfeuerung von einem Aussenraume aus Z.
E 1 b - : Name einer Ziege mit blassgelbem Halse BU.
Ell = älw Bd I 211. — Das Comp, hat hier possessive
Bed. wie in nhd. ,Krauskopf, Langbein' usw. Tgl. Gu-H.
Erd- = Eals 6. ,Ein halbe Insul, welche der E.
(das enge Land zwüschen zweien Meeren) an das feste
Land anheuket.' Spleiss 1667.
Gelten-: 1. das Losungsw. in einer Verschwörung.
1368, B. .Nu" schuldiget man etlich, dass sy einen
uflouf angetragen hätten und mit dem Wächter uf
dem Wendelstein angeleit, dass wenne sy schrüwen
geltenhals, so sollt er an die gloggen slachen.' Just.
— 2. Geschlechtsn. S It RCys.
Es ist natüilich fraglich, ob nicht die Anwendung 2 die
ältere sei; in diesem Falle wäre ein vorhandener Geschlechtsn.
zum Losungsw. genommen worden, wie z. B. in der Z Mord-
nacht von 1351 .Peterniann'. Die Ausdeutung des W. selber
hängt von dem Charakter des e der Stammsilbe ab: wenn = e',
so ist etwa an eine schwanenhalsartige Äusgussröhre od. an
die Yerengerung gewisser Arten von .Gelten' (s. G. S a u. h)
zu denken ; wenn dagegen = e, so liegt einer der (allerdings
erst im XV./XVI. recht in Schwang gekommenen) Satznamen
vor, eine Zss. aus dem Optat. des Vbs ,gelten' und ,H.' 2 d
i. S. T. ,es gelte den H. ! ' oder ,er [der Verschworene] gebe
den H. her!'
Git-, Giz-: Geizhals. Syn. G.-Kragen. Der G.
und e feissi Sou bringen erst Nutze' noch em Tod.
Ineichen. Der G. lied nur ztco Eänd, eini zum Ne'
und eini zum B'halte". ebd. Devi arme' Ma" feit
vil, dem G. Alls. ebd.
Für die pers. Bed. vgl. das in der a. Rechtsspr. übliche
Fvihuh. freier Mann, und die Schimpfnn. Lürs-, Schelms-,
Trupß-U.
Cheller-, Clier(r)-: 1. durch einen Einschnitt in
den Boden, meist vor dem Hause, (in ZO. von der
Küche aus) angelegter, treppenförmiger Zugang zur
Kellertüre Aa; Ap; Bs; B; VO; G; Th; Z, meist ge-
mauert und gedeckt. Über dn' Gh. sff't-m^' im Winter
a Cherfalla' ha' und Alles l'macha' mit Streui mTn.
Rätsel: Wie wöttisch's [wolltest du es] mache', wenn
du d' Eere [die Geistlichen] all dur''' ein Eals wöttist
g'höre'^ singe" .? Antw. : ,Sie unter den Kellerhals
hinab schicken.' Eochh. 1857. .Hain ich ain wunder-
lich, gwelbt, gmürat loch funden vor inym kerhals.'
1527, HsStock. ,Dise edelleut band ein schön bürg
ghan, da man die graben und mauren und den kerr-
hals noch sieht.' Vad. ,Er ist gegen dem Kellerhals
gezogen und hinab in den Keller gestürzet worden.'
Anhorn 1674. Eine Art Vorkeller B (als Schenklokal
benützt); ScnSt. ,Die Landlüt, von denen man der-
glychen [Flüche] in Kellerhälsen, uflF den Gassen und
anderstwo hört' B Mand. 1628; vgl. Mlerhälselen.
.Die Übung, dass Rechtshändel in Kellerhälsen und
Winkeln verspruchet [entschieden] werden, soll unter-
sagt werden.' 1649, Absch. ,So11 männiglich pflichtig
1209
Hals, hels, hils, hols, hui
sein, die Kcllerhäls Nachts beschlossen zu halten.'
B Polizeiregl. 1748. .Wein nicht in Schlnpfwinklen,
sondern nur in öffentlichen Kellerhälsen ausschenken.'
B Mand. 1739. — 2. enges Luftloch oben im Keller
GRh. Lichtloch mit Fällladen vor den Fenstern des
Webkellers Aa. — 3. enger Durchgang überh. Ndw.
— 4. ,Keershals.' Geschlechtsn. Z Wappenrolle. —
„kellerhälselen: eig. nach dem Kellerhals riechen ;
von gemeinem Benehmen, plumpem Witz. Der Aus-
druck entstand an Orten, wo, wie in B, die Bauern im
Keller, Vorkeller zechen B." — Mhd. MkrhaU in Bed. 1.
Chämmi°-: der engere, obere Teil der Mündung
des Rauchfangs BSi.; ZO.
Charr- = Cheller-H. 1 ZSth.
Kann nicht wohl aus Ker-H. entstellt, sondern mag das
Schwab. Kar sein, welches nicht nur Stockwerk, sondern
auch verschiedene Ränme des Hauses bezeichnet, eine bes.
Anwendung des ahd. kar, Geffiss, Behälter; s. Gr. WB. V 204.
eher-: steifer H. Zg; Z. Syn. Kieri. — cher-
hälsig: (wegen Schmerzen im Hals) verhindert, den
Kopf zu bewegen; an Steifheit, Unbeweglichkeit des
Halses leidend Aä; Ap; Z. Wer oft und lange seit-
wärts oder rückwärts nach einem Gegenstande blickt,
ungeduldig danach ausschaut, sagt von sich, .er sei
fast eh. geworden', habe darüber fast den H. verdreht,
sei fast verrückt geworden. Wenn d' nw nüd eh.
trirst! Warnung an einen Solehen. S. noch u. Wdier-
Volch 1 (Bd I 80.5). Vgl. Meren.
Cher{r)- s. Oieller-H. — Churz-: Kuhname .\p.
— Lang-: heisst im Kinderlied vom Haushalt die
Gans L (T. VL. I 153).
Lürs-: H. eines Schelms, Scheltn. für die ganze
Person; vgl. Elb-, GU-H. Saul schilt David einen
,laurshals.' VBoltz 1.554. ,Dass dich Gott straft', du
lurshals!' Berner Estuer. ,Ein fauler tropf, ein laurs-
hals bist.' Schertw. 1579. — Von Lür, schlauer Mensch.
Vgl. Schehm-H.
Natter- s. Wind-H. — Eag-: schlanker, langer
H., bzw. Person mit einem solchen Ap; GRh., im Gegs.
zu einem , Kropf' (s. noch d.) W (It Schinipfr. 1651).
— Rüt-: 1. fuligula ferina. , Wilde, grauwe ent, anas.'
Mal. — 2. Röt-Hälseli, Rotkehlchen UwE.; Syn. Böt-
Gügger, -Brüsteli, Eoteli. — Satt-: „dicker H. B;
L; ScH;" S; Th. ,Gutturosus, ein s., der ein grosse
kelen hat.' Fris.; Mal.; Denzl. 1716. — Schelms- =
Lurs-H. Aal 1549; GGotth. 1619. — Schwane--:
gebogene Röhre, an welche die Schläuche der Feuer-
spritze angeschraubt werden. Z 1790. — Schwarte"-:
Hals mit dicker, harter Haut, bzw. Person mit einem
solchen, als Schelte. De"' alt Schw. Z (Schwzd.).
,Plurima cervix, ein grosser, gestockter, dicker und
voUkommner hals, schw.' Fris.; Mal. ,Der Schw.,
gewanet Tag und Nacht voll zu sein.' Schertw. 1579.
,lch [Zwytracht] han ein Bad angricht, das üch die
Schwartenhäls zerbricht' JMahl. 1674. — Schwarz-:
Ziege mit schwarzem Vorder- und weissem Hinter-
körper. Alpenw. 1860.
Speck-: sehr fetter H. Z. — speck - hälsig:
mit einer Geschwulst am H. behaftet, von Pferden.
,So ein pferd sp. ist.' Tiere. 1563, 136, a.
Span-, nur erschlossen aus dem Adj. span-
hälsig: mit einer Spannung (?) im Halse (Pferde-
krankheit) behaftet. ,So sy [die Pferde] das feber,
sp., taubsuchten und dergleichen habend.' Tierb. 1563.
Diebs-: Scheltw. ; vgl. iurs-, ScMms-fl". ,Schelm,
böswicht, d.' Mal. — Sunntag-: die Luftröhre als
der nicht zum Schlucken bestimmte Teil des Halses
Bs; B; S; Z. Es ist-mer Öppis i'n S. cho'. Syn.
Firtag-Löehli (in Baiern ,Firtag-Hals'), der letz Hals
(s. Hals 2a). — Werktag Wechtig-: die Speiseröhre
als das normale Organ des Schluckens S.
Träj-: 1. Wiedehopf SStarrk. — 2. Kreisel.
, Turbo.' Mal. — Der Vogel so benannt von seinen un-
ruhigen Bewegungen. Vgl. Wind-H. und Vreh-Bähler.
Tropfs-: Scheltn. für einen untüchtigen Menschen.
,Diser zwinglische tr. und ufrüerer hätte wol ein
strick an hals verdient.' 15:12, Absch. — Wag-den-:
Name 1. einer (halsbreehenden) Strasse bei BsRoten-
fluh. — 2. eines Turmes im alten Basel, s. Schaden-
gard Sp. 416. — Wind-: Wendehals, der Vogel mit
sehr gelenkigem, leicht drehbarem H. ,Der w. durch-
sticht mit seiner zungen ser schnell die arabeissen,
gleich wie bei uns die jungen knaben die fröschen
mit eisinen pfeilen, so sy an einen bogen gebunden
habend.' Vogelb. 1557. ,Iynx, avis qua vertilla a colli
versura vocatur, ein w. oder natterhals.' Fris.; Mal.
,Dorndräher und Windhäls.' JLCys. 1661.
Halse" f.: um den H. gehender Strick. 1. „ein
Band, das man über die Schulter schlägt und an wel-
chem ein Strick befestigt ist, der mit dem Schiffsseil
oder dem Handschlitten oder Schiebkarren verbunden
ist, au welchem man zieht Tu." Syn. Züg-Wid. —
'2. ein Seil am Pferdegeschirr. Sülger. Riemen, womit
man das Rindvieh an die Deichsel bindet, ebd. ,Ein
halsen, daran die ross oder rinder zeuhend, heltium.'
Mal. — 3. Strick, womit das Vieh an die Krippe ge-
bunden wird AAFri.; Bs; STierst. Vgl. Hälsing.
Mhd. halse, Halsriemen des Leithundes ; in Baiern auch
Tragband der Kleider.
Uf-: die kurze Kette, welche vorn an die Deichsel
gehängt wird, wenn man den Wagen gebrauchen soll
SG., WA. Syn. Ufhalte.
halse": 1. den H. strecken, um Etw. zu sehen
BHerz. — 2'. scherzh., mit gutem Appetit essen UwE.
— 3. umhalsen GlK.; umarmen ZKn. (äj. ,Und halsen
mich da beide und küssten mich.' 1400, Bs. ,Der küng
empfieng die küngin und halset sy vor allem volke.'
Vad. ,H., 1) mit den armen an hals fallen, oder den
hals mit den armen uraschlahen. 2) coire, fovere
aliquam.' Mal. 308 a. ,So der Mann nit h. mag, dass
im syn Natur gnommen ist, so nimm . . . [mehrere
Mittel gegen Impotenz].' ZElgg. Arzneib. c. 1650. —
4. bei den Webern: sorgen, dass die Breite des Zettels
gehörig aufgebäumt werde, dass der Rand nicht schief
sei oder gar eine Tour sich über die andere schiebe
Ap. — 5. (auch inne"-) beim Blockbau die Balken-
köpfe der einen Wand mit denen der andern zsfügen
ScBwE. Vgl. stricken, wetten. — Mhd. nur in Bed. 3.
an-: beim Tanzen den Hals einer andern Person
berühren, den Arm an ihren Hals legen? , Aufgemacht
und gwaltig gsprungen, angehalst und lustig g'schwuu-
gen!' Tanzreigen bei JCWeissenb. 1701.
,ent-, decollare, enthaupten.' Denzl.
Halsi li.: weisse Ziege mit schwarzem Hals W.
Hälsel ApK., Hälsi'g AaF.; Ap; Bs; BO. (PI.
Hälsega);YO; G; S; Z, Halsi"g GkL.; U, HäUli'g BS.,
Si.; Gl; GrD.; L; Sch; Th; Z — m.: 1. Strick,
1211
Hals, liels, hils, hols, hüls
1212
kurzes, dünnes Seil; zunächst Menschen und Tieren
um den Hals zu legen, aber auch übh. zum Binden,
so z. B. der von den Capuzinern um den Leib ge-
tragene Strick. In GrL. auch der Eiemen um den
Hals des Rindviehs. Bei Pferden syn. mit Hälftre
GrP. „Die 2 Ketten am Herzriny, einem Teil des
an der Krippe befindlichen KüeHeili BO.; LE." Si
hei' (V Lebchueche' an e H. 'zöge', aufgereiht S. ,Wo
sie jung gewesen sei, hätte man sie des Sonntags nicht
einmal an einem neuen H. daheim gehalten.' Gotth.
Ml sött-em-ne selige" Chieri [man sollte einem solchen
Kopfhänger] dV Hals mit em-ne hatzige" Hälsig
chönne' strecke', ebd. Ein vierfacher H. als ver-
schärftes Zuchtigungsmittel sprichw. Ap; Th; Z. Eiin
de" 4fach H. gc'. Nüd bloss d' Ruete', de' vierfach
Hälslig muess si ha'. Stütz, üs 'em H. schlüfe', sich
losmachen Z. Er tat si um enen H. [eine Kleinig-
keit] hinlce Z (Dan.). Wenn i^n der Hälsig nit reuti,
er hätt-si''' vor Giz scho" g'henkt! Bs (Spreng). I«*
hett-e' scho' lang g'henkt, aber es neus Hälsegli hed
mi''' eister g'rauc" an-e" [ihn]. Wolf, Bauerngespr.
Hälsig lang = Halfter lang Zg. ,Er gibt mehr um
den Hälsling als die Sau wert ist.' Sprww. 1824. Es
ist tumm, e Chats am-ene Hanslig [zu binden oder
führen], es Chötteli hed 's [tut es, genügt] an''' B.
Ttie' wie d' Chatz am H., sich rasend geberden Bs; S.
Der Hege' ist a'z'luege g'sl", wie wenn Hälsig vom
Himmel abe" hängtet. MLien. (SchwE.). Ödere [Adern]
wie H. [so dick] Ap; Z. ,Mit jm so tet er füeren uf
wägen etlich fass mit helsling, strick und schnüeren.'
Halbsuter. .[Der Nachrichter] soll [dem Verbrecher]
einen helsing an syn hals stricken.' Z Richtb. 1429.
,Mit gehenkten hälsingen an iren halsen dem künig
zu fuess fallen.' 1499, Absch. Der Herzog von Bur-
gnnd drohte der Besatzung von Murten, er wollte sie
henken ,und zougte inen die helsig.' Edlib. ,Die Zür-
cher zugend us mit reiswägen, kästen, hälsig in fassen
(ward geredt, sy welltend uns daran gehenkt han),
schnuor, seil.' Salat. ,Wenn ein herr ze Costanz will
ziehen über den Arlebcrg zu einem pahst, so sollen
Engkwiller jm einen söumer kofen, den sollen sy
jm geben an einem hälsling one sattel und zoum.'
153'2/16n, GEngw. Oftn. ,Wie duldig [der Ochse]
sich an ainem helsing herfüercn Hess.' Kessl. , Seinen
son mit einem hälsing zue erwürgen.' Vad. ,Laqueus
restis, strick, seil, hälsing.' Pris.; Mal. ,Do hat den
[gefangenen Verbrecher] nur einer allein gefuert an
einem h.' 1561, ZWint. Isaak, als ihn der Vater
bindet: ,Es ist doch vil zuo hert und streng, und
züchst die hälsig zuo so eng, als ob ich war ein wildes
tier, dem man bind zsamen alle vier.' Haberer 1562.
,Da sind die scharianten zuegfaren und band in eira
turn angefangen mezgen und töden ein nach dem
andern und demnach uf die gassen werfen und ein
helsin an eim hals oder an ein bein binden und
schleiken durch die statt' 1572, UMey. Chr. ,Was
pfand man nimmt, die soll man stellen in die tavernen
[wo der Pfandstall sich befindet], und soll man dem
wirt geben von dem hälsung [von jedem angebundenen
Stück Vieh] 1 pfenning.' 1594, ÄAMöhl.; vgl. Forst II
(Bd I 1025/6). , Kühkamm, Kühseil, Hälsling, caraus,
numella.' Red. 1662. ,Dem Seiler von einem Garben-
seil und 2 Hälsingen zu machen, darzu ich das Werch
gab, 10 ß.' Zubers Tageb. 1676. .Seil, Helsing, Strick
udgl., so man den Hirten gibt.' XVll., AAMuri. S. noch
Bad-Gelte Sp. 284. - 2. HälsiyK, Koseform für ,Ans-
helm' ScHwE.
Mhd. hiiitiiuj (nur aus Bonor und Just, belegt, also wohl
spec. Schweiz.). 2 uumittelbar aus der Form , Halshelm' mit
Anlehnung an 1.
Für-: Lunte; Syn. Für-Seil. ,E ganze Banne
[Wagen] voll Feurhelsig [nahmen die Berner bei Vil-
mergen weg].' Gespräch 1712. — Güntli-: Seil mit
einem spitzigen Eisen, das ins Holz geschlagen wird,
um dasselbe fort zu schleifen Zg. Müesse' zieh" wie
ame' Gilntlihälsig. S. Gunten II Sp. 382.
Ch alber-: 1. Strick, mit welchem Kälber ange-
bunden oder geführt werden Z. — 2. a) kriechende
Hauhechel, onon. rep. Ndw. — b) Rinde des gemeinen
Kellerhalses, üaphne mez. SL. — c) Quecksilbersalbe,
ung. merc. SB.
2 a u. b weiden dem Tiere um den Hals gelegt zur Ver-
treibung der Läuse; dem letzteren Zwecke dient auch e,
daher die Übertragung des Namens.
eher-: Mensch, der die Absichten oder Äus-
serungen Anderer missdeutet oder verdreht (verchert)
ZO. — Chnüttel-: kurzer, dünner H ZRafz; vgl.
Knüttel-Bändli. — Buch-: der Riemen oder Strick,
den man den Zugtieren um den Leib legt Z. Syn.
Büch-Biemen, -Seil. — Balle"-: Strick zum Auf-
ziehen und Herunterlassen der Fen.sterladen (Ballen)
ZO. — Tenn-: Strick am Tuchbaum, an dem der
,Tenn-IVagel' hängt Ap.
hälsige°: sich in Schnüre ziehen, wie zäher Käse
in der warmen Suppe Ndw.
Krag-Hälsler: eine gewisse Münze. ,Weil die
Lothringer Dickpfennige und besonders die Kr. an
Gehalt schlechter sind als die in der Eidgenossen-
schaft gemünzten.' 1560, Absch. ,Die Kr.-Dicken auf
5 Con.stanzer Btzn herunter gesetzt.' 1578, ebd.
Hie Münze wahrsch. so genannt, weil sie das Bild eines
Fürsten mit grosser Halskrause (Krmjcn) trug.
Lang-: ähnlich oder gleich dem Vor. ,Jedes Ort
soll seine Angehörigen vor den Langhälsler und Loth-
ringer Dicken warnen.' 1560, Absch. — Rag-: =
Krag-H. und viell. nur daraus entstellt. ,U; Schw;
Uw begehren von L Aufhebung der erlassenen Ver-
rufung der Raghälsler.' 1575, Absch. Vgl. Rag-Häls.
Heise" I f.: Taufangebinde der Paten. ,Gotte und
GiJtti geben dem Taufkindo zur Hälsen einen grossen
Brabanter-Taler und einen kleinen Angster; dann wird
es später für Gross und Klein sorgen.' Rochh. 1857.
S. auch Fäsche. Neujahrsgeschenk Gl (St.''). Ge-
schenk bei einer Hochzeit Ap C-ä-J. Sonst Helsete,
s. d. und das folg. Vb.
helse" I (-ä- AAZein., sonst -e'-^; Geschenke ma-
chen, schenken. Das ehli' Tischli het er enere einist
g'helset, wo si no''' Hochziteri gsi" ist Aa Kästal.
(Schwzd.). Nit all Tag helset er [Gott] Zuckerbrot.
Hebel. Ironisch : Du wottest-mer für das Chüeli Nüt
sale" ; meinst öppe", i"'' werd-der 's h. ? SchwMuo. Me*
helset- der 's dünn! wenn Einer Etwas wohlfeil Ange-
botenes nicht kaufen will AABb. Ich muess üch nüd h.
n-ege' Vorbote", nicht danken für Warnungen GlMoU.
De Pfarer isch gange go h., Knaben von einem Kirsch-
baum herunterjagen und züchtigen. Breitenst. Auch
drohend: F'' will-im scho" h.! Oew. Abgeschwächt zu
der Bed. herbeiholen, darreichen. Hels-mer en Stuel
1213
Hals, hcls, hils, liols, hüls
her! Hels-mer e chH Wasser Th. ,8 Kronen h. und
verehren.' 1591, Gfd. Insbes. a) den Patenkindern
übliche Geschenke schicken, bringen Aä; B; Gl; Gr;
Th; U; Z; s. Sp. 528. Gewöhnlich geschieht es auf
oder um Neujahr, doch s. u. Haber-Ern Bd I 4G3.
Wenn das Kind erwachsen ist: De Götti helset-mer
nümme" Z. ,Hälsen, Gutjar geben, amplexando stre-
nam dare.' Red. 1662. Wenn das Kindlein zum ersten
Mal zum Paten gebracht wird, hängt er ihm ein ein-
gewickeltes Geldstück um den Hals. Früher wieder-
holte sich das jährlich bis ins 12. Jahr ZFehr. In
üwE. wird das Vb. auch von den Geschenken der
Paten an die Firmlinge und auch am Geburts- und
Namenstag gebraucht. Auch mit Wechsel des Subj.:
das Patengeschenk in Empfang nehmen, abholen
AxBb.; ZW. — b) übh. „zum Neujahr Geschenke
geben L; Sch; Zg; Z"; z.B. von den Geschenken der
Eltern (bzw. des Christkindes W; Syn. schleiken) an
die Kinder, der Herrschaft an die Dienstboten, der
Wirte an die Gäste, der Bäcker, Bratwurster usw.
an ihre Kunden, der Schüler an die Lehrer Z tw.
Früher erstreckte sich die Sitte noch auf weitere
Kreise: ,Ouch sint myn HH. übereinkommen, dass
hinnanhiu nieman uff keiner stuben noch gesellschaft
Zürich nicht helsen soll an dem inganden jar dann
in die gesellschaft, do einer stubenhitz git, und wer
das bricht, der git gemeiner statt 1 pfd ze buoss,
aber pfaffen noch Juden soll ditz gesetzt nicht angan.'
1376, Z Stadtb. Nach dem Schw LB. S. 99 u. sollen
,Nüwe Jahr- und Helsitäg nach altem Brauch zuge-
lassen sein'. — c) von Geschenken, welche die Hoch-
zeitgäste dem Brautpaare geben ZEuss. Vgl. Helsete h.
— d) ,den Obstbäumen h.', am Vorabend von Weih-
nacht einen Strohring um die Stämme legen, womit
man den Ertrag für das nächste Jahr zu steigern
hotfte ZBül. (Z Bauer 1882); vgl. heilig Sp. 1149.
Mhd. hetxen, umhalsen. Die Grundbed. uiisers W. ist
ohne Zweifel a, mit der nähern Bestimmung, dass jene Ge-
schenke den Kindern urspr., zunächst bei oder nach der
Taufe, an den Hals gebunden wurden. Vgl. nhd. .Angebinde',
Geburtstagsgeschenk, und die Sitte des WUrgens (s. d.),
welche, vom Geburtstag jetzt meist auf den Namenstag ver-
legt, ein symbolischer Ersatz des altern Anbindens an den
Hals war. Vgl. über das Alter und den urspr. Sinn solchen
Bindens noch Mannh., German. Mythen S. 675 S. Vgl. auch
Inhind-Gdd. Lautlich wäre auch Abi. von mhd. heasmi, Glück
•wünschen, zum Neujahr und zur Hochzeit, ahd. heilison (vgl.
heilazan, Salutare, valefacere) möglich; vgl. helg für ,heilig';
auch spricht für diese Erklärung das mit hehen a fast gleich-
bedeutende, freilich nur aus GrS. bezeugte heilsen (s. d.) und
die mhd. Stelle: die Hute einander heilsait mit gäbe. Aber
bei unserni W. tritt die Bed. .Glück wünschen' nirgends
hervor, vielmehr erscheint das Schenken allenthalben als
Hauptsache (mit der sich das Glückwünschen, bes. am Neu-
jahr und Geburtstag, ebenso leicht verbindet wie unigek.).
und insbes. weist die merkwürdige und gewiss sehr alter-
tümliche Bed. d auf ein ursprüngliches Umbinden (wobei
natürlich die betr. Stelle am Baumstamm als Hals gedacht
wurde). Dass diese Grundbed.. wie beim nhd. .anbinden',
sonst ganz erloschen ist (ausgenommen in dem fast syn.
iDüryen), ist SO wenig auffallend als die fortgeschrittene Aus-
dehnung der Bed. auf Schenken übh. In Schwaben bed.
.halsen': am Geburtstag würgen, als Subst. : Geburtstags-
und Hochzeitsgeschenk.
ab-: das letzte Patengeschenk machen; Syn.
d' Letzi ge'. ,Dann soll damit für ein und alle Mal
abgeheiset syn.' Z Mand. 1627. — Die Präp. bed. die
Befreiung von der bisherigen Pflicht.
ume-: dem Paten ein Gegengeschenk machen
ZSth.; s. Hels- Weggen.
US- = ab-h. aScHW; Z.
Helsete" [HeUete GG., Heizet GF.) f.: Geschenk
SoHwMuo. Auch iron. von otw. Unangenehmem Obw;
vgl. nhd. .Bescherung'. Spec. a) Patengeschenk zum
Neujahr, bzw. an Weihnachten, Fastnacht Gl; Gr
Obs.; L; G; ScHw; Uw; U; Z. Beschreibung einer
H. s. Stutz, Gem. P 120 f. Sie besteht meist aus
Kleidungsstücken, auch ein Eierring oder ein Weiss-
brötchen und Geld werden beigegehen Z. S. noch
Gross-H. Im Aa gibt man zur H. überall .Weggen';
in Gr .Birn-Weggen-. In ZWl. holen Kinder (oder
ihre Eltern) die H. bei den Paten ab. Ebenso an der
Fastnacht in Schw. Syn. Hels-Tag, Guet-Jär. Am
Sunntig [nach Aschermittwoch] göm-mer ds Ghüechli
hole und d' Helsete bim Götti Schw (Schwzd.). Zu
Ostern gibt es nochmals H. GF., G.; ZO. ,Auf der
Landschaft bringen an etlichen Orten die Kinder am
Neujahr ihren Taufzeugen Helsweggen und empfangen
dagegen Hemder oder Schuhe oder Strümpfe oder
Bücher usw., welches die Helscten genannt wird.'
vMoos 1775. Ähnlich noch jetzt Z. — b) Neujahr-
geschenk übh. ZO. ; s.helscnb. ,An dem Neuenjahrstag
und wann man die Helseten begeht.' 1623. Gfd (Ndw).
.Einem Oherweibel für sein Jahrlohn und Helseten
und für Gartenholz und Kerzen soll sein fl. 56.'
1625/56. U Hausordn. — c) Geschenk zum Namenstag
Sch; Syn. Würgete. — d) Geschenk an die Hochzeit-
gäste bei der Mahlzeit Ap fä-J; Syn. Ürte. Auch die
(kleine) Geldgabe, welche dem sich verheiratenden
Mädchen aus den sämmtlichen Haushaltungen des
Dorfes zu Teil wird, wobei die Überbringer bewirtet
werden ZO. — e) Tanzpartie, zu der die Teilnehmer
Beiträge leisten Uw; Syn. Inscluiss.
Das z der G Formen ist viell. nur eine lokale Modifi-
kation der Ausspr. ; wenn nicht, so muss entw. an Fort-
pflanzung des z von ahd. heilazan (s. Anni. zu helsen) oder
an Zss. mit Zit gedacht werden. Im letzteren Falle läge ein
ähnlicher Begriffswechsel wie in .Mahlzeit' vor und wäre zu
der damit zsbängenden Formverstümmelung an aUzf^t, HocUsH
udgl. zu erinnern. — Hieher gehört auch die Stelle aus
RHospin. 1675 (Alemannia III 184): .Strenas ultro citroque
mittimus et dulciariis nos mutuis honoramus, (lua) nos vo-
camus Heiserlen [1. : Helseten] und Helsweggen.'
ümme-: Gegengeschenk, das die Eltern den Paten
machen ZFehr. — Us-: das letzte Patengeschenk
ScHW; ZGlattf. Syn. Letzi. — Gross-: die erste und
letzte H. ZDüb., in GG. die letzte, in ZP. u. oGlatt. die
erste, etwa 1 Jahr nacli ilor TinilV i.'-egeben und meist
in einem Kleidchen uA.-\ iIImth, n Lr.ffeln, zur Letze
statt dessen etwa in Kii|ii. i^v,, hm (i. Sp. 572) oder
dem Konfiruiationsanzug. dem Kuchenbuch bestehend.
Heise» U: 1. („f.") Gewölbe, Decke eines Gemaches
BG.; F. — 2. (m.) fest schliessender Deckel eines höl-
zernen Gefässes, z. B. eines Milchgefässes, Butterfiisses
GuD., Pr.. V. Syn. Lid. Weder H. no''' Bude" ha",
1) pers., ein Nimmersatt sein. 2) sächl.. über alles
Mass gehen GrD.
Das W. gehört mit dem folg. Vb, von dem es zunächst
abgel. sein wird, seiner Bed. nach zu der Gruppe, für die
man burgund. Ursprung vermuten darf.
B"- m. : Deckel des hölzernen Geschirres, in wel-
chem man die Speisen aufs Feld ninnnt Gr. Vgl.
Broggen (-Deckel).
Hals-huls. Halsch-linlscli. Halst-hnlst. Halt— hult
1216
lielse" II in den Zssen b"-: 1. (ein Gefäss) gut
Terschliessen, indem man den Deckel fest zusclilägt
oder mit Lappen umwindet BSa.; GRaaOO.; „W."
Ubli. fest Terschliessen, fest machen GRaaOO.; in
einen Boden das Schlussbrett (s. Schiehen) einfügen
Gr Trimm. B'hdsct, im Gehäuse verborgen (von
Schnecken) GKÖbS., V.; Syn. ge-ihcMet, ge-lidet. —
2. (intr.) fest schliessen, keine Flüssigkeit durchlassen
Gr uVatz. Syn. be-helfen, bc-heben. — ab-b"-: den
Deckel abnehmen Gr ObS., Pr. Syn. offen h'h. --
i(n)-b"'-: eng anschliessen, handfest machen Gr.
heiser Bs, helserig BBrisl. ; S, Miserig AAZof.;
BsLd, g'helserig Aa: heiser; Syn. Tcisterig.
Scheint eine Zwitterbildung aus heiser und Huh, eine
(viel!, urspr. scherzh.) Ausweichung dos erstem mit An-
lehnung an oder Anspielung auf Hala.
heilse": von Kindern, am Neujahr von Haus zu
Haus Gaben erbitten GrS.
Mhd. heihen. Glück wünschen, so G Stdtb. ; s. HeiUcte.
Das Betteln von Gaben ist natüilich mit Glückwünschen ver-
bunden, so gut wie das Darbieten (hehen I). Ygl. Anm. zu
diesem und ,helsat', Neujahrwunsch (Geschfrd), aus heilsöl
(Lexer I, 1215).
Heuser: die heilsenden Kinder GrS.
Heilsete f.: Hochzeitgeschenk. .Heilsatte.' G
Stdtb. Vgl. helsen I c, Helsete 6.
Heilsing f.: Umhalsung. ,Den hailsungen, den
küssungen.' 1474, Hören (G Hdschr.). - Wohl f. Hehing.
Hülse s. Hülsche.
-); F;
Halsch, heisch, hilsch, holsch, hulsch.
He Ische (te), Hilschc s. Uühcheßej.
Holsch s. Hol f seh.
HUlscli(p) AA/ein., HuUsehe BSi. (nebi
GkKIiw., n,iltsch,c) AABb.; BE., Si.; V(); Gi,; G; SL.;
Tu; UwK.; \V; Z — f . : Hülse, Schale von Baum-
früchten (Z.B.Äpfeln, in B; Gr ObS. auch die grüne
Schale von Nüssen), von Kartoffeln, Zwiebeln, Schote
von Erbsen AABb.; F; Gl; Gr; U; Z; früher auch
von Getreide; Eierschale Aa; B. Syn. Käfen, Balg,
Pelz, Bratschen, Schäkten, Schilferen. Hü, Chog !
hast Hültsche kha [gehabt]? [zu einem trägen Gaul].
MLiEN. ; vgl. epflen Bd I 384. ,Von den weinkemen
an bis an die hülschen.' 1531, Num.; ilal'üi : .lliilsni.'
1667. .Die hülschen von bollen oder zw\ Im Iw in zrlii.-
KdGessn. 1542. ,Die käfen oder lange hülscheii der
gemüessomen.' ebd. ,Der kern soll sich verwandlen
zue einem kymlin, stengelin oder pross, allda das
unnütz, das nüt anders ist dann ein hülschle, belgle
oder käfle, darin das sömli gelegen, usgeschütt und
verreert wird.' Rdef 1554. ,Schiltlin und hilschen,
die voller somens stecken.' Tierb. 1563. ,Frumentum
dicunt quindecim diebus esse in vaginis, in den hült-
schen sein. Tunica, das häutle oder die hültschen am
körn, zwyböllen. Pisare, stampfen, d. i., die hültschen
abstossen, als hirs oder gersten stampfen. Siliqna,
kifel oder hülschen, als an erbsen, honen udgl.
Brättsch(g)en oder danggen von nussen, die hülschen.'
Fris.; Mal. ,Bonenmel on die hülschen.' JRLandenb.
1608. ,Der Keist oder Keimen stosst die I6re Hül-
schen über sich.' Buagor. 1639. ,Cantherinum hor-
deum, Gersten ohne Hülschen.' Denzl. 1677; 1716.
,Man muss auf den Kern mehr, als auf die Hülschen
sehen.' Lindinner 1733 (Vorrede). ,Von 2 Citronen
die Heischen.' XVlIl., Kochb.
Mhd. hühe, hülse, später auch hulsche, zu hüllcit ; seh aus s
wie in nhd. ,feilscheu, herrschen' u. a.
,Kesten-Hülschen: castaneae calix.' Denzl.
1677; 1716.
Bolle"- Z, ZibelC- S: Zwiebelschale, z.B. zum
Färben der Ostereier.
hülsche» W, „hültsche" VO": schälen.
ent-: aus der Hülle lösen. ,Enthülschet disen
gleissenden Sodomsapfel.' JJUlr. 1733.
üs-: = ent-h. AABb.; Gl; SL.; Th; üwE.; Zs; Z.
Syn. tis-pelzen, -brätschgen. Bildlich: auskleiden Gl
(scherzh.). Jmd ausholen, ihm Geheimnisse entlocken
UwE. Jmd ausbeuten, ihm Hab und Gut abgewinnen
Gl; Schw; Z.
Hülschete, in Bs auch Helftjsch- = Hülsche kv;
Bs; STierst.
Blöb-Hölschler: Kartoffeln mit blauen Hül-
sen GG.
Holst : Behälter? ,5 Hülsten' im Zeughaus. 1471, L.
Mhd. hülst. Decke, Hülle. Violl. verwechselt oder ver-
mischt mit Hulft (s. d.), mhd. liidft, hulfter, Köcher.
Halt, hell, hilt, holt, hult.
Vgl. auch die Gruppe hiüd usw.
Halt 1 m. : 1. das Anhalten, der Stillstand. En
H. mache', auf dem Wege, z.B. um auszuruhen; spec.
in einem Wirtshause zur Erfrischung Einkehr halten.
„Mahl im Freien, Jägermahl"; s. noch Halt-Trager.
— 2. Gehalt, Inhalt, z. B. von Hohlmassen, Gefässen.
.Weilen die Erfahrung gezeiget, dass die Burgundischen
Fässlein von sehr ungleichem H. und sich bald viel,
bald wenig Salz darin befindet.' B Säumerordn. 1739.
,Dass zuwider unserer Mandaten nicht der völlige H.
der Fassen angeschrieben.' Z Nachr. 1756. Vom Holz-
mass: ,H. der Burger-Klafteren. Wann er aber sein
Holz messen und dessen H. erdauren Hesse.' B Holz-
ordn. 1733. Feingehalt von Münzen: Alle diejenigen
Dicken, welche geringer sind, als dass ,die Mark der-
selben an Fin oder H. 12 Lot halte.' 1620, Absoh.
,Nach dem eidgnössischen H. und Schrot gemünzet'
Z Mand. 1622. ,Wer den feinen H. fremder Sorten
weiss.' Helv. ICal. 1783. S. noch fln 2 (Bd I 835).
Flächeninhalt eines Grundstücks B. , Hofstättlein von
100 Klftrn Halts.' B Auz. — 3. Ansicht, Vorstellung,
Glaube, , Dafürhalten'. ,So ist es auch ein gmeiner
H. von disen Herdmännlinen, dass...' ECys. ,Und
war dis der H., dass dis die Seelen wärent der Men-
schen.' ebd.
E- m., f.: Haushalt(ung). ,Der spital und des-
selben ehehalt.' ZWthur Stdtb. ,Wo zwo oder dry
ehalten in einem gewerb und hus, muos und brot
317
Halt, helt, liilt, holt,
unverteilt, by einandern [wohnon], sollen sy nit niGr
liüener te gBhen schuldig syn dann einem landvogt
ein huon und dem gerichtshcrrn ein huon.' 1530.
Absch. IV 1 b 777; vgl. ebd. S. 1263.
l);vs Geschl. richtet sich nach denijenigeu der sydn. E
mul Jfuilmttj Tgl. uoch E-Halte, -Hahing.
Ab-: Verhütung. ,A. grosser Landsunruhen.' 1667,
Ap LB. — Vom Vb. ab-haltcn; ähnlich die Folg.
An-: dringende Bitte, , Ansuchen'. ,Uf der Eid-
gnossen A.' RCys. — In-: wie nhd. Auch als Fem.:
,[Man soll] dem fridbrief also stracks nach syner i.
nachkommen.' 1509, Schw LB. Als adv. Acc. mit ab-
hängigem Gen.: nach Inhalt, Massgabe; laut, kraft.
Sehr häufig im XV./XVIU. ,Dass man die knecht i.
der vereinung schicken wolle.' 15'21, Absch., neben:
,lut der vereinung.' .Inhalte ir Reforlnation.' 1532,
Strickl. — Under-: 1. m. gemütliche Unterhaltung,
Vergnügen VO; Z. Das Chind isch sin U. diheime";
vgl. under-haltlich. , Gespräch, welches dem Vater-
land zum Nutzen, Andern aber zum tJ. sein mag.'
Inderbitzi 1831. — 2. m. Z, f. Bs Polizeiordn. 1715:
Lebensunterhalt.
Ent-: 1. Aufrechthaltung, Behauptung, Fristung,
Erhaltung, Sicherung, Stütze, Schutz. .Für'schub und
e. [Unterschiauf] geben.' 1 174, Bs Chr. ,Üas, so unser
eidgnoschaft e., lob, nutz und er syn mög.' 1521, Absch.
,Zuo e. frides und ruowen.' 1530, Absch. — 2. Lebens-
unterhalt, Nahrung. ,[Der Abt soll] us des gottshus
gefallen syn zimlichen e., synem stand gemäss, haben.'
1527, Absch. ,[A. 1625 sei] ein neuer, uns ganz be-
schwerlicher Zoll unsers E-s [Zufuhr] aufgericht wor-
den.' FoFFÄ. — 3. Aufenthalt, Wohnung, Herberge;
(heimliche) Unterkunft; doch s. auch 1. ,Die ketzer in
irem e., da sy gehuset, geetzt und beherbergt werden.'
Eessl. — 4. Inhalt, Umfang. ,Das ausfüllt den E.
der ganzen Welt.' AKlingl. 1688. , Summarischer E.
diser Feuerordnuug.' G Mand. 1752 (Überschrift der
Inhaltsangabe). — Mhd. enthalt in Bed. 3.
Uf-ent-: 1. ^ Enthalt 1. ,Zue rettung und u.
der ganzen nacion.' 1474/Ö, Bs Chr. ,Die bösen zue
strafen, dem gueten und rechten zue u.' 1486, Geschfo.
Ges. ,Zue unser beder partyen beschirmung und u.
landen, liiten, stäts, ertrychs und undertanen.' 1521,
Absch. ,Pr8eclara conscientia sustentor, mein guete
gwüssne ist mein u. [Zuversicht, Trost], ich tröst
mich meiner gueten gwüssne. Adminiculum, under-
stützung, u.. steur.' Fris.; Mal. .Das herz zuo küelen,
stärken und dem Igben ein u. gen.' Zg Arzneib. 1588.
, Alles almosen, so zue den fensteren heraus gegeben
wird, ist ein grosse ursach und u. [Förderung] des
betteis.' SHochh. 1591/1693. ,Columen familise, U.
der Haushaltung.' Denzl. 1677; 1716. ,Ein getreuer
Prennd ist ein U. des Lebens.' 1707, Sir.; dafür jetzt:
.Würze'. S. noch ginnen Sp. 329, Frist 1 Bd I 1335.
-- 2. = Enthalt 2 W. Chäs ist hie der U. ,Das al-
muesen zue einem u. eines kilchherren.' Strättl. Chr.
.Zue u. des lybs und der arbeit sölich spysen essen.'
ZwiNGLi. ,So inen [den Belagerten] nüt mer zuegon
mag, so gat inen ab von tag zue tag an allem irem u.'
JMiTRER 1559. .Nahrung und Aufenthalt einzig von
der Viehzucht her haben.' XVIII., Z. S. noch Under-
Hab Sp. 867. — 3. Einhalt, Stillstand, Verzug, Auf-
schub. ,U. der kriegsüebung nachsuechen.' 1476, Bs
Chr.; vgl. ebd.: ,Dass die kriegsüebung uf bede syten
Schweiz. Idiotikon II.
ufgehalten und angestellt werde.' ,l)er sach uf 14 tag
oder dryc wnchen u. tuen [sie aufschieben].' ebd.
,.\n u. [ununterbrochen].' ebd.
Mhd. ü/enthalt, dass. Riief l.'JSO wechselt zw. Hase. U.
Fem., Letzteres findet sich auch 1500, ZWthur Neuj.; wohl
nach dem Syn. ,Nahrung'.
£r-: Herold. ,Dic dienstlich pflicht by [durch]
synem ß-en abkünden.' 1474, Bs Chr. ,Der kaiser hat
sölichs durch einen erhaldt und einen trummeter us-
rüefen lassen.' 1530, Absch. ,Uen erenhalt.' Kessl.
Mhd. erhalt, Umdeutschung aus span. heraldo, it. eraldo.
In unsern Quellen lehnt sich das W. sichtlich an Er und
halten an; also so viel als .Einef, der die Ehrenzeichen,
Wappen (S. Er 3 Sp. 391) trägt'; vgl. noch Eren-hdd.
Ver-: 1. Richtschnur des Verhaltens. ,Zu Jeder-
manns V. und damit der Käufer wisse, was er zu
fordern habe, solle an einem schicklichen Orte des
Marktplatzes eine Tafel aufgehängt werden.' 1778, Z
Ges. - 2. Sachverhalt, forniolliaft in dem Satze, mit
dem eine längere Auseinandersetzung abgeschlossen
wird: das ist de'' V. vu" der Sach ZStdt. — Vor-:
Vorbehalt. , Welchen uns Christus mit einem solchen
Ausgeding und V. also verheissen hat.' Gulden Bund
1585/1658. — Für-: Vorschub, Unterstützung. ,Es
wirt dem apt zuo Muri [von den VOrten] vil gestand
[Beistand], f. und rugken geben.' 1531, Absch.
Ge- (Ich-, bzw. Ix-, in Ndw G'häld) m. Ap; BSi.;
GRChur, Pr., sonst n. — PI. G'halt, G'hält, G'häUer
(die beiden letztern Formen in Ap; BSi. neben ein-
ander), in Ndw G'hälder und G'hälter, Dim. G'hältli
(-se-, in Bs daneben auch -e'-J — in Ap; B; Gl; CrHc.;
GStdt, T.; Z auch G'hälter (bzw. /c/-) I m., PI.
G'hiiltei-: 1. Aufbewahrungsort, Behälter, Behältniss,
im allgemeinsten Sinne, allg. .G'halt, receptaculum.'
Id. B. ,Spys würt genommen in den buch als in ein
g'hälter zue ufenthalt des lebens.' Zwingli. , Etliche
Vögel habend zwen g'hälter: einen darein sy die speis
neulich 'gössen truckend, als die kel, den anderen
darein sy die vertöuwt speis gehaltend.' Vogelb. 1557.
.Das Herz ist der natürlichen Wärme ein voller Ge-
halter.' JRHopMSTR 1645. ,Die Bilder, Characteres
und Zeichen seien Büchsen und Gehalter, in welche
ein Magus, d. i. Zauberer, die Kraft des Gestirns auf-
behalte.' RGwerb 1646. ,Der beste G'halt, darin Gottes
Wort verwahret ist,, ist das Herz.' FWvss 1650 (neben
.Ghalter'). ,Was man zuerst tut in ein G'halt, darvon
es stets den G'schmack behalt.' BStlloqJ; 1676. ,Es
hat dem Schöpfer gefallen wollen, seine [inineralischen]
Schätze innert dem Gehalter der Erden stückleinweise
zu vergraben.' JJScheucuzer 1706/46. ,Der Knopf
[Knospe] oder das Schächtelein ist der Gehalter des
Blusts oder der Blume.' JMdralt 1715. Im Besondern
a) (geheimer) wohl verschlossener Aufbewahrungsort
für Wertsachen (Wertschriften, Geld) B; Schw. Nä-
heres s. bei Archiv Bd 1 434 und vgl. u. d. ,Sie hülfen
[bei einer gerichtlichen Inventarisation] d's G'halt
öffnen, wo die Baarschaft sei. Man öffnete das Bu-
reau, welches das Herz des Hauses, d. h. die Schatz-
kammer war.' Gotth. XVIU 155. ,Er soll alle Fahrhäb
durch den Schryber verzeichnen lassen, usgenommen
die G'warsamen und Schriften, welche in ein G'halt
mit zweien Schlösseren verschlossen werden sollend.'
B Gerichtssatz. 1615. ,Sy tuet [das Geld] in ein
b'schkisses Kalt.' GGotth. 1619. ,l)ass auf «nserm
1219
Halt, holt, hilt, holt, liult
1220
liathaus ein Gehälter gemacht werde, wohin die Zins-
briefe verwahrt werden sollen.' 1695, Z Ges. ,Ein
sicheres Gehalt für das Keisgeld machen.' 1725, Absch.
,Zur Aufbewahrung der Protocolle bequeme Zimmer
und sichere G'halt herrichten.' 1729, ebd. In der
ä. Spr. auch : Archivraum, z. B. im Kircliturm, in der
Sacristei; vgl. f und s. Buech-Gehalt, Biiech-, Trese-
Kammer, Sigeter. ,Ein brief im innern g'halt.' 1479,
AiWett. Klosterarch. ,I)ie gwarsamen in den kelten
suechen.' 1530, Strickl. ,In unsern kelten und kanz-
lyen.' ebd. ,Die von Ap haben in ihrem Ghalt ein
Panner gefunden.' 1539, Absch. ,Es will mich ge-
dunken, dass der g'halt desselben turns ein ghalt
gsyn sy der kilchenzierden und kleinoten.' Vad. ,In
dem turn [sei] ein sacristei und ein g'halt für fürsnot
[gewesen].' ebd. ,Beide Schlüssel zu dem G'meind-
g'halt.' 1G46, Z Staatsarch. Vgl. noch: ,Gehaltkammer
gemeiner briefen und geschriften, tabularium.' Mal.
— b) hausrätliehor Gegenstand, zu verschiedenen
Zwecken. z.B. Sehrank, Kasten, Kommode, Korb Ap;
B; Gr; L; Z. (Schub-) Lade LG.; Uw; Syn. Truclce;
vgl. bes. die Compp. Unverschlossenes, mit Fächern
versehenes Gestell GrD. ,Zum Verkauf: Ein grosses
Kalt, mit Eisen beschlagen.' S Wochenbl. 1813. ,Lo-
culus, kästle, ghälterle.' Eris. ; Mal. , Welcher von
Stund an die Trog und G'halt, darinn die G'warsamen
und andere des Abgelybeten fürnemste Fahrhäb ge-
halten, verpütschieren soll.' B Gerichtssatz. 1615.
, Keine Dienstboten dürfen einichen Trog, Kisten oder
derglychen G'halt anderstwo dann hinder ihren Mei-
steren haben noch Jemandem usserthalb Huses Ützit
zu behalten geben, auch Niemands ihnen dasselb in
synem Hus gestatten, ihnen darzu einiche Gelegenheit,
Platz und Ghalt geben solle.' B Mand. 1628. ,In einem
mit Eisen wolverwarten Gehalter.' JRHopmstr 1645.
— c) Behälter zu kirchlichen Zwecken, bes. Sacrament-
häuschen. ,Zwei gehalt zuo zweien corporalen.' vor
1491, Gpd. ,üass man Christum in beschlossnen ge-
haltern, d. i. sacramenthüslinen, zeigen werde.' 1573,
HBdll. ,Den cvangel. Kirchgenossen zu THSummeri
habe man nicht abgeschlagen, entweder oben oder
unten in der [beiden Confessionen gemeinsamen] Kirche
einen verschlossenen Gehalter oder Kasten zu haben,
um den Nachtmahltisch, das Taufkesseli und andere
gottesdienstliche Stücke darin zu verwahren.' 1638,
Absch. V 2, 1573; ähnlich ebd. S. 1693; ferner 1639,
AAWett. Klosterarch. ,Die geweihte Hostien wird in
jeder Kirchen verwahrt in einem darzu verordneten
G'halter.' FWvss 1655. — d) einzelnes Fach, Abteilung
in einem Behälter, z. B. einem Kasten, einem Geld-
beutel Aa; Bs; B; Gr; G; Ndw; Z. G'hältU, geheimes
Schubfach in einem Secretär AAPri.; B; vgl. a und
s. noch vergatteren Sp. 504. — e) gesonderte, ge-
schlossene (Unter-) Abteilung in einem grössern Vor-
ratsraum, eingepferchter Raum im Stalle, Verschlag
im Keller S; U; Z. ,In dem Keller ist für den hin-
dern G'halter ein TürlL' Z Staatsarch. 1708. — f) Ge-
mach, z. B. Küche, Kammer, zunächst mit Ausschluss
von und im Gegs. zu den eigentlichen Wohnräumen
(BO., in BSi. auch zum Keller), also: Vorratsraum.
dann aber auch im allg. S. Aa; Ap; Bs; B; VO; Z.
I" dem Hus ist vil Fiats, es ist mängs G'halt drin
AASt. Nur e guet Bett un'' e warm G'halt [zum Lo-
gieren] Bs (Gotth.); wofür ebd. nachher: en artig
Zimmerli. So gange si denn in iri Khöltli ganz
tranggil, er und si in 's erst und d' Tochter in 's ander.
Bbeitenst. Wie schön mi Maiddeli [die Wiese] dö
lU im christallene' G'halt und in der silberne'' Wagte".
Hebel. ,Er wurde durch ein enges Loch hinein in
ein anderes fin.steres Gehalt geschoben.' ebd. S. noch
Gugg-Gere Sp. 402. Spec. Zimmer, welches die von
auswärts kommenden Fabrikanten in GStdt mieten
und als Waarenmagazin und Geschäftslokal benutzen
Ap; G. ,Wann man aus dem Gedächtniss einen Kalter
oder Magazin macht, worin die Waare t. unnütz bleibt,
t. verfault.' TTobler 1830; = ,Behälter.' 1844. ,Er
zeucht die wind harfür aus jrem gehaltor.' .1531,
Jerem.; dafür: ,iren gehalteren.' 1548/1667; , Vorrats-
kammer.' 1882. ,Ein g'halter zu den totenbäumen.'
1540/73, UMet., Chr. ,Wie vil g'halt sind [in der
Arche]? Ein yedes g'mach ist abteilt in etlich gäng,
darzwischen sind vil kämmerlin.' HvRüie 1546. ,Er ist
in den verschlossenen g'halteren.' 1560/1667, Matth.;
dafür: ,in der kammer.' 1531. ,Apotheca, repositorium,
cella, arraamentarium, ein gehalter.' Fris.; Mal. ,Die
gehalter und gemach [Verkaufsräume] lang bis in die
nacht inhin offen behalten.' 1581, Z Zollb. ,Die kauf-
leut habend jre g'welb, g'mach, gehalt, dorinnen sy
allerhand kaufmannschatz habend. Gott hat seine
schätz, gehalt, Zeughäuser, dorinnen er hagel, ryfen
[usw.] hat.' LLav. 1582. ,Ein königlich Gehalt.'
AStettler 1642, als Übersetzung von : ,Un cabinet
royal.' ,Die frömde Pfister sollen, was sie allher
führen und nit verkaufen, in ein Gehalt bei den Brot-
schätzeren einstellen.' 1643, AAWett. Klosterarch. ,Re-
ceptorium, Gehalter, Sacristei. Cellula, Gehälterlein.'
Denzl. 1677; 1716. , Jedem [Tiere in der Arche] war
sein Gehelte [: Zelte] bestellt.' JCWeissenb. 1678. ,Dise
gewaltige Dünnung der Luft hat die Schneegehaltere
erölfnet, dass ein grosser Schnee gefallen.' Z Freitags-
zeit. 1711. .Verwahrung der Sprützen. Da dann auf
jeder Gesellschaft zu demselbigen Gehalt zwei Schlüssel
sein sollen.' B Feuerordn. 1723. S. auch Hueb IV Sp.
958/9. In ZWäd. bestand ein Gehalter, wo gefangene
Bettler ein Strohlager und einige Nahrung erhielten.
1638/41, Strickl. (Horg.). Kleiner Versteck, Schlupf-
winkel Bs; B. — g) gesonderte Abteilung eines Ge-
bäudes L; e drei (vier) -g'hälterigi Schür. — h) ge-
sonderte Abteilung auf einem besondern Boden eines
Gebäudes, Stockwerk LE. 's Hus ist drü G'halter
hoch fdrüg'hälterigj. — i) selbständiges Gebäude übh.,
z.B. Speicher, Scheune, Alphütte BR. ; Schw. ,Sy [die
Plünderer] lüffend durch die hüser, sy brachend über
die spycher, gehalte und käsgaden.' HBull. 1572.
, Keiner, so in diser Statt gesessen, soll befugt syn,
einich Sässhus abzebrechen, noch auch uf ledig Platz
einich gehuset G'halt oder G'mach, weder von Holz
noch Steinen ze buwen.' B Gerichtssatz. 1615. ,Im
Spycher und Gehalter.' Z Lit. 1644. Auch von Wohn-
gebäuden: .Gehalter, domicilium, custodia.' Mal. ,Ge-
denke all Zeit an das G'halt, da dir der Gibel auf
d' Nasen fallt [d. h. an den Sarg].' Sylloge B 1676.
— 2. (übertr.) Zitze GnObS.; Syn. Strich. — 3. abstr.,
Unterkunft. Verwahrung Scaw. Sq nem en Jedre [von
dem, was ihm das Schicksal beschert], was-em g'fallt
und geb-em de"" sj lange" Khalt, bis 's vor-si"'' selber
unters göt. ,Man hat ir [der Zürcher .glückhaft']
schiff in g'halt fürbas yngleit zur dächtnuss.' 1576,
Z Neuj. Ant. (viell. aber zu 1 f). In der Rspr. bes. in
der Eeimformel: , Gehalt und Gewalt'; z.B.: .Pfänder
Halt, helt. liilt, liolt, luilt
in gewalt und g. bringen und nemen.' XV., Z Auffalls-
onin.; vgl. Ztschr. f. Scliwz. R. IV b 20; Sohw Eq.,
S. 124. , Transitgüter, so lang .selbige in des Wag-
ineisters G. und Gewalt ligen.' Z Ges. 1757.
Mhd. gchah m., Gewahrsam, Gefänguiss. Der PI. .Ge-
hälter' auch bei JRHofmstr 1645. Betr. k/ für gh vgl. g'kiib
Sp. 869; ,khaldt.' 1541, Absch. Die Form auf -er lehnt
sich wie Gehalting direkt an das Vb. an ; betr. Gerätenn. auf
-er vgl. übrigens Anm. zu Gertd Sp. 443, Haller I Sp. 1128.
Vgl. die Synn. Fach (bes. zu 1 d und g), Gndem (zn f, h
lind i), Ganler (zu a, b und f), Gemach, Spicher (zu f und i).
Under-Gehalt Unnerkält: ,Nebenschrank' W;
vgl. Under-Geschlacht. — Äsche"- m. : Aschenbe-
hiilter Ap. ,Wir tun unsern Verordneten zur Ofen-
G'schau auftragen, die Aschen-Gehalter auf das Ge-
naueste zu untersuchen.' Z Mand. 1765; vgl.: ,Dass
die Asche in die eigens darzu geordnete Gehalter und
Tollen versorgt werde.' 1656, Z Waisenh. — Fischer-
G'halt Gl, sonst Fisch-G'halter: Fischbehälter
Ap; Gl; Z. ,1 pfd gab ich von eira f. [zum Schloss]
und darvon zu bcschlahen.' 1559, ZGrün. .Piscina,
vivariura, das f., fischergransen ; ideni ein weier.' Fris.;
Mal. ,l)as Wasser von unser 1. Frauen Brunnen
.sanimlen und in einen F. leiten.' 162'2, SchwE. Kloster-
arch. ,Der Underkeller soll zum F. fleissig Sorg
tragen.' XVII., AAMuri Gesindeordn. ,Wir haben den
Schanzengraben zu einem gemeinen F. erkennet.' Z
Mand. 1709. Vgl. noch: ,Die rüstung [zum Fischen]
und den g'halter guet.' StMeinrad 1576. — Goffere-:
Fach, Unterabteilung in einem Koifer GßPr. (Schwzd.).
— Grie°-G'halter: Kiesbehälter ZHombr. Vgl.
Stein-Kratten. - Holz-G'halt Gl, -G'halter Ap;
GLÜbst. ; Z: Holzbehälter in der Küche oder auf dem
Dachboden; auch ein besonderer Schuppen für Holz.
S. noch Holz-Halter. — Hin der-G' halt: Hinter-
gemach, kleine Vorratskammer für Speisen, Küchen-
geschirr und allerlei alten Hausrat ZKn.; Syn. Under-,
Uinder-Gadcm, Gerümpel-Kammer. — , Korn -Ge-
halter: Camera, kornkorb oder -käst.' Mal. ,Wann
die K. entfernet sind von den Ställen.' JCNäg. 1738.
— Käs-. .Caseale, Sennhütten, Käsgehalter.' Denzl.
1677; 1716. ,Auf den Käsbank gelegt, in Speicher
oder Käsgehalt getan.' SLdtz 1732. Vgl. Käs-Gadem
Sp. 118. — ,Kleid-G'halter: ort, da man kleider
ein gehalt oder verkauft, feiltrage, vestiarium.' Fris. ;
Mal. Vgl. Trog. — ,Buech -Geh alter: ein trog
oder käst, darein man büecher oder brief gehaltet,
chartophylacium.' Mal. ,Bibliotheca heisst ein Bücher-
gehalter, nun aber wird sie zu einer Iconotheca, d. i.
auf Deutsch ein Bildnussengehalter.' JJBreit. ; vgl.
Z Gem. U 161. ^yn. Buech-Gadem. — Pfil-. ,Kocher,
d.i. Pf.' Z Anl. 1701. — Rüstig-: Plunderkammer
im Dachraum SchwE. 1» R. ufe" hat er mi'''' g'sperrt.
MLiEN. — Schür-Gehalt : Scheunenraura. ,Jede
huob soll nit wyters dann ir gebürlich huobhus und
darin seh. und stallung haben.' 1573, Hotz, Urk. —
Schatz-Gehalter: Schatzkammer, -Kästchen. ,Ein
Weib, die eine wahre Zierde ihres Geschlechts, der
Musen und Gratien, der Studien und Freundlichkeit
Seh. wäre.' JJÜlr.-Haug 1731. Vgl. ebd.: ,Ein gross-
mütiges Weib ist eine Schatzkammer der Tugend.'
— Spis- s. Spis-Gadem Sp. 120. — Für-Standen-:
Aufbewahrungsort grosser Behälter von Wasser für
Feuersgefahr. ,5 Pfd 16 ß [dem] Maler Türen beim
F. anzustreichen.' 1782/3, Z Studentenamtsrechn. —
Wasser-: W.-Behälter, Reservoir. ,Dise erstaunliche
W. hangen in dem freien Luft.' JCNag. 1738. ,Das
Wasserrad, welches das Wasser durch Röhren in ein
W. leitet.' JMüLL., Altert. — Ziger-: Raum, in wel-
chem der Schabzieger aufbewahrt wird. Scheüchz.-
Sulz. 1746, I 442. - Zunft-: Zunft-Lade, -Schrein.
,1693 ist in Z. getan worden das aus dem Silberge-
schirr Erlöste.' Z Weggenzunft.
Gegen-Halt: Widerhalt. .Redliche Leut sind so
viel als die Stützen, so da zur Wehr dienen und G.'
AStettleb 1642, als Übersetzung des frz.; .Qui ser-
vent d'arc-boutans.' — Hin der-: wie nhd., bes. in
der RA. : Öjyws im H. ha' 1) Etw. zur Vorsorge auf
die Seite gelegt haben. — 2) einen Hintergedanken,
geheimen Plan haben Uw; Z.
B»-: 1. (auch B'halter) = Gehalt 1, z. B. ein
Schrank G; ZW. B'hältU, kleiner, dunkler Aufbe-
wahrungsort Uw; Syn. Gänterli. Bei Abtretung eines
Hauses behält sich N. ein Wohnrecht vor ,und euch
so vil kornbehaltcs als er bedarf.' 1307. Z Staatsarch.
.TJferstäntnussbilds b'halt zue machen.' 1501, Z Anz.
(Rechnungsposten). ,Da Einer Jmdm bei Tag oder
Nacht in seine Behausung oder Behalt bricht oder
steigt.' SMütach 1709. — 2. das Haften, Behalten (im
Gedächtniss), Erinnerung. Gedenken. .Welchs ich, als
zuo bestem behalt der jungen in rymen gesetzt hab.'
Salat. ,Um bessers B-s willen schadet es nicht, ein
Sach zwei Mal zu sagen.' JJBreit. 1640. Formelhaft
in der adv. gebrauchten, gen. Verbindung mis B-s (in
ApK. auch mls B'halls, in Aa nnsb'halts). 1) so viel
ich (im Gedächtniss) behalten habe, mich zu erinnern
weiss, meines Wissens, wenn ich mich nicht irre.
Irrtum vorbehalten, wie es mir eben einfällt Aa; Ap;
Bs; VO; G; Sch; S; Z. M. B-s isch es fern g'si'.
Vo" selbem Jör, wo, m. B-s, 's Erdbidem ko' isch.
Hagenb. Und wo EkeinC cha"' schribe' und lese', a's
m. B-s der Her und der Sigrist e chli Truckts Schw
(Schwzd.). !''• cha"'s m. B-s nüd säge', isch-es en
Hund oder e Chatz g'si" ZO. Es Büechli, es g'heisst
m. B-S: Lehrmeister und der Schileler. Stütz. Er häd
mins B-s ei Nama glia, wie min Ätti. Banth 1712.
.[Die Schreibung] Schiffhusen han ich zwar mins
ßhalts nienen funden.' JJRueger 1606. .Worvon ich
euch meines B-es bereits hie bevor geschrieben habe.'
Della Valle 1674. ,Meines Behalts, ut mea fert me-
moria, quantum ego quidem memini.' Denzl. 1677;
1716. — 2) meines Erachtens, Dafürhaltens, meiner
Meinung nach Schw; S. Aber loset-mer iez, was ech
säge" will: dir [ihr] blibet no''''-ne churzi Zit, m. B-s
no'''-ne Wuchen oder angerhalbi do. Schild. Das ist,
m. B-s, an üsem Fest das AllerscMnst. Heng.
Mhd. hehuU, Gewahrsam, sicherer Platz, Aufenthalt,
Sicherheit. Vgl. auch noch Gr. WB.
Brunz-: das Anhalten nach dem Marsche, um zu
pissen. Die Offiziere brauchten das W. als Commando-
ruf statt des heutigen: Auf der Stelle ruht! Z f.
Halt II f.: gedeckte, heimliche Stellung (im
Kriege), Lager, Wachtposten; Lauerplatz, Hinterhalt.
,Do sy Sachen der landsknechten gewalt, do schluegen
sy bald ein bald.' Lenz c. 1499. .Zue N. slueg man 's
läger zue ring um mit wart und h.' ebd. .Die fygend
soll man schlagen us der h.' ebd. .Do greif sy der
ander zug. der in der h. still lag. by syts ouch an.'
Edlib. .Ein dritt teil [der Leibwächter] sollend der
Halt, helt, hilt, holt, hult.
h. warten im haus des königa.' 1531/48, II. Köv.;
4afür: ,4ie Wacht halten.' 1667/1882. .Jonathan aher
schlueg die Philister in jrer h., die zuc Gibea was.'
1531/48, I. Sam.; dafür: .Besatzung.' 1667/1882. ,In-
sidisE, ein heimliche h., aufsatz, hinderlist. Ponere
in insidiis, in ein h. legen, einen auszespähen.' Fi^is.;
Mal. ,Die Österrycher stiessend ein h. und reiztend
die Eidgnossen us der statt, die flelend hinus; die
fyend n^mend die flucht bis für die huoten oder h.
und karaend [die Zürcher] also zwüschend die fynd.'
HBuLL., Tig.
Mhd. Mt m., dass. Unsere Quellen scheiden das W.
durch das Geschlecht hestimmt vun Halt I ; Tgl. halten.
halt: Ady. 1. zur Erklärung, Begründung, Be-
kräftigung einer Aussage, mit ausgesprochenem oder
meist bloss mitverstandenem Folge- oder Bedingungs-
satz; übersetzbar durch: eben (mit dem die MA. es
oft verstärkend verbindet), nämlich, das heisiät, wie
leicht einzusehen, wie sich ergibt, doch wohl, wohl
etwa; kurz, mit einem Wort, überhaupt, nun einmal;
„nur, endlich." allg. Bu wirst h. niid recht 'tä' ha'
[und darum bestraft worden sein]. Er tcird h. chrank
sl*, [der Grund] das' er nüd cho' ist. Ich wor [würde]
h. [an deiner Stelle] säge", es hett nüd chönne' sl'.
[Wisse!] Es ist h. fßo. Vom Se'ben a' ist dö h. d'
EbenalphÖli eHstande" Ap (Sehwzd.). Er ist h. en
arme' Tropf [man muss darum Geduld mit ihm haben].
Mr* sött h. nid me" welle', als mf cha" ScH. I'''
hä 's h. nüd g'tcüsst, cha" 's h. nüd besser (mache').
JJff chann-em h. Nut mir glaube'. Du häsch-es h. e,s6
g'seit [bist also an dem Missverständniss selbst schuld].
jAber in unserm Haus war's h. auch so wie in hundert
andern.' Gotth. Es hat 's h. nw nüd möge' g'ge". Er
mag iez h. ehe* nüd. Er ist iez h. ehe" g'gange" [daher
sind deine Einwendungen verspätet]. Er tuet 's h.
(doch) nüd. Du bist h. en Nar' ! Es ist h. niir schön
g'si*! Züri''' ist h. nW e schöni Stadt! Mc hat h.
nW milese' hiege', konnte sich kaum satt sehen. Er
chönnt h. (doch) aw* z' spät cho' si; d. h. es Hesse
sich sein Ausbleiben auch so erklären. Wenn ich h.
[nun aber] nüd will [was dann]? S. noch bei Güge
Sp. 156. Auch scheinbar pleonastisch einem begrün-
denden Nebensätze vor- oder eingesetzt, um die Be-
gründung eindringlicher zu machen, z. B. : Wil er h.
en Nar'' ist; oder etwa: H., wil er en N. ist. Ebenso
in andern Nebensätzen, welchen dadurch zugleich der
Charakter einer Be"grundung, Erklärung verliehen
wird, durch Versetzung aus dem zugehörigen Haupt-
satze, z.B.: [Warum hinkt er?] Wo-n-er h. ab-eme
Baum abeg' fallen ist, hat er 's Bei' 'broche' ; und da-
nach auch : [Wann brach er das Bein ?] Wo-n-er h. . .
Wo-er h. anne" chunnt, wird er üsg'lachet. Wenn-d'
h. cha"st schwlge', .so vill-iler 's siign". [Darf ich das
Buch besehen?] Wenn-il' h. rli,i"'st Sorg ha'. — 2. zur
Berichtigung, Einschraiikuiin- oiiier Aussage, = viel-
mehr; freilich Z. P'' han «o'* nie g'raucht — h. wol,
emal, tro-n-i''' 's Za'weh g^ha* ha". Er häd g'loge'
— (aber) h. nw im G'spiass. — 3. in der Verb, mit
JQch', sogar, selbst, dasselbe verstärkend. ,Das ist
adellich ligen mit einer lautren conscienz, j. h. auf
einem strösack.' G Hdschr. — 4. in Verb, mit ,denn'.
verderbt aus ,ald'; s. Bd I 188 o. Bi eus g'heisst
g'wüss tei» Mensch eso — h. d. du wüssist Öjiper.
Stvri. De Eeiri häd g'seid, wie" seil kei'' Sau zuetue
[anschaffen], h. d. me' heb en"' SöustaV. Sprww. 1868.
Mhd. An/(, mehr, vielmehr; eben, freilich, ja, allerdings;
als Conj. = sondern (auch), t. wie unser 2 und 3 auf ahd.
halt, potius, magis, süd zurückgehend, t. wie unser 1 auf haltu,
1. l'ers. Präs. von ahd. haltan. Ober Verbalformen mit adv.
Anwendung Tgl. Weinh., mhd. Gr. ^ § 326, Gr. WB. u. ,halt'.
E-Halte» ScnSt. (Sulg.), -Halter Th: 1. Dienst-
bote ScnSt. ; Th. ,Mit gedingten knechten und ehalten.'
1419, Hof Kriess. ,A1s oft der, des der wyn ist, oder
syn e. den zapfen zucktent.' XV.. SchwE. Hofr. ,Die
dienst und e.' Kessl. .Die müller und jre e. sollen
am Sonntag mit malen still stän.' Lind., Wthur Chr.
,Es soll auch mit den ehehalten, knechten [usw.] ge-
balten werden wie mit den bürgeren.' ZWthur Stdtb.
— 2. Ehegatte. ,Wo zwein e. sind, die bede des gotts-
hus sind, wenn da der mann abgät, ist dem gottsbns
gefallen ein houptfal.' c. 1515, ZRbein. Offn.
■ Mhd. ehalte, wer ein Vertragsverhältniss beobachtet, durch
ein solches gebunden ist, Uienstbote. Vgl. noch ,Ehehalte'
bei ßr. WB., ,E' und ,-Halt' bei Schm.-Fr. und E-Halt.
In Überlingen wird ein ,Ehhaltenmarkt' abgehalten, welchen
die Dienstboten der Umgegend zu bcsucheu berechtigt sind.
Uf- L; Sch; Schw; S, Uf-ent- Aa; Bs; L; S,
Hüf- AAWohl. — f.: Kette, Lederriemen oder Strjck,
mittelst dessen das Zugtier an die Deichsel befestigt
wird, damit es das Fuhrwerk nötigenfalls zurückhalten
könne ; Deichsel-, Halt-Kette ; Syn. Vf-Halsen, üfhalt-
Kctte. , Diverses Jilenngeschirr, Joch, Kehl, Aufhalten,
Kühketten.' Bote d. Ursohwz 1882. — Vgl. noch Sirufiije
und das frz. chaine de reculement (de tii^wn).
halte" I: im Allg. wie nhd., doch gegenüber den
Synn. haben (heben) in der MA. mit bedeutend ein-
geschränkterer Verwendung, allg. Mit Sach-Obj. :
Wort h. ,[Es ist] der Weite Sprichwort: Verheissen
adelich, h. Alls vom Dorfe sei.' Bs Grat. 1622. VgL
noch Fasten. Abs. : (Ei"'vi) h., von einem abgeschlos-
senen Kaufe, Vertrage nicht zurücktreten Z. ,Ver-
sprechen und H. steht gut an Jungen und Alten.'
(Sprw.). ,Zug will nach Bezahlung der Sülde auch h.
[d. h. den Vertrag mit dem frz. König].' 1522, Absch.
,Das Spiel h.', es fortführen, nicht davon abstehen,
vgl. den Gegs. gän Sp. 2/3 und haben Sp. 886 u. Beim
Zutrinken ruft der, dem ein Trunk gebracht wird:
,Ich halt 's und bring dir disen dran.' Aal 1549; vgl.
noch gar Sp. 396; haben Sp. 881. ,Der Schulmeister
soll den Gesang in der Schulstuben h.' 1737, ApHeid.
Schulordn.; Syn. füeren; vgl. , Schule h.' Abhalten:
,Der Kriegen halb, so sich damalen hielten [vorfielen,
geführt wurden] zwischen...' RCys. Tw. formelhaft,
bes. in Verbindung mit gewissen Substt., vgl. Atem,
Fuess, Vogti (Bd 1 1279), Buggen, Bis, Stich, Stan-
dari, Stange. Mit Pers.-Obj. ,N. N. hat gest g'halten.'
1540/73, UMet. Wthur Chr.; vgl. nhd. ,Gast-Halter.'
,Man solle [die Gesuchsteller] dabei [bei ihren ver-
brieften Rechten] aufrecht h.' DHess 1818 (nach der
ä. Spr.). S. noch fründlich Bd 1 1307. Spec. Anwen-
dungen, a) Aufenthalt geben. ,Sy sollend nit eini-
cherlei party fyend husen, hofen, h. noch in ir land
kommen lassen.' 1476, Bs Chr. — b) beibehalten, be-
haupten. ,Sarcocolla, ein gummi, halt noch disen
nammen bei den apotekern.' KdGessn. 1542. — c) dafür
halten, meinen; vgl. Haiti. ,Us welchen g'schriften
ich grundlichen halt, dass die mess kein opfer möge
syn.' ZwisGLi. ,Sölliches hieltend die Juden ein-
hclligklich.' OWerum. 1552; dafür: .glaubten.' Her-
I BORN 1588. ,Die barfüesser hieltend, sy wäre one
1225
Halt.
rlt, hilf, holt. Imlt
1226
erbsünd empfangen.' LLav. 15(39. ,Ich halte nein.'
JMey. 1594. ,Der sich [beim Rebensaft] füllt wie ein
Schwein, halt man ein gueten kriegsraann sein.' GGott».
1599. Mit abhängigem Gen. s. Er Bd I 389 (Zwingli).
Rcfl., sich Etw. siumuten, zu Etw. herbeilassen, e.s
an sich kommen lassen, sich den Anschein geben.
.Wenn sich Einer auch noch dafür hält und kommt
mit Manier [= manierlich aufzutreten].' Gottu. Meist
neg. : ,Er hielt sich nicht dafür, abzubitten, er machte
ein trotzig Gesicht.' ebd. ,Alle brachen vom Leichen-
mahle (luf, wie hart es auch Manche hielt, aber man
hielt sich doch nicht dafür, dass man länger nicht
genug hätte als die Andern.' ebd. In anderm Sinne :
,Er sagte, dass er Gott danke, dass seine Tochter so wohl
versorget werde, er hette sich wol nit darfür gehalten
[dessen nicht würdig geglaubt, es nicht erwartet].'
1663, Z Taschenb. Vgl. noch Sp. 883 o. ^ d) ,0b
Etw. h-', es beobachten, darauf achten ; es schätzen,
ihm pachleben. ,Wer will ob meinen anschlagen und
gedanken mit der geislen h.?' 1531/16(37, Sir., dafür
1882: ,Wer wird über meine Gedanken eine Zucht-
rute bestellen'!" Die Amtleute hätten zu wenig ernst
,ob den mandaten gehalten.' 1548, Hagenb., Sigr. ,Dass
wir lernind ob den fugenden starklich h.' Haberer
156'2. ,Gott bitten, dass er mit seinen Guttaten nicht
aussetzen, sondern mit denselben ob uns noch weiter
h. und walten wolle.' FWyss 1672. ,0b Einem h.,
observare atque tueri alqm, alcujus salutem suo prai-
sidio tegere.' Hospin. 1683. — e) ,auf Etw. (Jmd) h.'
a) in feindlicher Absicht, darauf lauern; vgl. Halt II.
,Es soll niemans von einer partyen uf die von der
andren h. oder sye schädigen.' 1478, Bs Chr. ,Der
general ist kommen gan Lyon, da [er] verstanden,
wie des bischofs bruoder und der von P. uf in h., also
dass er sicher hinus nit könne ryten.' 15'24, SiRiCKt.
S. noch streifen. — ß) in freundlicher Absicht, Wert
auf Etw. oder Jmd setzen, an Etw. oder Jmd hangen.
,Je genauer eine Person auf alt üblichem Schnitt und
Zeuge hält...' GLHartm. 1817. ,Wer ist under euch
also g'herz [beherzt], dass er mit mir wagt einen
scherz? uf den halt ich mein leben lang.' Holzwart
1571. Abgeblasst, i. S. v.: .davon h.' ,Was auf den
dreien Capellen Gasserts zu h., wird dises Büchlein
offenbaren.' ClSchob. 1699. Vgl.: ,Die g'schrift. von
welcher sy so erlich und wol haltind [von welcher sie
so grosse Stücke halten].' RGualth. 1553. — f) ent-
halten ; vgl. Halt 3. ,Der erst artikel halt, dass . . .'
Zwingli. ,l)es letzten bottens befelch hielt, nit über
einen raonat zue Rom ze verharren.' Ansh. .An Chri-
stum glauben in jm [sich] halt alles das, so im
nüwen testament geschriben stat.' B Disp. 1528. —
g) .sich an Etw. (Jmd) h.' [Sie trinken schlechten
Kaffee] statt dass schi-schi [sie sich] a" gueti MeUuppe'
hüeltend GhPt. (Schwzd.). In der ä. Spr. mit Gen. S.
a) = ent-h. 9 d. ,Esau ward ein jegcr und der sich
des felds hielt, Jakob aber ein biderraann, hielt sich
der hSrberg.' 1531, I. Mos.; dafür 1882: .aufhalten.'
,An Vöglen, die der Zäme [d. i. der bewohnten Gegen-
den] sich h., ist kein Mangel.' Gcler 16'25. — ß) an
Etw. festhalten, dabei bleiben, sich darnach richten,
darauf verlassen. , Solichs wolltent wir üwer liebe
unvertündet nit lassen, sich wissen [damit ihr wisset],
der löuf zn h. [nach den Begebenheiten zu richten].'
1474. Bs Chr. ,Es ist uns in ganzer warheit. der ir
üch uf unsern glouben [auf Treu und (_ilaubcn] h.
mögen, begegnet, dass...' 1476, ebd. ,Der sich des
[des reinen Gotteswortes] nit halt, der ist nit ein
Christ.' ZwiKGii. .Wir haltend uns der h. g'schrift.'
Z Bib. 1560. .Bei dem [g']gebnen urteil bleiben und
sich desselbigen h., in eo quod judicatum est starc.
Sich der kürze h. und fleissen, brevitatem custodire.'
Mal. Mit Pers.-Obj.: ,üie kilch, die in Gott 'gründet
ist. haltet sich allein Gottes.' Zwingli. .Ich will mich
Gottes h. und euch dyn.' NMan. .Zeig, dass du die
nit verlassest, die sich deinen haltend, und wie du
niderest die, die sich irer stärke haltend und rüemend.'
1531/48, JuD. .Sich der künigen h. um seines nutzes
willen, regibus uti.' Mal. S. noch in- wetten. —
h) intr., anhalten, stille stehen; in einem Verhalten
verharren. Wie nhd. als Zuruf. Halt, Schegg! 1) Halte-
ruf an ein Zugtier Z. — 2) scherzw. auch an einen
ungestümen Menschen Z; vgl. ,halt, Schweizer!' ,Der
knecht reit durch den bach und bleib der cortisan
ennend dem bach und ruoft dem gesellen zuo; Halta!
halta!' DSchilling. Als eins mit diesem deutschen
Imp. angesehen, doch eig. aus dem Frz. entlehnt ist
die zur Einsprache verwendete Verbindung Ä. M.' Syn.
o-hä! Bes. auch vom Wetter. Wenn 's nw Gotts
Will ivär, dass es utird halte"! Bs; Z. .Der geist
Gottes hielt uf dem wasser.' 1531, I. Mos.; = .schwe-
bet.' 1548. .Unangesehen ganz Gallia Eugenio bei-
gefallen, haben doch die Schweizer bei ihme [Theo-
dosius] gehalten [treu zu ihm gehalten, bei ihm aus-
gehalten].' JLCvs. 1661. — i) sich h., mit Adv.: sich
verhalten a) von Personen, sich benehmen B; L; Z.
Halt di''' guet, so got 's dir guet L. ,Ich hoff [der
Freier] wurd sich [später als Schwiegersohn] h. recht.'
GGoTTH. 1619. ,Wir erfahren, dass [auch] die sich
[in Pestzeiten] schon h., dass sie kein bösen Luft
anwehe, zu Niemand gand, [doch] dahin sterben.'
JJBreit. 1629. — ß) von Sachen. ,Des ander mynes
fürnemmens halt sich also.' Ansb. ,Wenn [der Reis-
läufer] vom krieg kummt wider heim, so bringt er
nüi; dann müede bein, vil lüs, darzue lützel bar gelt;
beim g'meinen mann sich 's also helt.' VBolz 1554. —
ungehalten (Ptc): schranken-, masslos; unbändig.
.Die Zung kann kein Mensch zämen; sie ist ein u.
i'bel.' JRHopMSTR 1645. .Durch all zu ungehaltenes
Jagen die Wälder erschöpft.' B Jägerordn. 1687/1714.
.Der Sieg ist von Natur grausam und u.' Lindinner
1733. — Halti"g f.: Unterhalt GuPr. (Schwzd. '29,
31). Vgl. halten 1 a.
A im Präs. ohne Uml. wie in der MA. iibli. bei den
Vbeu der VI. u. der red. Konj. ,tiott haltet sich.' OWerdui.
I55'2, woi'Hr in der Herborn. Ausg. 1588 ,hält'. .Haltest.'
GGotth. 1619. ,So man Gericht haltet.' Bs Gerichtsordn.
1719. Das Imp. Prät. ,hueltend.' Wagn. 1581. ist Analogie
nach den Vba der Cl. VI ; s. noch ßir-h. Betr. die Bedd.
vgl. haben B (Sp. 879/888) und die Anm. Sp. 890. S. noch
hehelten. — Die folgenden Compp. beriüiren sich mehrfach mit
den betr. Compp. von liahen, auf welche Ubh. zu verweisen ist.
ob-: 1. mit Dat. P.. Jmd unausgesetzt beobachten,
um ihm zuzusetzen. ,Ist hütt geratslaget, dass wir
den fyenden nachtrucken wellend und inen o. derniäss,
dass die sach glücklich geendet werde.' 1531, Strickl.
— 2. abs. (eig. mit Verschweigung des Obj.), Etwas
(einen Vertrag) inne halten, beobachten. ,Man achtet,
wo der könig nicht obhalten [der gegebenen Zusage],
werden andere mittel vorhanden syn, dass er's tuen
müesse.' 1585, Seg.. Pfyft". - Vgl. haten g und oh Bd I
lil/.')0. S. noch Hand.
1227
Halt.
jlt, liilt, holt, hult
uf-halte»: 1. aufrechthaltcn , z. B. die Macht,
das Ansehen einer Person. ,Wann jetz nit wären die
cmann, so möcht Venus nit han den bracht; sie halten
s' uf mit ganzer macht.' Gengene. — 2. unterhalten, in
Stand halten. ,Die Brück in der Eeuti soll der Tagwen
E. machen. Die aus Linthtal sollen ihnen helfen;
dann sollen die aus der R. die Brück wohl streuen
und aufhalten.' Gl LB. 18.35. — 8. Unterkunft geben,
beherbergen; vgl. Ent-Halt 3; tif-ent-h. ,Was fuog
mögend sy dann haben, jn als ein abflüchtigen, un-
erbaren mann der billigkeit zewider ufzuohaltenV,
1531, Strickl.; vgl. ebd.: ,Im platz und ufenthalt
geben.' ,Wo sy [die Burger von StGallen] ir [der
Adeligen] Widersacher in die stedt zuchend und wo
einer [der Widersacher] in die acht tuen ward und
darüber [trotz derselben] üfgehalten, dass ein stadt
StGallen keines ächters entgelten sollte, der by inen
fonden wurd.' Vad. I 465. ,Zu einer Ufhaltung der
Durchreisenden.' ECys. — 4. auf-, zurück(-be)-halten,
vorenthalten. Halt uf! Beschwörungsformel oder Not-
ruf bei einem Brande. Der Eufende eilt, indem er sich
so nahe als möglich der Feuergrenze hält, mehrere
Male um die Brandstätte und wiederholt fortwährend
den Buf BM., S. ,In Ansehung derjenigen Kühen, so
die Milch aufh. oder auch laufen lassen.' ÜRKlost.
LB.; Gegs. abhin geben. ,Sy wellend söliche [beschlag-
nahmte] ross und guot u.' 1522, Absch. ,Wenn man
das ihren aufhalt.' GGotth. 1599. — 5. aufbewahren
und dabei frisch erhalten. ,Der Wein ist beständig
[haltbar] und lässt sich als lang man will aufh.' Guler
1625. — 6. aufschieben. ,Ich bitt, die reis ein zyt
üfhalt.' FuNKELiN 1552. — Uf-Halter: wem der Auf-
enthalt an einem Orte nur gegen Bürgschaft oder auf
beschränkte Zeit gestattet ist, noch unter dem Hinter-
sassen oder Niedergelassenen stehend Bs (Spreng).
Vgl. Uf-cnt-Halter. — Mhd. vfhalien, ebenso.
a"-: 1. zurückhalten. ,[Der Knecht] sagte, er
wolle fort. A. will ich dich nicht, sagte die Frau,
so wenig, als ich dich gehen geheissen.' Gotth. —
2. fortdauern, z. B. vom Wetter. Tr., Färb a., fort-
fahren, Karten von der gleichen Farbe (s. Bd I 987)
zu spielen Z. — 3. anhaltend, inständig bitten, auf
Etw. dringen (wie nhd.) B; Gl; S; Z. Um oder defrj
Tusig-Gotts-Wille' a. Z. ,Die weit han ich erniant,
inen tröwt und angehalten mit warnen under jungen
und alten.' Edef 1550. Mit Dat. P. (S). Si nimmt-en
bi der Hand und haltet-em a" : Säg-m'r jetz . . . Joäch.
Spec, bei einer Wahlbehörde unter Beobachtung ge-
wisser Formalitäten um eine Stelle nachsuchen, can-
didieren. Landsgemeindekantone; Th. ,Anhaltenszeit.
Der Lehrer einer Frcischule muss alle Jahre an einem
festgesetzten Tage, alten Eechten und Übungen ge-
mäss, bei der ehrsamen Bürgerschaft mit der ehr-
erbietigen Bitte einkommen, wieder für ein Jahr die
1. Jugend für den bestimmten Gehalt unterrichten zu
dürfen.' Ap Volksbl. 183'2. ,Die Wahl eines jeweiligen
Schulmeisters soll bei der Kirchhöri stehen und er
alle Jahr schuldig sein, vor der K. anzuhalten.' 1737,
ApHeid. Schulordn. ,Das Werben um die [geistlichen
und weltlichen] Stellen [an den Pfarrkirchen] ge-
schieht meistens durch persönlichen Vorstand und
mündlichen Antrag und wird das A. genannt. Dieses
A. muss sich jährlich bei einigen Stellen wiederholen,
um Bestätigung zu erhalten.' Uw Gem. 1836. ,Wer
unter die 18 an einer ,Gangfisch-Segi' berechtigten
Anteilhaber aufgenommen werden will, muss so lange
a., bis eine Stelle frei wird, indem er als sogenannter
Anhalter einen Vollberechtigten im Verhinderungs-
falle ersetzt, dabei aber nur um d' Hälfti fart, d. h.
nur den halben Anteil der Beute eines Teilhabers er-
hält TuBodensee. — 4. a. um..., freien Bs. — 5. mit
Acc. P., Jmdn wozu nötigen (wie nhd.). — 6. halten,
ein Gebot. , Weiher aber Söllichs nit anhielt, als ob-
stat, der soll 1 Pfd Pf. verfallen syn.' TnEggen Oifn.
inn-, in ZO. i-: 1. inne-, ein-halten, pausieren
ScH; Z, auch nur i. S. v. nachlassen, sich unterziehen
ScH. — 2. zurück(be)-, vorenthalten. ,Wo das ver-
loren wäre, Solches an seinem Lidlohn [Arbeitslohn]
einh.' XVII., ÄAMuri Gesindeordn. , Einem den Sold
inn-halten, Stipendium alicujus fraudare.' Hospin. 1683;
vgl. inn Bd I 291. — 3. refl., zu Hause bleiben Z.
,Es wundert mich, dass er also inhaltet sich.' HvEüte
1546. ,Sich innhalten, dorn! se continere.' Hospin.
1683; vgl. innen Bd 1 293. — 4. enthalten, besagen,
lauten. ,Welich ordenung innhalt, dass...' 1475, Bs
Chr. ,Dass wir stäts daran syn wollen, als üwers
schrybens meinung euch innhalt.' 1476, ebd. ,Als
denn das nier [der Mehrheitsbeschluss] innhelt.' Edlib.
,Es sind uns Warnungen zuokommen, die inhaltend,
dass . . .' 1522, Absch. ,Das gyrenrupfen, halt inn,
wie . . .' 1523, Titel eines Buches. .[Dieser Psalm]
haltet inn gleich als der vorig.' 1531/48, Bio. ,Von
einer Zinsverschrybung, die under 500 Pfd Pfenn. in-
haltet, soll ein Schryber dry Pfd Pfenn. Belohnung
nemmen.' B Wuchermand. 1628. Ein Mal mit Wechsel
des Subj. : enthalten sein. ,Wie dann sölichs [hier
nur kurz Berührtes] in unser missive wyter inhaltet.'
1524, Z Eatserk. — In-Halter: Inhaber. ,Alle i.
der pfrüenden.' 1540/73, UMey. Wthur Chr. S. noch
In-Haber Sp. 926. — Inhalt ung f.: = Inhalt. ,Ein
missiv, der i ' Sicher.
Über das Verhältniss von inn : in (,ein') vgl. Aom. Bd I
292. Hieher wohl auch der Familienn. Inhehler Gl'., Tgl.
,Inhälter', Inhaber, hei Schm.-Fr. I Sp. 1102.
under-: tr., Jmd den Unterhalt geben, ihn be-
köstigen Z. — Under-Haltung. ,Die bischof zühend
den zehnden gar dannen und lassend den priestern
arm, klein u.' Zwingli. ,Diser was durch u. [auf
Kosten] seines vetters gen Paris [auf die Hochschule]
geschickt worden.' Vad. ,Dass der Mann syner Frauen
Gut zu syner U. anzugryfen bezwungen wäre.' B Ge-
richtssatz.
ent-: 1. zurück-, auf-, an-, fest-halten. ,Die from-
men in der statt von Nüsse hoffend die fyend wol
zue e.' 1474, Bs Chr. ,Disen betten länger e.' 1476,
ebd. , Söliche summ knechten [Reisläufer] nit dem
graten zueloufen ze lassen, sunder güetlich zu e., bis...'
1522, Absch. ,[Der Vermittler] ritt darzwüschend [zwi-
schen die feindlichen Heerhaufen], enthielt sie von
einanderen mit der hilf Gottes.' Val.Tschddi 1533.
.Darum mich länger nit enthalt!' Salat 1537. ,Es
mögend sich alle geschlecht [der Meisen] mit iren
kläwlinen e. und anhenken, wo sy wollend.' Vogelb.
,Die gemsen kommend auf die allerhöchsten spitz,
allda enthaltend sy sich mit iren hörnen und henkend
sich daran.' Tiere. 1563. ,Der bär bewegt das züng-
lin [einer Falle], das das bloch enthalt.' ebd. ,Ani-
mani teuere, den atem e. Iram suani non capit, sy
1229
Halt. holt, liilt, liolt, luilt
mag iren zorn nit e.' Fris.; Mal. ,Der Mann kann sich
e. nicht, fallt mit dem Ast in's tiefe Tal.' HsRRebm.
1620. In einem alten Weihnachtslied werden die
Winde angeredet: ,G"niaoh, ihr Luft, die Kalt enthalt"',
saust und braust ein ander .Mal!' ZcÄgeri. In der
Rspr. = in Gewahrsam, gefangen halten. ,Zu 2'/2
Jahren Enthaltung in einer Besserungsanstalt ver-
urteilt.' Z Tagbl. , Gefangen und während 18 Wochen
in der Festung e.' Glor 1835. .Der Spital erscheint
auch als Enthaltungs- oder Korrelstionsanstalt.' Mess-
MER 1831. ,Sy namend die gefangen und enthielten
sy etliche tag.' Vad. ,Die g'fangen, so by unsern
fygenden enthalten worden.' 1531, Striokl. ,Das [Vieh]
im stall e.' ZEIgg Herrschaftsr. ,Dergleichen Per-
sonen sollen in Gefängknuss gelegt, darinnen mit
Wasser und Brot e. und nit herus gelassen werden.
bis . . .' Z Mand. 1650. Vgl. fänglich Bd I 860. ,Den
Schuldner in Gefangenschaft legen und e. bis . . .•
SMüTACH 1709. ,Nach 6-wöchiger Enthaltung.' ebd.
,E. auf ein Recht' Gr Ges. 1827. S. noch Frön-Hof.
— 2. vorenthalten. ,Was die Mutter besass, das ent-
hielt sie mir nicht und ich verschmähte es nicht.'
GoTTB. — 3. aufrecht halten, behaupten, bewahren,
(im Stand) erhalten, erretten, schützen; vgl. Enthalt 1.
,[Die Belagerten] getruwent die statt wol zue e.' 1474,
Bs Chr. ,Unser geraein früntschaft zue e.' ebd. , Ent-
haltung des bestands [Waffenstillstands].' 1478, ebd.
,Bim leben e.', neben: ,Bim leben behalten.' 1516,
AaB. ,MHH. werdint ein söUichen priester, einem
ganzen kapitel widrig, nit e.' 1522, Siml., Urk.; vgl.
ebd.: ,Gedachten priester by syner pfruend wyter
dulden und beschirmen.' ,[Gott], Schöpfer und ent-
balter aller dingen.' Zwingli. ,Us dem [woraus] uns
allen ein grosse hoffnung, ein wäre enthaltung in
Gott geboren wirt.' ebd. ,Luegen, wie wir unsern
stät enthaltend und ouch wyter merend.' NMan. ,Wir
sollten einanderen e., so weit uns leib und guet{s)
langete.' Val.Tscbddi 1533. ,Das schloss ward von
iren fynden e. bis zue herbst wyl, so es [aber] be-
schossen ward, gabend sie es auf.' ebd. ,Wie Breganz
von so schwerer belägerung e. und errett' worden
syg.' Kessl. ,Dann dise land. vor mit dem schwert
und ieztan ganz hart mit dem hunger bekriegt, kein
enthaltung und widerkommen dann durch friden mögint
verhoffen.' Ansh. , [Solche], die mit rauben und finan-
zen ir leben enthaltend.' Vogelb. ,Weid sy und ent-
halt sy ewigklich!' 1560, Psalm. -- 4. = uf-halten 3.
,Der basthart sy zue Jenf gewesen, der also durch
den bischof e.' 1476. Bs Chr. ,Es soll dwedrer teil
dem andern syne widerwärtigen und bandyten nit
schirmen und e., sunder jeder teil dieselben us synen
landen tuon und vertryben.' 1521, Absch. ,Dass sölich
lüt niemand well husen, hofen, e., noch underschlouf
geben.' 1525, ebd. ,Das3 Gott [die Gläubigen] an ort
und enden, da es jm g'fellig, on schmerzen e. habe;
das ort nennend sy die schoss Abrahae und Inferos.'
LLav. 1569; dafür 1670: .aufbehalten.' ,Dass Schult-
heiss und Rat sich aller derer mögen wehren, so ihre
Burger schädigen oder solche Personen e. Was nun
die Burger solchen Enthaltern alsdann Leids zufügen,
sollen sie damit nit gefrefelt haben.' FrHappner 1666.
— 5. aufbewahren, verwahren. ,[Er hat] 3000 krönen
in Silbergeschirr [gegeben], begert jm solichs ein zil
[eine Zeit lang] zuo e.' 1532, Strickl. ,Ein propheti
[Inschrift] ist zue Rom verrauret und für [als] ein
grossen schätz e. und in kurzer zyt [unlängst] erfunden
worden.' Kessl. — 6. unterhalten, nähren. ,Dass die,
so uns lerend, von uns e. sollend werden.' Zwingli.
,Es sollend die houptlüt und knecht in des küngs
kosten und sold e. werden.' 1521, Abscd. ,Dass by
den kilchen, da allein alte wittwen e. wurdend, sich
ouch junge wittwen understuendend ze weiden. Und
so sy in die enthaltung der kilchen kamend, wurdend
der jungen etlich erfunden, die verschütten [ver-
wirkten] die enthaltung mit etwas Unzucht.- B Disp.
1528; vgl. ebd.: ,in die underhaltung der kilchen uf-
nemen.' ,Iren pfarrer mit irem schweiss und arbeit
e. und erneren.' 1529, Strickl. ,[Die Hasen] ent-
haltend ire junge.' Tierb. 1563. ,Die armen leut seind
[in jenen Gasthäusern] zu herberig und mögen sich
um ein klein gelt ring c.' HPantal. 1578. — 7. aus-
halten, in der RA. ,den Stich e.' Zwingli; Syn. be-hän,
-halten; vgl. nhd. .Stich halten.- — 8. bei sich halten.
,Und was [den Priestern] abgestrickt ze jagen und
federspil zue e.' Vad. Vgl. 6. — 9. refl. a) eine
Krankheit überstehen, wieder zu Kräften kommen,
sich am Leben erhalten AAAarb.; Syn. bekimen. —
b) sich erhalten. ,Pyrrhus, der einen dankbaren adler
gehebt, der nach [dessen] tod sich ön speis hat e.'
Vogelb. 1557. — c) sich behaupten. ,Darait ein jeder
sich möge e. wider die fyend der g'schrift.' Zwingli.
— d) sich aufhalten, wohnen. ,[Die Käufer] sullent
dem N. N. einen gaden, die wyle er lebt by inen in
dem hus, lassen, darinne er sich e. mag.' 1404. Z
Kaufbr. ,Dass sich im feld [vor Kälte] niemand hatt
mögen e.' 1474, Bs Chr. , [Solche] die sich zue zyten
als gest uf den schneien e.' Zwingli. , Sollt das nit
syn müglich Gott, dass er sich Messe in das brot und
nütdestminder wesenlich usserhalb enthielte sich?'
ÜEcKST. ,Man bäte sie, dass sie also still hielten. Auf
solches enthieltend sie sich in dem feld.' Val.Tschudi
1533. .Etliche hasen entlialtend sich des ebnen felds
und wälden, etliche aber in den wasserächtigen orten.'
Tierb. 1563. ,Rurari, auf dem land wonen, sich auf
dem land e. Spelaea ferarum, hulinen, darinn sich das
gewild enthalt. Avis fluminea, der sich im wasser
enthalt.' Fris.; Mal. ,lch wonet und enthielt mich
ein zytli zu Fürstno [Fürstenau].' 1572/1614, Ardüser.
,Der fürst lasse jetz niemand für sich kommen, sonder
enthalte sich in dem gemach.' 1578, HPantal. ,Ein
Mann, der einsmals Abends [sich] bis über Bettglogken
an der Rüss fischende e.' RCvs. .Wann Einer us dem
Land zuche und an der Fronde sich e. tete.' 1630,
Gl. ,Die Erdmorchel enthaltet sich under der Erden
und schwellet nicht herfür.' Spleiss 1667; ähnlich
Vestih. 1692. — e) bestehen. ,Domalen nit wenig
g'meinsamen [Verkehr] zwüschet [dem] Turgöuw und
dem gestifte zue Chur sich enthielt.' Vad. — Mhd.
ent-halU:n, ebenso.
üf-cnt-: i.^ent-h. 1. ,Reinora, ein fisch, der
die schiff, so er sich anhenkt, verhindert und auf-
enthalt.' Fris.; Mal. ,Wer dem Verkäufer ein Zeichen
gibt oder sonst hiesse den Anderen u.' L Ansehenb.
,Ein Ratsherr, welicher meinen Vatter wol bekannt,
hat ihn uf der Rüssbrugg fründlich angeredt und u.'
Mise. TiG. 1722. Bildlich i. S. v. lindern. ,Ad sub-
levandas necessitates, zue u. die notdurfte.- KSeilek
1460. — 2. hinausschieben, verlängern, weiter er-
strecken. Der Bokter hed-em nur en üfe'thalti''g ver-
sproche". ,MHH. habend Herrn N., dicwyl er etlich
1231
Halt, holt, liilt, holt, liult
1232
jar usserhalb sich enthalten, das buigrocht ufzuent-
halten zuegesagt, sölicher g'stalt, dass sy ine für und
für zu einem burger achten wöllent.' 1553, ZWthur
Katsprot. ,Er wird sein Alter u. und lengeren.'
JRLandenb. 1608; vgl. 6. — 8. = nf-h. 3, ent-li. 4.
,Er hatt den delphin, der Ton synem vatter usgejagt
was, u.' 1477, Bs Chr. ,Des Murners halb, diewyl
der von denen von Lucern wider die pünt für und
für u. Wirt.' 1529, Absoh. ,Wo ledig personen by ein-
andern argwöniglich sitzend oder offenlich einanderen
ufenthaltend, dass die von den erichteren ernstlich
gewarnet werdind, dass sy von einanderen gangind.'
Z Mand. 1539. ,Es wäre dann Unwetter, so soll man
die [Siechen] nach der billigkeit wyter u.' XVI., Zo.
— 4. aufbewahren, verheimlichen. ,üie frouw hat
geholfen, den diebon iren diebstal u.' 1540/73, UMet.,
Chr. — 5. = ent-h. 6. ,Ufenthaltung der spyse, snsten-
taculum victus.' KSeiler 1460. ,Gott hette brueder
Claus so lang on spys u.' 1488, OfiwSachs. Kirchenb.
jNieraants hat syn eigen fleisch gehasset, sunder er
nert es und ufenthalt's.' HBdll. 1540. ,Alle narung
des menschens, ja alles das, das zue desselben ufent-
haltung dienet.' RGüälth. 1559. ,Pisce sustinebantur,
wurdend aufenthalten und genert, gelebtend der fischen.
Bellum alere, ein krieg erhalten oder aufenth.' Fris. ;
Mal. ,Die an ihrer zeitlichen notturft und aufent-
haltung ihres leibs grossen mangel habend.' SHochh.
1591. ,Ihr meiste Aufenthaltung langt her von Viehe
und Kornwachs.' Gcler 1625. ,Die ganz Aufenthaltung
des Menschen an Speis und Trank, Kleidung.' FWtss
1660. ,Sio sind zurückgangen, da man ihnen nicht
hat geben können die Aufenthalt(ung).' Fisi 1696. —
6. = ent-h. 3. UHH. seien genötigt, ,zue irer ufent-
haltung [Var. : ufonthaltniss]' die verfügbaren Kräfte
im Lande zu behalten. (Bs Chr.) ,üass die fürsich-
ti{g)keit Gottes alle ding versorgt, alle ding ordnet,
alle ding ufenthalt.' Zwingli = ,ümnia servantem.'
,üas amt der h. mess vollfüeren lassen, u. und schir-
men.' 1525, Absch. ,Du, sun, aufenthalt das alter
deines vatters.' 1531/48, Sir.; dafür 1882: ,Nimm dich
deines Vaters an in seinem Alter.' ,Der küng aber
mit sunderer und heimlicher pension syne sachen für-
deret und ufenthielt.' Ansh. Die ,Ufenthaltung' der
betr. Dörfer bezüglich des Weidgangs sei aus .Nach-
lassung' geschehen [man habe sie freiwillig und nach-
sichtig bei der Übung des Weidgangs belassen]. 1542,
Absch. IV 1 d 189. ,Ein weis weib aufenthalt ir haus.'
1560, Prov.; dafür: ,die Weisheit der Weiber bauet
ihr Haus.' 1882. ,Du aufenthaltest meinen teil.' 1560,
Psalm; dafür 1882: ,du erhältst mein Erbteil.' ,Susten-
tarc aciem, er-, aufent-halten. Patrocinia tueri, seine
geschirmten aufenth., weiter schützen und schirmen.'
Fris.; Mal. ,Wyn: Ir [Menschen] band kein fröud
on den wyn und sonderlich ir wysen alten, so ich nch
doch ganz u.' HsRMan. Auch refl.: ,Leut, die nicht
wollen zu Grund gehen, sonder die resolviert, sich zu
aufenth. mit Darsetzung Guts und Bluts.' Mise. Tic.
1723. — Uf-ent-Halte r m.: 1. wer sich an einem
Orte nur vorübergehend aufhält, dort keinen bleiben-
den Wohnsitz hat; bei Volkszählungen im Gcgs. zur
eig. Wohnbevölkerung spec. aufgeführt, allg. Dagegen
diese letztere im allgemeinsten S. ist zu verstehen:
.Nach einer jeden Probierung sollen die Feuer-Haujit-
leute die Verzeicbniss aller seit der letsten Ergänzung
der Feucrsprützen-Eödeln angenommener Aufenthaltern
begehren.' Bs Mand. 1777; vgl. Uf-Halter. — 2. fle-
herberger. ,U. der [Wieder-] töufer.' 1531, Eoti, Act.
— 3. Erhalter, Beschirmer, Stütze (im pars. S.). ,Bs
ist des burgunschen herzogen meinung, uns zuvoran,
als der tütschen nation nit die minsten ufenthälter,
zuc trengen.' 1476, B an ßechberg. ,Die liebe ist ein
ufenthalterin von frid und einigkcit.' 1529, Absch.
,Mardocheum, unsern heiland und aufenth., der uns in
allen dingen guets geton hatt.' 1531/48, Esther b;
dafür 1882: ,unsern beständigen Wohltäter.' — Mhd.
uf-ent-halten, ebenso; Uf-eni-halter, in Bed. 3.
er-halte": 1. zurück-, fest-, aufrecht-halten, be-
haupten. ,Tyro, welche graf kuenrat erhielt und ritter-
lich beschirmet.' Ansh. ,Den baren mocht niemants e.,
weder mit stangen noch riglen.' Tierb. 1503. S. Banner,
— 2. (eine Ansicht, Behauptung) aufrecht halten, be-
währen, a) durch Gründe erweisen. ,Wir enbietend
uns, diss zu e. mit der göttlichen g'schrift.' Zwingh.
,Syn schlussred, die er hat g'lert, die hat er erlich e.,
Egg hat jm keine nie umkert.' NMan. ,Dass ich kein
1er, die zwyflig und noch nit uf der bau und e. sye,
nit ynraischen [wolle], sy sye dann zuevor vor ge-
meiner, ordenlicher [Synodal-] Versammlung e.' ZMand.
1580/1628. — b) eidlich erhärten. ,Abjuravit creditum,
sy hat mit dem eid e., dass sy nüt schuldig sei.' Fris.
,Wafehr ein Burger sein Anklag [Civilklage] nit er-
weisen, vil wenigers e., sondern im Rechten fellig er-
kannt wurde.' 1604, Bs Rq. ,Ein ietlicher Burger
muess bi synem g'schwornen Eid e., semliche Waften
syn syn.' JJRüeger 1606. S. noch Anfang Bd I 855,
uf-hehen Sp. 894, be-hehen Sp. 919/20. — 3. erlangen,
erwerben, gewinnen, z. B. einen Process Z. Seine
Sach am R. e., judicio superiorem esse, causam ob-
tinere, pro nie pronunciatum est. Seine Bitte e., voti
compotem fieri, obtatuiu impetrare, preces mese pon-
dus habuerunt.' HosriN. 1683. — 4. , einen Streit
(Sturm) e.', siegreich überstehen, durchkämpfen. ,öb-
wohl die Herzogischen sich dapfer gewört und deii
Sturm zum dritten Mal e., so ist die Stadt doch letz-
lich den Franzosen zur Püt worden.' RCts. ,Dann
ohn dein Gnad ist müglich nit, dass ich erhalt so
grossen Stryt.' JMahl. 1620. — 5. unterhalten, wie
nhd. allg. (Der lieb) Gott erhaltet alli (Mensche"),
aber sumi [manche] numme* schlecht W. ,Ein vogler
hat [eine Meise] in seinem haus e.' Vogelb. 1557. —
6. beibehalten, im Stand erhalten, bewahren, wje nhd.
allg. Es ist schwerer e. als erwerbe". Ineichen. Mit-em
Alte' muess ms" 's Neu e. Aa (Rochh.).
US-: 1. mit Acc. P. oder S., bis zu Ende dauern,
überdauern Aa; Z (auch use"-h.). Bas Chleid usw.
haltet mich us. Ir und ich [der Verfertiger und der
Träger] haltid das Chleid nümnie' us. Se'be'' [Jener]
haltet kei Hustage me'' us, er erlebt keinen Frühling
mehr. — 2. mit unbestimmtem Obj.. die aufgewen-
deten Kosten decken, sich lohnen L. Us de' Herd-
öpfle' chammer [kann man] «7 und billigs Bröns [Brannt-
wein] mache"; es haltet 's üs und ist ne Vortel für ne
Bür. Machari 1871. — 3. Kosten tragen, bestreiten,
a) mit Sach-Obj. ,Den Heuzehnden einzuoziehen haltet
Herr Grosskeller aus.- XVIL, AAMuri Gesindeordn.
.Flums hielt die [Huldigungs-] Mahlzeit aus.' 1724,
Absch. ,Es wurde bestimmt, was die Kirchensechser
samrat einer Ehr. G'meind [beim Kirchenbau] anzu-
.sc-haffen und auszuhalten haben.' 1779, Gpd. ,Für
1233
Halt, holt, hilt, holt, hult
1234
allerhand Werkgeschirr auszuhalten 240 &.' ehd. (Aus-
gabeposten). — b) mit Pers.-Obj., spec., Einen zech-,
kostenfrei halten Z. ,Der Hof soll den Sigrist u.'
1666, LNcud. ,N. N. habe einen Trunk und Abendessen
bezahlt und eine Tafel voll ausgehalten.' 1677, G
Verrichtb. ,Laut Vertrag war der Baumeister ver-
pflichtet, alle Handwerksleute auszuhalten und zu be-
lohnen.' 1757, ZHorabr. — 4. ein-, ab-, ertragen L.
Wenn 's [z. B. ein Amt] Öppis tat u., so hätt ich 's
nid. — 5. mit Acc. F., Jmd verlachen, verspotten,
bekritteln GrA., L.; Syn. us-füeren. — In Bed. 1, 3 b
und 4 vgl. das syn. «» (ustV-haben Sp. 907.
ver-: 1. zurück-, aufhalten. ,Ich hab disen hotten
V. bis uf den frytag.' 1475, Bs Chr. ,Die unsern
[Streiter] syent durch dich v. in der gestalt, dass du
zu verstand geben habest, die houptlüte haben dir
befolhen sy ufzehalten, sust wären sy by den ersten
gewesen.' 1476, ebd. ,Das weinen kann ich nicht v.'
FüNKELiN 1552. ,Soll das vech in dem stal under dem
tach V. und nit heraus gelassen werden.' Tierb. 1563.
Mit dem Verkauf einer Waare zurückhalten, um einen
höhern Preis zu erzielen BM.; Syn. ver-heben Sp. 908.
,Der verfluchte Schelm hätte dem Andern angegeben,
wie er es machen solle, um die Käse wohlfeil zu er-
halten. Aber dem wolle sie es schon v. ; lieber als
dass sie die Käse verkaufen lasse, esse sie dieselben
alle selbst' Gotth. ,Die underköufer söllent niemand
raten, das syn uf die [günstigere] zyt zue v.' 1409,
Bs Rq. — 2. schliossen, versperren. ,Sy band, den
pass zue V., 500 mann geschickt' 1525, Strickl. ,Die
landleut habend [dem Bruder Klaus] oft alle zugäng
V., zu besehen, ob jm jemand heimliche Speisung
reichte.' Stumpf. — 3. gefangen halten. ,Der kerker,
da Christus v. ward.' Stülz 1519. — 4. vorent-, zu-
rück-be-halten, unterschlagen, entziehen, ver-hehlen,
-bergen, -wehren, -sagen, -hindern. ,Was dir nüwer
mären kunt sint, wollest uns zu dheinen zyten v.'
1476, Bs Chr. ,Der wir üch abschriften senden und
die nit v. wollten.' ebd. ,Dass solichs merklich zwyung
und vil args bringen wurd, wo es nit werd v.' 1501,
Absch. ,Sölicher niai [Festlichkeit] järlieh von ort zue
ort üssgeschriben und durch deheins [kein Ort] v. und
üfgeschoben werden solle.' 1504, ebd. ,Der schaff'ner
ncme den zechenden ganz yn und verhalte den kinden
jren teil.' 1521, Absch. ,Dero sünd ir nachlassen wer-
dend, denen sind sy nachgelassen, und dero ir v. wer-
dend, denen sind sy v.' Zwingli (nach Joh. XX 23;
dafür 1882: .behalten'). ,Mag neisswar das wasser v.,
dass die nit geteuft werdind?' ebd. (nach Apostelg.
X 47, jetzt: .verwehren'; vgl. ebd.: ,Mag inen neiss-
war vor dem wasser syn?'). ,Die nun jar, die das
werk by dem Werkmeister v. werden soll.' ebd.; =
,Novemque illi anni, quibus premi oportet opus.' ,We-
licher sich euch pfant ze geben widerte und mit g'walt
verhielte, der verbessert [busst] 5 pfd.' 1534, Bs Rq.
,Will dir V. ganz khein wort.' SBirk 1532. ,[Der Ge-
richtsweibel soll] alle fürbott [Vorladungen] fürderlich
tuen und d'heins länger dann ein nacht v.' Z Gerichtsb.
1557/1715. ,Es wäre wol als guet söralich syn testa-
ment v. und nit ussgespreit worden.' HBdll. 1571.
,Alsdann so soll der Schuldner dem, der pfand begert,
das hus und den plunder unverschlossen lassen und
jme da nützet v.' 1572, Schw Rq. ,Alle Artisten haben
dieses Oel v. und undergeschlagen als ein heimlich
Stuck der Natur.' JRLandenb. 1608. ,Gebet Bericht
Schweiz. Idiotikon II.
und Kundschaft und verhaltet Nichts.' Kriegs». 1644
,Ich habe euch den Regen, als noch 3 Monat zu der
Ernd waren, v.' 1707/1882, Amos. ,Wir lassen un-
verhalten, dass wir haben vernehmen müssen, wie
dass . . .' 1778, Z Ges. Spec. mit Bez. auf Pfandschafts-
verhältnisse Bs (Spreng). , Diejenigen, so die erstem
Versatzungen betrieglich verschweigen und also v.
täten.' 1719, Bs Rq. ,Wie viel Jeder an dem Falliten
verloren und ob Verhaltungen darbei underlofi'en.'
1757, ebd. , Wollte aber Einer die Überbesserung
seiner bereits verpfändeten Güteren einem Anderen
einsetzen, so soll die ältere Versatzung ausdrücklich
vorbehalten werden, sonsten der Schuldner als ein
Verhalter wurde angesehen werden.' ebd. — 5. be-
haupten. ,üass sy die feste nit lenger v. mögend gegen
solicher grossen macht.' 1475, Bs Chr. — ti. Wechsel-
form zu erhalten i. S. v. unterhalten Ar; Bs; Th; Z.
,Sie wird uns nicht müssen v., wenn wir Nüt haben.'
1851, Stutz. ,Der Stillstand [die Armenpflege] kann
das Kind haben, ich mag's [kann es] nicht v.' ebd.
— 7. , Einen zu Etwas v.', ihn dazu anhalten, ver-
pflichten. Kanzleispr., schon 1570, Haoenb., Sigr. —
8. intr. a) = ver-heben 2 a (Sp. 909) AaZ. 1815. —
b) nicht vorrücken, bleiben. ,Man verhielt also mit
den lüten [dem Kriegsvolk].' GWyl Copialb. ,Am
samstag verhielt man also, dass man nüts vernam.'
ebd. — 9. refl. a) stocken, ausbleiben. ,Den wybern,
so sy schwanger sind, ir natürliche reinigung gestät
und sich verhalt.' Ruep 15.54. — b) sich im Zaum
halten, bezwingen; sich enthalten. ,Wo sy aber sich
nit verhaltend [der Fleischeslust], so beziehind [sy]
die e!' Zwingli. Seres, voll banger Ahnung: ,Nit
mer ich mich v. mag, es ist mir ung'won und gar
schwer.' JMurer 1567. ,Wann sich dein Lugnerzung
nur auch v. hett [wenn du nur auch geschwiegen
hättest].' Wahrs. 1675. — c) sich aufführen, betragen.
,Hand [die Soldaten] sich also schlecht v., da man
doch all Tag für sie gebetten, wie wurdend sie sich
erst g'halten haben, wann man gar nie für sie ge-
bettet hette!' Schimpfr. 1651. — Mhd. ebenso i. S. v.
1, 2, 4, S b. Letztere Anwendung hat sich aus 1 entwickelt.
vor-: 1. = ver-h. 2. ,Die reisknecht, so inen die
pass vor band gehalten.' 1521, Strickl. ,Dise gespenst
haltend etwann den wandlenden die Strassen vor, füe-
rend sy ab dem rechten weg.' LLäv. 1569/1670. —
2. = ver-h. 4. ,Die bischof, [die] das Evangelium dem
gemeinen mann understondvorzehalten.' Zwingli. ,We-
licher sich aber vermäss, [eines Andern] hofstatt innert
jarsfrist ze behusen und die einem anderen vorhielt'
1538, ZReg. Herrsehaftsr. , [Maximilian] nam Gent,
die jm synen sun vorhielt [dessen Herausgabe ver-
weigerte].' Ansh. ,Gebürliche begräbniss v.' ebd. ,I)ie
Denselbigen das Ihre vorhaltend.' RCys. — 3. Wider-
stand leisten, Stand halten. ,Wir wollent uns ritter-
lichen erweren und v.' 1499, S Wochenbl. — 4. vor-
ziehen, höher achten. ,Die älteren band nach Christus
lehr dem fyrtag die liebi gemeiner not vorgehalten.'
Ansh. (mit Bezug darauf, dass in der Charwoche in
Bern die Wahlen in das Regiment vorgenommen wur-
den). - Mhd. ebenso in Bed. 1 und 2. Bed. 4 eig. blosse
Zsriickung; vgl. vor // » Bd I 928.
für-: 1. (Einem Etw.) darlegen, mündlich vor-
tragen. .Wiewol dise fürhaltungen und ermanungen
fast stark waren.' Ansh. ,üie band beggrt für ein
1235
Halt, helt, hilt, holt, liult
g'meinil ze W. und iiino etwas iur[zu]-h.' 1540/73,
UMey. Wthur Chr. — 2. vorwerfen, verweisen. ,Ich
huelt inen für ir gottlos herz.' ThPlatt. 1572. —
3. (Jmd) schützen, verteidigen, schonen. ,Dass er
stragx und an f. gestraft werden soll.' Edlib. ,Nie-
mands schonen noch f.' XVI., ZBerg Offn. ,Wo aber
sich der g'walt zueg'sellt den bösen und denen für-
helt' UEcKST. ,[Der Weibel soll] ein unpartyescher
knecht syn, niemands f., sondern einem als dem andern
tuen.' 1535, ZElgg Herrschaftsr. ,Defensor neeis, der
eini fürhaltet und scheidet, dass er nit getödt werde.'
Fris. ,Die andern hieltend jm für und vermeintend,
man könnde jn mit keinen fuegen strafen.' HBüll.
1572. — 4. aufbehalten, übrig lassen. ,Wir wend uf
den nachgenden tag, was übrig ist, lustig f.' Eüef 1540.
g(e)-, bzw. k/alte* (in BsLd k/olte"), Ptc. (/halte"
neben glidlted Ndw: 1. Etw. in ein Behältniss legen,
au seinem gehörigen Ort, Versteck auflieben, im Stand
erhalten, eig. und bildl. allg. ,Condere, abscondere.'
Id. B. I" Bieter, Sack, Chaste' g'h. G'halt-mer das
Chrömli, hebe es mir für später auf. Guet g'h. ist
am Beste' tröstete sich ein Dieb, der die gestohlenen
Gegenstände so gut verwahrt hatte, dass er sie selber
nicht mehr fand L (Ineichen). Kurz bevor BMerligen
verschüttet wurde, habe ein Zwerglein den Holz-
hackern zugerufen: Tuet Schlegel und Wegge" z' g'h.,
die spitzi Fltieh isch g'spalte". ,Als er Uli das Gold
übergab, sagte ihm dieser: Meister, behalte du es [für
dich] und kalte es.' Gotth. (Vgl. u. z. J. 1619.) Guet
Öpfel lönd-si"'' lang (usa) g'h., bleiben bis ins Früh-
jahr hinein frisch ÄP; Z. Nohn-g'h., (für später) auf-
bewahren Ap. 's Sterbe' kalt-mr' [schiebt man auf]
bis z'letzt Ap. Aso e pär Chriesi ka'" Jedif sehn"
noch g'h., und doch — i"' hi' zum Zäpfli voll GrHb.
(Schwzd.), d. h. für einige Kirschen ist noch Platz
im Magen; vgl. versorgen. Mit Ironie: War 's [bei
den alten Schwyzern] es G'hock g'si" [wären sie müssig
gewesen] , so wärid d' Schwyz und d' G'schicht, die
schwyzerisch, g'halte" [nicht zum Vorschein gekommen]
ScHW (Bruhin). Bald g'halte' (iron.) ist ein Vorteil,
welcher weit hinter der Erwartung zurückgeblieben
ist Z; Syn. am>^%" chllnen Örtli. ,Swer [einem flüch-
tigen Schuldner] ratet ald in ir dinges icht gehaltet
[Activen verheimlicht und aufbewahrt].' 1348, Z Kats-
erkenntn. , Barschaft hinder sich nemen ze gehaltende.'
c. 1400, Bs Rq. ,Wenn jm [dem Wirt] einer um zer-
gelt pfand gibt, die soll der wirt kalten.' 1472, Gfd.
,Was uf diser strass gefunden wurde, soll in das
Gottshus g'h. werden.' 1479, AiWett. Klosterarch.
,Iren g'wünn hattend s' bald g'h. [da sie nämlich hin-
gerichtet wurden].' Salat. ,Es bestuend der hass und
ufsatz [trotz des Friedens zwischen den beiden Par-
teien] für und für, dass sy anander wenig ze g. gabend
[sich gegenseitig wenig Gutes taten].' Vad. ,Da holz
und feld so vil hat treit, das» wir 's nit mögent g.
wol, all hütten, ja, all g'halt sind voll.' HvEüte 1546.
,Bis man geseiet [nach der Aussaat im Herbst] und
die eggen aufg'henkt und g'halt.' XVI., Z Eq. ,Acina
rugosa, gerümpfte Weinbeere, gleich wie die, die man
für die fasten gehaltet.' Fris. ; Mal. ; s. noch Gr. WB.
Sp. 2318 und Gutter. ,G'haltend 's und versorgend 's
wol.' EScHMiD 1579. ,ürei döblet Stuck [Geld] mir
[für uns] b'halten wend, dem Würt dieselben z' kalten
geben.' GGotth. 1619 (iron. = dieselben bei ihm in
,Wein' anlegen, vertrinken). ,Custodienti recte uil
disperit, g'halt wol, so flndst wol, vel: wol g. macht
wol b'halten.' B Sylloge 1676. S. auch u. Pfenning.
— 2. = äf-enl-h. 3. ,Der den [Totschläger] gehaltet,
der ist schuldig der stadt 10 Mark.' 1304, Z RBr.
,Der gehielt diebe, wannen sy kämen.' Schachzabklb.
,Frömd oder arm lüt magst du wol kalten, aber die
verrüeften nit.' 1529, Eqli, Act. S. noch hofen Sp. 1038.
— 3. Jmd gefangen setzen, halten. ,Ist die wund sorg-
sam [gefährlich], so soll man jn gehalten, der den
schaden hat getan.' 1297, Kind, Urk. ,Nun komm,
ich will dich fast wol g.' XVI., L Ostersp. — 4. be-
erdigen BG. (It Zyro, wohl nur euphem.). — 5. refl.,
sich bergen F. — 6. erfassen, begreifen Ap. Nebes
nüd g. chönna; Syn. Etw. nienen hin tuen können. —
Gehalter II: Bewahrer, in den Zss. Gülte°-: Vor-
mund, der nur die Wertschriften des Mündels ver-
wahren soll Ndw. , Kämmerer [Kassier] und G. des
Vw-er Kapitels war 1435 N. N.' Obw Volksfr. 1881.
— Sehr in-: Kassen Verwalter, Ubers. des lat. scri-
niarius. XIV., Z Urk. S. noch Gehalt. — G«halti»g f.
= Gehalt 1, spec. Kasten; Fach, Behältniss Gl; Scnw.
— Chore"-: Fruchtboden über der Tenne GLBilten ;
Syn. (Tenn-JBeiti. — Mhd. (jeliaUai in Bed. 1-3.
band- : 1. = h.-hahen 1 c Sp. 914. ,Sie dabei hand-
zuhalten und zu schirmen.' ECys. — 2. = h.-hahen 2 a.
,Wo die bildnuss von einer oberkeit ufgericht't und
handghalten werdind.' Zwingli.
hinder-: 1. zurück-, ab-, auf-, fern-halten, hin-
dern, hemmen. Si stecket so volla Hexerl, dass d'r
Sata" nid Alls in-era h. cha"' GRPr° (Schwzd.). [Etw.
Nahrung], um d' Blödana z'h. ebd. [Waldmann wäre
seinem bedrohten Diener zu Hülfe geeilt] ,wo er nit
von Eidgnosseu wäre abgewist und g'waltig h. [wor-
den].' Ansh. ,[Der Ochs] soll von allem trank h.
werden.' Tierb. 1563. ,Dass diss G'sind an den Brug-
gen, Fahren und Pässen h. werde.' Z Bettlerordn.
1630/34. ,H., abhalten, verhindern, verschweigen.'
HospiN. 1683. ,Gott hinderhalte dir den Zaum, dass
du die Lästerung nicht ausspeuen kannst.' AKlingl.
1691. ,Die rauhen Biswinde, welche alle Früchte und
das Gras selbs hinderhielten.' JJScheucbz. 1708. , Bös-
willige Tröler nach Inhalt der Ordnung [in ihrem
Tun] h.' B Processordn. 1725. ,In einer hintergehal-
tenen [als Mscr. zurückgehaltenen, nicht publicierten]
Dankpredigt.' Einggli 1736. ,Die vermischten Häge
erfordern sehr viele Arbeit, um sie in ihrem Wachs-
tum zu h.' Z Anl. 1764. — 2. vorenthalten, unter-
schlagen. Ken Rappe" h., von anvertrautem Gute Z.
,So hinderhielten nicht nur die Eeichern den Ärmern
das Lernen, sondern auch die Eeichern konnten nicht
dazu kommen.' Gotth. ,Kein Pfennigs Wert wend
mir dem Alten entziehen oder h. [von dem Weggenom-
menen].' GGotth. 1619. — 3. refl. a) fern bleiben.
,Dass sich niemants [vom Gottesdienst] mit einicherlei
gefärden uszeziehen oder zue h. understande.' Z Mand.
1580. — b) sich enthalten. ,Da hab ich mich einmal
nicht mehr h. können; es war, wie wenn es mir Jmd
zum Maul hinausgerissen, dass ich sagen müsste . . .'
HPest. 1785. ,Ich hinterhielt mich nicht zu weinen.'
LMeister 1789. — hinder-haltig: zurückhaltend,
zögernd, z.B. beim Bezahlen aScHW; Syn. h.-häbig,
-stellig. Verschlossen, versteckt: »Dadurch werden die
Kinder treu, aufrichtig, nicht h.' LKInderbitzi 1826.
1237
Halt, helt, liilt, holt, luilt
123
har-: her-, aus-halten Z. II. müese; z.B. in
einer schwierigen Sache ZU. /■''' han die längst ZU
mit-em Dampfschiff harg'haUe', vermochte, am Lande
neben ihm her eilend, mit ihm Schritt zu halten ZS.
Quantität des a in dieser Zss. schwankend; die Bewahrung
der alten Kürze durch Anlehnung an ,harreu' unterstützt.
h ü s - : = Häs hän Sp. 880. H. hed e tvUs Mid,
erfordert viel B; L; vgl. Gotth. 11 353. S. Kast(en)-
Vogt Bd I 706. Bildl. i. S. v. verfahren. ,Sie haben
vernommen, wie die Spanier mit den armen Leuten h.
und sie ausplündern.' 1545, Absch. — Hus-Halter:
1. Haushälter. , Fürgesetzte geistliche Häupter, als
Vätter und Haushalter, nämlich Äbten.' ECys. —
2. als Dim., Lichthalter Bs (Spreng). Syn. Hiiserli,
Profit(er)li, Sparerli. — hus-hälterle°: Abi. vom
Vor. i. S. eines Dim. von hus-haUen Bs. ,Er hatte
schon in seiner Kindheit gerne Haushälteriis mit dem
1. Vreneli gespielt.' Breitenst. — Hus-Halti''g (in
Z auch HusaUig) f.: 1. Haushalt(ung), concr. u. abstr.
,Wie soll ich jetzt, wo bald Nichts mehr mit mir ist,
die schwere H. machen [die Hausgeschäfte besorgen]'?'
Gotth. , Sobald er sich in die h. und eignen rauch
hat und begibt.' 1596, ZWthur. S. noch vier Bd I 922.
— 2. bis zur Mediationszeit Name des, mit der Ver-
waltung des Staatsvermögens betrauten Finanzrates,
bestehend aus den 4 .Häuptern', den ,Drcier-Herren',
dem Stadt- und Bat-Schreiber und 3 Grossräten Bs.
S. noch Hushaltungs-Herr. — 3. in abstr. S. zur Be-
zeichnung grosser Menge Ap. E gansi H. Zeichni'ge" ;
vgl. : Under dem Schirm het ja e ganzi II. Platz.
Die Uuterdrücliung des h wie in Hiis-(H)cr, Ilumh-
(U)odcn. Gu,jd-(H)uji/- u. A.
nach-, nächhin-: 1. mit Dat. F., Einem nach-
gehen, nachstellen; einzuholen trachten Ndw; Syn.
näch(Tiin)-hfm. ,Dise tierle habend ein sonderen auf-
satz auf die beyen [Bienen], welchen sy nachhaltend
bei dem einflug.' Tiere. 1563. ,Die storken haltend
disen tierlinen nach zue irer speis und narung.' ebd.
,Eim mit blossem schwert n., insequi alqm stricto
gladio.' Mal. ,Der tüfel haltet denen nach, die jm
entrönnen wollend.' LLav. 1569. — 2. mit Bez. auf
nachhaltige Wirkung. Die Chranket haltet -mer nä,
ich spüre ihre Nachwehen noch Ndw; Syn. nach-gän.
— 3. das Gcdächtniss eines Toten in Ehren halten,
bes. durch Totenmessen AAFri.
nider-: \. ^ n.-hehcn 3 Sp. 916. — 2. sich ein-
schränken ; vgl. n.-heben 5 und sich tüpen. ,Je weniger
Gäste [in die Wirtschaft] kamen, desto besser musste
man n., um nicht ei's Tags d' Bei ob si''' z' chere*.
Gotth.
be-: 1. wie nhd. Gl; Z; in diesem S. dem sonst
begriffsvwdten ge-h. bisweilen gegenüber gestellt; s. d.
Hast mi''' [zum Manne, zur Frau] g'no, so miiest
mi''' b. (und) wurd 's rfj»' 's Hers im Lib verspalte"
ZO. Von Speisen, Urin; vgl. Sp. 917. .Wer den harn
nit b. mag und jm oft on synen willen engat.' Zg
Arzncib. 1588; daneben: ,Leg das krut üf über die
lende, das behaltet den harn.' ebd. ,Wer nit wol
töuwen mag und ein niagen [hat], der nit wol b. mag.'
ebd. ,Bricht er das von jm, so stirbt der verwundt,
behalt er das, so kommt er wider und g'niset der
wunden.' ebd. Im Gedäehtniss behalten G; W; Z;
vgl. behaltsam. Geheim halten, nicht ausschwatzen Z.
jWenn das wettest by dir b. und niemand sägen nüt
darvon.' Aal 1549. ,Ich dacht in mynem herzen: Du
bist ein tod mann; sömlichs aber mir selbs b.' 1549,
UMey. Chr. ,B., hindersich gehalten und verschwei-
gen, retinere. Etwas jm selbs b. und sich nit lassen
merken, obscure ferre alqd.' Mal. — 2. = ge-h. 1 G;
ScHw; Zg; Z. G'schirr vor-em B'h. abtröchne' Z.
Von einem Unkeuschen sagt man : Dem möcht-i'* Keini
z' b. ge' Z. Beim Rechnen die Zahl der höhern Ein-
heit einstweilen aufsparen, während man die der nied-
rigeren anschreibt. Schulspr. ,Gab es über 10, so
sagte der Schulmeister: da behaltet man Eins; stieg
sie auf 20, so sagte er: hier behaltet man 2. Weiter
liess er sich nicht ein, nur dass man zuletzt Nichts b.
dürfe, sopdern Alles hinsetzen müsse. Beim Multi-
plicieren happerte es; freilich kam auch das B. vor.'
Gotth. ,Das gemach, dass sy ir mulken b. suln in
dem huse.' 1338, Gfd. ,Es sind die brief b. in der
kisten.' XIV., GScherer. .Verbergend 's g'sang und
b'haltend d' geigen ! ' Z Laz. ,Die alle fuer [Nahrung]
vergoumt, beschlüsst und behalt' Eüep 1554. .Was
dann die bettler uch vorgen wend, dasselbig gar bald
ir b. hend.' JMurer 1559 (sprw.; vgl. den Beleg aus
Salat bei .gehalten'). ,B., stark und steif b.. vcrwaren.
erübergen, versorgen, nebend sich legen, continere,
custodire, cohibere. conservare, seponere et conderc.'
Mal. ,Die Kelch und Anders hatten die Priester b.,
sonst war 's auch verstolen worden.' ECts. ,Dcn
weissen und roten Wein abgesondert b. und nicht
unter einander mischen.' 1653, Ap Jahrb. In (gutem)
Stand erhalten: .Damit der Wyn mag b. werden und
die Fuor erlyden.' RGts. .Wermutwein mag man lang
b., dass er nicht bricht.' JRLandenb. 1608. — 3. er-
halten, bewahren (vor. . .), schützen, schirmen, (einen
Besitz, ein Recht) behaupten. Der Glaube b'halt(et)
d' Litt, hält aufrecht, macht selig B; F; L; S; Uw,
etwa mit dem scherzh. Zusatz: Und 's Umchere" d'
Fuerlüt und der Speck d' Bäebe' B; F. Geld b'halt
's Feld [bleibt Meister]. Sulger. ,Wir haben ge-
schworen, dem gottshuse syn recht zue b.' 1476, Bs
Chr. .Die Gott der allmächtig allzyt behalt.' ebd.
,0b yemann in unserm land absturbi. da soll yedem
syn lybding b. syn. als landsrecht ist.' 1512/44, Schw
LB. .Wir haben b. unser Vaterland.' NMan. ,Wo du
sölichs tuest, wirst du dich selbs b.' 1531, I.Tim.;
dafür 1548/1882: .selig machen.' Die gefallenen Engel
klagen: .Dass [Gott] verdammt all unser g'schlecht
und mögend nummen b. werden.' Rüef 1550. ,B.. be-
hüetcn, servare. B. sein von wegen des abfalls. de-
fectione attineri, sustineri, contineri. conservari. Bei
dem leben b., vom tod erretten, leto alqm adimere.'
Mal. ,lch will allein euch [Götter] lassen walten, ich
hoif, ihr werdent mich b.' Com. Beati. .[Arznei als Prä-
servativmittel] die Einen behalt, dass ihn der Presten
[die Pest] nit anstosst.' JJBreit. 1629. .B'haltswys'
= als Depositum (oder Bürgschaft) anvertraut: .Be-
treffende 25 Ducaten. die ime N. N. b. hinderlegt.'
16Ö8. ZWthur Ratsprot. — 4. gewinnen (einen Sieg.
Process), einen Kampf siegreich bestehen; Etw. aus-
halten ; vgl. ent-h. .Dieselben stürm [auf eine Stadt]
die tütschen all behieltend.' Edlib. ,Von der victoryen.
gegen den fyenden b.' 1474. Bs Chr. .Wem der zirkel
[Kreis auf der Scheibe] den bolz berüert. der behalt
einen nahen [gewinnt einen Treffer].' 1504, Z Schiessen.
,Ein Leinwandtuch oder -Stuck, das die Schau behalt
[durch die Prüfung als vorschriftsgemäss erfunden
Halt, helt, hilt, holt, hult
1240
wird].' 1544, Absch. — . 5. bewähren, durch Grunde
erhärten. ,Die [angefochtenen Artikel] sind [in der
Disputation] durch Zwingli und Leo Jud beschirmet
und b.' 1523, Z Disp.; Mgl. erhalten 2 a. — 6. (durch
einen Eid) erhärten, bekräftigen, versichern. ,Das
[was] ich behalt und b. hab by mynem Ijblichen,
geschwornen eid.' 1523, Absch. ,Mit einem Eid oder
bei Treu und Glauben an Eids Statt b.' 1637, Tis Chr.
Syn. erhalten. — 7. vorbehalten. , [Diesen Streitpunkt]
habent wir [Schiedsrichter] uns selber b. [also nicht
zum Austrag gebracht].' 1419, G Schiedsspr. ,Dass
[in einem allfälligen Verkauf] der statt b. syn soll
das, so inen der burgrechtbrief zuegit.' Edlib. —
8. fest-, zuruck-halten, z. B. einen Ochsen B (It Schwz.
Bauernkai. 1883). D' Schnorre" h., das Maul halten
ZSth. ,Mit der band begryfen und b.' Eüef 1554. —
9. beobachten, einhalten, ein Gebot, ein Versprechen.
,Ich loben, es [ein Versprechen] ze behaltenne mit
guoten triwen.' 1301, Z Urk. ,Sü sullen dieselben ge-
setzeden b., swa es ze schulden kommt.' Z RBr. 1804.
,Alle rechte der statt getrülich ze b., omnia jura ob-
servare.' XIV., BThun Handfeste. — 10. auffassen,
begreifen W; Syn. ge-halten. — 11. enthalten, fassen.
Ein Rätsel über einen Kessel lautet: i's ist Loch uf
Loch und bhält Milch und Wasser W. ,In jm sind
alle schetz des wüssens und der wysheit b.' Zwingli.
— 12. intr., Stand halten, im Streite; vgl. 4. ,Die von
Nüsse haben b. und [dem Herzog] ob '2000 erschlagen.'
1474, Bs Chr. ,Die von Murten band [bei der Be-
lagerung] erlich b.' 1476, ebd. — 13. refl. a) im glei-
chen Stand erhalten bleiben BO. D' Öpfel b'halte"
si"" hür nid lang B (Zyro). Die Kühe b'halte" si'';
wenn ihr Milchertrag weder ab- noch zunimmt BSi.
— b) sich hüten, bewahren. ,Lapsantem firmare gres-
sum, sich b., dass einer nit gar falle.' Fris. — c) sich
wahren (vor...), erwehren, enthalten. .Sytmal wir
leider erfaren band, dass wir uns nit b. mögend [der
Fleischeslust].' Zwingli (im Wechsel mit ,sich ver-
halten'). — Mhd. ebenso.
Behaltens B'hultis m.: was man für sich behält,
aufbewahrt oder zu diesem Zwecke Jmd als Geschenk
mitgibt, spec. was man an einem Festmahle (Taufe,
Hochzeit, Zunftessen) von den Resten desselben an
Esswaaren und Naschwerk mit nach Hause nehmen
durfte Bs; Z. In Bs legte der Wirt den Gästen das
Backwerk oder Geflügel auf den Teller, den sie dann
in eine Serviette banden und nach Hause nahmen; in
Z musste an den Zunftessen (bes. am Sechseläuten)
der Stubenwirt jedem Teilnehmer 3 Bogen Papier zur
Verpackung von Confect unter den Teller legen, oder
der Zünfter brachte in der Tasche eine Blechbüchse
oder einen Papiersack mit. Darum sagte ein Zünfter
nach der Mahlzeit: ,Was nit in Bauch mag, das mag
in Sack' Z. In übertr. S., ähnlich wie ,Kram, Zeug',
geringschätzig von allerlei buntem Kleingerät. Me'
darf der LedersacJ: nur nit z' underobsi''' lere", suttst
Vit der ganz B. [Inhalt von allerlei Malergeräten] am
Bode". ScHwzD. Das ist e schöne B., eine schöne Ge-
schichte, ,nette Bescherung', wenn man z. B. eine un-
angenehme Entdeckung macht Bs.
Ähnliche Sitten früher auch anderwärts, so in Bremen,
Hannover; vgl. auch Birl. 1862, S. 368. 377; 1874, II 255.
298. Im Th galt die Sitte an Hochzeiten. Vgl.: ,Kommen wir
an ein gut Mahl, meinen wir, wir müssen den Unsrigen Etwas
heimbringen zum Kram.' FWyss 1672. S. auch (Vei-)Ering.
Behalt er II m. : 1. Behälter; s. Behalt. —
2. Schützer, Schirmer. ,Gott, ein erlöser und b.'
Zwingli. ,Der Herr, ein b. Abrahams.' 1531, Jes.;
dafür: , Erlöser.' 1548. ,B., custos, servator, soter,
conservator.' Mal. ,Der Vater hatte das Recht, seinen
Kindern Vormünder zu setzen ; diese hatten verschie-
dene Benennungen: Vormunder, Vögte, Pfleger, Sicher-
boten, B., Procuratores, Advocati, durch das Recht vor
dem Gericht gegebene Schirmer [usw.].' BThun Handf.
1779 (Commentar). Bes. häufig aber auf Christus,
den , Heiland', angewendet, bes. formelhaft in Datums-
angaben von Urkunden, z. B. : ,Als man zalt nach der
geburt unsers b-s Jesu Christi 1284.' Sohw LB. ,Dass
ouch die unglöubigen Juden nach dem Moschiah, b.
oder Christo schryen werdind.' Zwingli.
ob-be halte": = behalten 4. ,Die Venediger band
den stryt obb'halten.' 1540/73, UMev., Chr. S. noch
Hand. — üf-: 1. aufbewahren, allg. — 2. fest-, ge-
fangen halten. 1637, Z; s. ab-fertigen i c Bd I 1008.
— a"-: 1. ein Kleidungsstück auf dem Leibe behalten
Gl; Z. — 2. über Jmd in Kampf od. Streitigkeit vor
Gericht einen Sieg gewinnen, seinen Anspruch gegen
Jmd durchsetzen, behaupten. ,[Der Abt] hab erst bi
kurzen jaren etlichs im rechten [auf dem Rechtswege]
inen [seinen Untertanen] anbehalten.' 1525, Absch.
,Unz gen Chur hinuf hat kaiser Cuenrad mit gewerter
band den franzosen a.' Ansh. S. noch ergeilen Sp. 211
und vgl. angeu-innen. — inn-: = inn-, tn-halten 2,
z. B. das Vieh im Stalle, den Lohn ScnSt; Z. —
USS-: Ptc, ausgenommen. 1538, Gfd. -^ vor-: 1. vor-
behalten, ausnehmen; das Ptc. Perf. bes. in reser-
vierenden Zusätzen bei Vergleichungen zwischen Men-
schen und Tieren Gl; Gr; G. Ur hat 's, nöd z'sämme'-
s'rechnid, Lib und Sei v., wie en Esil GBe. ,Die Tiere
sind auch, d' Sei v., Geschöpfe Gottes, wie die Men-
schen.' KSteiger 1839. Üwers Erenamt v. Gl. ,Speis
und Trank v.', heisst es, wo vom Nachttopf die Rede
ist. Z Kai. 1803. — 2. aufbehalten, aufsparen. ,Das
Erb, das uns im Himmel v. wird.' ESchwarzenb. 1607.
— 3. vorenthalten. , Ander, denen wir das iren ab-
getrungen und bisher v. habend.' RGüalth, 1584. —
(ent-)bevor-: refl., sich Etw. vorbehalten. ,Doch so
behieltend sy inen das empfor.' Kessl. ; vgl. Bd I 933 o.
,Es behalten beide Stände sich bevor...' 1712, DHess.
— ,bi-: ein Mädchen als Frau gebrauchen" (St.');
s. Bl-Hälterin. — Bi- Behalter m.: Aufbewahrer.
ÄgTschudi wird vom Herausg. der Thun. Handf. 1779
,ein eifriger Beibehalter helvetischer Urkunden' ge-
nannt.
hindersi<'''-halte°: \. = hinder-h.l. ,Den grim-
men und gäbe der kriegsleuten dämmen und h. oder
ableinen, impetum militum continere.' Mal. ,Der teufel
hätte Job gerne um leib und leben gebracht, aber
Gott haltet jn hindersich.' LLav. 1582. ,[Der rauhe
Winter] der alle Frucht und Gewächs hindersichhielt.'
RCts. ,Unrühige Leut sollen hintersichgehalten und
abgewisen werden.' Z Stadtger. 1715. Mit Gen. : Amt-
leute, auf welchen grosser Verdacht der Unholderei
ruht, sollen einstweilen ,ihres Amts hintersichhalten';
der Landvogt soll wider sie den Process aufnehmen;
ist der Verdacht unbegründet, so sind sie ihrer Ämter
wieder fähig. 1619, Absch. — 2. (auf)sparen, aufheben
für die Zukunft. ,Parcere, sparen, h., karg und kündig
sein.' Fris. (auch : ,hindersich gehalten'). ,Sy sagend,
1241
Halt, helt, hilt, liolt, liult
1242
sy liabiiul kind und kindskind, denen müessind sy
etwas h.' LLav. 1584. — dar-: 1. = darhaben 1 Ndw.
— 2. = dar-haben ü a. ,Er hätte nie geglaubt, dass
das Geld so d. könne; gab wie man davon nehme, so
scheine es Eini, es mindere nicht und man hätte immer
gleich viel.' Gotth. ,[Der Zeug] gebe niclit warm und
halte nicht dar.' ebd. — 3. = dar-haben 5 & B; Ndw.
,Der Gegenpart hält besser dar; er reibt mich auf.'
Gotth. — 4. = darhaben 2 c. ,Eine alte Frau kam
mit dem Besen; er wollte davon laufen und konnte
nicht, und musste dem Besen d.' Gotth. ,Sie dröwen
mir und meinen Kinden, dass, wo sie s' etwan tuen
finden, da müssen wir ihm halten dar [für den an-
gerichteten Schaden].' Myricäüs 1630. ,Die Seel musst
halten dar.' XVJI., T., VL. — wider-: widerstreben.
,Als die gesandten ire anzüg eben scharf gegen den
Bernern und die Berner widerhaltung tatend.' Salat.
— zue-: es mit Einem halten, mit ihm Gemeinschaft
pflegen (in üblem S.). ,Ein Ehebrecher, der seines
Wybs nüt achtete und in's Gegenteil mit andern
Wybsbilderen zuhielt.' Schimpfr. 1651. ,David nam
ihm vor, mit Bathseba zuzuhalten.' AKlikgl. 1702.
.Sie wurd ehebrüchig und hielte zu mit N. N.' Mise.
TiG. 1723. Vgl. nhd. ,Zuhälter(in)'.
Gast-Halter: Gastgeber. ,I)er G. oder Wirt.'
1Ü38, Absch., im Wechsel mit dem syn. ,Gastgeb'. —
Holz- Holzbehälter Z uSth. Syn. Holz-GehaltCerJ.
— Kelch-: die 2 Mitglieder der Behörde, welche
bei der sogen. , wandelnden Kommunion' am Abend-
mahlstische die Kelche halten und den herzutretenden
Kommunikanten reichen B. — Kost-: Kostgeber Z.
— Nüt-: wer sein gegebenes Wort nie hält ZO.; als
Fem. Nüthaltere bei Stutz.
„Bi-Hälterin: Dirne, bes. in der Gaunerspr."
Vgl. nhd. .Zuhälter' und bl-behalten.
Pfif-Halter s. Fi-FaUer Bd I 8'20. — Spüeli-
= Umlegg-Gatter (s. Sp. 497) Ap.
Stab-: = Stab-Füerer Bd I 985; „Gerichtspräsi-
dent Sch; Th; Z." ,Der Titel Vogt wurde im XVIII.
durch St. und dieser im XIX. durch Gemeindeammann
ersetzt' AAFri. Vicepräsident des Gemeinderates Sch.
Zweites Mitglied des sog. ,Rossbuben-üerichts' SchKI.
— Stoll-: Vertreter einer Erbschaftslinie in einer
nach Stämmen (Stollen), nicht nach Köpfen verteilten
Erbschaftsmasse. ,Im Fall der Verstorbene keine
lebende Geschwisterte verlasset, welche St., sondern
allein Geschwisterter Kinder, so erben diese in glei-
chem Grad.' 1784, Ztschr. f. schwz. E.
Stunde"-: Winkelprediger B; Syn. Stündli-
Pfarrer. — Stund, Pi-ivatversammlung der Sectierer.
Statt- (in Ap; Ndw; Z Städ-): 1. Stellvertreter.
allg. Vgl. St.-Gotten, -Götti. Spec. a) oberster Be-
amter eines politischen Bezirks Z. Von einem Wohl-
beleibten sagt man : Er ist afe Eine' wie-n-en St. Z ;
Syn. Land-Vogt, Gemeinde-Ammann; vgl. 2. ,Zu Er-
leichterung und Beförderung des Geschäftsgangs wer-
den den Bezirksstatthaltern auf der Landschaft ein
bis zwei Unter-St. beigeordnet' Z Ges. 1803. ,Der
St. ist der Stellvertreter des Kegierungsrates und ihm
für seine Verrichtungen verantwortlich.' Z Staatsverf.
1831, § 74. — b) in den Landsgemeindekantonen und
in Aa Stellvertreter des (regierenden) Landammanns;
auch Land(e)s-St. genannt. In ApI. ist der St. der
dritthöchste Beamte des Landes; bei den Beratungen
wird jedoch die erste Anfrage an ihn gerichtet. ,Ein
Lands-St., als beständiger Stellvertreter des Land-
ammanns und dem Range nach zweiter Landesbeamter,
wurde erst seit 1567 von der Landsgemeinde gewählt.'
Gl Gem. 1846. Lt dem Gesehwornen Brief von 1489
gehörten die 4 St., d. h. die 3 wirklichen und der
abgetretene Obristzunftmeister , zu den 9 Standes-
häuptern Zürichs. Sie wurden aus den 24 Zunft-
meistern gewählt und standen an der Spitze des Zunft-
raeisterkollegiums. ,Die Herren St-en haben diesen
Namen von ihrem Ehrenamt, dann wann kein Burger-
meister in dem Rat vorhanden ist, so sitzet der vor-
derste unter ihnen an eines B-s Statt, führet den
Stab, höret die Klagten, gibt Tag.' Z Pfrundenb. 1757.
In L waren die St., d. h. die beiden ältesten Rats-
glieder der beiden Abteilungen des Rates, nach dem
Altschultheissen Stellvertreter des Amtsschultheissen.
Beim G Stadtgericht wurden im XVIII. die beiden
ersten Mitglieder im Rang nach dem Vorsitzenden
(dem Stadtammann) St. genannt. Die helv. Verfassung
von 1798 kennt in jedem Kanton einen Regierungs-
statthalter mit vollziehender Gewalt. Vgl. noch Blu-
mer, RG. II 1, S. 111. 190. 206. 209. 216. 219; Simler-
Leu 1722, S. 470. 549. 552. 584; vMoos 1775, S. 230.
— c) Titel des Gemeindepräsidenten, der eig. früher
dem ersten Gemeindebeamten als dem Vertreter des
Landvogts, bzw. Überamtmanns zukam BO.f Stell-
vertreter des Untervogts in der Gemeinde. 1646, Z
Thalw. — d) Vicepräsident der Gemeinde GrPt. —
e) vormals Stellvertreter des Obmanns einer Zunft.
B Taschenb. 1878, 69. In G im XVIII. das Mitglied
der llgliedrigen Zunftvorsteherschaften, welches im
Range nach dem stillstehenden Zunftmeister folgte.
G Neujahrsbl. 1869, S. 3. — f) zweiter Beamter bei den
Schützen- u. Älplergesellschaften Ndw. — 2. scherzh.,
Name einer stattlichen Ziege ApI. — Amts-: Stell-
vertreter des Oberamtmanns B. — Bundes-: Stell-
vertreter des Bundes-Landammanns Gr. — „statt-
haltere": die Stelle oder Verrichtung eines Andern,
z.B. eines Taufpaten, übernehmen VO." ~ Die Form
mit erweichtem Dental auch 1582, Obw.
Tisch-: Halter eines Spieltisches; 1787 neben
allerlei Krämern und Vagabunden unter den Leuten
aufgeführt, welche die Harschiere ausserhalb die
Grenzen des Kantons zu bringen haben. Z Ges.
haltig, hältig, nur in Compp.; s. auch hinder-
halten.
un-hältig: 1. sein gegebenes Versprechen nicht
haltend, den Verpflichtungen nicht nachkommend.
,Ein Vertrag, darinnen zu sehen, wie gegen den um-
hältigen [Schuldnern und Zinsleuten] verfahren und
exequiert werden solle.' 1650, Foffa. — 2. gewaltig
GaMaladers. En u'-e Frass tue'.
Wenn Foffa richtig gelesen hat, so vgl. etwa umy'hdl,
Vmhoh für un- usw. Zu 2 vgl. nhd. .gehalten', niassvoU,
gemessen.
ge-: geräumig, viel fassend, z. B. e kältigs Hüs Ap.
minder-haltig: von geringer Art, minderwertig.
,Eine vermummte Weibsperson, welche man als ein
m-es Geschöpf erkannte.' VMey. 1762. Vgl. Halt 3.
„ring-: geringen Gehalt habend." ,l)ie neuen,
geringhaltigen Schillinge.' B Münzmand. 1722.
schlccht-hältig = dem Vor. ,Scbl-e Münzen,'
Laukp. 1736/9.
1243
Halt-hult. Haltsch-hnltscli. Hahv-hulv
1244
Gehalting s. (jehaltcn.
under-haltli''': unterhaltend, gesiiräcliig Z.
Enthaltniss f.: Erhaltung. ,Es stat uns an der
c. land und liiten.' 1444, B.
G ehaltnuss f.: Vorratsraum, Behälter. ,Zu Korn-
sehüttenen und andern G-en.' 1741, CTomann.
Behaltniss f.: I.Behälter. ,Eine verschrybung,
die in ir b. g'leit und nit hinweg geben werden soll.'
Bs Chr. — 2. Gefangenschaft. ,[Er wurde] daruff syner
dreiwöchigen Behaltnuss, so in dem Stübli in dem
underen Spital heschccheu, erlassen.' 16ö8, ZWthur
Ratsprot. — 3. Erhaltung, Erlösung, Errettung. ,Die
güeter sind in das kloster gegeben um des willen um
ein behaltnus [der Seele].' 1427, Foffa. ,Zu b. un-
sers fürstenlichen eigentums.' 1474, Bs Chr. , Spiegel
menschlicher Behaltnisse', Titel eines Buches, als
Übers, des Lat. : ,Speculum humansB salvationis.' Bs
1476. — 4. Vorbehalt. G Hdschr.
behaltsam: 1. geräumig, viel fassend Ap. —
2. leicht (im Gedächtniss) behaltend. En b-e Chopf
W. ,[Ein Gespräch] so ein Drittmann nach seiner
b-en Gedächtnuss in Schrift verfasset hat.' Bossh.-
Goldschni. — 3. verschwiegen Ap; Bs (Spreng).
E-haltung = E-Halt. ,Es werde mit seiner
Wideranhcimkunft ihre E. in bessern Stand gesetzt
werden und sie sich vertraulicher zusammen ver-
stehen.' 1674, Unot. — Schirm-: Schutz. ,Die Ta-
felen des Gesatzes Gottes, derer Seh. uns ernstlich
angelegen ist.' Z Mand. 1692/9.
Verhält n.: Verhältniss SL. f D' Sunne'strale'
iverden im gliche" V. heisser. Schild. — Wahrsch. ver-
stümmelt aus ,Verliältniss' ; vgl. Vtrhult.
Haltel s. Halb-Teil. Halten, halten II
s. Halden, holden.
Haltler: Erdäpfelsorte; s. Bd I 380.
Heitechs s. Eidechs Bd I 94.
Hcltem s. Heiltum.
b^-helte": intr., gut schliessen; vom Deckel von
Gefässen BSi. S. noch Behelt-Tuech.
Eig. = .behalten' i. S. v. festhalten; auffiillig ist der Uml.,
welcher viell. aus dem syn. be-hehen eingedrungen ist.
be-hilt s. be-hüwen.
Hüte" f.: Kröte G [?]. - Viell. mythol. Ursprungs.
Holter(e) in Zss. wie Ab-, Äff-, Eich-, Mass-,
Buech-, Reck-HolterCe) s. Holder II.
Fif-, Flig-, Pfif-, Wif-Holter.s. J^i-/-n/terBdI
820 und vgl. Weig. WB. 11 335. Mit ,(ein flug) w-en'
gibt ÄgTschudi das lat. papiliones seiner Vorlage
wieder.
Das Letztere angelehnt an wt/en, schwingen, aber auch:
pfeifen, heulen. Zu letzterer Bcd. vgl. die Umd. Pfif-H.;
der Volksglaube schrieb den Schmetterlingen feine Töne zu.
Heitsc bete s. Hülschete.
Holtsch f.: nachlässig gekleidete, unsaubere Weibs-
person Ap ; Gr. Syn. Hätsch. - Wahrsch. das Fem. zu
UoltHvhc (s, I/oh-Schueh) in bildl. Anwendung.
holtschen: 1. geräuschvoll einher trampeln, eig.
in Holtschen laufen GrD., Pr. — 2. (Jmden) mit Puss-
tritten tractieren, (ihn) abdanken GnSch. Me" nümmt
albig föuf Göttiti; wenn-me" eine" nümme ne' will, so
holsched men-e' Gr (Walkm.). Der arm Wittlig hed
nid gwüsst, wa um die Gvatterleut; do seid d' Heb-
amm: Holsche' müesst-er emal gheini, denn ette eswer
tverded-er wol überchon. ebd. (Schwzd. 26, 161).
g«-holtschet: nachlässig gekleidet Ap.
holtsch ig s. holzig. Hü It sehe s. Hidsche.
„hültschen = hülpen" und aus Diesem wohl ab-
geleitet „L".
Halw, helw, hilw, holw, hulw.
helw, Miiiv W, hM Gl, heH BO.; GRRh.: bedeckt,
überzogen, umwölkt, dunstig, trübe (vom Himmel).
Syn. hilw, mauglig; Ant. glänz, lüter. Wesentliches
Merkmal des Begriifes ist feine, dünne, gleichraässige
und hoch schwebende Bewölkung, meist bei Föhn-
wetter BSi.; GlK.; doch nach HLLehm. 1790, 16 auch
bei Nordwind. E h-i B'sügi, schleierartiges Gewölk,
das den blauen Himmel noch durchscheinen lässt,
meist Vorbote schlechten Wetters GlK.
Die Form ohne w und mit Dehnung des Voc. hat an und
für sich kein Bedenken; doch deckt sich in Gl MA. der Voc.
nicht mit demjenigen von ge'l aus gelw, so dass es wohl
besser getan wäre, die Formen mit einfachem Ausl. mit dem
Sp. 1 1 32 behandelten hat zszustelleu, sei es. dass man von *
der Bed. ,glatt' ausgehe und diese mit dem gleichmässigen
Anstrich des Himmels verbinde, oder von der wahrschein-
lichem, im Mbd. bezeugten Grundbed. jenes Vf. (verholen),
die sich unmittelbar mit ,bedeckt, überzogen' berührt. Für
die letztere Erklärung spricht noch der Umstand, dass statt
Jidw sonst zwar im W auch hilwig, in B aber hilb, liiltmj
gilt, also mit beibehaltenem (rosp. in b verwandeltem) w,
so dass es nicht eben wahrsch. ist, dass gerade dort auch
eine Form mit abgefallenem lo daneben bestanden habe.
fJbrigeus wird der Widerstreit der Ansichten durch den Um-
stand gemildert, dass auch helw, hilw nur eine Erweiterung
der im Vb. hekn und in dem davon abgeleiteten Adj. Iiäl
enthaltenen Wz. ist.
Ge-hel, Gehäl n., „Heli, Häli f.": Gewölk
von der unter dem Adj. beschriebenen Art BO.; Syn.
Hfili, Gehüll, Gehei, Gehenlc, Hei -Nebel, -Dampf,
Bezügi.
hele", häle": unpers., sich mit leichtem Gewölk
überziehen BO. Es hälet, der Himmel überzieht
sich BSi.
Helwe Helbe, Helme — f.: (Hafer-)Spreu Ap. —
Mhd. hcl(e)we. S. noch Ge-hüU Sp. 1160 und Ge-hülp.
Hei wer Helber, Halber Bs (Spreng); Th — ra.,
Dim. He'lbertli Tsiierg: Spreusack, insbes. als Unter-
lage in Kinderbetten. , Helber, spreuwersack, wie
man's braucht in die kindswiegen.' Mal. — Die Bildung
entspricht ganz der von Lmiher, Laubsack (in Betten).
Hilw Hilm m.: Obdach gegen Unwetter; mora-
lischer Schutz Aa.
Abstrahiert aus JlUwi (s. d.) mit dem Geschl. des syn.
Seherme und vicll. lautlich auch unter Mitwirkung von Jfclm.
„G'hilw = Hilwi." S. noch Ge-hiÜl Sp. 1160.
hilw hilb B; FJ.; GSa., hilm B oAa., hilwig W,
hilbig FJ.; ,Gr; L": 1. = helw BO.; W. - 2. ge-
schützt vor Zugluft, vor rauhen Winden BO., auch:
Halv
Ualz huh
1246
windstill, mild, wann, sonnig, von Lage und Klima
eines Ortes, vom Wetter B; F; GSa. Gags, räch,
tvild. A" h-en Orte" tvaclist 's räzer [rascher] FJ.
,Ein Wald, der guten Boden und h-es Klima hätte.'
Kästh. 1828. ,Die Voralpen sind fast überall in
h-erer Lage als die Kühalpen.' ebd. 18'29. — 3. hitzig,
zornig BO.
2 hängt mit 1 durch die ü.ahe Vwdtsch. der Begriffe
,bedeckt' und .gedeckt (geschützt)' ziisammen. 3 ist wohl
bildl. Anwendung von 1 und wird nicht hellen Zorn, sondern
die ihm vorangehende ,Uniwölkung' der Stirne oder auch
nur Verstimmung bed. — Der Übergang von v> in b wie in
,Farbe, gerben, gilben', von w oder b in j« wie in unserm
Si-hirnlme = nhd. Schwalbe, mhd. nwahce, naa.
hilwe" hilhe, in GsVal. Mime: unpers. 1. sich
stellenweise dünn bewölken GRVal. (Zeichen von Re-
gen), „fein nebeln L". — 2. warm, milder werden,
vom Wetter, Klima B; S. Wenn-me" vo" Gadme ga"
Meiringen use'_ chunnt, so (fspürt-me', dass 's hübet.
Sobald a's 's Wetter het a'fuh" hübe', liet-si"'' das Merze-
glöggli 'zeigt S.
be-, Ptc. b'hilt: überzogen, vom Himmel GSev.;
Gegs. glänz. — Vgl. GcMUl aus Gehüho.
hilwene" Mlbfejne": unpers., von der Bildung
klein zerteilten Gewölkes Gr.
Hilwi BHk.; W, Hilbi BO.; FJ.; GRD.,Pr.; „L;"
G8ev.; y, mibi S, Hilmi AAZof.; S (Joach.) - f.:
1. leichtes Überzogensein des Himmels, leichtes Ge-
wölk, Wolkenstreifen, Federwolken, feiner Nebel BO. ;
Gr; „L;" GSev.; W, warmen Regen vorbedeutend.
Vgl. Ge-hei. E zarti H., wenn der ganze Dunstkreis
mit leichtem Flor bedeckt ist Gr. Es schonet nid
lang; es stosst dert sövel strübi [krause] H. füren BHk.
Buchi H., zerzaustes, zerrissenes Gewölk, im Winter
vor Schneefall, im Sommer vor Hagel BR. Vgl. noch
die Compp. Auch Dim. Hilweli. Br Himmel het a'-
g" fange* schi''' zuetue".; us chleine" Uilbeli hed 's schwarz
Wolke" g'ge" GKSchiers {Kuoni). Hilbeni, kleine weisse
Wolken am grauen Himmel, sicheres Regenzeichen
BLaut., Si.; Syn. Schäfli. — 2. Obdach, gegen Wind
geschützter Ort FJ.; S; Syn. Sclierme"; milde, ge-
schützte Lage einer Gegend ÄAZof ; B (Zyro). ,Sie
waren noch ganz in der Hübe und merkten das Herbe
in der Zeit kaum.' Gotth. Unter d' Linde' wei-m^r
[wollen wir] flieh"; dort hei'-m^r am Beste" Hilmi,
vor-em Blitz si" mrr dort sicher, und Rege" möge"-mrr
scho" no''' chli" erlide. BWyss 1863. Lö-dv'' nöcher
zue, do isch mer Hilmi [Schutz vor Regen unter einem
Baum] ! S (Joach.). In der Stadt S müssen ,alle Lebens-
mittel unter freiem Himmel, bei Sturm und Unwetter
ohne Hilme, feilgeboten werden.' S Jahresber. — Mhd.
hilice, feiner Nebel. Bed. 1 u. '2 verhalten sich wie beim Adj.
Sehne"'-: leichtes Wölkchen mit krausen Formen
GRPr.
Dünn-: dünnes, leichtes Gewölk BE., Gu.
Halz, heiz, hilz, holz, hulz.
„Ualzig n.: krummes Eisen am Halse des tVhsen.
Woran das Joch befestigt wird UUrs." Syn. Kel. —
Eine Abi. von tlah oder eine Zss. dieses W. mit Zlnj.
Heiz- s. Hels-.
Holz n., PI. Hölzer: 1. Wald (welches W. der
Vülksspr. abhanden gekommen ist), allg. Z" H (Aa;
Bs; L; UwE.), ifnJ'sH. (Bs; BO.; Obw; W; Z) gä;
in den Wald gehen, um Holz zu fällen oder dürres
Holz zu lesen (also mit Bed. 2 sich berührend); vgl.
Holz-Tag und in Bd I 287 o. ,Dieses z' Holz gehen
taten im Dorf nur die ärmern Buben, aber sie machten
sich wichtig damit, renommierten, wie sie hohe Eichen
erklettert, schnell eine Bürde Äste gesammelt, schwer
heimgetragen, in wenig Tagen ihrer zwei Holz genug
für den ganzen Winter zusammengebracht.' XHerz.
1862. 's ßiert me'- als ein Weg i"'s H. Sdlger (Sprw.);
vgl. Holz-Gass 1. Die Chline" het de lieb Gott g'schaffe"
und die Grosse" wachsed im Holz Z (Dan.); vgl. den
Bs Kinderglauben, nach welchem man die kleinen
Kinder im Brueder-Holz [bei Basel] holt. S. noch
gä" Sp. 3. Wenn H. und Feld ^and hilft, so giH 's
e guets Jar Ap; GBern.; ScnSt; Z, (sprichw.) vom
Ertrag des Waldes auch auf das Zstreifen günstiger
Umstände angewendet: ,Und do also h. dem feld half,
fieng der Zwingli wyter henyn ryssen [fleug an weitere
Eingritfe zu machen].' Sicher 1531. ,Wiewol man
recht spricht : wenn das h. dem feld hilft, so werdend
guete jar.' HBdll. 1540. ,Man seit ein Sprichwort,
das ist war, wenn's h. dem feld will helfen, so kom-
mend guote jar.' Gletting 1560. ,Wer ligende güetcr
nit buwet und nit in eren hat, also dass es ze h. gat;
wenne da das holz so fer uffgewachset, dass ein her-
schaft iren schilt daran gehenken mag: Denn so ge-
höret ein sölich stück, das also ze h. worden ist, der
herschaft zuo, dero der zwing ist.' c. 1300, Aa Weist.
,Syne hochweldc und ander hölzer.' 1389, L (Urk.).
.Schweine in den Twing und H. zu Ober-Entfelden
treiben.' 1424, Aa Gem. , Ladet einer den andern in
h. oder uf feld, da ist der einung 2 pfd.' XVI., AaB.
,Späch und ufsehen haben, wer dem andren in syne
hölzer gange, darin howe [usw.].' 1526, Egli, Act.
,Wie ich züch nebend eim hülzli hin und yetz anfleng
in walt yngan.' Ruef 1540. ,Ein besser werk [als die
Mönche] tuend die bärtling, die in die hölzer ziechend
und bürsten, besen, ofenkrucken und mausfallen ma-
chend.' Vad. ,In hölzern, feldern umbhergon.' Ruef
1550. .Ein hölzlin, 80 schritt lang.' Wurstisen 1580.
,Alle Holz und Wald auf Erden.' JRHofm. 1645. Den
Sabbath ,in H. und Feld' heiligen. JMüll. 1673. Niki,
von der Flüe wird vom Teufel der Zwietracht als
,Holz-Claus' verspottet. JMahl. 1674. ,Denen Hölzern
wird stark zugcsetzet und der Holzmangel dardurch
vergrössert.' Z Ges. 1757. ,Sie sagte zum Vogt, ihr
Mann seie im H.' JRGrimm 1786. Natürlich erscheint
Holz als zweiter Bestandteil von zsgesetzten Flur-
namen zur Bezeichnung von Wäldern und Gehölzen
durch die ganze dcntsohe Schweiz sehr häutig, oft mit
abgeleiteten Pitsuihmih., / ];. SeehohferJ, Schönholz(er),
Oberholzfer), Eirl,hnl:ia-i. Jfndiholz(erJ. Mit Zähigkeit
haften solche NaiinMi nfi an Stellen, wo seit Jahr-
hundertoii drr WaM ausnvi„,lt i.l, wie z.B. im Buech-
holzZ'/.nU. iiiitt.Mi im Dorf. S. iUnntsrhli, RG. P 263 f.
— 2. Hulz als Stoff, Bau-, Broiiiiiiiatcrial; Baumstamm,
einzelnes Stück, Balken, Block; etwas aus Holz Ge-
machtes, allg. Das Ende eines Fleckens IV (Bd I
1191) im Gegs. zum Trämmel, dem dicken Ende B;
ähnlich Hölzli, ein Stamm Bauholz, dünner als ein
Sag-Baum ZZoll. Holz her! Ruf der Zimmerleute,
den Balken ihnen zuzuschieben, H. hin! denselben
Halz, heiz, hilz, holz, hulz
1248
von ihnen wegzuziehen. Sprichwörtlich: Da hässt 's
alliwil nw ander H. her! wo das Alte nicht mehr gut
genug scheint und vorschnell durch Neues ersetzt
wird Z. Wo-me" H. haut, git 's Spön L (Ineichen).
Me" cha'" nüd alli chrumme' Hulzli grad mache".
SuLOER (Sprw.). Wie grüener H., wie dicker Rauch
L (Ineichen). Dürr H. ist stolz. Sülger. H. und Hör
mistet 7 Jör AaB. (ist ein treffliches Düngmittel).
Holz uf-sich spitze' lä", sich Alles gefallen lassen B;
vgl. schiten. H. spalte», Spiel, wobei ein Knabe als
Keil zwischen 2 andere hinein geschlagen wird Z.
Holz umenand rüere' [werfen], kegeln Z (scherzh.).
Es schreit Öppis im H. [in der Wiege, aber zugleich
Wortspiel mit Bed. 1], me' fhört 's diheime'. Volks-
rätsel. Einem Hammer, einer Axt, Haue usw. H. ge",
den Stiel weiter in die Öse treiben Z ; vgl. Isen Bd I
536. H. ge'! auch Zuruf der Schaukelnden an Dabei-
stehende, die Seil-Schaukel durch energisches Stossen
in Bewegung zu setzen Z. H. voi--em Hüs (vor de"
Fenstere") ha', eig. .Scheiterbeigen' vor dem Haus,
dann bildl. vollen Busen haben Aa; Ap; Bs (wo auch
= schwanger sein); Z. ,Es soll nieman in Riederholz
kein holz houwen.' XV., Z. ,1 pfunt pfenn. von yet-
lichem stock oder von yetlichein h.- 1524, Schw LB.
,Den habend sy abgeton und an ein h. [das Kreuz]
gehenkt.' 1530, Apostelg. .Beschwerden wegen ein-
geschlagenen Holzes, sowie wegen usurpierten Rechts
auf das sog. tote Holz.' 1556, Absch.; vgl. Ab-Holz.
,Der andern Predicanten aber solle keiner mehr auf
diss Hölzlein [Kanzel] treten und zu dem Predigamt zu-
gelassen werden.' 1586, Beitr. Lauff. ; vgl. Kanzlen-H.
L hofft auf baldige Erledigung des Geschäftes und
dass dieses , verästete H. einmal spalten werde [bildl.].'
1726, Absch. ,Er war so schwach, dass er sich auf
ein H., das da lag, niedersetzen musste.' HPest. 1790;
dafür 1781 : .einen Holzstock.' — 3. triebfähiges, leben-
diges Holz im Gegs. zum toten; spec. am Weinstock;
vgl. höhen. Beim sog. Grueben (s. Sp. 696) macht man
aus 1 Robe gewöhnlich 3 Hölzli Z. , Zirka 150 Hölzli
Thuner Reben.' ZS. (Ztgs-Ins.). Wenn's i" 's ler (bluttj
H. tunneret, so schneit 's i' 's Laub Obw; Z. Wenn 's
nid im H. ist, so git 's kette Bire" L (Ineichen). Was
nid am H. ist, schlöt aw'' nid üs. Rheinscbn. 1885.
Was (wenn 's) n. am H. ist, giH ('s) kei'' Pfiffe' Gl
(S; Z). Mer händ no''' meh"- H., wo-me" cha"" en
Mesmer drus haue"! uTh (Scbwzd.). Das Amt das
miech im nit vil z' tue [gäbe ihm nicht viel Mühe]
und sunst au"'' hätt-er 's H. derzue. Breitenst. Syn.
Zug. So vil H. git ivider a Pfiffe', man fängt wieder
vorn an, wenn die Sache nicht gelungen ist GBern.
Was am H. ist, chunnt a" d' Pf. ZRegbg. Es mues
am H. si", es gehört natürliche Anlage dazu Gr; Z.
Es hat da nu'' e chli z' ivenig H., es fohlt am Zeug
Z (passte auch zu Bed. 2). H. i" der Familie, Aus-
sicht auf Nachkommen. Id. B. Hochmuet und Stolz
wachsend uf eim H. 1. 's wolfeil Brod muess us-em
H. [vom Ertrag des Weinstockes] kommen. Sblger.
,Dis Jar [1644] ist völlig erwahret worden, dass der
Wein innert 18 Wochen in dem H., aus dem H. und
wider in dem H. [dem Fass] g'syn.' UMet. Chr. .Der
Lehenniann soll jährlich auf das wenigst bei 1000
Gruben für neue, junge Reben machen oder Hölzlin
stecken, auch darzu Bau und Herd tragen.' 1670,
ScHwE. Klosterarch.; vgl. grueben 2 (Sp. 696). ,Er
ist eben des Holzes, ovo prognatus eodem.- Mey. Hort.
1692. — 4. das Dim. in spezieller Anwendung. ,Ein
Hölzli Baumwolle.' Nationalkal. 1870, so viel Baum-
wolle, als an einer hölzernen Spule Platz hat. En"
för e H ha' = för en Narre" ha", zum Besten haben
Ap; vgl. ,G. Neracher, gen. H.' 1653, AAWett. Kloster-
arch. I"' wiU-der danke" mit-eme" spitzige' H. Sprww.
1869. ,D' menschen band nit so vil witz, dass einr
dem andren ein hölzlin spitz, es muess daby syn all-
weg Ion.' UEcKST. ,ünd gend uns also spitze hölzli
[spitze Reden, Antworten] dran.' NMan. ,Ouch gfallt's
mir bass, in der statt köstlichen sitzen, dann in den
dörfern hölzle spitzen.' Rtjef 1550. Vgl. Glufen Sp. 608.
,Sy wirt nit me also syn ir dienstmagt, sonder selbs
meister, was [sie] jocb sagt, ir dran krumbe hölzli
spitzen und nebend ir uf dem kussi sitzen, sy ver-
spotten und verlachen.' Haberer 1562- ,In Poetery
hab ich ouch ein Hölzlin gessen; ich darf es reden un-
vermessen.' Anf. XVII., Pfr HsUGrob. ,Er ist ein
grober Gesell, ein grobes Hölzlein.' Mey. Hort. 1692.
,Es tut ihm genug ein schlechtes Hölzlein, es ist viel
zu viel Ehr für ihn.' ebd.
E-Holz: unter dem Schutze des Gesetzes (E)
stehender, obrigkeitlicher Wald. ,Wir habend uns
erkennt, dass weder gmeinden noch sunder personen
die rechten ehölzer und fronwäld nit mer abhouwind
und zerschleizind, sunder unverwüest blyben lassind.'
15'28, Z Mand. ,Dass ir die rechten ehölzer und fron-
wäld abhouwind und äcker und rütinen darus machind.'
1528, Egli, Act. Syu. E-, Hoch-, Bann-Wald. —
Ab-: was beim Fällen der Waldbäume ausser dem
Stamm und dem Reisicht übrig bleibt, also der Wipfel
und die dicken Äste B; Gl; L; Th; Zg; Z; Späne
und Abfälle, welche sich beim Verarbeiten von Holz
ergeben B; Z; schlechtes Holz, das beim Messen
zurückgewiesen wird Bs (Ochs); auch „liegendes und
allmählich moderndes Holz L; Zg"; vgl. Ab- Wasser
und Ab-Ast. ,Gewöhnliches Flössholz, Brenn- oder
Kohlholz, Prügelholz oder Abholz.' G Flössorordn.
1839. ,A. vom bnw.' 1504, G Mscr. ,Item von des
a. und der schindlen wegen und ander a., des vil ist.'
G Mscr. ,16 pfd kostend 3 gross eichen zu der trotten
mit sampt dem fuerlon bis in 's stättli und han den
puren das a. g'lassen.' 1558, Z Grün. (Amtsrechn.).
S. Holz-Haber Sp. 933. ,Die von Grandson sollen ihr
Ab- und Totholz zu ihrem Hausbrauch, aber nicht
zum Verkauf zu geniessen haben, jedoch mit dem Be-
ding, dass sie kein ander Holz als Tot- und Abholz,
wie Buchen, Erlen, Dornen. Stauden udgl. nehmen,
sich der Tannen und des Bauholzes sammt den Frucht-
bäumen mussigen.' 1576, Absch. ,Sich des umgefal-
lenen, toten und .\bholzes zum Hausgebrauch be-
dienen.' 1582, ebd. ,Was für A. und Grotzen in
unseren Hölzeren gefunden werdend.' B Gerichtssatz.
1615. ,Span, A., schidia, assulae, ramalium segrmenta.'
Denzl. 1677; 1716. .Niemand soll in Bannhölzern A.
nemmen.' B Gerichtssatz. 1721. ,Den 22. Mai hat man
das eichi A. verkauft.' 1772, ZNürenst. (Rodel). ,2. Jan.
Holz geschüttet; 35 Bürden A.' 1781, ZWipk.
Dütsch-Ebe"-: Alpengeissklee, cyt. alp. Hill. B.
So benannt, weil sein Holz schwarz gebeizt wird. Syn.
hen-Holz, frz. thenier des Alpesj auch /aux ^heiticr. Vütuch
im Gegs. zum exotischen Ebenholz.
Ob-: Alpenweide ob dem Walde, die oberhalb der
Waldregion befindliche Alpenzone Gr; GO.; üw. ,Die
llM'.i
liolz, Imh
1250
dritte Kegioii ist die sog. Gegend 0. und macht die
eigentlichen Alpweiden aus.' Gr Samml. 1784. Ortsn.
ZKlot, schon 1371, Uik. - Ob holz er s. Epfel Bd I
367. 380.
Ober-: das Holz, das man zum Bauen braucht
Z (St.").
Im Gegs. zu Under-U. bezeichnet es wohl oig. die über
den niedrigen Waldstand emporgewachsenen Stämme, welche
die zu Bauholz erforderliche Stärke haben; oder dann den
Obern Teil. einer schweren Tanne, deren unterer Teil zu
.Sagbäumen', der obere aber zu Bauholz verwendet wird.
Von dem Flurn. Oherhdz, hingegen kommt der Geschlechtsn.
Oberhoker; s. Höh S.
Über-: Waldbäume, welche die andern überragen,
bes. Eichen, Tannen, Buchen und Eschen, welche man
über die gewöhnliche Schlagzeit hinaus stehen lässt,
damit ^sie ihre volle Grosse und Schwere erreichen;
Syn. tiber-Ständer; auch: überhiingendes und die dar-
unter stehenden Gewächse schädigendes Gehölz Z.
,Von studen und überholz. Welicher zun oder heg
hat oder studen oder üherholz, das jemant schaden
bringen mag an ackern, matten oder andern dingen,
das soll man abschlachen und ahnemen.- 1534/1601,
ZKn. Offn.
Eich(e"')-: 1. Eichenwald; auch Flurn. allg.
Daher viell. der Geschlechtsn. ^lYc/i^o/.er W; Z. —
2. wie nhd. Eiche'holz gid guet Gahje'nügel L (In-
eiciien). Vgl.: Eichi" Holz macht stolz Scu.
Die Yerflüchtigung des cA kann den Sprachsinn irre
leiten: aus im Ei-Holz entsteht Maihulz; vgl. , Acker im
Eich- oder Maiholz.' ZAff. (Amtsbl.).
After-: = Äbholz. ,Das Kloster durfte aus der
Hard täglich einen Karren Brennholz, bestehend in A.,
und 4 Mal des Jahres Bauholz holen lassen.' Bs XIV.
Age"-: glasartig hartes Tannenholz mit eigentüm-
lichem Zellengewebe und Gefässbündelbildung, wel-
ches sich zu Unterst am Stamme oder Stocke befindet
und sich ebensowohl zu Küblcrarbeit als zum Brennen
eignet BSi. — Tgl. mhd. wjeCO-stein, Bernstein, nnd wjen-
liuof; s. auch Man-H.
Eige"-: Waldung, die Privateigentum, nicht All-
nieind und daher von mancher gesetzlichen Beschrän-
kung, wie Ausfuhrverbot, frei ist. Es ist au''' nid
Alles E., was us-em Muotital o" Se chunnt uf all
Wls und Art. Schw Fastn.-Spiel 1865 (Wortspiel).
U°-: schädliches Wucher- und Schmarotzerholz,
das man beim Durchforsten beseitigt TnTäg. Als Ge-
schlechtsn. in ZZoll. 1315, jetzt auch Umholz gespr.
— Mhd. in der Bed. geringes Holz, Abfallholz.
Under-: der junge Autwuchs im Walde; vgl.
Uher-H. und engl, imder-wood.
A(n)s-, Säs-: Brückenbalken Gl. ^yn. Ans-Baum.
,Bei der Engibruck sollen alle einander helfen den
Fuss machen und die Anshölzer überziehen.' Gl LB.
1471/1807; dafür 1835: .Saasshölzer.' ,Die von Net-
stall sollen die Brück unterhalten und die Löcher
Verstössen, bis dass die Aashölzer anderwärts müssen
gelegt werden.' ebd.
Über Ann vgl. Arne Bd I 504. Sas wie Süter aus Uter
durch Verschmelzung mit dem neutralen Artikel; vgl. (A'}aat.
Ur-: wilder, keine Frucht tragender Wald? ,Der
fronhof mit dem gerät, mit dem schorren und mit
dem u., so darzue gehört.' G Mscr. — S. Vilm. Id.
Schweiz. Idiotikon. II.
Ise"-: 1. = Dütsch-Ebenholz B. — 2. Hartriegel,
corn. sangu. Z; Syn. Isen-Baum, -Rueten.
Die Benennung des sehr harten Holzes vom Eiseu her,
wie die lat. vom Hörn (cornu); vgl. Bcin-H.
Ast-: Lästiges, schwer zu bearbeitendes Holz Z;
vgl. Eölz 2 (1726). — 2. Holz, welches aus abge-
hauenen, dicken Baumästen besteht B; Z. ,Das Ast-
und Grotzenholz sammt der Heizi.' 1738, Hotz, Urk.
— Fach-: Holz zu Fachen (Fnc/i 5 Bd I 638). ,Fach-
holz, ruschholz, schwirren, stecken und anders, fischern
zu bruchen notwendig.' 1550, AAWett. Klosterarch. —
Fad-: Holz zu Zäunen (Fad 11 Bd I 671). ,A11 die
nit uf den rechten ehofstetten sitzent, sond in dem
forst nüt howen, weder Zimmerholz noch ander holz,
denne allein fadeholz und zinsholz und dasselb an
die rechten efaden.' 1460, ZTalw. Offn. ,Sy mügent
euch howen brennholz und f. ir notturft' ebd. —
Fige"-. ,Du bist warlich ein Jüngling stolz auf-
gschossen wie ein Feigenholz.' Zehen Alter 1621.
Vogel-: zweite Pfette am Speicher BsZunsg.; vgl.
V.-Baum = Firstbaum, sowie Vogel-First Bd I 1024.
Der Firstbaum ruht auf gekreuzten Balken, mit diesen eine
Figur bildend, welche einem Vogel verglichen werden kann;
vgl. gr. äexös, eig. Adler, dann Giebel. Oder der Name
viell. eher davon, dass die Vögel sich auf die hervorragenden
Enden zu setzen pflegen, wie der Schnee darauf liegen bleibt,
daher Syn. Sehne-Baum und vgl. auch Katzen-H. Im erstem
Falle wäre Voc/el lö zu vgl.
Pül-: Faulbaum, rhamnus frang. GWe.; Sch; U;
Syn. schwarz Kern-Gerten Sp. 441.
Das Holz ist brüchig und morsch und riecht übel; vgl.
zu letzterm Gesichtspunkt die Synn. \io\\. atinkhoom ; it. p%-
tine, »puzzarella, spuzzine.
Vor-, Für-: 1. Kand des Gehölzes, Waldsaura.
,Die Gehölze schwiegen, selbst die Drosseln und Sing-
vögel im V.' Aa Gem. ,Wäre, dass N. N. an den hegen
synes guets nit so vil funde, dass er syn guet ge-
faden möchte, so mag er [sein Zaunholz] in dem für-
holze und in den strübchen [strüüchen ?] vor Rieder-
holze suechen und neraen.' 1332, Z Stiftsurb. ,Allein
in den vorhölzern raspen [Reisicht sammeln] und
studen.' 1435, F (ürk.). , Eichen zu V. um andere
Hölzer stecken.' 1773, Z Anl. — 2. Privatwaldung BG.
— First-: Firstbalken B; L; GRh.; S; Z tw. Syn.
First-Banm; Hoch-Träw. — Usforst-: ausgeforstetes,
als unnütz (dürr, zu dicht stehend usw.) aus dem Forst
entferntes Holz Schw; Z. ,Wind- und Ausforstholz,
bestehend in Trämmel-, Bau- und Brennholz' Schw
(Bote d. Urschw. 1883). — Fasel-: einjährige Triebe
am Weinstock als Träger des künftigen Jahresertrages
ZS.; junger Aufwuchs im Wald Z; vgl. Fasel 3
Bd I 1056.
F lad er-: 1. Jlaserholz Z. — 2. Späne von dürren
Brettern. Si.'' -- Zu 1 s. Fladcr 4 Bd I 11G8. Zu 2 muss
Fladcr i. S. V. I'liulrr ijeuommcn werden.
Floss-: Korkholz. , Wie sich kramer und schuech-
macher gegen einander halten sollen. Von soggellen
[Zogglen, Socken] wegen, da mugent die kramer wol
das fl. verkoufen, aber gemachet soggellcn soUent sy
nit verkoufen.' 1431, Z Stdtb.; Syn. Fantoffel-H. —
Eig. , Schwimmholz' ; vgl. Flossen Bd I 1214.
Flöz-: Holz, das geflösst wird, Treibholz Gl;
s. flössen Bd I 1214. — Wittfrauen-. ,Mehr als
800 Klafter Sihlholz [Holz vom Sihlwald] kommen
1251
Halz, heiz, hilz, holz, liulz
1252
für 1 fl. 21 ß das Klafter verwittweten oder unverheu-
rateten Bürgerinnen oder auch andern armen Bürgers-
familien ausschliesslich zu. Dieses Holz heisst daher
W.' DWyss 1796. Erwähnt auch 178Ü, Z Ges.; s.
ZwÖlfer-H. — Fri-. , Wildhaus hat ausser seinen
schönen Gemeindewaldungen noch herrliche Frei-
hölzer, in denen der Arme wie der Reiche so viel Holz
hauen kann, als er nur will.' Franz 1819. — Frucht-:
Fruchtknospen tragende Schosse; Baum in frucht-
tragendem Alter. BHink. Bote 1885. — Frid-: Zaun-
holz (zum .Einfriedigen'). .Haslins und widins, tornis
und kerngertis holz und als man gewonlich ze fr.
howen soll.' 1347, AAWett. Klosterarch. ,Wir spre-
chent ouch, dass si dasselb holz, das si ze fr. houwent,
nit brennen sont ab den güetren, e das' es nit mer
fridbar ist' ebd. S. Friden 5 Bd I 1279. — Frön-:
herrschaftlicher, obrigkeitlicher Wald und das daraus
genommene Holz. ,Hoch- und Fronhölzer, welche der
hohen Landesobrigkeit zugehören.' 1583, Absch. ,Ein
Herr Zeugherr hat jährlich 4 Wägen Fr. aus dem
Bannamt.' XVIH., Sch Pfrundb. .Herrenholz 8 Klafter,
Frönholz 4 Klafter', zwei verschiedene Posten, die in
den Besoldungsansätzen der Sch Beamten im XVIII.
und früher stehend vorkommen. Als Ortsn. BUetend.
Syn. Frön-Wald; s. frön Bd I 1301. — Gab(e°)-:
1. die für die nutzniessenden Bürger geordneten Ab-
teilungen gefällten Holzes Th. , Gabeholz (Corpora-
tionsgut).' li Landb. 1871. ,Alle Winter erschienen
die Abgeordneten von Neudorf vor Capitel und baten
um Gahholz (Brennholz). Dieses wurde ihnen dann
vom Holzherrn und dem Förster gezeigt im Mooren-
tal.' EsTERM. Neud. — 2. vom Forstamt auf Steigerung
gebrachte Loose gefällten Holzes Th. — Galge"-:
nur in den RAA. falsch (Bs; Gr; G; S; Z), fül (L),
groh (BsStdt) wie G. Bürcstolz ist G. Sülger. —
Gipfel-: Holz vom Wipfel der Waldbänme Ap; Syn.
Grotzen-H. — Gnaden-: freiwillig geschenktes Holz.
Die Bauern bitten: ,Das Capitel möge seine Gnaden-
hand öffnen und sie mit mehr Gn. versehen, denn sie
haben keine Wälder.' 1734, LNeud. (Esterm.). —
Grab-: Bohle, welche die Längenseite des (Küe-J
Grabens (s. d.) gegen den Gang und zugleich einen
hervorspringenden Rand gegen diesen bildet Gr ; Syn.
Gr.-Bamn. — Grob-: ungeschlachter Mensch, Bauern-
lümmel AAWohl. ; W. Vgl. grobs Holz im eig. S. und
grob-hölzig. — Grendel- s. Grendel 4 Sp. 758. —
Gross-: der ältere, hoch aufgewachsene Teil des
(Tannen-) Waldes im Gegs. zum jungem, noch nicht
ausgewachsenen (Fasel) ZZoU. Als Name von Wei-
lern FTaf ; ZMettm. — Grotz(g)e''-: = Gipfel-H.
ScH; Z. ,Zu verkaufen: Bäume sammt dem Stock-
und Gr.' ZSeeb. — Hueb-: zu einer Hubgenossen-
schaft und nicht zur ganzen Dorfgemeinde gehöriger
Wald. ,Der stift h.' 1556/Ö9, Hotz, Urk. ,Rych und
arm hat das holz mit einanderen genutzet; dann es ein
recht gemeinwerch und nit ein h. wie zue Schwamen-
dingen.' 1564, ebd. .Diejenigen Hueber, so eigentum-
liche Hueben habend und das H. zu ihrem Gebrauch
in die Stadt füeren lassen.' 1732, ebd. — Hoch- s.
Frön-H.; Syn. Hochwald. — Hag-: Zaunholz Usw.
In einem Obw Waldkauf von 1833 war die Bedingung
gestellt: ,Die nötigen Schaft- und Schermtannen, das
nötige Hag- und Bauholz für die Alpen stehen zu
lassen.' übw Volksfr. 1883. ,Die da güeter haben,
mögend da hawen h. in den zweien rütinen.' 1580,
Obw. .Brenn-, Hag- und Schindelholz.' 1793, Obw,
als das notwendigste Holz erwähnt. — Gel"hagel-:
Gelbholz. herb. vulg. Th.
Hüener-: Alpenrosenstrauch, rhod. ferr. LE.; Uw.
Berghühner halten sich gerne in diesen Standen auf.
Vgl. auch N'üener-Bluest, -Laub, -Bluem, -Vrosli, -Stud.
Hüntsche°-: Bittersüss. sol. dulc. B.
l!ün(t)acKen, Xame einer Krankheit (Geschwür, Entzün-
dungl; vgl. das frz. Syn. herhe a laßevre; doch haben die
noch grünen Beeren in der Form auch Ähnlichkeit mit denen
der Hün(t)schen genannten Weintrauben.
Herren-: das den Herren (Geistlichen, Beamten,
Professoren) als ein Teil ihrer Kompetenz zukommende
Brennholz aus einer Staats- od. Korporationswaldung;
(anders in der Stelle bei Fron-H). ,Die Obrigkeit
von ScHW stellt 1720 der Pfarrei Schübelbach eine
Schrift über das dem Pfarrer zu leistende Herrenholz
aus.' Dettling 1860. ,Der Sager ab der obern SihI
hat einen eigenen Zug, das H. ab der Sihl [nach
Zürich] zu führen.' Mem. Tig. 1742. ,Was es vor H.
aus dem Stamm-, Ästen- und Grotzenholz geben wird,
soll der Weibel sauber aufmachen und in den Kloben
setzen lassen.' 1738. Hotz. Urk. — Hüs-: Holz zum
Hausbau. ,So sye von einer ganzen gemeind gemeret
worden, dass man die kriesböum nit solle abhowen,
sonder zu h. stan lassen, dann sy dess wenig haben,
aber etlich von der pursami die zu steckenholz ab-
gehouwen und güeter damit ingeschlagen.' 1560. Aa
Wett. Klosterarch. Vgl.: .Diewyl sy under inen selbs
genieret, die kriesböum zu künftigen büwen stan ze
lassen.' ebd. — B'-hau"-: die langen Rebschosse,
welche vor dem Herbst oben abgehauen werden.
Sdlger. — Heizi-: 1. derjenige Teil oder Aufwuchs
des Waldes, aus welchem Heizi (Reisig und Äste zu
Brennmaterial) genommen wird Z. In ZHöngg auch
Flurn. — 2. Holz zum Heizen der Öfen Z. Gegs.
Euchi-Holz. — Jung-: junger Wald, im Gegs. zum
Gross-H. (s. d.). .Ein guot, buwet der im junkholz.'
XV.. L (Urk.). Als Orts- und Flurn. in B; L; S;
Th; Z meist in der F. Junk-, wie Junker aus Jungher.
Jöse°-: als Brennmaterial geschätztes Buchen-
holz, welches die Schiffer vom Walensee an den ZS.
brachten. — Jöaen, eine jähe Halde östlich von GQuinten.
Chüe- s. Kien-H. — Chüechli-: die in dürren
Splittern und Spänen bestehenden Abfälle, welche
beim Spalten und Behauen der Rebstecken im Winter
etwa von Hausfrauen auf die bevorstehende Fastnacht
zum , Kücheln' hei Seite gelegt werden ZZolI.
Geiss-Chüechli-: Hartriegel, corn. sangu. B;
UwE. — ,Die Blätter geben das beste Geissfutter.' Kasth.
1828, 141. Syn. Gcisa-IIaden.
Chüefer-: Holz, wie es der Küfer braucht, bes.
rottannenes Z ; vgl. Wagner-H.
Chigg-: Kienholz GA. — Chiyi/ scheint aus Chie'
entstellt zu sein.
Chol-: Holz zum Kohlenbrcnnen ZO. .17—18
Klafter K. ans den Staatswaldungen.' Z Rechtspfl.
.Dem schmid zue kollholz.' 1572. Hotz, Urk. Auch
Orts- und Flurn. B; L;.G. ,Zwei Mannwerch im Kol-
hölzli.' 1653. AAWett. Klosterarch. Vgl. Kol-Grueb.
— Chalber-: der innere, gewöhnlich braun ge-
färbte Kern eines Stammes Tannenholz, der beim
(Stichel-) Spalten sich oft selbständig herauslöst, wie
das Kalb aus der Kuh; als Brennholz beliebt ZZoll.
1253
Halz, heiz, liilz, holz, hulz
— Kilch(e°)-: einei- Kirche (als Widern) zugehöriges
Geliölz, Stück Wald (Mey., Wetz.). Chille'-, Chilch-H.,
auch Flurn. Z.
Kilt-: das vor den Stuhenfensterii aufgeschichtete,
kloin gespaltene Brennholz AiZof. (Eochh.).
Scherzh. so genannt, weil Ton den Kilteru benutzt, um
in die Stube zu gucken.
Kammer-: einer fürstlichen oder bischöflichen
, Kammer' gehöriger Wald. ,Wann ein herr von Co-
stanz ansitzt und sein erste niess will han, so sollen
sie im usser seinem k. drei fueder holz bringen zu
der mess.' TnEngw. Offn. — Kompetenz-: das von
Gesetzes und Rechts wegen einem Beamten als Teil
seiner Löhnung zufallende Brennholz. ,Der Weibel
nemme für sein K. das Beste im Wald.' 1732, Hotz,
Urk. ,19 Klafter K. den Hm Chorherren.' ebd.
Chüngeli-: lonicera S. — Eig. ,Kaninchen-H.'
Chant-: schwerer Balken, der nicht mit blosser
Hand, sondern nur mit Hülfe des Hebebaums oder der
Winde umgedrelit (umg'kantet, über die Kante gedreht)
werden kann Z. — Chanzle"-, in dem Sprw. Gh.,
g'sunds Holz, Anspielung darauf, dass der Prediger-
beruf in vielen Fällen das Leben zu verlängern oder
kleine Übel wie Zahnschmerzen udgl. zu heilen
scheint AaB.; Z. — Kapitschiner-: Wein (scherzh.),
in der BA.: Mit K. heizen, tüchtig Wein trinken L
(Ineichen); vgl. K.-Geld. — Chäppeli-: Spindel-
baum, Pfaffenhütlein, evon. cur. S; U; Syn. Pfaffen-
Käppli. — Chopf-: 1. der Langseite eines Gebäudes
entlang auf den , Köpfen' der Querbalken aufliegender
dünnerer Balken, auf welchen die Dachrafen zu ruhen
kommen Z; vgl. Rigel-Sell. — 2. junge Laubholz-
stämmchen, die oben gekappt sind. ,Kopfholz und
Schneitelholz. Wollt ihr die Stämme köpfen, so müsst
ihr das in einer Hohe des Stammes tun, wohin das
Vieh nicht reichen kann: dann habt ihr sog. Kopf-
holzstämme. Schneitelstämme bekommt ihr, wenn ihr
den obersten Trieb des Stammes stets verschont und
nur die Seitenäste alle 3, 4—5 Jahr abhaut.' Kasth.
1829. , Diese Bäume vertragen den Schnitt gut, d. h.
lassen sich als Schneidel- oder K. benutzen.' Verbess.
des Gr Waldwes. 1838. Anders wohl Kopf- Holz,
Ortsn. ZHinw.
Cherb-: 1. Holzsorten, welche beim Spalten
Risse und Furchen werfen (cherhe") Aa. — 2. wie
nhd. Aa f ; ScnSt. 's (jöt Alles bl-n-im uf 's Gh., auf
Borg ScnSt. Uf-em Gh. stö', im Schuldbuch stehen.
SüLGER. ,Die erschlagnen wurden an kerfhölzer an-
geschnitten und bestattet.' 1580, Wurstisen. ,Wann
es sich begäbe, dass einer wyn für sich solbsten hette,
derselbig soll befuegt syn, synen wyn anstechen ze
lassen und die wynsigler ansprechen, dass sy den wyn
siglen und an die kerbhölzer schnyden.' 1594, Arg.
,Als auch ctwann diejenige, so Schreibens und Lesens
nicht zum besten berichtet, sich mit schlechtgemachten
Kerfhölzern oder Zedeln begnügen lassen; sofern dann
jemand zu Beweisung seiner Schulden einig Kerfholz
oder Zedel im Rechten fürbringen, darneben die von
dem andern Teil fürgezeigte Gegenzedel oder Hölzer
gleichförmig erfunden wurden, solle denselben Glau-
ben gegeben ; da aber der ander Teil keines Gegen-
kerfzedels oder Holzes geständig . . .' 1719, Bs Rq.
Sonst nicht volkstümlich (s. das Syn. Beile"), wiewohl
K. neben Beilen auch bei Fris.-MaT. vorkommt. —
3. dreiseitiges Prisma aus Hartholz, auf welchem ge-
fallene Mädchen knieen müssen SSchwa.
Über/ vgl. Hefe Sp. 1019 und Gr. WB. V, 557 ,Kerbe';
ein Vb. cherhe', nagen, ist Schweiz, belegt, sonst könnte das
W. als Lehnw. gelten.
Chatze»- (auch Dim.): ein unter dem Firstlwlz
parallel laufender zweiter Firstbalken, nur im Dache
uralter Häuser B; L; S. Syn. Na'>'-First.
In Deutschi. ,Katzcn-Balken, -Baum, -Läufer' s. Gr. WB.
s. V. ,Katzeu-Diele' : Alles Bezeichnungen für den Lieblings-
sitz der Katzen; vgl. auch Kutzen-Sug, ebenso Vogd-Bolz.
Hingegen der Ortsn. K. in ZHorg. vom ehemaligen Aufenthalt
wilder Katzen.
Chlafter-: im .Klafter' (Kloben) gemessenes
Brennholz, welches aus grossen Scheitern (Kauf-,
Klafter-Scheitern) besteht Z. ,Eine Hofstattsgerechtig-
keit habe jährlich ein Klobcnklafter zu 6' Höhe, 6'
Breite und 3' Tiefe, sog. KL, zu beziehen.' Z Rechtspfl.
— Chnebel-: Rundholz, bestehend aus Ästen, dün-
nen Stämmen, als Heizmaterial und zum Kohlenbrennen
verwendet Z. — Chrum(b)-: 1. Pflugsterze GnObS.
Syn. Pflueg-Fm-grjen; s. B. IV S. 40. — 2. Krumm-
holzfichte, pinus cembra, mont., pum. Gr. Vgl. die
syn. Benennungen pinus uncin., ,Hakenföhre', pin ä
crochet; östr. Orump-H. — 3. (scherzhaft übertr.)
Wagner Bs; Syn. Ghr.-Holzer. — Chripp- Ap; GoT.,
Ghripf- Z: Bohle, welche die Vorderseite der Krippe
bildet; ^jn. Chr.-Baum ; vgl Grab- H. — Chrapfe»-
Hölzli: Rollstab, den Krapfonteig zu walzen Ndw.
,Laub-Holz: alles Holz, welches man zu ungefähr
25 Jahren fällt oder aushaut, so dass während dieser
Zeit wieder neues Holz aus den Wurzeln und Stäm-
men aufschiesst und sich so immer fortpflanzt. Von
dieser Art Holz sind die Eichen, Erlen u. a. L; Zg;
Z.' St.*" — So bei der alten Forstwirtschaft, wo mau den
Wald noch nicht durch Setzlinge erneute.
Löffel-: Feldahorn, acer camp. AABb. — Früher
wurdeu daraus Löffel geschnitzt.
Luffe"-: Art Balken oder Bretter, beim Häuser-
und Scheunenbau gebraucht. ,8 Stumpen zu Trämen
im Stal, 5 Stumpen zu L-holzen und Triemen, 3 Stum-
pen Saghölzer.' 1648, Hotz, Urk. — Läger-: die
Längsbalken, auf welchen der Stallboden ruht S. —
Lehen-: zu einem Lehen gehöriger Wald. S. Hotz,
Urk. in 172 f. — Liene"-: Schutzlatten in den mit
sogen. Infar versehenen Scheunen um «lic Vertiefungen
herum, namentlich zum Schutze des Ziinviehes längs
der (tiefer liegenden) Heubülnie ;uii,'eliL:ielit ZWäd.
Lang- Lank- Aa; B; SL., Land- B; L; S: auf
der Mauer oder bei Holzbau auf den ,Sgchstüden' auf-
liegender und darüber hinaus ragender Längsbalken,
welcher, mit der First parallel laufend, die Dachrafen
trägt. — Über k aus ijh vgl. Jumj-ll.; Land aus himj wie
in Lmul-WUl.
„Lingel-: Lineal." — Lingh", linieren.
Lös-: Holz aus einer Korporations- od. Gemeinde-
waldung, welches an die Anteilhaber oder Bürger
durchs Los verteilt wird B; „Gr;" GSev.; „W"; vgl
Gab-H. — Leit-, Leid-: Seilerwerkzeug, konisches
Stück Holz mit Längskrinnen für die einzelnen Schnüre,
welche durch dieselben zum Drehen zsgeleitet werden
Z. Schon bei Mal.
Lotter-: Gerät eines fahrenden Gauklers (,Lot-
ters'). .Harby icli's jetzund lass belyben, myn 1. mit
1255
Halz, heiz, hi
liolz,
l2r.(
fröuden tryten us diseni in ein anders land.' Salat
1537. ,Ich -ffill nun furer min 1. jagen.' ebd. Auch
bei Gengcnb. — Dass das L. zum Weissagen gedreht wurde
(lovf timhe, l, lauf umhe!) s. Gr. Myth. 1063.
Litze°-Holz: ellsteckenartiger Stab der Posa-
menterei zum Litzen machen ßs. — Maie"-: Sahl-
weide, sal. capr. GWyl. Syn. (Maic"-JPßfe"-H.
Malm-: Laubholz W. — Von nmim, milde, weil eines
mildern Klimas bedürftig als das Nadelholz; Tgl. WiUl-Hoh.
Man-: besondere Art von Tannholz mit maseriger
Struktur GRPr.; vgl. Ägen-H. — Der Maser viell. den
Flecken des Mondes (Man) verglichen?
Mund-: Rainweide, ligustrum Bs (Spreng). Auch
bei Mal. S. Chern-Gert Sp. 442. - Das Holz wurde
gegen .Mundßule' (s. Bd I 792) augewendet.
Marodi-: Holz, das von der Flut ins Tal getragen
wird und dort auf Sandbänken liegen bleibt Uw. Syn.
Sand-H. — Von marod«» (frz. maraudcr), plündern, rauben,
weil solches Holz herrenlos ist; Tgl. Doldo-H.
Masern-: Ahorn, acer camp. (Durh.); vgl. Mass-
Holder. — Mesner-: Brennholz, das dem Mesmer als
Teil seines Lohnes geliefert wird. 1723, Absch. VII 1,
821. — Mutte»-: Holzgestell, auf dem die Mutten
[Milchnäpfe] aufgestellt werden. JJSchedchz. 1706.
Nä"''-: diejenigen Dachpfetten, auf welchen die
Balken des obern Dachbodens ruhen ZWäd. f ; vgl.
Näch-Stud, -Bretten. — Nach hat hier ungefähr den Sinn
Ton ,neben'.
Fasnacht-. ,Bezüglich des F-es. Jede Haus-
haltung haut ihre bestimmte Khifter, setzt sie im
Walde auf. Des Holzes Länge soll sein 4Va Werk-
schuh.' 1662, AAVilm. Offn. — Wichnacht-: das
jedem Waldberechtigten alljährlich zugewiesene Bau-
und Brennholz, welches er gegen einen Vogtzins ab-
holt AALunkh. t (Arg. 1861). ,Das sog. Weihnacht-
holz, welches die Untertanen [dem Gl Landvogt zu
Werdenberg] liefern müssen.' PTschl'di 1726.
Nagel-: 1. Piainweide. lig. vulg. GWe. — 2. Brett
mit vielen Holzpflöcken zum Aufhängen von Kleidern
usw. S. - 1 zn hölzernen Nägeln verwendet.
Schueh-Ne'geli-: Spindelbaum, evon. eur. Aa;
B. Syn. Spissli-H. — Das sehr feine und harte Holz wird
zu Schuhnägeln verwendet.
Narre"-: Britsche zum Schlagen. ,[Der neue
Schulmeister] brauchte bei seinem Strafen das N. sel-
ten, das der alte immer in Händen hatte.' HPest. 1785.
— „Not-: nur zur Zeit der Not geschlagenes Holz,
um es zu Brücken, Dämmen usw. zu gebrauchen BO."
— Bü-: Tannenholz zum Bauen, in Alter und Dicke
zwischen den , Sagbäumen' und , Latten' stehend, allg.
B. bieten, Kinderspiel, wobei ein Kind als Wächter auf
einem Baumstamm die übrigen denselben nicht be-
treten lässt; Syn. Tannen-Fähis. Auch vielfach als
Flurn. — Bü-Eölzli: 1) ein kleines Stück Bauholz. —
2) kleine Hölzchen in Form von Balken, Bausteinen,
womit die Kinder das Bauen nachahmen, welches Spiel
(nach Z Neuj. Chorh. 1820) von JCLav. oder seinem
Freunde Pfenninger aufgebracht wurde. — Bach-:
Holz zum Heizen des Backofens S. — Bad-Hölzli:
Hölzchen, welches ins Wasser hinausgeworfen wird
für den, der beim Ankleiden nach dem Baden der
Letzte ist, so dass derselbe sich nochmals ausziehen
und es holen muss ZS. — Bode^-Holz: Holz zu
Passböden Z; Syn. Boden-Stuck; Ant. Tügen.
Begel-: Werkzeug, womit die Glasplatten geglättet
werden STierst. — Wohl von högUn, glätten, plätten.
Eechc''-Bögli-: Name mehrerer Sträucher, bes.
vib. laut. Aa; ,B; L;" Uw und lig. vulg. B, deren
Zweige sich durch ihre Zähigkeit zu Bechen-Bögli
eignen. — Bock-: ein dünneres Holz, welches wie
das Kopfhnlz, nur weiter unten, nämlich auf den Böcken
aufliegend, der Langseite der Gebäude entlang läuft
als teilweise Unterlage für die Schupfrafen ZWäd.
Vgl. Nach-H.
Pulver-: Faulbaum, rharan. frang. Aa; G; Scn;
Syn. PuherSueten. — Das verkohlte Holz dieser Staude
dient zur Bereitung von Schiesspulver.
Ba(nn)-: Bannwald, für Zwischenbenutzung ver-
botener Waldeinschlag TnErm. Bei dem im Baum-
garten vorgehenden Spiele des Plätzewechselns ruft
Jedes, sobald es einen Baum erlangt: Budi BähoU,
ich ha" Holz! LH. ,Von banhölzeren, schwenden,
kolen und anderem, so das holz belanget.' 1572, SchwE.
Waldstattb. Als Flurn. B; L; G; Z. S. noch Geschfo.
Ges. 13, 103. Bannholzer, Geschlechtsn. in BO. Der
.Bannhölzler', ein Gespenst bei ZaWalchw., s. Lüt.
Sag. 387.
Bei"- s. Anm. zu Chern-Gert Sp. 442. Syn. Bein-
Wid. — Eot-Bei°-: roter Hartriegel, com. sangu.
(Hegetschw.). — Bein bezeichnet die Härte des Holzes;
vgl. Isen-H.
Band-: Balken am Dachstuhl, welcher zur Ver-
bindung dient SWA. ,70 Stumpen hübsch holz zue
rafen und allerlei b.' 1562, Hotz, Urk.; vgl. Bris-H.
„Schwarzbändel-: Alexenbaum", Trauben-
kirsche, auch Heckenkirsche, prunus padus. - Der
Name von dem sehwarz-weissen (streifigen) Holze.
Bund-, Bunt-: Verbindungsbalken, unterste Pfette,
.Unterzug' (bei Dachstühlen, Eiegelwänden) Aa; B;
Th; Uw; vgl. fligenderj Bund u. Bris-H. — Benggel-
= Knebel-n. BM. - Pension- s. Burger-H. — Pan-
to ffel-: Korkholz. allg. ,Von Saumgüetern als Keuss,
Bantoffelh., jedem Saum 3 Kreuzer.' 1401, JVetter
1864. jBantofflenh., phellos, suber.' KdGessn. 1542.
,Hölzine Zapfen, aus P. gemacht.' JR Landend. 1608.
Auch Denzl. 1677; 1716. Vgl. Floss-H.
Dinte''-Beri-: Eain weide, lig. vulg. Bs (Spreng).
— Nach der Verwendung seiner Beeren benannt.
Pure"-: Brennholz, welches von den Bauern be-
zogen wird ZStdt. ,Baurenh. [im Gegs. zum ,Burger-
holz'] soll den Messerlohn entrichten, man lasse es
messen oder nicht' B Holzordn. 173.3. — Burger-:
den Stadtbürgern jährlich aus dem Stadtwald verab-
folgtes Brennholz. Ln Bat so ßhäch [keck, fest] mie
B. B. ,Dass jeder Burger seine ihme jährlich ein-
geschriebene Klafter Burger- oder Pensionholzes jedes
zu 5 Schuh Höhe, 6 Schuh Breite und drei und ein
halben Schuh Länge au dürrem Holz ohnunterlegt vor
dem Haus zu enipfahen haben solle.' B Holzordn. 1733.
— Bast-: Holz der Linde, tilia GSa.; Syn. Bast. —
Bett-: Bettlade ZHorg.
Biete"-: das Querholz, welches das Schiffshinter-
teil (bzw. Vorderteil) abschliesst und die Bretter zu-
sammenhält Z; Syn. Bieten.
Anders scheint der Z Orts- u. Geschlechtsn. B. {,Bietins-
hülz.' 1217) erklärt werden zu sollen; etwa von einem
Mannsn. ,''Buatin*', wie Bictingen (,Puatinga.' 892).
I2r.i
Ha
lülz. holz, Inih
1258
.Süess-bitter-: Nachtschatten, Bittersüss, sol.
dulc. GWe. — Buttis- s. Gutsch Sp. 563.
Butschelle"-: Spindelbaum, evon. enrop. GWe.;
Syn. ScMUen-H., Mutschellen, ans welchem B. ent-
.stellt scheint. — Bio Frucht hat die Form von vierteiligen
WcL-licn (MuUchaUen).
Butz-: 1. = mh-H. Z. — 2. bildl. ,Nur die Rei-
chen nutzen ab den Alpen und Allmenden, der Arme,
welcher kein Vieh vermöge, sei am ß.' Obw Volksfr.
1885. — 2 viell. verderbt aus Butth-H.
Pfiffe»- GSa.; Th; Z, Maie°-Pfiffe"- Scu;
ZSth.: Sahlweidc. sul. caiir., in GSa. der Faulbaum,
rhamn. frang., Sir;iih|i,r. aus.b'i.ii Kinde die Knaben
im Frühling ririlrn zu m liii.iarii iiÜLgen. ,Was präch-
tig, aufblasen wie pteitlenhulz.- Öchertw. 1579. —
Pfil-: hölzerner Pfeiler? ,Man hat im Oktober die
Linth vermittelst Wuhren und gschlagene Pfeilhöl-
zeren wieder in die alte Furt richten wollen.' 1762,
GLSchwanden Tagwenb.
Pfannen-. ,Eömisch-katholisch: ein hölzin Schür-
eisen, auf Teutsch so viel als sonderbar-allgemein, ein
eisernes Pf. [eine contradictio in adjecto].' 1747, Z
Rhein. Beantw. — Vgl. Schür-Ism Bd I 54-1 und bei Gr.
WB. in eig. Bed.: hölzerne Pfanneuunterlage auf den Tisch.
Pfleger-: Einkommen des Pflegers des Chor-
herrenstiftes Z aus den Stiftswaldungen. Hotz, Urk.
II 16. — Pflueg-: Pflugbaum Gr ObS. (-Helzli).
,T)entale, das pfl. oder pflueghaupt, daran der wägiss
gestossen wirf Fris. — P loch er-: Holz in Form von
Blöcken Z. ,115 Stämme Tannenholz und Blöckerh.'
1887, GSa. (Inserat). — Blas-: klein gespaltenes Holz
zur Unterhaltung des Bläs-Für (Bd I 948) Tn. —
Blater-: Franzosen-H. ,B1., gaiacum lignum, ge-
nug hebeni.' KdGessn. 1542. .Hebenus, ein indiani-
scher Baum, das bl.' Fris. Auch bei JRLandenb. 1608
und ZElgg. Arzneib. c. 1650. — Brügel-: Rundholz
zum Brennen oder zu Knüppelwegen verwendet Z.
, Brügel-, Zimmer-, Schindelholz.' GrD. Lß. ,20 Fueder
Tannest und etwas Br., die katachtigen und unweg-
samen Strassen zu verbesseren.' 1646, Hotz, Urk. I'''
will i [euch] «o"* öppis Kleiderigs ühercho' [bekommen]:
es Häfeli Br., Liebäst Hut. B'schniäe^ctlöpf. XVIII.,
L Spiel [scherzh. AusKt('iiiM-L;-i>!r''iist:nHl'' [ — Uniu-i-:
Holzstamm, der die hiilzoi ip' i:rlinlimiu^ illnn/n, :nii
der die Kühe im Stalle .strhoii. v..in Giui- fr.-init Xi.w.
— Brugg-: 1. hölzerue Bohlen, aus welchen die
Brugg oder Brügi im Stalle besteht GA. ; SohwE. —
2. Holz zu Brücken, ,0b jeman bäti umb br. oder
stegholz.' 1463, Obw.
Bresile"-: Brasilienholz zum Färben Z; Syn.
Br.-Sj'än. ,Lignum acanthinum, Bresilienh.' Denzl.
1677; 1716. — Frz. Ims de Brisil.
Bris-: wagrecht liegender Verbindungsbalken, als
Grundlage und Einfassung für das Biegelwerk, die
Gevierte bildend Am Y<: L; S; Uw; U; Z; Syn. tn-
bund; auch der :\[iil.l- ■•■]. 'l'ragbalken an der Stuben-
decke Gr ObS.
y\.Bunä-n. ,28 Stuck
Pryshölzer binden und vornen in dem Ingebüw.' 1648,
Hotz, Urk. ,15 grosse Tannen zu Stüden [Pfosten] und
Preishölzeren.' 1739, ebd. - Bnmn, einfassen, -schnüren.
Brust-: Brüstung, Brustwehr Z. ,Die Brusthölzer
der Eniporkirchen,' JEWäser 1829. Auch im Stall
SNA.
Brätzele"-: Spindelbaum, evon. eur. B; Uw. Syn.
Mer-Bretschelen. — Von der Frucht, welche ,Bretze)n' ver-
glichou wurde; s. ButscheUcn-I/.
Bib-: Werkzeug des Schusters zum Glätten der
Nähte L; Z. ,4 Gneiper, 4 Reibhölzer.' 1824, ZZoll.
Pfandb. — ,R!ich-, so zwischen den spaltaderen ist,
pulpaj in fructibus et ligno etiam nominantur partes
molliores sine cortice et nervis.' KdGessn. 1542.
Rauch-: 1. Waldrebe, clematis Scn; Tn. -
2. Wachholder, jun. UU.
1 wird von Knaben zum Rauchen benutzt, 2 dient zum
Räuchern; vgl. licch (Kauch)- Holder.
Reche"-: horizontale, dünne Balken im üach-
gebälk, welche zur Befestigung der Raten dienen S;
oberste Pfette ZKlot.; = Katzen-H. AAßirm. - Riehen,
oberster Dachboden in Haus oder Scheune.
Rieht-: 1. Deichsel des Schlittens; Syn. Wis-H.
,Ist aber, das» im [dem Holzhauer] ein wid, ein achsel-
stab oder ein r. Iiii.hi't.' \\'.. Z. — 2. Galgen? Der
Rat von Bern am w.irf.i h.'iion von Saanen, welche
sich von dem (iralVii von Groyerz in ihren Rechten
gekränkt erachteten: ,0b der arm nit dannen tan,
blyben lassen, und so er schon dannen, ein guete
sach syn lassen, by iren fryheiten blybend, nüt rich-
tind, bis er [der Graf] das r., wie jr brief wyst, üf-
richtet.' 1551, Absch. IV 1 e 499. — Reuf-: 1. zu
Reifen dienliches (bes. Eschen-) Holz Z. — 2. in eiser-
nen lleiroii -■(■iiH's.s.Miijs lind M.'iKaiific's, klein gespal-
tenes HivihiIimI/ ZSldl, l;n-r|.: llnlz in^orm
ungespalt.-ii.M- ilaiiiiisiaiiiiih' i . 1,' u-i'lir i im Gegs. zum
Spiateti-H.'L.- Reck-: Wachholder, jun. UU.; Syn.
Reckholder-H.
Ron-: im Wald verfaulendes Holz FS. - Rr<n,
alter, dürrer Baumstamm.
PfiffC-Rörli- Gl; Gr, Tubak-Rörli- AAWyl:
Beinweide, Ion. xyl. — Zu Tabaliiifeifenrohrcn verwendet
wie das Weichsnlholz.
Rüsch-: Holz zu Fischreusen; s. Fach-H. —
Rüesch- s. Eucst-H. — Resp-: dürre Rebschosse;
Syn. Bcspi. ,Sarmentum, räspholz, von Weinreben ab-
geschnitten.' Fris.; Mal. — Riester-: Holz zur
Pflugriester. ,Es soll keiner holz hauwen änderst
dann r. zue synem ptlucu-.- 'i'iiMrillli. Offn. S. Grotzen
Sp. s;!7. — llüst-: (iriii^lli.ilz. .i:s soll den Maurern
beim Turmbau auf dos G>,|i>li:,u. K..sten alles R. an
die Hand o-e-cben woid.Mi.' K;;:., '/. üaiivrrtr. Vgl.:
,1 FulirGrüsth.- h;'X,. llniz. I'ik. l;n.',,t-: llüstor.
Ulme. 17!(), Z Znll. Ar/noib. .1; iirsdih.dzi^-cwüchs.^
ebd.; vgl. .Rüstbaiiiiikii'iiillin.' rli,!. l.)ie alte Form
Buesfer noch brwaliit m »lini Z ( Irs. hb'chtsn. ,Ruester-
holz'. — Eüt-: WaMiMv.irk au .t.iloii Abhängen, den
man ausrodete, um ilni dann mit Ivurn, im 2. oder 3.
Jahre mit Kartofl:eln, hernach ein Jahr mit Büti-
Erbsen zu bepflanzen und dann wieder sich selbst zu
überlassen, bis die Nutziiiessung in der geschilderten
Reihenfolge auf's Neu.' beginnen konnte, was etwa
nach 25 Jahren dir Fall war BE. f — Sag(i)-:
Baumstamm, wulclicr zu Brettern gesägt werden soll;
die bei der Sägemühle (Sagi) aufgeschichteten Stämme
Aa; B; Gr; GA. ; vgl. Sag-Baum. ,56 sagträmmel,
140 saghölzer, 402 rafen.' 1491, B (Gfo.). ,Us den
selbigen sagtannen hat man sy 24 sagböum machen
lassen, mit bedingen, dass man inen kein wyter s.
geben werde.' 15G2, Hotz, Urk. ,l)en 11. ßrachm. hat
Halz, heiz, hilz, liolz, liulz
1260
man die Saghölzer verkauft im Homberg.' 1772, ZNür.
(Rodel). — Sihl-: Brennholz aus dem der Stadt Z
gehörenden Sihlwald, welches auf dem Sihlflusse nach
Zürich geflösst wurde ZStdt. S. noch Rat-Gelt. —
Saraichlaus-Hölzli: fusslanges, vierkantiges Stäb-
chen, in welches die Zahl der gelernten und täglich
gesprochenen Gebete (Vaterunser, Aveniaria, je 10
durch ein Kreuz) eingekerbt ist und welches von den
Kindern dem S. Nikolaus bei seiner Einkehr vorge-
wiesen werden muss AAFri. — Sand-Holz: Treibholz,
das der Tluss mit sich führt und auf seinen Sandbän-
ken ablegt Gr; GWa. (Sann-E.). — sand-holzen,
solches Treibholz nach der Überschwemmung sam-
meln. — S a s - H 0 1 z s. Ans-H. — Süess-: 1. = Süess-
bitter-H. S ; Th. — 2. tvilds S., süssholzblättriger Tra-
gant, astr. glyc. (Durh.). — 3. Tüpfelfarren, Engel-
süss, polyp. vulg. Zu. — 4. wie nhd. S. rasple",
süsslich tun, reden L; Th. ,So ist myner hcrren [zu
Zürich] antwort [an die Vürte], git man inen heim
ze füeren und für süessholz daran ze kuwen.' 1531,
Absch. (iron. bei einer scharfen Antwort). — Setz-:
1. Balken oder Baumstamm, der als Stütze dient,
untergesetzt wird; Syn. Setsei. ,Anteris, ein holz,
tram oder saul, setzling, s., undersetzling.' Fris. ; Mal.
,I)as [baufällige] Hus mit starken Setz- und Speer-
hölzern undersetzen und understützen.' 1648, Hotz,
Urk. — 2. Holz mit Griff zum , Setzen' von Pflanzen,
Gemüsesetzlingen Z. Syn. Steck-H. — Schüch-: ein-
faches hölzernes Geländer einer Brücke (zum Schutze
für scheue Pferde) Gl. ,Die Brück über die Lint
betreffend liegen die Saashölzer und Pfeiler auf ge-
meinem Landsseckel, die Streui- und Scheuhölzer aber
auf den Tagwen Mollis [usw.]; und soll ein Seckel-
meistor die Tagwen fleissig dahin anhalten, dass die
Läden wenigstens 9' lang und 2V2" dick seien, wie
auch die Sch-er grad gegen einander geriebet.' Gl
LB. 1805. — Scheid-: bei der Seilerei ein auf einer
Stütze befestigtes Querholz mit vielen eingeschlagenen
Stiften, zwischen welche die einzelnen Schnüre ein-
gelegt werden, damit sie geschieden bleiben Z. —
Schi-: Holz zu Sclnjen (Reh-, Zaun-Pfählen). .Alles
Holz zu dem wyngarten, ze stageln oder ze schyholz
mugent sy in unserra holze howen.' 1373, L Urk. ,So
soll enkeiner dorfmann enkcins schyholz ussrem berg
nit ziehen noch rueren, wann dass er ab jeklichem
schyholz soll vorab machen dry schindeldötz.' 1433,
Uwßuochs (üorfr.). .Jedem Landmann ist es gestattet,
Schy- und Schindelholz im Wald zu hauen und Brenn-
holz zu fällen.' 1647, Abscu. S. auch Stagel-R. —
Schueh-: hölzerner Schuhlöffel GrL. — Schelle"-:
= Butschellen-H. GWe. — Schuel-: Brennholz, wel-
ches (aus dem Kirchengut) für die Schule geliefert
wurde. 1783, ZHinw. (Näf). — Schalt-: Holz zum
Schüren (.schalten') des Feuers. ,Munctorium, seh.'
Ebinger 1438; vgl. .Munctoria, kolezanga.' Diepenb.
Gloss. — Schi"-: morsches Kiefernholz, das im Dun-
keln schimmert, phosphoresciert. allg. Das Seh. ro"-
me' füle' Baum cha'" viänge' Tropf erschrecke". G JKuhn
1819. ,In GT. behängte sich 1777 ein Mann, der als
Gespenst erscheinen wollte, um und um mit Seh. und
machte glühende Augen und Nase aus Solchem, warf
den Herankommenden Seh. ins Gesicht und sprühte
Funken zum Maul heraus.' ü Brägg. .Scheinholz
macht Figuren, die wie Gespongster aussehen.' HPest.
1790. ,l)ing, die allein zuo nacht schynend, als die
schynwürm, das schynholz.' LLäv. 1569. .Man hat
Exempel, dass in einem Winkel ligendes faul oder
Scheinholz für Gespenst gehalten worden.' BAnhorn
1665. Bildl.: Bas ist Seh., nur Schein Bs. — Schin-
del-, Schindle'-: Tannenholz zu Schindeln, allg. —
Schopf-, Schupf-: unterste Pfette am Dachstuhl S;
Yg\. Schupf-Rafen. — Schliss-: Holz von einem ge-
schleiften (,geschlissenen') Gebäude Z. ,In Folge Ab-
schliss eines alten Hauses kommt zum Verkaufe das
Schi., dienlich als Brennholz und Bauholz.' Z Amtsbl.
1877. — Sehne-: = Vogel-H. BSa.; SL. - Schna-
bel-, -hölzle, löffel, cochleare.' Mal.
Schneitel- S. Kopf-H. — SchneitUn, beschneiden.
Schnitzel-: Holz, welches sich zur Schnitzlerei
eignet BBe. — Schwebel- (meist Dim.): 1. Schwefel-
holz, wie es vor dem Aufkommen der Phosphorzünd-
hölzchen in Büscheln verkauft wurde, allg.; jetzt nur
noch in RAA. : Brünne" wie Schw. Aa. Wie mit
Schic.-Hölzlene schribe", in dicken, groben Zügen Z.
Etw. Schwaches oder Wertloses bezeichnend: Er [der
starke Bursche] häd Bengel verbräche wie Schw. Z.
De'' Wind häd die Tann g'ehlöpft toie-n-es Schw. ebd.
Und ständlig Tanne" hed-er [der Riese] dar''' d's Tobel
g'fergget wie Schwebelhölzli GfiSchiers (Schwzd.). Das
ist nüd es Schw. wert Gl; Z. Nüd mir Schwebelhölzli,
ganz Pnschle" meine', sich nicht wenig, sondern viel
einbilden Z. Nüd Schw. spalte', nichts Bedeutungs-
loses, Unschuldiges tun. ebd. .Napoleon war nicht
so stolz, er handelte mit Schw.; er gieng das Gässli
üf und ab : wer chauft-mer Schtv. ab ? Spottreim, wel-
cher früher häufig einem Mädchen, das geziert einher-
gieng. von andern Mädchen nachgerufen wurde ZStdt.
Am ZS. geht die Sage, der König von Preussen habe,
um recht incognito Beobachtungen machen zu können,
anno 1815 in der Stadt beim Bathause Besen und
Schw. feil gehalten. S. Grämpier Sp. 738. ,Nach
Schwebelhölzlinen gemessene Reimen [Verse, die
gleiche Länge haben müssen].' Bs Promotionsgratu-
lation 1624. Abi. Schivebel-Hölzler. — 2. Pflanzenn.,
Faulbaum, rhamn. frang. G. Syn. Pulver-Holz. —
Schwell-: 1. Holz, welches den Mistgraben, die
Schale, im Stalle gegen den Gang abschliesst Schw.
— 2. Balken, auf welchem die Dachrafen mit dem
untern Ende aufliegen, ebd. — 3. Schtv. -Hölzli, Quer-
hölzchen zwischen aufgeschichteten Brettern, ebd.
Syn. Spigeli. Ygl. hölslen. — Schwemmi-: dünnerer
Balken, mit dgl. die ,Schwemmenen', d. i. die Zwischen-
räume des Blockbaues, tw. ausgefüllt sind Ndw. —
Schwand-: Holz, das durch Roden (schwenden) ge-
wonnen wird ; vgl. Büti-H. ,Sovil dann das schw. uf
den eignen güoteren belangt, da mag ein jeder uf dem
synen wol schw. houwen lassen.' 1572, SchwE. Wald-
stattb. — Schwendel- LRottal, Schwente"- Aa
Bottenw. : Holz, das beim Durchforsten (schwenden,
schicenten) herausgehauen wird. — Schwenk-: (PI.)
zwei parallele Balken im Vorderteile des Schiffes, zwi-
schen welche der Mastbaura nach vorn schief gestellt
wird, wenn man unter einer Brücke durch fährt Tu
Bodensee. — Schwarte"-: aus Schwarten, d. i. den
grössern Abfällen von Rundholz, bestehendes Brenn-
holz Bs; Z. — Schwarz-: Flurn. als Bezeichnung
von dunkelfarbigem Gehölz, bes. Tannenwäldern L;
G; Th; Z; vgl. , Schwarz-Wald'. — Speck-: Holz von
den äussersten Jahrringen der Baumstämme, welches
speckig heisst und als weich wenig beliebt ist PM. ; Z.
Hiilz, liL'l/. hilz, holz,
1262
Spille»-: I.Holz zu Spindeln. ,Ein Holzfievler,
N. N., hat kostlich Spillenholz von Ahornen aus dem
Wald gehauwen und den Spillenmacheren verkouft.'
1G2.1, Hotz, Urk. — 2. Spindelbaum, evon. eur. Aa.
— 3. „Holz, das aus seinem Samen aufgeht Z."
•2 vor Erfindung des Spinnrades zu Spindeln (Spillen)
verarbeitet; so viell. auch 3, wenn dem Ausdrucke nicht
eine blosse Vergleichung zu Grunde liegt.
Spalte»-: Stücke eines zerspaltenen Klotzes (im
Gegs. zum Rund- oder Sagholz), zu Rebstecken oder
zu Brennholz bestimmt Aa; Gl; Z. Viell. ist auch
bei Vetter, Stein a/Rh. S. 82 in einer Urk. vom Jahr
1385 st. .spatholz' zu lesen: ,(Ein fuoder) Spaltholz.'
— Spann-: (auch Dira.) Holz zum Anspannen eines
Strickes, einer Schnur, z. B. bei einem Fuhrwerk Gr
übS. (Spa-), an einer Handsäge Z. Syn. Spann-Nagel.
Sl)ilr-: = Heien II 1 (Sp. 855) Ap. — Vom Sparen
(Ap sparen). Schonen des Holzes.
Sperr-, <S/)er-Hölzli: Hölzchen zum Ansperren,
z.B. in einem Vogelschlag, einer Falle Sch; Z; Syn.
Sperrung. Einem Schläfrigen, der die Augenlider
kaum offen zu behalten vermag, anerbietet man Sp.
Bs; Z. ,Die Kaiserlichen haben etliche Bauren auf
den Boden gelegt und ihnen das Maul mit Sperhölzlin
aufgetan, ihnen viel Wassers daryn geschüttet.' 1635,
Bs Taschenb. 1862.
Spissli- Holz : Spindelbaum, evon. eur. B.
Spite, Spicknadel; Hölzchen, au welches Leberklötzchen
gereiht werden.
Spreng-Hölzlin: = Sperr-H. ,Die Hirten in den
Alpen richten schwere Steinplatten vor den [Murmel-
tier-] Löchern auf und undersperren sie mit Spr. Wenn
nun das Murmeltierlin das Spr. fället, muss es her-
halten wie ander Maus in den Fallen.' Sererh. 1742.
Sprisse"-, gewöhnlich Sjjwe"-: geweihtes Stück
Holz, welches in der Tasche getragen oder umgehängt
die Kraft hat, einen ins Fleisch gedrungenen Splitter
(Sprlssen) oder Dorn heraus zu treiben oder wenigstens
die Eiterung zu verhüten G; Th; Z; Syn. Dorn-H.
Das Spr. muss nach den meisten Angaben in der (Schalt-
jahr-) Weihnachtsnacht (Var. alle 7 Jahre) Schlag 12 Uhr
in Einem Schnitt unter Aussprechen der höchsten Namen
(ohne dass man auf dem Heimweg rückwärts blickt), nach
Andern 12 Uhr Nachts oder Mittags oder während des Zu-
sammenläutens am Charfreitag (auch Palmsonntag) und zwar,
wenn Sonne und Mond im Zeichen des Krebses stehen, oder
auch am längsten Tag (bei der selben seltenen Constellation),
oder endlich am Andreastag Nachts 12 Uhr von einer gegen
die Morgensonne stehenden Stechpalme, nach andern An-
gaben auch vom Schwarzdorn (oder Weissdorn) geschnitten
werden; vgl.: ,Fraxinus, lignum illud «luoque decantatum
vulnerarium dictum exinde cuditur, cum sol et luna in ariete
conjunguntur. quod nonnulli supra modum extollunt, de quo
videatur Schottus Joco Ser. Artis et Natur. Centur. III.
Propos. C Wagner 1680.
„Sprätzel-Holz: Holz, das sprätzelt [beim Bren-
nen sprüht, knattert] Gr; L; Zg." — Stube"-: Holz
zum Heizen der Wohnstube. ,Dera Kelhofer zu Er-
sparung des Laubholzes 2 Klafter St. an Tannenholz.'
1739, Hotz, Urk. S. Oertel Sp. 443. - B«-stüch-:
hölzerne Zwinge, um die Schuhe beim Nähen fest zu
halten W. — Stnde»-: Laubholz Z. .In Laubwäl-
dern (Staudenholz) kommen weniger Dorne auf.' Anl.
zur Pfl. des Holzes Z 1773. — Stagel-: Holz zu
Stangen, Stützen [Stageln]. ,Die husgenossen mugent
das holz, so zue der pfruend lochen gehört, zu iren
hüsren, ze brennholz, ze st. und ze zünen brachen.'
XV., ZFlunt. Offn. ,Die huober habend in dem forst
grechtigkeit zuo buwholz, brennholz, schycn- und st.'
1563, Hotz, Urk. — Steg- s. Brugg-U. — A°-ste'ck-:
Schlussbalken längs der Dachtraufe, welcher an die
Rafenenden gesteckt ist und an welchen die Dach-
rinnen befestigt werden AAW'ohl. — Stecke»-: Busch-
holz Z. — Stock(e°)-: Brennholz von Wurzelstöcken
Z. — Stöckli-: sog. Stöcke (Baumstrünke) zu Brenn-
holz gespalten ZStdt. — Dachstuel-: Firstbaum B
Schangn. — Stump-: Waldrevier, wo kürzlich das
Holz abgeschlagen wurde und nur noch die Wurzel-
stöcke [Stumpen] stehen. ,Und zoch man durch ain
st. den nächsten [Weg] den berg ab.' Vad. Vgl. den
Waldteil ,im Stumpech' ZZoll. — Stür-: Bauholz,
welches Brandbeschädigten geschenkt [gesteuert] und
unentgeltlich zugeführt wird B (Gotth.). — Stoss-:
Holz am Pischernetz. .Welcher einen Zug bestossen
will mit der Sommertracht, der soll den bestossen
mit dem rechten St., daran er das Garn ziecht.' 1512,
Z Fischereinung.
Streu-: Bretter, mit denen eine Brücke belegt
wird. Der Zollner soll die Brücke in seinen Ko.sten
.ströwen und mit ströwhölzern in cren' haben. 1437, .
L Ratsb. S. ScMch-H. — .Streuen, ausbreiten, belegen,
sternere.
Strich-: walzenförm. Holz, um gefüllte Trocken-
masse oben glatt abzustreichen, allg. ; in GfiObS. auch
für Butter. Syn. Ahstrlcher. — Tien-: Holz der
Thuja. ,Das Thyenh., Helffenbein und alles köstliche
Holz dienet für die Altar.' ClSchob. 1699. — Tubel-:
hölzerner Pflock [Tiihel] in der Mauer Z. — Dach-
{Dä-HOlzK LWyn.): lansjer Balken unter dem Dach,
auf welchem die Rafen aufliegen Aa; Schw; Z; Tach-
Hölzer, die vorragenden Dachpfetten GWe.; Sparren,
kreuzweis zwischen 2 Bundgostühlen L; Syn. Krüz-
Rufen. .Zimberh. und tachh.' ScnwWang. Offn. ,8 gar
schön tannen zue 8 tachhölzeren.' 1562, Hotz, Urk.
,4 grosse Tannen zu Stüden, Breis-Tachhölzern und
Firstbäumen.' 1739, ebd. S. Zimmer-H. — Tüchel-:
Holz (gewöhnlich Föhrenstämme), zu Wasserleitungen
gebohrt Z. ,Guet düchelh. soll zuo den brünnen ge-
ordnet werden.' XVI., Hotz, Urk. -- Tochter- ma-
chen, ein unehliches Kind zeugen Gr (scherzh.). —
Teil-: 1. ein gewisses Quantum Holz, welches jährlich
aus dem Gemeindewald an die Bürger verteilt wird
UwE. .Jährlich wurde das sog. Teilholz gefällt, wobei
Jeder erscheinen musste. Wer seinen Anteil nicht
abholte und im Walde liegen Hess, war desselben für
verlustig erklärt.' WStUlrichen (Am-Herd 1879). —
2. Brettchen, hölzerner Schieber, vermittelst dessen
man das Wasser in verschiedene Arme der Wässerungs-
graben verteilen kann W. D's Teilholzji instellun.
Syn. Wasser-Abschalten. — Till-Helzli: Dielhölz-
chen; Rundhölzer, welche die Decke des Unterstalles,
bzw. den Boden des Oberstalles bilden Gr ObS. —
Dolder-Holz: = Grotzen-H. .Das D. und Abholz
als nichtsnutziger Marodier ausmustern.' ZRlioin. Be-
antw. 1747.
„Tameristen-: Schneeball, vib. op. BO."
Scheint Verwechslung mit Tamarisken, tani. gerni., da-
durch veranlasst, dass die jnngen Schosse von vib. op. sich
ebenso zu Saugröhrchen eignen wie die Zweige der tarn, gerni.
12«;}
llil.Z.
L-h,
holz, hulz
12(;i
Tangel-Holz: Nadelholz. .Das T. als dk- Tanne,
die Fichte usw.' Gr Samml. 1779. .Nadeln- oder T.'
ebd. 1783. — TangW, Tauunaaeln.
Tor-Hölzli: Tragbalken quer über dem Tenntore
SBb. Am Bor-Eöhli vom Tenn sl' allerlei Sprüchli
und Name". Hofstatter.
Tirgel-. XV., L Vogtkindcrrechn. — Wahrsch. =
Tirijyd-MoM.
Türgge°-Holz: Zweige von vib. lant., nach Ab-
schabung der äussersten Rinde zu Tabakspfeifenröhr-
chen gebraucht BHk. — Dorn-HölzIi = Sjjrissen-H.
Aä; S; ZHinw. Der Sattlerjoggi heb sl' Geistlig Schild
und si's D. im-ene" Handicerksburst rcrchauft. BWvss
1863. — Tot-Holz s. Ab-E. — Trib-: Gehölz, in
welches das Vieh zur Weide getrieben wird. ,Wir
schenken unseren Bürgeren die Weiden, die Gehölze,
welche man gemeiniglich Allmend oder Tr. nennet.'
BThun Handf. — Trag-, Trag-: = Biind-H. Aa;
B; TJw; U; W.
Tröl-: kleine, hölzerne Walze, mit der man den
Teig dünn walzt B; Schw; S; Ndw; Syn. Wall-K,
Küechli-Tröler. ,Den Teig trib mit einem Tröllhölzli
so dünn du kannst' XVII., B Arzneib. S. vergulden
Sp. 226. — Trölen. wälzen.
Träm-, Träm-, Tröme»-: Balkenholz. ,Etwas
altes Eisen und etwas Tramh. wird versteigert.' Z
Amtsbl. 1870. Das Tröme'-H. über dem Bimdhoh
eines Gebäudes B. , Einem Bürger wird eine Holz-
steuer von 30 Sagträmel, 190 Stöcken Trähmholz und
6 Eichen bewilligt.' 1795, Absoh. — Trämmel-: Holz
zu Sägeblöcken (Trämmeln) Z. , Schönes, stehendos
Tr., Bau- und Nutzholz wird vergantet.' 1887, ZBenk.
Twell-. ,Trerael, stuodlen [Pfeiler] und duell-
hölzcr' zu der Reussbrücke. 1407, UUrs. Urk.
Das Beiego? Wenn aber von twellen i. S. v. aufhalten,
zurückhalten, dann wäre es das Geländer; vgl. Schüch-Iioh.
Zan-we-Holz: Seidelbast, daphne mez. GWe. —
Von medizinischer Anwendung, wie das syn. Warzen-Bast.
Wagner-: Holz für den Bedarf des Stellmachers,
bes. eschenes Z. — „Wedele"-: Brennholz in Form
von Reisigwellen (Wedelen) B; LB."
Wall-, gewöhnlich Wäl- : = Tröl-H. Aa; „Sch;"
TnBodens.; Z. Syu. Us-, Wäh(en)- Waler. ,Die Cu-
cumeren sind ablang, rund wie ein Walholz.' Spleiss
1667. ,Cylindrus, lang, rund Wallholz, darmit man
die Erden gleich macht.' Denzl. 1677; 1716. — Wafcn.
walzen.
Wild-: Nadelholz W. Vgl. Mahn-H. — Ebe"-
Wand-: oberer Balkenring der Gevierte eines Ge-
bäudes WLax. Syn. Eben-Wand. — Wind-: 1. vom
Wind umgewehtes Holz Schw; Z. Vgl. Windwxirf-E.,
Wind-Fall. — 2. Holz zum Anspannen (winden) der
Ketten bei schwerer Beladung GrD. — Weri-: das
zu dem Flussdamme, Wuhr (Weri) verwendete Holz
GrD.; Ndw. — Werch-: \. (Wer-E.)}ioV/.stück, ge-
eignet, behauen zu werden Aa. — 2. Werkzeug mit
hölzernem Stiel zum Arbeiten (auf dem Lande). ,Die
Werkhölzer machten ihm [beim Pflanzen] Blattern in
den Händen.' Gotth. .Wer nicht in 10 Minuten mit
einem W. beim Kräzerntürli erscheint, zahlt [Busse].'
ebd. — Wind-Wurf-: = TFmd-i?. i. ,Im Käsgaden-
wald soll das Schneedruck- und W. beförderlichst
aufgearbeitet werden.' Gl.
„Wirtel-: Beinholz, Ion. xyl. BO." — , Es werden
Wirtel aus diesem Holze gedreht;" vgl. SpUW-H.
Wis-r Deichsel des Holzschlittens, in einer dünnen,
aber zähen Stange, gewöhnlich von Eschenholz, be-
stehend, und mit Stricken fest an die rechte Seite des
Schlittens gebunden Z. Syn. Bicht-E. 's sieht de''
Gross und hebt am W. ; doch der Eeiri, de'' darf rite"
uf-em Flieder. ,Wenn einem Schütter auf seinem
Wege sein Weisholz zerbricht, darf er ein anderes
hauen; das Hauen von Reitein dagegen ist verboten.'
ZZoll. Holzordn. — Wue" spec. vom Lenken der Schlitten.
G»-wett-: an einem sog. Bruggwagen die Quer-
hölzer, welche die B)'«(jr(jr einrahmen Aa; Z. Ähnlich
,die Gewätt(er)hölzli eines Vogelschlages' L. — G'w'itt,
kreuzweise auf einander gelegte Bohlen.
Zeiger-: Hartriegel, com. sangu. B.
Zu Zeigern (Holzstähchen zum Zeigen der Buehstabonj für
Abc-Schüler verwendet.
Zug-: der, bzw. die Balken, welche auf den
,Ringen' (s. Ebenwand- Eolz) liegen und bis zum
Giebel in gleicher Vertikalebene mit diesen sich auf
einander liegend nach oben gegen den Giebel hin
nach Massgabe der Steilheit des Daches verjüngen
GnPr. — Zile-- s. Ziland. — Zoll-: als Abgabe,
Zoll geliefertes, statt des Brückenzolles gegebenes
Holz; Wald, aus dem solches verabfolgt werden rauss.
,Ligna nostra in Basilea, qua vulgariter zolholz appel-
lantur.' 1279, Bs Urk. König Rudolfs. ,Wir versetzen
nütze und zolle von dem mutamte von dem zolleholze,
so die dörfere uns [dem Bischof] da bar geben haben.'
1373, Bs. ,Von jedem 1 pfenn. [Brückenzoll], so nicht
in dem zollholz sitzen [d. h. die nicht in dem Bezirke
wohnen, welcher das Z. zu geben pflegt].' XIV., Bs
(Ochs). ,Die Leut der Stadt S, die im Z. sitzen und
das jährlich der Stadt Bs geben, sollen [in Beziehung
auf den Zoll] gehalten werden wie von Alters her.'
1539, Absch. — Zun-, in BHk. Züni-: Zaunholz; vgl.
Eag-E. ,Buw-, zun- oder brennholz oder welcherlei
holz das ist.' 1562, LRickenb. Twingr. ; s. anch Eolz-
Gaumer Sp. 305. — Zünd-: 1. Streichholz (meist
Dim.). allg. — 2. Holz zum Anfeuern, ein Steinkohlen-
feuer anzumachen. ,Die kolstein braucht man, den
kalk damit zu brennen, mit wenigem Zündholz.' Mün-
ster, Cosm. 1628; dafür: ,on alles holz.' 1546. —
Zins-: der Grundherrschaft jährlich als Zins ent-
richtetes Brennholz. ,Das z. vom borg herab bis an
das dorf füeren.' 1492, ZAlbisr. (Hotz); vgl. ,die lüt
von Rieden, die den 4 ältisten herren an der pfruende
die 4 fueder holzes bringent.' ebd. ,Etlich der eiteren
Chorherren am Stift klagend, wie dass sy nun vil jar
har mit dem z. von Rieden, so inen von rechtem eigen
und erbrecht zuegehörte, gar schlechtlich abgefertiget
und bezalt werdint.' 1560, ebd. Zeis-E., Name einer
Privatwaldung BsPratt. — Zünsel- Züisel-H'ölzli:
= Zündholz 1 AAWohl.
Zapfe°-Holz: Faulbaum, rhamn. frang. B; L;
Uw. — Zu Zapfen benutzt.
Zirnen-: Holz vom Zirbelnussbaum, pinus cembra.
.Facklen von Zyrnenh., so ein Geschlecht von Tannen.'
RBrandst. 1883. — Mhd. zirm; bair. Zim.
Zweck-: 1. Spindelbaum, evon. cur. Aa; B. —
2. Beinweide, Ion. xyl. B. — 3. Massholder, acer camp.
,Masholtern holz, das nennt man ouch zw.' XV., Schw
Arzneib. — Das Hnlz dieser Sträuchcr wurde zu ,Schuh-
zwecken' verwendet.
1265
Halz,
liolz. luilz
1200
Zwölfer-: den Zicölfern (12 Ratsgliedern) aus
dem Z Sihlwalde geliefertes Brennholz. 1786, Z Ges.
— Über-z weris-Hölzli: bildl., ein kleines, aber
lästiges Hinderniss üTa.
holze": 1. Holz fällen (im Walde) und zurüsten.
allg. Nieine' Iwlzt und heizt-em dri S (Schwzd.). Hast
d? Schatteneich g'hohef^ JKMet. 1844. ,H. und hirten
[das Vieh besorgen] ist die ausschliessliche Sorge hier
zu Lande.' B Wochenbl. 1847. ,Lignari, h., zue holz
faren, zue holz gon.' Fris.; Mal. S. ferggen Bd I 1003.
,Kein hindersäss soll uf der almeint weder heuwen
noch streuenen, auch nit studen h.' c. 1600, UU. .Nie-
mand in unserem tal soll an zalten tagen h. keinerlei
holz.' ebd. — 2. geistige Arbeiten (wie eine Eede,
Predigt, Schulaufgabe) mit Mühe und schwerfällig
verrichten L ; Uw. Vgl. schanzen.
ab-: 1. wie nhd. allg. — 2. abprügeln ScnSt. ;
Th (Pupik.).
über-: 1. über die Grenzraarke hinaus Holz fällen
Aa; Z. Ornig muess si' und darf nit überhöhet [zu
viel abgeschlagen] werde". Joach. 1883. • — 2. über-
listen GSev. — 3. überhöhet sl", zu viel Höh (in
Bad. 3) haben. .Eluxuriari, ze vil holz haben, ü.
sein, als etwann die reben und jungen zweistöck.'
Pris.; Mal.
üf-: 1. gefällte Waldbäume durch Spalten und
Sägen zur Abfuhr bereit machen Aa; Z. Syn. iif-
machen. ,Die alten, im Abgang befindlichen Bäume
können von den Eigentümern zu ihrem Hausgebrauch
aufgeholzet werden.' 1809, BRoggw. Unerlaubt .ganze
hölzer z' wagen hinweg füeren oder im forst mit
schlegel und wecken [Keil] u.' 1539/1615, B Gcrichts-
satz. — 2. einen stehenden Waldbauni von unten
herauf säubern durch Entfernung der Äste AAWohl.
Syn. üf-asten, -stucken, -stutzen. ^- 3. aufbrauchen,
verbrauchen, zu Grunde richten (Vermögen, Kleider
usw.) ScHwE.; UwE. Mit pers. Obj. (roh) = ,kaput
machen': Er war alt gniieg zum Ufli. AAZein. Der
Säufer hat ufg'steckt [mit dem Trinken aufgehört],
u-o 's ne' het wellen ufh. Joach. 1883.
under-: 1. ,Underholz' weghauen ZO. „Einem
jungen, dicken Walde die untersten Äste weghauen
GT.;" Syn. ufen-stücken. ,Wann Bäum, so in den
Zäunen stahn, Underholzens oder Säuberns manglend.'
1650, BSa. - 2. Jmden durch nachhaltiges Zureden
bearbeiten, zu bestimmen suchen Aa; B; „L"; ,sub-
'ornare.' Id. B. ,Lise war nicht dumm; sie wusste,
dass man die einen Köpfe überrumpeln, die andern
u. muss.' GoTTH. ,Die zwei Buben sind unterholzet
worden und haben ihre Entlassung gefordert.' XHerz.
1862. — 3. Einen überwinden, zu Fall bringen L
(Ineichen). — 4. ausschelten, Vorwürfe machen BR.
Wo der Att das vernön hed, hed-er d' Buoben brav
underholzed.
Zu 2 u. 3 Tgl. en Baum underhauen, durch unterhöhlende
Axthiebe zu Fall bringen. Zu 4, das doch auch mit 2 Ver-
wandtschaft hat, vgl. ebenfalls von der Arbeit an Bäumen
her £im zirijeit, Einem Streiche versetzen.
ÜS-: 1. von einem Baum die überflüssigen Äste
entfernen BR. ; Syn. er-hauen; einen Waldschlag vor-
nehmen: , Laubholz, das zu 30 Jahren ausgeholzet
wird.' Anleit. Z 1773. — 2. tüchtig schelten, tadeln
Ndw; Syn. ab-putzen.
ver-: 1. intr., fertig werden mit Holzen B (Zyro).
— 2. tr., zu Brennholz spalten und sägen B; Ndw.
Schweiz. Idiotikon II.
Syn. rerschlten. Si hend d' Stegen im Huis verhohed
Ndw. , Mancher dachte schon daran, seine Schlitten,
die ihm nur aniweg waren, zu v.' B Volkszeitg 1888.
b"-: mit Holz versehen Aa; Ap; B; Gr; Uw; U; Z.
D' Gmeind muess der Kaplan b. Ndw. Er cha" si"''
b., er hat genug Brennholz für seinen Bedarf Z. .Be-
heizung des Collegiums in Samen [Ausgabeposten].'
1889, Uw. ,Die von Muttenz sind schuldig, das Schloss
zu beh.' 1470, Bs (Ochs). ,Uabei ward abt Casparn
zuogelassen, dass er sich aus des klosters wäldern b.
möchte.' Vad. ,Es hat euch der Fleck Hallow ein
zimlichen Wald oder Holz im Louferberg, der inen
den Flecken zuo b. gar wol kommt.' JRüeger 1606.
,Wor einen fremden Hausmann einsetzt, der soll ihn
b. und er hat kein Recht in Feld und Wald.' 1621,
LRickenb. .Aus dem Buchberg [ob Lachen] wird die
Stadt Z zimlich beholzet.' EEscher 1692. ,Bis dieser
Holzboden widerum beholzet [mit Holz bewachsen]
wurde.' JBOtt 1736.
z'sämme"-: gierig aufessen Bs. Syn. z'sämmen-
hauen, -schlän.
Holz er m.: der im Walde Holz fällt, Holzhauer.
Es Stugg wie für ne H, ein gewaltiges Stück Brot
udgl. Gl ; vgl. Drescher. P'' ha" kein H. [Niemanden,
der mich mit Brennholz versieht], sagt etwa eine ledige
Person, die eigene Haushaltung führt Gr. Übertr.:
Wer beim Kegeln das .Ries' fehlt ScbwE.
Grüen- s. Epfel Bd 1 370. — Chruni(b)-:
Wagner AAf; Gl. Vgl. Chr.-Hoh. In AAWohl. auch
Familienn.
Holzet: 1. „die Zeit des Holzsehlages." — 2. (auch
dini.) die im Walde zu bearbeitende Partie Holz UwE.
hölzelo". in W hohulu: nach Holz riechen oder
schmecken, z. B. vom Wein, der in einem neuen Fasse
liegt, allg. .Die neuen [Milch-] Gefässe hölzelen.'
Steinm. 1804.
hölze°: die Rebschosse (kurz oder lang) schneiden
ZS. Vgl. Holz 3. Chiirz h. ist besser als lang h.,
weil dann die Kraft der Rebe concentrierter bleibt.
Wer zu lange höht (s. über-höhen), erschöpft die Kraft
des Weinstockes.
über-: 1. die Rebschosse zu lang schneiden und
in Folge dessen die Triebkraft der Rebe zu stark in
Anspruch nehmen ZS. 12 Auge' schnide" ist überhöht.
Wer S Auge" schntdt, überhöht nüd. Mager Hebe"
dörf-me" nüd ü. Auch bildl.: übertreiben. Das ist
üherhöht. De'' Kirnten [Rechnung] ist überhöht. —
2. überstürzen, übereilt behandeln, übereilen Z(Spillm.).
Es ist überhöht zueg'gange".
hölzig, hölzi" [hühi' Gr): liölzern. 1. eig. Drü
schlöt 's am liöhene" Zu [der Schwarzwälderuhr].
JKMey. 1844. ,Die ehemalige hölzerne [vermittelst
Kerbhölzern geführte] Buchhaltung des Alpmeisters.'
WSenn 1875. Der Wald ist alle' hülzene", es ist noch
Vorrat genug vorhanden Gr. In gewissen RAA. den
Metallen gegenüber das geringere Material bezeich-
nend. E hölzige Btteb ist [dem Vater] es guldigs
Meitschi wert. Sprww. 1869. Nit e h-e Rappe". Gotth.
, Keinen hölzernen Rappen wert' Breitenst. Kei' höl-
zige Halbbatze ivert. Hofst. S. auch Sclioss-Oablen
Sp. 59. Mit-eme h-e Biel en Isigi Stiid [Säule] um-
haue" welle", etw. Unmögliches anstreben, seine Kräfte
überschätzen S. Zur Bezeichnung eines innern Wider-
spruches s. Schür-Isen Bd I 544. Hölzi Wer-Stei"
Halz— hulz. Ham -huiii
[Prallsteine] wollte ein Bauer der Gemeindsversamm-
lung belieben ZZoU. Auf bildl. Anwendung des betr.
Subst. beruhen EAA. wie: Eim de" liölzi" Schöpe'
a'leggc", Einen gefangen setzen. Sprww. 1869; auch
von der Zwangsjacke Z ; urspr. von der Strafe des
Blöcliens; der h. Frack, der Sarg; hölzeni Hose',
kastenartiges Gerät (.Stock'), in welches der Sträfling
seine Beine stellen musste ZW. Dri' luege" wie-ne
hölzige Fuchs L; Zg scheint auf eine geschnitzte Tier-
figur hinzuweisen, wie sie auf Jahrmärkten Kindern
gekauft werden. Es got wie im-e höhige Himmel (L)
gemahnt wie ,das hölzig Himmelrich', Name eines
Hauses in LStdt (1762), ebenf. an irgend welche pla-
stische Darstellung des Himmels, oder könnte sich
beziehen auf die ehemals für die Osterspiele erstellten
Bühnen, die den Himmel vorzustellen hatten; vgl.
Herr-Gott Sp. 522. ,Teller. zinni und hülzi." G Kü-
chenordu. 1495. S. auch Häschen. ,Hölzin, hülzin.
hilzin.' UEcKST. ,Die hölzin, steinin, guldin gött.'
JMüRER 1559. S. Gelten Sp. 282. — 2. ßoUschig, hö-
Bs; hobig B) holzartig, hart, zähe, von Rüben, Bohnen
und andern Feldfrüchten, wenn sie mit holzartigen
Fasern durchzogen sind Bs; B; Uw; Z. Vgl.: ,üer
Thymian stehet auf einer hölzichten Wurzel.' JMüralt
1715. — 3. von Menschen: a) stark, fest, dem Nichts
anzuhaben ist; ,robustissimus. invulnerabilis.' Id. B.
Vom Angesicht: starr, ausdruckslos B (Zyro). —
b) steif, ungelenk; trocken, ungemütlich, „gefühllos",
roh. allg. Du heizige' Tsehöli [Laft'c]! U (Schwzd.).
En hölzene Jöi-gg [Georg] = Ölgötz 4 Sp. 581 ZZoU.
— 4. sogar mit abstr. Subst. verbunden : unnatürlich.
E holzigi Freid, erzwungene Äusserung von Freude
W; hölzeni Chindewe, simulierte Gichter Z. Älli höl-
zene G'lüst ha", nach allem Möglichen und Unmög-
lichen gelüsten Z. „E hölzigs G'läehter: 1) ein steifes,
unnatürliches Gelächter Gr ; L ; See ;" vgl. e hölzige Ton,
rauher Ton eines Musikinstrumentes Uw. ,Ligneus
risus, ein holze gelächter.' Fris. — 2) Strohfiedel,
„eine Art Hackbrett aus hölzernen Stäbchen unglei-
cher Länge, die auf Strohbündeln liegen", dessen Töne
Ähnlichkeit mit dem Lachen eines Menschen haben
„B; Gr"; vgl. Gr. WB. IV 2, 1770. ,In unser orgelen
macht man holze gelechter.' XVI., Bs(AKechburgerin).
,Instruraent, welche wir hölzene Glächter nennen.'
1693, S (GKönig). Wenn die Söhne Jakobs auf die
Weide ziehen, spielen sie .Sackpfyffen, Trummschyt,
Gygen, Flöiten und hölzenes Gelächter.' XVI. u. XVII.,
L Ostersp. Auch scherzh. übertr. „ein hölzernes, aus
seinen Fugen gewichenes Gebäude, das umzustürzen
droht L."
HöUechig viell. durch Einwirkung des zwar nicht syn.,
aber doch einen krankhafttu Zustand der Gewächse be-
zeichnenden iiir,Ii.,i, Alf 11 h Illässiger, wohl auch humo-
ristischer, nach K:i ' ilr Ausdrucksweise beruht der
höhig SecMm. i^i< i -In r die Waldungen des Stiftes
LBerom.; vgl. ,<\'i Ihln] W, i rlnueister' im Gegs. zum Stein-
metz-Werkmeister l,sti;iuiu W.-), 165:3, L Stiftsprot. ; Z bis
ins XVIII.
ab-hölzig: 1. von Baumstämmen, sich stark ver-
jüngend, stark konisch. .Beim sog. Lang- oder Streck-
holz muss man den Stamm in mehreren Abteilungen
berechnen. Je abholziger der Baum, desto mehr Ab-
teilungen sind notwendig.' Keel 1837. — 2. vom Holz,
wild verwachsen, krummfaserig Ap; von einem Brett,
Stück Holz, dessen Jahrringe schräg laufen, von dem
daher beim Bearbeiten leicht Stücke abspringen Z
Münch. Übertr. auf Menschen: wortkarg, eigensinnig
Ap. Vgl. ,spröd'.
grob-: grob, plump, ungeschlacht, ungeschliifen,
roh B; Schw; Uw; Zg; Z.
härt-hölzi°: bildlich, unbeugsam, hartnäckig,
schwer lenksam; unempfindlich B; Z.
wider-hölzig: = ab-h. 2, von Holz, das gleich-
sam der Bearbeitung widerstrebt BE.; „L"; Syn. ge-
wirblig; auch von Menschen: widerspenstig, eigen-
sinnig BR. Vgl. widerhärig.
hölzle": 1. zwischen die einzelnen Bretter eines
gesägten Baumstammes Holzstäbchen legen, um der
Luft zum Trocknen der Bretter Spielraum zu geben
Gl; Schw; Uw; Zg; Z. En unghölzlete Baum Lade"
muess ersticke" Z. — 2. Holz schlagen Ap (T.).
über-: 1. übertreiben, überspannen .überanstrengen
ScHW; Th; Z. — 2. geisteskrank machen. Die Burg,
wo die Überhölzlete" sind [das Z Irrenhaus Burghölzli].
ACoRR. 1884. Vgl. ,überspannt'; iüierworfen. — 3. über-
rumpeln, Einem keine Zeit zur Besinnung und Gegen-
rede lassen; übertölpeln, übervorteilen, betrügen Z.
Vgl. , Einen für ein Hölzlein han'. — 4. (Etwas) un-
ordentlich, schnell und flüchtig abtun ZStdt.
Vgl. übergürten Sp. 44(5 uud iiUr-Iiülzai. Allen dieseu
Ausdrücken muss ein concr. A'trfahron aus dem Leben, viell.
der Säumer, zu Grunde liegen und es kommt viell. zunächst
in Betracht, dass der Sattel für die Saumtiere hölzern ist.
ü f- : Dim. zu üf-holzen 2. Er hölzlet da und dert
e clill" üf. JSenn 1864.
reb-. , Kinderspiele, als klunkern. niggeln, reb-
hölzelen, mit Nüssen höcklen.' BAnhorn 1675.
dürr-: notdürftig auskommen, arm und schwach
sein Z Stall.
Eine Abi. von Dünrholi, womit man den geringsten Teil der
Forstnutzung bezeichnet; vgl. t" '» Darr gä", aus dem Wald-
bestand bloss die dürren, unnützen Stücke aushauen ZZoll.
Holz 1er: Birnsorte Th; vgl. Holz-Bir.
Schwebel-: Händler, Hausierer mit Schwebelholz.
Es chunnt-mer scho" längs Stück ke" Länder [Hausierer
aus dem Entlebuch] tt"* ke" Schw. me imger d' Tür.
GOTTH.
Ge-hülzn.: Gehölz. ,Materies, holzwerk, g., alles
holz, was under der rinden ist' Fris.; Mal. — Mhd.
gehidz(, wie hülzin = hölzin (s. d.).
Ham, hem, him, hom, hnm bzw. hamm usw.
Hamm Gl, Hammi AaHoW.; B (Zyro), Hammel
B (Zyro); G, Hämme" AaHoU.; BBe., R., Hämmi
AaL.; BO., I>im. Hämmeli AAHold.; Gl; Tu: .Abraham.
Hamauch s. Heim-Müch.
Hammatz (mit schwankendem Acc.) m. : etw. Un-
reines, z.B. in einem Getränk ZWl.
Wahrsch. ^ Ham-Mauch, Grille, in welchem Comp, das
Grundw. durch die urspr. rom. vergröbernde End. -alz (vgl.
Knabatz, cimbr. Mannatz) ersetzt wurde. Betr. die Anwen-
dung gewisser Tiernn. in ähnlichem S. vgl. Egochs Bd I 94,
Imbis-Gauch Sp. 105, sowie auch Imbin-Gos Sp. 472, Uimmi-
Grugg Sp. 728.
Hammel m.: 1. Schaf, in dem Lockruf: Se, Häm-
meli, se! Bs (Kdspr.). — 2. Schimpfw., bes. auf eine
Ham, hem, liim, lioni, hum
1270
ausgelassene Weibsperson Bs; die, anstatt zu Hause
zu bleiben, in fremder Leute Häuser läuft, um zu
plaudern ÄAZein. (auch Borf-H.); unbändiges, stör-
risches Mädchen Bs (verstärkend zsgs. H.-Babi). Vgl.
das Syn. Bock, sowie die Conipp. — 3. euphem. für
Hammer, in der Schwurformel: Bim Tummel [Donner]
H.! ZS. — Betr. Hammel als Schelte Tgl. Schm.-Fr. und
Gl-. WB. (Bed. 7).
Nid-: wienhd. Bs; ScHSt.; Z. „Sauertopf B." —
„nid-hammele": mürrisch, sauertöpfisch sein B."
Bolle"-: 1. Bell-, Schellen- oder Leithammel Bs
(Spreng). — 2. Schimpfn. auf einen groben, plumpen
JVIenschen Bs; Sch; TuSteckb.; bes. ,auf ein grobes,
unflätiges Weibsbild, das voller Kot hängt' Bs (Spreng);
„auf eine schlechte Dirne Bs."
Bollen, rundlicher, kugliger Körper ; hier von der rund-
lichen Schelle am Halse des Leithammels. - Zu 2. Sprengs
Angabe mag sich auf die Kotknollen am Saume des Kleides
beziehen; vgl. , Hammel' (Bed. 10) bei Gr. WB.
Putsch-, Butsch-: 1. Bezeichnung des Widders
als des ,stossenden' Bs; Syn. putschender Widder.
B.-Hämmeli mache', die Stirne gegen einander stossen,
wie Kinder etwa scherzw. tun Bs. — 2. Schelte auf
ein unbändiges, störrisches Mädchen Bs.
B. wohl zunächst Imperativisch aufzufassen = putsch, H. !
vgl. das Syn. Hermeli, butach! Vgl. noch ,Bockstoss, Hanimel-
stutz!' bei Gr. WB. Doch vgl. auch ,Spring-Hase' u. ä.
„Kit-: Schafbock, der zum Bespringen gehalten
wird, allg." ,Von Schafen, Weidlämmeren und Keit-
hämmlen.' Bs Mand. (o. J.).
bammle": herum-laufen , -rennen, -schlendern,
bes. von Weibern und Kindern AAFri. Als Dim. häm-
mele", schnell und trippelnd gehen, von Kindern B.
wär-hammeli''' und noch mehr entstellt &ar- ; Be-
teuerungsformel = wahrhaftig, wahrlich L.
Zu Grunde liegt die euphem. verdeckte Beteuerungsformel
bim Hammeii (vgl. Hammel S und Hammer), welche dann mit
dem syn. ,wahrhaftig' eine fremdartige Verquicknng eingieng.
B viell. aus dem anklingenden bar-hiimmiij herübergenommen.
Hamme» I: L (m. Aa; Ap; Bs; B; FJ.; VO; Gi.;
Sch, f. AASt; B; F; G; S; Tu; Z — Dim. Hamm(e)li
B, sonst Eämm(e)Uj Schinken, Schweinskeule und
zwar zunächst (in Ap; ZO. ausschliesslich) der Hinter-
schinken, dann auch beide; Vorder- und Hinterkeule
werden etwa als Vorder- und Hinder-H. (AaF.), als
Hämmli u. Hamme' (Bs) unterschieden. Syn. Schunggen,
Tschambung. Vgl. noch Laffen, Schufte, Stotzen. Als
Leckerbissen vom Volke bes. für Festlichkeiten auf-
gespart und als Geschenk für den Ortsgeistlichen
verwendet; vgl. noch Metzgeten. H. und Bratis wer-
den z. B. an Kräh-Hanen aufgetischt; H. und Br. ha",
typisch zur Bezeichnung des Wohllebens Z; vgl. die
Aufzählung : Bircschnitz und Eiertätsch und H. und
RippstücH und e Herdöpfelstock B (Schwzd.). Wege'
dir tuet me' ke H. über, verächtliche Abfertigung Z.
Die weit verbreitete Anekdote: Wie de Herr Pfarrer
om sl' [geschenkten] U. cho" ist s. B Dorfkai. 1887.
Mit scherzh. Vergleichung sagt man: Vom Stei'obs
han i''' d' H. am liebste' ZS.; vgl.: ,Von allem Garten-
zeug ist eine gute H. das Beste.' B Hink. Bot 1854.
E Wurst uftverfe', dass e H. abe'falli Th, mit ere
Wurst e H. use' zieh" Z, für ein kleines Geschenk
ein grosses erhalten (wollen); letztere Wendung wohl
erklärbar aus: ,Ein Bratwurst in Bach werfen und ein
H. herauszeuhen.' Hospin. 1683, welche RA. viell. hin-
wieder aus einer solchen von einer , Wurst' und einer
, Bache' erst umgebildet ist. Ähnlich: E H. na'''-nere
Site' werfe' S und schon: ,Er wirft eine Bratwurst
nach einem H. oder Seiten Speck, pileum dat, ut pal-
lium accipiat.' Hey. Hort. 169'2. Es isch guet H. z'
siede", wenn d' Chatz fürt isch. Schild. Lüge", dass
me' chönnt R. d^bi (drunder) siede', d. h. recht aus-
giebig, da der Schinken lange gesotten werden muss,
bis er gar ist. Sprw., schon bei Denzl. (= ,rumpere co-
luinnas mendaciis') und ähnlich: ,du liegest, dass man
H. darbei kann sieden weich.' Lied 1712; vgl. Käs
und Wegense. ,Wer ein schwyn, das in unsrer stadt
gemästet worden, von unsrer stadt tryben und ver-
kaufen wollte, der soll die h. und oren in unsrer stadt
lassen blyben.' 1377, S. ,Swas von swynen kommet,
es syen oren, klawen, h. und würst.' AiKönigsf. Co-
pialb. ,H., ein pfd sond [die Metzger] geben um dry
hlr.' XIV./XV., Sch Stdtb. Der Papst beschenkt die
eidg. Boten mit , einem fass wyn, 8 hasen, 30 ge-
rauchter Zungen, so vil swynen h.' 1510, Absch. ,Ich
hatt das vorig jar ein schwyn, darvon hatt ich [der
Geistlichkeit] ein h. verheissen.' UEckst. ,Er gab jm
[vom erjagten Wildschwein] ouch ein h., wie denn ein
trüwer nachbur tuet.' XVI., Lied (T.). ,Nostri pernani
suis vocant hamm vel hammen.' CGessn. .Perna, ein
stecklnuschel, soll sich einem schweininen h. verglei-
chen. Gleich dem knoden oder gleich des h-s.' Fische.
1563. An einem Gastmahl der Teufel werden ,brat-
würst und h.' aufgetischt. JMurer 1565. ,Perna, pe-
tasio, ein h. von einer sauw, ein seüwhamm oder
schwcininer hamm.' Fris.; Mal. ,Der Schützenmäh-
leren halb wollend wir, dass man sich mit etwan einem
oder mehr Braten und schwynen H. ersettigen solle.'
B Sittenmand. 1628. ,Ein dürren H. heiss dir die
Mueter erlonds geben, dass wir heut beigen under-
wegen [unterwegs Etw. zu essen haben].' Mtricäds '
1630. ,Die Bauersame verehrte alle Jahre dem Holz-
herren einen H.' Esterm., Neud. ,Viel H. trugen wir
mit uns, dass Eim darab möcht grausen. Der ist für-
wahr ein schlechter Soldat, der nicht darmit kann
hausen [leben].' Aescheidl. 1712. — 2. scherzw. für
Schenkel (des Menschen) B. — 3. (m. AAZein.; LE. ;
Stw.; „ScBW; U% f. BBe.; Gk; S tw.; Z) Teil der
Sense. Synn. s. bei Hauchen, ausserdem Schwibele,
WiheJe. a) Krummholz in der Mitte des Sensenstiels,
für die rechte Hand ZS. — b) „der oberste Teil des
Sensenstiels", bzw. Griff am ohern Ende (für die linke
Hand) B; LE. Syn. auch Hampfle. — c) „unteres,
dickes Ende des Stiels, an welchem die Sense mittelst
eines Piinges befestigt wird Schw; U." — d) Haken
am breiten Ende des Sensenblattes, mittelst dessen es
an den Sensenstiel befestigt wird (vgl. c) Gr; S tw. ;
ZRafz; das breite, in den Haken auslaufende Ende
des Sensenblattes ÄAFri.; BBe.; STierst.; ZO. D' H.
me'' z' Bude" ha", das' es 's Gras besser nimmt ZO.
Mhd. hamme f., Hinterschenkel, Schinken, ahd. auch
Kniebug. Eig. das sich Biegende, Krümmende, aus welcher
Grund bed. sich auch 3 a und d erklären, b beruht auf einer
Übertragung, die auch bei Hauche Statt findet.
„Büntel-: gefüllter oder bloss zugenähter Schin-
ken B"; Syn. gebüezti Hamvien. — Gleichs., weil gefüllt,
einen , Bündel' bildend, vgl. iS.- Wurst.
Stier-: Dickbein von einem Ochsen. ,Die fischer,
damit sy die grossen wallflsch fahen niogind, lassend
1271
Ham. hem. Iniii. hoiii. hum
1272
inen bereiten stark ängel oder hag[g]en; an die
hag[g]en steckend sy ein st. oder leber.' Fischb. 1563.
bar(r)- Aa; Sch; ZWl., bä- ZO., bärfrj- AaF..
Fri., St.; Ap; BsLd; BO.; G oT. (anch he'r-); SchwE.;
THSteckb., Tag.; ZS., bä- ApH. häramig Aa; Ap;
BO.; GT.; Sch; SchwE.; Th; Z, hämmisch BsLd.
„hämsch", hännig bzw. hängig ZO., bär-, be'^r-
h^m, bärchem GT.: 1. schenkellahm, steifbeinig. aaOO.
Syn. sperr-h., bradrem, stramm. Spec. a) von Tieren,
bes. (Mast-)Schweinen, deren Füsse anschwellen, indem
dabei die Sprunggelenke (die Gelenkenden der Fuss-
knochen Ap, It T.) krank und steif sind Aa; Ap; G;
ScH; SchwE.; Th; Z. ,Wann ein Sau bärhämmig ist.-
ZZoU. Arzneib. 1750. Von Pferden, die zu lange im
Stall gestanden haben AaF.; Z; „BO.; Gl", ly Boss
e chll [wenig] rite', dass si nid h. tcerde'd Z. „Von
Pferden, die auf ihren Hufen gar zu sehr rücklings
(gleichs. mit aufgehobenem Vorderfusse) gehen oder
sogen. Entenpfoten haben LE." Von Pferden und
Kühen, welche unter dem Knöchel krank und steif
sind Z. — b) von Menschen, die zu lang in unbe-
quemer Stellung gestanden od. gesessen haben; gleichs.
gelähmt, starr, abgespannt, ermattet infolge ange-
strengter, langer Arbeit, Kälte od. von Krampfanfällen
Aa; BÜ.; Gl; Th; Z. Die [in der Sänfte Getragenen]
werde'd wol kei"' Bei' g'ha" ha', oder d sind b. g'si'.
Stütz, lez mun-i''' [muss ich] aber ufsto', sifsl wür
t"«* [werde ich] ho'* 6. Sch. .Wenn sich ein Weib
nicht in einer Minute 5 Mal drehen kann, so ist sie
berhämig.' UBrägg. 1780. — 2. (übertr.) schlalV, faul,
träge, widerspenstig, unlenksam, eigensinnig, von Men-
schen und Tieren Aa; Bs; GT.; Tb; Z.
Zss. aus 'bar i. S. T. steif emporstehend, starr, nnd
hämmig; Tgl. barig, st«if (vom Tach), ahd. jjarren, starr empor-
stehen, rigere. I'er Ural, in den 1. Teil eingedrungen durch
AngleichuDg an den Uuil. des 2. Teiles. Über die Verstüm-
melung bärhem s. die Anm. zu Fas».
sper'- (It einer Angabe spar-) hämmig Bs, -häw-
melig B: 1. wesentlich = dem Vor. in Bed. 1 b u. 2
Bs ; B. D' Fürkäufler sind jetz sp., sider ^ass-me' si
uf en andre' [Verkauf-] Platz g'uise' het Bs 1883. —
2. von Sachen, ungefüge, ungeschlacht, bes. wenn sie
infolge ihrer gespreizten Gestalt sich nicht in einen
gegebenen Baum fügen wollen BsLd.
Syn. sperrig j ,sperr-beiuig' ; vgl. anch Ge-tperr. In der
Ausspr. »pür-h. hat Augleichung des Voc. an den der folgenden
Silbe Statt gefunden. Immerhin liesse sich das vorliegende
W. auch als eine blosse Entstellung des in seinem 1. Teile
nicht mehr verstandenen lär-h. auffassen.
Hamme" 11, in ScnSt.; TflSteckb. Hammel — m.:
Fischernetz an einem Stabe; Syn. Hecht-Schöpfer.
,Die [an der Oberfläche] schwimmenden fische landest
du mit eim hämlin.' Maxgolt. ,N. N. lag dem bapst
in hammen, dann der bapst fürgab, er wäre ein eigen-
mann der kirchen.' Vad. 111 172; vgl. ebd. U 34. ,Auf
dass er sie mit dem Fischhemmel (Beren) heraus
nemme.' Spleiss 1667. — Mhd. ham(e), sackförmiges Fang-
net^; Fangstrick.
hamme" ,F", hämme" Z (Spillm.), hemme' ZDüb.,
Sth.: „einem Tiere den Fuss aufbinden F"; bes. dem
Weidevieh, um es am Fortlaufen zu hindern, mit
einem an einem Vorderfuss befestigten Strick den
Kopf herunterzwängen Z ; Syn. spannen. Der Henker
hatte einem des Mordes Angeklagten .ein seil an die
bein geleit, glycher wyse als man ein schwyn oder su
hammet' Etterlin. ,Man soll die unbleibigen Bosse
auf der Weid hemmen.' Z Ges. 1779. — Schwerlich zu
Hamme' I , viel wahrscheinl. zu Hamme' II; vgl. Hemme' II.
ge-: festnehmen. .Sitzt ein vogt uf synem ross,
so er es vernimmt, so soll er darab nimmer kummen.
e dass er [den Schuldigen] gehamniet und gebyfanget.'
ZLauf. Offn.
So und nicht .gehamnet' (wie bei Gr. Weist, und danach
in den WBB.) ist in der Hdschr. (Z Staatsarch.) zu lesen.
be-, bzw. be-hemmen, -hammlen: ver-, um-
stricken, fassen, an-, auf-, festhalten. ,[Der Mensch]
muess sich [vom] zorn nit lassen behamen. sunder für
und für verzyhen.' Zwingli. ,Wann die dochter dem
Jüngling anreizung gegeben, sy zue beschlafen, damit
sy [ihn] hindergon, behemmen und fassen möchte.'
1533, Bs Eq. .Den Herzog umlagern und behamlen.-
1525, Absch. Den Gefangenen wieder in die Gerichte
stellen, in welchen er ,behemmt' worden. 1529, ebd.
Es soll kein Teil dem andern in seinen Gerichten Jmd
.behämen-, fangen, strafen noch büssen. 1530. ebd.
.Man werd zuo uns gryfen und uns behemlen, bis
wir das guot wider umhi tüegind [zurückgeben].' 1530.
Strickl. ,Dass niemands dich behamlen soll.' JVögeli
1531. ,Ein seil wird jm seinen fuess fahen und ein
zäum wirt jn behammen." 1531, Hiob; dafür 1882:
,Eine Schlinge wird ihn ergreifen.' Nachrichter zum
Knechte: ,Kannstu jn nit beim haar 'raus zeuhenV
Halt still! lass mich ouch zue jm [dem Gefangenen]
'rein, du magst jn b'hammen nit allein.' Aal 1549.
,[.Aristoteles hat so dunkel geschrieben] dass man jn
nienen b'hammen möchte.' 1560, Z Bibel (Vorr.). ,Dass
man gestrackts an d" fyend far, ehe sich die buren
mögind b'sammlen in d' Ordnung, dass wir sy behamm-
len.' Mauritiana 1-581. ,Die frefenen Übertretter mit
Strafen belegen und behämen.' FWvss 1673. — Mhd.
behemmen, behameln, aufhalten, gefangen nehmen.
Hammenis s. Fenster Bd I 87'2.
Hammer m.: 1. wie nhd. Mit den Schlägen eines
hölzernen Hammers eröffnete der Gemeindepräsident
die Gemeindeversammlung ZSth. Der H. wurde früher
auch bei uns bei Versteigerungen gebraucht: Auf das
versetzte Silbergeschirr will man ,mit dem h. schla-
chen.' 1532, Absch.; vgl. nhd.: .unter den H. bringen.'
Hieher viell. die EA.: So g'schtcind rede', dass me' mit
keim Hämmerli derzipüsche" [schlagen] chönnt Aa; B; S.
,Käti berichtete [schwatzte]; Uli konnte nicht mit
einem Hämmerlein dazwischen.' Gotth. Schlaghammer
der Stundenglocke, daher die Variante des Nacht-
wächterrufes : der H. (st. d' Glogg) hat . . g'schlage"
Aa; Ap; G. 3Ie [wir] sind iez a' de' chline' Häm-
merli, RA. beim Hausbau, wenn die (mit schweren
Hämmern ausgeführten) Zimmer- und Maurerarbeiten
vollendet sind und Schreiner und Tapezierer ihr Werk
beginnen BsStdt. Einen Hammer führten früher im
Winter die Säumer mit sich, um den Schnee aus den
Hufen der Bosse herauszuschlagen GnPr.f — 2. Ham-
mer in myth. Beziehung. Blitzhammer Donars, in der'
Beschwörungsformel: Weih, Weih, mach-m^r en höchc
Bing oder i"'' schlö-der en fürige' H. in Grind ZWthnr;
möglicherweise auch in der Drohung: !''• wiU d^r scho'
zeige', uo de' H. lit ZO. ; vgl. das eddische Lied von
des Hammers Heimholung und namentlich die syn.
RA.: Eim zeige", wo Gott hocket. Abgeblasst. als
Fluch- und Scheltw. Bim H. und meist verst. bim
1278
Ham. hei
Dunner (Bwnmer, Dunstig) H. ! Z. Und Fliiech und
Schwur: ein Dummer und ein H., so vil a's s* mös'nd
zum Mul usg'lö'. Stutz. Verbunden mit Botz! zum
Ausdruck der Verwunderung Z; z.B. B. H. (am Stil)!
B. Dunder H; und euphem. verdeckend: B. Dummel
Hammel! Vor Substt. u. Adjj., verstärkend verbunden
mit Dünner, meist beide im Gen. Dere Dummers H-s
War, solch verfluchtes Lumpenpack! Z. Du dunder
H-s Hex! Du Dummers H. Nachteuelchopf ! Noch mehr
entstellt: E Dunstigs Hammis Schnädermul [Plauder-
tasche]! Stutz. Eso e Dummls Hammis lustigs Spil.
Stutz. Vgl. noch Stral-H., Hagel Sp. 1075/6; ver-
hammeret, Dunner-Wetter, Stral, Sträm und s. eivig
Bd I 611. — 3. Hausmarke, aus 2 senkrecht auf ein-
ander geführten Strichen bestehend und also die Form
eines Hammers nachbildend Gl; s. Hack Sp. 1112,
Krüz. Vgl. noch us-gehen Sp. 85. — 4. als Dim.,
personif.. verbunden mit Meister, typische Bezeich-
nung, a) der Teufel, der an die Stelle Donars mit
dem Hammer getreten ist S ; XVU., Z Hexenprocess-
akten. Mit der Drohung: ,Der M. H. hole Einen',
werden Kinder erschreckt S; vgl. d. — b) Tausend-
künstler, Schlaukopf, Hexenmeister, doch meist mit
iron. Beigeschmack Aa; L; Z. Einen Überklugen,
lästig geschäftigen Menschen höhnt man: Du bist en
rechte'' M. H.! Z. Um schwere, verwickelte Aufgaben
lösen zu können, rät man, ,den M. H. zu holen' Z.
,Er sye nun bisher für ein doctor und für ein m.
hemerli geachtet, hab doch uf den hochen schneien
nichts änderst gelernt, dann den Narristotelem.' Kessl.
,Von dannen ist in den Eidgenossen ein Sprüchwort
entstanden, dass, wenn wir von Einem reden, der sich
Etwas unternommen, das er nicht glücklich ausführt
und doch Etwas ist und sein will, auf den aber nit
Jedermann viel hat, dass man spricht: das ist M. H.'
Blunger. — c) Henker. ,Auf, Hämmerli. mit deinem
Rade, bereite ihm das Rosenbade!' Spottlied auf
POcHS. ,Auf einer Leiter sass M. Häramerling und er-
drosselte Einen mit teuflischer Lust.' Kuenlin, Alpenbl.
— d) mit verblasster Bed., der .Jemand', den man
nicht nennen kann noch will. Der 31. H. got d' Stegen
uf {"'s Chämmerli, got d'St. ab i" 's Bett. Sprww. 1824;
dazu die Variante : Poppe, poppe Hämmerli, Stegen uf
i' 's Ch., Stegen uf i' 's Tubenhus, flügen alli Tuben
US. RocHH. 1857, 204/5. ,Der M. H. geht zu der Magd
in 's Kämmerli.' Sprww. 1824. - e) ein Zwerg. Gr
Sage bei Grimm I 4. — f) M. H-s Bild, wächserne
Figur, welche die Augen bewegt. Sülger. — 5. Dim.,
Belemnit, It Rochh. 1857, S. 204/5 eis. und aarg.;
Syn. Tüfels-Finger Bd I 865; Donner-Stein. — 6. Häm-
merli, Familienn. Gl (schon 1350) ; XIV., BSigr. ; 1450,
ScHwTugg.
MhJ. hamer in Bed. 1. Betr. den myth. Hammer und
die Übertragung des Namens auf den Teufel s. Gr. Myth.
164/6. 951/2. Zu 4 b. Der Teufel erscheint typisch als
, Meister' von allerlei Künsten. Betr. die Beziehungen der
RAA. auf den Z Chorherren Felix Hemmerlin vgl. Sprww.
1824, 79. 332. Von altern Z Gelehrten wurde der Titel
auf den in seiner Kunst berühmten Schmied Wieland be-
zogen. Zu 4 d. So sehr in allen jenen Versen der Reim-
zwang mitgespielt hat, so könnte doch urspr. im ersten eine
Beziehung auf den .anklopfenden Tod', der vom Krankenbett
in der Kammer ins ,letzte Bett' führt, gelegen haben; vgl.
Toten-H. In der Variante (Abzählvers) aus Rochh. ist dieser
Ursprung allerdings ganz verdunkelt und eine Nachahmung
des Taktes eines angeschlagenen Türklopfers beabsichtigt;
vgl. hojrpenhämmerhn ; hojjjierm. Noch freier spielt HchSulz.,
Schulm., auf den Profusen an: Wenn mir e chW nütrechtsig
[seien], »o ehiimm de'' M. U. in eutern Minea Chämmerli und
bind eut Am an e« lit'üdli [den Schandpfahl des Henkers],
geh Allen d' Rueten i" das Flidli. Zu i e. Der Zwerg er-
scheint wohl als der kunstfertige Schmied ; vgl. Anm. zu 4 b.
Übrigens könnte für 4 b, d, e an einen elbischen Klopfgeist,
Hauskobold, gedacht werden, der allerlei Künste übt, und
dem nächtliche Besuche zugeschrieben werden konnten.
Für-: Schelte auf ein altes, sehr mageres Pferd
STierst.
Übertragung eines Gerätenamens auf ein lebendes Wesen;
vgl. das Syn. (Hell-) Hmjgen. Viell. eig. der auf dem Ambos
gebrauchte Hammer und die Übertragung auf das Pferd dann
Tom harten Aufschlagen zu erklären wie der Ausdr. .Klepper'.
Füst-: Streithammer, von der Reiterei geführt.
,Thohach, ein werfzeug, etlich legend "s aus ein ham-
mer (villeicht eiu f.).' LLav. 1582. Als Ehren- und
Würden-Zeichen. Bei dem Umritt des , äussern Stan-
des' in Bern trug der, welcher dabei zum Landvogt
über die schon zerstörten Burgen ernannt wurde,
den F. ,Der Amtsmann mit F. [begleitete einen Male-
ficanten auf den Richtplatz].' JNtff. 1871; vgl. Lu-
zerner-H. ,Den f. nimm in die band, das gebürt sieh
eins houptmanns stand.' VBolz. — Schon mhd. Als PI.
,FUst-Hämmer.' 1526, Bs.
Fleisch-: hölzerner Hammer, mit dem man das
Fleisch vor dem Sieden oder Braten mürbe klopft Z ;
Syn. Fl.-Schlegel. — Gunt-: schwerer H. mit Klopf-
fläche an der Kopfseite und gespaltener Schneide
(Pinne) an der andern, welcher zum Einschlagen (in-
gunten) und Ausziehen (us-gunten) dos vorn au der
Viehkette befindlichen langen Stachels dient Gl; Syn.
Ketti-H. — Hexe"-: frische Vernarbung eines ge-
kappten Weidenzweiges AäKu. (It Rochh. 1857, 336).
Vgl. i/e.cew-^si Bd 1 574. — Kessler-: Hammer der
(vagabundierenden) Kesselschmiede; daher eines der
Zeichen, welche Vagabunden an Scheunen, Mauern
usw. malten, um anzudeuten, wohin sie gezogen seien.
,Ein schilt und daruf ein k.' 1528, Absch. Vgl. noch
Michels-Horn, Weid-3Iesser. — Chetti-, bzw. Chötti-:
l. = Gunt-H. Gr; GO. — 2. Hauszeichen von der
Form dieses Hammers GaObS.; abgebildet bei B. 4.
— 3. Wagenkettehammer, wie ihn die Fuhrleute
führen Gr ObS. — Chron-, Chrön-: Hammer der
Steinhauer, zum , Krönen' (Schärfen) der Steine S; Z;
vgl. Mülli-H. — Latt-: Dachhammer, Hammer zum
Latten, mit geteilter Pinne, deren einer Schenkel lang
und spitz, der andere kurz und breit ist SchwE.
(a. 1604); S; Z.
Luzerner-: hammerähnliche Schlagwaffe, ge-
wöhnlich des PussTolkes; eine solche trug im Kriege
aber auch der Oberanführer als Ehren- und Würde-
zeichen am Sattel; vgl. Fust-H. - Eine Abbildung eines
solchen bei Jahns 1880, Tafel 50, 8; vgl. ebd. S. 751.
Mülli-: = Kron-H. 1659, SchwE. Klosterarch.;
1725, ZMeiL und jetzt noch. — Bild-: Hafnerwerk-
zeug, Hammer mit gekrümmtem Eisen und scharfer
Pinne, der dazu dient, beim Ofenbauen die Kacheln
zuzuhauen Z. — Pflueg-: hammerähnliches Gerät
am Pfluge, welches mit dem , Zorn-Ring' zur Befesti-
gung des Pflugbaums am Vordergestell dient Z. —
Reis-: Hammer, mit welchem man die Sense schärft
(reiset) ZO.
1275
Harn, heiii, him, liom,
1276
Seher-Hammer. Jndem er vor dem bett gesessen,
ersieht er einen seh. an der wand hangen, gryft nach
dem seh., fasst jn in die band und schläcbt den alten
mann im bett an den köpf, dass er starb.' 1565, Bs Ohr.
Bei Schm.-Fr. Sp. IIOG neben andern gefährlichen Waffen
aufgeführt. Viel), ein Hammer mit geteilter Pinne.
Schlag-: wie nhd. Obsc. gewendet in dem Spruch :
,Und der Grossvater mit dem Schi, schlägt der Gross-
rautter an die Wasserkammer' Aa (H. 123. 221).
Überschlag-. 14.38, L Vogtkind errechn.
Wahrsch. zn mhd. überslahen, schlagend überziehen, z. B.
mit Gold.
Beschlag-: Hammer zum Beschlagen der Zugtiere.
Angewendet zu einer Grenzbestimmung (,Hammer-
wurf'). 1400, GLichtensteig Statut; s. Gr. RA. 56/59
(nach ÄgTschudi, Chr.). — Schrot-: Hammer mit
zweispitziger Pinne, mit welchem der Steinbrecher die
Steine aus dem Bruche herausschrotet Aa; S; Z. —
Spreng- s. Füstling Bd I 1125.
Stein-: Hausn. ZStdt.
In appellativer Bed. urspr. wirklich einen steinernen
Hammer (viell. als Waffe) bezeichnend; vgl. die wohl ältest«
Bed. des an. havmrr: Stein, Fels, und das Folg.
Sträl-: eig. Blitzhammer, Donnerkeil, übertr. auf
die in der Erde gefundenen steinernen, keltischen
Streitäxte. .Germanico noraine str., i. e. fulmineum
malleum vocabat [d. h. der Finder].' CGessn. 1565, 62 a
(wo eine Abbildung einer solchen Streitaxt). Vgl.
Hammer 2; Sträl-Stein. — Dangel- ÄABb.; ThHw.;
ZS., Wl., Dängel- AAPri.; kr = Reis- H. — Tote°-
Hämmerli:= Toten-Ür Bd I 420. ,Das Totenhäm-
merchen. Horch, Mutter, was klimpert so traurig und
bang, als hört ich des Uhrwerks geregelten Gang?
Kein leeres Geräusch hat mich betört, ich habe das
Totenglöcklein gehört.' Emme 1857, 129 f. — Wald-:
Eorsthararaer, Hammer mit den erhaben eingeschnit-
tenen Initialen des Namens des Eigentümers, um damit
das Holz zu zeichnen Z; Syn. Zeichen-Ax. — Ziegel-:
Hammer der Dachdecker, zum Behauen der Ziegel ge-
braucht Z. Vgl. BU-H.
hämmere": 1. hämmern, allg. Dim. hämmerle*,
auch verallgemeinert = Lärm machen Gr. — 2. tif
Eine" los (ine") h., heftig auf ihn schelten GF. (-ä-J.
— 3. das Fluchw. Hammer brauchen ZO. Bundere"
und 7j. — Zu 2 vgl. das Syn. hauwen; doch Hesse es sich auch
von 3 ableiten: mit d. Flnchw. Hammer über Einen herfahren.
boppen-hämmerle°: mit einem kleinen Hammer
klopfen, ein klöpfelndes Geräusch hervorbringen Bs.
— Boppenhämmerli m.: wer so klopft Bs (Anon.
ad St.). — Vgl. Hammer 4 d und Anm.
Gerst-Hammer, Gold-Hämmerli, Häminer-
ling s. Ammer II (Bd I 218) und Gelbling Sp. 295;
vgl. Hemmer ise.
Dummis Hammis s. Hammer.
be-hem s. be-liend.
Hemma, Dim. Hemmi I: weiblicher Personenn.,
Ahemina. 1491, üwE. Jahrzeitb. u. ö. ,Samrat Hem-
men, seiner Würtin.' KCts. — Das Selbe ist wohl auch
der bei Letzterm vorkommende Name ,Hflmi'.
Hemmel, Hem'mlere, gehemmlet, Hemmli
s. Hemd.
Hemme I B; S, Hemmi II Bs, Dim. Hemmeli :
Personenn., Wilhelm. Vgl. Helm I 6.
Hemme 11 f.: Strick, an welchem die Tiere fest-
gehalten werden. ,Der koch in disem dinghof soll
die schwyn empfaehen und schouwen, und sind sy
schon, so soll der armmann dem schwyn die hemmen
abtuen und soll es lassen loufen und damit hat der
arramann geschwynot.' Zßrütten Offn. — Vgl. Anm. zu
Hemmerize: = Ammeriz Bd 1 218 ZBenk. Vgl.
Gerst-Hammer, Hämmerling.
Heim n. Ap; BSi.; F; W, Hei Aa; B; VC; S,
Heime' Aa; GA.; Th; W; Z: Heimat im engern und
weitern S., Heimatort, Vaterhaus, auch Wohnort übh.
allg. Heime' ml, was cha" besser si'! Stütz. Adie,
''em Häme" zue! Scheidegruss Th. Um Heime? zue,
u-ie d' Chind. Sprww. 1869; vgl. heim-zue. Bis Einer
g'häratet iseh, het er ^kes rechts H., ist er nirgends
recht zu Hause B. ,Sie hat ja kein Hei, sie weiss
nicht, wo sie ihr Haupt hinlegen kann.' Gotth. .Laster,
mit denen etlich also umlagert [sind], dass man sieht,
dass ir [der Laster] heiraen by inen ist.' Zwingli.
,N. N. US dem hanfgarten, domalen synem sitz und
heimen.' 1571, ZGrün. Amtsrechn. Spec. a) im Gegs.
zum Wohnort der Ort, wo man das Bürgerrecht ge-
niesst, Heimat-Dorf, -Land, Vaterland. , Unsere burger-
schaft oder heiman ist in hiramlen.' HBdll. 1571. ,Er
kam in sein heiman.' 1531, Marc.; = .Vaterstadt.' 1882.
,Sie sollen derglychen arm lut in das nächst dorf als
gegen des armen menschen haimen füeren.' 1535, Sch
Ratsprot. — b) Besitz an Haus und Hof, Heimwesen,
„umzäunter Platz, auf dem die Wohnung mit einigen
Morgen Landes steht" Ap; F; üw; U; Z. Vgl. Guet I.
Uf sini Heimeli chann er drei Cküeh ha' [halten] und
für d' HushaUi'g g'nueg pflanze" ZO. Mit dem [d. h.
mit Nichtstun] het er natürlig sls H. versumt. JHofst. ;
in einer spätem Ausgabe: Heimet. Es scho's Heimis,
ein schönes Wohnhaus W. Bes. häufig in der allit-
terierenden Verbindung mit Hus (Hus j Hei Aa); vgl.
Hus und Hof und Heimat. Chiinnt z' Hus und H.
'nen [ihnen] Alls vergebe' [von selbst, umsonst]? BSi.
(Schwzd.). Von Personen: Ei"m z' Hus und fz'J H.
cho", ihn im eigenen Hause aufsuchen B. Dem Narr
wär's glich, wenn Hus und Hei verlumpet wurd. Schild.
Um Hus und H. cho', Haus und Hof, Hab und Gut
[d. h. Alles] verlieren B; Z. Vu Hus und H. sl'
B ; Z. Syn. uf der Gass usse' sl'. Eine' vo Hus und
H. trlbe; spec. von hartherzigen Gläubigern Z, scherzh.
auch: caccare Z. Ganz abstr. gewendet: z', i' Hus und
H. Nüt (ml) ha', Etw. (z. B. Lebensmittel) ganz auf-
gebraucht haben B; Z; Syn. uf der Welt, under'm
Himmel Nüt ha'. ,Von unserem Vogt muess ich dir
klagen, der will mich treiben von Haus und H.' Tellex-
spiEL. ,Wenn dir haus und heimen verbrunne.' LLav.
1582. ,So hüben s' [würden sie bleiben] bei H. und
Haus.' Mtricäüs 1630. ,Dass sy hinfüro Keinem Haus
und H. by ihnen erkaufen lassind.' 1634, ZReg. ,Von
Hus und H. in das bittere Elend vertriben.' 1635,
Sptri. — c) in Ortsnn., in der lebenden MA. zur
blossen End. -5" abgeschwächt: ,Velt-' Aa; Z (,Feld-
haim.' 774; ,Velthein.' XIH./XIV.), .Schafis-' äa;
.Schleif-' ScH; , Tal-Heim' Aa. In ,Seen' Z, ,Toussen'
(aus , Tuns-Heim') Z ist sogar die sonst conservativere
Schreibung der Ausspr. gefolgt. Dagegen erscheint
1277
H;niL. liiMll,
das m wieder in den Ton jenen Ortsnu. abgeleiteten
Namen der Bewohner: Veltemer, Seemer, Schlätemer.
S. noch Heim-Garten Sp. 435.
Mhd. heim, Haus, Heimat. Die Form Heime' hat sich
ans der gleichlautenden Adv.-Form entwickelt. — Um, wenn
nicht blosses Lautspiel mit em = dem, bezeichnet den Zweck,
auf den man ausgeht. Analogiebildungen zu den von Ortsun.
auf -Beim abgeleiteten Namen der Bewohner sind wohl auch
solche wie Eggemer (Ortsu. ,Egg' Z), Lachmer (Lachen Schw),
Uurviev Z, Meil-emer (Meilen Z) und sogar die von Ortsnn.
auf -iken (s. Hof Sp. 1025 Anm.) abgeleiteten Formen auf
-kummer.
Grütschi-SeiHie"; Bauerngut oder Stück Land,
das mit Steinen übersäet ist UwE. — Vgl. ürützm
Sp. 840 in Flurnn.
Kue- s. K.-Reiviat.
Kurz-, It&ng-Heim: Ortsnn., in Übertrag. S. das
Diesseits mit kurzem, im Gegs. zum Jenseits mit lan-
gem Aufenthalt der Menschen. ,Wär ich da ze Kurz-
hein, als ich bin ze Langhein, so wollt ich allen tege-
lich ein brot senden für mich.' c. 1350, Tanzlied der
Verstorbenen. S. Arg. 1887, 119/121. 133. - Lancheim
als Ortsn. schon ahd.
St rit-Bei»He*; Heimwesen, welches wegen allerlei
darauf haftenden Servituten Anlass zu Processen und
Streitigkeiten mit den Anstössern gibt Z.
heim (bzw. häm, he'm, hi^m) Bstw. ; Btw.; Th,
liohnm ScH, hemmo PGr. (Schott), liein BHaslib. ; Gr tw.
(auch Äeij), hei(hzvi.hä, he^) Aa; Ap; Bstw.; Btw.;
Vü; G; ScHtw.; Th; Z: wie nlid. allg. Hut nit hei
und morn nit hei, git e längi Wuche* und wenn mrr
Nüt me^ z' esse' hei', wei-mer Eier choche' B oAa.
Was grösser ist als e Lüs, das nimm i" 's Hüs ; tms
linder ist als en Stei', das trag h. ZZoll. (Reimspr.).
Mues-es scho" h. sl'? fragt man einen Besucher, den
man zum Bleiben bewegen will BsL.; Z. Gege" h. ztie,
der Heimat zu BHk. ; LE.; Z; vgl. heim-zue, durch-
heim. ,Arme Leut haben weit h., viri infortunati procul
amici.' Met. Hort. 1692. Chlini Fueder füere' vil h.,
man niuss das Geringe beachten, um zu Grossem zu
gelangen USis. Bes. in mehr oder weniger stehenden
Verbindungen: H. gän 1) heim gehen. Der Imb
gät h., der Bienenschwarm kehrt zum Mutterstocke
zurück Z. H. gä' gn" esse', a) nicht ausser dem Hause
essen, bes. von Schülern, Arbeitern Z. — b) nicht von
fremder Gnade leben aScHW. — 2) Gang-nu^r h. drmit,
lass mich damit in Ruhe Z; vgl. (en)weg gän. S. noch
bläggen. — 3) absterben, z.B. von Bäumen ZZoll.;
Syn. hin gän; s. noch Sp. 30 und vgl. hei II Sp. 855.
— 4) anheimfallen, zu Teil werden. ,Tuet er etwas
Unrechts, so ist es mein schad, so gat es mir h., si
quid peccat, mihi peccat.' Fris. ,H. geben' 1) mit
Acc. P., eig. Jmds Heimatsort nachweisen, sagen, woher
er ist, dann übh. Jmd als bekannt (wieder) erkennen,
auf dessen rechten Namen verfallen, sich seiner deut-
lich erinnern Bs; Syn. h. tuen, h. wlsen, an (sinen)
Ort hin tuen; vgl. h, richten, h. stellen, 's isch mer,
t'* heig-ech au"'' scho' g'seh, doch chann-^ch nit hei g'e'.
Breitenst. — 2) mit Acc. S. und Dat. P., bei einer
Versteigerung einen Gegenstand dem Meistbietenden
zuschlagen Z ; Syn. heim (er-) kennen, h. schlagen.
S. noch Sp. 90. ,H. gigen', mit Dat. P., Jmd derb ab-
fertigen, ihm ,heim leuchten' Bs; L; vgl. glgen Sp. 150
und h. lüten. ,H. konmien.' ,Ich will fürhin ein ander
land erfaren und selbs erkunnen: der nie heim kam,
was nie uskummen.' JBinder 1535. Vor'm Profit h.
cho', den rechten Augenblick verfehlen, seinen Vorteil
verscherzen, schlechte Geschäfte machen Gr. Unter
die Haube kommen (eig. .ein Heim finden'), s. Gatti'g
Sp. 501 0. ,H. (er-) kennen', zuerkennen, als Eigen-
tum. ,[Der Übeltäter] ist dem herrn von Kyburg h.
'kennt als der rechten natürlichen oberhand.' 1561,
ÜMey. Chr. ,Die Mülli, welche inen zu und h. er-
kennt worden.' 1625, SchwE. ,H. lüten', mit Dat. P.,
Jmd mit rauhen Worten oder mit Gewalt aus dem
Hause jagen UwE.; Syn. a&en-, usen-lüten, h. zünden;
vgl. auch h. gigen und Vilni., Id. 159. ,H. bringen',
im Kartenspiel ,Jass' eine sog. , Zählkarte' (Ass, Ban-
ner usw.) in Sicherheit bringen Z ; vgl. h. tuen. ,Ira
jar 1472 ward mir myn husfrow in brütwys heimbracht
und hat mit mir im einsidlerhof hochzyt.' Edlib.; vgl.
Brut-Lauf und nhd. ,(die Braut) heimführen'. Ad
referendum nehmen, von bevollmächtigten Vertretern,
welche ihren Mandataren über geführte Verhandlungen
zur weitern Instruktion od. zur endgültigen Beschluss-
fassung Bericht abzustatten hatten, bes. von den auf
die Tagsatzungen geschickten Boten der eidgenössi-
schen Orte, da jene meist nur nach limitierten In-
struktionen stimmten. XVI./XVIIL, Kanzleispr.; vgl.
tw den Abscheid nemen; hindersich bringen. ,Das wird
heimzubringen beschlossen, da man hierüber keine
Instruktionen hat.' 1521, Absch. ,[Die Gesandten beim
Konige] haben [in] der hauptsach nüt wyters dann
uf h.-br. verschafft.' Ansh. ,H. rechnen', anrechnen,
anschlagen. .Diewyl die sach an ir selbs nit gottlos
ist, wiewol sy mag ärgerlich h. gerechnet werden.'
ZwiNGLi. ,H. richten', erklären, fassen, begreifen Gr;
gleichs. in die Fächer des Gedächtnisses (Verstandes)
einordnen, oder auf seinen Ursprung zurückführen,
nüt Anderni. zu dem es gehört, in Zshang bringen;
vgl. h. geben. Er hed 's nid h. richte" chönne", das'
schein Götti e satte [solch] ung'fürmete Cliopf ha' soll.
ScHwzD. (Walkmstr). ,H. schicken', mit Acc. P., eig.
und bildl. i. S. v.: Jmd mit einer treifenden, schlagen-
den Antwort abfertigen, zum Schweigen bringen, zu-
recht weisen GA.; Z. ,H. schlän', mit Acc. S. und
Dat. P. 1) Jmd einen gekauften, ersteigerten Gegen-
stand um einen bestimmten Preis überlassen SenSt.; Z ;
vgl. h. geben 2. — 2) einen bestellten Gegenstand we-
gen mangelhafter Ausführung nicht annehmen, zurück
weisen Z. ,H. schriben', verbunden mit ,können' im
S. V. verloren geben, zunächst von Einem, der (in
der Fremde) in so grosse Not geraten ist, dass er nur
noch die letzte Mitteilung an die Seinigen machon
kann Z. ,H. setzen', (Jradem Etwas) anheim-geben,
-stellen, (zur Verantwortung) überlassen. ,Dass man
inen die wal h. setz, die mess ze behalten oder nit.'
1529, Absch. ,Sy woUtend die priester nüt zwingen,
satztend 's glych inen han.' Sicher 1531. ,Harum wir
UGnHH. heimsetzend, alle gerichtsrecht ze mindren,
ze meren nach irem wolgefallen.' 1533, B. ,HBock
schreibt, dass...; setz ich jm heim.' KGessn. 1542;
vgl. ebd.: ,Fuchs verteutscht es [so]; lass ich jn ver-
antwurten.' ,Er solle die böse bottschaft Gott h.
setzen, der die seinen in vil weg suoche.' LLav. 1582.
,Ich will es einem yeden frei heimgesetzt haben, eint-
weders dise Ordnung anzuenemmen oder etwas darinn
zue ändern.' SHochh. 1591/1693. , Welches Alles ich
Einem will h. gesetzt haben, dass er's mache nach
seinem Gefallen.' FWürz 1634. ,Ich will es Gott h.
1279
Ham, liem, hiin, honi, lium
setzen, Daum rogo ut causam ineara agat.' Hospin.
1683. ,H. stellen' 1) mit Acc. P. = h. geben 1 BsL.
's het m^r gli''' wölk" sl', de chömmsch-niif so bekannt
vor lind i«* Äa" dt'* doch mit chönne" h. stelle'. Schwzd.
— 2) = h. setzen. Hospin. 1683. ,H. dienen', zur Nutz-
niessung, als Eigentum zufallen, zugehören, ,zu Dien-
sten stehen' ; vgl. h.-fallen Bd I 757. ,Das dorf soll
unsern eidgnossen von S unablösig belyben und h.
dienen.' 1522, Absch. ,Sölich guot mag dem rechten,
natürlichen erben h. dienen und fallen und werden.'
1526, ebd. .Weiden und Mattland, die den Amtleuten
zum Unterhalt einer Anzahl Viehs h. dienen werden.'
1579, ebd. ,Dis buech soll jme oder synen erben
eigentümlich h. dienen und gehören.' 1588, L. ,Ein
Behusung, so der Statt h. dient.' RCts. ,Das Mulen-
vech soll dem Herren oder Richter desselben Orts
[wo es gefunden] verfallen syn und h. dienen.' XVII.,
L Ansehenb. .Einem Mann soll die Nutzung von dem
Guot [seiner Ehefrau] h.-dienen und gefolgen.' L Stadtr.
1706/65. ,Ein Drittel [der Bussen] soll uns, der andere
dem Amtmann des Orts und der dritte dem Verleider
h.-dienen.' B Mand. 1747/70. ,H. tuen' 1) mit Acc. P.
a) Eint h. tue', ein Mädchen z. B. vom Tanzboden
heim begleiten Ap; Z. Eine' h. tue", einen schwer
Betrunkenen Z; Syn. h. ferggen. Scherzh.: I"'' meine,
i well Eine' (Ei"s) h. tue', mich nach Hause oder zu
Bette verfügen; auch (im Hinblick auf ein schläfriges
Kind) es zu Bette bringen Z. ,Wie ich des sterbents
[der Pest] halb mich wohl inecht heim tuen.' Bon.
Amf.rbach. — b) = h. geben 1 Bs; GA.; U; Z. — c) = h.
schicken Ap. Einen Angreifer abfertigen, zurück jagen
Gl, Syn. ihm h. zünden. — 2) mit Acc. S. a) Feld-
fruchte einheimsen, unter Dach bringen, bes. vor
einem drohenden Wetter Z ; vgl. h. machen. Etwas
in Sicherheit bringen, ein herrenloses Gut sich an-
eignen Gl; Z. — b) beim Kartenspiel eine , Zählkarte'
rechtzeitig, bevor sie abgestochen wird, in Sicherheit
bringen G ; Z ; vgl. h. bringen. — c) = li. richten Ap ;
ScHW; Z. Was 's bedüt't, »iß" tuet 's nüd h. Schwzd.
,H. wisen' 1) mit Acc. P. = h. geben 1 B. .Junges
Volk war es meist, das mir manchmal bekannt aus-
sah, aber nicht h. gewiesen werden konnte.' Gottb.
— 2) = h. richten Z; „allg." ,H. ziehen.' Im Ängste'
ziehnd d' Wetter h., mit dem August hören die Ge-
witter auf GnHe.; vgl. : ,Und h. geht [im August] der
Gewitter Zug.' (Gedicht) und s. Lorenz. ,H. zünden',
, (Einem) h. leuchten' G; Uw; Z; vgl. h. lüten, tisen-
zünden. S. nocli bei fallen, fertigen, suechen. — In
Verbindung mit ,von' scheinbar flect. Vo" heime", von
Hause. Auf die bei Begrüssungen an Jmd gerichtete
Frage, woher er komme, lautet die .iVntw.: Vo* h.,
etwa mit dem scherzh. Zusatz: Wie d' Chind Z; Ge-
spräch 1712; Syn. von daheim(en). Wer nit von h.
fürt mag, mag aw'' nümme' h. Z. , Selten [er] von
heiman z' krieg fart.' UEckst. Anders in Verbindungen
wie: Mrr sprdchled [plaudern] mit enand; i"'' inuess
vo' h. erzeüe' Z (Schwzd.).
Mild, hmn, nach Hause; heime' dagegen aus ahd. heimnna,
welches an und für sieh schon heisst ,Ton Hause', so dass
unser ,vou' ein Pleonasmus ist; s. noch da-heivi. Die auch
schon in unserer ä. Litt, oft bezeugte Form ,hein' (z. B.
1443, T. VL.; Bs Chr. ; NMan.; 1531, Strickl.; HBull. 1540;
HsKMan.; 1607, Ap Malefizb.; im Ap Krieg 1405 ,han, hän'
neben ,ham') bildet den Übergang zum Abfall des Endcons.
Schon ChMurer reimt: ,Hei' auf die Interj. ,ei!'
über-heim: (über Feld) nach Hause Z. Ü. ene",
drüben bei mir zu Hause Z. Aufgaben für ü., Haus-
aufgaben der Schulkinder. En Ufsatz miiesst-er m^r
ha' ü. AGysi 1883. Auch substantiviertes Neutr.,
Hausaufgabe Aa; L. — Über die (bloss verstärkende) Bed.
der Präp. über in Zss. s. Bd I 59 Anni.
an-: nach Hause, Syn. anher; daheim. ,Ist jm
wider a. zue ziehen vergönnet.' 1476, Bs Chr. Ein
Geistlicher wird getadelt, dass ,so zuo zyten die kinder
zum touf gebracht, [er sich] nit a. [habe] finden lassen.'
1526, Egli, Act. ,ln holfnung, in kürze a. ze kommen.'
1528, Absoh. ,Sie begaben sich auf die Anheimreise.'
WüRSTiSEN 1765. S. noch an-heiviisch. — er- s. har-h.
vor-: auf dem Heimwege, heimwärts GG. — Über
die Bed. des vor in dieser Verbindung s. Bd I 931.
ge-: 1. heimisch, wohl zu Mute, behaglich B.
„'s ist mir bei der Sache nicht g., heimelig." ,Es war
ihm nicht g. unter diesem Volke mit seinen Dublonen
im Sacke.' Gotth. ,Daheim ist es g., doinus propria
omniuin optima.' JMey. 1692. — 2. befreundet, ver-
traut B. Die G'heimste [die Nächststehenden] sind
die Schlivimste" g'sl"; vgl. Fründ Bd I 1303. .Der-
selbe propst beden partyen fast gehem und lieb ge-
wesen.' Edlib. , Einer, der dir und mir g. ist.' Zwingli.
.[Der Pfarrer] soll g'heimer den büechern, ungheimer
den puren im wynhus syn.' 1533, Egli, Act. ,Die von
Z sollen einen g'h-en Herren von Sch berufen, ihm
die Verhandlung mitteilen.' 1546, Absch. ,Si in mea
familiaritate locus esset nemini, wenn mir niemants
g. wäre. Geheimner, gueter freund, familiaris.' Fris. ;
Mal. , Demnach sind die, so yemerdar vor iren herren
stand, inen g., lieb und angenem.' LLav. 1569; = .die-
jenigen, welche ihren Herren abwarten, wüssen ihre
Heimlichkeiten.' 1670. ,Unser landsprach, welche mir
geheimer ist dann die ausländisch.' ebd. 1582. .Auf
dass die hl. geschrift den gläubigen g'mein und g'heim
werde.' ebd. ,Sy buolte mit dem Bischof, der iren
g. was.' JJRüEGER 1606. ,N. N. war beider Brüederen
gar g-er und styfer Fründ.' XVII., Mise. Tig. (Ver-)
traulich. ,Gott redt mit Abraham gar g. und trost-
lich.' OWerdm. 1552; = ,freundlich.' Herborn 1588.
— 3. heimlich. , Einen g-en Rat hat es zu behender
Verfertigung der Geschäften und besserer Verschwie-
genheit zu Z, welcher die ihme zu schwer fallende
Sachen eintweders für den kleinen oder gar grossen
Rat gelangen lasst.' Siml.-Leü 1722, 471; vgl. ebd.
über den ,g-en Rat' zu Sch. ,Der 13er oder g-e Rat
zu Bs ist das 1. Mal a. 1445 eiugeführet worden und
werden in selbigen die wichtigsten Kriegs- und Staats-
geschäft vorberatschlaget.' Siml.-Leü 1722, 471. ,Die
13 g-en Räte zu Bs an die 13 zu Strassburg.' 1535,
Absch. , Beide Schultheiss. der Venner, der Seckel-
meister, Stadtschreiber und Gemeinmann nebst dem
ältesten alten Rat wurden in S die g-e Rät genennet,
welche alle g-e Sachen tractieren, darüber correspon-
dieren und selbige nach Befinden an den gewohnlichen
Rat bringen.' Siml.-Leu 1722, 523. Lt der Sage be-
stand in S früher das ,g-e Gericht'. Indem der Ver-
brecher nämlich über eine, eine schauerliche Tiefe
überbrückende Bohle gieng, wurde dieselbe unvermerkt
unter ihm weggezogen, so dass er von den unten auf-
gesteckten Messern zerfleischt wurde. ,G-e', auch
, heimliche Herren' hiess auch ein Dreierausschuss des
Bs Ehegerichts, welche in Ehegerichtshändeln die
Ha
Fehlbareri vorladen und unter Ausschluss der Uffent-
liclikeit durch Vorstellungen zu bessern suchen muss-
ten. ,Als der zwüschen den herren g-en und den ehe-
riehteren erzeugte span fürgebracht worden, haben
MGnHH. erkannt: die heimlichen herren berüerend,
sollen sich dieselben keiner andern sachen, dann spe-
nige cheleut zu vergleichen, underfahen und gar keine
strafen nemmen.' 1594, Bs Kq.; vgl. Absch. IV 1 c 124.
Im Gegs. zur .öffentlichen' Gerichtssitzung war die-
selbe ,geheim', wenn die Urteiler im Ausstand be-
rieten; vgl. z.B. Z Gerichtsb. von 1553, S. 13. —
Subst., Vertraulichkeit, Heimlichkeit, Geheimniss; in
adv. Verbindung: im Geheimen, im Vertrauen, ver-
traulich, heimlich. 1) n. So chlagt's Ei's dem Andre",
natürli"'' Alles im grösste" G'heim. Usteri. Im G'hl'mt
es Pfifli nVke" [rauchen] BSi. (Schwzd.). ,Er liest
im geheimd einen brief vor.' 1544, Absch. Die von
Constanz mögen das ,zum geheimist [so heimlich als
möglich]' ihren Einungsverwandten mitteilen. 1545,
ebd. — 2) f. ,Uns ist in einer g. fürkommen [mit-
geteilt worden].' 1445, B Anz. .[Des Angebers] Name
soll in gueter G. und Stille gehalten werden.' Z Münz-
mand. 1620. ,[Die 3 Eidgenossen] kamen zusammen
in der G.' Lied 1669. — Die Form mit angetretenem d (t)
beruht auf Mischung mit Geheimde.
Geheim nuss f.:= Geheim, allg. Das Bunch,
n-a [worin] die gijptaschn' [ägyptischen] G'heivinussi
dri' sind GRPr. (Schwzd.). Im S. v. Vertraulichkeit,
vertrauter Umgang: ,[Mit dem] er vil G. und Ver-
ständtnuss hat.' RCys.
hie- heim: hier zu Hause. 1420, B, wofür in einer
andern Hdschr. ,-heimen'.
bar-, her-, er-: 1. nach Hause, heimwärts. Geg
erhei go" ZO. ,Dass die unsern wider herheim [ge-]
kommen.' 1425, B Anz. ,Was fürer begegnet, sollen
die [Tagsatzungs-] boten wider herhein für einen gros-
sen Bat bringen.' 1437, Beitr. Lauf.; vgl. heim bringen.
,Sy warend 5 monat us gesyn und kernend ellendigk-
lichen erhiara.' 1521, HsStockar. ,Wir gebieten üch,
üch angänds ab und harheim zuo füegen.' 1522,
Strickl. ,Gott well, du [ein Abgesandter] bringist
mit dir har hein, dass du erfröuwist die ganz g'mein.'
UEcKST. ,A. 1522 kam ich erheim.' Salat. ,Ich bring
der küngin ein böses bottenbrot erhein.' Aal 1549.
— 2. .herheimeri', zu Hause. ,Allenthalben in den
Vogteien und h.' 1546, Absch.
Har bzw. her wurde zu er geschwächt, wobei der Weg-
fall des R noch durch die Collision der beiden Hauchlaute
begünstigt wurde; vgl. d-^r-heim aus durch-h. und ,nacher Hüs'.
da- (meist geschwächt dif-, de-, di-, in L; S der-)
-heim Aa; Ap; F; L tw.; GRh.; ScHNnk.; Th; Z, -hein
GWe., -hei Bs; Gtw.; TnErm., -keime» Aa; Aptw.;
B; Ltw.; S; TB. (-heimne-J) Tntw.; Ndw; Wtw.; Z,
di-hohnme" Sch (Stickelb.), -heimet (bzw. -d) ApH.;
Gl; Gr: daheim, allg. !''• irett, i''' irär d., Ausdruck
der Missstimmung, wenn eine Sache ins Stocken gerät
GBern.; Z. Tue fiüendj wie d., Ermunterung an Be-
suchende, sich's bequem zu machen, bei Tische un-
bedenklich zuzugreifen Z. Wenn sich der Hauswirt
gegenüber seinen Gästen wegen bescheidener Be-
dienung entschuldigt, beruhigt man ihn: M^rhänd's
d. niid eso (guetj ZO. D. git 's nüd so vil Sehne, d. h.
im heimatlichen Dorfe Bs; Z. We" mj" d. cha'"
handle', rerchaiift mrn am Beste" Bs; S (Schild). Es
Schweiz. IdiotiioD II.
isch gnuen, we"' me" d. isst, Abfertigung: ich schere
mich nicht um dich. ebd. Wärist du d. blibe', hättist
du dis Schätzen no'''. Lied; vgl. Geiss-Bock. ,Belibist
du daheimen, du hettist guote weid.' 1444, Lied. ,Wär
er deheim beliben, jm hat niemand leids getan.' Halb-
suTER. ,D. ist er ein Mann.' JMet. 1G92; vgl. Sprww.
1824, S. 49. ,Der Schuldgläubiger mag sein[en]
Schuldner heissen daheimet stan [zu Hause bleiben].'
GrKIosI LB. D. si' 1) zu Hause sein, bleiben,
allg. ; vgl. gaumen. Spec. im elterlichen Hause weilen.
Eine heiratsfähige Tochter betr. wird etwa gefragt:
Ist si no''' alliwil d., ledig? Z. — 2) wohnen, allg.
Wo bist d. ? I"'' bi" nu' niene' me d., habe nirgends
eine bleibende Stätte, bin meiner gewohnten Behag-
lichkeit zu Hause beraubt; vgl. wie entlehnt. —
— 3) für Etw. zu .sprechen', zu finden, zu haben
sein, sich auf Etw. einlassen, dazu hergeben, zu Etw.
Lust haben; dafür geeignet sein, allg.; vgl. nhd. ,zu
Hause sein'. ,Nur z' arbeiten sei sie gut genug, wenn
sie aber auch Etw. wolle, so sei Niemand d.' Gotth.
.Allerdings sind viele Meistersleute da d., dass sie mit
wenig Diensten [Dienstboten] das Unmögliche er-
schinden.' ebd. Bert [dort] bin i^'' nüd d., das ist
meine Sache (Art) nicht, so denke (handle) ich nicht,
das ist mir zuwider; abschlägige .\ntwort Z. ,Es ist
unvergessen, wie um eines bernplapharts wegen ein
schwerer ufbruch in Eidgnossen beschehen ist, iezund
aber ist nieman me d.' HBüll. 1572; vgl. ,will dem
Kind Niemand zu Gevatter stehen.' .[Den Stolzen]
kann Niemand hoch genug halten, aber wann er An-
deren weichen und Ehr beweisen soll, ist Niemand d.'
FWyss 1673. In Öppis (am-en Ort) d. si», einer
Sache, z. B. einem Berufe, gewachsen sein, sie ver-
stehen, damit vertraut sein. allg. „Er ist d., ein kunst-
erfahrner, gelehrter Mann Aa." Mit Neg., mit den
Gedanken abwesend, nicht bei Sinnen sein Ap; Ndw; Z.
,Man sagt, wenn einer mit einem trunknen rede, so
rede er mit einem, der nit daheimen sye.' LLav. 1584.
,Er ist nicht d., nicht bei sich selbst, non adest animo,
vix compos sui est.' Denzl. 1677; 1716. , Er ist nicht
d., prsesens absens; mens peregrina; mens volat. Wir
sind nicht d. gewesen, nos aliö mentein, alib dimisiraus
aures.' JMey. 1692. Ökonomisch (nicht) gut stehen F.
N. N. muess nit wd d. s'i», er het müesse" Geld vn-
mene Wuecherer dlclDir". S. noch us-gän Sp. 24.
Aus heim, hin. h.i,,:'" letztere Form wohl aus rhyth-
mischen Gründen gewählt), mit Vorseteung von da, aus ahd. dar,
dessen ;■ nach Analogie von der- (rfj-, dj.)-von, -für, -gegen.
-mit, -neben, -bl, -zue, -zwischen tw. erhalte
belegt aus dem XVI./XVII. ist die F.irm ,i
Zwingli; Fris. ; Mal.; Kurf iimv. iM.l;. iiili
auch niich il' r Fr-lrV rt\ir, IIMh|, | ||, Ii . Ii ,■,
ALU
i-..
an mhd. hcimcnen sich aiizuso
bei Kessl. (neheu .dahaimen'
heimat.' 15:38, Gr ; Guler IC
,daheimen' im Mscr. von l(i'2
Reichlich
i', so bei
lii liL^i Hill' Ii liit^rliliipft sie
I ii. II . h ,■, . - linltstellers,
,/„,,,„." -. in Um liiHiiittelbar
•sM'ii. Iin-hcimi'i auch schon
GrD. LB.; Vad. (,-id'); ,da-
; Mise. Tig. 1723 (dagegen:
Diese Form ist durch An-
tritt eines d(t) an das aus ahd. heimana verkürzte mhd. heimen
zu erklären; vgl. bei ThPlatt. 1572: ,Doheimand' neben ,do-
heiman', und unser nebend, zn-iichend (bzw. nühent. zieischent)
und .meinetwegen, allenthalben'. .Daheimden' IB Abzugsrod.
1719) viell. aus ,dahtimend' verdreht; vgl. übrigeus auch
.geheimd' für ,geheim'.
dur'^''-, meist verst. durch vorgesetztes rfjr- (aus
dar-): 1. heimwärts, in der Richtung nach Hause, bes.
mit Berücksichtigung der grössern Strecke, die man
Harn, liem, hiin. hom, hura
durchmessen muss AaP.; Sch; S; Z. So, jetz wüli'''
dur'''-hei. LSteiner. — 2. auf dem (ganzen) Wege
nach Hause Z. D^r-h. an Ei'"m fürt (alKwil) schreie"
[weinen] Z. Das hat si m^r no''' g'seit d. — Vgl.
der-durch-ln (Bd I 293) udgl.
Heimat Hehm^t n. Aa; Bs (in Bed. 3); B; Gl;
GrD.; L; ct.; Schw ; S; Th, f. Ap; BHk. ; GRtw.;
GEh., in Bed. 1 und 2 auch Bs; BSi.; Gkü.; S; Z
— PI. H-e: = Heim. 1. im allg. S., auch: Wohnort
übh. En warme' Tschöpe' ist es rechts H. Gr. D' H.
isch arm, aber doch warm. Schild. ,Dises schloss ist
mer zue einem lust- und pfaffonheimand dann zue der
were gebuwen.' Vad. ,Vernaculus, heimisch, in un-
serem haus, heimand.' Fbis. ,Morndes fanden wir die
Ente in ihrem alten H.' XVHI., LMet. v. Knon. .Dem
Comersee, ihrem [der Fische] altem Heimit.' JLCys.
1661. — 2. Heimat im speciellern S., Heimat-Dorf,
-Land, Vaterland, allg. I" d's H. macht i"'' wider B
(Schwzd.). Sig es schön i" frömde' Lande', doch es
H. wird es nie! ebd. ,Du bist in dein kropfichtes
[bergiges] H. vernarrt.' UBragg. S. noch gefründ Bd I
1305. ,[Die Schreiber sollen ihn] fragen von synem
namen, stadt oder heimend.' 1528, Absch. ,Heb dich
aus deinem h.' 1531, I.Mos.; dafür: .ziehe aus deinem
Vaterlande.' 1882. .Genitale solum, das h., da einer
geboren ist. Patria, seines heimants oder vatterlands.'
Fris.; Mal. , [Die Gesandten] sind aufgebrochen, jeder
nach seinem H.' 1618, Dordrac. ,Ins rechte H. g'hö-
rend sie [das Volk Gottes], sind überall wie Fremd-
ling hie.' Emblem. 162'2. , Solche Personen sollend
ihrer Namen und ihres H-s erkundiget werden.' Z
Armenordn. 1648. ,Wann Einer in der Gemeind, da
er gekaufet, den Einzug zahlt, soll er sein Heimet nit
mehr in der ersten, sondern in der letsteren Gemeind
haben.' LStadtr. 1706/65. .Kessler, Krämer usw., die
in ihrem H. mit Feuer und Licht nicht sess- oder
wohnhaft.' Z Stadtger. 1715. ,Die aus der Fremde
kamen und ihrem H. zu wollten.' Z Nachr. 1754.
,Von dem Prediger ihres H-s unterwiesen.' Z Predi-
cantenordn. 1758. ,Ihr vätterliches, schätzbares H. und
Vatterland.' Bs Mand. 1771. ,Von Gut, das einem
nichtverburgerten Predicanten unserer Landschaft aus
unserer Stadt Landen zufallt, soll der mit seinem H.
bestimmte [vereinbarte] Abzug bezogen werden.' 1786,
Z Ges. — 3. = Heim b. allg., ebf. häufig allitterierend
verbunden mit Hüs. Mis Ueimetli, das verchauf i"*
nit! S (Joach.). Mir hei"d's wie d' Jude', mir hei'd
Icei'' eigeni H. me"" GlMoU. [wortspielend mit Bed. 2].
's H. a'binde', von einem Schuldner ein Heirawesen
an Zahlungsstatt übernehmen BG. (Zyro). ,Er hätte
doch jetzt ein 'zahltes H.' Gottb.; dafür in der Ges.-
Ausg. : ,Haus und Hof ohne Schulden.' ,Der Vater
hielt viel darauf, dass er ein H. hatte.' ebd. !''• bin
nn Zimmerma'", ha' weder Hus no''' Hämet, ha' 's
Holz in'n Bergen obe' and kas daJiäma" Ap. ,Die H.
und Werkstelle von seinem Vater käuflich an sich
gebracht.' G 1827. ,Das H. sei zu teuer; ich glaube
es, wann zehen darab essen.' LKInderbitzi 1826. ,Ein
eigenes H. oder Häusle.' UBrägg. 1788. .Viele müssen
zu Haus ihr H. [besorgen] und an der Kirch arbeiten.'
1782, Gfd. .Ein Bergheimat.' L Intelligenzbl. 1811.
,Dass Mancher von Haus und H. wurde getriben.' 1657,
Urk. .Wann man bei einer Heimet andinget zweifache
Pfand.' 1686, Ap LB. ,Ein Guet, Haus old Heimet.'
1756, Schw Kq. Vgl. noch H.-Guet Sp. 548. — 4. adv..
bzw. in adv. Verbindungen. Vw H. chu", von Hause
Sch. Sache", dass sini sige" vo' H., die es von Hause
als Aussteuer mitgebracht habe. Gottb. ,Sy köment
von heiraet eben.' HvBüte. ,Sy sind von Haimet zogen
und siderher im Elend umher zogen.' Ap Malefizb.
1601. ,A nobis venio, ich komme von H. wie die
Kinder.' Denzl. 1677; 1716. ,Es wird Zeit sein, dass
wir auch an Heiraet gedenken.' Z Kai. 17'24 (wofür
jetzt in der MA. a" hei, heime'). ,By heimandt', in
der H. UEckst.; Syn. daheim.
Spät mhd. heimat statt älterm heimöt, wie nhd. .Monat'
für mhd. mänöl. Über die (auch Z Bibel 1548; OWerdm.
1.552 und JJRüeger 1606 belegte) Form ,Heimand, Heimant'
vgl. Weinh. al. Gr. § 201 und Gr. WB. s. v. ,Heimat'. Der
adv. Gebrauch unsers W. ist Analogie nach demjenigen des
den Bedd. nach ohnehin sehr nahe stehenden Beim, kann
aber auch auf lautlichem Wege aus heivien (s. Anm. zu da-
keim) erklärt werden.
Ü''-Heimetli: geringes Bauerngut .\aF.
Kueh-, Küehli-Heimet(li): kleines Bauern-
gut, auf dem bloss 1 oder 2 Kühe gehalten werden
können Aa; B. .Die Kuhheimetli sind zum Kaufen
und Empfangen weitaus die teuersten.' Gotth. .Wenn
das Meitschi noch ein wenig warte [bis zur Heirat],
so chönn es einen guten Schick machen, wenigstens
ein Kühheiraat fehle Dem nicht.' ebd. .Etwas besser
bestellt sind die Häuschen der Tauner, die ein sog.
Kuhheimatlein besitzen.' Aa Gem. 1844, I 444; 471.
Winter-: Grundstück, von dessen Ertrag das Vieh
den Winter über gehalten werden kann LE.; Gegs.
Sommerung. ,Man nennet die Wiesen [im Gegs. zu
den Weiden] auch W.-Heimate.' XSchnyd. 1781, H 98.
Vgl. W.-Guet Sp. 553, Heimet-Guet Sp. 548.
Heimetier m.: Weber usw., der sein Gewerbe
bei Hause betreibt Gl; Gegs. Fabrikler Bd I 636.
Heimele f.: 1. Pflanzenn. a) guter Heinrich,
chenop. bon. Hen. BSi.; Vü; Gr; GO.; S; auch H.-Erüt
Gr; GO. ; SoHwMa. ; Obw. Synn. s. bei Heinrich. —
b) gem. Knöterich, pol. bist. Gr. — c) wildi H., ährige
Rapunzel, phyt. spie. GrA. ; s. auch Samml. 1779, 233.
— 2. „heimliches Gemach U"; Syn. Heimlichkeit.
Nach Analogie von (Iriible, Grifle, HödeU u. a. Pflanzen-
und FrUchtenamen gebildete Abi. von Heim, da die unter 1 a
genannte Pflanze bes. um Haus und Stall wächst; aus dem
gleichen Grunde hat sie viell. den Namen .guter Heinrich,
(aus ,Heim-rich').
heimele": meist unpers. und mit Acc. (B; GSa.)
oder Dat. P. (BO.; Gb). heimatlich, traulich, bekannt
anmuten, freundliche Erinnerungen an die ferne Heimat
oder an vergangene, glückliche Zeiten wecken, wie
beim Anblick von dort her stammender oder ihnen
ähnlicher Gegenstände. Speciflsch Schweiz. W.; vgl.
St. U 33/4. Syn. heimschen. Hie heimelet 's v^r, hier
bin ich wie daheim. H. tuet 's Ei'^m i' der Stilli
Gr (Schwzd.). Es heumetet mi''' teäger albig an selbem
Stei- GSa. (Proph. 1855). Auch mit best. Subj.: ,Ich
sah den Bauer vor dem Stalle sitzen, gerade wie der
Vater es auch zu tun pflegte; der Anblick heimelte
mich.' Gotth. Wil i"* uf mim Reisli nüd Lebendsch
g'seh ha', hem-mer die G'ßrte' [ein paar Alpdohlen]
recht g'heimelet GnPr. (Schwzd.). Verallgemeinert:
„nach Etwas gelüsten."
a°-: = dem Vor. allg. Syn. an-ältelen Bd I 206.
Das Ort heimelet mi"'' a'. Reizen [wohl = Lust er-
wecken] G 1799. Ah\. an-lieimdig. — ver-: verheim-
lichen GeA.
Hain, heni, him, hoiu, hu
heimelig, -ich, in Gl heimeli, in ThEoid. hom-
melig: heimatlich, bekannt anmutend, tränt, heimisch,
angenehm, gemütlich, von Personen und Sachen, allg.
E h-i Stube Z. .Die Wohnung der Damen war gemüt-
licher, als man sie in Gasthöfen sonst zu finden pflegt;
man sah ihr das Heimelige gleich an.' Verg. Tage.
Es h-s Hus UwE. E h-i alti Frau, eine Zutrauen,
Anhänglichkeit erweckende Z. 's isch halt en Unglück
chn über 's Fridlis h. Lebe: Breitenst. S. noch ge-
heim. — Unterscheidet sich als Abi. von heimehn von dem
syu. heim-livh.
a"-: = dem Vor. Ap. — u°-: , fremd, nicht be-
freundet, allg.' U"-heimeU, ungemütlich, von Orten
und Personen Gl.
heimo" (in GrL. -eu-): 1. heim führen, zu sich
ins Hans aufnehmen, Heimat, Herberge, Unterkunft
gewähren, a) von Pers. BO.; Gr. E Töchter hat die
ah Miieter g'heimet GRPr. Grosseltern h. etwa Enkel-
kinder. Armi h., in die Heimatgemeinde zurückholen,
um sie zu erhalten GRPr. Als Braut heim führen,
heiraten GRPr. 's vär besser g'sx', er hette-sche [sie]
asa jungi g'heimet. Scbwzd. Ein freiendes Wildmänn-
lein singt: Übermorn' tuen i''* buche' [waschen] und
darnä'" gan «'* g,; inis Chrüseli h. B. 313. ,So einer
fremd lüt behuset, inen hüser lycht und sy heimet.-
1539/1659, B. - b) von Sachen. „Eine Kuh h., sie
als sein Eigentum nach Hause führen Gr." ,Ein ver-
lornes od. verlaufenes Tier auffangen und heimführen,
mit und ohne Recht' Bü. (Zyro). Bes. Feldfrüchte
einbringen, einheimsen Gr. ,Pfand, so geschetzt ist.
mag man h.' GrD. LB. , Gehet gewarsamlich, damit
unser banner, so unser lümd [an dem unser Leumund
hängt], nit schimpflich geheimt werde.' 1475, Müller.
Schw.-G. — 2. Etwas an sich nehmen, ziehen, an-
nehmen, sich aneignen, nicht zurückweisen Gr. Kei
Nari'g h., Nichts zu sich nehmen. Den (zu weit)
vorgestreckten Fuss zurückziehen; s. Krön. — 3. Jmd
fest nehmen, gefangen setzen. ,Die [Diebin] wart
darum gehaimot.' XIV., G Stdtb. ,Des haimatent die
rät den kneht.' ebd., neben ,haimotent.' Vgl. G Mitt.
XI 142; 143; 149; 152; 166; 171. .Man soll jn in
den turn legen, so er geheiraet wirf Sch Stdtb. ,Wa
[die Geächtete] ein vogt ald ein statt geheimen oder
gehaben möchtend.' THDiess. Stdtr. ,Als wir jn ge-
haimnot hatten.' XV., GOberried Arch. — 4. ,refl.,
sich vorsehen, hüten L"; eig. „im Heim sich bergen."
— Mhd. keimen in Bed. 1 - 3. Ygl. noch das Syn. heimsen.
vor-: verheimlichen Bs; B; VO; S. Vcn--em
Pfarrer Nüt chönne' v. JoiCH. .Joggeli war lange
nicht so teilnehmend gewesen, dass es sie dünkte, sie
könne ihm Nichts v., sie müsse ihm das Hinterste
hervorgeben.' Gotth. Das isch nit recht vo' dir, dass
d' [du] mer Selligs verheimst, ebd. ,So wird das meiste
Böse, was Quacksalber machen, verheimt aus Scham."
ebd. — Mhd. verkeimen, einfriedigen.
be-: 1. „Jmd zu sich nehmen, ihn ernähren, zumal
einen Verlassenen W'. — 2. be-heimt, heimatberech-
tigt, zu Hanse: ,Ein jeder soll in denen gerichten,
darin er b., berechtigt [processiert] werden.' 1529,
Abscb. — Bed. 1 schon mhd., 2 unmittelbar v. Siibst. Heim.
Heimich: zahmes Schwein. ,Porcus, sus, schwein
oder h.' Fris.; Mal.
Das W. anch von Dasyp. 1587 und von dem, auf nnsern
Lexikographen fnssendeu Lexilton tril. aufgenommen; vgl.:
.Heimlicher Schweineber, verres. est porcus dorn, non ca-
stratus.' Voc. ine. teut. Mal. mischt an anderer Stelle (,dcr
heimuch, porcus, gryllns') das W. mit Heim-Müch.
heimisch heimsch: 1. Wohnung habend, wohn-
haft, angesessen B (Zyro). — 2. zur (gleichen) Heimat
gehörig, einheimisch, allg. En H-e'', Eingeborner.
,So vil da g'hörend in das hus, ouch heimscher sind,
die standind us.' Eoef 1540. Sonst in der ä. Lit. meist
formelhaft den Gegensätzen gegenübergestellt. ,Er sye
landmann oder gast, heimsch oder frömd.' 144'2/1544,
ScHW LB. ,Es sei ein frömdling oder ein heimischer
im land.' 1531/48, U. Mos.; = .Einheimischer.' 1667.
,Sy wärind heimsch oder frömd oder ansländsch.' Vad.
,Einländisch, heimisch, indigena. Das bei uns im haus
wonet, domesticus. Allerlei in unserem haus, heimand
oder land geboren oder gewachsen, landlich, verna-
culus.' Mal. , Jetzunder kann man vil Malen Frömde
und Heimsche schlechtlich [kaum mehr] underschei-
den.' JMüLL. 1673. — 3. ,heimsche Güeter'. im Tal,
bei den Wohnstätten liegende; Gegs. .Berg-Güeter.'
1549, Gr Eq. (Ztschr. für schwz. E. 25, 372). Vgl.
Heimet-Guet Sp. 548. — 4. zahm, von gezähmten oder
Haustieren ApL; ScnSt.; auch von angebauten Pflan-
zen im Gegs. zu wild wachsenden ScflSt.; Th. Hämsche
Chistene" [Kastanien] udgl. ,Wild und heimsch ops.'
1548, Absch.; ähnL 1550, Arg. ,Der has, ein zag,
forchtsam und flüchtig tier, wirt gar selten heimsch
gemacht.' Tiere. 1563. , Heimsch, heimlich, cicur.'
Mal. ,Die Herdmännlin haltend die Gemsen in den
Bergen in ihrer Huet glych als ein heimsch Vych.'
ECys. ,Die Binden von heimschem oder wildem Öpfel-
baum.' Tageb. Zuber 1681. Die Heimat liebend, häus-
lich, von Weidetieren, die Abends gern heim gehen
GRÜbS.; vgl. heim-zogen. — Mhd. iu Bed. 1 und 3.
ab-: ausser Landes in Kriegsdiensten B (Durh.);
vgl. us-h.
a°-: 1. = heimisch 1 BO. Wo bist iez a-C? In der
ä. Spr. i. S. V. im (Heimat-) Lande, Hause anwesend.
,Die maus danzend, so die katz nit a. i.st.' Vad. ,Dass
Cäsar dero zyt nit a., sonder in Gallia [war].' ÄgTscbüdi.
,Domo carere, nit anheim(i)sch sein.' Fris.; Mal. ,Die
ihren anheimisch behalten und die [in den Krieg] weg-
gezogenen widerum heim forderen.' Würstisen. ,Das
ist einer erenfrouen oder tochter amt, dass sy gern
a. blybe, sich nit hin und wider auf den gassen oder
bei den malzeiten finden lasse.' LLav. 1582. ,Hie a.'
RCys.; Gegs.: ,in fremden Landen.' ,Dass ein jede
G'meind ihre Armen a. behalten soll.' B Sittenmand.
1628. ,Das3 er in seim eigenen Haus verirret [daran
irre wird] und meint, er seie nit a.' Schimpfr. 1651.
.Anheimisch, praesens; a. sein, adesse, domi esse.'
Denzl. 1677; 1716. Mit .werden' oder Vben der Be-
wegung: in der Heimat eintreffen, in die H. zurück-
kehren. .Es haben uns unser hotten, als sy anheimsch
worden sind, anzöigt...' 15'22, Strickl. .Diewyl der
stcttmeister erst diser tagen vom landgrafen [von der
Eeise zum L.] wider a. worden.' 1529. Absch.; vgl.
ebd. IV 1 a. 157. .Dass die üweren uf brechen, von
den unsern us dem feld abzühen und anheimisch ver-
rücken und länger nit bclyben wellind.' 1531, Strickl.
.Dass sy dasselbig gelt, sobald sy anhämisch kommen,
erlegen sollen.' 1551, Sch Ratsprot, .Philipp ist an-
haimsch geritten.' Kessl. .Zu meiner Wideranheim-
schung [Eückkehr].' Kriegsb. 1644. — 2. = heimiscfi 3,
Hain, hem, him, hom, hum
1288
,Nit ein frömdling oder hargeloffenen, sonder einen
a-en.' 1525, Absch. ,Er wüsse mit den Schwaben
Nichts auszurichten, wollte gern a-e Leut haben.'
1560, Mise. TiG. ,Die weil der hund ein gemein, a.
tier in allen landen ist.' Tierb. 1563. ,Frömder, nit
a., adventor, interveniens.' Mal. — 3. zutraulich, an-
hänglich. ,So [das Murmeltier] heimsch gemacht, so
gopet es mit dem menschen, wird kum ein tier dem
menschen mer a.' Tierb. 1563. — S. noch Gr. WB. I 373.
III 198 und Lexer.
i°-heimisch: l. = an-h. 2. allg. — 2. z= an-h. 1.
,Ich bin derselben zyt nit im land und ynheimisch
gewesen.' Zwingli. ,Dann ich in selben zyten stät i.
sein wird.' ÄgTsCHDDI. — Mhd. in-heimisdi, dass.
US-: fremd, ausländisch. ,Aush-e lassen sich na-
turalisieren, um in Frankreich die Stelle von Obersten
statt der Eidgenossen zu erhalten.' 1752, Abscb.
heimli(ch), -kch, -Kg (in Gl; GA.; Tntw.; ZO.
heuni-J: \. — geheim 1, heimelig Gv.. ,Wenn es grewen-
lich donneret und blitzget, so ist niemant h.' LLav.
1582. ,Gehet es dem Sünder wohl — es sei dir nicht
h. darbei, gedenke an den Tag des Gerichts.' FWtss
1672. — 2. = geheim 3. ,Frouwen oder mann, wenn
sy zuo der e kommend, da sy zuo einandren nider
w6nd, wenn sich der mann engürtet, gienge da die
frouw ab, dass sy nit h-er möchten werden . . .' 1427,
ScHwPfäff. Offn. ; vgl. Schm.-Fr. ,N. N. was allen ar-
men lüten, ouch allen synen diensten h., gesellig und
frölich.' c. 1464, Strättl. Chr. ,[Der Beichtvater des
Bruder Claus bezeugt] dass jm br. Claus villycht
allwggen h-er gewesen sye [ihm mehr Geheimnisse
vertraut habe] denn yeraand anderm.' ÜBwSachs. Kir-
chenb. ,[Er war] by 40 jaren syn h-er gesell und
gueter nachpur.' ebd. ,Sy was jm so h., dass sy jn
duzet.' Zielt 1521. ,Untödtligkeit aber macht den
menschen Gott h.' 1531/48, Säp.; = ,Unsterblichkeit
aber machet, dass man nahe bei Gott ist.' 1667/188'2.
.Convictuni habere cum alqo, eim h. und angenäm
sein, vil um einen wonen.' Fris. ,Myn Herre und
Gott, der was mir allzyt h. und ich jm, wann [denn]
er kam dick in myn Hus.' RCys. Mit Sach-Subj.: Bas
ist mir h., fällt mir nicht schwer, ist mir eine leichte
Aufgabe, das getraue ich mir wohl zu machen Gl;
vgl. daheim sin 3. — 3. = hämisch 4, von Tieren Bs;
ScH; Z. , Etliche [Wasserpferde] werden ganz milt,
heimsch und h. gemacht.' Fische. 1563. ,Dieses [Tier]
soll wunderbarlich anheirasch, h., dugentlich und milt
sein.' Tierb. 1563. S. noch lünig, us-schweif. ,H., bän-
dig, zam, 'zämt, cicur.' Mal. ,Die h-en tier, als pferd,
ochsen, hund, erwildend etwann ouch.' LLav. 1582.
— 4. verborgen, geheim, allg. I''' ha 's nüd h., sage
es unverhohlen Gl; Z. H. rergnüegt, still v. Z. I«*
icoH nüt Heimligs, iss es du ! Stutz, 's 7t. G'mach
(Ort), Abort, Abtritt Bs; B; L; SchwNuoI.; Syn. Sekret.
,1m schysshus oder h-en g'mach.' 1540/73, UMev. Chr.
,Das h. g'mach, latrina.' Mal. H. feiss, von Menschen,
s. Bd I 107'2/3; in Bed. 2 a auch GA.; in Bed. 2 b
auch L; Zg; vgl. h.-schuch. 's h. Bluet = 's gäch Bluet
Sp. 99. Arch. Vet. 1820; Römer u. Schinz 1809, 463.
Der h. Stich, seuchenartig auftretende Lungenkrank-
heit, pneumonia nerv. typh. Uw; U; auch ,der böse,
faulichte oder Alpen-Stich' genannt; vgl. JGuggenbühl
1838. ,H. klagen auf Einen', selbst, mit Eigenhülfe
Artest auf dessen Güter legen: ,Swer h. uf des andern
guet klagt, der soll es offenen vor dem schultheissen
und dien bürgeren inrent 8 tagen; tuet er des nit,
swer danne offenliche klagt [durch Gericht Arrest
legen lässt, Schuldexekution verlangt], der ist vor
jme.' Z RBr. , Denen uflosen, die den h-en verstand
[Sinn] der g'schrift eröffnend.- Zwingli. , Christen, so
sich von forcht wegen des Tyrannen h. hielten.' RCvs.
,Die grösst Not [Schmerzen] hatt ich im Buch und
an h-en Orten [Schamteilen].' 1604, Arddser. ,Ein
h-es Mittel.' ZElgg. Arzneib. ,H-es Urteil', das von
den Richtern im Ausstand gefällt wurde oder dem
keine öffentliche Gerichtsverhandlung vorangegangen
war: ,In allerhand Streithändlen und Sachen, die nach
genommenem Dank [Bedenkzeit] in einem Eechtstag
ausgesprochen und von den Landleuten insgemein h-e
Urteil genannt, soll hinfüro dem Gericht für ein Urteil
bezahlt werden 4 ß.' 1757, ßsRq.; y gl. geheim 4. ,H-er
Sonntag', einer der nächsten Sonntage vor Johannis-
Tag (Juni), an welchem durch geheime Wahl zu Frei-
burg der kleine Rat ernannt wurde; vgl. Siml.-Lcu
1722, S. 507/8. ,Zu Bern werden die Schultheissen.
der deutsche Seckelraeister, die 4 Venner und die
beiden Heimlicher die h-en Rät genennt, für die zum
Ersten alle schwere und geheime Sachen gebracht
werden.' ebd. ,H-e Räte' gab es auch in Freiburg;
s. SiML.-Leu aaO.; sie bildeten die sog. ,h-e Kammer';
s. ebd. S. 521. ,Von uns dem Burgermeister und den
h-en zu Basel [welche sonst .Heimlicher' heissen].'
1374, Geschpo. Ges.; ähnlich 1533, Absch. IV 1 c 154
für Bern. ,Das sollen die von S durch ihre H-en [so
auch bei FHaffn. 1666, sonst ,geheime Räte', s. o.]
beraten.' 1540, Absch. ,[Das] meldet der Gesandte von
Schwyz an seine Obern zu Händen der h-en Räte und
der Ausgeschossenen.' ebd. S. noch wimder-gdh Sp. 64,
Häling Sp. 1133, ÜberMt, Biren, brennen. — 5. „heim-
tückisch, verschlagen B; L"; Bs. ,Er sei halt gar ein
h-er und schlimmer als er dergleichen tue.' Breiienst.
Syn. versteckt. — Mhd. heini(e)lich, einheimisch, vertr.iut,
geheim, verborgen.
u°-: 1. = nhd. GStdt f-kchj; W. — 2. düster, vom
.aussehen BHa.; Syn. tttsam. U'hamlich, unfreundlich,
wunderlich G 1790.
heimlich e°: Adv., verborgen. ,Es sind ob 100
mann gewesen in einem hus h. verschlagen.' 1474/5.
Bs Chr. Auch ein Mal adj. gebraucht: zutraulich,
zahm. ,Es was fast kalt und warend die vegel [Vögel]
fast h.' 1527, HsStockar.
Heimlicher ra. : 1. mit der Leitung geheim zu
haltender Massregeln betrauter Beamter, ,geheimer
Rat'; „einer der ersten Staatsräte, dem im strengsten
Sinn die Pflicht obliegt, über Alles zu wachen, was
etwa den Staat und bes. seine Verfassung gefährden
kann"; eine Ehrenstelle, welche, in der Revolutions-
zeit aufgehoben, zwischen 1815/30 hie und da erneuert
wurde. In B stellten die H. eine Art Tribunat des
Grossen Rates vor und wohnten als solches den Sitzun-
gen des Kleinen Rates bei. ,Die zwen H. der Stadt
Bern haben Sorg zu tragen, dass in dem täglichen
[kleinen] Bat Nichts wider die Rechte des grossen
Rats gehandelt werde und sind gleichsam der Mund
1er Burgerschaft; sie sind pflichtig, das, welches ihnen
anvertraut worden, mit Geheimhaltung der mahnenden
Personen seiner [ihrer] Behörden anzubringen, haben
auch das Recht, Rät und Burger versammlen zu lassen
1289
Ha
und den Zugang darzu zu erlauben.' Leu, Lex. III
188/9; vgl EFvFiscHER 1868, 19/22; SiML.-Leu 1722,
500. ,Dannt, wann der Eint oder Aridere ausbleiben
wurde, er Selbigen aufzeichnen und den H-en zu ge-
bürender Abstrafung alsobald verleiden [verzeigen]
könne.' B Säumerordn. 1739. ,Es sind [in F aus dem
Kat der 00] aus jedem Stadtpanner 6, welche unter dem
Vorsitz der 4 Venneren die sogen, heimliche Kammer
ausmachen und auch H. genannt werden.' Leu, Lex. VII
385. In Bs wurden 1373 fünf H. eingesetzt. ,Das ge-
schah von grosser Notdurft unsrer Stadt wegen; denn
kein Ding und kein Beschluss konnte so heimlich in
unsern Räten geschehen, dass unsere Feinde nicht
gewarnt wurden und darum wurden die 5 H. gesetzt,
damit sie den Feinden, wie man sie schädigen könnte,
desto besser und heimlicher nachstellen möchten als
der ganze Rat, wie dies auch in andern Städten ist;
doch bringen die 5 ihre Sachen vor die Räte, wenn
es sie notdürftig dünkt.' (nach Heüsl. 1860, 384/5).
5, zuweilen auch 7 H. im XIV. auch in Z. Man sollte
ihnen , fürbringen, ob leman ützit veruäme, das der
statt schaden bringen möcht.' Bluntschli, RG. I 345.
.Heilicher [so], d. i. Einer, so im g'heim Rat ist. Wel-
cher des Heimlichen Rats wird, der soll bleiben, so lang
er sich wohl haltet' 1647, Ap LB. Vgl. ,Es soll auch
jeder Landammann allweg des Rats und Hailichs [so]
sein.' ebd. 1585/1828. — 2. vertrauter Ratgeber, Be-
rater. ,Der Befelch der Schwestern war, dass sie der
Armen, Dürftigen getreu H-e syn, die Bettligerigen
besuechen und beratsamen sollten.' 1588, Urb. des B
Bröwenhauses (nach BLMessmer 1825). — 3. Fami-
lienname. XVII., ScH.
Mhd. heimUchaere, Vertrauter, geheimer Rat. Vgl. mlat.
secreturius. Schon Boner zählt auf: ,Der nieier und der
richter, der fürsprech und der h.'
Heimlichi f.: 1. Heimlichkeit, Geheimnisskrä-
merei Sch (Bühl 1834). — 2. Vertraulichkeit. ,Aber
wie gar ir herz gerichtet was uf göttliche h., so hat
sy doch den grössten flyss [angelegt] nf...' XV., Ita-
LeG. (G Hdschr.). — Mhd. heimehche, dass.
Heimlichkeit f.: 1. trauliches Leben in häus-
licher Eingezogenheit. ,In stiller H., umziclt mit
engen Schranken.' Haller. — 2. = heimliches Ge-
mach W. ,Ein pryvet oder haimligkeit' an der Stadt-
mauer. 1491, Absch. — 8. Gehcimniss. ,üie nahen
Verwandten haben gemeinlich mehr H-en mit ein-
andern als andere Leute.' JRWaldkirch 1710. — Mhd.
heimelicheit in Bed. 2 und 3.
Müch-Heim 3Ia- bzw. Mü- AAZof.; BsStdt; B;
VO; GSa.; SG.; ,1g-,- Mal- B Kai. 1803, Mar- S
(Schild); „ScHW; Zg" -Seim (in AAZof.; BSL; Obw
Heime), MaclwiwV'^tw.- 0 tw.rMiich.tiinii) : S (Joach.),
Mücheime Av\.. II.. M. , M nrl„iww.,. l'l. -,n„i„e); GRh.,
Stdt, Ta., Mtilrhuw S il.ut.i. M,uhl.:rm GMarb.,
MüchlMm GRh.. Miahkuhiiiht AfK. (T.). Mulchamma
ApM., Mür-Heini Schw; Zg (It Iten) — ni., Mu-Heime
(bzw. Mucheime) Bs; Gl, Mu-Hei^ GA. — f.: 1. Grille,
Heimchen, und zwar zunächst Hausgrille, gryllus dom.,
dann auch mit Inbegriä'der Feldgrille, gryllus camp.,
doch immer im Gegs. zur Garten- (Maulwurfs-) Grille
(Wirre, Wirri). Syn. Much-Gueg Sp. 163, Grilli,
Heim- Mach, Heimeli. In Ap; G; UwE. = Schtcaben-
Gueg. ,[Sie sangen] dass die Fenster klirrten und
die Muheime auf dem alten Ofen herumsprangen wie
wild.' GoTTH. D' Muheime pfife'. BWyss 1863. Es
G'sicht mache', wie we" mj" M-e g' fresse" hett, sauer
sehen B; S; Syn. s. bei Erbsele Bd I 433; vgl.: ,E
G'sicht, womit man M-e vergiften könnte.' Gotth.
,Sie macht e G'sicht, als ob sie jedem M. naehschlüpfen
wollte in sein Loch.' ebd. ,Wenn ein Weiberregiment
lange dauere, bringe man es in einem Hause dahin,
dass man zuletzt Nichts mehr darin habe, als M-e
und Wanzen.' ebd. In den ä. Belegen tw. auch andere
Cicaden-Arten umfassend. ,Cicada, muchein.' Ebinger
1438. ,Von der wassermuheime ; möcht auch ein
wassergrill genennt werden.' Fiscbb. 1503. ,MylcEcos,
blatta pistenaria. ein muheimen oder orenmettel, der
gattung gewonlich bei den pfistergädnen sind. Achetae,
sind kleine tierle mit vier flüglen, sechs fuessen, in
welsch und latein cicad», werdend in tütschland nit
gefunden, etliche sagend muhenheim oder grillen.'
Fris. ; Mal. ,Der Teufel lässt sich als ein Grill oder
Muhaim sehen.' Anhorn 1674. ,Tryxalis, Grill, Muck-
heim. Achetffi, Grillen, Muhen- (Mühen-) heim.' Denzl.
1677; 1716. — 2. Schimpfw., verschlossener, finsterer,
verzagter, heimtückischer Mensch Bs; B; GTa.; Syn.
Müchi. De"- alt M. ! Gotth. En dürre M., eine hagere
Person AAZof. -^ 3. ,Muheim', Geschlechtsn. U.
Mhd. mucheime m., aus ahd. mücha-heim, mücheimo, eig.
.das im Versteck liegende Heimchen', zu ahd. mühhan, müli-
hon, im Versteck liegen, lauern. Die Verschmelzung von
ch -\- h wie z. B. in Kikh-(H)o/, Ausfall des ch wie z. B. in
den Comiip. von Aöt-J. Infolge der Verdunklung des eig.
Ursprungs des W. fanden mancherlei, z. T. sinnlose, volks-
etymologische Anlehnungen Statt; bestimmend war dabei iu
den Compp. mit Mür- der versteckte Wohnort des Tieres,
in denen mit Mal- die Stimme desselben, welche wohl mit
dem Ton einer Maultromniel verglichen wurde; vgl. bes. die
Umd. Mur-Heini (Letzteres Koseform von ,Heinrich') mit
Mül-Üetni, Maaltrommel; Grosssprecher. Zu Mu-Beie vgl.
Beic II. Mülcheim ist schwach bezeugt. Betr. die KAA.
unter 1 vgl. Fr., Ztschr. VI 228.
Heimeli n. : = dem Vor. 1, spec. Hausgrille Bs;
B (JCOtt); „L; S." 's H. betet dort und do. Hebel.
Mucheimera f.: Eschscholtzia cal., eine Garten-
Zierpflanze GWe.
Viell. wurde der Kelch, 'der einer geschnäbelten Mütze
ähnlich ist und nach der Blüte abfällt, mit dem obigen Insekt
verglichen.
Himmel ra. : 1. im nhd. S. allg. a) Himmelsgewölbe,
Firmament. Es muess Öppis sl', das de' H. treid,
sust uürd er i" falle'. Ineiches; vgl. Sp. 884 und Fr.,
Ztschr. III 414. Was tum H. fallt, schadt Niemert;
Syn. der Rege' macht nw nass ScaSt. Regne', tcas
com H. abe" mag Z ; vgl. Fr., Ztschr. VH 300. Falle'
a's [ob] »ij» vom H. chäm, schwer fallen BSi. Wie
vom H. g'falle", betroffen, bestürzt, allg. Cho' tvie
vom H. g'falle', völlig unerwartet; vgl. Wetter. Dj
H. (H. ond Erde kv) mache', Spiel der Kinder, indem
sie bei Sonnenschein flüssiges Harz aus der Rinde der
Weisstannen (Bül-Bäck) auf stehendes Wasser brin-
gen, wo es sich in Form eines Häutchens verteilt und
ein prächtiges Farbenspiel erzeugt Ap; Tir. Laufe",
so wit de'' H. blä ist Z- Undcr-em H. Nät, begritts-
verstärkend, ausgehend von der Vorstellung der weiten
Ausdehnung des H-s und der von ihm überwölbten
Erde Z; 8yi\. uf der Welt Nät; ygl. (Hus undj Heim.
Es ist u.-em H. Nut mit-^x, er ist zu Allem untüchtig.
's hät-em [z.B. bei einem Falle] u.-em H. Nüt tä\
Es tuet m^r we, ;dass d' nie wottst mit-is Fride'} ha",
1291
Ham, hem, him, ho
hum
1292
tn^r mö^'nd 's aw'' u.-em H. mache', wie mp- tvend.
Stutz. In z. T. noch abstrakterer Weise dient das
W. in gleicher Funktion in Zss. : h.-angst (Bd I 338).
-trürig, -wU; s. Fr. Ztschr. V 12 und vgl. 1 d. So-
dann noch mehr vorstärkend verbunden mit dem Gegs.
Erde, bzw. Welt: Aller H-s-Welt Nut. Gotth.; N. B
Kai. 1843. S. auch Erde Bd 1 437. Hieher auch die
begriffsverstärkende RA.: Es mächt (f malet am H.
stä* (z. B. was er g'litte" hat), es ist himmelschreiend
Aa; Sch; Z; Vgl. die ähnlichen Wendungen: .Schweren
(kriegen), dass sich der h. möchte biegen!' NMan.
.Dieselben mögen nebent dem turne einen ewigen bü
machen und den gen dem h. uf tryben, wie hoch es
inen flieget, ane alle Widerrede.' 1340, Bs ßq. ,Gen
h. richten (schicken)', im Rauch aufgehen lassen: ,Sy
schicktent das alt hus Randeck im für ze h.' ÄgTschüdi.
.Das schloss im rauch gen h. richten.' ebd. ,Die Ra-
venspurg ward gen h. gericht[et].' Vad. ,Ich mein,
der h. hang voll schollen.' Gengenb. (sprw. Bezeichnung
himmlischer Herrlichkeit; vgl. die nhd. RA. von den
,Ba9sgeigen'). Wenn kein Wirtshaus sei, welches das
Gericht beherberge, so soll auf otTenem Platz ,under
heiterm h.' gerichtet werden. 1537, Zg Stadtratsprot.
,Under dem h. ligen', unbedeckt sein, 'von einem Bade.
1578, HPantäl. ,Mit dem haupt an h. langen, gross
lob überkommen, ferire sidera vertice. Den h. mit
dem finger anrüeren, sich selbs hoch und herrlieh
halten, digito coelum attingere.' Mal. ,Was verloren
[in der Schlacht], woll er wider fangen und soll's
gleich an dem H. hangen.' 165G, Lied; vgl. Wallen-
stein vor Stralsund. ,Wenn das war ist, so will ich
dir in den H. langen, si credere fas est.' Met. Hort.
1692. S. noch Gueg Sp. 161. — b) Himmelsraum.
Schlösser i' H. baue', Luftschlösser BBurgd. ,Ihr Ge-
schrei erfüllte den H.; nein, so weit herauf kam es
nicht.' HPest. 1787. Bes. als Wohnsitz Gottes, der
Engel und Seligen; typ.: Ort der Glückseligkeit, allg.
D's Mädi hat emel g'meint, es gang-em e Tür zum H.
uf, wenn es da chönn i'sitze''. MWalden. Jetzed sind
si im H., dass er-ene [ihnen] g'sund wider g'schenht
ist. UsTERi. De» H. uf der Welt ha", ein herrliches
Leben führen Z. Z>' Engel im H. g'höre* singe', bei
heftigem Schmerz, mit Anspielung auf die bei hef-
tigen Erschütterungen des Kopfes vorkommenden ab-
normen Gehörs- (und Gesichts-) Empfindungen TaFr. ;
vgl. auch Engel Sp. 332, Für im Elsass udgl. Helf
d'r Gott i' 's Himmelt üf, Zuruf an ein Kind beim
Niesen GRPr. (Schwzd.). Einen Sterbenden z' H.
reise" (Uw; U), richte" (Gr), mit den Sterbesakra-
menten versehen ; Syn. zue-f Heren, us-trösten, -zünden,
ver-waren. Der Pfarr stat neb-'em Bett, der betet's
Buebli z' R. Wipfli. Kene" cha'" für de" Ander" z' H.
fare'. Ineichen. Si meinid, si hebid de' H. verdienet,
wenn s' di''' uvi e Mass [z. B. beim Spiele] chönnd
bringe" Z (Wolf, Gespr.); Syn. Vögeli gefangen. M^'
schleikt Keine" an Häre' in H. ie, RA. gegenüber
Solchen, die sich zieren, Etw. anzunehmen ZO. Syn.
wenn d' nüd witt, so hast g'hä'. , Mancher Liederliche
sagt, wie jener Appenzeller: P* bi gad e fr'ie Ma",
i"* cha" gad f H. oder i" d' Soll. HSchinz 1842.
Vor dir ist Nüt sicher, weder was im H. oben ist.
B Hist. Kai. 1845. ,Er ist zue Gott, er ist ze h., er
ist selig, abiit ad deos.' Fris. ,Er sihet aus, als wann
man ihm gen H. läuten müsste, vivum cadaver.' Mey.
Hort, 1602. Den höchsten Grad von Seligkeit be-
zeichnen die RAA.: Im sibe'te" H. si"'; bis in dritte'
S. verzuckt sl" Sch; Z (vgl. IL Cor. 12, 2). Spiele:
H. und Erde-Spil, in H. Koppen. Es werden auf dem
Boden durch Striche 5 staft'elweise hinter einander
liegende Quadrate bezeichnet, deren erstes Erde, das
2. Meer, das 3. , Fegfür, Rollhafen oder Gnfenbett',
das 4., das durch 2 Diagonalen weiter geteilt ist, ,die
Wolken', das letzte endlich ,H. oder Oberland' heisst.
Die Spielenden suchen in den H. zu gelangen, indem
sie auf einem Bein aus einem Raum je in und durch
den folgenden hupfen (hoppen), ohne dabei den Fuss
auf einen der gezogenen Striche zu setzen; dabei wird
ein auf die Fussspitze gelegtes Steinchen mit dem
Springfuss aus einem Gemach in das andere befördert.
Wer zuerst im H. angelangt ist. muss sein Steinchen
noch einmal über alle 7 übrigen Räume zurüekschleu-
dern, wobei die andern sich zu hüten haben, dass sie
nicht von diesem , Wetterleich' getroffen werden, an-
sonst sie wieder von vorne anfangen müssen. Wer
zuerst oder zuletzt springen soll, wird durch den Ab-
zählvers bestimmt: Und tcenn das Glöggli schlöt, sind
m^r Alli tot, und wenn das Glöggli chlinglet, sind tn^r
All im H. Vgl. auch Schweiz 1864, 472/3; heggazen
Sp. 1098, Hell Sp. 1136, Rochh. 1857, 393/4; 402/3.
H. und Hölle heissen auch 2 Abteilungen in dem
Kinderspiel Selen erlösen, in welchem es ebf. darauf
ankommt, wer aus der Hölle durch verschiedene Zwi-
schenstufen (unmittelbar vor dem H. liegen der 1.
und 2. Vorhof) in den H. gelangt. Die Entscheidung,
ob man vorrücken dürfe oder aber zurückweichen
müsse, hängt vom Loose (Messerwurf) ab. Der Ge-
winner erhält die Einsätze, oft nur aus Steinchen be-
stehend; die Andern aber müssen alsdann für ihn so
viele Vaterunser beten, als Steinchen da sind W.
Vier Ziele: H, Hölle, Fegfener und Paradies, kommen
im .Rossknecht', einem andern Spiele, vor; s. Vonbün
1862, S. 37/8, sowie beim .Engeli trägen', s. Bd I 333
und Rochh. 1857, 441/2. Über das Blumenorakel H.
oder Hölle s. Sp. 1136; doch hängt in ZSth. die Ent-
scheidung davon ab, ob die fedrige Strahlenkrone
(Liechtli) oder nur die (dunkeln) Samen bleiben. H.
ziehen. Die Spielenden stehen paarweise und fassen
mit den hoch gehobenen Händen ein zwischen ihnen
gespanntes Taschentuch. Je das hinterste Paar hat
durch jene so entstehende Gasse zu schlüpfen und
sich dann wieder vor der ganzen Gruppe in früherer
Weise aufzustellen ZWthur; Syn. Törlischlüfen. In
umschreibenden Zusätzen iron. für ,Hölle'. I" de" H.
cho', wo-n-Ei"m d' Öpfel im Sack bröte' und d' Engeli
Schivänz träge: Sprww. 1869, oder: Wo de" Engle"
Buess in Äcke' g'heit AAZein., oder: Wo me" im [dem
Verstorbenen] an Fingere' chöwnt Schwebelhölzli a'-
zünde". Sulger. ,Mancher Potentat wird den schwarzen
Englen zur ewigen Ausbeut werden und in den H. kom-
men, da die Äpfel auf den Simsen braten.' Hebt. 1658.
S. noch vor-uss Bd I 560. — c) personif., als göttliche
Macht. 0 H.. schick mrr e Pastete! ruft man scherzh.
bei plötzlicher Überraschung AaB. ; Z. — d) abstr., in
Schwurformeln. Potz H.! Meist andern Schwüren ver-
stärkend vorgesetzt: (PotzJ H.-Herrgott-Sapperment !
H.-Dunner, -Hagel! Vgl. Sp. 1075. Oft jedoch ge-
mildert durch (beschönigende) Zusätze: (Potz) H. und
Erde! oder: H, Erde, Luft und Meer! AaB.; ZStdt
(gewissermassen nur unschuldige Aufzählung der Elc
|. 0 H. und Surchrutl {^eh'Kzä..). Bes. beliebt
1293
Hain, lii'iii, liiin. hoiii, huin
1294
im Wortspiel mit Bed. 2 d : Potz H. a» der Bettst'-(t)
G; Th; Z, Bettlad! Bs; ZHombr., Ausruf der Ver-
wunderung, etwa mit dem Zusatz; Und Werch a" de
ChunUe'i GTa. Potz E. a' der Bettlätere" [-Leiter]
ScH (Kirclih.), walirsch. nur sinnlose Entstellung oder
vieil. im Gedanken an H-s-Leitere" oder Bett-Gatter.
Vgl. noch Fr., Ztschr. IV 464. ,Gotts fünf H.', neben
andern Schwüren als Gotteslästerung bestraft. 1542.
Aa Gem. — 2. übertr. a) Decke eines Gebäudes, Ge-
maches. Verschaltes Dach eines Hauses BsLangenbr.,
Höllst. Wagrechte Fläche vom untern Dachende bis
an die Mauer, gewöhnlich mit Gyps beworfen, Gyps-
decke STierst. Oberster Dachraum, meist für Geflügel
Aa; , oberster Teil des Hühnerhauses' Aa (H.). Freu
di''', mie Schätzli und freu di''', mis China, du chunnst
i" de'' H., wo d' Hüener drinn sind (gang du in seile
E., wo d' Eüener-Sedel sind)! S. Eochh. 1857, 32ti.
S. noch Eüener-E. Stichbalken und Balkenköpfe, auf
denen das Dach ruht. Rochh. 1867, II 104. ,Laquearia
sunt quffi camcram subtegunt et ornant, qua et la-
cunaria dicuntur, pro quibus nos de ligno tabulas
pingimus et himniil nuncupamus.' Zßhein. Glossen.
— b) Tron-, Trag-Himmel, Baldachin, unter dem bei
Processionen die Monstranz getragen wird. kath.ScHwz.
,Er meint, er trage den H. [fühlt sich].- Sclger. ,Ein
geler, damastiner h.' 1525, Z Inv. (Chorherrenstift).
,Man Süll [auf der Procession] das hl. pluet mit dem
h. und kerzen und stangen beleiten.' 1569, Gpd. ,Dass
die Juden ein ehe einzusegnen willige erlaubniss er-
langet, also, dass sie dahin mit einem tuech oder h.,
an vier stangen getragen, gezogen sind.' Wegelin.
,Cadurcum, H., darunder das Sacrament getragen wird
oder Könige und Fürsten gehen, vulgo Baldach.' Denzl.
1677; 1716. ,Der Priester wird am Kreuzgang ge-
führet unter einem blauen, damastenen H., so von
vier der kleinen Räten an 4 Stangen getragen wird.'
SiHL.-Leu 1722. — c) Bühnenhimmel, s. hölzig. —
d) Betthimmel B (Zyro). .Vier hüpsch Bettstatten mit
ganzen Hiramlen und Fuessschemlen.' 1627, TaBürgl.
Inv. ,Conopeum, H. über ein Bett.' Denzl. 1677. —
e) Gaumen; „innerer, gewölbter Teil des Mundes B;
VC; S;" W(auch Mund-E.). — f) Schirmdecke eines
Botenwagens S (BWyss); Syn. Huder (en) IL —
g) „(hohle) Decke oder Haut auf der Oberfläche flüs-
siger Körper, zunächst vom Wein in einem Fasse, oder
von der Milch, wenn dieselbe längere Zeit gestanden
hat L". — h) ,Das 5. Wesen [Quintessenz] nennen
einige Alchemysten seiner Eigenschaften wegen den
H. [= lat. coelum].' JRLandexb. 1608. — i) Hausn.,
Zunfthaus der Maler und Sattler Bs; daher die Scherz-
frage : Was ist oben am H. 'i Antw. : De' wild Ma".
— k) Flurn. ; Nenziger E., Hintergrund des Gam-
pertontals GaPr.
Mhd. himd in Bed. 1 und 2 b. Der ia der ä. Spr. für
die Bed. 1 oft vorkomniende PI. (,tod himmlen g'fallen.'
UMey., Chr.; ,von liimmleu herab.' OWerdm. 155'2, wofür:
,vom h. herab.' Herborn 1.588; , unser Vater, der du bist in
Himmlen!' Zf) erklärt sich aus biblischem Sprachgebrauch,
der darauf beruht, dass das entsprechende W. des Urtextes
Pl.-Form hat uod auch im griechischen Texte durch den Fl.
wiedergegeben wurde. Über die Berührung der Bezeich-
nungen für .Himmel' und , Gaumen' s. Haupt, Ztschr. VI 541;
die vermittelnde, gms. Bed. ist , Wölbung'. Syn. zu 2 a, b
und e Nimleze'.
Freude°-Himmel: = Eimmel 2 b ZWettschw.
Er hed siner Lebtig müesse" im Sorgestuel sitze'; er
hed de' Fr. nie g'seh'". — Hüener-: = Eimmel 2 a.
Bildl. in der scherzh. RA.: Bis in sibe'te' E. verzuckt
si" Z. — Chil'''e°-: Kirchendecke, Boden über dem
KirchenschilF, Dachraum einer Kirche Z. .Im Kir-
chen-H. zu ZWetz. sollte Pulver aufbewahrt werden.'
1769, Meier. — Mund- = Eimmel 2 e.
Ross-: 1. in der scherzh. RA.: In K. chö', in
einen Himmel niederu Ranges, nicht in den rechten
Himmel, in die Hölle kommen AAFri.; Bs; VO. —
2. Flurn., gefährliche Stelle der Strasse nach UwE.,
wo schon viele Pferde gestürzt sein sollen ; vgl.
himmlen. — lioss bezeichnet in Zss. oft das Stärkere, Grö-
bere, daher relativ Geringwertige.
Bettstatt- Bettstf-: ~ Eimmel Id. .[Fenster-]
Scheiben, so gross wie ein B.' Stutz.
himmele" Gb, sonst /w»i»iZe" (himmju W): in den
Himmel eingehen, kommen, in UwE. euphemistische
(daher bes. von kleinen Kindern), dagegen anderwärts
mehr oder weniger als roh oder scherzh. betrachtete
Umschreibung für .sterben', allg. Vgl. Eimmel 1 b.
Er isch g'himmlet S (sonst mit .haben'). E. ivelle',
dem Tode nahe sein. E. mitesse'. Es himmlet si'""
nid so liecht, ist nicht so leicht, in den Himmel zu
kommen UwE. ,Wo es sich nicht himmlet, da hellet es
sich.' ,FWyss 1673. 371, wenn man nicht dem Himmel-
reiche nachjagt, geht man der Hölle zu. ,Als wann
ihnen das Leben verleidet und sie alle Augenblicke
himmeln wollten.' JJUlr. 1733.
Das Hülfsverb .sein', welchem St. einen grössern geo-
graphischen Umfang zuweist, ist wohl nur entlehnt von
.sterben' oder .in den Himmel kommen'.
Hans Himmeli: fingierter Name, in der R.\.:
Warte' bis a' 's Eans Eimmelis Tag, bis an Nimmer-
mehrtag ZWl.
Vgl. Niemerlia-Twj, aus welchem unser W. möglicher-
weise nur entstellt ist, um eine Alliteration und eine nicht
üble Anlehnung an Himmel zu erhalten: glchs. der Tag. den
man erst im Himmel begeht, also .eine Vertröstung auf's
Jenseits'.
Himmlete f.: 1. Gewölbe od. Decke einer Kirche
Ap. — 2. Betthimmel AaF.; Ap; ScuSt; ZW. .Ein
Bettstatt mit H-n.' G 1675.
In AaF. in Bed. 2 differenciert gegenüber dem sonst in
beiden Bedd. syn. Mimmieze, aus welchem unser W. mit An-
lehnung an Fueasete, Hauptete, Kop/ete zu erklären ist. Vgl.
auch Himmel 2.
Himmleze" (auch Eimmelze, Eimmlize S) f.:
1. Decke, bes. gewölbte, verzierte eines Gemaches oder
Gebäudes AaF.; G; spec. der Kirche Aa; VO; G; Z.
.Die h. zue dem ölberg.' 1482. ZGrossm. Baurechn.
,Sy zerschluegen die h. in der kilchen ganz und gar.'
Val.Tschddi 1533. .Im chor stuend an [eine] schone,
hoche tafel, bis an die himmels erhocht.' Kessl. .[Der
Baumeister] soll die h.. die jetz in der chilchen ist,
den chilchern lan.' 1558, Gfd. ,Wir haben StGan-
gulphi Capoll von neuem bestechen lassen samt neuen
fensteren darin machen und das täfel oben an der h.'
1588, ScHwE. Klosterarch. ,Basilicam vocat sacellum
in ffidibus privatis adornatum, in quo sacra peragi
debeant, Himmelz Alammannis.' Goldast. — 2. Bett-
himmel Aa; Bs (Spreng); „B;" VO; S; Z. .Conopeum,
die h. ob einem bett.' Fris.; Mal. ,Ein bettstatt mit
einer ganzen himeliz.' 1588, G Inv. ,An die Himmelz
des Betts.' RCys. — 3. ausgespanntes Tuch (als Schutz-
dach), Tron-, Trag-Himmel Scbw; Zg. ,Undcr einer
1295
Harn, hem. hiiii, hoiii, hnm
1296
h., die truegent vier der rät.' XV., Konst. Chr. ,Mit
dein sacrament sollen gan beid burgermeister und die
h. tragen.' 14(j7, Sch Eatsprot. ,Es was ob dem sessel
ufgespannen ein h., die was von schwarzem, geblüem-
ten samat.' Zielt 1521 (neben ,himmelsse'). — 4. rings
um ein Himmelbett gespannter Vorhang AAZein. (an
der Himmlete befestigt); B (Zyro); S. Bettvorhang
übh. S. — 5. ,Palatum, räch vel himeltz.' Ebinger. -
Mhd. himelize in Bed. 1 n. 3; vgl. noch Gr. WB. ,Himmelze'.
himmlisch: wie nhd. , Himmelische körpel [Lei-
ber].' 1531/60, 1. Cor. ,Das himelsch und ewig leben.'
B 8yn. 1532.
da-, de-hi^mer: 1. da fällt mir ein, ja so, frz.
ii propos BSa. B., jetz hätt t"* fast vergesse* . . . —
2. wenigstens, nur BSa. Rättisch doch d. gewartet!
Es scheint eine in 1 als Ausruf des sich plötzlich Be-
sinnenden, in 2 als leichte Schelte oder Verwünschung ge-
biauchte, euphem. stark entstellte Schwurformel zu Grunde
zu liegen, in welcher da (d^) der best. Art. wäre, wie in
den ähnlich gebrauchten der Guggcr, Tünitj, Tügf/er, wobei
zu beachten ist, dass i- in der betr. MA. den Diphth. ei
vertreten kann. Da hi-mer könnte dort auch heissen; ,da
haben wir [es].'
Himmerich: Flurn. ,Drei Tagwen, uf-em Himerech
genannt.' 1634, ZAusl. (Schuldbr.).
Ob aus dem ahd. hindberahi, Himbeergebüsch, wie der
Flurn. Immerich (Th) viell. aus Imperi? S. noch Tilm. Id.
Immerhin stimmen wenigstens die heutigen Formen für , Him-
beere' nicht; man hat daher viell. Yerderbniss aus ffimmel-
Jluh anzunehmen; vgl. Pamdu, ebenf. Flurname, und Hell.
,himiie° = higgen Sp. 1099 LE."
Wie Pieses Nachahmung des Naturlautes und der müh-
samen Atembewegung, die gewissermassen durch die mühsame
Ansspr. des W. symbolisch ausgedrückt erscheint; vgl. nd.
hjjmen, keicben, schwer Atem holen. Vgl. .bimmern' bei Gr.
WB. und liaben III Sp. 930; ferner hijtpnen. zu welchem
sich unser W. verhalten könnte, wie homne zu hobne.
Homel m.: nichtsnutzige Weibsperson ZW.
Vgl. (allerdings mit abweichendem Voc.) das Syn. Hummi.
Das Masc. zur Bezeichnung derber, unweiblicher, ,niännischer'
Weibspersonen ist der MA. sehr geläufig; vgl. Buehen-Holder
Sp. 1183, Bauderidau Sp. 984 u. A.
liomme", zsgesetzt da-homm GRh., ie-homne Gr
Tsehiertsch.: da, hier oben, droben.
Big. hie-ob(n)en (s. Bd I 50/1) und alsdann mit pleo-
nastischer Vorsetzung von da, bzw. hie; in ie-h. ist hie also
eig. 2 Mal enthalten, aber das erste h der Erleichterung der
Ausspr. wegen abgefallen.
Hexi-Homo: corrumpiert für Eccehomo (Bd I 63) L.
Ilöm: in dem Schlittenruf uss h. Bsßiehen. Synn.
s. bei hä Sp. 845.
Uamanist m.: Schüler des humanistischen Gym-
nasiums Bs. Als PL, übertr., die Anstalt .selbst Bs
(Spreng).
Hummel Gl; G; Ztw., Humhel BU.; Z, Ummel B.
— PI. Hummel, Hümfbjel, Ummle — m., Rummele
Bs; ScuSt.; S; Th; ZWyl. Rumbele Z (Spillm.), Ummele
BsBirs., Umbele AaP. — f., nur als Dim. Rummeli S.
Hümbeli Aa (H.) — n.: 1. Hummel (ohne Unterschei-
dung der Unterarten), allg. Tue* wie d' H. in ere
Guttere, unruhig herum fahren; vgl. Sp. 532; Syn.
tuen wie d' Ghatz am Rälsig (Drät). ,Ein h. am faden
ist wilder, denn all götzen, die da stond.' UEckst.
,Er ist närrisch worden, hat Hummel im Kopf.' UBrägg.
1780; vgl. Giieg Sp. 161, ,H.-Hirn' bei Gr. WB. S. noch
Musen-Gang Sp. 352. Aberglaube: Um an die Hexen-
versammlungen gehen zu können, Hess eine Frau
Abends vorher ein Fenster offen stehen, um dann
Nachts durch dasselbe als H. davon zu fliegen.' S. Gl
Gem. 318. Einer H. darf man nichts Leides antun ZO.
Die wiedertäuferischen Nikodemiten communicierten,
indem sie eine H. in den Mund empftengen, s. Lux.
Sag. 359. ,k\\e diejenige, welche die evangelische
Religion haben angenommen, die haben einen H. müs-
sen fressen, so der Teufel selbst gewesen.' ClSchob.
1695. S. noch 4. — 2. kleines, unruhiges, lärmendes
Kind B, oft als leichte Schelte S; Z. Du R-s H. !
E wildi R., unruhige Person ScuSt; Syn. Ameise
Bd I 216. Mürrisches Weib AAFri. ; vgl. Surri. S. noch
Ummel Bd I 232. — 3. der Schüler, welcher den letz-
ten Platz der Klasse einnimmt ZStdtf. Rummeli,
scherzh. für einen Schüler, der nach den Stunden
nachsitzen muss ZWyla. — 4. euphem. für Teufel
(vgl. 1), nur als Gen. Adjj. und Substst. vorgesetzt
Th; Z. E R-s Zug, eine verzwickte Geschichte. R-s
g'spässig, recht sonderbar ZO. ; Syn. Tummel. —
5. Geschlechtsn. ,Hum(b)el' Bs; B; Uw f. ,Hurabel.'
1653, AAWett. Klosterarch. , Hummel' bekanntlich auch
Name, den HPest. dem Vogte in Lienh. und Gertr.
gibt. — 6. Flurn. ,Hummel-Hof' ScHwArt, ,-Berg' Tb,
,-Wald' G; nicht aber im Rumbel B; Z, s. hoch Sp. 976.
Mhd. hummel, humbel, in Bed. 1, zu huinmen, summen,
vgl. das syn. Brummel, und vgl. Fr., Ztschr. VI 81/3. Neben
der ganzen Gruppe her geht eine sinnvwdte mit dem Anl. m.
Zu 3 vgl. die RA. ,brummen müssen'. Die Beziehung auf
den Teufel- und Hexenglauben mag die H. t. der schwarzen
Farbe einzelner Arten, t. dem brummenden, geräuschvollen
Fluge, t. dem haarigen heibe zu verdauken haben ; vgl. hier-
über Anm. zu Ruwj<jdis-Hafen Sp. 1016, TüfeU-Chatz (-Gross-
Mueter), Raupe. Übrigens pflegen Elbe, bes. bösartige, und
so auch der Teufel, die Gestalt von fliegenden Insekten an-
zunehmen. Der , Hummel-Hof soll seinen Namen nach der
oben berührten Sage erhalten haben, da die Nikodemiten
dort ihre einsamen Zskünfte hielten.
Humme" f.: „Ohrfeige Sch"; Schlag auf den
Buckel ScHHa.
Die Namen der Schläge stehen oft mit Klangww. in Ver-
bindung; vgl. Mul-ScheUe : schallen ; Klapf t klepfen ; Schmätter-
li'ij : achwtttteren; nhd. ,Klaps : klappen' u. A. ; s. auch Humikn.
„humme": Ohrfeigen geben Sch."
er-, modern ver-: 1. erschrecken, in Schrecken,
Betrühniss versetzen, ausser Fassung bringen Gl;
ScHW; Zg. Der Lanzig [Frühling] jagt de" Winter,
das tuet-en schier v. Schw (Schwzd.). ,lch will meinen
schrScken vor dir her senden und alles volk e., dahin
du kummst.' 1531, II. Mos.; dafür: ,will in allem volk
ein aufruer anrichten.' 1548, ebd.; ,eine Verwirrung.'
1667/1882. Bes. als Ptc. Perf. ver-hummCeJt, nieder-
geschlagen, in sich selbst verloren, verwirrt, ausser
sich, verweint; Syn. verhürschet, -tatteret. Ei"'m no'''
wie v. nocha guggn. Schwzd. ,Wiewol jedermann in
den dry ländern des zwangs der landvögten beschwert
was, so was man doch in der sach erhummet, dass
sich niemand dorft widersetzen.' Äg.Tschddi. — 2. intr.,
in Schrecken geraten. .Sy werdend e., grimmen und
schmerzen werdend sy ankommen.' 1531/48, Jes.;
= , erschreckt werden.' 1667/1882.
Zu 1. Eig. so viel als: durch einen Schlag (an den
Kopf) betäuben; vgl.: ,klopfen': crA-;«;;/™ [erschrecken]; er-
latteren, erschüttern: er-tatteret, erschrocken; und nhd. .er-
schüttern : erschüttert'.
1297
Hain
iiilii. Hamb liiiuib. Haiml
Humihi n.: einfältige, träge, nachlässig gekleidete
Weibsperson SWass. ; Syn. Mummi.
(H)umralere f., PI. (H)ummleri : Hunimelnest
Bü. — Gebildet mit der Endung -ere, die sonst den Ort
von PÜanzimgen anzeigt,
liüni(b)elo": leise schreien, wimmern, bes. von
Kindern Aa ; L. Bu chaust-m^r h., derbe Abfertigung L.
— Ilim. zu mhd. hummen; vgl. «KiTe7i (mrrelen).
(H)nmnierli AABb.: Sorte kleiner, runder Äpfel;
S)n. Miimma-Ji.
Oll von 'huiiimcren, einer Intens.-Bildung von hummen,
und nach dem Ton benannt, der beim Kollern auf dem Boden
erzeugt wird? Vgl. tui/imc», dumpf tönen: -BjfmiHcWi, kurzer,
runder Körper.
Hnmler = Umler Bd I 233. ,üas tuech, so der
pfaft' uf das houpt legt, genannt der h.' NMan.
Humor m.: Denk-, Gemüts-Art. ,üie Legaten seien
unsere Landesart und H-e nicht gewohnt.' 10.50, Absch.
Hamberch s. Hand-Werch. Hamb
Hambetzgi, Humbasle, Huiubetzgi s. .
Bd 1 21(5. Himbele s. Hind-Beri. Hii
s. Hummel.
Hamd— humd.
Hi^nid GrI>.; Sch, Hcmmed InWeinf., Hemt Gr,
Hemmli Bs; B; F; GrD., Pr.; L; S (Hewdli. Joach.);
Uw; Zg, Hörn mli Aa; L; S, Hemmeti GrA., Hemb Gk
Val., S.; Sch; S; ZW., Hemb(lji W, Henqi Ap; B; Gl;
GRMai.; G; Z, Hempli GlK.; G; SchwE.; Z — PI.
H-er, in GrS. Hempi — n.: 1. wie nhd.; in ä. Spr.
auch = Leibrock. Ristigi Hömnili und röti Fatzenetli
S (Joach.). I" schnetvisse' HempUsermle'. Liener* 1888.
D' Hemptermel hinderschi g'stürmet [zurückgestreift]
GRPr. (Schwzd.). ,Ein dünnes Kitteli, ein grobes
Herameli.' Gotth. Blau oder welsch Hemli, Blouse Bs.
!<■'' gib (lach) di"' a; i'* gib (lach) di''- be, i'* ha' di'''
nacht im Bem(ejli g'seh Bs ; S (Kdrspruch). Jud, Jud,
hesch Sjjeck im Sack und im Hömmli Sigellack! S.
Nimm en Zipfel Hemp i' 's Mül und schäm -di"'' G.
De*" hat lies Hemp a", vexierend zu Kindern, wobei
man den deutenden Finger selber meint Z. De fürig
Ma'" het es brönndligs Hemmli a" S (Schild). Hirate",
sobald 's us-eren Ell es Hemmli git, Tadel des frühen
Heiratens U. Mit ZU und Wil icird us-em Hauf-
stengel es Hömmli Aa (Schwzd.). 's Hemp (uf-em
Llb), das dem Menschen Nächste, Unentbehrlichste.
Er gab 's Hemp ab-em Llb, er ist überaus freigebig Z;
's H. uf-em Lib schuldig si' L; Sch; Z. 's Hömmli
i" der Wasch ha"; er hed i' jeder Wasch es Hömmli,
Spott über Armseligkeit L. Wenn nw i''' eis Hemp
ha' und der Zü'stecken eis OnMai., Pi.A. armer Leute
und Vagabunden, die nur 2 Hemden besitzen, 's Hempli
ist-mer näher als 's Böckli, der nähere Verwandte geht
vor. SuLGER. 's Hemmli ist näher weder d' Chutte' B;
's Himp ist eim albigs nöucher a's d' House' GSa.
(Postheiri 1869). ,Es ist besser das Hemd verlieren
als alle Kleider.' Sdlger. Eim 's Hömmli i"e-mache",
ihn zum Schweigen bringen L, bezieht sich auf die
alte Sitte, den Gegner durch Biossiegen, Heraus-
strecken des Hemdes zu verhöhnen, also = Einem
Schweiz. Idiotikon. II.
diesen Hohn verleiden. Z' Morgarten hend 'nen eusi
Lüt an"'' 's Hömmli inen g'macht. HXfl. 1801. Er
hat e subers Hemli a', ist ohne Schuld und Makel U.
Enere Jump f er uf's Hemp oder uf de' Bock trete', in
sie verliebt sein. Sülger. ,Ein sydin henietlin wyss.'
Z Lied. ,Ein rock und zwei hemmli.' 1387, L Urk.
,Schuech, hempli.' THErni. Offn. S. Äser Bd I 506.
,Ein mann soll haben 3 oder 4 hembdlin.' 1460, Bs
(Gto.). ,Man Hess die 1400 knecht [der Feinde] all
in blossen hemmlinen und steckli in iren bänden durch
[den] ring der eignossen us an ir gwarsarai.' Edlib. .Was
meinend ir, dass zum leisten uss den guldinen hembd-
linen werde, fingerring, sydiner kleidung?' Zwingli.
, Escher mag noch wol ein heisses hemdlin anhon.'
1526, Egli, Act. 501, wo seine Vergehen aufgezeichnet
sind. , Tuend das hembd. über den rock an [handeln
verkehrt].' Salat. Narr, schmäht die hochmütige
Tochter Sauls: ,Jungfrow, dreck im herad halt dich
füecht, man weisst wol, wie dein adel lücht, ja grad
wie die g'mölten sternen.' VBoltz 1554. , Erfüllt kein
hemmet mit syra schweiss.' Gletting 1560. ,Adductus
est in summas angustias, man hat jm das hemdle
heiss gemacht.' Fris.; Mal. ,Ein glismet hembd in
der kammer, darin sy ligen.' 1571, Z Inv. ,Nützig
anhan, dann bloss ein hemb.' 1578, UMet. ,Das volk
hat mir myn hemralin gmachet heiss.' RSchmid 1579.
,Hat uf der rechten Hand zum Hempt g'lassen [zu
Ader gelassen] und ist ihme die Aderen erschweren.'
RCys. ,Höralinen 30.' 1604, L. ,Als dem Bapst an-
fieng die Wyl lang und das Hembdli heiss werden,
floch er heimlich uss der Engelburg.' JJRüeger 1605.
,Wysse Hembder.' ebd. ,Caraisia, Alamannis corrupta
voce Hämmet.' Goldasi 1606. .Wartet, ihr müsst
vor ein weisses Hembdlein legen an', sagt die Edel-
frau zu ihrem Gemahl, der ausgehen will. Myricäus
1630; vgl. beiläufig, dass der bekannte Kleinjogg sich
rühmte, dass er jede Woche ein frisches H. anzog,
während die übrigen Bauern die ihrigen je einen
Monat trugen. ,Hämpter.' Schimpfr. 1651. , Einem
das Heradlein warm machen, ihn ängstigen.' Hospin.
1683. ,Hemnieder.- 1727, G Kleiderordn. ,Die falschen
Steinen an Hemmli-Knöpflenen.' B Luxusmand. 17'28.
,üas g'malot [mit Buntstickerei verzierte] schönere
Hemli [Hirtenhemd].' Makar. Ged. XVIII., Uw. S. noch
Güller Sp. 218. — 2. Hemmeli, die unter den äussern
Flügeln liegenden Hinterflügel der Käfer Bs.
Mhd. At')»fdc, hcriHh-, worauji sich, iinlir II iii/uii;ili)iif ii.>s
homorganen h, die verschiedcurii FniiiMn [n. ht nU.iirn.
Die Verwendung der dim. Form i.hnr ihni ]'..■■{ . wclrlir i i.l-
orts üblich ist, lässt sich nicht lil"^. im- ^l-i iIIl-, \miIi,Ihj
der Gebirgsmundarten für dini. ;\n-ili im Uu- i-c .i kl, neu,
sondern hat ihren Grund wohl dium, •\:\-- h,„n.i, mhl ihhIj
mehr das einfache Stamniw. hmih, ui-in. flu ;r;iiizr Klrnhing
bedeutet, im Veiirlricln- mit wrlrlin ^Li^ II. allerdings kürzer
und kleiner ist; v-l. r,,,!.,-. I'nr^ll In den betr. MAA.
hat sich für den «irklhh dim. Siiiii meist eine secundäre
Dim. -Form HemuuU, lltmj,Ji lieiaiisgebiklet, ein Vorgang, zu
welchem auch andere Sprachen Beispiele bieten : ,Jüngelchen' ;
it. cagetta caaettina; lat. capitulum capiteilum; gr. 7iat5tgx>)
uatSisxdpiov.
Unde r-: 1. Hemd ohne Ärmel B; Gl. Vgl. H.-Stock.
— 2. in ä. Spr. = Hemd im jetzigen gewöhnlichen S.,
da das einlache ,Hemd' in ä. Spr. auch Leibrock,
Wamnis bedeutete. ,3 underhempter.' 1469, Z Inv.
,Die efrow soll irs manns schulden helfen bezalen bis
an das underhembdt, so sy an irem lyb treit' 1512,
Hamd, lienid, himd. homd, humd
Z Verordn. ,Eine Frau, die in ergangnem Auffalle
bis an das TJnderhemd bezahlt hat. haftet mit später
Ererbtem nicht.' 1550, Z. ,Ein frouw Soll für den
abgestorbnen mann bis an das underhcmbt instön und
die ansprechenden bezalen.' 1570, Gl. .Manns-. Nestel-,
Wyberhembder, auch Underhempdli.' 1571, Z Inv. —
3. Vertrauter, Busenfreund, mit verächtlicher Nbbed.
Bs (Spreng); Gl; L; G; Schw. ,Der bischof von
Mainz, der des papst underhempt was.' Vad. ,Intimus
sum illi, ich bin seiner der aller liebst freund, sein
underhembd. Die aller angnemsten oder anheimsten
des künigs, die allweg inen an der Seiten sind, des
künigs underhemd, wie man spricht, a latero regis.'
Fris.: Mal. So auch Denzl. 1716. — Er -Hemd.
,Els natlerin het gen [an StLienhards Bruderschaft]
ein schuhen und ein erhärapt und ein düechli.' c. 1500,
ScHwIngenb. Urbar.
Für-: Vorrichtung im Vorderteil des Fischerkahns
(,Einbaums'), um die F''n.Miif:iniic' anzubringen LVitzn.
(Alpenp. 1871, Kii»), - //.„</ :. i-t -irli hier noch in der
urspr. Bed. Hülle; s. //«/.,,-//. n. a. . vl-1. auch Chämmi-Schöss.
Pueter-: hemdartiger, bei den Älplern mit Ka-
puze versehener Überwurf, Überherad, gewöhnlich von
grober Leinwand, welches zur Schonung der übrigen
Kleider bei bäurischen Arbeiten, bes. beim Füttern
des Viehes und beim Heutragen, angezogen wird Ap;
Gl; Gn; Z; Syn. Hirt-H., -Schlufi; Fueter-Juppen,
-Chutten; Panzer. ,Die Sennen tragen zwilchene Ho-
sen und Futterhemd.' Gem. Ap 1835. — „Flück-:
Kiemchen von Leder, das sich um den Leib des an-
geläuferten Vogels schlingt Aa; B." — Göller-:
Hemd mit Göller 1 h (Sp. 218) Bs; Z. — Gotte--
Hempli: Hemdchen, welches einem Kinde von der
Patin (Gotten) geschenkt wurde Ap. ,Gotten-Hemdli'
auch in den Z Mand. von 1680—1733; vgl. Gotten-
Kittel, Beit-Hemd. — Glungg-Hemd: (geringes)
Uberhemd ZEüml. Davon Adj. glungg -liempig , s.
glunggen I Sp. 634.
Hab er-Hömm(e)li: Haferspreu, Hülse, welche
den Haferkern umschliesst LG. - Vgl. Anm. zu Für-H.,
auch Hemd S.
Hirt- GRVals; L; Schw; Uw; Z, Hirte-- Gl;
„Vw", Hirter-Hemd W : = Ftieterhemd. Bisweilen
nennt man auch die Blousen so : es blaitcs [blaues]
S. üw. Us Sidenzüg hat me" [bei Grandson] Hirt-
Mmmli g'macht. Schw Fasnachtsp. 1865. — Gade"-
Hirt-: das ungefärbte und schmucklose Werktags-
hirtenhemd, wie es im Gaden getragen wird, im Gegs.
zu dem braunen, mit bunter Stickerei verzierten Sonn-
tagshirtenhemd des Älplers Uw. — ,Kittel-Hembd:
ein dünn, zart kleid, so die weiber in grosser hitz
tragend, theristrum, amictorium.' Mal. — Krage"-:
Hemd, Überwurf mit Kragen. Ein Zg Eeisläufer in
frz. Diensten ,hat ein kr.-henibd an, vollen gilgen.-
1522, Strickl. ,6emanget Kr.' Liebenaü 1881. — Lib-:
veraltendes Kleidungsstück, Jacke der Weiber, welche
hinten in zwei Spitzen ausläuft GrV. ^ Manne"-:
Männerhemd. En alts, treits [getragenes] M. um de'
Chopf umme g'nä [genommen] ist für Vils [Kopf-,
Zahnweh der Frauen] guet Z Zoll. (Volksglaube).
,1 trog, darin 7 mannshembden.'' 1571, Z Liv. ,Vl2
Dotzet Mannshemper.' c. 1600, ebd.
Nebel-Hemli: äusserst dünner Nebel, der auf
dem Boden oder auch höher lagernd die Gegend
schleierartig überzieht BO. 's N. ist g'spannet BBe.
— Vgl. die Tarnkappe der Zwerge, die auch das Wetter
machen helfen.
Nestel-Hemd: Hemd mit Schnüren statt mit
Haften zum Schliessen. 1557, Lind.
Danach wohl zu verhessern die von Balthas., Helv. IV
531 aus Tschudi überlieferte Stelle: ,Die Landsknecht bis
in ihr Nesselheradli nackend usziechen.'
Nater-: abgestreifte Haut der Nattern. ,Verna-
tionem sive exuvias, quas nostri Naterhembd, vel
Schlangenhaut appellant' Wagner 1680. — Bad-:
wie nhd. allg. Ein .Mannbadhempt.' 1469, Z Inv. —
Be'iji-Hörali: Bienenherad, Überwurf zum Schutz
gegen Bienenstich beim Schneiden des Honigs B. ,In-
dusium, quo quis se defendit adversus ictus apium.'
Id. ß II 367 a.
Burgunder-Hemd: blaues Fuhrmaunsüberherad,
Blouse Aa; Bs; S; Syn. welsch Hemd. — Aus Frank-
reich (spec. Burgund) stammend.
Beit-: das dem Täufling von der Patin geschenkte
Hemdchen, Westerhemd. Syn. Beit-Gewand. ,Sovil
die Beithemeli und Gottenkittel, auch Röckli, so vil
Malen von den Gotten anstatt der Gottenkittlen ge-
geben werden, belanget.' Z Mand. 1616. ,Diewyln wir
die Kuechleten, desgleichen die Beithemeli, Gotten-
kittel abgestellt habend.' 1624, Z Staatsarch. S. noch
Götti Sp. 528.
Gegenüber dem nach der Taufe erfolgenden Patengeschenk
ist das B. das geringere und glchs. das Angeld (vgl. Beit-
P/ennii/), die Anwartschaft darauf hin; beiten, warten.
Summer-. ,Thamar bekleidt sich mit einem schö-
nen, wyssen sommerhemmat.' Zwingli.
Nach I. Mos. 38, U = , Bedeckte sich mit einem Schleier.'
Z Bib. 1883. Zwingli gibt das gr. 8-eptOTpov, Sommerkleid,
wieder. Vgl. noch Kittd-H.
Senne°-Hömmli: 1. das weisse, kurze Hemd,
das der Senn oder Küher, namentlich auf den Alpen,
als Oberkleid trägt L; vgl. Hirt-H. — 2. auch Dira.
S.-Hümmeli (scherzli.), die Decke auf der Milch, die
sich nach dem Sieden der letztern beim beginnenden
Erkalten bildet L.
Wil-Hemd. , Roten lünst [feinen Zeug] zu eim
wylhemli.' c. 1550, L.
Ob zu rahd. wile, Schleier, also = lang herunterhängender
Schleier wie ein Hemd? oder ist ei = Bnt-HemmUt
Wull-Hgmmli:l. Unterrock, Jüppe der B Tracht,
lang und ohne Ärmel, halbleinen und naturfarben; um
den untern Saum ist ein hochrotes oder hellblaues
Wollband genäht B; „L;" S; Syn. GloschU, Junten.
— 2. Art altmodischer Männerröcke der Bauern, ge-
wöhnlich von rotem, wollenem Tuch L; W. ,2 Wul-
hömli.' 1604, L. .Hoffart in Krösen und mit Besatzung
der Waniisten, Wiillioiiidcren und Hosen mit Sammet.'
B Mand. 16'2s. .jiir -.•loldeten. kurzen Hosen, dess-
glychen die köstliLlieii, mit Sammet besetzten Wul-
hembder sind abgestrickt.- ebd.
Wester- s. W.-Gewand.
glungg-hemdig s. gl.-hemdlig.
Hemde 1er Hemmeier ra.: = Hemd-Glungg i Sp.
634 B (Zyro). Vgl. noch Hempi-Läri.
Überhempler: ein mit einem Überhemd Be-
kleideter, oft = Vagabund, Bettler Z.
Nün-Hemler m., -Hemlere', -leri' f.: Allermanns-
harnisch, allium vict. BO.; L; Uw; U. Syn. (Nun-)
1:10 1
lliiinn
llaiii|»l'-l
1302
Hemmli-Wurz, Nüni-Clirut: waadtl. nii a «eu tzemises.
Abeigl.: Die Wurzel gegen Gespenster und Hexen in
der Tasche getragen BO.; G. In diese Wurzel haben
sich die Wildmannli verwandelt. S. noch u. Mannli.
Mehr bei Rhvner 1866. 3; Wartm. Volksbot. 11 ; Perger
II 32; JRWyss 1816/7, 330. 534. 601. Wohl von der
Verwendung zur Zauberei die RA.: Das ist e rechte
Nmhemler, ein rechter Herennieister Ndw.
Tier Name von den vielen Häuten, in welclie die Zwiebel
eingekleidet ist. Vgl. noch: .Alliurn niont., vict.. Sigwiirz,
Sibenhemerlen, Rämsig.' Wagner leSO.
ge-hemdlet: wie mit einem Hemd verschon.
„Grün-gehemdelter Striil, mit oiiicr i;liiiiiiin;iiiiu-.'ii
Erde überzogener Kristall U." .Ks -il.i ii.nnlirli -c-
hemmlete Crystallen, die mit einer l.ulii.iilni II, uu
oder Rinden, gleich als mit einem Kleid oder Hembd
überzogen.' JJScheochz. 1708.
h e m d 1 i " g ( e ° ) , (g'ßihnpUgCe") THRom. ; Z, glungg-
Mmplig Z, gl.-hanpig ZRüml., hempflgtig TiiSteckb. :
Adv. und bisw. Adj., im blossen Hemd. En hemlige
Butz = Hemd-Glungg 1 (Sp. 634) und Hempli-Potz
Th (Pup.).
lu liempfiijtlg scheint ;j/ auf Anlehnung an hämjißtg. die
Endung -lig auf solcher an nacktig zn beruhen. Zss. bzw.
Abi. von Fette", Fittig, würde begrifflich sehr gut passen.
Heimde f.: Heimat, Heimwesen. ,Ab miner Be-
husung, Hofstatt und Heimbde.' 1606, GM;irb.; vgl.
Heim.
Ge-heimd(e) f.: Geheimniss, Geheimhaltung.
Dies habe man eilends und ,zue hocher geheimbd'
verkündigen wollen. 1529, Absch. ,In höchster ge-
heimd.' 1530, ebd. ,A11 üwer g'heimden und das mir
vertruwt wurde.' Salat.
Hiimfesli s. Hanen-Fuess Bd I 1091.
Hampeissi, Hampetzgi s. Ameise Bd I 216.
Hamperch s. Hand- Werch .
Hampi, Hämpi: Abraham Bs. Syn. Hämmi.
Hemp s. Hemd.
Hinip m., -e" f.: der, die Lahme, Hinkende BR,
Syn. Lamät^ch.
Himpel m. : := dem Vor. ,üu schiefigter, krum-
mer, dollfussiger H.' GHeid. 1732.
himpe": etwas lahm gehen, hinken Bü.; FMu.;
„LE." Syn. humpen, hümpen, Imlpen, lamätschen ;
vgl. engl. prov. to liimp. Abi. ..Himper, Hinker. "
himpig: hinkend B.
Himpi s. Hind-Beri.
.hnnip sein: alles (Vermögen) verspielt, ausgehaust
haben' Bs (Spreng). Syn. Lump sin.
humpe": 1. wacklig gehen, hinken Bs; B. —
2. „sich bei einem Gewerbe unredlich, auch ver-
schwenderisch benehmen Bs." — Vgl. die Sjnn. lodelen,
hudekn u. s. Gr. WB.
ÜS-: „1. intr., bankrott werden Bs"; Syn. -üs-
hiiiipen. — „2. tr., Jmdn im Spiel um sein Geld
bringen, ihn gleichs. bankrott machen Bs" ; Syn. üs-
hudlen. — „ver-: liederlicher Weise verscherzen Bs."
humpele": 1. ein wenig hinken Aa; Bs; zimper-
lich einhergehen TaTäg. — 2. bildl., schwanken, ins
Schwanken kommen, happcrn Bs. ,Nun fieng es aber
bei dem Heiri zu hümpcln an.' Breitenst. Wie 's e
chli het welle h. ebd. — 3. hümplen, pfuschen. H. und
stümple". SULGER. — Vgl. gnepfen, GHe]yi, auch Gr. WB,
s. V. .humpeln'.
Hümp(e)ler m. : 1. Stümper. Pfuscher, schlechter
Arbeiter. Hümpler wuJ sinwj'hr. Sii.rer. .Wer mag
den Leib befehlen oim jr.l.n lluini.cler?' RGwerb
1646. — 2. eine Ge-sellM-liaH .Irr Kis.-lier im alten Bs.
,Mit offener Hand wird den Humpeiern erlaubt ober-
halb Rheinfelden zu fischen und Fische zu kaufen
wie andere Fischer.' 1472, Bs (Ochs). S. Bs XIV. und
i;s l:.'itr. XI 126.
■_' niii' alisrliätzige Übertragung von 1 auf die Kleinfischer
von Srit,- il.i' Grossfischer oder im Gegs. zu den letztern;
vgl. .Sttoiijjler und Gr. WB. s. v. ,Humpler, Hiimpler'.
humpe":. hinken, inühsam gehen Aa; B. Syn.
himpen, hülpen, zülpen.
Hümpi m.: Hinkender B; UU. ,Claudus, per de-
risionem.' Id. B. , Samuel Schmidli oder Hümpi-Sami
genannt.' L Int.-Bl. 1824.
hü m perle": leise, ein wenig hinkend auftreten,
kleine Schrittchen nehmen (spöttisch) .-VAPri. ; Bs.
(S]iinn-)Hnmpele" f.. meist PI.: Sjiinngewebe S;
Syn. (Sj.nni-lHiU'i'rJni. -li'»/^"», - 1/»,/,'/"". Er het
Sp. im chnj,/'. i-t .liiiiiiii S (SrhiMi. Iliiiiiiielen in
allen Eggai und Staub „f Sliielc. Il,ti,l und Tisch SL.
Scheint uur mit m erweitertes Iluppelin (s. d.); vgl.
trajijien und tramjicn.
Humpele" s. Hind-Beri.
STi.
b 'hiimple": schluchzen, schluchzend weinen GRPr. ;
IV
S. ,hü»ipeln', abgebrochen weinen, bei Or. (v
1909), der es zu ,himpern, himmern', wichern, zieht. Es
könnte aber auch ganz wohl zu hümpen, hinken, gehören und
das stoss*eise Weinen ausdrücken.
.Hampfel m.'. Hampfole" B; L; S;Ndw, Ham-
pfule" W (Diiii. Hawpfulm. Hampfle" Aa; Ap; Bs;
Gl; Gr; G; Seil; Sciiw ; Tii; UwE.; Zg; Z (Dim. Häm-
pfeli) f.: 1. eine Hand voll (seltener beide hohle
Hände voll), matürlich nur von trockenen Dingen, ausser
im Rätsel von der Weintraube: Es göt e Jumpfer über
de" Bin", si het e H. rote" Wi", öni G'schirr und öni
Glas: sind so guet und rötet das! Aa. Meist zur Be-
zeichnung eines gewissen Quantums und zwar etwa
in folgender absteigenden Reihenfolge: Arfel, Gauflen,
H., Täpli, Prisen. E H. Heu, wenig Heu. E H.
Salz, so viel gewöhnlich auf einmal einer Kuh in den
Mund geschoben wird ZS. S. auch Glufen Sp. 608.
Z' hampfleieis, ganze Hände voll. We''"-men-e z'
hampflewls git, so steled s' Ei"'m Seck voll ZWthur
(Schwzd.). D' Här z' hampfleieis üszere", g'rad wie
Gartechressi. ebd. Auch uneig. : Es falled ganz Hampfle
Nacht abe; es nachtet s' hampfleu-ls Z, es nachtet ganz
Hampfle" Aa, von schnell einbrechender Dunkelheit.
Besser es Hämpfeli Gunst, a's e Chratte voll G'reditig-
keit S, als e Sack voll Clmnst L; es Hämpfeli Gunst
ist me" wert u-eder es Viertel Recht Z. e Hampfeie
Gwalt bringt 's wUer als e Sack voll Recht L; s. noch
Arfel Bd I 443. Im Bes. bezeichnet H. einen Bund
Hanf oder Flachs,, so viel ungefähr mit der Hand zu
1303
Haiii]tt'— liuiiipt. Hains— liniiis. llamscli
isoh
umfassen ist Ndw; beim Getreideschiiciden bilden
2 — 3 S. eine Sammleten Z, 3 Hämpfeli machen eine
Hampflen G. Vgl. noch Hufen (Sp. 1044). Wie glitzred
die Sichle! nu, haued brav drV und leged die Hampfle
zun Sammlete hi'. KMey. 1860. Auf Menschen übertr. :
eine sehr kleine Person. Si ist mV so es Hämpfeli Z.
,üas yerschinnene Hämpfeli [unscheinbare, unansehn-
liche Frauenspersönchen] kam ihm gar unappetitlich
Tor.' GoTTH. ,Ein hampflen böser bueben.' HBull.
1530. ,Der mit seinem griff die handvollen abhauwet'
1531, Jes.; = ,wenn sein Arm Ähren abmäht' Z Bib.
1882. ,Ein Hänffelein Häller.' JJUlr. 1727. — 2. Griff,
Handhabe; am Degen Schw; an einer Bahre, einem
Schubkarren ZWäd.; Syn. Handhebi; an der Sense,
der Griff am Ende für die linke Hand „Schw; U;"
UwE.; Syn. Hammen, Schivibelen.
Tgl. noch hand-voU Bd I 781. Die Zss. wird wie in
Arfel (Bd I 443) und Mtimp/d [Mundvoll] nicht mehr ge-
fühlt, so dass das W. anf gleiche Linie zu stehen kommt wie
die synn. it. manata, frz. poiynee; vgl. auch lat. mani-pulus.
Die unverkürzte Form der Bibel von 1531 ist wohl nur als
gelehrte Schreibung zu taxieren. Das Masc. Hampfd ist,
wenn richtig, als Analogiebildung nach Arfd und Mumpfd
zu erklären.
Flachs-Hampfele": Büschel Flachses, wie er
gebunden aus der Breche kommt „B; L;" Nnw; vgl.
Hampfeien 1.
Glücks-Hämpfeli: der Ährenbüschel, welcher
unter feierlichen Gebräuchen zuletzt geschnitten wird.
In S wurde derselbe nachher in der Stube des Bauers
hinter das Crucifix gesteckt oder mit Blumen udgl.
verziert am Maria Himmelfahrtstage in der Kirche ge-
segnet und dann unter das Saatgut gemengt. S. BWtss
1863, 193. In BsBirs. wurden auf dem letzten Acker
des Bauern 9 der schönsten Ähren stehen gelassen.
Zu denselben begab sich das ganze Geschnitt und
betete knieend 5 Vaterunser und den Glauben. Hierauf
schnitt das Jüngste die 9 Ähren in 3 Malen mit Aus-
sprechung der 3 höchsten Namen ab. Gewöhnlich
fand es ein kleines Geldstück, welches der Hausvater
zu den Halmen gelegt hatte. Die Schnitterinnen um-
wanden hierauf das Gl. mit Blumen, brachten es dem
Hausherrn (oder der Bäuerin), welcher mit einem
kleinen Geldgeschenk erwiederte. Am nun folgenden
Erntefest wurde das geschmückte Gl. auf den Tisch
gestellt, nachher beim Crucifix aufgehängt. Nach
Suterm., der diesen Gebrauch auch noch aus Aa und
Z kennen will, wurde das Gl. auch im Kamin oder
hinterm Spiegel aufbewahrt, um das Haus gegen Un-
gewitter zu schützen, und nach Jahresfrist verbrannt,
niemals aber weggeworfen. B' Sichelhenki chunnt, und
an der Wand, in der Stube* hangt 's Gl, chfnistU'''
verziert, mit Binzen un'' Goldschüm, mit eme" schöne'
Spruch, im Chranz vW silbrigen Äri. Allem. 1843.
Synn. s. bei Fuchs u. Glücks-Halm. Vgl. auch Glücks-
Häfeli, -Hübli. — Über die myth. Bed. des Gebrauches
s. Gr. Myth. 140 f., Mannh., Baumk. 213.
Sür-Hampf(e)le" Aa; Gh; Sch; Z = Sur-Am-
pferen 1 (Bd I 240).
Die Anlehnung an Hampflen war um so leichter, als
dieses Kraut von den Kindern wirklich handvollweise ab-
gepflückt und gegessen wird.
hampf(e)le'': 1. eine Hand voll nehmen, mit der
Hand umfassen Ap ; B; Gr; G; Schw; Uw; W; Z.
Chriesi uss-ere' Zeine' üseer h. Gr. Er häd nid nu''
e 2)är Niiss gnü : er hat grad g'hampflet. ebd. Magst
de' Stei" g'hampfle'? Schw; Z. Spec. so melken, dass
man mit der ganzen Hand die Zitze umfasst ApK.;
Gegs. chnödlen. — 2. mit beiden Händen anpacken,
bes. beim Schwingen BO.; W. Schi heint enandre'
fergiiet g'hampfulot, kräftig gepackt W. Tue-mi"''
nid eso h., z. B. beim Tanze derb anfassen BBe. —
3. (Dim.) hämpfele" B; Gr; Schw; Uw; Z. B' Chind
tuend Salz uss-ere Trücke usser h. Gr. De" Häuf h.,
den Hanf in handgerechte (mit der Hand umfassbare)
Büschel zerteilen SchwMuo. .Eine Jedere drückt mir
[beim Fortgehen] noch Silber in die Hand, so viel
sie h. kann.' GotTH. — Vgl. nrßen, ärfrhn Bd I 444.
um-: mit beiden Händen umfassen Z. Me' chönnt-
si u., sie hat eine wespenartige Taille.
„er-", -g'hampfle" Bs, -g'hampfle' Bs (Spreng),
-g'hämpfele" S, -h'hampfle" ZS. : mit der Hand, den
Händen umfassen Bs; S; ,in die Faust fassen, so dass
sie voll wird, in beide Hände packen, was sie fassen
mögen.' Spreng. - Die Form mit ge- wohl nur mit dem
Hiilfsvb. mögen.
Hampflete" f. = Hampflen 1 Ap; Gr; W; Z;
vgl. Arfleten, Gaufleten, Sammleten.
Sür-Hämpflete- = Sür-Hampften BLaufent.
(g")hanipflig, meist g'hä-: die Hand füllend,
mit einer Hand umfassbar. allg. E g'h-i Ruete", ein
tüchtiger Büschel Birkenruten zum Züchtigen der
Kinder. En (g')h-e Stei", faustgrosser Stein = gr.
Xtd-os x^'PO'^'-'l^'iS- ^^^S- G'h-i Schlier, Scheiter von
gehöriger Dicke Z, e g'hampfligi Wurst, eine dicke W.
L (Ineichen) ; e g'hämpflige Lug, handgreifliche Lüge,
ebd. ,Die Glarner wurfend mit hämpflichen steinen.'
1388, Lied. ,In den nächsten 4 Tagen soll in jedes
an der Ringmauer der Stadt liegende Haus eine gute
Fahrladung hämpfliger Steine oben in das Haus ge-
schafft werden [bei Befürchtung eines feindlichen
Überfalls].' 1531, Püp. Prauenf. ,Pugillaris, hempflig
oder einer faust gross.' Fris.; Mal. ,Ein par gross
hempflig stein [habe jeder Zürcher bei Kappel 1531
geworfen].' 1583, L (Gfd). .Hauptmann Schick von
Uri erwitscht einen händflichten Stein.' Grasser 1625.
,Wer seinen Nächsten wirft mit einem hämpfligen
Stein, derselbe ist ein Todtschläger.' Lindinner 1733.
(g')hampfli°ge" L; ZHörnli, hämpfli"ge>' Gr;
UwE., g'hämpfli-'ge"' L; Z, z' hämpfli'ge" S:
Adv., mit voller Hand (z. B. Etw. fassen), bes. g'h. mel-
ken = hampfeien 1; Gegs. chnödli'gen; vgl. dümli''gen.
Hampfere" s. Ampferen.
Hampfez, Hampfis s. Hanen-Fness.
Humsle° f.: Ohrfeige BsLd; Syn. Hummen.
Wohl zum Vb. ,humsen' (Gr. WB.), welches wie ,huii
ummen, sausen bedeutet.
aber-hämsch s. aberhämisch Bd I 41.
heimsch s. heimisch.
heimsche": \. = heimen'B; Gr; GO.,Rh.; SchwE.
Es ist recht schämli''' [beschämend], e sötte [einen sol-
chen] Chram z' h. GRPr. (Schwzd.). Der Pur hed
schins [sein] Chüeli wider h. chönne", die entführte
1305
Ha
1— liHiiiscli. Ilainsf-
Kuh wiedei' zu sich nehmen können GrI). Einstecken,
auf sieh beziehen, z. B. eine injuriöse Behauptung,
Anspielung GrD. Ch(f"st 's h. oder nit, grad u-ie d'
Witt! Auch: als Kind aufnehmen, ohne geradezu zu
adoptieren Gr. .Weiler aber hund geheimschet hat.
die nit syn sind, der soll's vom land schaffen.' c. 1480.
Obw. ,Vatter und mueter mögent das [entführte] kind
wider h.' 1564, GWesen Stadtb. — 2. Jmdn als be-
kannt anreden, behandeln; freundlich tun GRh., sich
heimisch machen SchwE.; vgl. heimelen.
Das ach ist als Vergrüberung von « zu betrachten; vgl.
den Art. Gern»; weniger wahrsch. ist Abi. von heiin(tj«ch.
i°- U, -heimse" AxB.; B: 1. einheimsen, ein-
sammeln. aaOO. — 2. (rofl.) sieh einheimisch machen.
.Inwohner der Gegne, die sich an disem Ort inge-
heimschet und gehuset.' RCvs.
he-: 1. = hei7nschen 1. ,Dass einer einen frömden
hund zuezuge, den bcheimschete und jm zue essen
gäbe.' 1520/44, Schw LB. ,Wenn ein Baur dem einen
sein Sach auf des andern Gut tragt, mag's der erste
widerum b. und zu Händen nehmen.' 1720, U. —
2. refl., heimisch, vertraut werden. ,Dass solche Hord-
männlin sich zu andren Menschen beheimschet und
sich so zam erzeigt.' RCvs.
Hamster s. Korn-Ferli Bd I 921.
ver-hamstere°: verprassen, verzehren Bs.
Vom Treiben des Hamalem entlehnt, der seine Yorr.ite
evzehrt; vgl. .hamstern', ,ein-h.', bei Gr. WB.
Hamsterer m. : starker Esser Bs.
wol-ge-heimt: wohl vertraut, eng befreundet.
,Ein priester, des bischofs wolgeheimpter.' Würstisen
1580. S. (u-ol-)ge-heim.
Himteni s. Hind-Beri.
Hau, hen, hin, hon, hun, bzw. hann usw.
han s. haben.
Haii(e") I (Dira. Hani I GrD.; W, Häneli B; S,
Haneli Gr, Hanemli Gr ObS.) m.: 1. Haushahri B;
Gr; L; Ndw; Syn. Güggel, Gvl, Gulli. Chräje' tvie
ne H., jubeln, laut seine Lustigkeit äussern B; sich
were' wie ne H., tapfer, ebd. Vfspringe' a's u-ie en
sexchrüzrige H., leicht aufbrausen, zornig werden
GfiRbw. E' jiinge^ Hän (Güggel) muess der alt nid
chräje' lere' L (Ineichen). Wo der Hän gaxet und
das Huen chräit, do göd 's im Hiis verdrüit. ebd. E'
guete'' Hän ist nid feiss! zunächst vom Ehemann;
dann von jedem fleissigen Arbeiter B. Der (best) H.
im Chorb (ühratte'J st-, wie nhd. (s. Gr. WB. IV 2,
162) B; S; vgl. noch Hennen. Er meint, er sei H.
oben im Chorb. Sülger; vgl. Hans oben im Bor f.
Welsch Han s. Gulligü Sp. 221. Hahn auf dem Kirch
türm Gr. Warum ist e" H. uf-em Chilcheturn und
nid en Henne'? Antw.: Weil die Weiber tot fallen
würden, wenn sie der Henne das Ei greifen wollten
GrD. Hieher das Hanen-Kilchli GLObst.? Das Hani-
oder flenni - Abfressen, ein Kinderspiel, wobei der
Fuciis das letzte der hinter einander gereihten Kinder,
welches er zu rauben sucht, fragt: Bist du es Hani
oder es Henni? W. Vgl. die Synn. bei Güggel Sp. 192.
Über das Schlagen nach einem wirklichen Hahn als
Spiel beim Erntefest s. Rochh. 1857, 447; auch 231;
und unter Gul Sp. 220. ,Merishalden guot het nit me
wunn und wcid zuo uns denn mit einer katzen und
mit einem bannen und als ver man inen gan [gönnt].'
1510, ZBül. Offn. S. auch für-gän Sp. 29. ,An hanen
und gücklen.' Fris. ,Es hat [es] allhie nit wellen
tuen mit zweien Pfifferen in einem Würtshus oder
zweien Hanen uf einem Mist oder in einem Hüener-
hus; dahar die Augustiner den Franciscanern muessen
wychen.' JJRüeg. 1606. ,Mit roten Hauen [Hausanzün-
den] drohen.' Bs Bettelordn. 1727. Zur Symbolik des
Hahnes übh. vgl. Roobh. 1857, 228 f.; über denselben,
neben Hund und Katze als Merkmal menschlicher
Wohnung und Haushaltung Wackern., Kl. Sehr. III 78.
— 2. übertr. a) (nur in der Form Hüne" m., Häni n.)
Fasshahn, Hohlzapfen mit drehbarem Verschluss (Güg-
gelij, um Flüssigkeit aus einem Pass oder andern Ge-
fäss abzuziehen, allg. Me' muess bim H. sl', bildl.,
zunächst an der Quelle, um irgend einen Gewinn,
Erfolg zu haben Z; Syn. Anrichti. Häne', Zapfe',
Sechtröre'! Stutz (Ruf des Hausierers). Witt di'
Durst stille', so ßndst all Viertelstund es Fass und 's
Häni drä", dich z' fülle: Heng. 1836. De' Chopf
miiesse ander 's Häni ha", herhalten, an den Tanz
müssen Z (scheint sich auf die Brunnenröhre zu be-
ziehen; vgl. .Einem den Kopf waschen'). Und er 's
Häni ligge', direkt vom Fass trinken, zur Bezeichnung
eines sehr hohen Grades von Trunksucht ZS. ,Das
häne oder zapf an fassen oder andern dingen, epi-
stomium.' Mal. ,10 ß umb ein hänli an das giessfass
in der stuben und das ynzelöten.' 1578, ZGrün. .Ein
Brunnenstock, daran ein Hänen, Wasser zu ir Not-
wendigkeit zu reichen [holen].' 1657, SchwE. Kloster-
arch. ,Dera Kantengiesser um ein Hänli au dem Hand-
giessli 8 ß.' 1692, Tageb. Zuber. ,Er muss den Kopf
unter das Häni haben, in ipsura cuditur faba.' Met.
Hort. 1692. So liyy grad gar under-e Hanen. JCWeis-
sENB. 1702. .Weil laufet der Hannen, so trinket zu-
sammen.' ebd. ,Gebt mir do auch Einen z' süffen
annen! Am Brunnen dorten steht der Hanen.' ebd.
,Der König Balak hat sich geförchtet, dass er den
Kopf unter das Häni haben und ausgereutet werden
müsste.' AKlingl. 1704. — b) Gewehrhahn. allg.
Spanterhan mache', ruhig zusehen ZLunn.; Syn. .Ge-
wehr beim Fuss', von dem alten militärischen Com-
mando .spannt der [den] H.' Me' cha" icz nüd alliwil
Sp. »!., man muss jetzt einmal den Ernst zeigen. —
c) Hane (PL), die nur noch an einem Ende an einem
Scheite hängenden Späne zum Feuermachen, welche
mit dem Messer quirlförniig hinter einander ausge-
schnitten werden GrD. — d) Kerbe auf dem Wage-
balken einer Bolzwage, 10 Pfd bezeichnend GkD. —
e) Häneli = Hennen- Füessli 5 (Bd I 1092) BM., S.
S. aber auch u. Hennen. — f) Hane" UwBeck., Händli
UwStanz, Lerchensporn, corydalis cava. — 3. Ha-
nemli, Hanemli, Wiesel GfiObS. Syn. Hälmji, Häremji.
Mhd. hane. Für Mehreres vgl. man den Art. Güggel
Sp. 192. Das z. T. nur noch in B; Gr und W in Bed. I
volkstümliche W. war, wie Bed. 2, sowie die historischen
Belege von 1 nnd bes. die Zss. beweisen, einst allg. herr-
I sehend, bis das edlere W. nach und nach von Güggel, der vox
lon, hüll
1308
rustica, verdrängt wurde, wie z. B. in den roman. Sprachen
equua von cahallus, feUn von catus, caput von testa ii. a. Als
Bergn. ist viell. auch Uoch-Üan, ein Gipfel in den Ap Alpen,
hieher gehörig und dann Güggel IQ zu vgl., sowie cresta, crete,
Chamhe' als Bfziii.hmingen für Berge. — Zu 2 d vgl. engl.
coch, Kcrlic an i-iuem Pfeil. — 3 wohl nur eine auf sinnloser
Anlehnung beruhende Spielform zu den angeführten Synn.
Ur- Gr; L; G 1799; ScHW; S; U, Orl-, Orli-
ScHwE., Horli- L, Url-Han GA„ Wes. (Alp. 1827):
Auerhahn, totrao urogallus. ,[I)er aus der Fremde
heimgekehrte Sehneider] spricht wie ein H., hat Klei-
der wie ein Narr.' LKInderbitzi 1826. ,Orhanen' (PI.).
HvRüTE 1546; ebenso XVI., Gl. ,Die grossen fasanen
auf den bergen, die man auch orhancn nennet.' LLav.
1582. ,Ein Pusch Uhrhancn-Fedor.' Grässer 1625.
,Sin Brüeder habe vor ungefähr .36 Jahren am Tö.ss-
stock ein Uhrhan geschossen, da habe er nicht ge-
wusst, welcher Oberkeit solcher als ein Hochgewild
gehöre.' 1761, Z Staatsarch. - Z. T. Anlehnung an orUn
Bd I 451.
Fass-: Fasan. ,Birghüner, Anrhanen, Fasshanen',
Geflügel, welches an Hochzeitsmählern verboten ist.
G Mand. 1611. — Versuch einer Volksetymologie an einem
Fremdw., der aber nicht durchdrang.
Gugel-: 1. Haushahn Ap (-HäJ; G 1799; Ndw.
Der G. schlackt d' Tromvie' ond d' Henne" giimpkl
omme" Ap Volksreim. , Welcher der" von Landenberg
zehenden innhat, der soll den«" von Mülheimb ein
g. haben.' TuMüllh. Offn. ,Zerkerft wie ein Kämmen
eines Gugelhanen.' JLCys. 1661. ,Er spreusst sich
heftig wie ein G., cristas tollit, erigit.' Mey. Hort.
1692. - 2. = Ur-Han „VO;" LE.
Vgl. Gu(jd I (Sp. 155). Viell. ist auch an Öu^rf // zu
denken, so dass die Bed. ,gallus cristatus' sich ergäbe.
Güggel-: Haushahn GMarb. (-Hä'J. ,Dises tier
hat ein grosse forcht ab dem gugelhanen und seinem
geschrei, dass es von seinem kamben und gesang
ganz erstaunet.' Tierb. 1563. ~ Vgl. das eig. identische,
ebf. tautologisch gebildete nhd. ,Göckelhahn'.
Gold-Häneli = Gold- Eämmerli (Bd I 218) B.
— Garten-Han: Gartenzehnten, urspr. bestehend in
einem Hahn. Arg. III 149. Vgl. Güggel Sp. 192 und
Güggel- und Hanen-Gelt.
Gitzi-Häneli: Zicklein BSa.
Vgl. Kom-Firli, Merzen-, Werr-FülU, als Beispiele von
ähnlichen Übertragungen, sowie lat. pullvs, sowohl .Hühn-
chen' als .Füllen' ; s. aber auch Henne" 3.
Grigel-Han: Birkhahn, fetrao tetrix, „crygallus"
L. Vgl. Schüt-H. ,Von dem Grügelhanen, grygallus
major.' Vogelb. 1557. ,Grigel-Han.' JJWaoN. 1680;
JJScheuchz. 1699.
Der lat. N. aus dem deutschen konstruiert, wie urogallus.
Zu Grunde liegt wohl ,krigeln', heiser reden, aus dickem
Halse rasseln (Gr. WB.), von der balzenden Stimme dieser
Vögel; vgl. ,die GrUgel', Auerhenne, ebd. Oken nennt die
Henne des Auerhahns ,Grügelhuhn'.
Heu-Hane": ländlicher Schmaus am Schluss der
Heuernte AaF. .Nur in alle Wege bleib der Sichel-
lege- und Heuhahnenschmaus (wo wir Herren Knaben
auch ein Teilchen haben) absolut nicht aus.' Z Neuj.
Mus. 1792. y^\.Krä-Hanen. — Haupt-: Führer von
Freischaaren, Rädelsführer. 1514, Absch. — Herbst-
Han. , Einem vogt soll von ieklicher husröiki järlich
werden ein h. und ze fasnacht soll man jm geben
ein hennen.' XV., ZMeil. Vgl. Zechend- Güggel. —
Horli- s. Ur-H.
Keibe»-Häueli: abgemagerte Hähnchen im Gegs.
zu ,Häneli wie Kapüneli.' Gotth. — Keih, Aas.
Chrit-Han: Wiedehopf, iipupa epöps B; S; ' ,So
ein Bauer habe einen Hochmut wie ein Kothahne.'
Gotth. ,Käthan.' Mai,.
Der Name des Vogels daher, dass er sein Nest haupt-
sächlich aus Kuhmist erstellt; Syn. .Dreckhahn'. Gotth.
bezieht sich auf das gravitätische Ansehen, das er sich gibt.
Kleb-Häneli: Baum-Läufer, -Klette, certhia fam.
„B"; Syn. Xmer.
Er klettert immer an Baumstämmen, so dass er bei seineu
kurzen Füssen an denselben zu kleben scheint; frz. grim]>ereau.
Krä-(H)ane°: Festschmaus, welchen der Bauer
nach Schluss der Ernte seinen Werkleuten gibt, so
besonders nach der Weinlese, wobei die Nacht mit
allerlei Ergötzlichkeiten, derben Spielen, Vexierauf-
gaben, neckischen Mummereien mit Umzügen von,
Haus zu Haus zugebracht wird ZS.. W. ; auch Schmaus
mit ähnlichen Lustbarkeiten zum Schluss der Hcu-
und bes. Getreide- (in ZO. auch Kartoffel-) Ernte Zg;
Z (vgl. Heu-, Schnitt-Han, Sichel-Legi, -LösiJ, oder
übh. einer wichtigern ländlichen Arbeit, wie z. B. das
Griiehen, Dreschen „Schw; Zg; Z" (Syn. Gruebcr-Mal,
Flegel-HenliJ ; auch nach Beendigung einer Baute
,ScHW; Zg; Z". Weiter übertragen dann auch: das
letzte Gericht von irgend einem Speisevorrat, das
letzte Stück eines Waarenvorrats Sch ; Th ; Z. , Jeden
Tag Knöpfli, am Donnerstag Suppe und Fleisch, . am
Krähane Sjieck und Küechli, Hammen und Wurst
[hatten die Schnitter].' Stütz. Mir händ z' Nacht
g' essen und Zug g'ha', wie-n-ame Chrähanne'. ebd.
,Die Sichellege ist das Schlussfest nach der Ernte,
sowie der Heuhahnenschmaus nach abgeschnittenem
Gras und der Krähhahnen nach eingesammelten Trau-
ben gefeiret wird; je ergibiger die Ernte, desto freu-
diger das Fest, wozu die Anwesenheit von Stadtleuten
und derselben Generositäten ein Merkliches beitragen.'
Z Neuj. M. 1792. ,Für meine übervoll Heudille am
Krähan gab es Wein die Fülle.' HSulz. 1828. , Sichel-
legge, schnitterfröudenraal, wenn sy die sichlon hin-
leggend und abgeschnitten habend, man ni?nnt's auch
den kräyhanen.' Max. .Es [istj der. g'mcin brairch
bin Israeleren g'wesen, wenn sy ihre schaaf beschoren,
das' sy herrliche niäler gehalten. Wie bei uns der
bruch ist, das" man nach der ernd den schnitteren
und anderen die sichellege oder wie man's anderschwo
nennt, den krey- oder schnitthanen gibt, wenn der
herbst hinüber ist.' LLav. 1582. Ein ,Krähanen' nach
vollendeter Brückenreparatur. 1786, Z oGlati; ebenso
beim Neubau der Brücke : ,für das Aufriclitmal 23 fl.
und für den Kr. 11 fl.' 18'2.3, ebd.
Durch die Verflüchtigung des h ist der zweiteT. des
W. scheinbar zur blossen Abi. herabgesunken und die Vöc-
stellung eines Hahnes so sehr aus dem jetzigen Volksbewusst-'
sein geschwunden, dass vielmehr das wesentliche Element im'
ersten T. gesucht nnd oft vor dem Festschniaus der Haus-
herr scherzw. gefragt wird, ob er die Krähe schon geschossen,
oder die Hausfrau, ob sie die Krähe in Bereitschaft habe.
Immerhin viell. die letzte Spur von dem einst dabei figu-
rierenden Vogel, dem Hahne. Wo das h noch festgehalten
wird und somit die etyriiologische Grundlage des aljten W..
noch vorhanden ist, wird die Benennung entw. von dem
unmittelbar nach beendigter Weinlese oder firnte stattfinden-
den fröhlichen .lauchzeu (glchs. Krähen) der Arbeiter oder
noch häufiger von der Dauer des Festschmauses bis. znitf
Krähen des Hahns gedeutet. Sache und Bejtenuung. geben
hun
1310
aber in das germanische Altertum zurück. Der Hahn, auch
Bild der Fruchtbarkeit, war urspr. ein dem Gotte Donar
'gebrachtes Opfer (UJahn 1884, 61. 185/9), welches gemein-
schaftlich verspeist wurde. Damit verband sich das Hahnen-
Bchlagen oder -Werfen (s. (.'«? 77) und der Hahnenfauz,
(s. Rochh. 1857, 231), wobei ein Hahn der Preis des Wett-
spieles war (vgl. Birl. WB. s. v. ,Han'). Hähne wurden
auch geziust und zwar gerade im Herbst (s. Herhtt-Hun);
der Hahn niusste aber ein gewisses Alter haben, er musste
bereits krähen, d. h. nicht zu jimL'. also ein .Kräh-Hahn'
sein. Vgl. Gr. Ki>lits-,\. :'.7ii-. ,lii das ,\r\\\>- haus einen
'krähehan zu gebe u/ Wir w.it \.rl,i,it.i ^nl.lir \ri\veuduug
'des Hahnes war, li.w.ist iln- .S. ImiU-' in Si huaben, der
■,Saat-' in Baiern, der .Baut-' in Westfalen, der ,Arncn-'
[Erntohahn] in Schlesw.-Holst., der , Bohnen-' bei den Friesen
nach der Bohnenernte, anderswo der ,Weten [Weizen]-Hahn',
in England das ,cock-throwing'. Für die Schweiz scheint
unser W. seine eigentliche Heimat am ZSee gehabt und sich
.von da aus weiter verbreitet, bzw. tw. die Ausdrücke tikhel-
Legi, -iosi verdrängt zu haben. Die Übertragung vom Opfer-
tier oder dem Hauptbestandteil der Lustbarkeit auf diese
selber bietet keine Schwierigkeit. Manches, wie das mit
neckisclien improvisierten Ansprachen verbundene Herum-
ziehen unter Verkleidung gemahnt einigermassen an entspre-
chende Vorgänge bei den alten Weinlesefesten der Griechen,
der Hahn erinnert an den Bock des Dionysos.
Ernd-Chrä-: Schlussraahl nach der Kornernte,
wobei die Kuclien einen Hauptbestandteil bilden Z
Wettschw. — Heu-Chrä-: das Selbe nach der Heu-
ernte ZBär. — Tröscher-Chrä-: das Selbe nach
beendigter Drescharbeit ZBär.
Laub-Han Gl; PPo. (Löäp-); V (Laiip-J: .^uer-
hahn; vgl. Laub-Huen. .Der laubh., bromhan oder
kleiner Orhan.' Voüelb. 1567. , Laubhan. brumban,
kleiner bergfasan, urogallus miuor.' Mal.; JJWagn.
,1680. . .Alles gfügel auf den bergen, als da .sind die
grossen fasanen, die man auch orliancu und dir klei-
nen, die man laubhanen nennet, die s|iilliaiirii, die
haselhüener, stein-, schnee- oder berghüeiier [usw.],-
LLav. 1582.
Eig. das Männchen des Birkhuhns, tetrao tetri.'c. Hie
Benennung davon, dass der Vogel jnngus Baumlauli als
Nahrung liebt.
Sür-Berg-Hiinneli. E G' sieht mache', 2vie'sS.
bim Schieggmilch trinke" GÜ. — Scheint eine auf einer
lokalen Anekdote beruhende Bildung zu sein.
Bräm-Han : = Xauft-flaM. ,Laub- oder Brom-
Hanen.' JJScheücbz. 1699. - BrSm = Knospe.
Scliilt-: Birkhahn Gl.
Etwa vom Berge Schilt bei Gl? denn in der Gestalt des
Vogels bietet sich nichts Schildartiges, ausser etwa der über
den Augen stehende karmoisinrote kahle Fleck; vgl. Spiegel.
Schnapp-: 1. = nhd. Schw; Z. Syn. Schnapper.
— "2. eine Art Schiessgewehr. ,Dass die Schützen
nur mit Haggen, d. h. langen Kriegsrohren, Schnapp-
hanen und Hundsstricken schiessen sollten.' 1584,
Absch. — ■ B. eine gewisse Münze. .Resler old schn-en
um 3 batzen.' 1549, Gr (Ztschr. f. schwz. E.). ,150 Kro-
nen, '2 Taler, 24 Schn-en und 9 Dicken.' 1562, Absch.
,Die Doppelvierer, Schn-en und Plappert in ihrem
Wert.' WuRSTisEN. ,Er trage keine Münz by im, so
veer sy im aber ein Ross oder Schnapphanen wölltind
Wechslen, wollte er gern mit inen [den Bettlern] teilen.
Bettind sy, er wolle sy mit disem Schnapphanen be-
gaben.» JMal. 1593. JVIünchsköpf, Schn-en, Taler.'
FPlatt. 1612. — Schnitt-Hane" s. Krä-Hanm.
Vgl. auch Güggel 9 Sp. 193. — Schnauz-: junger
, Geck. ,Ho, ho, das sind die rechten
schn-en.' Holzwart 1571. .Etliche junge Schnauz-
hanen, mehr zum Schlenzen und Müessiggang, dann zur
Arbeit geneigt.' FHafn. 1666. Vgl. Moden-, Spring-
Giiggel. — Spil-: wie nhd. BO.; Gl; Gr; Syh.
(Berg-) Fasan Bd I 1054. ,Von dem spilhanen. In
Schweizeralpen, furaus zuGlaris, also genannt' Vogelb.
1557. — Stoffel-: .Stoppelhahn' als Abgabe vom Ge-
treidefeld. ,4 kappunen, l'/i hüener, 31 stoffelhanen'
zahlt das Dorf AaMuiI ans Kloster Muri. 1596, Aa.
,Zw8n Stuffelhaneii. ein alts Huen.' 1734, LRusw.
,Gesetz betr. den Fiitterliaber, die Fasnachthühner
und Stuffeihahnen.' 1751, Aa. Vgl. Ziichend-Güggel.
— Teil-: grosser, metallener Hahn einer Wasser-
leitung, vermittelst dessen dieselbe nach verschiedenen
Richtungen geteilt wird Z. .Für einen niöschernen
[messingenen] Teilhanon :'.i' ti.- 17:11, .\a Schloss Rued.
— Tschuppel-: Hahn mit Federbiiscli auf dem Kopf
S (Schild). Lis die besten Eier drüs! Tsch., Tschnppel-
huen! aus einem Spielreime (s. Schild 3, 27). —
Wald-: 1. Auerhahn GaPr.; GA., Wes. (nach Alp.
18'27); W. — 2. s . WnhhGiui.irl S|i, 195. — G«-walt-:
ein Gewalttätii;vr t.i;l'i.: \ul. .K.iniiifliahn'. — Wi"-:
Hahn am Weinfa>^ V... ll; /, , .,. Il„„ Ja. ,Der Keller:
Mein Tracht will ich [zum Mahle] bald haben grüst,
d' Weinhanen nur fein wol aufton und 's tapfer ausser
laufen Ion.' GGotth. 1599. Hausname in ZStdt. —
Wetter-: Hahn als Wetterprophet. , Wenn die hauen
zu nacht weiter, dann jr gewonheit ist, kräjend, be-
deutend sy ein iinderung des wetters, darumb nennend
die unseren den einen wijtterhanen.' Vogelb. 1557.
er-hanen: sich als Hahn erweisen, benehmen;
von Küchlein, welche durch Krähversuclie, durch das
Hervorlji-eehen des Kammes ihr Geschlecht bekunden.
D' lliiCHilli sind crhdnet, auch von Hennen, welche
krähen wie Hahne GitD. Mil.ll,: nicht geistlich werden.
Der ist crhanct, von einem Studenten, der statt (ka-
tholischer) Geistlicher zu werden, heiratet W.
(un-)g"-hanet = (un-)gcgilgglet BO.
Han 11: Johannes. Doch nur als erstes Glied von
Doppelnamen: Han Jokeb, H. Badist [Baptist], H.
Bartli [Bartholome] Ap; H. IJeli [Ulrich] Gr. Vgl.
noch Han-Göl Sp. 214, H.-Gurri Sp. 241 und das
Syn. Jan. ,Hanman Buchser, undervogt ze Baden.'
1402, Aa Urk., wozu man ,Hansenman', ebf. Vorname,
vergleiche.
Ob der Geschlerhtsn. llaiilu) 1519 Z, 1524/160-3 GRh.,
auf dem Taufn. od, dem Tiern, beruhe, mag unerörtert bleiben.
Hännagg m.: 1. dnimmT. blöder, wunderlicher
Mensch AaF., S.; Z. — _', \'eniiuiiiiiilei , l'.istnachts-
narr AASt. Gaukler, I'.i..,.eiirei,,.er A.\\\<ilil. Meinst
du, i"' sei e H., dl" H.^ - :j. niissbuUebiger, ver-
wünschter Mensch Aa; Bs. — 4. eine Art Tanz, der
bei bäuerlichen Lustbarkeiten den Schluss bildete
AAWohl.f Mer wachid jrt.-f no'>- de' H. — 5. (auch
Hannäch) Ansässe ZW. - Hannäggeti f.: geringe
Waare, etwas Kleines, l'iilie.leutendes GO.
Mit Ausnahme vuu I kaiiiii aus dem Namen des mähr.
Stammes der Hannaken, die als Mausfallenhändler allerdings
auch zu uns kommen und wegen ihrer fremden Sprache und
ihrer. Zudringlichkeit wohl die Veranlassung zu Bed. 1 u. 3
hätten geben können, die aber unseres Wissens weder jetzt
noch früher auf unserm Sprachgebiet unter diesem Namen
bekannt waren; eher einer der zahlreichen appellativ ge-
brauchten Taufnameu und zwar Han^Jagy, wie die Form
hon,
13
Hanogg(el) aus Hans Joytjtel). Vgl. HannävtjgeL — Bed. 5
beruht auf Verwechslung des Wortes Hnm-Mauch mit dem
vorliegenden.
Häiinäuggel m.: 1. auch Hanogg (mit schwanken-
der Betonung) ZO., Hanögg kiS,.; ZO., Hännöggel ZO.,
Hihinöggi ZO., Hanopp Z, Ilanoppel(i) ZHombr.,
Hanoppi ÄAHolderb.; Bs; ZLunn., zsgs. Taufn., Hans
Jakob Aa; Bs; Z. — 2. auch Hanoggel TflSteckb. C-Ö-J;
ZO., Hanöggi ZO., einfältiger Mensch, Einer, der in
den Tag hinein lebt Th; Z. Syn. Han-Göl, -Gurri.
Verächtlicher Kerl Z. — .3. eine geringe, übelriechende
Sorte Tabak Z. .Mancher benutzte die Feuersbrunst,
um den Hanäuggel in seiner Stumpenpfeife anzu-
zünden.' Z Kai. 1804.
Die Formen mit ö heriihen auf der Namensform Jögyi,
A'liggi; äu dagegen auf Anlehnung an Gäiujgel. Vgl. noch
Haiinägg. 3 ist eine Anlehnung, mit heahsichtigter Verächt-
lichkeit, an .Hanauer', wie die Sorte ebf. und eig. heisst.
Hanneich, -eigg m.: 1. zsges. Taufn., Hans
Heinrich ZO. — 2. einfältiger Mensch, ebd. — Zu
den Fornieu vgl. Ilcich, Ifeiggel = Heinrich.
Hannel ScuwE.; SBb., Hä- AaHI.; L; SchwE.:
1. Johannes. aaOO. — 2. Johanna SchwE.
Hannes, Hannis Aa; Ap; Gr; G; Schw; S(-ä-);
Z, Hä- Aa; Ap; BS.; G; S; ZO.: 1. Johannes. Das S
Schulkind überträgt den Satz: ,Der Kamm des Hahnes
ist rot' mit: Em Sanes st' Oiambe. — 2. appell. =
robuste, derbe Weibsperson Ap; Z. En feste' H. Ap.
Vgl. die Nbff. /-, le-Hannes Bd I 162, welche mit der
1. Silbe spielen, als ob eine Zss. vorläge, und den Weg zur
Abwerfung derselben vorbereiteten.
Bach- i7a«nps?i; weisse Bohnen ZSth.
Eig. wohl der Name Desjenigen, welcher diese Art pHauzte
und verbreitete.
Hanni H: Taufn. 1. Johannes Aa; B; GrD.; G.
Häni, Name des Teufels? Bit chunnst zu 's H.'s
Gitzi, Drohung für Kinder S. — 2. (in Aa; B Hänni,
Hänneli) n., Johanna Aa; B; Schw; Z.
Zu 1. ,Hänsli' ist häufige Bezeichnung des Teufels in den
Akten der He.xenprocesse (s. WWackern. 1874, 150). Das
,Gitzi' ist wohl die Begleiterin desselben, der ja selber auch
gehörnt gedacht wird.
.hanen: rudere, das ist schreien wie ein esel,
rüchlen.' Fris.; Mal. Vgl. gigägen Sp. 140.
Wie die Schreibung des Vogelb. 1557 (,die Esel all an-
fahen zu rubelen und grausam zu yhhanen') zeigt, direkt aus
,yanen' abstrahiert, indem der Hiatus zw. i nnd n durch
EinSchiebung eines h aufgehoben, dieses dann als stammhaft
aufgefasst und i als bedeutungslose Vorsilbe abgeworfen wurde.
Han(e)rei s. Han-Rei. Hanisch s. Harnisch.
(h)änni: Interj., es sei so, meinetwegen, ja Aa oF.
Viell. eig. der Anfang eines abgebrochenen Satzes, ,habe
ich . . .' ; vgl. himer.
ba(r)-hännig s. bar-hämmig.
Henemer s. hie-enen Bd I 267.
hene° (auch Bs; BÜ. ; Gr), lienet (auch BO.; Gr),
jehenig Gr s. hie-enen, -enent Bd I 267. 268. H. und
denen, hüben und drüben BHa.
Auch jehenig mit aus ,hie' verderbter Vorsilbe und weiter
gebildet mit dem beliebten Suffix.
b"-hennen s. he-kennen.
Henne", in Z H^ne. in ApM. Henn — Dim. in B
Henni — f.: 1. wie nhd. Ap; B; FJ.; Gr; G; W; Z.
Vgl. Huen. Als Hausn. ZStdt; Tgl. Güggel. Eine
,fliegende H.' erscheint unter den ehemaligen Feudal-
ahgaben; so 1797, G Schiedspruch; vgl. , krähender
Hahn', wo das Attr. ebf. das Alter andeutet. Häufig
ist eine , schwarze H.' ausbedungen, so z. B. in Tb Offn.
Bed du denn, icenn d' H. bntmend W (gegen vorlaute
Schwätzer). Jmdm nahgä' wie aneva' leggenda" H.
Gr. Alls hocke lö' (lä' umfit' [umher] ligge'J, wie
d' H. de(r) Dreck Gr; GSa. Umme'schüsse' wie e H.
v(yr Tag GBern. Kei"' türeri H. weder die geschenkt.
SüLGER. Er muess appn bald iif-em iridhof ga' d' H.
hietw, d's Merezsch H. ga' hietw, bald sterben W.
Das Güggeli und das H-li gönd mit enand uf 's Ten-
neli Th (Märchen). Das G. und das H^neli sind
zwei gueti G'späneli ZZoll. ,Frau Sarah, die ist -^gar
halb ungemuet; die h. hat schon ein ei geleit [der
Grund zur Feindschaft ist gelegt].' Haberer 1.562;
vgl. Ei .3 (Bd I 14). , Einer mag da und dort die
beste Hän im Korb sein — hasset ihn Gott, so ist er
under schwerem Last.' FWvss 1673. ,Aquilam volare
doccs ; du willt den Meister lehren ; du willt den H.
die Schwänz aufbinden.' Denzl. 1677; 1716. ,Dass
die Mutter iline verdammt, da er gemeint, er seie die
Hähne im Korb.' JHFäsi 1696. ,Da er sich um Jeder-
manns Gunst bewerben und bei Jedermann die Hanne
im Korb sein will.' JJUlr. 1733. Andere RAA. s. u.
Geiss Sp. 458. Der PI. coli, für Hühnervolk übh. Af;
Gr. Von dem bes. an die schwarze H. sich knüpfen-
den Aberglauben, sie sei dem Teufel, spec. dem Alp,
übh. dem Verderben geweiht, aber ihr Ei bringe Glück,
schütze auch die Flussdämme, s. bei Vonbün 1862, 113.
— 2. übertr. auf Menschen, a) Uüggi H, Weibsperson,
welche gegen Kälte sehr empfindlich ist GrD. —
b) furchtsamer Mensch GT. Bis nüd e H. und gang!
- c) lästiger Mensch Gr. Du bist doch e müedi H.
— 3. Henneli, ungewöhnlich kleine Ziege kt\. —
4. der liebe' Froue" Hennje", Goldkäfer PSilv. —
5. (Plur.) das Sternbild des kleinen Bären Ap (T.).
Vgl. Gluggeri Sp. 620. Wenn d' H. abiiärts gönd,
schlöt 's ab, tcenn s' üfimrts gönd, schlöt 's üf. —
6. Pflanzenn. a) auch mit dem Zusatz feissti, Kraut
der Herbstzeitlose Gh. — b) ebso, Lichtnelke GrD.
— c) Samenkapsel der selben Pflanze Gr. — d) die
weisse Varietät von Lerchensporn, cor. cava GWe.;
vgl. Gulli Sp. 221.
Bemerkenswert ist die Dehnung des Voc. in Z MAA. als
Überrest aus einer Periode, da Dehnung vor gemin. Liquida,
wie noch andere Spuren erraten lassen, verbreitet war; vidi,
.aber blosse Anlehnung an die Dehnung in Hän, HSneli. —
Die Var. zu den auf dem Friedhof weidenden Hühnern (des
Pfarrherrn) stammt spec. von Naters, wo StMoriz Kirohen-
patron ist. Die ,H. im Korb' ist nicht etwa (aus Missverstand)
für den ,Hahn' (s. d. W.) eingesetzt, sondern dieser Korb ist
der für die Bruthenne bestimmte, welch Letztere bes. sorg-
sam gepflegt wird. 6 a beruht auf der gleichen Anschauung
wie die Namen .Fetthenne, Schmutzkraut' für eine ebenfalls
mit saftigen Blättern ausgestattete Pflanze. 6 d bezieht sich
auf Gulli, die rote Varietät, zu welchem die .Henne' den
entsprechenden Gegs. bildet. Die Flurnn. i" der U. ZWetz.,
H.-Uüel Süretzenb., H.-Rüü 1604. AaEggenw. mögen vor-
malige Lieblingsorte des Anerhahns bedeuten.
Fall-: Henne, welche als sog. ,Fall' (s. Bdl 736 f.)
entrichtet wurde. .Personen, so eigenen Rouch füe-
rend und die Fahlhennen zalend.' 1652, Z Staatsarch.
— Furcht-: furchtsame Person S. — Feisst-:
Lichtnelke, lychn. diurna GrD. — Fueter-: Henne
1813
hen,
1314
welche bei Anlass von Visitationen des Grundherrn
Diesem zur Fütterung seiner Jagdfalken entrichtet
werden musste. 1437. 1452, G Urk. Vgl. F.-Haber. -
Mueter-Gottes-jB-ewKi=iU.-(?.-Fo(ife?«i(BdI693)W.
— GIuck-i/e«ne; wie nhd. Ap. Syn. Gluggerin. ,Von
diser Glughänen ausgebrütet.' ClSchob. 1695, 154.
Übertr., delikate, reizbare Person Ap. — ,Korn-
Hennle: wasserhuen, phalaris.' Mal. — Lauh-flewwe;
Birkhuhn. 1642, SchwE. (Klosterküche). — Lib-:
Henne, Jgl. die Leibeigenen ihrem Herrn auf gewisse
Tage, z.B. auf Fastnacht, zu entrichten hatten. AWild,
Eglis. 1883, 371. — Legg-: Huhn, das Eier legt Ap;
vgl. Leggeri. — Fasnacht-: eine dem ,Vogt' zu
Fastnacht entrichtete Abgabe, urspr. in einer H. be-
stehend. ,Jede Haushaltung soll für 1 F. 2 Kreuzer
zahlen.' 1497, GGams (Planta 1881). .Weliche land-
sigling nit erben band, dass unser gn. herr und syn
gottshüs von denselbigen f. und den fall nemen.'
1.501, Absch. m 2, 98.
Nor-: als luxuriöses Gericht für Hochzeiten ver-
boten. G Mand. 1611. ~ Nbf. zu ,Lor-' oder .Moorhulm'?
Borz-: Klutthuhn, Huhn ohne Schwanz Ap. —
Vgl. B.-Gti;l;,rl Sp. 11)4.
Blutt-: = H. ;i a Ap. So e Blotth. ist docluNuts
[Nichts], UV [welche] ade hönder-cm Ofe' sitzt. JMerz.
— BJuit, nackt, daher enipfindlich.
Bruet-: übertr. = H. ::> a Ap. — Rauch-: H. als
Vogtabgabe von der einzelnen Haushaltung. 1578,
ZEglisau. Vgl. Fürstatt-Huen; B.-Gelt Sp. 260. —
Ror-: 1. grünfüssiges Meerhuhn, fulica [gallinula]
chloropus. GLHartm. 1808. — 2. E.-Eenneli, grosse
Wasserralle, rallus aquat. ebd.
Schupp er- Henneli : struppiges Huhn Th. —
Wühl eher = Schüjie'-Huai.
Stadt-: geziertes Dämchen (eig. ein solches aus
der Stadt) G. — Wild- Jenwe; 1. gräivi, Steinhuhn
Gb ObS. — 2. w'issi, Schneehuhn, ebd.
hennicht, hennig s. hie-nacht.
an- hennig, verderbt aus ,anhängig' = anhangend.
,A. g'syu der kilchen.' 1536, Bs Chr. I 147.
Henist s. Harnisch.
Hennöclli ni.: Kretin AaF. — Aus , Eunuch'? Doch
vgl. auch Hanöijg.
hein s. heim. (en-. ein-, ent-, ge-, de-)
hein, -heinest s. Jceinfist). hein s. haben.
Hein, Heinel,Heiner(ech), Heini s.Ueinrich.
Chopf- (ab-) Heini f.: Gerichtsstätte Bs. Der
Galge" und der heissi St ei' sind fürt [beseitigt] wie
d' Ch. HlNDERM. 1861.
Abi. von ,hauen' mit euphou. eiDgeschobenem n (wie z. B.
Btnu-n-en) und der von der dortigen MA. verlangten Ver-
tauschung von all an ei.
Heinrich .Henrich.' Z oGlatt Tauf b. , Heinerech
BsLd, HeineriÜR. Heiner BsLd; Gr, ,Hein.' 1559, Z,
Heinel Aa; BsLd; BöO.; Gl; „Gr; L;" Z, Heini Aa;
Ap (Häni); Bs; B; Gl; „Gr;" L; G (in Bern. Hoani);
Sch; S; Z; 15'23, Gvrenr.; 1549, HBdll.; 1597, ApA.;
1640, ZZoll.; 1683, Z; JCWeissenb. 1702; Denzl. 1716,
Heino W, ,Heinki.' 1325, B, .Heins.' 1555, Hotz,
Urk.; 1790, Z, ,Heinsli.' XV./XVL, LEick., Heinz
B ÖO.; Gl; Gr; XIV., Aa; Bs; Z, Heinzi B, ,Heinzle.'
Denzl. 1677, Heil Gl; XVI.,"ZHinw. Taufb., Heirech
Schweiz. Idiotikon II.
bzw. Hä-, Hä- Aa; Ap (tw. Hie-); Bs; Gl; L; G;
ScHW; S; Th; Z, ,Heirach.' Z oGlatt Taufb., ,Harich.'
Stockar 1519; 1672, ScnSchl., Heirikli ZKn.f, Hei(e)ri
Aa; Ap; Bs; B; L; G; Scb; Schw; S; Th; Z, Heierli,
Heirfejli Aa; Ap; Bs; G; S; Z, Heifejr ZO., Heirch
ZO., S., Härch Ap (schon 1738); BsLd; G; Sch (auch
Härchel); S; ZO. (Stutz), Härchli Scu, Heichki. {in
grober Rede; auch Häch); .\p; Z, Hächli ScnSchl.,
Heichel bzw. Hä- Aa; ScnSchl.; Z, Heichi AaSI.,
Heiggel Bs; Gl; Z, Heiggi Bs; Z, RiggiBs: 1. Taufn.
aaOü. Kaiser Heinrich(tag), d. i. 13. Heumonat, etwa
als bäuerlicher Termin genannt, ungefährer Anfang
der Hundstage. Auf die Verbreitung des Namens in
eidgenössischen Landen deutet, dass die Landsknechte
in ihren Liedern mit ,Heini' den Schweizer, wohl als
Bauern, (wie sich selber mit ,Veit') bezeichneten. ,Du
nennst uns allzyt heine in dynem lugelied.' NMan.
Mit ,Etter Heini us dem Schwyzerland' betitelte JKüef
eines seiner Schauspiele. S. noch Züri'''-Heiri und
andere Zss., ferner Hans und bes. WWack. 1874, 148 ff.
Wo in Lied und Spruch der Bauer auftritt, mag er
H. heissen. Wott [ja] Heirech! Deis [Jenes] wird
leider e türe Büez [Bescherung] absetze' [Selbstge-
spräch eines Hans Jakob]. AGysi 1878. ,Das artige
soldatische Sprüchlein: Es ist Gefahr dabei, Heiri.'
1712, Bs Briefe. ,Du klagst dich ouch, man habe dich
für partyig geachtet: Wie meinst, Heini?' Gtbenr.
15'23, 13. So mag auch der sagenhafte ,Heini von
Uri' aufgefasst werden, sei es, wo er (1576) als einer
der ,3 Teilen' im Rütli oder als der Träger einer
Prophezeiung (s. Wolf, Biogr. I 122 Anm.), sei es als
Hofnarr des Herzogs Leopold bei Sempach auftritt.
Jedenfalls halb appell. ist diese Bezeichnung für eine
je am 28. Christmonat in Sursee ihr Wesen treibende
Narrenfigur (t); vgl. JStaffelb. 1882, 16 f.; Lüt., Sag.
423 f. Der Spruch: ,Heilig, heilig ist der Gott der
Heerschaaren' wird parodiert mit: Heirech, Heirech
isch der ganze' Welt e Schade" L. Sonst knüpft sich
an den Namen H. die Vorstellung der Gutmütigkeit;
vgl. WWack. aaO. Daher sagt Einer, der diesen Na-
men trägt, etwa : Ich heisse Heiri, wie die Freine' Z.
Der Neckreim auf den Namen lautet: Heiri! Üsi Chatz
heisst Dirideiri L. — 2. rein appell. a) als blosses
Füllw., Träger eines adj. Begriffes. Warmi Heichle',
iron. = saubere Gesellen Aa (JLFrei); vgl. heitere''
Götti. — b) ,Heinzle, Gaukelmännlein : masculus mi-
micus.' Denzl. 1677; 1716. — c) penis ScnSchL Mer
wend [wir wollen] i" 's Bett, da" de'' Hächel cha""
ha: — d) Heini (Bs), Storr (Aa; L; ZKn.)-, Storche'
(Aa; Bs)-, Starke" (Bs)-Heini, Storch. Vgl. Storr-Babi.
Beppere" [klappern] grad icie der H. tif-em Chilch-
turm oben im Nest. Alem. Tue aw* nüd eso [unge-
berdig] wie-n-en Storrheini. Wolf, Dreierw. Storche"-,
St., mit dlne" lange' Beine'! Kdld. — e) Heinerli Gr,
Heirech LW.; GSa., guetc H. Aa; BD., wilde Heiri,
Härch (li), Heirech GSa., oT., We.; Schw, chen. bonus
Henricus, in BO. auch (der ähnlich aussehende) Fuchs-
schwanz, amar. blitum. S. noch heidnisch Sp. 987 u.;
Heimele' Sp. 1284. Syn. Heiri-Krüt. — f) ,Rot Hein-
rich genannt, ein Etzung.' XVIL, BArzneib. , Etliche
brauchen [zum Ätzen] den roten Heinzen.' FWürz 1634.
Zu den oben aufgezählten Namensfornien gesellen sich
nicht bloss entsprechende Dim.-Formen auf (l)i, sondern das
ans dem Frz. entlehnte (H)ai)(e)ri mit seinen Entstellungen:
(Hjagi, Hanki, Harri. Aus ZZoll. ist urkundlich nachweisbar.
131(1
dass bis 1640 .Heini', von da an ,Heiri' die vorherrschende
Form war. Die Formen Hein, Heinz usw. haben den 2.,
wie Biggi den 1. Teil der Zss. fallen lassen; vgl. einerseits
Rued(olß, ,Fried(rich)', Ä'uenfrad^ Ad-i aus , Adrian', Ud-i&as
Uetrich; anderseits (Abra)ham. (Augu)»tin, (A)dolf, (Elim)bet.
Riggi hat ferner den Consonantcn nach Analogie von Niggi
(Nikiaus) udgl. verändert; übrigens sind Koseformen &af -ggi
Ubh. sehr beliebt in Bs. Z(s), i, er, el sind sehr verljreitete
Suff, zur Bildung von Koseformen, kombiniert in Heinzi,
Hemi, Beide (wie Heiz) zu Geschlechtsnn. geworden. Heirch
zsgez. wie Uerch (Uelrich). — Zu 1. Für unser Sprachgebiet
lässt sich die appell. Wendung zu der Bed. ,Narr' unseres
Wissens nicht nachweisen, obwohl man in dem ,Heini v. Ure'
einen Ansatz dazu erblicken mag, zumal da ,Ure' an Vri-
epiegel (Eulensp.) gemahnt. - Zu 2 a vgl. WWack. aaO. 1.50;
zu 2 c ebd. 149. - Zu d. Der ,ungeberdige Storrheini' hat
seine Erfindung offenbar dem \'b. starren = strampeln, zu
verdanken. — Zu f. Gr. WB. gibt die Bed. ,wilder Sauer-
ampfer' an. Der Name H. wäre dann übertr. von dem .guten
H.' wegen Ähnlichkeit der Blätter. Schm.-Fr. aber deutet
den Ausdruck auf ein metallisches Korrosivpulver. Auf die
für unsere Stellen richtige Spur leitet wohl Woyt's Schatz-
kammer ; jHenricus rubens heisst bei den Chimisten das
Vitriolum, welches so lang gebrennet oder calcinieret wird,
bis es durchaus ganz rot worden.'
Fr\- Heiz = Friheit 5 (Bd 1 1267). ,Wenn die
predicanten zuo vil schlurzächtig und schmusantisch
oder wie die karrer und fryheizen dahar ziehend.'
HBüLL. 1561.
Eine Anlehnung an .Heinrich' in seiner appell. Anwen-
dung, lautlich noch mehr erleichtert, wenn man die Zss.
.FrSheitS-Knab' zu Grunde legt.
Hans-ifem, Haneich: beliebte Namenverbindung
Bs; Z, und wie der einfache Name halb appell. den
Bauer, den Mann aus dem Volke bezeichnend. En
Or^i'g nie i' 's Hans-Heiris G'meind, eine arge Un-
ordnung ZO. De- H. Früehg'nueg und de^ H. Giiet-
g'nueg sind zire" Brüedere' g'si" Z. — C h u e - ifemi :
Kuhbauer, in wegwerfendem S. , Jeder K.' Unterred.
Gr Landl. 1814. Lt B. 1 2§6 = Viehnarr; Syn. Veh-
Tschutt. — Mager-: magere Mannsperson Z. —
Mül-: Grossspreeher GrD. — Mür- s. Müch-Heim.
Bei" -Heirech: 1. lange, abgemagerte Mannsperson
ÄABb. — 2. der Tod, pers. vorgestellt. Sprww. 1869.
Hol 's der B.! Verwünschung.
Bein = Knochen; vgl. das nd. Syn. ,kn8kern Hinrik'.
Wäre übrigens 2 stärker belegt, so hätten wir gerne Dieses
vorangestellt; steckt ja viel), in , Freund Hain' der selbe Taufn.
Türr-Birre°-i?etni; magerer (wie eine Back-
birne) zusammengeschrumpfter Mann Z. Syn. Dürr-
birren-Geist Sp. 489. — 'Post-Heiri: Briefträger Bs
Stdt. Auch Name eines seit 1845 in S erschienenen
Witzblattes, das die Figur eines Briefträgers an der
Spitze trug.
Schnurre''-Seirc/i: Brummkreisel Z oTösst.
Wie die synn. Hurrli-, Surr(l)i-Bueb, Schnurre nach dem
schnurrenden Tone, oder (wozu die Wortform eher stimmt)
nach der mit einem Maul verglichenen grossen Öffnung an
der Hohlkugel benannt.
.\ll-tag-iretn; Stellwagen, welcher vor Erbauung
der J^isenbahn in der Kurzeit täglich zwischen Zürich
und Baden fuhr Z. — Eig. der Name des Unternehmers
oder des Kutschers.
'S üTi- Heini: langer, magerer Mann ZNer. —
Vfeg-Heirech: Wegerich SrHwE.
yV\ir st- Heiggel: Vielfrass, gieriger Esser ZO. —
Vgl. ine'-icvrstm, hineinstopfen.
Zeiger- jfZemi; Weberknecht, phal. opilio Aa
Schinzn. Syn. Zimber-Mann.
Viell. so benannt, weil er mit seinen Beinen wie der
Scheibenzeiger mit seiner Kelle herumtastet oder ausgreift.
Z üri'^'' (-Biete r)-iJsJri; neckische Benennung
der Zürcher, bes. der Landbevölkerung. Bezieht sich
auf die besondere Beliebtheit des Taufn. im Kt. Z.
von welcher sich eine Probe z. B. im Z Tagblatt 1864'
S. 1596. 1600 findet. S. WWack. aaO. 128 f. Vgl.
Basler-BejJin. Die Fortpflanzung des beliebten Na-
mens durch Generationen eines Hauses hindurch ver-
anschaulicht das Pseudonym des ZO. Dichters Jak.
Senn: 's Heiri Heiehe" Heiggels Heier.
Die Verbreitung mag ihren ersten Anfang in der Haupt-
stadt genommen haben, welche nicht bloss die mit allen
städtischen Gemeinwesen geteilte Veranlassung hatte, die
Kaiser dieses N'amens (aus dem sächsischen Hause) zu ehren,
sondern sich des zweimaligen Besuches des später kanoni-
sierten H. II. und (was wohl die nachhaltigste Wirkung aus-
übte) des sechsmaligen von H. III. mit Reichstag und Ver-
lobungsfeierlichkeit erfreute.
hi(n): 1. Richtung einer Bewegung oder eines Stre-
bens nach einem Ziele, Zweckbeziehung einer Tätig-
keit auf einen Gegenstand, eine Person oder Sache,
bezefchnend; echt volkstümlich kaum anders als in
Verbindung mit der Angabe od. Andeutung des Zieles.
Her chummen^i''' g'rad ro' Heimet; hi uill-i halt zu
dir. JoACH. Bötet, ir Lüt, «o üser Töchterli hi göt.
Hebel. In allen Fällen wie die eben angeführten
kann /(. auch mit der andern Ortsbestimmung ver-
bunden werden : niene"-, wo-h. Nienehi cho', es nienehi
bringe' 1) immer ans Haus gebunden sein Z. 2) mit
der Arbeit, mit der Ökonomie nicht vorwärts, zu
Nichts kommen Z. Öppe'-, neime'-h., irgendwohin.
I miies' n.-hi, an einen gewissen Ort; in verdeckender
Rede: auf den .-Abtritt; vgl. Bd I 591. ,Dass ein herr
ienahin reisen wollte.' ZFäll. Off'n. (Etwas irgend-
wohin) tue'. Wo tiiesch-es au"'' hi? fragt man ein
Kind, welches grossen Appetit entwickelt Z. 120 Pf.
Mal z' verbache [zum Neujahrsbedarf einer Haushal-
tung] uf emal, das lät-si''' g'hi}re'; 's nimmt Ein'n
Wunder, wo nie' 's hi tüeg. Schönekb. Bildl., Etwas
begreifen, verstehen, eine Persönlichkeit erkennen
(eig. in das Fachwork des Verstandes einordnen) Aa;
Bs; S; Uw; Z. Syn. heim tuen (Sp. 1279). I''<ha"'s
niene' chönne' hi tue'. Wo soll-i"'' Das hi tue', wie
es verstehen? In üw ohne nähere Ortsangabe: /'*
cha" 's nid hi tue'. S. noch hin-tuen. Etweret-hi,
quer hinüber Gl. ,Hinheim', nach Hause: ,Hinh.
stuend jnen der sinn.' 1446, Lied; Syn. heim-zue. Mit
Präpp.: an Eine" hi gä" (törfe'J, auf ihn los gehn.
An enand hi gä, g'räte', einander angreifen SchwMuo.
Vor Eim hi, vor sich her Gl; Syn. vor Eim anne".
Du chasch-es vor-der hi [unterwegs] esse". Uf, für.. .
hi, im Hinblick, in Absicht auf Jmdn od. Etw. Ap; Z.
P'' ha'-mi"'' miiesse' schäme' für di(ch) hi. Uf Ein'n
hi Öppis (Appartigs) choche", in Erwartung seines
Besuches, um ihn als Gast damit zu bewirten. Uf
G'ratwol hi Z; JCSülz. 1772. Narr: .s' bald 's Spil
US ist, will ich heim laufen, ein'n schönen Huet uf
d' Sach hin [auf die Bekehrung von der Narrheit]
kaufen.' GGotth. 1619. .Drüber hi' 1) zeitlich, unter-
dessen Bs. — 2)lialb zeitlich, halb caus., daraufhin,
bei solcher Sachlage, nach alledem. ,Drüber hin be-
schälkt [getadelt] werden.' Schimpfr. 1652. ,Können
131/
1318
wir darüber [über die Beweise unserer Sünde] hin
uns einbilden, Gott werde mit seinen Strafen ein-
halten?' FWyss 1672. — 2. Fortsetzung einer Be-
wegung oder einfach Entfernung. £r ist üf und drüs,
Nieme" het g'wusse", ivo-n-er ist hi worde, wohin er
geraten ist BLenk. Si''' hi' zieh, sein Dasein fristen,
auskommen, indem man sich nach den Umständen
richtet B (Zyro); .paupertati suse se accomraodare.'
Id. B. ,Es soll Niemand gezimmen, abzetretten [aus
der Kirche], er wurde dann von Krankheit [usw.] ge-
trungen, hinzeziechen.' B Mand. Iti28. S. noch hin-
ziehen. ,[Falls der Totschläger] hin kummt und nit
gefangen wird.' Strafr. Baden 1384. ,Murten ist noch
nit gewunnen; es kummt wol vor in"" [den Feinden]
h.' 147Ö, T. VL. ,[Sie soll arbeiten] darmit sy bas
mochtind hinkommen [ihr Auskommen haben].' UMey.
1540/73. ,Den hochmüetigen päpsten, vor denen kein
frommer fürst hat hink, können.' Vad. , Diesen alten
Hausvorteil konnte man bei vielen Töchtern, die nicht
gar reich seien und doch auch hinkommen möchten,
noch gar viel weiters treiben.' HPest. 1787. A. ,Es
dunkt mich, du heigest ein wol g'löste Zunge.' B. ,Ha,
es gat wol hi [es geht an, so ziemlich].' Göldi 1712.
Verdoppelt: ,Hinhin werdend ir von dannen ziehen
und gon.' 1531/48, Jes.; = .Weichet, weichet' lGti7;
1860. Verbunden mit ,für' in ausschliessender Bed.
F. das Mal hi Z. ,F. Wienacht h.' 1425, Seg., KG.
,Das überplibene [von Eheleuten] erbt des andern
guet alles f. alle fründ h.' 1552. ZElgg Stat. ,S.y
wellind f. die sach h. nüt mer öne landsgemeinden
handien.' 1597, Zellw., Urk. Vgl. u. 2 b ,von...h.';
für Ib. 2 (Bd I 953 u. 954). Formelhaft verbunden
mit andern Advv.: ,h. und her' a) wie nhd. ,Vil» uss
den h. und har schweifenden Juden.' RGüalth. 1553.
■- b) da und dort. ,Es sind h. und her noch vil guot-
herziger [Leute].' 1530, Absch. .Wie man 's noch h.
und har sechen kann.' ECts. , Welches Werk [eine
Ringmauer] die Bund h. und her geschlissen haben.'
GüLER 1625. .Sehreibe auch h. und her an die Hau.s-
türen.' Schimpfr. 1651. ,H. u. h. an frömden Orten
sich ufhalten.' ebd. Bann isch es hi icie her Nüd,
so wie so, jedenfalls ü. !'''• chunnne h. w. h. nid ZO.
,H. und für', hin und her. ,Und als dann N. N. stäts
hin und für rytet und postet und niemand eigentlich
wüssen mag, was er handlet und praticiert.' 1532,
Strickl. ,H. und wider.' a) räumlich. 1) hin und her.
,[Ich will] die Juden h. u. w. treiben, Jerusalem brin-
gen under mein G'walt.' GGotth. 1619. — 2) da und
dort L; Z. .Das buech er h. u. w. leit [bald da, bald
dorthin].' UEckst. ,Brunnenquell, so h. u. w. in fünf
beder abgeteilt' 1578, HPantal. Umgestellt (des Rei-
mes wegen): .Gott zerströwt mit spott wider und
hin all. die hoifertig wellend syn.' Funkelin 1553.
— b) zeitlich : dann und wann, bisweilen GnPr. ; L ;
W; Z. ,H. und eweg', von nun an immerfort U.
S. noch da-hin. — Mit Advv. zsgesetzt: .Alle sollen
vor die boten kommen uf den mäntag der nächsthin ist'
1398. Absch. ,üb bescheh — das lang hin syge [lange
nicht eintreten möge] — , dass . . .' 1426, ebd. U 744.
Mit der Präp. ,von' zur Bezeichnung eines Zeitpunktes,
Ton welchem an Etw. eintreten oder gelten soll. Vgl.
oben für . . . hin. [Es] si für er [ihn. den Hahn] dg
letst Tag, er chömmi v<i hilt hi nümma s' chräjq GrV.
.Von Andrestag hin.' 1525, Absch. .Von desshin soll
man sy nümmen etzen.' XIV./XVL, Schw LB. Vgl.
nhd. .künftighin' und dazu die seltsame Um.stellung:
,Zu hinkünftigem Fleiss aufmuntern.' Z Neuj. M. 1799
(Anlehnung an .zukünftig'). .Hin und hin', für alle
Zeit, hinfort. Die Landsgeraeindc hat beschlossen,
,dass nun hin und hin kein gant mer soll syn.' Ap
LB. 1409. Vielleicht für ,hinnet-h., hinnen-h.' s. d.
— 3. Vergehen, Verschwinden, Verderben, bzw. Ab-
nutzen, Beseitigen, Abtun usw. bezeichnend Bs; Z.
De'' Winter ist halb he Ap. Bis du chunnst, ist früe
hi und sjiiit ih't Z. D' Söt ist hin, der Fürst fort
mit siiii Willi :' Fild druf. APletsch. 1880. Verst:
mords (iiinr^j-fctzc hin, ganz verdorben, abgenutzt,
besonders von Kleidern AAZein. H. ist h., sprichw..
auch schon bei GGotth. Die Eidgenossen mahnten
die Unterwaldner durch Boten und Briefe ,uf den
sunnentag, der hin ist.' 1398, Absch. ,Welhem eman
usserthalb der e ein kind wirt. den soll man weder
an rat oder gericht wellen, doch das vergangen soll
hin syn.' 1469, Sch Stdtb. ,Warend die mönch fast
fro, dass er hin [mit Tod abgegangen, verstorben]
was.' Vad. Formelhaft verst: ,h. und abgetan s.'
XVI., Schw LB. ,Dass hiemit all alt sprüch sollent
hin, ab, tod und nüt syn.' 1474, Sprdcbbr. S. noch
ab 7 (Bd I 30), halb 2 a. H. gä' s. Sp. 30, im Zg
Arzneib. 1588: vergehn, schwinden, von einer Ge-
schwulst. ,H. kommen', ausgehen, zu Ende gehen.
,Swenne diu not [die Kriegsgefahr] hin kummt, so
su""n sy ir tor [des an der Ringmauer gelegenen Klo-
sters] besliessen.' 1292. Z Staatsarch. .Järlich geben
3 mark, unz dass 3 jar hin kämen.' 1293. Kind, Urk.
.Swenne diu järzal hin käme.' ebd.. und übh. formelh.
H. mache", zu Grunde richten, töten Bs; Z. VgL hin-
tuen. ,H. nemen', hinwegnehmen. .[Der Reif] hat all
ander obs auch hing'nommen.' UMey. 1540/73. .Salbe
die glider damit, so sy g'schwuUen sind; nimmt [die
Salbe die Geschwulst] hin und heilet.' Zo Arzneib.
1588. .Der Span ist güetiklich hingenommen und üf-
g'hebt worden.' JJRüeg. 1606. ,H. werden', zu Grunde
gehen, sterben. Das ist zum H.-w., hyperbolischer
Ausdruck höchsten Ärgers Gr; Z. Prägn., resp. eil.:
,[Die Felder] die och du Plessur hin [weggerissen]
hat' 1373, Mohr.
Die urspr. Bed. ist '2, aus Jer sich daim sowohl 1 als 3
ableiten lassen. In den folg. Zss. erscheint ,-hin' meist in
der abgestunipfteu Form fA).;, hzw. (Ii)ij, und ist von ,-her',
welches der selben Abstumpfung unterliegt, lautlich nicht
zn unterscheiden, wo das Letztere nicht ausdrücklich in der
Form -(h)er oder -(h)ar (die wir an ihrem Ort behandeln)
oder das Erstere in der Form (h)i erscheint. Im Folgenden
werden also auch die Fälle mitgenommen, in denen eig. nicht
,hin', sondern ,her' zu Grunde liegt. Zu diesem Verfahren
sind wir um so mehr berechtigt, da auch logisch die Be-
griffe der beiden WW. rel. sind und je nach dem Stand-
oder Gesichtspunkt einer für den andern eintreten kann.
Vgl. ,her' für ,hiu' Gr. WB. IV 1, 2, 2409, c nnd Fr.,
Ztschr. VII 73. Unterscheidung der beiden räumlichen Be-
ziehungen (des Woher und des Wohin) hat sich nur im Ge-
birge, doch auch dort nur tw. erhalten. Beide Advv. erscheinen
auch als Präf. und Suff, zugleich, also in pleouastischen Bil-
dungen, ebd. VI 348 ff. Die Abstumpfung der Form beider
findet sich in vielen MAA. (aaO. 350) und macht die mit
,hin' (resp. .her') zsgesetzten Advv. im Ausl. (-e') den auf
urspr. -en ausgehenden (wie .oben, unten, innen, aussen')
gleich, so dass dann auch umgek. Entstellungen vorkommen
wie dinnha, drinnen (wo das h dem von inha, hinein, nach-
gebildet ist). Vgl. bes. auch noch die Verbindung ,herhin\
— Zwischen der im Nhd. (erst seitdem XVII.) herrschend
Han, hen, hin, ho
1320
gewordenen Voranstellung der AdvT. ,lier' und ,hin' in Ver-
bindung mit andern und der für unsere Volksspr. ebenso
charakteristischen ausschliesslichen Nachsetznng stehen als
Überreste der altern Freiheit der Stellung Fälle wie nhd.
,umher' (neben .herum'), ,umhin', ,anhin', , forthin', ,einher'
(neben ,herein'), wo dann freilich mit der dem Gesetz wirk-
licher Zss. widersprechenden Betonung des zweiten Bestand-
teils auch eine besondere Bed. (besonders bei ,einher', s.
Gr. WB. 3, 200) verbunden ist. Umgek. setzt das Tierb.
1563, 117'' .herein' für .einher'. Zwingli I 124 hat .harfür',
aber die alte Bibel .fürhar'. Bei UMey. Chr. (1549/73)
steht bald .füren [fürhin]', bald ,hinfür [hervor]'. .Herfür.'
1675. Hotz, ,hinumb.' Myricäus. Auch die oben angeführten
pleonastischen Verbindungen zeigen, dass die ä. Spr. beide
Stellungen zuliess. Übrigens mag noch bemerkt werden, dass
auch unsere Volksspr. (freilich nur die des Gebirges) eine
der nhd. entsprechende Stellung kennt, nämlich in den Ver-
bindungen mit aler-, embr- (Bd I 40. 41), welches jedoch
nicht einen Unterschied der Richtung anzeigt und fast be-
deutungslos geworden ist. Nachsetzung des ,-hin' ist in
unserer ä. Lit. so gäng und gäbe, dass wir im Folgenden
diese übergehen. — Mit Bez. auf die folg. Zss. sei hier als
auf eine Eigentümlichkeit unserer Volksspr. hingewiesen, auf
die Scheu derselben vor dem Genügen an dem einfachen Adv.
bzw. Präp., bes. wann es sich um räumliche Anschauungen
handelt; also lieber m/'o Tach u/e*. als bloss «/'» T. Ferner
die Torliebe für die mit ,-e"' fortgebildeten an Stelle der
einfachen Adv.-Formen der Schriftspr., in welchen Fällen
etwa Gründe des Rhythmus und die Analogie der Advv. auf
,en' wie ,oben' mitgewirkt oder, bei den Grenznachbarn der
Romanen, Vermengung der räumlichen Begriffe, des VFo und
des Wohin, mögen Statt gefunden haben. Betr. die Bed.
unterscheiden sich die folg. Zssen von den entsprechenden
einfachen Advv. dadurch, dass diese nur den End- oder den
Anfangspunkt der Bewegung angeben, jene auch den durch-
laufenen Raum; das Nhd. lässt sich an dem einfachen Adv.,
meist dem ersten Teile unserer Zss., für ,anhin' an .hin.
her' genügen. — S. noch hin-faHm Bd 1 757, -fami Bd 1 900,
-Jüeren, Bd I 983, -(/eben Sp. 90. -leggen, -langen, -richten,
-i-i«9en, -achlichen, -echlifen, -seh icenken, -Hellen, -strichen, -wichen,
-icerfen, -ziehen, -zucken,
ab-hin (-her) „abldn Bü.", abhi, aphi, abhtj BO.,
appi ScBW; U; ZHirz., appn, appe" GrD.. ObS., Val.;
Vw; ZSchönenb., ö^e (herab) GrS., Sculnis, «ftibzw. abi
Ap (im Gegs. zu ahn); Gr; 6.4., Eh. (auch appi). Wall.;
Sch; ThHw.. ähe bzw. äbe Aa; Bs ; BM. ; Gl; LG.;
GA., oT.; ScHSt.; TsTäg.; Z, äft^ GStdt 1770, r.ahi(n)
BO.", ähi bzw. ähi BO.; FJ.; GrHb., Eh., Valz.; G
Garns, 0., aha, ahe BE., Schw., Si.; F; GRHe., Pr..
Eh., V.; S; W, ax'i BS., Si.; GrV., ax'g, a/'e BE.,
Worb; GREh., V.; PP., a-i I ApK. (s. noch bei ,an-
hin'); GrV.; GEh.,Eorsch., W., äji WGoms (auch appe,
appje), ä-i GrV., e-i GEh.: 1. räumlich, hin-, herab,
wie nhd. a) ohne nähere Ortsbest., oft mit Ergänzung
des Ptc. Prät. oder des Inf. eines Vbs. Ahe", ahe'l
Feierabendruf für die in einem höher gelegenen Walde
beschäftigten Arbeiter. JJMüller 1867. Äbe-, ahe'!
Euf der Schützen, wenn der Zeiger nach einem guten
Schusse scherzhaft absichtlich senkrecht über dem
Zwecke viel zu hoch zeigt ZS. So schreit man auch
dem missbeliebigen Eedner zu, damit er die Bühne
verlasse Z. De" Schnitt gär ahe säge', den Säge-
schnitt bis nach unten führen Ap. Es regnet, tcas ('sj
abe mag, in Strömen Ap; Z. Es häd (wtt) ahe [bis
ins Tal herunter] g'schneü Aa; Ap; Bs; Gl; Z; s. noch
T. 6 a. Es het abe g'regnet, der Eegen hat den Boden
tief hinab durchweicht Aa; Bs. B' Morge"röti (AABb.),
der Nebel (Z) muess ahe, wird Eegen erzeugen, 's Wetter
abe stelle", drucke", das Barometer auf einen niedri-
geren Stand hinunter sinken machen ScuSt. In Ndw
a. stelle" spec: Einen auf den .Lasterstein' stellen.
En Schoppe [udgl.] a. stelle" [trinken] Z. Wade" g'rad
abe (wie de' Hans vo" Bade") = dünne Ap; Z (schcrzh.).
Iss de' Mumpfel ahi, schlucke den Bissen hinunter!
BSi. Es mag (wc^'tj-mer nüd abe, ich kann es nicht
verwinden, eig. : hinunterschlucken G; Z; Syn. ver-
hiitzen; (ver-)däuen; vgl. mgä", engl, go doicn. Er
isch ahe, an Kraft oder Mut gebrochen; Syn. d'tmnen
B; S; aber auch: er ist gestorben AALindenb. 1 bin
ahe g'sl", (hinuntergegangen und) unten gewesen Z;
vgl. engl, heen to London. Abe müesse", sterben (auch
linderem.), oder: fallit werden Z; aber auch: den
Preis einer Waare heruntersetzen müssen; seinen
Stolz brechen (auch: sich abe lö" müesse") 6; Z. Es
hat abe y'macht, die Preise sind gesunken B; a. diu,
im Preise sinken Sch. Letztere Verbindung sonst auch :
in der Schule an einen niedrigeren Platz versetzt
werden, im Eange sinken. Id. B (auch im Wettkampf) ;
Z. physisch, ökonomisch od. moralisch herunter kom-
men, verkommen Sch; Schw; Z. Wenn d' Frucht
[Wintersaat] im Jänner gruenet, so chunnt si abe
[nimmt ab], bis si i der Wid [zu Garben gebunden]
ist Aa; S; Z. D's Laub, d's Obs isch abe, von den
Bäumen herunter (Spätherbst) B; Z. D' Cherze isch
ahe, heruntergebrannt, ebd. D' Sunn ist ahe Ap; Z.
De" Bach abe, weggeschwommen; bildl.: entschwun-
den, verloren Gr; vgl. das einfache Adv. ab Bd 1 29.
Syn. abri, emhrah. — b) verbunden mit andern Orts-
bestimmungen 1) mit Präpp. a) mit .ab'. Ah der
Brögi [Estrich] abe Ap. Gang ah-em Tisch abe! Z.
Er ist hin'en ab-em Wagen abe g%eit Z. Wie ah-eni
abe g'schnitte", (der Sohn dem Vater) sehr ähnlich Z.
Danach auch, i. S. v. ab 1 3 (Bd I 27): Es grmt-mer
ab dem abe Bs. S. noch abeinander Bd I 305. —
ß) mit andern Präpp. Öjipis a'n Bode" ahe lä" falle" Z.
I'n Cheller abe, in den Keller hinunter, ebd. Er chunnt
i'n Himmel a., in die Hölle (scherzh.). ebd. Er ist
z' oberst vom Baum nbe" a. g' falle", ebd. Über d' Stege"
abi, über die Treppe hinunter GflChur. Über d' Schöss
a., über die Schürze hinunter Z (z. B. eine Flüssig-
keit ausschütten). Us-em Berg abe chö" Z. Öppis
us-em Chämmi abe ne" Z. , Unsere Leut, die, wie man
redt, in 's Land [Deutschland] abhin gezogen, könnten
erzehlen, was der ündcrscheid sei, und wie man hie so
wol und ruhig sitze.' FWtss 1673. — 2) mit Advv. Er
ist drab ahe, hat den Verstand verloren SchwE. Alles
ist g'sl wie d. a., verkehrt, zerstört, ebd. Gang vo"
dem Loch eweg, sust g'heist dri a. Z. Bra" a. lange,
über einen Gegenstand hinunter, ebd. Harahe [her-
abher] rufen die Sennen den Kühen, die sich vom
Weg versteigen B; vgl. har-ume. S. noch die C'ompp.
,Aben bis Baden.' ZDiet. Offn. ,[Die Grenze] gataben
an ein gass.' XV., ScHwTugg. Jahrzeitb. ,Do sy wider
araben [herabher] wo"tten [zurück fahren].' 1527, Hs
Stock. ,0b glych der Zwingli zue üch [nach Bern]
komme, müesse er doch nit wider lebendig, sonders
tod abhin kommen [von Bern nach Zürich].' 1528,
Absch. ,Das wasser lief bim salzhus aby.' 1529, Bs
Chr.. wo daneben im gleichen S. ,abhin', .herab'. ,Er
gieng wider abhi [aus der Stadt Baden] zu den bädren.'
ThPlatt. 1572. .Der bach, so den berg nider kummt
und das dorf aben lauft.' 1556/62, ZDielsd. ,So er
[der Habicht] auf einen bäum sitzt, soll man in abhin
berüefen.' Vogelb. 1557. ,Abenhangende schwänz.'
182
Ha
hin, lioii, liun
t'lul. ,Acclinatus, gneigt, abenhängend.- Fris. .Man
gat ilic Stegen abbin, gradibus descenditur. Abbin
beschicken, devocare.' Mal. ,Wenn sy zu uns abbin
kunimend.' 1572, UMey. Wint. Cbr. ,Da die Stund
[in der Sandubr] aben war.' Schimpfr. 1651. ,Es ist
mir abbin gefallen, humorura destillatione laboro.-
Hospin. 1683. ,Er ist abbin kommen, loco suo excidit,
de postremis factus est.' ebd. ,Gib d' Flaschen ahin!'
befiehlt der am Boden sitzende Jäger. JMahl. 1674.
,Die Knaben auf dir Nichts tun haben, weil dein
Brusttuch nur ist grad aben.' Wahrs. 1675. ,Züricli
und Bern band Ebrenabgesandte dort hinabon [nach
Genf] gesandt.' 1738. Lied. Es Mändli uss de' Pünäte"
aha. GüLDi 1712 (T.). — 2. zeitlich, a) allein stehend.
Im Kanzleistil bei Angaben von Daten i. S. v. letzt-
hin, jüngst vergangen Bs; Z, z. B. .am !'. Apiil abliin'
— b) verbunden mit andern Adverbialien : ii/ . . . nln.
auf... hin, nach. Uf 's Essen abe s<i"t mc" cIkiiiih"
ruebe" Z. Uf de' Butzer [Verweis] abe ivird er tjoppel
gitet tue' Z. Hieher oder zu 1: Me" tuet de" Bettler
nid uf de" Herr a., wird gesagt, wenn Jmd Most nach
Wein trinkt Z. Nimm en Zucker drüf abe, nachdem
man eine bittere Arznei geschluckt, ebd. Uf in abe,
in der Reihe ihm folgend Z. Über Alles abe, nach
allem Getanen oder Gelittenen, ebd.
In den Formen mit pp ist der Labial verhärtet durch
das folgende h. das dann untergeht (nicht assimiliert wird) ;
vgl. Schweig-Hof Sp. 1033. Die Form ahe usw. zeigt freilich,
dass dieser Vorgang auch unterbleiben, und die Form ahe
usw., dass auch b dem h zum Opfer fallen konnte. Dass
dann h zu / sich vergröberte, ist das Gegenstück dazu, dass
inlautendes ch auch zu h sich verdünnen kann. Der letzte
Schritt ist dann, dass (wie in a-i, u-e, s. ,uf-hin') beide
Cons. ausfallen, doch so, dass der zwischen den zsstossenden
Vocalen entstehende Hiatus eine Spur des h bewahrt oder
durch ein aus i entwickeltes j ausgefüllt wird. Wenn a-i
zu ä-i wird, so wird man darin einen Unil. zu erblicken
haben, der wiederum voraussetzt, dass man noch 2 Silben
fühlte. Der Unterschied der Bedd. ,hin' und ,her' ist in
den Formen nur selten ausgeprägt, meistens verwischt, so
dass sog.ir eine Form mit i ,her' bedeuten kann und umgek.
S. die Anm. zu hin. Die Verwischung scheint schon früh
begonnen zu haben, denn es findet sich ,aben', hinab. 1330,
LUrk.; ,aby', herab. 1581, Zellw. Urk. (s. gnajijieii Sp. 668):
,gegen das land abhin' und ,aben bis gen...' ebd. Dagegen
unterscheidet Ap Krieg 1405 ,abhin' und ,abher' auch nach
der Bed. Indessen darf auf die Schreibung dieser und an-
derer schriftlicher Quellen der ä. Zeit nicht zu viel Gewicht
gelegt werden. — Bei 2 wird vom gegenwärtigen Zeitpunkt
aus ein Abstand rückwärts gemessen. — S. noch abhin-ya"
Sp. 10, -geben Sp. 77, -län, -machen.
oben-abbin: von oben herunter, hinab. 1. vom
Himmel. Wenn 's nW o. schön ist! nicht regnet,
gleichviel wie der Boden sei Z. Was o. chunnt, soll
me" nit verachte' B (Zyro). — 2. vom obern Fach
eines Kastens, obern Stock eines Hauses, Wipfel eines
Baumes, von einem Berg, vom obern Laufeines Flusses
und dortigen Ortschaften, aus dem Oberland herunter,
allg. Er isch von o., aus dem höher gelegenen Teil
der Schweiz oder auch nur aus der Landschaft Bs.
Von der Bs Armenpflege wurden Waisenkinder aus
den vom Krieg 1798/9 heimgesuchten Kantonen, sog.
,0.-Kinder' oder ,-Bueben' aufgenommen.' Z Neuj. H.
1873, 9. — 3. von kleinern vertikalen Distanzen.
0. (auch drüber-a.) züye', angerichtete Speisen mit
etwas Fettem überschütten Z. 0. luege', gering-
schätzig auf Andere herabblicken B (auch von o.) ; L.
Er ist (von) o., hochmütig gegen Untergebene Bs; Z.
,De loco superiore, oben abbin.' Fris. .Dann sy nit
unden ufhin, sonder oben abbin kommen.' 1646, Z
Staatsarch. ,Der Knabe fragt beim Herausgehen aus
der Kirche: Warum hat der Herr so hoch da einzig
oben aben geredt?' AKyb. 1753. — über-: 1. eig.
über Etw., das einen obern Raum von einem untern
trennt, hinunter, meist aber gemäss der Bd I 59 an-
gegebenen Bed. nur verstärktes ,binunter', z. ß. von
einem obern Stock in einen untern oder ins Freie
Aa; Z. Er chonnd nöd öberaba, von einem Gefan-
genen, der aus dem Gefängniss nicht in den Gerichts-
saal berabgebolt wird, um sein Urteil zu vernehmen
ArA. Wer gäh ufe gräsmet [klettert], g'heit gern ü.
Bs (Spreng). ,Extillare lachryniis, weinen, das' einem
dir trälleren über abhin rünnend.' Fris. ,Und zücbt's
iiirli überaben [vom Schrankaufden Boden].' Schimpfr.
li;.".2. — 2. drüber-a., zeitlich: unmittelbar oder bald
nach Etw.; vgl. abhin 3 b. 's ist mer nW ase' use"-
g'tviUscht und ist mi"'' drüberabe g'roue' Z. — „um-,
em-ahe: wieder hinab BO'" S. Bd I 41. 221. 2'27. -
emhi-aha: hinunter BO. S. aaO. — ene"-abhin
s. enen Bd I 266. — vor-: 1. vorn, aussen hinab
GA.; Z; vor's Haus hinab AALeugg. ; Sch; Z. Syn.
über-abhin. Bin Rock ist v. icüest, über die Vorder-
seite hin beschmutzt Aa; Z. „D' Auge" v. ha, nieder-
schlagen". De" Chopf V. ha' (bei der Arbeit) ß; Z.
V. luege, zur Erde blicken Bs; Z. S. noch v.-haben
Sp. 892. -- 2. beim Hinabgehen, während desselben,
wobei die Tätigkeit des Gehens selbst nicht genannt
wird, sondern eine sie begleitende andere, z. B. Spre-
chen Ap; Gl; gg. Er hed-mer v. erzält . . . [udgl.].
Syn. im Abe- Weg. — B. zum Voraus, vorweg. ,Ein
frouw, so iren ehemann überlebt, mag ir heimstür
vorüs und vorabbin nemen.' 1475, ZWetz. Hofr.
für-, in AAßremg. f^r-: 1. = vor-abhin 1 Aa;
ScnSt.; Z. — 2. abwärts BO. Auch: auf dem Wege
abwärts bereits vorbei BLenk. Er ist f. sc. gegangen.
Gang fürahi, geh abwärts voran! Gr. — 3. fürahi,
im Hinuntergehen, -stürzen Gr; vgl. vor-a. 2. —
4. firabche, weiter unten BHa. — Fcr kann übrigens
auch aus ,vor' erklärt werden; vgl. Bd I 912.
hei^-afte; auch bildl. Es ist h. mit Dem L 1) er
kann nicht mehr gerettet werden, inuss sterben. —
2) er ist nächstens zahlungsunfähig. — binde"-, in
BE. hinder-, lungeren-: hinten liinab; ,a tergo in pro-
fundum.' Id. ß. H. tatsche', rücklings hin fallen Bs.
,H. hä', caput in tergum demittere.' Id. ß. Jraden
h. luege' machen, ihm den Hals umdrehen Z. S. noch
u. vor-für Bd I 963. Bildl. h. müese, mit langer Nase
abziehen m. Z. ,n. gä', delabi (de re famillari).'
Id. B. Es gäd mit-em, er chunnd h., er gebt dem
ökonomischen Ruin oder seinem Ende entgegen B;
Gl; Schw; Uw; Z. Eine von Jmd ausgesprochene Be-
hauptung kann iron. verneint werden mit: Ja, lt.!
d.h. im Gegenteil, umgek. = nein! Z. ,Der kenel,
der uf den beiden hüsern das wasser hinten abe treit.'
1325, Bs Urk. ,Die Ermel und Kleider niclit hinten
aben geschnitten.' Z Mand. 1703. — nebe"-: daneben
hinunter. „iV. sitze', neben den Stuhl zu sitzen kom-
men, auf den Boden; bildl. sein Ziel verfehlen." —
nide"-a7w; untenhin, unterhalb ßSi. — dur"''-,
in Bs auch dür-: in fortgesetzter Richtung (gleichs.
den Raum durchschneidend) abwärts, ganz hinab, bis
1323
Han, heil, hin, hon, hun
132)
unten Bs; Th; Z. Verst. mit vorgcsctzeiii ,ilai' d.;r
Bs (Spreng); GSa. — des-ahi: ganz hinab BSi. —
zent- s. z' End.
ob -hin öhi: oben FJ.
,0b' Terk. aus ,oben', wobei viell. das en des Letzteru
mit dem aus ,hin' entstehenden verwechselt wurde, als ob
.oben' selbst schon aus ,obhin' entstanden wäre. ,Hin' be-
deutet aber hier nicht Bewegung nach oben, sondern auf
der Obern Fläche hin und die an das rom. Gebiet grenzenden
MAA. unterscheiden übh. das Wo und Wohin nicht mehr
30 durchgehend, so dass die Angabe dos Letztern auch einmal
für die des Erstem eintreten kann, wie sonst umgek. Die
Ausstossung des b wie bei ahi aus ,abhin'.
obe°-: wie nhd. = oherflächlich, flüchtig, gering-
schätzig Z. — ,obiter-h. sagen Einige, die von
ferne Latein gerochen, für überhin.' Spreng.
über-h. „überhi BO." (im Unterschied von überha),
uhere BO.; UU., überi GRÜe., oberha FJ. (im Gegs.
zu uober), oberi FO., uppa W (P. Furrer), sonst meist
übere : 1. räumlich a) hin (bzw. her) -über. So als
Ruf an einen Fährmann Aa; Z. Obere mit 'em B'e'",
so geH 's e Liebe; get 's le'" 3Iätli, so get 's e Büebli
Ap. Oft nach vorhergehendem .über-, z. ß. über en
Bach ü. springe" B; Th; Z. Daher auch, mit bloss
pronomin. Andeutung des Subst, drüber ü. 1) über
einen Zwischenraum, eine Grenze, Schranke hinweg,
hinaus Ap; Z. — 2) über eine Fläche hin. Me' cha""
drüber nbere, mi [man] merkt 's numme [nur] fast nit,
das'-me uf-em Wasser ist. Gotth. — 3) bildl., dr. ü.
cho, darüber kommen, es entdecken S. Ü. lange',
wise', stige". ßib-mer noch der Kaput! We"' 's blset
[wenn Nordwind geht], chann ich 'ne' de'" ü. legge'
6r. 's Drasch [das zu dreschende Getreide] häm-mer
gester scho' z' Obig a'g'leid; iez dröschid-mer 's umme"
und ü. breit. Häfl. „Eine' obe' ü. ne', umarmen
BHk.; Syn. oben inlie" ne'. Vgl. noch em-ü. Die Be-
ziehung des Hinüber ist in einzelnen Vorbindungen
mit Verben nicht unmittelbar aus dem Zshang zu
ersehen, sondern eigentümlich elliptisch od. prägnant,
und die räumliche Bed. geht z. T. in zeitliche und
abstrakte über, übere, von Grossbasel nach Klein-
basel. ,Überhi', über die Berge. ThPlatt. 1572. Öbera-
zücha, eine andere Wohnung beziehen, umziehen, über-
siedeln Ap; Syn. züglen. ,Wie man mit ross und vich
übere faren soll: Es soll kein metzger noch andere
mit keinen rinder über die weg am sonntag faren, die
an andere ort zue verändern.' 1585/1828, Ap LB.
Ü. gä s. Sp. 12; auch unpers., es göt ü. mit im Z.
Ü. legge', ne', (einen Schüler) zur Züchtigung über
eine Bank, über das Knie Bs; Z; daher in bildl. S. :
übervorteilen, gleichsam auf den Rücken legen VO.
Ü. ligge' viüesse", herhalten müssen Gl. Ü. lüpfe, zu
Etw. bestimmen, gewinnen, übertölpeln Bs; Scp; Z.
Ö. fare, die Viehherde an einen andern Ort treiben
Ap. Ü. mache 1) mit Obj., überstehen, durchmachen
Ap; Z. — 2) abs. a) ein Geschäft, abschliessen, han-
delseinig werden L; Sch; Z. — ß) sich verloben L;
ScH; Z (und entsprechend: 's Versprechen ist übere
g'gange). — y) aus dem Brautstand in die Ehe treten
Ap; Bs; L; Z. — 8) sterben Ap (in die andre Welt
hinüber gehen). — e) sich betrinken L. — g) irr-
sinnig werden ZWyt. — »)) beim Kegeln mehr (24)
Zahlen gewinnen als beredet war LG. Ü. mües'e,
sterben müssen Ap; ZO. ; vgl. frz. tripasser. Ü. si:
1) von Personen a) schwanger sein GflChur. — p) be-
rauscht sein Bs; GRMai. — ■() verrückt sein L; Z.
— 2) von Sachen a) vom Weine, ausgegoren haben
Bs; Z. — ß) von Ereignissen, Geschäften, Mühsalen,
vorüber, vorbei, abgetan, überstanden sein. allg. Ach,
wenn de'' Winter übere war! JKMey. 's Wetter [Ge-
witter] ist ü. Z. Lt Schläflin in B auch über-übere.
S. noch dennen Bd I 267. — x) ^"^ Städten, festen
Plätzen, sich dem Feind ergeben haben Aa; Bs; Z.
Vgl. übergä", -geben. (Dagegen i. S. eines abgetanen
Traktandums: ,Dass Luggarus und Lowerz überhin,
die artikel darüber schon gestellt wären.' 1530, Absch.)
— 3) unpers. Es ist ü. mit im, er ist verschieden Bs;
„physisch oder ökonomisch zu Grunde gerichtet BO."
's isch übere mit 's Scherers Chue, si streckt 's Füdlen
a' d' Reiti ue [hinauf] L. 's ist übere mit Landau, es
ist vorbei, verloren Aa; Z; vgl. in-hinla (Meli.). ,Als
alle ding überen was.' 1525, HsStock. ,Do der regen
übery was.' ebd. ,Da nun solches überhin was [wider-
legt, abgetan], also dass man kein g'schrift [Beweis-
stelle] darum nit wollt anzeigen.' Zwingli. ,Das' unser
spann ussgemacht und überi wäre.' Kessl. ,Alle not ist
schon vollbracht und überhin.' Haberer 1562. ,Nun ist
yctzt überhin 4 jar.' JMürer 1565. ,Wenn das oster-
fest überen wäre.' LLav. 1569. ,Ilicet, es ist aus und
schon überhin oder vollendet. Definitum est, es ist
beschlossen und überhin. Die vergangene nacht oder
die überhin ist, abacta nox.' Fris. ,Wenn dieselbigen
Tag überen sind.' JRLandenb. 1608. ,Wie fröwen wir
uns, wann der harw Winter überen ist!' JJBreit. 1629.
,Ü. kommen', von einem Antrage, durchgehen, ange-
nommen werden: ,Myne herren werdend der sach wol
tuen, so die nun ü. kummt.' Zwingli. ,Wo das [Pa-
rität der Confessionen] ü. käme, wurd eins nach dem
andern [vom alten Glauben] hinfallen.' 1528, Val.
TscHUDi. ,Ü. län', hingehen lassen: ,Redt einer in
Geheim, so lass es überhin, ne eures.' Cato 1648.
S. noch ü.-haben Sp. 893. — b) mit ,vor': gegenüber Z.
,Im Dorf, z'nächst vor der Schuol überen.' 1648, Hotz,
Urk. Vgl.: ,Vor dem Kornhaus hinüber.' Z Müller-
ordu. 1770. — 2. überdies. ,Er, dessen Vater zum
Teil ins Verderben geraten, überhin auf einmal drei
Söhne des Königs Diensten gewidmet.' VMey. 1762.
— 3. vom Maasse a) Übermaass, zu viel, zu hoch L.
— b) Überfluss. Uberhi und uberha, mehr als genug
BR. S. noch em-ü.
Die W Form upjxt scheint zunächst für 'uppar, 'upphar
zu stehen, welches aus uberhar verk. sein müsste, viell. nach
Analogie von appa(r), abher. Eigentümlich ist auch F uober
als Gegs. zu dem zsges. oberha. , Oberhin' i. S. v. ,her-über'
schon 1597, LMalt. Amtsr. : ,Was für obs von böunien vm
einem anderen guet einem anderen uf das syn ü. fallt' ; und
so nicht selten in ä. Litt. ,Ü.' im Wechsel mit einfachem
,über': ,Über ein Fluss setzen, überen fahren.' Denzl. 1677
= ,über f.' 1716. ,Oberin.' 1540/73, UMey., Chr. .Überen.'
Vogelb. 1557; Anf. XVII., Mise. Tig.; 17.S3, Gfrd. - Landau,
die Grenzfeste der bairischeu Pfalz, wurde seit dem dreissig-
jährigen Krieg sehr häufig belagert, zum letzten Mal 1793.
,oben-M&ere; perfunctorie.' Id. B. — em-, am-
überhin, in W am-uppa: wieder herüber BmO.; W.
Vor-em Jär hed is Maji [unser Mariechen] allzig
iippa g'lotzet [immer hinüber geguckt zum Liebsten],
iez [als Verheiratete] lotzet 's amiippa. Amuberhi und
amuberha, hinüber und herüber, in jeder Richtung,
Beziehung, vollkommen. Die tue' 's enandere" a. und
a., sind gut genug für einander, passen zusammen,
z.B. zum Heiraten BBe. Vgl Bd I 221.
1325
Hau. heil, hin, Imii, liun
vor-, in B rer-übere: vorbei B; Z. Bc Schrecken
ist V. .Sobald dise Zeit fürüberen.- JMüll. 1673. —
Eine Verquickang des (syn.) überen mit dem hd. .vorüber'.
hier-überh.: unterdessen. .Sollte es sich h. be-
geben, dass . . .' B Mand. 1716.
üf-hin, meist ufefnj und zwar mit Beibehaltung
der alten Länge in BBiel, Ha. (uifi, üfi, üfen, aber auch
üffi geg. Ufa); ülK.; LHabsh.; aScHW; Uw; \] (uifa,
uifi); ZErl., Wäd.. od. wenigstens mit «'; uffe BsStdt;
GRVal.; ScH, iiffi GRHald.; GSa.. ühe bzw. xiha BO,
(gegenüber ühi, It ImOb. u-ha g. u'hi); GRValz. (g. Tihi) ;
GO., uhe kk; BBurgd.; GMarb. (g. uhi); S, wuhi, tvohi
FS., liehe Aa; Bü. (g. uehi), U.; FJ.; GrV. (g. uehi,
ue-i); S; W (g. uehi), oha BSigr. u. Si. (g. ofci). ueche
BBe., E. ; SG.; W, uej^i W, w-e, «e-e, ueXk; Ap (g. «-»);
GRMai. (g. we-!). V.; L; GA., Rh., T., W. (g. ue-i); Soh;
S; Th; ZKn., Lag., 0., Sth., una Ap (g. uni); Bs; G:
1. hin-, herauf. Syn. abr-, embr-üf. U. chö"! ruft
die Gloclie der Bergkapelle. Der. Ü. cho', in öko-
nomischer oder politischer Hinsicht emporkommen L;
Sch; in der Schule oder übh. an einen höhern Platz
versetzt werden Bs; Sch; Z; von Sachen 1) im Preise
aufschlagen Sch. 2) aus dem Magen zurück kommen;
es ist z' underufa cho" oder: es trlbt 's iieha BO.;
Ei"m nie Bireli u. cho', zu viel werden (auch bildl.).
Ndw Kai. 1886; vgl. dazu: ganz Chnölle' [Klumpen
Von Schleim] unna tue" Ap. 3) beängstigend in den
Sinn kommen, schwer aufs Herz fallen Schw. De""
isch-mer aw'' u. cho', ivie-n-i'^ i' mV'm Lebe' so Mängs
u'g'schickt a'g'chert ha'. DKyd. Es ist-mer uehi
g'gange", stieg mir in den Kopf, ich wurde entrüstet,
errötete BHk. S. noch u.-gä" Sp. 14. 's Laub ist,
mag uehe, der Trieb erreicht auf seinem Fortschreiten
von Tal zu Berg die obersten Höhen S; ZO. Ufe"
regne', in den Schnee auf den Bergen Gl. (Einen)
s' oberst (in Himmel ufe 1) ue tue, aufs Höchste
loben Ap. 's Wetter u. stelle", drucke', das Barometer
in die Höhe treiben ScflSt. ,Dem grad [Grat] nach
ufhin.' 1456, Kind, Urk. ,In korb zuch man vil stain
uffin.' HsStock. 1519. ,Wär er vorhin d' oben g'syn,
was hett er dörfen [nötig gehabt] farn ufhin?' UEckst.
,Uoch hat es hüt ab, morn wider ufhi [geschlagen].'
Sicher 1531. ,Aufsehen haben auf die brüeder, dass
sie nicht weiter aufen sitzen zu bettlen.' 1550, SchwE.
Klosterarch. ,Ich was underhi under den felsen ge-
fallen, . . . bald gieng ich wider ufhi zu inen.' ThPlatt.
1572. Nummeriert ,nach dem ersten ufhin [aufwärts],
wie wyt es dann gat.' 1594, Seg. EG. Hol no''' ei
Moss Win ufi [aus dem Keller]! Göldi 1712. .Rechts
aufhin zum Zunfthaus.' 1779, Z Ges. — 2. oben. Da
tife ZOss. „Ueha, droben BO." Dert uhi BBe. Uf
höjen Flüehnen uohi BBe.
Die Verkürzung des u mag Folge der Assimilation von
fh, viell. aber auch Anlehnung an das kurze u der Präp.
sein. Betr. ch statt h gilt das zu abhin Bemerkte; der
Unterschied zwischen beiden Spiranten ist gering; das/ wird
als Verdickung des h nach Ausfall des /, und dieser Ausfall
wie der des b bei ahhin aus Streben nach kürzerer und be-
quemerer Ausspr. zu erklären sein. Der unigek. Ausfall
des h nach / bedarf noch weniger einer weitern Erklärung,
da h der schwächere Laut ist. Ue vor h, ch beruht zunächst
auf einer Mittelstufe mit durch Einwirkung eben dieser Con-
sonanten verdumpftem u^ ; vgl. die weitverbreitete Ausspr.
miech neben mi^t-h und im alten Allemann. «o vor h für ü
(hier freilich viell. nur die Trübung, einen Mittellaut zw.
II und o bezeichnend) entsprechend le statt i in der selben
Lage. Von diesem «e verschieden ist das aus uhc durch
Ausstossung des h. entstehende u-e, dessen Bestandteile bis
zu Einsilbigkeit zsgerückt werden können, o ist wahrsch.
nur jenes trübe k* = ue, uo, mit stärkerem Hervortreten des
secundären Vocals. In wuhi hat sich aus dem u ein vor-
geschlagenes w entwickelt. In ueje ist j statt h eingetreten
oder direkt zur Füllung des Hiatus. In uni ist n entw.
•eben dieses HiatusfUllende, das unsere Sprache überh. an-
wendet, auch wo ihm kein altes n zu Grunde liegt, oder es
ist zu erklären aus der vollem, alten Form ü/en neben w/,
mit Ausstossung des/, also aus u/(e)n-hi'.
über-u.: hinauf, bes. in ein oberes Stockwerk Aa;
Ap; B; Sch; TJ; Z; in ApTrog. spec. = in das Gefäng-
niss. — em-u. BHk., um-, ambr-uecha, -iiea W: 1. (wie-
der) hinauf BmO.; W. Syn. embr-üf. — 2. oben W.
— un(d)e(n)-, in BE. uijer-: von unten herauf B; Z.
Wenn-me' Chirsi g'winnt [pflückt], se sell-me u. a'foh.
,Undenufhin.' Zwingli. — vor-: 1. vorn (z.B. am
Hause) herauf Ap; Z. „Von aussen herauf." ,Das
Wasser vorufi', längs dem W. auf der herwärtigen
Seite aufwärts. 1521, Strickl. — 2. im Aufwärtsgehen
Gl; gg. Syn. im Ufe-Weg. — für-: 1. auf dem
Wege her- oder hinauf Ap; Gr. — 2. veruhi, aufwärts
B luO., bereits vorbei aufwärts BLenk. — 3. weiter
oben B (Zyro). — hin-: pleonastisch für einfaches
, ufhin': hinauf. ,Bis in den palast hinaufhin.' 1588,
ScHwE. Klosterarch. — rain-: steil aufwärts, bergauf
Zg. — dur '=''-: (gerade, fortgesetzt) hinauf. Was
Jiänd si hüt z' Glaris obe', dass d' Herren eso drufe'
gütschled. Gl Volksgespr. — zent- s. z' End.
ufert-, offert-hin s. nunforthin.
after-hin: späterhin. 1476, Bs Chr. II 42'2, '20.
um-h. umhi BmO. (gegenüber umha); F (auch
omhi); S, umha GnEh.; W (auch iiiiipha), umfe Gr
Splüg., ummi, umma GMarb., ommi, umma Ap; GSa.,
sonst meist umme: 1. räumlich a) Umgebung, umher,
herum Bs; B; S; W; Z. In Verbindung mit Vben
der Bewegung bezeichnet es Verbreitung der Tätig-
keit über einen Raum, oft, bes. auch bei Intrans. in
prägn. Weise ein unbestimmtes, zweckloses Tun oder
Verhalten mit üblem Nbbegriff. U. zieh" 1) tr., auch
ume'-schleike', (mit Etw.) „unbehutsam manipulieren
und es dadurch verderben", immer davon reden, bes.
in hämischer Absicht Uw; Z; (Jmdn) übel behandeln
durch Verläumdung oder Procosse L; Zg; Z, „hän-
seln"; i" de' Ziti'ge' ommazücha" Ap; herum-reissen,
-zerren Ap; Z, spec. Weibspersonen antasten Ap; Bs;
L; Zg; Z, eine Solche „als Dirne behandeln, mit sich
schleppen"; , einem Frauenzimmer den Hof machen;
me' »iHf.ss dem Wtbszimmer Er aHue' und es e Bitzeli
u.' Spreng. — 2) intr., müssig umherziehn. allg. We-
niger gilt der üble Nbbegritt' von an Öppis u. mache'
ScH; Z 1) womit beschäftigt sein, es langsam vor-
bereiten. An-ere" Chranket u. m. 2) Etw. gerne haben
wollen. Mer mache'd scho' lang an-ere' Chueh, an
öppis Eigenem [einem eigenen Gewerbe, Hause] u.
3) unpers. Es macht a' Eigen u. Ganz ohneNbbed.:
Si''' anemen Ort nit u. chenne" [zurechtfinden] B.
U. [unter den Leuten bekannt, ruchbar geworden]
si' Z, und so auch u. cho' Sch; Z. U. träge', Neuig-
keiten , auch blosses Geschwätz und Gerücht aus
Klatschsucht verbreiten. Öppis u. träge", u-ie d' Chats
die Junge'. Sulger. ,Den Pfarrer herumtragen [näm-
lich in den Mäulern].' 1763. Mey., Wetzik. Ähnlich
1327
Han.
en. hin, hon, huii
1328
u. säge" B; spec, von einem Todesfall: zum Leichen-
begängniss bitten Ap; Z. Von ungefährer Zeitangabe:
Birne [bei einem] Jär u., ungefähr 1 J. BE. Urne
Nüni II., ungefähr um 9 Uhr GRPr. (ummer); S; Z.
Unbestimmte Ortsangabe: Umhahi, irgendwohin BSi.
,Umen spazieren.' HsStock. 1519. ,Von Wallis um
Bern ummen.' 1529, Strickl. ,Der tüfel gat umben.'.
HBüLL. 1572. ,An der nähe umb Esch umbhin.' ZÄsch.
— b) in der Nähe vorhanden, im Vorrat, im Werlie,
meist mit ,sein' und , haben'. Hast, hat 's Ntld u.,
ist Nichts vorhanden, zu bekommen? Gl; Schw; Zg; Z.
Händ-er N. u.? fragt der Metzger die Bauern, denen
er Vieh abkaufen will Z. Eini (Öppis) u. ha", irgendwo
[heimlich] eine Geliebte haben Z. Er ist nienen u.,
nirgends in der Nähe zu finden Gl; Z. Er n-ird ivol
näumen [irgendwo] u. st". Es ist Keine'' so ii., es
gibt keinen solchen Menschen BLenk; Z. Es ist Öppis
u. Z; syn. um de" Weg. Öppis u. merle", Etwas in
der Nähe spüren Z. Gleichbed. verst. : ii. und ane;
s. 1 d. — c) auf die Seite. (Gösch) [gehst du] u. !
Ruf an das Stallvieh Bs; Z. U. ha, eine Wendung
machen ZO. J«* wef't uege" Dem nüd «. luege", Aus-
druck der Geringschätzung Z. ,l)ie 5 Btzn haben uns
nicht gereut, es ist das nicht, dass wir wegen 5 Btzn
u. luegen müssten.' Gotth. Öpjyis [ein Kraftstück
udgl.] tue" öni u. z' luege", mit Leichtigkeit, ohne an
den Tag zu legen, dass es Mühe kostet Z. ,An die
Hand, an der er keinen Platz ab hat, kann ich ihm
kommen, so oft ich will; er sieht nicht nebe u.'
Gotth. Nit u. luege", rücksichtslos handeln ; unbillig,
schonungslos sein S. Si hei" nit nebe'ume" g'luegt,
kehrten sich nicht an meine Bitte. Gotth. Im Ume-
luege", schnell S. V. schlä", im Herbst aus der Grün-
zur Heufütterung übergehen ZO. Einen u. bi'inge',
ne", umstimmen, von Etw. abbringen B; ^VO;" Gl;
G; ScH; Z. — d) hin, her, dar, mit Vben der Be-
wegung, z. B. clmmm do u., komm hieher! u. due, hin-
legen, -tragen, -schalfen AAZein.; kei"" Schritt det u.
due, dorthin, in jener Richtung; u. luege, hinsehen;
u. sitze", bei Einem s.; u. stä, hinstehen Bs. S. noch
Sp. 898. U. ne, her, hart mitnehmen, kritisieren SStdt,
überlisten GTa. U. ge, hergeben ; u. länge, darreichen
AAZein.; Bs; S. U. und anne" (änne" AiBb.; 1,),
umha und anha BR.; GrD., Pr.: 1) hin und her, hin
und zurück, da und dorthin B; Gl; ScHSt: S; Z; Syn.
um-enand. Er mag no''< so u. und a. g'cho", mühsam
gehen (von einem Alten) Z. U. und a. lueg